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Immerhin: Mehr und mehr Deutsche fahren nach Israel, sie wollen ein anderes Narrativ h\u00f6ren. Mehr und mehr Deutsche verstehen, dass Antisemitismus Schockwellen ausl\u00f6st, die die gesamte Gesellschaft betreffen. In einem normalen Universum w\u00fcrde Klein bef\u00f6rdert werden f\u00fcr seine Leistung. In einer verdrehten Gesellschaft fordern Menschen seine Entlassung. Um es mit Mbembe zu sagen: Das ist Nano-Nonsens.<\/p>\n\n\n\n

\u00dcbersetzung: Ariane Lemme<\/a><\/em><\/p>\n","post_title":"Felix Klein hat verstanden","post_excerpt":"","post_status":"publish","comment_status":"closed","ping_status":"closed","post_password":"","post_name":"felix-klein-hat-verstanden","to_ping":"","pinged":"","post_modified":"2025-02-02 08:39:39","post_modified_gmt":"2025-02-02 08:39:39","post_content_filtered":"","post_parent":0,"guid":"https:\/\/dctransparency.com\/?p=3786","menu_order":0,"post_type":"post","post_mime_type":"","comment_count":"0","filter":"raw"}],"next":false,"prev":true,"total_page":47},"paged":1,"column_class":"jeg_col_2o3","class":"epic_block_3"};

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Felix Klein versteht, wie absurd es ist, zu sagen: Es sind nur die Rechten. Die Rechten sind Deutsche, so wie die Nazis Deutsche waren. Klein versteht, dass die Deutschen nicht aufgeh\u00f6rt haben, Juden zu ermorden, weil sie irgendeine Art von Erleuchtung hatten. Sondern schlicht, weil sie den Krieg verloren haben. Um den Antisemitismus zu bek\u00e4mpfen, bevor er die Gesellschaft frisst, in der er und wir leben, muss Deutschland seinen moralischen Kompass korrigieren.<\/p>\n\n\n\n

Immerhin: Mehr und mehr Deutsche fahren nach Israel, sie wollen ein anderes Narrativ h\u00f6ren. Mehr und mehr Deutsche verstehen, dass Antisemitismus Schockwellen ausl\u00f6st, die die gesamte Gesellschaft betreffen. In einem normalen Universum w\u00fcrde Klein bef\u00f6rdert werden f\u00fcr seine Leistung. In einer verdrehten Gesellschaft fordern Menschen seine Entlassung. Um es mit Mbembe zu sagen: Das ist Nano-Nonsens.<\/p>\n\n\n\n

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F\u00e4lle wie dieser handeln bereits von Gewalt \u2013 und sie enden nicht bei den Juden. Der Hass richtet sich gegen Frauen<\/a>, Muslime, Gefl\u00fcchtete, \u00adLBTQI. Am Ende aller theoretischen Debatten stehen immer echte Menschen. Am Ende jeder Konferenz dar\u00fcber, was Antisemitismus ausmacht, steht ein potenzielles j\u00fcdisches Opfer. Angesichts einer Welle von Antisemitismus \u00fcber die Definition von Antisemitismus zu streiten ist, wie eine 10 Meter hohe Welle heranrollen zu sehen und dar\u00fcber zu streiten, was einen Tsunami ausmacht.<\/p>\n\n\n\n

Felix Klein versteht, wie absurd es ist, zu sagen: Es sind nur die Rechten. Die Rechten sind Deutsche, so wie die Nazis Deutsche waren. Klein versteht, dass die Deutschen nicht aufgeh\u00f6rt haben, Juden zu ermorden, weil sie irgendeine Art von Erleuchtung hatten. Sondern schlicht, weil sie den Krieg verloren haben. Um den Antisemitismus zu bek\u00e4mpfen, bevor er die Gesellschaft frisst, in der er und wir leben, muss Deutschland seinen moralischen Kompass korrigieren.<\/p>\n\n\n\n

Immerhin: Mehr und mehr Deutsche fahren nach Israel, sie wollen ein anderes Narrativ h\u00f6ren. Mehr und mehr Deutsche verstehen, dass Antisemitismus Schockwellen ausl\u00f6st, die die gesamte Gesellschaft betreffen. In einem normalen Universum w\u00fcrde Klein bef\u00f6rdert werden f\u00fcr seine Leistung. In einer verdrehten Gesellschaft fordern Menschen seine Entlassung. Um es mit Mbembe zu sagen: Das ist Nano-Nonsens.<\/p>\n\n\n\n

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Ich w\u00fcnschte, die Sache h\u00e4tte mit dem Artikel, mit der Petition geendet. Doch dann erschien ein Artikel, der den Leser auf einen Waldspaziergang mit einem veganen Koch und Antisemiten mitnahm. Darin setzt der Tierfreund erst behutsam einen K\u00e4fer wieder auf seine Beinchen und erkl\u00e4rt dann, dass die Todesstrafe in Deutschland wieder eingef\u00fchrt werden solle, um einen gewissen Politiker (der zuf\u00e4llig pro Israel ist) an seinen Hoden aufh\u00e4ngen zu k\u00f6nnen. Dieser Koch hat Hunderttausende Follower, er sagt all solche Dinge am helllichten Tag in Berlin. Und in den Medien.<\/p>\n\n\n\n

F\u00e4lle wie dieser handeln bereits von Gewalt \u2013 und sie enden nicht bei den Juden. Der Hass richtet sich gegen Frauen<\/a>, Muslime, Gefl\u00fcchtete, \u00adLBTQI. Am Ende aller theoretischen Debatten stehen immer echte Menschen. Am Ende jeder Konferenz dar\u00fcber, was Antisemitismus ausmacht, steht ein potenzielles j\u00fcdisches Opfer. Angesichts einer Welle von Antisemitismus \u00fcber die Definition von Antisemitismus zu streiten ist, wie eine 10 Meter hohe Welle heranrollen zu sehen und dar\u00fcber zu streiten, was einen Tsunami ausmacht.<\/p>\n\n\n\n

Felix Klein versteht, wie absurd es ist, zu sagen: Es sind nur die Rechten. Die Rechten sind Deutsche, so wie die Nazis Deutsche waren. Klein versteht, dass die Deutschen nicht aufgeh\u00f6rt haben, Juden zu ermorden, weil sie irgendeine Art von Erleuchtung hatten. Sondern schlicht, weil sie den Krieg verloren haben. Um den Antisemitismus zu bek\u00e4mpfen, bevor er die Gesellschaft frisst, in der er und wir leben, muss Deutschland seinen moralischen Kompass korrigieren.<\/p>\n\n\n\n

Immerhin: Mehr und mehr Deutsche fahren nach Israel, sie wollen ein anderes Narrativ h\u00f6ren. Mehr und mehr Deutsche verstehen, dass Antisemitismus Schockwellen ausl\u00f6st, die die gesamte Gesellschaft betreffen. In einem normalen Universum w\u00fcrde Klein bef\u00f6rdert werden f\u00fcr seine Leistung. In einer verdrehten Gesellschaft fordern Menschen seine Entlassung. Um es mit Mbembe zu sagen: Das ist Nano-Nonsens.<\/p>\n\n\n\n

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Der Antisemit als Tierfreund<\/h6>\n\n\n\n

Ich w\u00fcnschte, die Sache h\u00e4tte mit dem Artikel, mit der Petition geendet. Doch dann erschien ein Artikel, der den Leser auf einen Waldspaziergang mit einem veganen Koch und Antisemiten mitnahm. Darin setzt der Tierfreund erst behutsam einen K\u00e4fer wieder auf seine Beinchen und erkl\u00e4rt dann, dass die Todesstrafe in Deutschland wieder eingef\u00fchrt werden solle, um einen gewissen Politiker (der zuf\u00e4llig pro Israel ist) an seinen Hoden aufh\u00e4ngen zu k\u00f6nnen. Dieser Koch hat Hunderttausende Follower, er sagt all solche Dinge am helllichten Tag in Berlin. Und in den Medien.<\/p>\n\n\n\n

F\u00e4lle wie dieser handeln bereits von Gewalt \u2013 und sie enden nicht bei den Juden. Der Hass richtet sich gegen Frauen<\/a>, Muslime, Gefl\u00fcchtete, \u00adLBTQI. Am Ende aller theoretischen Debatten stehen immer echte Menschen. Am Ende jeder Konferenz dar\u00fcber, was Antisemitismus ausmacht, steht ein potenzielles j\u00fcdisches Opfer. Angesichts einer Welle von Antisemitismus \u00fcber die Definition von Antisemitismus zu streiten ist, wie eine 10 Meter hohe Welle heranrollen zu sehen und dar\u00fcber zu streiten, was einen Tsunami ausmacht.<\/p>\n\n\n\n

Felix Klein versteht, wie absurd es ist, zu sagen: Es sind nur die Rechten. Die Rechten sind Deutsche, so wie die Nazis Deutsche waren. Klein versteht, dass die Deutschen nicht aufgeh\u00f6rt haben, Juden zu ermorden, weil sie irgendeine Art von Erleuchtung hatten. Sondern schlicht, weil sie den Krieg verloren haben. Um den Antisemitismus zu bek\u00e4mpfen, bevor er die Gesellschaft frisst, in der er und wir leben, muss Deutschland seinen moralischen Kompass korrigieren.<\/p>\n\n\n\n

Immerhin: Mehr und mehr Deutsche fahren nach Israel, sie wollen ein anderes Narrativ h\u00f6ren. Mehr und mehr Deutsche verstehen, dass Antisemitismus Schockwellen ausl\u00f6st, die die gesamte Gesellschaft betreffen. In einem normalen Universum w\u00fcrde Klein bef\u00f6rdert werden f\u00fcr seine Leistung. In einer verdrehten Gesellschaft fordern Menschen seine Entlassung. Um es mit Mbembe zu sagen: Das ist Nano-Nonsens.<\/p>\n\n\n\n

\u00dcbersetzung: Ariane Lemme<\/a><\/em><\/p>\n","post_title":"Felix Klein hat verstanden","post_excerpt":"","post_status":"publish","comment_status":"closed","ping_status":"closed","post_password":"","post_name":"felix-klein-hat-verstanden","to_ping":"","pinged":"","post_modified":"2025-02-02 08:39:39","post_modified_gmt":"2025-02-02 08:39:39","post_content_filtered":"","post_parent":0,"guid":"https:\/\/dctransparency.com\/?p=3786","menu_order":0,"post_type":"post","post_mime_type":"","comment_count":"0","filter":"raw"}],"next":false,"prev":true,"total_page":47},"paged":1,"column_class":"jeg_col_2o3","class":"epic_block_3"};

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Kurz bevor der Prozess gegen den wegen des Attentats von Halle<\/a> Angeklagten begann \u2013 des seit Kriegsende schlimmsten Akts von Antisemitismus in Deutschland \u2013, lud eine Lokalzeitung den fr\u00fcheren Botschafter Shimon Stein und den Historiker Moshe Zimmermann ein, dar\u00fcber zu schreiben, was Antisemitismus ist. Nat\u00fcrlich wendeten auch sie sich gegen Felix Kleins Ansatz. Sie zitieren die Kontroverse um die Umbenennung der U-Bahn-Station Mohrenstra\u00dfe in Glinkastra\u00dfe, die sich darum drehte, dass der russische Komponist Michael Glinka Antisemit gewesen sein soll. Stein und Zimmermann halten die Debatte f\u00fcr \u00fcberzogen, Glinka sei nur ein Kind seiner Zeit gewesen. Folgt man ihrer Logik, k\u00f6nnen wir dann also in 20 oder 30 Jahren U-Bahn-Stationen nach den Kindern der 1930er Jahre benennen?<\/p>\n\n\n\n

Der Antisemit als Tierfreund<\/h6>\n\n\n\n

Ich w\u00fcnschte, die Sache h\u00e4tte mit dem Artikel, mit der Petition geendet. Doch dann erschien ein Artikel, der den Leser auf einen Waldspaziergang mit einem veganen Koch und Antisemiten mitnahm. Darin setzt der Tierfreund erst behutsam einen K\u00e4fer wieder auf seine Beinchen und erkl\u00e4rt dann, dass die Todesstrafe in Deutschland wieder eingef\u00fchrt werden solle, um einen gewissen Politiker (der zuf\u00e4llig pro Israel ist) an seinen Hoden aufh\u00e4ngen zu k\u00f6nnen. Dieser Koch hat Hunderttausende Follower, er sagt all solche Dinge am helllichten Tag in Berlin. Und in den Medien.<\/p>\n\n\n\n

F\u00e4lle wie dieser handeln bereits von Gewalt \u2013 und sie enden nicht bei den Juden. Der Hass richtet sich gegen Frauen<\/a>, Muslime, Gefl\u00fcchtete, \u00adLBTQI. Am Ende aller theoretischen Debatten stehen immer echte Menschen. Am Ende jeder Konferenz dar\u00fcber, was Antisemitismus ausmacht, steht ein potenzielles j\u00fcdisches Opfer. Angesichts einer Welle von Antisemitismus \u00fcber die Definition von Antisemitismus zu streiten ist, wie eine 10 Meter hohe Welle heranrollen zu sehen und dar\u00fcber zu streiten, was einen Tsunami ausmacht.<\/p>\n\n\n\n

Felix Klein versteht, wie absurd es ist, zu sagen: Es sind nur die Rechten. Die Rechten sind Deutsche, so wie die Nazis Deutsche waren. Klein versteht, dass die Deutschen nicht aufgeh\u00f6rt haben, Juden zu ermorden, weil sie irgendeine Art von Erleuchtung hatten. Sondern schlicht, weil sie den Krieg verloren haben. Um den Antisemitismus zu bek\u00e4mpfen, bevor er die Gesellschaft frisst, in der er und wir leben, muss Deutschland seinen moralischen Kompass korrigieren.<\/p>\n\n\n\n

Immerhin: Mehr und mehr Deutsche fahren nach Israel, sie wollen ein anderes Narrativ h\u00f6ren. Mehr und mehr Deutsche verstehen, dass Antisemitismus Schockwellen ausl\u00f6st, die die gesamte Gesellschaft betreffen. In einem normalen Universum w\u00fcrde Klein bef\u00f6rdert werden f\u00fcr seine Leistung. In einer verdrehten Gesellschaft fordern Menschen seine Entlassung. Um es mit Mbembe zu sagen: Das ist Nano-Nonsens.<\/p>\n\n\n\n

\u00dcbersetzung: Ariane Lemme<\/a><\/em><\/p>\n","post_title":"Felix Klein hat verstanden","post_excerpt":"","post_status":"publish","comment_status":"closed","ping_status":"closed","post_password":"","post_name":"felix-klein-hat-verstanden","to_ping":"","pinged":"","post_modified":"2025-02-02 08:39:39","post_modified_gmt":"2025-02-02 08:39:39","post_content_filtered":"","post_parent":0,"guid":"https:\/\/dctransparency.com\/?p=3786","menu_order":0,"post_type":"post","post_mime_type":"","comment_count":"0","filter":"raw"}],"next":false,"prev":true,"total_page":47},"paged":1,"column_class":"jeg_col_2o3","class":"epic_block_3"};

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Diese Art der Kritik ist gef\u00e4hrlich. Sie schw\u00e4cht jede begr\u00fcndete und notwendige Kritik am Verhalten Israels. Und das Interessante ist: Trotz all der heftigen, pauschalisierenden Anklagen, all der offenen Briefe driftet Israel politisch immer weiter nach rechts. Doch statt mal einen anderen Ansatz zu versuchen, werden die antiisraelischen Stimmen nur lauter. Dasselbe versuchen und andere Ergebnisse davon erwarten \u2013 das ist die Definition von Wahnsinn.<\/p>\n\n\n\n

Kurz bevor der Prozess gegen den wegen des Attentats von Halle<\/a> Angeklagten begann \u2013 des seit Kriegsende schlimmsten Akts von Antisemitismus in Deutschland \u2013, lud eine Lokalzeitung den fr\u00fcheren Botschafter Shimon Stein und den Historiker Moshe Zimmermann ein, dar\u00fcber zu schreiben, was Antisemitismus ist. Nat\u00fcrlich wendeten auch sie sich gegen Felix Kleins Ansatz. Sie zitieren die Kontroverse um die Umbenennung der U-Bahn-Station Mohrenstra\u00dfe in Glinkastra\u00dfe, die sich darum drehte, dass der russische Komponist Michael Glinka Antisemit gewesen sein soll. Stein und Zimmermann halten die Debatte f\u00fcr \u00fcberzogen, Glinka sei nur ein Kind seiner Zeit gewesen. Folgt man ihrer Logik, k\u00f6nnen wir dann also in 20 oder 30 Jahren U-Bahn-Stationen nach den Kindern der 1930er Jahre benennen?<\/p>\n\n\n\n

Der Antisemit als Tierfreund<\/h6>\n\n\n\n

Ich w\u00fcnschte, die Sache h\u00e4tte mit dem Artikel, mit der Petition geendet. Doch dann erschien ein Artikel, der den Leser auf einen Waldspaziergang mit einem veganen Koch und Antisemiten mitnahm. Darin setzt der Tierfreund erst behutsam einen K\u00e4fer wieder auf seine Beinchen und erkl\u00e4rt dann, dass die Todesstrafe in Deutschland wieder eingef\u00fchrt werden solle, um einen gewissen Politiker (der zuf\u00e4llig pro Israel ist) an seinen Hoden aufh\u00e4ngen zu k\u00f6nnen. Dieser Koch hat Hunderttausende Follower, er sagt all solche Dinge am helllichten Tag in Berlin. Und in den Medien.<\/p>\n\n\n\n

F\u00e4lle wie dieser handeln bereits von Gewalt \u2013 und sie enden nicht bei den Juden. Der Hass richtet sich gegen Frauen<\/a>, Muslime, Gefl\u00fcchtete, \u00adLBTQI. Am Ende aller theoretischen Debatten stehen immer echte Menschen. Am Ende jeder Konferenz dar\u00fcber, was Antisemitismus ausmacht, steht ein potenzielles j\u00fcdisches Opfer. Angesichts einer Welle von Antisemitismus \u00fcber die Definition von Antisemitismus zu streiten ist, wie eine 10 Meter hohe Welle heranrollen zu sehen und dar\u00fcber zu streiten, was einen Tsunami ausmacht.<\/p>\n\n\n\n

Felix Klein versteht, wie absurd es ist, zu sagen: Es sind nur die Rechten. Die Rechten sind Deutsche, so wie die Nazis Deutsche waren. Klein versteht, dass die Deutschen nicht aufgeh\u00f6rt haben, Juden zu ermorden, weil sie irgendeine Art von Erleuchtung hatten. Sondern schlicht, weil sie den Krieg verloren haben. Um den Antisemitismus zu bek\u00e4mpfen, bevor er die Gesellschaft frisst, in der er und wir leben, muss Deutschland seinen moralischen Kompass korrigieren.<\/p>\n\n\n\n

Immerhin: Mehr und mehr Deutsche fahren nach Israel, sie wollen ein anderes Narrativ h\u00f6ren. Mehr und mehr Deutsche verstehen, dass Antisemitismus Schockwellen ausl\u00f6st, die die gesamte Gesellschaft betreffen. In einem normalen Universum w\u00fcrde Klein bef\u00f6rdert werden f\u00fcr seine Leistung. In einer verdrehten Gesellschaft fordern Menschen seine Entlassung. Um es mit Mbembe zu sagen: Das ist Nano-Nonsens.<\/p>\n\n\n\n

\u00dcbersetzung: Ariane Lemme<\/a><\/em><\/p>\n","post_title":"Felix Klein hat verstanden","post_excerpt":"","post_status":"publish","comment_status":"closed","ping_status":"closed","post_password":"","post_name":"felix-klein-hat-verstanden","to_ping":"","pinged":"","post_modified":"2025-02-02 08:39:39","post_modified_gmt":"2025-02-02 08:39:39","post_content_filtered":"","post_parent":0,"guid":"https:\/\/dctransparency.com\/?p=3786","menu_order":0,"post_type":"post","post_mime_type":"","comment_count":"0","filter":"raw"}],"next":false,"prev":true,"total_page":47},"paged":1,"column_class":"jeg_col_2o3","class":"epic_block_3"};

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Weil Attacken gegen Juden ein absolutes Tabu sind, wurden Umwege gefunden, um den Antisemitismus auf kleiner Flamme k\u00f6cheln zu lassen: die unfundierte, unbegr\u00fcndete Kritik an Israel.<\/p>\n\n\n\n

Diese Art der Kritik ist gef\u00e4hrlich. Sie schw\u00e4cht jede begr\u00fcndete und notwendige Kritik am Verhalten Israels. Und das Interessante ist: Trotz all der heftigen, pauschalisierenden Anklagen, all der offenen Briefe driftet Israel politisch immer weiter nach rechts. Doch statt mal einen anderen Ansatz zu versuchen, werden die antiisraelischen Stimmen nur lauter. Dasselbe versuchen und andere Ergebnisse davon erwarten \u2013 das ist die Definition von Wahnsinn.<\/p>\n\n\n\n

Kurz bevor der Prozess gegen den wegen des Attentats von Halle<\/a> Angeklagten begann \u2013 des seit Kriegsende schlimmsten Akts von Antisemitismus in Deutschland \u2013, lud eine Lokalzeitung den fr\u00fcheren Botschafter Shimon Stein und den Historiker Moshe Zimmermann ein, dar\u00fcber zu schreiben, was Antisemitismus ist. Nat\u00fcrlich wendeten auch sie sich gegen Felix Kleins Ansatz. Sie zitieren die Kontroverse um die Umbenennung der U-Bahn-Station Mohrenstra\u00dfe in Glinkastra\u00dfe, die sich darum drehte, dass der russische Komponist Michael Glinka Antisemit gewesen sein soll. Stein und Zimmermann halten die Debatte f\u00fcr \u00fcberzogen, Glinka sei nur ein Kind seiner Zeit gewesen. Folgt man ihrer Logik, k\u00f6nnen wir dann also in 20 oder 30 Jahren U-Bahn-Stationen nach den Kindern der 1930er Jahre benennen?<\/p>\n\n\n\n

Der Antisemit als Tierfreund<\/h6>\n\n\n\n

Ich w\u00fcnschte, die Sache h\u00e4tte mit dem Artikel, mit der Petition geendet. Doch dann erschien ein Artikel, der den Leser auf einen Waldspaziergang mit einem veganen Koch und Antisemiten mitnahm. Darin setzt der Tierfreund erst behutsam einen K\u00e4fer wieder auf seine Beinchen und erkl\u00e4rt dann, dass die Todesstrafe in Deutschland wieder eingef\u00fchrt werden solle, um einen gewissen Politiker (der zuf\u00e4llig pro Israel ist) an seinen Hoden aufh\u00e4ngen zu k\u00f6nnen. Dieser Koch hat Hunderttausende Follower, er sagt all solche Dinge am helllichten Tag in Berlin. Und in den Medien.<\/p>\n\n\n\n

F\u00e4lle wie dieser handeln bereits von Gewalt \u2013 und sie enden nicht bei den Juden. Der Hass richtet sich gegen Frauen<\/a>, Muslime, Gefl\u00fcchtete, \u00adLBTQI. Am Ende aller theoretischen Debatten stehen immer echte Menschen. Am Ende jeder Konferenz dar\u00fcber, was Antisemitismus ausmacht, steht ein potenzielles j\u00fcdisches Opfer. Angesichts einer Welle von Antisemitismus \u00fcber die Definition von Antisemitismus zu streiten ist, wie eine 10 Meter hohe Welle heranrollen zu sehen und dar\u00fcber zu streiten, was einen Tsunami ausmacht.<\/p>\n\n\n\n

Felix Klein versteht, wie absurd es ist, zu sagen: Es sind nur die Rechten. Die Rechten sind Deutsche, so wie die Nazis Deutsche waren. Klein versteht, dass die Deutschen nicht aufgeh\u00f6rt haben, Juden zu ermorden, weil sie irgendeine Art von Erleuchtung hatten. Sondern schlicht, weil sie den Krieg verloren haben. Um den Antisemitismus zu bek\u00e4mpfen, bevor er die Gesellschaft frisst, in der er und wir leben, muss Deutschland seinen moralischen Kompass korrigieren.<\/p>\n\n\n\n

Immerhin: Mehr und mehr Deutsche fahren nach Israel, sie wollen ein anderes Narrativ h\u00f6ren. Mehr und mehr Deutsche verstehen, dass Antisemitismus Schockwellen ausl\u00f6st, die die gesamte Gesellschaft betreffen. In einem normalen Universum w\u00fcrde Klein bef\u00f6rdert werden f\u00fcr seine Leistung. In einer verdrehten Gesellschaft fordern Menschen seine Entlassung. Um es mit Mbembe zu sagen: Das ist Nano-Nonsens.<\/p>\n\n\n\n

\u00dcbersetzung: Ariane Lemme<\/a><\/em><\/p>\n","post_title":"Felix Klein hat verstanden","post_excerpt":"","post_status":"publish","comment_status":"closed","ping_status":"closed","post_password":"","post_name":"felix-klein-hat-verstanden","to_ping":"","pinged":"","post_modified":"2025-02-02 08:39:39","post_modified_gmt":"2025-02-02 08:39:39","post_content_filtered":"","post_parent":0,"guid":"https:\/\/dctransparency.com\/?p=3786","menu_order":0,"post_type":"post","post_mime_type":"","comment_count":"0","filter":"raw"}],"next":false,"prev":true,"total_page":47},"paged":1,"column_class":"jeg_col_2o3","class":"epic_block_3"};

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Der mutma\u00dfliche Grund, warum kaum Deutsche die Petition unterzeichnet haben: Sie mussten es nicht. Ihre Lieblingsjuden haben es f\u00fcr sie getan. Jetzt k\u00f6nnen sie sagen: \u201eSchau, ich bin das ja nicht, meine j\u00fcdischen Freunde sagen es.\u201c Ich selbst war einige Jahre lang mit einem Paar hier in Berlin befreundet, bis ich herausfand, dass ich ihr Lieblingsjude war. Ja, selbst das j\u00fcdische Museum wurde so genutzt.<\/p>\n\n\n\n

Weil Attacken gegen Juden ein absolutes Tabu sind, wurden Umwege gefunden, um den Antisemitismus auf kleiner Flamme k\u00f6cheln zu lassen: die unfundierte, unbegr\u00fcndete Kritik an Israel.<\/p>\n\n\n\n

Diese Art der Kritik ist gef\u00e4hrlich. Sie schw\u00e4cht jede begr\u00fcndete und notwendige Kritik am Verhalten Israels. Und das Interessante ist: Trotz all der heftigen, pauschalisierenden Anklagen, all der offenen Briefe driftet Israel politisch immer weiter nach rechts. Doch statt mal einen anderen Ansatz zu versuchen, werden die antiisraelischen Stimmen nur lauter. Dasselbe versuchen und andere Ergebnisse davon erwarten \u2013 das ist die Definition von Wahnsinn.<\/p>\n\n\n\n

Kurz bevor der Prozess gegen den wegen des Attentats von Halle<\/a> Angeklagten begann \u2013 des seit Kriegsende schlimmsten Akts von Antisemitismus in Deutschland \u2013, lud eine Lokalzeitung den fr\u00fcheren Botschafter Shimon Stein und den Historiker Moshe Zimmermann ein, dar\u00fcber zu schreiben, was Antisemitismus ist. Nat\u00fcrlich wendeten auch sie sich gegen Felix Kleins Ansatz. Sie zitieren die Kontroverse um die Umbenennung der U-Bahn-Station Mohrenstra\u00dfe in Glinkastra\u00dfe, die sich darum drehte, dass der russische Komponist Michael Glinka Antisemit gewesen sein soll. Stein und Zimmermann halten die Debatte f\u00fcr \u00fcberzogen, Glinka sei nur ein Kind seiner Zeit gewesen. Folgt man ihrer Logik, k\u00f6nnen wir dann also in 20 oder 30 Jahren U-Bahn-Stationen nach den Kindern der 1930er Jahre benennen?<\/p>\n\n\n\n

Der Antisemit als Tierfreund<\/h6>\n\n\n\n

Ich w\u00fcnschte, die Sache h\u00e4tte mit dem Artikel, mit der Petition geendet. Doch dann erschien ein Artikel, der den Leser auf einen Waldspaziergang mit einem veganen Koch und Antisemiten mitnahm. Darin setzt der Tierfreund erst behutsam einen K\u00e4fer wieder auf seine Beinchen und erkl\u00e4rt dann, dass die Todesstrafe in Deutschland wieder eingef\u00fchrt werden solle, um einen gewissen Politiker (der zuf\u00e4llig pro Israel ist) an seinen Hoden aufh\u00e4ngen zu k\u00f6nnen. Dieser Koch hat Hunderttausende Follower, er sagt all solche Dinge am helllichten Tag in Berlin. Und in den Medien.<\/p>\n\n\n\n

F\u00e4lle wie dieser handeln bereits von Gewalt \u2013 und sie enden nicht bei den Juden. Der Hass richtet sich gegen Frauen<\/a>, Muslime, Gefl\u00fcchtete, \u00adLBTQI. Am Ende aller theoretischen Debatten stehen immer echte Menschen. Am Ende jeder Konferenz dar\u00fcber, was Antisemitismus ausmacht, steht ein potenzielles j\u00fcdisches Opfer. Angesichts einer Welle von Antisemitismus \u00fcber die Definition von Antisemitismus zu streiten ist, wie eine 10 Meter hohe Welle heranrollen zu sehen und dar\u00fcber zu streiten, was einen Tsunami ausmacht.<\/p>\n\n\n\n

Felix Klein versteht, wie absurd es ist, zu sagen: Es sind nur die Rechten. Die Rechten sind Deutsche, so wie die Nazis Deutsche waren. Klein versteht, dass die Deutschen nicht aufgeh\u00f6rt haben, Juden zu ermorden, weil sie irgendeine Art von Erleuchtung hatten. Sondern schlicht, weil sie den Krieg verloren haben. Um den Antisemitismus zu bek\u00e4mpfen, bevor er die Gesellschaft frisst, in der er und wir leben, muss Deutschland seinen moralischen Kompass korrigieren.<\/p>\n\n\n\n

Immerhin: Mehr und mehr Deutsche fahren nach Israel, sie wollen ein anderes Narrativ h\u00f6ren. Mehr und mehr Deutsche verstehen, dass Antisemitismus Schockwellen ausl\u00f6st, die die gesamte Gesellschaft betreffen. In einem normalen Universum w\u00fcrde Klein bef\u00f6rdert werden f\u00fcr seine Leistung. In einer verdrehten Gesellschaft fordern Menschen seine Entlassung. Um es mit Mbembe zu sagen: Das ist Nano-Nonsens.<\/p>\n\n\n\n

\u00dcbersetzung: Ariane Lemme<\/a><\/em><\/p>\n","post_title":"Felix Klein hat verstanden","post_excerpt":"","post_status":"publish","comment_status":"closed","ping_status":"closed","post_password":"","post_name":"felix-klein-hat-verstanden","to_ping":"","pinged":"","post_modified":"2025-02-02 08:39:39","post_modified_gmt":"2025-02-02 08:39:39","post_content_filtered":"","post_parent":0,"guid":"https:\/\/dctransparency.com\/?p=3786","menu_order":0,"post_type":"post","post_mime_type":"","comment_count":"0","filter":"raw"}],"next":false,"prev":true,"total_page":47},"paged":1,"column_class":"jeg_col_2o3","class":"epic_block_3"};

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Die Israelis, die die Petition unterzeichnet haben, haben \u00fcbrigens ebenfalls etwas verstanden. Seit Jahren wissen sie: Es ist ihre Eintrittskarte in die Mitte der deutschen (und europ\u00e4ischen) Gesellschaft. Man h\u00f6rt nicht oft von Akademikern mit proisraelischen Ansichten. Weder in den Philharmonie-Orchestern noch in der Kunstszene. Die Eintrittskarte daf\u00fcr ist ein antiisraelischer Standpunkt.<\/p>\n\n\n\n

Der mutma\u00dfliche Grund, warum kaum Deutsche die Petition unterzeichnet haben: Sie mussten es nicht. Ihre Lieblingsjuden haben es f\u00fcr sie getan. Jetzt k\u00f6nnen sie sagen: \u201eSchau, ich bin das ja nicht, meine j\u00fcdischen Freunde sagen es.\u201c Ich selbst war einige Jahre lang mit einem Paar hier in Berlin befreundet, bis ich herausfand, dass ich ihr Lieblingsjude war. Ja, selbst das j\u00fcdische Museum wurde so genutzt.<\/p>\n\n\n\n

Weil Attacken gegen Juden ein absolutes Tabu sind, wurden Umwege gefunden, um den Antisemitismus auf kleiner Flamme k\u00f6cheln zu lassen: die unfundierte, unbegr\u00fcndete Kritik an Israel.<\/p>\n\n\n\n

Diese Art der Kritik ist gef\u00e4hrlich. Sie schw\u00e4cht jede begr\u00fcndete und notwendige Kritik am Verhalten Israels. Und das Interessante ist: Trotz all der heftigen, pauschalisierenden Anklagen, all der offenen Briefe driftet Israel politisch immer weiter nach rechts. Doch statt mal einen anderen Ansatz zu versuchen, werden die antiisraelischen Stimmen nur lauter. Dasselbe versuchen und andere Ergebnisse davon erwarten \u2013 das ist die Definition von Wahnsinn.<\/p>\n\n\n\n

Kurz bevor der Prozess gegen den wegen des Attentats von Halle<\/a> Angeklagten begann \u2013 des seit Kriegsende schlimmsten Akts von Antisemitismus in Deutschland \u2013, lud eine Lokalzeitung den fr\u00fcheren Botschafter Shimon Stein und den Historiker Moshe Zimmermann ein, dar\u00fcber zu schreiben, was Antisemitismus ist. Nat\u00fcrlich wendeten auch sie sich gegen Felix Kleins Ansatz. Sie zitieren die Kontroverse um die Umbenennung der U-Bahn-Station Mohrenstra\u00dfe in Glinkastra\u00dfe, die sich darum drehte, dass der russische Komponist Michael Glinka Antisemit gewesen sein soll. Stein und Zimmermann halten die Debatte f\u00fcr \u00fcberzogen, Glinka sei nur ein Kind seiner Zeit gewesen. Folgt man ihrer Logik, k\u00f6nnen wir dann also in 20 oder 30 Jahren U-Bahn-Stationen nach den Kindern der 1930er Jahre benennen?<\/p>\n\n\n\n

Der Antisemit als Tierfreund<\/h6>\n\n\n\n

Ich w\u00fcnschte, die Sache h\u00e4tte mit dem Artikel, mit der Petition geendet. Doch dann erschien ein Artikel, der den Leser auf einen Waldspaziergang mit einem veganen Koch und Antisemiten mitnahm. Darin setzt der Tierfreund erst behutsam einen K\u00e4fer wieder auf seine Beinchen und erkl\u00e4rt dann, dass die Todesstrafe in Deutschland wieder eingef\u00fchrt werden solle, um einen gewissen Politiker (der zuf\u00e4llig pro Israel ist) an seinen Hoden aufh\u00e4ngen zu k\u00f6nnen. Dieser Koch hat Hunderttausende Follower, er sagt all solche Dinge am helllichten Tag in Berlin. Und in den Medien.<\/p>\n\n\n\n

F\u00e4lle wie dieser handeln bereits von Gewalt \u2013 und sie enden nicht bei den Juden. Der Hass richtet sich gegen Frauen<\/a>, Muslime, Gefl\u00fcchtete, \u00adLBTQI. Am Ende aller theoretischen Debatten stehen immer echte Menschen. Am Ende jeder Konferenz dar\u00fcber, was Antisemitismus ausmacht, steht ein potenzielles j\u00fcdisches Opfer. Angesichts einer Welle von Antisemitismus \u00fcber die Definition von Antisemitismus zu streiten ist, wie eine 10 Meter hohe Welle heranrollen zu sehen und dar\u00fcber zu streiten, was einen Tsunami ausmacht.<\/p>\n\n\n\n

Felix Klein versteht, wie absurd es ist, zu sagen: Es sind nur die Rechten. Die Rechten sind Deutsche, so wie die Nazis Deutsche waren. Klein versteht, dass die Deutschen nicht aufgeh\u00f6rt haben, Juden zu ermorden, weil sie irgendeine Art von Erleuchtung hatten. Sondern schlicht, weil sie den Krieg verloren haben. Um den Antisemitismus zu bek\u00e4mpfen, bevor er die Gesellschaft frisst, in der er und wir leben, muss Deutschland seinen moralischen Kompass korrigieren.<\/p>\n\n\n\n

Immerhin: Mehr und mehr Deutsche fahren nach Israel, sie wollen ein anderes Narrativ h\u00f6ren. Mehr und mehr Deutsche verstehen, dass Antisemitismus Schockwellen ausl\u00f6st, die die gesamte Gesellschaft betreffen. In einem normalen Universum w\u00fcrde Klein bef\u00f6rdert werden f\u00fcr seine Leistung. In einer verdrehten Gesellschaft fordern Menschen seine Entlassung. Um es mit Mbembe zu sagen: Das ist Nano-Nonsens.<\/p>\n\n\n\n

\u00dcbersetzung: Ariane Lemme<\/a><\/em><\/p>\n","post_title":"Felix Klein hat verstanden","post_excerpt":"","post_status":"publish","comment_status":"closed","ping_status":"closed","post_password":"","post_name":"felix-klein-hat-verstanden","to_ping":"","pinged":"","post_modified":"2025-02-02 08:39:39","post_modified_gmt":"2025-02-02 08:39:39","post_content_filtered":"","post_parent":0,"guid":"https:\/\/dctransparency.com\/?p=3786","menu_order":0,"post_type":"post","post_mime_type":"","comment_count":"0","filter":"raw"}],"next":false,"prev":true,"total_page":47},"paged":1,"column_class":"jeg_col_2o3","class":"epic_block_3"};

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Israelkritik als Eintrittskarte<\/h6>\n\n\n\n

Die Israelis, die die Petition unterzeichnet haben, haben \u00fcbrigens ebenfalls etwas verstanden. Seit Jahren wissen sie: Es ist ihre Eintrittskarte in die Mitte der deutschen (und europ\u00e4ischen) Gesellschaft. Man h\u00f6rt nicht oft von Akademikern mit proisraelischen Ansichten. Weder in den Philharmonie-Orchestern noch in der Kunstszene. Die Eintrittskarte daf\u00fcr ist ein antiisraelischer Standpunkt.<\/p>\n\n\n\n

Der mutma\u00dfliche Grund, warum kaum Deutsche die Petition unterzeichnet haben: Sie mussten es nicht. Ihre Lieblingsjuden haben es f\u00fcr sie getan. Jetzt k\u00f6nnen sie sagen: \u201eSchau, ich bin das ja nicht, meine j\u00fcdischen Freunde sagen es.\u201c Ich selbst war einige Jahre lang mit einem Paar hier in Berlin befreundet, bis ich herausfand, dass ich ihr Lieblingsjude war. Ja, selbst das j\u00fcdische Museum wurde so genutzt.<\/p>\n\n\n\n

Weil Attacken gegen Juden ein absolutes Tabu sind, wurden Umwege gefunden, um den Antisemitismus auf kleiner Flamme k\u00f6cheln zu lassen: die unfundierte, unbegr\u00fcndete Kritik an Israel.<\/p>\n\n\n\n

Diese Art der Kritik ist gef\u00e4hrlich. Sie schw\u00e4cht jede begr\u00fcndete und notwendige Kritik am Verhalten Israels. Und das Interessante ist: Trotz all der heftigen, pauschalisierenden Anklagen, all der offenen Briefe driftet Israel politisch immer weiter nach rechts. Doch statt mal einen anderen Ansatz zu versuchen, werden die antiisraelischen Stimmen nur lauter. Dasselbe versuchen und andere Ergebnisse davon erwarten \u2013 das ist die Definition von Wahnsinn.<\/p>\n\n\n\n

Kurz bevor der Prozess gegen den wegen des Attentats von Halle<\/a> Angeklagten begann \u2013 des seit Kriegsende schlimmsten Akts von Antisemitismus in Deutschland \u2013, lud eine Lokalzeitung den fr\u00fcheren Botschafter Shimon Stein und den Historiker Moshe Zimmermann ein, dar\u00fcber zu schreiben, was Antisemitismus ist. Nat\u00fcrlich wendeten auch sie sich gegen Felix Kleins Ansatz. Sie zitieren die Kontroverse um die Umbenennung der U-Bahn-Station Mohrenstra\u00dfe in Glinkastra\u00dfe, die sich darum drehte, dass der russische Komponist Michael Glinka Antisemit gewesen sein soll. Stein und Zimmermann halten die Debatte f\u00fcr \u00fcberzogen, Glinka sei nur ein Kind seiner Zeit gewesen. Folgt man ihrer Logik, k\u00f6nnen wir dann also in 20 oder 30 Jahren U-Bahn-Stationen nach den Kindern der 1930er Jahre benennen?<\/p>\n\n\n\n

Der Antisemit als Tierfreund<\/h6>\n\n\n\n

Ich w\u00fcnschte, die Sache h\u00e4tte mit dem Artikel, mit der Petition geendet. Doch dann erschien ein Artikel, der den Leser auf einen Waldspaziergang mit einem veganen Koch und Antisemiten mitnahm. Darin setzt der Tierfreund erst behutsam einen K\u00e4fer wieder auf seine Beinchen und erkl\u00e4rt dann, dass die Todesstrafe in Deutschland wieder eingef\u00fchrt werden solle, um einen gewissen Politiker (der zuf\u00e4llig pro Israel ist) an seinen Hoden aufh\u00e4ngen zu k\u00f6nnen. Dieser Koch hat Hunderttausende Follower, er sagt all solche Dinge am helllichten Tag in Berlin. Und in den Medien.<\/p>\n\n\n\n

F\u00e4lle wie dieser handeln bereits von Gewalt \u2013 und sie enden nicht bei den Juden. Der Hass richtet sich gegen Frauen<\/a>, Muslime, Gefl\u00fcchtete, \u00adLBTQI. Am Ende aller theoretischen Debatten stehen immer echte Menschen. Am Ende jeder Konferenz dar\u00fcber, was Antisemitismus ausmacht, steht ein potenzielles j\u00fcdisches Opfer. Angesichts einer Welle von Antisemitismus \u00fcber die Definition von Antisemitismus zu streiten ist, wie eine 10 Meter hohe Welle heranrollen zu sehen und dar\u00fcber zu streiten, was einen Tsunami ausmacht.<\/p>\n\n\n\n

Felix Klein versteht, wie absurd es ist, zu sagen: Es sind nur die Rechten. Die Rechten sind Deutsche, so wie die Nazis Deutsche waren. Klein versteht, dass die Deutschen nicht aufgeh\u00f6rt haben, Juden zu ermorden, weil sie irgendeine Art von Erleuchtung hatten. Sondern schlicht, weil sie den Krieg verloren haben. Um den Antisemitismus zu bek\u00e4mpfen, bevor er die Gesellschaft frisst, in der er und wir leben, muss Deutschland seinen moralischen Kompass korrigieren.<\/p>\n\n\n\n

Immerhin: Mehr und mehr Deutsche fahren nach Israel, sie wollen ein anderes Narrativ h\u00f6ren. Mehr und mehr Deutsche verstehen, dass Antisemitismus Schockwellen ausl\u00f6st, die die gesamte Gesellschaft betreffen. In einem normalen Universum w\u00fcrde Klein bef\u00f6rdert werden f\u00fcr seine Leistung. In einer verdrehten Gesellschaft fordern Menschen seine Entlassung. Um es mit Mbembe zu sagen: Das ist Nano-Nonsens.<\/p>\n\n\n\n

\u00dcbersetzung: Ariane Lemme<\/a><\/em><\/p>\n","post_title":"Felix Klein hat verstanden","post_excerpt":"","post_status":"publish","comment_status":"closed","ping_status":"closed","post_password":"","post_name":"felix-klein-hat-verstanden","to_ping":"","pinged":"","post_modified":"2025-02-02 08:39:39","post_modified_gmt":"2025-02-02 08:39:39","post_content_filtered":"","post_parent":0,"guid":"https:\/\/dctransparency.com\/?p=3786","menu_order":0,"post_type":"post","post_mime_type":"","comment_count":"0","filter":"raw"}],"next":false,"prev":true,"total_page":47},"paged":1,"column_class":"jeg_col_2o3","class":"epic_block_3"};

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Wir k\u00f6nnen uns also gerne unterhalten \u2013 aber im Dialog, nicht in Monologen. Denn Reden unter Menschen, die sich einig sind, ist nichts anderes als Impotenz.<\/p>\n\n\n\n

Israelkritik als Eintrittskarte<\/h6>\n\n\n\n

Die Israelis, die die Petition unterzeichnet haben, haben \u00fcbrigens ebenfalls etwas verstanden. Seit Jahren wissen sie: Es ist ihre Eintrittskarte in die Mitte der deutschen (und europ\u00e4ischen) Gesellschaft. Man h\u00f6rt nicht oft von Akademikern mit proisraelischen Ansichten. Weder in den Philharmonie-Orchestern noch in der Kunstszene. Die Eintrittskarte daf\u00fcr ist ein antiisraelischer Standpunkt.<\/p>\n\n\n\n

Der mutma\u00dfliche Grund, warum kaum Deutsche die Petition unterzeichnet haben: Sie mussten es nicht. Ihre Lieblingsjuden haben es f\u00fcr sie getan. Jetzt k\u00f6nnen sie sagen: \u201eSchau, ich bin das ja nicht, meine j\u00fcdischen Freunde sagen es.\u201c Ich selbst war einige Jahre lang mit einem Paar hier in Berlin befreundet, bis ich herausfand, dass ich ihr Lieblingsjude war. Ja, selbst das j\u00fcdische Museum wurde so genutzt.<\/p>\n\n\n\n

Weil Attacken gegen Juden ein absolutes Tabu sind, wurden Umwege gefunden, um den Antisemitismus auf kleiner Flamme k\u00f6cheln zu lassen: die unfundierte, unbegr\u00fcndete Kritik an Israel.<\/p>\n\n\n\n

Diese Art der Kritik ist gef\u00e4hrlich. Sie schw\u00e4cht jede begr\u00fcndete und notwendige Kritik am Verhalten Israels. Und das Interessante ist: Trotz all der heftigen, pauschalisierenden Anklagen, all der offenen Briefe driftet Israel politisch immer weiter nach rechts. Doch statt mal einen anderen Ansatz zu versuchen, werden die antiisraelischen Stimmen nur lauter. Dasselbe versuchen und andere Ergebnisse davon erwarten \u2013 das ist die Definition von Wahnsinn.<\/p>\n\n\n\n

Kurz bevor der Prozess gegen den wegen des Attentats von Halle<\/a> Angeklagten begann \u2013 des seit Kriegsende schlimmsten Akts von Antisemitismus in Deutschland \u2013, lud eine Lokalzeitung den fr\u00fcheren Botschafter Shimon Stein und den Historiker Moshe Zimmermann ein, dar\u00fcber zu schreiben, was Antisemitismus ist. Nat\u00fcrlich wendeten auch sie sich gegen Felix Kleins Ansatz. Sie zitieren die Kontroverse um die Umbenennung der U-Bahn-Station Mohrenstra\u00dfe in Glinkastra\u00dfe, die sich darum drehte, dass der russische Komponist Michael Glinka Antisemit gewesen sein soll. Stein und Zimmermann halten die Debatte f\u00fcr \u00fcberzogen, Glinka sei nur ein Kind seiner Zeit gewesen. Folgt man ihrer Logik, k\u00f6nnen wir dann also in 20 oder 30 Jahren U-Bahn-Stationen nach den Kindern der 1930er Jahre benennen?<\/p>\n\n\n\n

Der Antisemit als Tierfreund<\/h6>\n\n\n\n

Ich w\u00fcnschte, die Sache h\u00e4tte mit dem Artikel, mit der Petition geendet. Doch dann erschien ein Artikel, der den Leser auf einen Waldspaziergang mit einem veganen Koch und Antisemiten mitnahm. Darin setzt der Tierfreund erst behutsam einen K\u00e4fer wieder auf seine Beinchen und erkl\u00e4rt dann, dass die Todesstrafe in Deutschland wieder eingef\u00fchrt werden solle, um einen gewissen Politiker (der zuf\u00e4llig pro Israel ist) an seinen Hoden aufh\u00e4ngen zu k\u00f6nnen. Dieser Koch hat Hunderttausende Follower, er sagt all solche Dinge am helllichten Tag in Berlin. Und in den Medien.<\/p>\n\n\n\n

F\u00e4lle wie dieser handeln bereits von Gewalt \u2013 und sie enden nicht bei den Juden. Der Hass richtet sich gegen Frauen<\/a>, Muslime, Gefl\u00fcchtete, \u00adLBTQI. Am Ende aller theoretischen Debatten stehen immer echte Menschen. Am Ende jeder Konferenz dar\u00fcber, was Antisemitismus ausmacht, steht ein potenzielles j\u00fcdisches Opfer. Angesichts einer Welle von Antisemitismus \u00fcber die Definition von Antisemitismus zu streiten ist, wie eine 10 Meter hohe Welle heranrollen zu sehen und dar\u00fcber zu streiten, was einen Tsunami ausmacht.<\/p>\n\n\n\n

Felix Klein versteht, wie absurd es ist, zu sagen: Es sind nur die Rechten. Die Rechten sind Deutsche, so wie die Nazis Deutsche waren. Klein versteht, dass die Deutschen nicht aufgeh\u00f6rt haben, Juden zu ermorden, weil sie irgendeine Art von Erleuchtung hatten. Sondern schlicht, weil sie den Krieg verloren haben. Um den Antisemitismus zu bek\u00e4mpfen, bevor er die Gesellschaft frisst, in der er und wir leben, muss Deutschland seinen moralischen Kompass korrigieren.<\/p>\n\n\n\n

Immerhin: Mehr und mehr Deutsche fahren nach Israel, sie wollen ein anderes Narrativ h\u00f6ren. Mehr und mehr Deutsche verstehen, dass Antisemitismus Schockwellen ausl\u00f6st, die die gesamte Gesellschaft betreffen. In einem normalen Universum w\u00fcrde Klein bef\u00f6rdert werden f\u00fcr seine Leistung. In einer verdrehten Gesellschaft fordern Menschen seine Entlassung. Um es mit Mbembe zu sagen: Das ist Nano-Nonsens.<\/p>\n\n\n\n

\u00dcbersetzung: Ariane Lemme<\/a><\/em><\/p>\n","post_title":"Felix Klein hat verstanden","post_excerpt":"","post_status":"publish","comment_status":"closed","ping_status":"closed","post_password":"","post_name":"felix-klein-hat-verstanden","to_ping":"","pinged":"","post_modified":"2025-02-02 08:39:39","post_modified_gmt":"2025-02-02 08:39:39","post_content_filtered":"","post_parent":0,"guid":"https:\/\/dctransparency.com\/?p=3786","menu_order":0,"post_type":"post","post_mime_type":"","comment_count":"0","filter":"raw"}],"next":false,"prev":true,"total_page":47},"paged":1,"column_class":"jeg_col_2o3","class":"epic_block_3"};

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Liebe Deutsche, wenn ihr reden wollt, lasst uns gern reden: \u00fcber die Besetzung, \u00fcber Bibi und alles, was schiefl\u00e4uft. Aber dann lasst uns bitte auch dar\u00fcber reden, wie deutsche Steuergelder Terrortunnel finanzieren. Erst vergangene Woche r\u00e4umte die niederl\u00e4ndische Regierung ein, dass Gelder an eine Landwirtschaftsorganisation in Ramallah geflossen seien, die damit teilweise die Geh\u00e4lter zweier des Mordes an der 17-j\u00e4hrigen Israelin Rina Shnerb Verd\u00e4chtiger gezahlt haben. Auch die Bundesregierung unterst\u00fctzt diese Organisation, obwohl Kritiker schon lange vor Verbindungen zu Terroristen warnen.<\/p>\n\n\n\n

Wir k\u00f6nnen uns also gerne unterhalten \u2013 aber im Dialog, nicht in Monologen. Denn Reden unter Menschen, die sich einig sind, ist nichts anderes als Impotenz.<\/p>\n\n\n\n

Israelkritik als Eintrittskarte<\/h6>\n\n\n\n

Die Israelis, die die Petition unterzeichnet haben, haben \u00fcbrigens ebenfalls etwas verstanden. Seit Jahren wissen sie: Es ist ihre Eintrittskarte in die Mitte der deutschen (und europ\u00e4ischen) Gesellschaft. Man h\u00f6rt nicht oft von Akademikern mit proisraelischen Ansichten. Weder in den Philharmonie-Orchestern noch in der Kunstszene. Die Eintrittskarte daf\u00fcr ist ein antiisraelischer Standpunkt.<\/p>\n\n\n\n

Der mutma\u00dfliche Grund, warum kaum Deutsche die Petition unterzeichnet haben: Sie mussten es nicht. Ihre Lieblingsjuden haben es f\u00fcr sie getan. Jetzt k\u00f6nnen sie sagen: \u201eSchau, ich bin das ja nicht, meine j\u00fcdischen Freunde sagen es.\u201c Ich selbst war einige Jahre lang mit einem Paar hier in Berlin befreundet, bis ich herausfand, dass ich ihr Lieblingsjude war. Ja, selbst das j\u00fcdische Museum wurde so genutzt.<\/p>\n\n\n\n

Weil Attacken gegen Juden ein absolutes Tabu sind, wurden Umwege gefunden, um den Antisemitismus auf kleiner Flamme k\u00f6cheln zu lassen: die unfundierte, unbegr\u00fcndete Kritik an Israel.<\/p>\n\n\n\n

Diese Art der Kritik ist gef\u00e4hrlich. Sie schw\u00e4cht jede begr\u00fcndete und notwendige Kritik am Verhalten Israels. Und das Interessante ist: Trotz all der heftigen, pauschalisierenden Anklagen, all der offenen Briefe driftet Israel politisch immer weiter nach rechts. Doch statt mal einen anderen Ansatz zu versuchen, werden die antiisraelischen Stimmen nur lauter. Dasselbe versuchen und andere Ergebnisse davon erwarten \u2013 das ist die Definition von Wahnsinn.<\/p>\n\n\n\n

Kurz bevor der Prozess gegen den wegen des Attentats von Halle<\/a> Angeklagten begann \u2013 des seit Kriegsende schlimmsten Akts von Antisemitismus in Deutschland \u2013, lud eine Lokalzeitung den fr\u00fcheren Botschafter Shimon Stein und den Historiker Moshe Zimmermann ein, dar\u00fcber zu schreiben, was Antisemitismus ist. Nat\u00fcrlich wendeten auch sie sich gegen Felix Kleins Ansatz. Sie zitieren die Kontroverse um die Umbenennung der U-Bahn-Station Mohrenstra\u00dfe in Glinkastra\u00dfe, die sich darum drehte, dass der russische Komponist Michael Glinka Antisemit gewesen sein soll. Stein und Zimmermann halten die Debatte f\u00fcr \u00fcberzogen, Glinka sei nur ein Kind seiner Zeit gewesen. Folgt man ihrer Logik, k\u00f6nnen wir dann also in 20 oder 30 Jahren U-Bahn-Stationen nach den Kindern der 1930er Jahre benennen?<\/p>\n\n\n\n

Der Antisemit als Tierfreund<\/h6>\n\n\n\n

Ich w\u00fcnschte, die Sache h\u00e4tte mit dem Artikel, mit der Petition geendet. Doch dann erschien ein Artikel, der den Leser auf einen Waldspaziergang mit einem veganen Koch und Antisemiten mitnahm. Darin setzt der Tierfreund erst behutsam einen K\u00e4fer wieder auf seine Beinchen und erkl\u00e4rt dann, dass die Todesstrafe in Deutschland wieder eingef\u00fchrt werden solle, um einen gewissen Politiker (der zuf\u00e4llig pro Israel ist) an seinen Hoden aufh\u00e4ngen zu k\u00f6nnen. Dieser Koch hat Hunderttausende Follower, er sagt all solche Dinge am helllichten Tag in Berlin. Und in den Medien.<\/p>\n\n\n\n

F\u00e4lle wie dieser handeln bereits von Gewalt \u2013 und sie enden nicht bei den Juden. Der Hass richtet sich gegen Frauen<\/a>, Muslime, Gefl\u00fcchtete, \u00adLBTQI. Am Ende aller theoretischen Debatten stehen immer echte Menschen. Am Ende jeder Konferenz dar\u00fcber, was Antisemitismus ausmacht, steht ein potenzielles j\u00fcdisches Opfer. Angesichts einer Welle von Antisemitismus \u00fcber die Definition von Antisemitismus zu streiten ist, wie eine 10 Meter hohe Welle heranrollen zu sehen und dar\u00fcber zu streiten, was einen Tsunami ausmacht.<\/p>\n\n\n\n

Felix Klein versteht, wie absurd es ist, zu sagen: Es sind nur die Rechten. Die Rechten sind Deutsche, so wie die Nazis Deutsche waren. Klein versteht, dass die Deutschen nicht aufgeh\u00f6rt haben, Juden zu ermorden, weil sie irgendeine Art von Erleuchtung hatten. Sondern schlicht, weil sie den Krieg verloren haben. Um den Antisemitismus zu bek\u00e4mpfen, bevor er die Gesellschaft frisst, in der er und wir leben, muss Deutschland seinen moralischen Kompass korrigieren.<\/p>\n\n\n\n

Immerhin: Mehr und mehr Deutsche fahren nach Israel, sie wollen ein anderes Narrativ h\u00f6ren. Mehr und mehr Deutsche verstehen, dass Antisemitismus Schockwellen ausl\u00f6st, die die gesamte Gesellschaft betreffen. In einem normalen Universum w\u00fcrde Klein bef\u00f6rdert werden f\u00fcr seine Leistung. In einer verdrehten Gesellschaft fordern Menschen seine Entlassung. Um es mit Mbembe zu sagen: Das ist Nano-Nonsens.<\/p>\n\n\n\n

\u00dcbersetzung: Ariane Lemme<\/a><\/em><\/p>\n","post_title":"Felix Klein hat verstanden","post_excerpt":"","post_status":"publish","comment_status":"closed","ping_status":"closed","post_password":"","post_name":"felix-klein-hat-verstanden","to_ping":"","pinged":"","post_modified":"2025-02-02 08:39:39","post_modified_gmt":"2025-02-02 08:39:39","post_content_filtered":"","post_parent":0,"guid":"https:\/\/dctransparency.com\/?p=3786","menu_order":0,"post_type":"post","post_mime_type":"","comment_count":"0","filter":"raw"}],"next":false,"prev":true,"total_page":47},"paged":1,"column_class":"jeg_col_2o3","class":"epic_block_3"};

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Klein will dem entgegenwirken. Er versteht, dass antisemitische Attacken in Deutschland die Fr\u00fcchte solch falsch gezeichneter Bilder und eindimensionaler Narrative \u00fcber Israel sind. Wenn er und andere versuchen, ein anderes Narrativ aufzuzeigen, wirft man ihnen Zensur vor: Wie k\u00f6nnen sie es wagen, das Gesch\u00e4ft der Anti-Israel-Propaganda zu st\u00f6ren?<\/p>\n\n\n\n

Liebe Deutsche, wenn ihr reden wollt, lasst uns gern reden: \u00fcber die Besetzung, \u00fcber Bibi und alles, was schiefl\u00e4uft. Aber dann lasst uns bitte auch dar\u00fcber reden, wie deutsche Steuergelder Terrortunnel finanzieren. Erst vergangene Woche r\u00e4umte die niederl\u00e4ndische Regierung ein, dass Gelder an eine Landwirtschaftsorganisation in Ramallah geflossen seien, die damit teilweise die Geh\u00e4lter zweier des Mordes an der 17-j\u00e4hrigen Israelin Rina Shnerb Verd\u00e4chtiger gezahlt haben. Auch die Bundesregierung unterst\u00fctzt diese Organisation, obwohl Kritiker schon lange vor Verbindungen zu Terroristen warnen.<\/p>\n\n\n\n

Wir k\u00f6nnen uns also gerne unterhalten \u2013 aber im Dialog, nicht in Monologen. Denn Reden unter Menschen, die sich einig sind, ist nichts anderes als Impotenz.<\/p>\n\n\n\n

Israelkritik als Eintrittskarte<\/h6>\n\n\n\n

Die Israelis, die die Petition unterzeichnet haben, haben \u00fcbrigens ebenfalls etwas verstanden. Seit Jahren wissen sie: Es ist ihre Eintrittskarte in die Mitte der deutschen (und europ\u00e4ischen) Gesellschaft. Man h\u00f6rt nicht oft von Akademikern mit proisraelischen Ansichten. Weder in den Philharmonie-Orchestern noch in der Kunstszene. Die Eintrittskarte daf\u00fcr ist ein antiisraelischer Standpunkt.<\/p>\n\n\n\n

Der mutma\u00dfliche Grund, warum kaum Deutsche die Petition unterzeichnet haben: Sie mussten es nicht. Ihre Lieblingsjuden haben es f\u00fcr sie getan. Jetzt k\u00f6nnen sie sagen: \u201eSchau, ich bin das ja nicht, meine j\u00fcdischen Freunde sagen es.\u201c Ich selbst war einige Jahre lang mit einem Paar hier in Berlin befreundet, bis ich herausfand, dass ich ihr Lieblingsjude war. Ja, selbst das j\u00fcdische Museum wurde so genutzt.<\/p>\n\n\n\n

Weil Attacken gegen Juden ein absolutes Tabu sind, wurden Umwege gefunden, um den Antisemitismus auf kleiner Flamme k\u00f6cheln zu lassen: die unfundierte, unbegr\u00fcndete Kritik an Israel.<\/p>\n\n\n\n

Diese Art der Kritik ist gef\u00e4hrlich. Sie schw\u00e4cht jede begr\u00fcndete und notwendige Kritik am Verhalten Israels. Und das Interessante ist: Trotz all der heftigen, pauschalisierenden Anklagen, all der offenen Briefe driftet Israel politisch immer weiter nach rechts. Doch statt mal einen anderen Ansatz zu versuchen, werden die antiisraelischen Stimmen nur lauter. Dasselbe versuchen und andere Ergebnisse davon erwarten \u2013 das ist die Definition von Wahnsinn.<\/p>\n\n\n\n

Kurz bevor der Prozess gegen den wegen des Attentats von Halle<\/a> Angeklagten begann \u2013 des seit Kriegsende schlimmsten Akts von Antisemitismus in Deutschland \u2013, lud eine Lokalzeitung den fr\u00fcheren Botschafter Shimon Stein und den Historiker Moshe Zimmermann ein, dar\u00fcber zu schreiben, was Antisemitismus ist. Nat\u00fcrlich wendeten auch sie sich gegen Felix Kleins Ansatz. Sie zitieren die Kontroverse um die Umbenennung der U-Bahn-Station Mohrenstra\u00dfe in Glinkastra\u00dfe, die sich darum drehte, dass der russische Komponist Michael Glinka Antisemit gewesen sein soll. Stein und Zimmermann halten die Debatte f\u00fcr \u00fcberzogen, Glinka sei nur ein Kind seiner Zeit gewesen. Folgt man ihrer Logik, k\u00f6nnen wir dann also in 20 oder 30 Jahren U-Bahn-Stationen nach den Kindern der 1930er Jahre benennen?<\/p>\n\n\n\n

Der Antisemit als Tierfreund<\/h6>\n\n\n\n

Ich w\u00fcnschte, die Sache h\u00e4tte mit dem Artikel, mit der Petition geendet. Doch dann erschien ein Artikel, der den Leser auf einen Waldspaziergang mit einem veganen Koch und Antisemiten mitnahm. Darin setzt der Tierfreund erst behutsam einen K\u00e4fer wieder auf seine Beinchen und erkl\u00e4rt dann, dass die Todesstrafe in Deutschland wieder eingef\u00fchrt werden solle, um einen gewissen Politiker (der zuf\u00e4llig pro Israel ist) an seinen Hoden aufh\u00e4ngen zu k\u00f6nnen. Dieser Koch hat Hunderttausende Follower, er sagt all solche Dinge am helllichten Tag in Berlin. Und in den Medien.<\/p>\n\n\n\n

F\u00e4lle wie dieser handeln bereits von Gewalt \u2013 und sie enden nicht bei den Juden. Der Hass richtet sich gegen Frauen<\/a>, Muslime, Gefl\u00fcchtete, \u00adLBTQI. Am Ende aller theoretischen Debatten stehen immer echte Menschen. Am Ende jeder Konferenz dar\u00fcber, was Antisemitismus ausmacht, steht ein potenzielles j\u00fcdisches Opfer. Angesichts einer Welle von Antisemitismus \u00fcber die Definition von Antisemitismus zu streiten ist, wie eine 10 Meter hohe Welle heranrollen zu sehen und dar\u00fcber zu streiten, was einen Tsunami ausmacht.<\/p>\n\n\n\n

Felix Klein versteht, wie absurd es ist, zu sagen: Es sind nur die Rechten. Die Rechten sind Deutsche, so wie die Nazis Deutsche waren. Klein versteht, dass die Deutschen nicht aufgeh\u00f6rt haben, Juden zu ermorden, weil sie irgendeine Art von Erleuchtung hatten. Sondern schlicht, weil sie den Krieg verloren haben. Um den Antisemitismus zu bek\u00e4mpfen, bevor er die Gesellschaft frisst, in der er und wir leben, muss Deutschland seinen moralischen Kompass korrigieren.<\/p>\n\n\n\n

Immerhin: Mehr und mehr Deutsche fahren nach Israel, sie wollen ein anderes Narrativ h\u00f6ren. Mehr und mehr Deutsche verstehen, dass Antisemitismus Schockwellen ausl\u00f6st, die die gesamte Gesellschaft betreffen. In einem normalen Universum w\u00fcrde Klein bef\u00f6rdert werden f\u00fcr seine Leistung. In einer verdrehten Gesellschaft fordern Menschen seine Entlassung. Um es mit Mbembe zu sagen: Das ist Nano-Nonsens.<\/p>\n\n\n\n

\u00dcbersetzung: Ariane Lemme<\/a><\/em><\/p>\n","post_title":"Felix Klein hat verstanden","post_excerpt":"","post_status":"publish","comment_status":"closed","ping_status":"closed","post_password":"","post_name":"felix-klein-hat-verstanden","to_ping":"","pinged":"","post_modified":"2025-02-02 08:39:39","post_modified_gmt":"2025-02-02 08:39:39","post_content_filtered":"","post_parent":0,"guid":"https:\/\/dctransparency.com\/?p=3786","menu_order":0,"post_type":"post","post_mime_type":"","comment_count":"0","filter":"raw"}],"next":false,"prev":true,"total_page":47},"paged":1,"column_class":"jeg_col_2o3","class":"epic_block_3"};

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Der Spiegel<\/em> hat \u2013 vielleicht in Anlehnung an seine Relotius-Standards, Israel erst k\u00fcrzlich eine Corona-Diktatur genannt. Fakten und Belege f\u00fcr diese Behauptung gab es nicht. Doch Millionen Deutsche haben es gelesen, und es wird nat\u00fcrlich haften bleiben. Faktenlage hin oder her. Der Spiegel<\/em> und andere Medien haben dieses Spiel perfektioniert: Titel so zu drehen, dass sie Israel indirekt anklagen, die Idee zu streuen, der Mossad kon\u00adtrol\u00adliere die deutsche Au\u00dfenpolitik im Nahen Osten, und so fort. Doch sie stehen allesamt sofort auf den Hinterbeinen, wenn jemand es wagt, das Spiel beim Namen zu nennen: moderner Antisemitismus.<\/p>\n\n\n\n

Klein will dem entgegenwirken. Er versteht, dass antisemitische Attacken in Deutschland die Fr\u00fcchte solch falsch gezeichneter Bilder und eindimensionaler Narrative \u00fcber Israel sind. Wenn er und andere versuchen, ein anderes Narrativ aufzuzeigen, wirft man ihnen Zensur vor: Wie k\u00f6nnen sie es wagen, das Gesch\u00e4ft der Anti-Israel-Propaganda zu st\u00f6ren?<\/p>\n\n\n\n

Liebe Deutsche, wenn ihr reden wollt, lasst uns gern reden: \u00fcber die Besetzung, \u00fcber Bibi und alles, was schiefl\u00e4uft. Aber dann lasst uns bitte auch dar\u00fcber reden, wie deutsche Steuergelder Terrortunnel finanzieren. Erst vergangene Woche r\u00e4umte die niederl\u00e4ndische Regierung ein, dass Gelder an eine Landwirtschaftsorganisation in Ramallah geflossen seien, die damit teilweise die Geh\u00e4lter zweier des Mordes an der 17-j\u00e4hrigen Israelin Rina Shnerb Verd\u00e4chtiger gezahlt haben. Auch die Bundesregierung unterst\u00fctzt diese Organisation, obwohl Kritiker schon lange vor Verbindungen zu Terroristen warnen.<\/p>\n\n\n\n

Wir k\u00f6nnen uns also gerne unterhalten \u2013 aber im Dialog, nicht in Monologen. Denn Reden unter Menschen, die sich einig sind, ist nichts anderes als Impotenz.<\/p>\n\n\n\n

Israelkritik als Eintrittskarte<\/h6>\n\n\n\n

Die Israelis, die die Petition unterzeichnet haben, haben \u00fcbrigens ebenfalls etwas verstanden. Seit Jahren wissen sie: Es ist ihre Eintrittskarte in die Mitte der deutschen (und europ\u00e4ischen) Gesellschaft. Man h\u00f6rt nicht oft von Akademikern mit proisraelischen Ansichten. Weder in den Philharmonie-Orchestern noch in der Kunstszene. Die Eintrittskarte daf\u00fcr ist ein antiisraelischer Standpunkt.<\/p>\n\n\n\n

Der mutma\u00dfliche Grund, warum kaum Deutsche die Petition unterzeichnet haben: Sie mussten es nicht. Ihre Lieblingsjuden haben es f\u00fcr sie getan. Jetzt k\u00f6nnen sie sagen: \u201eSchau, ich bin das ja nicht, meine j\u00fcdischen Freunde sagen es.\u201c Ich selbst war einige Jahre lang mit einem Paar hier in Berlin befreundet, bis ich herausfand, dass ich ihr Lieblingsjude war. Ja, selbst das j\u00fcdische Museum wurde so genutzt.<\/p>\n\n\n\n

Weil Attacken gegen Juden ein absolutes Tabu sind, wurden Umwege gefunden, um den Antisemitismus auf kleiner Flamme k\u00f6cheln zu lassen: die unfundierte, unbegr\u00fcndete Kritik an Israel.<\/p>\n\n\n\n

Diese Art der Kritik ist gef\u00e4hrlich. Sie schw\u00e4cht jede begr\u00fcndete und notwendige Kritik am Verhalten Israels. Und das Interessante ist: Trotz all der heftigen, pauschalisierenden Anklagen, all der offenen Briefe driftet Israel politisch immer weiter nach rechts. Doch statt mal einen anderen Ansatz zu versuchen, werden die antiisraelischen Stimmen nur lauter. Dasselbe versuchen und andere Ergebnisse davon erwarten \u2013 das ist die Definition von Wahnsinn.<\/p>\n\n\n\n

Kurz bevor der Prozess gegen den wegen des Attentats von Halle<\/a> Angeklagten begann \u2013 des seit Kriegsende schlimmsten Akts von Antisemitismus in Deutschland \u2013, lud eine Lokalzeitung den fr\u00fcheren Botschafter Shimon Stein und den Historiker Moshe Zimmermann ein, dar\u00fcber zu schreiben, was Antisemitismus ist. Nat\u00fcrlich wendeten auch sie sich gegen Felix Kleins Ansatz. Sie zitieren die Kontroverse um die Umbenennung der U-Bahn-Station Mohrenstra\u00dfe in Glinkastra\u00dfe, die sich darum drehte, dass der russische Komponist Michael Glinka Antisemit gewesen sein soll. Stein und Zimmermann halten die Debatte f\u00fcr \u00fcberzogen, Glinka sei nur ein Kind seiner Zeit gewesen. Folgt man ihrer Logik, k\u00f6nnen wir dann also in 20 oder 30 Jahren U-Bahn-Stationen nach den Kindern der 1930er Jahre benennen?<\/p>\n\n\n\n

Der Antisemit als Tierfreund<\/h6>\n\n\n\n

Ich w\u00fcnschte, die Sache h\u00e4tte mit dem Artikel, mit der Petition geendet. Doch dann erschien ein Artikel, der den Leser auf einen Waldspaziergang mit einem veganen Koch und Antisemiten mitnahm. Darin setzt der Tierfreund erst behutsam einen K\u00e4fer wieder auf seine Beinchen und erkl\u00e4rt dann, dass die Todesstrafe in Deutschland wieder eingef\u00fchrt werden solle, um einen gewissen Politiker (der zuf\u00e4llig pro Israel ist) an seinen Hoden aufh\u00e4ngen zu k\u00f6nnen. Dieser Koch hat Hunderttausende Follower, er sagt all solche Dinge am helllichten Tag in Berlin. Und in den Medien.<\/p>\n\n\n\n

F\u00e4lle wie dieser handeln bereits von Gewalt \u2013 und sie enden nicht bei den Juden. Der Hass richtet sich gegen Frauen<\/a>, Muslime, Gefl\u00fcchtete, \u00adLBTQI. Am Ende aller theoretischen Debatten stehen immer echte Menschen. Am Ende jeder Konferenz dar\u00fcber, was Antisemitismus ausmacht, steht ein potenzielles j\u00fcdisches Opfer. Angesichts einer Welle von Antisemitismus \u00fcber die Definition von Antisemitismus zu streiten ist, wie eine 10 Meter hohe Welle heranrollen zu sehen und dar\u00fcber zu streiten, was einen Tsunami ausmacht.<\/p>\n\n\n\n

Felix Klein versteht, wie absurd es ist, zu sagen: Es sind nur die Rechten. Die Rechten sind Deutsche, so wie die Nazis Deutsche waren. Klein versteht, dass die Deutschen nicht aufgeh\u00f6rt haben, Juden zu ermorden, weil sie irgendeine Art von Erleuchtung hatten. Sondern schlicht, weil sie den Krieg verloren haben. Um den Antisemitismus zu bek\u00e4mpfen, bevor er die Gesellschaft frisst, in der er und wir leben, muss Deutschland seinen moralischen Kompass korrigieren.<\/p>\n\n\n\n

Immerhin: Mehr und mehr Deutsche fahren nach Israel, sie wollen ein anderes Narrativ h\u00f6ren. Mehr und mehr Deutsche verstehen, dass Antisemitismus Schockwellen ausl\u00f6st, die die gesamte Gesellschaft betreffen. In einem normalen Universum w\u00fcrde Klein bef\u00f6rdert werden f\u00fcr seine Leistung. In einer verdrehten Gesellschaft fordern Menschen seine Entlassung. Um es mit Mbembe zu sagen: Das ist Nano-Nonsens.<\/p>\n\n\n\n

\u00dcbersetzung: Ariane Lemme<\/a><\/em><\/p>\n","post_title":"Felix Klein hat verstanden","post_excerpt":"","post_status":"publish","comment_status":"closed","ping_status":"closed","post_password":"","post_name":"felix-klein-hat-verstanden","to_ping":"","pinged":"","post_modified":"2025-02-02 08:39:39","post_modified_gmt":"2025-02-02 08:39:39","post_content_filtered":"","post_parent":0,"guid":"https:\/\/dctransparency.com\/?p=3786","menu_order":0,"post_type":"post","post_mime_type":"","comment_count":"0","filter":"raw"}],"next":false,"prev":true,"total_page":47},"paged":1,"column_class":"jeg_col_2o3","class":"epic_block_3"};

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Doch warum treibt die Debatte so viele Menschen um? Nun, zun\u00e4chst gibt niemand gern auf, was ihm oder ihr selbstverst\u00e4ndlich scheint. \u00dcber den gesamten politischen, sozialen, kulturellen, medialen und akademischen Sektor hinweg sind Menschen daran gew\u00f6hnt, so schlecht \u00fcber Israel sprechen zu k\u00f6nnen, wie auch immer sie wollen.<\/p>\n\n\n\n

Der Spiegel<\/em> hat \u2013 vielleicht in Anlehnung an seine Relotius-Standards, Israel erst k\u00fcrzlich eine Corona-Diktatur genannt. Fakten und Belege f\u00fcr diese Behauptung gab es nicht. Doch Millionen Deutsche haben es gelesen, und es wird nat\u00fcrlich haften bleiben. Faktenlage hin oder her. Der Spiegel<\/em> und andere Medien haben dieses Spiel perfektioniert: Titel so zu drehen, dass sie Israel indirekt anklagen, die Idee zu streuen, der Mossad kon\u00adtrol\u00adliere die deutsche Au\u00dfenpolitik im Nahen Osten, und so fort. Doch sie stehen allesamt sofort auf den Hinterbeinen, wenn jemand es wagt, das Spiel beim Namen zu nennen: moderner Antisemitismus.<\/p>\n\n\n\n

Klein will dem entgegenwirken. Er versteht, dass antisemitische Attacken in Deutschland die Fr\u00fcchte solch falsch gezeichneter Bilder und eindimensionaler Narrative \u00fcber Israel sind. Wenn er und andere versuchen, ein anderes Narrativ aufzuzeigen, wirft man ihnen Zensur vor: Wie k\u00f6nnen sie es wagen, das Gesch\u00e4ft der Anti-Israel-Propaganda zu st\u00f6ren?<\/p>\n\n\n\n

Liebe Deutsche, wenn ihr reden wollt, lasst uns gern reden: \u00fcber die Besetzung, \u00fcber Bibi und alles, was schiefl\u00e4uft. Aber dann lasst uns bitte auch dar\u00fcber reden, wie deutsche Steuergelder Terrortunnel finanzieren. Erst vergangene Woche r\u00e4umte die niederl\u00e4ndische Regierung ein, dass Gelder an eine Landwirtschaftsorganisation in Ramallah geflossen seien, die damit teilweise die Geh\u00e4lter zweier des Mordes an der 17-j\u00e4hrigen Israelin Rina Shnerb Verd\u00e4chtiger gezahlt haben. Auch die Bundesregierung unterst\u00fctzt diese Organisation, obwohl Kritiker schon lange vor Verbindungen zu Terroristen warnen.<\/p>\n\n\n\n

Wir k\u00f6nnen uns also gerne unterhalten \u2013 aber im Dialog, nicht in Monologen. Denn Reden unter Menschen, die sich einig sind, ist nichts anderes als Impotenz.<\/p>\n\n\n\n

Israelkritik als Eintrittskarte<\/h6>\n\n\n\n

Die Israelis, die die Petition unterzeichnet haben, haben \u00fcbrigens ebenfalls etwas verstanden. Seit Jahren wissen sie: Es ist ihre Eintrittskarte in die Mitte der deutschen (und europ\u00e4ischen) Gesellschaft. Man h\u00f6rt nicht oft von Akademikern mit proisraelischen Ansichten. Weder in den Philharmonie-Orchestern noch in der Kunstszene. Die Eintrittskarte daf\u00fcr ist ein antiisraelischer Standpunkt.<\/p>\n\n\n\n

Der mutma\u00dfliche Grund, warum kaum Deutsche die Petition unterzeichnet haben: Sie mussten es nicht. Ihre Lieblingsjuden haben es f\u00fcr sie getan. Jetzt k\u00f6nnen sie sagen: \u201eSchau, ich bin das ja nicht, meine j\u00fcdischen Freunde sagen es.\u201c Ich selbst war einige Jahre lang mit einem Paar hier in Berlin befreundet, bis ich herausfand, dass ich ihr Lieblingsjude war. Ja, selbst das j\u00fcdische Museum wurde so genutzt.<\/p>\n\n\n\n

Weil Attacken gegen Juden ein absolutes Tabu sind, wurden Umwege gefunden, um den Antisemitismus auf kleiner Flamme k\u00f6cheln zu lassen: die unfundierte, unbegr\u00fcndete Kritik an Israel.<\/p>\n\n\n\n

Diese Art der Kritik ist gef\u00e4hrlich. Sie schw\u00e4cht jede begr\u00fcndete und notwendige Kritik am Verhalten Israels. Und das Interessante ist: Trotz all der heftigen, pauschalisierenden Anklagen, all der offenen Briefe driftet Israel politisch immer weiter nach rechts. Doch statt mal einen anderen Ansatz zu versuchen, werden die antiisraelischen Stimmen nur lauter. Dasselbe versuchen und andere Ergebnisse davon erwarten \u2013 das ist die Definition von Wahnsinn.<\/p>\n\n\n\n

Kurz bevor der Prozess gegen den wegen des Attentats von Halle<\/a> Angeklagten begann \u2013 des seit Kriegsende schlimmsten Akts von Antisemitismus in Deutschland \u2013, lud eine Lokalzeitung den fr\u00fcheren Botschafter Shimon Stein und den Historiker Moshe Zimmermann ein, dar\u00fcber zu schreiben, was Antisemitismus ist. Nat\u00fcrlich wendeten auch sie sich gegen Felix Kleins Ansatz. Sie zitieren die Kontroverse um die Umbenennung der U-Bahn-Station Mohrenstra\u00dfe in Glinkastra\u00dfe, die sich darum drehte, dass der russische Komponist Michael Glinka Antisemit gewesen sein soll. Stein und Zimmermann halten die Debatte f\u00fcr \u00fcberzogen, Glinka sei nur ein Kind seiner Zeit gewesen. Folgt man ihrer Logik, k\u00f6nnen wir dann also in 20 oder 30 Jahren U-Bahn-Stationen nach den Kindern der 1930er Jahre benennen?<\/p>\n\n\n\n

Der Antisemit als Tierfreund<\/h6>\n\n\n\n

Ich w\u00fcnschte, die Sache h\u00e4tte mit dem Artikel, mit der Petition geendet. Doch dann erschien ein Artikel, der den Leser auf einen Waldspaziergang mit einem veganen Koch und Antisemiten mitnahm. Darin setzt der Tierfreund erst behutsam einen K\u00e4fer wieder auf seine Beinchen und erkl\u00e4rt dann, dass die Todesstrafe in Deutschland wieder eingef\u00fchrt werden solle, um einen gewissen Politiker (der zuf\u00e4llig pro Israel ist) an seinen Hoden aufh\u00e4ngen zu k\u00f6nnen. Dieser Koch hat Hunderttausende Follower, er sagt all solche Dinge am helllichten Tag in Berlin. Und in den Medien.<\/p>\n\n\n\n

F\u00e4lle wie dieser handeln bereits von Gewalt \u2013 und sie enden nicht bei den Juden. Der Hass richtet sich gegen Frauen<\/a>, Muslime, Gefl\u00fcchtete, \u00adLBTQI. Am Ende aller theoretischen Debatten stehen immer echte Menschen. Am Ende jeder Konferenz dar\u00fcber, was Antisemitismus ausmacht, steht ein potenzielles j\u00fcdisches Opfer. Angesichts einer Welle von Antisemitismus \u00fcber die Definition von Antisemitismus zu streiten ist, wie eine 10 Meter hohe Welle heranrollen zu sehen und dar\u00fcber zu streiten, was einen Tsunami ausmacht.<\/p>\n\n\n\n

Felix Klein versteht, wie absurd es ist, zu sagen: Es sind nur die Rechten. Die Rechten sind Deutsche, so wie die Nazis Deutsche waren. Klein versteht, dass die Deutschen nicht aufgeh\u00f6rt haben, Juden zu ermorden, weil sie irgendeine Art von Erleuchtung hatten. Sondern schlicht, weil sie den Krieg verloren haben. Um den Antisemitismus zu bek\u00e4mpfen, bevor er die Gesellschaft frisst, in der er und wir leben, muss Deutschland seinen moralischen Kompass korrigieren.<\/p>\n\n\n\n

Immerhin: Mehr und mehr Deutsche fahren nach Israel, sie wollen ein anderes Narrativ h\u00f6ren. Mehr und mehr Deutsche verstehen, dass Antisemitismus Schockwellen ausl\u00f6st, die die gesamte Gesellschaft betreffen. In einem normalen Universum w\u00fcrde Klein bef\u00f6rdert werden f\u00fcr seine Leistung. In einer verdrehten Gesellschaft fordern Menschen seine Entlassung. Um es mit Mbembe zu sagen: Das ist Nano-Nonsens.<\/p>\n\n\n\n

\u00dcbersetzung: Ariane Lemme<\/a><\/em><\/p>\n","post_title":"Felix Klein hat verstanden","post_excerpt":"","post_status":"publish","comment_status":"closed","ping_status":"closed","post_password":"","post_name":"felix-klein-hat-verstanden","to_ping":"","pinged":"","post_modified":"2025-02-02 08:39:39","post_modified_gmt":"2025-02-02 08:39:39","post_content_filtered":"","post_parent":0,"guid":"https:\/\/dctransparency.com\/?p=3786","menu_order":0,"post_type":"post","post_mime_type":"","comment_count":"0","filter":"raw"}],"next":false,"prev":true,"total_page":47},"paged":1,"column_class":"jeg_col_2o3","class":"epic_block_3"};

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Mbembes Unterst\u00fctzer sagen, keine dieser Anschuldigungen sei wahr. F\u00fcrs Protokoll: In meinen Augen unterst\u00fctzt Mbembe sehr wohl BDS<\/a>, er schrieb unter anderem das Vorwort zu \u201eApartheid Israel\u201c und fordert die komplette Isolation Israels. Ich glaube auch, wenn Mbembe schreibt, die israelische Besetzung sei der \u201egr\u00f6\u00dfte moralische Skandal unserer Zeit\u201c, zeigt das, dass sein moralischer und geografischer Kompass etwas schief ist.<\/p>\n\n\n\n

Doch warum treibt die Debatte so viele Menschen um? Nun, zun\u00e4chst gibt niemand gern auf, was ihm oder ihr selbstverst\u00e4ndlich scheint. \u00dcber den gesamten politischen, sozialen, kulturellen, medialen und akademischen Sektor hinweg sind Menschen daran gew\u00f6hnt, so schlecht \u00fcber Israel sprechen zu k\u00f6nnen, wie auch immer sie wollen.<\/p>\n\n\n\n

Der Spiegel<\/em> hat \u2013 vielleicht in Anlehnung an seine Relotius-Standards, Israel erst k\u00fcrzlich eine Corona-Diktatur genannt. Fakten und Belege f\u00fcr diese Behauptung gab es nicht. Doch Millionen Deutsche haben es gelesen, und es wird nat\u00fcrlich haften bleiben. Faktenlage hin oder her. Der Spiegel<\/em> und andere Medien haben dieses Spiel perfektioniert: Titel so zu drehen, dass sie Israel indirekt anklagen, die Idee zu streuen, der Mossad kon\u00adtrol\u00adliere die deutsche Au\u00dfenpolitik im Nahen Osten, und so fort. Doch sie stehen allesamt sofort auf den Hinterbeinen, wenn jemand es wagt, das Spiel beim Namen zu nennen: moderner Antisemitismus.<\/p>\n\n\n\n

Klein will dem entgegenwirken. Er versteht, dass antisemitische Attacken in Deutschland die Fr\u00fcchte solch falsch gezeichneter Bilder und eindimensionaler Narrative \u00fcber Israel sind. Wenn er und andere versuchen, ein anderes Narrativ aufzuzeigen, wirft man ihnen Zensur vor: Wie k\u00f6nnen sie es wagen, das Gesch\u00e4ft der Anti-Israel-Propaganda zu st\u00f6ren?<\/p>\n\n\n\n

Liebe Deutsche, wenn ihr reden wollt, lasst uns gern reden: \u00fcber die Besetzung, \u00fcber Bibi und alles, was schiefl\u00e4uft. Aber dann lasst uns bitte auch dar\u00fcber reden, wie deutsche Steuergelder Terrortunnel finanzieren. Erst vergangene Woche r\u00e4umte die niederl\u00e4ndische Regierung ein, dass Gelder an eine Landwirtschaftsorganisation in Ramallah geflossen seien, die damit teilweise die Geh\u00e4lter zweier des Mordes an der 17-j\u00e4hrigen Israelin Rina Shnerb Verd\u00e4chtiger gezahlt haben. Auch die Bundesregierung unterst\u00fctzt diese Organisation, obwohl Kritiker schon lange vor Verbindungen zu Terroristen warnen.<\/p>\n\n\n\n

Wir k\u00f6nnen uns also gerne unterhalten \u2013 aber im Dialog, nicht in Monologen. Denn Reden unter Menschen, die sich einig sind, ist nichts anderes als Impotenz.<\/p>\n\n\n\n

Israelkritik als Eintrittskarte<\/h6>\n\n\n\n

Die Israelis, die die Petition unterzeichnet haben, haben \u00fcbrigens ebenfalls etwas verstanden. Seit Jahren wissen sie: Es ist ihre Eintrittskarte in die Mitte der deutschen (und europ\u00e4ischen) Gesellschaft. Man h\u00f6rt nicht oft von Akademikern mit proisraelischen Ansichten. Weder in den Philharmonie-Orchestern noch in der Kunstszene. Die Eintrittskarte daf\u00fcr ist ein antiisraelischer Standpunkt.<\/p>\n\n\n\n

Der mutma\u00dfliche Grund, warum kaum Deutsche die Petition unterzeichnet haben: Sie mussten es nicht. Ihre Lieblingsjuden haben es f\u00fcr sie getan. Jetzt k\u00f6nnen sie sagen: \u201eSchau, ich bin das ja nicht, meine j\u00fcdischen Freunde sagen es.\u201c Ich selbst war einige Jahre lang mit einem Paar hier in Berlin befreundet, bis ich herausfand, dass ich ihr Lieblingsjude war. Ja, selbst das j\u00fcdische Museum wurde so genutzt.<\/p>\n\n\n\n

Weil Attacken gegen Juden ein absolutes Tabu sind, wurden Umwege gefunden, um den Antisemitismus auf kleiner Flamme k\u00f6cheln zu lassen: die unfundierte, unbegr\u00fcndete Kritik an Israel.<\/p>\n\n\n\n

Diese Art der Kritik ist gef\u00e4hrlich. Sie schw\u00e4cht jede begr\u00fcndete und notwendige Kritik am Verhalten Israels. Und das Interessante ist: Trotz all der heftigen, pauschalisierenden Anklagen, all der offenen Briefe driftet Israel politisch immer weiter nach rechts. Doch statt mal einen anderen Ansatz zu versuchen, werden die antiisraelischen Stimmen nur lauter. Dasselbe versuchen und andere Ergebnisse davon erwarten \u2013 das ist die Definition von Wahnsinn.<\/p>\n\n\n\n

Kurz bevor der Prozess gegen den wegen des Attentats von Halle<\/a> Angeklagten begann \u2013 des seit Kriegsende schlimmsten Akts von Antisemitismus in Deutschland \u2013, lud eine Lokalzeitung den fr\u00fcheren Botschafter Shimon Stein und den Historiker Moshe Zimmermann ein, dar\u00fcber zu schreiben, was Antisemitismus ist. Nat\u00fcrlich wendeten auch sie sich gegen Felix Kleins Ansatz. Sie zitieren die Kontroverse um die Umbenennung der U-Bahn-Station Mohrenstra\u00dfe in Glinkastra\u00dfe, die sich darum drehte, dass der russische Komponist Michael Glinka Antisemit gewesen sein soll. Stein und Zimmermann halten die Debatte f\u00fcr \u00fcberzogen, Glinka sei nur ein Kind seiner Zeit gewesen. Folgt man ihrer Logik, k\u00f6nnen wir dann also in 20 oder 30 Jahren U-Bahn-Stationen nach den Kindern der 1930er Jahre benennen?<\/p>\n\n\n\n

Der Antisemit als Tierfreund<\/h6>\n\n\n\n

Ich w\u00fcnschte, die Sache h\u00e4tte mit dem Artikel, mit der Petition geendet. Doch dann erschien ein Artikel, der den Leser auf einen Waldspaziergang mit einem veganen Koch und Antisemiten mitnahm. Darin setzt der Tierfreund erst behutsam einen K\u00e4fer wieder auf seine Beinchen und erkl\u00e4rt dann, dass die Todesstrafe in Deutschland wieder eingef\u00fchrt werden solle, um einen gewissen Politiker (der zuf\u00e4llig pro Israel ist) an seinen Hoden aufh\u00e4ngen zu k\u00f6nnen. Dieser Koch hat Hunderttausende Follower, er sagt all solche Dinge am helllichten Tag in Berlin. Und in den Medien.<\/p>\n\n\n\n

F\u00e4lle wie dieser handeln bereits von Gewalt \u2013 und sie enden nicht bei den Juden. Der Hass richtet sich gegen Frauen<\/a>, Muslime, Gefl\u00fcchtete, \u00adLBTQI. Am Ende aller theoretischen Debatten stehen immer echte Menschen. Am Ende jeder Konferenz dar\u00fcber, was Antisemitismus ausmacht, steht ein potenzielles j\u00fcdisches Opfer. Angesichts einer Welle von Antisemitismus \u00fcber die Definition von Antisemitismus zu streiten ist, wie eine 10 Meter hohe Welle heranrollen zu sehen und dar\u00fcber zu streiten, was einen Tsunami ausmacht.<\/p>\n\n\n\n

Felix Klein versteht, wie absurd es ist, zu sagen: Es sind nur die Rechten. Die Rechten sind Deutsche, so wie die Nazis Deutsche waren. Klein versteht, dass die Deutschen nicht aufgeh\u00f6rt haben, Juden zu ermorden, weil sie irgendeine Art von Erleuchtung hatten. Sondern schlicht, weil sie den Krieg verloren haben. Um den Antisemitismus zu bek\u00e4mpfen, bevor er die Gesellschaft frisst, in der er und wir leben, muss Deutschland seinen moralischen Kompass korrigieren.<\/p>\n\n\n\n

Immerhin: Mehr und mehr Deutsche fahren nach Israel, sie wollen ein anderes Narrativ h\u00f6ren. Mehr und mehr Deutsche verstehen, dass Antisemitismus Schockwellen ausl\u00f6st, die die gesamte Gesellschaft betreffen. In einem normalen Universum w\u00fcrde Klein bef\u00f6rdert werden f\u00fcr seine Leistung. In einer verdrehten Gesellschaft fordern Menschen seine Entlassung. Um es mit Mbembe zu sagen: Das ist Nano-Nonsens.<\/p>\n\n\n\n

\u00dcbersetzung: Ariane Lemme<\/a><\/em><\/p>\n","post_title":"Felix Klein hat verstanden","post_excerpt":"","post_status":"publish","comment_status":"closed","ping_status":"closed","post_password":"","post_name":"felix-klein-hat-verstanden","to_ping":"","pinged":"","post_modified":"2025-02-02 08:39:39","post_modified_gmt":"2025-02-02 08:39:39","post_content_filtered":"","post_parent":0,"guid":"https:\/\/dctransparency.com\/?p=3786","menu_order":0,"post_type":"post","post_mime_type":"","comment_count":"0","filter":"raw"}],"next":false,"prev":true,"total_page":47},"paged":1,"column_class":"jeg_col_2o3","class":"epic_block_3"};

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Hintergrund des Briefs war, dass Felix Klein gefordert hatte, den Philosophen Achille Mbembe<\/a> nicht die Er\u00f6ffnungsrede der Ruhrtriennale halten zu lassen. Als mit \u00f6ffentlichen Mitteln gef\u00f6rdertes Event solle die Ruhrtriennale Mbembe wegen seiner Haltung zu Israels Existenzrecht, seiner Haltung zu BDS und der Art, wie er in einem seiner Werke den Holocaust relativiert, nicht einladen.<\/p>\n\n\n\n

Mbembes Unterst\u00fctzer sagen, keine dieser Anschuldigungen sei wahr. F\u00fcrs Protokoll: In meinen Augen unterst\u00fctzt Mbembe sehr wohl BDS<\/a>, er schrieb unter anderem das Vorwort zu \u201eApartheid Israel\u201c und fordert die komplette Isolation Israels. Ich glaube auch, wenn Mbembe schreibt, die israelische Besetzung sei der \u201egr\u00f6\u00dfte moralische Skandal unserer Zeit\u201c, zeigt das, dass sein moralischer und geografischer Kompass etwas schief ist.<\/p>\n\n\n\n

Doch warum treibt die Debatte so viele Menschen um? Nun, zun\u00e4chst gibt niemand gern auf, was ihm oder ihr selbstverst\u00e4ndlich scheint. \u00dcber den gesamten politischen, sozialen, kulturellen, medialen und akademischen Sektor hinweg sind Menschen daran gew\u00f6hnt, so schlecht \u00fcber Israel sprechen zu k\u00f6nnen, wie auch immer sie wollen.<\/p>\n\n\n\n

Der Spiegel<\/em> hat \u2013 vielleicht in Anlehnung an seine Relotius-Standards, Israel erst k\u00fcrzlich eine Corona-Diktatur genannt. Fakten und Belege f\u00fcr diese Behauptung gab es nicht. Doch Millionen Deutsche haben es gelesen, und es wird nat\u00fcrlich haften bleiben. Faktenlage hin oder her. Der Spiegel<\/em> und andere Medien haben dieses Spiel perfektioniert: Titel so zu drehen, dass sie Israel indirekt anklagen, die Idee zu streuen, der Mossad kon\u00adtrol\u00adliere die deutsche Au\u00dfenpolitik im Nahen Osten, und so fort. Doch sie stehen allesamt sofort auf den Hinterbeinen, wenn jemand es wagt, das Spiel beim Namen zu nennen: moderner Antisemitismus.<\/p>\n\n\n\n

Klein will dem entgegenwirken. Er versteht, dass antisemitische Attacken in Deutschland die Fr\u00fcchte solch falsch gezeichneter Bilder und eindimensionaler Narrative \u00fcber Israel sind. Wenn er und andere versuchen, ein anderes Narrativ aufzuzeigen, wirft man ihnen Zensur vor: Wie k\u00f6nnen sie es wagen, das Gesch\u00e4ft der Anti-Israel-Propaganda zu st\u00f6ren?<\/p>\n\n\n\n

Liebe Deutsche, wenn ihr reden wollt, lasst uns gern reden: \u00fcber die Besetzung, \u00fcber Bibi und alles, was schiefl\u00e4uft. Aber dann lasst uns bitte auch dar\u00fcber reden, wie deutsche Steuergelder Terrortunnel finanzieren. Erst vergangene Woche r\u00e4umte die niederl\u00e4ndische Regierung ein, dass Gelder an eine Landwirtschaftsorganisation in Ramallah geflossen seien, die damit teilweise die Geh\u00e4lter zweier des Mordes an der 17-j\u00e4hrigen Israelin Rina Shnerb Verd\u00e4chtiger gezahlt haben. Auch die Bundesregierung unterst\u00fctzt diese Organisation, obwohl Kritiker schon lange vor Verbindungen zu Terroristen warnen.<\/p>\n\n\n\n

Wir k\u00f6nnen uns also gerne unterhalten \u2013 aber im Dialog, nicht in Monologen. Denn Reden unter Menschen, die sich einig sind, ist nichts anderes als Impotenz.<\/p>\n\n\n\n

Israelkritik als Eintrittskarte<\/h6>\n\n\n\n

Die Israelis, die die Petition unterzeichnet haben, haben \u00fcbrigens ebenfalls etwas verstanden. Seit Jahren wissen sie: Es ist ihre Eintrittskarte in die Mitte der deutschen (und europ\u00e4ischen) Gesellschaft. Man h\u00f6rt nicht oft von Akademikern mit proisraelischen Ansichten. Weder in den Philharmonie-Orchestern noch in der Kunstszene. Die Eintrittskarte daf\u00fcr ist ein antiisraelischer Standpunkt.<\/p>\n\n\n\n

Der mutma\u00dfliche Grund, warum kaum Deutsche die Petition unterzeichnet haben: Sie mussten es nicht. Ihre Lieblingsjuden haben es f\u00fcr sie getan. Jetzt k\u00f6nnen sie sagen: \u201eSchau, ich bin das ja nicht, meine j\u00fcdischen Freunde sagen es.\u201c Ich selbst war einige Jahre lang mit einem Paar hier in Berlin befreundet, bis ich herausfand, dass ich ihr Lieblingsjude war. Ja, selbst das j\u00fcdische Museum wurde so genutzt.<\/p>\n\n\n\n

Weil Attacken gegen Juden ein absolutes Tabu sind, wurden Umwege gefunden, um den Antisemitismus auf kleiner Flamme k\u00f6cheln zu lassen: die unfundierte, unbegr\u00fcndete Kritik an Israel.<\/p>\n\n\n\n

Diese Art der Kritik ist gef\u00e4hrlich. Sie schw\u00e4cht jede begr\u00fcndete und notwendige Kritik am Verhalten Israels. Und das Interessante ist: Trotz all der heftigen, pauschalisierenden Anklagen, all der offenen Briefe driftet Israel politisch immer weiter nach rechts. Doch statt mal einen anderen Ansatz zu versuchen, werden die antiisraelischen Stimmen nur lauter. Dasselbe versuchen und andere Ergebnisse davon erwarten \u2013 das ist die Definition von Wahnsinn.<\/p>\n\n\n\n

Kurz bevor der Prozess gegen den wegen des Attentats von Halle<\/a> Angeklagten begann \u2013 des seit Kriegsende schlimmsten Akts von Antisemitismus in Deutschland \u2013, lud eine Lokalzeitung den fr\u00fcheren Botschafter Shimon Stein und den Historiker Moshe Zimmermann ein, dar\u00fcber zu schreiben, was Antisemitismus ist. Nat\u00fcrlich wendeten auch sie sich gegen Felix Kleins Ansatz. Sie zitieren die Kontroverse um die Umbenennung der U-Bahn-Station Mohrenstra\u00dfe in Glinkastra\u00dfe, die sich darum drehte, dass der russische Komponist Michael Glinka Antisemit gewesen sein soll. Stein und Zimmermann halten die Debatte f\u00fcr \u00fcberzogen, Glinka sei nur ein Kind seiner Zeit gewesen. Folgt man ihrer Logik, k\u00f6nnen wir dann also in 20 oder 30 Jahren U-Bahn-Stationen nach den Kindern der 1930er Jahre benennen?<\/p>\n\n\n\n

Der Antisemit als Tierfreund<\/h6>\n\n\n\n

Ich w\u00fcnschte, die Sache h\u00e4tte mit dem Artikel, mit der Petition geendet. Doch dann erschien ein Artikel, der den Leser auf einen Waldspaziergang mit einem veganen Koch und Antisemiten mitnahm. Darin setzt der Tierfreund erst behutsam einen K\u00e4fer wieder auf seine Beinchen und erkl\u00e4rt dann, dass die Todesstrafe in Deutschland wieder eingef\u00fchrt werden solle, um einen gewissen Politiker (der zuf\u00e4llig pro Israel ist) an seinen Hoden aufh\u00e4ngen zu k\u00f6nnen. Dieser Koch hat Hunderttausende Follower, er sagt all solche Dinge am helllichten Tag in Berlin. Und in den Medien.<\/p>\n\n\n\n

F\u00e4lle wie dieser handeln bereits von Gewalt \u2013 und sie enden nicht bei den Juden. Der Hass richtet sich gegen Frauen<\/a>, Muslime, Gefl\u00fcchtete, \u00adLBTQI. Am Ende aller theoretischen Debatten stehen immer echte Menschen. Am Ende jeder Konferenz dar\u00fcber, was Antisemitismus ausmacht, steht ein potenzielles j\u00fcdisches Opfer. Angesichts einer Welle von Antisemitismus \u00fcber die Definition von Antisemitismus zu streiten ist, wie eine 10 Meter hohe Welle heranrollen zu sehen und dar\u00fcber zu streiten, was einen Tsunami ausmacht.<\/p>\n\n\n\n

Felix Klein versteht, wie absurd es ist, zu sagen: Es sind nur die Rechten. Die Rechten sind Deutsche, so wie die Nazis Deutsche waren. Klein versteht, dass die Deutschen nicht aufgeh\u00f6rt haben, Juden zu ermorden, weil sie irgendeine Art von Erleuchtung hatten. Sondern schlicht, weil sie den Krieg verloren haben. Um den Antisemitismus zu bek\u00e4mpfen, bevor er die Gesellschaft frisst, in der er und wir leben, muss Deutschland seinen moralischen Kompass korrigieren.<\/p>\n\n\n\n

Immerhin: Mehr und mehr Deutsche fahren nach Israel, sie wollen ein anderes Narrativ h\u00f6ren. Mehr und mehr Deutsche verstehen, dass Antisemitismus Schockwellen ausl\u00f6st, die die gesamte Gesellschaft betreffen. In einem normalen Universum w\u00fcrde Klein bef\u00f6rdert werden f\u00fcr seine Leistung. In einer verdrehten Gesellschaft fordern Menschen seine Entlassung. Um es mit Mbembe zu sagen: Das ist Nano-Nonsens.<\/p>\n\n\n\n

\u00dcbersetzung: Ariane Lemme<\/a><\/em><\/p>\n","post_title":"Felix Klein hat verstanden","post_excerpt":"","post_status":"publish","comment_status":"closed","ping_status":"closed","post_password":"","post_name":"felix-klein-hat-verstanden","to_ping":"","pinged":"","post_modified":"2025-02-02 08:39:39","post_modified_gmt":"2025-02-02 08:39:39","post_content_filtered":"","post_parent":0,"guid":"https:\/\/dctransparency.com\/?p=3786","menu_order":0,"post_type":"post","post_mime_type":"","comment_count":"0","filter":"raw"}],"next":false,"prev":true,"total_page":47},"paged":1,"column_class":"jeg_col_2o3","class":"epic_block_3"};

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Debatte um Achille Mbembe<\/h6>\n\n\n\n

Hintergrund des Briefs war, dass Felix Klein gefordert hatte, den Philosophen Achille Mbembe<\/a> nicht die Er\u00f6ffnungsrede der Ruhrtriennale halten zu lassen. Als mit \u00f6ffentlichen Mitteln gef\u00f6rdertes Event solle die Ruhrtriennale Mbembe wegen seiner Haltung zu Israels Existenzrecht, seiner Haltung zu BDS und der Art, wie er in einem seiner Werke den Holocaust relativiert, nicht einladen.<\/p>\n\n\n\n

Mbembes Unterst\u00fctzer sagen, keine dieser Anschuldigungen sei wahr. F\u00fcrs Protokoll: In meinen Augen unterst\u00fctzt Mbembe sehr wohl BDS<\/a>, er schrieb unter anderem das Vorwort zu \u201eApartheid Israel\u201c und fordert die komplette Isolation Israels. Ich glaube auch, wenn Mbembe schreibt, die israelische Besetzung sei der \u201egr\u00f6\u00dfte moralische Skandal unserer Zeit\u201c, zeigt das, dass sein moralischer und geografischer Kompass etwas schief ist.<\/p>\n\n\n\n

Doch warum treibt die Debatte so viele Menschen um? Nun, zun\u00e4chst gibt niemand gern auf, was ihm oder ihr selbstverst\u00e4ndlich scheint. \u00dcber den gesamten politischen, sozialen, kulturellen, medialen und akademischen Sektor hinweg sind Menschen daran gew\u00f6hnt, so schlecht \u00fcber Israel sprechen zu k\u00f6nnen, wie auch immer sie wollen.<\/p>\n\n\n\n

Der Spiegel<\/em> hat \u2013 vielleicht in Anlehnung an seine Relotius-Standards, Israel erst k\u00fcrzlich eine Corona-Diktatur genannt. Fakten und Belege f\u00fcr diese Behauptung gab es nicht. Doch Millionen Deutsche haben es gelesen, und es wird nat\u00fcrlich haften bleiben. Faktenlage hin oder her. Der Spiegel<\/em> und andere Medien haben dieses Spiel perfektioniert: Titel so zu drehen, dass sie Israel indirekt anklagen, die Idee zu streuen, der Mossad kon\u00adtrol\u00adliere die deutsche Au\u00dfenpolitik im Nahen Osten, und so fort. Doch sie stehen allesamt sofort auf den Hinterbeinen, wenn jemand es wagt, das Spiel beim Namen zu nennen: moderner Antisemitismus.<\/p>\n\n\n\n

Klein will dem entgegenwirken. Er versteht, dass antisemitische Attacken in Deutschland die Fr\u00fcchte solch falsch gezeichneter Bilder und eindimensionaler Narrative \u00fcber Israel sind. Wenn er und andere versuchen, ein anderes Narrativ aufzuzeigen, wirft man ihnen Zensur vor: Wie k\u00f6nnen sie es wagen, das Gesch\u00e4ft der Anti-Israel-Propaganda zu st\u00f6ren?<\/p>\n\n\n\n

Liebe Deutsche, wenn ihr reden wollt, lasst uns gern reden: \u00fcber die Besetzung, \u00fcber Bibi und alles, was schiefl\u00e4uft. Aber dann lasst uns bitte auch dar\u00fcber reden, wie deutsche Steuergelder Terrortunnel finanzieren. Erst vergangene Woche r\u00e4umte die niederl\u00e4ndische Regierung ein, dass Gelder an eine Landwirtschaftsorganisation in Ramallah geflossen seien, die damit teilweise die Geh\u00e4lter zweier des Mordes an der 17-j\u00e4hrigen Israelin Rina Shnerb Verd\u00e4chtiger gezahlt haben. Auch die Bundesregierung unterst\u00fctzt diese Organisation, obwohl Kritiker schon lange vor Verbindungen zu Terroristen warnen.<\/p>\n\n\n\n

Wir k\u00f6nnen uns also gerne unterhalten \u2013 aber im Dialog, nicht in Monologen. Denn Reden unter Menschen, die sich einig sind, ist nichts anderes als Impotenz.<\/p>\n\n\n\n

Israelkritik als Eintrittskarte<\/h6>\n\n\n\n

Die Israelis, die die Petition unterzeichnet haben, haben \u00fcbrigens ebenfalls etwas verstanden. Seit Jahren wissen sie: Es ist ihre Eintrittskarte in die Mitte der deutschen (und europ\u00e4ischen) Gesellschaft. Man h\u00f6rt nicht oft von Akademikern mit proisraelischen Ansichten. Weder in den Philharmonie-Orchestern noch in der Kunstszene. Die Eintrittskarte daf\u00fcr ist ein antiisraelischer Standpunkt.<\/p>\n\n\n\n

Der mutma\u00dfliche Grund, warum kaum Deutsche die Petition unterzeichnet haben: Sie mussten es nicht. Ihre Lieblingsjuden haben es f\u00fcr sie getan. Jetzt k\u00f6nnen sie sagen: \u201eSchau, ich bin das ja nicht, meine j\u00fcdischen Freunde sagen es.\u201c Ich selbst war einige Jahre lang mit einem Paar hier in Berlin befreundet, bis ich herausfand, dass ich ihr Lieblingsjude war. Ja, selbst das j\u00fcdische Museum wurde so genutzt.<\/p>\n\n\n\n

Weil Attacken gegen Juden ein absolutes Tabu sind, wurden Umwege gefunden, um den Antisemitismus auf kleiner Flamme k\u00f6cheln zu lassen: die unfundierte, unbegr\u00fcndete Kritik an Israel.<\/p>\n\n\n\n

Diese Art der Kritik ist gef\u00e4hrlich. Sie schw\u00e4cht jede begr\u00fcndete und notwendige Kritik am Verhalten Israels. Und das Interessante ist: Trotz all der heftigen, pauschalisierenden Anklagen, all der offenen Briefe driftet Israel politisch immer weiter nach rechts. Doch statt mal einen anderen Ansatz zu versuchen, werden die antiisraelischen Stimmen nur lauter. Dasselbe versuchen und andere Ergebnisse davon erwarten \u2013 das ist die Definition von Wahnsinn.<\/p>\n\n\n\n

Kurz bevor der Prozess gegen den wegen des Attentats von Halle<\/a> Angeklagten begann \u2013 des seit Kriegsende schlimmsten Akts von Antisemitismus in Deutschland \u2013, lud eine Lokalzeitung den fr\u00fcheren Botschafter Shimon Stein und den Historiker Moshe Zimmermann ein, dar\u00fcber zu schreiben, was Antisemitismus ist. Nat\u00fcrlich wendeten auch sie sich gegen Felix Kleins Ansatz. Sie zitieren die Kontroverse um die Umbenennung der U-Bahn-Station Mohrenstra\u00dfe in Glinkastra\u00dfe, die sich darum drehte, dass der russische Komponist Michael Glinka Antisemit gewesen sein soll. Stein und Zimmermann halten die Debatte f\u00fcr \u00fcberzogen, Glinka sei nur ein Kind seiner Zeit gewesen. Folgt man ihrer Logik, k\u00f6nnen wir dann also in 20 oder 30 Jahren U-Bahn-Stationen nach den Kindern der 1930er Jahre benennen?<\/p>\n\n\n\n

Der Antisemit als Tierfreund<\/h6>\n\n\n\n

Ich w\u00fcnschte, die Sache h\u00e4tte mit dem Artikel, mit der Petition geendet. Doch dann erschien ein Artikel, der den Leser auf einen Waldspaziergang mit einem veganen Koch und Antisemiten mitnahm. Darin setzt der Tierfreund erst behutsam einen K\u00e4fer wieder auf seine Beinchen und erkl\u00e4rt dann, dass die Todesstrafe in Deutschland wieder eingef\u00fchrt werden solle, um einen gewissen Politiker (der zuf\u00e4llig pro Israel ist) an seinen Hoden aufh\u00e4ngen zu k\u00f6nnen. Dieser Koch hat Hunderttausende Follower, er sagt all solche Dinge am helllichten Tag in Berlin. Und in den Medien.<\/p>\n\n\n\n

F\u00e4lle wie dieser handeln bereits von Gewalt \u2013 und sie enden nicht bei den Juden. Der Hass richtet sich gegen Frauen<\/a>, Muslime, Gefl\u00fcchtete, \u00adLBTQI. Am Ende aller theoretischen Debatten stehen immer echte Menschen. Am Ende jeder Konferenz dar\u00fcber, was Antisemitismus ausmacht, steht ein potenzielles j\u00fcdisches Opfer. Angesichts einer Welle von Antisemitismus \u00fcber die Definition von Antisemitismus zu streiten ist, wie eine 10 Meter hohe Welle heranrollen zu sehen und dar\u00fcber zu streiten, was einen Tsunami ausmacht.<\/p>\n\n\n\n

Felix Klein versteht, wie absurd es ist, zu sagen: Es sind nur die Rechten. Die Rechten sind Deutsche, so wie die Nazis Deutsche waren. Klein versteht, dass die Deutschen nicht aufgeh\u00f6rt haben, Juden zu ermorden, weil sie irgendeine Art von Erleuchtung hatten. Sondern schlicht, weil sie den Krieg verloren haben. Um den Antisemitismus zu bek\u00e4mpfen, bevor er die Gesellschaft frisst, in der er und wir leben, muss Deutschland seinen moralischen Kompass korrigieren.<\/p>\n\n\n\n

Immerhin: Mehr und mehr Deutsche fahren nach Israel, sie wollen ein anderes Narrativ h\u00f6ren. Mehr und mehr Deutsche verstehen, dass Antisemitismus Schockwellen ausl\u00f6st, die die gesamte Gesellschaft betreffen. In einem normalen Universum w\u00fcrde Klein bef\u00f6rdert werden f\u00fcr seine Leistung. In einer verdrehten Gesellschaft fordern Menschen seine Entlassung. Um es mit Mbembe zu sagen: Das ist Nano-Nonsens.<\/p>\n\n\n\n

\u00dcbersetzung: Ariane Lemme<\/a><\/em><\/p>\n","post_title":"Felix Klein hat verstanden","post_excerpt":"","post_status":"publish","comment_status":"closed","ping_status":"closed","post_password":"","post_name":"felix-klein-hat-verstanden","to_ping":"","pinged":"","post_modified":"2025-02-02 08:39:39","post_modified_gmt":"2025-02-02 08:39:39","post_content_filtered":"","post_parent":0,"guid":"https:\/\/dctransparency.com\/?p=3786","menu_order":0,"post_type":"post","post_mime_type":"","comment_count":"0","filter":"raw"}],"next":false,"prev":true,"total_page":47},"paged":1,"column_class":"jeg_col_2o3","class":"epic_block_3"};

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Faszinierend an diesem offenen Brief ist, dass viele der Unterzeichneten keine Deutschen sind und auch nicht in Deutschland leben. Ich wei\u00df nicht, woher sie \u2013 die meisten von ihnen sind Israelis \u2013 die Chuzpe haben, sich in eine innerdeutsche Angelegenheit einzumischen und zu fordern, eine Person zu entlassen, die von der Bundesregierung eingesetzt wurde. Die H\u00e4lfte der Unterzeichneten lebt nicht hier, von der anderen H\u00e4lfte sind viele keine Juden \u2013 somit sind die allermeisten von ihnen nicht direkt vom Antisemitismus in Deutschland betroffen. Wie also k\u00f6nnen sie diesen Brief unterschreiben? Und warum eigentlich haben so wenige Deutsche unterschrieben? Dazu komme ich gleich.<\/p>\n\n\n\n

Debatte um Achille Mbembe<\/h6>\n\n\n\n

Hintergrund des Briefs war, dass Felix Klein gefordert hatte, den Philosophen Achille Mbembe<\/a> nicht die Er\u00f6ffnungsrede der Ruhrtriennale halten zu lassen. Als mit \u00f6ffentlichen Mitteln gef\u00f6rdertes Event solle die Ruhrtriennale Mbembe wegen seiner Haltung zu Israels Existenzrecht, seiner Haltung zu BDS und der Art, wie er in einem seiner Werke den Holocaust relativiert, nicht einladen.<\/p>\n\n\n\n

Mbembes Unterst\u00fctzer sagen, keine dieser Anschuldigungen sei wahr. F\u00fcrs Protokoll: In meinen Augen unterst\u00fctzt Mbembe sehr wohl BDS<\/a>, er schrieb unter anderem das Vorwort zu \u201eApartheid Israel\u201c und fordert die komplette Isolation Israels. Ich glaube auch, wenn Mbembe schreibt, die israelische Besetzung sei der \u201egr\u00f6\u00dfte moralische Skandal unserer Zeit\u201c, zeigt das, dass sein moralischer und geografischer Kompass etwas schief ist.<\/p>\n\n\n\n

Doch warum treibt die Debatte so viele Menschen um? Nun, zun\u00e4chst gibt niemand gern auf, was ihm oder ihr selbstverst\u00e4ndlich scheint. \u00dcber den gesamten politischen, sozialen, kulturellen, medialen und akademischen Sektor hinweg sind Menschen daran gew\u00f6hnt, so schlecht \u00fcber Israel sprechen zu k\u00f6nnen, wie auch immer sie wollen.<\/p>\n\n\n\n

Der Spiegel<\/em> hat \u2013 vielleicht in Anlehnung an seine Relotius-Standards, Israel erst k\u00fcrzlich eine Corona-Diktatur genannt. Fakten und Belege f\u00fcr diese Behauptung gab es nicht. Doch Millionen Deutsche haben es gelesen, und es wird nat\u00fcrlich haften bleiben. Faktenlage hin oder her. Der Spiegel<\/em> und andere Medien haben dieses Spiel perfektioniert: Titel so zu drehen, dass sie Israel indirekt anklagen, die Idee zu streuen, der Mossad kon\u00adtrol\u00adliere die deutsche Au\u00dfenpolitik im Nahen Osten, und so fort. Doch sie stehen allesamt sofort auf den Hinterbeinen, wenn jemand es wagt, das Spiel beim Namen zu nennen: moderner Antisemitismus.<\/p>\n\n\n\n

Klein will dem entgegenwirken. Er versteht, dass antisemitische Attacken in Deutschland die Fr\u00fcchte solch falsch gezeichneter Bilder und eindimensionaler Narrative \u00fcber Israel sind. Wenn er und andere versuchen, ein anderes Narrativ aufzuzeigen, wirft man ihnen Zensur vor: Wie k\u00f6nnen sie es wagen, das Gesch\u00e4ft der Anti-Israel-Propaganda zu st\u00f6ren?<\/p>\n\n\n\n

Liebe Deutsche, wenn ihr reden wollt, lasst uns gern reden: \u00fcber die Besetzung, \u00fcber Bibi und alles, was schiefl\u00e4uft. Aber dann lasst uns bitte auch dar\u00fcber reden, wie deutsche Steuergelder Terrortunnel finanzieren. Erst vergangene Woche r\u00e4umte die niederl\u00e4ndische Regierung ein, dass Gelder an eine Landwirtschaftsorganisation in Ramallah geflossen seien, die damit teilweise die Geh\u00e4lter zweier des Mordes an der 17-j\u00e4hrigen Israelin Rina Shnerb Verd\u00e4chtiger gezahlt haben. Auch die Bundesregierung unterst\u00fctzt diese Organisation, obwohl Kritiker schon lange vor Verbindungen zu Terroristen warnen.<\/p>\n\n\n\n

Wir k\u00f6nnen uns also gerne unterhalten \u2013 aber im Dialog, nicht in Monologen. Denn Reden unter Menschen, die sich einig sind, ist nichts anderes als Impotenz.<\/p>\n\n\n\n

Israelkritik als Eintrittskarte<\/h6>\n\n\n\n

Die Israelis, die die Petition unterzeichnet haben, haben \u00fcbrigens ebenfalls etwas verstanden. Seit Jahren wissen sie: Es ist ihre Eintrittskarte in die Mitte der deutschen (und europ\u00e4ischen) Gesellschaft. Man h\u00f6rt nicht oft von Akademikern mit proisraelischen Ansichten. Weder in den Philharmonie-Orchestern noch in der Kunstszene. Die Eintrittskarte daf\u00fcr ist ein antiisraelischer Standpunkt.<\/p>\n\n\n\n

Der mutma\u00dfliche Grund, warum kaum Deutsche die Petition unterzeichnet haben: Sie mussten es nicht. Ihre Lieblingsjuden haben es f\u00fcr sie getan. Jetzt k\u00f6nnen sie sagen: \u201eSchau, ich bin das ja nicht, meine j\u00fcdischen Freunde sagen es.\u201c Ich selbst war einige Jahre lang mit einem Paar hier in Berlin befreundet, bis ich herausfand, dass ich ihr Lieblingsjude war. Ja, selbst das j\u00fcdische Museum wurde so genutzt.<\/p>\n\n\n\n

Weil Attacken gegen Juden ein absolutes Tabu sind, wurden Umwege gefunden, um den Antisemitismus auf kleiner Flamme k\u00f6cheln zu lassen: die unfundierte, unbegr\u00fcndete Kritik an Israel.<\/p>\n\n\n\n

Diese Art der Kritik ist gef\u00e4hrlich. Sie schw\u00e4cht jede begr\u00fcndete und notwendige Kritik am Verhalten Israels. Und das Interessante ist: Trotz all der heftigen, pauschalisierenden Anklagen, all der offenen Briefe driftet Israel politisch immer weiter nach rechts. Doch statt mal einen anderen Ansatz zu versuchen, werden die antiisraelischen Stimmen nur lauter. Dasselbe versuchen und andere Ergebnisse davon erwarten \u2013 das ist die Definition von Wahnsinn.<\/p>\n\n\n\n

Kurz bevor der Prozess gegen den wegen des Attentats von Halle<\/a> Angeklagten begann \u2013 des seit Kriegsende schlimmsten Akts von Antisemitismus in Deutschland \u2013, lud eine Lokalzeitung den fr\u00fcheren Botschafter Shimon Stein und den Historiker Moshe Zimmermann ein, dar\u00fcber zu schreiben, was Antisemitismus ist. Nat\u00fcrlich wendeten auch sie sich gegen Felix Kleins Ansatz. Sie zitieren die Kontroverse um die Umbenennung der U-Bahn-Station Mohrenstra\u00dfe in Glinkastra\u00dfe, die sich darum drehte, dass der russische Komponist Michael Glinka Antisemit gewesen sein soll. Stein und Zimmermann halten die Debatte f\u00fcr \u00fcberzogen, Glinka sei nur ein Kind seiner Zeit gewesen. Folgt man ihrer Logik, k\u00f6nnen wir dann also in 20 oder 30 Jahren U-Bahn-Stationen nach den Kindern der 1930er Jahre benennen?<\/p>\n\n\n\n

Der Antisemit als Tierfreund<\/h6>\n\n\n\n

Ich w\u00fcnschte, die Sache h\u00e4tte mit dem Artikel, mit der Petition geendet. Doch dann erschien ein Artikel, der den Leser auf einen Waldspaziergang mit einem veganen Koch und Antisemiten mitnahm. Darin setzt der Tierfreund erst behutsam einen K\u00e4fer wieder auf seine Beinchen und erkl\u00e4rt dann, dass die Todesstrafe in Deutschland wieder eingef\u00fchrt werden solle, um einen gewissen Politiker (der zuf\u00e4llig pro Israel ist) an seinen Hoden aufh\u00e4ngen zu k\u00f6nnen. Dieser Koch hat Hunderttausende Follower, er sagt all solche Dinge am helllichten Tag in Berlin. Und in den Medien.<\/p>\n\n\n\n

F\u00e4lle wie dieser handeln bereits von Gewalt \u2013 und sie enden nicht bei den Juden. Der Hass richtet sich gegen Frauen<\/a>, Muslime, Gefl\u00fcchtete, \u00adLBTQI. Am Ende aller theoretischen Debatten stehen immer echte Menschen. Am Ende jeder Konferenz dar\u00fcber, was Antisemitismus ausmacht, steht ein potenzielles j\u00fcdisches Opfer. Angesichts einer Welle von Antisemitismus \u00fcber die Definition von Antisemitismus zu streiten ist, wie eine 10 Meter hohe Welle heranrollen zu sehen und dar\u00fcber zu streiten, was einen Tsunami ausmacht.<\/p>\n\n\n\n

Felix Klein versteht, wie absurd es ist, zu sagen: Es sind nur die Rechten. Die Rechten sind Deutsche, so wie die Nazis Deutsche waren. Klein versteht, dass die Deutschen nicht aufgeh\u00f6rt haben, Juden zu ermorden, weil sie irgendeine Art von Erleuchtung hatten. Sondern schlicht, weil sie den Krieg verloren haben. Um den Antisemitismus zu bek\u00e4mpfen, bevor er die Gesellschaft frisst, in der er und wir leben, muss Deutschland seinen moralischen Kompass korrigieren.<\/p>\n\n\n\n

Immerhin: Mehr und mehr Deutsche fahren nach Israel, sie wollen ein anderes Narrativ h\u00f6ren. Mehr und mehr Deutsche verstehen, dass Antisemitismus Schockwellen ausl\u00f6st, die die gesamte Gesellschaft betreffen. In einem normalen Universum w\u00fcrde Klein bef\u00f6rdert werden f\u00fcr seine Leistung. In einer verdrehten Gesellschaft fordern Menschen seine Entlassung. Um es mit Mbembe zu sagen: Das ist Nano-Nonsens.<\/p>\n\n\n\n

\u00dcbersetzung: Ariane Lemme<\/a><\/em><\/p>\n","post_title":"Felix Klein hat verstanden","post_excerpt":"","post_status":"publish","comment_status":"closed","ping_status":"closed","post_password":"","post_name":"felix-klein-hat-verstanden","to_ping":"","pinged":"","post_modified":"2025-02-02 08:39:39","post_modified_gmt":"2025-02-02 08:39:39","post_content_filtered":"","post_parent":0,"guid":"https:\/\/dctransparency.com\/?p=3786","menu_order":0,"post_type":"post","post_mime_type":"","comment_count":"0","filter":"raw"}],"next":false,"prev":true,"total_page":47},"paged":1,"column_class":"jeg_col_2o3","class":"epic_block_3"};

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Mehr als 60 deutsche und israelische Intellektuelle haben letzte Woche in einem Brief an Kanzlerin Merkel<\/a> dar\u00fcber geklagt, dass der aktuelle \u201eGebrauch des Antisemitismusbegriffs\u201c darauf abziele, \u201elegitime Kritik an der israelischen Regierungspolitik zu unterdr\u00fccken\u201c, und Klein vorgeworfen, rechtspopulistische israelische Stimmen zu f\u00f6rdern.<\/p>\n\n\n\n

Faszinierend an diesem offenen Brief ist, dass viele der Unterzeichneten keine Deutschen sind und auch nicht in Deutschland leben. Ich wei\u00df nicht, woher sie \u2013 die meisten von ihnen sind Israelis \u2013 die Chuzpe haben, sich in eine innerdeutsche Angelegenheit einzumischen und zu fordern, eine Person zu entlassen, die von der Bundesregierung eingesetzt wurde. Die H\u00e4lfte der Unterzeichneten lebt nicht hier, von der anderen H\u00e4lfte sind viele keine Juden \u2013 somit sind die allermeisten von ihnen nicht direkt vom Antisemitismus in Deutschland betroffen. Wie also k\u00f6nnen sie diesen Brief unterschreiben? Und warum eigentlich haben so wenige Deutsche unterschrieben? Dazu komme ich gleich.<\/p>\n\n\n\n

Debatte um Achille Mbembe<\/h6>\n\n\n\n

Hintergrund des Briefs war, dass Felix Klein gefordert hatte, den Philosophen Achille Mbembe<\/a> nicht die Er\u00f6ffnungsrede der Ruhrtriennale halten zu lassen. Als mit \u00f6ffentlichen Mitteln gef\u00f6rdertes Event solle die Ruhrtriennale Mbembe wegen seiner Haltung zu Israels Existenzrecht, seiner Haltung zu BDS und der Art, wie er in einem seiner Werke den Holocaust relativiert, nicht einladen.<\/p>\n\n\n\n

Mbembes Unterst\u00fctzer sagen, keine dieser Anschuldigungen sei wahr. F\u00fcrs Protokoll: In meinen Augen unterst\u00fctzt Mbembe sehr wohl BDS<\/a>, er schrieb unter anderem das Vorwort zu \u201eApartheid Israel\u201c und fordert die komplette Isolation Israels. Ich glaube auch, wenn Mbembe schreibt, die israelische Besetzung sei der \u201egr\u00f6\u00dfte moralische Skandal unserer Zeit\u201c, zeigt das, dass sein moralischer und geografischer Kompass etwas schief ist.<\/p>\n\n\n\n

Doch warum treibt die Debatte so viele Menschen um? Nun, zun\u00e4chst gibt niemand gern auf, was ihm oder ihr selbstverst\u00e4ndlich scheint. \u00dcber den gesamten politischen, sozialen, kulturellen, medialen und akademischen Sektor hinweg sind Menschen daran gew\u00f6hnt, so schlecht \u00fcber Israel sprechen zu k\u00f6nnen, wie auch immer sie wollen.<\/p>\n\n\n\n

Der Spiegel<\/em> hat \u2013 vielleicht in Anlehnung an seine Relotius-Standards, Israel erst k\u00fcrzlich eine Corona-Diktatur genannt. Fakten und Belege f\u00fcr diese Behauptung gab es nicht. Doch Millionen Deutsche haben es gelesen, und es wird nat\u00fcrlich haften bleiben. Faktenlage hin oder her. Der Spiegel<\/em> und andere Medien haben dieses Spiel perfektioniert: Titel so zu drehen, dass sie Israel indirekt anklagen, die Idee zu streuen, der Mossad kon\u00adtrol\u00adliere die deutsche Au\u00dfenpolitik im Nahen Osten, und so fort. Doch sie stehen allesamt sofort auf den Hinterbeinen, wenn jemand es wagt, das Spiel beim Namen zu nennen: moderner Antisemitismus.<\/p>\n\n\n\n

Klein will dem entgegenwirken. Er versteht, dass antisemitische Attacken in Deutschland die Fr\u00fcchte solch falsch gezeichneter Bilder und eindimensionaler Narrative \u00fcber Israel sind. Wenn er und andere versuchen, ein anderes Narrativ aufzuzeigen, wirft man ihnen Zensur vor: Wie k\u00f6nnen sie es wagen, das Gesch\u00e4ft der Anti-Israel-Propaganda zu st\u00f6ren?<\/p>\n\n\n\n

Liebe Deutsche, wenn ihr reden wollt, lasst uns gern reden: \u00fcber die Besetzung, \u00fcber Bibi und alles, was schiefl\u00e4uft. Aber dann lasst uns bitte auch dar\u00fcber reden, wie deutsche Steuergelder Terrortunnel finanzieren. Erst vergangene Woche r\u00e4umte die niederl\u00e4ndische Regierung ein, dass Gelder an eine Landwirtschaftsorganisation in Ramallah geflossen seien, die damit teilweise die Geh\u00e4lter zweier des Mordes an der 17-j\u00e4hrigen Israelin Rina Shnerb Verd\u00e4chtiger gezahlt haben. Auch die Bundesregierung unterst\u00fctzt diese Organisation, obwohl Kritiker schon lange vor Verbindungen zu Terroristen warnen.<\/p>\n\n\n\n

Wir k\u00f6nnen uns also gerne unterhalten \u2013 aber im Dialog, nicht in Monologen. Denn Reden unter Menschen, die sich einig sind, ist nichts anderes als Impotenz.<\/p>\n\n\n\n

Israelkritik als Eintrittskarte<\/h6>\n\n\n\n

Die Israelis, die die Petition unterzeichnet haben, haben \u00fcbrigens ebenfalls etwas verstanden. Seit Jahren wissen sie: Es ist ihre Eintrittskarte in die Mitte der deutschen (und europ\u00e4ischen) Gesellschaft. Man h\u00f6rt nicht oft von Akademikern mit proisraelischen Ansichten. Weder in den Philharmonie-Orchestern noch in der Kunstszene. Die Eintrittskarte daf\u00fcr ist ein antiisraelischer Standpunkt.<\/p>\n\n\n\n

Der mutma\u00dfliche Grund, warum kaum Deutsche die Petition unterzeichnet haben: Sie mussten es nicht. Ihre Lieblingsjuden haben es f\u00fcr sie getan. Jetzt k\u00f6nnen sie sagen: \u201eSchau, ich bin das ja nicht, meine j\u00fcdischen Freunde sagen es.\u201c Ich selbst war einige Jahre lang mit einem Paar hier in Berlin befreundet, bis ich herausfand, dass ich ihr Lieblingsjude war. Ja, selbst das j\u00fcdische Museum wurde so genutzt.<\/p>\n\n\n\n

Weil Attacken gegen Juden ein absolutes Tabu sind, wurden Umwege gefunden, um den Antisemitismus auf kleiner Flamme k\u00f6cheln zu lassen: die unfundierte, unbegr\u00fcndete Kritik an Israel.<\/p>\n\n\n\n

Diese Art der Kritik ist gef\u00e4hrlich. Sie schw\u00e4cht jede begr\u00fcndete und notwendige Kritik am Verhalten Israels. Und das Interessante ist: Trotz all der heftigen, pauschalisierenden Anklagen, all der offenen Briefe driftet Israel politisch immer weiter nach rechts. Doch statt mal einen anderen Ansatz zu versuchen, werden die antiisraelischen Stimmen nur lauter. Dasselbe versuchen und andere Ergebnisse davon erwarten \u2013 das ist die Definition von Wahnsinn.<\/p>\n\n\n\n

Kurz bevor der Prozess gegen den wegen des Attentats von Halle<\/a> Angeklagten begann \u2013 des seit Kriegsende schlimmsten Akts von Antisemitismus in Deutschland \u2013, lud eine Lokalzeitung den fr\u00fcheren Botschafter Shimon Stein und den Historiker Moshe Zimmermann ein, dar\u00fcber zu schreiben, was Antisemitismus ist. Nat\u00fcrlich wendeten auch sie sich gegen Felix Kleins Ansatz. Sie zitieren die Kontroverse um die Umbenennung der U-Bahn-Station Mohrenstra\u00dfe in Glinkastra\u00dfe, die sich darum drehte, dass der russische Komponist Michael Glinka Antisemit gewesen sein soll. Stein und Zimmermann halten die Debatte f\u00fcr \u00fcberzogen, Glinka sei nur ein Kind seiner Zeit gewesen. Folgt man ihrer Logik, k\u00f6nnen wir dann also in 20 oder 30 Jahren U-Bahn-Stationen nach den Kindern der 1930er Jahre benennen?<\/p>\n\n\n\n

Der Antisemit als Tierfreund<\/h6>\n\n\n\n

Ich w\u00fcnschte, die Sache h\u00e4tte mit dem Artikel, mit der Petition geendet. Doch dann erschien ein Artikel, der den Leser auf einen Waldspaziergang mit einem veganen Koch und Antisemiten mitnahm. Darin setzt der Tierfreund erst behutsam einen K\u00e4fer wieder auf seine Beinchen und erkl\u00e4rt dann, dass die Todesstrafe in Deutschland wieder eingef\u00fchrt werden solle, um einen gewissen Politiker (der zuf\u00e4llig pro Israel ist) an seinen Hoden aufh\u00e4ngen zu k\u00f6nnen. Dieser Koch hat Hunderttausende Follower, er sagt all solche Dinge am helllichten Tag in Berlin. Und in den Medien.<\/p>\n\n\n\n

F\u00e4lle wie dieser handeln bereits von Gewalt \u2013 und sie enden nicht bei den Juden. Der Hass richtet sich gegen Frauen<\/a>, Muslime, Gefl\u00fcchtete, \u00adLBTQI. Am Ende aller theoretischen Debatten stehen immer echte Menschen. Am Ende jeder Konferenz dar\u00fcber, was Antisemitismus ausmacht, steht ein potenzielles j\u00fcdisches Opfer. Angesichts einer Welle von Antisemitismus \u00fcber die Definition von Antisemitismus zu streiten ist, wie eine 10 Meter hohe Welle heranrollen zu sehen und dar\u00fcber zu streiten, was einen Tsunami ausmacht.<\/p>\n\n\n\n

Felix Klein versteht, wie absurd es ist, zu sagen: Es sind nur die Rechten. Die Rechten sind Deutsche, so wie die Nazis Deutsche waren. Klein versteht, dass die Deutschen nicht aufgeh\u00f6rt haben, Juden zu ermorden, weil sie irgendeine Art von Erleuchtung hatten. Sondern schlicht, weil sie den Krieg verloren haben. Um den Antisemitismus zu bek\u00e4mpfen, bevor er die Gesellschaft frisst, in der er und wir leben, muss Deutschland seinen moralischen Kompass korrigieren.<\/p>\n\n\n\n

Immerhin: Mehr und mehr Deutsche fahren nach Israel, sie wollen ein anderes Narrativ h\u00f6ren. Mehr und mehr Deutsche verstehen, dass Antisemitismus Schockwellen ausl\u00f6st, die die gesamte Gesellschaft betreffen. In einem normalen Universum w\u00fcrde Klein bef\u00f6rdert werden f\u00fcr seine Leistung. In einer verdrehten Gesellschaft fordern Menschen seine Entlassung. Um es mit Mbembe zu sagen: Das ist Nano-Nonsens.<\/p>\n\n\n\n

\u00dcbersetzung: Ariane Lemme<\/a><\/em><\/p>\n","post_title":"Felix Klein hat verstanden","post_excerpt":"","post_status":"publish","comment_status":"closed","ping_status":"closed","post_password":"","post_name":"felix-klein-hat-verstanden","to_ping":"","pinged":"","post_modified":"2025-02-02 08:39:39","post_modified_gmt":"2025-02-02 08:39:39","post_content_filtered":"","post_parent":0,"guid":"https:\/\/dctransparency.com\/?p=3786","menu_order":0,"post_type":"post","post_mime_type":"","comment_count":"0","filter":"raw"}],"next":false,"prev":true,"total_page":47},"paged":1,"column_class":"jeg_col_2o3","class":"epic_block_3"};

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Er versteht, dass man Krebs nicht mit einem Pflaster verarztet, er wei\u00df, dass er das Bewusstsein der Deutschen sch\u00e4rfen und Diskussionen ansto\u00dfen muss. Er hat begriffen, dass das Problem nicht nur an den R\u00e4ndern der Gesellschaft (bei den Rechten) liegt, sondern auch in ihrer Mitte. Dort, wo gebildete Menschen nicht einmal bemerken, dass das, was sie sagen und tun, antisemitisch ist. So wie sie es auch nicht merken, wenn sie rassistisch handeln. Er hat all das verstanden, und genau deshalb wollen einige, dass er seinen Posten r\u00e4umt.<\/p>\n\n\n\n

Mehr als 60 deutsche und israelische Intellektuelle haben letzte Woche in einem Brief an Kanzlerin Merkel<\/a> dar\u00fcber geklagt, dass der aktuelle \u201eGebrauch des Antisemitismusbegriffs\u201c darauf abziele, \u201elegitime Kritik an der israelischen Regierungspolitik zu unterdr\u00fccken\u201c, und Klein vorgeworfen, rechtspopulistische israelische Stimmen zu f\u00f6rdern.<\/p>\n\n\n\n

Faszinierend an diesem offenen Brief ist, dass viele der Unterzeichneten keine Deutschen sind und auch nicht in Deutschland leben. Ich wei\u00df nicht, woher sie \u2013 die meisten von ihnen sind Israelis \u2013 die Chuzpe haben, sich in eine innerdeutsche Angelegenheit einzumischen und zu fordern, eine Person zu entlassen, die von der Bundesregierung eingesetzt wurde. Die H\u00e4lfte der Unterzeichneten lebt nicht hier, von der anderen H\u00e4lfte sind viele keine Juden \u2013 somit sind die allermeisten von ihnen nicht direkt vom Antisemitismus in Deutschland betroffen. Wie also k\u00f6nnen sie diesen Brief unterschreiben? Und warum eigentlich haben so wenige Deutsche unterschrieben? Dazu komme ich gleich.<\/p>\n\n\n\n

Debatte um Achille Mbembe<\/h6>\n\n\n\n

Hintergrund des Briefs war, dass Felix Klein gefordert hatte, den Philosophen Achille Mbembe<\/a> nicht die Er\u00f6ffnungsrede der Ruhrtriennale halten zu lassen. Als mit \u00f6ffentlichen Mitteln gef\u00f6rdertes Event solle die Ruhrtriennale Mbembe wegen seiner Haltung zu Israels Existenzrecht, seiner Haltung zu BDS und der Art, wie er in einem seiner Werke den Holocaust relativiert, nicht einladen.<\/p>\n\n\n\n

Mbembes Unterst\u00fctzer sagen, keine dieser Anschuldigungen sei wahr. F\u00fcrs Protokoll: In meinen Augen unterst\u00fctzt Mbembe sehr wohl BDS<\/a>, er schrieb unter anderem das Vorwort zu \u201eApartheid Israel\u201c und fordert die komplette Isolation Israels. Ich glaube auch, wenn Mbembe schreibt, die israelische Besetzung sei der \u201egr\u00f6\u00dfte moralische Skandal unserer Zeit\u201c, zeigt das, dass sein moralischer und geografischer Kompass etwas schief ist.<\/p>\n\n\n\n

Doch warum treibt die Debatte so viele Menschen um? Nun, zun\u00e4chst gibt niemand gern auf, was ihm oder ihr selbstverst\u00e4ndlich scheint. \u00dcber den gesamten politischen, sozialen, kulturellen, medialen und akademischen Sektor hinweg sind Menschen daran gew\u00f6hnt, so schlecht \u00fcber Israel sprechen zu k\u00f6nnen, wie auch immer sie wollen.<\/p>\n\n\n\n

Der Spiegel<\/em> hat \u2013 vielleicht in Anlehnung an seine Relotius-Standards, Israel erst k\u00fcrzlich eine Corona-Diktatur genannt. Fakten und Belege f\u00fcr diese Behauptung gab es nicht. Doch Millionen Deutsche haben es gelesen, und es wird nat\u00fcrlich haften bleiben. Faktenlage hin oder her. Der Spiegel<\/em> und andere Medien haben dieses Spiel perfektioniert: Titel so zu drehen, dass sie Israel indirekt anklagen, die Idee zu streuen, der Mossad kon\u00adtrol\u00adliere die deutsche Au\u00dfenpolitik im Nahen Osten, und so fort. Doch sie stehen allesamt sofort auf den Hinterbeinen, wenn jemand es wagt, das Spiel beim Namen zu nennen: moderner Antisemitismus.<\/p>\n\n\n\n

Klein will dem entgegenwirken. Er versteht, dass antisemitische Attacken in Deutschland die Fr\u00fcchte solch falsch gezeichneter Bilder und eindimensionaler Narrative \u00fcber Israel sind. Wenn er und andere versuchen, ein anderes Narrativ aufzuzeigen, wirft man ihnen Zensur vor: Wie k\u00f6nnen sie es wagen, das Gesch\u00e4ft der Anti-Israel-Propaganda zu st\u00f6ren?<\/p>\n\n\n\n

Liebe Deutsche, wenn ihr reden wollt, lasst uns gern reden: \u00fcber die Besetzung, \u00fcber Bibi und alles, was schiefl\u00e4uft. Aber dann lasst uns bitte auch dar\u00fcber reden, wie deutsche Steuergelder Terrortunnel finanzieren. Erst vergangene Woche r\u00e4umte die niederl\u00e4ndische Regierung ein, dass Gelder an eine Landwirtschaftsorganisation in Ramallah geflossen seien, die damit teilweise die Geh\u00e4lter zweier des Mordes an der 17-j\u00e4hrigen Israelin Rina Shnerb Verd\u00e4chtiger gezahlt haben. Auch die Bundesregierung unterst\u00fctzt diese Organisation, obwohl Kritiker schon lange vor Verbindungen zu Terroristen warnen.<\/p>\n\n\n\n

Wir k\u00f6nnen uns also gerne unterhalten \u2013 aber im Dialog, nicht in Monologen. Denn Reden unter Menschen, die sich einig sind, ist nichts anderes als Impotenz.<\/p>\n\n\n\n

Israelkritik als Eintrittskarte<\/h6>\n\n\n\n

Die Israelis, die die Petition unterzeichnet haben, haben \u00fcbrigens ebenfalls etwas verstanden. Seit Jahren wissen sie: Es ist ihre Eintrittskarte in die Mitte der deutschen (und europ\u00e4ischen) Gesellschaft. Man h\u00f6rt nicht oft von Akademikern mit proisraelischen Ansichten. Weder in den Philharmonie-Orchestern noch in der Kunstszene. Die Eintrittskarte daf\u00fcr ist ein antiisraelischer Standpunkt.<\/p>\n\n\n\n

Der mutma\u00dfliche Grund, warum kaum Deutsche die Petition unterzeichnet haben: Sie mussten es nicht. Ihre Lieblingsjuden haben es f\u00fcr sie getan. Jetzt k\u00f6nnen sie sagen: \u201eSchau, ich bin das ja nicht, meine j\u00fcdischen Freunde sagen es.\u201c Ich selbst war einige Jahre lang mit einem Paar hier in Berlin befreundet, bis ich herausfand, dass ich ihr Lieblingsjude war. Ja, selbst das j\u00fcdische Museum wurde so genutzt.<\/p>\n\n\n\n

Weil Attacken gegen Juden ein absolutes Tabu sind, wurden Umwege gefunden, um den Antisemitismus auf kleiner Flamme k\u00f6cheln zu lassen: die unfundierte, unbegr\u00fcndete Kritik an Israel.<\/p>\n\n\n\n

Diese Art der Kritik ist gef\u00e4hrlich. Sie schw\u00e4cht jede begr\u00fcndete und notwendige Kritik am Verhalten Israels. Und das Interessante ist: Trotz all der heftigen, pauschalisierenden Anklagen, all der offenen Briefe driftet Israel politisch immer weiter nach rechts. Doch statt mal einen anderen Ansatz zu versuchen, werden die antiisraelischen Stimmen nur lauter. Dasselbe versuchen und andere Ergebnisse davon erwarten \u2013 das ist die Definition von Wahnsinn.<\/p>\n\n\n\n

Kurz bevor der Prozess gegen den wegen des Attentats von Halle<\/a> Angeklagten begann \u2013 des seit Kriegsende schlimmsten Akts von Antisemitismus in Deutschland \u2013, lud eine Lokalzeitung den fr\u00fcheren Botschafter Shimon Stein und den Historiker Moshe Zimmermann ein, dar\u00fcber zu schreiben, was Antisemitismus ist. Nat\u00fcrlich wendeten auch sie sich gegen Felix Kleins Ansatz. Sie zitieren die Kontroverse um die Umbenennung der U-Bahn-Station Mohrenstra\u00dfe in Glinkastra\u00dfe, die sich darum drehte, dass der russische Komponist Michael Glinka Antisemit gewesen sein soll. Stein und Zimmermann halten die Debatte f\u00fcr \u00fcberzogen, Glinka sei nur ein Kind seiner Zeit gewesen. Folgt man ihrer Logik, k\u00f6nnen wir dann also in 20 oder 30 Jahren U-Bahn-Stationen nach den Kindern der 1930er Jahre benennen?<\/p>\n\n\n\n

Der Antisemit als Tierfreund<\/h6>\n\n\n\n

Ich w\u00fcnschte, die Sache h\u00e4tte mit dem Artikel, mit der Petition geendet. Doch dann erschien ein Artikel, der den Leser auf einen Waldspaziergang mit einem veganen Koch und Antisemiten mitnahm. Darin setzt der Tierfreund erst behutsam einen K\u00e4fer wieder auf seine Beinchen und erkl\u00e4rt dann, dass die Todesstrafe in Deutschland wieder eingef\u00fchrt werden solle, um einen gewissen Politiker (der zuf\u00e4llig pro Israel ist) an seinen Hoden aufh\u00e4ngen zu k\u00f6nnen. Dieser Koch hat Hunderttausende Follower, er sagt all solche Dinge am helllichten Tag in Berlin. Und in den Medien.<\/p>\n\n\n\n

F\u00e4lle wie dieser handeln bereits von Gewalt \u2013 und sie enden nicht bei den Juden. Der Hass richtet sich gegen Frauen<\/a>, Muslime, Gefl\u00fcchtete, \u00adLBTQI. Am Ende aller theoretischen Debatten stehen immer echte Menschen. Am Ende jeder Konferenz dar\u00fcber, was Antisemitismus ausmacht, steht ein potenzielles j\u00fcdisches Opfer. Angesichts einer Welle von Antisemitismus \u00fcber die Definition von Antisemitismus zu streiten ist, wie eine 10 Meter hohe Welle heranrollen zu sehen und dar\u00fcber zu streiten, was einen Tsunami ausmacht.<\/p>\n\n\n\n

Felix Klein versteht, wie absurd es ist, zu sagen: Es sind nur die Rechten. Die Rechten sind Deutsche, so wie die Nazis Deutsche waren. Klein versteht, dass die Deutschen nicht aufgeh\u00f6rt haben, Juden zu ermorden, weil sie irgendeine Art von Erleuchtung hatten. Sondern schlicht, weil sie den Krieg verloren haben. Um den Antisemitismus zu bek\u00e4mpfen, bevor er die Gesellschaft frisst, in der er und wir leben, muss Deutschland seinen moralischen Kompass korrigieren.<\/p>\n\n\n\n

Immerhin: Mehr und mehr Deutsche fahren nach Israel, sie wollen ein anderes Narrativ h\u00f6ren. Mehr und mehr Deutsche verstehen, dass Antisemitismus Schockwellen ausl\u00f6st, die die gesamte Gesellschaft betreffen. In einem normalen Universum w\u00fcrde Klein bef\u00f6rdert werden f\u00fcr seine Leistung. In einer verdrehten Gesellschaft fordern Menschen seine Entlassung. Um es mit Mbembe zu sagen: Das ist Nano-Nonsens.<\/p>\n\n\n\n

\u00dcbersetzung: Ariane Lemme<\/a><\/em><\/p>\n","post_title":"Felix Klein hat verstanden","post_excerpt":"","post_status":"publish","comment_status":"closed","ping_status":"closed","post_password":"","post_name":"felix-klein-hat-verstanden","to_ping":"","pinged":"","post_modified":"2025-02-02 08:39:39","post_modified_gmt":"2025-02-02 08:39:39","post_content_filtered":"","post_parent":0,"guid":"https:\/\/dctransparency.com\/?p=3786","menu_order":0,"post_type":"post","post_mime_type":"","comment_count":"0","filter":"raw"}],"next":false,"prev":true,"total_page":47},"paged":1,"column_class":"jeg_col_2o3","class":"epic_block_3"};

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Felix Klein wurde als Beauftragter der Bundesregierung berufen<\/a>, um die Auswirkungen des zunehmenden Antisemitismus in unserer Gesellschaft, in Deutschland, zu bek\u00e4mpfen. Was nicht in seiner Jobbeschreibung steht, ist, dass er dabei unsere Gesellschaft heilen muss, jene Gesellschaft, die diese Form des Hasses reproduziert und sch\u00fctzt. Klein hat das begriffen.<\/p>\n\n\n\n

Er versteht, dass man Krebs nicht mit einem Pflaster verarztet, er wei\u00df, dass er das Bewusstsein der Deutschen sch\u00e4rfen und Diskussionen ansto\u00dfen muss. Er hat begriffen, dass das Problem nicht nur an den R\u00e4ndern der Gesellschaft (bei den Rechten) liegt, sondern auch in ihrer Mitte. Dort, wo gebildete Menschen nicht einmal bemerken, dass das, was sie sagen und tun, antisemitisch ist. So wie sie es auch nicht merken, wenn sie rassistisch handeln. Er hat all das verstanden, und genau deshalb wollen einige, dass er seinen Posten r\u00e4umt.<\/p>\n\n\n\n

Mehr als 60 deutsche und israelische Intellektuelle haben letzte Woche in einem Brief an Kanzlerin Merkel<\/a> dar\u00fcber geklagt, dass der aktuelle \u201eGebrauch des Antisemitismusbegriffs\u201c darauf abziele, \u201elegitime Kritik an der israelischen Regierungspolitik zu unterdr\u00fccken\u201c, und Klein vorgeworfen, rechtspopulistische israelische Stimmen zu f\u00f6rdern.<\/p>\n\n\n\n

Faszinierend an diesem offenen Brief ist, dass viele der Unterzeichneten keine Deutschen sind und auch nicht in Deutschland leben. Ich wei\u00df nicht, woher sie \u2013 die meisten von ihnen sind Israelis \u2013 die Chuzpe haben, sich in eine innerdeutsche Angelegenheit einzumischen und zu fordern, eine Person zu entlassen, die von der Bundesregierung eingesetzt wurde. Die H\u00e4lfte der Unterzeichneten lebt nicht hier, von der anderen H\u00e4lfte sind viele keine Juden \u2013 somit sind die allermeisten von ihnen nicht direkt vom Antisemitismus in Deutschland betroffen. Wie also k\u00f6nnen sie diesen Brief unterschreiben? Und warum eigentlich haben so wenige Deutsche unterschrieben? Dazu komme ich gleich.<\/p>\n\n\n\n

Debatte um Achille Mbembe<\/h6>\n\n\n\n

Hintergrund des Briefs war, dass Felix Klein gefordert hatte, den Philosophen Achille Mbembe<\/a> nicht die Er\u00f6ffnungsrede der Ruhrtriennale halten zu lassen. Als mit \u00f6ffentlichen Mitteln gef\u00f6rdertes Event solle die Ruhrtriennale Mbembe wegen seiner Haltung zu Israels Existenzrecht, seiner Haltung zu BDS und der Art, wie er in einem seiner Werke den Holocaust relativiert, nicht einladen.<\/p>\n\n\n\n

Mbembes Unterst\u00fctzer sagen, keine dieser Anschuldigungen sei wahr. F\u00fcrs Protokoll: In meinen Augen unterst\u00fctzt Mbembe sehr wohl BDS<\/a>, er schrieb unter anderem das Vorwort zu \u201eApartheid Israel\u201c und fordert die komplette Isolation Israels. Ich glaube auch, wenn Mbembe schreibt, die israelische Besetzung sei der \u201egr\u00f6\u00dfte moralische Skandal unserer Zeit\u201c, zeigt das, dass sein moralischer und geografischer Kompass etwas schief ist.<\/p>\n\n\n\n

Doch warum treibt die Debatte so viele Menschen um? Nun, zun\u00e4chst gibt niemand gern auf, was ihm oder ihr selbstverst\u00e4ndlich scheint. \u00dcber den gesamten politischen, sozialen, kulturellen, medialen und akademischen Sektor hinweg sind Menschen daran gew\u00f6hnt, so schlecht \u00fcber Israel sprechen zu k\u00f6nnen, wie auch immer sie wollen.<\/p>\n\n\n\n

Der Spiegel<\/em> hat \u2013 vielleicht in Anlehnung an seine Relotius-Standards, Israel erst k\u00fcrzlich eine Corona-Diktatur genannt. Fakten und Belege f\u00fcr diese Behauptung gab es nicht. Doch Millionen Deutsche haben es gelesen, und es wird nat\u00fcrlich haften bleiben. Faktenlage hin oder her. Der Spiegel<\/em> und andere Medien haben dieses Spiel perfektioniert: Titel so zu drehen, dass sie Israel indirekt anklagen, die Idee zu streuen, der Mossad kon\u00adtrol\u00adliere die deutsche Au\u00dfenpolitik im Nahen Osten, und so fort. Doch sie stehen allesamt sofort auf den Hinterbeinen, wenn jemand es wagt, das Spiel beim Namen zu nennen: moderner Antisemitismus.<\/p>\n\n\n\n

Klein will dem entgegenwirken. Er versteht, dass antisemitische Attacken in Deutschland die Fr\u00fcchte solch falsch gezeichneter Bilder und eindimensionaler Narrative \u00fcber Israel sind. Wenn er und andere versuchen, ein anderes Narrativ aufzuzeigen, wirft man ihnen Zensur vor: Wie k\u00f6nnen sie es wagen, das Gesch\u00e4ft der Anti-Israel-Propaganda zu st\u00f6ren?<\/p>\n\n\n\n

Liebe Deutsche, wenn ihr reden wollt, lasst uns gern reden: \u00fcber die Besetzung, \u00fcber Bibi und alles, was schiefl\u00e4uft. Aber dann lasst uns bitte auch dar\u00fcber reden, wie deutsche Steuergelder Terrortunnel finanzieren. Erst vergangene Woche r\u00e4umte die niederl\u00e4ndische Regierung ein, dass Gelder an eine Landwirtschaftsorganisation in Ramallah geflossen seien, die damit teilweise die Geh\u00e4lter zweier des Mordes an der 17-j\u00e4hrigen Israelin Rina Shnerb Verd\u00e4chtiger gezahlt haben. Auch die Bundesregierung unterst\u00fctzt diese Organisation, obwohl Kritiker schon lange vor Verbindungen zu Terroristen warnen.<\/p>\n\n\n\n

Wir k\u00f6nnen uns also gerne unterhalten \u2013 aber im Dialog, nicht in Monologen. Denn Reden unter Menschen, die sich einig sind, ist nichts anderes als Impotenz.<\/p>\n\n\n\n

Israelkritik als Eintrittskarte<\/h6>\n\n\n\n

Die Israelis, die die Petition unterzeichnet haben, haben \u00fcbrigens ebenfalls etwas verstanden. Seit Jahren wissen sie: Es ist ihre Eintrittskarte in die Mitte der deutschen (und europ\u00e4ischen) Gesellschaft. Man h\u00f6rt nicht oft von Akademikern mit proisraelischen Ansichten. Weder in den Philharmonie-Orchestern noch in der Kunstszene. Die Eintrittskarte daf\u00fcr ist ein antiisraelischer Standpunkt.<\/p>\n\n\n\n

Der mutma\u00dfliche Grund, warum kaum Deutsche die Petition unterzeichnet haben: Sie mussten es nicht. Ihre Lieblingsjuden haben es f\u00fcr sie getan. Jetzt k\u00f6nnen sie sagen: \u201eSchau, ich bin das ja nicht, meine j\u00fcdischen Freunde sagen es.\u201c Ich selbst war einige Jahre lang mit einem Paar hier in Berlin befreundet, bis ich herausfand, dass ich ihr Lieblingsjude war. Ja, selbst das j\u00fcdische Museum wurde so genutzt.<\/p>\n\n\n\n

Weil Attacken gegen Juden ein absolutes Tabu sind, wurden Umwege gefunden, um den Antisemitismus auf kleiner Flamme k\u00f6cheln zu lassen: die unfundierte, unbegr\u00fcndete Kritik an Israel.<\/p>\n\n\n\n

Diese Art der Kritik ist gef\u00e4hrlich. Sie schw\u00e4cht jede begr\u00fcndete und notwendige Kritik am Verhalten Israels. Und das Interessante ist: Trotz all der heftigen, pauschalisierenden Anklagen, all der offenen Briefe driftet Israel politisch immer weiter nach rechts. Doch statt mal einen anderen Ansatz zu versuchen, werden die antiisraelischen Stimmen nur lauter. Dasselbe versuchen und andere Ergebnisse davon erwarten \u2013 das ist die Definition von Wahnsinn.<\/p>\n\n\n\n

Kurz bevor der Prozess gegen den wegen des Attentats von Halle<\/a> Angeklagten begann \u2013 des seit Kriegsende schlimmsten Akts von Antisemitismus in Deutschland \u2013, lud eine Lokalzeitung den fr\u00fcheren Botschafter Shimon Stein und den Historiker Moshe Zimmermann ein, dar\u00fcber zu schreiben, was Antisemitismus ist. Nat\u00fcrlich wendeten auch sie sich gegen Felix Kleins Ansatz. Sie zitieren die Kontroverse um die Umbenennung der U-Bahn-Station Mohrenstra\u00dfe in Glinkastra\u00dfe, die sich darum drehte, dass der russische Komponist Michael Glinka Antisemit gewesen sein soll. Stein und Zimmermann halten die Debatte f\u00fcr \u00fcberzogen, Glinka sei nur ein Kind seiner Zeit gewesen. Folgt man ihrer Logik, k\u00f6nnen wir dann also in 20 oder 30 Jahren U-Bahn-Stationen nach den Kindern der 1930er Jahre benennen?<\/p>\n\n\n\n

Der Antisemit als Tierfreund<\/h6>\n\n\n\n

Ich w\u00fcnschte, die Sache h\u00e4tte mit dem Artikel, mit der Petition geendet. Doch dann erschien ein Artikel, der den Leser auf einen Waldspaziergang mit einem veganen Koch und Antisemiten mitnahm. Darin setzt der Tierfreund erst behutsam einen K\u00e4fer wieder auf seine Beinchen und erkl\u00e4rt dann, dass die Todesstrafe in Deutschland wieder eingef\u00fchrt werden solle, um einen gewissen Politiker (der zuf\u00e4llig pro Israel ist) an seinen Hoden aufh\u00e4ngen zu k\u00f6nnen. Dieser Koch hat Hunderttausende Follower, er sagt all solche Dinge am helllichten Tag in Berlin. Und in den Medien.<\/p>\n\n\n\n

F\u00e4lle wie dieser handeln bereits von Gewalt \u2013 und sie enden nicht bei den Juden. Der Hass richtet sich gegen Frauen<\/a>, Muslime, Gefl\u00fcchtete, \u00adLBTQI. Am Ende aller theoretischen Debatten stehen immer echte Menschen. Am Ende jeder Konferenz dar\u00fcber, was Antisemitismus ausmacht, steht ein potenzielles j\u00fcdisches Opfer. Angesichts einer Welle von Antisemitismus \u00fcber die Definition von Antisemitismus zu streiten ist, wie eine 10 Meter hohe Welle heranrollen zu sehen und dar\u00fcber zu streiten, was einen Tsunami ausmacht.<\/p>\n\n\n\n

Felix Klein versteht, wie absurd es ist, zu sagen: Es sind nur die Rechten. Die Rechten sind Deutsche, so wie die Nazis Deutsche waren. Klein versteht, dass die Deutschen nicht aufgeh\u00f6rt haben, Juden zu ermorden, weil sie irgendeine Art von Erleuchtung hatten. Sondern schlicht, weil sie den Krieg verloren haben. Um den Antisemitismus zu bek\u00e4mpfen, bevor er die Gesellschaft frisst, in der er und wir leben, muss Deutschland seinen moralischen Kompass korrigieren.<\/p>\n\n\n\n

Immerhin: Mehr und mehr Deutsche fahren nach Israel, sie wollen ein anderes Narrativ h\u00f6ren. Mehr und mehr Deutsche verstehen, dass Antisemitismus Schockwellen ausl\u00f6st, die die gesamte Gesellschaft betreffen. In einem normalen Universum w\u00fcrde Klein bef\u00f6rdert werden f\u00fcr seine Leistung. In einer verdrehten Gesellschaft fordern Menschen seine Entlassung. Um es mit Mbembe zu sagen: Das ist Nano-Nonsens.<\/p>\n\n\n\n

\u00dcbersetzung: Ariane Lemme<\/a><\/em><\/p>\n","post_title":"Felix Klein hat verstanden","post_excerpt":"","post_status":"publish","comment_status":"closed","ping_status":"closed","post_password":"","post_name":"felix-klein-hat-verstanden","to_ping":"","pinged":"","post_modified":"2025-02-02 08:39:39","post_modified_gmt":"2025-02-02 08:39:39","post_content_filtered":"","post_parent":0,"guid":"https:\/\/dctransparency.com\/?p=3786","menu_order":0,"post_type":"post","post_mime_type":"","comment_count":"0","filter":"raw"}],"next":false,"prev":true,"total_page":47},"paged":1,"column_class":"jeg_col_2o3","class":"epic_block_3"};

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Ich schrieb ihr, wie schrecklich depressiv ich war und dass diese drei Jahre des Anweisungenbellens und Anderen-Menschen-Sagens, was sie zu tun haben, mich f\u00fcr immer verfolgen w\u00fcrden. Dass sie ein Teil dessen geworden waren, was ich bin. Ich erinnere mich, dass ich ihr schrieb, dass wir da rausm\u00fcssen \u2013 nicht nur f\u00fcr die Pal\u00e4stinenser, sondern wegen der furchtbaren und brutalen Auswirkungen, die all das auf uns, auf die israelische Gesellschaft haben w\u00fcrde. Sie schrieb zur\u00fcck: \u201eDu hast recht. Ich habe einen neuen Freund.\u201c<\/p>\n\n\n\n

Felix Klein wurde als Beauftragter der Bundesregierung berufen<\/a>, um die Auswirkungen des zunehmenden Antisemitismus in unserer Gesellschaft, in Deutschland, zu bek\u00e4mpfen. Was nicht in seiner Jobbeschreibung steht, ist, dass er dabei unsere Gesellschaft heilen muss, jene Gesellschaft, die diese Form des Hasses reproduziert und sch\u00fctzt. Klein hat das begriffen.<\/p>\n\n\n\n

Er versteht, dass man Krebs nicht mit einem Pflaster verarztet, er wei\u00df, dass er das Bewusstsein der Deutschen sch\u00e4rfen und Diskussionen ansto\u00dfen muss. Er hat begriffen, dass das Problem nicht nur an den R\u00e4ndern der Gesellschaft (bei den Rechten) liegt, sondern auch in ihrer Mitte. Dort, wo gebildete Menschen nicht einmal bemerken, dass das, was sie sagen und tun, antisemitisch ist. So wie sie es auch nicht merken, wenn sie rassistisch handeln. Er hat all das verstanden, und genau deshalb wollen einige, dass er seinen Posten r\u00e4umt.<\/p>\n\n\n\n

Mehr als 60 deutsche und israelische Intellektuelle haben letzte Woche in einem Brief an Kanzlerin Merkel<\/a> dar\u00fcber geklagt, dass der aktuelle \u201eGebrauch des Antisemitismusbegriffs\u201c darauf abziele, \u201elegitime Kritik an der israelischen Regierungspolitik zu unterdr\u00fccken\u201c, und Klein vorgeworfen, rechtspopulistische israelische Stimmen zu f\u00f6rdern.<\/p>\n\n\n\n

Faszinierend an diesem offenen Brief ist, dass viele der Unterzeichneten keine Deutschen sind und auch nicht in Deutschland leben. Ich wei\u00df nicht, woher sie \u2013 die meisten von ihnen sind Israelis \u2013 die Chuzpe haben, sich in eine innerdeutsche Angelegenheit einzumischen und zu fordern, eine Person zu entlassen, die von der Bundesregierung eingesetzt wurde. Die H\u00e4lfte der Unterzeichneten lebt nicht hier, von der anderen H\u00e4lfte sind viele keine Juden \u2013 somit sind die allermeisten von ihnen nicht direkt vom Antisemitismus in Deutschland betroffen. Wie also k\u00f6nnen sie diesen Brief unterschreiben? Und warum eigentlich haben so wenige Deutsche unterschrieben? Dazu komme ich gleich.<\/p>\n\n\n\n

Debatte um Achille Mbembe<\/h6>\n\n\n\n

Hintergrund des Briefs war, dass Felix Klein gefordert hatte, den Philosophen Achille Mbembe<\/a> nicht die Er\u00f6ffnungsrede der Ruhrtriennale halten zu lassen. Als mit \u00f6ffentlichen Mitteln gef\u00f6rdertes Event solle die Ruhrtriennale Mbembe wegen seiner Haltung zu Israels Existenzrecht, seiner Haltung zu BDS und der Art, wie er in einem seiner Werke den Holocaust relativiert, nicht einladen.<\/p>\n\n\n\n

Mbembes Unterst\u00fctzer sagen, keine dieser Anschuldigungen sei wahr. F\u00fcrs Protokoll: In meinen Augen unterst\u00fctzt Mbembe sehr wohl BDS<\/a>, er schrieb unter anderem das Vorwort zu \u201eApartheid Israel\u201c und fordert die komplette Isolation Israels. Ich glaube auch, wenn Mbembe schreibt, die israelische Besetzung sei der \u201egr\u00f6\u00dfte moralische Skandal unserer Zeit\u201c, zeigt das, dass sein moralischer und geografischer Kompass etwas schief ist.<\/p>\n\n\n\n

Doch warum treibt die Debatte so viele Menschen um? Nun, zun\u00e4chst gibt niemand gern auf, was ihm oder ihr selbstverst\u00e4ndlich scheint. \u00dcber den gesamten politischen, sozialen, kulturellen, medialen und akademischen Sektor hinweg sind Menschen daran gew\u00f6hnt, so schlecht \u00fcber Israel sprechen zu k\u00f6nnen, wie auch immer sie wollen.<\/p>\n\n\n\n

Der Spiegel<\/em> hat \u2013 vielleicht in Anlehnung an seine Relotius-Standards, Israel erst k\u00fcrzlich eine Corona-Diktatur genannt. Fakten und Belege f\u00fcr diese Behauptung gab es nicht. Doch Millionen Deutsche haben es gelesen, und es wird nat\u00fcrlich haften bleiben. Faktenlage hin oder her. Der Spiegel<\/em> und andere Medien haben dieses Spiel perfektioniert: Titel so zu drehen, dass sie Israel indirekt anklagen, die Idee zu streuen, der Mossad kon\u00adtrol\u00adliere die deutsche Au\u00dfenpolitik im Nahen Osten, und so fort. Doch sie stehen allesamt sofort auf den Hinterbeinen, wenn jemand es wagt, das Spiel beim Namen zu nennen: moderner Antisemitismus.<\/p>\n\n\n\n

Klein will dem entgegenwirken. Er versteht, dass antisemitische Attacken in Deutschland die Fr\u00fcchte solch falsch gezeichneter Bilder und eindimensionaler Narrative \u00fcber Israel sind. Wenn er und andere versuchen, ein anderes Narrativ aufzuzeigen, wirft man ihnen Zensur vor: Wie k\u00f6nnen sie es wagen, das Gesch\u00e4ft der Anti-Israel-Propaganda zu st\u00f6ren?<\/p>\n\n\n\n

Liebe Deutsche, wenn ihr reden wollt, lasst uns gern reden: \u00fcber die Besetzung, \u00fcber Bibi und alles, was schiefl\u00e4uft. Aber dann lasst uns bitte auch dar\u00fcber reden, wie deutsche Steuergelder Terrortunnel finanzieren. Erst vergangene Woche r\u00e4umte die niederl\u00e4ndische Regierung ein, dass Gelder an eine Landwirtschaftsorganisation in Ramallah geflossen seien, die damit teilweise die Geh\u00e4lter zweier des Mordes an der 17-j\u00e4hrigen Israelin Rina Shnerb Verd\u00e4chtiger gezahlt haben. Auch die Bundesregierung unterst\u00fctzt diese Organisation, obwohl Kritiker schon lange vor Verbindungen zu Terroristen warnen.<\/p>\n\n\n\n

Wir k\u00f6nnen uns also gerne unterhalten \u2013 aber im Dialog, nicht in Monologen. Denn Reden unter Menschen, die sich einig sind, ist nichts anderes als Impotenz.<\/p>\n\n\n\n

Israelkritik als Eintrittskarte<\/h6>\n\n\n\n

Die Israelis, die die Petition unterzeichnet haben, haben \u00fcbrigens ebenfalls etwas verstanden. Seit Jahren wissen sie: Es ist ihre Eintrittskarte in die Mitte der deutschen (und europ\u00e4ischen) Gesellschaft. Man h\u00f6rt nicht oft von Akademikern mit proisraelischen Ansichten. Weder in den Philharmonie-Orchestern noch in der Kunstszene. Die Eintrittskarte daf\u00fcr ist ein antiisraelischer Standpunkt.<\/p>\n\n\n\n

Der mutma\u00dfliche Grund, warum kaum Deutsche die Petition unterzeichnet haben: Sie mussten es nicht. Ihre Lieblingsjuden haben es f\u00fcr sie getan. Jetzt k\u00f6nnen sie sagen: \u201eSchau, ich bin das ja nicht, meine j\u00fcdischen Freunde sagen es.\u201c Ich selbst war einige Jahre lang mit einem Paar hier in Berlin befreundet, bis ich herausfand, dass ich ihr Lieblingsjude war. Ja, selbst das j\u00fcdische Museum wurde so genutzt.<\/p>\n\n\n\n

Weil Attacken gegen Juden ein absolutes Tabu sind, wurden Umwege gefunden, um den Antisemitismus auf kleiner Flamme k\u00f6cheln zu lassen: die unfundierte, unbegr\u00fcndete Kritik an Israel.<\/p>\n\n\n\n

Diese Art der Kritik ist gef\u00e4hrlich. Sie schw\u00e4cht jede begr\u00fcndete und notwendige Kritik am Verhalten Israels. Und das Interessante ist: Trotz all der heftigen, pauschalisierenden Anklagen, all der offenen Briefe driftet Israel politisch immer weiter nach rechts. Doch statt mal einen anderen Ansatz zu versuchen, werden die antiisraelischen Stimmen nur lauter. Dasselbe versuchen und andere Ergebnisse davon erwarten \u2013 das ist die Definition von Wahnsinn.<\/p>\n\n\n\n

Kurz bevor der Prozess gegen den wegen des Attentats von Halle<\/a> Angeklagten begann \u2013 des seit Kriegsende schlimmsten Akts von Antisemitismus in Deutschland \u2013, lud eine Lokalzeitung den fr\u00fcheren Botschafter Shimon Stein und den Historiker Moshe Zimmermann ein, dar\u00fcber zu schreiben, was Antisemitismus ist. Nat\u00fcrlich wendeten auch sie sich gegen Felix Kleins Ansatz. Sie zitieren die Kontroverse um die Umbenennung der U-Bahn-Station Mohrenstra\u00dfe in Glinkastra\u00dfe, die sich darum drehte, dass der russische Komponist Michael Glinka Antisemit gewesen sein soll. Stein und Zimmermann halten die Debatte f\u00fcr \u00fcberzogen, Glinka sei nur ein Kind seiner Zeit gewesen. Folgt man ihrer Logik, k\u00f6nnen wir dann also in 20 oder 30 Jahren U-Bahn-Stationen nach den Kindern der 1930er Jahre benennen?<\/p>\n\n\n\n

Der Antisemit als Tierfreund<\/h6>\n\n\n\n

Ich w\u00fcnschte, die Sache h\u00e4tte mit dem Artikel, mit der Petition geendet. Doch dann erschien ein Artikel, der den Leser auf einen Waldspaziergang mit einem veganen Koch und Antisemiten mitnahm. Darin setzt der Tierfreund erst behutsam einen K\u00e4fer wieder auf seine Beinchen und erkl\u00e4rt dann, dass die Todesstrafe in Deutschland wieder eingef\u00fchrt werden solle, um einen gewissen Politiker (der zuf\u00e4llig pro Israel ist) an seinen Hoden aufh\u00e4ngen zu k\u00f6nnen. Dieser Koch hat Hunderttausende Follower, er sagt all solche Dinge am helllichten Tag in Berlin. Und in den Medien.<\/p>\n\n\n\n

F\u00e4lle wie dieser handeln bereits von Gewalt \u2013 und sie enden nicht bei den Juden. Der Hass richtet sich gegen Frauen<\/a>, Muslime, Gefl\u00fcchtete, \u00adLBTQI. Am Ende aller theoretischen Debatten stehen immer echte Menschen. Am Ende jeder Konferenz dar\u00fcber, was Antisemitismus ausmacht, steht ein potenzielles j\u00fcdisches Opfer. Angesichts einer Welle von Antisemitismus \u00fcber die Definition von Antisemitismus zu streiten ist, wie eine 10 Meter hohe Welle heranrollen zu sehen und dar\u00fcber zu streiten, was einen Tsunami ausmacht.<\/p>\n\n\n\n

Felix Klein versteht, wie absurd es ist, zu sagen: Es sind nur die Rechten. Die Rechten sind Deutsche, so wie die Nazis Deutsche waren. Klein versteht, dass die Deutschen nicht aufgeh\u00f6rt haben, Juden zu ermorden, weil sie irgendeine Art von Erleuchtung hatten. Sondern schlicht, weil sie den Krieg verloren haben. Um den Antisemitismus zu bek\u00e4mpfen, bevor er die Gesellschaft frisst, in der er und wir leben, muss Deutschland seinen moralischen Kompass korrigieren.<\/p>\n\n\n\n

Immerhin: Mehr und mehr Deutsche fahren nach Israel, sie wollen ein anderes Narrativ h\u00f6ren. Mehr und mehr Deutsche verstehen, dass Antisemitismus Schockwellen ausl\u00f6st, die die gesamte Gesellschaft betreffen. In einem normalen Universum w\u00fcrde Klein bef\u00f6rdert werden f\u00fcr seine Leistung. In einer verdrehten Gesellschaft fordern Menschen seine Entlassung. Um es mit Mbembe zu sagen: Das ist Nano-Nonsens.<\/p>\n\n\n\n

\u00dcbersetzung: Ariane Lemme<\/a><\/em><\/p>\n","post_title":"Felix Klein hat verstanden","post_excerpt":"","post_status":"publish","comment_status":"closed","ping_status":"closed","post_password":"","post_name":"felix-klein-hat-verstanden","to_ping":"","pinged":"","post_modified":"2025-02-02 08:39:39","post_modified_gmt":"2025-02-02 08:39:39","post_content_filtered":"","post_parent":0,"guid":"https:\/\/dctransparency.com\/?p=3786","menu_order":0,"post_type":"post","post_mime_type":"","comment_count":"0","filter":"raw"}],"next":false,"prev":true,"total_page":47},"paged":1,"column_class":"jeg_col_2o3","class":"epic_block_3"};

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Einen Monat nachdem ich zur israelischen Armee eingezogen worden war, brach die erste Intifada aus. Statt Soldat zu sein, machte ich Polizeiarbeit, sagte den Menschen, wann sie zur Arbeit gehen konnten und wann sie ihre L\u00e4den schlie\u00dfen mussten, wann sie die Grenze passieren und wann sie schlafen konnten. Einen Monat nachdem ich aus der Armee entlassen worden war, ging ich auf Reisen. (In Israel sagen wir: Wir dienen drei Jahre und versuchen den Rest unseres Lebens, diese drei Jahre zu vergessen.) Auf meiner Reise begann ich Briefe an meine Freundin zu schreiben, die ich in Israel zur\u00fcckgelassen hatte.<\/p>\n\n\n\n

Ich schrieb ihr, wie schrecklich depressiv ich war und dass diese drei Jahre des Anweisungenbellens und Anderen-Menschen-Sagens, was sie zu tun haben, mich f\u00fcr immer verfolgen w\u00fcrden. Dass sie ein Teil dessen geworden waren, was ich bin. Ich erinnere mich, dass ich ihr schrieb, dass wir da rausm\u00fcssen \u2013 nicht nur f\u00fcr die Pal\u00e4stinenser, sondern wegen der furchtbaren und brutalen Auswirkungen, die all das auf uns, auf die israelische Gesellschaft haben w\u00fcrde. Sie schrieb zur\u00fcck: \u201eDu hast recht. Ich habe einen neuen Freund.\u201c<\/p>\n\n\n\n

Felix Klein wurde als Beauftragter der Bundesregierung berufen<\/a>, um die Auswirkungen des zunehmenden Antisemitismus in unserer Gesellschaft, in Deutschland, zu bek\u00e4mpfen. Was nicht in seiner Jobbeschreibung steht, ist, dass er dabei unsere Gesellschaft heilen muss, jene Gesellschaft, die diese Form des Hasses reproduziert und sch\u00fctzt. Klein hat das begriffen.<\/p>\n\n\n\n

Er versteht, dass man Krebs nicht mit einem Pflaster verarztet, er wei\u00df, dass er das Bewusstsein der Deutschen sch\u00e4rfen und Diskussionen ansto\u00dfen muss. Er hat begriffen, dass das Problem nicht nur an den R\u00e4ndern der Gesellschaft (bei den Rechten) liegt, sondern auch in ihrer Mitte. Dort, wo gebildete Menschen nicht einmal bemerken, dass das, was sie sagen und tun, antisemitisch ist. So wie sie es auch nicht merken, wenn sie rassistisch handeln. Er hat all das verstanden, und genau deshalb wollen einige, dass er seinen Posten r\u00e4umt.<\/p>\n\n\n\n

Mehr als 60 deutsche und israelische Intellektuelle haben letzte Woche in einem Brief an Kanzlerin Merkel<\/a> dar\u00fcber geklagt, dass der aktuelle \u201eGebrauch des Antisemitismusbegriffs\u201c darauf abziele, \u201elegitime Kritik an der israelischen Regierungspolitik zu unterdr\u00fccken\u201c, und Klein vorgeworfen, rechtspopulistische israelische Stimmen zu f\u00f6rdern.<\/p>\n\n\n\n

Faszinierend an diesem offenen Brief ist, dass viele der Unterzeichneten keine Deutschen sind und auch nicht in Deutschland leben. Ich wei\u00df nicht, woher sie \u2013 die meisten von ihnen sind Israelis \u2013 die Chuzpe haben, sich in eine innerdeutsche Angelegenheit einzumischen und zu fordern, eine Person zu entlassen, die von der Bundesregierung eingesetzt wurde. Die H\u00e4lfte der Unterzeichneten lebt nicht hier, von der anderen H\u00e4lfte sind viele keine Juden \u2013 somit sind die allermeisten von ihnen nicht direkt vom Antisemitismus in Deutschland betroffen. Wie also k\u00f6nnen sie diesen Brief unterschreiben? Und warum eigentlich haben so wenige Deutsche unterschrieben? Dazu komme ich gleich.<\/p>\n\n\n\n

Debatte um Achille Mbembe<\/h6>\n\n\n\n

Hintergrund des Briefs war, dass Felix Klein gefordert hatte, den Philosophen Achille Mbembe<\/a> nicht die Er\u00f6ffnungsrede der Ruhrtriennale halten zu lassen. Als mit \u00f6ffentlichen Mitteln gef\u00f6rdertes Event solle die Ruhrtriennale Mbembe wegen seiner Haltung zu Israels Existenzrecht, seiner Haltung zu BDS und der Art, wie er in einem seiner Werke den Holocaust relativiert, nicht einladen.<\/p>\n\n\n\n

Mbembes Unterst\u00fctzer sagen, keine dieser Anschuldigungen sei wahr. F\u00fcrs Protokoll: In meinen Augen unterst\u00fctzt Mbembe sehr wohl BDS<\/a>, er schrieb unter anderem das Vorwort zu \u201eApartheid Israel\u201c und fordert die komplette Isolation Israels. Ich glaube auch, wenn Mbembe schreibt, die israelische Besetzung sei der \u201egr\u00f6\u00dfte moralische Skandal unserer Zeit\u201c, zeigt das, dass sein moralischer und geografischer Kompass etwas schief ist.<\/p>\n\n\n\n

Doch warum treibt die Debatte so viele Menschen um? Nun, zun\u00e4chst gibt niemand gern auf, was ihm oder ihr selbstverst\u00e4ndlich scheint. \u00dcber den gesamten politischen, sozialen, kulturellen, medialen und akademischen Sektor hinweg sind Menschen daran gew\u00f6hnt, so schlecht \u00fcber Israel sprechen zu k\u00f6nnen, wie auch immer sie wollen.<\/p>\n\n\n\n

Der Spiegel<\/em> hat \u2013 vielleicht in Anlehnung an seine Relotius-Standards, Israel erst k\u00fcrzlich eine Corona-Diktatur genannt. Fakten und Belege f\u00fcr diese Behauptung gab es nicht. Doch Millionen Deutsche haben es gelesen, und es wird nat\u00fcrlich haften bleiben. Faktenlage hin oder her. Der Spiegel<\/em> und andere Medien haben dieses Spiel perfektioniert: Titel so zu drehen, dass sie Israel indirekt anklagen, die Idee zu streuen, der Mossad kon\u00adtrol\u00adliere die deutsche Au\u00dfenpolitik im Nahen Osten, und so fort. Doch sie stehen allesamt sofort auf den Hinterbeinen, wenn jemand es wagt, das Spiel beim Namen zu nennen: moderner Antisemitismus.<\/p>\n\n\n\n

Klein will dem entgegenwirken. Er versteht, dass antisemitische Attacken in Deutschland die Fr\u00fcchte solch falsch gezeichneter Bilder und eindimensionaler Narrative \u00fcber Israel sind. Wenn er und andere versuchen, ein anderes Narrativ aufzuzeigen, wirft man ihnen Zensur vor: Wie k\u00f6nnen sie es wagen, das Gesch\u00e4ft der Anti-Israel-Propaganda zu st\u00f6ren?<\/p>\n\n\n\n

Liebe Deutsche, wenn ihr reden wollt, lasst uns gern reden: \u00fcber die Besetzung, \u00fcber Bibi und alles, was schiefl\u00e4uft. Aber dann lasst uns bitte auch dar\u00fcber reden, wie deutsche Steuergelder Terrortunnel finanzieren. Erst vergangene Woche r\u00e4umte die niederl\u00e4ndische Regierung ein, dass Gelder an eine Landwirtschaftsorganisation in Ramallah geflossen seien, die damit teilweise die Geh\u00e4lter zweier des Mordes an der 17-j\u00e4hrigen Israelin Rina Shnerb Verd\u00e4chtiger gezahlt haben. Auch die Bundesregierung unterst\u00fctzt diese Organisation, obwohl Kritiker schon lange vor Verbindungen zu Terroristen warnen.<\/p>\n\n\n\n

Wir k\u00f6nnen uns also gerne unterhalten \u2013 aber im Dialog, nicht in Monologen. Denn Reden unter Menschen, die sich einig sind, ist nichts anderes als Impotenz.<\/p>\n\n\n\n

Israelkritik als Eintrittskarte<\/h6>\n\n\n\n

Die Israelis, die die Petition unterzeichnet haben, haben \u00fcbrigens ebenfalls etwas verstanden. Seit Jahren wissen sie: Es ist ihre Eintrittskarte in die Mitte der deutschen (und europ\u00e4ischen) Gesellschaft. Man h\u00f6rt nicht oft von Akademikern mit proisraelischen Ansichten. Weder in den Philharmonie-Orchestern noch in der Kunstszene. Die Eintrittskarte daf\u00fcr ist ein antiisraelischer Standpunkt.<\/p>\n\n\n\n

Der mutma\u00dfliche Grund, warum kaum Deutsche die Petition unterzeichnet haben: Sie mussten es nicht. Ihre Lieblingsjuden haben es f\u00fcr sie getan. Jetzt k\u00f6nnen sie sagen: \u201eSchau, ich bin das ja nicht, meine j\u00fcdischen Freunde sagen es.\u201c Ich selbst war einige Jahre lang mit einem Paar hier in Berlin befreundet, bis ich herausfand, dass ich ihr Lieblingsjude war. Ja, selbst das j\u00fcdische Museum wurde so genutzt.<\/p>\n\n\n\n

Weil Attacken gegen Juden ein absolutes Tabu sind, wurden Umwege gefunden, um den Antisemitismus auf kleiner Flamme k\u00f6cheln zu lassen: die unfundierte, unbegr\u00fcndete Kritik an Israel.<\/p>\n\n\n\n

Diese Art der Kritik ist gef\u00e4hrlich. Sie schw\u00e4cht jede begr\u00fcndete und notwendige Kritik am Verhalten Israels. Und das Interessante ist: Trotz all der heftigen, pauschalisierenden Anklagen, all der offenen Briefe driftet Israel politisch immer weiter nach rechts. Doch statt mal einen anderen Ansatz zu versuchen, werden die antiisraelischen Stimmen nur lauter. Dasselbe versuchen und andere Ergebnisse davon erwarten \u2013 das ist die Definition von Wahnsinn.<\/p>\n\n\n\n

Kurz bevor der Prozess gegen den wegen des Attentats von Halle<\/a> Angeklagten begann \u2013 des seit Kriegsende schlimmsten Akts von Antisemitismus in Deutschland \u2013, lud eine Lokalzeitung den fr\u00fcheren Botschafter Shimon Stein und den Historiker Moshe Zimmermann ein, dar\u00fcber zu schreiben, was Antisemitismus ist. Nat\u00fcrlich wendeten auch sie sich gegen Felix Kleins Ansatz. Sie zitieren die Kontroverse um die Umbenennung der U-Bahn-Station Mohrenstra\u00dfe in Glinkastra\u00dfe, die sich darum drehte, dass der russische Komponist Michael Glinka Antisemit gewesen sein soll. Stein und Zimmermann halten die Debatte f\u00fcr \u00fcberzogen, Glinka sei nur ein Kind seiner Zeit gewesen. Folgt man ihrer Logik, k\u00f6nnen wir dann also in 20 oder 30 Jahren U-Bahn-Stationen nach den Kindern der 1930er Jahre benennen?<\/p>\n\n\n\n

Der Antisemit als Tierfreund<\/h6>\n\n\n\n

Ich w\u00fcnschte, die Sache h\u00e4tte mit dem Artikel, mit der Petition geendet. Doch dann erschien ein Artikel, der den Leser auf einen Waldspaziergang mit einem veganen Koch und Antisemiten mitnahm. Darin setzt der Tierfreund erst behutsam einen K\u00e4fer wieder auf seine Beinchen und erkl\u00e4rt dann, dass die Todesstrafe in Deutschland wieder eingef\u00fchrt werden solle, um einen gewissen Politiker (der zuf\u00e4llig pro Israel ist) an seinen Hoden aufh\u00e4ngen zu k\u00f6nnen. Dieser Koch hat Hunderttausende Follower, er sagt all solche Dinge am helllichten Tag in Berlin. Und in den Medien.<\/p>\n\n\n\n

F\u00e4lle wie dieser handeln bereits von Gewalt \u2013 und sie enden nicht bei den Juden. Der Hass richtet sich gegen Frauen<\/a>, Muslime, Gefl\u00fcchtete, \u00adLBTQI. Am Ende aller theoretischen Debatten stehen immer echte Menschen. Am Ende jeder Konferenz dar\u00fcber, was Antisemitismus ausmacht, steht ein potenzielles j\u00fcdisches Opfer. Angesichts einer Welle von Antisemitismus \u00fcber die Definition von Antisemitismus zu streiten ist, wie eine 10 Meter hohe Welle heranrollen zu sehen und dar\u00fcber zu streiten, was einen Tsunami ausmacht.<\/p>\n\n\n\n

Felix Klein versteht, wie absurd es ist, zu sagen: Es sind nur die Rechten. Die Rechten sind Deutsche, so wie die Nazis Deutsche waren. Klein versteht, dass die Deutschen nicht aufgeh\u00f6rt haben, Juden zu ermorden, weil sie irgendeine Art von Erleuchtung hatten. Sondern schlicht, weil sie den Krieg verloren haben. Um den Antisemitismus zu bek\u00e4mpfen, bevor er die Gesellschaft frisst, in der er und wir leben, muss Deutschland seinen moralischen Kompass korrigieren.<\/p>\n\n\n\n

Immerhin: Mehr und mehr Deutsche fahren nach Israel, sie wollen ein anderes Narrativ h\u00f6ren. Mehr und mehr Deutsche verstehen, dass Antisemitismus Schockwellen ausl\u00f6st, die die gesamte Gesellschaft betreffen. In einem normalen Universum w\u00fcrde Klein bef\u00f6rdert werden f\u00fcr seine Leistung. In einer verdrehten Gesellschaft fordern Menschen seine Entlassung. Um es mit Mbembe zu sagen: Das ist Nano-Nonsens.<\/p>\n\n\n\n

\u00dcbersetzung: Ariane Lemme<\/a><\/em><\/p>\n","post_title":"Felix Klein hat verstanden","post_excerpt":"","post_status":"publish","comment_status":"closed","ping_status":"closed","post_password":"","post_name":"felix-klein-hat-verstanden","to_ping":"","pinged":"","post_modified":"2025-02-02 08:39:39","post_modified_gmt":"2025-02-02 08:39:39","post_content_filtered":"","post_parent":0,"guid":"https:\/\/dctransparency.com\/?p=3786","menu_order":0,"post_type":"post","post_mime_type":"","comment_count":"0","filter":"raw"}],"next":false,"prev":true,"total_page":47},"paged":1,"column_class":"jeg_col_2o3","class":"epic_block_3"};

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Mark Leonard <\/strong>ist Direktor des Europ\u00e4ischen Rats f\u00fcr Ausw\u00e4rtige Beziehungen.<\/a><\/p>\n","post_title":"Erdo\u011fan \u2013 der andere Putin vor der Haust\u00fcr Europas","post_excerpt":"","post_status":"publish","comment_status":"closed","ping_status":"closed","post_password":"","post_name":"erdogan-der-andere-putin-vor-der-haustur-europas","to_ping":"","pinged":"","post_modified":"2025-02-02 08:39:39","post_modified_gmt":"2025-02-02 08:39:39","post_content_filtered":"","post_parent":0,"guid":"https:\/\/dctransparency.com\/?p=3789","menu_order":0,"post_type":"post","post_mime_type":"","comment_count":"0","filter":"raw"},{"ID":3786,"post_author":"7","post_date":"2020-08-14 13:51:23","post_date_gmt":"2020-08-14 13:51:23","post_content":"\n

Einen Monat nachdem ich zur israelischen Armee eingezogen worden war, brach die erste Intifada aus. Statt Soldat zu sein, machte ich Polizeiarbeit, sagte den Menschen, wann sie zur Arbeit gehen konnten und wann sie ihre L\u00e4den schlie\u00dfen mussten, wann sie die Grenze passieren und wann sie schlafen konnten. Einen Monat nachdem ich aus der Armee entlassen worden war, ging ich auf Reisen. (In Israel sagen wir: Wir dienen drei Jahre und versuchen den Rest unseres Lebens, diese drei Jahre zu vergessen.) Auf meiner Reise begann ich Briefe an meine Freundin zu schreiben, die ich in Israel zur\u00fcckgelassen hatte.<\/p>\n\n\n\n

Ich schrieb ihr, wie schrecklich depressiv ich war und dass diese drei Jahre des Anweisungenbellens und Anderen-Menschen-Sagens, was sie zu tun haben, mich f\u00fcr immer verfolgen w\u00fcrden. Dass sie ein Teil dessen geworden waren, was ich bin. Ich erinnere mich, dass ich ihr schrieb, dass wir da rausm\u00fcssen \u2013 nicht nur f\u00fcr die Pal\u00e4stinenser, sondern wegen der furchtbaren und brutalen Auswirkungen, die all das auf uns, auf die israelische Gesellschaft haben w\u00fcrde. Sie schrieb zur\u00fcck: \u201eDu hast recht. Ich habe einen neuen Freund.\u201c<\/p>\n\n\n\n

Felix Klein wurde als Beauftragter der Bundesregierung berufen<\/a>, um die Auswirkungen des zunehmenden Antisemitismus in unserer Gesellschaft, in Deutschland, zu bek\u00e4mpfen. Was nicht in seiner Jobbeschreibung steht, ist, dass er dabei unsere Gesellschaft heilen muss, jene Gesellschaft, die diese Form des Hasses reproduziert und sch\u00fctzt. Klein hat das begriffen.<\/p>\n\n\n\n

Er versteht, dass man Krebs nicht mit einem Pflaster verarztet, er wei\u00df, dass er das Bewusstsein der Deutschen sch\u00e4rfen und Diskussionen ansto\u00dfen muss. Er hat begriffen, dass das Problem nicht nur an den R\u00e4ndern der Gesellschaft (bei den Rechten) liegt, sondern auch in ihrer Mitte. Dort, wo gebildete Menschen nicht einmal bemerken, dass das, was sie sagen und tun, antisemitisch ist. So wie sie es auch nicht merken, wenn sie rassistisch handeln. Er hat all das verstanden, und genau deshalb wollen einige, dass er seinen Posten r\u00e4umt.<\/p>\n\n\n\n

Mehr als 60 deutsche und israelische Intellektuelle haben letzte Woche in einem Brief an Kanzlerin Merkel<\/a> dar\u00fcber geklagt, dass der aktuelle \u201eGebrauch des Antisemitismusbegriffs\u201c darauf abziele, \u201elegitime Kritik an der israelischen Regierungspolitik zu unterdr\u00fccken\u201c, und Klein vorgeworfen, rechtspopulistische israelische Stimmen zu f\u00f6rdern.<\/p>\n\n\n\n

Faszinierend an diesem offenen Brief ist, dass viele der Unterzeichneten keine Deutschen sind und auch nicht in Deutschland leben. Ich wei\u00df nicht, woher sie \u2013 die meisten von ihnen sind Israelis \u2013 die Chuzpe haben, sich in eine innerdeutsche Angelegenheit einzumischen und zu fordern, eine Person zu entlassen, die von der Bundesregierung eingesetzt wurde. Die H\u00e4lfte der Unterzeichneten lebt nicht hier, von der anderen H\u00e4lfte sind viele keine Juden \u2013 somit sind die allermeisten von ihnen nicht direkt vom Antisemitismus in Deutschland betroffen. Wie also k\u00f6nnen sie diesen Brief unterschreiben? Und warum eigentlich haben so wenige Deutsche unterschrieben? Dazu komme ich gleich.<\/p>\n\n\n\n

Debatte um Achille Mbembe<\/h6>\n\n\n\n

Hintergrund des Briefs war, dass Felix Klein gefordert hatte, den Philosophen Achille Mbembe<\/a> nicht die Er\u00f6ffnungsrede der Ruhrtriennale halten zu lassen. Als mit \u00f6ffentlichen Mitteln gef\u00f6rdertes Event solle die Ruhrtriennale Mbembe wegen seiner Haltung zu Israels Existenzrecht, seiner Haltung zu BDS und der Art, wie er in einem seiner Werke den Holocaust relativiert, nicht einladen.<\/p>\n\n\n\n

Mbembes Unterst\u00fctzer sagen, keine dieser Anschuldigungen sei wahr. F\u00fcrs Protokoll: In meinen Augen unterst\u00fctzt Mbembe sehr wohl BDS<\/a>, er schrieb unter anderem das Vorwort zu \u201eApartheid Israel\u201c und fordert die komplette Isolation Israels. Ich glaube auch, wenn Mbembe schreibt, die israelische Besetzung sei der \u201egr\u00f6\u00dfte moralische Skandal unserer Zeit\u201c, zeigt das, dass sein moralischer und geografischer Kompass etwas schief ist.<\/p>\n\n\n\n

Doch warum treibt die Debatte so viele Menschen um? Nun, zun\u00e4chst gibt niemand gern auf, was ihm oder ihr selbstverst\u00e4ndlich scheint. \u00dcber den gesamten politischen, sozialen, kulturellen, medialen und akademischen Sektor hinweg sind Menschen daran gew\u00f6hnt, so schlecht \u00fcber Israel sprechen zu k\u00f6nnen, wie auch immer sie wollen.<\/p>\n\n\n\n

Der Spiegel<\/em> hat \u2013 vielleicht in Anlehnung an seine Relotius-Standards, Israel erst k\u00fcrzlich eine Corona-Diktatur genannt. Fakten und Belege f\u00fcr diese Behauptung gab es nicht. Doch Millionen Deutsche haben es gelesen, und es wird nat\u00fcrlich haften bleiben. Faktenlage hin oder her. Der Spiegel<\/em> und andere Medien haben dieses Spiel perfektioniert: Titel so zu drehen, dass sie Israel indirekt anklagen, die Idee zu streuen, der Mossad kon\u00adtrol\u00adliere die deutsche Au\u00dfenpolitik im Nahen Osten, und so fort. Doch sie stehen allesamt sofort auf den Hinterbeinen, wenn jemand es wagt, das Spiel beim Namen zu nennen: moderner Antisemitismus.<\/p>\n\n\n\n

Klein will dem entgegenwirken. Er versteht, dass antisemitische Attacken in Deutschland die Fr\u00fcchte solch falsch gezeichneter Bilder und eindimensionaler Narrative \u00fcber Israel sind. Wenn er und andere versuchen, ein anderes Narrativ aufzuzeigen, wirft man ihnen Zensur vor: Wie k\u00f6nnen sie es wagen, das Gesch\u00e4ft der Anti-Israel-Propaganda zu st\u00f6ren?<\/p>\n\n\n\n

Liebe Deutsche, wenn ihr reden wollt, lasst uns gern reden: \u00fcber die Besetzung, \u00fcber Bibi und alles, was schiefl\u00e4uft. Aber dann lasst uns bitte auch dar\u00fcber reden, wie deutsche Steuergelder Terrortunnel finanzieren. Erst vergangene Woche r\u00e4umte die niederl\u00e4ndische Regierung ein, dass Gelder an eine Landwirtschaftsorganisation in Ramallah geflossen seien, die damit teilweise die Geh\u00e4lter zweier des Mordes an der 17-j\u00e4hrigen Israelin Rina Shnerb Verd\u00e4chtiger gezahlt haben. Auch die Bundesregierung unterst\u00fctzt diese Organisation, obwohl Kritiker schon lange vor Verbindungen zu Terroristen warnen.<\/p>\n\n\n\n

Wir k\u00f6nnen uns also gerne unterhalten \u2013 aber im Dialog, nicht in Monologen. Denn Reden unter Menschen, die sich einig sind, ist nichts anderes als Impotenz.<\/p>\n\n\n\n

Israelkritik als Eintrittskarte<\/h6>\n\n\n\n

Die Israelis, die die Petition unterzeichnet haben, haben \u00fcbrigens ebenfalls etwas verstanden. Seit Jahren wissen sie: Es ist ihre Eintrittskarte in die Mitte der deutschen (und europ\u00e4ischen) Gesellschaft. Man h\u00f6rt nicht oft von Akademikern mit proisraelischen Ansichten. Weder in den Philharmonie-Orchestern noch in der Kunstszene. Die Eintrittskarte daf\u00fcr ist ein antiisraelischer Standpunkt.<\/p>\n\n\n\n

Der mutma\u00dfliche Grund, warum kaum Deutsche die Petition unterzeichnet haben: Sie mussten es nicht. Ihre Lieblingsjuden haben es f\u00fcr sie getan. Jetzt k\u00f6nnen sie sagen: \u201eSchau, ich bin das ja nicht, meine j\u00fcdischen Freunde sagen es.\u201c Ich selbst war einige Jahre lang mit einem Paar hier in Berlin befreundet, bis ich herausfand, dass ich ihr Lieblingsjude war. Ja, selbst das j\u00fcdische Museum wurde so genutzt.<\/p>\n\n\n\n

Weil Attacken gegen Juden ein absolutes Tabu sind, wurden Umwege gefunden, um den Antisemitismus auf kleiner Flamme k\u00f6cheln zu lassen: die unfundierte, unbegr\u00fcndete Kritik an Israel.<\/p>\n\n\n\n

Diese Art der Kritik ist gef\u00e4hrlich. Sie schw\u00e4cht jede begr\u00fcndete und notwendige Kritik am Verhalten Israels. Und das Interessante ist: Trotz all der heftigen, pauschalisierenden Anklagen, all der offenen Briefe driftet Israel politisch immer weiter nach rechts. Doch statt mal einen anderen Ansatz zu versuchen, werden die antiisraelischen Stimmen nur lauter. Dasselbe versuchen und andere Ergebnisse davon erwarten \u2013 das ist die Definition von Wahnsinn.<\/p>\n\n\n\n

Kurz bevor der Prozess gegen den wegen des Attentats von Halle<\/a> Angeklagten begann \u2013 des seit Kriegsende schlimmsten Akts von Antisemitismus in Deutschland \u2013, lud eine Lokalzeitung den fr\u00fcheren Botschafter Shimon Stein und den Historiker Moshe Zimmermann ein, dar\u00fcber zu schreiben, was Antisemitismus ist. Nat\u00fcrlich wendeten auch sie sich gegen Felix Kleins Ansatz. Sie zitieren die Kontroverse um die Umbenennung der U-Bahn-Station Mohrenstra\u00dfe in Glinkastra\u00dfe, die sich darum drehte, dass der russische Komponist Michael Glinka Antisemit gewesen sein soll. Stein und Zimmermann halten die Debatte f\u00fcr \u00fcberzogen, Glinka sei nur ein Kind seiner Zeit gewesen. Folgt man ihrer Logik, k\u00f6nnen wir dann also in 20 oder 30 Jahren U-Bahn-Stationen nach den Kindern der 1930er Jahre benennen?<\/p>\n\n\n\n

Der Antisemit als Tierfreund<\/h6>\n\n\n\n

Ich w\u00fcnschte, die Sache h\u00e4tte mit dem Artikel, mit der Petition geendet. Doch dann erschien ein Artikel, der den Leser auf einen Waldspaziergang mit einem veganen Koch und Antisemiten mitnahm. Darin setzt der Tierfreund erst behutsam einen K\u00e4fer wieder auf seine Beinchen und erkl\u00e4rt dann, dass die Todesstrafe in Deutschland wieder eingef\u00fchrt werden solle, um einen gewissen Politiker (der zuf\u00e4llig pro Israel ist) an seinen Hoden aufh\u00e4ngen zu k\u00f6nnen. Dieser Koch hat Hunderttausende Follower, er sagt all solche Dinge am helllichten Tag in Berlin. Und in den Medien.<\/p>\n\n\n\n

F\u00e4lle wie dieser handeln bereits von Gewalt \u2013 und sie enden nicht bei den Juden. Der Hass richtet sich gegen Frauen<\/a>, Muslime, Gefl\u00fcchtete, \u00adLBTQI. Am Ende aller theoretischen Debatten stehen immer echte Menschen. Am Ende jeder Konferenz dar\u00fcber, was Antisemitismus ausmacht, steht ein potenzielles j\u00fcdisches Opfer. Angesichts einer Welle von Antisemitismus \u00fcber die Definition von Antisemitismus zu streiten ist, wie eine 10 Meter hohe Welle heranrollen zu sehen und dar\u00fcber zu streiten, was einen Tsunami ausmacht.<\/p>\n\n\n\n

Felix Klein versteht, wie absurd es ist, zu sagen: Es sind nur die Rechten. Die Rechten sind Deutsche, so wie die Nazis Deutsche waren. Klein versteht, dass die Deutschen nicht aufgeh\u00f6rt haben, Juden zu ermorden, weil sie irgendeine Art von Erleuchtung hatten. Sondern schlicht, weil sie den Krieg verloren haben. Um den Antisemitismus zu bek\u00e4mpfen, bevor er die Gesellschaft frisst, in der er und wir leben, muss Deutschland seinen moralischen Kompass korrigieren.<\/p>\n\n\n\n

Immerhin: Mehr und mehr Deutsche fahren nach Israel, sie wollen ein anderes Narrativ h\u00f6ren. Mehr und mehr Deutsche verstehen, dass Antisemitismus Schockwellen ausl\u00f6st, die die gesamte Gesellschaft betreffen. In einem normalen Universum w\u00fcrde Klein bef\u00f6rdert werden f\u00fcr seine Leistung. In einer verdrehten Gesellschaft fordern Menschen seine Entlassung. Um es mit Mbembe zu sagen: Das ist Nano-Nonsens.<\/p>\n\n\n\n

\u00dcbersetzung: Ariane Lemme<\/a><\/em><\/p>\n","post_title":"Felix Klein hat verstanden","post_excerpt":"","post_status":"publish","comment_status":"closed","ping_status":"closed","post_password":"","post_name":"felix-klein-hat-verstanden","to_ping":"","pinged":"","post_modified":"2025-02-02 08:39:39","post_modified_gmt":"2025-02-02 08:39:39","post_content_filtered":"","post_parent":0,"guid":"https:\/\/dctransparency.com\/?p=3786","menu_order":0,"post_type":"post","post_mime_type":"","comment_count":"0","filter":"raw"}],"next":false,"prev":true,"total_page":47},"paged":1,"column_class":"jeg_col_2o3","class":"epic_block_3"};

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Zu diesem Zweck sollten die Europ\u00e4er klarstellen, dass der EU-Beitrittsprozess entweder zur\u00fcckgedreht oder vorangetrieben werden kann und dass eine eher transaktionale Beziehung sowohl Zuckerbrot als auch Peitsche beinhaltet. Die Herausforderung wird darin bestehen, daf\u00fcr zu sorgen, dass es in einer Region, die nicht nur von Europa und der T\u00fcrkei, sondern auch von Russland, den USA und einem aufstrebenden China beeinflusst wird, noch Raum f\u00fcr politisches Engagement in Fragen der gemeinsamen Sicherheit gibt. (Mark Leonard, \u00dcbersetzung: Eva G\u00f6llner, Copyright: Project Syndicate, 10.8.2020)<\/p>\n\n\n\n

Mark Leonard <\/strong>ist Direktor des Europ\u00e4ischen Rats f\u00fcr Ausw\u00e4rtige Beziehungen.<\/a><\/p>\n","post_title":"Erdo\u011fan \u2013 der andere Putin vor der Haust\u00fcr Europas","post_excerpt":"","post_status":"publish","comment_status":"closed","ping_status":"closed","post_password":"","post_name":"erdogan-der-andere-putin-vor-der-haustur-europas","to_ping":"","pinged":"","post_modified":"2025-02-02 08:39:39","post_modified_gmt":"2025-02-02 08:39:39","post_content_filtered":"","post_parent":0,"guid":"https:\/\/dctransparency.com\/?p=3789","menu_order":0,"post_type":"post","post_mime_type":"","comment_count":"0","filter":"raw"},{"ID":3786,"post_author":"7","post_date":"2020-08-14 13:51:23","post_date_gmt":"2020-08-14 13:51:23","post_content":"\n

Einen Monat nachdem ich zur israelischen Armee eingezogen worden war, brach die erste Intifada aus. Statt Soldat zu sein, machte ich Polizeiarbeit, sagte den Menschen, wann sie zur Arbeit gehen konnten und wann sie ihre L\u00e4den schlie\u00dfen mussten, wann sie die Grenze passieren und wann sie schlafen konnten. Einen Monat nachdem ich aus der Armee entlassen worden war, ging ich auf Reisen. (In Israel sagen wir: Wir dienen drei Jahre und versuchen den Rest unseres Lebens, diese drei Jahre zu vergessen.) Auf meiner Reise begann ich Briefe an meine Freundin zu schreiben, die ich in Israel zur\u00fcckgelassen hatte.<\/p>\n\n\n\n

Ich schrieb ihr, wie schrecklich depressiv ich war und dass diese drei Jahre des Anweisungenbellens und Anderen-Menschen-Sagens, was sie zu tun haben, mich f\u00fcr immer verfolgen w\u00fcrden. Dass sie ein Teil dessen geworden waren, was ich bin. Ich erinnere mich, dass ich ihr schrieb, dass wir da rausm\u00fcssen \u2013 nicht nur f\u00fcr die Pal\u00e4stinenser, sondern wegen der furchtbaren und brutalen Auswirkungen, die all das auf uns, auf die israelische Gesellschaft haben w\u00fcrde. Sie schrieb zur\u00fcck: \u201eDu hast recht. Ich habe einen neuen Freund.\u201c<\/p>\n\n\n\n

Felix Klein wurde als Beauftragter der Bundesregierung berufen<\/a>, um die Auswirkungen des zunehmenden Antisemitismus in unserer Gesellschaft, in Deutschland, zu bek\u00e4mpfen. Was nicht in seiner Jobbeschreibung steht, ist, dass er dabei unsere Gesellschaft heilen muss, jene Gesellschaft, die diese Form des Hasses reproduziert und sch\u00fctzt. Klein hat das begriffen.<\/p>\n\n\n\n

Er versteht, dass man Krebs nicht mit einem Pflaster verarztet, er wei\u00df, dass er das Bewusstsein der Deutschen sch\u00e4rfen und Diskussionen ansto\u00dfen muss. Er hat begriffen, dass das Problem nicht nur an den R\u00e4ndern der Gesellschaft (bei den Rechten) liegt, sondern auch in ihrer Mitte. Dort, wo gebildete Menschen nicht einmal bemerken, dass das, was sie sagen und tun, antisemitisch ist. So wie sie es auch nicht merken, wenn sie rassistisch handeln. Er hat all das verstanden, und genau deshalb wollen einige, dass er seinen Posten r\u00e4umt.<\/p>\n\n\n\n

Mehr als 60 deutsche und israelische Intellektuelle haben letzte Woche in einem Brief an Kanzlerin Merkel<\/a> dar\u00fcber geklagt, dass der aktuelle \u201eGebrauch des Antisemitismusbegriffs\u201c darauf abziele, \u201elegitime Kritik an der israelischen Regierungspolitik zu unterdr\u00fccken\u201c, und Klein vorgeworfen, rechtspopulistische israelische Stimmen zu f\u00f6rdern.<\/p>\n\n\n\n

Faszinierend an diesem offenen Brief ist, dass viele der Unterzeichneten keine Deutschen sind und auch nicht in Deutschland leben. Ich wei\u00df nicht, woher sie \u2013 die meisten von ihnen sind Israelis \u2013 die Chuzpe haben, sich in eine innerdeutsche Angelegenheit einzumischen und zu fordern, eine Person zu entlassen, die von der Bundesregierung eingesetzt wurde. Die H\u00e4lfte der Unterzeichneten lebt nicht hier, von der anderen H\u00e4lfte sind viele keine Juden \u2013 somit sind die allermeisten von ihnen nicht direkt vom Antisemitismus in Deutschland betroffen. Wie also k\u00f6nnen sie diesen Brief unterschreiben? Und warum eigentlich haben so wenige Deutsche unterschrieben? Dazu komme ich gleich.<\/p>\n\n\n\n

Debatte um Achille Mbembe<\/h6>\n\n\n\n

Hintergrund des Briefs war, dass Felix Klein gefordert hatte, den Philosophen Achille Mbembe<\/a> nicht die Er\u00f6ffnungsrede der Ruhrtriennale halten zu lassen. Als mit \u00f6ffentlichen Mitteln gef\u00f6rdertes Event solle die Ruhrtriennale Mbembe wegen seiner Haltung zu Israels Existenzrecht, seiner Haltung zu BDS und der Art, wie er in einem seiner Werke den Holocaust relativiert, nicht einladen.<\/p>\n\n\n\n

Mbembes Unterst\u00fctzer sagen, keine dieser Anschuldigungen sei wahr. F\u00fcrs Protokoll: In meinen Augen unterst\u00fctzt Mbembe sehr wohl BDS<\/a>, er schrieb unter anderem das Vorwort zu \u201eApartheid Israel\u201c und fordert die komplette Isolation Israels. Ich glaube auch, wenn Mbembe schreibt, die israelische Besetzung sei der \u201egr\u00f6\u00dfte moralische Skandal unserer Zeit\u201c, zeigt das, dass sein moralischer und geografischer Kompass etwas schief ist.<\/p>\n\n\n\n

Doch warum treibt die Debatte so viele Menschen um? Nun, zun\u00e4chst gibt niemand gern auf, was ihm oder ihr selbstverst\u00e4ndlich scheint. \u00dcber den gesamten politischen, sozialen, kulturellen, medialen und akademischen Sektor hinweg sind Menschen daran gew\u00f6hnt, so schlecht \u00fcber Israel sprechen zu k\u00f6nnen, wie auch immer sie wollen.<\/p>\n\n\n\n

Der Spiegel<\/em> hat \u2013 vielleicht in Anlehnung an seine Relotius-Standards, Israel erst k\u00fcrzlich eine Corona-Diktatur genannt. Fakten und Belege f\u00fcr diese Behauptung gab es nicht. Doch Millionen Deutsche haben es gelesen, und es wird nat\u00fcrlich haften bleiben. Faktenlage hin oder her. Der Spiegel<\/em> und andere Medien haben dieses Spiel perfektioniert: Titel so zu drehen, dass sie Israel indirekt anklagen, die Idee zu streuen, der Mossad kon\u00adtrol\u00adliere die deutsche Au\u00dfenpolitik im Nahen Osten, und so fort. Doch sie stehen allesamt sofort auf den Hinterbeinen, wenn jemand es wagt, das Spiel beim Namen zu nennen: moderner Antisemitismus.<\/p>\n\n\n\n

Klein will dem entgegenwirken. Er versteht, dass antisemitische Attacken in Deutschland die Fr\u00fcchte solch falsch gezeichneter Bilder und eindimensionaler Narrative \u00fcber Israel sind. Wenn er und andere versuchen, ein anderes Narrativ aufzuzeigen, wirft man ihnen Zensur vor: Wie k\u00f6nnen sie es wagen, das Gesch\u00e4ft der Anti-Israel-Propaganda zu st\u00f6ren?<\/p>\n\n\n\n

Liebe Deutsche, wenn ihr reden wollt, lasst uns gern reden: \u00fcber die Besetzung, \u00fcber Bibi und alles, was schiefl\u00e4uft. Aber dann lasst uns bitte auch dar\u00fcber reden, wie deutsche Steuergelder Terrortunnel finanzieren. Erst vergangene Woche r\u00e4umte die niederl\u00e4ndische Regierung ein, dass Gelder an eine Landwirtschaftsorganisation in Ramallah geflossen seien, die damit teilweise die Geh\u00e4lter zweier des Mordes an der 17-j\u00e4hrigen Israelin Rina Shnerb Verd\u00e4chtiger gezahlt haben. Auch die Bundesregierung unterst\u00fctzt diese Organisation, obwohl Kritiker schon lange vor Verbindungen zu Terroristen warnen.<\/p>\n\n\n\n

Wir k\u00f6nnen uns also gerne unterhalten \u2013 aber im Dialog, nicht in Monologen. Denn Reden unter Menschen, die sich einig sind, ist nichts anderes als Impotenz.<\/p>\n\n\n\n

Israelkritik als Eintrittskarte<\/h6>\n\n\n\n

Die Israelis, die die Petition unterzeichnet haben, haben \u00fcbrigens ebenfalls etwas verstanden. Seit Jahren wissen sie: Es ist ihre Eintrittskarte in die Mitte der deutschen (und europ\u00e4ischen) Gesellschaft. Man h\u00f6rt nicht oft von Akademikern mit proisraelischen Ansichten. Weder in den Philharmonie-Orchestern noch in der Kunstszene. Die Eintrittskarte daf\u00fcr ist ein antiisraelischer Standpunkt.<\/p>\n\n\n\n

Der mutma\u00dfliche Grund, warum kaum Deutsche die Petition unterzeichnet haben: Sie mussten es nicht. Ihre Lieblingsjuden haben es f\u00fcr sie getan. Jetzt k\u00f6nnen sie sagen: \u201eSchau, ich bin das ja nicht, meine j\u00fcdischen Freunde sagen es.\u201c Ich selbst war einige Jahre lang mit einem Paar hier in Berlin befreundet, bis ich herausfand, dass ich ihr Lieblingsjude war. Ja, selbst das j\u00fcdische Museum wurde so genutzt.<\/p>\n\n\n\n

Weil Attacken gegen Juden ein absolutes Tabu sind, wurden Umwege gefunden, um den Antisemitismus auf kleiner Flamme k\u00f6cheln zu lassen: die unfundierte, unbegr\u00fcndete Kritik an Israel.<\/p>\n\n\n\n

Diese Art der Kritik ist gef\u00e4hrlich. Sie schw\u00e4cht jede begr\u00fcndete und notwendige Kritik am Verhalten Israels. Und das Interessante ist: Trotz all der heftigen, pauschalisierenden Anklagen, all der offenen Briefe driftet Israel politisch immer weiter nach rechts. Doch statt mal einen anderen Ansatz zu versuchen, werden die antiisraelischen Stimmen nur lauter. Dasselbe versuchen und andere Ergebnisse davon erwarten \u2013 das ist die Definition von Wahnsinn.<\/p>\n\n\n\n

Kurz bevor der Prozess gegen den wegen des Attentats von Halle<\/a> Angeklagten begann \u2013 des seit Kriegsende schlimmsten Akts von Antisemitismus in Deutschland \u2013, lud eine Lokalzeitung den fr\u00fcheren Botschafter Shimon Stein und den Historiker Moshe Zimmermann ein, dar\u00fcber zu schreiben, was Antisemitismus ist. Nat\u00fcrlich wendeten auch sie sich gegen Felix Kleins Ansatz. Sie zitieren die Kontroverse um die Umbenennung der U-Bahn-Station Mohrenstra\u00dfe in Glinkastra\u00dfe, die sich darum drehte, dass der russische Komponist Michael Glinka Antisemit gewesen sein soll. Stein und Zimmermann halten die Debatte f\u00fcr \u00fcberzogen, Glinka sei nur ein Kind seiner Zeit gewesen. Folgt man ihrer Logik, k\u00f6nnen wir dann also in 20 oder 30 Jahren U-Bahn-Stationen nach den Kindern der 1930er Jahre benennen?<\/p>\n\n\n\n

Der Antisemit als Tierfreund<\/h6>\n\n\n\n

Ich w\u00fcnschte, die Sache h\u00e4tte mit dem Artikel, mit der Petition geendet. Doch dann erschien ein Artikel, der den Leser auf einen Waldspaziergang mit einem veganen Koch und Antisemiten mitnahm. Darin setzt der Tierfreund erst behutsam einen K\u00e4fer wieder auf seine Beinchen und erkl\u00e4rt dann, dass die Todesstrafe in Deutschland wieder eingef\u00fchrt werden solle, um einen gewissen Politiker (der zuf\u00e4llig pro Israel ist) an seinen Hoden aufh\u00e4ngen zu k\u00f6nnen. Dieser Koch hat Hunderttausende Follower, er sagt all solche Dinge am helllichten Tag in Berlin. Und in den Medien.<\/p>\n\n\n\n

F\u00e4lle wie dieser handeln bereits von Gewalt \u2013 und sie enden nicht bei den Juden. Der Hass richtet sich gegen Frauen<\/a>, Muslime, Gefl\u00fcchtete, \u00adLBTQI. Am Ende aller theoretischen Debatten stehen immer echte Menschen. Am Ende jeder Konferenz dar\u00fcber, was Antisemitismus ausmacht, steht ein potenzielles j\u00fcdisches Opfer. Angesichts einer Welle von Antisemitismus \u00fcber die Definition von Antisemitismus zu streiten ist, wie eine 10 Meter hohe Welle heranrollen zu sehen und dar\u00fcber zu streiten, was einen Tsunami ausmacht.<\/p>\n\n\n\n

Felix Klein versteht, wie absurd es ist, zu sagen: Es sind nur die Rechten. Die Rechten sind Deutsche, so wie die Nazis Deutsche waren. Klein versteht, dass die Deutschen nicht aufgeh\u00f6rt haben, Juden zu ermorden, weil sie irgendeine Art von Erleuchtung hatten. Sondern schlicht, weil sie den Krieg verloren haben. Um den Antisemitismus zu bek\u00e4mpfen, bevor er die Gesellschaft frisst, in der er und wir leben, muss Deutschland seinen moralischen Kompass korrigieren.<\/p>\n\n\n\n

Immerhin: Mehr und mehr Deutsche fahren nach Israel, sie wollen ein anderes Narrativ h\u00f6ren. Mehr und mehr Deutsche verstehen, dass Antisemitismus Schockwellen ausl\u00f6st, die die gesamte Gesellschaft betreffen. In einem normalen Universum w\u00fcrde Klein bef\u00f6rdert werden f\u00fcr seine Leistung. In einer verdrehten Gesellschaft fordern Menschen seine Entlassung. Um es mit Mbembe zu sagen: Das ist Nano-Nonsens.<\/p>\n\n\n\n

\u00dcbersetzung: Ariane Lemme<\/a><\/em><\/p>\n","post_title":"Felix Klein hat verstanden","post_excerpt":"","post_status":"publish","comment_status":"closed","ping_status":"closed","post_password":"","post_name":"felix-klein-hat-verstanden","to_ping":"","pinged":"","post_modified":"2025-02-02 08:39:39","post_modified_gmt":"2025-02-02 08:39:39","post_content_filtered":"","post_parent":0,"guid":"https:\/\/dctransparency.com\/?p=3786","menu_order":0,"post_type":"post","post_mime_type":"","comment_count":"0","filter":"raw"}],"next":false,"prev":true,"total_page":47},"paged":1,"column_class":"jeg_col_2o3","class":"epic_block_3"};

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Die T\u00fcrkei ist noch kein neues Russland, aber sie k\u00f6nnte dazu werden, wenn die Situation falsch gehandhabt wird. Vorerst betrachten die meisten Europ\u00e4er die T\u00fcrkei noch immer als einen komplizierten Partner und nicht als \"Systemrivalen\". Aber die Europ\u00e4er sollten die hart erk\u00e4mpften Lehren aus dem Umgang mit Russland in den letzten 15 Jahren beherzigen. Die Beziehungen zwischen der EU und der T\u00fcrkei brauchen neue, einvernehmlich vereinbarte Prinzipien sowie klare Grenzen, um eine weitere Destabilisierung in der Region zu verhindern.<\/p>\n\n\n\n

Zu diesem Zweck sollten die Europ\u00e4er klarstellen, dass der EU-Beitrittsprozess entweder zur\u00fcckgedreht oder vorangetrieben werden kann und dass eine eher transaktionale Beziehung sowohl Zuckerbrot als auch Peitsche beinhaltet. Die Herausforderung wird darin bestehen, daf\u00fcr zu sorgen, dass es in einer Region, die nicht nur von Europa und der T\u00fcrkei, sondern auch von Russland, den USA und einem aufstrebenden China beeinflusst wird, noch Raum f\u00fcr politisches Engagement in Fragen der gemeinsamen Sicherheit gibt. (Mark Leonard, \u00dcbersetzung: Eva G\u00f6llner, Copyright: Project Syndicate, 10.8.2020)<\/p>\n\n\n\n

Mark Leonard <\/strong>ist Direktor des Europ\u00e4ischen Rats f\u00fcr Ausw\u00e4rtige Beziehungen.<\/a><\/p>\n","post_title":"Erdo\u011fan \u2013 der andere Putin vor der Haust\u00fcr Europas","post_excerpt":"","post_status":"publish","comment_status":"closed","ping_status":"closed","post_password":"","post_name":"erdogan-der-andere-putin-vor-der-haustur-europas","to_ping":"","pinged":"","post_modified":"2025-02-02 08:39:39","post_modified_gmt":"2025-02-02 08:39:39","post_content_filtered":"","post_parent":0,"guid":"https:\/\/dctransparency.com\/?p=3789","menu_order":0,"post_type":"post","post_mime_type":"","comment_count":"0","filter":"raw"},{"ID":3786,"post_author":"7","post_date":"2020-08-14 13:51:23","post_date_gmt":"2020-08-14 13:51:23","post_content":"\n

Einen Monat nachdem ich zur israelischen Armee eingezogen worden war, brach die erste Intifada aus. Statt Soldat zu sein, machte ich Polizeiarbeit, sagte den Menschen, wann sie zur Arbeit gehen konnten und wann sie ihre L\u00e4den schlie\u00dfen mussten, wann sie die Grenze passieren und wann sie schlafen konnten. Einen Monat nachdem ich aus der Armee entlassen worden war, ging ich auf Reisen. (In Israel sagen wir: Wir dienen drei Jahre und versuchen den Rest unseres Lebens, diese drei Jahre zu vergessen.) Auf meiner Reise begann ich Briefe an meine Freundin zu schreiben, die ich in Israel zur\u00fcckgelassen hatte.<\/p>\n\n\n\n

Ich schrieb ihr, wie schrecklich depressiv ich war und dass diese drei Jahre des Anweisungenbellens und Anderen-Menschen-Sagens, was sie zu tun haben, mich f\u00fcr immer verfolgen w\u00fcrden. Dass sie ein Teil dessen geworden waren, was ich bin. Ich erinnere mich, dass ich ihr schrieb, dass wir da rausm\u00fcssen \u2013 nicht nur f\u00fcr die Pal\u00e4stinenser, sondern wegen der furchtbaren und brutalen Auswirkungen, die all das auf uns, auf die israelische Gesellschaft haben w\u00fcrde. Sie schrieb zur\u00fcck: \u201eDu hast recht. Ich habe einen neuen Freund.\u201c<\/p>\n\n\n\n

Felix Klein wurde als Beauftragter der Bundesregierung berufen<\/a>, um die Auswirkungen des zunehmenden Antisemitismus in unserer Gesellschaft, in Deutschland, zu bek\u00e4mpfen. Was nicht in seiner Jobbeschreibung steht, ist, dass er dabei unsere Gesellschaft heilen muss, jene Gesellschaft, die diese Form des Hasses reproduziert und sch\u00fctzt. Klein hat das begriffen.<\/p>\n\n\n\n

Er versteht, dass man Krebs nicht mit einem Pflaster verarztet, er wei\u00df, dass er das Bewusstsein der Deutschen sch\u00e4rfen und Diskussionen ansto\u00dfen muss. Er hat begriffen, dass das Problem nicht nur an den R\u00e4ndern der Gesellschaft (bei den Rechten) liegt, sondern auch in ihrer Mitte. Dort, wo gebildete Menschen nicht einmal bemerken, dass das, was sie sagen und tun, antisemitisch ist. So wie sie es auch nicht merken, wenn sie rassistisch handeln. Er hat all das verstanden, und genau deshalb wollen einige, dass er seinen Posten r\u00e4umt.<\/p>\n\n\n\n

Mehr als 60 deutsche und israelische Intellektuelle haben letzte Woche in einem Brief an Kanzlerin Merkel<\/a> dar\u00fcber geklagt, dass der aktuelle \u201eGebrauch des Antisemitismusbegriffs\u201c darauf abziele, \u201elegitime Kritik an der israelischen Regierungspolitik zu unterdr\u00fccken\u201c, und Klein vorgeworfen, rechtspopulistische israelische Stimmen zu f\u00f6rdern.<\/p>\n\n\n\n

Faszinierend an diesem offenen Brief ist, dass viele der Unterzeichneten keine Deutschen sind und auch nicht in Deutschland leben. Ich wei\u00df nicht, woher sie \u2013 die meisten von ihnen sind Israelis \u2013 die Chuzpe haben, sich in eine innerdeutsche Angelegenheit einzumischen und zu fordern, eine Person zu entlassen, die von der Bundesregierung eingesetzt wurde. Die H\u00e4lfte der Unterzeichneten lebt nicht hier, von der anderen H\u00e4lfte sind viele keine Juden \u2013 somit sind die allermeisten von ihnen nicht direkt vom Antisemitismus in Deutschland betroffen. Wie also k\u00f6nnen sie diesen Brief unterschreiben? Und warum eigentlich haben so wenige Deutsche unterschrieben? Dazu komme ich gleich.<\/p>\n\n\n\n

Debatte um Achille Mbembe<\/h6>\n\n\n\n

Hintergrund des Briefs war, dass Felix Klein gefordert hatte, den Philosophen Achille Mbembe<\/a> nicht die Er\u00f6ffnungsrede der Ruhrtriennale halten zu lassen. Als mit \u00f6ffentlichen Mitteln gef\u00f6rdertes Event solle die Ruhrtriennale Mbembe wegen seiner Haltung zu Israels Existenzrecht, seiner Haltung zu BDS und der Art, wie er in einem seiner Werke den Holocaust relativiert, nicht einladen.<\/p>\n\n\n\n

Mbembes Unterst\u00fctzer sagen, keine dieser Anschuldigungen sei wahr. F\u00fcrs Protokoll: In meinen Augen unterst\u00fctzt Mbembe sehr wohl BDS<\/a>, er schrieb unter anderem das Vorwort zu \u201eApartheid Israel\u201c und fordert die komplette Isolation Israels. Ich glaube auch, wenn Mbembe schreibt, die israelische Besetzung sei der \u201egr\u00f6\u00dfte moralische Skandal unserer Zeit\u201c, zeigt das, dass sein moralischer und geografischer Kompass etwas schief ist.<\/p>\n\n\n\n

Doch warum treibt die Debatte so viele Menschen um? Nun, zun\u00e4chst gibt niemand gern auf, was ihm oder ihr selbstverst\u00e4ndlich scheint. \u00dcber den gesamten politischen, sozialen, kulturellen, medialen und akademischen Sektor hinweg sind Menschen daran gew\u00f6hnt, so schlecht \u00fcber Israel sprechen zu k\u00f6nnen, wie auch immer sie wollen.<\/p>\n\n\n\n

Der Spiegel<\/em> hat \u2013 vielleicht in Anlehnung an seine Relotius-Standards, Israel erst k\u00fcrzlich eine Corona-Diktatur genannt. Fakten und Belege f\u00fcr diese Behauptung gab es nicht. Doch Millionen Deutsche haben es gelesen, und es wird nat\u00fcrlich haften bleiben. Faktenlage hin oder her. Der Spiegel<\/em> und andere Medien haben dieses Spiel perfektioniert: Titel so zu drehen, dass sie Israel indirekt anklagen, die Idee zu streuen, der Mossad kon\u00adtrol\u00adliere die deutsche Au\u00dfenpolitik im Nahen Osten, und so fort. Doch sie stehen allesamt sofort auf den Hinterbeinen, wenn jemand es wagt, das Spiel beim Namen zu nennen: moderner Antisemitismus.<\/p>\n\n\n\n

Klein will dem entgegenwirken. Er versteht, dass antisemitische Attacken in Deutschland die Fr\u00fcchte solch falsch gezeichneter Bilder und eindimensionaler Narrative \u00fcber Israel sind. Wenn er und andere versuchen, ein anderes Narrativ aufzuzeigen, wirft man ihnen Zensur vor: Wie k\u00f6nnen sie es wagen, das Gesch\u00e4ft der Anti-Israel-Propaganda zu st\u00f6ren?<\/p>\n\n\n\n

Liebe Deutsche, wenn ihr reden wollt, lasst uns gern reden: \u00fcber die Besetzung, \u00fcber Bibi und alles, was schiefl\u00e4uft. Aber dann lasst uns bitte auch dar\u00fcber reden, wie deutsche Steuergelder Terrortunnel finanzieren. Erst vergangene Woche r\u00e4umte die niederl\u00e4ndische Regierung ein, dass Gelder an eine Landwirtschaftsorganisation in Ramallah geflossen seien, die damit teilweise die Geh\u00e4lter zweier des Mordes an der 17-j\u00e4hrigen Israelin Rina Shnerb Verd\u00e4chtiger gezahlt haben. Auch die Bundesregierung unterst\u00fctzt diese Organisation, obwohl Kritiker schon lange vor Verbindungen zu Terroristen warnen.<\/p>\n\n\n\n

Wir k\u00f6nnen uns also gerne unterhalten \u2013 aber im Dialog, nicht in Monologen. Denn Reden unter Menschen, die sich einig sind, ist nichts anderes als Impotenz.<\/p>\n\n\n\n

Israelkritik als Eintrittskarte<\/h6>\n\n\n\n

Die Israelis, die die Petition unterzeichnet haben, haben \u00fcbrigens ebenfalls etwas verstanden. Seit Jahren wissen sie: Es ist ihre Eintrittskarte in die Mitte der deutschen (und europ\u00e4ischen) Gesellschaft. Man h\u00f6rt nicht oft von Akademikern mit proisraelischen Ansichten. Weder in den Philharmonie-Orchestern noch in der Kunstszene. Die Eintrittskarte daf\u00fcr ist ein antiisraelischer Standpunkt.<\/p>\n\n\n\n

Der mutma\u00dfliche Grund, warum kaum Deutsche die Petition unterzeichnet haben: Sie mussten es nicht. Ihre Lieblingsjuden haben es f\u00fcr sie getan. Jetzt k\u00f6nnen sie sagen: \u201eSchau, ich bin das ja nicht, meine j\u00fcdischen Freunde sagen es.\u201c Ich selbst war einige Jahre lang mit einem Paar hier in Berlin befreundet, bis ich herausfand, dass ich ihr Lieblingsjude war. Ja, selbst das j\u00fcdische Museum wurde so genutzt.<\/p>\n\n\n\n

Weil Attacken gegen Juden ein absolutes Tabu sind, wurden Umwege gefunden, um den Antisemitismus auf kleiner Flamme k\u00f6cheln zu lassen: die unfundierte, unbegr\u00fcndete Kritik an Israel.<\/p>\n\n\n\n

Diese Art der Kritik ist gef\u00e4hrlich. Sie schw\u00e4cht jede begr\u00fcndete und notwendige Kritik am Verhalten Israels. Und das Interessante ist: Trotz all der heftigen, pauschalisierenden Anklagen, all der offenen Briefe driftet Israel politisch immer weiter nach rechts. Doch statt mal einen anderen Ansatz zu versuchen, werden die antiisraelischen Stimmen nur lauter. Dasselbe versuchen und andere Ergebnisse davon erwarten \u2013 das ist die Definition von Wahnsinn.<\/p>\n\n\n\n

Kurz bevor der Prozess gegen den wegen des Attentats von Halle<\/a> Angeklagten begann \u2013 des seit Kriegsende schlimmsten Akts von Antisemitismus in Deutschland \u2013, lud eine Lokalzeitung den fr\u00fcheren Botschafter Shimon Stein und den Historiker Moshe Zimmermann ein, dar\u00fcber zu schreiben, was Antisemitismus ist. Nat\u00fcrlich wendeten auch sie sich gegen Felix Kleins Ansatz. Sie zitieren die Kontroverse um die Umbenennung der U-Bahn-Station Mohrenstra\u00dfe in Glinkastra\u00dfe, die sich darum drehte, dass der russische Komponist Michael Glinka Antisemit gewesen sein soll. Stein und Zimmermann halten die Debatte f\u00fcr \u00fcberzogen, Glinka sei nur ein Kind seiner Zeit gewesen. Folgt man ihrer Logik, k\u00f6nnen wir dann also in 20 oder 30 Jahren U-Bahn-Stationen nach den Kindern der 1930er Jahre benennen?<\/p>\n\n\n\n

Der Antisemit als Tierfreund<\/h6>\n\n\n\n

Ich w\u00fcnschte, die Sache h\u00e4tte mit dem Artikel, mit der Petition geendet. Doch dann erschien ein Artikel, der den Leser auf einen Waldspaziergang mit einem veganen Koch und Antisemiten mitnahm. Darin setzt der Tierfreund erst behutsam einen K\u00e4fer wieder auf seine Beinchen und erkl\u00e4rt dann, dass die Todesstrafe in Deutschland wieder eingef\u00fchrt werden solle, um einen gewissen Politiker (der zuf\u00e4llig pro Israel ist) an seinen Hoden aufh\u00e4ngen zu k\u00f6nnen. Dieser Koch hat Hunderttausende Follower, er sagt all solche Dinge am helllichten Tag in Berlin. Und in den Medien.<\/p>\n\n\n\n

F\u00e4lle wie dieser handeln bereits von Gewalt \u2013 und sie enden nicht bei den Juden. Der Hass richtet sich gegen Frauen<\/a>, Muslime, Gefl\u00fcchtete, \u00adLBTQI. Am Ende aller theoretischen Debatten stehen immer echte Menschen. Am Ende jeder Konferenz dar\u00fcber, was Antisemitismus ausmacht, steht ein potenzielles j\u00fcdisches Opfer. Angesichts einer Welle von Antisemitismus \u00fcber die Definition von Antisemitismus zu streiten ist, wie eine 10 Meter hohe Welle heranrollen zu sehen und dar\u00fcber zu streiten, was einen Tsunami ausmacht.<\/p>\n\n\n\n

Felix Klein versteht, wie absurd es ist, zu sagen: Es sind nur die Rechten. Die Rechten sind Deutsche, so wie die Nazis Deutsche waren. Klein versteht, dass die Deutschen nicht aufgeh\u00f6rt haben, Juden zu ermorden, weil sie irgendeine Art von Erleuchtung hatten. Sondern schlicht, weil sie den Krieg verloren haben. Um den Antisemitismus zu bek\u00e4mpfen, bevor er die Gesellschaft frisst, in der er und wir leben, muss Deutschland seinen moralischen Kompass korrigieren.<\/p>\n\n\n\n

Immerhin: Mehr und mehr Deutsche fahren nach Israel, sie wollen ein anderes Narrativ h\u00f6ren. Mehr und mehr Deutsche verstehen, dass Antisemitismus Schockwellen ausl\u00f6st, die die gesamte Gesellschaft betreffen. In einem normalen Universum w\u00fcrde Klein bef\u00f6rdert werden f\u00fcr seine Leistung. In einer verdrehten Gesellschaft fordern Menschen seine Entlassung. Um es mit Mbembe zu sagen: Das ist Nano-Nonsens.<\/p>\n\n\n\n

\u00dcbersetzung: Ariane Lemme<\/a><\/em><\/p>\n","post_title":"Felix Klein hat verstanden","post_excerpt":"","post_status":"publish","comment_status":"closed","ping_status":"closed","post_password":"","post_name":"felix-klein-hat-verstanden","to_ping":"","pinged":"","post_modified":"2025-02-02 08:39:39","post_modified_gmt":"2025-02-02 08:39:39","post_content_filtered":"","post_parent":0,"guid":"https:\/\/dctransparency.com\/?p=3786","menu_order":0,"post_type":"post","post_mime_type":"","comment_count":"0","filter":"raw"}],"next":false,"prev":true,"total_page":47},"paged":1,"column_class":"jeg_col_2o3","class":"epic_block_3"};

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Jahrelang redeten sich die Europ\u00e4er ein, dass Russland eine Art verlorener Sohn sei und dass die europ\u00e4ische unipolare Ordnung gesund bleibe. Doch das machte Europa zu einem leichten Ziel f\u00fcr die Trennungs-und-Eroberungs-Strategie des Kreml. Erst vor relativ kurzer Zeit entwarf die Union eine neue Politik und ein robustes Sanktionsregime, um die russische Aggression abzuschrecken. Und selbst jetzt \u2013 trotz der besten Bem\u00fchungen der deutschen Bundeskanzlerin Angela Merkel und des franz\u00f6sischen Pr\u00e4sidenten Emmanuel Macron \u2013 hat die EU noch immer keine wirksamen Kommunikationskan\u00e4le mit Russland geschaffen, um gemeinsame Probleme anzugehen.<\/p>\n\n\n\n

Die T\u00fcrkei ist noch kein neues Russland, aber sie k\u00f6nnte dazu werden, wenn die Situation falsch gehandhabt wird. Vorerst betrachten die meisten Europ\u00e4er die T\u00fcrkei noch immer als einen komplizierten Partner und nicht als \"Systemrivalen\". Aber die Europ\u00e4er sollten die hart erk\u00e4mpften Lehren aus dem Umgang mit Russland in den letzten 15 Jahren beherzigen. Die Beziehungen zwischen der EU und der T\u00fcrkei brauchen neue, einvernehmlich vereinbarte Prinzipien sowie klare Grenzen, um eine weitere Destabilisierung in der Region zu verhindern.<\/p>\n\n\n\n

Zu diesem Zweck sollten die Europ\u00e4er klarstellen, dass der EU-Beitrittsprozess entweder zur\u00fcckgedreht oder vorangetrieben werden kann und dass eine eher transaktionale Beziehung sowohl Zuckerbrot als auch Peitsche beinhaltet. Die Herausforderung wird darin bestehen, daf\u00fcr zu sorgen, dass es in einer Region, die nicht nur von Europa und der T\u00fcrkei, sondern auch von Russland, den USA und einem aufstrebenden China beeinflusst wird, noch Raum f\u00fcr politisches Engagement in Fragen der gemeinsamen Sicherheit gibt. (Mark Leonard, \u00dcbersetzung: Eva G\u00f6llner, Copyright: Project Syndicate, 10.8.2020)<\/p>\n\n\n\n

Mark Leonard <\/strong>ist Direktor des Europ\u00e4ischen Rats f\u00fcr Ausw\u00e4rtige Beziehungen.<\/a><\/p>\n","post_title":"Erdo\u011fan \u2013 der andere Putin vor der Haust\u00fcr Europas","post_excerpt":"","post_status":"publish","comment_status":"closed","ping_status":"closed","post_password":"","post_name":"erdogan-der-andere-putin-vor-der-haustur-europas","to_ping":"","pinged":"","post_modified":"2025-02-02 08:39:39","post_modified_gmt":"2025-02-02 08:39:39","post_content_filtered":"","post_parent":0,"guid":"https:\/\/dctransparency.com\/?p=3789","menu_order":0,"post_type":"post","post_mime_type":"","comment_count":"0","filter":"raw"},{"ID":3786,"post_author":"7","post_date":"2020-08-14 13:51:23","post_date_gmt":"2020-08-14 13:51:23","post_content":"\n

Einen Monat nachdem ich zur israelischen Armee eingezogen worden war, brach die erste Intifada aus. Statt Soldat zu sein, machte ich Polizeiarbeit, sagte den Menschen, wann sie zur Arbeit gehen konnten und wann sie ihre L\u00e4den schlie\u00dfen mussten, wann sie die Grenze passieren und wann sie schlafen konnten. Einen Monat nachdem ich aus der Armee entlassen worden war, ging ich auf Reisen. (In Israel sagen wir: Wir dienen drei Jahre und versuchen den Rest unseres Lebens, diese drei Jahre zu vergessen.) Auf meiner Reise begann ich Briefe an meine Freundin zu schreiben, die ich in Israel zur\u00fcckgelassen hatte.<\/p>\n\n\n\n

Ich schrieb ihr, wie schrecklich depressiv ich war und dass diese drei Jahre des Anweisungenbellens und Anderen-Menschen-Sagens, was sie zu tun haben, mich f\u00fcr immer verfolgen w\u00fcrden. Dass sie ein Teil dessen geworden waren, was ich bin. Ich erinnere mich, dass ich ihr schrieb, dass wir da rausm\u00fcssen \u2013 nicht nur f\u00fcr die Pal\u00e4stinenser, sondern wegen der furchtbaren und brutalen Auswirkungen, die all das auf uns, auf die israelische Gesellschaft haben w\u00fcrde. Sie schrieb zur\u00fcck: \u201eDu hast recht. Ich habe einen neuen Freund.\u201c<\/p>\n\n\n\n

Felix Klein wurde als Beauftragter der Bundesregierung berufen<\/a>, um die Auswirkungen des zunehmenden Antisemitismus in unserer Gesellschaft, in Deutschland, zu bek\u00e4mpfen. Was nicht in seiner Jobbeschreibung steht, ist, dass er dabei unsere Gesellschaft heilen muss, jene Gesellschaft, die diese Form des Hasses reproduziert und sch\u00fctzt. Klein hat das begriffen.<\/p>\n\n\n\n

Er versteht, dass man Krebs nicht mit einem Pflaster verarztet, er wei\u00df, dass er das Bewusstsein der Deutschen sch\u00e4rfen und Diskussionen ansto\u00dfen muss. Er hat begriffen, dass das Problem nicht nur an den R\u00e4ndern der Gesellschaft (bei den Rechten) liegt, sondern auch in ihrer Mitte. Dort, wo gebildete Menschen nicht einmal bemerken, dass das, was sie sagen und tun, antisemitisch ist. So wie sie es auch nicht merken, wenn sie rassistisch handeln. Er hat all das verstanden, und genau deshalb wollen einige, dass er seinen Posten r\u00e4umt.<\/p>\n\n\n\n

Mehr als 60 deutsche und israelische Intellektuelle haben letzte Woche in einem Brief an Kanzlerin Merkel<\/a> dar\u00fcber geklagt, dass der aktuelle \u201eGebrauch des Antisemitismusbegriffs\u201c darauf abziele, \u201elegitime Kritik an der israelischen Regierungspolitik zu unterdr\u00fccken\u201c, und Klein vorgeworfen, rechtspopulistische israelische Stimmen zu f\u00f6rdern.<\/p>\n\n\n\n

Faszinierend an diesem offenen Brief ist, dass viele der Unterzeichneten keine Deutschen sind und auch nicht in Deutschland leben. Ich wei\u00df nicht, woher sie \u2013 die meisten von ihnen sind Israelis \u2013 die Chuzpe haben, sich in eine innerdeutsche Angelegenheit einzumischen und zu fordern, eine Person zu entlassen, die von der Bundesregierung eingesetzt wurde. Die H\u00e4lfte der Unterzeichneten lebt nicht hier, von der anderen H\u00e4lfte sind viele keine Juden \u2013 somit sind die allermeisten von ihnen nicht direkt vom Antisemitismus in Deutschland betroffen. Wie also k\u00f6nnen sie diesen Brief unterschreiben? Und warum eigentlich haben so wenige Deutsche unterschrieben? Dazu komme ich gleich.<\/p>\n\n\n\n

Debatte um Achille Mbembe<\/h6>\n\n\n\n

Hintergrund des Briefs war, dass Felix Klein gefordert hatte, den Philosophen Achille Mbembe<\/a> nicht die Er\u00f6ffnungsrede der Ruhrtriennale halten zu lassen. Als mit \u00f6ffentlichen Mitteln gef\u00f6rdertes Event solle die Ruhrtriennale Mbembe wegen seiner Haltung zu Israels Existenzrecht, seiner Haltung zu BDS und der Art, wie er in einem seiner Werke den Holocaust relativiert, nicht einladen.<\/p>\n\n\n\n

Mbembes Unterst\u00fctzer sagen, keine dieser Anschuldigungen sei wahr. F\u00fcrs Protokoll: In meinen Augen unterst\u00fctzt Mbembe sehr wohl BDS<\/a>, er schrieb unter anderem das Vorwort zu \u201eApartheid Israel\u201c und fordert die komplette Isolation Israels. Ich glaube auch, wenn Mbembe schreibt, die israelische Besetzung sei der \u201egr\u00f6\u00dfte moralische Skandal unserer Zeit\u201c, zeigt das, dass sein moralischer und geografischer Kompass etwas schief ist.<\/p>\n\n\n\n

Doch warum treibt die Debatte so viele Menschen um? Nun, zun\u00e4chst gibt niemand gern auf, was ihm oder ihr selbstverst\u00e4ndlich scheint. \u00dcber den gesamten politischen, sozialen, kulturellen, medialen und akademischen Sektor hinweg sind Menschen daran gew\u00f6hnt, so schlecht \u00fcber Israel sprechen zu k\u00f6nnen, wie auch immer sie wollen.<\/p>\n\n\n\n

Der Spiegel<\/em> hat \u2013 vielleicht in Anlehnung an seine Relotius-Standards, Israel erst k\u00fcrzlich eine Corona-Diktatur genannt. Fakten und Belege f\u00fcr diese Behauptung gab es nicht. Doch Millionen Deutsche haben es gelesen, und es wird nat\u00fcrlich haften bleiben. Faktenlage hin oder her. Der Spiegel<\/em> und andere Medien haben dieses Spiel perfektioniert: Titel so zu drehen, dass sie Israel indirekt anklagen, die Idee zu streuen, der Mossad kon\u00adtrol\u00adliere die deutsche Au\u00dfenpolitik im Nahen Osten, und so fort. Doch sie stehen allesamt sofort auf den Hinterbeinen, wenn jemand es wagt, das Spiel beim Namen zu nennen: moderner Antisemitismus.<\/p>\n\n\n\n

Klein will dem entgegenwirken. Er versteht, dass antisemitische Attacken in Deutschland die Fr\u00fcchte solch falsch gezeichneter Bilder und eindimensionaler Narrative \u00fcber Israel sind. Wenn er und andere versuchen, ein anderes Narrativ aufzuzeigen, wirft man ihnen Zensur vor: Wie k\u00f6nnen sie es wagen, das Gesch\u00e4ft der Anti-Israel-Propaganda zu st\u00f6ren?<\/p>\n\n\n\n

Liebe Deutsche, wenn ihr reden wollt, lasst uns gern reden: \u00fcber die Besetzung, \u00fcber Bibi und alles, was schiefl\u00e4uft. Aber dann lasst uns bitte auch dar\u00fcber reden, wie deutsche Steuergelder Terrortunnel finanzieren. Erst vergangene Woche r\u00e4umte die niederl\u00e4ndische Regierung ein, dass Gelder an eine Landwirtschaftsorganisation in Ramallah geflossen seien, die damit teilweise die Geh\u00e4lter zweier des Mordes an der 17-j\u00e4hrigen Israelin Rina Shnerb Verd\u00e4chtiger gezahlt haben. Auch die Bundesregierung unterst\u00fctzt diese Organisation, obwohl Kritiker schon lange vor Verbindungen zu Terroristen warnen.<\/p>\n\n\n\n

Wir k\u00f6nnen uns also gerne unterhalten \u2013 aber im Dialog, nicht in Monologen. Denn Reden unter Menschen, die sich einig sind, ist nichts anderes als Impotenz.<\/p>\n\n\n\n

Israelkritik als Eintrittskarte<\/h6>\n\n\n\n

Die Israelis, die die Petition unterzeichnet haben, haben \u00fcbrigens ebenfalls etwas verstanden. Seit Jahren wissen sie: Es ist ihre Eintrittskarte in die Mitte der deutschen (und europ\u00e4ischen) Gesellschaft. Man h\u00f6rt nicht oft von Akademikern mit proisraelischen Ansichten. Weder in den Philharmonie-Orchestern noch in der Kunstszene. Die Eintrittskarte daf\u00fcr ist ein antiisraelischer Standpunkt.<\/p>\n\n\n\n

Der mutma\u00dfliche Grund, warum kaum Deutsche die Petition unterzeichnet haben: Sie mussten es nicht. Ihre Lieblingsjuden haben es f\u00fcr sie getan. Jetzt k\u00f6nnen sie sagen: \u201eSchau, ich bin das ja nicht, meine j\u00fcdischen Freunde sagen es.\u201c Ich selbst war einige Jahre lang mit einem Paar hier in Berlin befreundet, bis ich herausfand, dass ich ihr Lieblingsjude war. Ja, selbst das j\u00fcdische Museum wurde so genutzt.<\/p>\n\n\n\n

Weil Attacken gegen Juden ein absolutes Tabu sind, wurden Umwege gefunden, um den Antisemitismus auf kleiner Flamme k\u00f6cheln zu lassen: die unfundierte, unbegr\u00fcndete Kritik an Israel.<\/p>\n\n\n\n

Diese Art der Kritik ist gef\u00e4hrlich. Sie schw\u00e4cht jede begr\u00fcndete und notwendige Kritik am Verhalten Israels. Und das Interessante ist: Trotz all der heftigen, pauschalisierenden Anklagen, all der offenen Briefe driftet Israel politisch immer weiter nach rechts. Doch statt mal einen anderen Ansatz zu versuchen, werden die antiisraelischen Stimmen nur lauter. Dasselbe versuchen und andere Ergebnisse davon erwarten \u2013 das ist die Definition von Wahnsinn.<\/p>\n\n\n\n

Kurz bevor der Prozess gegen den wegen des Attentats von Halle<\/a> Angeklagten begann \u2013 des seit Kriegsende schlimmsten Akts von Antisemitismus in Deutschland \u2013, lud eine Lokalzeitung den fr\u00fcheren Botschafter Shimon Stein und den Historiker Moshe Zimmermann ein, dar\u00fcber zu schreiben, was Antisemitismus ist. Nat\u00fcrlich wendeten auch sie sich gegen Felix Kleins Ansatz. Sie zitieren die Kontroverse um die Umbenennung der U-Bahn-Station Mohrenstra\u00dfe in Glinkastra\u00dfe, die sich darum drehte, dass der russische Komponist Michael Glinka Antisemit gewesen sein soll. Stein und Zimmermann halten die Debatte f\u00fcr \u00fcberzogen, Glinka sei nur ein Kind seiner Zeit gewesen. Folgt man ihrer Logik, k\u00f6nnen wir dann also in 20 oder 30 Jahren U-Bahn-Stationen nach den Kindern der 1930er Jahre benennen?<\/p>\n\n\n\n

Der Antisemit als Tierfreund<\/h6>\n\n\n\n

Ich w\u00fcnschte, die Sache h\u00e4tte mit dem Artikel, mit der Petition geendet. Doch dann erschien ein Artikel, der den Leser auf einen Waldspaziergang mit einem veganen Koch und Antisemiten mitnahm. Darin setzt der Tierfreund erst behutsam einen K\u00e4fer wieder auf seine Beinchen und erkl\u00e4rt dann, dass die Todesstrafe in Deutschland wieder eingef\u00fchrt werden solle, um einen gewissen Politiker (der zuf\u00e4llig pro Israel ist) an seinen Hoden aufh\u00e4ngen zu k\u00f6nnen. Dieser Koch hat Hunderttausende Follower, er sagt all solche Dinge am helllichten Tag in Berlin. Und in den Medien.<\/p>\n\n\n\n

F\u00e4lle wie dieser handeln bereits von Gewalt \u2013 und sie enden nicht bei den Juden. Der Hass richtet sich gegen Frauen<\/a>, Muslime, Gefl\u00fcchtete, \u00adLBTQI. Am Ende aller theoretischen Debatten stehen immer echte Menschen. Am Ende jeder Konferenz dar\u00fcber, was Antisemitismus ausmacht, steht ein potenzielles j\u00fcdisches Opfer. Angesichts einer Welle von Antisemitismus \u00fcber die Definition von Antisemitismus zu streiten ist, wie eine 10 Meter hohe Welle heranrollen zu sehen und dar\u00fcber zu streiten, was einen Tsunami ausmacht.<\/p>\n\n\n\n

Felix Klein versteht, wie absurd es ist, zu sagen: Es sind nur die Rechten. Die Rechten sind Deutsche, so wie die Nazis Deutsche waren. Klein versteht, dass die Deutschen nicht aufgeh\u00f6rt haben, Juden zu ermorden, weil sie irgendeine Art von Erleuchtung hatten. Sondern schlicht, weil sie den Krieg verloren haben. Um den Antisemitismus zu bek\u00e4mpfen, bevor er die Gesellschaft frisst, in der er und wir leben, muss Deutschland seinen moralischen Kompass korrigieren.<\/p>\n\n\n\n

Immerhin: Mehr und mehr Deutsche fahren nach Israel, sie wollen ein anderes Narrativ h\u00f6ren. Mehr und mehr Deutsche verstehen, dass Antisemitismus Schockwellen ausl\u00f6st, die die gesamte Gesellschaft betreffen. In einem normalen Universum w\u00fcrde Klein bef\u00f6rdert werden f\u00fcr seine Leistung. In einer verdrehten Gesellschaft fordern Menschen seine Entlassung. Um es mit Mbembe zu sagen: Das ist Nano-Nonsens.<\/p>\n\n\n\n

\u00dcbersetzung: Ariane Lemme<\/a><\/em><\/p>\n","post_title":"Felix Klein hat verstanden","post_excerpt":"","post_status":"publish","comment_status":"closed","ping_status":"closed","post_password":"","post_name":"felix-klein-hat-verstanden","to_ping":"","pinged":"","post_modified":"2025-02-02 08:39:39","post_modified_gmt":"2025-02-02 08:39:39","post_content_filtered":"","post_parent":0,"guid":"https:\/\/dctransparency.com\/?p=3786","menu_order":0,"post_type":"post","post_mime_type":"","comment_count":"0","filter":"raw"}],"next":false,"prev":true,"total_page":47},"paged":1,"column_class":"jeg_col_2o3","class":"epic_block_3"};

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Verlorener Sohn<\/strong><\/h3>\n\n\n\n

Jahrelang redeten sich die Europ\u00e4er ein, dass Russland eine Art verlorener Sohn sei und dass die europ\u00e4ische unipolare Ordnung gesund bleibe. Doch das machte Europa zu einem leichten Ziel f\u00fcr die Trennungs-und-Eroberungs-Strategie des Kreml. Erst vor relativ kurzer Zeit entwarf die Union eine neue Politik und ein robustes Sanktionsregime, um die russische Aggression abzuschrecken. Und selbst jetzt \u2013 trotz der besten Bem\u00fchungen der deutschen Bundeskanzlerin Angela Merkel und des franz\u00f6sischen Pr\u00e4sidenten Emmanuel Macron \u2013 hat die EU noch immer keine wirksamen Kommunikationskan\u00e4le mit Russland geschaffen, um gemeinsame Probleme anzugehen.<\/p>\n\n\n\n

Die T\u00fcrkei ist noch kein neues Russland, aber sie k\u00f6nnte dazu werden, wenn die Situation falsch gehandhabt wird. Vorerst betrachten die meisten Europ\u00e4er die T\u00fcrkei noch immer als einen komplizierten Partner und nicht als \"Systemrivalen\". Aber die Europ\u00e4er sollten die hart erk\u00e4mpften Lehren aus dem Umgang mit Russland in den letzten 15 Jahren beherzigen. Die Beziehungen zwischen der EU und der T\u00fcrkei brauchen neue, einvernehmlich vereinbarte Prinzipien sowie klare Grenzen, um eine weitere Destabilisierung in der Region zu verhindern.<\/p>\n\n\n\n

Zu diesem Zweck sollten die Europ\u00e4er klarstellen, dass der EU-Beitrittsprozess entweder zur\u00fcckgedreht oder vorangetrieben werden kann und dass eine eher transaktionale Beziehung sowohl Zuckerbrot als auch Peitsche beinhaltet. Die Herausforderung wird darin bestehen, daf\u00fcr zu sorgen, dass es in einer Region, die nicht nur von Europa und der T\u00fcrkei, sondern auch von Russland, den USA und einem aufstrebenden China beeinflusst wird, noch Raum f\u00fcr politisches Engagement in Fragen der gemeinsamen Sicherheit gibt. (Mark Leonard, \u00dcbersetzung: Eva G\u00f6llner, Copyright: Project Syndicate, 10.8.2020)<\/p>\n\n\n\n

Mark Leonard <\/strong>ist Direktor des Europ\u00e4ischen Rats f\u00fcr Ausw\u00e4rtige Beziehungen.<\/a><\/p>\n","post_title":"Erdo\u011fan \u2013 der andere Putin vor der Haust\u00fcr Europas","post_excerpt":"","post_status":"publish","comment_status":"closed","ping_status":"closed","post_password":"","post_name":"erdogan-der-andere-putin-vor-der-haustur-europas","to_ping":"","pinged":"","post_modified":"2025-02-02 08:39:39","post_modified_gmt":"2025-02-02 08:39:39","post_content_filtered":"","post_parent":0,"guid":"https:\/\/dctransparency.com\/?p=3789","menu_order":0,"post_type":"post","post_mime_type":"","comment_count":"0","filter":"raw"},{"ID":3786,"post_author":"7","post_date":"2020-08-14 13:51:23","post_date_gmt":"2020-08-14 13:51:23","post_content":"\n

Einen Monat nachdem ich zur israelischen Armee eingezogen worden war, brach die erste Intifada aus. Statt Soldat zu sein, machte ich Polizeiarbeit, sagte den Menschen, wann sie zur Arbeit gehen konnten und wann sie ihre L\u00e4den schlie\u00dfen mussten, wann sie die Grenze passieren und wann sie schlafen konnten. Einen Monat nachdem ich aus der Armee entlassen worden war, ging ich auf Reisen. (In Israel sagen wir: Wir dienen drei Jahre und versuchen den Rest unseres Lebens, diese drei Jahre zu vergessen.) Auf meiner Reise begann ich Briefe an meine Freundin zu schreiben, die ich in Israel zur\u00fcckgelassen hatte.<\/p>\n\n\n\n

Ich schrieb ihr, wie schrecklich depressiv ich war und dass diese drei Jahre des Anweisungenbellens und Anderen-Menschen-Sagens, was sie zu tun haben, mich f\u00fcr immer verfolgen w\u00fcrden. Dass sie ein Teil dessen geworden waren, was ich bin. Ich erinnere mich, dass ich ihr schrieb, dass wir da rausm\u00fcssen \u2013 nicht nur f\u00fcr die Pal\u00e4stinenser, sondern wegen der furchtbaren und brutalen Auswirkungen, die all das auf uns, auf die israelische Gesellschaft haben w\u00fcrde. Sie schrieb zur\u00fcck: \u201eDu hast recht. Ich habe einen neuen Freund.\u201c<\/p>\n\n\n\n

Felix Klein wurde als Beauftragter der Bundesregierung berufen<\/a>, um die Auswirkungen des zunehmenden Antisemitismus in unserer Gesellschaft, in Deutschland, zu bek\u00e4mpfen. Was nicht in seiner Jobbeschreibung steht, ist, dass er dabei unsere Gesellschaft heilen muss, jene Gesellschaft, die diese Form des Hasses reproduziert und sch\u00fctzt. Klein hat das begriffen.<\/p>\n\n\n\n

Er versteht, dass man Krebs nicht mit einem Pflaster verarztet, er wei\u00df, dass er das Bewusstsein der Deutschen sch\u00e4rfen und Diskussionen ansto\u00dfen muss. Er hat begriffen, dass das Problem nicht nur an den R\u00e4ndern der Gesellschaft (bei den Rechten) liegt, sondern auch in ihrer Mitte. Dort, wo gebildete Menschen nicht einmal bemerken, dass das, was sie sagen und tun, antisemitisch ist. So wie sie es auch nicht merken, wenn sie rassistisch handeln. Er hat all das verstanden, und genau deshalb wollen einige, dass er seinen Posten r\u00e4umt.<\/p>\n\n\n\n

Mehr als 60 deutsche und israelische Intellektuelle haben letzte Woche in einem Brief an Kanzlerin Merkel<\/a> dar\u00fcber geklagt, dass der aktuelle \u201eGebrauch des Antisemitismusbegriffs\u201c darauf abziele, \u201elegitime Kritik an der israelischen Regierungspolitik zu unterdr\u00fccken\u201c, und Klein vorgeworfen, rechtspopulistische israelische Stimmen zu f\u00f6rdern.<\/p>\n\n\n\n

Faszinierend an diesem offenen Brief ist, dass viele der Unterzeichneten keine Deutschen sind und auch nicht in Deutschland leben. Ich wei\u00df nicht, woher sie \u2013 die meisten von ihnen sind Israelis \u2013 die Chuzpe haben, sich in eine innerdeutsche Angelegenheit einzumischen und zu fordern, eine Person zu entlassen, die von der Bundesregierung eingesetzt wurde. Die H\u00e4lfte der Unterzeichneten lebt nicht hier, von der anderen H\u00e4lfte sind viele keine Juden \u2013 somit sind die allermeisten von ihnen nicht direkt vom Antisemitismus in Deutschland betroffen. Wie also k\u00f6nnen sie diesen Brief unterschreiben? Und warum eigentlich haben so wenige Deutsche unterschrieben? Dazu komme ich gleich.<\/p>\n\n\n\n

Debatte um Achille Mbembe<\/h6>\n\n\n\n

Hintergrund des Briefs war, dass Felix Klein gefordert hatte, den Philosophen Achille Mbembe<\/a> nicht die Er\u00f6ffnungsrede der Ruhrtriennale halten zu lassen. Als mit \u00f6ffentlichen Mitteln gef\u00f6rdertes Event solle die Ruhrtriennale Mbembe wegen seiner Haltung zu Israels Existenzrecht, seiner Haltung zu BDS und der Art, wie er in einem seiner Werke den Holocaust relativiert, nicht einladen.<\/p>\n\n\n\n

Mbembes Unterst\u00fctzer sagen, keine dieser Anschuldigungen sei wahr. F\u00fcrs Protokoll: In meinen Augen unterst\u00fctzt Mbembe sehr wohl BDS<\/a>, er schrieb unter anderem das Vorwort zu \u201eApartheid Israel\u201c und fordert die komplette Isolation Israels. Ich glaube auch, wenn Mbembe schreibt, die israelische Besetzung sei der \u201egr\u00f6\u00dfte moralische Skandal unserer Zeit\u201c, zeigt das, dass sein moralischer und geografischer Kompass etwas schief ist.<\/p>\n\n\n\n

Doch warum treibt die Debatte so viele Menschen um? Nun, zun\u00e4chst gibt niemand gern auf, was ihm oder ihr selbstverst\u00e4ndlich scheint. \u00dcber den gesamten politischen, sozialen, kulturellen, medialen und akademischen Sektor hinweg sind Menschen daran gew\u00f6hnt, so schlecht \u00fcber Israel sprechen zu k\u00f6nnen, wie auch immer sie wollen.<\/p>\n\n\n\n

Der Spiegel<\/em> hat \u2013 vielleicht in Anlehnung an seine Relotius-Standards, Israel erst k\u00fcrzlich eine Corona-Diktatur genannt. Fakten und Belege f\u00fcr diese Behauptung gab es nicht. Doch Millionen Deutsche haben es gelesen, und es wird nat\u00fcrlich haften bleiben. Faktenlage hin oder her. Der Spiegel<\/em> und andere Medien haben dieses Spiel perfektioniert: Titel so zu drehen, dass sie Israel indirekt anklagen, die Idee zu streuen, der Mossad kon\u00adtrol\u00adliere die deutsche Au\u00dfenpolitik im Nahen Osten, und so fort. Doch sie stehen allesamt sofort auf den Hinterbeinen, wenn jemand es wagt, das Spiel beim Namen zu nennen: moderner Antisemitismus.<\/p>\n\n\n\n

Klein will dem entgegenwirken. Er versteht, dass antisemitische Attacken in Deutschland die Fr\u00fcchte solch falsch gezeichneter Bilder und eindimensionaler Narrative \u00fcber Israel sind. Wenn er und andere versuchen, ein anderes Narrativ aufzuzeigen, wirft man ihnen Zensur vor: Wie k\u00f6nnen sie es wagen, das Gesch\u00e4ft der Anti-Israel-Propaganda zu st\u00f6ren?<\/p>\n\n\n\n

Liebe Deutsche, wenn ihr reden wollt, lasst uns gern reden: \u00fcber die Besetzung, \u00fcber Bibi und alles, was schiefl\u00e4uft. Aber dann lasst uns bitte auch dar\u00fcber reden, wie deutsche Steuergelder Terrortunnel finanzieren. Erst vergangene Woche r\u00e4umte die niederl\u00e4ndische Regierung ein, dass Gelder an eine Landwirtschaftsorganisation in Ramallah geflossen seien, die damit teilweise die Geh\u00e4lter zweier des Mordes an der 17-j\u00e4hrigen Israelin Rina Shnerb Verd\u00e4chtiger gezahlt haben. Auch die Bundesregierung unterst\u00fctzt diese Organisation, obwohl Kritiker schon lange vor Verbindungen zu Terroristen warnen.<\/p>\n\n\n\n

Wir k\u00f6nnen uns also gerne unterhalten \u2013 aber im Dialog, nicht in Monologen. Denn Reden unter Menschen, die sich einig sind, ist nichts anderes als Impotenz.<\/p>\n\n\n\n

Israelkritik als Eintrittskarte<\/h6>\n\n\n\n

Die Israelis, die die Petition unterzeichnet haben, haben \u00fcbrigens ebenfalls etwas verstanden. Seit Jahren wissen sie: Es ist ihre Eintrittskarte in die Mitte der deutschen (und europ\u00e4ischen) Gesellschaft. Man h\u00f6rt nicht oft von Akademikern mit proisraelischen Ansichten. Weder in den Philharmonie-Orchestern noch in der Kunstszene. Die Eintrittskarte daf\u00fcr ist ein antiisraelischer Standpunkt.<\/p>\n\n\n\n

Der mutma\u00dfliche Grund, warum kaum Deutsche die Petition unterzeichnet haben: Sie mussten es nicht. Ihre Lieblingsjuden haben es f\u00fcr sie getan. Jetzt k\u00f6nnen sie sagen: \u201eSchau, ich bin das ja nicht, meine j\u00fcdischen Freunde sagen es.\u201c Ich selbst war einige Jahre lang mit einem Paar hier in Berlin befreundet, bis ich herausfand, dass ich ihr Lieblingsjude war. Ja, selbst das j\u00fcdische Museum wurde so genutzt.<\/p>\n\n\n\n

Weil Attacken gegen Juden ein absolutes Tabu sind, wurden Umwege gefunden, um den Antisemitismus auf kleiner Flamme k\u00f6cheln zu lassen: die unfundierte, unbegr\u00fcndete Kritik an Israel.<\/p>\n\n\n\n

Diese Art der Kritik ist gef\u00e4hrlich. Sie schw\u00e4cht jede begr\u00fcndete und notwendige Kritik am Verhalten Israels. Und das Interessante ist: Trotz all der heftigen, pauschalisierenden Anklagen, all der offenen Briefe driftet Israel politisch immer weiter nach rechts. Doch statt mal einen anderen Ansatz zu versuchen, werden die antiisraelischen Stimmen nur lauter. Dasselbe versuchen und andere Ergebnisse davon erwarten \u2013 das ist die Definition von Wahnsinn.<\/p>\n\n\n\n

Kurz bevor der Prozess gegen den wegen des Attentats von Halle<\/a> Angeklagten begann \u2013 des seit Kriegsende schlimmsten Akts von Antisemitismus in Deutschland \u2013, lud eine Lokalzeitung den fr\u00fcheren Botschafter Shimon Stein und den Historiker Moshe Zimmermann ein, dar\u00fcber zu schreiben, was Antisemitismus ist. Nat\u00fcrlich wendeten auch sie sich gegen Felix Kleins Ansatz. Sie zitieren die Kontroverse um die Umbenennung der U-Bahn-Station Mohrenstra\u00dfe in Glinkastra\u00dfe, die sich darum drehte, dass der russische Komponist Michael Glinka Antisemit gewesen sein soll. Stein und Zimmermann halten die Debatte f\u00fcr \u00fcberzogen, Glinka sei nur ein Kind seiner Zeit gewesen. Folgt man ihrer Logik, k\u00f6nnen wir dann also in 20 oder 30 Jahren U-Bahn-Stationen nach den Kindern der 1930er Jahre benennen?<\/p>\n\n\n\n

Der Antisemit als Tierfreund<\/h6>\n\n\n\n

Ich w\u00fcnschte, die Sache h\u00e4tte mit dem Artikel, mit der Petition geendet. Doch dann erschien ein Artikel, der den Leser auf einen Waldspaziergang mit einem veganen Koch und Antisemiten mitnahm. Darin setzt der Tierfreund erst behutsam einen K\u00e4fer wieder auf seine Beinchen und erkl\u00e4rt dann, dass die Todesstrafe in Deutschland wieder eingef\u00fchrt werden solle, um einen gewissen Politiker (der zuf\u00e4llig pro Israel ist) an seinen Hoden aufh\u00e4ngen zu k\u00f6nnen. Dieser Koch hat Hunderttausende Follower, er sagt all solche Dinge am helllichten Tag in Berlin. Und in den Medien.<\/p>\n\n\n\n

F\u00e4lle wie dieser handeln bereits von Gewalt \u2013 und sie enden nicht bei den Juden. Der Hass richtet sich gegen Frauen<\/a>, Muslime, Gefl\u00fcchtete, \u00adLBTQI. Am Ende aller theoretischen Debatten stehen immer echte Menschen. Am Ende jeder Konferenz dar\u00fcber, was Antisemitismus ausmacht, steht ein potenzielles j\u00fcdisches Opfer. Angesichts einer Welle von Antisemitismus \u00fcber die Definition von Antisemitismus zu streiten ist, wie eine 10 Meter hohe Welle heranrollen zu sehen und dar\u00fcber zu streiten, was einen Tsunami ausmacht.<\/p>\n\n\n\n

Felix Klein versteht, wie absurd es ist, zu sagen: Es sind nur die Rechten. Die Rechten sind Deutsche, so wie die Nazis Deutsche waren. Klein versteht, dass die Deutschen nicht aufgeh\u00f6rt haben, Juden zu ermorden, weil sie irgendeine Art von Erleuchtung hatten. Sondern schlicht, weil sie den Krieg verloren haben. Um den Antisemitismus zu bek\u00e4mpfen, bevor er die Gesellschaft frisst, in der er und wir leben, muss Deutschland seinen moralischen Kompass korrigieren.<\/p>\n\n\n\n

Immerhin: Mehr und mehr Deutsche fahren nach Israel, sie wollen ein anderes Narrativ h\u00f6ren. Mehr und mehr Deutsche verstehen, dass Antisemitismus Schockwellen ausl\u00f6st, die die gesamte Gesellschaft betreffen. In einem normalen Universum w\u00fcrde Klein bef\u00f6rdert werden f\u00fcr seine Leistung. In einer verdrehten Gesellschaft fordern Menschen seine Entlassung. Um es mit Mbembe zu sagen: Das ist Nano-Nonsens.<\/p>\n\n\n\n

\u00dcbersetzung: Ariane Lemme<\/a><\/em><\/p>\n","post_title":"Felix Klein hat verstanden","post_excerpt":"","post_status":"publish","comment_status":"closed","ping_status":"closed","post_password":"","post_name":"felix-klein-hat-verstanden","to_ping":"","pinged":"","post_modified":"2025-02-02 08:39:39","post_modified_gmt":"2025-02-02 08:39:39","post_content_filtered":"","post_parent":0,"guid":"https:\/\/dctransparency.com\/?p=3786","menu_order":0,"post_type":"post","post_mime_type":"","comment_count":"0","filter":"raw"}],"next":false,"prev":true,"total_page":47},"paged":1,"column_class":"jeg_col_2o3","class":"epic_block_3"};

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Erdo\u011fan scheint auch von der Spalt-und-Eroberungs-Strategie des Kreml in Europa inspiriert worden zu sein, der zufolge oft diejenigen EU-Mitgliedsstaaten unter Druck gesetzt werden, die am meisten von russischen Kohlenwasserstoffen oder M\u00e4rkten abh\u00e4ngig sind. So wie Putin lange Zeit die Energieversorgung instrumentalisiert hat, hat Erdo\u011fan versucht, den Strom von Migranten und Fl\u00fcchtlingen, die vor Konflikten im Nahen Osten fliehen, zu instrumentalisieren. Als die EU eine neue Marinemission ank\u00fcndigte, um den Waffenstrom nach Libyen zu blockieren, malte die T\u00fcrkei f\u00fcr Malta das Schreckgespenst der angeblichen Bedrohung durch Migranten an die Wand. Malta reagierte prompt und signalisierte, dass es gegen die Finanzierung der Mission ein Veto einlegen werde.<\/p>\n\n\n\n

Verlorener Sohn<\/strong><\/h3>\n\n\n\n

Jahrelang redeten sich die Europ\u00e4er ein, dass Russland eine Art verlorener Sohn sei und dass die europ\u00e4ische unipolare Ordnung gesund bleibe. Doch das machte Europa zu einem leichten Ziel f\u00fcr die Trennungs-und-Eroberungs-Strategie des Kreml. Erst vor relativ kurzer Zeit entwarf die Union eine neue Politik und ein robustes Sanktionsregime, um die russische Aggression abzuschrecken. Und selbst jetzt \u2013 trotz der besten Bem\u00fchungen der deutschen Bundeskanzlerin Angela Merkel und des franz\u00f6sischen Pr\u00e4sidenten Emmanuel Macron \u2013 hat die EU noch immer keine wirksamen Kommunikationskan\u00e4le mit Russland geschaffen, um gemeinsame Probleme anzugehen.<\/p>\n\n\n\n

Die T\u00fcrkei ist noch kein neues Russland, aber sie k\u00f6nnte dazu werden, wenn die Situation falsch gehandhabt wird. Vorerst betrachten die meisten Europ\u00e4er die T\u00fcrkei noch immer als einen komplizierten Partner und nicht als \"Systemrivalen\". Aber die Europ\u00e4er sollten die hart erk\u00e4mpften Lehren aus dem Umgang mit Russland in den letzten 15 Jahren beherzigen. Die Beziehungen zwischen der EU und der T\u00fcrkei brauchen neue, einvernehmlich vereinbarte Prinzipien sowie klare Grenzen, um eine weitere Destabilisierung in der Region zu verhindern.<\/p>\n\n\n\n

Zu diesem Zweck sollten die Europ\u00e4er klarstellen, dass der EU-Beitrittsprozess entweder zur\u00fcckgedreht oder vorangetrieben werden kann und dass eine eher transaktionale Beziehung sowohl Zuckerbrot als auch Peitsche beinhaltet. Die Herausforderung wird darin bestehen, daf\u00fcr zu sorgen, dass es in einer Region, die nicht nur von Europa und der T\u00fcrkei, sondern auch von Russland, den USA und einem aufstrebenden China beeinflusst wird, noch Raum f\u00fcr politisches Engagement in Fragen der gemeinsamen Sicherheit gibt. (Mark Leonard, \u00dcbersetzung: Eva G\u00f6llner, Copyright: Project Syndicate, 10.8.2020)<\/p>\n\n\n\n

Mark Leonard <\/strong>ist Direktor des Europ\u00e4ischen Rats f\u00fcr Ausw\u00e4rtige Beziehungen.<\/a><\/p>\n","post_title":"Erdo\u011fan \u2013 der andere Putin vor der Haust\u00fcr Europas","post_excerpt":"","post_status":"publish","comment_status":"closed","ping_status":"closed","post_password":"","post_name":"erdogan-der-andere-putin-vor-der-haustur-europas","to_ping":"","pinged":"","post_modified":"2025-02-02 08:39:39","post_modified_gmt":"2025-02-02 08:39:39","post_content_filtered":"","post_parent":0,"guid":"https:\/\/dctransparency.com\/?p=3789","menu_order":0,"post_type":"post","post_mime_type":"","comment_count":"0","filter":"raw"},{"ID":3786,"post_author":"7","post_date":"2020-08-14 13:51:23","post_date_gmt":"2020-08-14 13:51:23","post_content":"\n

Einen Monat nachdem ich zur israelischen Armee eingezogen worden war, brach die erste Intifada aus. Statt Soldat zu sein, machte ich Polizeiarbeit, sagte den Menschen, wann sie zur Arbeit gehen konnten und wann sie ihre L\u00e4den schlie\u00dfen mussten, wann sie die Grenze passieren und wann sie schlafen konnten. Einen Monat nachdem ich aus der Armee entlassen worden war, ging ich auf Reisen. (In Israel sagen wir: Wir dienen drei Jahre und versuchen den Rest unseres Lebens, diese drei Jahre zu vergessen.) Auf meiner Reise begann ich Briefe an meine Freundin zu schreiben, die ich in Israel zur\u00fcckgelassen hatte.<\/p>\n\n\n\n

Ich schrieb ihr, wie schrecklich depressiv ich war und dass diese drei Jahre des Anweisungenbellens und Anderen-Menschen-Sagens, was sie zu tun haben, mich f\u00fcr immer verfolgen w\u00fcrden. Dass sie ein Teil dessen geworden waren, was ich bin. Ich erinnere mich, dass ich ihr schrieb, dass wir da rausm\u00fcssen \u2013 nicht nur f\u00fcr die Pal\u00e4stinenser, sondern wegen der furchtbaren und brutalen Auswirkungen, die all das auf uns, auf die israelische Gesellschaft haben w\u00fcrde. Sie schrieb zur\u00fcck: \u201eDu hast recht. Ich habe einen neuen Freund.\u201c<\/p>\n\n\n\n

Felix Klein wurde als Beauftragter der Bundesregierung berufen<\/a>, um die Auswirkungen des zunehmenden Antisemitismus in unserer Gesellschaft, in Deutschland, zu bek\u00e4mpfen. Was nicht in seiner Jobbeschreibung steht, ist, dass er dabei unsere Gesellschaft heilen muss, jene Gesellschaft, die diese Form des Hasses reproduziert und sch\u00fctzt. Klein hat das begriffen.<\/p>\n\n\n\n

Er versteht, dass man Krebs nicht mit einem Pflaster verarztet, er wei\u00df, dass er das Bewusstsein der Deutschen sch\u00e4rfen und Diskussionen ansto\u00dfen muss. Er hat begriffen, dass das Problem nicht nur an den R\u00e4ndern der Gesellschaft (bei den Rechten) liegt, sondern auch in ihrer Mitte. Dort, wo gebildete Menschen nicht einmal bemerken, dass das, was sie sagen und tun, antisemitisch ist. So wie sie es auch nicht merken, wenn sie rassistisch handeln. Er hat all das verstanden, und genau deshalb wollen einige, dass er seinen Posten r\u00e4umt.<\/p>\n\n\n\n

Mehr als 60 deutsche und israelische Intellektuelle haben letzte Woche in einem Brief an Kanzlerin Merkel<\/a> dar\u00fcber geklagt, dass der aktuelle \u201eGebrauch des Antisemitismusbegriffs\u201c darauf abziele, \u201elegitime Kritik an der israelischen Regierungspolitik zu unterdr\u00fccken\u201c, und Klein vorgeworfen, rechtspopulistische israelische Stimmen zu f\u00f6rdern.<\/p>\n\n\n\n

Faszinierend an diesem offenen Brief ist, dass viele der Unterzeichneten keine Deutschen sind und auch nicht in Deutschland leben. Ich wei\u00df nicht, woher sie \u2013 die meisten von ihnen sind Israelis \u2013 die Chuzpe haben, sich in eine innerdeutsche Angelegenheit einzumischen und zu fordern, eine Person zu entlassen, die von der Bundesregierung eingesetzt wurde. Die H\u00e4lfte der Unterzeichneten lebt nicht hier, von der anderen H\u00e4lfte sind viele keine Juden \u2013 somit sind die allermeisten von ihnen nicht direkt vom Antisemitismus in Deutschland betroffen. Wie also k\u00f6nnen sie diesen Brief unterschreiben? Und warum eigentlich haben so wenige Deutsche unterschrieben? Dazu komme ich gleich.<\/p>\n\n\n\n

Debatte um Achille Mbembe<\/h6>\n\n\n\n

Hintergrund des Briefs war, dass Felix Klein gefordert hatte, den Philosophen Achille Mbembe<\/a> nicht die Er\u00f6ffnungsrede der Ruhrtriennale halten zu lassen. Als mit \u00f6ffentlichen Mitteln gef\u00f6rdertes Event solle die Ruhrtriennale Mbembe wegen seiner Haltung zu Israels Existenzrecht, seiner Haltung zu BDS und der Art, wie er in einem seiner Werke den Holocaust relativiert, nicht einladen.<\/p>\n\n\n\n

Mbembes Unterst\u00fctzer sagen, keine dieser Anschuldigungen sei wahr. F\u00fcrs Protokoll: In meinen Augen unterst\u00fctzt Mbembe sehr wohl BDS<\/a>, er schrieb unter anderem das Vorwort zu \u201eApartheid Israel\u201c und fordert die komplette Isolation Israels. Ich glaube auch, wenn Mbembe schreibt, die israelische Besetzung sei der \u201egr\u00f6\u00dfte moralische Skandal unserer Zeit\u201c, zeigt das, dass sein moralischer und geografischer Kompass etwas schief ist.<\/p>\n\n\n\n

Doch warum treibt die Debatte so viele Menschen um? Nun, zun\u00e4chst gibt niemand gern auf, was ihm oder ihr selbstverst\u00e4ndlich scheint. \u00dcber den gesamten politischen, sozialen, kulturellen, medialen und akademischen Sektor hinweg sind Menschen daran gew\u00f6hnt, so schlecht \u00fcber Israel sprechen zu k\u00f6nnen, wie auch immer sie wollen.<\/p>\n\n\n\n

Der Spiegel<\/em> hat \u2013 vielleicht in Anlehnung an seine Relotius-Standards, Israel erst k\u00fcrzlich eine Corona-Diktatur genannt. Fakten und Belege f\u00fcr diese Behauptung gab es nicht. Doch Millionen Deutsche haben es gelesen, und es wird nat\u00fcrlich haften bleiben. Faktenlage hin oder her. Der Spiegel<\/em> und andere Medien haben dieses Spiel perfektioniert: Titel so zu drehen, dass sie Israel indirekt anklagen, die Idee zu streuen, der Mossad kon\u00adtrol\u00adliere die deutsche Au\u00dfenpolitik im Nahen Osten, und so fort. Doch sie stehen allesamt sofort auf den Hinterbeinen, wenn jemand es wagt, das Spiel beim Namen zu nennen: moderner Antisemitismus.<\/p>\n\n\n\n

Klein will dem entgegenwirken. Er versteht, dass antisemitische Attacken in Deutschland die Fr\u00fcchte solch falsch gezeichneter Bilder und eindimensionaler Narrative \u00fcber Israel sind. Wenn er und andere versuchen, ein anderes Narrativ aufzuzeigen, wirft man ihnen Zensur vor: Wie k\u00f6nnen sie es wagen, das Gesch\u00e4ft der Anti-Israel-Propaganda zu st\u00f6ren?<\/p>\n\n\n\n

Liebe Deutsche, wenn ihr reden wollt, lasst uns gern reden: \u00fcber die Besetzung, \u00fcber Bibi und alles, was schiefl\u00e4uft. Aber dann lasst uns bitte auch dar\u00fcber reden, wie deutsche Steuergelder Terrortunnel finanzieren. Erst vergangene Woche r\u00e4umte die niederl\u00e4ndische Regierung ein, dass Gelder an eine Landwirtschaftsorganisation in Ramallah geflossen seien, die damit teilweise die Geh\u00e4lter zweier des Mordes an der 17-j\u00e4hrigen Israelin Rina Shnerb Verd\u00e4chtiger gezahlt haben. Auch die Bundesregierung unterst\u00fctzt diese Organisation, obwohl Kritiker schon lange vor Verbindungen zu Terroristen warnen.<\/p>\n\n\n\n

Wir k\u00f6nnen uns also gerne unterhalten \u2013 aber im Dialog, nicht in Monologen. Denn Reden unter Menschen, die sich einig sind, ist nichts anderes als Impotenz.<\/p>\n\n\n\n

Israelkritik als Eintrittskarte<\/h6>\n\n\n\n

Die Israelis, die die Petition unterzeichnet haben, haben \u00fcbrigens ebenfalls etwas verstanden. Seit Jahren wissen sie: Es ist ihre Eintrittskarte in die Mitte der deutschen (und europ\u00e4ischen) Gesellschaft. Man h\u00f6rt nicht oft von Akademikern mit proisraelischen Ansichten. Weder in den Philharmonie-Orchestern noch in der Kunstszene. Die Eintrittskarte daf\u00fcr ist ein antiisraelischer Standpunkt.<\/p>\n\n\n\n

Der mutma\u00dfliche Grund, warum kaum Deutsche die Petition unterzeichnet haben: Sie mussten es nicht. Ihre Lieblingsjuden haben es f\u00fcr sie getan. Jetzt k\u00f6nnen sie sagen: \u201eSchau, ich bin das ja nicht, meine j\u00fcdischen Freunde sagen es.\u201c Ich selbst war einige Jahre lang mit einem Paar hier in Berlin befreundet, bis ich herausfand, dass ich ihr Lieblingsjude war. Ja, selbst das j\u00fcdische Museum wurde so genutzt.<\/p>\n\n\n\n

Weil Attacken gegen Juden ein absolutes Tabu sind, wurden Umwege gefunden, um den Antisemitismus auf kleiner Flamme k\u00f6cheln zu lassen: die unfundierte, unbegr\u00fcndete Kritik an Israel.<\/p>\n\n\n\n

Diese Art der Kritik ist gef\u00e4hrlich. Sie schw\u00e4cht jede begr\u00fcndete und notwendige Kritik am Verhalten Israels. Und das Interessante ist: Trotz all der heftigen, pauschalisierenden Anklagen, all der offenen Briefe driftet Israel politisch immer weiter nach rechts. Doch statt mal einen anderen Ansatz zu versuchen, werden die antiisraelischen Stimmen nur lauter. Dasselbe versuchen und andere Ergebnisse davon erwarten \u2013 das ist die Definition von Wahnsinn.<\/p>\n\n\n\n

Kurz bevor der Prozess gegen den wegen des Attentats von Halle<\/a> Angeklagten begann \u2013 des seit Kriegsende schlimmsten Akts von Antisemitismus in Deutschland \u2013, lud eine Lokalzeitung den fr\u00fcheren Botschafter Shimon Stein und den Historiker Moshe Zimmermann ein, dar\u00fcber zu schreiben, was Antisemitismus ist. Nat\u00fcrlich wendeten auch sie sich gegen Felix Kleins Ansatz. Sie zitieren die Kontroverse um die Umbenennung der U-Bahn-Station Mohrenstra\u00dfe in Glinkastra\u00dfe, die sich darum drehte, dass der russische Komponist Michael Glinka Antisemit gewesen sein soll. Stein und Zimmermann halten die Debatte f\u00fcr \u00fcberzogen, Glinka sei nur ein Kind seiner Zeit gewesen. Folgt man ihrer Logik, k\u00f6nnen wir dann also in 20 oder 30 Jahren U-Bahn-Stationen nach den Kindern der 1930er Jahre benennen?<\/p>\n\n\n\n

Der Antisemit als Tierfreund<\/h6>\n\n\n\n

Ich w\u00fcnschte, die Sache h\u00e4tte mit dem Artikel, mit der Petition geendet. Doch dann erschien ein Artikel, der den Leser auf einen Waldspaziergang mit einem veganen Koch und Antisemiten mitnahm. Darin setzt der Tierfreund erst behutsam einen K\u00e4fer wieder auf seine Beinchen und erkl\u00e4rt dann, dass die Todesstrafe in Deutschland wieder eingef\u00fchrt werden solle, um einen gewissen Politiker (der zuf\u00e4llig pro Israel ist) an seinen Hoden aufh\u00e4ngen zu k\u00f6nnen. Dieser Koch hat Hunderttausende Follower, er sagt all solche Dinge am helllichten Tag in Berlin. Und in den Medien.<\/p>\n\n\n\n

F\u00e4lle wie dieser handeln bereits von Gewalt \u2013 und sie enden nicht bei den Juden. Der Hass richtet sich gegen Frauen<\/a>, Muslime, Gefl\u00fcchtete, \u00adLBTQI. Am Ende aller theoretischen Debatten stehen immer echte Menschen. Am Ende jeder Konferenz dar\u00fcber, was Antisemitismus ausmacht, steht ein potenzielles j\u00fcdisches Opfer. Angesichts einer Welle von Antisemitismus \u00fcber die Definition von Antisemitismus zu streiten ist, wie eine 10 Meter hohe Welle heranrollen zu sehen und dar\u00fcber zu streiten, was einen Tsunami ausmacht.<\/p>\n\n\n\n

Felix Klein versteht, wie absurd es ist, zu sagen: Es sind nur die Rechten. Die Rechten sind Deutsche, so wie die Nazis Deutsche waren. Klein versteht, dass die Deutschen nicht aufgeh\u00f6rt haben, Juden zu ermorden, weil sie irgendeine Art von Erleuchtung hatten. Sondern schlicht, weil sie den Krieg verloren haben. Um den Antisemitismus zu bek\u00e4mpfen, bevor er die Gesellschaft frisst, in der er und wir leben, muss Deutschland seinen moralischen Kompass korrigieren.<\/p>\n\n\n\n

Immerhin: Mehr und mehr Deutsche fahren nach Israel, sie wollen ein anderes Narrativ h\u00f6ren. Mehr und mehr Deutsche verstehen, dass Antisemitismus Schockwellen ausl\u00f6st, die die gesamte Gesellschaft betreffen. In einem normalen Universum w\u00fcrde Klein bef\u00f6rdert werden f\u00fcr seine Leistung. In einer verdrehten Gesellschaft fordern Menschen seine Entlassung. Um es mit Mbembe zu sagen: Das ist Nano-Nonsens.<\/p>\n\n\n\n

\u00dcbersetzung: Ariane Lemme<\/a><\/em><\/p>\n","post_title":"Felix Klein hat verstanden","post_excerpt":"","post_status":"publish","comment_status":"closed","ping_status":"closed","post_password":"","post_name":"felix-klein-hat-verstanden","to_ping":"","pinged":"","post_modified":"2025-02-02 08:39:39","post_modified_gmt":"2025-02-02 08:39:39","post_content_filtered":"","post_parent":0,"guid":"https:\/\/dctransparency.com\/?p=3786","menu_order":0,"post_type":"post","post_mime_type":"","comment_count":"0","filter":"raw"}],"next":false,"prev":true,"total_page":47},"paged":1,"column_class":"jeg_col_2o3","class":"epic_block_3"};

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Angesichts des wachsenden Widerstands im eigenen Land macht es Erdo\u011fan Putin gleich. Da der Westen nicht bereit war, (erneut) milit\u00e4risch in Libyen zu intervenieren, sah Erdo\u011fan eine Gelegenheit, die T\u00fcrkei zu positionieren. Nach dem Vorgehen Russlands in Syrien sicherte er sich eine formelle Einladung der libyschen Regierung zur Intervention. Mit einem Schlag Ende letzten Jahres hat er nicht nur das Image der T\u00fcrkei als Regionalmacht gest\u00e4rkt, sondern auch ein Abkommen mit Libyen \u00fcber die Seegrenze abgeschlossen und damit einen Plan Griechenlands, Zyperns, \u00c4gyptens und Israels zur Erschlie\u00dfung von Unterwasser\u00f6l- und -gasfeldern in der N\u00e4he zunichtegemacht.<\/p>\n\n\n\n

Erdo\u011fan scheint auch von der Spalt-und-Eroberungs-Strategie des Kreml in Europa inspiriert worden zu sein, der zufolge oft diejenigen EU-Mitgliedsstaaten unter Druck gesetzt werden, die am meisten von russischen Kohlenwasserstoffen oder M\u00e4rkten abh\u00e4ngig sind. So wie Putin lange Zeit die Energieversorgung instrumentalisiert hat, hat Erdo\u011fan versucht, den Strom von Migranten und Fl\u00fcchtlingen, die vor Konflikten im Nahen Osten fliehen, zu instrumentalisieren. Als die EU eine neue Marinemission ank\u00fcndigte, um den Waffenstrom nach Libyen zu blockieren, malte die T\u00fcrkei f\u00fcr Malta das Schreckgespenst der angeblichen Bedrohung durch Migranten an die Wand. Malta reagierte prompt und signalisierte, dass es gegen die Finanzierung der Mission ein Veto einlegen werde.<\/p>\n\n\n\n

Verlorener Sohn<\/strong><\/h3>\n\n\n\n

Jahrelang redeten sich die Europ\u00e4er ein, dass Russland eine Art verlorener Sohn sei und dass die europ\u00e4ische unipolare Ordnung gesund bleibe. Doch das machte Europa zu einem leichten Ziel f\u00fcr die Trennungs-und-Eroberungs-Strategie des Kreml. Erst vor relativ kurzer Zeit entwarf die Union eine neue Politik und ein robustes Sanktionsregime, um die russische Aggression abzuschrecken. Und selbst jetzt \u2013 trotz der besten Bem\u00fchungen der deutschen Bundeskanzlerin Angela Merkel und des franz\u00f6sischen Pr\u00e4sidenten Emmanuel Macron \u2013 hat die EU noch immer keine wirksamen Kommunikationskan\u00e4le mit Russland geschaffen, um gemeinsame Probleme anzugehen.<\/p>\n\n\n\n

Die T\u00fcrkei ist noch kein neues Russland, aber sie k\u00f6nnte dazu werden, wenn die Situation falsch gehandhabt wird. Vorerst betrachten die meisten Europ\u00e4er die T\u00fcrkei noch immer als einen komplizierten Partner und nicht als \"Systemrivalen\". Aber die Europ\u00e4er sollten die hart erk\u00e4mpften Lehren aus dem Umgang mit Russland in den letzten 15 Jahren beherzigen. Die Beziehungen zwischen der EU und der T\u00fcrkei brauchen neue, einvernehmlich vereinbarte Prinzipien sowie klare Grenzen, um eine weitere Destabilisierung in der Region zu verhindern.<\/p>\n\n\n\n

Zu diesem Zweck sollten die Europ\u00e4er klarstellen, dass der EU-Beitrittsprozess entweder zur\u00fcckgedreht oder vorangetrieben werden kann und dass eine eher transaktionale Beziehung sowohl Zuckerbrot als auch Peitsche beinhaltet. Die Herausforderung wird darin bestehen, daf\u00fcr zu sorgen, dass es in einer Region, die nicht nur von Europa und der T\u00fcrkei, sondern auch von Russland, den USA und einem aufstrebenden China beeinflusst wird, noch Raum f\u00fcr politisches Engagement in Fragen der gemeinsamen Sicherheit gibt. (Mark Leonard, \u00dcbersetzung: Eva G\u00f6llner, Copyright: Project Syndicate, 10.8.2020)<\/p>\n\n\n\n

Mark Leonard <\/strong>ist Direktor des Europ\u00e4ischen Rats f\u00fcr Ausw\u00e4rtige Beziehungen.<\/a><\/p>\n","post_title":"Erdo\u011fan \u2013 der andere Putin vor der Haust\u00fcr Europas","post_excerpt":"","post_status":"publish","comment_status":"closed","ping_status":"closed","post_password":"","post_name":"erdogan-der-andere-putin-vor-der-haustur-europas","to_ping":"","pinged":"","post_modified":"2025-02-02 08:39:39","post_modified_gmt":"2025-02-02 08:39:39","post_content_filtered":"","post_parent":0,"guid":"https:\/\/dctransparency.com\/?p=3789","menu_order":0,"post_type":"post","post_mime_type":"","comment_count":"0","filter":"raw"},{"ID":3786,"post_author":"7","post_date":"2020-08-14 13:51:23","post_date_gmt":"2020-08-14 13:51:23","post_content":"\n

Einen Monat nachdem ich zur israelischen Armee eingezogen worden war, brach die erste Intifada aus. Statt Soldat zu sein, machte ich Polizeiarbeit, sagte den Menschen, wann sie zur Arbeit gehen konnten und wann sie ihre L\u00e4den schlie\u00dfen mussten, wann sie die Grenze passieren und wann sie schlafen konnten. Einen Monat nachdem ich aus der Armee entlassen worden war, ging ich auf Reisen. (In Israel sagen wir: Wir dienen drei Jahre und versuchen den Rest unseres Lebens, diese drei Jahre zu vergessen.) Auf meiner Reise begann ich Briefe an meine Freundin zu schreiben, die ich in Israel zur\u00fcckgelassen hatte.<\/p>\n\n\n\n

Ich schrieb ihr, wie schrecklich depressiv ich war und dass diese drei Jahre des Anweisungenbellens und Anderen-Menschen-Sagens, was sie zu tun haben, mich f\u00fcr immer verfolgen w\u00fcrden. Dass sie ein Teil dessen geworden waren, was ich bin. Ich erinnere mich, dass ich ihr schrieb, dass wir da rausm\u00fcssen \u2013 nicht nur f\u00fcr die Pal\u00e4stinenser, sondern wegen der furchtbaren und brutalen Auswirkungen, die all das auf uns, auf die israelische Gesellschaft haben w\u00fcrde. Sie schrieb zur\u00fcck: \u201eDu hast recht. Ich habe einen neuen Freund.\u201c<\/p>\n\n\n\n

Felix Klein wurde als Beauftragter der Bundesregierung berufen<\/a>, um die Auswirkungen des zunehmenden Antisemitismus in unserer Gesellschaft, in Deutschland, zu bek\u00e4mpfen. Was nicht in seiner Jobbeschreibung steht, ist, dass er dabei unsere Gesellschaft heilen muss, jene Gesellschaft, die diese Form des Hasses reproduziert und sch\u00fctzt. Klein hat das begriffen.<\/p>\n\n\n\n

Er versteht, dass man Krebs nicht mit einem Pflaster verarztet, er wei\u00df, dass er das Bewusstsein der Deutschen sch\u00e4rfen und Diskussionen ansto\u00dfen muss. Er hat begriffen, dass das Problem nicht nur an den R\u00e4ndern der Gesellschaft (bei den Rechten) liegt, sondern auch in ihrer Mitte. Dort, wo gebildete Menschen nicht einmal bemerken, dass das, was sie sagen und tun, antisemitisch ist. So wie sie es auch nicht merken, wenn sie rassistisch handeln. Er hat all das verstanden, und genau deshalb wollen einige, dass er seinen Posten r\u00e4umt.<\/p>\n\n\n\n

Mehr als 60 deutsche und israelische Intellektuelle haben letzte Woche in einem Brief an Kanzlerin Merkel<\/a> dar\u00fcber geklagt, dass der aktuelle \u201eGebrauch des Antisemitismusbegriffs\u201c darauf abziele, \u201elegitime Kritik an der israelischen Regierungspolitik zu unterdr\u00fccken\u201c, und Klein vorgeworfen, rechtspopulistische israelische Stimmen zu f\u00f6rdern.<\/p>\n\n\n\n

Faszinierend an diesem offenen Brief ist, dass viele der Unterzeichneten keine Deutschen sind und auch nicht in Deutschland leben. Ich wei\u00df nicht, woher sie \u2013 die meisten von ihnen sind Israelis \u2013 die Chuzpe haben, sich in eine innerdeutsche Angelegenheit einzumischen und zu fordern, eine Person zu entlassen, die von der Bundesregierung eingesetzt wurde. Die H\u00e4lfte der Unterzeichneten lebt nicht hier, von der anderen H\u00e4lfte sind viele keine Juden \u2013 somit sind die allermeisten von ihnen nicht direkt vom Antisemitismus in Deutschland betroffen. Wie also k\u00f6nnen sie diesen Brief unterschreiben? Und warum eigentlich haben so wenige Deutsche unterschrieben? Dazu komme ich gleich.<\/p>\n\n\n\n

Debatte um Achille Mbembe<\/h6>\n\n\n\n

Hintergrund des Briefs war, dass Felix Klein gefordert hatte, den Philosophen Achille Mbembe<\/a> nicht die Er\u00f6ffnungsrede der Ruhrtriennale halten zu lassen. Als mit \u00f6ffentlichen Mitteln gef\u00f6rdertes Event solle die Ruhrtriennale Mbembe wegen seiner Haltung zu Israels Existenzrecht, seiner Haltung zu BDS und der Art, wie er in einem seiner Werke den Holocaust relativiert, nicht einladen.<\/p>\n\n\n\n

Mbembes Unterst\u00fctzer sagen, keine dieser Anschuldigungen sei wahr. F\u00fcrs Protokoll: In meinen Augen unterst\u00fctzt Mbembe sehr wohl BDS<\/a>, er schrieb unter anderem das Vorwort zu \u201eApartheid Israel\u201c und fordert die komplette Isolation Israels. Ich glaube auch, wenn Mbembe schreibt, die israelische Besetzung sei der \u201egr\u00f6\u00dfte moralische Skandal unserer Zeit\u201c, zeigt das, dass sein moralischer und geografischer Kompass etwas schief ist.<\/p>\n\n\n\n

Doch warum treibt die Debatte so viele Menschen um? Nun, zun\u00e4chst gibt niemand gern auf, was ihm oder ihr selbstverst\u00e4ndlich scheint. \u00dcber den gesamten politischen, sozialen, kulturellen, medialen und akademischen Sektor hinweg sind Menschen daran gew\u00f6hnt, so schlecht \u00fcber Israel sprechen zu k\u00f6nnen, wie auch immer sie wollen.<\/p>\n\n\n\n

Der Spiegel<\/em> hat \u2013 vielleicht in Anlehnung an seine Relotius-Standards, Israel erst k\u00fcrzlich eine Corona-Diktatur genannt. Fakten und Belege f\u00fcr diese Behauptung gab es nicht. Doch Millionen Deutsche haben es gelesen, und es wird nat\u00fcrlich haften bleiben. Faktenlage hin oder her. Der Spiegel<\/em> und andere Medien haben dieses Spiel perfektioniert: Titel so zu drehen, dass sie Israel indirekt anklagen, die Idee zu streuen, der Mossad kon\u00adtrol\u00adliere die deutsche Au\u00dfenpolitik im Nahen Osten, und so fort. Doch sie stehen allesamt sofort auf den Hinterbeinen, wenn jemand es wagt, das Spiel beim Namen zu nennen: moderner Antisemitismus.<\/p>\n\n\n\n

Klein will dem entgegenwirken. Er versteht, dass antisemitische Attacken in Deutschland die Fr\u00fcchte solch falsch gezeichneter Bilder und eindimensionaler Narrative \u00fcber Israel sind. Wenn er und andere versuchen, ein anderes Narrativ aufzuzeigen, wirft man ihnen Zensur vor: Wie k\u00f6nnen sie es wagen, das Gesch\u00e4ft der Anti-Israel-Propaganda zu st\u00f6ren?<\/p>\n\n\n\n

Liebe Deutsche, wenn ihr reden wollt, lasst uns gern reden: \u00fcber die Besetzung, \u00fcber Bibi und alles, was schiefl\u00e4uft. Aber dann lasst uns bitte auch dar\u00fcber reden, wie deutsche Steuergelder Terrortunnel finanzieren. Erst vergangene Woche r\u00e4umte die niederl\u00e4ndische Regierung ein, dass Gelder an eine Landwirtschaftsorganisation in Ramallah geflossen seien, die damit teilweise die Geh\u00e4lter zweier des Mordes an der 17-j\u00e4hrigen Israelin Rina Shnerb Verd\u00e4chtiger gezahlt haben. Auch die Bundesregierung unterst\u00fctzt diese Organisation, obwohl Kritiker schon lange vor Verbindungen zu Terroristen warnen.<\/p>\n\n\n\n

Wir k\u00f6nnen uns also gerne unterhalten \u2013 aber im Dialog, nicht in Monologen. Denn Reden unter Menschen, die sich einig sind, ist nichts anderes als Impotenz.<\/p>\n\n\n\n

Israelkritik als Eintrittskarte<\/h6>\n\n\n\n

Die Israelis, die die Petition unterzeichnet haben, haben \u00fcbrigens ebenfalls etwas verstanden. Seit Jahren wissen sie: Es ist ihre Eintrittskarte in die Mitte der deutschen (und europ\u00e4ischen) Gesellschaft. Man h\u00f6rt nicht oft von Akademikern mit proisraelischen Ansichten. Weder in den Philharmonie-Orchestern noch in der Kunstszene. Die Eintrittskarte daf\u00fcr ist ein antiisraelischer Standpunkt.<\/p>\n\n\n\n

Der mutma\u00dfliche Grund, warum kaum Deutsche die Petition unterzeichnet haben: Sie mussten es nicht. Ihre Lieblingsjuden haben es f\u00fcr sie getan. Jetzt k\u00f6nnen sie sagen: \u201eSchau, ich bin das ja nicht, meine j\u00fcdischen Freunde sagen es.\u201c Ich selbst war einige Jahre lang mit einem Paar hier in Berlin befreundet, bis ich herausfand, dass ich ihr Lieblingsjude war. Ja, selbst das j\u00fcdische Museum wurde so genutzt.<\/p>\n\n\n\n

Weil Attacken gegen Juden ein absolutes Tabu sind, wurden Umwege gefunden, um den Antisemitismus auf kleiner Flamme k\u00f6cheln zu lassen: die unfundierte, unbegr\u00fcndete Kritik an Israel.<\/p>\n\n\n\n

Diese Art der Kritik ist gef\u00e4hrlich. Sie schw\u00e4cht jede begr\u00fcndete und notwendige Kritik am Verhalten Israels. Und das Interessante ist: Trotz all der heftigen, pauschalisierenden Anklagen, all der offenen Briefe driftet Israel politisch immer weiter nach rechts. Doch statt mal einen anderen Ansatz zu versuchen, werden die antiisraelischen Stimmen nur lauter. Dasselbe versuchen und andere Ergebnisse davon erwarten \u2013 das ist die Definition von Wahnsinn.<\/p>\n\n\n\n

Kurz bevor der Prozess gegen den wegen des Attentats von Halle<\/a> Angeklagten begann \u2013 des seit Kriegsende schlimmsten Akts von Antisemitismus in Deutschland \u2013, lud eine Lokalzeitung den fr\u00fcheren Botschafter Shimon Stein und den Historiker Moshe Zimmermann ein, dar\u00fcber zu schreiben, was Antisemitismus ist. Nat\u00fcrlich wendeten auch sie sich gegen Felix Kleins Ansatz. Sie zitieren die Kontroverse um die Umbenennung der U-Bahn-Station Mohrenstra\u00dfe in Glinkastra\u00dfe, die sich darum drehte, dass der russische Komponist Michael Glinka Antisemit gewesen sein soll. Stein und Zimmermann halten die Debatte f\u00fcr \u00fcberzogen, Glinka sei nur ein Kind seiner Zeit gewesen. Folgt man ihrer Logik, k\u00f6nnen wir dann also in 20 oder 30 Jahren U-Bahn-Stationen nach den Kindern der 1930er Jahre benennen?<\/p>\n\n\n\n

Der Antisemit als Tierfreund<\/h6>\n\n\n\n

Ich w\u00fcnschte, die Sache h\u00e4tte mit dem Artikel, mit der Petition geendet. Doch dann erschien ein Artikel, der den Leser auf einen Waldspaziergang mit einem veganen Koch und Antisemiten mitnahm. Darin setzt der Tierfreund erst behutsam einen K\u00e4fer wieder auf seine Beinchen und erkl\u00e4rt dann, dass die Todesstrafe in Deutschland wieder eingef\u00fchrt werden solle, um einen gewissen Politiker (der zuf\u00e4llig pro Israel ist) an seinen Hoden aufh\u00e4ngen zu k\u00f6nnen. Dieser Koch hat Hunderttausende Follower, er sagt all solche Dinge am helllichten Tag in Berlin. Und in den Medien.<\/p>\n\n\n\n

F\u00e4lle wie dieser handeln bereits von Gewalt \u2013 und sie enden nicht bei den Juden. Der Hass richtet sich gegen Frauen<\/a>, Muslime, Gefl\u00fcchtete, \u00adLBTQI. Am Ende aller theoretischen Debatten stehen immer echte Menschen. Am Ende jeder Konferenz dar\u00fcber, was Antisemitismus ausmacht, steht ein potenzielles j\u00fcdisches Opfer. Angesichts einer Welle von Antisemitismus \u00fcber die Definition von Antisemitismus zu streiten ist, wie eine 10 Meter hohe Welle heranrollen zu sehen und dar\u00fcber zu streiten, was einen Tsunami ausmacht.<\/p>\n\n\n\n

Felix Klein versteht, wie absurd es ist, zu sagen: Es sind nur die Rechten. Die Rechten sind Deutsche, so wie die Nazis Deutsche waren. Klein versteht, dass die Deutschen nicht aufgeh\u00f6rt haben, Juden zu ermorden, weil sie irgendeine Art von Erleuchtung hatten. Sondern schlicht, weil sie den Krieg verloren haben. Um den Antisemitismus zu bek\u00e4mpfen, bevor er die Gesellschaft frisst, in der er und wir leben, muss Deutschland seinen moralischen Kompass korrigieren.<\/p>\n\n\n\n

Immerhin: Mehr und mehr Deutsche fahren nach Israel, sie wollen ein anderes Narrativ h\u00f6ren. Mehr und mehr Deutsche verstehen, dass Antisemitismus Schockwellen ausl\u00f6st, die die gesamte Gesellschaft betreffen. In einem normalen Universum w\u00fcrde Klein bef\u00f6rdert werden f\u00fcr seine Leistung. In einer verdrehten Gesellschaft fordern Menschen seine Entlassung. Um es mit Mbembe zu sagen: Das ist Nano-Nonsens.<\/p>\n\n\n\n

\u00dcbersetzung: Ariane Lemme<\/a><\/em><\/p>\n","post_title":"Felix Klein hat verstanden","post_excerpt":"","post_status":"publish","comment_status":"closed","ping_status":"closed","post_password":"","post_name":"felix-klein-hat-verstanden","to_ping":"","pinged":"","post_modified":"2025-02-02 08:39:39","post_modified_gmt":"2025-02-02 08:39:39","post_content_filtered":"","post_parent":0,"guid":"https:\/\/dctransparency.com\/?p=3786","menu_order":0,"post_type":"post","post_mime_type":"","comment_count":"0","filter":"raw"}],"next":false,"prev":true,"total_page":47},"paged":1,"column_class":"jeg_col_2o3","class":"epic_block_3"};

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Unter Druck<\/h3>\n\n\n\n

Angesichts des wachsenden Widerstands im eigenen Land macht es Erdo\u011fan Putin gleich. Da der Westen nicht bereit war, (erneut) milit\u00e4risch in Libyen zu intervenieren, sah Erdo\u011fan eine Gelegenheit, die T\u00fcrkei zu positionieren. Nach dem Vorgehen Russlands in Syrien sicherte er sich eine formelle Einladung der libyschen Regierung zur Intervention. Mit einem Schlag Ende letzten Jahres hat er nicht nur das Image der T\u00fcrkei als Regionalmacht gest\u00e4rkt, sondern auch ein Abkommen mit Libyen \u00fcber die Seegrenze abgeschlossen und damit einen Plan Griechenlands, Zyperns, \u00c4gyptens und Israels zur Erschlie\u00dfung von Unterwasser\u00f6l- und -gasfeldern in der N\u00e4he zunichtegemacht.<\/p>\n\n\n\n

Erdo\u011fan scheint auch von der Spalt-und-Eroberungs-Strategie des Kreml in Europa inspiriert worden zu sein, der zufolge oft diejenigen EU-Mitgliedsstaaten unter Druck gesetzt werden, die am meisten von russischen Kohlenwasserstoffen oder M\u00e4rkten abh\u00e4ngig sind. So wie Putin lange Zeit die Energieversorgung instrumentalisiert hat, hat Erdo\u011fan versucht, den Strom von Migranten und Fl\u00fcchtlingen, die vor Konflikten im Nahen Osten fliehen, zu instrumentalisieren. Als die EU eine neue Marinemission ank\u00fcndigte, um den Waffenstrom nach Libyen zu blockieren, malte die T\u00fcrkei f\u00fcr Malta das Schreckgespenst der angeblichen Bedrohung durch Migranten an die Wand. Malta reagierte prompt und signalisierte, dass es gegen die Finanzierung der Mission ein Veto einlegen werde.<\/p>\n\n\n\n

Verlorener Sohn<\/strong><\/h3>\n\n\n\n

Jahrelang redeten sich die Europ\u00e4er ein, dass Russland eine Art verlorener Sohn sei und dass die europ\u00e4ische unipolare Ordnung gesund bleibe. Doch das machte Europa zu einem leichten Ziel f\u00fcr die Trennungs-und-Eroberungs-Strategie des Kreml. Erst vor relativ kurzer Zeit entwarf die Union eine neue Politik und ein robustes Sanktionsregime, um die russische Aggression abzuschrecken. Und selbst jetzt \u2013 trotz der besten Bem\u00fchungen der deutschen Bundeskanzlerin Angela Merkel und des franz\u00f6sischen Pr\u00e4sidenten Emmanuel Macron \u2013 hat die EU noch immer keine wirksamen Kommunikationskan\u00e4le mit Russland geschaffen, um gemeinsame Probleme anzugehen.<\/p>\n\n\n\n

Die T\u00fcrkei ist noch kein neues Russland, aber sie k\u00f6nnte dazu werden, wenn die Situation falsch gehandhabt wird. Vorerst betrachten die meisten Europ\u00e4er die T\u00fcrkei noch immer als einen komplizierten Partner und nicht als \"Systemrivalen\". Aber die Europ\u00e4er sollten die hart erk\u00e4mpften Lehren aus dem Umgang mit Russland in den letzten 15 Jahren beherzigen. Die Beziehungen zwischen der EU und der T\u00fcrkei brauchen neue, einvernehmlich vereinbarte Prinzipien sowie klare Grenzen, um eine weitere Destabilisierung in der Region zu verhindern.<\/p>\n\n\n\n

Zu diesem Zweck sollten die Europ\u00e4er klarstellen, dass der EU-Beitrittsprozess entweder zur\u00fcckgedreht oder vorangetrieben werden kann und dass eine eher transaktionale Beziehung sowohl Zuckerbrot als auch Peitsche beinhaltet. Die Herausforderung wird darin bestehen, daf\u00fcr zu sorgen, dass es in einer Region, die nicht nur von Europa und der T\u00fcrkei, sondern auch von Russland, den USA und einem aufstrebenden China beeinflusst wird, noch Raum f\u00fcr politisches Engagement in Fragen der gemeinsamen Sicherheit gibt. (Mark Leonard, \u00dcbersetzung: Eva G\u00f6llner, Copyright: Project Syndicate, 10.8.2020)<\/p>\n\n\n\n

Mark Leonard <\/strong>ist Direktor des Europ\u00e4ischen Rats f\u00fcr Ausw\u00e4rtige Beziehungen.<\/a><\/p>\n","post_title":"Erdo\u011fan \u2013 der andere Putin vor der Haust\u00fcr Europas","post_excerpt":"","post_status":"publish","comment_status":"closed","ping_status":"closed","post_password":"","post_name":"erdogan-der-andere-putin-vor-der-haustur-europas","to_ping":"","pinged":"","post_modified":"2025-02-02 08:39:39","post_modified_gmt":"2025-02-02 08:39:39","post_content_filtered":"","post_parent":0,"guid":"https:\/\/dctransparency.com\/?p=3789","menu_order":0,"post_type":"post","post_mime_type":"","comment_count":"0","filter":"raw"},{"ID":3786,"post_author":"7","post_date":"2020-08-14 13:51:23","post_date_gmt":"2020-08-14 13:51:23","post_content":"\n

Einen Monat nachdem ich zur israelischen Armee eingezogen worden war, brach die erste Intifada aus. Statt Soldat zu sein, machte ich Polizeiarbeit, sagte den Menschen, wann sie zur Arbeit gehen konnten und wann sie ihre L\u00e4den schlie\u00dfen mussten, wann sie die Grenze passieren und wann sie schlafen konnten. Einen Monat nachdem ich aus der Armee entlassen worden war, ging ich auf Reisen. (In Israel sagen wir: Wir dienen drei Jahre und versuchen den Rest unseres Lebens, diese drei Jahre zu vergessen.) Auf meiner Reise begann ich Briefe an meine Freundin zu schreiben, die ich in Israel zur\u00fcckgelassen hatte.<\/p>\n\n\n\n

Ich schrieb ihr, wie schrecklich depressiv ich war und dass diese drei Jahre des Anweisungenbellens und Anderen-Menschen-Sagens, was sie zu tun haben, mich f\u00fcr immer verfolgen w\u00fcrden. Dass sie ein Teil dessen geworden waren, was ich bin. Ich erinnere mich, dass ich ihr schrieb, dass wir da rausm\u00fcssen \u2013 nicht nur f\u00fcr die Pal\u00e4stinenser, sondern wegen der furchtbaren und brutalen Auswirkungen, die all das auf uns, auf die israelische Gesellschaft haben w\u00fcrde. Sie schrieb zur\u00fcck: \u201eDu hast recht. Ich habe einen neuen Freund.\u201c<\/p>\n\n\n\n

Felix Klein wurde als Beauftragter der Bundesregierung berufen<\/a>, um die Auswirkungen des zunehmenden Antisemitismus in unserer Gesellschaft, in Deutschland, zu bek\u00e4mpfen. Was nicht in seiner Jobbeschreibung steht, ist, dass er dabei unsere Gesellschaft heilen muss, jene Gesellschaft, die diese Form des Hasses reproduziert und sch\u00fctzt. Klein hat das begriffen.<\/p>\n\n\n\n

Er versteht, dass man Krebs nicht mit einem Pflaster verarztet, er wei\u00df, dass er das Bewusstsein der Deutschen sch\u00e4rfen und Diskussionen ansto\u00dfen muss. Er hat begriffen, dass das Problem nicht nur an den R\u00e4ndern der Gesellschaft (bei den Rechten) liegt, sondern auch in ihrer Mitte. Dort, wo gebildete Menschen nicht einmal bemerken, dass das, was sie sagen und tun, antisemitisch ist. So wie sie es auch nicht merken, wenn sie rassistisch handeln. Er hat all das verstanden, und genau deshalb wollen einige, dass er seinen Posten r\u00e4umt.<\/p>\n\n\n\n

Mehr als 60 deutsche und israelische Intellektuelle haben letzte Woche in einem Brief an Kanzlerin Merkel<\/a> dar\u00fcber geklagt, dass der aktuelle \u201eGebrauch des Antisemitismusbegriffs\u201c darauf abziele, \u201elegitime Kritik an der israelischen Regierungspolitik zu unterdr\u00fccken\u201c, und Klein vorgeworfen, rechtspopulistische israelische Stimmen zu f\u00f6rdern.<\/p>\n\n\n\n

Faszinierend an diesem offenen Brief ist, dass viele der Unterzeichneten keine Deutschen sind und auch nicht in Deutschland leben. Ich wei\u00df nicht, woher sie \u2013 die meisten von ihnen sind Israelis \u2013 die Chuzpe haben, sich in eine innerdeutsche Angelegenheit einzumischen und zu fordern, eine Person zu entlassen, die von der Bundesregierung eingesetzt wurde. Die H\u00e4lfte der Unterzeichneten lebt nicht hier, von der anderen H\u00e4lfte sind viele keine Juden \u2013 somit sind die allermeisten von ihnen nicht direkt vom Antisemitismus in Deutschland betroffen. Wie also k\u00f6nnen sie diesen Brief unterschreiben? Und warum eigentlich haben so wenige Deutsche unterschrieben? Dazu komme ich gleich.<\/p>\n\n\n\n

Debatte um Achille Mbembe<\/h6>\n\n\n\n

Hintergrund des Briefs war, dass Felix Klein gefordert hatte, den Philosophen Achille Mbembe<\/a> nicht die Er\u00f6ffnungsrede der Ruhrtriennale halten zu lassen. Als mit \u00f6ffentlichen Mitteln gef\u00f6rdertes Event solle die Ruhrtriennale Mbembe wegen seiner Haltung zu Israels Existenzrecht, seiner Haltung zu BDS und der Art, wie er in einem seiner Werke den Holocaust relativiert, nicht einladen.<\/p>\n\n\n\n

Mbembes Unterst\u00fctzer sagen, keine dieser Anschuldigungen sei wahr. F\u00fcrs Protokoll: In meinen Augen unterst\u00fctzt Mbembe sehr wohl BDS<\/a>, er schrieb unter anderem das Vorwort zu \u201eApartheid Israel\u201c und fordert die komplette Isolation Israels. Ich glaube auch, wenn Mbembe schreibt, die israelische Besetzung sei der \u201egr\u00f6\u00dfte moralische Skandal unserer Zeit\u201c, zeigt das, dass sein moralischer und geografischer Kompass etwas schief ist.<\/p>\n\n\n\n

Doch warum treibt die Debatte so viele Menschen um? Nun, zun\u00e4chst gibt niemand gern auf, was ihm oder ihr selbstverst\u00e4ndlich scheint. \u00dcber den gesamten politischen, sozialen, kulturellen, medialen und akademischen Sektor hinweg sind Menschen daran gew\u00f6hnt, so schlecht \u00fcber Israel sprechen zu k\u00f6nnen, wie auch immer sie wollen.<\/p>\n\n\n\n

Der Spiegel<\/em> hat \u2013 vielleicht in Anlehnung an seine Relotius-Standards, Israel erst k\u00fcrzlich eine Corona-Diktatur genannt. Fakten und Belege f\u00fcr diese Behauptung gab es nicht. Doch Millionen Deutsche haben es gelesen, und es wird nat\u00fcrlich haften bleiben. Faktenlage hin oder her. Der Spiegel<\/em> und andere Medien haben dieses Spiel perfektioniert: Titel so zu drehen, dass sie Israel indirekt anklagen, die Idee zu streuen, der Mossad kon\u00adtrol\u00adliere die deutsche Au\u00dfenpolitik im Nahen Osten, und so fort. Doch sie stehen allesamt sofort auf den Hinterbeinen, wenn jemand es wagt, das Spiel beim Namen zu nennen: moderner Antisemitismus.<\/p>\n\n\n\n

Klein will dem entgegenwirken. Er versteht, dass antisemitische Attacken in Deutschland die Fr\u00fcchte solch falsch gezeichneter Bilder und eindimensionaler Narrative \u00fcber Israel sind. Wenn er und andere versuchen, ein anderes Narrativ aufzuzeigen, wirft man ihnen Zensur vor: Wie k\u00f6nnen sie es wagen, das Gesch\u00e4ft der Anti-Israel-Propaganda zu st\u00f6ren?<\/p>\n\n\n\n

Liebe Deutsche, wenn ihr reden wollt, lasst uns gern reden: \u00fcber die Besetzung, \u00fcber Bibi und alles, was schiefl\u00e4uft. Aber dann lasst uns bitte auch dar\u00fcber reden, wie deutsche Steuergelder Terrortunnel finanzieren. Erst vergangene Woche r\u00e4umte die niederl\u00e4ndische Regierung ein, dass Gelder an eine Landwirtschaftsorganisation in Ramallah geflossen seien, die damit teilweise die Geh\u00e4lter zweier des Mordes an der 17-j\u00e4hrigen Israelin Rina Shnerb Verd\u00e4chtiger gezahlt haben. Auch die Bundesregierung unterst\u00fctzt diese Organisation, obwohl Kritiker schon lange vor Verbindungen zu Terroristen warnen.<\/p>\n\n\n\n

Wir k\u00f6nnen uns also gerne unterhalten \u2013 aber im Dialog, nicht in Monologen. Denn Reden unter Menschen, die sich einig sind, ist nichts anderes als Impotenz.<\/p>\n\n\n\n

Israelkritik als Eintrittskarte<\/h6>\n\n\n\n

Die Israelis, die die Petition unterzeichnet haben, haben \u00fcbrigens ebenfalls etwas verstanden. Seit Jahren wissen sie: Es ist ihre Eintrittskarte in die Mitte der deutschen (und europ\u00e4ischen) Gesellschaft. Man h\u00f6rt nicht oft von Akademikern mit proisraelischen Ansichten. Weder in den Philharmonie-Orchestern noch in der Kunstszene. Die Eintrittskarte daf\u00fcr ist ein antiisraelischer Standpunkt.<\/p>\n\n\n\n

Der mutma\u00dfliche Grund, warum kaum Deutsche die Petition unterzeichnet haben: Sie mussten es nicht. Ihre Lieblingsjuden haben es f\u00fcr sie getan. Jetzt k\u00f6nnen sie sagen: \u201eSchau, ich bin das ja nicht, meine j\u00fcdischen Freunde sagen es.\u201c Ich selbst war einige Jahre lang mit einem Paar hier in Berlin befreundet, bis ich herausfand, dass ich ihr Lieblingsjude war. Ja, selbst das j\u00fcdische Museum wurde so genutzt.<\/p>\n\n\n\n

Weil Attacken gegen Juden ein absolutes Tabu sind, wurden Umwege gefunden, um den Antisemitismus auf kleiner Flamme k\u00f6cheln zu lassen: die unfundierte, unbegr\u00fcndete Kritik an Israel.<\/p>\n\n\n\n

Diese Art der Kritik ist gef\u00e4hrlich. Sie schw\u00e4cht jede begr\u00fcndete und notwendige Kritik am Verhalten Israels. Und das Interessante ist: Trotz all der heftigen, pauschalisierenden Anklagen, all der offenen Briefe driftet Israel politisch immer weiter nach rechts. Doch statt mal einen anderen Ansatz zu versuchen, werden die antiisraelischen Stimmen nur lauter. Dasselbe versuchen und andere Ergebnisse davon erwarten \u2013 das ist die Definition von Wahnsinn.<\/p>\n\n\n\n

Kurz bevor der Prozess gegen den wegen des Attentats von Halle<\/a> Angeklagten begann \u2013 des seit Kriegsende schlimmsten Akts von Antisemitismus in Deutschland \u2013, lud eine Lokalzeitung den fr\u00fcheren Botschafter Shimon Stein und den Historiker Moshe Zimmermann ein, dar\u00fcber zu schreiben, was Antisemitismus ist. Nat\u00fcrlich wendeten auch sie sich gegen Felix Kleins Ansatz. Sie zitieren die Kontroverse um die Umbenennung der U-Bahn-Station Mohrenstra\u00dfe in Glinkastra\u00dfe, die sich darum drehte, dass der russische Komponist Michael Glinka Antisemit gewesen sein soll. Stein und Zimmermann halten die Debatte f\u00fcr \u00fcberzogen, Glinka sei nur ein Kind seiner Zeit gewesen. Folgt man ihrer Logik, k\u00f6nnen wir dann also in 20 oder 30 Jahren U-Bahn-Stationen nach den Kindern der 1930er Jahre benennen?<\/p>\n\n\n\n

Der Antisemit als Tierfreund<\/h6>\n\n\n\n

Ich w\u00fcnschte, die Sache h\u00e4tte mit dem Artikel, mit der Petition geendet. Doch dann erschien ein Artikel, der den Leser auf einen Waldspaziergang mit einem veganen Koch und Antisemiten mitnahm. Darin setzt der Tierfreund erst behutsam einen K\u00e4fer wieder auf seine Beinchen und erkl\u00e4rt dann, dass die Todesstrafe in Deutschland wieder eingef\u00fchrt werden solle, um einen gewissen Politiker (der zuf\u00e4llig pro Israel ist) an seinen Hoden aufh\u00e4ngen zu k\u00f6nnen. Dieser Koch hat Hunderttausende Follower, er sagt all solche Dinge am helllichten Tag in Berlin. Und in den Medien.<\/p>\n\n\n\n

F\u00e4lle wie dieser handeln bereits von Gewalt \u2013 und sie enden nicht bei den Juden. Der Hass richtet sich gegen Frauen<\/a>, Muslime, Gefl\u00fcchtete, \u00adLBTQI. Am Ende aller theoretischen Debatten stehen immer echte Menschen. Am Ende jeder Konferenz dar\u00fcber, was Antisemitismus ausmacht, steht ein potenzielles j\u00fcdisches Opfer. Angesichts einer Welle von Antisemitismus \u00fcber die Definition von Antisemitismus zu streiten ist, wie eine 10 Meter hohe Welle heranrollen zu sehen und dar\u00fcber zu streiten, was einen Tsunami ausmacht.<\/p>\n\n\n\n

Felix Klein versteht, wie absurd es ist, zu sagen: Es sind nur die Rechten. Die Rechten sind Deutsche, so wie die Nazis Deutsche waren. Klein versteht, dass die Deutschen nicht aufgeh\u00f6rt haben, Juden zu ermorden, weil sie irgendeine Art von Erleuchtung hatten. Sondern schlicht, weil sie den Krieg verloren haben. Um den Antisemitismus zu bek\u00e4mpfen, bevor er die Gesellschaft frisst, in der er und wir leben, muss Deutschland seinen moralischen Kompass korrigieren.<\/p>\n\n\n\n

Immerhin: Mehr und mehr Deutsche fahren nach Israel, sie wollen ein anderes Narrativ h\u00f6ren. Mehr und mehr Deutsche verstehen, dass Antisemitismus Schockwellen ausl\u00f6st, die die gesamte Gesellschaft betreffen. In einem normalen Universum w\u00fcrde Klein bef\u00f6rdert werden f\u00fcr seine Leistung. In einer verdrehten Gesellschaft fordern Menschen seine Entlassung. Um es mit Mbembe zu sagen: Das ist Nano-Nonsens.<\/p>\n\n\n\n

\u00dcbersetzung: Ariane Lemme<\/a><\/em><\/p>\n","post_title":"Felix Klein hat verstanden","post_excerpt":"","post_status":"publish","comment_status":"closed","ping_status":"closed","post_password":"","post_name":"felix-klein-hat-verstanden","to_ping":"","pinged":"","post_modified":"2025-02-02 08:39:39","post_modified_gmt":"2025-02-02 08:39:39","post_content_filtered":"","post_parent":0,"guid":"https:\/\/dctransparency.com\/?p=3786","menu_order":0,"post_type":"post","post_mime_type":"","comment_count":"0","filter":"raw"}],"next":false,"prev":true,"total_page":47},"paged":1,"column_class":"jeg_col_2o3","class":"epic_block_3"};

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Nachdem er in einen nicht zu gewinnenden Krieg im Osten der Ukraine verwickelt war, schien Putins weitgehend erfolgreicher Feldzug in Syrien einen Teil seiner innenpolitischen Autorit\u00e4t wiederherzustellen. Der Westen hatte f\u00fcnf Jahre lang darauf bestanden, dass es keine milit\u00e4rische L\u00f6sung des Konflikts gebe und dass der syrische Pr\u00e4sident Baschar al-Assad gehen m\u00fcsse. Doch w\u00e4hrend die von den Vereinten Nationen unterst\u00fctzten Gespr\u00e4che in Genf zu keinem Ergebnis f\u00fchrten, schienen die von Russland geleiteten Gespr\u00e4che in Astana voranzukommen. Indem der Kreml die T\u00fcrkei und den Iran einbezog, w\u00e4hrend er die westlichen M\u00e4chte ausschloss, erweckte er den Eindruck, dass Russland als wiedergeborene Supermacht aus der Asche auferstanden sei.<\/p>\n\n\n\n

Unter Druck<\/h3>\n\n\n\n

Angesichts des wachsenden Widerstands im eigenen Land macht es Erdo\u011fan Putin gleich. Da der Westen nicht bereit war, (erneut) milit\u00e4risch in Libyen zu intervenieren, sah Erdo\u011fan eine Gelegenheit, die T\u00fcrkei zu positionieren. Nach dem Vorgehen Russlands in Syrien sicherte er sich eine formelle Einladung der libyschen Regierung zur Intervention. Mit einem Schlag Ende letzten Jahres hat er nicht nur das Image der T\u00fcrkei als Regionalmacht gest\u00e4rkt, sondern auch ein Abkommen mit Libyen \u00fcber die Seegrenze abgeschlossen und damit einen Plan Griechenlands, Zyperns, \u00c4gyptens und Israels zur Erschlie\u00dfung von Unterwasser\u00f6l- und -gasfeldern in der N\u00e4he zunichtegemacht.<\/p>\n\n\n\n

Erdo\u011fan scheint auch von der Spalt-und-Eroberungs-Strategie des Kreml in Europa inspiriert worden zu sein, der zufolge oft diejenigen EU-Mitgliedsstaaten unter Druck gesetzt werden, die am meisten von russischen Kohlenwasserstoffen oder M\u00e4rkten abh\u00e4ngig sind. So wie Putin lange Zeit die Energieversorgung instrumentalisiert hat, hat Erdo\u011fan versucht, den Strom von Migranten und Fl\u00fcchtlingen, die vor Konflikten im Nahen Osten fliehen, zu instrumentalisieren. Als die EU eine neue Marinemission ank\u00fcndigte, um den Waffenstrom nach Libyen zu blockieren, malte die T\u00fcrkei f\u00fcr Malta das Schreckgespenst der angeblichen Bedrohung durch Migranten an die Wand. Malta reagierte prompt und signalisierte, dass es gegen die Finanzierung der Mission ein Veto einlegen werde.<\/p>\n\n\n\n

Verlorener Sohn<\/strong><\/h3>\n\n\n\n

Jahrelang redeten sich die Europ\u00e4er ein, dass Russland eine Art verlorener Sohn sei und dass die europ\u00e4ische unipolare Ordnung gesund bleibe. Doch das machte Europa zu einem leichten Ziel f\u00fcr die Trennungs-und-Eroberungs-Strategie des Kreml. Erst vor relativ kurzer Zeit entwarf die Union eine neue Politik und ein robustes Sanktionsregime, um die russische Aggression abzuschrecken. Und selbst jetzt \u2013 trotz der besten Bem\u00fchungen der deutschen Bundeskanzlerin Angela Merkel und des franz\u00f6sischen Pr\u00e4sidenten Emmanuel Macron \u2013 hat die EU noch immer keine wirksamen Kommunikationskan\u00e4le mit Russland geschaffen, um gemeinsame Probleme anzugehen.<\/p>\n\n\n\n

Die T\u00fcrkei ist noch kein neues Russland, aber sie k\u00f6nnte dazu werden, wenn die Situation falsch gehandhabt wird. Vorerst betrachten die meisten Europ\u00e4er die T\u00fcrkei noch immer als einen komplizierten Partner und nicht als \"Systemrivalen\". Aber die Europ\u00e4er sollten die hart erk\u00e4mpften Lehren aus dem Umgang mit Russland in den letzten 15 Jahren beherzigen. Die Beziehungen zwischen der EU und der T\u00fcrkei brauchen neue, einvernehmlich vereinbarte Prinzipien sowie klare Grenzen, um eine weitere Destabilisierung in der Region zu verhindern.<\/p>\n\n\n\n

Zu diesem Zweck sollten die Europ\u00e4er klarstellen, dass der EU-Beitrittsprozess entweder zur\u00fcckgedreht oder vorangetrieben werden kann und dass eine eher transaktionale Beziehung sowohl Zuckerbrot als auch Peitsche beinhaltet. Die Herausforderung wird darin bestehen, daf\u00fcr zu sorgen, dass es in einer Region, die nicht nur von Europa und der T\u00fcrkei, sondern auch von Russland, den USA und einem aufstrebenden China beeinflusst wird, noch Raum f\u00fcr politisches Engagement in Fragen der gemeinsamen Sicherheit gibt. (Mark Leonard, \u00dcbersetzung: Eva G\u00f6llner, Copyright: Project Syndicate, 10.8.2020)<\/p>\n\n\n\n

Mark Leonard <\/strong>ist Direktor des Europ\u00e4ischen Rats f\u00fcr Ausw\u00e4rtige Beziehungen.<\/a><\/p>\n","post_title":"Erdo\u011fan \u2013 der andere Putin vor der Haust\u00fcr Europas","post_excerpt":"","post_status":"publish","comment_status":"closed","ping_status":"closed","post_password":"","post_name":"erdogan-der-andere-putin-vor-der-haustur-europas","to_ping":"","pinged":"","post_modified":"2025-02-02 08:39:39","post_modified_gmt":"2025-02-02 08:39:39","post_content_filtered":"","post_parent":0,"guid":"https:\/\/dctransparency.com\/?p=3789","menu_order":0,"post_type":"post","post_mime_type":"","comment_count":"0","filter":"raw"},{"ID":3786,"post_author":"7","post_date":"2020-08-14 13:51:23","post_date_gmt":"2020-08-14 13:51:23","post_content":"\n

Einen Monat nachdem ich zur israelischen Armee eingezogen worden war, brach die erste Intifada aus. Statt Soldat zu sein, machte ich Polizeiarbeit, sagte den Menschen, wann sie zur Arbeit gehen konnten und wann sie ihre L\u00e4den schlie\u00dfen mussten, wann sie die Grenze passieren und wann sie schlafen konnten. Einen Monat nachdem ich aus der Armee entlassen worden war, ging ich auf Reisen. (In Israel sagen wir: Wir dienen drei Jahre und versuchen den Rest unseres Lebens, diese drei Jahre zu vergessen.) Auf meiner Reise begann ich Briefe an meine Freundin zu schreiben, die ich in Israel zur\u00fcckgelassen hatte.<\/p>\n\n\n\n

Ich schrieb ihr, wie schrecklich depressiv ich war und dass diese drei Jahre des Anweisungenbellens und Anderen-Menschen-Sagens, was sie zu tun haben, mich f\u00fcr immer verfolgen w\u00fcrden. Dass sie ein Teil dessen geworden waren, was ich bin. Ich erinnere mich, dass ich ihr schrieb, dass wir da rausm\u00fcssen \u2013 nicht nur f\u00fcr die Pal\u00e4stinenser, sondern wegen der furchtbaren und brutalen Auswirkungen, die all das auf uns, auf die israelische Gesellschaft haben w\u00fcrde. Sie schrieb zur\u00fcck: \u201eDu hast recht. Ich habe einen neuen Freund.\u201c<\/p>\n\n\n\n

Felix Klein wurde als Beauftragter der Bundesregierung berufen<\/a>, um die Auswirkungen des zunehmenden Antisemitismus in unserer Gesellschaft, in Deutschland, zu bek\u00e4mpfen. Was nicht in seiner Jobbeschreibung steht, ist, dass er dabei unsere Gesellschaft heilen muss, jene Gesellschaft, die diese Form des Hasses reproduziert und sch\u00fctzt. Klein hat das begriffen.<\/p>\n\n\n\n

Er versteht, dass man Krebs nicht mit einem Pflaster verarztet, er wei\u00df, dass er das Bewusstsein der Deutschen sch\u00e4rfen und Diskussionen ansto\u00dfen muss. Er hat begriffen, dass das Problem nicht nur an den R\u00e4ndern der Gesellschaft (bei den Rechten) liegt, sondern auch in ihrer Mitte. Dort, wo gebildete Menschen nicht einmal bemerken, dass das, was sie sagen und tun, antisemitisch ist. So wie sie es auch nicht merken, wenn sie rassistisch handeln. Er hat all das verstanden, und genau deshalb wollen einige, dass er seinen Posten r\u00e4umt.<\/p>\n\n\n\n

Mehr als 60 deutsche und israelische Intellektuelle haben letzte Woche in einem Brief an Kanzlerin Merkel<\/a> dar\u00fcber geklagt, dass der aktuelle \u201eGebrauch des Antisemitismusbegriffs\u201c darauf abziele, \u201elegitime Kritik an der israelischen Regierungspolitik zu unterdr\u00fccken\u201c, und Klein vorgeworfen, rechtspopulistische israelische Stimmen zu f\u00f6rdern.<\/p>\n\n\n\n

Faszinierend an diesem offenen Brief ist, dass viele der Unterzeichneten keine Deutschen sind und auch nicht in Deutschland leben. Ich wei\u00df nicht, woher sie \u2013 die meisten von ihnen sind Israelis \u2013 die Chuzpe haben, sich in eine innerdeutsche Angelegenheit einzumischen und zu fordern, eine Person zu entlassen, die von der Bundesregierung eingesetzt wurde. Die H\u00e4lfte der Unterzeichneten lebt nicht hier, von der anderen H\u00e4lfte sind viele keine Juden \u2013 somit sind die allermeisten von ihnen nicht direkt vom Antisemitismus in Deutschland betroffen. Wie also k\u00f6nnen sie diesen Brief unterschreiben? Und warum eigentlich haben so wenige Deutsche unterschrieben? Dazu komme ich gleich.<\/p>\n\n\n\n

Debatte um Achille Mbembe<\/h6>\n\n\n\n

Hintergrund des Briefs war, dass Felix Klein gefordert hatte, den Philosophen Achille Mbembe<\/a> nicht die Er\u00f6ffnungsrede der Ruhrtriennale halten zu lassen. Als mit \u00f6ffentlichen Mitteln gef\u00f6rdertes Event solle die Ruhrtriennale Mbembe wegen seiner Haltung zu Israels Existenzrecht, seiner Haltung zu BDS und der Art, wie er in einem seiner Werke den Holocaust relativiert, nicht einladen.<\/p>\n\n\n\n

Mbembes Unterst\u00fctzer sagen, keine dieser Anschuldigungen sei wahr. F\u00fcrs Protokoll: In meinen Augen unterst\u00fctzt Mbembe sehr wohl BDS<\/a>, er schrieb unter anderem das Vorwort zu \u201eApartheid Israel\u201c und fordert die komplette Isolation Israels. Ich glaube auch, wenn Mbembe schreibt, die israelische Besetzung sei der \u201egr\u00f6\u00dfte moralische Skandal unserer Zeit\u201c, zeigt das, dass sein moralischer und geografischer Kompass etwas schief ist.<\/p>\n\n\n\n

Doch warum treibt die Debatte so viele Menschen um? Nun, zun\u00e4chst gibt niemand gern auf, was ihm oder ihr selbstverst\u00e4ndlich scheint. \u00dcber den gesamten politischen, sozialen, kulturellen, medialen und akademischen Sektor hinweg sind Menschen daran gew\u00f6hnt, so schlecht \u00fcber Israel sprechen zu k\u00f6nnen, wie auch immer sie wollen.<\/p>\n\n\n\n

Der Spiegel<\/em> hat \u2013 vielleicht in Anlehnung an seine Relotius-Standards, Israel erst k\u00fcrzlich eine Corona-Diktatur genannt. Fakten und Belege f\u00fcr diese Behauptung gab es nicht. Doch Millionen Deutsche haben es gelesen, und es wird nat\u00fcrlich haften bleiben. Faktenlage hin oder her. Der Spiegel<\/em> und andere Medien haben dieses Spiel perfektioniert: Titel so zu drehen, dass sie Israel indirekt anklagen, die Idee zu streuen, der Mossad kon\u00adtrol\u00adliere die deutsche Au\u00dfenpolitik im Nahen Osten, und so fort. Doch sie stehen allesamt sofort auf den Hinterbeinen, wenn jemand es wagt, das Spiel beim Namen zu nennen: moderner Antisemitismus.<\/p>\n\n\n\n

Klein will dem entgegenwirken. Er versteht, dass antisemitische Attacken in Deutschland die Fr\u00fcchte solch falsch gezeichneter Bilder und eindimensionaler Narrative \u00fcber Israel sind. Wenn er und andere versuchen, ein anderes Narrativ aufzuzeigen, wirft man ihnen Zensur vor: Wie k\u00f6nnen sie es wagen, das Gesch\u00e4ft der Anti-Israel-Propaganda zu st\u00f6ren?<\/p>\n\n\n\n

Liebe Deutsche, wenn ihr reden wollt, lasst uns gern reden: \u00fcber die Besetzung, \u00fcber Bibi und alles, was schiefl\u00e4uft. Aber dann lasst uns bitte auch dar\u00fcber reden, wie deutsche Steuergelder Terrortunnel finanzieren. Erst vergangene Woche r\u00e4umte die niederl\u00e4ndische Regierung ein, dass Gelder an eine Landwirtschaftsorganisation in Ramallah geflossen seien, die damit teilweise die Geh\u00e4lter zweier des Mordes an der 17-j\u00e4hrigen Israelin Rina Shnerb Verd\u00e4chtiger gezahlt haben. Auch die Bundesregierung unterst\u00fctzt diese Organisation, obwohl Kritiker schon lange vor Verbindungen zu Terroristen warnen.<\/p>\n\n\n\n

Wir k\u00f6nnen uns also gerne unterhalten \u2013 aber im Dialog, nicht in Monologen. Denn Reden unter Menschen, die sich einig sind, ist nichts anderes als Impotenz.<\/p>\n\n\n\n

Israelkritik als Eintrittskarte<\/h6>\n\n\n\n

Die Israelis, die die Petition unterzeichnet haben, haben \u00fcbrigens ebenfalls etwas verstanden. Seit Jahren wissen sie: Es ist ihre Eintrittskarte in die Mitte der deutschen (und europ\u00e4ischen) Gesellschaft. Man h\u00f6rt nicht oft von Akademikern mit proisraelischen Ansichten. Weder in den Philharmonie-Orchestern noch in der Kunstszene. Die Eintrittskarte daf\u00fcr ist ein antiisraelischer Standpunkt.<\/p>\n\n\n\n

Der mutma\u00dfliche Grund, warum kaum Deutsche die Petition unterzeichnet haben: Sie mussten es nicht. Ihre Lieblingsjuden haben es f\u00fcr sie getan. Jetzt k\u00f6nnen sie sagen: \u201eSchau, ich bin das ja nicht, meine j\u00fcdischen Freunde sagen es.\u201c Ich selbst war einige Jahre lang mit einem Paar hier in Berlin befreundet, bis ich herausfand, dass ich ihr Lieblingsjude war. Ja, selbst das j\u00fcdische Museum wurde so genutzt.<\/p>\n\n\n\n

Weil Attacken gegen Juden ein absolutes Tabu sind, wurden Umwege gefunden, um den Antisemitismus auf kleiner Flamme k\u00f6cheln zu lassen: die unfundierte, unbegr\u00fcndete Kritik an Israel.<\/p>\n\n\n\n

Diese Art der Kritik ist gef\u00e4hrlich. Sie schw\u00e4cht jede begr\u00fcndete und notwendige Kritik am Verhalten Israels. Und das Interessante ist: Trotz all der heftigen, pauschalisierenden Anklagen, all der offenen Briefe driftet Israel politisch immer weiter nach rechts. Doch statt mal einen anderen Ansatz zu versuchen, werden die antiisraelischen Stimmen nur lauter. Dasselbe versuchen und andere Ergebnisse davon erwarten \u2013 das ist die Definition von Wahnsinn.<\/p>\n\n\n\n

Kurz bevor der Prozess gegen den wegen des Attentats von Halle<\/a> Angeklagten begann \u2013 des seit Kriegsende schlimmsten Akts von Antisemitismus in Deutschland \u2013, lud eine Lokalzeitung den fr\u00fcheren Botschafter Shimon Stein und den Historiker Moshe Zimmermann ein, dar\u00fcber zu schreiben, was Antisemitismus ist. Nat\u00fcrlich wendeten auch sie sich gegen Felix Kleins Ansatz. Sie zitieren die Kontroverse um die Umbenennung der U-Bahn-Station Mohrenstra\u00dfe in Glinkastra\u00dfe, die sich darum drehte, dass der russische Komponist Michael Glinka Antisemit gewesen sein soll. Stein und Zimmermann halten die Debatte f\u00fcr \u00fcberzogen, Glinka sei nur ein Kind seiner Zeit gewesen. Folgt man ihrer Logik, k\u00f6nnen wir dann also in 20 oder 30 Jahren U-Bahn-Stationen nach den Kindern der 1930er Jahre benennen?<\/p>\n\n\n\n

Der Antisemit als Tierfreund<\/h6>\n\n\n\n

Ich w\u00fcnschte, die Sache h\u00e4tte mit dem Artikel, mit der Petition geendet. Doch dann erschien ein Artikel, der den Leser auf einen Waldspaziergang mit einem veganen Koch und Antisemiten mitnahm. Darin setzt der Tierfreund erst behutsam einen K\u00e4fer wieder auf seine Beinchen und erkl\u00e4rt dann, dass die Todesstrafe in Deutschland wieder eingef\u00fchrt werden solle, um einen gewissen Politiker (der zuf\u00e4llig pro Israel ist) an seinen Hoden aufh\u00e4ngen zu k\u00f6nnen. Dieser Koch hat Hunderttausende Follower, er sagt all solche Dinge am helllichten Tag in Berlin. Und in den Medien.<\/p>\n\n\n\n

F\u00e4lle wie dieser handeln bereits von Gewalt \u2013 und sie enden nicht bei den Juden. Der Hass richtet sich gegen Frauen<\/a>, Muslime, Gefl\u00fcchtete, \u00adLBTQI. Am Ende aller theoretischen Debatten stehen immer echte Menschen. Am Ende jeder Konferenz dar\u00fcber, was Antisemitismus ausmacht, steht ein potenzielles j\u00fcdisches Opfer. Angesichts einer Welle von Antisemitismus \u00fcber die Definition von Antisemitismus zu streiten ist, wie eine 10 Meter hohe Welle heranrollen zu sehen und dar\u00fcber zu streiten, was einen Tsunami ausmacht.<\/p>\n\n\n\n

Felix Klein versteht, wie absurd es ist, zu sagen: Es sind nur die Rechten. Die Rechten sind Deutsche, so wie die Nazis Deutsche waren. Klein versteht, dass die Deutschen nicht aufgeh\u00f6rt haben, Juden zu ermorden, weil sie irgendeine Art von Erleuchtung hatten. Sondern schlicht, weil sie den Krieg verloren haben. Um den Antisemitismus zu bek\u00e4mpfen, bevor er die Gesellschaft frisst, in der er und wir leben, muss Deutschland seinen moralischen Kompass korrigieren.<\/p>\n\n\n\n

Immerhin: Mehr und mehr Deutsche fahren nach Israel, sie wollen ein anderes Narrativ h\u00f6ren. Mehr und mehr Deutsche verstehen, dass Antisemitismus Schockwellen ausl\u00f6st, die die gesamte Gesellschaft betreffen. In einem normalen Universum w\u00fcrde Klein bef\u00f6rdert werden f\u00fcr seine Leistung. In einer verdrehten Gesellschaft fordern Menschen seine Entlassung. Um es mit Mbembe zu sagen: Das ist Nano-Nonsens.<\/p>\n\n\n\n

\u00dcbersetzung: Ariane Lemme<\/a><\/em><\/p>\n","post_title":"Felix Klein hat verstanden","post_excerpt":"","post_status":"publish","comment_status":"closed","ping_status":"closed","post_password":"","post_name":"felix-klein-hat-verstanden","to_ping":"","pinged":"","post_modified":"2025-02-02 08:39:39","post_modified_gmt":"2025-02-02 08:39:39","post_content_filtered":"","post_parent":0,"guid":"https:\/\/dctransparency.com\/?p=3786","menu_order":0,"post_type":"post","post_mime_type":"","comment_count":"0","filter":"raw"}],"next":false,"prev":true,"total_page":47},"paged":1,"column_class":"jeg_col_2o3","class":"epic_block_3"};

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Nat\u00fcrlich sind die Beziehungen zwischen der T\u00fcrkei und Russland nicht weniger kompliziert, nicht zuletzt weil Erdo\u011fan und der russische Pr\u00e4sident Wladimir Putin im syrischen B\u00fcrgerkrieg verschiedene Seiten unterst\u00fctzten.Und w\u00e4hrend die Spannungen wegen des Syrien-Konflikts weiterhin bestehen, bewundert Erdo\u011fan deutlich, wie Russland sich \u2013 bei relativ geringen Kosten \u2013 wieder als wichtiger Akteur im Nahen Osten und in Nordafrika etabliert hat.<\/p>\n\n\n\n

Nachdem er in einen nicht zu gewinnenden Krieg im Osten der Ukraine verwickelt war, schien Putins weitgehend erfolgreicher Feldzug in Syrien einen Teil seiner innenpolitischen Autorit\u00e4t wiederherzustellen. Der Westen hatte f\u00fcnf Jahre lang darauf bestanden, dass es keine milit\u00e4rische L\u00f6sung des Konflikts gebe und dass der syrische Pr\u00e4sident Baschar al-Assad gehen m\u00fcsse. Doch w\u00e4hrend die von den Vereinten Nationen unterst\u00fctzten Gespr\u00e4che in Genf zu keinem Ergebnis f\u00fchrten, schienen die von Russland geleiteten Gespr\u00e4che in Astana voranzukommen. Indem der Kreml die T\u00fcrkei und den Iran einbezog, w\u00e4hrend er die westlichen M\u00e4chte ausschloss, erweckte er den Eindruck, dass Russland als wiedergeborene Supermacht aus der Asche auferstanden sei.<\/p>\n\n\n\n

Unter Druck<\/h3>\n\n\n\n

Angesichts des wachsenden Widerstands im eigenen Land macht es Erdo\u011fan Putin gleich. Da der Westen nicht bereit war, (erneut) milit\u00e4risch in Libyen zu intervenieren, sah Erdo\u011fan eine Gelegenheit, die T\u00fcrkei zu positionieren. Nach dem Vorgehen Russlands in Syrien sicherte er sich eine formelle Einladung der libyschen Regierung zur Intervention. Mit einem Schlag Ende letzten Jahres hat er nicht nur das Image der T\u00fcrkei als Regionalmacht gest\u00e4rkt, sondern auch ein Abkommen mit Libyen \u00fcber die Seegrenze abgeschlossen und damit einen Plan Griechenlands, Zyperns, \u00c4gyptens und Israels zur Erschlie\u00dfung von Unterwasser\u00f6l- und -gasfeldern in der N\u00e4he zunichtegemacht.<\/p>\n\n\n\n

Erdo\u011fan scheint auch von der Spalt-und-Eroberungs-Strategie des Kreml in Europa inspiriert worden zu sein, der zufolge oft diejenigen EU-Mitgliedsstaaten unter Druck gesetzt werden, die am meisten von russischen Kohlenwasserstoffen oder M\u00e4rkten abh\u00e4ngig sind. So wie Putin lange Zeit die Energieversorgung instrumentalisiert hat, hat Erdo\u011fan versucht, den Strom von Migranten und Fl\u00fcchtlingen, die vor Konflikten im Nahen Osten fliehen, zu instrumentalisieren. Als die EU eine neue Marinemission ank\u00fcndigte, um den Waffenstrom nach Libyen zu blockieren, malte die T\u00fcrkei f\u00fcr Malta das Schreckgespenst der angeblichen Bedrohung durch Migranten an die Wand. Malta reagierte prompt und signalisierte, dass es gegen die Finanzierung der Mission ein Veto einlegen werde.<\/p>\n\n\n\n

Verlorener Sohn<\/strong><\/h3>\n\n\n\n

Jahrelang redeten sich die Europ\u00e4er ein, dass Russland eine Art verlorener Sohn sei und dass die europ\u00e4ische unipolare Ordnung gesund bleibe. Doch das machte Europa zu einem leichten Ziel f\u00fcr die Trennungs-und-Eroberungs-Strategie des Kreml. Erst vor relativ kurzer Zeit entwarf die Union eine neue Politik und ein robustes Sanktionsregime, um die russische Aggression abzuschrecken. Und selbst jetzt \u2013 trotz der besten Bem\u00fchungen der deutschen Bundeskanzlerin Angela Merkel und des franz\u00f6sischen Pr\u00e4sidenten Emmanuel Macron \u2013 hat die EU noch immer keine wirksamen Kommunikationskan\u00e4le mit Russland geschaffen, um gemeinsame Probleme anzugehen.<\/p>\n\n\n\n

Die T\u00fcrkei ist noch kein neues Russland, aber sie k\u00f6nnte dazu werden, wenn die Situation falsch gehandhabt wird. Vorerst betrachten die meisten Europ\u00e4er die T\u00fcrkei noch immer als einen komplizierten Partner und nicht als \"Systemrivalen\". Aber die Europ\u00e4er sollten die hart erk\u00e4mpften Lehren aus dem Umgang mit Russland in den letzten 15 Jahren beherzigen. Die Beziehungen zwischen der EU und der T\u00fcrkei brauchen neue, einvernehmlich vereinbarte Prinzipien sowie klare Grenzen, um eine weitere Destabilisierung in der Region zu verhindern.<\/p>\n\n\n\n

Zu diesem Zweck sollten die Europ\u00e4er klarstellen, dass der EU-Beitrittsprozess entweder zur\u00fcckgedreht oder vorangetrieben werden kann und dass eine eher transaktionale Beziehung sowohl Zuckerbrot als auch Peitsche beinhaltet. Die Herausforderung wird darin bestehen, daf\u00fcr zu sorgen, dass es in einer Region, die nicht nur von Europa und der T\u00fcrkei, sondern auch von Russland, den USA und einem aufstrebenden China beeinflusst wird, noch Raum f\u00fcr politisches Engagement in Fragen der gemeinsamen Sicherheit gibt. (Mark Leonard, \u00dcbersetzung: Eva G\u00f6llner, Copyright: Project Syndicate, 10.8.2020)<\/p>\n\n\n\n

Mark Leonard <\/strong>ist Direktor des Europ\u00e4ischen Rats f\u00fcr Ausw\u00e4rtige Beziehungen.<\/a><\/p>\n","post_title":"Erdo\u011fan \u2013 der andere Putin vor der Haust\u00fcr Europas","post_excerpt":"","post_status":"publish","comment_status":"closed","ping_status":"closed","post_password":"","post_name":"erdogan-der-andere-putin-vor-der-haustur-europas","to_ping":"","pinged":"","post_modified":"2025-02-02 08:39:39","post_modified_gmt":"2025-02-02 08:39:39","post_content_filtered":"","post_parent":0,"guid":"https:\/\/dctransparency.com\/?p=3789","menu_order":0,"post_type":"post","post_mime_type":"","comment_count":"0","filter":"raw"},{"ID":3786,"post_author":"7","post_date":"2020-08-14 13:51:23","post_date_gmt":"2020-08-14 13:51:23","post_content":"\n

Einen Monat nachdem ich zur israelischen Armee eingezogen worden war, brach die erste Intifada aus. Statt Soldat zu sein, machte ich Polizeiarbeit, sagte den Menschen, wann sie zur Arbeit gehen konnten und wann sie ihre L\u00e4den schlie\u00dfen mussten, wann sie die Grenze passieren und wann sie schlafen konnten. Einen Monat nachdem ich aus der Armee entlassen worden war, ging ich auf Reisen. (In Israel sagen wir: Wir dienen drei Jahre und versuchen den Rest unseres Lebens, diese drei Jahre zu vergessen.) Auf meiner Reise begann ich Briefe an meine Freundin zu schreiben, die ich in Israel zur\u00fcckgelassen hatte.<\/p>\n\n\n\n

Ich schrieb ihr, wie schrecklich depressiv ich war und dass diese drei Jahre des Anweisungenbellens und Anderen-Menschen-Sagens, was sie zu tun haben, mich f\u00fcr immer verfolgen w\u00fcrden. Dass sie ein Teil dessen geworden waren, was ich bin. Ich erinnere mich, dass ich ihr schrieb, dass wir da rausm\u00fcssen \u2013 nicht nur f\u00fcr die Pal\u00e4stinenser, sondern wegen der furchtbaren und brutalen Auswirkungen, die all das auf uns, auf die israelische Gesellschaft haben w\u00fcrde. Sie schrieb zur\u00fcck: \u201eDu hast recht. Ich habe einen neuen Freund.\u201c<\/p>\n\n\n\n

Felix Klein wurde als Beauftragter der Bundesregierung berufen<\/a>, um die Auswirkungen des zunehmenden Antisemitismus in unserer Gesellschaft, in Deutschland, zu bek\u00e4mpfen. Was nicht in seiner Jobbeschreibung steht, ist, dass er dabei unsere Gesellschaft heilen muss, jene Gesellschaft, die diese Form des Hasses reproduziert und sch\u00fctzt. Klein hat das begriffen.<\/p>\n\n\n\n

Er versteht, dass man Krebs nicht mit einem Pflaster verarztet, er wei\u00df, dass er das Bewusstsein der Deutschen sch\u00e4rfen und Diskussionen ansto\u00dfen muss. Er hat begriffen, dass das Problem nicht nur an den R\u00e4ndern der Gesellschaft (bei den Rechten) liegt, sondern auch in ihrer Mitte. Dort, wo gebildete Menschen nicht einmal bemerken, dass das, was sie sagen und tun, antisemitisch ist. So wie sie es auch nicht merken, wenn sie rassistisch handeln. Er hat all das verstanden, und genau deshalb wollen einige, dass er seinen Posten r\u00e4umt.<\/p>\n\n\n\n

Mehr als 60 deutsche und israelische Intellektuelle haben letzte Woche in einem Brief an Kanzlerin Merkel<\/a> dar\u00fcber geklagt, dass der aktuelle \u201eGebrauch des Antisemitismusbegriffs\u201c darauf abziele, \u201elegitime Kritik an der israelischen Regierungspolitik zu unterdr\u00fccken\u201c, und Klein vorgeworfen, rechtspopulistische israelische Stimmen zu f\u00f6rdern.<\/p>\n\n\n\n

Faszinierend an diesem offenen Brief ist, dass viele der Unterzeichneten keine Deutschen sind und auch nicht in Deutschland leben. Ich wei\u00df nicht, woher sie \u2013 die meisten von ihnen sind Israelis \u2013 die Chuzpe haben, sich in eine innerdeutsche Angelegenheit einzumischen und zu fordern, eine Person zu entlassen, die von der Bundesregierung eingesetzt wurde. Die H\u00e4lfte der Unterzeichneten lebt nicht hier, von der anderen H\u00e4lfte sind viele keine Juden \u2013 somit sind die allermeisten von ihnen nicht direkt vom Antisemitismus in Deutschland betroffen. Wie also k\u00f6nnen sie diesen Brief unterschreiben? Und warum eigentlich haben so wenige Deutsche unterschrieben? Dazu komme ich gleich.<\/p>\n\n\n\n

Debatte um Achille Mbembe<\/h6>\n\n\n\n

Hintergrund des Briefs war, dass Felix Klein gefordert hatte, den Philosophen Achille Mbembe<\/a> nicht die Er\u00f6ffnungsrede der Ruhrtriennale halten zu lassen. Als mit \u00f6ffentlichen Mitteln gef\u00f6rdertes Event solle die Ruhrtriennale Mbembe wegen seiner Haltung zu Israels Existenzrecht, seiner Haltung zu BDS und der Art, wie er in einem seiner Werke den Holocaust relativiert, nicht einladen.<\/p>\n\n\n\n

Mbembes Unterst\u00fctzer sagen, keine dieser Anschuldigungen sei wahr. F\u00fcrs Protokoll: In meinen Augen unterst\u00fctzt Mbembe sehr wohl BDS<\/a>, er schrieb unter anderem das Vorwort zu \u201eApartheid Israel\u201c und fordert die komplette Isolation Israels. Ich glaube auch, wenn Mbembe schreibt, die israelische Besetzung sei der \u201egr\u00f6\u00dfte moralische Skandal unserer Zeit\u201c, zeigt das, dass sein moralischer und geografischer Kompass etwas schief ist.<\/p>\n\n\n\n

Doch warum treibt die Debatte so viele Menschen um? Nun, zun\u00e4chst gibt niemand gern auf, was ihm oder ihr selbstverst\u00e4ndlich scheint. \u00dcber den gesamten politischen, sozialen, kulturellen, medialen und akademischen Sektor hinweg sind Menschen daran gew\u00f6hnt, so schlecht \u00fcber Israel sprechen zu k\u00f6nnen, wie auch immer sie wollen.<\/p>\n\n\n\n

Der Spiegel<\/em> hat \u2013 vielleicht in Anlehnung an seine Relotius-Standards, Israel erst k\u00fcrzlich eine Corona-Diktatur genannt. Fakten und Belege f\u00fcr diese Behauptung gab es nicht. Doch Millionen Deutsche haben es gelesen, und es wird nat\u00fcrlich haften bleiben. Faktenlage hin oder her. Der Spiegel<\/em> und andere Medien haben dieses Spiel perfektioniert: Titel so zu drehen, dass sie Israel indirekt anklagen, die Idee zu streuen, der Mossad kon\u00adtrol\u00adliere die deutsche Au\u00dfenpolitik im Nahen Osten, und so fort. Doch sie stehen allesamt sofort auf den Hinterbeinen, wenn jemand es wagt, das Spiel beim Namen zu nennen: moderner Antisemitismus.<\/p>\n\n\n\n

Klein will dem entgegenwirken. Er versteht, dass antisemitische Attacken in Deutschland die Fr\u00fcchte solch falsch gezeichneter Bilder und eindimensionaler Narrative \u00fcber Israel sind. Wenn er und andere versuchen, ein anderes Narrativ aufzuzeigen, wirft man ihnen Zensur vor: Wie k\u00f6nnen sie es wagen, das Gesch\u00e4ft der Anti-Israel-Propaganda zu st\u00f6ren?<\/p>\n\n\n\n

Liebe Deutsche, wenn ihr reden wollt, lasst uns gern reden: \u00fcber die Besetzung, \u00fcber Bibi und alles, was schiefl\u00e4uft. Aber dann lasst uns bitte auch dar\u00fcber reden, wie deutsche Steuergelder Terrortunnel finanzieren. Erst vergangene Woche r\u00e4umte die niederl\u00e4ndische Regierung ein, dass Gelder an eine Landwirtschaftsorganisation in Ramallah geflossen seien, die damit teilweise die Geh\u00e4lter zweier des Mordes an der 17-j\u00e4hrigen Israelin Rina Shnerb Verd\u00e4chtiger gezahlt haben. Auch die Bundesregierung unterst\u00fctzt diese Organisation, obwohl Kritiker schon lange vor Verbindungen zu Terroristen warnen.<\/p>\n\n\n\n

Wir k\u00f6nnen uns also gerne unterhalten \u2013 aber im Dialog, nicht in Monologen. Denn Reden unter Menschen, die sich einig sind, ist nichts anderes als Impotenz.<\/p>\n\n\n\n

Israelkritik als Eintrittskarte<\/h6>\n\n\n\n

Die Israelis, die die Petition unterzeichnet haben, haben \u00fcbrigens ebenfalls etwas verstanden. Seit Jahren wissen sie: Es ist ihre Eintrittskarte in die Mitte der deutschen (und europ\u00e4ischen) Gesellschaft. Man h\u00f6rt nicht oft von Akademikern mit proisraelischen Ansichten. Weder in den Philharmonie-Orchestern noch in der Kunstszene. Die Eintrittskarte daf\u00fcr ist ein antiisraelischer Standpunkt.<\/p>\n\n\n\n

Der mutma\u00dfliche Grund, warum kaum Deutsche die Petition unterzeichnet haben: Sie mussten es nicht. Ihre Lieblingsjuden haben es f\u00fcr sie getan. Jetzt k\u00f6nnen sie sagen: \u201eSchau, ich bin das ja nicht, meine j\u00fcdischen Freunde sagen es.\u201c Ich selbst war einige Jahre lang mit einem Paar hier in Berlin befreundet, bis ich herausfand, dass ich ihr Lieblingsjude war. Ja, selbst das j\u00fcdische Museum wurde so genutzt.<\/p>\n\n\n\n

Weil Attacken gegen Juden ein absolutes Tabu sind, wurden Umwege gefunden, um den Antisemitismus auf kleiner Flamme k\u00f6cheln zu lassen: die unfundierte, unbegr\u00fcndete Kritik an Israel.<\/p>\n\n\n\n

Diese Art der Kritik ist gef\u00e4hrlich. Sie schw\u00e4cht jede begr\u00fcndete und notwendige Kritik am Verhalten Israels. Und das Interessante ist: Trotz all der heftigen, pauschalisierenden Anklagen, all der offenen Briefe driftet Israel politisch immer weiter nach rechts. Doch statt mal einen anderen Ansatz zu versuchen, werden die antiisraelischen Stimmen nur lauter. Dasselbe versuchen und andere Ergebnisse davon erwarten \u2013 das ist die Definition von Wahnsinn.<\/p>\n\n\n\n

Kurz bevor der Prozess gegen den wegen des Attentats von Halle<\/a> Angeklagten begann \u2013 des seit Kriegsende schlimmsten Akts von Antisemitismus in Deutschland \u2013, lud eine Lokalzeitung den fr\u00fcheren Botschafter Shimon Stein und den Historiker Moshe Zimmermann ein, dar\u00fcber zu schreiben, was Antisemitismus ist. Nat\u00fcrlich wendeten auch sie sich gegen Felix Kleins Ansatz. Sie zitieren die Kontroverse um die Umbenennung der U-Bahn-Station Mohrenstra\u00dfe in Glinkastra\u00dfe, die sich darum drehte, dass der russische Komponist Michael Glinka Antisemit gewesen sein soll. Stein und Zimmermann halten die Debatte f\u00fcr \u00fcberzogen, Glinka sei nur ein Kind seiner Zeit gewesen. Folgt man ihrer Logik, k\u00f6nnen wir dann also in 20 oder 30 Jahren U-Bahn-Stationen nach den Kindern der 1930er Jahre benennen?<\/p>\n\n\n\n

Der Antisemit als Tierfreund<\/h6>\n\n\n\n

Ich w\u00fcnschte, die Sache h\u00e4tte mit dem Artikel, mit der Petition geendet. Doch dann erschien ein Artikel, der den Leser auf einen Waldspaziergang mit einem veganen Koch und Antisemiten mitnahm. Darin setzt der Tierfreund erst behutsam einen K\u00e4fer wieder auf seine Beinchen und erkl\u00e4rt dann, dass die Todesstrafe in Deutschland wieder eingef\u00fchrt werden solle, um einen gewissen Politiker (der zuf\u00e4llig pro Israel ist) an seinen Hoden aufh\u00e4ngen zu k\u00f6nnen. Dieser Koch hat Hunderttausende Follower, er sagt all solche Dinge am helllichten Tag in Berlin. Und in den Medien.<\/p>\n\n\n\n

F\u00e4lle wie dieser handeln bereits von Gewalt \u2013 und sie enden nicht bei den Juden. Der Hass richtet sich gegen Frauen<\/a>, Muslime, Gefl\u00fcchtete, \u00adLBTQI. Am Ende aller theoretischen Debatten stehen immer echte Menschen. Am Ende jeder Konferenz dar\u00fcber, was Antisemitismus ausmacht, steht ein potenzielles j\u00fcdisches Opfer. Angesichts einer Welle von Antisemitismus \u00fcber die Definition von Antisemitismus zu streiten ist, wie eine 10 Meter hohe Welle heranrollen zu sehen und dar\u00fcber zu streiten, was einen Tsunami ausmacht.<\/p>\n\n\n\n

Felix Klein versteht, wie absurd es ist, zu sagen: Es sind nur die Rechten. Die Rechten sind Deutsche, so wie die Nazis Deutsche waren. Klein versteht, dass die Deutschen nicht aufgeh\u00f6rt haben, Juden zu ermorden, weil sie irgendeine Art von Erleuchtung hatten. Sondern schlicht, weil sie den Krieg verloren haben. Um den Antisemitismus zu bek\u00e4mpfen, bevor er die Gesellschaft frisst, in der er und wir leben, muss Deutschland seinen moralischen Kompass korrigieren.<\/p>\n\n\n\n

Immerhin: Mehr und mehr Deutsche fahren nach Israel, sie wollen ein anderes Narrativ h\u00f6ren. Mehr und mehr Deutsche verstehen, dass Antisemitismus Schockwellen ausl\u00f6st, die die gesamte Gesellschaft betreffen. In einem normalen Universum w\u00fcrde Klein bef\u00f6rdert werden f\u00fcr seine Leistung. In einer verdrehten Gesellschaft fordern Menschen seine Entlassung. Um es mit Mbembe zu sagen: Das ist Nano-Nonsens.<\/p>\n\n\n\n

\u00dcbersetzung: Ariane Lemme<\/a><\/em><\/p>\n","post_title":"Felix Klein hat verstanden","post_excerpt":"","post_status":"publish","comment_status":"closed","ping_status":"closed","post_password":"","post_name":"felix-klein-hat-verstanden","to_ping":"","pinged":"","post_modified":"2025-02-02 08:39:39","post_modified_gmt":"2025-02-02 08:39:39","post_content_filtered":"","post_parent":0,"guid":"https:\/\/dctransparency.com\/?p=3786","menu_order":0,"post_type":"post","post_mime_type":"","comment_count":"0","filter":"raw"}],"next":false,"prev":true,"total_page":47},"paged":1,"column_class":"jeg_col_2o3","class":"epic_block_3"};

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Wichtiger Akteur<\/strong><\/h3>\n\n\n\n

Nat\u00fcrlich sind die Beziehungen zwischen der T\u00fcrkei und Russland nicht weniger kompliziert, nicht zuletzt weil Erdo\u011fan und der russische Pr\u00e4sident Wladimir Putin im syrischen B\u00fcrgerkrieg verschiedene Seiten unterst\u00fctzten.Und w\u00e4hrend die Spannungen wegen des Syrien-Konflikts weiterhin bestehen, bewundert Erdo\u011fan deutlich, wie Russland sich \u2013 bei relativ geringen Kosten \u2013 wieder als wichtiger Akteur im Nahen Osten und in Nordafrika etabliert hat.<\/p>\n\n\n\n

Nachdem er in einen nicht zu gewinnenden Krieg im Osten der Ukraine verwickelt war, schien Putins weitgehend erfolgreicher Feldzug in Syrien einen Teil seiner innenpolitischen Autorit\u00e4t wiederherzustellen. Der Westen hatte f\u00fcnf Jahre lang darauf bestanden, dass es keine milit\u00e4rische L\u00f6sung des Konflikts gebe und dass der syrische Pr\u00e4sident Baschar al-Assad gehen m\u00fcsse. Doch w\u00e4hrend die von den Vereinten Nationen unterst\u00fctzten Gespr\u00e4che in Genf zu keinem Ergebnis f\u00fchrten, schienen die von Russland geleiteten Gespr\u00e4che in Astana voranzukommen. Indem der Kreml die T\u00fcrkei und den Iran einbezog, w\u00e4hrend er die westlichen M\u00e4chte ausschloss, erweckte er den Eindruck, dass Russland als wiedergeborene Supermacht aus der Asche auferstanden sei.<\/p>\n\n\n\n

Unter Druck<\/h3>\n\n\n\n

Angesichts des wachsenden Widerstands im eigenen Land macht es Erdo\u011fan Putin gleich. Da der Westen nicht bereit war, (erneut) milit\u00e4risch in Libyen zu intervenieren, sah Erdo\u011fan eine Gelegenheit, die T\u00fcrkei zu positionieren. Nach dem Vorgehen Russlands in Syrien sicherte er sich eine formelle Einladung der libyschen Regierung zur Intervention. Mit einem Schlag Ende letzten Jahres hat er nicht nur das Image der T\u00fcrkei als Regionalmacht gest\u00e4rkt, sondern auch ein Abkommen mit Libyen \u00fcber die Seegrenze abgeschlossen und damit einen Plan Griechenlands, Zyperns, \u00c4gyptens und Israels zur Erschlie\u00dfung von Unterwasser\u00f6l- und -gasfeldern in der N\u00e4he zunichtegemacht.<\/p>\n\n\n\n

Erdo\u011fan scheint auch von der Spalt-und-Eroberungs-Strategie des Kreml in Europa inspiriert worden zu sein, der zufolge oft diejenigen EU-Mitgliedsstaaten unter Druck gesetzt werden, die am meisten von russischen Kohlenwasserstoffen oder M\u00e4rkten abh\u00e4ngig sind. So wie Putin lange Zeit die Energieversorgung instrumentalisiert hat, hat Erdo\u011fan versucht, den Strom von Migranten und Fl\u00fcchtlingen, die vor Konflikten im Nahen Osten fliehen, zu instrumentalisieren. Als die EU eine neue Marinemission ank\u00fcndigte, um den Waffenstrom nach Libyen zu blockieren, malte die T\u00fcrkei f\u00fcr Malta das Schreckgespenst der angeblichen Bedrohung durch Migranten an die Wand. Malta reagierte prompt und signalisierte, dass es gegen die Finanzierung der Mission ein Veto einlegen werde.<\/p>\n\n\n\n

Verlorener Sohn<\/strong><\/h3>\n\n\n\n

Jahrelang redeten sich die Europ\u00e4er ein, dass Russland eine Art verlorener Sohn sei und dass die europ\u00e4ische unipolare Ordnung gesund bleibe. Doch das machte Europa zu einem leichten Ziel f\u00fcr die Trennungs-und-Eroberungs-Strategie des Kreml. Erst vor relativ kurzer Zeit entwarf die Union eine neue Politik und ein robustes Sanktionsregime, um die russische Aggression abzuschrecken. Und selbst jetzt \u2013 trotz der besten Bem\u00fchungen der deutschen Bundeskanzlerin Angela Merkel und des franz\u00f6sischen Pr\u00e4sidenten Emmanuel Macron \u2013 hat die EU noch immer keine wirksamen Kommunikationskan\u00e4le mit Russland geschaffen, um gemeinsame Probleme anzugehen.<\/p>\n\n\n\n

Die T\u00fcrkei ist noch kein neues Russland, aber sie k\u00f6nnte dazu werden, wenn die Situation falsch gehandhabt wird. Vorerst betrachten die meisten Europ\u00e4er die T\u00fcrkei noch immer als einen komplizierten Partner und nicht als \"Systemrivalen\". Aber die Europ\u00e4er sollten die hart erk\u00e4mpften Lehren aus dem Umgang mit Russland in den letzten 15 Jahren beherzigen. Die Beziehungen zwischen der EU und der T\u00fcrkei brauchen neue, einvernehmlich vereinbarte Prinzipien sowie klare Grenzen, um eine weitere Destabilisierung in der Region zu verhindern.<\/p>\n\n\n\n

Zu diesem Zweck sollten die Europ\u00e4er klarstellen, dass der EU-Beitrittsprozess entweder zur\u00fcckgedreht oder vorangetrieben werden kann und dass eine eher transaktionale Beziehung sowohl Zuckerbrot als auch Peitsche beinhaltet. Die Herausforderung wird darin bestehen, daf\u00fcr zu sorgen, dass es in einer Region, die nicht nur von Europa und der T\u00fcrkei, sondern auch von Russland, den USA und einem aufstrebenden China beeinflusst wird, noch Raum f\u00fcr politisches Engagement in Fragen der gemeinsamen Sicherheit gibt. (Mark Leonard, \u00dcbersetzung: Eva G\u00f6llner, Copyright: Project Syndicate, 10.8.2020)<\/p>\n\n\n\n

Mark Leonard <\/strong>ist Direktor des Europ\u00e4ischen Rats f\u00fcr Ausw\u00e4rtige Beziehungen.<\/a><\/p>\n","post_title":"Erdo\u011fan \u2013 der andere Putin vor der Haust\u00fcr Europas","post_excerpt":"","post_status":"publish","comment_status":"closed","ping_status":"closed","post_password":"","post_name":"erdogan-der-andere-putin-vor-der-haustur-europas","to_ping":"","pinged":"","post_modified":"2025-02-02 08:39:39","post_modified_gmt":"2025-02-02 08:39:39","post_content_filtered":"","post_parent":0,"guid":"https:\/\/dctransparency.com\/?p=3789","menu_order":0,"post_type":"post","post_mime_type":"","comment_count":"0","filter":"raw"},{"ID":3786,"post_author":"7","post_date":"2020-08-14 13:51:23","post_date_gmt":"2020-08-14 13:51:23","post_content":"\n

Einen Monat nachdem ich zur israelischen Armee eingezogen worden war, brach die erste Intifada aus. Statt Soldat zu sein, machte ich Polizeiarbeit, sagte den Menschen, wann sie zur Arbeit gehen konnten und wann sie ihre L\u00e4den schlie\u00dfen mussten, wann sie die Grenze passieren und wann sie schlafen konnten. Einen Monat nachdem ich aus der Armee entlassen worden war, ging ich auf Reisen. (In Israel sagen wir: Wir dienen drei Jahre und versuchen den Rest unseres Lebens, diese drei Jahre zu vergessen.) Auf meiner Reise begann ich Briefe an meine Freundin zu schreiben, die ich in Israel zur\u00fcckgelassen hatte.<\/p>\n\n\n\n

Ich schrieb ihr, wie schrecklich depressiv ich war und dass diese drei Jahre des Anweisungenbellens und Anderen-Menschen-Sagens, was sie zu tun haben, mich f\u00fcr immer verfolgen w\u00fcrden. Dass sie ein Teil dessen geworden waren, was ich bin. Ich erinnere mich, dass ich ihr schrieb, dass wir da rausm\u00fcssen \u2013 nicht nur f\u00fcr die Pal\u00e4stinenser, sondern wegen der furchtbaren und brutalen Auswirkungen, die all das auf uns, auf die israelische Gesellschaft haben w\u00fcrde. Sie schrieb zur\u00fcck: \u201eDu hast recht. Ich habe einen neuen Freund.\u201c<\/p>\n\n\n\n

Felix Klein wurde als Beauftragter der Bundesregierung berufen<\/a>, um die Auswirkungen des zunehmenden Antisemitismus in unserer Gesellschaft, in Deutschland, zu bek\u00e4mpfen. Was nicht in seiner Jobbeschreibung steht, ist, dass er dabei unsere Gesellschaft heilen muss, jene Gesellschaft, die diese Form des Hasses reproduziert und sch\u00fctzt. Klein hat das begriffen.<\/p>\n\n\n\n

Er versteht, dass man Krebs nicht mit einem Pflaster verarztet, er wei\u00df, dass er das Bewusstsein der Deutschen sch\u00e4rfen und Diskussionen ansto\u00dfen muss. Er hat begriffen, dass das Problem nicht nur an den R\u00e4ndern der Gesellschaft (bei den Rechten) liegt, sondern auch in ihrer Mitte. Dort, wo gebildete Menschen nicht einmal bemerken, dass das, was sie sagen und tun, antisemitisch ist. So wie sie es auch nicht merken, wenn sie rassistisch handeln. Er hat all das verstanden, und genau deshalb wollen einige, dass er seinen Posten r\u00e4umt.<\/p>\n\n\n\n

Mehr als 60 deutsche und israelische Intellektuelle haben letzte Woche in einem Brief an Kanzlerin Merkel<\/a> dar\u00fcber geklagt, dass der aktuelle \u201eGebrauch des Antisemitismusbegriffs\u201c darauf abziele, \u201elegitime Kritik an der israelischen Regierungspolitik zu unterdr\u00fccken\u201c, und Klein vorgeworfen, rechtspopulistische israelische Stimmen zu f\u00f6rdern.<\/p>\n\n\n\n

Faszinierend an diesem offenen Brief ist, dass viele der Unterzeichneten keine Deutschen sind und auch nicht in Deutschland leben. Ich wei\u00df nicht, woher sie \u2013 die meisten von ihnen sind Israelis \u2013 die Chuzpe haben, sich in eine innerdeutsche Angelegenheit einzumischen und zu fordern, eine Person zu entlassen, die von der Bundesregierung eingesetzt wurde. Die H\u00e4lfte der Unterzeichneten lebt nicht hier, von der anderen H\u00e4lfte sind viele keine Juden \u2013 somit sind die allermeisten von ihnen nicht direkt vom Antisemitismus in Deutschland betroffen. Wie also k\u00f6nnen sie diesen Brief unterschreiben? Und warum eigentlich haben so wenige Deutsche unterschrieben? Dazu komme ich gleich.<\/p>\n\n\n\n

Debatte um Achille Mbembe<\/h6>\n\n\n\n

Hintergrund des Briefs war, dass Felix Klein gefordert hatte, den Philosophen Achille Mbembe<\/a> nicht die Er\u00f6ffnungsrede der Ruhrtriennale halten zu lassen. Als mit \u00f6ffentlichen Mitteln gef\u00f6rdertes Event solle die Ruhrtriennale Mbembe wegen seiner Haltung zu Israels Existenzrecht, seiner Haltung zu BDS und der Art, wie er in einem seiner Werke den Holocaust relativiert, nicht einladen.<\/p>\n\n\n\n

Mbembes Unterst\u00fctzer sagen, keine dieser Anschuldigungen sei wahr. F\u00fcrs Protokoll: In meinen Augen unterst\u00fctzt Mbembe sehr wohl BDS<\/a>, er schrieb unter anderem das Vorwort zu \u201eApartheid Israel\u201c und fordert die komplette Isolation Israels. Ich glaube auch, wenn Mbembe schreibt, die israelische Besetzung sei der \u201egr\u00f6\u00dfte moralische Skandal unserer Zeit\u201c, zeigt das, dass sein moralischer und geografischer Kompass etwas schief ist.<\/p>\n\n\n\n

Doch warum treibt die Debatte so viele Menschen um? Nun, zun\u00e4chst gibt niemand gern auf, was ihm oder ihr selbstverst\u00e4ndlich scheint. \u00dcber den gesamten politischen, sozialen, kulturellen, medialen und akademischen Sektor hinweg sind Menschen daran gew\u00f6hnt, so schlecht \u00fcber Israel sprechen zu k\u00f6nnen, wie auch immer sie wollen.<\/p>\n\n\n\n

Der Spiegel<\/em> hat \u2013 vielleicht in Anlehnung an seine Relotius-Standards, Israel erst k\u00fcrzlich eine Corona-Diktatur genannt. Fakten und Belege f\u00fcr diese Behauptung gab es nicht. Doch Millionen Deutsche haben es gelesen, und es wird nat\u00fcrlich haften bleiben. Faktenlage hin oder her. Der Spiegel<\/em> und andere Medien haben dieses Spiel perfektioniert: Titel so zu drehen, dass sie Israel indirekt anklagen, die Idee zu streuen, der Mossad kon\u00adtrol\u00adliere die deutsche Au\u00dfenpolitik im Nahen Osten, und so fort. Doch sie stehen allesamt sofort auf den Hinterbeinen, wenn jemand es wagt, das Spiel beim Namen zu nennen: moderner Antisemitismus.<\/p>\n\n\n\n

Klein will dem entgegenwirken. Er versteht, dass antisemitische Attacken in Deutschland die Fr\u00fcchte solch falsch gezeichneter Bilder und eindimensionaler Narrative \u00fcber Israel sind. Wenn er und andere versuchen, ein anderes Narrativ aufzuzeigen, wirft man ihnen Zensur vor: Wie k\u00f6nnen sie es wagen, das Gesch\u00e4ft der Anti-Israel-Propaganda zu st\u00f6ren?<\/p>\n\n\n\n

Liebe Deutsche, wenn ihr reden wollt, lasst uns gern reden: \u00fcber die Besetzung, \u00fcber Bibi und alles, was schiefl\u00e4uft. Aber dann lasst uns bitte auch dar\u00fcber reden, wie deutsche Steuergelder Terrortunnel finanzieren. Erst vergangene Woche r\u00e4umte die niederl\u00e4ndische Regierung ein, dass Gelder an eine Landwirtschaftsorganisation in Ramallah geflossen seien, die damit teilweise die Geh\u00e4lter zweier des Mordes an der 17-j\u00e4hrigen Israelin Rina Shnerb Verd\u00e4chtiger gezahlt haben. Auch die Bundesregierung unterst\u00fctzt diese Organisation, obwohl Kritiker schon lange vor Verbindungen zu Terroristen warnen.<\/p>\n\n\n\n

Wir k\u00f6nnen uns also gerne unterhalten \u2013 aber im Dialog, nicht in Monologen. Denn Reden unter Menschen, die sich einig sind, ist nichts anderes als Impotenz.<\/p>\n\n\n\n

Israelkritik als Eintrittskarte<\/h6>\n\n\n\n

Die Israelis, die die Petition unterzeichnet haben, haben \u00fcbrigens ebenfalls etwas verstanden. Seit Jahren wissen sie: Es ist ihre Eintrittskarte in die Mitte der deutschen (und europ\u00e4ischen) Gesellschaft. Man h\u00f6rt nicht oft von Akademikern mit proisraelischen Ansichten. Weder in den Philharmonie-Orchestern noch in der Kunstszene. Die Eintrittskarte daf\u00fcr ist ein antiisraelischer Standpunkt.<\/p>\n\n\n\n

Der mutma\u00dfliche Grund, warum kaum Deutsche die Petition unterzeichnet haben: Sie mussten es nicht. Ihre Lieblingsjuden haben es f\u00fcr sie getan. Jetzt k\u00f6nnen sie sagen: \u201eSchau, ich bin das ja nicht, meine j\u00fcdischen Freunde sagen es.\u201c Ich selbst war einige Jahre lang mit einem Paar hier in Berlin befreundet, bis ich herausfand, dass ich ihr Lieblingsjude war. Ja, selbst das j\u00fcdische Museum wurde so genutzt.<\/p>\n\n\n\n

Weil Attacken gegen Juden ein absolutes Tabu sind, wurden Umwege gefunden, um den Antisemitismus auf kleiner Flamme k\u00f6cheln zu lassen: die unfundierte, unbegr\u00fcndete Kritik an Israel.<\/p>\n\n\n\n

Diese Art der Kritik ist gef\u00e4hrlich. Sie schw\u00e4cht jede begr\u00fcndete und notwendige Kritik am Verhalten Israels. Und das Interessante ist: Trotz all der heftigen, pauschalisierenden Anklagen, all der offenen Briefe driftet Israel politisch immer weiter nach rechts. Doch statt mal einen anderen Ansatz zu versuchen, werden die antiisraelischen Stimmen nur lauter. Dasselbe versuchen und andere Ergebnisse davon erwarten \u2013 das ist die Definition von Wahnsinn.<\/p>\n\n\n\n

Kurz bevor der Prozess gegen den wegen des Attentats von Halle<\/a> Angeklagten begann \u2013 des seit Kriegsende schlimmsten Akts von Antisemitismus in Deutschland \u2013, lud eine Lokalzeitung den fr\u00fcheren Botschafter Shimon Stein und den Historiker Moshe Zimmermann ein, dar\u00fcber zu schreiben, was Antisemitismus ist. Nat\u00fcrlich wendeten auch sie sich gegen Felix Kleins Ansatz. Sie zitieren die Kontroverse um die Umbenennung der U-Bahn-Station Mohrenstra\u00dfe in Glinkastra\u00dfe, die sich darum drehte, dass der russische Komponist Michael Glinka Antisemit gewesen sein soll. Stein und Zimmermann halten die Debatte f\u00fcr \u00fcberzogen, Glinka sei nur ein Kind seiner Zeit gewesen. Folgt man ihrer Logik, k\u00f6nnen wir dann also in 20 oder 30 Jahren U-Bahn-Stationen nach den Kindern der 1930er Jahre benennen?<\/p>\n\n\n\n

Der Antisemit als Tierfreund<\/h6>\n\n\n\n

Ich w\u00fcnschte, die Sache h\u00e4tte mit dem Artikel, mit der Petition geendet. Doch dann erschien ein Artikel, der den Leser auf einen Waldspaziergang mit einem veganen Koch und Antisemiten mitnahm. Darin setzt der Tierfreund erst behutsam einen K\u00e4fer wieder auf seine Beinchen und erkl\u00e4rt dann, dass die Todesstrafe in Deutschland wieder eingef\u00fchrt werden solle, um einen gewissen Politiker (der zuf\u00e4llig pro Israel ist) an seinen Hoden aufh\u00e4ngen zu k\u00f6nnen. Dieser Koch hat Hunderttausende Follower, er sagt all solche Dinge am helllichten Tag in Berlin. Und in den Medien.<\/p>\n\n\n\n

F\u00e4lle wie dieser handeln bereits von Gewalt \u2013 und sie enden nicht bei den Juden. Der Hass richtet sich gegen Frauen<\/a>, Muslime, Gefl\u00fcchtete, \u00adLBTQI. Am Ende aller theoretischen Debatten stehen immer echte Menschen. Am Ende jeder Konferenz dar\u00fcber, was Antisemitismus ausmacht, steht ein potenzielles j\u00fcdisches Opfer. Angesichts einer Welle von Antisemitismus \u00fcber die Definition von Antisemitismus zu streiten ist, wie eine 10 Meter hohe Welle heranrollen zu sehen und dar\u00fcber zu streiten, was einen Tsunami ausmacht.<\/p>\n\n\n\n

Felix Klein versteht, wie absurd es ist, zu sagen: Es sind nur die Rechten. Die Rechten sind Deutsche, so wie die Nazis Deutsche waren. Klein versteht, dass die Deutschen nicht aufgeh\u00f6rt haben, Juden zu ermorden, weil sie irgendeine Art von Erleuchtung hatten. Sondern schlicht, weil sie den Krieg verloren haben. Um den Antisemitismus zu bek\u00e4mpfen, bevor er die Gesellschaft frisst, in der er und wir leben, muss Deutschland seinen moralischen Kompass korrigieren.<\/p>\n\n\n\n

Immerhin: Mehr und mehr Deutsche fahren nach Israel, sie wollen ein anderes Narrativ h\u00f6ren. Mehr und mehr Deutsche verstehen, dass Antisemitismus Schockwellen ausl\u00f6st, die die gesamte Gesellschaft betreffen. In einem normalen Universum w\u00fcrde Klein bef\u00f6rdert werden f\u00fcr seine Leistung. In einer verdrehten Gesellschaft fordern Menschen seine Entlassung. Um es mit Mbembe zu sagen: Das ist Nano-Nonsens.<\/p>\n\n\n\n

\u00dcbersetzung: Ariane Lemme<\/a><\/em><\/p>\n","post_title":"Felix Klein hat verstanden","post_excerpt":"","post_status":"publish","comment_status":"closed","ping_status":"closed","post_password":"","post_name":"felix-klein-hat-verstanden","to_ping":"","pinged":"","post_modified":"2025-02-02 08:39:39","post_modified_gmt":"2025-02-02 08:39:39","post_content_filtered":"","post_parent":0,"guid":"https:\/\/dctransparency.com\/?p=3786","menu_order":0,"post_type":"post","post_mime_type":"","comment_count":"0","filter":"raw"}],"next":false,"prev":true,"total_page":47},"paged":1,"column_class":"jeg_col_2o3","class":"epic_block_3"};

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Die zunehmende Verschlechterung der Beziehungen zwischen der EU und Russland ist gut dokumentiert, der Fall der T\u00fcrkei weniger. Der Irakkrieg im Jahr 2003 komplizierte das Verh\u00e4ltnis der T\u00fcrkei zur Nato, und ihr Verh\u00e4ltnis zur EU verschlechterte sich 2007, als Frankreich einen wichtigen Teil ihrer EU-Beitrittsverhandlungen blockierte. Seitdem hat die T\u00fcrkei ihren eigenen Weg in Syrien, auf dem Balkan und in Libyen eingeschlagen und neue Beziehungen zu Russland und China aufgebaut.<\/p>\n\n\n\n

Wichtiger Akteur<\/strong><\/h3>\n\n\n\n

Nat\u00fcrlich sind die Beziehungen zwischen der T\u00fcrkei und Russland nicht weniger kompliziert, nicht zuletzt weil Erdo\u011fan und der russische Pr\u00e4sident Wladimir Putin im syrischen B\u00fcrgerkrieg verschiedene Seiten unterst\u00fctzten.Und w\u00e4hrend die Spannungen wegen des Syrien-Konflikts weiterhin bestehen, bewundert Erdo\u011fan deutlich, wie Russland sich \u2013 bei relativ geringen Kosten \u2013 wieder als wichtiger Akteur im Nahen Osten und in Nordafrika etabliert hat.<\/p>\n\n\n\n

Nachdem er in einen nicht zu gewinnenden Krieg im Osten der Ukraine verwickelt war, schien Putins weitgehend erfolgreicher Feldzug in Syrien einen Teil seiner innenpolitischen Autorit\u00e4t wiederherzustellen. Der Westen hatte f\u00fcnf Jahre lang darauf bestanden, dass es keine milit\u00e4rische L\u00f6sung des Konflikts gebe und dass der syrische Pr\u00e4sident Baschar al-Assad gehen m\u00fcsse. Doch w\u00e4hrend die von den Vereinten Nationen unterst\u00fctzten Gespr\u00e4che in Genf zu keinem Ergebnis f\u00fchrten, schienen die von Russland geleiteten Gespr\u00e4che in Astana voranzukommen. Indem der Kreml die T\u00fcrkei und den Iran einbezog, w\u00e4hrend er die westlichen M\u00e4chte ausschloss, erweckte er den Eindruck, dass Russland als wiedergeborene Supermacht aus der Asche auferstanden sei.<\/p>\n\n\n\n

Unter Druck<\/h3>\n\n\n\n

Angesichts des wachsenden Widerstands im eigenen Land macht es Erdo\u011fan Putin gleich. Da der Westen nicht bereit war, (erneut) milit\u00e4risch in Libyen zu intervenieren, sah Erdo\u011fan eine Gelegenheit, die T\u00fcrkei zu positionieren. Nach dem Vorgehen Russlands in Syrien sicherte er sich eine formelle Einladung der libyschen Regierung zur Intervention. Mit einem Schlag Ende letzten Jahres hat er nicht nur das Image der T\u00fcrkei als Regionalmacht gest\u00e4rkt, sondern auch ein Abkommen mit Libyen \u00fcber die Seegrenze abgeschlossen und damit einen Plan Griechenlands, Zyperns, \u00c4gyptens und Israels zur Erschlie\u00dfung von Unterwasser\u00f6l- und -gasfeldern in der N\u00e4he zunichtegemacht.<\/p>\n\n\n\n

Erdo\u011fan scheint auch von der Spalt-und-Eroberungs-Strategie des Kreml in Europa inspiriert worden zu sein, der zufolge oft diejenigen EU-Mitgliedsstaaten unter Druck gesetzt werden, die am meisten von russischen Kohlenwasserstoffen oder M\u00e4rkten abh\u00e4ngig sind. So wie Putin lange Zeit die Energieversorgung instrumentalisiert hat, hat Erdo\u011fan versucht, den Strom von Migranten und Fl\u00fcchtlingen, die vor Konflikten im Nahen Osten fliehen, zu instrumentalisieren. Als die EU eine neue Marinemission ank\u00fcndigte, um den Waffenstrom nach Libyen zu blockieren, malte die T\u00fcrkei f\u00fcr Malta das Schreckgespenst der angeblichen Bedrohung durch Migranten an die Wand. Malta reagierte prompt und signalisierte, dass es gegen die Finanzierung der Mission ein Veto einlegen werde.<\/p>\n\n\n\n

Verlorener Sohn<\/strong><\/h3>\n\n\n\n

Jahrelang redeten sich die Europ\u00e4er ein, dass Russland eine Art verlorener Sohn sei und dass die europ\u00e4ische unipolare Ordnung gesund bleibe. Doch das machte Europa zu einem leichten Ziel f\u00fcr die Trennungs-und-Eroberungs-Strategie des Kreml. Erst vor relativ kurzer Zeit entwarf die Union eine neue Politik und ein robustes Sanktionsregime, um die russische Aggression abzuschrecken. Und selbst jetzt \u2013 trotz der besten Bem\u00fchungen der deutschen Bundeskanzlerin Angela Merkel und des franz\u00f6sischen Pr\u00e4sidenten Emmanuel Macron \u2013 hat die EU noch immer keine wirksamen Kommunikationskan\u00e4le mit Russland geschaffen, um gemeinsame Probleme anzugehen.<\/p>\n\n\n\n

Die T\u00fcrkei ist noch kein neues Russland, aber sie k\u00f6nnte dazu werden, wenn die Situation falsch gehandhabt wird. Vorerst betrachten die meisten Europ\u00e4er die T\u00fcrkei noch immer als einen komplizierten Partner und nicht als \"Systemrivalen\". Aber die Europ\u00e4er sollten die hart erk\u00e4mpften Lehren aus dem Umgang mit Russland in den letzten 15 Jahren beherzigen. Die Beziehungen zwischen der EU und der T\u00fcrkei brauchen neue, einvernehmlich vereinbarte Prinzipien sowie klare Grenzen, um eine weitere Destabilisierung in der Region zu verhindern.<\/p>\n\n\n\n

Zu diesem Zweck sollten die Europ\u00e4er klarstellen, dass der EU-Beitrittsprozess entweder zur\u00fcckgedreht oder vorangetrieben werden kann und dass eine eher transaktionale Beziehung sowohl Zuckerbrot als auch Peitsche beinhaltet. Die Herausforderung wird darin bestehen, daf\u00fcr zu sorgen, dass es in einer Region, die nicht nur von Europa und der T\u00fcrkei, sondern auch von Russland, den USA und einem aufstrebenden China beeinflusst wird, noch Raum f\u00fcr politisches Engagement in Fragen der gemeinsamen Sicherheit gibt. (Mark Leonard, \u00dcbersetzung: Eva G\u00f6llner, Copyright: Project Syndicate, 10.8.2020)<\/p>\n\n\n\n

Mark Leonard <\/strong>ist Direktor des Europ\u00e4ischen Rats f\u00fcr Ausw\u00e4rtige Beziehungen.<\/a><\/p>\n","post_title":"Erdo\u011fan \u2013 der andere Putin vor der Haust\u00fcr Europas","post_excerpt":"","post_status":"publish","comment_status":"closed","ping_status":"closed","post_password":"","post_name":"erdogan-der-andere-putin-vor-der-haustur-europas","to_ping":"","pinged":"","post_modified":"2025-02-02 08:39:39","post_modified_gmt":"2025-02-02 08:39:39","post_content_filtered":"","post_parent":0,"guid":"https:\/\/dctransparency.com\/?p=3789","menu_order":0,"post_type":"post","post_mime_type":"","comment_count":"0","filter":"raw"},{"ID":3786,"post_author":"7","post_date":"2020-08-14 13:51:23","post_date_gmt":"2020-08-14 13:51:23","post_content":"\n

Einen Monat nachdem ich zur israelischen Armee eingezogen worden war, brach die erste Intifada aus. Statt Soldat zu sein, machte ich Polizeiarbeit, sagte den Menschen, wann sie zur Arbeit gehen konnten und wann sie ihre L\u00e4den schlie\u00dfen mussten, wann sie die Grenze passieren und wann sie schlafen konnten. Einen Monat nachdem ich aus der Armee entlassen worden war, ging ich auf Reisen. (In Israel sagen wir: Wir dienen drei Jahre und versuchen den Rest unseres Lebens, diese drei Jahre zu vergessen.) Auf meiner Reise begann ich Briefe an meine Freundin zu schreiben, die ich in Israel zur\u00fcckgelassen hatte.<\/p>\n\n\n\n

Ich schrieb ihr, wie schrecklich depressiv ich war und dass diese drei Jahre des Anweisungenbellens und Anderen-Menschen-Sagens, was sie zu tun haben, mich f\u00fcr immer verfolgen w\u00fcrden. Dass sie ein Teil dessen geworden waren, was ich bin. Ich erinnere mich, dass ich ihr schrieb, dass wir da rausm\u00fcssen \u2013 nicht nur f\u00fcr die Pal\u00e4stinenser, sondern wegen der furchtbaren und brutalen Auswirkungen, die all das auf uns, auf die israelische Gesellschaft haben w\u00fcrde. Sie schrieb zur\u00fcck: \u201eDu hast recht. Ich habe einen neuen Freund.\u201c<\/p>\n\n\n\n

Felix Klein wurde als Beauftragter der Bundesregierung berufen<\/a>, um die Auswirkungen des zunehmenden Antisemitismus in unserer Gesellschaft, in Deutschland, zu bek\u00e4mpfen. Was nicht in seiner Jobbeschreibung steht, ist, dass er dabei unsere Gesellschaft heilen muss, jene Gesellschaft, die diese Form des Hasses reproduziert und sch\u00fctzt. Klein hat das begriffen.<\/p>\n\n\n\n

Er versteht, dass man Krebs nicht mit einem Pflaster verarztet, er wei\u00df, dass er das Bewusstsein der Deutschen sch\u00e4rfen und Diskussionen ansto\u00dfen muss. Er hat begriffen, dass das Problem nicht nur an den R\u00e4ndern der Gesellschaft (bei den Rechten) liegt, sondern auch in ihrer Mitte. Dort, wo gebildete Menschen nicht einmal bemerken, dass das, was sie sagen und tun, antisemitisch ist. So wie sie es auch nicht merken, wenn sie rassistisch handeln. Er hat all das verstanden, und genau deshalb wollen einige, dass er seinen Posten r\u00e4umt.<\/p>\n\n\n\n

Mehr als 60 deutsche und israelische Intellektuelle haben letzte Woche in einem Brief an Kanzlerin Merkel<\/a> dar\u00fcber geklagt, dass der aktuelle \u201eGebrauch des Antisemitismusbegriffs\u201c darauf abziele, \u201elegitime Kritik an der israelischen Regierungspolitik zu unterdr\u00fccken\u201c, und Klein vorgeworfen, rechtspopulistische israelische Stimmen zu f\u00f6rdern.<\/p>\n\n\n\n

Faszinierend an diesem offenen Brief ist, dass viele der Unterzeichneten keine Deutschen sind und auch nicht in Deutschland leben. Ich wei\u00df nicht, woher sie \u2013 die meisten von ihnen sind Israelis \u2013 die Chuzpe haben, sich in eine innerdeutsche Angelegenheit einzumischen und zu fordern, eine Person zu entlassen, die von der Bundesregierung eingesetzt wurde. Die H\u00e4lfte der Unterzeichneten lebt nicht hier, von der anderen H\u00e4lfte sind viele keine Juden \u2013 somit sind die allermeisten von ihnen nicht direkt vom Antisemitismus in Deutschland betroffen. Wie also k\u00f6nnen sie diesen Brief unterschreiben? Und warum eigentlich haben so wenige Deutsche unterschrieben? Dazu komme ich gleich.<\/p>\n\n\n\n

Debatte um Achille Mbembe<\/h6>\n\n\n\n

Hintergrund des Briefs war, dass Felix Klein gefordert hatte, den Philosophen Achille Mbembe<\/a> nicht die Er\u00f6ffnungsrede der Ruhrtriennale halten zu lassen. Als mit \u00f6ffentlichen Mitteln gef\u00f6rdertes Event solle die Ruhrtriennale Mbembe wegen seiner Haltung zu Israels Existenzrecht, seiner Haltung zu BDS und der Art, wie er in einem seiner Werke den Holocaust relativiert, nicht einladen.<\/p>\n\n\n\n

Mbembes Unterst\u00fctzer sagen, keine dieser Anschuldigungen sei wahr. F\u00fcrs Protokoll: In meinen Augen unterst\u00fctzt Mbembe sehr wohl BDS<\/a>, er schrieb unter anderem das Vorwort zu \u201eApartheid Israel\u201c und fordert die komplette Isolation Israels. Ich glaube auch, wenn Mbembe schreibt, die israelische Besetzung sei der \u201egr\u00f6\u00dfte moralische Skandal unserer Zeit\u201c, zeigt das, dass sein moralischer und geografischer Kompass etwas schief ist.<\/p>\n\n\n\n

Doch warum treibt die Debatte so viele Menschen um? Nun, zun\u00e4chst gibt niemand gern auf, was ihm oder ihr selbstverst\u00e4ndlich scheint. \u00dcber den gesamten politischen, sozialen, kulturellen, medialen und akademischen Sektor hinweg sind Menschen daran gew\u00f6hnt, so schlecht \u00fcber Israel sprechen zu k\u00f6nnen, wie auch immer sie wollen.<\/p>\n\n\n\n

Der Spiegel<\/em> hat \u2013 vielleicht in Anlehnung an seine Relotius-Standards, Israel erst k\u00fcrzlich eine Corona-Diktatur genannt. Fakten und Belege f\u00fcr diese Behauptung gab es nicht. Doch Millionen Deutsche haben es gelesen, und es wird nat\u00fcrlich haften bleiben. Faktenlage hin oder her. Der Spiegel<\/em> und andere Medien haben dieses Spiel perfektioniert: Titel so zu drehen, dass sie Israel indirekt anklagen, die Idee zu streuen, der Mossad kon\u00adtrol\u00adliere die deutsche Au\u00dfenpolitik im Nahen Osten, und so fort. Doch sie stehen allesamt sofort auf den Hinterbeinen, wenn jemand es wagt, das Spiel beim Namen zu nennen: moderner Antisemitismus.<\/p>\n\n\n\n

Klein will dem entgegenwirken. Er versteht, dass antisemitische Attacken in Deutschland die Fr\u00fcchte solch falsch gezeichneter Bilder und eindimensionaler Narrative \u00fcber Israel sind. Wenn er und andere versuchen, ein anderes Narrativ aufzuzeigen, wirft man ihnen Zensur vor: Wie k\u00f6nnen sie es wagen, das Gesch\u00e4ft der Anti-Israel-Propaganda zu st\u00f6ren?<\/p>\n\n\n\n

Liebe Deutsche, wenn ihr reden wollt, lasst uns gern reden: \u00fcber die Besetzung, \u00fcber Bibi und alles, was schiefl\u00e4uft. Aber dann lasst uns bitte auch dar\u00fcber reden, wie deutsche Steuergelder Terrortunnel finanzieren. Erst vergangene Woche r\u00e4umte die niederl\u00e4ndische Regierung ein, dass Gelder an eine Landwirtschaftsorganisation in Ramallah geflossen seien, die damit teilweise die Geh\u00e4lter zweier des Mordes an der 17-j\u00e4hrigen Israelin Rina Shnerb Verd\u00e4chtiger gezahlt haben. Auch die Bundesregierung unterst\u00fctzt diese Organisation, obwohl Kritiker schon lange vor Verbindungen zu Terroristen warnen.<\/p>\n\n\n\n

Wir k\u00f6nnen uns also gerne unterhalten \u2013 aber im Dialog, nicht in Monologen. Denn Reden unter Menschen, die sich einig sind, ist nichts anderes als Impotenz.<\/p>\n\n\n\n

Israelkritik als Eintrittskarte<\/h6>\n\n\n\n

Die Israelis, die die Petition unterzeichnet haben, haben \u00fcbrigens ebenfalls etwas verstanden. Seit Jahren wissen sie: Es ist ihre Eintrittskarte in die Mitte der deutschen (und europ\u00e4ischen) Gesellschaft. Man h\u00f6rt nicht oft von Akademikern mit proisraelischen Ansichten. Weder in den Philharmonie-Orchestern noch in der Kunstszene. Die Eintrittskarte daf\u00fcr ist ein antiisraelischer Standpunkt.<\/p>\n\n\n\n

Der mutma\u00dfliche Grund, warum kaum Deutsche die Petition unterzeichnet haben: Sie mussten es nicht. Ihre Lieblingsjuden haben es f\u00fcr sie getan. Jetzt k\u00f6nnen sie sagen: \u201eSchau, ich bin das ja nicht, meine j\u00fcdischen Freunde sagen es.\u201c Ich selbst war einige Jahre lang mit einem Paar hier in Berlin befreundet, bis ich herausfand, dass ich ihr Lieblingsjude war. Ja, selbst das j\u00fcdische Museum wurde so genutzt.<\/p>\n\n\n\n

Weil Attacken gegen Juden ein absolutes Tabu sind, wurden Umwege gefunden, um den Antisemitismus auf kleiner Flamme k\u00f6cheln zu lassen: die unfundierte, unbegr\u00fcndete Kritik an Israel.<\/p>\n\n\n\n

Diese Art der Kritik ist gef\u00e4hrlich. Sie schw\u00e4cht jede begr\u00fcndete und notwendige Kritik am Verhalten Israels. Und das Interessante ist: Trotz all der heftigen, pauschalisierenden Anklagen, all der offenen Briefe driftet Israel politisch immer weiter nach rechts. Doch statt mal einen anderen Ansatz zu versuchen, werden die antiisraelischen Stimmen nur lauter. Dasselbe versuchen und andere Ergebnisse davon erwarten \u2013 das ist die Definition von Wahnsinn.<\/p>\n\n\n\n

Kurz bevor der Prozess gegen den wegen des Attentats von Halle<\/a> Angeklagten begann \u2013 des seit Kriegsende schlimmsten Akts von Antisemitismus in Deutschland \u2013, lud eine Lokalzeitung den fr\u00fcheren Botschafter Shimon Stein und den Historiker Moshe Zimmermann ein, dar\u00fcber zu schreiben, was Antisemitismus ist. Nat\u00fcrlich wendeten auch sie sich gegen Felix Kleins Ansatz. Sie zitieren die Kontroverse um die Umbenennung der U-Bahn-Station Mohrenstra\u00dfe in Glinkastra\u00dfe, die sich darum drehte, dass der russische Komponist Michael Glinka Antisemit gewesen sein soll. Stein und Zimmermann halten die Debatte f\u00fcr \u00fcberzogen, Glinka sei nur ein Kind seiner Zeit gewesen. Folgt man ihrer Logik, k\u00f6nnen wir dann also in 20 oder 30 Jahren U-Bahn-Stationen nach den Kindern der 1930er Jahre benennen?<\/p>\n\n\n\n

Der Antisemit als Tierfreund<\/h6>\n\n\n\n

Ich w\u00fcnschte, die Sache h\u00e4tte mit dem Artikel, mit der Petition geendet. Doch dann erschien ein Artikel, der den Leser auf einen Waldspaziergang mit einem veganen Koch und Antisemiten mitnahm. Darin setzt der Tierfreund erst behutsam einen K\u00e4fer wieder auf seine Beinchen und erkl\u00e4rt dann, dass die Todesstrafe in Deutschland wieder eingef\u00fchrt werden solle, um einen gewissen Politiker (der zuf\u00e4llig pro Israel ist) an seinen Hoden aufh\u00e4ngen zu k\u00f6nnen. Dieser Koch hat Hunderttausende Follower, er sagt all solche Dinge am helllichten Tag in Berlin. Und in den Medien.<\/p>\n\n\n\n

F\u00e4lle wie dieser handeln bereits von Gewalt \u2013 und sie enden nicht bei den Juden. Der Hass richtet sich gegen Frauen<\/a>, Muslime, Gefl\u00fcchtete, \u00adLBTQI. Am Ende aller theoretischen Debatten stehen immer echte Menschen. Am Ende jeder Konferenz dar\u00fcber, was Antisemitismus ausmacht, steht ein potenzielles j\u00fcdisches Opfer. Angesichts einer Welle von Antisemitismus \u00fcber die Definition von Antisemitismus zu streiten ist, wie eine 10 Meter hohe Welle heranrollen zu sehen und dar\u00fcber zu streiten, was einen Tsunami ausmacht.<\/p>\n\n\n\n

Felix Klein versteht, wie absurd es ist, zu sagen: Es sind nur die Rechten. Die Rechten sind Deutsche, so wie die Nazis Deutsche waren. Klein versteht, dass die Deutschen nicht aufgeh\u00f6rt haben, Juden zu ermorden, weil sie irgendeine Art von Erleuchtung hatten. Sondern schlicht, weil sie den Krieg verloren haben. Um den Antisemitismus zu bek\u00e4mpfen, bevor er die Gesellschaft frisst, in der er und wir leben, muss Deutschland seinen moralischen Kompass korrigieren.<\/p>\n\n\n\n

Immerhin: Mehr und mehr Deutsche fahren nach Israel, sie wollen ein anderes Narrativ h\u00f6ren. Mehr und mehr Deutsche verstehen, dass Antisemitismus Schockwellen ausl\u00f6st, die die gesamte Gesellschaft betreffen. In einem normalen Universum w\u00fcrde Klein bef\u00f6rdert werden f\u00fcr seine Leistung. In einer verdrehten Gesellschaft fordern Menschen seine Entlassung. Um es mit Mbembe zu sagen: Das ist Nano-Nonsens.<\/p>\n\n\n\n

\u00dcbersetzung: Ariane Lemme<\/a><\/em><\/p>\n","post_title":"Felix Klein hat verstanden","post_excerpt":"","post_status":"publish","comment_status":"closed","ping_status":"closed","post_password":"","post_name":"felix-klein-hat-verstanden","to_ping":"","pinged":"","post_modified":"2025-02-02 08:39:39","post_modified_gmt":"2025-02-02 08:39:39","post_content_filtered":"","post_parent":0,"guid":"https:\/\/dctransparency.com\/?p=3786","menu_order":0,"post_type":"post","post_mime_type":"","comment_count":"0","filter":"raw"}],"next":false,"prev":true,"total_page":47},"paged":1,"column_class":"jeg_col_2o3","class":"epic_block_3"};

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Doch in den letzten 15 Jahren ist der Traum von der europ\u00e4ischen Unipolarit\u00e4t einer multipolaren Realit\u00e4t gewichen. Sowohl Russland als auch die T\u00fcrkei haben eine lange, qu\u00e4lende Hassliebe zu Europa, und beide sind unter nationalen Machthabern, denen die Verachtung der Normen und Werte der EU gemeinsam ist, durchsetzungsf\u00e4higer geworden.<\/p>\n\n\n\n

Die zunehmende Verschlechterung der Beziehungen zwischen der EU und Russland ist gut dokumentiert, der Fall der T\u00fcrkei weniger. Der Irakkrieg im Jahr 2003 komplizierte das Verh\u00e4ltnis der T\u00fcrkei zur Nato, und ihr Verh\u00e4ltnis zur EU verschlechterte sich 2007, als Frankreich einen wichtigen Teil ihrer EU-Beitrittsverhandlungen blockierte. Seitdem hat die T\u00fcrkei ihren eigenen Weg in Syrien, auf dem Balkan und in Libyen eingeschlagen und neue Beziehungen zu Russland und China aufgebaut.<\/p>\n\n\n\n

Wichtiger Akteur<\/strong><\/h3>\n\n\n\n

Nat\u00fcrlich sind die Beziehungen zwischen der T\u00fcrkei und Russland nicht weniger kompliziert, nicht zuletzt weil Erdo\u011fan und der russische Pr\u00e4sident Wladimir Putin im syrischen B\u00fcrgerkrieg verschiedene Seiten unterst\u00fctzten.Und w\u00e4hrend die Spannungen wegen des Syrien-Konflikts weiterhin bestehen, bewundert Erdo\u011fan deutlich, wie Russland sich \u2013 bei relativ geringen Kosten \u2013 wieder als wichtiger Akteur im Nahen Osten und in Nordafrika etabliert hat.<\/p>\n\n\n\n

Nachdem er in einen nicht zu gewinnenden Krieg im Osten der Ukraine verwickelt war, schien Putins weitgehend erfolgreicher Feldzug in Syrien einen Teil seiner innenpolitischen Autorit\u00e4t wiederherzustellen. Der Westen hatte f\u00fcnf Jahre lang darauf bestanden, dass es keine milit\u00e4rische L\u00f6sung des Konflikts gebe und dass der syrische Pr\u00e4sident Baschar al-Assad gehen m\u00fcsse. Doch w\u00e4hrend die von den Vereinten Nationen unterst\u00fctzten Gespr\u00e4che in Genf zu keinem Ergebnis f\u00fchrten, schienen die von Russland geleiteten Gespr\u00e4che in Astana voranzukommen. Indem der Kreml die T\u00fcrkei und den Iran einbezog, w\u00e4hrend er die westlichen M\u00e4chte ausschloss, erweckte er den Eindruck, dass Russland als wiedergeborene Supermacht aus der Asche auferstanden sei.<\/p>\n\n\n\n

Unter Druck<\/h3>\n\n\n\n

Angesichts des wachsenden Widerstands im eigenen Land macht es Erdo\u011fan Putin gleich. Da der Westen nicht bereit war, (erneut) milit\u00e4risch in Libyen zu intervenieren, sah Erdo\u011fan eine Gelegenheit, die T\u00fcrkei zu positionieren. Nach dem Vorgehen Russlands in Syrien sicherte er sich eine formelle Einladung der libyschen Regierung zur Intervention. Mit einem Schlag Ende letzten Jahres hat er nicht nur das Image der T\u00fcrkei als Regionalmacht gest\u00e4rkt, sondern auch ein Abkommen mit Libyen \u00fcber die Seegrenze abgeschlossen und damit einen Plan Griechenlands, Zyperns, \u00c4gyptens und Israels zur Erschlie\u00dfung von Unterwasser\u00f6l- und -gasfeldern in der N\u00e4he zunichtegemacht.<\/p>\n\n\n\n

Erdo\u011fan scheint auch von der Spalt-und-Eroberungs-Strategie des Kreml in Europa inspiriert worden zu sein, der zufolge oft diejenigen EU-Mitgliedsstaaten unter Druck gesetzt werden, die am meisten von russischen Kohlenwasserstoffen oder M\u00e4rkten abh\u00e4ngig sind. So wie Putin lange Zeit die Energieversorgung instrumentalisiert hat, hat Erdo\u011fan versucht, den Strom von Migranten und Fl\u00fcchtlingen, die vor Konflikten im Nahen Osten fliehen, zu instrumentalisieren. Als die EU eine neue Marinemission ank\u00fcndigte, um den Waffenstrom nach Libyen zu blockieren, malte die T\u00fcrkei f\u00fcr Malta das Schreckgespenst der angeblichen Bedrohung durch Migranten an die Wand. Malta reagierte prompt und signalisierte, dass es gegen die Finanzierung der Mission ein Veto einlegen werde.<\/p>\n\n\n\n

Verlorener Sohn<\/strong><\/h3>\n\n\n\n

Jahrelang redeten sich die Europ\u00e4er ein, dass Russland eine Art verlorener Sohn sei und dass die europ\u00e4ische unipolare Ordnung gesund bleibe. Doch das machte Europa zu einem leichten Ziel f\u00fcr die Trennungs-und-Eroberungs-Strategie des Kreml. Erst vor relativ kurzer Zeit entwarf die Union eine neue Politik und ein robustes Sanktionsregime, um die russische Aggression abzuschrecken. Und selbst jetzt \u2013 trotz der besten Bem\u00fchungen der deutschen Bundeskanzlerin Angela Merkel und des franz\u00f6sischen Pr\u00e4sidenten Emmanuel Macron \u2013 hat die EU noch immer keine wirksamen Kommunikationskan\u00e4le mit Russland geschaffen, um gemeinsame Probleme anzugehen.<\/p>\n\n\n\n

Die T\u00fcrkei ist noch kein neues Russland, aber sie k\u00f6nnte dazu werden, wenn die Situation falsch gehandhabt wird. Vorerst betrachten die meisten Europ\u00e4er die T\u00fcrkei noch immer als einen komplizierten Partner und nicht als \"Systemrivalen\". Aber die Europ\u00e4er sollten die hart erk\u00e4mpften Lehren aus dem Umgang mit Russland in den letzten 15 Jahren beherzigen. Die Beziehungen zwischen der EU und der T\u00fcrkei brauchen neue, einvernehmlich vereinbarte Prinzipien sowie klare Grenzen, um eine weitere Destabilisierung in der Region zu verhindern.<\/p>\n\n\n\n

Zu diesem Zweck sollten die Europ\u00e4er klarstellen, dass der EU-Beitrittsprozess entweder zur\u00fcckgedreht oder vorangetrieben werden kann und dass eine eher transaktionale Beziehung sowohl Zuckerbrot als auch Peitsche beinhaltet. Die Herausforderung wird darin bestehen, daf\u00fcr zu sorgen, dass es in einer Region, die nicht nur von Europa und der T\u00fcrkei, sondern auch von Russland, den USA und einem aufstrebenden China beeinflusst wird, noch Raum f\u00fcr politisches Engagement in Fragen der gemeinsamen Sicherheit gibt. (Mark Leonard, \u00dcbersetzung: Eva G\u00f6llner, Copyright: Project Syndicate, 10.8.2020)<\/p>\n\n\n\n

Mark Leonard <\/strong>ist Direktor des Europ\u00e4ischen Rats f\u00fcr Ausw\u00e4rtige Beziehungen.<\/a><\/p>\n","post_title":"Erdo\u011fan \u2013 der andere Putin vor der Haust\u00fcr Europas","post_excerpt":"","post_status":"publish","comment_status":"closed","ping_status":"closed","post_password":"","post_name":"erdogan-der-andere-putin-vor-der-haustur-europas","to_ping":"","pinged":"","post_modified":"2025-02-02 08:39:39","post_modified_gmt":"2025-02-02 08:39:39","post_content_filtered":"","post_parent":0,"guid":"https:\/\/dctransparency.com\/?p=3789","menu_order":0,"post_type":"post","post_mime_type":"","comment_count":"0","filter":"raw"},{"ID":3786,"post_author":"7","post_date":"2020-08-14 13:51:23","post_date_gmt":"2020-08-14 13:51:23","post_content":"\n

Einen Monat nachdem ich zur israelischen Armee eingezogen worden war, brach die erste Intifada aus. Statt Soldat zu sein, machte ich Polizeiarbeit, sagte den Menschen, wann sie zur Arbeit gehen konnten und wann sie ihre L\u00e4den schlie\u00dfen mussten, wann sie die Grenze passieren und wann sie schlafen konnten. Einen Monat nachdem ich aus der Armee entlassen worden war, ging ich auf Reisen. (In Israel sagen wir: Wir dienen drei Jahre und versuchen den Rest unseres Lebens, diese drei Jahre zu vergessen.) Auf meiner Reise begann ich Briefe an meine Freundin zu schreiben, die ich in Israel zur\u00fcckgelassen hatte.<\/p>\n\n\n\n

Ich schrieb ihr, wie schrecklich depressiv ich war und dass diese drei Jahre des Anweisungenbellens und Anderen-Menschen-Sagens, was sie zu tun haben, mich f\u00fcr immer verfolgen w\u00fcrden. Dass sie ein Teil dessen geworden waren, was ich bin. Ich erinnere mich, dass ich ihr schrieb, dass wir da rausm\u00fcssen \u2013 nicht nur f\u00fcr die Pal\u00e4stinenser, sondern wegen der furchtbaren und brutalen Auswirkungen, die all das auf uns, auf die israelische Gesellschaft haben w\u00fcrde. Sie schrieb zur\u00fcck: \u201eDu hast recht. Ich habe einen neuen Freund.\u201c<\/p>\n\n\n\n

Felix Klein wurde als Beauftragter der Bundesregierung berufen<\/a>, um die Auswirkungen des zunehmenden Antisemitismus in unserer Gesellschaft, in Deutschland, zu bek\u00e4mpfen. Was nicht in seiner Jobbeschreibung steht, ist, dass er dabei unsere Gesellschaft heilen muss, jene Gesellschaft, die diese Form des Hasses reproduziert und sch\u00fctzt. Klein hat das begriffen.<\/p>\n\n\n\n

Er versteht, dass man Krebs nicht mit einem Pflaster verarztet, er wei\u00df, dass er das Bewusstsein der Deutschen sch\u00e4rfen und Diskussionen ansto\u00dfen muss. Er hat begriffen, dass das Problem nicht nur an den R\u00e4ndern der Gesellschaft (bei den Rechten) liegt, sondern auch in ihrer Mitte. Dort, wo gebildete Menschen nicht einmal bemerken, dass das, was sie sagen und tun, antisemitisch ist. So wie sie es auch nicht merken, wenn sie rassistisch handeln. Er hat all das verstanden, und genau deshalb wollen einige, dass er seinen Posten r\u00e4umt.<\/p>\n\n\n\n

Mehr als 60 deutsche und israelische Intellektuelle haben letzte Woche in einem Brief an Kanzlerin Merkel<\/a> dar\u00fcber geklagt, dass der aktuelle \u201eGebrauch des Antisemitismusbegriffs\u201c darauf abziele, \u201elegitime Kritik an der israelischen Regierungspolitik zu unterdr\u00fccken\u201c, und Klein vorgeworfen, rechtspopulistische israelische Stimmen zu f\u00f6rdern.<\/p>\n\n\n\n

Faszinierend an diesem offenen Brief ist, dass viele der Unterzeichneten keine Deutschen sind und auch nicht in Deutschland leben. Ich wei\u00df nicht, woher sie \u2013 die meisten von ihnen sind Israelis \u2013 die Chuzpe haben, sich in eine innerdeutsche Angelegenheit einzumischen und zu fordern, eine Person zu entlassen, die von der Bundesregierung eingesetzt wurde. Die H\u00e4lfte der Unterzeichneten lebt nicht hier, von der anderen H\u00e4lfte sind viele keine Juden \u2013 somit sind die allermeisten von ihnen nicht direkt vom Antisemitismus in Deutschland betroffen. Wie also k\u00f6nnen sie diesen Brief unterschreiben? Und warum eigentlich haben so wenige Deutsche unterschrieben? Dazu komme ich gleich.<\/p>\n\n\n\n

Debatte um Achille Mbembe<\/h6>\n\n\n\n

Hintergrund des Briefs war, dass Felix Klein gefordert hatte, den Philosophen Achille Mbembe<\/a> nicht die Er\u00f6ffnungsrede der Ruhrtriennale halten zu lassen. Als mit \u00f6ffentlichen Mitteln gef\u00f6rdertes Event solle die Ruhrtriennale Mbembe wegen seiner Haltung zu Israels Existenzrecht, seiner Haltung zu BDS und der Art, wie er in einem seiner Werke den Holocaust relativiert, nicht einladen.<\/p>\n\n\n\n

Mbembes Unterst\u00fctzer sagen, keine dieser Anschuldigungen sei wahr. F\u00fcrs Protokoll: In meinen Augen unterst\u00fctzt Mbembe sehr wohl BDS<\/a>, er schrieb unter anderem das Vorwort zu \u201eApartheid Israel\u201c und fordert die komplette Isolation Israels. Ich glaube auch, wenn Mbembe schreibt, die israelische Besetzung sei der \u201egr\u00f6\u00dfte moralische Skandal unserer Zeit\u201c, zeigt das, dass sein moralischer und geografischer Kompass etwas schief ist.<\/p>\n\n\n\n

Doch warum treibt die Debatte so viele Menschen um? Nun, zun\u00e4chst gibt niemand gern auf, was ihm oder ihr selbstverst\u00e4ndlich scheint. \u00dcber den gesamten politischen, sozialen, kulturellen, medialen und akademischen Sektor hinweg sind Menschen daran gew\u00f6hnt, so schlecht \u00fcber Israel sprechen zu k\u00f6nnen, wie auch immer sie wollen.<\/p>\n\n\n\n

Der Spiegel<\/em> hat \u2013 vielleicht in Anlehnung an seine Relotius-Standards, Israel erst k\u00fcrzlich eine Corona-Diktatur genannt. Fakten und Belege f\u00fcr diese Behauptung gab es nicht. Doch Millionen Deutsche haben es gelesen, und es wird nat\u00fcrlich haften bleiben. Faktenlage hin oder her. Der Spiegel<\/em> und andere Medien haben dieses Spiel perfektioniert: Titel so zu drehen, dass sie Israel indirekt anklagen, die Idee zu streuen, der Mossad kon\u00adtrol\u00adliere die deutsche Au\u00dfenpolitik im Nahen Osten, und so fort. Doch sie stehen allesamt sofort auf den Hinterbeinen, wenn jemand es wagt, das Spiel beim Namen zu nennen: moderner Antisemitismus.<\/p>\n\n\n\n

Klein will dem entgegenwirken. Er versteht, dass antisemitische Attacken in Deutschland die Fr\u00fcchte solch falsch gezeichneter Bilder und eindimensionaler Narrative \u00fcber Israel sind. Wenn er und andere versuchen, ein anderes Narrativ aufzuzeigen, wirft man ihnen Zensur vor: Wie k\u00f6nnen sie es wagen, das Gesch\u00e4ft der Anti-Israel-Propaganda zu st\u00f6ren?<\/p>\n\n\n\n

Liebe Deutsche, wenn ihr reden wollt, lasst uns gern reden: \u00fcber die Besetzung, \u00fcber Bibi und alles, was schiefl\u00e4uft. Aber dann lasst uns bitte auch dar\u00fcber reden, wie deutsche Steuergelder Terrortunnel finanzieren. Erst vergangene Woche r\u00e4umte die niederl\u00e4ndische Regierung ein, dass Gelder an eine Landwirtschaftsorganisation in Ramallah geflossen seien, die damit teilweise die Geh\u00e4lter zweier des Mordes an der 17-j\u00e4hrigen Israelin Rina Shnerb Verd\u00e4chtiger gezahlt haben. Auch die Bundesregierung unterst\u00fctzt diese Organisation, obwohl Kritiker schon lange vor Verbindungen zu Terroristen warnen.<\/p>\n\n\n\n

Wir k\u00f6nnen uns also gerne unterhalten \u2013 aber im Dialog, nicht in Monologen. Denn Reden unter Menschen, die sich einig sind, ist nichts anderes als Impotenz.<\/p>\n\n\n\n

Israelkritik als Eintrittskarte<\/h6>\n\n\n\n

Die Israelis, die die Petition unterzeichnet haben, haben \u00fcbrigens ebenfalls etwas verstanden. Seit Jahren wissen sie: Es ist ihre Eintrittskarte in die Mitte der deutschen (und europ\u00e4ischen) Gesellschaft. Man h\u00f6rt nicht oft von Akademikern mit proisraelischen Ansichten. Weder in den Philharmonie-Orchestern noch in der Kunstszene. Die Eintrittskarte daf\u00fcr ist ein antiisraelischer Standpunkt.<\/p>\n\n\n\n

Der mutma\u00dfliche Grund, warum kaum Deutsche die Petition unterzeichnet haben: Sie mussten es nicht. Ihre Lieblingsjuden haben es f\u00fcr sie getan. Jetzt k\u00f6nnen sie sagen: \u201eSchau, ich bin das ja nicht, meine j\u00fcdischen Freunde sagen es.\u201c Ich selbst war einige Jahre lang mit einem Paar hier in Berlin befreundet, bis ich herausfand, dass ich ihr Lieblingsjude war. Ja, selbst das j\u00fcdische Museum wurde so genutzt.<\/p>\n\n\n\n

Weil Attacken gegen Juden ein absolutes Tabu sind, wurden Umwege gefunden, um den Antisemitismus auf kleiner Flamme k\u00f6cheln zu lassen: die unfundierte, unbegr\u00fcndete Kritik an Israel.<\/p>\n\n\n\n

Diese Art der Kritik ist gef\u00e4hrlich. Sie schw\u00e4cht jede begr\u00fcndete und notwendige Kritik am Verhalten Israels. Und das Interessante ist: Trotz all der heftigen, pauschalisierenden Anklagen, all der offenen Briefe driftet Israel politisch immer weiter nach rechts. Doch statt mal einen anderen Ansatz zu versuchen, werden die antiisraelischen Stimmen nur lauter. Dasselbe versuchen und andere Ergebnisse davon erwarten \u2013 das ist die Definition von Wahnsinn.<\/p>\n\n\n\n

Kurz bevor der Prozess gegen den wegen des Attentats von Halle<\/a> Angeklagten begann \u2013 des seit Kriegsende schlimmsten Akts von Antisemitismus in Deutschland \u2013, lud eine Lokalzeitung den fr\u00fcheren Botschafter Shimon Stein und den Historiker Moshe Zimmermann ein, dar\u00fcber zu schreiben, was Antisemitismus ist. Nat\u00fcrlich wendeten auch sie sich gegen Felix Kleins Ansatz. Sie zitieren die Kontroverse um die Umbenennung der U-Bahn-Station Mohrenstra\u00dfe in Glinkastra\u00dfe, die sich darum drehte, dass der russische Komponist Michael Glinka Antisemit gewesen sein soll. Stein und Zimmermann halten die Debatte f\u00fcr \u00fcberzogen, Glinka sei nur ein Kind seiner Zeit gewesen. Folgt man ihrer Logik, k\u00f6nnen wir dann also in 20 oder 30 Jahren U-Bahn-Stationen nach den Kindern der 1930er Jahre benennen?<\/p>\n\n\n\n

Der Antisemit als Tierfreund<\/h6>\n\n\n\n

Ich w\u00fcnschte, die Sache h\u00e4tte mit dem Artikel, mit der Petition geendet. Doch dann erschien ein Artikel, der den Leser auf einen Waldspaziergang mit einem veganen Koch und Antisemiten mitnahm. Darin setzt der Tierfreund erst behutsam einen K\u00e4fer wieder auf seine Beinchen und erkl\u00e4rt dann, dass die Todesstrafe in Deutschland wieder eingef\u00fchrt werden solle, um einen gewissen Politiker (der zuf\u00e4llig pro Israel ist) an seinen Hoden aufh\u00e4ngen zu k\u00f6nnen. Dieser Koch hat Hunderttausende Follower, er sagt all solche Dinge am helllichten Tag in Berlin. Und in den Medien.<\/p>\n\n\n\n

F\u00e4lle wie dieser handeln bereits von Gewalt \u2013 und sie enden nicht bei den Juden. Der Hass richtet sich gegen Frauen<\/a>, Muslime, Gefl\u00fcchtete, \u00adLBTQI. Am Ende aller theoretischen Debatten stehen immer echte Menschen. Am Ende jeder Konferenz dar\u00fcber, was Antisemitismus ausmacht, steht ein potenzielles j\u00fcdisches Opfer. Angesichts einer Welle von Antisemitismus \u00fcber die Definition von Antisemitismus zu streiten ist, wie eine 10 Meter hohe Welle heranrollen zu sehen und dar\u00fcber zu streiten, was einen Tsunami ausmacht.<\/p>\n\n\n\n

Felix Klein versteht, wie absurd es ist, zu sagen: Es sind nur die Rechten. Die Rechten sind Deutsche, so wie die Nazis Deutsche waren. Klein versteht, dass die Deutschen nicht aufgeh\u00f6rt haben, Juden zu ermorden, weil sie irgendeine Art von Erleuchtung hatten. Sondern schlicht, weil sie den Krieg verloren haben. Um den Antisemitismus zu bek\u00e4mpfen, bevor er die Gesellschaft frisst, in der er und wir leben, muss Deutschland seinen moralischen Kompass korrigieren.<\/p>\n\n\n\n

Immerhin: Mehr und mehr Deutsche fahren nach Israel, sie wollen ein anderes Narrativ h\u00f6ren. Mehr und mehr Deutsche verstehen, dass Antisemitismus Schockwellen ausl\u00f6st, die die gesamte Gesellschaft betreffen. In einem normalen Universum w\u00fcrde Klein bef\u00f6rdert werden f\u00fcr seine Leistung. In einer verdrehten Gesellschaft fordern Menschen seine Entlassung. Um es mit Mbembe zu sagen: Das ist Nano-Nonsens.<\/p>\n\n\n\n

\u00dcbersetzung: Ariane Lemme<\/a><\/em><\/p>\n","post_title":"Felix Klein hat verstanden","post_excerpt":"","post_status":"publish","comment_status":"closed","ping_status":"closed","post_password":"","post_name":"felix-klein-hat-verstanden","to_ping":"","pinged":"","post_modified":"2025-02-02 08:39:39","post_modified_gmt":"2025-02-02 08:39:39","post_content_filtered":"","post_parent":0,"guid":"https:\/\/dctransparency.com\/?p=3786","menu_order":0,"post_type":"post","post_mime_type":"","comment_count":"0","filter":"raw"}],"next":false,"prev":true,"total_page":47},"paged":1,"column_class":"jeg_col_2o3","class":"epic_block_3"};

\n

Qu\u00e4lende Hassliebe<\/h3>\n\n\n\n

Doch in den letzten 15 Jahren ist der Traum von der europ\u00e4ischen Unipolarit\u00e4t einer multipolaren Realit\u00e4t gewichen. Sowohl Russland als auch die T\u00fcrkei haben eine lange, qu\u00e4lende Hassliebe zu Europa, und beide sind unter nationalen Machthabern, denen die Verachtung der Normen und Werte der EU gemeinsam ist, durchsetzungsf\u00e4higer geworden.<\/p>\n\n\n\n

Die zunehmende Verschlechterung der Beziehungen zwischen der EU und Russland ist gut dokumentiert, der Fall der T\u00fcrkei weniger. Der Irakkrieg im Jahr 2003 komplizierte das Verh\u00e4ltnis der T\u00fcrkei zur Nato, und ihr Verh\u00e4ltnis zur EU verschlechterte sich 2007, als Frankreich einen wichtigen Teil ihrer EU-Beitrittsverhandlungen blockierte. Seitdem hat die T\u00fcrkei ihren eigenen Weg in Syrien, auf dem Balkan und in Libyen eingeschlagen und neue Beziehungen zu Russland und China aufgebaut.<\/p>\n\n\n\n

Wichtiger Akteur<\/strong><\/h3>\n\n\n\n

Nat\u00fcrlich sind die Beziehungen zwischen der T\u00fcrkei und Russland nicht weniger kompliziert, nicht zuletzt weil Erdo\u011fan und der russische Pr\u00e4sident Wladimir Putin im syrischen B\u00fcrgerkrieg verschiedene Seiten unterst\u00fctzten.Und w\u00e4hrend die Spannungen wegen des Syrien-Konflikts weiterhin bestehen, bewundert Erdo\u011fan deutlich, wie Russland sich \u2013 bei relativ geringen Kosten \u2013 wieder als wichtiger Akteur im Nahen Osten und in Nordafrika etabliert hat.<\/p>\n\n\n\n

Nachdem er in einen nicht zu gewinnenden Krieg im Osten der Ukraine verwickelt war, schien Putins weitgehend erfolgreicher Feldzug in Syrien einen Teil seiner innenpolitischen Autorit\u00e4t wiederherzustellen. Der Westen hatte f\u00fcnf Jahre lang darauf bestanden, dass es keine milit\u00e4rische L\u00f6sung des Konflikts gebe und dass der syrische Pr\u00e4sident Baschar al-Assad gehen m\u00fcsse. Doch w\u00e4hrend die von den Vereinten Nationen unterst\u00fctzten Gespr\u00e4che in Genf zu keinem Ergebnis f\u00fchrten, schienen die von Russland geleiteten Gespr\u00e4che in Astana voranzukommen. Indem der Kreml die T\u00fcrkei und den Iran einbezog, w\u00e4hrend er die westlichen M\u00e4chte ausschloss, erweckte er den Eindruck, dass Russland als wiedergeborene Supermacht aus der Asche auferstanden sei.<\/p>\n\n\n\n

Unter Druck<\/h3>\n\n\n\n

Angesichts des wachsenden Widerstands im eigenen Land macht es Erdo\u011fan Putin gleich. Da der Westen nicht bereit war, (erneut) milit\u00e4risch in Libyen zu intervenieren, sah Erdo\u011fan eine Gelegenheit, die T\u00fcrkei zu positionieren. Nach dem Vorgehen Russlands in Syrien sicherte er sich eine formelle Einladung der libyschen Regierung zur Intervention. Mit einem Schlag Ende letzten Jahres hat er nicht nur das Image der T\u00fcrkei als Regionalmacht gest\u00e4rkt, sondern auch ein Abkommen mit Libyen \u00fcber die Seegrenze abgeschlossen und damit einen Plan Griechenlands, Zyperns, \u00c4gyptens und Israels zur Erschlie\u00dfung von Unterwasser\u00f6l- und -gasfeldern in der N\u00e4he zunichtegemacht.<\/p>\n\n\n\n

Erdo\u011fan scheint auch von der Spalt-und-Eroberungs-Strategie des Kreml in Europa inspiriert worden zu sein, der zufolge oft diejenigen EU-Mitgliedsstaaten unter Druck gesetzt werden, die am meisten von russischen Kohlenwasserstoffen oder M\u00e4rkten abh\u00e4ngig sind. So wie Putin lange Zeit die Energieversorgung instrumentalisiert hat, hat Erdo\u011fan versucht, den Strom von Migranten und Fl\u00fcchtlingen, die vor Konflikten im Nahen Osten fliehen, zu instrumentalisieren. Als die EU eine neue Marinemission ank\u00fcndigte, um den Waffenstrom nach Libyen zu blockieren, malte die T\u00fcrkei f\u00fcr Malta das Schreckgespenst der angeblichen Bedrohung durch Migranten an die Wand. Malta reagierte prompt und signalisierte, dass es gegen die Finanzierung der Mission ein Veto einlegen werde.<\/p>\n\n\n\n

Verlorener Sohn<\/strong><\/h3>\n\n\n\n

Jahrelang redeten sich die Europ\u00e4er ein, dass Russland eine Art verlorener Sohn sei und dass die europ\u00e4ische unipolare Ordnung gesund bleibe. Doch das machte Europa zu einem leichten Ziel f\u00fcr die Trennungs-und-Eroberungs-Strategie des Kreml. Erst vor relativ kurzer Zeit entwarf die Union eine neue Politik und ein robustes Sanktionsregime, um die russische Aggression abzuschrecken. Und selbst jetzt \u2013 trotz der besten Bem\u00fchungen der deutschen Bundeskanzlerin Angela Merkel und des franz\u00f6sischen Pr\u00e4sidenten Emmanuel Macron \u2013 hat die EU noch immer keine wirksamen Kommunikationskan\u00e4le mit Russland geschaffen, um gemeinsame Probleme anzugehen.<\/p>\n\n\n\n

Die T\u00fcrkei ist noch kein neues Russland, aber sie k\u00f6nnte dazu werden, wenn die Situation falsch gehandhabt wird. Vorerst betrachten die meisten Europ\u00e4er die T\u00fcrkei noch immer als einen komplizierten Partner und nicht als \"Systemrivalen\". Aber die Europ\u00e4er sollten die hart erk\u00e4mpften Lehren aus dem Umgang mit Russland in den letzten 15 Jahren beherzigen. Die Beziehungen zwischen der EU und der T\u00fcrkei brauchen neue, einvernehmlich vereinbarte Prinzipien sowie klare Grenzen, um eine weitere Destabilisierung in der Region zu verhindern.<\/p>\n\n\n\n

Zu diesem Zweck sollten die Europ\u00e4er klarstellen, dass der EU-Beitrittsprozess entweder zur\u00fcckgedreht oder vorangetrieben werden kann und dass eine eher transaktionale Beziehung sowohl Zuckerbrot als auch Peitsche beinhaltet. Die Herausforderung wird darin bestehen, daf\u00fcr zu sorgen, dass es in einer Region, die nicht nur von Europa und der T\u00fcrkei, sondern auch von Russland, den USA und einem aufstrebenden China beeinflusst wird, noch Raum f\u00fcr politisches Engagement in Fragen der gemeinsamen Sicherheit gibt. (Mark Leonard, \u00dcbersetzung: Eva G\u00f6llner, Copyright: Project Syndicate, 10.8.2020)<\/p>\n\n\n\n

Mark Leonard <\/strong>ist Direktor des Europ\u00e4ischen Rats f\u00fcr Ausw\u00e4rtige Beziehungen.<\/a><\/p>\n","post_title":"Erdo\u011fan \u2013 der andere Putin vor der Haust\u00fcr Europas","post_excerpt":"","post_status":"publish","comment_status":"closed","ping_status":"closed","post_password":"","post_name":"erdogan-der-andere-putin-vor-der-haustur-europas","to_ping":"","pinged":"","post_modified":"2025-02-02 08:39:39","post_modified_gmt":"2025-02-02 08:39:39","post_content_filtered":"","post_parent":0,"guid":"https:\/\/dctransparency.com\/?p=3789","menu_order":0,"post_type":"post","post_mime_type":"","comment_count":"0","filter":"raw"},{"ID":3786,"post_author":"7","post_date":"2020-08-14 13:51:23","post_date_gmt":"2020-08-14 13:51:23","post_content":"\n

Einen Monat nachdem ich zur israelischen Armee eingezogen worden war, brach die erste Intifada aus. Statt Soldat zu sein, machte ich Polizeiarbeit, sagte den Menschen, wann sie zur Arbeit gehen konnten und wann sie ihre L\u00e4den schlie\u00dfen mussten, wann sie die Grenze passieren und wann sie schlafen konnten. Einen Monat nachdem ich aus der Armee entlassen worden war, ging ich auf Reisen. (In Israel sagen wir: Wir dienen drei Jahre und versuchen den Rest unseres Lebens, diese drei Jahre zu vergessen.) Auf meiner Reise begann ich Briefe an meine Freundin zu schreiben, die ich in Israel zur\u00fcckgelassen hatte.<\/p>\n\n\n\n

Ich schrieb ihr, wie schrecklich depressiv ich war und dass diese drei Jahre des Anweisungenbellens und Anderen-Menschen-Sagens, was sie zu tun haben, mich f\u00fcr immer verfolgen w\u00fcrden. Dass sie ein Teil dessen geworden waren, was ich bin. Ich erinnere mich, dass ich ihr schrieb, dass wir da rausm\u00fcssen \u2013 nicht nur f\u00fcr die Pal\u00e4stinenser, sondern wegen der furchtbaren und brutalen Auswirkungen, die all das auf uns, auf die israelische Gesellschaft haben w\u00fcrde. Sie schrieb zur\u00fcck: \u201eDu hast recht. Ich habe einen neuen Freund.\u201c<\/p>\n\n\n\n

Felix Klein wurde als Beauftragter der Bundesregierung berufen<\/a>, um die Auswirkungen des zunehmenden Antisemitismus in unserer Gesellschaft, in Deutschland, zu bek\u00e4mpfen. Was nicht in seiner Jobbeschreibung steht, ist, dass er dabei unsere Gesellschaft heilen muss, jene Gesellschaft, die diese Form des Hasses reproduziert und sch\u00fctzt. Klein hat das begriffen.<\/p>\n\n\n\n

Er versteht, dass man Krebs nicht mit einem Pflaster verarztet, er wei\u00df, dass er das Bewusstsein der Deutschen sch\u00e4rfen und Diskussionen ansto\u00dfen muss. Er hat begriffen, dass das Problem nicht nur an den R\u00e4ndern der Gesellschaft (bei den Rechten) liegt, sondern auch in ihrer Mitte. Dort, wo gebildete Menschen nicht einmal bemerken, dass das, was sie sagen und tun, antisemitisch ist. So wie sie es auch nicht merken, wenn sie rassistisch handeln. Er hat all das verstanden, und genau deshalb wollen einige, dass er seinen Posten r\u00e4umt.<\/p>\n\n\n\n

Mehr als 60 deutsche und israelische Intellektuelle haben letzte Woche in einem Brief an Kanzlerin Merkel<\/a> dar\u00fcber geklagt, dass der aktuelle \u201eGebrauch des Antisemitismusbegriffs\u201c darauf abziele, \u201elegitime Kritik an der israelischen Regierungspolitik zu unterdr\u00fccken\u201c, und Klein vorgeworfen, rechtspopulistische israelische Stimmen zu f\u00f6rdern.<\/p>\n\n\n\n

Faszinierend an diesem offenen Brief ist, dass viele der Unterzeichneten keine Deutschen sind und auch nicht in Deutschland leben. Ich wei\u00df nicht, woher sie \u2013 die meisten von ihnen sind Israelis \u2013 die Chuzpe haben, sich in eine innerdeutsche Angelegenheit einzumischen und zu fordern, eine Person zu entlassen, die von der Bundesregierung eingesetzt wurde. Die H\u00e4lfte der Unterzeichneten lebt nicht hier, von der anderen H\u00e4lfte sind viele keine Juden \u2013 somit sind die allermeisten von ihnen nicht direkt vom Antisemitismus in Deutschland betroffen. Wie also k\u00f6nnen sie diesen Brief unterschreiben? Und warum eigentlich haben so wenige Deutsche unterschrieben? Dazu komme ich gleich.<\/p>\n\n\n\n

Debatte um Achille Mbembe<\/h6>\n\n\n\n

Hintergrund des Briefs war, dass Felix Klein gefordert hatte, den Philosophen Achille Mbembe<\/a> nicht die Er\u00f6ffnungsrede der Ruhrtriennale halten zu lassen. Als mit \u00f6ffentlichen Mitteln gef\u00f6rdertes Event solle die Ruhrtriennale Mbembe wegen seiner Haltung zu Israels Existenzrecht, seiner Haltung zu BDS und der Art, wie er in einem seiner Werke den Holocaust relativiert, nicht einladen.<\/p>\n\n\n\n

Mbembes Unterst\u00fctzer sagen, keine dieser Anschuldigungen sei wahr. F\u00fcrs Protokoll: In meinen Augen unterst\u00fctzt Mbembe sehr wohl BDS<\/a>, er schrieb unter anderem das Vorwort zu \u201eApartheid Israel\u201c und fordert die komplette Isolation Israels. Ich glaube auch, wenn Mbembe schreibt, die israelische Besetzung sei der \u201egr\u00f6\u00dfte moralische Skandal unserer Zeit\u201c, zeigt das, dass sein moralischer und geografischer Kompass etwas schief ist.<\/p>\n\n\n\n

Doch warum treibt die Debatte so viele Menschen um? Nun, zun\u00e4chst gibt niemand gern auf, was ihm oder ihr selbstverst\u00e4ndlich scheint. \u00dcber den gesamten politischen, sozialen, kulturellen, medialen und akademischen Sektor hinweg sind Menschen daran gew\u00f6hnt, so schlecht \u00fcber Israel sprechen zu k\u00f6nnen, wie auch immer sie wollen.<\/p>\n\n\n\n

Der Spiegel<\/em> hat \u2013 vielleicht in Anlehnung an seine Relotius-Standards, Israel erst k\u00fcrzlich eine Corona-Diktatur genannt. Fakten und Belege f\u00fcr diese Behauptung gab es nicht. Doch Millionen Deutsche haben es gelesen, und es wird nat\u00fcrlich haften bleiben. Faktenlage hin oder her. Der Spiegel<\/em> und andere Medien haben dieses Spiel perfektioniert: Titel so zu drehen, dass sie Israel indirekt anklagen, die Idee zu streuen, der Mossad kon\u00adtrol\u00adliere die deutsche Au\u00dfenpolitik im Nahen Osten, und so fort. Doch sie stehen allesamt sofort auf den Hinterbeinen, wenn jemand es wagt, das Spiel beim Namen zu nennen: moderner Antisemitismus.<\/p>\n\n\n\n

Klein will dem entgegenwirken. Er versteht, dass antisemitische Attacken in Deutschland die Fr\u00fcchte solch falsch gezeichneter Bilder und eindimensionaler Narrative \u00fcber Israel sind. Wenn er und andere versuchen, ein anderes Narrativ aufzuzeigen, wirft man ihnen Zensur vor: Wie k\u00f6nnen sie es wagen, das Gesch\u00e4ft der Anti-Israel-Propaganda zu st\u00f6ren?<\/p>\n\n\n\n

Liebe Deutsche, wenn ihr reden wollt, lasst uns gern reden: \u00fcber die Besetzung, \u00fcber Bibi und alles, was schiefl\u00e4uft. Aber dann lasst uns bitte auch dar\u00fcber reden, wie deutsche Steuergelder Terrortunnel finanzieren. Erst vergangene Woche r\u00e4umte die niederl\u00e4ndische Regierung ein, dass Gelder an eine Landwirtschaftsorganisation in Ramallah geflossen seien, die damit teilweise die Geh\u00e4lter zweier des Mordes an der 17-j\u00e4hrigen Israelin Rina Shnerb Verd\u00e4chtiger gezahlt haben. Auch die Bundesregierung unterst\u00fctzt diese Organisation, obwohl Kritiker schon lange vor Verbindungen zu Terroristen warnen.<\/p>\n\n\n\n

Wir k\u00f6nnen uns also gerne unterhalten \u2013 aber im Dialog, nicht in Monologen. Denn Reden unter Menschen, die sich einig sind, ist nichts anderes als Impotenz.<\/p>\n\n\n\n

Israelkritik als Eintrittskarte<\/h6>\n\n\n\n

Die Israelis, die die Petition unterzeichnet haben, haben \u00fcbrigens ebenfalls etwas verstanden. Seit Jahren wissen sie: Es ist ihre Eintrittskarte in die Mitte der deutschen (und europ\u00e4ischen) Gesellschaft. Man h\u00f6rt nicht oft von Akademikern mit proisraelischen Ansichten. Weder in den Philharmonie-Orchestern noch in der Kunstszene. Die Eintrittskarte daf\u00fcr ist ein antiisraelischer Standpunkt.<\/p>\n\n\n\n

Der mutma\u00dfliche Grund, warum kaum Deutsche die Petition unterzeichnet haben: Sie mussten es nicht. Ihre Lieblingsjuden haben es f\u00fcr sie getan. Jetzt k\u00f6nnen sie sagen: \u201eSchau, ich bin das ja nicht, meine j\u00fcdischen Freunde sagen es.\u201c Ich selbst war einige Jahre lang mit einem Paar hier in Berlin befreundet, bis ich herausfand, dass ich ihr Lieblingsjude war. Ja, selbst das j\u00fcdische Museum wurde so genutzt.<\/p>\n\n\n\n

Weil Attacken gegen Juden ein absolutes Tabu sind, wurden Umwege gefunden, um den Antisemitismus auf kleiner Flamme k\u00f6cheln zu lassen: die unfundierte, unbegr\u00fcndete Kritik an Israel.<\/p>\n\n\n\n

Diese Art der Kritik ist gef\u00e4hrlich. Sie schw\u00e4cht jede begr\u00fcndete und notwendige Kritik am Verhalten Israels. Und das Interessante ist: Trotz all der heftigen, pauschalisierenden Anklagen, all der offenen Briefe driftet Israel politisch immer weiter nach rechts. Doch statt mal einen anderen Ansatz zu versuchen, werden die antiisraelischen Stimmen nur lauter. Dasselbe versuchen und andere Ergebnisse davon erwarten \u2013 das ist die Definition von Wahnsinn.<\/p>\n\n\n\n

Kurz bevor der Prozess gegen den wegen des Attentats von Halle<\/a> Angeklagten begann \u2013 des seit Kriegsende schlimmsten Akts von Antisemitismus in Deutschland \u2013, lud eine Lokalzeitung den fr\u00fcheren Botschafter Shimon Stein und den Historiker Moshe Zimmermann ein, dar\u00fcber zu schreiben, was Antisemitismus ist. Nat\u00fcrlich wendeten auch sie sich gegen Felix Kleins Ansatz. Sie zitieren die Kontroverse um die Umbenennung der U-Bahn-Station Mohrenstra\u00dfe in Glinkastra\u00dfe, die sich darum drehte, dass der russische Komponist Michael Glinka Antisemit gewesen sein soll. Stein und Zimmermann halten die Debatte f\u00fcr \u00fcberzogen, Glinka sei nur ein Kind seiner Zeit gewesen. Folgt man ihrer Logik, k\u00f6nnen wir dann also in 20 oder 30 Jahren U-Bahn-Stationen nach den Kindern der 1930er Jahre benennen?<\/p>\n\n\n\n

Der Antisemit als Tierfreund<\/h6>\n\n\n\n

Ich w\u00fcnschte, die Sache h\u00e4tte mit dem Artikel, mit der Petition geendet. Doch dann erschien ein Artikel, der den Leser auf einen Waldspaziergang mit einem veganen Koch und Antisemiten mitnahm. Darin setzt der Tierfreund erst behutsam einen K\u00e4fer wieder auf seine Beinchen und erkl\u00e4rt dann, dass die Todesstrafe in Deutschland wieder eingef\u00fchrt werden solle, um einen gewissen Politiker (der zuf\u00e4llig pro Israel ist) an seinen Hoden aufh\u00e4ngen zu k\u00f6nnen. Dieser Koch hat Hunderttausende Follower, er sagt all solche Dinge am helllichten Tag in Berlin. Und in den Medien.<\/p>\n\n\n\n

F\u00e4lle wie dieser handeln bereits von Gewalt \u2013 und sie enden nicht bei den Juden. Der Hass richtet sich gegen Frauen<\/a>, Muslime, Gefl\u00fcchtete, \u00adLBTQI. Am Ende aller theoretischen Debatten stehen immer echte Menschen. Am Ende jeder Konferenz dar\u00fcber, was Antisemitismus ausmacht, steht ein potenzielles j\u00fcdisches Opfer. Angesichts einer Welle von Antisemitismus \u00fcber die Definition von Antisemitismus zu streiten ist, wie eine 10 Meter hohe Welle heranrollen zu sehen und dar\u00fcber zu streiten, was einen Tsunami ausmacht.<\/p>\n\n\n\n

Felix Klein versteht, wie absurd es ist, zu sagen: Es sind nur die Rechten. Die Rechten sind Deutsche, so wie die Nazis Deutsche waren. Klein versteht, dass die Deutschen nicht aufgeh\u00f6rt haben, Juden zu ermorden, weil sie irgendeine Art von Erleuchtung hatten. Sondern schlicht, weil sie den Krieg verloren haben. Um den Antisemitismus zu bek\u00e4mpfen, bevor er die Gesellschaft frisst, in der er und wir leben, muss Deutschland seinen moralischen Kompass korrigieren.<\/p>\n\n\n\n

Immerhin: Mehr und mehr Deutsche fahren nach Israel, sie wollen ein anderes Narrativ h\u00f6ren. Mehr und mehr Deutsche verstehen, dass Antisemitismus Schockwellen ausl\u00f6st, die die gesamte Gesellschaft betreffen. In einem normalen Universum w\u00fcrde Klein bef\u00f6rdert werden f\u00fcr seine Leistung. In einer verdrehten Gesellschaft fordern Menschen seine Entlassung. Um es mit Mbembe zu sagen: Das ist Nano-Nonsens.<\/p>\n\n\n\n

\u00dcbersetzung: Ariane Lemme<\/a><\/em><\/p>\n","post_title":"Felix Klein hat verstanden","post_excerpt":"","post_status":"publish","comment_status":"closed","ping_status":"closed","post_password":"","post_name":"felix-klein-hat-verstanden","to_ping":"","pinged":"","post_modified":"2025-02-02 08:39:39","post_modified_gmt":"2025-02-02 08:39:39","post_content_filtered":"","post_parent":0,"guid":"https:\/\/dctransparency.com\/?p=3786","menu_order":0,"post_type":"post","post_mime_type":"","comment_count":"0","filter":"raw"}],"next":false,"prev":true,"total_page":47},"paged":1,"column_class":"jeg_col_2o3","class":"epic_block_3"};

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Seit dem Ende des Kalten Krieges haben die Europ\u00e4er die regionale Sicherheit durch eine unipolare westliche Linse betrachtet. W\u00e4hrend die Nato die milit\u00e4rische Sicherheit garantierte, sorgte die EU mit ihrem 80.000 Seiten starken Regelwerk f\u00fcr alles von LGBTQ-Rechten bis hin zu Rasenm\u00e4her-Sound-Verordnungen f\u00fcr Rechtsordnung. In den 90er-Jahren ging man allgemein davon aus, dass die beiden gro\u00dfen nichtwestlichen regionalen Akteure, Russland und die T\u00fcrkei, nach und nach an diese Regelungen herangef\u00fchrt werden w\u00fcrden.<\/p>\n\n\n\n

Qu\u00e4lende Hassliebe<\/h3>\n\n\n\n

Doch in den letzten 15 Jahren ist der Traum von der europ\u00e4ischen Unipolarit\u00e4t einer multipolaren Realit\u00e4t gewichen. Sowohl Russland als auch die T\u00fcrkei haben eine lange, qu\u00e4lende Hassliebe zu Europa, und beide sind unter nationalen Machthabern, denen die Verachtung der Normen und Werte der EU gemeinsam ist, durchsetzungsf\u00e4higer geworden.<\/p>\n\n\n\n

Die zunehmende Verschlechterung der Beziehungen zwischen der EU und Russland ist gut dokumentiert, der Fall der T\u00fcrkei weniger. Der Irakkrieg im Jahr 2003 komplizierte das Verh\u00e4ltnis der T\u00fcrkei zur Nato, und ihr Verh\u00e4ltnis zur EU verschlechterte sich 2007, als Frankreich einen wichtigen Teil ihrer EU-Beitrittsverhandlungen blockierte. Seitdem hat die T\u00fcrkei ihren eigenen Weg in Syrien, auf dem Balkan und in Libyen eingeschlagen und neue Beziehungen zu Russland und China aufgebaut.<\/p>\n\n\n\n

Wichtiger Akteur<\/strong><\/h3>\n\n\n\n

Nat\u00fcrlich sind die Beziehungen zwischen der T\u00fcrkei und Russland nicht weniger kompliziert, nicht zuletzt weil Erdo\u011fan und der russische Pr\u00e4sident Wladimir Putin im syrischen B\u00fcrgerkrieg verschiedene Seiten unterst\u00fctzten.Und w\u00e4hrend die Spannungen wegen des Syrien-Konflikts weiterhin bestehen, bewundert Erdo\u011fan deutlich, wie Russland sich \u2013 bei relativ geringen Kosten \u2013 wieder als wichtiger Akteur im Nahen Osten und in Nordafrika etabliert hat.<\/p>\n\n\n\n

Nachdem er in einen nicht zu gewinnenden Krieg im Osten der Ukraine verwickelt war, schien Putins weitgehend erfolgreicher Feldzug in Syrien einen Teil seiner innenpolitischen Autorit\u00e4t wiederherzustellen. Der Westen hatte f\u00fcnf Jahre lang darauf bestanden, dass es keine milit\u00e4rische L\u00f6sung des Konflikts gebe und dass der syrische Pr\u00e4sident Baschar al-Assad gehen m\u00fcsse. Doch w\u00e4hrend die von den Vereinten Nationen unterst\u00fctzten Gespr\u00e4che in Genf zu keinem Ergebnis f\u00fchrten, schienen die von Russland geleiteten Gespr\u00e4che in Astana voranzukommen. Indem der Kreml die T\u00fcrkei und den Iran einbezog, w\u00e4hrend er die westlichen M\u00e4chte ausschloss, erweckte er den Eindruck, dass Russland als wiedergeborene Supermacht aus der Asche auferstanden sei.<\/p>\n\n\n\n

Unter Druck<\/h3>\n\n\n\n

Angesichts des wachsenden Widerstands im eigenen Land macht es Erdo\u011fan Putin gleich. Da der Westen nicht bereit war, (erneut) milit\u00e4risch in Libyen zu intervenieren, sah Erdo\u011fan eine Gelegenheit, die T\u00fcrkei zu positionieren. Nach dem Vorgehen Russlands in Syrien sicherte er sich eine formelle Einladung der libyschen Regierung zur Intervention. Mit einem Schlag Ende letzten Jahres hat er nicht nur das Image der T\u00fcrkei als Regionalmacht gest\u00e4rkt, sondern auch ein Abkommen mit Libyen \u00fcber die Seegrenze abgeschlossen und damit einen Plan Griechenlands, Zyperns, \u00c4gyptens und Israels zur Erschlie\u00dfung von Unterwasser\u00f6l- und -gasfeldern in der N\u00e4he zunichtegemacht.<\/p>\n\n\n\n

Erdo\u011fan scheint auch von der Spalt-und-Eroberungs-Strategie des Kreml in Europa inspiriert worden zu sein, der zufolge oft diejenigen EU-Mitgliedsstaaten unter Druck gesetzt werden, die am meisten von russischen Kohlenwasserstoffen oder M\u00e4rkten abh\u00e4ngig sind. So wie Putin lange Zeit die Energieversorgung instrumentalisiert hat, hat Erdo\u011fan versucht, den Strom von Migranten und Fl\u00fcchtlingen, die vor Konflikten im Nahen Osten fliehen, zu instrumentalisieren. Als die EU eine neue Marinemission ank\u00fcndigte, um den Waffenstrom nach Libyen zu blockieren, malte die T\u00fcrkei f\u00fcr Malta das Schreckgespenst der angeblichen Bedrohung durch Migranten an die Wand. Malta reagierte prompt und signalisierte, dass es gegen die Finanzierung der Mission ein Veto einlegen werde.<\/p>\n\n\n\n

Verlorener Sohn<\/strong><\/h3>\n\n\n\n

Jahrelang redeten sich die Europ\u00e4er ein, dass Russland eine Art verlorener Sohn sei und dass die europ\u00e4ische unipolare Ordnung gesund bleibe. Doch das machte Europa zu einem leichten Ziel f\u00fcr die Trennungs-und-Eroberungs-Strategie des Kreml. Erst vor relativ kurzer Zeit entwarf die Union eine neue Politik und ein robustes Sanktionsregime, um die russische Aggression abzuschrecken. Und selbst jetzt \u2013 trotz der besten Bem\u00fchungen der deutschen Bundeskanzlerin Angela Merkel und des franz\u00f6sischen Pr\u00e4sidenten Emmanuel Macron \u2013 hat die EU noch immer keine wirksamen Kommunikationskan\u00e4le mit Russland geschaffen, um gemeinsame Probleme anzugehen.<\/p>\n\n\n\n

Die T\u00fcrkei ist noch kein neues Russland, aber sie k\u00f6nnte dazu werden, wenn die Situation falsch gehandhabt wird. Vorerst betrachten die meisten Europ\u00e4er die T\u00fcrkei noch immer als einen komplizierten Partner und nicht als \"Systemrivalen\". Aber die Europ\u00e4er sollten die hart erk\u00e4mpften Lehren aus dem Umgang mit Russland in den letzten 15 Jahren beherzigen. Die Beziehungen zwischen der EU und der T\u00fcrkei brauchen neue, einvernehmlich vereinbarte Prinzipien sowie klare Grenzen, um eine weitere Destabilisierung in der Region zu verhindern.<\/p>\n\n\n\n

Zu diesem Zweck sollten die Europ\u00e4er klarstellen, dass der EU-Beitrittsprozess entweder zur\u00fcckgedreht oder vorangetrieben werden kann und dass eine eher transaktionale Beziehung sowohl Zuckerbrot als auch Peitsche beinhaltet. Die Herausforderung wird darin bestehen, daf\u00fcr zu sorgen, dass es in einer Region, die nicht nur von Europa und der T\u00fcrkei, sondern auch von Russland, den USA und einem aufstrebenden China beeinflusst wird, noch Raum f\u00fcr politisches Engagement in Fragen der gemeinsamen Sicherheit gibt. (Mark Leonard, \u00dcbersetzung: Eva G\u00f6llner, Copyright: Project Syndicate, 10.8.2020)<\/p>\n\n\n\n

Mark Leonard <\/strong>ist Direktor des Europ\u00e4ischen Rats f\u00fcr Ausw\u00e4rtige Beziehungen.<\/a><\/p>\n","post_title":"Erdo\u011fan \u2013 der andere Putin vor der Haust\u00fcr Europas","post_excerpt":"","post_status":"publish","comment_status":"closed","ping_status":"closed","post_password":"","post_name":"erdogan-der-andere-putin-vor-der-haustur-europas","to_ping":"","pinged":"","post_modified":"2025-02-02 08:39:39","post_modified_gmt":"2025-02-02 08:39:39","post_content_filtered":"","post_parent":0,"guid":"https:\/\/dctransparency.com\/?p=3789","menu_order":0,"post_type":"post","post_mime_type":"","comment_count":"0","filter":"raw"},{"ID":3786,"post_author":"7","post_date":"2020-08-14 13:51:23","post_date_gmt":"2020-08-14 13:51:23","post_content":"\n

Einen Monat nachdem ich zur israelischen Armee eingezogen worden war, brach die erste Intifada aus. Statt Soldat zu sein, machte ich Polizeiarbeit, sagte den Menschen, wann sie zur Arbeit gehen konnten und wann sie ihre L\u00e4den schlie\u00dfen mussten, wann sie die Grenze passieren und wann sie schlafen konnten. Einen Monat nachdem ich aus der Armee entlassen worden war, ging ich auf Reisen. (In Israel sagen wir: Wir dienen drei Jahre und versuchen den Rest unseres Lebens, diese drei Jahre zu vergessen.) Auf meiner Reise begann ich Briefe an meine Freundin zu schreiben, die ich in Israel zur\u00fcckgelassen hatte.<\/p>\n\n\n\n

Ich schrieb ihr, wie schrecklich depressiv ich war und dass diese drei Jahre des Anweisungenbellens und Anderen-Menschen-Sagens, was sie zu tun haben, mich f\u00fcr immer verfolgen w\u00fcrden. Dass sie ein Teil dessen geworden waren, was ich bin. Ich erinnere mich, dass ich ihr schrieb, dass wir da rausm\u00fcssen \u2013 nicht nur f\u00fcr die Pal\u00e4stinenser, sondern wegen der furchtbaren und brutalen Auswirkungen, die all das auf uns, auf die israelische Gesellschaft haben w\u00fcrde. Sie schrieb zur\u00fcck: \u201eDu hast recht. Ich habe einen neuen Freund.\u201c<\/p>\n\n\n\n

Felix Klein wurde als Beauftragter der Bundesregierung berufen<\/a>, um die Auswirkungen des zunehmenden Antisemitismus in unserer Gesellschaft, in Deutschland, zu bek\u00e4mpfen. Was nicht in seiner Jobbeschreibung steht, ist, dass er dabei unsere Gesellschaft heilen muss, jene Gesellschaft, die diese Form des Hasses reproduziert und sch\u00fctzt. Klein hat das begriffen.<\/p>\n\n\n\n

Er versteht, dass man Krebs nicht mit einem Pflaster verarztet, er wei\u00df, dass er das Bewusstsein der Deutschen sch\u00e4rfen und Diskussionen ansto\u00dfen muss. Er hat begriffen, dass das Problem nicht nur an den R\u00e4ndern der Gesellschaft (bei den Rechten) liegt, sondern auch in ihrer Mitte. Dort, wo gebildete Menschen nicht einmal bemerken, dass das, was sie sagen und tun, antisemitisch ist. So wie sie es auch nicht merken, wenn sie rassistisch handeln. Er hat all das verstanden, und genau deshalb wollen einige, dass er seinen Posten r\u00e4umt.<\/p>\n\n\n\n

Mehr als 60 deutsche und israelische Intellektuelle haben letzte Woche in einem Brief an Kanzlerin Merkel<\/a> dar\u00fcber geklagt, dass der aktuelle \u201eGebrauch des Antisemitismusbegriffs\u201c darauf abziele, \u201elegitime Kritik an der israelischen Regierungspolitik zu unterdr\u00fccken\u201c, und Klein vorgeworfen, rechtspopulistische israelische Stimmen zu f\u00f6rdern.<\/p>\n\n\n\n

Faszinierend an diesem offenen Brief ist, dass viele der Unterzeichneten keine Deutschen sind und auch nicht in Deutschland leben. Ich wei\u00df nicht, woher sie \u2013 die meisten von ihnen sind Israelis \u2013 die Chuzpe haben, sich in eine innerdeutsche Angelegenheit einzumischen und zu fordern, eine Person zu entlassen, die von der Bundesregierung eingesetzt wurde. Die H\u00e4lfte der Unterzeichneten lebt nicht hier, von der anderen H\u00e4lfte sind viele keine Juden \u2013 somit sind die allermeisten von ihnen nicht direkt vom Antisemitismus in Deutschland betroffen. Wie also k\u00f6nnen sie diesen Brief unterschreiben? Und warum eigentlich haben so wenige Deutsche unterschrieben? Dazu komme ich gleich.<\/p>\n\n\n\n

Debatte um Achille Mbembe<\/h6>\n\n\n\n

Hintergrund des Briefs war, dass Felix Klein gefordert hatte, den Philosophen Achille Mbembe<\/a> nicht die Er\u00f6ffnungsrede der Ruhrtriennale halten zu lassen. Als mit \u00f6ffentlichen Mitteln gef\u00f6rdertes Event solle die Ruhrtriennale Mbembe wegen seiner Haltung zu Israels Existenzrecht, seiner Haltung zu BDS und der Art, wie er in einem seiner Werke den Holocaust relativiert, nicht einladen.<\/p>\n\n\n\n

Mbembes Unterst\u00fctzer sagen, keine dieser Anschuldigungen sei wahr. F\u00fcrs Protokoll: In meinen Augen unterst\u00fctzt Mbembe sehr wohl BDS<\/a>, er schrieb unter anderem das Vorwort zu \u201eApartheid Israel\u201c und fordert die komplette Isolation Israels. Ich glaube auch, wenn Mbembe schreibt, die israelische Besetzung sei der \u201egr\u00f6\u00dfte moralische Skandal unserer Zeit\u201c, zeigt das, dass sein moralischer und geografischer Kompass etwas schief ist.<\/p>\n\n\n\n

Doch warum treibt die Debatte so viele Menschen um? Nun, zun\u00e4chst gibt niemand gern auf, was ihm oder ihr selbstverst\u00e4ndlich scheint. \u00dcber den gesamten politischen, sozialen, kulturellen, medialen und akademischen Sektor hinweg sind Menschen daran gew\u00f6hnt, so schlecht \u00fcber Israel sprechen zu k\u00f6nnen, wie auch immer sie wollen.<\/p>\n\n\n\n

Der Spiegel<\/em> hat \u2013 vielleicht in Anlehnung an seine Relotius-Standards, Israel erst k\u00fcrzlich eine Corona-Diktatur genannt. Fakten und Belege f\u00fcr diese Behauptung gab es nicht. Doch Millionen Deutsche haben es gelesen, und es wird nat\u00fcrlich haften bleiben. Faktenlage hin oder her. Der Spiegel<\/em> und andere Medien haben dieses Spiel perfektioniert: Titel so zu drehen, dass sie Israel indirekt anklagen, die Idee zu streuen, der Mossad kon\u00adtrol\u00adliere die deutsche Au\u00dfenpolitik im Nahen Osten, und so fort. Doch sie stehen allesamt sofort auf den Hinterbeinen, wenn jemand es wagt, das Spiel beim Namen zu nennen: moderner Antisemitismus.<\/p>\n\n\n\n

Klein will dem entgegenwirken. Er versteht, dass antisemitische Attacken in Deutschland die Fr\u00fcchte solch falsch gezeichneter Bilder und eindimensionaler Narrative \u00fcber Israel sind. Wenn er und andere versuchen, ein anderes Narrativ aufzuzeigen, wirft man ihnen Zensur vor: Wie k\u00f6nnen sie es wagen, das Gesch\u00e4ft der Anti-Israel-Propaganda zu st\u00f6ren?<\/p>\n\n\n\n

Liebe Deutsche, wenn ihr reden wollt, lasst uns gern reden: \u00fcber die Besetzung, \u00fcber Bibi und alles, was schiefl\u00e4uft. Aber dann lasst uns bitte auch dar\u00fcber reden, wie deutsche Steuergelder Terrortunnel finanzieren. Erst vergangene Woche r\u00e4umte die niederl\u00e4ndische Regierung ein, dass Gelder an eine Landwirtschaftsorganisation in Ramallah geflossen seien, die damit teilweise die Geh\u00e4lter zweier des Mordes an der 17-j\u00e4hrigen Israelin Rina Shnerb Verd\u00e4chtiger gezahlt haben. Auch die Bundesregierung unterst\u00fctzt diese Organisation, obwohl Kritiker schon lange vor Verbindungen zu Terroristen warnen.<\/p>\n\n\n\n

Wir k\u00f6nnen uns also gerne unterhalten \u2013 aber im Dialog, nicht in Monologen. Denn Reden unter Menschen, die sich einig sind, ist nichts anderes als Impotenz.<\/p>\n\n\n\n

Israelkritik als Eintrittskarte<\/h6>\n\n\n\n

Die Israelis, die die Petition unterzeichnet haben, haben \u00fcbrigens ebenfalls etwas verstanden. Seit Jahren wissen sie: Es ist ihre Eintrittskarte in die Mitte der deutschen (und europ\u00e4ischen) Gesellschaft. Man h\u00f6rt nicht oft von Akademikern mit proisraelischen Ansichten. Weder in den Philharmonie-Orchestern noch in der Kunstszene. Die Eintrittskarte daf\u00fcr ist ein antiisraelischer Standpunkt.<\/p>\n\n\n\n

Der mutma\u00dfliche Grund, warum kaum Deutsche die Petition unterzeichnet haben: Sie mussten es nicht. Ihre Lieblingsjuden haben es f\u00fcr sie getan. Jetzt k\u00f6nnen sie sagen: \u201eSchau, ich bin das ja nicht, meine j\u00fcdischen Freunde sagen es.\u201c Ich selbst war einige Jahre lang mit einem Paar hier in Berlin befreundet, bis ich herausfand, dass ich ihr Lieblingsjude war. Ja, selbst das j\u00fcdische Museum wurde so genutzt.<\/p>\n\n\n\n

Weil Attacken gegen Juden ein absolutes Tabu sind, wurden Umwege gefunden, um den Antisemitismus auf kleiner Flamme k\u00f6cheln zu lassen: die unfundierte, unbegr\u00fcndete Kritik an Israel.<\/p>\n\n\n\n

Diese Art der Kritik ist gef\u00e4hrlich. Sie schw\u00e4cht jede begr\u00fcndete und notwendige Kritik am Verhalten Israels. Und das Interessante ist: Trotz all der heftigen, pauschalisierenden Anklagen, all der offenen Briefe driftet Israel politisch immer weiter nach rechts. Doch statt mal einen anderen Ansatz zu versuchen, werden die antiisraelischen Stimmen nur lauter. Dasselbe versuchen und andere Ergebnisse davon erwarten \u2013 das ist die Definition von Wahnsinn.<\/p>\n\n\n\n

Kurz bevor der Prozess gegen den wegen des Attentats von Halle<\/a> Angeklagten begann \u2013 des seit Kriegsende schlimmsten Akts von Antisemitismus in Deutschland \u2013, lud eine Lokalzeitung den fr\u00fcheren Botschafter Shimon Stein und den Historiker Moshe Zimmermann ein, dar\u00fcber zu schreiben, was Antisemitismus ist. Nat\u00fcrlich wendeten auch sie sich gegen Felix Kleins Ansatz. Sie zitieren die Kontroverse um die Umbenennung der U-Bahn-Station Mohrenstra\u00dfe in Glinkastra\u00dfe, die sich darum drehte, dass der russische Komponist Michael Glinka Antisemit gewesen sein soll. Stein und Zimmermann halten die Debatte f\u00fcr \u00fcberzogen, Glinka sei nur ein Kind seiner Zeit gewesen. Folgt man ihrer Logik, k\u00f6nnen wir dann also in 20 oder 30 Jahren U-Bahn-Stationen nach den Kindern der 1930er Jahre benennen?<\/p>\n\n\n\n

Der Antisemit als Tierfreund<\/h6>\n\n\n\n

Ich w\u00fcnschte, die Sache h\u00e4tte mit dem Artikel, mit der Petition geendet. Doch dann erschien ein Artikel, der den Leser auf einen Waldspaziergang mit einem veganen Koch und Antisemiten mitnahm. Darin setzt der Tierfreund erst behutsam einen K\u00e4fer wieder auf seine Beinchen und erkl\u00e4rt dann, dass die Todesstrafe in Deutschland wieder eingef\u00fchrt werden solle, um einen gewissen Politiker (der zuf\u00e4llig pro Israel ist) an seinen Hoden aufh\u00e4ngen zu k\u00f6nnen. Dieser Koch hat Hunderttausende Follower, er sagt all solche Dinge am helllichten Tag in Berlin. Und in den Medien.<\/p>\n\n\n\n

F\u00e4lle wie dieser handeln bereits von Gewalt \u2013 und sie enden nicht bei den Juden. Der Hass richtet sich gegen Frauen<\/a>, Muslime, Gefl\u00fcchtete, \u00adLBTQI. Am Ende aller theoretischen Debatten stehen immer echte Menschen. Am Ende jeder Konferenz dar\u00fcber, was Antisemitismus ausmacht, steht ein potenzielles j\u00fcdisches Opfer. Angesichts einer Welle von Antisemitismus \u00fcber die Definition von Antisemitismus zu streiten ist, wie eine 10 Meter hohe Welle heranrollen zu sehen und dar\u00fcber zu streiten, was einen Tsunami ausmacht.<\/p>\n\n\n\n

Felix Klein versteht, wie absurd es ist, zu sagen: Es sind nur die Rechten. Die Rechten sind Deutsche, so wie die Nazis Deutsche waren. Klein versteht, dass die Deutschen nicht aufgeh\u00f6rt haben, Juden zu ermorden, weil sie irgendeine Art von Erleuchtung hatten. Sondern schlicht, weil sie den Krieg verloren haben. Um den Antisemitismus zu bek\u00e4mpfen, bevor er die Gesellschaft frisst, in der er und wir leben, muss Deutschland seinen moralischen Kompass korrigieren.<\/p>\n\n\n\n

Immerhin: Mehr und mehr Deutsche fahren nach Israel, sie wollen ein anderes Narrativ h\u00f6ren. Mehr und mehr Deutsche verstehen, dass Antisemitismus Schockwellen ausl\u00f6st, die die gesamte Gesellschaft betreffen. In einem normalen Universum w\u00fcrde Klein bef\u00f6rdert werden f\u00fcr seine Leistung. In einer verdrehten Gesellschaft fordern Menschen seine Entlassung. Um es mit Mbembe zu sagen: Das ist Nano-Nonsens.<\/p>\n\n\n\n

\u00dcbersetzung: Ariane Lemme<\/a><\/em><\/p>\n","post_title":"Felix Klein hat verstanden","post_excerpt":"","post_status":"publish","comment_status":"closed","ping_status":"closed","post_password":"","post_name":"felix-klein-hat-verstanden","to_ping":"","pinged":"","post_modified":"2025-02-02 08:39:39","post_modified_gmt":"2025-02-02 08:39:39","post_content_filtered":"","post_parent":0,"guid":"https:\/\/dctransparency.com\/?p=3786","menu_order":0,"post_type":"post","post_mime_type":"","comment_count":"0","filter":"raw"}],"next":false,"prev":true,"total_page":47},"paged":1,"column_class":"jeg_col_2o3","class":"epic_block_3"};

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Ist die T\u00fcrkei das neue Russland? Diese Frage wird in den europ\u00e4ischen Hauptst\u00e4dten zunehmend gestellt, da die Au\u00dfenpolitik des t\u00fcrkischen Pr\u00e4sidenten Recep Tayyip Erdo\u011fan zunehmend aggressiver wird. Erdo\u011fan nutzt nicht nur die Migration, um die EU zu bedrohen und zu betr\u00fcgen, sondern setzt auch milit\u00e4rische Macht ein, um den Einflussbereich der T\u00fcrkei auf die gesamte Region auszudehnen.<\/p>\n\n\n\n

Seit dem Ende des Kalten Krieges haben die Europ\u00e4er die regionale Sicherheit durch eine unipolare westliche Linse betrachtet. W\u00e4hrend die Nato die milit\u00e4rische Sicherheit garantierte, sorgte die EU mit ihrem 80.000 Seiten starken Regelwerk f\u00fcr alles von LGBTQ-Rechten bis hin zu Rasenm\u00e4her-Sound-Verordnungen f\u00fcr Rechtsordnung. In den 90er-Jahren ging man allgemein davon aus, dass die beiden gro\u00dfen nichtwestlichen regionalen Akteure, Russland und die T\u00fcrkei, nach und nach an diese Regelungen herangef\u00fchrt werden w\u00fcrden.<\/p>\n\n\n\n

Qu\u00e4lende Hassliebe<\/h3>\n\n\n\n

Doch in den letzten 15 Jahren ist der Traum von der europ\u00e4ischen Unipolarit\u00e4t einer multipolaren Realit\u00e4t gewichen. Sowohl Russland als auch die T\u00fcrkei haben eine lange, qu\u00e4lende Hassliebe zu Europa, und beide sind unter nationalen Machthabern, denen die Verachtung der Normen und Werte der EU gemeinsam ist, durchsetzungsf\u00e4higer geworden.<\/p>\n\n\n\n

Die zunehmende Verschlechterung der Beziehungen zwischen der EU und Russland ist gut dokumentiert, der Fall der T\u00fcrkei weniger. Der Irakkrieg im Jahr 2003 komplizierte das Verh\u00e4ltnis der T\u00fcrkei zur Nato, und ihr Verh\u00e4ltnis zur EU verschlechterte sich 2007, als Frankreich einen wichtigen Teil ihrer EU-Beitrittsverhandlungen blockierte. Seitdem hat die T\u00fcrkei ihren eigenen Weg in Syrien, auf dem Balkan und in Libyen eingeschlagen und neue Beziehungen zu Russland und China aufgebaut.<\/p>\n\n\n\n

Wichtiger Akteur<\/strong><\/h3>\n\n\n\n

Nat\u00fcrlich sind die Beziehungen zwischen der T\u00fcrkei und Russland nicht weniger kompliziert, nicht zuletzt weil Erdo\u011fan und der russische Pr\u00e4sident Wladimir Putin im syrischen B\u00fcrgerkrieg verschiedene Seiten unterst\u00fctzten.Und w\u00e4hrend die Spannungen wegen des Syrien-Konflikts weiterhin bestehen, bewundert Erdo\u011fan deutlich, wie Russland sich \u2013 bei relativ geringen Kosten \u2013 wieder als wichtiger Akteur im Nahen Osten und in Nordafrika etabliert hat.<\/p>\n\n\n\n

Nachdem er in einen nicht zu gewinnenden Krieg im Osten der Ukraine verwickelt war, schien Putins weitgehend erfolgreicher Feldzug in Syrien einen Teil seiner innenpolitischen Autorit\u00e4t wiederherzustellen. Der Westen hatte f\u00fcnf Jahre lang darauf bestanden, dass es keine milit\u00e4rische L\u00f6sung des Konflikts gebe und dass der syrische Pr\u00e4sident Baschar al-Assad gehen m\u00fcsse. Doch w\u00e4hrend die von den Vereinten Nationen unterst\u00fctzten Gespr\u00e4che in Genf zu keinem Ergebnis f\u00fchrten, schienen die von Russland geleiteten Gespr\u00e4che in Astana voranzukommen. Indem der Kreml die T\u00fcrkei und den Iran einbezog, w\u00e4hrend er die westlichen M\u00e4chte ausschloss, erweckte er den Eindruck, dass Russland als wiedergeborene Supermacht aus der Asche auferstanden sei.<\/p>\n\n\n\n

Unter Druck<\/h3>\n\n\n\n

Angesichts des wachsenden Widerstands im eigenen Land macht es Erdo\u011fan Putin gleich. Da der Westen nicht bereit war, (erneut) milit\u00e4risch in Libyen zu intervenieren, sah Erdo\u011fan eine Gelegenheit, die T\u00fcrkei zu positionieren. Nach dem Vorgehen Russlands in Syrien sicherte er sich eine formelle Einladung der libyschen Regierung zur Intervention. Mit einem Schlag Ende letzten Jahres hat er nicht nur das Image der T\u00fcrkei als Regionalmacht gest\u00e4rkt, sondern auch ein Abkommen mit Libyen \u00fcber die Seegrenze abgeschlossen und damit einen Plan Griechenlands, Zyperns, \u00c4gyptens und Israels zur Erschlie\u00dfung von Unterwasser\u00f6l- und -gasfeldern in der N\u00e4he zunichtegemacht.<\/p>\n\n\n\n

Erdo\u011fan scheint auch von der Spalt-und-Eroberungs-Strategie des Kreml in Europa inspiriert worden zu sein, der zufolge oft diejenigen EU-Mitgliedsstaaten unter Druck gesetzt werden, die am meisten von russischen Kohlenwasserstoffen oder M\u00e4rkten abh\u00e4ngig sind. So wie Putin lange Zeit die Energieversorgung instrumentalisiert hat, hat Erdo\u011fan versucht, den Strom von Migranten und Fl\u00fcchtlingen, die vor Konflikten im Nahen Osten fliehen, zu instrumentalisieren. Als die EU eine neue Marinemission ank\u00fcndigte, um den Waffenstrom nach Libyen zu blockieren, malte die T\u00fcrkei f\u00fcr Malta das Schreckgespenst der angeblichen Bedrohung durch Migranten an die Wand. Malta reagierte prompt und signalisierte, dass es gegen die Finanzierung der Mission ein Veto einlegen werde.<\/p>\n\n\n\n

Verlorener Sohn<\/strong><\/h3>\n\n\n\n

Jahrelang redeten sich die Europ\u00e4er ein, dass Russland eine Art verlorener Sohn sei und dass die europ\u00e4ische unipolare Ordnung gesund bleibe. Doch das machte Europa zu einem leichten Ziel f\u00fcr die Trennungs-und-Eroberungs-Strategie des Kreml. Erst vor relativ kurzer Zeit entwarf die Union eine neue Politik und ein robustes Sanktionsregime, um die russische Aggression abzuschrecken. Und selbst jetzt \u2013 trotz der besten Bem\u00fchungen der deutschen Bundeskanzlerin Angela Merkel und des franz\u00f6sischen Pr\u00e4sidenten Emmanuel Macron \u2013 hat die EU noch immer keine wirksamen Kommunikationskan\u00e4le mit Russland geschaffen, um gemeinsame Probleme anzugehen.<\/p>\n\n\n\n

Die T\u00fcrkei ist noch kein neues Russland, aber sie k\u00f6nnte dazu werden, wenn die Situation falsch gehandhabt wird. Vorerst betrachten die meisten Europ\u00e4er die T\u00fcrkei noch immer als einen komplizierten Partner und nicht als \"Systemrivalen\". Aber die Europ\u00e4er sollten die hart erk\u00e4mpften Lehren aus dem Umgang mit Russland in den letzten 15 Jahren beherzigen. Die Beziehungen zwischen der EU und der T\u00fcrkei brauchen neue, einvernehmlich vereinbarte Prinzipien sowie klare Grenzen, um eine weitere Destabilisierung in der Region zu verhindern.<\/p>\n\n\n\n

Zu diesem Zweck sollten die Europ\u00e4er klarstellen, dass der EU-Beitrittsprozess entweder zur\u00fcckgedreht oder vorangetrieben werden kann und dass eine eher transaktionale Beziehung sowohl Zuckerbrot als auch Peitsche beinhaltet. Die Herausforderung wird darin bestehen, daf\u00fcr zu sorgen, dass es in einer Region, die nicht nur von Europa und der T\u00fcrkei, sondern auch von Russland, den USA und einem aufstrebenden China beeinflusst wird, noch Raum f\u00fcr politisches Engagement in Fragen der gemeinsamen Sicherheit gibt. (Mark Leonard, \u00dcbersetzung: Eva G\u00f6llner, Copyright: Project Syndicate, 10.8.2020)<\/p>\n\n\n\n

Mark Leonard <\/strong>ist Direktor des Europ\u00e4ischen Rats f\u00fcr Ausw\u00e4rtige Beziehungen.<\/a><\/p>\n","post_title":"Erdo\u011fan \u2013 der andere Putin vor der Haust\u00fcr Europas","post_excerpt":"","post_status":"publish","comment_status":"closed","ping_status":"closed","post_password":"","post_name":"erdogan-der-andere-putin-vor-der-haustur-europas","to_ping":"","pinged":"","post_modified":"2025-02-02 08:39:39","post_modified_gmt":"2025-02-02 08:39:39","post_content_filtered":"","post_parent":0,"guid":"https:\/\/dctransparency.com\/?p=3789","menu_order":0,"post_type":"post","post_mime_type":"","comment_count":"0","filter":"raw"},{"ID":3786,"post_author":"7","post_date":"2020-08-14 13:51:23","post_date_gmt":"2020-08-14 13:51:23","post_content":"\n

Einen Monat nachdem ich zur israelischen Armee eingezogen worden war, brach die erste Intifada aus. Statt Soldat zu sein, machte ich Polizeiarbeit, sagte den Menschen, wann sie zur Arbeit gehen konnten und wann sie ihre L\u00e4den schlie\u00dfen mussten, wann sie die Grenze passieren und wann sie schlafen konnten. Einen Monat nachdem ich aus der Armee entlassen worden war, ging ich auf Reisen. (In Israel sagen wir: Wir dienen drei Jahre und versuchen den Rest unseres Lebens, diese drei Jahre zu vergessen.) Auf meiner Reise begann ich Briefe an meine Freundin zu schreiben, die ich in Israel zur\u00fcckgelassen hatte.<\/p>\n\n\n\n

Ich schrieb ihr, wie schrecklich depressiv ich war und dass diese drei Jahre des Anweisungenbellens und Anderen-Menschen-Sagens, was sie zu tun haben, mich f\u00fcr immer verfolgen w\u00fcrden. Dass sie ein Teil dessen geworden waren, was ich bin. Ich erinnere mich, dass ich ihr schrieb, dass wir da rausm\u00fcssen \u2013 nicht nur f\u00fcr die Pal\u00e4stinenser, sondern wegen der furchtbaren und brutalen Auswirkungen, die all das auf uns, auf die israelische Gesellschaft haben w\u00fcrde. Sie schrieb zur\u00fcck: \u201eDu hast recht. Ich habe einen neuen Freund.\u201c<\/p>\n\n\n\n

Felix Klein wurde als Beauftragter der Bundesregierung berufen<\/a>, um die Auswirkungen des zunehmenden Antisemitismus in unserer Gesellschaft, in Deutschland, zu bek\u00e4mpfen. Was nicht in seiner Jobbeschreibung steht, ist, dass er dabei unsere Gesellschaft heilen muss, jene Gesellschaft, die diese Form des Hasses reproduziert und sch\u00fctzt. Klein hat das begriffen.<\/p>\n\n\n\n

Er versteht, dass man Krebs nicht mit einem Pflaster verarztet, er wei\u00df, dass er das Bewusstsein der Deutschen sch\u00e4rfen und Diskussionen ansto\u00dfen muss. Er hat begriffen, dass das Problem nicht nur an den R\u00e4ndern der Gesellschaft (bei den Rechten) liegt, sondern auch in ihrer Mitte. Dort, wo gebildete Menschen nicht einmal bemerken, dass das, was sie sagen und tun, antisemitisch ist. So wie sie es auch nicht merken, wenn sie rassistisch handeln. Er hat all das verstanden, und genau deshalb wollen einige, dass er seinen Posten r\u00e4umt.<\/p>\n\n\n\n

Mehr als 60 deutsche und israelische Intellektuelle haben letzte Woche in einem Brief an Kanzlerin Merkel<\/a> dar\u00fcber geklagt, dass der aktuelle \u201eGebrauch des Antisemitismusbegriffs\u201c darauf abziele, \u201elegitime Kritik an der israelischen Regierungspolitik zu unterdr\u00fccken\u201c, und Klein vorgeworfen, rechtspopulistische israelische Stimmen zu f\u00f6rdern.<\/p>\n\n\n\n

Faszinierend an diesem offenen Brief ist, dass viele der Unterzeichneten keine Deutschen sind und auch nicht in Deutschland leben. Ich wei\u00df nicht, woher sie \u2013 die meisten von ihnen sind Israelis \u2013 die Chuzpe haben, sich in eine innerdeutsche Angelegenheit einzumischen und zu fordern, eine Person zu entlassen, die von der Bundesregierung eingesetzt wurde. Die H\u00e4lfte der Unterzeichneten lebt nicht hier, von der anderen H\u00e4lfte sind viele keine Juden \u2013 somit sind die allermeisten von ihnen nicht direkt vom Antisemitismus in Deutschland betroffen. Wie also k\u00f6nnen sie diesen Brief unterschreiben? Und warum eigentlich haben so wenige Deutsche unterschrieben? Dazu komme ich gleich.<\/p>\n\n\n\n

Debatte um Achille Mbembe<\/h6>\n\n\n\n

Hintergrund des Briefs war, dass Felix Klein gefordert hatte, den Philosophen Achille Mbembe<\/a> nicht die Er\u00f6ffnungsrede der Ruhrtriennale halten zu lassen. Als mit \u00f6ffentlichen Mitteln gef\u00f6rdertes Event solle die Ruhrtriennale Mbembe wegen seiner Haltung zu Israels Existenzrecht, seiner Haltung zu BDS und der Art, wie er in einem seiner Werke den Holocaust relativiert, nicht einladen.<\/p>\n\n\n\n

Mbembes Unterst\u00fctzer sagen, keine dieser Anschuldigungen sei wahr. F\u00fcrs Protokoll: In meinen Augen unterst\u00fctzt Mbembe sehr wohl BDS<\/a>, er schrieb unter anderem das Vorwort zu \u201eApartheid Israel\u201c und fordert die komplette Isolation Israels. Ich glaube auch, wenn Mbembe schreibt, die israelische Besetzung sei der \u201egr\u00f6\u00dfte moralische Skandal unserer Zeit\u201c, zeigt das, dass sein moralischer und geografischer Kompass etwas schief ist.<\/p>\n\n\n\n

Doch warum treibt die Debatte so viele Menschen um? Nun, zun\u00e4chst gibt niemand gern auf, was ihm oder ihr selbstverst\u00e4ndlich scheint. \u00dcber den gesamten politischen, sozialen, kulturellen, medialen und akademischen Sektor hinweg sind Menschen daran gew\u00f6hnt, so schlecht \u00fcber Israel sprechen zu k\u00f6nnen, wie auch immer sie wollen.<\/p>\n\n\n\n

Der Spiegel<\/em> hat \u2013 vielleicht in Anlehnung an seine Relotius-Standards, Israel erst k\u00fcrzlich eine Corona-Diktatur genannt. Fakten und Belege f\u00fcr diese Behauptung gab es nicht. Doch Millionen Deutsche haben es gelesen, und es wird nat\u00fcrlich haften bleiben. Faktenlage hin oder her. Der Spiegel<\/em> und andere Medien haben dieses Spiel perfektioniert: Titel so zu drehen, dass sie Israel indirekt anklagen, die Idee zu streuen, der Mossad kon\u00adtrol\u00adliere die deutsche Au\u00dfenpolitik im Nahen Osten, und so fort. Doch sie stehen allesamt sofort auf den Hinterbeinen, wenn jemand es wagt, das Spiel beim Namen zu nennen: moderner Antisemitismus.<\/p>\n\n\n\n

Klein will dem entgegenwirken. Er versteht, dass antisemitische Attacken in Deutschland die Fr\u00fcchte solch falsch gezeichneter Bilder und eindimensionaler Narrative \u00fcber Israel sind. Wenn er und andere versuchen, ein anderes Narrativ aufzuzeigen, wirft man ihnen Zensur vor: Wie k\u00f6nnen sie es wagen, das Gesch\u00e4ft der Anti-Israel-Propaganda zu st\u00f6ren?<\/p>\n\n\n\n

Liebe Deutsche, wenn ihr reden wollt, lasst uns gern reden: \u00fcber die Besetzung, \u00fcber Bibi und alles, was schiefl\u00e4uft. Aber dann lasst uns bitte auch dar\u00fcber reden, wie deutsche Steuergelder Terrortunnel finanzieren. Erst vergangene Woche r\u00e4umte die niederl\u00e4ndische Regierung ein, dass Gelder an eine Landwirtschaftsorganisation in Ramallah geflossen seien, die damit teilweise die Geh\u00e4lter zweier des Mordes an der 17-j\u00e4hrigen Israelin Rina Shnerb Verd\u00e4chtiger gezahlt haben. Auch die Bundesregierung unterst\u00fctzt diese Organisation, obwohl Kritiker schon lange vor Verbindungen zu Terroristen warnen.<\/p>\n\n\n\n

Wir k\u00f6nnen uns also gerne unterhalten \u2013 aber im Dialog, nicht in Monologen. Denn Reden unter Menschen, die sich einig sind, ist nichts anderes als Impotenz.<\/p>\n\n\n\n

Israelkritik als Eintrittskarte<\/h6>\n\n\n\n

Die Israelis, die die Petition unterzeichnet haben, haben \u00fcbrigens ebenfalls etwas verstanden. Seit Jahren wissen sie: Es ist ihre Eintrittskarte in die Mitte der deutschen (und europ\u00e4ischen) Gesellschaft. Man h\u00f6rt nicht oft von Akademikern mit proisraelischen Ansichten. Weder in den Philharmonie-Orchestern noch in der Kunstszene. Die Eintrittskarte daf\u00fcr ist ein antiisraelischer Standpunkt.<\/p>\n\n\n\n

Der mutma\u00dfliche Grund, warum kaum Deutsche die Petition unterzeichnet haben: Sie mussten es nicht. Ihre Lieblingsjuden haben es f\u00fcr sie getan. Jetzt k\u00f6nnen sie sagen: \u201eSchau, ich bin das ja nicht, meine j\u00fcdischen Freunde sagen es.\u201c Ich selbst war einige Jahre lang mit einem Paar hier in Berlin befreundet, bis ich herausfand, dass ich ihr Lieblingsjude war. Ja, selbst das j\u00fcdische Museum wurde so genutzt.<\/p>\n\n\n\n

Weil Attacken gegen Juden ein absolutes Tabu sind, wurden Umwege gefunden, um den Antisemitismus auf kleiner Flamme k\u00f6cheln zu lassen: die unfundierte, unbegr\u00fcndete Kritik an Israel.<\/p>\n\n\n\n

Diese Art der Kritik ist gef\u00e4hrlich. Sie schw\u00e4cht jede begr\u00fcndete und notwendige Kritik am Verhalten Israels. Und das Interessante ist: Trotz all der heftigen, pauschalisierenden Anklagen, all der offenen Briefe driftet Israel politisch immer weiter nach rechts. Doch statt mal einen anderen Ansatz zu versuchen, werden die antiisraelischen Stimmen nur lauter. Dasselbe versuchen und andere Ergebnisse davon erwarten \u2013 das ist die Definition von Wahnsinn.<\/p>\n\n\n\n

Kurz bevor der Prozess gegen den wegen des Attentats von Halle<\/a> Angeklagten begann \u2013 des seit Kriegsende schlimmsten Akts von Antisemitismus in Deutschland \u2013, lud eine Lokalzeitung den fr\u00fcheren Botschafter Shimon Stein und den Historiker Moshe Zimmermann ein, dar\u00fcber zu schreiben, was Antisemitismus ist. Nat\u00fcrlich wendeten auch sie sich gegen Felix Kleins Ansatz. Sie zitieren die Kontroverse um die Umbenennung der U-Bahn-Station Mohrenstra\u00dfe in Glinkastra\u00dfe, die sich darum drehte, dass der russische Komponist Michael Glinka Antisemit gewesen sein soll. Stein und Zimmermann halten die Debatte f\u00fcr \u00fcberzogen, Glinka sei nur ein Kind seiner Zeit gewesen. Folgt man ihrer Logik, k\u00f6nnen wir dann also in 20 oder 30 Jahren U-Bahn-Stationen nach den Kindern der 1930er Jahre benennen?<\/p>\n\n\n\n

Der Antisemit als Tierfreund<\/h6>\n\n\n\n

Ich w\u00fcnschte, die Sache h\u00e4tte mit dem Artikel, mit der Petition geendet. Doch dann erschien ein Artikel, der den Leser auf einen Waldspaziergang mit einem veganen Koch und Antisemiten mitnahm. Darin setzt der Tierfreund erst behutsam einen K\u00e4fer wieder auf seine Beinchen und erkl\u00e4rt dann, dass die Todesstrafe in Deutschland wieder eingef\u00fchrt werden solle, um einen gewissen Politiker (der zuf\u00e4llig pro Israel ist) an seinen Hoden aufh\u00e4ngen zu k\u00f6nnen. Dieser Koch hat Hunderttausende Follower, er sagt all solche Dinge am helllichten Tag in Berlin. Und in den Medien.<\/p>\n\n\n\n

F\u00e4lle wie dieser handeln bereits von Gewalt \u2013 und sie enden nicht bei den Juden. Der Hass richtet sich gegen Frauen<\/a>, Muslime, Gefl\u00fcchtete, \u00adLBTQI. Am Ende aller theoretischen Debatten stehen immer echte Menschen. Am Ende jeder Konferenz dar\u00fcber, was Antisemitismus ausmacht, steht ein potenzielles j\u00fcdisches Opfer. Angesichts einer Welle von Antisemitismus \u00fcber die Definition von Antisemitismus zu streiten ist, wie eine 10 Meter hohe Welle heranrollen zu sehen und dar\u00fcber zu streiten, was einen Tsunami ausmacht.<\/p>\n\n\n\n

Felix Klein versteht, wie absurd es ist, zu sagen: Es sind nur die Rechten. Die Rechten sind Deutsche, so wie die Nazis Deutsche waren. Klein versteht, dass die Deutschen nicht aufgeh\u00f6rt haben, Juden zu ermorden, weil sie irgendeine Art von Erleuchtung hatten. Sondern schlicht, weil sie den Krieg verloren haben. Um den Antisemitismus zu bek\u00e4mpfen, bevor er die Gesellschaft frisst, in der er und wir leben, muss Deutschland seinen moralischen Kompass korrigieren.<\/p>\n\n\n\n

Immerhin: Mehr und mehr Deutsche fahren nach Israel, sie wollen ein anderes Narrativ h\u00f6ren. Mehr und mehr Deutsche verstehen, dass Antisemitismus Schockwellen ausl\u00f6st, die die gesamte Gesellschaft betreffen. In einem normalen Universum w\u00fcrde Klein bef\u00f6rdert werden f\u00fcr seine Leistung. In einer verdrehten Gesellschaft fordern Menschen seine Entlassung. Um es mit Mbembe zu sagen: Das ist Nano-Nonsens.<\/p>\n\n\n\n

\u00dcbersetzung: Ariane Lemme<\/a><\/em><\/p>\n","post_title":"Felix Klein hat verstanden","post_excerpt":"","post_status":"publish","comment_status":"closed","ping_status":"closed","post_password":"","post_name":"felix-klein-hat-verstanden","to_ping":"","pinged":"","post_modified":"2025-02-02 08:39:39","post_modified_gmt":"2025-02-02 08:39:39","post_content_filtered":"","post_parent":0,"guid":"https:\/\/dctransparency.com\/?p=3786","menu_order":0,"post_type":"post","post_mime_type":"","comment_count":"0","filter":"raw"}],"next":false,"prev":true,"total_page":47},"paged":1,"column_class":"jeg_col_2o3","class":"epic_block_3"};

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Im Gastkommentar pocht Mark Leonard, Direktor des Europ\u00e4ischen Rats f\u00fcr Ausw\u00e4rtige Beziehungen, auf \"neue, einvernehmlich vereinbarte Prinzipien sowie klare Grenzen\", nur so k\u00f6nne eine weitere Destabilisierung in der Region verhindert werden.<\/em><\/strong><\/p>\n\n\n\n

Ist die T\u00fcrkei das neue Russland? Diese Frage wird in den europ\u00e4ischen Hauptst\u00e4dten zunehmend gestellt, da die Au\u00dfenpolitik des t\u00fcrkischen Pr\u00e4sidenten Recep Tayyip Erdo\u011fan zunehmend aggressiver wird. Erdo\u011fan nutzt nicht nur die Migration, um die EU zu bedrohen und zu betr\u00fcgen, sondern setzt auch milit\u00e4rische Macht ein, um den Einflussbereich der T\u00fcrkei auf die gesamte Region auszudehnen.<\/p>\n\n\n\n

Seit dem Ende des Kalten Krieges haben die Europ\u00e4er die regionale Sicherheit durch eine unipolare westliche Linse betrachtet. W\u00e4hrend die Nato die milit\u00e4rische Sicherheit garantierte, sorgte die EU mit ihrem 80.000 Seiten starken Regelwerk f\u00fcr alles von LGBTQ-Rechten bis hin zu Rasenm\u00e4her-Sound-Verordnungen f\u00fcr Rechtsordnung. In den 90er-Jahren ging man allgemein davon aus, dass die beiden gro\u00dfen nichtwestlichen regionalen Akteure, Russland und die T\u00fcrkei, nach und nach an diese Regelungen herangef\u00fchrt werden w\u00fcrden.<\/p>\n\n\n\n

Qu\u00e4lende Hassliebe<\/h3>\n\n\n\n

Doch in den letzten 15 Jahren ist der Traum von der europ\u00e4ischen Unipolarit\u00e4t einer multipolaren Realit\u00e4t gewichen. Sowohl Russland als auch die T\u00fcrkei haben eine lange, qu\u00e4lende Hassliebe zu Europa, und beide sind unter nationalen Machthabern, denen die Verachtung der Normen und Werte der EU gemeinsam ist, durchsetzungsf\u00e4higer geworden.<\/p>\n\n\n\n

Die zunehmende Verschlechterung der Beziehungen zwischen der EU und Russland ist gut dokumentiert, der Fall der T\u00fcrkei weniger. Der Irakkrieg im Jahr 2003 komplizierte das Verh\u00e4ltnis der T\u00fcrkei zur Nato, und ihr Verh\u00e4ltnis zur EU verschlechterte sich 2007, als Frankreich einen wichtigen Teil ihrer EU-Beitrittsverhandlungen blockierte. Seitdem hat die T\u00fcrkei ihren eigenen Weg in Syrien, auf dem Balkan und in Libyen eingeschlagen und neue Beziehungen zu Russland und China aufgebaut.<\/p>\n\n\n\n

Wichtiger Akteur<\/strong><\/h3>\n\n\n\n

Nat\u00fcrlich sind die Beziehungen zwischen der T\u00fcrkei und Russland nicht weniger kompliziert, nicht zuletzt weil Erdo\u011fan und der russische Pr\u00e4sident Wladimir Putin im syrischen B\u00fcrgerkrieg verschiedene Seiten unterst\u00fctzten.Und w\u00e4hrend die Spannungen wegen des Syrien-Konflikts weiterhin bestehen, bewundert Erdo\u011fan deutlich, wie Russland sich \u2013 bei relativ geringen Kosten \u2013 wieder als wichtiger Akteur im Nahen Osten und in Nordafrika etabliert hat.<\/p>\n\n\n\n

Nachdem er in einen nicht zu gewinnenden Krieg im Osten der Ukraine verwickelt war, schien Putins weitgehend erfolgreicher Feldzug in Syrien einen Teil seiner innenpolitischen Autorit\u00e4t wiederherzustellen. Der Westen hatte f\u00fcnf Jahre lang darauf bestanden, dass es keine milit\u00e4rische L\u00f6sung des Konflikts gebe und dass der syrische Pr\u00e4sident Baschar al-Assad gehen m\u00fcsse. Doch w\u00e4hrend die von den Vereinten Nationen unterst\u00fctzten Gespr\u00e4che in Genf zu keinem Ergebnis f\u00fchrten, schienen die von Russland geleiteten Gespr\u00e4che in Astana voranzukommen. Indem der Kreml die T\u00fcrkei und den Iran einbezog, w\u00e4hrend er die westlichen M\u00e4chte ausschloss, erweckte er den Eindruck, dass Russland als wiedergeborene Supermacht aus der Asche auferstanden sei.<\/p>\n\n\n\n

Unter Druck<\/h3>\n\n\n\n

Angesichts des wachsenden Widerstands im eigenen Land macht es Erdo\u011fan Putin gleich. Da der Westen nicht bereit war, (erneut) milit\u00e4risch in Libyen zu intervenieren, sah Erdo\u011fan eine Gelegenheit, die T\u00fcrkei zu positionieren. Nach dem Vorgehen Russlands in Syrien sicherte er sich eine formelle Einladung der libyschen Regierung zur Intervention. Mit einem Schlag Ende letzten Jahres hat er nicht nur das Image der T\u00fcrkei als Regionalmacht gest\u00e4rkt, sondern auch ein Abkommen mit Libyen \u00fcber die Seegrenze abgeschlossen und damit einen Plan Griechenlands, Zyperns, \u00c4gyptens und Israels zur Erschlie\u00dfung von Unterwasser\u00f6l- und -gasfeldern in der N\u00e4he zunichtegemacht.<\/p>\n\n\n\n

Erdo\u011fan scheint auch von der Spalt-und-Eroberungs-Strategie des Kreml in Europa inspiriert worden zu sein, der zufolge oft diejenigen EU-Mitgliedsstaaten unter Druck gesetzt werden, die am meisten von russischen Kohlenwasserstoffen oder M\u00e4rkten abh\u00e4ngig sind. So wie Putin lange Zeit die Energieversorgung instrumentalisiert hat, hat Erdo\u011fan versucht, den Strom von Migranten und Fl\u00fcchtlingen, die vor Konflikten im Nahen Osten fliehen, zu instrumentalisieren. Als die EU eine neue Marinemission ank\u00fcndigte, um den Waffenstrom nach Libyen zu blockieren, malte die T\u00fcrkei f\u00fcr Malta das Schreckgespenst der angeblichen Bedrohung durch Migranten an die Wand. Malta reagierte prompt und signalisierte, dass es gegen die Finanzierung der Mission ein Veto einlegen werde.<\/p>\n\n\n\n

Verlorener Sohn<\/strong><\/h3>\n\n\n\n

Jahrelang redeten sich die Europ\u00e4er ein, dass Russland eine Art verlorener Sohn sei und dass die europ\u00e4ische unipolare Ordnung gesund bleibe. Doch das machte Europa zu einem leichten Ziel f\u00fcr die Trennungs-und-Eroberungs-Strategie des Kreml. Erst vor relativ kurzer Zeit entwarf die Union eine neue Politik und ein robustes Sanktionsregime, um die russische Aggression abzuschrecken. Und selbst jetzt \u2013 trotz der besten Bem\u00fchungen der deutschen Bundeskanzlerin Angela Merkel und des franz\u00f6sischen Pr\u00e4sidenten Emmanuel Macron \u2013 hat die EU noch immer keine wirksamen Kommunikationskan\u00e4le mit Russland geschaffen, um gemeinsame Probleme anzugehen.<\/p>\n\n\n\n

Die T\u00fcrkei ist noch kein neues Russland, aber sie k\u00f6nnte dazu werden, wenn die Situation falsch gehandhabt wird. Vorerst betrachten die meisten Europ\u00e4er die T\u00fcrkei noch immer als einen komplizierten Partner und nicht als \"Systemrivalen\". Aber die Europ\u00e4er sollten die hart erk\u00e4mpften Lehren aus dem Umgang mit Russland in den letzten 15 Jahren beherzigen. Die Beziehungen zwischen der EU und der T\u00fcrkei brauchen neue, einvernehmlich vereinbarte Prinzipien sowie klare Grenzen, um eine weitere Destabilisierung in der Region zu verhindern.<\/p>\n\n\n\n

Zu diesem Zweck sollten die Europ\u00e4er klarstellen, dass der EU-Beitrittsprozess entweder zur\u00fcckgedreht oder vorangetrieben werden kann und dass eine eher transaktionale Beziehung sowohl Zuckerbrot als auch Peitsche beinhaltet. Die Herausforderung wird darin bestehen, daf\u00fcr zu sorgen, dass es in einer Region, die nicht nur von Europa und der T\u00fcrkei, sondern auch von Russland, den USA und einem aufstrebenden China beeinflusst wird, noch Raum f\u00fcr politisches Engagement in Fragen der gemeinsamen Sicherheit gibt. (Mark Leonard, \u00dcbersetzung: Eva G\u00f6llner, Copyright: Project Syndicate, 10.8.2020)<\/p>\n\n\n\n

Mark Leonard <\/strong>ist Direktor des Europ\u00e4ischen Rats f\u00fcr Ausw\u00e4rtige Beziehungen.<\/a><\/p>\n","post_title":"Erdo\u011fan \u2013 der andere Putin vor der Haust\u00fcr Europas","post_excerpt":"","post_status":"publish","comment_status":"closed","ping_status":"closed","post_password":"","post_name":"erdogan-der-andere-putin-vor-der-haustur-europas","to_ping":"","pinged":"","post_modified":"2025-02-02 08:39:39","post_modified_gmt":"2025-02-02 08:39:39","post_content_filtered":"","post_parent":0,"guid":"https:\/\/dctransparency.com\/?p=3789","menu_order":0,"post_type":"post","post_mime_type":"","comment_count":"0","filter":"raw"},{"ID":3786,"post_author":"7","post_date":"2020-08-14 13:51:23","post_date_gmt":"2020-08-14 13:51:23","post_content":"\n

Einen Monat nachdem ich zur israelischen Armee eingezogen worden war, brach die erste Intifada aus. Statt Soldat zu sein, machte ich Polizeiarbeit, sagte den Menschen, wann sie zur Arbeit gehen konnten und wann sie ihre L\u00e4den schlie\u00dfen mussten, wann sie die Grenze passieren und wann sie schlafen konnten. Einen Monat nachdem ich aus der Armee entlassen worden war, ging ich auf Reisen. (In Israel sagen wir: Wir dienen drei Jahre und versuchen den Rest unseres Lebens, diese drei Jahre zu vergessen.) Auf meiner Reise begann ich Briefe an meine Freundin zu schreiben, die ich in Israel zur\u00fcckgelassen hatte.<\/p>\n\n\n\n

Ich schrieb ihr, wie schrecklich depressiv ich war und dass diese drei Jahre des Anweisungenbellens und Anderen-Menschen-Sagens, was sie zu tun haben, mich f\u00fcr immer verfolgen w\u00fcrden. Dass sie ein Teil dessen geworden waren, was ich bin. Ich erinnere mich, dass ich ihr schrieb, dass wir da rausm\u00fcssen \u2013 nicht nur f\u00fcr die Pal\u00e4stinenser, sondern wegen der furchtbaren und brutalen Auswirkungen, die all das auf uns, auf die israelische Gesellschaft haben w\u00fcrde. Sie schrieb zur\u00fcck: \u201eDu hast recht. Ich habe einen neuen Freund.\u201c<\/p>\n\n\n\n

Felix Klein wurde als Beauftragter der Bundesregierung berufen<\/a>, um die Auswirkungen des zunehmenden Antisemitismus in unserer Gesellschaft, in Deutschland, zu bek\u00e4mpfen. Was nicht in seiner Jobbeschreibung steht, ist, dass er dabei unsere Gesellschaft heilen muss, jene Gesellschaft, die diese Form des Hasses reproduziert und sch\u00fctzt. Klein hat das begriffen.<\/p>\n\n\n\n

Er versteht, dass man Krebs nicht mit einem Pflaster verarztet, er wei\u00df, dass er das Bewusstsein der Deutschen sch\u00e4rfen und Diskussionen ansto\u00dfen muss. Er hat begriffen, dass das Problem nicht nur an den R\u00e4ndern der Gesellschaft (bei den Rechten) liegt, sondern auch in ihrer Mitte. Dort, wo gebildete Menschen nicht einmal bemerken, dass das, was sie sagen und tun, antisemitisch ist. So wie sie es auch nicht merken, wenn sie rassistisch handeln. Er hat all das verstanden, und genau deshalb wollen einige, dass er seinen Posten r\u00e4umt.<\/p>\n\n\n\n

Mehr als 60 deutsche und israelische Intellektuelle haben letzte Woche in einem Brief an Kanzlerin Merkel<\/a> dar\u00fcber geklagt, dass der aktuelle \u201eGebrauch des Antisemitismusbegriffs\u201c darauf abziele, \u201elegitime Kritik an der israelischen Regierungspolitik zu unterdr\u00fccken\u201c, und Klein vorgeworfen, rechtspopulistische israelische Stimmen zu f\u00f6rdern.<\/p>\n\n\n\n

Faszinierend an diesem offenen Brief ist, dass viele der Unterzeichneten keine Deutschen sind und auch nicht in Deutschland leben. Ich wei\u00df nicht, woher sie \u2013 die meisten von ihnen sind Israelis \u2013 die Chuzpe haben, sich in eine innerdeutsche Angelegenheit einzumischen und zu fordern, eine Person zu entlassen, die von der Bundesregierung eingesetzt wurde. Die H\u00e4lfte der Unterzeichneten lebt nicht hier, von der anderen H\u00e4lfte sind viele keine Juden \u2013 somit sind die allermeisten von ihnen nicht direkt vom Antisemitismus in Deutschland betroffen. Wie also k\u00f6nnen sie diesen Brief unterschreiben? Und warum eigentlich haben so wenige Deutsche unterschrieben? Dazu komme ich gleich.<\/p>\n\n\n\n

Debatte um Achille Mbembe<\/h6>\n\n\n\n

Hintergrund des Briefs war, dass Felix Klein gefordert hatte, den Philosophen Achille Mbembe<\/a> nicht die Er\u00f6ffnungsrede der Ruhrtriennale halten zu lassen. Als mit \u00f6ffentlichen Mitteln gef\u00f6rdertes Event solle die Ruhrtriennale Mbembe wegen seiner Haltung zu Israels Existenzrecht, seiner Haltung zu BDS und der Art, wie er in einem seiner Werke den Holocaust relativiert, nicht einladen.<\/p>\n\n\n\n

Mbembes Unterst\u00fctzer sagen, keine dieser Anschuldigungen sei wahr. F\u00fcrs Protokoll: In meinen Augen unterst\u00fctzt Mbembe sehr wohl BDS<\/a>, er schrieb unter anderem das Vorwort zu \u201eApartheid Israel\u201c und fordert die komplette Isolation Israels. Ich glaube auch, wenn Mbembe schreibt, die israelische Besetzung sei der \u201egr\u00f6\u00dfte moralische Skandal unserer Zeit\u201c, zeigt das, dass sein moralischer und geografischer Kompass etwas schief ist.<\/p>\n\n\n\n

Doch warum treibt die Debatte so viele Menschen um? Nun, zun\u00e4chst gibt niemand gern auf, was ihm oder ihr selbstverst\u00e4ndlich scheint. \u00dcber den gesamten politischen, sozialen, kulturellen, medialen und akademischen Sektor hinweg sind Menschen daran gew\u00f6hnt, so schlecht \u00fcber Israel sprechen zu k\u00f6nnen, wie auch immer sie wollen.<\/p>\n\n\n\n

Der Spiegel<\/em> hat \u2013 vielleicht in Anlehnung an seine Relotius-Standards, Israel erst k\u00fcrzlich eine Corona-Diktatur genannt. Fakten und Belege f\u00fcr diese Behauptung gab es nicht. Doch Millionen Deutsche haben es gelesen, und es wird nat\u00fcrlich haften bleiben. Faktenlage hin oder her. Der Spiegel<\/em> und andere Medien haben dieses Spiel perfektioniert: Titel so zu drehen, dass sie Israel indirekt anklagen, die Idee zu streuen, der Mossad kon\u00adtrol\u00adliere die deutsche Au\u00dfenpolitik im Nahen Osten, und so fort. Doch sie stehen allesamt sofort auf den Hinterbeinen, wenn jemand es wagt, das Spiel beim Namen zu nennen: moderner Antisemitismus.<\/p>\n\n\n\n

Klein will dem entgegenwirken. Er versteht, dass antisemitische Attacken in Deutschland die Fr\u00fcchte solch falsch gezeichneter Bilder und eindimensionaler Narrative \u00fcber Israel sind. Wenn er und andere versuchen, ein anderes Narrativ aufzuzeigen, wirft man ihnen Zensur vor: Wie k\u00f6nnen sie es wagen, das Gesch\u00e4ft der Anti-Israel-Propaganda zu st\u00f6ren?<\/p>\n\n\n\n

Liebe Deutsche, wenn ihr reden wollt, lasst uns gern reden: \u00fcber die Besetzung, \u00fcber Bibi und alles, was schiefl\u00e4uft. Aber dann lasst uns bitte auch dar\u00fcber reden, wie deutsche Steuergelder Terrortunnel finanzieren. Erst vergangene Woche r\u00e4umte die niederl\u00e4ndische Regierung ein, dass Gelder an eine Landwirtschaftsorganisation in Ramallah geflossen seien, die damit teilweise die Geh\u00e4lter zweier des Mordes an der 17-j\u00e4hrigen Israelin Rina Shnerb Verd\u00e4chtiger gezahlt haben. Auch die Bundesregierung unterst\u00fctzt diese Organisation, obwohl Kritiker schon lange vor Verbindungen zu Terroristen warnen.<\/p>\n\n\n\n

Wir k\u00f6nnen uns also gerne unterhalten \u2013 aber im Dialog, nicht in Monologen. Denn Reden unter Menschen, die sich einig sind, ist nichts anderes als Impotenz.<\/p>\n\n\n\n

Israelkritik als Eintrittskarte<\/h6>\n\n\n\n

Die Israelis, die die Petition unterzeichnet haben, haben \u00fcbrigens ebenfalls etwas verstanden. Seit Jahren wissen sie: Es ist ihre Eintrittskarte in die Mitte der deutschen (und europ\u00e4ischen) Gesellschaft. Man h\u00f6rt nicht oft von Akademikern mit proisraelischen Ansichten. Weder in den Philharmonie-Orchestern noch in der Kunstszene. Die Eintrittskarte daf\u00fcr ist ein antiisraelischer Standpunkt.<\/p>\n\n\n\n

Der mutma\u00dfliche Grund, warum kaum Deutsche die Petition unterzeichnet haben: Sie mussten es nicht. Ihre Lieblingsjuden haben es f\u00fcr sie getan. Jetzt k\u00f6nnen sie sagen: \u201eSchau, ich bin das ja nicht, meine j\u00fcdischen Freunde sagen es.\u201c Ich selbst war einige Jahre lang mit einem Paar hier in Berlin befreundet, bis ich herausfand, dass ich ihr Lieblingsjude war. Ja, selbst das j\u00fcdische Museum wurde so genutzt.<\/p>\n\n\n\n

Weil Attacken gegen Juden ein absolutes Tabu sind, wurden Umwege gefunden, um den Antisemitismus auf kleiner Flamme k\u00f6cheln zu lassen: die unfundierte, unbegr\u00fcndete Kritik an Israel.<\/p>\n\n\n\n

Diese Art der Kritik ist gef\u00e4hrlich. Sie schw\u00e4cht jede begr\u00fcndete und notwendige Kritik am Verhalten Israels. Und das Interessante ist: Trotz all der heftigen, pauschalisierenden Anklagen, all der offenen Briefe driftet Israel politisch immer weiter nach rechts. Doch statt mal einen anderen Ansatz zu versuchen, werden die antiisraelischen Stimmen nur lauter. Dasselbe versuchen und andere Ergebnisse davon erwarten \u2013 das ist die Definition von Wahnsinn.<\/p>\n\n\n\n

Kurz bevor der Prozess gegen den wegen des Attentats von Halle<\/a> Angeklagten begann \u2013 des seit Kriegsende schlimmsten Akts von Antisemitismus in Deutschland \u2013, lud eine Lokalzeitung den fr\u00fcheren Botschafter Shimon Stein und den Historiker Moshe Zimmermann ein, dar\u00fcber zu schreiben, was Antisemitismus ist. Nat\u00fcrlich wendeten auch sie sich gegen Felix Kleins Ansatz. Sie zitieren die Kontroverse um die Umbenennung der U-Bahn-Station Mohrenstra\u00dfe in Glinkastra\u00dfe, die sich darum drehte, dass der russische Komponist Michael Glinka Antisemit gewesen sein soll. Stein und Zimmermann halten die Debatte f\u00fcr \u00fcberzogen, Glinka sei nur ein Kind seiner Zeit gewesen. Folgt man ihrer Logik, k\u00f6nnen wir dann also in 20 oder 30 Jahren U-Bahn-Stationen nach den Kindern der 1930er Jahre benennen?<\/p>\n\n\n\n

Der Antisemit als Tierfreund<\/h6>\n\n\n\n

Ich w\u00fcnschte, die Sache h\u00e4tte mit dem Artikel, mit der Petition geendet. Doch dann erschien ein Artikel, der den Leser auf einen Waldspaziergang mit einem veganen Koch und Antisemiten mitnahm. Darin setzt der Tierfreund erst behutsam einen K\u00e4fer wieder auf seine Beinchen und erkl\u00e4rt dann, dass die Todesstrafe in Deutschland wieder eingef\u00fchrt werden solle, um einen gewissen Politiker (der zuf\u00e4llig pro Israel ist) an seinen Hoden aufh\u00e4ngen zu k\u00f6nnen. Dieser Koch hat Hunderttausende Follower, er sagt all solche Dinge am helllichten Tag in Berlin. Und in den Medien.<\/p>\n\n\n\n

F\u00e4lle wie dieser handeln bereits von Gewalt \u2013 und sie enden nicht bei den Juden. Der Hass richtet sich gegen Frauen<\/a>, Muslime, Gefl\u00fcchtete, \u00adLBTQI. Am Ende aller theoretischen Debatten stehen immer echte Menschen. Am Ende jeder Konferenz dar\u00fcber, was Antisemitismus ausmacht, steht ein potenzielles j\u00fcdisches Opfer. Angesichts einer Welle von Antisemitismus \u00fcber die Definition von Antisemitismus zu streiten ist, wie eine 10 Meter hohe Welle heranrollen zu sehen und dar\u00fcber zu streiten, was einen Tsunami ausmacht.<\/p>\n\n\n\n

Felix Klein versteht, wie absurd es ist, zu sagen: Es sind nur die Rechten. Die Rechten sind Deutsche, so wie die Nazis Deutsche waren. Klein versteht, dass die Deutschen nicht aufgeh\u00f6rt haben, Juden zu ermorden, weil sie irgendeine Art von Erleuchtung hatten. Sondern schlicht, weil sie den Krieg verloren haben. Um den Antisemitismus zu bek\u00e4mpfen, bevor er die Gesellschaft frisst, in der er und wir leben, muss Deutschland seinen moralischen Kompass korrigieren.<\/p>\n\n\n\n

Immerhin: Mehr und mehr Deutsche fahren nach Israel, sie wollen ein anderes Narrativ h\u00f6ren. Mehr und mehr Deutsche verstehen, dass Antisemitismus Schockwellen ausl\u00f6st, die die gesamte Gesellschaft betreffen. In einem normalen Universum w\u00fcrde Klein bef\u00f6rdert werden f\u00fcr seine Leistung. In einer verdrehten Gesellschaft fordern Menschen seine Entlassung. Um es mit Mbembe zu sagen: Das ist Nano-Nonsens.<\/p>\n\n\n\n

\u00dcbersetzung: Ariane Lemme<\/a><\/em><\/p>\n","post_title":"Felix Klein hat verstanden","post_excerpt":"","post_status":"publish","comment_status":"closed","ping_status":"closed","post_password":"","post_name":"felix-klein-hat-verstanden","to_ping":"","pinged":"","post_modified":"2025-02-02 08:39:39","post_modified_gmt":"2025-02-02 08:39:39","post_content_filtered":"","post_parent":0,"guid":"https:\/\/dctransparency.com\/?p=3786","menu_order":0,"post_type":"post","post_mime_type":"","comment_count":"0","filter":"raw"}],"next":false,"prev":true,"total_page":47},"paged":1,"column_class":"jeg_col_2o3","class":"epic_block_3"};

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Quelle<\/a><\/strong><\/p>\n","post_title":"Hagia Sophia: Verengung und Verarmung eines Welterbes","post_excerpt":"","post_status":"publish","comment_status":"closed","ping_status":"closed","post_password":"","post_name":"hagia-sophia-verengung-und-verarmung-eines-welterbes","to_ping":"","pinged":"","post_modified":"2025-02-02 08:39:39","post_modified_gmt":"2025-02-02 08:39:39","post_content_filtered":"","post_parent":0,"guid":"https:\/\/dctransparency.com\/?p=3792","menu_order":0,"post_type":"post","post_mime_type":"","comment_count":"0","filter":"raw"},{"ID":3789,"post_author":"7","post_date":"2020-08-14 13:56:07","post_date_gmt":"2020-08-14 13:56:07","post_content":"\n

Im Gastkommentar pocht Mark Leonard, Direktor des Europ\u00e4ischen Rats f\u00fcr Ausw\u00e4rtige Beziehungen, auf \"neue, einvernehmlich vereinbarte Prinzipien sowie klare Grenzen\", nur so k\u00f6nne eine weitere Destabilisierung in der Region verhindert werden.<\/em><\/strong><\/p>\n\n\n\n

Ist die T\u00fcrkei das neue Russland? Diese Frage wird in den europ\u00e4ischen Hauptst\u00e4dten zunehmend gestellt, da die Au\u00dfenpolitik des t\u00fcrkischen Pr\u00e4sidenten Recep Tayyip Erdo\u011fan zunehmend aggressiver wird. Erdo\u011fan nutzt nicht nur die Migration, um die EU zu bedrohen und zu betr\u00fcgen, sondern setzt auch milit\u00e4rische Macht ein, um den Einflussbereich der T\u00fcrkei auf die gesamte Region auszudehnen.<\/p>\n\n\n\n

Seit dem Ende des Kalten Krieges haben die Europ\u00e4er die regionale Sicherheit durch eine unipolare westliche Linse betrachtet. W\u00e4hrend die Nato die milit\u00e4rische Sicherheit garantierte, sorgte die EU mit ihrem 80.000 Seiten starken Regelwerk f\u00fcr alles von LGBTQ-Rechten bis hin zu Rasenm\u00e4her-Sound-Verordnungen f\u00fcr Rechtsordnung. In den 90er-Jahren ging man allgemein davon aus, dass die beiden gro\u00dfen nichtwestlichen regionalen Akteure, Russland und die T\u00fcrkei, nach und nach an diese Regelungen herangef\u00fchrt werden w\u00fcrden.<\/p>\n\n\n\n

Qu\u00e4lende Hassliebe<\/h3>\n\n\n\n

Doch in den letzten 15 Jahren ist der Traum von der europ\u00e4ischen Unipolarit\u00e4t einer multipolaren Realit\u00e4t gewichen. Sowohl Russland als auch die T\u00fcrkei haben eine lange, qu\u00e4lende Hassliebe zu Europa, und beide sind unter nationalen Machthabern, denen die Verachtung der Normen und Werte der EU gemeinsam ist, durchsetzungsf\u00e4higer geworden.<\/p>\n\n\n\n

Die zunehmende Verschlechterung der Beziehungen zwischen der EU und Russland ist gut dokumentiert, der Fall der T\u00fcrkei weniger. Der Irakkrieg im Jahr 2003 komplizierte das Verh\u00e4ltnis der T\u00fcrkei zur Nato, und ihr Verh\u00e4ltnis zur EU verschlechterte sich 2007, als Frankreich einen wichtigen Teil ihrer EU-Beitrittsverhandlungen blockierte. Seitdem hat die T\u00fcrkei ihren eigenen Weg in Syrien, auf dem Balkan und in Libyen eingeschlagen und neue Beziehungen zu Russland und China aufgebaut.<\/p>\n\n\n\n

Wichtiger Akteur<\/strong><\/h3>\n\n\n\n

Nat\u00fcrlich sind die Beziehungen zwischen der T\u00fcrkei und Russland nicht weniger kompliziert, nicht zuletzt weil Erdo\u011fan und der russische Pr\u00e4sident Wladimir Putin im syrischen B\u00fcrgerkrieg verschiedene Seiten unterst\u00fctzten.Und w\u00e4hrend die Spannungen wegen des Syrien-Konflikts weiterhin bestehen, bewundert Erdo\u011fan deutlich, wie Russland sich \u2013 bei relativ geringen Kosten \u2013 wieder als wichtiger Akteur im Nahen Osten und in Nordafrika etabliert hat.<\/p>\n\n\n\n

Nachdem er in einen nicht zu gewinnenden Krieg im Osten der Ukraine verwickelt war, schien Putins weitgehend erfolgreicher Feldzug in Syrien einen Teil seiner innenpolitischen Autorit\u00e4t wiederherzustellen. Der Westen hatte f\u00fcnf Jahre lang darauf bestanden, dass es keine milit\u00e4rische L\u00f6sung des Konflikts gebe und dass der syrische Pr\u00e4sident Baschar al-Assad gehen m\u00fcsse. Doch w\u00e4hrend die von den Vereinten Nationen unterst\u00fctzten Gespr\u00e4che in Genf zu keinem Ergebnis f\u00fchrten, schienen die von Russland geleiteten Gespr\u00e4che in Astana voranzukommen. Indem der Kreml die T\u00fcrkei und den Iran einbezog, w\u00e4hrend er die westlichen M\u00e4chte ausschloss, erweckte er den Eindruck, dass Russland als wiedergeborene Supermacht aus der Asche auferstanden sei.<\/p>\n\n\n\n

Unter Druck<\/h3>\n\n\n\n

Angesichts des wachsenden Widerstands im eigenen Land macht es Erdo\u011fan Putin gleich. Da der Westen nicht bereit war, (erneut) milit\u00e4risch in Libyen zu intervenieren, sah Erdo\u011fan eine Gelegenheit, die T\u00fcrkei zu positionieren. Nach dem Vorgehen Russlands in Syrien sicherte er sich eine formelle Einladung der libyschen Regierung zur Intervention. Mit einem Schlag Ende letzten Jahres hat er nicht nur das Image der T\u00fcrkei als Regionalmacht gest\u00e4rkt, sondern auch ein Abkommen mit Libyen \u00fcber die Seegrenze abgeschlossen und damit einen Plan Griechenlands, Zyperns, \u00c4gyptens und Israels zur Erschlie\u00dfung von Unterwasser\u00f6l- und -gasfeldern in der N\u00e4he zunichtegemacht.<\/p>\n\n\n\n

Erdo\u011fan scheint auch von der Spalt-und-Eroberungs-Strategie des Kreml in Europa inspiriert worden zu sein, der zufolge oft diejenigen EU-Mitgliedsstaaten unter Druck gesetzt werden, die am meisten von russischen Kohlenwasserstoffen oder M\u00e4rkten abh\u00e4ngig sind. So wie Putin lange Zeit die Energieversorgung instrumentalisiert hat, hat Erdo\u011fan versucht, den Strom von Migranten und Fl\u00fcchtlingen, die vor Konflikten im Nahen Osten fliehen, zu instrumentalisieren. Als die EU eine neue Marinemission ank\u00fcndigte, um den Waffenstrom nach Libyen zu blockieren, malte die T\u00fcrkei f\u00fcr Malta das Schreckgespenst der angeblichen Bedrohung durch Migranten an die Wand. Malta reagierte prompt und signalisierte, dass es gegen die Finanzierung der Mission ein Veto einlegen werde.<\/p>\n\n\n\n

Verlorener Sohn<\/strong><\/h3>\n\n\n\n

Jahrelang redeten sich die Europ\u00e4er ein, dass Russland eine Art verlorener Sohn sei und dass die europ\u00e4ische unipolare Ordnung gesund bleibe. Doch das machte Europa zu einem leichten Ziel f\u00fcr die Trennungs-und-Eroberungs-Strategie des Kreml. Erst vor relativ kurzer Zeit entwarf die Union eine neue Politik und ein robustes Sanktionsregime, um die russische Aggression abzuschrecken. Und selbst jetzt \u2013 trotz der besten Bem\u00fchungen der deutschen Bundeskanzlerin Angela Merkel und des franz\u00f6sischen Pr\u00e4sidenten Emmanuel Macron \u2013 hat die EU noch immer keine wirksamen Kommunikationskan\u00e4le mit Russland geschaffen, um gemeinsame Probleme anzugehen.<\/p>\n\n\n\n

Die T\u00fcrkei ist noch kein neues Russland, aber sie k\u00f6nnte dazu werden, wenn die Situation falsch gehandhabt wird. Vorerst betrachten die meisten Europ\u00e4er die T\u00fcrkei noch immer als einen komplizierten Partner und nicht als \"Systemrivalen\". Aber die Europ\u00e4er sollten die hart erk\u00e4mpften Lehren aus dem Umgang mit Russland in den letzten 15 Jahren beherzigen. Die Beziehungen zwischen der EU und der T\u00fcrkei brauchen neue, einvernehmlich vereinbarte Prinzipien sowie klare Grenzen, um eine weitere Destabilisierung in der Region zu verhindern.<\/p>\n\n\n\n

Zu diesem Zweck sollten die Europ\u00e4er klarstellen, dass der EU-Beitrittsprozess entweder zur\u00fcckgedreht oder vorangetrieben werden kann und dass eine eher transaktionale Beziehung sowohl Zuckerbrot als auch Peitsche beinhaltet. Die Herausforderung wird darin bestehen, daf\u00fcr zu sorgen, dass es in einer Region, die nicht nur von Europa und der T\u00fcrkei, sondern auch von Russland, den USA und einem aufstrebenden China beeinflusst wird, noch Raum f\u00fcr politisches Engagement in Fragen der gemeinsamen Sicherheit gibt. (Mark Leonard, \u00dcbersetzung: Eva G\u00f6llner, Copyright: Project Syndicate, 10.8.2020)<\/p>\n\n\n\n

Mark Leonard <\/strong>ist Direktor des Europ\u00e4ischen Rats f\u00fcr Ausw\u00e4rtige Beziehungen.<\/a><\/p>\n","post_title":"Erdo\u011fan \u2013 der andere Putin vor der Haust\u00fcr Europas","post_excerpt":"","post_status":"publish","comment_status":"closed","ping_status":"closed","post_password":"","post_name":"erdogan-der-andere-putin-vor-der-haustur-europas","to_ping":"","pinged":"","post_modified":"2025-02-02 08:39:39","post_modified_gmt":"2025-02-02 08:39:39","post_content_filtered":"","post_parent":0,"guid":"https:\/\/dctransparency.com\/?p=3789","menu_order":0,"post_type":"post","post_mime_type":"","comment_count":"0","filter":"raw"},{"ID":3786,"post_author":"7","post_date":"2020-08-14 13:51:23","post_date_gmt":"2020-08-14 13:51:23","post_content":"\n

Einen Monat nachdem ich zur israelischen Armee eingezogen worden war, brach die erste Intifada aus. Statt Soldat zu sein, machte ich Polizeiarbeit, sagte den Menschen, wann sie zur Arbeit gehen konnten und wann sie ihre L\u00e4den schlie\u00dfen mussten, wann sie die Grenze passieren und wann sie schlafen konnten. Einen Monat nachdem ich aus der Armee entlassen worden war, ging ich auf Reisen. (In Israel sagen wir: Wir dienen drei Jahre und versuchen den Rest unseres Lebens, diese drei Jahre zu vergessen.) Auf meiner Reise begann ich Briefe an meine Freundin zu schreiben, die ich in Israel zur\u00fcckgelassen hatte.<\/p>\n\n\n\n

Ich schrieb ihr, wie schrecklich depressiv ich war und dass diese drei Jahre des Anweisungenbellens und Anderen-Menschen-Sagens, was sie zu tun haben, mich f\u00fcr immer verfolgen w\u00fcrden. Dass sie ein Teil dessen geworden waren, was ich bin. Ich erinnere mich, dass ich ihr schrieb, dass wir da rausm\u00fcssen \u2013 nicht nur f\u00fcr die Pal\u00e4stinenser, sondern wegen der furchtbaren und brutalen Auswirkungen, die all das auf uns, auf die israelische Gesellschaft haben w\u00fcrde. Sie schrieb zur\u00fcck: \u201eDu hast recht. Ich habe einen neuen Freund.\u201c<\/p>\n\n\n\n

Felix Klein wurde als Beauftragter der Bundesregierung berufen<\/a>, um die Auswirkungen des zunehmenden Antisemitismus in unserer Gesellschaft, in Deutschland, zu bek\u00e4mpfen. Was nicht in seiner Jobbeschreibung steht, ist, dass er dabei unsere Gesellschaft heilen muss, jene Gesellschaft, die diese Form des Hasses reproduziert und sch\u00fctzt. Klein hat das begriffen.<\/p>\n\n\n\n

Er versteht, dass man Krebs nicht mit einem Pflaster verarztet, er wei\u00df, dass er das Bewusstsein der Deutschen sch\u00e4rfen und Diskussionen ansto\u00dfen muss. Er hat begriffen, dass das Problem nicht nur an den R\u00e4ndern der Gesellschaft (bei den Rechten) liegt, sondern auch in ihrer Mitte. Dort, wo gebildete Menschen nicht einmal bemerken, dass das, was sie sagen und tun, antisemitisch ist. So wie sie es auch nicht merken, wenn sie rassistisch handeln. Er hat all das verstanden, und genau deshalb wollen einige, dass er seinen Posten r\u00e4umt.<\/p>\n\n\n\n

Mehr als 60 deutsche und israelische Intellektuelle haben letzte Woche in einem Brief an Kanzlerin Merkel<\/a> dar\u00fcber geklagt, dass der aktuelle \u201eGebrauch des Antisemitismusbegriffs\u201c darauf abziele, \u201elegitime Kritik an der israelischen Regierungspolitik zu unterdr\u00fccken\u201c, und Klein vorgeworfen, rechtspopulistische israelische Stimmen zu f\u00f6rdern.<\/p>\n\n\n\n

Faszinierend an diesem offenen Brief ist, dass viele der Unterzeichneten keine Deutschen sind und auch nicht in Deutschland leben. Ich wei\u00df nicht, woher sie \u2013 die meisten von ihnen sind Israelis \u2013 die Chuzpe haben, sich in eine innerdeutsche Angelegenheit einzumischen und zu fordern, eine Person zu entlassen, die von der Bundesregierung eingesetzt wurde. Die H\u00e4lfte der Unterzeichneten lebt nicht hier, von der anderen H\u00e4lfte sind viele keine Juden \u2013 somit sind die allermeisten von ihnen nicht direkt vom Antisemitismus in Deutschland betroffen. Wie also k\u00f6nnen sie diesen Brief unterschreiben? Und warum eigentlich haben so wenige Deutsche unterschrieben? Dazu komme ich gleich.<\/p>\n\n\n\n

Debatte um Achille Mbembe<\/h6>\n\n\n\n

Hintergrund des Briefs war, dass Felix Klein gefordert hatte, den Philosophen Achille Mbembe<\/a> nicht die Er\u00f6ffnungsrede der Ruhrtriennale halten zu lassen. Als mit \u00f6ffentlichen Mitteln gef\u00f6rdertes Event solle die Ruhrtriennale Mbembe wegen seiner Haltung zu Israels Existenzrecht, seiner Haltung zu BDS und der Art, wie er in einem seiner Werke den Holocaust relativiert, nicht einladen.<\/p>\n\n\n\n

Mbembes Unterst\u00fctzer sagen, keine dieser Anschuldigungen sei wahr. F\u00fcrs Protokoll: In meinen Augen unterst\u00fctzt Mbembe sehr wohl BDS<\/a>, er schrieb unter anderem das Vorwort zu \u201eApartheid Israel\u201c und fordert die komplette Isolation Israels. Ich glaube auch, wenn Mbembe schreibt, die israelische Besetzung sei der \u201egr\u00f6\u00dfte moralische Skandal unserer Zeit\u201c, zeigt das, dass sein moralischer und geografischer Kompass etwas schief ist.<\/p>\n\n\n\n

Doch warum treibt die Debatte so viele Menschen um? Nun, zun\u00e4chst gibt niemand gern auf, was ihm oder ihr selbstverst\u00e4ndlich scheint. \u00dcber den gesamten politischen, sozialen, kulturellen, medialen und akademischen Sektor hinweg sind Menschen daran gew\u00f6hnt, so schlecht \u00fcber Israel sprechen zu k\u00f6nnen, wie auch immer sie wollen.<\/p>\n\n\n\n

Der Spiegel<\/em> hat \u2013 vielleicht in Anlehnung an seine Relotius-Standards, Israel erst k\u00fcrzlich eine Corona-Diktatur genannt. Fakten und Belege f\u00fcr diese Behauptung gab es nicht. Doch Millionen Deutsche haben es gelesen, und es wird nat\u00fcrlich haften bleiben. Faktenlage hin oder her. Der Spiegel<\/em> und andere Medien haben dieses Spiel perfektioniert: Titel so zu drehen, dass sie Israel indirekt anklagen, die Idee zu streuen, der Mossad kon\u00adtrol\u00adliere die deutsche Au\u00dfenpolitik im Nahen Osten, und so fort. Doch sie stehen allesamt sofort auf den Hinterbeinen, wenn jemand es wagt, das Spiel beim Namen zu nennen: moderner Antisemitismus.<\/p>\n\n\n\n

Klein will dem entgegenwirken. Er versteht, dass antisemitische Attacken in Deutschland die Fr\u00fcchte solch falsch gezeichneter Bilder und eindimensionaler Narrative \u00fcber Israel sind. Wenn er und andere versuchen, ein anderes Narrativ aufzuzeigen, wirft man ihnen Zensur vor: Wie k\u00f6nnen sie es wagen, das Gesch\u00e4ft der Anti-Israel-Propaganda zu st\u00f6ren?<\/p>\n\n\n\n

Liebe Deutsche, wenn ihr reden wollt, lasst uns gern reden: \u00fcber die Besetzung, \u00fcber Bibi und alles, was schiefl\u00e4uft. Aber dann lasst uns bitte auch dar\u00fcber reden, wie deutsche Steuergelder Terrortunnel finanzieren. Erst vergangene Woche r\u00e4umte die niederl\u00e4ndische Regierung ein, dass Gelder an eine Landwirtschaftsorganisation in Ramallah geflossen seien, die damit teilweise die Geh\u00e4lter zweier des Mordes an der 17-j\u00e4hrigen Israelin Rina Shnerb Verd\u00e4chtiger gezahlt haben. Auch die Bundesregierung unterst\u00fctzt diese Organisation, obwohl Kritiker schon lange vor Verbindungen zu Terroristen warnen.<\/p>\n\n\n\n

Wir k\u00f6nnen uns also gerne unterhalten \u2013 aber im Dialog, nicht in Monologen. Denn Reden unter Menschen, die sich einig sind, ist nichts anderes als Impotenz.<\/p>\n\n\n\n

Israelkritik als Eintrittskarte<\/h6>\n\n\n\n

Die Israelis, die die Petition unterzeichnet haben, haben \u00fcbrigens ebenfalls etwas verstanden. Seit Jahren wissen sie: Es ist ihre Eintrittskarte in die Mitte der deutschen (und europ\u00e4ischen) Gesellschaft. Man h\u00f6rt nicht oft von Akademikern mit proisraelischen Ansichten. Weder in den Philharmonie-Orchestern noch in der Kunstszene. Die Eintrittskarte daf\u00fcr ist ein antiisraelischer Standpunkt.<\/p>\n\n\n\n

Der mutma\u00dfliche Grund, warum kaum Deutsche die Petition unterzeichnet haben: Sie mussten es nicht. Ihre Lieblingsjuden haben es f\u00fcr sie getan. Jetzt k\u00f6nnen sie sagen: \u201eSchau, ich bin das ja nicht, meine j\u00fcdischen Freunde sagen es.\u201c Ich selbst war einige Jahre lang mit einem Paar hier in Berlin befreundet, bis ich herausfand, dass ich ihr Lieblingsjude war. Ja, selbst das j\u00fcdische Museum wurde so genutzt.<\/p>\n\n\n\n

Weil Attacken gegen Juden ein absolutes Tabu sind, wurden Umwege gefunden, um den Antisemitismus auf kleiner Flamme k\u00f6cheln zu lassen: die unfundierte, unbegr\u00fcndete Kritik an Israel.<\/p>\n\n\n\n

Diese Art der Kritik ist gef\u00e4hrlich. Sie schw\u00e4cht jede begr\u00fcndete und notwendige Kritik am Verhalten Israels. Und das Interessante ist: Trotz all der heftigen, pauschalisierenden Anklagen, all der offenen Briefe driftet Israel politisch immer weiter nach rechts. Doch statt mal einen anderen Ansatz zu versuchen, werden die antiisraelischen Stimmen nur lauter. Dasselbe versuchen und andere Ergebnisse davon erwarten \u2013 das ist die Definition von Wahnsinn.<\/p>\n\n\n\n

Kurz bevor der Prozess gegen den wegen des Attentats von Halle<\/a> Angeklagten begann \u2013 des seit Kriegsende schlimmsten Akts von Antisemitismus in Deutschland \u2013, lud eine Lokalzeitung den fr\u00fcheren Botschafter Shimon Stein und den Historiker Moshe Zimmermann ein, dar\u00fcber zu schreiben, was Antisemitismus ist. Nat\u00fcrlich wendeten auch sie sich gegen Felix Kleins Ansatz. Sie zitieren die Kontroverse um die Umbenennung der U-Bahn-Station Mohrenstra\u00dfe in Glinkastra\u00dfe, die sich darum drehte, dass der russische Komponist Michael Glinka Antisemit gewesen sein soll. Stein und Zimmermann halten die Debatte f\u00fcr \u00fcberzogen, Glinka sei nur ein Kind seiner Zeit gewesen. Folgt man ihrer Logik, k\u00f6nnen wir dann also in 20 oder 30 Jahren U-Bahn-Stationen nach den Kindern der 1930er Jahre benennen?<\/p>\n\n\n\n

Der Antisemit als Tierfreund<\/h6>\n\n\n\n

Ich w\u00fcnschte, die Sache h\u00e4tte mit dem Artikel, mit der Petition geendet. Doch dann erschien ein Artikel, der den Leser auf einen Waldspaziergang mit einem veganen Koch und Antisemiten mitnahm. Darin setzt der Tierfreund erst behutsam einen K\u00e4fer wieder auf seine Beinchen und erkl\u00e4rt dann, dass die Todesstrafe in Deutschland wieder eingef\u00fchrt werden solle, um einen gewissen Politiker (der zuf\u00e4llig pro Israel ist) an seinen Hoden aufh\u00e4ngen zu k\u00f6nnen. Dieser Koch hat Hunderttausende Follower, er sagt all solche Dinge am helllichten Tag in Berlin. Und in den Medien.<\/p>\n\n\n\n

F\u00e4lle wie dieser handeln bereits von Gewalt \u2013 und sie enden nicht bei den Juden. Der Hass richtet sich gegen Frauen<\/a>, Muslime, Gefl\u00fcchtete, \u00adLBTQI. Am Ende aller theoretischen Debatten stehen immer echte Menschen. Am Ende jeder Konferenz dar\u00fcber, was Antisemitismus ausmacht, steht ein potenzielles j\u00fcdisches Opfer. Angesichts einer Welle von Antisemitismus \u00fcber die Definition von Antisemitismus zu streiten ist, wie eine 10 Meter hohe Welle heranrollen zu sehen und dar\u00fcber zu streiten, was einen Tsunami ausmacht.<\/p>\n\n\n\n

Felix Klein versteht, wie absurd es ist, zu sagen: Es sind nur die Rechten. Die Rechten sind Deutsche, so wie die Nazis Deutsche waren. Klein versteht, dass die Deutschen nicht aufgeh\u00f6rt haben, Juden zu ermorden, weil sie irgendeine Art von Erleuchtung hatten. Sondern schlicht, weil sie den Krieg verloren haben. Um den Antisemitismus zu bek\u00e4mpfen, bevor er die Gesellschaft frisst, in der er und wir leben, muss Deutschland seinen moralischen Kompass korrigieren.<\/p>\n\n\n\n

Immerhin: Mehr und mehr Deutsche fahren nach Israel, sie wollen ein anderes Narrativ h\u00f6ren. Mehr und mehr Deutsche verstehen, dass Antisemitismus Schockwellen ausl\u00f6st, die die gesamte Gesellschaft betreffen. In einem normalen Universum w\u00fcrde Klein bef\u00f6rdert werden f\u00fcr seine Leistung. In einer verdrehten Gesellschaft fordern Menschen seine Entlassung. Um es mit Mbembe zu sagen: Das ist Nano-Nonsens.<\/p>\n\n\n\n

\u00dcbersetzung: Ariane Lemme<\/a><\/em><\/p>\n","post_title":"Felix Klein hat verstanden","post_excerpt":"","post_status":"publish","comment_status":"closed","ping_status":"closed","post_password":"","post_name":"felix-klein-hat-verstanden","to_ping":"","pinged":"","post_modified":"2025-02-02 08:39:39","post_modified_gmt":"2025-02-02 08:39:39","post_content_filtered":"","post_parent":0,"guid":"https:\/\/dctransparency.com\/?p=3786","menu_order":0,"post_type":"post","post_mime_type":"","comment_count":"0","filter":"raw"}],"next":false,"prev":true,"total_page":47},"paged":1,"column_class":"jeg_col_2o3","class":"epic_block_3"};

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\"Das ist der Beweis, dass wir kein s\u00e4kularer Staat mehr sein wollen\", sagt Nobelpreistr\u00e4ger Orhan Pamuk. Erdo\u011fan betrachtet sich offenbar als auch neoosmanischer \"Fatih\" im Mittelmeerraum mit immer neuen Abenteuern: Eingreifen in Syrien, Stellvertreterkrieg in Libyen, Anspr\u00fcche auf Erdgasvorkommen weit vor der t\u00fcrkischen K\u00fcste bei Zypern, Reden, wonach manche \u00c4g\u00e4is-Inseln eigentlich zur T\u00fcrkei geh\u00f6ren, \"denn dort stehen unsere Moscheen\". Manches davon ist nur Rhetorik, aber genug anderes ist riskante Realit\u00e4t. (Hans Rauscher, 14.7.2020)<\/p>\n\n\n\n

Quelle<\/a><\/strong><\/p>\n","post_title":"Hagia Sophia: Verengung und Verarmung eines Welterbes","post_excerpt":"","post_status":"publish","comment_status":"closed","ping_status":"closed","post_password":"","post_name":"hagia-sophia-verengung-und-verarmung-eines-welterbes","to_ping":"","pinged":"","post_modified":"2025-02-02 08:39:39","post_modified_gmt":"2025-02-02 08:39:39","post_content_filtered":"","post_parent":0,"guid":"https:\/\/dctransparency.com\/?p=3792","menu_order":0,"post_type":"post","post_mime_type":"","comment_count":"0","filter":"raw"},{"ID":3789,"post_author":"7","post_date":"2020-08-14 13:56:07","post_date_gmt":"2020-08-14 13:56:07","post_content":"\n

Im Gastkommentar pocht Mark Leonard, Direktor des Europ\u00e4ischen Rats f\u00fcr Ausw\u00e4rtige Beziehungen, auf \"neue, einvernehmlich vereinbarte Prinzipien sowie klare Grenzen\", nur so k\u00f6nne eine weitere Destabilisierung in der Region verhindert werden.<\/em><\/strong><\/p>\n\n\n\n

Ist die T\u00fcrkei das neue Russland? Diese Frage wird in den europ\u00e4ischen Hauptst\u00e4dten zunehmend gestellt, da die Au\u00dfenpolitik des t\u00fcrkischen Pr\u00e4sidenten Recep Tayyip Erdo\u011fan zunehmend aggressiver wird. Erdo\u011fan nutzt nicht nur die Migration, um die EU zu bedrohen und zu betr\u00fcgen, sondern setzt auch milit\u00e4rische Macht ein, um den Einflussbereich der T\u00fcrkei auf die gesamte Region auszudehnen.<\/p>\n\n\n\n

Seit dem Ende des Kalten Krieges haben die Europ\u00e4er die regionale Sicherheit durch eine unipolare westliche Linse betrachtet. W\u00e4hrend die Nato die milit\u00e4rische Sicherheit garantierte, sorgte die EU mit ihrem 80.000 Seiten starken Regelwerk f\u00fcr alles von LGBTQ-Rechten bis hin zu Rasenm\u00e4her-Sound-Verordnungen f\u00fcr Rechtsordnung. In den 90er-Jahren ging man allgemein davon aus, dass die beiden gro\u00dfen nichtwestlichen regionalen Akteure, Russland und die T\u00fcrkei, nach und nach an diese Regelungen herangef\u00fchrt werden w\u00fcrden.<\/p>\n\n\n\n

Qu\u00e4lende Hassliebe<\/h3>\n\n\n\n

Doch in den letzten 15 Jahren ist der Traum von der europ\u00e4ischen Unipolarit\u00e4t einer multipolaren Realit\u00e4t gewichen. Sowohl Russland als auch die T\u00fcrkei haben eine lange, qu\u00e4lende Hassliebe zu Europa, und beide sind unter nationalen Machthabern, denen die Verachtung der Normen und Werte der EU gemeinsam ist, durchsetzungsf\u00e4higer geworden.<\/p>\n\n\n\n

Die zunehmende Verschlechterung der Beziehungen zwischen der EU und Russland ist gut dokumentiert, der Fall der T\u00fcrkei weniger. Der Irakkrieg im Jahr 2003 komplizierte das Verh\u00e4ltnis der T\u00fcrkei zur Nato, und ihr Verh\u00e4ltnis zur EU verschlechterte sich 2007, als Frankreich einen wichtigen Teil ihrer EU-Beitrittsverhandlungen blockierte. Seitdem hat die T\u00fcrkei ihren eigenen Weg in Syrien, auf dem Balkan und in Libyen eingeschlagen und neue Beziehungen zu Russland und China aufgebaut.<\/p>\n\n\n\n

Wichtiger Akteur<\/strong><\/h3>\n\n\n\n

Nat\u00fcrlich sind die Beziehungen zwischen der T\u00fcrkei und Russland nicht weniger kompliziert, nicht zuletzt weil Erdo\u011fan und der russische Pr\u00e4sident Wladimir Putin im syrischen B\u00fcrgerkrieg verschiedene Seiten unterst\u00fctzten.Und w\u00e4hrend die Spannungen wegen des Syrien-Konflikts weiterhin bestehen, bewundert Erdo\u011fan deutlich, wie Russland sich \u2013 bei relativ geringen Kosten \u2013 wieder als wichtiger Akteur im Nahen Osten und in Nordafrika etabliert hat.<\/p>\n\n\n\n

Nachdem er in einen nicht zu gewinnenden Krieg im Osten der Ukraine verwickelt war, schien Putins weitgehend erfolgreicher Feldzug in Syrien einen Teil seiner innenpolitischen Autorit\u00e4t wiederherzustellen. Der Westen hatte f\u00fcnf Jahre lang darauf bestanden, dass es keine milit\u00e4rische L\u00f6sung des Konflikts gebe und dass der syrische Pr\u00e4sident Baschar al-Assad gehen m\u00fcsse. Doch w\u00e4hrend die von den Vereinten Nationen unterst\u00fctzten Gespr\u00e4che in Genf zu keinem Ergebnis f\u00fchrten, schienen die von Russland geleiteten Gespr\u00e4che in Astana voranzukommen. Indem der Kreml die T\u00fcrkei und den Iran einbezog, w\u00e4hrend er die westlichen M\u00e4chte ausschloss, erweckte er den Eindruck, dass Russland als wiedergeborene Supermacht aus der Asche auferstanden sei.<\/p>\n\n\n\n

Unter Druck<\/h3>\n\n\n\n

Angesichts des wachsenden Widerstands im eigenen Land macht es Erdo\u011fan Putin gleich. Da der Westen nicht bereit war, (erneut) milit\u00e4risch in Libyen zu intervenieren, sah Erdo\u011fan eine Gelegenheit, die T\u00fcrkei zu positionieren. Nach dem Vorgehen Russlands in Syrien sicherte er sich eine formelle Einladung der libyschen Regierung zur Intervention. Mit einem Schlag Ende letzten Jahres hat er nicht nur das Image der T\u00fcrkei als Regionalmacht gest\u00e4rkt, sondern auch ein Abkommen mit Libyen \u00fcber die Seegrenze abgeschlossen und damit einen Plan Griechenlands, Zyperns, \u00c4gyptens und Israels zur Erschlie\u00dfung von Unterwasser\u00f6l- und -gasfeldern in der N\u00e4he zunichtegemacht.<\/p>\n\n\n\n

Erdo\u011fan scheint auch von der Spalt-und-Eroberungs-Strategie des Kreml in Europa inspiriert worden zu sein, der zufolge oft diejenigen EU-Mitgliedsstaaten unter Druck gesetzt werden, die am meisten von russischen Kohlenwasserstoffen oder M\u00e4rkten abh\u00e4ngig sind. So wie Putin lange Zeit die Energieversorgung instrumentalisiert hat, hat Erdo\u011fan versucht, den Strom von Migranten und Fl\u00fcchtlingen, die vor Konflikten im Nahen Osten fliehen, zu instrumentalisieren. Als die EU eine neue Marinemission ank\u00fcndigte, um den Waffenstrom nach Libyen zu blockieren, malte die T\u00fcrkei f\u00fcr Malta das Schreckgespenst der angeblichen Bedrohung durch Migranten an die Wand. Malta reagierte prompt und signalisierte, dass es gegen die Finanzierung der Mission ein Veto einlegen werde.<\/p>\n\n\n\n

Verlorener Sohn<\/strong><\/h3>\n\n\n\n

Jahrelang redeten sich die Europ\u00e4er ein, dass Russland eine Art verlorener Sohn sei und dass die europ\u00e4ische unipolare Ordnung gesund bleibe. Doch das machte Europa zu einem leichten Ziel f\u00fcr die Trennungs-und-Eroberungs-Strategie des Kreml. Erst vor relativ kurzer Zeit entwarf die Union eine neue Politik und ein robustes Sanktionsregime, um die russische Aggression abzuschrecken. Und selbst jetzt \u2013 trotz der besten Bem\u00fchungen der deutschen Bundeskanzlerin Angela Merkel und des franz\u00f6sischen Pr\u00e4sidenten Emmanuel Macron \u2013 hat die EU noch immer keine wirksamen Kommunikationskan\u00e4le mit Russland geschaffen, um gemeinsame Probleme anzugehen.<\/p>\n\n\n\n

Die T\u00fcrkei ist noch kein neues Russland, aber sie k\u00f6nnte dazu werden, wenn die Situation falsch gehandhabt wird. Vorerst betrachten die meisten Europ\u00e4er die T\u00fcrkei noch immer als einen komplizierten Partner und nicht als \"Systemrivalen\". Aber die Europ\u00e4er sollten die hart erk\u00e4mpften Lehren aus dem Umgang mit Russland in den letzten 15 Jahren beherzigen. Die Beziehungen zwischen der EU und der T\u00fcrkei brauchen neue, einvernehmlich vereinbarte Prinzipien sowie klare Grenzen, um eine weitere Destabilisierung in der Region zu verhindern.<\/p>\n\n\n\n

Zu diesem Zweck sollten die Europ\u00e4er klarstellen, dass der EU-Beitrittsprozess entweder zur\u00fcckgedreht oder vorangetrieben werden kann und dass eine eher transaktionale Beziehung sowohl Zuckerbrot als auch Peitsche beinhaltet. Die Herausforderung wird darin bestehen, daf\u00fcr zu sorgen, dass es in einer Region, die nicht nur von Europa und der T\u00fcrkei, sondern auch von Russland, den USA und einem aufstrebenden China beeinflusst wird, noch Raum f\u00fcr politisches Engagement in Fragen der gemeinsamen Sicherheit gibt. (Mark Leonard, \u00dcbersetzung: Eva G\u00f6llner, Copyright: Project Syndicate, 10.8.2020)<\/p>\n\n\n\n

Mark Leonard <\/strong>ist Direktor des Europ\u00e4ischen Rats f\u00fcr Ausw\u00e4rtige Beziehungen.<\/a><\/p>\n","post_title":"Erdo\u011fan \u2013 der andere Putin vor der Haust\u00fcr Europas","post_excerpt":"","post_status":"publish","comment_status":"closed","ping_status":"closed","post_password":"","post_name":"erdogan-der-andere-putin-vor-der-haustur-europas","to_ping":"","pinged":"","post_modified":"2025-02-02 08:39:39","post_modified_gmt":"2025-02-02 08:39:39","post_content_filtered":"","post_parent":0,"guid":"https:\/\/dctransparency.com\/?p=3789","menu_order":0,"post_type":"post","post_mime_type":"","comment_count":"0","filter":"raw"},{"ID":3786,"post_author":"7","post_date":"2020-08-14 13:51:23","post_date_gmt":"2020-08-14 13:51:23","post_content":"\n

Einen Monat nachdem ich zur israelischen Armee eingezogen worden war, brach die erste Intifada aus. Statt Soldat zu sein, machte ich Polizeiarbeit, sagte den Menschen, wann sie zur Arbeit gehen konnten und wann sie ihre L\u00e4den schlie\u00dfen mussten, wann sie die Grenze passieren und wann sie schlafen konnten. Einen Monat nachdem ich aus der Armee entlassen worden war, ging ich auf Reisen. (In Israel sagen wir: Wir dienen drei Jahre und versuchen den Rest unseres Lebens, diese drei Jahre zu vergessen.) Auf meiner Reise begann ich Briefe an meine Freundin zu schreiben, die ich in Israel zur\u00fcckgelassen hatte.<\/p>\n\n\n\n

Ich schrieb ihr, wie schrecklich depressiv ich war und dass diese drei Jahre des Anweisungenbellens und Anderen-Menschen-Sagens, was sie zu tun haben, mich f\u00fcr immer verfolgen w\u00fcrden. Dass sie ein Teil dessen geworden waren, was ich bin. Ich erinnere mich, dass ich ihr schrieb, dass wir da rausm\u00fcssen \u2013 nicht nur f\u00fcr die Pal\u00e4stinenser, sondern wegen der furchtbaren und brutalen Auswirkungen, die all das auf uns, auf die israelische Gesellschaft haben w\u00fcrde. Sie schrieb zur\u00fcck: \u201eDu hast recht. Ich habe einen neuen Freund.\u201c<\/p>\n\n\n\n

Felix Klein wurde als Beauftragter der Bundesregierung berufen<\/a>, um die Auswirkungen des zunehmenden Antisemitismus in unserer Gesellschaft, in Deutschland, zu bek\u00e4mpfen. Was nicht in seiner Jobbeschreibung steht, ist, dass er dabei unsere Gesellschaft heilen muss, jene Gesellschaft, die diese Form des Hasses reproduziert und sch\u00fctzt. Klein hat das begriffen.<\/p>\n\n\n\n

Er versteht, dass man Krebs nicht mit einem Pflaster verarztet, er wei\u00df, dass er das Bewusstsein der Deutschen sch\u00e4rfen und Diskussionen ansto\u00dfen muss. Er hat begriffen, dass das Problem nicht nur an den R\u00e4ndern der Gesellschaft (bei den Rechten) liegt, sondern auch in ihrer Mitte. Dort, wo gebildete Menschen nicht einmal bemerken, dass das, was sie sagen und tun, antisemitisch ist. So wie sie es auch nicht merken, wenn sie rassistisch handeln. Er hat all das verstanden, und genau deshalb wollen einige, dass er seinen Posten r\u00e4umt.<\/p>\n\n\n\n

Mehr als 60 deutsche und israelische Intellektuelle haben letzte Woche in einem Brief an Kanzlerin Merkel<\/a> dar\u00fcber geklagt, dass der aktuelle \u201eGebrauch des Antisemitismusbegriffs\u201c darauf abziele, \u201elegitime Kritik an der israelischen Regierungspolitik zu unterdr\u00fccken\u201c, und Klein vorgeworfen, rechtspopulistische israelische Stimmen zu f\u00f6rdern.<\/p>\n\n\n\n

Faszinierend an diesem offenen Brief ist, dass viele der Unterzeichneten keine Deutschen sind und auch nicht in Deutschland leben. Ich wei\u00df nicht, woher sie \u2013 die meisten von ihnen sind Israelis \u2013 die Chuzpe haben, sich in eine innerdeutsche Angelegenheit einzumischen und zu fordern, eine Person zu entlassen, die von der Bundesregierung eingesetzt wurde. Die H\u00e4lfte der Unterzeichneten lebt nicht hier, von der anderen H\u00e4lfte sind viele keine Juden \u2013 somit sind die allermeisten von ihnen nicht direkt vom Antisemitismus in Deutschland betroffen. Wie also k\u00f6nnen sie diesen Brief unterschreiben? Und warum eigentlich haben so wenige Deutsche unterschrieben? Dazu komme ich gleich.<\/p>\n\n\n\n

Debatte um Achille Mbembe<\/h6>\n\n\n\n

Hintergrund des Briefs war, dass Felix Klein gefordert hatte, den Philosophen Achille Mbembe<\/a> nicht die Er\u00f6ffnungsrede der Ruhrtriennale halten zu lassen. Als mit \u00f6ffentlichen Mitteln gef\u00f6rdertes Event solle die Ruhrtriennale Mbembe wegen seiner Haltung zu Israels Existenzrecht, seiner Haltung zu BDS und der Art, wie er in einem seiner Werke den Holocaust relativiert, nicht einladen.<\/p>\n\n\n\n

Mbembes Unterst\u00fctzer sagen, keine dieser Anschuldigungen sei wahr. F\u00fcrs Protokoll: In meinen Augen unterst\u00fctzt Mbembe sehr wohl BDS<\/a>, er schrieb unter anderem das Vorwort zu \u201eApartheid Israel\u201c und fordert die komplette Isolation Israels. Ich glaube auch, wenn Mbembe schreibt, die israelische Besetzung sei der \u201egr\u00f6\u00dfte moralische Skandal unserer Zeit\u201c, zeigt das, dass sein moralischer und geografischer Kompass etwas schief ist.<\/p>\n\n\n\n

Doch warum treibt die Debatte so viele Menschen um? Nun, zun\u00e4chst gibt niemand gern auf, was ihm oder ihr selbstverst\u00e4ndlich scheint. \u00dcber den gesamten politischen, sozialen, kulturellen, medialen und akademischen Sektor hinweg sind Menschen daran gew\u00f6hnt, so schlecht \u00fcber Israel sprechen zu k\u00f6nnen, wie auch immer sie wollen.<\/p>\n\n\n\n

Der Spiegel<\/em> hat \u2013 vielleicht in Anlehnung an seine Relotius-Standards, Israel erst k\u00fcrzlich eine Corona-Diktatur genannt. Fakten und Belege f\u00fcr diese Behauptung gab es nicht. Doch Millionen Deutsche haben es gelesen, und es wird nat\u00fcrlich haften bleiben. Faktenlage hin oder her. Der Spiegel<\/em> und andere Medien haben dieses Spiel perfektioniert: Titel so zu drehen, dass sie Israel indirekt anklagen, die Idee zu streuen, der Mossad kon\u00adtrol\u00adliere die deutsche Au\u00dfenpolitik im Nahen Osten, und so fort. Doch sie stehen allesamt sofort auf den Hinterbeinen, wenn jemand es wagt, das Spiel beim Namen zu nennen: moderner Antisemitismus.<\/p>\n\n\n\n

Klein will dem entgegenwirken. Er versteht, dass antisemitische Attacken in Deutschland die Fr\u00fcchte solch falsch gezeichneter Bilder und eindimensionaler Narrative \u00fcber Israel sind. Wenn er und andere versuchen, ein anderes Narrativ aufzuzeigen, wirft man ihnen Zensur vor: Wie k\u00f6nnen sie es wagen, das Gesch\u00e4ft der Anti-Israel-Propaganda zu st\u00f6ren?<\/p>\n\n\n\n

Liebe Deutsche, wenn ihr reden wollt, lasst uns gern reden: \u00fcber die Besetzung, \u00fcber Bibi und alles, was schiefl\u00e4uft. Aber dann lasst uns bitte auch dar\u00fcber reden, wie deutsche Steuergelder Terrortunnel finanzieren. Erst vergangene Woche r\u00e4umte die niederl\u00e4ndische Regierung ein, dass Gelder an eine Landwirtschaftsorganisation in Ramallah geflossen seien, die damit teilweise die Geh\u00e4lter zweier des Mordes an der 17-j\u00e4hrigen Israelin Rina Shnerb Verd\u00e4chtiger gezahlt haben. Auch die Bundesregierung unterst\u00fctzt diese Organisation, obwohl Kritiker schon lange vor Verbindungen zu Terroristen warnen.<\/p>\n\n\n\n

Wir k\u00f6nnen uns also gerne unterhalten \u2013 aber im Dialog, nicht in Monologen. Denn Reden unter Menschen, die sich einig sind, ist nichts anderes als Impotenz.<\/p>\n\n\n\n

Israelkritik als Eintrittskarte<\/h6>\n\n\n\n

Die Israelis, die die Petition unterzeichnet haben, haben \u00fcbrigens ebenfalls etwas verstanden. Seit Jahren wissen sie: Es ist ihre Eintrittskarte in die Mitte der deutschen (und europ\u00e4ischen) Gesellschaft. Man h\u00f6rt nicht oft von Akademikern mit proisraelischen Ansichten. Weder in den Philharmonie-Orchestern noch in der Kunstszene. Die Eintrittskarte daf\u00fcr ist ein antiisraelischer Standpunkt.<\/p>\n\n\n\n

Der mutma\u00dfliche Grund, warum kaum Deutsche die Petition unterzeichnet haben: Sie mussten es nicht. Ihre Lieblingsjuden haben es f\u00fcr sie getan. Jetzt k\u00f6nnen sie sagen: \u201eSchau, ich bin das ja nicht, meine j\u00fcdischen Freunde sagen es.\u201c Ich selbst war einige Jahre lang mit einem Paar hier in Berlin befreundet, bis ich herausfand, dass ich ihr Lieblingsjude war. Ja, selbst das j\u00fcdische Museum wurde so genutzt.<\/p>\n\n\n\n

Weil Attacken gegen Juden ein absolutes Tabu sind, wurden Umwege gefunden, um den Antisemitismus auf kleiner Flamme k\u00f6cheln zu lassen: die unfundierte, unbegr\u00fcndete Kritik an Israel.<\/p>\n\n\n\n

Diese Art der Kritik ist gef\u00e4hrlich. Sie schw\u00e4cht jede begr\u00fcndete und notwendige Kritik am Verhalten Israels. Und das Interessante ist: Trotz all der heftigen, pauschalisierenden Anklagen, all der offenen Briefe driftet Israel politisch immer weiter nach rechts. Doch statt mal einen anderen Ansatz zu versuchen, werden die antiisraelischen Stimmen nur lauter. Dasselbe versuchen und andere Ergebnisse davon erwarten \u2013 das ist die Definition von Wahnsinn.<\/p>\n\n\n\n

Kurz bevor der Prozess gegen den wegen des Attentats von Halle<\/a> Angeklagten begann \u2013 des seit Kriegsende schlimmsten Akts von Antisemitismus in Deutschland \u2013, lud eine Lokalzeitung den fr\u00fcheren Botschafter Shimon Stein und den Historiker Moshe Zimmermann ein, dar\u00fcber zu schreiben, was Antisemitismus ist. Nat\u00fcrlich wendeten auch sie sich gegen Felix Kleins Ansatz. Sie zitieren die Kontroverse um die Umbenennung der U-Bahn-Station Mohrenstra\u00dfe in Glinkastra\u00dfe, die sich darum drehte, dass der russische Komponist Michael Glinka Antisemit gewesen sein soll. Stein und Zimmermann halten die Debatte f\u00fcr \u00fcberzogen, Glinka sei nur ein Kind seiner Zeit gewesen. Folgt man ihrer Logik, k\u00f6nnen wir dann also in 20 oder 30 Jahren U-Bahn-Stationen nach den Kindern der 1930er Jahre benennen?<\/p>\n\n\n\n

Der Antisemit als Tierfreund<\/h6>\n\n\n\n

Ich w\u00fcnschte, die Sache h\u00e4tte mit dem Artikel, mit der Petition geendet. Doch dann erschien ein Artikel, der den Leser auf einen Waldspaziergang mit einem veganen Koch und Antisemiten mitnahm. Darin setzt der Tierfreund erst behutsam einen K\u00e4fer wieder auf seine Beinchen und erkl\u00e4rt dann, dass die Todesstrafe in Deutschland wieder eingef\u00fchrt werden solle, um einen gewissen Politiker (der zuf\u00e4llig pro Israel ist) an seinen Hoden aufh\u00e4ngen zu k\u00f6nnen. Dieser Koch hat Hunderttausende Follower, er sagt all solche Dinge am helllichten Tag in Berlin. Und in den Medien.<\/p>\n\n\n\n

F\u00e4lle wie dieser handeln bereits von Gewalt \u2013 und sie enden nicht bei den Juden. Der Hass richtet sich gegen Frauen<\/a>, Muslime, Gefl\u00fcchtete, \u00adLBTQI. Am Ende aller theoretischen Debatten stehen immer echte Menschen. Am Ende jeder Konferenz dar\u00fcber, was Antisemitismus ausmacht, steht ein potenzielles j\u00fcdisches Opfer. Angesichts einer Welle von Antisemitismus \u00fcber die Definition von Antisemitismus zu streiten ist, wie eine 10 Meter hohe Welle heranrollen zu sehen und dar\u00fcber zu streiten, was einen Tsunami ausmacht.<\/p>\n\n\n\n

Felix Klein versteht, wie absurd es ist, zu sagen: Es sind nur die Rechten. Die Rechten sind Deutsche, so wie die Nazis Deutsche waren. Klein versteht, dass die Deutschen nicht aufgeh\u00f6rt haben, Juden zu ermorden, weil sie irgendeine Art von Erleuchtung hatten. Sondern schlicht, weil sie den Krieg verloren haben. Um den Antisemitismus zu bek\u00e4mpfen, bevor er die Gesellschaft frisst, in der er und wir leben, muss Deutschland seinen moralischen Kompass korrigieren.<\/p>\n\n\n\n

Immerhin: Mehr und mehr Deutsche fahren nach Israel, sie wollen ein anderes Narrativ h\u00f6ren. Mehr und mehr Deutsche verstehen, dass Antisemitismus Schockwellen ausl\u00f6st, die die gesamte Gesellschaft betreffen. In einem normalen Universum w\u00fcrde Klein bef\u00f6rdert werden f\u00fcr seine Leistung. In einer verdrehten Gesellschaft fordern Menschen seine Entlassung. Um es mit Mbembe zu sagen: Das ist Nano-Nonsens.<\/p>\n\n\n\n

\u00dcbersetzung: Ariane Lemme<\/a><\/em><\/p>\n","post_title":"Felix Klein hat verstanden","post_excerpt":"","post_status":"publish","comment_status":"closed","ping_status":"closed","post_password":"","post_name":"felix-klein-hat-verstanden","to_ping":"","pinged":"","post_modified":"2025-02-02 08:39:39","post_modified_gmt":"2025-02-02 08:39:39","post_content_filtered":"","post_parent":0,"guid":"https:\/\/dctransparency.com\/?p=3786","menu_order":0,"post_type":"post","post_mime_type":"","comment_count":"0","filter":"raw"}],"next":false,"prev":true,"total_page":47},"paged":1,"column_class":"jeg_col_2o3","class":"epic_block_3"};

\n

Aber wird da nicht doch zu viel in einen Formalakt rund um ein uraltes Bauwerk hineininterpretiert? Im geschichtlichen Kontext relativiert sich manches: Konstantinopel wurde schon von Christen erobert und ausgepl\u00fcndert \u2013 1204 im Vierten Kreuzzug. In der Moschee von Cordoba (\"Mezquita\") bauten die Katholiken eine ganze Kirche in den ber\u00fchmten S\u00e4ulenwald hinein. Die Mezquita ist heute noch Kirche, kein Museum.<\/p>\n\n\n\n

\"Das ist der Beweis, dass wir kein s\u00e4kularer Staat mehr sein wollen\", sagt Nobelpreistr\u00e4ger Orhan Pamuk. Erdo\u011fan betrachtet sich offenbar als auch neoosmanischer \"Fatih\" im Mittelmeerraum mit immer neuen Abenteuern: Eingreifen in Syrien, Stellvertreterkrieg in Libyen, Anspr\u00fcche auf Erdgasvorkommen weit vor der t\u00fcrkischen K\u00fcste bei Zypern, Reden, wonach manche \u00c4g\u00e4is-Inseln eigentlich zur T\u00fcrkei geh\u00f6ren, \"denn dort stehen unsere Moscheen\". Manches davon ist nur Rhetorik, aber genug anderes ist riskante Realit\u00e4t. (Hans Rauscher, 14.7.2020)<\/p>\n\n\n\n

Quelle<\/a><\/strong><\/p>\n","post_title":"Hagia Sophia: Verengung und Verarmung eines Welterbes","post_excerpt":"","post_status":"publish","comment_status":"closed","ping_status":"closed","post_password":"","post_name":"hagia-sophia-verengung-und-verarmung-eines-welterbes","to_ping":"","pinged":"","post_modified":"2025-02-02 08:39:39","post_modified_gmt":"2025-02-02 08:39:39","post_content_filtered":"","post_parent":0,"guid":"https:\/\/dctransparency.com\/?p=3792","menu_order":0,"post_type":"post","post_mime_type":"","comment_count":"0","filter":"raw"},{"ID":3789,"post_author":"7","post_date":"2020-08-14 13:56:07","post_date_gmt":"2020-08-14 13:56:07","post_content":"\n

Im Gastkommentar pocht Mark Leonard, Direktor des Europ\u00e4ischen Rats f\u00fcr Ausw\u00e4rtige Beziehungen, auf \"neue, einvernehmlich vereinbarte Prinzipien sowie klare Grenzen\", nur so k\u00f6nne eine weitere Destabilisierung in der Region verhindert werden.<\/em><\/strong><\/p>\n\n\n\n

Ist die T\u00fcrkei das neue Russland? Diese Frage wird in den europ\u00e4ischen Hauptst\u00e4dten zunehmend gestellt, da die Au\u00dfenpolitik des t\u00fcrkischen Pr\u00e4sidenten Recep Tayyip Erdo\u011fan zunehmend aggressiver wird. Erdo\u011fan nutzt nicht nur die Migration, um die EU zu bedrohen und zu betr\u00fcgen, sondern setzt auch milit\u00e4rische Macht ein, um den Einflussbereich der T\u00fcrkei auf die gesamte Region auszudehnen.<\/p>\n\n\n\n

Seit dem Ende des Kalten Krieges haben die Europ\u00e4er die regionale Sicherheit durch eine unipolare westliche Linse betrachtet. W\u00e4hrend die Nato die milit\u00e4rische Sicherheit garantierte, sorgte die EU mit ihrem 80.000 Seiten starken Regelwerk f\u00fcr alles von LGBTQ-Rechten bis hin zu Rasenm\u00e4her-Sound-Verordnungen f\u00fcr Rechtsordnung. In den 90er-Jahren ging man allgemein davon aus, dass die beiden gro\u00dfen nichtwestlichen regionalen Akteure, Russland und die T\u00fcrkei, nach und nach an diese Regelungen herangef\u00fchrt werden w\u00fcrden.<\/p>\n\n\n\n

Qu\u00e4lende Hassliebe<\/h3>\n\n\n\n

Doch in den letzten 15 Jahren ist der Traum von der europ\u00e4ischen Unipolarit\u00e4t einer multipolaren Realit\u00e4t gewichen. Sowohl Russland als auch die T\u00fcrkei haben eine lange, qu\u00e4lende Hassliebe zu Europa, und beide sind unter nationalen Machthabern, denen die Verachtung der Normen und Werte der EU gemeinsam ist, durchsetzungsf\u00e4higer geworden.<\/p>\n\n\n\n

Die zunehmende Verschlechterung der Beziehungen zwischen der EU und Russland ist gut dokumentiert, der Fall der T\u00fcrkei weniger. Der Irakkrieg im Jahr 2003 komplizierte das Verh\u00e4ltnis der T\u00fcrkei zur Nato, und ihr Verh\u00e4ltnis zur EU verschlechterte sich 2007, als Frankreich einen wichtigen Teil ihrer EU-Beitrittsverhandlungen blockierte. Seitdem hat die T\u00fcrkei ihren eigenen Weg in Syrien, auf dem Balkan und in Libyen eingeschlagen und neue Beziehungen zu Russland und China aufgebaut.<\/p>\n\n\n\n

Wichtiger Akteur<\/strong><\/h3>\n\n\n\n

Nat\u00fcrlich sind die Beziehungen zwischen der T\u00fcrkei und Russland nicht weniger kompliziert, nicht zuletzt weil Erdo\u011fan und der russische Pr\u00e4sident Wladimir Putin im syrischen B\u00fcrgerkrieg verschiedene Seiten unterst\u00fctzten.Und w\u00e4hrend die Spannungen wegen des Syrien-Konflikts weiterhin bestehen, bewundert Erdo\u011fan deutlich, wie Russland sich \u2013 bei relativ geringen Kosten \u2013 wieder als wichtiger Akteur im Nahen Osten und in Nordafrika etabliert hat.<\/p>\n\n\n\n

Nachdem er in einen nicht zu gewinnenden Krieg im Osten der Ukraine verwickelt war, schien Putins weitgehend erfolgreicher Feldzug in Syrien einen Teil seiner innenpolitischen Autorit\u00e4t wiederherzustellen. Der Westen hatte f\u00fcnf Jahre lang darauf bestanden, dass es keine milit\u00e4rische L\u00f6sung des Konflikts gebe und dass der syrische Pr\u00e4sident Baschar al-Assad gehen m\u00fcsse. Doch w\u00e4hrend die von den Vereinten Nationen unterst\u00fctzten Gespr\u00e4che in Genf zu keinem Ergebnis f\u00fchrten, schienen die von Russland geleiteten Gespr\u00e4che in Astana voranzukommen. Indem der Kreml die T\u00fcrkei und den Iran einbezog, w\u00e4hrend er die westlichen M\u00e4chte ausschloss, erweckte er den Eindruck, dass Russland als wiedergeborene Supermacht aus der Asche auferstanden sei.<\/p>\n\n\n\n

Unter Druck<\/h3>\n\n\n\n

Angesichts des wachsenden Widerstands im eigenen Land macht es Erdo\u011fan Putin gleich. Da der Westen nicht bereit war, (erneut) milit\u00e4risch in Libyen zu intervenieren, sah Erdo\u011fan eine Gelegenheit, die T\u00fcrkei zu positionieren. Nach dem Vorgehen Russlands in Syrien sicherte er sich eine formelle Einladung der libyschen Regierung zur Intervention. Mit einem Schlag Ende letzten Jahres hat er nicht nur das Image der T\u00fcrkei als Regionalmacht gest\u00e4rkt, sondern auch ein Abkommen mit Libyen \u00fcber die Seegrenze abgeschlossen und damit einen Plan Griechenlands, Zyperns, \u00c4gyptens und Israels zur Erschlie\u00dfung von Unterwasser\u00f6l- und -gasfeldern in der N\u00e4he zunichtegemacht.<\/p>\n\n\n\n

Erdo\u011fan scheint auch von der Spalt-und-Eroberungs-Strategie des Kreml in Europa inspiriert worden zu sein, der zufolge oft diejenigen EU-Mitgliedsstaaten unter Druck gesetzt werden, die am meisten von russischen Kohlenwasserstoffen oder M\u00e4rkten abh\u00e4ngig sind. So wie Putin lange Zeit die Energieversorgung instrumentalisiert hat, hat Erdo\u011fan versucht, den Strom von Migranten und Fl\u00fcchtlingen, die vor Konflikten im Nahen Osten fliehen, zu instrumentalisieren. Als die EU eine neue Marinemission ank\u00fcndigte, um den Waffenstrom nach Libyen zu blockieren, malte die T\u00fcrkei f\u00fcr Malta das Schreckgespenst der angeblichen Bedrohung durch Migranten an die Wand. Malta reagierte prompt und signalisierte, dass es gegen die Finanzierung der Mission ein Veto einlegen werde.<\/p>\n\n\n\n

Verlorener Sohn<\/strong><\/h3>\n\n\n\n

Jahrelang redeten sich die Europ\u00e4er ein, dass Russland eine Art verlorener Sohn sei und dass die europ\u00e4ische unipolare Ordnung gesund bleibe. Doch das machte Europa zu einem leichten Ziel f\u00fcr die Trennungs-und-Eroberungs-Strategie des Kreml. Erst vor relativ kurzer Zeit entwarf die Union eine neue Politik und ein robustes Sanktionsregime, um die russische Aggression abzuschrecken. Und selbst jetzt \u2013 trotz der besten Bem\u00fchungen der deutschen Bundeskanzlerin Angela Merkel und des franz\u00f6sischen Pr\u00e4sidenten Emmanuel Macron \u2013 hat die EU noch immer keine wirksamen Kommunikationskan\u00e4le mit Russland geschaffen, um gemeinsame Probleme anzugehen.<\/p>\n\n\n\n

Die T\u00fcrkei ist noch kein neues Russland, aber sie k\u00f6nnte dazu werden, wenn die Situation falsch gehandhabt wird. Vorerst betrachten die meisten Europ\u00e4er die T\u00fcrkei noch immer als einen komplizierten Partner und nicht als \"Systemrivalen\". Aber die Europ\u00e4er sollten die hart erk\u00e4mpften Lehren aus dem Umgang mit Russland in den letzten 15 Jahren beherzigen. Die Beziehungen zwischen der EU und der T\u00fcrkei brauchen neue, einvernehmlich vereinbarte Prinzipien sowie klare Grenzen, um eine weitere Destabilisierung in der Region zu verhindern.<\/p>\n\n\n\n

Zu diesem Zweck sollten die Europ\u00e4er klarstellen, dass der EU-Beitrittsprozess entweder zur\u00fcckgedreht oder vorangetrieben werden kann und dass eine eher transaktionale Beziehung sowohl Zuckerbrot als auch Peitsche beinhaltet. Die Herausforderung wird darin bestehen, daf\u00fcr zu sorgen, dass es in einer Region, die nicht nur von Europa und der T\u00fcrkei, sondern auch von Russland, den USA und einem aufstrebenden China beeinflusst wird, noch Raum f\u00fcr politisches Engagement in Fragen der gemeinsamen Sicherheit gibt. (Mark Leonard, \u00dcbersetzung: Eva G\u00f6llner, Copyright: Project Syndicate, 10.8.2020)<\/p>\n\n\n\n

Mark Leonard <\/strong>ist Direktor des Europ\u00e4ischen Rats f\u00fcr Ausw\u00e4rtige Beziehungen.<\/a><\/p>\n","post_title":"Erdo\u011fan \u2013 der andere Putin vor der Haust\u00fcr Europas","post_excerpt":"","post_status":"publish","comment_status":"closed","ping_status":"closed","post_password":"","post_name":"erdogan-der-andere-putin-vor-der-haustur-europas","to_ping":"","pinged":"","post_modified":"2025-02-02 08:39:39","post_modified_gmt":"2025-02-02 08:39:39","post_content_filtered":"","post_parent":0,"guid":"https:\/\/dctransparency.com\/?p=3789","menu_order":0,"post_type":"post","post_mime_type":"","comment_count":"0","filter":"raw"},{"ID":3786,"post_author":"7","post_date":"2020-08-14 13:51:23","post_date_gmt":"2020-08-14 13:51:23","post_content":"\n

Einen Monat nachdem ich zur israelischen Armee eingezogen worden war, brach die erste Intifada aus. Statt Soldat zu sein, machte ich Polizeiarbeit, sagte den Menschen, wann sie zur Arbeit gehen konnten und wann sie ihre L\u00e4den schlie\u00dfen mussten, wann sie die Grenze passieren und wann sie schlafen konnten. Einen Monat nachdem ich aus der Armee entlassen worden war, ging ich auf Reisen. (In Israel sagen wir: Wir dienen drei Jahre und versuchen den Rest unseres Lebens, diese drei Jahre zu vergessen.) Auf meiner Reise begann ich Briefe an meine Freundin zu schreiben, die ich in Israel zur\u00fcckgelassen hatte.<\/p>\n\n\n\n

Ich schrieb ihr, wie schrecklich depressiv ich war und dass diese drei Jahre des Anweisungenbellens und Anderen-Menschen-Sagens, was sie zu tun haben, mich f\u00fcr immer verfolgen w\u00fcrden. Dass sie ein Teil dessen geworden waren, was ich bin. Ich erinnere mich, dass ich ihr schrieb, dass wir da rausm\u00fcssen \u2013 nicht nur f\u00fcr die Pal\u00e4stinenser, sondern wegen der furchtbaren und brutalen Auswirkungen, die all das auf uns, auf die israelische Gesellschaft haben w\u00fcrde. Sie schrieb zur\u00fcck: \u201eDu hast recht. Ich habe einen neuen Freund.\u201c<\/p>\n\n\n\n

Felix Klein wurde als Beauftragter der Bundesregierung berufen<\/a>, um die Auswirkungen des zunehmenden Antisemitismus in unserer Gesellschaft, in Deutschland, zu bek\u00e4mpfen. Was nicht in seiner Jobbeschreibung steht, ist, dass er dabei unsere Gesellschaft heilen muss, jene Gesellschaft, die diese Form des Hasses reproduziert und sch\u00fctzt. Klein hat das begriffen.<\/p>\n\n\n\n

Er versteht, dass man Krebs nicht mit einem Pflaster verarztet, er wei\u00df, dass er das Bewusstsein der Deutschen sch\u00e4rfen und Diskussionen ansto\u00dfen muss. Er hat begriffen, dass das Problem nicht nur an den R\u00e4ndern der Gesellschaft (bei den Rechten) liegt, sondern auch in ihrer Mitte. Dort, wo gebildete Menschen nicht einmal bemerken, dass das, was sie sagen und tun, antisemitisch ist. So wie sie es auch nicht merken, wenn sie rassistisch handeln. Er hat all das verstanden, und genau deshalb wollen einige, dass er seinen Posten r\u00e4umt.<\/p>\n\n\n\n

Mehr als 60 deutsche und israelische Intellektuelle haben letzte Woche in einem Brief an Kanzlerin Merkel<\/a> dar\u00fcber geklagt, dass der aktuelle \u201eGebrauch des Antisemitismusbegriffs\u201c darauf abziele, \u201elegitime Kritik an der israelischen Regierungspolitik zu unterdr\u00fccken\u201c, und Klein vorgeworfen, rechtspopulistische israelische Stimmen zu f\u00f6rdern.<\/p>\n\n\n\n

Faszinierend an diesem offenen Brief ist, dass viele der Unterzeichneten keine Deutschen sind und auch nicht in Deutschland leben. Ich wei\u00df nicht, woher sie \u2013 die meisten von ihnen sind Israelis \u2013 die Chuzpe haben, sich in eine innerdeutsche Angelegenheit einzumischen und zu fordern, eine Person zu entlassen, die von der Bundesregierung eingesetzt wurde. Die H\u00e4lfte der Unterzeichneten lebt nicht hier, von der anderen H\u00e4lfte sind viele keine Juden \u2013 somit sind die allermeisten von ihnen nicht direkt vom Antisemitismus in Deutschland betroffen. Wie also k\u00f6nnen sie diesen Brief unterschreiben? Und warum eigentlich haben so wenige Deutsche unterschrieben? Dazu komme ich gleich.<\/p>\n\n\n\n

Debatte um Achille Mbembe<\/h6>\n\n\n\n

Hintergrund des Briefs war, dass Felix Klein gefordert hatte, den Philosophen Achille Mbembe<\/a> nicht die Er\u00f6ffnungsrede der Ruhrtriennale halten zu lassen. Als mit \u00f6ffentlichen Mitteln gef\u00f6rdertes Event solle die Ruhrtriennale Mbembe wegen seiner Haltung zu Israels Existenzrecht, seiner Haltung zu BDS und der Art, wie er in einem seiner Werke den Holocaust relativiert, nicht einladen.<\/p>\n\n\n\n

Mbembes Unterst\u00fctzer sagen, keine dieser Anschuldigungen sei wahr. F\u00fcrs Protokoll: In meinen Augen unterst\u00fctzt Mbembe sehr wohl BDS<\/a>, er schrieb unter anderem das Vorwort zu \u201eApartheid Israel\u201c und fordert die komplette Isolation Israels. Ich glaube auch, wenn Mbembe schreibt, die israelische Besetzung sei der \u201egr\u00f6\u00dfte moralische Skandal unserer Zeit\u201c, zeigt das, dass sein moralischer und geografischer Kompass etwas schief ist.<\/p>\n\n\n\n

Doch warum treibt die Debatte so viele Menschen um? Nun, zun\u00e4chst gibt niemand gern auf, was ihm oder ihr selbstverst\u00e4ndlich scheint. \u00dcber den gesamten politischen, sozialen, kulturellen, medialen und akademischen Sektor hinweg sind Menschen daran gew\u00f6hnt, so schlecht \u00fcber Israel sprechen zu k\u00f6nnen, wie auch immer sie wollen.<\/p>\n\n\n\n

Der Spiegel<\/em> hat \u2013 vielleicht in Anlehnung an seine Relotius-Standards, Israel erst k\u00fcrzlich eine Corona-Diktatur genannt. Fakten und Belege f\u00fcr diese Behauptung gab es nicht. Doch Millionen Deutsche haben es gelesen, und es wird nat\u00fcrlich haften bleiben. Faktenlage hin oder her. Der Spiegel<\/em> und andere Medien haben dieses Spiel perfektioniert: Titel so zu drehen, dass sie Israel indirekt anklagen, die Idee zu streuen, der Mossad kon\u00adtrol\u00adliere die deutsche Au\u00dfenpolitik im Nahen Osten, und so fort. Doch sie stehen allesamt sofort auf den Hinterbeinen, wenn jemand es wagt, das Spiel beim Namen zu nennen: moderner Antisemitismus.<\/p>\n\n\n\n

Klein will dem entgegenwirken. Er versteht, dass antisemitische Attacken in Deutschland die Fr\u00fcchte solch falsch gezeichneter Bilder und eindimensionaler Narrative \u00fcber Israel sind. Wenn er und andere versuchen, ein anderes Narrativ aufzuzeigen, wirft man ihnen Zensur vor: Wie k\u00f6nnen sie es wagen, das Gesch\u00e4ft der Anti-Israel-Propaganda zu st\u00f6ren?<\/p>\n\n\n\n

Liebe Deutsche, wenn ihr reden wollt, lasst uns gern reden: \u00fcber die Besetzung, \u00fcber Bibi und alles, was schiefl\u00e4uft. Aber dann lasst uns bitte auch dar\u00fcber reden, wie deutsche Steuergelder Terrortunnel finanzieren. Erst vergangene Woche r\u00e4umte die niederl\u00e4ndische Regierung ein, dass Gelder an eine Landwirtschaftsorganisation in Ramallah geflossen seien, die damit teilweise die Geh\u00e4lter zweier des Mordes an der 17-j\u00e4hrigen Israelin Rina Shnerb Verd\u00e4chtiger gezahlt haben. Auch die Bundesregierung unterst\u00fctzt diese Organisation, obwohl Kritiker schon lange vor Verbindungen zu Terroristen warnen.<\/p>\n\n\n\n

Wir k\u00f6nnen uns also gerne unterhalten \u2013 aber im Dialog, nicht in Monologen. Denn Reden unter Menschen, die sich einig sind, ist nichts anderes als Impotenz.<\/p>\n\n\n\n

Israelkritik als Eintrittskarte<\/h6>\n\n\n\n

Die Israelis, die die Petition unterzeichnet haben, haben \u00fcbrigens ebenfalls etwas verstanden. Seit Jahren wissen sie: Es ist ihre Eintrittskarte in die Mitte der deutschen (und europ\u00e4ischen) Gesellschaft. Man h\u00f6rt nicht oft von Akademikern mit proisraelischen Ansichten. Weder in den Philharmonie-Orchestern noch in der Kunstszene. Die Eintrittskarte daf\u00fcr ist ein antiisraelischer Standpunkt.<\/p>\n\n\n\n

Der mutma\u00dfliche Grund, warum kaum Deutsche die Petition unterzeichnet haben: Sie mussten es nicht. Ihre Lieblingsjuden haben es f\u00fcr sie getan. Jetzt k\u00f6nnen sie sagen: \u201eSchau, ich bin das ja nicht, meine j\u00fcdischen Freunde sagen es.\u201c Ich selbst war einige Jahre lang mit einem Paar hier in Berlin befreundet, bis ich herausfand, dass ich ihr Lieblingsjude war. Ja, selbst das j\u00fcdische Museum wurde so genutzt.<\/p>\n\n\n\n

Weil Attacken gegen Juden ein absolutes Tabu sind, wurden Umwege gefunden, um den Antisemitismus auf kleiner Flamme k\u00f6cheln zu lassen: die unfundierte, unbegr\u00fcndete Kritik an Israel.<\/p>\n\n\n\n

Diese Art der Kritik ist gef\u00e4hrlich. Sie schw\u00e4cht jede begr\u00fcndete und notwendige Kritik am Verhalten Israels. Und das Interessante ist: Trotz all der heftigen, pauschalisierenden Anklagen, all der offenen Briefe driftet Israel politisch immer weiter nach rechts. Doch statt mal einen anderen Ansatz zu versuchen, werden die antiisraelischen Stimmen nur lauter. Dasselbe versuchen und andere Ergebnisse davon erwarten \u2013 das ist die Definition von Wahnsinn.<\/p>\n\n\n\n

Kurz bevor der Prozess gegen den wegen des Attentats von Halle<\/a> Angeklagten begann \u2013 des seit Kriegsende schlimmsten Akts von Antisemitismus in Deutschland \u2013, lud eine Lokalzeitung den fr\u00fcheren Botschafter Shimon Stein und den Historiker Moshe Zimmermann ein, dar\u00fcber zu schreiben, was Antisemitismus ist. Nat\u00fcrlich wendeten auch sie sich gegen Felix Kleins Ansatz. Sie zitieren die Kontroverse um die Umbenennung der U-Bahn-Station Mohrenstra\u00dfe in Glinkastra\u00dfe, die sich darum drehte, dass der russische Komponist Michael Glinka Antisemit gewesen sein soll. Stein und Zimmermann halten die Debatte f\u00fcr \u00fcberzogen, Glinka sei nur ein Kind seiner Zeit gewesen. Folgt man ihrer Logik, k\u00f6nnen wir dann also in 20 oder 30 Jahren U-Bahn-Stationen nach den Kindern der 1930er Jahre benennen?<\/p>\n\n\n\n

Der Antisemit als Tierfreund<\/h6>\n\n\n\n

Ich w\u00fcnschte, die Sache h\u00e4tte mit dem Artikel, mit der Petition geendet. Doch dann erschien ein Artikel, der den Leser auf einen Waldspaziergang mit einem veganen Koch und Antisemiten mitnahm. Darin setzt der Tierfreund erst behutsam einen K\u00e4fer wieder auf seine Beinchen und erkl\u00e4rt dann, dass die Todesstrafe in Deutschland wieder eingef\u00fchrt werden solle, um einen gewissen Politiker (der zuf\u00e4llig pro Israel ist) an seinen Hoden aufh\u00e4ngen zu k\u00f6nnen. Dieser Koch hat Hunderttausende Follower, er sagt all solche Dinge am helllichten Tag in Berlin. Und in den Medien.<\/p>\n\n\n\n

F\u00e4lle wie dieser handeln bereits von Gewalt \u2013 und sie enden nicht bei den Juden. Der Hass richtet sich gegen Frauen<\/a>, Muslime, Gefl\u00fcchtete, \u00adLBTQI. Am Ende aller theoretischen Debatten stehen immer echte Menschen. Am Ende jeder Konferenz dar\u00fcber, was Antisemitismus ausmacht, steht ein potenzielles j\u00fcdisches Opfer. Angesichts einer Welle von Antisemitismus \u00fcber die Definition von Antisemitismus zu streiten ist, wie eine 10 Meter hohe Welle heranrollen zu sehen und dar\u00fcber zu streiten, was einen Tsunami ausmacht.<\/p>\n\n\n\n

Felix Klein versteht, wie absurd es ist, zu sagen: Es sind nur die Rechten. Die Rechten sind Deutsche, so wie die Nazis Deutsche waren. Klein versteht, dass die Deutschen nicht aufgeh\u00f6rt haben, Juden zu ermorden, weil sie irgendeine Art von Erleuchtung hatten. Sondern schlicht, weil sie den Krieg verloren haben. Um den Antisemitismus zu bek\u00e4mpfen, bevor er die Gesellschaft frisst, in der er und wir leben, muss Deutschland seinen moralischen Kompass korrigieren.<\/p>\n\n\n\n

Immerhin: Mehr und mehr Deutsche fahren nach Israel, sie wollen ein anderes Narrativ h\u00f6ren. Mehr und mehr Deutsche verstehen, dass Antisemitismus Schockwellen ausl\u00f6st, die die gesamte Gesellschaft betreffen. In einem normalen Universum w\u00fcrde Klein bef\u00f6rdert werden f\u00fcr seine Leistung. In einer verdrehten Gesellschaft fordern Menschen seine Entlassung. Um es mit Mbembe zu sagen: Das ist Nano-Nonsens.<\/p>\n\n\n\n

\u00dcbersetzung: Ariane Lemme<\/a><\/em><\/p>\n","post_title":"Felix Klein hat verstanden","post_excerpt":"","post_status":"publish","comment_status":"closed","ping_status":"closed","post_password":"","post_name":"felix-klein-hat-verstanden","to_ping":"","pinged":"","post_modified":"2025-02-02 08:39:39","post_modified_gmt":"2025-02-02 08:39:39","post_content_filtered":"","post_parent":0,"guid":"https:\/\/dctransparency.com\/?p=3786","menu_order":0,"post_type":"post","post_mime_type":"","comment_count":"0","filter":"raw"}],"next":false,"prev":true,"total_page":47},"paged":1,"column_class":"jeg_col_2o3","class":"epic_block_3"};

\n

Erdo\u011fans neue Abenteuer<\/strong><\/h3>\n\n\n\n

Aber wird da nicht doch zu viel in einen Formalakt rund um ein uraltes Bauwerk hineininterpretiert? Im geschichtlichen Kontext relativiert sich manches: Konstantinopel wurde schon von Christen erobert und ausgepl\u00fcndert \u2013 1204 im Vierten Kreuzzug. In der Moschee von Cordoba (\"Mezquita\") bauten die Katholiken eine ganze Kirche in den ber\u00fchmten S\u00e4ulenwald hinein. Die Mezquita ist heute noch Kirche, kein Museum.<\/p>\n\n\n\n

\"Das ist der Beweis, dass wir kein s\u00e4kularer Staat mehr sein wollen\", sagt Nobelpreistr\u00e4ger Orhan Pamuk. Erdo\u011fan betrachtet sich offenbar als auch neoosmanischer \"Fatih\" im Mittelmeerraum mit immer neuen Abenteuern: Eingreifen in Syrien, Stellvertreterkrieg in Libyen, Anspr\u00fcche auf Erdgasvorkommen weit vor der t\u00fcrkischen K\u00fcste bei Zypern, Reden, wonach manche \u00c4g\u00e4is-Inseln eigentlich zur T\u00fcrkei geh\u00f6ren, \"denn dort stehen unsere Moscheen\". Manches davon ist nur Rhetorik, aber genug anderes ist riskante Realit\u00e4t. (Hans Rauscher, 14.7.2020)<\/p>\n\n\n\n

Quelle<\/a><\/strong><\/p>\n","post_title":"Hagia Sophia: Verengung und Verarmung eines Welterbes","post_excerpt":"","post_status":"publish","comment_status":"closed","ping_status":"closed","post_password":"","post_name":"hagia-sophia-verengung-und-verarmung-eines-welterbes","to_ping":"","pinged":"","post_modified":"2025-02-02 08:39:39","post_modified_gmt":"2025-02-02 08:39:39","post_content_filtered":"","post_parent":0,"guid":"https:\/\/dctransparency.com\/?p=3792","menu_order":0,"post_type":"post","post_mime_type":"","comment_count":"0","filter":"raw"},{"ID":3789,"post_author":"7","post_date":"2020-08-14 13:56:07","post_date_gmt":"2020-08-14 13:56:07","post_content":"\n

Im Gastkommentar pocht Mark Leonard, Direktor des Europ\u00e4ischen Rats f\u00fcr Ausw\u00e4rtige Beziehungen, auf \"neue, einvernehmlich vereinbarte Prinzipien sowie klare Grenzen\", nur so k\u00f6nne eine weitere Destabilisierung in der Region verhindert werden.<\/em><\/strong><\/p>\n\n\n\n

Ist die T\u00fcrkei das neue Russland? Diese Frage wird in den europ\u00e4ischen Hauptst\u00e4dten zunehmend gestellt, da die Au\u00dfenpolitik des t\u00fcrkischen Pr\u00e4sidenten Recep Tayyip Erdo\u011fan zunehmend aggressiver wird. Erdo\u011fan nutzt nicht nur die Migration, um die EU zu bedrohen und zu betr\u00fcgen, sondern setzt auch milit\u00e4rische Macht ein, um den Einflussbereich der T\u00fcrkei auf die gesamte Region auszudehnen.<\/p>\n\n\n\n

Seit dem Ende des Kalten Krieges haben die Europ\u00e4er die regionale Sicherheit durch eine unipolare westliche Linse betrachtet. W\u00e4hrend die Nato die milit\u00e4rische Sicherheit garantierte, sorgte die EU mit ihrem 80.000 Seiten starken Regelwerk f\u00fcr alles von LGBTQ-Rechten bis hin zu Rasenm\u00e4her-Sound-Verordnungen f\u00fcr Rechtsordnung. In den 90er-Jahren ging man allgemein davon aus, dass die beiden gro\u00dfen nichtwestlichen regionalen Akteure, Russland und die T\u00fcrkei, nach und nach an diese Regelungen herangef\u00fchrt werden w\u00fcrden.<\/p>\n\n\n\n

Qu\u00e4lende Hassliebe<\/h3>\n\n\n\n

Doch in den letzten 15 Jahren ist der Traum von der europ\u00e4ischen Unipolarit\u00e4t einer multipolaren Realit\u00e4t gewichen. Sowohl Russland als auch die T\u00fcrkei haben eine lange, qu\u00e4lende Hassliebe zu Europa, und beide sind unter nationalen Machthabern, denen die Verachtung der Normen und Werte der EU gemeinsam ist, durchsetzungsf\u00e4higer geworden.<\/p>\n\n\n\n

Die zunehmende Verschlechterung der Beziehungen zwischen der EU und Russland ist gut dokumentiert, der Fall der T\u00fcrkei weniger. Der Irakkrieg im Jahr 2003 komplizierte das Verh\u00e4ltnis der T\u00fcrkei zur Nato, und ihr Verh\u00e4ltnis zur EU verschlechterte sich 2007, als Frankreich einen wichtigen Teil ihrer EU-Beitrittsverhandlungen blockierte. Seitdem hat die T\u00fcrkei ihren eigenen Weg in Syrien, auf dem Balkan und in Libyen eingeschlagen und neue Beziehungen zu Russland und China aufgebaut.<\/p>\n\n\n\n

Wichtiger Akteur<\/strong><\/h3>\n\n\n\n

Nat\u00fcrlich sind die Beziehungen zwischen der T\u00fcrkei und Russland nicht weniger kompliziert, nicht zuletzt weil Erdo\u011fan und der russische Pr\u00e4sident Wladimir Putin im syrischen B\u00fcrgerkrieg verschiedene Seiten unterst\u00fctzten.Und w\u00e4hrend die Spannungen wegen des Syrien-Konflikts weiterhin bestehen, bewundert Erdo\u011fan deutlich, wie Russland sich \u2013 bei relativ geringen Kosten \u2013 wieder als wichtiger Akteur im Nahen Osten und in Nordafrika etabliert hat.<\/p>\n\n\n\n

Nachdem er in einen nicht zu gewinnenden Krieg im Osten der Ukraine verwickelt war, schien Putins weitgehend erfolgreicher Feldzug in Syrien einen Teil seiner innenpolitischen Autorit\u00e4t wiederherzustellen. Der Westen hatte f\u00fcnf Jahre lang darauf bestanden, dass es keine milit\u00e4rische L\u00f6sung des Konflikts gebe und dass der syrische Pr\u00e4sident Baschar al-Assad gehen m\u00fcsse. Doch w\u00e4hrend die von den Vereinten Nationen unterst\u00fctzten Gespr\u00e4che in Genf zu keinem Ergebnis f\u00fchrten, schienen die von Russland geleiteten Gespr\u00e4che in Astana voranzukommen. Indem der Kreml die T\u00fcrkei und den Iran einbezog, w\u00e4hrend er die westlichen M\u00e4chte ausschloss, erweckte er den Eindruck, dass Russland als wiedergeborene Supermacht aus der Asche auferstanden sei.<\/p>\n\n\n\n

Unter Druck<\/h3>\n\n\n\n

Angesichts des wachsenden Widerstands im eigenen Land macht es Erdo\u011fan Putin gleich. Da der Westen nicht bereit war, (erneut) milit\u00e4risch in Libyen zu intervenieren, sah Erdo\u011fan eine Gelegenheit, die T\u00fcrkei zu positionieren. Nach dem Vorgehen Russlands in Syrien sicherte er sich eine formelle Einladung der libyschen Regierung zur Intervention. Mit einem Schlag Ende letzten Jahres hat er nicht nur das Image der T\u00fcrkei als Regionalmacht gest\u00e4rkt, sondern auch ein Abkommen mit Libyen \u00fcber die Seegrenze abgeschlossen und damit einen Plan Griechenlands, Zyperns, \u00c4gyptens und Israels zur Erschlie\u00dfung von Unterwasser\u00f6l- und -gasfeldern in der N\u00e4he zunichtegemacht.<\/p>\n\n\n\n

Erdo\u011fan scheint auch von der Spalt-und-Eroberungs-Strategie des Kreml in Europa inspiriert worden zu sein, der zufolge oft diejenigen EU-Mitgliedsstaaten unter Druck gesetzt werden, die am meisten von russischen Kohlenwasserstoffen oder M\u00e4rkten abh\u00e4ngig sind. So wie Putin lange Zeit die Energieversorgung instrumentalisiert hat, hat Erdo\u011fan versucht, den Strom von Migranten und Fl\u00fcchtlingen, die vor Konflikten im Nahen Osten fliehen, zu instrumentalisieren. Als die EU eine neue Marinemission ank\u00fcndigte, um den Waffenstrom nach Libyen zu blockieren, malte die T\u00fcrkei f\u00fcr Malta das Schreckgespenst der angeblichen Bedrohung durch Migranten an die Wand. Malta reagierte prompt und signalisierte, dass es gegen die Finanzierung der Mission ein Veto einlegen werde.<\/p>\n\n\n\n

Verlorener Sohn<\/strong><\/h3>\n\n\n\n

Jahrelang redeten sich die Europ\u00e4er ein, dass Russland eine Art verlorener Sohn sei und dass die europ\u00e4ische unipolare Ordnung gesund bleibe. Doch das machte Europa zu einem leichten Ziel f\u00fcr die Trennungs-und-Eroberungs-Strategie des Kreml. Erst vor relativ kurzer Zeit entwarf die Union eine neue Politik und ein robustes Sanktionsregime, um die russische Aggression abzuschrecken. Und selbst jetzt \u2013 trotz der besten Bem\u00fchungen der deutschen Bundeskanzlerin Angela Merkel und des franz\u00f6sischen Pr\u00e4sidenten Emmanuel Macron \u2013 hat die EU noch immer keine wirksamen Kommunikationskan\u00e4le mit Russland geschaffen, um gemeinsame Probleme anzugehen.<\/p>\n\n\n\n

Die T\u00fcrkei ist noch kein neues Russland, aber sie k\u00f6nnte dazu werden, wenn die Situation falsch gehandhabt wird. Vorerst betrachten die meisten Europ\u00e4er die T\u00fcrkei noch immer als einen komplizierten Partner und nicht als \"Systemrivalen\". Aber die Europ\u00e4er sollten die hart erk\u00e4mpften Lehren aus dem Umgang mit Russland in den letzten 15 Jahren beherzigen. Die Beziehungen zwischen der EU und der T\u00fcrkei brauchen neue, einvernehmlich vereinbarte Prinzipien sowie klare Grenzen, um eine weitere Destabilisierung in der Region zu verhindern.<\/p>\n\n\n\n

Zu diesem Zweck sollten die Europ\u00e4er klarstellen, dass der EU-Beitrittsprozess entweder zur\u00fcckgedreht oder vorangetrieben werden kann und dass eine eher transaktionale Beziehung sowohl Zuckerbrot als auch Peitsche beinhaltet. Die Herausforderung wird darin bestehen, daf\u00fcr zu sorgen, dass es in einer Region, die nicht nur von Europa und der T\u00fcrkei, sondern auch von Russland, den USA und einem aufstrebenden China beeinflusst wird, noch Raum f\u00fcr politisches Engagement in Fragen der gemeinsamen Sicherheit gibt. (Mark Leonard, \u00dcbersetzung: Eva G\u00f6llner, Copyright: Project Syndicate, 10.8.2020)<\/p>\n\n\n\n

Mark Leonard <\/strong>ist Direktor des Europ\u00e4ischen Rats f\u00fcr Ausw\u00e4rtige Beziehungen.<\/a><\/p>\n","post_title":"Erdo\u011fan \u2013 der andere Putin vor der Haust\u00fcr Europas","post_excerpt":"","post_status":"publish","comment_status":"closed","ping_status":"closed","post_password":"","post_name":"erdogan-der-andere-putin-vor-der-haustur-europas","to_ping":"","pinged":"","post_modified":"2025-02-02 08:39:39","post_modified_gmt":"2025-02-02 08:39:39","post_content_filtered":"","post_parent":0,"guid":"https:\/\/dctransparency.com\/?p=3789","menu_order":0,"post_type":"post","post_mime_type":"","comment_count":"0","filter":"raw"},{"ID":3786,"post_author":"7","post_date":"2020-08-14 13:51:23","post_date_gmt":"2020-08-14 13:51:23","post_content":"\n

Einen Monat nachdem ich zur israelischen Armee eingezogen worden war, brach die erste Intifada aus. Statt Soldat zu sein, machte ich Polizeiarbeit, sagte den Menschen, wann sie zur Arbeit gehen konnten und wann sie ihre L\u00e4den schlie\u00dfen mussten, wann sie die Grenze passieren und wann sie schlafen konnten. Einen Monat nachdem ich aus der Armee entlassen worden war, ging ich auf Reisen. (In Israel sagen wir: Wir dienen drei Jahre und versuchen den Rest unseres Lebens, diese drei Jahre zu vergessen.) Auf meiner Reise begann ich Briefe an meine Freundin zu schreiben, die ich in Israel zur\u00fcckgelassen hatte.<\/p>\n\n\n\n

Ich schrieb ihr, wie schrecklich depressiv ich war und dass diese drei Jahre des Anweisungenbellens und Anderen-Menschen-Sagens, was sie zu tun haben, mich f\u00fcr immer verfolgen w\u00fcrden. Dass sie ein Teil dessen geworden waren, was ich bin. Ich erinnere mich, dass ich ihr schrieb, dass wir da rausm\u00fcssen \u2013 nicht nur f\u00fcr die Pal\u00e4stinenser, sondern wegen der furchtbaren und brutalen Auswirkungen, die all das auf uns, auf die israelische Gesellschaft haben w\u00fcrde. Sie schrieb zur\u00fcck: \u201eDu hast recht. Ich habe einen neuen Freund.\u201c<\/p>\n\n\n\n

Felix Klein wurde als Beauftragter der Bundesregierung berufen<\/a>, um die Auswirkungen des zunehmenden Antisemitismus in unserer Gesellschaft, in Deutschland, zu bek\u00e4mpfen. Was nicht in seiner Jobbeschreibung steht, ist, dass er dabei unsere Gesellschaft heilen muss, jene Gesellschaft, die diese Form des Hasses reproduziert und sch\u00fctzt. Klein hat das begriffen.<\/p>\n\n\n\n

Er versteht, dass man Krebs nicht mit einem Pflaster verarztet, er wei\u00df, dass er das Bewusstsein der Deutschen sch\u00e4rfen und Diskussionen ansto\u00dfen muss. Er hat begriffen, dass das Problem nicht nur an den R\u00e4ndern der Gesellschaft (bei den Rechten) liegt, sondern auch in ihrer Mitte. Dort, wo gebildete Menschen nicht einmal bemerken, dass das, was sie sagen und tun, antisemitisch ist. So wie sie es auch nicht merken, wenn sie rassistisch handeln. Er hat all das verstanden, und genau deshalb wollen einige, dass er seinen Posten r\u00e4umt.<\/p>\n\n\n\n

Mehr als 60 deutsche und israelische Intellektuelle haben letzte Woche in einem Brief an Kanzlerin Merkel<\/a> dar\u00fcber geklagt, dass der aktuelle \u201eGebrauch des Antisemitismusbegriffs\u201c darauf abziele, \u201elegitime Kritik an der israelischen Regierungspolitik zu unterdr\u00fccken\u201c, und Klein vorgeworfen, rechtspopulistische israelische Stimmen zu f\u00f6rdern.<\/p>\n\n\n\n

Faszinierend an diesem offenen Brief ist, dass viele der Unterzeichneten keine Deutschen sind und auch nicht in Deutschland leben. Ich wei\u00df nicht, woher sie \u2013 die meisten von ihnen sind Israelis \u2013 die Chuzpe haben, sich in eine innerdeutsche Angelegenheit einzumischen und zu fordern, eine Person zu entlassen, die von der Bundesregierung eingesetzt wurde. Die H\u00e4lfte der Unterzeichneten lebt nicht hier, von der anderen H\u00e4lfte sind viele keine Juden \u2013 somit sind die allermeisten von ihnen nicht direkt vom Antisemitismus in Deutschland betroffen. Wie also k\u00f6nnen sie diesen Brief unterschreiben? Und warum eigentlich haben so wenige Deutsche unterschrieben? Dazu komme ich gleich.<\/p>\n\n\n\n

Debatte um Achille Mbembe<\/h6>\n\n\n\n

Hintergrund des Briefs war, dass Felix Klein gefordert hatte, den Philosophen Achille Mbembe<\/a> nicht die Er\u00f6ffnungsrede der Ruhrtriennale halten zu lassen. Als mit \u00f6ffentlichen Mitteln gef\u00f6rdertes Event solle die Ruhrtriennale Mbembe wegen seiner Haltung zu Israels Existenzrecht, seiner Haltung zu BDS und der Art, wie er in einem seiner Werke den Holocaust relativiert, nicht einladen.<\/p>\n\n\n\n

Mbembes Unterst\u00fctzer sagen, keine dieser Anschuldigungen sei wahr. F\u00fcrs Protokoll: In meinen Augen unterst\u00fctzt Mbembe sehr wohl BDS<\/a>, er schrieb unter anderem das Vorwort zu \u201eApartheid Israel\u201c und fordert die komplette Isolation Israels. Ich glaube auch, wenn Mbembe schreibt, die israelische Besetzung sei der \u201egr\u00f6\u00dfte moralische Skandal unserer Zeit\u201c, zeigt das, dass sein moralischer und geografischer Kompass etwas schief ist.<\/p>\n\n\n\n

Doch warum treibt die Debatte so viele Menschen um? Nun, zun\u00e4chst gibt niemand gern auf, was ihm oder ihr selbstverst\u00e4ndlich scheint. \u00dcber den gesamten politischen, sozialen, kulturellen, medialen und akademischen Sektor hinweg sind Menschen daran gew\u00f6hnt, so schlecht \u00fcber Israel sprechen zu k\u00f6nnen, wie auch immer sie wollen.<\/p>\n\n\n\n

Der Spiegel<\/em> hat \u2013 vielleicht in Anlehnung an seine Relotius-Standards, Israel erst k\u00fcrzlich eine Corona-Diktatur genannt. Fakten und Belege f\u00fcr diese Behauptung gab es nicht. Doch Millionen Deutsche haben es gelesen, und es wird nat\u00fcrlich haften bleiben. Faktenlage hin oder her. Der Spiegel<\/em> und andere Medien haben dieses Spiel perfektioniert: Titel so zu drehen, dass sie Israel indirekt anklagen, die Idee zu streuen, der Mossad kon\u00adtrol\u00adliere die deutsche Au\u00dfenpolitik im Nahen Osten, und so fort. Doch sie stehen allesamt sofort auf den Hinterbeinen, wenn jemand es wagt, das Spiel beim Namen zu nennen: moderner Antisemitismus.<\/p>\n\n\n\n

Klein will dem entgegenwirken. Er versteht, dass antisemitische Attacken in Deutschland die Fr\u00fcchte solch falsch gezeichneter Bilder und eindimensionaler Narrative \u00fcber Israel sind. Wenn er und andere versuchen, ein anderes Narrativ aufzuzeigen, wirft man ihnen Zensur vor: Wie k\u00f6nnen sie es wagen, das Gesch\u00e4ft der Anti-Israel-Propaganda zu st\u00f6ren?<\/p>\n\n\n\n

Liebe Deutsche, wenn ihr reden wollt, lasst uns gern reden: \u00fcber die Besetzung, \u00fcber Bibi und alles, was schiefl\u00e4uft. Aber dann lasst uns bitte auch dar\u00fcber reden, wie deutsche Steuergelder Terrortunnel finanzieren. Erst vergangene Woche r\u00e4umte die niederl\u00e4ndische Regierung ein, dass Gelder an eine Landwirtschaftsorganisation in Ramallah geflossen seien, die damit teilweise die Geh\u00e4lter zweier des Mordes an der 17-j\u00e4hrigen Israelin Rina Shnerb Verd\u00e4chtiger gezahlt haben. Auch die Bundesregierung unterst\u00fctzt diese Organisation, obwohl Kritiker schon lange vor Verbindungen zu Terroristen warnen.<\/p>\n\n\n\n

Wir k\u00f6nnen uns also gerne unterhalten \u2013 aber im Dialog, nicht in Monologen. Denn Reden unter Menschen, die sich einig sind, ist nichts anderes als Impotenz.<\/p>\n\n\n\n

Israelkritik als Eintrittskarte<\/h6>\n\n\n\n

Die Israelis, die die Petition unterzeichnet haben, haben \u00fcbrigens ebenfalls etwas verstanden. Seit Jahren wissen sie: Es ist ihre Eintrittskarte in die Mitte der deutschen (und europ\u00e4ischen) Gesellschaft. Man h\u00f6rt nicht oft von Akademikern mit proisraelischen Ansichten. Weder in den Philharmonie-Orchestern noch in der Kunstszene. Die Eintrittskarte daf\u00fcr ist ein antiisraelischer Standpunkt.<\/p>\n\n\n\n

Der mutma\u00dfliche Grund, warum kaum Deutsche die Petition unterzeichnet haben: Sie mussten es nicht. Ihre Lieblingsjuden haben es f\u00fcr sie getan. Jetzt k\u00f6nnen sie sagen: \u201eSchau, ich bin das ja nicht, meine j\u00fcdischen Freunde sagen es.\u201c Ich selbst war einige Jahre lang mit einem Paar hier in Berlin befreundet, bis ich herausfand, dass ich ihr Lieblingsjude war. Ja, selbst das j\u00fcdische Museum wurde so genutzt.<\/p>\n\n\n\n

Weil Attacken gegen Juden ein absolutes Tabu sind, wurden Umwege gefunden, um den Antisemitismus auf kleiner Flamme k\u00f6cheln zu lassen: die unfundierte, unbegr\u00fcndete Kritik an Israel.<\/p>\n\n\n\n

Diese Art der Kritik ist gef\u00e4hrlich. Sie schw\u00e4cht jede begr\u00fcndete und notwendige Kritik am Verhalten Israels. Und das Interessante ist: Trotz all der heftigen, pauschalisierenden Anklagen, all der offenen Briefe driftet Israel politisch immer weiter nach rechts. Doch statt mal einen anderen Ansatz zu versuchen, werden die antiisraelischen Stimmen nur lauter. Dasselbe versuchen und andere Ergebnisse davon erwarten \u2013 das ist die Definition von Wahnsinn.<\/p>\n\n\n\n

Kurz bevor der Prozess gegen den wegen des Attentats von Halle<\/a> Angeklagten begann \u2013 des seit Kriegsende schlimmsten Akts von Antisemitismus in Deutschland \u2013, lud eine Lokalzeitung den fr\u00fcheren Botschafter Shimon Stein und den Historiker Moshe Zimmermann ein, dar\u00fcber zu schreiben, was Antisemitismus ist. Nat\u00fcrlich wendeten auch sie sich gegen Felix Kleins Ansatz. Sie zitieren die Kontroverse um die Umbenennung der U-Bahn-Station Mohrenstra\u00dfe in Glinkastra\u00dfe, die sich darum drehte, dass der russische Komponist Michael Glinka Antisemit gewesen sein soll. Stein und Zimmermann halten die Debatte f\u00fcr \u00fcberzogen, Glinka sei nur ein Kind seiner Zeit gewesen. Folgt man ihrer Logik, k\u00f6nnen wir dann also in 20 oder 30 Jahren U-Bahn-Stationen nach den Kindern der 1930er Jahre benennen?<\/p>\n\n\n\n

Der Antisemit als Tierfreund<\/h6>\n\n\n\n

Ich w\u00fcnschte, die Sache h\u00e4tte mit dem Artikel, mit der Petition geendet. Doch dann erschien ein Artikel, der den Leser auf einen Waldspaziergang mit einem veganen Koch und Antisemiten mitnahm. Darin setzt der Tierfreund erst behutsam einen K\u00e4fer wieder auf seine Beinchen und erkl\u00e4rt dann, dass die Todesstrafe in Deutschland wieder eingef\u00fchrt werden solle, um einen gewissen Politiker (der zuf\u00e4llig pro Israel ist) an seinen Hoden aufh\u00e4ngen zu k\u00f6nnen. Dieser Koch hat Hunderttausende Follower, er sagt all solche Dinge am helllichten Tag in Berlin. Und in den Medien.<\/p>\n\n\n\n

F\u00e4lle wie dieser handeln bereits von Gewalt \u2013 und sie enden nicht bei den Juden. Der Hass richtet sich gegen Frauen<\/a>, Muslime, Gefl\u00fcchtete, \u00adLBTQI. Am Ende aller theoretischen Debatten stehen immer echte Menschen. Am Ende jeder Konferenz dar\u00fcber, was Antisemitismus ausmacht, steht ein potenzielles j\u00fcdisches Opfer. Angesichts einer Welle von Antisemitismus \u00fcber die Definition von Antisemitismus zu streiten ist, wie eine 10 Meter hohe Welle heranrollen zu sehen und dar\u00fcber zu streiten, was einen Tsunami ausmacht.<\/p>\n\n\n\n

Felix Klein versteht, wie absurd es ist, zu sagen: Es sind nur die Rechten. Die Rechten sind Deutsche, so wie die Nazis Deutsche waren. Klein versteht, dass die Deutschen nicht aufgeh\u00f6rt haben, Juden zu ermorden, weil sie irgendeine Art von Erleuchtung hatten. Sondern schlicht, weil sie den Krieg verloren haben. Um den Antisemitismus zu bek\u00e4mpfen, bevor er die Gesellschaft frisst, in der er und wir leben, muss Deutschland seinen moralischen Kompass korrigieren.<\/p>\n\n\n\n

Immerhin: Mehr und mehr Deutsche fahren nach Israel, sie wollen ein anderes Narrativ h\u00f6ren. Mehr und mehr Deutsche verstehen, dass Antisemitismus Schockwellen ausl\u00f6st, die die gesamte Gesellschaft betreffen. In einem normalen Universum w\u00fcrde Klein bef\u00f6rdert werden f\u00fcr seine Leistung. In einer verdrehten Gesellschaft fordern Menschen seine Entlassung. Um es mit Mbembe zu sagen: Das ist Nano-Nonsens.<\/p>\n\n\n\n

\u00dcbersetzung: Ariane Lemme<\/a><\/em><\/p>\n","post_title":"Felix Klein hat verstanden","post_excerpt":"","post_status":"publish","comment_status":"closed","ping_status":"closed","post_password":"","post_name":"felix-klein-hat-verstanden","to_ping":"","pinged":"","post_modified":"2025-02-02 08:39:39","post_modified_gmt":"2025-02-02 08:39:39","post_content_filtered":"","post_parent":0,"guid":"https:\/\/dctransparency.com\/?p=3786","menu_order":0,"post_type":"post","post_mime_type":"","comment_count":"0","filter":"raw"}],"next":false,"prev":true,"total_page":47},"paged":1,"column_class":"jeg_col_2o3","class":"epic_block_3"};

\n
\"\"\/
Erdo\u011fan mit Gattin in der Hagia Sophia.<\/figcaption><\/figure>\n\n\n\n

Erdo\u011fans neue Abenteuer<\/strong><\/h3>\n\n\n\n

Aber wird da nicht doch zu viel in einen Formalakt rund um ein uraltes Bauwerk hineininterpretiert? Im geschichtlichen Kontext relativiert sich manches: Konstantinopel wurde schon von Christen erobert und ausgepl\u00fcndert \u2013 1204 im Vierten Kreuzzug. In der Moschee von Cordoba (\"Mezquita\") bauten die Katholiken eine ganze Kirche in den ber\u00fchmten S\u00e4ulenwald hinein. Die Mezquita ist heute noch Kirche, kein Museum.<\/p>\n\n\n\n

\"Das ist der Beweis, dass wir kein s\u00e4kularer Staat mehr sein wollen\", sagt Nobelpreistr\u00e4ger Orhan Pamuk. Erdo\u011fan betrachtet sich offenbar als auch neoosmanischer \"Fatih\" im Mittelmeerraum mit immer neuen Abenteuern: Eingreifen in Syrien, Stellvertreterkrieg in Libyen, Anspr\u00fcche auf Erdgasvorkommen weit vor der t\u00fcrkischen K\u00fcste bei Zypern, Reden, wonach manche \u00c4g\u00e4is-Inseln eigentlich zur T\u00fcrkei geh\u00f6ren, \"denn dort stehen unsere Moscheen\". Manches davon ist nur Rhetorik, aber genug anderes ist riskante Realit\u00e4t. (Hans Rauscher, 14.7.2020)<\/p>\n\n\n\n

Quelle<\/a><\/strong><\/p>\n","post_title":"Hagia Sophia: Verengung und Verarmung eines Welterbes","post_excerpt":"","post_status":"publish","comment_status":"closed","ping_status":"closed","post_password":"","post_name":"hagia-sophia-verengung-und-verarmung-eines-welterbes","to_ping":"","pinged":"","post_modified":"2025-02-02 08:39:39","post_modified_gmt":"2025-02-02 08:39:39","post_content_filtered":"","post_parent":0,"guid":"https:\/\/dctransparency.com\/?p=3792","menu_order":0,"post_type":"post","post_mime_type":"","comment_count":"0","filter":"raw"},{"ID":3789,"post_author":"7","post_date":"2020-08-14 13:56:07","post_date_gmt":"2020-08-14 13:56:07","post_content":"\n

Im Gastkommentar pocht Mark Leonard, Direktor des Europ\u00e4ischen Rats f\u00fcr Ausw\u00e4rtige Beziehungen, auf \"neue, einvernehmlich vereinbarte Prinzipien sowie klare Grenzen\", nur so k\u00f6nne eine weitere Destabilisierung in der Region verhindert werden.<\/em><\/strong><\/p>\n\n\n\n

Ist die T\u00fcrkei das neue Russland? Diese Frage wird in den europ\u00e4ischen Hauptst\u00e4dten zunehmend gestellt, da die Au\u00dfenpolitik des t\u00fcrkischen Pr\u00e4sidenten Recep Tayyip Erdo\u011fan zunehmend aggressiver wird. Erdo\u011fan nutzt nicht nur die Migration, um die EU zu bedrohen und zu betr\u00fcgen, sondern setzt auch milit\u00e4rische Macht ein, um den Einflussbereich der T\u00fcrkei auf die gesamte Region auszudehnen.<\/p>\n\n\n\n

Seit dem Ende des Kalten Krieges haben die Europ\u00e4er die regionale Sicherheit durch eine unipolare westliche Linse betrachtet. W\u00e4hrend die Nato die milit\u00e4rische Sicherheit garantierte, sorgte die EU mit ihrem 80.000 Seiten starken Regelwerk f\u00fcr alles von LGBTQ-Rechten bis hin zu Rasenm\u00e4her-Sound-Verordnungen f\u00fcr Rechtsordnung. In den 90er-Jahren ging man allgemein davon aus, dass die beiden gro\u00dfen nichtwestlichen regionalen Akteure, Russland und die T\u00fcrkei, nach und nach an diese Regelungen herangef\u00fchrt werden w\u00fcrden.<\/p>\n\n\n\n

Qu\u00e4lende Hassliebe<\/h3>\n\n\n\n

Doch in den letzten 15 Jahren ist der Traum von der europ\u00e4ischen Unipolarit\u00e4t einer multipolaren Realit\u00e4t gewichen. Sowohl Russland als auch die T\u00fcrkei haben eine lange, qu\u00e4lende Hassliebe zu Europa, und beide sind unter nationalen Machthabern, denen die Verachtung der Normen und Werte der EU gemeinsam ist, durchsetzungsf\u00e4higer geworden.<\/p>\n\n\n\n

Die zunehmende Verschlechterung der Beziehungen zwischen der EU und Russland ist gut dokumentiert, der Fall der T\u00fcrkei weniger. Der Irakkrieg im Jahr 2003 komplizierte das Verh\u00e4ltnis der T\u00fcrkei zur Nato, und ihr Verh\u00e4ltnis zur EU verschlechterte sich 2007, als Frankreich einen wichtigen Teil ihrer EU-Beitrittsverhandlungen blockierte. Seitdem hat die T\u00fcrkei ihren eigenen Weg in Syrien, auf dem Balkan und in Libyen eingeschlagen und neue Beziehungen zu Russland und China aufgebaut.<\/p>\n\n\n\n

Wichtiger Akteur<\/strong><\/h3>\n\n\n\n

Nat\u00fcrlich sind die Beziehungen zwischen der T\u00fcrkei und Russland nicht weniger kompliziert, nicht zuletzt weil Erdo\u011fan und der russische Pr\u00e4sident Wladimir Putin im syrischen B\u00fcrgerkrieg verschiedene Seiten unterst\u00fctzten.Und w\u00e4hrend die Spannungen wegen des Syrien-Konflikts weiterhin bestehen, bewundert Erdo\u011fan deutlich, wie Russland sich \u2013 bei relativ geringen Kosten \u2013 wieder als wichtiger Akteur im Nahen Osten und in Nordafrika etabliert hat.<\/p>\n\n\n\n

Nachdem er in einen nicht zu gewinnenden Krieg im Osten der Ukraine verwickelt war, schien Putins weitgehend erfolgreicher Feldzug in Syrien einen Teil seiner innenpolitischen Autorit\u00e4t wiederherzustellen. Der Westen hatte f\u00fcnf Jahre lang darauf bestanden, dass es keine milit\u00e4rische L\u00f6sung des Konflikts gebe und dass der syrische Pr\u00e4sident Baschar al-Assad gehen m\u00fcsse. Doch w\u00e4hrend die von den Vereinten Nationen unterst\u00fctzten Gespr\u00e4che in Genf zu keinem Ergebnis f\u00fchrten, schienen die von Russland geleiteten Gespr\u00e4che in Astana voranzukommen. Indem der Kreml die T\u00fcrkei und den Iran einbezog, w\u00e4hrend er die westlichen M\u00e4chte ausschloss, erweckte er den Eindruck, dass Russland als wiedergeborene Supermacht aus der Asche auferstanden sei.<\/p>\n\n\n\n

Unter Druck<\/h3>\n\n\n\n

Angesichts des wachsenden Widerstands im eigenen Land macht es Erdo\u011fan Putin gleich. Da der Westen nicht bereit war, (erneut) milit\u00e4risch in Libyen zu intervenieren, sah Erdo\u011fan eine Gelegenheit, die T\u00fcrkei zu positionieren. Nach dem Vorgehen Russlands in Syrien sicherte er sich eine formelle Einladung der libyschen Regierung zur Intervention. Mit einem Schlag Ende letzten Jahres hat er nicht nur das Image der T\u00fcrkei als Regionalmacht gest\u00e4rkt, sondern auch ein Abkommen mit Libyen \u00fcber die Seegrenze abgeschlossen und damit einen Plan Griechenlands, Zyperns, \u00c4gyptens und Israels zur Erschlie\u00dfung von Unterwasser\u00f6l- und -gasfeldern in der N\u00e4he zunichtegemacht.<\/p>\n\n\n\n

Erdo\u011fan scheint auch von der Spalt-und-Eroberungs-Strategie des Kreml in Europa inspiriert worden zu sein, der zufolge oft diejenigen EU-Mitgliedsstaaten unter Druck gesetzt werden, die am meisten von russischen Kohlenwasserstoffen oder M\u00e4rkten abh\u00e4ngig sind. So wie Putin lange Zeit die Energieversorgung instrumentalisiert hat, hat Erdo\u011fan versucht, den Strom von Migranten und Fl\u00fcchtlingen, die vor Konflikten im Nahen Osten fliehen, zu instrumentalisieren. Als die EU eine neue Marinemission ank\u00fcndigte, um den Waffenstrom nach Libyen zu blockieren, malte die T\u00fcrkei f\u00fcr Malta das Schreckgespenst der angeblichen Bedrohung durch Migranten an die Wand. Malta reagierte prompt und signalisierte, dass es gegen die Finanzierung der Mission ein Veto einlegen werde.<\/p>\n\n\n\n

Verlorener Sohn<\/strong><\/h3>\n\n\n\n

Jahrelang redeten sich die Europ\u00e4er ein, dass Russland eine Art verlorener Sohn sei und dass die europ\u00e4ische unipolare Ordnung gesund bleibe. Doch das machte Europa zu einem leichten Ziel f\u00fcr die Trennungs-und-Eroberungs-Strategie des Kreml. Erst vor relativ kurzer Zeit entwarf die Union eine neue Politik und ein robustes Sanktionsregime, um die russische Aggression abzuschrecken. Und selbst jetzt \u2013 trotz der besten Bem\u00fchungen der deutschen Bundeskanzlerin Angela Merkel und des franz\u00f6sischen Pr\u00e4sidenten Emmanuel Macron \u2013 hat die EU noch immer keine wirksamen Kommunikationskan\u00e4le mit Russland geschaffen, um gemeinsame Probleme anzugehen.<\/p>\n\n\n\n

Die T\u00fcrkei ist noch kein neues Russland, aber sie k\u00f6nnte dazu werden, wenn die Situation falsch gehandhabt wird. Vorerst betrachten die meisten Europ\u00e4er die T\u00fcrkei noch immer als einen komplizierten Partner und nicht als \"Systemrivalen\". Aber die Europ\u00e4er sollten die hart erk\u00e4mpften Lehren aus dem Umgang mit Russland in den letzten 15 Jahren beherzigen. Die Beziehungen zwischen der EU und der T\u00fcrkei brauchen neue, einvernehmlich vereinbarte Prinzipien sowie klare Grenzen, um eine weitere Destabilisierung in der Region zu verhindern.<\/p>\n\n\n\n

Zu diesem Zweck sollten die Europ\u00e4er klarstellen, dass der EU-Beitrittsprozess entweder zur\u00fcckgedreht oder vorangetrieben werden kann und dass eine eher transaktionale Beziehung sowohl Zuckerbrot als auch Peitsche beinhaltet. Die Herausforderung wird darin bestehen, daf\u00fcr zu sorgen, dass es in einer Region, die nicht nur von Europa und der T\u00fcrkei, sondern auch von Russland, den USA und einem aufstrebenden China beeinflusst wird, noch Raum f\u00fcr politisches Engagement in Fragen der gemeinsamen Sicherheit gibt. (Mark Leonard, \u00dcbersetzung: Eva G\u00f6llner, Copyright: Project Syndicate, 10.8.2020)<\/p>\n\n\n\n

Mark Leonard <\/strong>ist Direktor des Europ\u00e4ischen Rats f\u00fcr Ausw\u00e4rtige Beziehungen.<\/a><\/p>\n","post_title":"Erdo\u011fan \u2013 der andere Putin vor der Haust\u00fcr Europas","post_excerpt":"","post_status":"publish","comment_status":"closed","ping_status":"closed","post_password":"","post_name":"erdogan-der-andere-putin-vor-der-haustur-europas","to_ping":"","pinged":"","post_modified":"2025-02-02 08:39:39","post_modified_gmt":"2025-02-02 08:39:39","post_content_filtered":"","post_parent":0,"guid":"https:\/\/dctransparency.com\/?p=3789","menu_order":0,"post_type":"post","post_mime_type":"","comment_count":"0","filter":"raw"},{"ID":3786,"post_author":"7","post_date":"2020-08-14 13:51:23","post_date_gmt":"2020-08-14 13:51:23","post_content":"\n

Einen Monat nachdem ich zur israelischen Armee eingezogen worden war, brach die erste Intifada aus. Statt Soldat zu sein, machte ich Polizeiarbeit, sagte den Menschen, wann sie zur Arbeit gehen konnten und wann sie ihre L\u00e4den schlie\u00dfen mussten, wann sie die Grenze passieren und wann sie schlafen konnten. Einen Monat nachdem ich aus der Armee entlassen worden war, ging ich auf Reisen. (In Israel sagen wir: Wir dienen drei Jahre und versuchen den Rest unseres Lebens, diese drei Jahre zu vergessen.) Auf meiner Reise begann ich Briefe an meine Freundin zu schreiben, die ich in Israel zur\u00fcckgelassen hatte.<\/p>\n\n\n\n

Ich schrieb ihr, wie schrecklich depressiv ich war und dass diese drei Jahre des Anweisungenbellens und Anderen-Menschen-Sagens, was sie zu tun haben, mich f\u00fcr immer verfolgen w\u00fcrden. Dass sie ein Teil dessen geworden waren, was ich bin. Ich erinnere mich, dass ich ihr schrieb, dass wir da rausm\u00fcssen \u2013 nicht nur f\u00fcr die Pal\u00e4stinenser, sondern wegen der furchtbaren und brutalen Auswirkungen, die all das auf uns, auf die israelische Gesellschaft haben w\u00fcrde. Sie schrieb zur\u00fcck: \u201eDu hast recht. Ich habe einen neuen Freund.\u201c<\/p>\n\n\n\n

Felix Klein wurde als Beauftragter der Bundesregierung berufen<\/a>, um die Auswirkungen des zunehmenden Antisemitismus in unserer Gesellschaft, in Deutschland, zu bek\u00e4mpfen. Was nicht in seiner Jobbeschreibung steht, ist, dass er dabei unsere Gesellschaft heilen muss, jene Gesellschaft, die diese Form des Hasses reproduziert und sch\u00fctzt. Klein hat das begriffen.<\/p>\n\n\n\n

Er versteht, dass man Krebs nicht mit einem Pflaster verarztet, er wei\u00df, dass er das Bewusstsein der Deutschen sch\u00e4rfen und Diskussionen ansto\u00dfen muss. Er hat begriffen, dass das Problem nicht nur an den R\u00e4ndern der Gesellschaft (bei den Rechten) liegt, sondern auch in ihrer Mitte. Dort, wo gebildete Menschen nicht einmal bemerken, dass das, was sie sagen und tun, antisemitisch ist. So wie sie es auch nicht merken, wenn sie rassistisch handeln. Er hat all das verstanden, und genau deshalb wollen einige, dass er seinen Posten r\u00e4umt.<\/p>\n\n\n\n

Mehr als 60 deutsche und israelische Intellektuelle haben letzte Woche in einem Brief an Kanzlerin Merkel<\/a> dar\u00fcber geklagt, dass der aktuelle \u201eGebrauch des Antisemitismusbegriffs\u201c darauf abziele, \u201elegitime Kritik an der israelischen Regierungspolitik zu unterdr\u00fccken\u201c, und Klein vorgeworfen, rechtspopulistische israelische Stimmen zu f\u00f6rdern.<\/p>\n\n\n\n

Faszinierend an diesem offenen Brief ist, dass viele der Unterzeichneten keine Deutschen sind und auch nicht in Deutschland leben. Ich wei\u00df nicht, woher sie \u2013 die meisten von ihnen sind Israelis \u2013 die Chuzpe haben, sich in eine innerdeutsche Angelegenheit einzumischen und zu fordern, eine Person zu entlassen, die von der Bundesregierung eingesetzt wurde. Die H\u00e4lfte der Unterzeichneten lebt nicht hier, von der anderen H\u00e4lfte sind viele keine Juden \u2013 somit sind die allermeisten von ihnen nicht direkt vom Antisemitismus in Deutschland betroffen. Wie also k\u00f6nnen sie diesen Brief unterschreiben? Und warum eigentlich haben so wenige Deutsche unterschrieben? Dazu komme ich gleich.<\/p>\n\n\n\n

Debatte um Achille Mbembe<\/h6>\n\n\n\n

Hintergrund des Briefs war, dass Felix Klein gefordert hatte, den Philosophen Achille Mbembe<\/a> nicht die Er\u00f6ffnungsrede der Ruhrtriennale halten zu lassen. Als mit \u00f6ffentlichen Mitteln gef\u00f6rdertes Event solle die Ruhrtriennale Mbembe wegen seiner Haltung zu Israels Existenzrecht, seiner Haltung zu BDS und der Art, wie er in einem seiner Werke den Holocaust relativiert, nicht einladen.<\/p>\n\n\n\n

Mbembes Unterst\u00fctzer sagen, keine dieser Anschuldigungen sei wahr. F\u00fcrs Protokoll: In meinen Augen unterst\u00fctzt Mbembe sehr wohl BDS<\/a>, er schrieb unter anderem das Vorwort zu \u201eApartheid Israel\u201c und fordert die komplette Isolation Israels. Ich glaube auch, wenn Mbembe schreibt, die israelische Besetzung sei der \u201egr\u00f6\u00dfte moralische Skandal unserer Zeit\u201c, zeigt das, dass sein moralischer und geografischer Kompass etwas schief ist.<\/p>\n\n\n\n

Doch warum treibt die Debatte so viele Menschen um? Nun, zun\u00e4chst gibt niemand gern auf, was ihm oder ihr selbstverst\u00e4ndlich scheint. \u00dcber den gesamten politischen, sozialen, kulturellen, medialen und akademischen Sektor hinweg sind Menschen daran gew\u00f6hnt, so schlecht \u00fcber Israel sprechen zu k\u00f6nnen, wie auch immer sie wollen.<\/p>\n\n\n\n

Der Spiegel<\/em> hat \u2013 vielleicht in Anlehnung an seine Relotius-Standards, Israel erst k\u00fcrzlich eine Corona-Diktatur genannt. Fakten und Belege f\u00fcr diese Behauptung gab es nicht. Doch Millionen Deutsche haben es gelesen, und es wird nat\u00fcrlich haften bleiben. Faktenlage hin oder her. Der Spiegel<\/em> und andere Medien haben dieses Spiel perfektioniert: Titel so zu drehen, dass sie Israel indirekt anklagen, die Idee zu streuen, der Mossad kon\u00adtrol\u00adliere die deutsche Au\u00dfenpolitik im Nahen Osten, und so fort. Doch sie stehen allesamt sofort auf den Hinterbeinen, wenn jemand es wagt, das Spiel beim Namen zu nennen: moderner Antisemitismus.<\/p>\n\n\n\n

Klein will dem entgegenwirken. Er versteht, dass antisemitische Attacken in Deutschland die Fr\u00fcchte solch falsch gezeichneter Bilder und eindimensionaler Narrative \u00fcber Israel sind. Wenn er und andere versuchen, ein anderes Narrativ aufzuzeigen, wirft man ihnen Zensur vor: Wie k\u00f6nnen sie es wagen, das Gesch\u00e4ft der Anti-Israel-Propaganda zu st\u00f6ren?<\/p>\n\n\n\n

Liebe Deutsche, wenn ihr reden wollt, lasst uns gern reden: \u00fcber die Besetzung, \u00fcber Bibi und alles, was schiefl\u00e4uft. Aber dann lasst uns bitte auch dar\u00fcber reden, wie deutsche Steuergelder Terrortunnel finanzieren. Erst vergangene Woche r\u00e4umte die niederl\u00e4ndische Regierung ein, dass Gelder an eine Landwirtschaftsorganisation in Ramallah geflossen seien, die damit teilweise die Geh\u00e4lter zweier des Mordes an der 17-j\u00e4hrigen Israelin Rina Shnerb Verd\u00e4chtiger gezahlt haben. Auch die Bundesregierung unterst\u00fctzt diese Organisation, obwohl Kritiker schon lange vor Verbindungen zu Terroristen warnen.<\/p>\n\n\n\n

Wir k\u00f6nnen uns also gerne unterhalten \u2013 aber im Dialog, nicht in Monologen. Denn Reden unter Menschen, die sich einig sind, ist nichts anderes als Impotenz.<\/p>\n\n\n\n

Israelkritik als Eintrittskarte<\/h6>\n\n\n\n

Die Israelis, die die Petition unterzeichnet haben, haben \u00fcbrigens ebenfalls etwas verstanden. Seit Jahren wissen sie: Es ist ihre Eintrittskarte in die Mitte der deutschen (und europ\u00e4ischen) Gesellschaft. Man h\u00f6rt nicht oft von Akademikern mit proisraelischen Ansichten. Weder in den Philharmonie-Orchestern noch in der Kunstszene. Die Eintrittskarte daf\u00fcr ist ein antiisraelischer Standpunkt.<\/p>\n\n\n\n

Der mutma\u00dfliche Grund, warum kaum Deutsche die Petition unterzeichnet haben: Sie mussten es nicht. Ihre Lieblingsjuden haben es f\u00fcr sie getan. Jetzt k\u00f6nnen sie sagen: \u201eSchau, ich bin das ja nicht, meine j\u00fcdischen Freunde sagen es.\u201c Ich selbst war einige Jahre lang mit einem Paar hier in Berlin befreundet, bis ich herausfand, dass ich ihr Lieblingsjude war. Ja, selbst das j\u00fcdische Museum wurde so genutzt.<\/p>\n\n\n\n

Weil Attacken gegen Juden ein absolutes Tabu sind, wurden Umwege gefunden, um den Antisemitismus auf kleiner Flamme k\u00f6cheln zu lassen: die unfundierte, unbegr\u00fcndete Kritik an Israel.<\/p>\n\n\n\n

Diese Art der Kritik ist gef\u00e4hrlich. Sie schw\u00e4cht jede begr\u00fcndete und notwendige Kritik am Verhalten Israels. Und das Interessante ist: Trotz all der heftigen, pauschalisierenden Anklagen, all der offenen Briefe driftet Israel politisch immer weiter nach rechts. Doch statt mal einen anderen Ansatz zu versuchen, werden die antiisraelischen Stimmen nur lauter. Dasselbe versuchen und andere Ergebnisse davon erwarten \u2013 das ist die Definition von Wahnsinn.<\/p>\n\n\n\n

Kurz bevor der Prozess gegen den wegen des Attentats von Halle<\/a> Angeklagten begann \u2013 des seit Kriegsende schlimmsten Akts von Antisemitismus in Deutschland \u2013, lud eine Lokalzeitung den fr\u00fcheren Botschafter Shimon Stein und den Historiker Moshe Zimmermann ein, dar\u00fcber zu schreiben, was Antisemitismus ist. Nat\u00fcrlich wendeten auch sie sich gegen Felix Kleins Ansatz. Sie zitieren die Kontroverse um die Umbenennung der U-Bahn-Station Mohrenstra\u00dfe in Glinkastra\u00dfe, die sich darum drehte, dass der russische Komponist Michael Glinka Antisemit gewesen sein soll. Stein und Zimmermann halten die Debatte f\u00fcr \u00fcberzogen, Glinka sei nur ein Kind seiner Zeit gewesen. Folgt man ihrer Logik, k\u00f6nnen wir dann also in 20 oder 30 Jahren U-Bahn-Stationen nach den Kindern der 1930er Jahre benennen?<\/p>\n\n\n\n

Der Antisemit als Tierfreund<\/h6>\n\n\n\n

Ich w\u00fcnschte, die Sache h\u00e4tte mit dem Artikel, mit der Petition geendet. Doch dann erschien ein Artikel, der den Leser auf einen Waldspaziergang mit einem veganen Koch und Antisemiten mitnahm. Darin setzt der Tierfreund erst behutsam einen K\u00e4fer wieder auf seine Beinchen und erkl\u00e4rt dann, dass die Todesstrafe in Deutschland wieder eingef\u00fchrt werden solle, um einen gewissen Politiker (der zuf\u00e4llig pro Israel ist) an seinen Hoden aufh\u00e4ngen zu k\u00f6nnen. Dieser Koch hat Hunderttausende Follower, er sagt all solche Dinge am helllichten Tag in Berlin. Und in den Medien.<\/p>\n\n\n\n

F\u00e4lle wie dieser handeln bereits von Gewalt \u2013 und sie enden nicht bei den Juden. Der Hass richtet sich gegen Frauen<\/a>, Muslime, Gefl\u00fcchtete, \u00adLBTQI. Am Ende aller theoretischen Debatten stehen immer echte Menschen. Am Ende jeder Konferenz dar\u00fcber, was Antisemitismus ausmacht, steht ein potenzielles j\u00fcdisches Opfer. Angesichts einer Welle von Antisemitismus \u00fcber die Definition von Antisemitismus zu streiten ist, wie eine 10 Meter hohe Welle heranrollen zu sehen und dar\u00fcber zu streiten, was einen Tsunami ausmacht.<\/p>\n\n\n\n

Felix Klein versteht, wie absurd es ist, zu sagen: Es sind nur die Rechten. Die Rechten sind Deutsche, so wie die Nazis Deutsche waren. Klein versteht, dass die Deutschen nicht aufgeh\u00f6rt haben, Juden zu ermorden, weil sie irgendeine Art von Erleuchtung hatten. Sondern schlicht, weil sie den Krieg verloren haben. Um den Antisemitismus zu bek\u00e4mpfen, bevor er die Gesellschaft frisst, in der er und wir leben, muss Deutschland seinen moralischen Kompass korrigieren.<\/p>\n\n\n\n

Immerhin: Mehr und mehr Deutsche fahren nach Israel, sie wollen ein anderes Narrativ h\u00f6ren. Mehr und mehr Deutsche verstehen, dass Antisemitismus Schockwellen ausl\u00f6st, die die gesamte Gesellschaft betreffen. In einem normalen Universum w\u00fcrde Klein bef\u00f6rdert werden f\u00fcr seine Leistung. In einer verdrehten Gesellschaft fordern Menschen seine Entlassung. Um es mit Mbembe zu sagen: Das ist Nano-Nonsens.<\/p>\n\n\n\n

\u00dcbersetzung: Ariane Lemme<\/a><\/em><\/p>\n","post_title":"Felix Klein hat verstanden","post_excerpt":"","post_status":"publish","comment_status":"closed","ping_status":"closed","post_password":"","post_name":"felix-klein-hat-verstanden","to_ping":"","pinged":"","post_modified":"2025-02-02 08:39:39","post_modified_gmt":"2025-02-02 08:39:39","post_content_filtered":"","post_parent":0,"guid":"https:\/\/dctransparency.com\/?p=3786","menu_order":0,"post_type":"post","post_mime_type":"","comment_count":"0","filter":"raw"}],"next":false,"prev":true,"total_page":47},"paged":1,"column_class":"jeg_col_2o3","class":"epic_block_3"};

\n

Jetzt stellen sich neue symbolisch-praktische Fragen. Erdo\u011fan hat die Hagia Sophia der konservativen staatlichen Religionsbeh\u00f6rde Diyanet unterstellt. Die byzantinischen Mosaike, wie der gro\u00dfartige \"Christos Pantokrator\" (\"Weltenherrscher\") oder die Jungfrau Maria in der Apsis, m\u00fcssen wohl w\u00e4hrend des islamischen Gottesdiensts verh\u00e4ngt werden. Muss der Boden mit seinen Marmorplatten und Mosaiken mit einem Teppich bedeckt werden? Erdo\u011fan sagt, Touristen seien nach wie vor zugelassen. Aber sie werden wohl hinter Absperrungen bleiben m\u00fcssen. Frauen werden \u2013 wie in der benachbarten \"Blauen Moschee\" (\"Sultanahmed\") Kopftuch tragen m\u00fcssen.<\/p>\n\n\n\n

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Erdo\u011fan mit Gattin in der Hagia Sophia.<\/figcaption><\/figure>\n\n\n\n

Erdo\u011fans neue Abenteuer<\/strong><\/h3>\n\n\n\n

Aber wird da nicht doch zu viel in einen Formalakt rund um ein uraltes Bauwerk hineininterpretiert? Im geschichtlichen Kontext relativiert sich manches: Konstantinopel wurde schon von Christen erobert und ausgepl\u00fcndert \u2013 1204 im Vierten Kreuzzug. In der Moschee von Cordoba (\"Mezquita\") bauten die Katholiken eine ganze Kirche in den ber\u00fchmten S\u00e4ulenwald hinein. Die Mezquita ist heute noch Kirche, kein Museum.<\/p>\n\n\n\n

\"Das ist der Beweis, dass wir kein s\u00e4kularer Staat mehr sein wollen\", sagt Nobelpreistr\u00e4ger Orhan Pamuk. Erdo\u011fan betrachtet sich offenbar als auch neoosmanischer \"Fatih\" im Mittelmeerraum mit immer neuen Abenteuern: Eingreifen in Syrien, Stellvertreterkrieg in Libyen, Anspr\u00fcche auf Erdgasvorkommen weit vor der t\u00fcrkischen K\u00fcste bei Zypern, Reden, wonach manche \u00c4g\u00e4is-Inseln eigentlich zur T\u00fcrkei geh\u00f6ren, \"denn dort stehen unsere Moscheen\". Manches davon ist nur Rhetorik, aber genug anderes ist riskante Realit\u00e4t. (Hans Rauscher, 14.7.2020)<\/p>\n\n\n\n

Quelle<\/a><\/strong><\/p>\n","post_title":"Hagia Sophia: Verengung und Verarmung eines Welterbes","post_excerpt":"","post_status":"publish","comment_status":"closed","ping_status":"closed","post_password":"","post_name":"hagia-sophia-verengung-und-verarmung-eines-welterbes","to_ping":"","pinged":"","post_modified":"2025-02-02 08:39:39","post_modified_gmt":"2025-02-02 08:39:39","post_content_filtered":"","post_parent":0,"guid":"https:\/\/dctransparency.com\/?p=3792","menu_order":0,"post_type":"post","post_mime_type":"","comment_count":"0","filter":"raw"},{"ID":3789,"post_author":"7","post_date":"2020-08-14 13:56:07","post_date_gmt":"2020-08-14 13:56:07","post_content":"\n

Im Gastkommentar pocht Mark Leonard, Direktor des Europ\u00e4ischen Rats f\u00fcr Ausw\u00e4rtige Beziehungen, auf \"neue, einvernehmlich vereinbarte Prinzipien sowie klare Grenzen\", nur so k\u00f6nne eine weitere Destabilisierung in der Region verhindert werden.<\/em><\/strong><\/p>\n\n\n\n

Ist die T\u00fcrkei das neue Russland? Diese Frage wird in den europ\u00e4ischen Hauptst\u00e4dten zunehmend gestellt, da die Au\u00dfenpolitik des t\u00fcrkischen Pr\u00e4sidenten Recep Tayyip Erdo\u011fan zunehmend aggressiver wird. Erdo\u011fan nutzt nicht nur die Migration, um die EU zu bedrohen und zu betr\u00fcgen, sondern setzt auch milit\u00e4rische Macht ein, um den Einflussbereich der T\u00fcrkei auf die gesamte Region auszudehnen.<\/p>\n\n\n\n

Seit dem Ende des Kalten Krieges haben die Europ\u00e4er die regionale Sicherheit durch eine unipolare westliche Linse betrachtet. W\u00e4hrend die Nato die milit\u00e4rische Sicherheit garantierte, sorgte die EU mit ihrem 80.000 Seiten starken Regelwerk f\u00fcr alles von LGBTQ-Rechten bis hin zu Rasenm\u00e4her-Sound-Verordnungen f\u00fcr Rechtsordnung. In den 90er-Jahren ging man allgemein davon aus, dass die beiden gro\u00dfen nichtwestlichen regionalen Akteure, Russland und die T\u00fcrkei, nach und nach an diese Regelungen herangef\u00fchrt werden w\u00fcrden.<\/p>\n\n\n\n

Qu\u00e4lende Hassliebe<\/h3>\n\n\n\n

Doch in den letzten 15 Jahren ist der Traum von der europ\u00e4ischen Unipolarit\u00e4t einer multipolaren Realit\u00e4t gewichen. Sowohl Russland als auch die T\u00fcrkei haben eine lange, qu\u00e4lende Hassliebe zu Europa, und beide sind unter nationalen Machthabern, denen die Verachtung der Normen und Werte der EU gemeinsam ist, durchsetzungsf\u00e4higer geworden.<\/p>\n\n\n\n

Die zunehmende Verschlechterung der Beziehungen zwischen der EU und Russland ist gut dokumentiert, der Fall der T\u00fcrkei weniger. Der Irakkrieg im Jahr 2003 komplizierte das Verh\u00e4ltnis der T\u00fcrkei zur Nato, und ihr Verh\u00e4ltnis zur EU verschlechterte sich 2007, als Frankreich einen wichtigen Teil ihrer EU-Beitrittsverhandlungen blockierte. Seitdem hat die T\u00fcrkei ihren eigenen Weg in Syrien, auf dem Balkan und in Libyen eingeschlagen und neue Beziehungen zu Russland und China aufgebaut.<\/p>\n\n\n\n

Wichtiger Akteur<\/strong><\/h3>\n\n\n\n

Nat\u00fcrlich sind die Beziehungen zwischen der T\u00fcrkei und Russland nicht weniger kompliziert, nicht zuletzt weil Erdo\u011fan und der russische Pr\u00e4sident Wladimir Putin im syrischen B\u00fcrgerkrieg verschiedene Seiten unterst\u00fctzten.Und w\u00e4hrend die Spannungen wegen des Syrien-Konflikts weiterhin bestehen, bewundert Erdo\u011fan deutlich, wie Russland sich \u2013 bei relativ geringen Kosten \u2013 wieder als wichtiger Akteur im Nahen Osten und in Nordafrika etabliert hat.<\/p>\n\n\n\n

Nachdem er in einen nicht zu gewinnenden Krieg im Osten der Ukraine verwickelt war, schien Putins weitgehend erfolgreicher Feldzug in Syrien einen Teil seiner innenpolitischen Autorit\u00e4t wiederherzustellen. Der Westen hatte f\u00fcnf Jahre lang darauf bestanden, dass es keine milit\u00e4rische L\u00f6sung des Konflikts gebe und dass der syrische Pr\u00e4sident Baschar al-Assad gehen m\u00fcsse. Doch w\u00e4hrend die von den Vereinten Nationen unterst\u00fctzten Gespr\u00e4che in Genf zu keinem Ergebnis f\u00fchrten, schienen die von Russland geleiteten Gespr\u00e4che in Astana voranzukommen. Indem der Kreml die T\u00fcrkei und den Iran einbezog, w\u00e4hrend er die westlichen M\u00e4chte ausschloss, erweckte er den Eindruck, dass Russland als wiedergeborene Supermacht aus der Asche auferstanden sei.<\/p>\n\n\n\n

Unter Druck<\/h3>\n\n\n\n

Angesichts des wachsenden Widerstands im eigenen Land macht es Erdo\u011fan Putin gleich. Da der Westen nicht bereit war, (erneut) milit\u00e4risch in Libyen zu intervenieren, sah Erdo\u011fan eine Gelegenheit, die T\u00fcrkei zu positionieren. Nach dem Vorgehen Russlands in Syrien sicherte er sich eine formelle Einladung der libyschen Regierung zur Intervention. Mit einem Schlag Ende letzten Jahres hat er nicht nur das Image der T\u00fcrkei als Regionalmacht gest\u00e4rkt, sondern auch ein Abkommen mit Libyen \u00fcber die Seegrenze abgeschlossen und damit einen Plan Griechenlands, Zyperns, \u00c4gyptens und Israels zur Erschlie\u00dfung von Unterwasser\u00f6l- und -gasfeldern in der N\u00e4he zunichtegemacht.<\/p>\n\n\n\n

Erdo\u011fan scheint auch von der Spalt-und-Eroberungs-Strategie des Kreml in Europa inspiriert worden zu sein, der zufolge oft diejenigen EU-Mitgliedsstaaten unter Druck gesetzt werden, die am meisten von russischen Kohlenwasserstoffen oder M\u00e4rkten abh\u00e4ngig sind. So wie Putin lange Zeit die Energieversorgung instrumentalisiert hat, hat Erdo\u011fan versucht, den Strom von Migranten und Fl\u00fcchtlingen, die vor Konflikten im Nahen Osten fliehen, zu instrumentalisieren. Als die EU eine neue Marinemission ank\u00fcndigte, um den Waffenstrom nach Libyen zu blockieren, malte die T\u00fcrkei f\u00fcr Malta das Schreckgespenst der angeblichen Bedrohung durch Migranten an die Wand. Malta reagierte prompt und signalisierte, dass es gegen die Finanzierung der Mission ein Veto einlegen werde.<\/p>\n\n\n\n

Verlorener Sohn<\/strong><\/h3>\n\n\n\n

Jahrelang redeten sich die Europ\u00e4er ein, dass Russland eine Art verlorener Sohn sei und dass die europ\u00e4ische unipolare Ordnung gesund bleibe. Doch das machte Europa zu einem leichten Ziel f\u00fcr die Trennungs-und-Eroberungs-Strategie des Kreml. Erst vor relativ kurzer Zeit entwarf die Union eine neue Politik und ein robustes Sanktionsregime, um die russische Aggression abzuschrecken. Und selbst jetzt \u2013 trotz der besten Bem\u00fchungen der deutschen Bundeskanzlerin Angela Merkel und des franz\u00f6sischen Pr\u00e4sidenten Emmanuel Macron \u2013 hat die EU noch immer keine wirksamen Kommunikationskan\u00e4le mit Russland geschaffen, um gemeinsame Probleme anzugehen.<\/p>\n\n\n\n

Die T\u00fcrkei ist noch kein neues Russland, aber sie k\u00f6nnte dazu werden, wenn die Situation falsch gehandhabt wird. Vorerst betrachten die meisten Europ\u00e4er die T\u00fcrkei noch immer als einen komplizierten Partner und nicht als \"Systemrivalen\". Aber die Europ\u00e4er sollten die hart erk\u00e4mpften Lehren aus dem Umgang mit Russland in den letzten 15 Jahren beherzigen. Die Beziehungen zwischen der EU und der T\u00fcrkei brauchen neue, einvernehmlich vereinbarte Prinzipien sowie klare Grenzen, um eine weitere Destabilisierung in der Region zu verhindern.<\/p>\n\n\n\n

Zu diesem Zweck sollten die Europ\u00e4er klarstellen, dass der EU-Beitrittsprozess entweder zur\u00fcckgedreht oder vorangetrieben werden kann und dass eine eher transaktionale Beziehung sowohl Zuckerbrot als auch Peitsche beinhaltet. Die Herausforderung wird darin bestehen, daf\u00fcr zu sorgen, dass es in einer Region, die nicht nur von Europa und der T\u00fcrkei, sondern auch von Russland, den USA und einem aufstrebenden China beeinflusst wird, noch Raum f\u00fcr politisches Engagement in Fragen der gemeinsamen Sicherheit gibt. (Mark Leonard, \u00dcbersetzung: Eva G\u00f6llner, Copyright: Project Syndicate, 10.8.2020)<\/p>\n\n\n\n

Mark Leonard <\/strong>ist Direktor des Europ\u00e4ischen Rats f\u00fcr Ausw\u00e4rtige Beziehungen.<\/a><\/p>\n","post_title":"Erdo\u011fan \u2013 der andere Putin vor der Haust\u00fcr Europas","post_excerpt":"","post_status":"publish","comment_status":"closed","ping_status":"closed","post_password":"","post_name":"erdogan-der-andere-putin-vor-der-haustur-europas","to_ping":"","pinged":"","post_modified":"2025-02-02 08:39:39","post_modified_gmt":"2025-02-02 08:39:39","post_content_filtered":"","post_parent":0,"guid":"https:\/\/dctransparency.com\/?p=3789","menu_order":0,"post_type":"post","post_mime_type":"","comment_count":"0","filter":"raw"},{"ID":3786,"post_author":"7","post_date":"2020-08-14 13:51:23","post_date_gmt":"2020-08-14 13:51:23","post_content":"\n

Einen Monat nachdem ich zur israelischen Armee eingezogen worden war, brach die erste Intifada aus. Statt Soldat zu sein, machte ich Polizeiarbeit, sagte den Menschen, wann sie zur Arbeit gehen konnten und wann sie ihre L\u00e4den schlie\u00dfen mussten, wann sie die Grenze passieren und wann sie schlafen konnten. Einen Monat nachdem ich aus der Armee entlassen worden war, ging ich auf Reisen. (In Israel sagen wir: Wir dienen drei Jahre und versuchen den Rest unseres Lebens, diese drei Jahre zu vergessen.) Auf meiner Reise begann ich Briefe an meine Freundin zu schreiben, die ich in Israel zur\u00fcckgelassen hatte.<\/p>\n\n\n\n

Ich schrieb ihr, wie schrecklich depressiv ich war und dass diese drei Jahre des Anweisungenbellens und Anderen-Menschen-Sagens, was sie zu tun haben, mich f\u00fcr immer verfolgen w\u00fcrden. Dass sie ein Teil dessen geworden waren, was ich bin. Ich erinnere mich, dass ich ihr schrieb, dass wir da rausm\u00fcssen \u2013 nicht nur f\u00fcr die Pal\u00e4stinenser, sondern wegen der furchtbaren und brutalen Auswirkungen, die all das auf uns, auf die israelische Gesellschaft haben w\u00fcrde. Sie schrieb zur\u00fcck: \u201eDu hast recht. Ich habe einen neuen Freund.\u201c<\/p>\n\n\n\n

Felix Klein wurde als Beauftragter der Bundesregierung berufen<\/a>, um die Auswirkungen des zunehmenden Antisemitismus in unserer Gesellschaft, in Deutschland, zu bek\u00e4mpfen. Was nicht in seiner Jobbeschreibung steht, ist, dass er dabei unsere Gesellschaft heilen muss, jene Gesellschaft, die diese Form des Hasses reproduziert und sch\u00fctzt. Klein hat das begriffen.<\/p>\n\n\n\n

Er versteht, dass man Krebs nicht mit einem Pflaster verarztet, er wei\u00df, dass er das Bewusstsein der Deutschen sch\u00e4rfen und Diskussionen ansto\u00dfen muss. Er hat begriffen, dass das Problem nicht nur an den R\u00e4ndern der Gesellschaft (bei den Rechten) liegt, sondern auch in ihrer Mitte. Dort, wo gebildete Menschen nicht einmal bemerken, dass das, was sie sagen und tun, antisemitisch ist. So wie sie es auch nicht merken, wenn sie rassistisch handeln. Er hat all das verstanden, und genau deshalb wollen einige, dass er seinen Posten r\u00e4umt.<\/p>\n\n\n\n

Mehr als 60 deutsche und israelische Intellektuelle haben letzte Woche in einem Brief an Kanzlerin Merkel<\/a> dar\u00fcber geklagt, dass der aktuelle \u201eGebrauch des Antisemitismusbegriffs\u201c darauf abziele, \u201elegitime Kritik an der israelischen Regierungspolitik zu unterdr\u00fccken\u201c, und Klein vorgeworfen, rechtspopulistische israelische Stimmen zu f\u00f6rdern.<\/p>\n\n\n\n

Faszinierend an diesem offenen Brief ist, dass viele der Unterzeichneten keine Deutschen sind und auch nicht in Deutschland leben. Ich wei\u00df nicht, woher sie \u2013 die meisten von ihnen sind Israelis \u2013 die Chuzpe haben, sich in eine innerdeutsche Angelegenheit einzumischen und zu fordern, eine Person zu entlassen, die von der Bundesregierung eingesetzt wurde. Die H\u00e4lfte der Unterzeichneten lebt nicht hier, von der anderen H\u00e4lfte sind viele keine Juden \u2013 somit sind die allermeisten von ihnen nicht direkt vom Antisemitismus in Deutschland betroffen. Wie also k\u00f6nnen sie diesen Brief unterschreiben? Und warum eigentlich haben so wenige Deutsche unterschrieben? Dazu komme ich gleich.<\/p>\n\n\n\n

Debatte um Achille Mbembe<\/h6>\n\n\n\n

Hintergrund des Briefs war, dass Felix Klein gefordert hatte, den Philosophen Achille Mbembe<\/a> nicht die Er\u00f6ffnungsrede der Ruhrtriennale halten zu lassen. Als mit \u00f6ffentlichen Mitteln gef\u00f6rdertes Event solle die Ruhrtriennale Mbembe wegen seiner Haltung zu Israels Existenzrecht, seiner Haltung zu BDS und der Art, wie er in einem seiner Werke den Holocaust relativiert, nicht einladen.<\/p>\n\n\n\n

Mbembes Unterst\u00fctzer sagen, keine dieser Anschuldigungen sei wahr. F\u00fcrs Protokoll: In meinen Augen unterst\u00fctzt Mbembe sehr wohl BDS<\/a>, er schrieb unter anderem das Vorwort zu \u201eApartheid Israel\u201c und fordert die komplette Isolation Israels. Ich glaube auch, wenn Mbembe schreibt, die israelische Besetzung sei der \u201egr\u00f6\u00dfte moralische Skandal unserer Zeit\u201c, zeigt das, dass sein moralischer und geografischer Kompass etwas schief ist.<\/p>\n\n\n\n

Doch warum treibt die Debatte so viele Menschen um? Nun, zun\u00e4chst gibt niemand gern auf, was ihm oder ihr selbstverst\u00e4ndlich scheint. \u00dcber den gesamten politischen, sozialen, kulturellen, medialen und akademischen Sektor hinweg sind Menschen daran gew\u00f6hnt, so schlecht \u00fcber Israel sprechen zu k\u00f6nnen, wie auch immer sie wollen.<\/p>\n\n\n\n

Der Spiegel<\/em> hat \u2013 vielleicht in Anlehnung an seine Relotius-Standards, Israel erst k\u00fcrzlich eine Corona-Diktatur genannt. Fakten und Belege f\u00fcr diese Behauptung gab es nicht. Doch Millionen Deutsche haben es gelesen, und es wird nat\u00fcrlich haften bleiben. Faktenlage hin oder her. Der Spiegel<\/em> und andere Medien haben dieses Spiel perfektioniert: Titel so zu drehen, dass sie Israel indirekt anklagen, die Idee zu streuen, der Mossad kon\u00adtrol\u00adliere die deutsche Au\u00dfenpolitik im Nahen Osten, und so fort. Doch sie stehen allesamt sofort auf den Hinterbeinen, wenn jemand es wagt, das Spiel beim Namen zu nennen: moderner Antisemitismus.<\/p>\n\n\n\n

Klein will dem entgegenwirken. Er versteht, dass antisemitische Attacken in Deutschland die Fr\u00fcchte solch falsch gezeichneter Bilder und eindimensionaler Narrative \u00fcber Israel sind. Wenn er und andere versuchen, ein anderes Narrativ aufzuzeigen, wirft man ihnen Zensur vor: Wie k\u00f6nnen sie es wagen, das Gesch\u00e4ft der Anti-Israel-Propaganda zu st\u00f6ren?<\/p>\n\n\n\n

Liebe Deutsche, wenn ihr reden wollt, lasst uns gern reden: \u00fcber die Besetzung, \u00fcber Bibi und alles, was schiefl\u00e4uft. Aber dann lasst uns bitte auch dar\u00fcber reden, wie deutsche Steuergelder Terrortunnel finanzieren. Erst vergangene Woche r\u00e4umte die niederl\u00e4ndische Regierung ein, dass Gelder an eine Landwirtschaftsorganisation in Ramallah geflossen seien, die damit teilweise die Geh\u00e4lter zweier des Mordes an der 17-j\u00e4hrigen Israelin Rina Shnerb Verd\u00e4chtiger gezahlt haben. Auch die Bundesregierung unterst\u00fctzt diese Organisation, obwohl Kritiker schon lange vor Verbindungen zu Terroristen warnen.<\/p>\n\n\n\n

Wir k\u00f6nnen uns also gerne unterhalten \u2013 aber im Dialog, nicht in Monologen. Denn Reden unter Menschen, die sich einig sind, ist nichts anderes als Impotenz.<\/p>\n\n\n\n

Israelkritik als Eintrittskarte<\/h6>\n\n\n\n

Die Israelis, die die Petition unterzeichnet haben, haben \u00fcbrigens ebenfalls etwas verstanden. Seit Jahren wissen sie: Es ist ihre Eintrittskarte in die Mitte der deutschen (und europ\u00e4ischen) Gesellschaft. Man h\u00f6rt nicht oft von Akademikern mit proisraelischen Ansichten. Weder in den Philharmonie-Orchestern noch in der Kunstszene. Die Eintrittskarte daf\u00fcr ist ein antiisraelischer Standpunkt.<\/p>\n\n\n\n

Der mutma\u00dfliche Grund, warum kaum Deutsche die Petition unterzeichnet haben: Sie mussten es nicht. Ihre Lieblingsjuden haben es f\u00fcr sie getan. Jetzt k\u00f6nnen sie sagen: \u201eSchau, ich bin das ja nicht, meine j\u00fcdischen Freunde sagen es.\u201c Ich selbst war einige Jahre lang mit einem Paar hier in Berlin befreundet, bis ich herausfand, dass ich ihr Lieblingsjude war. Ja, selbst das j\u00fcdische Museum wurde so genutzt.<\/p>\n\n\n\n

Weil Attacken gegen Juden ein absolutes Tabu sind, wurden Umwege gefunden, um den Antisemitismus auf kleiner Flamme k\u00f6cheln zu lassen: die unfundierte, unbegr\u00fcndete Kritik an Israel.<\/p>\n\n\n\n

Diese Art der Kritik ist gef\u00e4hrlich. Sie schw\u00e4cht jede begr\u00fcndete und notwendige Kritik am Verhalten Israels. Und das Interessante ist: Trotz all der heftigen, pauschalisierenden Anklagen, all der offenen Briefe driftet Israel politisch immer weiter nach rechts. Doch statt mal einen anderen Ansatz zu versuchen, werden die antiisraelischen Stimmen nur lauter. Dasselbe versuchen und andere Ergebnisse davon erwarten \u2013 das ist die Definition von Wahnsinn.<\/p>\n\n\n\n

Kurz bevor der Prozess gegen den wegen des Attentats von Halle<\/a> Angeklagten begann \u2013 des seit Kriegsende schlimmsten Akts von Antisemitismus in Deutschland \u2013, lud eine Lokalzeitung den fr\u00fcheren Botschafter Shimon Stein und den Historiker Moshe Zimmermann ein, dar\u00fcber zu schreiben, was Antisemitismus ist. Nat\u00fcrlich wendeten auch sie sich gegen Felix Kleins Ansatz. Sie zitieren die Kontroverse um die Umbenennung der U-Bahn-Station Mohrenstra\u00dfe in Glinkastra\u00dfe, die sich darum drehte, dass der russische Komponist Michael Glinka Antisemit gewesen sein soll. Stein und Zimmermann halten die Debatte f\u00fcr \u00fcberzogen, Glinka sei nur ein Kind seiner Zeit gewesen. Folgt man ihrer Logik, k\u00f6nnen wir dann also in 20 oder 30 Jahren U-Bahn-Stationen nach den Kindern der 1930er Jahre benennen?<\/p>\n\n\n\n

Der Antisemit als Tierfreund<\/h6>\n\n\n\n

Ich w\u00fcnschte, die Sache h\u00e4tte mit dem Artikel, mit der Petition geendet. Doch dann erschien ein Artikel, der den Leser auf einen Waldspaziergang mit einem veganen Koch und Antisemiten mitnahm. Darin setzt der Tierfreund erst behutsam einen K\u00e4fer wieder auf seine Beinchen und erkl\u00e4rt dann, dass die Todesstrafe in Deutschland wieder eingef\u00fchrt werden solle, um einen gewissen Politiker (der zuf\u00e4llig pro Israel ist) an seinen Hoden aufh\u00e4ngen zu k\u00f6nnen. Dieser Koch hat Hunderttausende Follower, er sagt all solche Dinge am helllichten Tag in Berlin. Und in den Medien.<\/p>\n\n\n\n

F\u00e4lle wie dieser handeln bereits von Gewalt \u2013 und sie enden nicht bei den Juden. Der Hass richtet sich gegen Frauen<\/a>, Muslime, Gefl\u00fcchtete, \u00adLBTQI. Am Ende aller theoretischen Debatten stehen immer echte Menschen. Am Ende jeder Konferenz dar\u00fcber, was Antisemitismus ausmacht, steht ein potenzielles j\u00fcdisches Opfer. Angesichts einer Welle von Antisemitismus \u00fcber die Definition von Antisemitismus zu streiten ist, wie eine 10 Meter hohe Welle heranrollen zu sehen und dar\u00fcber zu streiten, was einen Tsunami ausmacht.<\/p>\n\n\n\n

Felix Klein versteht, wie absurd es ist, zu sagen: Es sind nur die Rechten. Die Rechten sind Deutsche, so wie die Nazis Deutsche waren. Klein versteht, dass die Deutschen nicht aufgeh\u00f6rt haben, Juden zu ermorden, weil sie irgendeine Art von Erleuchtung hatten. Sondern schlicht, weil sie den Krieg verloren haben. Um den Antisemitismus zu bek\u00e4mpfen, bevor er die Gesellschaft frisst, in der er und wir leben, muss Deutschland seinen moralischen Kompass korrigieren.<\/p>\n\n\n\n

Immerhin: Mehr und mehr Deutsche fahren nach Israel, sie wollen ein anderes Narrativ h\u00f6ren. Mehr und mehr Deutsche verstehen, dass Antisemitismus Schockwellen ausl\u00f6st, die die gesamte Gesellschaft betreffen. In einem normalen Universum w\u00fcrde Klein bef\u00f6rdert werden f\u00fcr seine Leistung. In einer verdrehten Gesellschaft fordern Menschen seine Entlassung. Um es mit Mbembe zu sagen: Das ist Nano-Nonsens.<\/p>\n\n\n\n

\u00dcbersetzung: Ariane Lemme<\/a><\/em><\/p>\n","post_title":"Felix Klein hat verstanden","post_excerpt":"","post_status":"publish","comment_status":"closed","ping_status":"closed","post_password":"","post_name":"felix-klein-hat-verstanden","to_ping":"","pinged":"","post_modified":"2025-02-02 08:39:39","post_modified_gmt":"2025-02-02 08:39:39","post_content_filtered":"","post_parent":0,"guid":"https:\/\/dctransparency.com\/?p=3786","menu_order":0,"post_type":"post","post_mime_type":"","comment_count":"0","filter":"raw"}],"next":false,"prev":true,"total_page":47},"paged":1,"column_class":"jeg_col_2o3","class":"epic_block_3"};

\n

Die Kirche wurde von Mehmed II. und Nachfolgern nicht in der Substanz zerst\u00f6rt, sondern \"entchristlicht\". Die urspr\u00fcnglich \u00fcbert\u00fcnchten oder auch abgeschlagenen Mosaiken mit den Darstellungen von Christus, der Muttergottes, diversen Kaisern kamen zum Teil schon unter einem Sultan des 19. Jahrhunderts, dann gro\u00dfteils nach der Museumswidmung wieder zum Vorschein.<\/p>\n\n\n\n

Jetzt stellen sich neue symbolisch-praktische Fragen. Erdo\u011fan hat die Hagia Sophia der konservativen staatlichen Religionsbeh\u00f6rde Diyanet unterstellt. Die byzantinischen Mosaike, wie der gro\u00dfartige \"Christos Pantokrator\" (\"Weltenherrscher\") oder die Jungfrau Maria in der Apsis, m\u00fcssen wohl w\u00e4hrend des islamischen Gottesdiensts verh\u00e4ngt werden. Muss der Boden mit seinen Marmorplatten und Mosaiken mit einem Teppich bedeckt werden? Erdo\u011fan sagt, Touristen seien nach wie vor zugelassen. Aber sie werden wohl hinter Absperrungen bleiben m\u00fcssen. Frauen werden \u2013 wie in der benachbarten \"Blauen Moschee\" (\"Sultanahmed\") Kopftuch tragen m\u00fcssen.<\/p>\n\n\n\n

\"\"\/
Erdo\u011fan mit Gattin in der Hagia Sophia.<\/figcaption><\/figure>\n\n\n\n

Erdo\u011fans neue Abenteuer<\/strong><\/h3>\n\n\n\n

Aber wird da nicht doch zu viel in einen Formalakt rund um ein uraltes Bauwerk hineininterpretiert? Im geschichtlichen Kontext relativiert sich manches: Konstantinopel wurde schon von Christen erobert und ausgepl\u00fcndert \u2013 1204 im Vierten Kreuzzug. In der Moschee von Cordoba (\"Mezquita\") bauten die Katholiken eine ganze Kirche in den ber\u00fchmten S\u00e4ulenwald hinein. Die Mezquita ist heute noch Kirche, kein Museum.<\/p>\n\n\n\n

\"Das ist der Beweis, dass wir kein s\u00e4kularer Staat mehr sein wollen\", sagt Nobelpreistr\u00e4ger Orhan Pamuk. Erdo\u011fan betrachtet sich offenbar als auch neoosmanischer \"Fatih\" im Mittelmeerraum mit immer neuen Abenteuern: Eingreifen in Syrien, Stellvertreterkrieg in Libyen, Anspr\u00fcche auf Erdgasvorkommen weit vor der t\u00fcrkischen K\u00fcste bei Zypern, Reden, wonach manche \u00c4g\u00e4is-Inseln eigentlich zur T\u00fcrkei geh\u00f6ren, \"denn dort stehen unsere Moscheen\". Manches davon ist nur Rhetorik, aber genug anderes ist riskante Realit\u00e4t. (Hans Rauscher, 14.7.2020)<\/p>\n\n\n\n

Quelle<\/a><\/strong><\/p>\n","post_title":"Hagia Sophia: Verengung und Verarmung eines Welterbes","post_excerpt":"","post_status":"publish","comment_status":"closed","ping_status":"closed","post_password":"","post_name":"hagia-sophia-verengung-und-verarmung-eines-welterbes","to_ping":"","pinged":"","post_modified":"2025-02-02 08:39:39","post_modified_gmt":"2025-02-02 08:39:39","post_content_filtered":"","post_parent":0,"guid":"https:\/\/dctransparency.com\/?p=3792","menu_order":0,"post_type":"post","post_mime_type":"","comment_count":"0","filter":"raw"},{"ID":3789,"post_author":"7","post_date":"2020-08-14 13:56:07","post_date_gmt":"2020-08-14 13:56:07","post_content":"\n

Im Gastkommentar pocht Mark Leonard, Direktor des Europ\u00e4ischen Rats f\u00fcr Ausw\u00e4rtige Beziehungen, auf \"neue, einvernehmlich vereinbarte Prinzipien sowie klare Grenzen\", nur so k\u00f6nne eine weitere Destabilisierung in der Region verhindert werden.<\/em><\/strong><\/p>\n\n\n\n

Ist die T\u00fcrkei das neue Russland? Diese Frage wird in den europ\u00e4ischen Hauptst\u00e4dten zunehmend gestellt, da die Au\u00dfenpolitik des t\u00fcrkischen Pr\u00e4sidenten Recep Tayyip Erdo\u011fan zunehmend aggressiver wird. Erdo\u011fan nutzt nicht nur die Migration, um die EU zu bedrohen und zu betr\u00fcgen, sondern setzt auch milit\u00e4rische Macht ein, um den Einflussbereich der T\u00fcrkei auf die gesamte Region auszudehnen.<\/p>\n\n\n\n

Seit dem Ende des Kalten Krieges haben die Europ\u00e4er die regionale Sicherheit durch eine unipolare westliche Linse betrachtet. W\u00e4hrend die Nato die milit\u00e4rische Sicherheit garantierte, sorgte die EU mit ihrem 80.000 Seiten starken Regelwerk f\u00fcr alles von LGBTQ-Rechten bis hin zu Rasenm\u00e4her-Sound-Verordnungen f\u00fcr Rechtsordnung. In den 90er-Jahren ging man allgemein davon aus, dass die beiden gro\u00dfen nichtwestlichen regionalen Akteure, Russland und die T\u00fcrkei, nach und nach an diese Regelungen herangef\u00fchrt werden w\u00fcrden.<\/p>\n\n\n\n

Qu\u00e4lende Hassliebe<\/h3>\n\n\n\n

Doch in den letzten 15 Jahren ist der Traum von der europ\u00e4ischen Unipolarit\u00e4t einer multipolaren Realit\u00e4t gewichen. Sowohl Russland als auch die T\u00fcrkei haben eine lange, qu\u00e4lende Hassliebe zu Europa, und beide sind unter nationalen Machthabern, denen die Verachtung der Normen und Werte der EU gemeinsam ist, durchsetzungsf\u00e4higer geworden.<\/p>\n\n\n\n

Die zunehmende Verschlechterung der Beziehungen zwischen der EU und Russland ist gut dokumentiert, der Fall der T\u00fcrkei weniger. Der Irakkrieg im Jahr 2003 komplizierte das Verh\u00e4ltnis der T\u00fcrkei zur Nato, und ihr Verh\u00e4ltnis zur EU verschlechterte sich 2007, als Frankreich einen wichtigen Teil ihrer EU-Beitrittsverhandlungen blockierte. Seitdem hat die T\u00fcrkei ihren eigenen Weg in Syrien, auf dem Balkan und in Libyen eingeschlagen und neue Beziehungen zu Russland und China aufgebaut.<\/p>\n\n\n\n

Wichtiger Akteur<\/strong><\/h3>\n\n\n\n

Nat\u00fcrlich sind die Beziehungen zwischen der T\u00fcrkei und Russland nicht weniger kompliziert, nicht zuletzt weil Erdo\u011fan und der russische Pr\u00e4sident Wladimir Putin im syrischen B\u00fcrgerkrieg verschiedene Seiten unterst\u00fctzten.Und w\u00e4hrend die Spannungen wegen des Syrien-Konflikts weiterhin bestehen, bewundert Erdo\u011fan deutlich, wie Russland sich \u2013 bei relativ geringen Kosten \u2013 wieder als wichtiger Akteur im Nahen Osten und in Nordafrika etabliert hat.<\/p>\n\n\n\n

Nachdem er in einen nicht zu gewinnenden Krieg im Osten der Ukraine verwickelt war, schien Putins weitgehend erfolgreicher Feldzug in Syrien einen Teil seiner innenpolitischen Autorit\u00e4t wiederherzustellen. Der Westen hatte f\u00fcnf Jahre lang darauf bestanden, dass es keine milit\u00e4rische L\u00f6sung des Konflikts gebe und dass der syrische Pr\u00e4sident Baschar al-Assad gehen m\u00fcsse. Doch w\u00e4hrend die von den Vereinten Nationen unterst\u00fctzten Gespr\u00e4che in Genf zu keinem Ergebnis f\u00fchrten, schienen die von Russland geleiteten Gespr\u00e4che in Astana voranzukommen. Indem der Kreml die T\u00fcrkei und den Iran einbezog, w\u00e4hrend er die westlichen M\u00e4chte ausschloss, erweckte er den Eindruck, dass Russland als wiedergeborene Supermacht aus der Asche auferstanden sei.<\/p>\n\n\n\n

Unter Druck<\/h3>\n\n\n\n

Angesichts des wachsenden Widerstands im eigenen Land macht es Erdo\u011fan Putin gleich. Da der Westen nicht bereit war, (erneut) milit\u00e4risch in Libyen zu intervenieren, sah Erdo\u011fan eine Gelegenheit, die T\u00fcrkei zu positionieren. Nach dem Vorgehen Russlands in Syrien sicherte er sich eine formelle Einladung der libyschen Regierung zur Intervention. Mit einem Schlag Ende letzten Jahres hat er nicht nur das Image der T\u00fcrkei als Regionalmacht gest\u00e4rkt, sondern auch ein Abkommen mit Libyen \u00fcber die Seegrenze abgeschlossen und damit einen Plan Griechenlands, Zyperns, \u00c4gyptens und Israels zur Erschlie\u00dfung von Unterwasser\u00f6l- und -gasfeldern in der N\u00e4he zunichtegemacht.<\/p>\n\n\n\n

Erdo\u011fan scheint auch von der Spalt-und-Eroberungs-Strategie des Kreml in Europa inspiriert worden zu sein, der zufolge oft diejenigen EU-Mitgliedsstaaten unter Druck gesetzt werden, die am meisten von russischen Kohlenwasserstoffen oder M\u00e4rkten abh\u00e4ngig sind. So wie Putin lange Zeit die Energieversorgung instrumentalisiert hat, hat Erdo\u011fan versucht, den Strom von Migranten und Fl\u00fcchtlingen, die vor Konflikten im Nahen Osten fliehen, zu instrumentalisieren. Als die EU eine neue Marinemission ank\u00fcndigte, um den Waffenstrom nach Libyen zu blockieren, malte die T\u00fcrkei f\u00fcr Malta das Schreckgespenst der angeblichen Bedrohung durch Migranten an die Wand. Malta reagierte prompt und signalisierte, dass es gegen die Finanzierung der Mission ein Veto einlegen werde.<\/p>\n\n\n\n

Verlorener Sohn<\/strong><\/h3>\n\n\n\n

Jahrelang redeten sich die Europ\u00e4er ein, dass Russland eine Art verlorener Sohn sei und dass die europ\u00e4ische unipolare Ordnung gesund bleibe. Doch das machte Europa zu einem leichten Ziel f\u00fcr die Trennungs-und-Eroberungs-Strategie des Kreml. Erst vor relativ kurzer Zeit entwarf die Union eine neue Politik und ein robustes Sanktionsregime, um die russische Aggression abzuschrecken. Und selbst jetzt \u2013 trotz der besten Bem\u00fchungen der deutschen Bundeskanzlerin Angela Merkel und des franz\u00f6sischen Pr\u00e4sidenten Emmanuel Macron \u2013 hat die EU noch immer keine wirksamen Kommunikationskan\u00e4le mit Russland geschaffen, um gemeinsame Probleme anzugehen.<\/p>\n\n\n\n

Die T\u00fcrkei ist noch kein neues Russland, aber sie k\u00f6nnte dazu werden, wenn die Situation falsch gehandhabt wird. Vorerst betrachten die meisten Europ\u00e4er die T\u00fcrkei noch immer als einen komplizierten Partner und nicht als \"Systemrivalen\". Aber die Europ\u00e4er sollten die hart erk\u00e4mpften Lehren aus dem Umgang mit Russland in den letzten 15 Jahren beherzigen. Die Beziehungen zwischen der EU und der T\u00fcrkei brauchen neue, einvernehmlich vereinbarte Prinzipien sowie klare Grenzen, um eine weitere Destabilisierung in der Region zu verhindern.<\/p>\n\n\n\n

Zu diesem Zweck sollten die Europ\u00e4er klarstellen, dass der EU-Beitrittsprozess entweder zur\u00fcckgedreht oder vorangetrieben werden kann und dass eine eher transaktionale Beziehung sowohl Zuckerbrot als auch Peitsche beinhaltet. Die Herausforderung wird darin bestehen, daf\u00fcr zu sorgen, dass es in einer Region, die nicht nur von Europa und der T\u00fcrkei, sondern auch von Russland, den USA und einem aufstrebenden China beeinflusst wird, noch Raum f\u00fcr politisches Engagement in Fragen der gemeinsamen Sicherheit gibt. (Mark Leonard, \u00dcbersetzung: Eva G\u00f6llner, Copyright: Project Syndicate, 10.8.2020)<\/p>\n\n\n\n

Mark Leonard <\/strong>ist Direktor des Europ\u00e4ischen Rats f\u00fcr Ausw\u00e4rtige Beziehungen.<\/a><\/p>\n","post_title":"Erdo\u011fan \u2013 der andere Putin vor der Haust\u00fcr Europas","post_excerpt":"","post_status":"publish","comment_status":"closed","ping_status":"closed","post_password":"","post_name":"erdogan-der-andere-putin-vor-der-haustur-europas","to_ping":"","pinged":"","post_modified":"2025-02-02 08:39:39","post_modified_gmt":"2025-02-02 08:39:39","post_content_filtered":"","post_parent":0,"guid":"https:\/\/dctransparency.com\/?p=3789","menu_order":0,"post_type":"post","post_mime_type":"","comment_count":"0","filter":"raw"},{"ID":3786,"post_author":"7","post_date":"2020-08-14 13:51:23","post_date_gmt":"2020-08-14 13:51:23","post_content":"\n

Einen Monat nachdem ich zur israelischen Armee eingezogen worden war, brach die erste Intifada aus. Statt Soldat zu sein, machte ich Polizeiarbeit, sagte den Menschen, wann sie zur Arbeit gehen konnten und wann sie ihre L\u00e4den schlie\u00dfen mussten, wann sie die Grenze passieren und wann sie schlafen konnten. Einen Monat nachdem ich aus der Armee entlassen worden war, ging ich auf Reisen. (In Israel sagen wir: Wir dienen drei Jahre und versuchen den Rest unseres Lebens, diese drei Jahre zu vergessen.) Auf meiner Reise begann ich Briefe an meine Freundin zu schreiben, die ich in Israel zur\u00fcckgelassen hatte.<\/p>\n\n\n\n

Ich schrieb ihr, wie schrecklich depressiv ich war und dass diese drei Jahre des Anweisungenbellens und Anderen-Menschen-Sagens, was sie zu tun haben, mich f\u00fcr immer verfolgen w\u00fcrden. Dass sie ein Teil dessen geworden waren, was ich bin. Ich erinnere mich, dass ich ihr schrieb, dass wir da rausm\u00fcssen \u2013 nicht nur f\u00fcr die Pal\u00e4stinenser, sondern wegen der furchtbaren und brutalen Auswirkungen, die all das auf uns, auf die israelische Gesellschaft haben w\u00fcrde. Sie schrieb zur\u00fcck: \u201eDu hast recht. Ich habe einen neuen Freund.\u201c<\/p>\n\n\n\n

Felix Klein wurde als Beauftragter der Bundesregierung berufen<\/a>, um die Auswirkungen des zunehmenden Antisemitismus in unserer Gesellschaft, in Deutschland, zu bek\u00e4mpfen. Was nicht in seiner Jobbeschreibung steht, ist, dass er dabei unsere Gesellschaft heilen muss, jene Gesellschaft, die diese Form des Hasses reproduziert und sch\u00fctzt. Klein hat das begriffen.<\/p>\n\n\n\n

Er versteht, dass man Krebs nicht mit einem Pflaster verarztet, er wei\u00df, dass er das Bewusstsein der Deutschen sch\u00e4rfen und Diskussionen ansto\u00dfen muss. Er hat begriffen, dass das Problem nicht nur an den R\u00e4ndern der Gesellschaft (bei den Rechten) liegt, sondern auch in ihrer Mitte. Dort, wo gebildete Menschen nicht einmal bemerken, dass das, was sie sagen und tun, antisemitisch ist. So wie sie es auch nicht merken, wenn sie rassistisch handeln. Er hat all das verstanden, und genau deshalb wollen einige, dass er seinen Posten r\u00e4umt.<\/p>\n\n\n\n

Mehr als 60 deutsche und israelische Intellektuelle haben letzte Woche in einem Brief an Kanzlerin Merkel<\/a> dar\u00fcber geklagt, dass der aktuelle \u201eGebrauch des Antisemitismusbegriffs\u201c darauf abziele, \u201elegitime Kritik an der israelischen Regierungspolitik zu unterdr\u00fccken\u201c, und Klein vorgeworfen, rechtspopulistische israelische Stimmen zu f\u00f6rdern.<\/p>\n\n\n\n

Faszinierend an diesem offenen Brief ist, dass viele der Unterzeichneten keine Deutschen sind und auch nicht in Deutschland leben. Ich wei\u00df nicht, woher sie \u2013 die meisten von ihnen sind Israelis \u2013 die Chuzpe haben, sich in eine innerdeutsche Angelegenheit einzumischen und zu fordern, eine Person zu entlassen, die von der Bundesregierung eingesetzt wurde. Die H\u00e4lfte der Unterzeichneten lebt nicht hier, von der anderen H\u00e4lfte sind viele keine Juden \u2013 somit sind die allermeisten von ihnen nicht direkt vom Antisemitismus in Deutschland betroffen. Wie also k\u00f6nnen sie diesen Brief unterschreiben? Und warum eigentlich haben so wenige Deutsche unterschrieben? Dazu komme ich gleich.<\/p>\n\n\n\n

Debatte um Achille Mbembe<\/h6>\n\n\n\n

Hintergrund des Briefs war, dass Felix Klein gefordert hatte, den Philosophen Achille Mbembe<\/a> nicht die Er\u00f6ffnungsrede der Ruhrtriennale halten zu lassen. Als mit \u00f6ffentlichen Mitteln gef\u00f6rdertes Event solle die Ruhrtriennale Mbembe wegen seiner Haltung zu Israels Existenzrecht, seiner Haltung zu BDS und der Art, wie er in einem seiner Werke den Holocaust relativiert, nicht einladen.<\/p>\n\n\n\n

Mbembes Unterst\u00fctzer sagen, keine dieser Anschuldigungen sei wahr. F\u00fcrs Protokoll: In meinen Augen unterst\u00fctzt Mbembe sehr wohl BDS<\/a>, er schrieb unter anderem das Vorwort zu \u201eApartheid Israel\u201c und fordert die komplette Isolation Israels. Ich glaube auch, wenn Mbembe schreibt, die israelische Besetzung sei der \u201egr\u00f6\u00dfte moralische Skandal unserer Zeit\u201c, zeigt das, dass sein moralischer und geografischer Kompass etwas schief ist.<\/p>\n\n\n\n

Doch warum treibt die Debatte so viele Menschen um? Nun, zun\u00e4chst gibt niemand gern auf, was ihm oder ihr selbstverst\u00e4ndlich scheint. \u00dcber den gesamten politischen, sozialen, kulturellen, medialen und akademischen Sektor hinweg sind Menschen daran gew\u00f6hnt, so schlecht \u00fcber Israel sprechen zu k\u00f6nnen, wie auch immer sie wollen.<\/p>\n\n\n\n

Der Spiegel<\/em> hat \u2013 vielleicht in Anlehnung an seine Relotius-Standards, Israel erst k\u00fcrzlich eine Corona-Diktatur genannt. Fakten und Belege f\u00fcr diese Behauptung gab es nicht. Doch Millionen Deutsche haben es gelesen, und es wird nat\u00fcrlich haften bleiben. Faktenlage hin oder her. Der Spiegel<\/em> und andere Medien haben dieses Spiel perfektioniert: Titel so zu drehen, dass sie Israel indirekt anklagen, die Idee zu streuen, der Mossad kon\u00adtrol\u00adliere die deutsche Au\u00dfenpolitik im Nahen Osten, und so fort. Doch sie stehen allesamt sofort auf den Hinterbeinen, wenn jemand es wagt, das Spiel beim Namen zu nennen: moderner Antisemitismus.<\/p>\n\n\n\n

Klein will dem entgegenwirken. Er versteht, dass antisemitische Attacken in Deutschland die Fr\u00fcchte solch falsch gezeichneter Bilder und eindimensionaler Narrative \u00fcber Israel sind. Wenn er und andere versuchen, ein anderes Narrativ aufzuzeigen, wirft man ihnen Zensur vor: Wie k\u00f6nnen sie es wagen, das Gesch\u00e4ft der Anti-Israel-Propaganda zu st\u00f6ren?<\/p>\n\n\n\n

Liebe Deutsche, wenn ihr reden wollt, lasst uns gern reden: \u00fcber die Besetzung, \u00fcber Bibi und alles, was schiefl\u00e4uft. Aber dann lasst uns bitte auch dar\u00fcber reden, wie deutsche Steuergelder Terrortunnel finanzieren. Erst vergangene Woche r\u00e4umte die niederl\u00e4ndische Regierung ein, dass Gelder an eine Landwirtschaftsorganisation in Ramallah geflossen seien, die damit teilweise die Geh\u00e4lter zweier des Mordes an der 17-j\u00e4hrigen Israelin Rina Shnerb Verd\u00e4chtiger gezahlt haben. Auch die Bundesregierung unterst\u00fctzt diese Organisation, obwohl Kritiker schon lange vor Verbindungen zu Terroristen warnen.<\/p>\n\n\n\n

Wir k\u00f6nnen uns also gerne unterhalten \u2013 aber im Dialog, nicht in Monologen. Denn Reden unter Menschen, die sich einig sind, ist nichts anderes als Impotenz.<\/p>\n\n\n\n

Israelkritik als Eintrittskarte<\/h6>\n\n\n\n

Die Israelis, die die Petition unterzeichnet haben, haben \u00fcbrigens ebenfalls etwas verstanden. Seit Jahren wissen sie: Es ist ihre Eintrittskarte in die Mitte der deutschen (und europ\u00e4ischen) Gesellschaft. Man h\u00f6rt nicht oft von Akademikern mit proisraelischen Ansichten. Weder in den Philharmonie-Orchestern noch in der Kunstszene. Die Eintrittskarte daf\u00fcr ist ein antiisraelischer Standpunkt.<\/p>\n\n\n\n

Der mutma\u00dfliche Grund, warum kaum Deutsche die Petition unterzeichnet haben: Sie mussten es nicht. Ihre Lieblingsjuden haben es f\u00fcr sie getan. Jetzt k\u00f6nnen sie sagen: \u201eSchau, ich bin das ja nicht, meine j\u00fcdischen Freunde sagen es.\u201c Ich selbst war einige Jahre lang mit einem Paar hier in Berlin befreundet, bis ich herausfand, dass ich ihr Lieblingsjude war. Ja, selbst das j\u00fcdische Museum wurde so genutzt.<\/p>\n\n\n\n

Weil Attacken gegen Juden ein absolutes Tabu sind, wurden Umwege gefunden, um den Antisemitismus auf kleiner Flamme k\u00f6cheln zu lassen: die unfundierte, unbegr\u00fcndete Kritik an Israel.<\/p>\n\n\n\n

Diese Art der Kritik ist gef\u00e4hrlich. Sie schw\u00e4cht jede begr\u00fcndete und notwendige Kritik am Verhalten Israels. Und das Interessante ist: Trotz all der heftigen, pauschalisierenden Anklagen, all der offenen Briefe driftet Israel politisch immer weiter nach rechts. Doch statt mal einen anderen Ansatz zu versuchen, werden die antiisraelischen Stimmen nur lauter. Dasselbe versuchen und andere Ergebnisse davon erwarten \u2013 das ist die Definition von Wahnsinn.<\/p>\n\n\n\n

Kurz bevor der Prozess gegen den wegen des Attentats von Halle<\/a> Angeklagten begann \u2013 des seit Kriegsende schlimmsten Akts von Antisemitismus in Deutschland \u2013, lud eine Lokalzeitung den fr\u00fcheren Botschafter Shimon Stein und den Historiker Moshe Zimmermann ein, dar\u00fcber zu schreiben, was Antisemitismus ist. Nat\u00fcrlich wendeten auch sie sich gegen Felix Kleins Ansatz. Sie zitieren die Kontroverse um die Umbenennung der U-Bahn-Station Mohrenstra\u00dfe in Glinkastra\u00dfe, die sich darum drehte, dass der russische Komponist Michael Glinka Antisemit gewesen sein soll. Stein und Zimmermann halten die Debatte f\u00fcr \u00fcberzogen, Glinka sei nur ein Kind seiner Zeit gewesen. Folgt man ihrer Logik, k\u00f6nnen wir dann also in 20 oder 30 Jahren U-Bahn-Stationen nach den Kindern der 1930er Jahre benennen?<\/p>\n\n\n\n

Der Antisemit als Tierfreund<\/h6>\n\n\n\n

Ich w\u00fcnschte, die Sache h\u00e4tte mit dem Artikel, mit der Petition geendet. Doch dann erschien ein Artikel, der den Leser auf einen Waldspaziergang mit einem veganen Koch und Antisemiten mitnahm. Darin setzt der Tierfreund erst behutsam einen K\u00e4fer wieder auf seine Beinchen und erkl\u00e4rt dann, dass die Todesstrafe in Deutschland wieder eingef\u00fchrt werden solle, um einen gewissen Politiker (der zuf\u00e4llig pro Israel ist) an seinen Hoden aufh\u00e4ngen zu k\u00f6nnen. Dieser Koch hat Hunderttausende Follower, er sagt all solche Dinge am helllichten Tag in Berlin. Und in den Medien.<\/p>\n\n\n\n

F\u00e4lle wie dieser handeln bereits von Gewalt \u2013 und sie enden nicht bei den Juden. Der Hass richtet sich gegen Frauen<\/a>, Muslime, Gefl\u00fcchtete, \u00adLBTQI. Am Ende aller theoretischen Debatten stehen immer echte Menschen. Am Ende jeder Konferenz dar\u00fcber, was Antisemitismus ausmacht, steht ein potenzielles j\u00fcdisches Opfer. Angesichts einer Welle von Antisemitismus \u00fcber die Definition von Antisemitismus zu streiten ist, wie eine 10 Meter hohe Welle heranrollen zu sehen und dar\u00fcber zu streiten, was einen Tsunami ausmacht.<\/p>\n\n\n\n

Felix Klein versteht, wie absurd es ist, zu sagen: Es sind nur die Rechten. Die Rechten sind Deutsche, so wie die Nazis Deutsche waren. Klein versteht, dass die Deutschen nicht aufgeh\u00f6rt haben, Juden zu ermorden, weil sie irgendeine Art von Erleuchtung hatten. Sondern schlicht, weil sie den Krieg verloren haben. Um den Antisemitismus zu bek\u00e4mpfen, bevor er die Gesellschaft frisst, in der er und wir leben, muss Deutschland seinen moralischen Kompass korrigieren.<\/p>\n\n\n\n

Immerhin: Mehr und mehr Deutsche fahren nach Israel, sie wollen ein anderes Narrativ h\u00f6ren. Mehr und mehr Deutsche verstehen, dass Antisemitismus Schockwellen ausl\u00f6st, die die gesamte Gesellschaft betreffen. In einem normalen Universum w\u00fcrde Klein bef\u00f6rdert werden f\u00fcr seine Leistung. In einer verdrehten Gesellschaft fordern Menschen seine Entlassung. Um es mit Mbembe zu sagen: Das ist Nano-Nonsens.<\/p>\n\n\n\n

\u00dcbersetzung: Ariane Lemme<\/a><\/em><\/p>\n","post_title":"Felix Klein hat verstanden","post_excerpt":"","post_status":"publish","comment_status":"closed","ping_status":"closed","post_password":"","post_name":"felix-klein-hat-verstanden","to_ping":"","pinged":"","post_modified":"2025-02-02 08:39:39","post_modified_gmt":"2025-02-02 08:39:39","post_content_filtered":"","post_parent":0,"guid":"https:\/\/dctransparency.com\/?p=3786","menu_order":0,"post_type":"post","post_mime_type":"","comment_count":"0","filter":"raw"}],"next":false,"prev":true,"total_page":47},"paged":1,"column_class":"jeg_col_2o3","class":"epic_block_3"};

\n

Neue Fragen<\/h3>\n\n\n\n

Die Kirche wurde von Mehmed II. und Nachfolgern nicht in der Substanz zerst\u00f6rt, sondern \"entchristlicht\". Die urspr\u00fcnglich \u00fcbert\u00fcnchten oder auch abgeschlagenen Mosaiken mit den Darstellungen von Christus, der Muttergottes, diversen Kaisern kamen zum Teil schon unter einem Sultan des 19. Jahrhunderts, dann gro\u00dfteils nach der Museumswidmung wieder zum Vorschein.<\/p>\n\n\n\n

Jetzt stellen sich neue symbolisch-praktische Fragen. Erdo\u011fan hat die Hagia Sophia der konservativen staatlichen Religionsbeh\u00f6rde Diyanet unterstellt. Die byzantinischen Mosaike, wie der gro\u00dfartige \"Christos Pantokrator\" (\"Weltenherrscher\") oder die Jungfrau Maria in der Apsis, m\u00fcssen wohl w\u00e4hrend des islamischen Gottesdiensts verh\u00e4ngt werden. Muss der Boden mit seinen Marmorplatten und Mosaiken mit einem Teppich bedeckt werden? Erdo\u011fan sagt, Touristen seien nach wie vor zugelassen. Aber sie werden wohl hinter Absperrungen bleiben m\u00fcssen. Frauen werden \u2013 wie in der benachbarten \"Blauen Moschee\" (\"Sultanahmed\") Kopftuch tragen m\u00fcssen.<\/p>\n\n\n\n

\"\"\/
Erdo\u011fan mit Gattin in der Hagia Sophia.<\/figcaption><\/figure>\n\n\n\n

Erdo\u011fans neue Abenteuer<\/strong><\/h3>\n\n\n\n

Aber wird da nicht doch zu viel in einen Formalakt rund um ein uraltes Bauwerk hineininterpretiert? Im geschichtlichen Kontext relativiert sich manches: Konstantinopel wurde schon von Christen erobert und ausgepl\u00fcndert \u2013 1204 im Vierten Kreuzzug. In der Moschee von Cordoba (\"Mezquita\") bauten die Katholiken eine ganze Kirche in den ber\u00fchmten S\u00e4ulenwald hinein. Die Mezquita ist heute noch Kirche, kein Museum.<\/p>\n\n\n\n

\"Das ist der Beweis, dass wir kein s\u00e4kularer Staat mehr sein wollen\", sagt Nobelpreistr\u00e4ger Orhan Pamuk. Erdo\u011fan betrachtet sich offenbar als auch neoosmanischer \"Fatih\" im Mittelmeerraum mit immer neuen Abenteuern: Eingreifen in Syrien, Stellvertreterkrieg in Libyen, Anspr\u00fcche auf Erdgasvorkommen weit vor der t\u00fcrkischen K\u00fcste bei Zypern, Reden, wonach manche \u00c4g\u00e4is-Inseln eigentlich zur T\u00fcrkei geh\u00f6ren, \"denn dort stehen unsere Moscheen\". Manches davon ist nur Rhetorik, aber genug anderes ist riskante Realit\u00e4t. (Hans Rauscher, 14.7.2020)<\/p>\n\n\n\n

Quelle<\/a><\/strong><\/p>\n","post_title":"Hagia Sophia: Verengung und Verarmung eines Welterbes","post_excerpt":"","post_status":"publish","comment_status":"closed","ping_status":"closed","post_password":"","post_name":"hagia-sophia-verengung-und-verarmung-eines-welterbes","to_ping":"","pinged":"","post_modified":"2025-02-02 08:39:39","post_modified_gmt":"2025-02-02 08:39:39","post_content_filtered":"","post_parent":0,"guid":"https:\/\/dctransparency.com\/?p=3792","menu_order":0,"post_type":"post","post_mime_type":"","comment_count":"0","filter":"raw"},{"ID":3789,"post_author":"7","post_date":"2020-08-14 13:56:07","post_date_gmt":"2020-08-14 13:56:07","post_content":"\n

Im Gastkommentar pocht Mark Leonard, Direktor des Europ\u00e4ischen Rats f\u00fcr Ausw\u00e4rtige Beziehungen, auf \"neue, einvernehmlich vereinbarte Prinzipien sowie klare Grenzen\", nur so k\u00f6nne eine weitere Destabilisierung in der Region verhindert werden.<\/em><\/strong><\/p>\n\n\n\n

Ist die T\u00fcrkei das neue Russland? Diese Frage wird in den europ\u00e4ischen Hauptst\u00e4dten zunehmend gestellt, da die Au\u00dfenpolitik des t\u00fcrkischen Pr\u00e4sidenten Recep Tayyip Erdo\u011fan zunehmend aggressiver wird. Erdo\u011fan nutzt nicht nur die Migration, um die EU zu bedrohen und zu betr\u00fcgen, sondern setzt auch milit\u00e4rische Macht ein, um den Einflussbereich der T\u00fcrkei auf die gesamte Region auszudehnen.<\/p>\n\n\n\n

Seit dem Ende des Kalten Krieges haben die Europ\u00e4er die regionale Sicherheit durch eine unipolare westliche Linse betrachtet. W\u00e4hrend die Nato die milit\u00e4rische Sicherheit garantierte, sorgte die EU mit ihrem 80.000 Seiten starken Regelwerk f\u00fcr alles von LGBTQ-Rechten bis hin zu Rasenm\u00e4her-Sound-Verordnungen f\u00fcr Rechtsordnung. In den 90er-Jahren ging man allgemein davon aus, dass die beiden gro\u00dfen nichtwestlichen regionalen Akteure, Russland und die T\u00fcrkei, nach und nach an diese Regelungen herangef\u00fchrt werden w\u00fcrden.<\/p>\n\n\n\n

Qu\u00e4lende Hassliebe<\/h3>\n\n\n\n

Doch in den letzten 15 Jahren ist der Traum von der europ\u00e4ischen Unipolarit\u00e4t einer multipolaren Realit\u00e4t gewichen. Sowohl Russland als auch die T\u00fcrkei haben eine lange, qu\u00e4lende Hassliebe zu Europa, und beide sind unter nationalen Machthabern, denen die Verachtung der Normen und Werte der EU gemeinsam ist, durchsetzungsf\u00e4higer geworden.<\/p>\n\n\n\n

Die zunehmende Verschlechterung der Beziehungen zwischen der EU und Russland ist gut dokumentiert, der Fall der T\u00fcrkei weniger. Der Irakkrieg im Jahr 2003 komplizierte das Verh\u00e4ltnis der T\u00fcrkei zur Nato, und ihr Verh\u00e4ltnis zur EU verschlechterte sich 2007, als Frankreich einen wichtigen Teil ihrer EU-Beitrittsverhandlungen blockierte. Seitdem hat die T\u00fcrkei ihren eigenen Weg in Syrien, auf dem Balkan und in Libyen eingeschlagen und neue Beziehungen zu Russland und China aufgebaut.<\/p>\n\n\n\n

Wichtiger Akteur<\/strong><\/h3>\n\n\n\n

Nat\u00fcrlich sind die Beziehungen zwischen der T\u00fcrkei und Russland nicht weniger kompliziert, nicht zuletzt weil Erdo\u011fan und der russische Pr\u00e4sident Wladimir Putin im syrischen B\u00fcrgerkrieg verschiedene Seiten unterst\u00fctzten.Und w\u00e4hrend die Spannungen wegen des Syrien-Konflikts weiterhin bestehen, bewundert Erdo\u011fan deutlich, wie Russland sich \u2013 bei relativ geringen Kosten \u2013 wieder als wichtiger Akteur im Nahen Osten und in Nordafrika etabliert hat.<\/p>\n\n\n\n

Nachdem er in einen nicht zu gewinnenden Krieg im Osten der Ukraine verwickelt war, schien Putins weitgehend erfolgreicher Feldzug in Syrien einen Teil seiner innenpolitischen Autorit\u00e4t wiederherzustellen. Der Westen hatte f\u00fcnf Jahre lang darauf bestanden, dass es keine milit\u00e4rische L\u00f6sung des Konflikts gebe und dass der syrische Pr\u00e4sident Baschar al-Assad gehen m\u00fcsse. Doch w\u00e4hrend die von den Vereinten Nationen unterst\u00fctzten Gespr\u00e4che in Genf zu keinem Ergebnis f\u00fchrten, schienen die von Russland geleiteten Gespr\u00e4che in Astana voranzukommen. Indem der Kreml die T\u00fcrkei und den Iran einbezog, w\u00e4hrend er die westlichen M\u00e4chte ausschloss, erweckte er den Eindruck, dass Russland als wiedergeborene Supermacht aus der Asche auferstanden sei.<\/p>\n\n\n\n

Unter Druck<\/h3>\n\n\n\n

Angesichts des wachsenden Widerstands im eigenen Land macht es Erdo\u011fan Putin gleich. Da der Westen nicht bereit war, (erneut) milit\u00e4risch in Libyen zu intervenieren, sah Erdo\u011fan eine Gelegenheit, die T\u00fcrkei zu positionieren. Nach dem Vorgehen Russlands in Syrien sicherte er sich eine formelle Einladung der libyschen Regierung zur Intervention. Mit einem Schlag Ende letzten Jahres hat er nicht nur das Image der T\u00fcrkei als Regionalmacht gest\u00e4rkt, sondern auch ein Abkommen mit Libyen \u00fcber die Seegrenze abgeschlossen und damit einen Plan Griechenlands, Zyperns, \u00c4gyptens und Israels zur Erschlie\u00dfung von Unterwasser\u00f6l- und -gasfeldern in der N\u00e4he zunichtegemacht.<\/p>\n\n\n\n

Erdo\u011fan scheint auch von der Spalt-und-Eroberungs-Strategie des Kreml in Europa inspiriert worden zu sein, der zufolge oft diejenigen EU-Mitgliedsstaaten unter Druck gesetzt werden, die am meisten von russischen Kohlenwasserstoffen oder M\u00e4rkten abh\u00e4ngig sind. So wie Putin lange Zeit die Energieversorgung instrumentalisiert hat, hat Erdo\u011fan versucht, den Strom von Migranten und Fl\u00fcchtlingen, die vor Konflikten im Nahen Osten fliehen, zu instrumentalisieren. Als die EU eine neue Marinemission ank\u00fcndigte, um den Waffenstrom nach Libyen zu blockieren, malte die T\u00fcrkei f\u00fcr Malta das Schreckgespenst der angeblichen Bedrohung durch Migranten an die Wand. Malta reagierte prompt und signalisierte, dass es gegen die Finanzierung der Mission ein Veto einlegen werde.<\/p>\n\n\n\n

Verlorener Sohn<\/strong><\/h3>\n\n\n\n

Jahrelang redeten sich die Europ\u00e4er ein, dass Russland eine Art verlorener Sohn sei und dass die europ\u00e4ische unipolare Ordnung gesund bleibe. Doch das machte Europa zu einem leichten Ziel f\u00fcr die Trennungs-und-Eroberungs-Strategie des Kreml. Erst vor relativ kurzer Zeit entwarf die Union eine neue Politik und ein robustes Sanktionsregime, um die russische Aggression abzuschrecken. Und selbst jetzt \u2013 trotz der besten Bem\u00fchungen der deutschen Bundeskanzlerin Angela Merkel und des franz\u00f6sischen Pr\u00e4sidenten Emmanuel Macron \u2013 hat die EU noch immer keine wirksamen Kommunikationskan\u00e4le mit Russland geschaffen, um gemeinsame Probleme anzugehen.<\/p>\n\n\n\n

Die T\u00fcrkei ist noch kein neues Russland, aber sie k\u00f6nnte dazu werden, wenn die Situation falsch gehandhabt wird. Vorerst betrachten die meisten Europ\u00e4er die T\u00fcrkei noch immer als einen komplizierten Partner und nicht als \"Systemrivalen\". Aber die Europ\u00e4er sollten die hart erk\u00e4mpften Lehren aus dem Umgang mit Russland in den letzten 15 Jahren beherzigen. Die Beziehungen zwischen der EU und der T\u00fcrkei brauchen neue, einvernehmlich vereinbarte Prinzipien sowie klare Grenzen, um eine weitere Destabilisierung in der Region zu verhindern.<\/p>\n\n\n\n

Zu diesem Zweck sollten die Europ\u00e4er klarstellen, dass der EU-Beitrittsprozess entweder zur\u00fcckgedreht oder vorangetrieben werden kann und dass eine eher transaktionale Beziehung sowohl Zuckerbrot als auch Peitsche beinhaltet. Die Herausforderung wird darin bestehen, daf\u00fcr zu sorgen, dass es in einer Region, die nicht nur von Europa und der T\u00fcrkei, sondern auch von Russland, den USA und einem aufstrebenden China beeinflusst wird, noch Raum f\u00fcr politisches Engagement in Fragen der gemeinsamen Sicherheit gibt. (Mark Leonard, \u00dcbersetzung: Eva G\u00f6llner, Copyright: Project Syndicate, 10.8.2020)<\/p>\n\n\n\n

Mark Leonard <\/strong>ist Direktor des Europ\u00e4ischen Rats f\u00fcr Ausw\u00e4rtige Beziehungen.<\/a><\/p>\n","post_title":"Erdo\u011fan \u2013 der andere Putin vor der Haust\u00fcr Europas","post_excerpt":"","post_status":"publish","comment_status":"closed","ping_status":"closed","post_password":"","post_name":"erdogan-der-andere-putin-vor-der-haustur-europas","to_ping":"","pinged":"","post_modified":"2025-02-02 08:39:39","post_modified_gmt":"2025-02-02 08:39:39","post_content_filtered":"","post_parent":0,"guid":"https:\/\/dctransparency.com\/?p=3789","menu_order":0,"post_type":"post","post_mime_type":"","comment_count":"0","filter":"raw"},{"ID":3786,"post_author":"7","post_date":"2020-08-14 13:51:23","post_date_gmt":"2020-08-14 13:51:23","post_content":"\n

Einen Monat nachdem ich zur israelischen Armee eingezogen worden war, brach die erste Intifada aus. Statt Soldat zu sein, machte ich Polizeiarbeit, sagte den Menschen, wann sie zur Arbeit gehen konnten und wann sie ihre L\u00e4den schlie\u00dfen mussten, wann sie die Grenze passieren und wann sie schlafen konnten. Einen Monat nachdem ich aus der Armee entlassen worden war, ging ich auf Reisen. (In Israel sagen wir: Wir dienen drei Jahre und versuchen den Rest unseres Lebens, diese drei Jahre zu vergessen.) Auf meiner Reise begann ich Briefe an meine Freundin zu schreiben, die ich in Israel zur\u00fcckgelassen hatte.<\/p>\n\n\n\n

Ich schrieb ihr, wie schrecklich depressiv ich war und dass diese drei Jahre des Anweisungenbellens und Anderen-Menschen-Sagens, was sie zu tun haben, mich f\u00fcr immer verfolgen w\u00fcrden. Dass sie ein Teil dessen geworden waren, was ich bin. Ich erinnere mich, dass ich ihr schrieb, dass wir da rausm\u00fcssen \u2013 nicht nur f\u00fcr die Pal\u00e4stinenser, sondern wegen der furchtbaren und brutalen Auswirkungen, die all das auf uns, auf die israelische Gesellschaft haben w\u00fcrde. Sie schrieb zur\u00fcck: \u201eDu hast recht. Ich habe einen neuen Freund.\u201c<\/p>\n\n\n\n

Felix Klein wurde als Beauftragter der Bundesregierung berufen<\/a>, um die Auswirkungen des zunehmenden Antisemitismus in unserer Gesellschaft, in Deutschland, zu bek\u00e4mpfen. Was nicht in seiner Jobbeschreibung steht, ist, dass er dabei unsere Gesellschaft heilen muss, jene Gesellschaft, die diese Form des Hasses reproduziert und sch\u00fctzt. Klein hat das begriffen.<\/p>\n\n\n\n

Er versteht, dass man Krebs nicht mit einem Pflaster verarztet, er wei\u00df, dass er das Bewusstsein der Deutschen sch\u00e4rfen und Diskussionen ansto\u00dfen muss. Er hat begriffen, dass das Problem nicht nur an den R\u00e4ndern der Gesellschaft (bei den Rechten) liegt, sondern auch in ihrer Mitte. Dort, wo gebildete Menschen nicht einmal bemerken, dass das, was sie sagen und tun, antisemitisch ist. So wie sie es auch nicht merken, wenn sie rassistisch handeln. Er hat all das verstanden, und genau deshalb wollen einige, dass er seinen Posten r\u00e4umt.<\/p>\n\n\n\n

Mehr als 60 deutsche und israelische Intellektuelle haben letzte Woche in einem Brief an Kanzlerin Merkel<\/a> dar\u00fcber geklagt, dass der aktuelle \u201eGebrauch des Antisemitismusbegriffs\u201c darauf abziele, \u201elegitime Kritik an der israelischen Regierungspolitik zu unterdr\u00fccken\u201c, und Klein vorgeworfen, rechtspopulistische israelische Stimmen zu f\u00f6rdern.<\/p>\n\n\n\n

Faszinierend an diesem offenen Brief ist, dass viele der Unterzeichneten keine Deutschen sind und auch nicht in Deutschland leben. Ich wei\u00df nicht, woher sie \u2013 die meisten von ihnen sind Israelis \u2013 die Chuzpe haben, sich in eine innerdeutsche Angelegenheit einzumischen und zu fordern, eine Person zu entlassen, die von der Bundesregierung eingesetzt wurde. Die H\u00e4lfte der Unterzeichneten lebt nicht hier, von der anderen H\u00e4lfte sind viele keine Juden \u2013 somit sind die allermeisten von ihnen nicht direkt vom Antisemitismus in Deutschland betroffen. Wie also k\u00f6nnen sie diesen Brief unterschreiben? Und warum eigentlich haben so wenige Deutsche unterschrieben? Dazu komme ich gleich.<\/p>\n\n\n\n

Debatte um Achille Mbembe<\/h6>\n\n\n\n

Hintergrund des Briefs war, dass Felix Klein gefordert hatte, den Philosophen Achille Mbembe<\/a> nicht die Er\u00f6ffnungsrede der Ruhrtriennale halten zu lassen. Als mit \u00f6ffentlichen Mitteln gef\u00f6rdertes Event solle die Ruhrtriennale Mbembe wegen seiner Haltung zu Israels Existenzrecht, seiner Haltung zu BDS und der Art, wie er in einem seiner Werke den Holocaust relativiert, nicht einladen.<\/p>\n\n\n\n

Mbembes Unterst\u00fctzer sagen, keine dieser Anschuldigungen sei wahr. F\u00fcrs Protokoll: In meinen Augen unterst\u00fctzt Mbembe sehr wohl BDS<\/a>, er schrieb unter anderem das Vorwort zu \u201eApartheid Israel\u201c und fordert die komplette Isolation Israels. Ich glaube auch, wenn Mbembe schreibt, die israelische Besetzung sei der \u201egr\u00f6\u00dfte moralische Skandal unserer Zeit\u201c, zeigt das, dass sein moralischer und geografischer Kompass etwas schief ist.<\/p>\n\n\n\n

Doch warum treibt die Debatte so viele Menschen um? Nun, zun\u00e4chst gibt niemand gern auf, was ihm oder ihr selbstverst\u00e4ndlich scheint. \u00dcber den gesamten politischen, sozialen, kulturellen, medialen und akademischen Sektor hinweg sind Menschen daran gew\u00f6hnt, so schlecht \u00fcber Israel sprechen zu k\u00f6nnen, wie auch immer sie wollen.<\/p>\n\n\n\n

Der Spiegel<\/em> hat \u2013 vielleicht in Anlehnung an seine Relotius-Standards, Israel erst k\u00fcrzlich eine Corona-Diktatur genannt. Fakten und Belege f\u00fcr diese Behauptung gab es nicht. Doch Millionen Deutsche haben es gelesen, und es wird nat\u00fcrlich haften bleiben. Faktenlage hin oder her. Der Spiegel<\/em> und andere Medien haben dieses Spiel perfektioniert: Titel so zu drehen, dass sie Israel indirekt anklagen, die Idee zu streuen, der Mossad kon\u00adtrol\u00adliere die deutsche Au\u00dfenpolitik im Nahen Osten, und so fort. Doch sie stehen allesamt sofort auf den Hinterbeinen, wenn jemand es wagt, das Spiel beim Namen zu nennen: moderner Antisemitismus.<\/p>\n\n\n\n

Klein will dem entgegenwirken. Er versteht, dass antisemitische Attacken in Deutschland die Fr\u00fcchte solch falsch gezeichneter Bilder und eindimensionaler Narrative \u00fcber Israel sind. Wenn er und andere versuchen, ein anderes Narrativ aufzuzeigen, wirft man ihnen Zensur vor: Wie k\u00f6nnen sie es wagen, das Gesch\u00e4ft der Anti-Israel-Propaganda zu st\u00f6ren?<\/p>\n\n\n\n

Liebe Deutsche, wenn ihr reden wollt, lasst uns gern reden: \u00fcber die Besetzung, \u00fcber Bibi und alles, was schiefl\u00e4uft. Aber dann lasst uns bitte auch dar\u00fcber reden, wie deutsche Steuergelder Terrortunnel finanzieren. Erst vergangene Woche r\u00e4umte die niederl\u00e4ndische Regierung ein, dass Gelder an eine Landwirtschaftsorganisation in Ramallah geflossen seien, die damit teilweise die Geh\u00e4lter zweier des Mordes an der 17-j\u00e4hrigen Israelin Rina Shnerb Verd\u00e4chtiger gezahlt haben. Auch die Bundesregierung unterst\u00fctzt diese Organisation, obwohl Kritiker schon lange vor Verbindungen zu Terroristen warnen.<\/p>\n\n\n\n

Wir k\u00f6nnen uns also gerne unterhalten \u2013 aber im Dialog, nicht in Monologen. Denn Reden unter Menschen, die sich einig sind, ist nichts anderes als Impotenz.<\/p>\n\n\n\n

Israelkritik als Eintrittskarte<\/h6>\n\n\n\n

Die Israelis, die die Petition unterzeichnet haben, haben \u00fcbrigens ebenfalls etwas verstanden. Seit Jahren wissen sie: Es ist ihre Eintrittskarte in die Mitte der deutschen (und europ\u00e4ischen) Gesellschaft. Man h\u00f6rt nicht oft von Akademikern mit proisraelischen Ansichten. Weder in den Philharmonie-Orchestern noch in der Kunstszene. Die Eintrittskarte daf\u00fcr ist ein antiisraelischer Standpunkt.<\/p>\n\n\n\n

Der mutma\u00dfliche Grund, warum kaum Deutsche die Petition unterzeichnet haben: Sie mussten es nicht. Ihre Lieblingsjuden haben es f\u00fcr sie getan. Jetzt k\u00f6nnen sie sagen: \u201eSchau, ich bin das ja nicht, meine j\u00fcdischen Freunde sagen es.\u201c Ich selbst war einige Jahre lang mit einem Paar hier in Berlin befreundet, bis ich herausfand, dass ich ihr Lieblingsjude war. Ja, selbst das j\u00fcdische Museum wurde so genutzt.<\/p>\n\n\n\n

Weil Attacken gegen Juden ein absolutes Tabu sind, wurden Umwege gefunden, um den Antisemitismus auf kleiner Flamme k\u00f6cheln zu lassen: die unfundierte, unbegr\u00fcndete Kritik an Israel.<\/p>\n\n\n\n

Diese Art der Kritik ist gef\u00e4hrlich. Sie schw\u00e4cht jede begr\u00fcndete und notwendige Kritik am Verhalten Israels. Und das Interessante ist: Trotz all der heftigen, pauschalisierenden Anklagen, all der offenen Briefe driftet Israel politisch immer weiter nach rechts. Doch statt mal einen anderen Ansatz zu versuchen, werden die antiisraelischen Stimmen nur lauter. Dasselbe versuchen und andere Ergebnisse davon erwarten \u2013 das ist die Definition von Wahnsinn.<\/p>\n\n\n\n

Kurz bevor der Prozess gegen den wegen des Attentats von Halle<\/a> Angeklagten begann \u2013 des seit Kriegsende schlimmsten Akts von Antisemitismus in Deutschland \u2013, lud eine Lokalzeitung den fr\u00fcheren Botschafter Shimon Stein und den Historiker Moshe Zimmermann ein, dar\u00fcber zu schreiben, was Antisemitismus ist. Nat\u00fcrlich wendeten auch sie sich gegen Felix Kleins Ansatz. Sie zitieren die Kontroverse um die Umbenennung der U-Bahn-Station Mohrenstra\u00dfe in Glinkastra\u00dfe, die sich darum drehte, dass der russische Komponist Michael Glinka Antisemit gewesen sein soll. Stein und Zimmermann halten die Debatte f\u00fcr \u00fcberzogen, Glinka sei nur ein Kind seiner Zeit gewesen. Folgt man ihrer Logik, k\u00f6nnen wir dann also in 20 oder 30 Jahren U-Bahn-Stationen nach den Kindern der 1930er Jahre benennen?<\/p>\n\n\n\n

Der Antisemit als Tierfreund<\/h6>\n\n\n\n

Ich w\u00fcnschte, die Sache h\u00e4tte mit dem Artikel, mit der Petition geendet. Doch dann erschien ein Artikel, der den Leser auf einen Waldspaziergang mit einem veganen Koch und Antisemiten mitnahm. Darin setzt der Tierfreund erst behutsam einen K\u00e4fer wieder auf seine Beinchen und erkl\u00e4rt dann, dass die Todesstrafe in Deutschland wieder eingef\u00fchrt werden solle, um einen gewissen Politiker (der zuf\u00e4llig pro Israel ist) an seinen Hoden aufh\u00e4ngen zu k\u00f6nnen. Dieser Koch hat Hunderttausende Follower, er sagt all solche Dinge am helllichten Tag in Berlin. Und in den Medien.<\/p>\n\n\n\n

F\u00e4lle wie dieser handeln bereits von Gewalt \u2013 und sie enden nicht bei den Juden. Der Hass richtet sich gegen Frauen<\/a>, Muslime, Gefl\u00fcchtete, \u00adLBTQI. Am Ende aller theoretischen Debatten stehen immer echte Menschen. Am Ende jeder Konferenz dar\u00fcber, was Antisemitismus ausmacht, steht ein potenzielles j\u00fcdisches Opfer. Angesichts einer Welle von Antisemitismus \u00fcber die Definition von Antisemitismus zu streiten ist, wie eine 10 Meter hohe Welle heranrollen zu sehen und dar\u00fcber zu streiten, was einen Tsunami ausmacht.<\/p>\n\n\n\n

Felix Klein versteht, wie absurd es ist, zu sagen: Es sind nur die Rechten. Die Rechten sind Deutsche, so wie die Nazis Deutsche waren. Klein versteht, dass die Deutschen nicht aufgeh\u00f6rt haben, Juden zu ermorden, weil sie irgendeine Art von Erleuchtung hatten. Sondern schlicht, weil sie den Krieg verloren haben. Um den Antisemitismus zu bek\u00e4mpfen, bevor er die Gesellschaft frisst, in der er und wir leben, muss Deutschland seinen moralischen Kompass korrigieren.<\/p>\n\n\n\n

Immerhin: Mehr und mehr Deutsche fahren nach Israel, sie wollen ein anderes Narrativ h\u00f6ren. Mehr und mehr Deutsche verstehen, dass Antisemitismus Schockwellen ausl\u00f6st, die die gesamte Gesellschaft betreffen. In einem normalen Universum w\u00fcrde Klein bef\u00f6rdert werden f\u00fcr seine Leistung. In einer verdrehten Gesellschaft fordern Menschen seine Entlassung. Um es mit Mbembe zu sagen: Das ist Nano-Nonsens.<\/p>\n\n\n\n

\u00dcbersetzung: Ariane Lemme<\/a><\/em><\/p>\n","post_title":"Felix Klein hat verstanden","post_excerpt":"","post_status":"publish","comment_status":"closed","ping_status":"closed","post_password":"","post_name":"felix-klein-hat-verstanden","to_ping":"","pinged":"","post_modified":"2025-02-02 08:39:39","post_modified_gmt":"2025-02-02 08:39:39","post_content_filtered":"","post_parent":0,"guid":"https:\/\/dctransparency.com\/?p=3786","menu_order":0,"post_type":"post","post_mime_type":"","comment_count":"0","filter":"raw"}],"next":false,"prev":true,"total_page":47},"paged":1,"column_class":"jeg_col_2o3","class":"epic_block_3"};

\n
\"\"\/
Freigelegtes Mosaik von \"Christos Pantokrator\".<\/figcaption><\/figure>\n\n\n\n

Neue Fragen<\/h3>\n\n\n\n

Die Kirche wurde von Mehmed II. und Nachfolgern nicht in der Substanz zerst\u00f6rt, sondern \"entchristlicht\". Die urspr\u00fcnglich \u00fcbert\u00fcnchten oder auch abgeschlagenen Mosaiken mit den Darstellungen von Christus, der Muttergottes, diversen Kaisern kamen zum Teil schon unter einem Sultan des 19. Jahrhunderts, dann gro\u00dfteils nach der Museumswidmung wieder zum Vorschein.<\/p>\n\n\n\n

Jetzt stellen sich neue symbolisch-praktische Fragen. Erdo\u011fan hat die Hagia Sophia der konservativen staatlichen Religionsbeh\u00f6rde Diyanet unterstellt. Die byzantinischen Mosaike, wie der gro\u00dfartige \"Christos Pantokrator\" (\"Weltenherrscher\") oder die Jungfrau Maria in der Apsis, m\u00fcssen wohl w\u00e4hrend des islamischen Gottesdiensts verh\u00e4ngt werden. Muss der Boden mit seinen Marmorplatten und Mosaiken mit einem Teppich bedeckt werden? Erdo\u011fan sagt, Touristen seien nach wie vor zugelassen. Aber sie werden wohl hinter Absperrungen bleiben m\u00fcssen. Frauen werden \u2013 wie in der benachbarten \"Blauen Moschee\" (\"Sultanahmed\") Kopftuch tragen m\u00fcssen.<\/p>\n\n\n\n

\"\"\/
Erdo\u011fan mit Gattin in der Hagia Sophia.<\/figcaption><\/figure>\n\n\n\n

Erdo\u011fans neue Abenteuer<\/strong><\/h3>\n\n\n\n

Aber wird da nicht doch zu viel in einen Formalakt rund um ein uraltes Bauwerk hineininterpretiert? Im geschichtlichen Kontext relativiert sich manches: Konstantinopel wurde schon von Christen erobert und ausgepl\u00fcndert \u2013 1204 im Vierten Kreuzzug. In der Moschee von Cordoba (\"Mezquita\") bauten die Katholiken eine ganze Kirche in den ber\u00fchmten S\u00e4ulenwald hinein. Die Mezquita ist heute noch Kirche, kein Museum.<\/p>\n\n\n\n

\"Das ist der Beweis, dass wir kein s\u00e4kularer Staat mehr sein wollen\", sagt Nobelpreistr\u00e4ger Orhan Pamuk. Erdo\u011fan betrachtet sich offenbar als auch neoosmanischer \"Fatih\" im Mittelmeerraum mit immer neuen Abenteuern: Eingreifen in Syrien, Stellvertreterkrieg in Libyen, Anspr\u00fcche auf Erdgasvorkommen weit vor der t\u00fcrkischen K\u00fcste bei Zypern, Reden, wonach manche \u00c4g\u00e4is-Inseln eigentlich zur T\u00fcrkei geh\u00f6ren, \"denn dort stehen unsere Moscheen\". Manches davon ist nur Rhetorik, aber genug anderes ist riskante Realit\u00e4t. (Hans Rauscher, 14.7.2020)<\/p>\n\n\n\n

Quelle<\/a><\/strong><\/p>\n","post_title":"Hagia Sophia: Verengung und Verarmung eines Welterbes","post_excerpt":"","post_status":"publish","comment_status":"closed","ping_status":"closed","post_password":"","post_name":"hagia-sophia-verengung-und-verarmung-eines-welterbes","to_ping":"","pinged":"","post_modified":"2025-02-02 08:39:39","post_modified_gmt":"2025-02-02 08:39:39","post_content_filtered":"","post_parent":0,"guid":"https:\/\/dctransparency.com\/?p=3792","menu_order":0,"post_type":"post","post_mime_type":"","comment_count":"0","filter":"raw"},{"ID":3789,"post_author":"7","post_date":"2020-08-14 13:56:07","post_date_gmt":"2020-08-14 13:56:07","post_content":"\n

Im Gastkommentar pocht Mark Leonard, Direktor des Europ\u00e4ischen Rats f\u00fcr Ausw\u00e4rtige Beziehungen, auf \"neue, einvernehmlich vereinbarte Prinzipien sowie klare Grenzen\", nur so k\u00f6nne eine weitere Destabilisierung in der Region verhindert werden.<\/em><\/strong><\/p>\n\n\n\n

Ist die T\u00fcrkei das neue Russland? Diese Frage wird in den europ\u00e4ischen Hauptst\u00e4dten zunehmend gestellt, da die Au\u00dfenpolitik des t\u00fcrkischen Pr\u00e4sidenten Recep Tayyip Erdo\u011fan zunehmend aggressiver wird. Erdo\u011fan nutzt nicht nur die Migration, um die EU zu bedrohen und zu betr\u00fcgen, sondern setzt auch milit\u00e4rische Macht ein, um den Einflussbereich der T\u00fcrkei auf die gesamte Region auszudehnen.<\/p>\n\n\n\n

Seit dem Ende des Kalten Krieges haben die Europ\u00e4er die regionale Sicherheit durch eine unipolare westliche Linse betrachtet. W\u00e4hrend die Nato die milit\u00e4rische Sicherheit garantierte, sorgte die EU mit ihrem 80.000 Seiten starken Regelwerk f\u00fcr alles von LGBTQ-Rechten bis hin zu Rasenm\u00e4her-Sound-Verordnungen f\u00fcr Rechtsordnung. In den 90er-Jahren ging man allgemein davon aus, dass die beiden gro\u00dfen nichtwestlichen regionalen Akteure, Russland und die T\u00fcrkei, nach und nach an diese Regelungen herangef\u00fchrt werden w\u00fcrden.<\/p>\n\n\n\n

Qu\u00e4lende Hassliebe<\/h3>\n\n\n\n

Doch in den letzten 15 Jahren ist der Traum von der europ\u00e4ischen Unipolarit\u00e4t einer multipolaren Realit\u00e4t gewichen. Sowohl Russland als auch die T\u00fcrkei haben eine lange, qu\u00e4lende Hassliebe zu Europa, und beide sind unter nationalen Machthabern, denen die Verachtung der Normen und Werte der EU gemeinsam ist, durchsetzungsf\u00e4higer geworden.<\/p>\n\n\n\n

Die zunehmende Verschlechterung der Beziehungen zwischen der EU und Russland ist gut dokumentiert, der Fall der T\u00fcrkei weniger. Der Irakkrieg im Jahr 2003 komplizierte das Verh\u00e4ltnis der T\u00fcrkei zur Nato, und ihr Verh\u00e4ltnis zur EU verschlechterte sich 2007, als Frankreich einen wichtigen Teil ihrer EU-Beitrittsverhandlungen blockierte. Seitdem hat die T\u00fcrkei ihren eigenen Weg in Syrien, auf dem Balkan und in Libyen eingeschlagen und neue Beziehungen zu Russland und China aufgebaut.<\/p>\n\n\n\n

Wichtiger Akteur<\/strong><\/h3>\n\n\n\n

Nat\u00fcrlich sind die Beziehungen zwischen der T\u00fcrkei und Russland nicht weniger kompliziert, nicht zuletzt weil Erdo\u011fan und der russische Pr\u00e4sident Wladimir Putin im syrischen B\u00fcrgerkrieg verschiedene Seiten unterst\u00fctzten.Und w\u00e4hrend die Spannungen wegen des Syrien-Konflikts weiterhin bestehen, bewundert Erdo\u011fan deutlich, wie Russland sich \u2013 bei relativ geringen Kosten \u2013 wieder als wichtiger Akteur im Nahen Osten und in Nordafrika etabliert hat.<\/p>\n\n\n\n

Nachdem er in einen nicht zu gewinnenden Krieg im Osten der Ukraine verwickelt war, schien Putins weitgehend erfolgreicher Feldzug in Syrien einen Teil seiner innenpolitischen Autorit\u00e4t wiederherzustellen. Der Westen hatte f\u00fcnf Jahre lang darauf bestanden, dass es keine milit\u00e4rische L\u00f6sung des Konflikts gebe und dass der syrische Pr\u00e4sident Baschar al-Assad gehen m\u00fcsse. Doch w\u00e4hrend die von den Vereinten Nationen unterst\u00fctzten Gespr\u00e4che in Genf zu keinem Ergebnis f\u00fchrten, schienen die von Russland geleiteten Gespr\u00e4che in Astana voranzukommen. Indem der Kreml die T\u00fcrkei und den Iran einbezog, w\u00e4hrend er die westlichen M\u00e4chte ausschloss, erweckte er den Eindruck, dass Russland als wiedergeborene Supermacht aus der Asche auferstanden sei.<\/p>\n\n\n\n

Unter Druck<\/h3>\n\n\n\n

Angesichts des wachsenden Widerstands im eigenen Land macht es Erdo\u011fan Putin gleich. Da der Westen nicht bereit war, (erneut) milit\u00e4risch in Libyen zu intervenieren, sah Erdo\u011fan eine Gelegenheit, die T\u00fcrkei zu positionieren. Nach dem Vorgehen Russlands in Syrien sicherte er sich eine formelle Einladung der libyschen Regierung zur Intervention. Mit einem Schlag Ende letzten Jahres hat er nicht nur das Image der T\u00fcrkei als Regionalmacht gest\u00e4rkt, sondern auch ein Abkommen mit Libyen \u00fcber die Seegrenze abgeschlossen und damit einen Plan Griechenlands, Zyperns, \u00c4gyptens und Israels zur Erschlie\u00dfung von Unterwasser\u00f6l- und -gasfeldern in der N\u00e4he zunichtegemacht.<\/p>\n\n\n\n

Erdo\u011fan scheint auch von der Spalt-und-Eroberungs-Strategie des Kreml in Europa inspiriert worden zu sein, der zufolge oft diejenigen EU-Mitgliedsstaaten unter Druck gesetzt werden, die am meisten von russischen Kohlenwasserstoffen oder M\u00e4rkten abh\u00e4ngig sind. So wie Putin lange Zeit die Energieversorgung instrumentalisiert hat, hat Erdo\u011fan versucht, den Strom von Migranten und Fl\u00fcchtlingen, die vor Konflikten im Nahen Osten fliehen, zu instrumentalisieren. Als die EU eine neue Marinemission ank\u00fcndigte, um den Waffenstrom nach Libyen zu blockieren, malte die T\u00fcrkei f\u00fcr Malta das Schreckgespenst der angeblichen Bedrohung durch Migranten an die Wand. Malta reagierte prompt und signalisierte, dass es gegen die Finanzierung der Mission ein Veto einlegen werde.<\/p>\n\n\n\n

Verlorener Sohn<\/strong><\/h3>\n\n\n\n

Jahrelang redeten sich die Europ\u00e4er ein, dass Russland eine Art verlorener Sohn sei und dass die europ\u00e4ische unipolare Ordnung gesund bleibe. Doch das machte Europa zu einem leichten Ziel f\u00fcr die Trennungs-und-Eroberungs-Strategie des Kreml. Erst vor relativ kurzer Zeit entwarf die Union eine neue Politik und ein robustes Sanktionsregime, um die russische Aggression abzuschrecken. Und selbst jetzt \u2013 trotz der besten Bem\u00fchungen der deutschen Bundeskanzlerin Angela Merkel und des franz\u00f6sischen Pr\u00e4sidenten Emmanuel Macron \u2013 hat die EU noch immer keine wirksamen Kommunikationskan\u00e4le mit Russland geschaffen, um gemeinsame Probleme anzugehen.<\/p>\n\n\n\n

Die T\u00fcrkei ist noch kein neues Russland, aber sie k\u00f6nnte dazu werden, wenn die Situation falsch gehandhabt wird. Vorerst betrachten die meisten Europ\u00e4er die T\u00fcrkei noch immer als einen komplizierten Partner und nicht als \"Systemrivalen\". Aber die Europ\u00e4er sollten die hart erk\u00e4mpften Lehren aus dem Umgang mit Russland in den letzten 15 Jahren beherzigen. Die Beziehungen zwischen der EU und der T\u00fcrkei brauchen neue, einvernehmlich vereinbarte Prinzipien sowie klare Grenzen, um eine weitere Destabilisierung in der Region zu verhindern.<\/p>\n\n\n\n

Zu diesem Zweck sollten die Europ\u00e4er klarstellen, dass der EU-Beitrittsprozess entweder zur\u00fcckgedreht oder vorangetrieben werden kann und dass eine eher transaktionale Beziehung sowohl Zuckerbrot als auch Peitsche beinhaltet. Die Herausforderung wird darin bestehen, daf\u00fcr zu sorgen, dass es in einer Region, die nicht nur von Europa und der T\u00fcrkei, sondern auch von Russland, den USA und einem aufstrebenden China beeinflusst wird, noch Raum f\u00fcr politisches Engagement in Fragen der gemeinsamen Sicherheit gibt. (Mark Leonard, \u00dcbersetzung: Eva G\u00f6llner, Copyright: Project Syndicate, 10.8.2020)<\/p>\n\n\n\n

Mark Leonard <\/strong>ist Direktor des Europ\u00e4ischen Rats f\u00fcr Ausw\u00e4rtige Beziehungen.<\/a><\/p>\n","post_title":"Erdo\u011fan \u2013 der andere Putin vor der Haust\u00fcr Europas","post_excerpt":"","post_status":"publish","comment_status":"closed","ping_status":"closed","post_password":"","post_name":"erdogan-der-andere-putin-vor-der-haustur-europas","to_ping":"","pinged":"","post_modified":"2025-02-02 08:39:39","post_modified_gmt":"2025-02-02 08:39:39","post_content_filtered":"","post_parent":0,"guid":"https:\/\/dctransparency.com\/?p=3789","menu_order":0,"post_type":"post","post_mime_type":"","comment_count":"0","filter":"raw"},{"ID":3786,"post_author":"7","post_date":"2020-08-14 13:51:23","post_date_gmt":"2020-08-14 13:51:23","post_content":"\n

Einen Monat nachdem ich zur israelischen Armee eingezogen worden war, brach die erste Intifada aus. Statt Soldat zu sein, machte ich Polizeiarbeit, sagte den Menschen, wann sie zur Arbeit gehen konnten und wann sie ihre L\u00e4den schlie\u00dfen mussten, wann sie die Grenze passieren und wann sie schlafen konnten. Einen Monat nachdem ich aus der Armee entlassen worden war, ging ich auf Reisen. (In Israel sagen wir: Wir dienen drei Jahre und versuchen den Rest unseres Lebens, diese drei Jahre zu vergessen.) Auf meiner Reise begann ich Briefe an meine Freundin zu schreiben, die ich in Israel zur\u00fcckgelassen hatte.<\/p>\n\n\n\n

Ich schrieb ihr, wie schrecklich depressiv ich war und dass diese drei Jahre des Anweisungenbellens und Anderen-Menschen-Sagens, was sie zu tun haben, mich f\u00fcr immer verfolgen w\u00fcrden. Dass sie ein Teil dessen geworden waren, was ich bin. Ich erinnere mich, dass ich ihr schrieb, dass wir da rausm\u00fcssen \u2013 nicht nur f\u00fcr die Pal\u00e4stinenser, sondern wegen der furchtbaren und brutalen Auswirkungen, die all das auf uns, auf die israelische Gesellschaft haben w\u00fcrde. Sie schrieb zur\u00fcck: \u201eDu hast recht. Ich habe einen neuen Freund.\u201c<\/p>\n\n\n\n

Felix Klein wurde als Beauftragter der Bundesregierung berufen<\/a>, um die Auswirkungen des zunehmenden Antisemitismus in unserer Gesellschaft, in Deutschland, zu bek\u00e4mpfen. Was nicht in seiner Jobbeschreibung steht, ist, dass er dabei unsere Gesellschaft heilen muss, jene Gesellschaft, die diese Form des Hasses reproduziert und sch\u00fctzt. Klein hat das begriffen.<\/p>\n\n\n\n

Er versteht, dass man Krebs nicht mit einem Pflaster verarztet, er wei\u00df, dass er das Bewusstsein der Deutschen sch\u00e4rfen und Diskussionen ansto\u00dfen muss. Er hat begriffen, dass das Problem nicht nur an den R\u00e4ndern der Gesellschaft (bei den Rechten) liegt, sondern auch in ihrer Mitte. Dort, wo gebildete Menschen nicht einmal bemerken, dass das, was sie sagen und tun, antisemitisch ist. So wie sie es auch nicht merken, wenn sie rassistisch handeln. Er hat all das verstanden, und genau deshalb wollen einige, dass er seinen Posten r\u00e4umt.<\/p>\n\n\n\n

Mehr als 60 deutsche und israelische Intellektuelle haben letzte Woche in einem Brief an Kanzlerin Merkel<\/a> dar\u00fcber geklagt, dass der aktuelle \u201eGebrauch des Antisemitismusbegriffs\u201c darauf abziele, \u201elegitime Kritik an der israelischen Regierungspolitik zu unterdr\u00fccken\u201c, und Klein vorgeworfen, rechtspopulistische israelische Stimmen zu f\u00f6rdern.<\/p>\n\n\n\n

Faszinierend an diesem offenen Brief ist, dass viele der Unterzeichneten keine Deutschen sind und auch nicht in Deutschland leben. Ich wei\u00df nicht, woher sie \u2013 die meisten von ihnen sind Israelis \u2013 die Chuzpe haben, sich in eine innerdeutsche Angelegenheit einzumischen und zu fordern, eine Person zu entlassen, die von der Bundesregierung eingesetzt wurde. Die H\u00e4lfte der Unterzeichneten lebt nicht hier, von der anderen H\u00e4lfte sind viele keine Juden \u2013 somit sind die allermeisten von ihnen nicht direkt vom Antisemitismus in Deutschland betroffen. Wie also k\u00f6nnen sie diesen Brief unterschreiben? Und warum eigentlich haben so wenige Deutsche unterschrieben? Dazu komme ich gleich.<\/p>\n\n\n\n

Debatte um Achille Mbembe<\/h6>\n\n\n\n

Hintergrund des Briefs war, dass Felix Klein gefordert hatte, den Philosophen Achille Mbembe<\/a> nicht die Er\u00f6ffnungsrede der Ruhrtriennale halten zu lassen. Als mit \u00f6ffentlichen Mitteln gef\u00f6rdertes Event solle die Ruhrtriennale Mbembe wegen seiner Haltung zu Israels Existenzrecht, seiner Haltung zu BDS und der Art, wie er in einem seiner Werke den Holocaust relativiert, nicht einladen.<\/p>\n\n\n\n

Mbembes Unterst\u00fctzer sagen, keine dieser Anschuldigungen sei wahr. F\u00fcrs Protokoll: In meinen Augen unterst\u00fctzt Mbembe sehr wohl BDS<\/a>, er schrieb unter anderem das Vorwort zu \u201eApartheid Israel\u201c und fordert die komplette Isolation Israels. Ich glaube auch, wenn Mbembe schreibt, die israelische Besetzung sei der \u201egr\u00f6\u00dfte moralische Skandal unserer Zeit\u201c, zeigt das, dass sein moralischer und geografischer Kompass etwas schief ist.<\/p>\n\n\n\n

Doch warum treibt die Debatte so viele Menschen um? Nun, zun\u00e4chst gibt niemand gern auf, was ihm oder ihr selbstverst\u00e4ndlich scheint. \u00dcber den gesamten politischen, sozialen, kulturellen, medialen und akademischen Sektor hinweg sind Menschen daran gew\u00f6hnt, so schlecht \u00fcber Israel sprechen zu k\u00f6nnen, wie auch immer sie wollen.<\/p>\n\n\n\n

Der Spiegel<\/em> hat \u2013 vielleicht in Anlehnung an seine Relotius-Standards, Israel erst k\u00fcrzlich eine Corona-Diktatur genannt. Fakten und Belege f\u00fcr diese Behauptung gab es nicht. Doch Millionen Deutsche haben es gelesen, und es wird nat\u00fcrlich haften bleiben. Faktenlage hin oder her. Der Spiegel<\/em> und andere Medien haben dieses Spiel perfektioniert: Titel so zu drehen, dass sie Israel indirekt anklagen, die Idee zu streuen, der Mossad kon\u00adtrol\u00adliere die deutsche Au\u00dfenpolitik im Nahen Osten, und so fort. Doch sie stehen allesamt sofort auf den Hinterbeinen, wenn jemand es wagt, das Spiel beim Namen zu nennen: moderner Antisemitismus.<\/p>\n\n\n\n

Klein will dem entgegenwirken. Er versteht, dass antisemitische Attacken in Deutschland die Fr\u00fcchte solch falsch gezeichneter Bilder und eindimensionaler Narrative \u00fcber Israel sind. Wenn er und andere versuchen, ein anderes Narrativ aufzuzeigen, wirft man ihnen Zensur vor: Wie k\u00f6nnen sie es wagen, das Gesch\u00e4ft der Anti-Israel-Propaganda zu st\u00f6ren?<\/p>\n\n\n\n

Liebe Deutsche, wenn ihr reden wollt, lasst uns gern reden: \u00fcber die Besetzung, \u00fcber Bibi und alles, was schiefl\u00e4uft. Aber dann lasst uns bitte auch dar\u00fcber reden, wie deutsche Steuergelder Terrortunnel finanzieren. Erst vergangene Woche r\u00e4umte die niederl\u00e4ndische Regierung ein, dass Gelder an eine Landwirtschaftsorganisation in Ramallah geflossen seien, die damit teilweise die Geh\u00e4lter zweier des Mordes an der 17-j\u00e4hrigen Israelin Rina Shnerb Verd\u00e4chtiger gezahlt haben. Auch die Bundesregierung unterst\u00fctzt diese Organisation, obwohl Kritiker schon lange vor Verbindungen zu Terroristen warnen.<\/p>\n\n\n\n

Wir k\u00f6nnen uns also gerne unterhalten \u2013 aber im Dialog, nicht in Monologen. Denn Reden unter Menschen, die sich einig sind, ist nichts anderes als Impotenz.<\/p>\n\n\n\n

Israelkritik als Eintrittskarte<\/h6>\n\n\n\n

Die Israelis, die die Petition unterzeichnet haben, haben \u00fcbrigens ebenfalls etwas verstanden. Seit Jahren wissen sie: Es ist ihre Eintrittskarte in die Mitte der deutschen (und europ\u00e4ischen) Gesellschaft. Man h\u00f6rt nicht oft von Akademikern mit proisraelischen Ansichten. Weder in den Philharmonie-Orchestern noch in der Kunstszene. Die Eintrittskarte daf\u00fcr ist ein antiisraelischer Standpunkt.<\/p>\n\n\n\n

Der mutma\u00dfliche Grund, warum kaum Deutsche die Petition unterzeichnet haben: Sie mussten es nicht. Ihre Lieblingsjuden haben es f\u00fcr sie getan. Jetzt k\u00f6nnen sie sagen: \u201eSchau, ich bin das ja nicht, meine j\u00fcdischen Freunde sagen es.\u201c Ich selbst war einige Jahre lang mit einem Paar hier in Berlin befreundet, bis ich herausfand, dass ich ihr Lieblingsjude war. Ja, selbst das j\u00fcdische Museum wurde so genutzt.<\/p>\n\n\n\n

Weil Attacken gegen Juden ein absolutes Tabu sind, wurden Umwege gefunden, um den Antisemitismus auf kleiner Flamme k\u00f6cheln zu lassen: die unfundierte, unbegr\u00fcndete Kritik an Israel.<\/p>\n\n\n\n

Diese Art der Kritik ist gef\u00e4hrlich. Sie schw\u00e4cht jede begr\u00fcndete und notwendige Kritik am Verhalten Israels. Und das Interessante ist: Trotz all der heftigen, pauschalisierenden Anklagen, all der offenen Briefe driftet Israel politisch immer weiter nach rechts. Doch statt mal einen anderen Ansatz zu versuchen, werden die antiisraelischen Stimmen nur lauter. Dasselbe versuchen und andere Ergebnisse davon erwarten \u2013 das ist die Definition von Wahnsinn.<\/p>\n\n\n\n

Kurz bevor der Prozess gegen den wegen des Attentats von Halle<\/a> Angeklagten begann \u2013 des seit Kriegsende schlimmsten Akts von Antisemitismus in Deutschland \u2013, lud eine Lokalzeitung den fr\u00fcheren Botschafter Shimon Stein und den Historiker Moshe Zimmermann ein, dar\u00fcber zu schreiben, was Antisemitismus ist. Nat\u00fcrlich wendeten auch sie sich gegen Felix Kleins Ansatz. Sie zitieren die Kontroverse um die Umbenennung der U-Bahn-Station Mohrenstra\u00dfe in Glinkastra\u00dfe, die sich darum drehte, dass der russische Komponist Michael Glinka Antisemit gewesen sein soll. Stein und Zimmermann halten die Debatte f\u00fcr \u00fcberzogen, Glinka sei nur ein Kind seiner Zeit gewesen. Folgt man ihrer Logik, k\u00f6nnen wir dann also in 20 oder 30 Jahren U-Bahn-Stationen nach den Kindern der 1930er Jahre benennen?<\/p>\n\n\n\n

Der Antisemit als Tierfreund<\/h6>\n\n\n\n

Ich w\u00fcnschte, die Sache h\u00e4tte mit dem Artikel, mit der Petition geendet. Doch dann erschien ein Artikel, der den Leser auf einen Waldspaziergang mit einem veganen Koch und Antisemiten mitnahm. Darin setzt der Tierfreund erst behutsam einen K\u00e4fer wieder auf seine Beinchen und erkl\u00e4rt dann, dass die Todesstrafe in Deutschland wieder eingef\u00fchrt werden solle, um einen gewissen Politiker (der zuf\u00e4llig pro Israel ist) an seinen Hoden aufh\u00e4ngen zu k\u00f6nnen. Dieser Koch hat Hunderttausende Follower, er sagt all solche Dinge am helllichten Tag in Berlin. Und in den Medien.<\/p>\n\n\n\n

F\u00e4lle wie dieser handeln bereits von Gewalt \u2013 und sie enden nicht bei den Juden. Der Hass richtet sich gegen Frauen<\/a>, Muslime, Gefl\u00fcchtete, \u00adLBTQI. Am Ende aller theoretischen Debatten stehen immer echte Menschen. Am Ende jeder Konferenz dar\u00fcber, was Antisemitismus ausmacht, steht ein potenzielles j\u00fcdisches Opfer. Angesichts einer Welle von Antisemitismus \u00fcber die Definition von Antisemitismus zu streiten ist, wie eine 10 Meter hohe Welle heranrollen zu sehen und dar\u00fcber zu streiten, was einen Tsunami ausmacht.<\/p>\n\n\n\n

Felix Klein versteht, wie absurd es ist, zu sagen: Es sind nur die Rechten. Die Rechten sind Deutsche, so wie die Nazis Deutsche waren. Klein versteht, dass die Deutschen nicht aufgeh\u00f6rt haben, Juden zu ermorden, weil sie irgendeine Art von Erleuchtung hatten. Sondern schlicht, weil sie den Krieg verloren haben. Um den Antisemitismus zu bek\u00e4mpfen, bevor er die Gesellschaft frisst, in der er und wir leben, muss Deutschland seinen moralischen Kompass korrigieren.<\/p>\n\n\n\n

Immerhin: Mehr und mehr Deutsche fahren nach Israel, sie wollen ein anderes Narrativ h\u00f6ren. Mehr und mehr Deutsche verstehen, dass Antisemitismus Schockwellen ausl\u00f6st, die die gesamte Gesellschaft betreffen. In einem normalen Universum w\u00fcrde Klein bef\u00f6rdert werden f\u00fcr seine Leistung. In einer verdrehten Gesellschaft fordern Menschen seine Entlassung. Um es mit Mbembe zu sagen: Das ist Nano-Nonsens.<\/p>\n\n\n\n

\u00dcbersetzung: Ariane Lemme<\/a><\/em><\/p>\n","post_title":"Felix Klein hat verstanden","post_excerpt":"","post_status":"publish","comment_status":"closed","ping_status":"closed","post_password":"","post_name":"felix-klein-hat-verstanden","to_ping":"","pinged":"","post_modified":"2025-02-02 08:39:39","post_modified_gmt":"2025-02-02 08:39:39","post_content_filtered":"","post_parent":0,"guid":"https:\/\/dctransparency.com\/?p=3786","menu_order":0,"post_type":"post","post_mime_type":"","comment_count":"0","filter":"raw"}],"next":false,"prev":true,"total_page":47},"paged":1,"column_class":"jeg_col_2o3","class":"epic_block_3"};

\n

Die Hagia Sophia war Staatskirche des byzantinischen Reichs. F\u00fcr die Eroberer der letzte Schlussstein in der Kuppel osmanisch-muslimischen Herrschaftsanspruchs. Konstantinopel war ja 1453 nur noch eine isolierte, heruntergekommene Enklave in einem osmanischen Umfeld, kein christliches Heer kam zu Hilfe. Doch vorher war es zugleich Sperrriegel nach Osten und Geistesarchiv der antiken Kultur gewesen. \"Ohne Byzanz h\u00e4tte es kein Europa gegeben\", sagt die britische Altertumsforscherin Judith Herrin.<\/p>\n\n\n\n

\"\"\/
Freigelegtes Mosaik von \"Christos Pantokrator\".<\/figcaption><\/figure>\n\n\n\n

Neue Fragen<\/h3>\n\n\n\n

Die Kirche wurde von Mehmed II. und Nachfolgern nicht in der Substanz zerst\u00f6rt, sondern \"entchristlicht\". Die urspr\u00fcnglich \u00fcbert\u00fcnchten oder auch abgeschlagenen Mosaiken mit den Darstellungen von Christus, der Muttergottes, diversen Kaisern kamen zum Teil schon unter einem Sultan des 19. Jahrhunderts, dann gro\u00dfteils nach der Museumswidmung wieder zum Vorschein.<\/p>\n\n\n\n

Jetzt stellen sich neue symbolisch-praktische Fragen. Erdo\u011fan hat die Hagia Sophia der konservativen staatlichen Religionsbeh\u00f6rde Diyanet unterstellt. Die byzantinischen Mosaike, wie der gro\u00dfartige \"Christos Pantokrator\" (\"Weltenherrscher\") oder die Jungfrau Maria in der Apsis, m\u00fcssen wohl w\u00e4hrend des islamischen Gottesdiensts verh\u00e4ngt werden. Muss der Boden mit seinen Marmorplatten und Mosaiken mit einem Teppich bedeckt werden? Erdo\u011fan sagt, Touristen seien nach wie vor zugelassen. Aber sie werden wohl hinter Absperrungen bleiben m\u00fcssen. Frauen werden \u2013 wie in der benachbarten \"Blauen Moschee\" (\"Sultanahmed\") Kopftuch tragen m\u00fcssen.<\/p>\n\n\n\n

\"\"\/
Erdo\u011fan mit Gattin in der Hagia Sophia.<\/figcaption><\/figure>\n\n\n\n

Erdo\u011fans neue Abenteuer<\/strong><\/h3>\n\n\n\n

Aber wird da nicht doch zu viel in einen Formalakt rund um ein uraltes Bauwerk hineininterpretiert? Im geschichtlichen Kontext relativiert sich manches: Konstantinopel wurde schon von Christen erobert und ausgepl\u00fcndert \u2013 1204 im Vierten Kreuzzug. In der Moschee von Cordoba (\"Mezquita\") bauten die Katholiken eine ganze Kirche in den ber\u00fchmten S\u00e4ulenwald hinein. Die Mezquita ist heute noch Kirche, kein Museum.<\/p>\n\n\n\n

\"Das ist der Beweis, dass wir kein s\u00e4kularer Staat mehr sein wollen\", sagt Nobelpreistr\u00e4ger Orhan Pamuk. Erdo\u011fan betrachtet sich offenbar als auch neoosmanischer \"Fatih\" im Mittelmeerraum mit immer neuen Abenteuern: Eingreifen in Syrien, Stellvertreterkrieg in Libyen, Anspr\u00fcche auf Erdgasvorkommen weit vor der t\u00fcrkischen K\u00fcste bei Zypern, Reden, wonach manche \u00c4g\u00e4is-Inseln eigentlich zur T\u00fcrkei geh\u00f6ren, \"denn dort stehen unsere Moscheen\". Manches davon ist nur Rhetorik, aber genug anderes ist riskante Realit\u00e4t. (Hans Rauscher, 14.7.2020)<\/p>\n\n\n\n

Quelle<\/a><\/strong><\/p>\n","post_title":"Hagia Sophia: Verengung und Verarmung eines Welterbes","post_excerpt":"","post_status":"publish","comment_status":"closed","ping_status":"closed","post_password":"","post_name":"hagia-sophia-verengung-und-verarmung-eines-welterbes","to_ping":"","pinged":"","post_modified":"2025-02-02 08:39:39","post_modified_gmt":"2025-02-02 08:39:39","post_content_filtered":"","post_parent":0,"guid":"https:\/\/dctransparency.com\/?p=3792","menu_order":0,"post_type":"post","post_mime_type":"","comment_count":"0","filter":"raw"},{"ID":3789,"post_author":"7","post_date":"2020-08-14 13:56:07","post_date_gmt":"2020-08-14 13:56:07","post_content":"\n

Im Gastkommentar pocht Mark Leonard, Direktor des Europ\u00e4ischen Rats f\u00fcr Ausw\u00e4rtige Beziehungen, auf \"neue, einvernehmlich vereinbarte Prinzipien sowie klare Grenzen\", nur so k\u00f6nne eine weitere Destabilisierung in der Region verhindert werden.<\/em><\/strong><\/p>\n\n\n\n

Ist die T\u00fcrkei das neue Russland? Diese Frage wird in den europ\u00e4ischen Hauptst\u00e4dten zunehmend gestellt, da die Au\u00dfenpolitik des t\u00fcrkischen Pr\u00e4sidenten Recep Tayyip Erdo\u011fan zunehmend aggressiver wird. Erdo\u011fan nutzt nicht nur die Migration, um die EU zu bedrohen und zu betr\u00fcgen, sondern setzt auch milit\u00e4rische Macht ein, um den Einflussbereich der T\u00fcrkei auf die gesamte Region auszudehnen.<\/p>\n\n\n\n

Seit dem Ende des Kalten Krieges haben die Europ\u00e4er die regionale Sicherheit durch eine unipolare westliche Linse betrachtet. W\u00e4hrend die Nato die milit\u00e4rische Sicherheit garantierte, sorgte die EU mit ihrem 80.000 Seiten starken Regelwerk f\u00fcr alles von LGBTQ-Rechten bis hin zu Rasenm\u00e4her-Sound-Verordnungen f\u00fcr Rechtsordnung. In den 90er-Jahren ging man allgemein davon aus, dass die beiden gro\u00dfen nichtwestlichen regionalen Akteure, Russland und die T\u00fcrkei, nach und nach an diese Regelungen herangef\u00fchrt werden w\u00fcrden.<\/p>\n\n\n\n

Qu\u00e4lende Hassliebe<\/h3>\n\n\n\n

Doch in den letzten 15 Jahren ist der Traum von der europ\u00e4ischen Unipolarit\u00e4t einer multipolaren Realit\u00e4t gewichen. Sowohl Russland als auch die T\u00fcrkei haben eine lange, qu\u00e4lende Hassliebe zu Europa, und beide sind unter nationalen Machthabern, denen die Verachtung der Normen und Werte der EU gemeinsam ist, durchsetzungsf\u00e4higer geworden.<\/p>\n\n\n\n

Die zunehmende Verschlechterung der Beziehungen zwischen der EU und Russland ist gut dokumentiert, der Fall der T\u00fcrkei weniger. Der Irakkrieg im Jahr 2003 komplizierte das Verh\u00e4ltnis der T\u00fcrkei zur Nato, und ihr Verh\u00e4ltnis zur EU verschlechterte sich 2007, als Frankreich einen wichtigen Teil ihrer EU-Beitrittsverhandlungen blockierte. Seitdem hat die T\u00fcrkei ihren eigenen Weg in Syrien, auf dem Balkan und in Libyen eingeschlagen und neue Beziehungen zu Russland und China aufgebaut.<\/p>\n\n\n\n

Wichtiger Akteur<\/strong><\/h3>\n\n\n\n

Nat\u00fcrlich sind die Beziehungen zwischen der T\u00fcrkei und Russland nicht weniger kompliziert, nicht zuletzt weil Erdo\u011fan und der russische Pr\u00e4sident Wladimir Putin im syrischen B\u00fcrgerkrieg verschiedene Seiten unterst\u00fctzten.Und w\u00e4hrend die Spannungen wegen des Syrien-Konflikts weiterhin bestehen, bewundert Erdo\u011fan deutlich, wie Russland sich \u2013 bei relativ geringen Kosten \u2013 wieder als wichtiger Akteur im Nahen Osten und in Nordafrika etabliert hat.<\/p>\n\n\n\n

Nachdem er in einen nicht zu gewinnenden Krieg im Osten der Ukraine verwickelt war, schien Putins weitgehend erfolgreicher Feldzug in Syrien einen Teil seiner innenpolitischen Autorit\u00e4t wiederherzustellen. Der Westen hatte f\u00fcnf Jahre lang darauf bestanden, dass es keine milit\u00e4rische L\u00f6sung des Konflikts gebe und dass der syrische Pr\u00e4sident Baschar al-Assad gehen m\u00fcsse. Doch w\u00e4hrend die von den Vereinten Nationen unterst\u00fctzten Gespr\u00e4che in Genf zu keinem Ergebnis f\u00fchrten, schienen die von Russland geleiteten Gespr\u00e4che in Astana voranzukommen. Indem der Kreml die T\u00fcrkei und den Iran einbezog, w\u00e4hrend er die westlichen M\u00e4chte ausschloss, erweckte er den Eindruck, dass Russland als wiedergeborene Supermacht aus der Asche auferstanden sei.<\/p>\n\n\n\n

Unter Druck<\/h3>\n\n\n\n

Angesichts des wachsenden Widerstands im eigenen Land macht es Erdo\u011fan Putin gleich. Da der Westen nicht bereit war, (erneut) milit\u00e4risch in Libyen zu intervenieren, sah Erdo\u011fan eine Gelegenheit, die T\u00fcrkei zu positionieren. Nach dem Vorgehen Russlands in Syrien sicherte er sich eine formelle Einladung der libyschen Regierung zur Intervention. Mit einem Schlag Ende letzten Jahres hat er nicht nur das Image der T\u00fcrkei als Regionalmacht gest\u00e4rkt, sondern auch ein Abkommen mit Libyen \u00fcber die Seegrenze abgeschlossen und damit einen Plan Griechenlands, Zyperns, \u00c4gyptens und Israels zur Erschlie\u00dfung von Unterwasser\u00f6l- und -gasfeldern in der N\u00e4he zunichtegemacht.<\/p>\n\n\n\n

Erdo\u011fan scheint auch von der Spalt-und-Eroberungs-Strategie des Kreml in Europa inspiriert worden zu sein, der zufolge oft diejenigen EU-Mitgliedsstaaten unter Druck gesetzt werden, die am meisten von russischen Kohlenwasserstoffen oder M\u00e4rkten abh\u00e4ngig sind. So wie Putin lange Zeit die Energieversorgung instrumentalisiert hat, hat Erdo\u011fan versucht, den Strom von Migranten und Fl\u00fcchtlingen, die vor Konflikten im Nahen Osten fliehen, zu instrumentalisieren. Als die EU eine neue Marinemission ank\u00fcndigte, um den Waffenstrom nach Libyen zu blockieren, malte die T\u00fcrkei f\u00fcr Malta das Schreckgespenst der angeblichen Bedrohung durch Migranten an die Wand. Malta reagierte prompt und signalisierte, dass es gegen die Finanzierung der Mission ein Veto einlegen werde.<\/p>\n\n\n\n

Verlorener Sohn<\/strong><\/h3>\n\n\n\n

Jahrelang redeten sich die Europ\u00e4er ein, dass Russland eine Art verlorener Sohn sei und dass die europ\u00e4ische unipolare Ordnung gesund bleibe. Doch das machte Europa zu einem leichten Ziel f\u00fcr die Trennungs-und-Eroberungs-Strategie des Kreml. Erst vor relativ kurzer Zeit entwarf die Union eine neue Politik und ein robustes Sanktionsregime, um die russische Aggression abzuschrecken. Und selbst jetzt \u2013 trotz der besten Bem\u00fchungen der deutschen Bundeskanzlerin Angela Merkel und des franz\u00f6sischen Pr\u00e4sidenten Emmanuel Macron \u2013 hat die EU noch immer keine wirksamen Kommunikationskan\u00e4le mit Russland geschaffen, um gemeinsame Probleme anzugehen.<\/p>\n\n\n\n

Die T\u00fcrkei ist noch kein neues Russland, aber sie k\u00f6nnte dazu werden, wenn die Situation falsch gehandhabt wird. Vorerst betrachten die meisten Europ\u00e4er die T\u00fcrkei noch immer als einen komplizierten Partner und nicht als \"Systemrivalen\". Aber die Europ\u00e4er sollten die hart erk\u00e4mpften Lehren aus dem Umgang mit Russland in den letzten 15 Jahren beherzigen. Die Beziehungen zwischen der EU und der T\u00fcrkei brauchen neue, einvernehmlich vereinbarte Prinzipien sowie klare Grenzen, um eine weitere Destabilisierung in der Region zu verhindern.<\/p>\n\n\n\n

Zu diesem Zweck sollten die Europ\u00e4er klarstellen, dass der EU-Beitrittsprozess entweder zur\u00fcckgedreht oder vorangetrieben werden kann und dass eine eher transaktionale Beziehung sowohl Zuckerbrot als auch Peitsche beinhaltet. Die Herausforderung wird darin bestehen, daf\u00fcr zu sorgen, dass es in einer Region, die nicht nur von Europa und der T\u00fcrkei, sondern auch von Russland, den USA und einem aufstrebenden China beeinflusst wird, noch Raum f\u00fcr politisches Engagement in Fragen der gemeinsamen Sicherheit gibt. (Mark Leonard, \u00dcbersetzung: Eva G\u00f6llner, Copyright: Project Syndicate, 10.8.2020)<\/p>\n\n\n\n

Mark Leonard <\/strong>ist Direktor des Europ\u00e4ischen Rats f\u00fcr Ausw\u00e4rtige Beziehungen.<\/a><\/p>\n","post_title":"Erdo\u011fan \u2013 der andere Putin vor der Haust\u00fcr Europas","post_excerpt":"","post_status":"publish","comment_status":"closed","ping_status":"closed","post_password":"","post_name":"erdogan-der-andere-putin-vor-der-haustur-europas","to_ping":"","pinged":"","post_modified":"2025-02-02 08:39:39","post_modified_gmt":"2025-02-02 08:39:39","post_content_filtered":"","post_parent":0,"guid":"https:\/\/dctransparency.com\/?p=3789","menu_order":0,"post_type":"post","post_mime_type":"","comment_count":"0","filter":"raw"},{"ID":3786,"post_author":"7","post_date":"2020-08-14 13:51:23","post_date_gmt":"2020-08-14 13:51:23","post_content":"\n

Einen Monat nachdem ich zur israelischen Armee eingezogen worden war, brach die erste Intifada aus. Statt Soldat zu sein, machte ich Polizeiarbeit, sagte den Menschen, wann sie zur Arbeit gehen konnten und wann sie ihre L\u00e4den schlie\u00dfen mussten, wann sie die Grenze passieren und wann sie schlafen konnten. Einen Monat nachdem ich aus der Armee entlassen worden war, ging ich auf Reisen. (In Israel sagen wir: Wir dienen drei Jahre und versuchen den Rest unseres Lebens, diese drei Jahre zu vergessen.) Auf meiner Reise begann ich Briefe an meine Freundin zu schreiben, die ich in Israel zur\u00fcckgelassen hatte.<\/p>\n\n\n\n

Ich schrieb ihr, wie schrecklich depressiv ich war und dass diese drei Jahre des Anweisungenbellens und Anderen-Menschen-Sagens, was sie zu tun haben, mich f\u00fcr immer verfolgen w\u00fcrden. Dass sie ein Teil dessen geworden waren, was ich bin. Ich erinnere mich, dass ich ihr schrieb, dass wir da rausm\u00fcssen \u2013 nicht nur f\u00fcr die Pal\u00e4stinenser, sondern wegen der furchtbaren und brutalen Auswirkungen, die all das auf uns, auf die israelische Gesellschaft haben w\u00fcrde. Sie schrieb zur\u00fcck: \u201eDu hast recht. Ich habe einen neuen Freund.\u201c<\/p>\n\n\n\n

Felix Klein wurde als Beauftragter der Bundesregierung berufen<\/a>, um die Auswirkungen des zunehmenden Antisemitismus in unserer Gesellschaft, in Deutschland, zu bek\u00e4mpfen. Was nicht in seiner Jobbeschreibung steht, ist, dass er dabei unsere Gesellschaft heilen muss, jene Gesellschaft, die diese Form des Hasses reproduziert und sch\u00fctzt. Klein hat das begriffen.<\/p>\n\n\n\n

Er versteht, dass man Krebs nicht mit einem Pflaster verarztet, er wei\u00df, dass er das Bewusstsein der Deutschen sch\u00e4rfen und Diskussionen ansto\u00dfen muss. Er hat begriffen, dass das Problem nicht nur an den R\u00e4ndern der Gesellschaft (bei den Rechten) liegt, sondern auch in ihrer Mitte. Dort, wo gebildete Menschen nicht einmal bemerken, dass das, was sie sagen und tun, antisemitisch ist. So wie sie es auch nicht merken, wenn sie rassistisch handeln. Er hat all das verstanden, und genau deshalb wollen einige, dass er seinen Posten r\u00e4umt.<\/p>\n\n\n\n

Mehr als 60 deutsche und israelische Intellektuelle haben letzte Woche in einem Brief an Kanzlerin Merkel<\/a> dar\u00fcber geklagt, dass der aktuelle \u201eGebrauch des Antisemitismusbegriffs\u201c darauf abziele, \u201elegitime Kritik an der israelischen Regierungspolitik zu unterdr\u00fccken\u201c, und Klein vorgeworfen, rechtspopulistische israelische Stimmen zu f\u00f6rdern.<\/p>\n\n\n\n

Faszinierend an diesem offenen Brief ist, dass viele der Unterzeichneten keine Deutschen sind und auch nicht in Deutschland leben. Ich wei\u00df nicht, woher sie \u2013 die meisten von ihnen sind Israelis \u2013 die Chuzpe haben, sich in eine innerdeutsche Angelegenheit einzumischen und zu fordern, eine Person zu entlassen, die von der Bundesregierung eingesetzt wurde. Die H\u00e4lfte der Unterzeichneten lebt nicht hier, von der anderen H\u00e4lfte sind viele keine Juden \u2013 somit sind die allermeisten von ihnen nicht direkt vom Antisemitismus in Deutschland betroffen. Wie also k\u00f6nnen sie diesen Brief unterschreiben? Und warum eigentlich haben so wenige Deutsche unterschrieben? Dazu komme ich gleich.<\/p>\n\n\n\n

Debatte um Achille Mbembe<\/h6>\n\n\n\n

Hintergrund des Briefs war, dass Felix Klein gefordert hatte, den Philosophen Achille Mbembe<\/a> nicht die Er\u00f6ffnungsrede der Ruhrtriennale halten zu lassen. Als mit \u00f6ffentlichen Mitteln gef\u00f6rdertes Event solle die Ruhrtriennale Mbembe wegen seiner Haltung zu Israels Existenzrecht, seiner Haltung zu BDS und der Art, wie er in einem seiner Werke den Holocaust relativiert, nicht einladen.<\/p>\n\n\n\n

Mbembes Unterst\u00fctzer sagen, keine dieser Anschuldigungen sei wahr. F\u00fcrs Protokoll: In meinen Augen unterst\u00fctzt Mbembe sehr wohl BDS<\/a>, er schrieb unter anderem das Vorwort zu \u201eApartheid Israel\u201c und fordert die komplette Isolation Israels. Ich glaube auch, wenn Mbembe schreibt, die israelische Besetzung sei der \u201egr\u00f6\u00dfte moralische Skandal unserer Zeit\u201c, zeigt das, dass sein moralischer und geografischer Kompass etwas schief ist.<\/p>\n\n\n\n

Doch warum treibt die Debatte so viele Menschen um? Nun, zun\u00e4chst gibt niemand gern auf, was ihm oder ihr selbstverst\u00e4ndlich scheint. \u00dcber den gesamten politischen, sozialen, kulturellen, medialen und akademischen Sektor hinweg sind Menschen daran gew\u00f6hnt, so schlecht \u00fcber Israel sprechen zu k\u00f6nnen, wie auch immer sie wollen.<\/p>\n\n\n\n

Der Spiegel<\/em> hat \u2013 vielleicht in Anlehnung an seine Relotius-Standards, Israel erst k\u00fcrzlich eine Corona-Diktatur genannt. Fakten und Belege f\u00fcr diese Behauptung gab es nicht. Doch Millionen Deutsche haben es gelesen, und es wird nat\u00fcrlich haften bleiben. Faktenlage hin oder her. Der Spiegel<\/em> und andere Medien haben dieses Spiel perfektioniert: Titel so zu drehen, dass sie Israel indirekt anklagen, die Idee zu streuen, der Mossad kon\u00adtrol\u00adliere die deutsche Au\u00dfenpolitik im Nahen Osten, und so fort. Doch sie stehen allesamt sofort auf den Hinterbeinen, wenn jemand es wagt, das Spiel beim Namen zu nennen: moderner Antisemitismus.<\/p>\n\n\n\n

Klein will dem entgegenwirken. Er versteht, dass antisemitische Attacken in Deutschland die Fr\u00fcchte solch falsch gezeichneter Bilder und eindimensionaler Narrative \u00fcber Israel sind. Wenn er und andere versuchen, ein anderes Narrativ aufzuzeigen, wirft man ihnen Zensur vor: Wie k\u00f6nnen sie es wagen, das Gesch\u00e4ft der Anti-Israel-Propaganda zu st\u00f6ren?<\/p>\n\n\n\n

Liebe Deutsche, wenn ihr reden wollt, lasst uns gern reden: \u00fcber die Besetzung, \u00fcber Bibi und alles, was schiefl\u00e4uft. Aber dann lasst uns bitte auch dar\u00fcber reden, wie deutsche Steuergelder Terrortunnel finanzieren. Erst vergangene Woche r\u00e4umte die niederl\u00e4ndische Regierung ein, dass Gelder an eine Landwirtschaftsorganisation in Ramallah geflossen seien, die damit teilweise die Geh\u00e4lter zweier des Mordes an der 17-j\u00e4hrigen Israelin Rina Shnerb Verd\u00e4chtiger gezahlt haben. Auch die Bundesregierung unterst\u00fctzt diese Organisation, obwohl Kritiker schon lange vor Verbindungen zu Terroristen warnen.<\/p>\n\n\n\n

Wir k\u00f6nnen uns also gerne unterhalten \u2013 aber im Dialog, nicht in Monologen. Denn Reden unter Menschen, die sich einig sind, ist nichts anderes als Impotenz.<\/p>\n\n\n\n

Israelkritik als Eintrittskarte<\/h6>\n\n\n\n

Die Israelis, die die Petition unterzeichnet haben, haben \u00fcbrigens ebenfalls etwas verstanden. Seit Jahren wissen sie: Es ist ihre Eintrittskarte in die Mitte der deutschen (und europ\u00e4ischen) Gesellschaft. Man h\u00f6rt nicht oft von Akademikern mit proisraelischen Ansichten. Weder in den Philharmonie-Orchestern noch in der Kunstszene. Die Eintrittskarte daf\u00fcr ist ein antiisraelischer Standpunkt.<\/p>\n\n\n\n

Der mutma\u00dfliche Grund, warum kaum Deutsche die Petition unterzeichnet haben: Sie mussten es nicht. Ihre Lieblingsjuden haben es f\u00fcr sie getan. Jetzt k\u00f6nnen sie sagen: \u201eSchau, ich bin das ja nicht, meine j\u00fcdischen Freunde sagen es.\u201c Ich selbst war einige Jahre lang mit einem Paar hier in Berlin befreundet, bis ich herausfand, dass ich ihr Lieblingsjude war. Ja, selbst das j\u00fcdische Museum wurde so genutzt.<\/p>\n\n\n\n

Weil Attacken gegen Juden ein absolutes Tabu sind, wurden Umwege gefunden, um den Antisemitismus auf kleiner Flamme k\u00f6cheln zu lassen: die unfundierte, unbegr\u00fcndete Kritik an Israel.<\/p>\n\n\n\n

Diese Art der Kritik ist gef\u00e4hrlich. Sie schw\u00e4cht jede begr\u00fcndete und notwendige Kritik am Verhalten Israels. Und das Interessante ist: Trotz all der heftigen, pauschalisierenden Anklagen, all der offenen Briefe driftet Israel politisch immer weiter nach rechts. Doch statt mal einen anderen Ansatz zu versuchen, werden die antiisraelischen Stimmen nur lauter. Dasselbe versuchen und andere Ergebnisse davon erwarten \u2013 das ist die Definition von Wahnsinn.<\/p>\n\n\n\n

Kurz bevor der Prozess gegen den wegen des Attentats von Halle<\/a> Angeklagten begann \u2013 des seit Kriegsende schlimmsten Akts von Antisemitismus in Deutschland \u2013, lud eine Lokalzeitung den fr\u00fcheren Botschafter Shimon Stein und den Historiker Moshe Zimmermann ein, dar\u00fcber zu schreiben, was Antisemitismus ist. Nat\u00fcrlich wendeten auch sie sich gegen Felix Kleins Ansatz. Sie zitieren die Kontroverse um die Umbenennung der U-Bahn-Station Mohrenstra\u00dfe in Glinkastra\u00dfe, die sich darum drehte, dass der russische Komponist Michael Glinka Antisemit gewesen sein soll. Stein und Zimmermann halten die Debatte f\u00fcr \u00fcberzogen, Glinka sei nur ein Kind seiner Zeit gewesen. Folgt man ihrer Logik, k\u00f6nnen wir dann also in 20 oder 30 Jahren U-Bahn-Stationen nach den Kindern der 1930er Jahre benennen?<\/p>\n\n\n\n

Der Antisemit als Tierfreund<\/h6>\n\n\n\n

Ich w\u00fcnschte, die Sache h\u00e4tte mit dem Artikel, mit der Petition geendet. Doch dann erschien ein Artikel, der den Leser auf einen Waldspaziergang mit einem veganen Koch und Antisemiten mitnahm. Darin setzt der Tierfreund erst behutsam einen K\u00e4fer wieder auf seine Beinchen und erkl\u00e4rt dann, dass die Todesstrafe in Deutschland wieder eingef\u00fchrt werden solle, um einen gewissen Politiker (der zuf\u00e4llig pro Israel ist) an seinen Hoden aufh\u00e4ngen zu k\u00f6nnen. Dieser Koch hat Hunderttausende Follower, er sagt all solche Dinge am helllichten Tag in Berlin. Und in den Medien.<\/p>\n\n\n\n

F\u00e4lle wie dieser handeln bereits von Gewalt \u2013 und sie enden nicht bei den Juden. Der Hass richtet sich gegen Frauen<\/a>, Muslime, Gefl\u00fcchtete, \u00adLBTQI. Am Ende aller theoretischen Debatten stehen immer echte Menschen. Am Ende jeder Konferenz dar\u00fcber, was Antisemitismus ausmacht, steht ein potenzielles j\u00fcdisches Opfer. Angesichts einer Welle von Antisemitismus \u00fcber die Definition von Antisemitismus zu streiten ist, wie eine 10 Meter hohe Welle heranrollen zu sehen und dar\u00fcber zu streiten, was einen Tsunami ausmacht.<\/p>\n\n\n\n

Felix Klein versteht, wie absurd es ist, zu sagen: Es sind nur die Rechten. Die Rechten sind Deutsche, so wie die Nazis Deutsche waren. Klein versteht, dass die Deutschen nicht aufgeh\u00f6rt haben, Juden zu ermorden, weil sie irgendeine Art von Erleuchtung hatten. Sondern schlicht, weil sie den Krieg verloren haben. Um den Antisemitismus zu bek\u00e4mpfen, bevor er die Gesellschaft frisst, in der er und wir leben, muss Deutschland seinen moralischen Kompass korrigieren.<\/p>\n\n\n\n

Immerhin: Mehr und mehr Deutsche fahren nach Israel, sie wollen ein anderes Narrativ h\u00f6ren. Mehr und mehr Deutsche verstehen, dass Antisemitismus Schockwellen ausl\u00f6st, die die gesamte Gesellschaft betreffen. In einem normalen Universum w\u00fcrde Klein bef\u00f6rdert werden f\u00fcr seine Leistung. In einer verdrehten Gesellschaft fordern Menschen seine Entlassung. Um es mit Mbembe zu sagen: Das ist Nano-Nonsens.<\/p>\n\n\n\n

\u00dcbersetzung: Ariane Lemme<\/a><\/em><\/p>\n","post_title":"Felix Klein hat verstanden","post_excerpt":"","post_status":"publish","comment_status":"closed","ping_status":"closed","post_password":"","post_name":"felix-klein-hat-verstanden","to_ping":"","pinged":"","post_modified":"2025-02-02 08:39:39","post_modified_gmt":"2025-02-02 08:39:39","post_content_filtered":"","post_parent":0,"guid":"https:\/\/dctransparency.com\/?p=3786","menu_order":0,"post_type":"post","post_mime_type":"","comment_count":"0","filter":"raw"}],"next":false,"prev":true,"total_page":47},"paged":1,"column_class":"jeg_col_2o3","class":"epic_block_3"};

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Der deutsche Architekturlehrer Holger Kleine nennt die Hagia Sophia \"absolute Architektur\", weil sie \"extreme Ausdrucksformen nahezu aller dramaturgischen Mittel, die der Architektur zur Verf\u00fcgung stehen, vereinigt: wuchtigste K\u00f6rper und luftigste R\u00e4ume, engste Enge und gr\u00f6\u00dfte Weite, w\u00e4rmende Helligkeit und mystisches Dunkel\". Und die Kuppelbauten aus der sp\u00e4teren Hochbl\u00fcte der Moscheenarchitektur im 16. und 17. Jahrhundert gehen eindeutig auf die Hagia Sophia zur\u00fcck.<\/p>\n\n\n\n

Die Hagia Sophia war Staatskirche des byzantinischen Reichs. F\u00fcr die Eroberer der letzte Schlussstein in der Kuppel osmanisch-muslimischen Herrschaftsanspruchs. Konstantinopel war ja 1453 nur noch eine isolierte, heruntergekommene Enklave in einem osmanischen Umfeld, kein christliches Heer kam zu Hilfe. Doch vorher war es zugleich Sperrriegel nach Osten und Geistesarchiv der antiken Kultur gewesen. \"Ohne Byzanz h\u00e4tte es kein Europa gegeben\", sagt die britische Altertumsforscherin Judith Herrin.<\/p>\n\n\n\n

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Freigelegtes Mosaik von \"Christos Pantokrator\".<\/figcaption><\/figure>\n\n\n\n

Neue Fragen<\/h3>\n\n\n\n

Die Kirche wurde von Mehmed II. und Nachfolgern nicht in der Substanz zerst\u00f6rt, sondern \"entchristlicht\". Die urspr\u00fcnglich \u00fcbert\u00fcnchten oder auch abgeschlagenen Mosaiken mit den Darstellungen von Christus, der Muttergottes, diversen Kaisern kamen zum Teil schon unter einem Sultan des 19. Jahrhunderts, dann gro\u00dfteils nach der Museumswidmung wieder zum Vorschein.<\/p>\n\n\n\n

Jetzt stellen sich neue symbolisch-praktische Fragen. Erdo\u011fan hat die Hagia Sophia der konservativen staatlichen Religionsbeh\u00f6rde Diyanet unterstellt. Die byzantinischen Mosaike, wie der gro\u00dfartige \"Christos Pantokrator\" (\"Weltenherrscher\") oder die Jungfrau Maria in der Apsis, m\u00fcssen wohl w\u00e4hrend des islamischen Gottesdiensts verh\u00e4ngt werden. Muss der Boden mit seinen Marmorplatten und Mosaiken mit einem Teppich bedeckt werden? Erdo\u011fan sagt, Touristen seien nach wie vor zugelassen. Aber sie werden wohl hinter Absperrungen bleiben m\u00fcssen. Frauen werden \u2013 wie in der benachbarten \"Blauen Moschee\" (\"Sultanahmed\") Kopftuch tragen m\u00fcssen.<\/p>\n\n\n\n

\"\"\/
Erdo\u011fan mit Gattin in der Hagia Sophia.<\/figcaption><\/figure>\n\n\n\n

Erdo\u011fans neue Abenteuer<\/strong><\/h3>\n\n\n\n

Aber wird da nicht doch zu viel in einen Formalakt rund um ein uraltes Bauwerk hineininterpretiert? Im geschichtlichen Kontext relativiert sich manches: Konstantinopel wurde schon von Christen erobert und ausgepl\u00fcndert \u2013 1204 im Vierten Kreuzzug. In der Moschee von Cordoba (\"Mezquita\") bauten die Katholiken eine ganze Kirche in den ber\u00fchmten S\u00e4ulenwald hinein. Die Mezquita ist heute noch Kirche, kein Museum.<\/p>\n\n\n\n

\"Das ist der Beweis, dass wir kein s\u00e4kularer Staat mehr sein wollen\", sagt Nobelpreistr\u00e4ger Orhan Pamuk. Erdo\u011fan betrachtet sich offenbar als auch neoosmanischer \"Fatih\" im Mittelmeerraum mit immer neuen Abenteuern: Eingreifen in Syrien, Stellvertreterkrieg in Libyen, Anspr\u00fcche auf Erdgasvorkommen weit vor der t\u00fcrkischen K\u00fcste bei Zypern, Reden, wonach manche \u00c4g\u00e4is-Inseln eigentlich zur T\u00fcrkei geh\u00f6ren, \"denn dort stehen unsere Moscheen\". Manches davon ist nur Rhetorik, aber genug anderes ist riskante Realit\u00e4t. (Hans Rauscher, 14.7.2020)<\/p>\n\n\n\n

Quelle<\/a><\/strong><\/p>\n","post_title":"Hagia Sophia: Verengung und Verarmung eines Welterbes","post_excerpt":"","post_status":"publish","comment_status":"closed","ping_status":"closed","post_password":"","post_name":"hagia-sophia-verengung-und-verarmung-eines-welterbes","to_ping":"","pinged":"","post_modified":"2025-02-02 08:39:39","post_modified_gmt":"2025-02-02 08:39:39","post_content_filtered":"","post_parent":0,"guid":"https:\/\/dctransparency.com\/?p=3792","menu_order":0,"post_type":"post","post_mime_type":"","comment_count":"0","filter":"raw"},{"ID":3789,"post_author":"7","post_date":"2020-08-14 13:56:07","post_date_gmt":"2020-08-14 13:56:07","post_content":"\n

Im Gastkommentar pocht Mark Leonard, Direktor des Europ\u00e4ischen Rats f\u00fcr Ausw\u00e4rtige Beziehungen, auf \"neue, einvernehmlich vereinbarte Prinzipien sowie klare Grenzen\", nur so k\u00f6nne eine weitere Destabilisierung in der Region verhindert werden.<\/em><\/strong><\/p>\n\n\n\n

Ist die T\u00fcrkei das neue Russland? Diese Frage wird in den europ\u00e4ischen Hauptst\u00e4dten zunehmend gestellt, da die Au\u00dfenpolitik des t\u00fcrkischen Pr\u00e4sidenten Recep Tayyip Erdo\u011fan zunehmend aggressiver wird. Erdo\u011fan nutzt nicht nur die Migration, um die EU zu bedrohen und zu betr\u00fcgen, sondern setzt auch milit\u00e4rische Macht ein, um den Einflussbereich der T\u00fcrkei auf die gesamte Region auszudehnen.<\/p>\n\n\n\n

Seit dem Ende des Kalten Krieges haben die Europ\u00e4er die regionale Sicherheit durch eine unipolare westliche Linse betrachtet. W\u00e4hrend die Nato die milit\u00e4rische Sicherheit garantierte, sorgte die EU mit ihrem 80.000 Seiten starken Regelwerk f\u00fcr alles von LGBTQ-Rechten bis hin zu Rasenm\u00e4her-Sound-Verordnungen f\u00fcr Rechtsordnung. In den 90er-Jahren ging man allgemein davon aus, dass die beiden gro\u00dfen nichtwestlichen regionalen Akteure, Russland und die T\u00fcrkei, nach und nach an diese Regelungen herangef\u00fchrt werden w\u00fcrden.<\/p>\n\n\n\n

Qu\u00e4lende Hassliebe<\/h3>\n\n\n\n

Doch in den letzten 15 Jahren ist der Traum von der europ\u00e4ischen Unipolarit\u00e4t einer multipolaren Realit\u00e4t gewichen. Sowohl Russland als auch die T\u00fcrkei haben eine lange, qu\u00e4lende Hassliebe zu Europa, und beide sind unter nationalen Machthabern, denen die Verachtung der Normen und Werte der EU gemeinsam ist, durchsetzungsf\u00e4higer geworden.<\/p>\n\n\n\n

Die zunehmende Verschlechterung der Beziehungen zwischen der EU und Russland ist gut dokumentiert, der Fall der T\u00fcrkei weniger. Der Irakkrieg im Jahr 2003 komplizierte das Verh\u00e4ltnis der T\u00fcrkei zur Nato, und ihr Verh\u00e4ltnis zur EU verschlechterte sich 2007, als Frankreich einen wichtigen Teil ihrer EU-Beitrittsverhandlungen blockierte. Seitdem hat die T\u00fcrkei ihren eigenen Weg in Syrien, auf dem Balkan und in Libyen eingeschlagen und neue Beziehungen zu Russland und China aufgebaut.<\/p>\n\n\n\n

Wichtiger Akteur<\/strong><\/h3>\n\n\n\n

Nat\u00fcrlich sind die Beziehungen zwischen der T\u00fcrkei und Russland nicht weniger kompliziert, nicht zuletzt weil Erdo\u011fan und der russische Pr\u00e4sident Wladimir Putin im syrischen B\u00fcrgerkrieg verschiedene Seiten unterst\u00fctzten.Und w\u00e4hrend die Spannungen wegen des Syrien-Konflikts weiterhin bestehen, bewundert Erdo\u011fan deutlich, wie Russland sich \u2013 bei relativ geringen Kosten \u2013 wieder als wichtiger Akteur im Nahen Osten und in Nordafrika etabliert hat.<\/p>\n\n\n\n

Nachdem er in einen nicht zu gewinnenden Krieg im Osten der Ukraine verwickelt war, schien Putins weitgehend erfolgreicher Feldzug in Syrien einen Teil seiner innenpolitischen Autorit\u00e4t wiederherzustellen. Der Westen hatte f\u00fcnf Jahre lang darauf bestanden, dass es keine milit\u00e4rische L\u00f6sung des Konflikts gebe und dass der syrische Pr\u00e4sident Baschar al-Assad gehen m\u00fcsse. Doch w\u00e4hrend die von den Vereinten Nationen unterst\u00fctzten Gespr\u00e4che in Genf zu keinem Ergebnis f\u00fchrten, schienen die von Russland geleiteten Gespr\u00e4che in Astana voranzukommen. Indem der Kreml die T\u00fcrkei und den Iran einbezog, w\u00e4hrend er die westlichen M\u00e4chte ausschloss, erweckte er den Eindruck, dass Russland als wiedergeborene Supermacht aus der Asche auferstanden sei.<\/p>\n\n\n\n

Unter Druck<\/h3>\n\n\n\n

Angesichts des wachsenden Widerstands im eigenen Land macht es Erdo\u011fan Putin gleich. Da der Westen nicht bereit war, (erneut) milit\u00e4risch in Libyen zu intervenieren, sah Erdo\u011fan eine Gelegenheit, die T\u00fcrkei zu positionieren. Nach dem Vorgehen Russlands in Syrien sicherte er sich eine formelle Einladung der libyschen Regierung zur Intervention. Mit einem Schlag Ende letzten Jahres hat er nicht nur das Image der T\u00fcrkei als Regionalmacht gest\u00e4rkt, sondern auch ein Abkommen mit Libyen \u00fcber die Seegrenze abgeschlossen und damit einen Plan Griechenlands, Zyperns, \u00c4gyptens und Israels zur Erschlie\u00dfung von Unterwasser\u00f6l- und -gasfeldern in der N\u00e4he zunichtegemacht.<\/p>\n\n\n\n

Erdo\u011fan scheint auch von der Spalt-und-Eroberungs-Strategie des Kreml in Europa inspiriert worden zu sein, der zufolge oft diejenigen EU-Mitgliedsstaaten unter Druck gesetzt werden, die am meisten von russischen Kohlenwasserstoffen oder M\u00e4rkten abh\u00e4ngig sind. So wie Putin lange Zeit die Energieversorgung instrumentalisiert hat, hat Erdo\u011fan versucht, den Strom von Migranten und Fl\u00fcchtlingen, die vor Konflikten im Nahen Osten fliehen, zu instrumentalisieren. Als die EU eine neue Marinemission ank\u00fcndigte, um den Waffenstrom nach Libyen zu blockieren, malte die T\u00fcrkei f\u00fcr Malta das Schreckgespenst der angeblichen Bedrohung durch Migranten an die Wand. Malta reagierte prompt und signalisierte, dass es gegen die Finanzierung der Mission ein Veto einlegen werde.<\/p>\n\n\n\n

Verlorener Sohn<\/strong><\/h3>\n\n\n\n

Jahrelang redeten sich die Europ\u00e4er ein, dass Russland eine Art verlorener Sohn sei und dass die europ\u00e4ische unipolare Ordnung gesund bleibe. Doch das machte Europa zu einem leichten Ziel f\u00fcr die Trennungs-und-Eroberungs-Strategie des Kreml. Erst vor relativ kurzer Zeit entwarf die Union eine neue Politik und ein robustes Sanktionsregime, um die russische Aggression abzuschrecken. Und selbst jetzt \u2013 trotz der besten Bem\u00fchungen der deutschen Bundeskanzlerin Angela Merkel und des franz\u00f6sischen Pr\u00e4sidenten Emmanuel Macron \u2013 hat die EU noch immer keine wirksamen Kommunikationskan\u00e4le mit Russland geschaffen, um gemeinsame Probleme anzugehen.<\/p>\n\n\n\n

Die T\u00fcrkei ist noch kein neues Russland, aber sie k\u00f6nnte dazu werden, wenn die Situation falsch gehandhabt wird. Vorerst betrachten die meisten Europ\u00e4er die T\u00fcrkei noch immer als einen komplizierten Partner und nicht als \"Systemrivalen\". Aber die Europ\u00e4er sollten die hart erk\u00e4mpften Lehren aus dem Umgang mit Russland in den letzten 15 Jahren beherzigen. Die Beziehungen zwischen der EU und der T\u00fcrkei brauchen neue, einvernehmlich vereinbarte Prinzipien sowie klare Grenzen, um eine weitere Destabilisierung in der Region zu verhindern.<\/p>\n\n\n\n

Zu diesem Zweck sollten die Europ\u00e4er klarstellen, dass der EU-Beitrittsprozess entweder zur\u00fcckgedreht oder vorangetrieben werden kann und dass eine eher transaktionale Beziehung sowohl Zuckerbrot als auch Peitsche beinhaltet. Die Herausforderung wird darin bestehen, daf\u00fcr zu sorgen, dass es in einer Region, die nicht nur von Europa und der T\u00fcrkei, sondern auch von Russland, den USA und einem aufstrebenden China beeinflusst wird, noch Raum f\u00fcr politisches Engagement in Fragen der gemeinsamen Sicherheit gibt. (Mark Leonard, \u00dcbersetzung: Eva G\u00f6llner, Copyright: Project Syndicate, 10.8.2020)<\/p>\n\n\n\n

Mark Leonard <\/strong>ist Direktor des Europ\u00e4ischen Rats f\u00fcr Ausw\u00e4rtige Beziehungen.<\/a><\/p>\n","post_title":"Erdo\u011fan \u2013 der andere Putin vor der Haust\u00fcr Europas","post_excerpt":"","post_status":"publish","comment_status":"closed","ping_status":"closed","post_password":"","post_name":"erdogan-der-andere-putin-vor-der-haustur-europas","to_ping":"","pinged":"","post_modified":"2025-02-02 08:39:39","post_modified_gmt":"2025-02-02 08:39:39","post_content_filtered":"","post_parent":0,"guid":"https:\/\/dctransparency.com\/?p=3789","menu_order":0,"post_type":"post","post_mime_type":"","comment_count":"0","filter":"raw"},{"ID":3786,"post_author":"7","post_date":"2020-08-14 13:51:23","post_date_gmt":"2020-08-14 13:51:23","post_content":"\n

Einen Monat nachdem ich zur israelischen Armee eingezogen worden war, brach die erste Intifada aus. Statt Soldat zu sein, machte ich Polizeiarbeit, sagte den Menschen, wann sie zur Arbeit gehen konnten und wann sie ihre L\u00e4den schlie\u00dfen mussten, wann sie die Grenze passieren und wann sie schlafen konnten. Einen Monat nachdem ich aus der Armee entlassen worden war, ging ich auf Reisen. (In Israel sagen wir: Wir dienen drei Jahre und versuchen den Rest unseres Lebens, diese drei Jahre zu vergessen.) Auf meiner Reise begann ich Briefe an meine Freundin zu schreiben, die ich in Israel zur\u00fcckgelassen hatte.<\/p>\n\n\n\n

Ich schrieb ihr, wie schrecklich depressiv ich war und dass diese drei Jahre des Anweisungenbellens und Anderen-Menschen-Sagens, was sie zu tun haben, mich f\u00fcr immer verfolgen w\u00fcrden. Dass sie ein Teil dessen geworden waren, was ich bin. Ich erinnere mich, dass ich ihr schrieb, dass wir da rausm\u00fcssen \u2013 nicht nur f\u00fcr die Pal\u00e4stinenser, sondern wegen der furchtbaren und brutalen Auswirkungen, die all das auf uns, auf die israelische Gesellschaft haben w\u00fcrde. Sie schrieb zur\u00fcck: \u201eDu hast recht. Ich habe einen neuen Freund.\u201c<\/p>\n\n\n\n

Felix Klein wurde als Beauftragter der Bundesregierung berufen<\/a>, um die Auswirkungen des zunehmenden Antisemitismus in unserer Gesellschaft, in Deutschland, zu bek\u00e4mpfen. Was nicht in seiner Jobbeschreibung steht, ist, dass er dabei unsere Gesellschaft heilen muss, jene Gesellschaft, die diese Form des Hasses reproduziert und sch\u00fctzt. Klein hat das begriffen.<\/p>\n\n\n\n

Er versteht, dass man Krebs nicht mit einem Pflaster verarztet, er wei\u00df, dass er das Bewusstsein der Deutschen sch\u00e4rfen und Diskussionen ansto\u00dfen muss. Er hat begriffen, dass das Problem nicht nur an den R\u00e4ndern der Gesellschaft (bei den Rechten) liegt, sondern auch in ihrer Mitte. Dort, wo gebildete Menschen nicht einmal bemerken, dass das, was sie sagen und tun, antisemitisch ist. So wie sie es auch nicht merken, wenn sie rassistisch handeln. Er hat all das verstanden, und genau deshalb wollen einige, dass er seinen Posten r\u00e4umt.<\/p>\n\n\n\n

Mehr als 60 deutsche und israelische Intellektuelle haben letzte Woche in einem Brief an Kanzlerin Merkel<\/a> dar\u00fcber geklagt, dass der aktuelle \u201eGebrauch des Antisemitismusbegriffs\u201c darauf abziele, \u201elegitime Kritik an der israelischen Regierungspolitik zu unterdr\u00fccken\u201c, und Klein vorgeworfen, rechtspopulistische israelische Stimmen zu f\u00f6rdern.<\/p>\n\n\n\n

Faszinierend an diesem offenen Brief ist, dass viele der Unterzeichneten keine Deutschen sind und auch nicht in Deutschland leben. Ich wei\u00df nicht, woher sie \u2013 die meisten von ihnen sind Israelis \u2013 die Chuzpe haben, sich in eine innerdeutsche Angelegenheit einzumischen und zu fordern, eine Person zu entlassen, die von der Bundesregierung eingesetzt wurde. Die H\u00e4lfte der Unterzeichneten lebt nicht hier, von der anderen H\u00e4lfte sind viele keine Juden \u2013 somit sind die allermeisten von ihnen nicht direkt vom Antisemitismus in Deutschland betroffen. Wie also k\u00f6nnen sie diesen Brief unterschreiben? Und warum eigentlich haben so wenige Deutsche unterschrieben? Dazu komme ich gleich.<\/p>\n\n\n\n

Debatte um Achille Mbembe<\/h6>\n\n\n\n

Hintergrund des Briefs war, dass Felix Klein gefordert hatte, den Philosophen Achille Mbembe<\/a> nicht die Er\u00f6ffnungsrede der Ruhrtriennale halten zu lassen. Als mit \u00f6ffentlichen Mitteln gef\u00f6rdertes Event solle die Ruhrtriennale Mbembe wegen seiner Haltung zu Israels Existenzrecht, seiner Haltung zu BDS und der Art, wie er in einem seiner Werke den Holocaust relativiert, nicht einladen.<\/p>\n\n\n\n

Mbembes Unterst\u00fctzer sagen, keine dieser Anschuldigungen sei wahr. F\u00fcrs Protokoll: In meinen Augen unterst\u00fctzt Mbembe sehr wohl BDS<\/a>, er schrieb unter anderem das Vorwort zu \u201eApartheid Israel\u201c und fordert die komplette Isolation Israels. Ich glaube auch, wenn Mbembe schreibt, die israelische Besetzung sei der \u201egr\u00f6\u00dfte moralische Skandal unserer Zeit\u201c, zeigt das, dass sein moralischer und geografischer Kompass etwas schief ist.<\/p>\n\n\n\n

Doch warum treibt die Debatte so viele Menschen um? Nun, zun\u00e4chst gibt niemand gern auf, was ihm oder ihr selbstverst\u00e4ndlich scheint. \u00dcber den gesamten politischen, sozialen, kulturellen, medialen und akademischen Sektor hinweg sind Menschen daran gew\u00f6hnt, so schlecht \u00fcber Israel sprechen zu k\u00f6nnen, wie auch immer sie wollen.<\/p>\n\n\n\n

Der Spiegel<\/em> hat \u2013 vielleicht in Anlehnung an seine Relotius-Standards, Israel erst k\u00fcrzlich eine Corona-Diktatur genannt. Fakten und Belege f\u00fcr diese Behauptung gab es nicht. Doch Millionen Deutsche haben es gelesen, und es wird nat\u00fcrlich haften bleiben. Faktenlage hin oder her. Der Spiegel<\/em> und andere Medien haben dieses Spiel perfektioniert: Titel so zu drehen, dass sie Israel indirekt anklagen, die Idee zu streuen, der Mossad kon\u00adtrol\u00adliere die deutsche Au\u00dfenpolitik im Nahen Osten, und so fort. Doch sie stehen allesamt sofort auf den Hinterbeinen, wenn jemand es wagt, das Spiel beim Namen zu nennen: moderner Antisemitismus.<\/p>\n\n\n\n

Klein will dem entgegenwirken. Er versteht, dass antisemitische Attacken in Deutschland die Fr\u00fcchte solch falsch gezeichneter Bilder und eindimensionaler Narrative \u00fcber Israel sind. Wenn er und andere versuchen, ein anderes Narrativ aufzuzeigen, wirft man ihnen Zensur vor: Wie k\u00f6nnen sie es wagen, das Gesch\u00e4ft der Anti-Israel-Propaganda zu st\u00f6ren?<\/p>\n\n\n\n

Liebe Deutsche, wenn ihr reden wollt, lasst uns gern reden: \u00fcber die Besetzung, \u00fcber Bibi und alles, was schiefl\u00e4uft. Aber dann lasst uns bitte auch dar\u00fcber reden, wie deutsche Steuergelder Terrortunnel finanzieren. Erst vergangene Woche r\u00e4umte die niederl\u00e4ndische Regierung ein, dass Gelder an eine Landwirtschaftsorganisation in Ramallah geflossen seien, die damit teilweise die Geh\u00e4lter zweier des Mordes an der 17-j\u00e4hrigen Israelin Rina Shnerb Verd\u00e4chtiger gezahlt haben. Auch die Bundesregierung unterst\u00fctzt diese Organisation, obwohl Kritiker schon lange vor Verbindungen zu Terroristen warnen.<\/p>\n\n\n\n

Wir k\u00f6nnen uns also gerne unterhalten \u2013 aber im Dialog, nicht in Monologen. Denn Reden unter Menschen, die sich einig sind, ist nichts anderes als Impotenz.<\/p>\n\n\n\n

Israelkritik als Eintrittskarte<\/h6>\n\n\n\n

Die Israelis, die die Petition unterzeichnet haben, haben \u00fcbrigens ebenfalls etwas verstanden. Seit Jahren wissen sie: Es ist ihre Eintrittskarte in die Mitte der deutschen (und europ\u00e4ischen) Gesellschaft. Man h\u00f6rt nicht oft von Akademikern mit proisraelischen Ansichten. Weder in den Philharmonie-Orchestern noch in der Kunstszene. Die Eintrittskarte daf\u00fcr ist ein antiisraelischer Standpunkt.<\/p>\n\n\n\n

Der mutma\u00dfliche Grund, warum kaum Deutsche die Petition unterzeichnet haben: Sie mussten es nicht. Ihre Lieblingsjuden haben es f\u00fcr sie getan. Jetzt k\u00f6nnen sie sagen: \u201eSchau, ich bin das ja nicht, meine j\u00fcdischen Freunde sagen es.\u201c Ich selbst war einige Jahre lang mit einem Paar hier in Berlin befreundet, bis ich herausfand, dass ich ihr Lieblingsjude war. Ja, selbst das j\u00fcdische Museum wurde so genutzt.<\/p>\n\n\n\n

Weil Attacken gegen Juden ein absolutes Tabu sind, wurden Umwege gefunden, um den Antisemitismus auf kleiner Flamme k\u00f6cheln zu lassen: die unfundierte, unbegr\u00fcndete Kritik an Israel.<\/p>\n\n\n\n

Diese Art der Kritik ist gef\u00e4hrlich. Sie schw\u00e4cht jede begr\u00fcndete und notwendige Kritik am Verhalten Israels. Und das Interessante ist: Trotz all der heftigen, pauschalisierenden Anklagen, all der offenen Briefe driftet Israel politisch immer weiter nach rechts. Doch statt mal einen anderen Ansatz zu versuchen, werden die antiisraelischen Stimmen nur lauter. Dasselbe versuchen und andere Ergebnisse davon erwarten \u2013 das ist die Definition von Wahnsinn.<\/p>\n\n\n\n

Kurz bevor der Prozess gegen den wegen des Attentats von Halle<\/a> Angeklagten begann \u2013 des seit Kriegsende schlimmsten Akts von Antisemitismus in Deutschland \u2013, lud eine Lokalzeitung den fr\u00fcheren Botschafter Shimon Stein und den Historiker Moshe Zimmermann ein, dar\u00fcber zu schreiben, was Antisemitismus ist. Nat\u00fcrlich wendeten auch sie sich gegen Felix Kleins Ansatz. Sie zitieren die Kontroverse um die Umbenennung der U-Bahn-Station Mohrenstra\u00dfe in Glinkastra\u00dfe, die sich darum drehte, dass der russische Komponist Michael Glinka Antisemit gewesen sein soll. Stein und Zimmermann halten die Debatte f\u00fcr \u00fcberzogen, Glinka sei nur ein Kind seiner Zeit gewesen. Folgt man ihrer Logik, k\u00f6nnen wir dann also in 20 oder 30 Jahren U-Bahn-Stationen nach den Kindern der 1930er Jahre benennen?<\/p>\n\n\n\n

Der Antisemit als Tierfreund<\/h6>\n\n\n\n

Ich w\u00fcnschte, die Sache h\u00e4tte mit dem Artikel, mit der Petition geendet. Doch dann erschien ein Artikel, der den Leser auf einen Waldspaziergang mit einem veganen Koch und Antisemiten mitnahm. Darin setzt der Tierfreund erst behutsam einen K\u00e4fer wieder auf seine Beinchen und erkl\u00e4rt dann, dass die Todesstrafe in Deutschland wieder eingef\u00fchrt werden solle, um einen gewissen Politiker (der zuf\u00e4llig pro Israel ist) an seinen Hoden aufh\u00e4ngen zu k\u00f6nnen. Dieser Koch hat Hunderttausende Follower, er sagt all solche Dinge am helllichten Tag in Berlin. Und in den Medien.<\/p>\n\n\n\n

F\u00e4lle wie dieser handeln bereits von Gewalt \u2013 und sie enden nicht bei den Juden. Der Hass richtet sich gegen Frauen<\/a>, Muslime, Gefl\u00fcchtete, \u00adLBTQI. Am Ende aller theoretischen Debatten stehen immer echte Menschen. Am Ende jeder Konferenz dar\u00fcber, was Antisemitismus ausmacht, steht ein potenzielles j\u00fcdisches Opfer. Angesichts einer Welle von Antisemitismus \u00fcber die Definition von Antisemitismus zu streiten ist, wie eine 10 Meter hohe Welle heranrollen zu sehen und dar\u00fcber zu streiten, was einen Tsunami ausmacht.<\/p>\n\n\n\n

Felix Klein versteht, wie absurd es ist, zu sagen: Es sind nur die Rechten. Die Rechten sind Deutsche, so wie die Nazis Deutsche waren. Klein versteht, dass die Deutschen nicht aufgeh\u00f6rt haben, Juden zu ermorden, weil sie irgendeine Art von Erleuchtung hatten. Sondern schlicht, weil sie den Krieg verloren haben. Um den Antisemitismus zu bek\u00e4mpfen, bevor er die Gesellschaft frisst, in der er und wir leben, muss Deutschland seinen moralischen Kompass korrigieren.<\/p>\n\n\n\n

Immerhin: Mehr und mehr Deutsche fahren nach Israel, sie wollen ein anderes Narrativ h\u00f6ren. Mehr und mehr Deutsche verstehen, dass Antisemitismus Schockwellen ausl\u00f6st, die die gesamte Gesellschaft betreffen. In einem normalen Universum w\u00fcrde Klein bef\u00f6rdert werden f\u00fcr seine Leistung. In einer verdrehten Gesellschaft fordern Menschen seine Entlassung. Um es mit Mbembe zu sagen: Das ist Nano-Nonsens.<\/p>\n\n\n\n

\u00dcbersetzung: Ariane Lemme<\/a><\/em><\/p>\n","post_title":"Felix Klein hat verstanden","post_excerpt":"","post_status":"publish","comment_status":"closed","ping_status":"closed","post_password":"","post_name":"felix-klein-hat-verstanden","to_ping":"","pinged":"","post_modified":"2025-02-02 08:39:39","post_modified_gmt":"2025-02-02 08:39:39","post_content_filtered":"","post_parent":0,"guid":"https:\/\/dctransparency.com\/?p=3786","menu_order":0,"post_type":"post","post_mime_type":"","comment_count":"0","filter":"raw"}],"next":false,"prev":true,"total_page":47},"paged":1,"column_class":"jeg_col_2o3","class":"epic_block_3"};

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Als Kaiser Justinian die Hagia Sophia nach nur f\u00fcnf Jahren Bauzeit (532\u2013537) betrat, soll er in Anspielung auf den Tempel in Jerusalem ausgerufen haben: \"Salomo, ich habe dich \u00fcbertroffen!\" Die Innenausstattung war mit ihren S\u00e4ulen aus Porphyr und gr\u00fcnem Marmor, mit Mosaiken aus Gold und Halbedelsteinen derart prunkvoll, der Gesamteindruck derart \u00fcberirdisch, dass eine Delegation des Gro\u00dff\u00fcrsten von Kiew nicht mehr wusste, \"ob wir im Himmel oder auf der Erde\" waren \u2013 was die Christianisierung Russlands bef\u00f6rderte.<\/p>\n\n\n\n

Der deutsche Architekturlehrer Holger Kleine nennt die Hagia Sophia \"absolute Architektur\", weil sie \"extreme Ausdrucksformen nahezu aller dramaturgischen Mittel, die der Architektur zur Verf\u00fcgung stehen, vereinigt: wuchtigste K\u00f6rper und luftigste R\u00e4ume, engste Enge und gr\u00f6\u00dfte Weite, w\u00e4rmende Helligkeit und mystisches Dunkel\". Und die Kuppelbauten aus der sp\u00e4teren Hochbl\u00fcte der Moscheenarchitektur im 16. und 17. Jahrhundert gehen eindeutig auf die Hagia Sophia zur\u00fcck.<\/p>\n\n\n\n

Die Hagia Sophia war Staatskirche des byzantinischen Reichs. F\u00fcr die Eroberer der letzte Schlussstein in der Kuppel osmanisch-muslimischen Herrschaftsanspruchs. Konstantinopel war ja 1453 nur noch eine isolierte, heruntergekommene Enklave in einem osmanischen Umfeld, kein christliches Heer kam zu Hilfe. Doch vorher war es zugleich Sperrriegel nach Osten und Geistesarchiv der antiken Kultur gewesen. \"Ohne Byzanz h\u00e4tte es kein Europa gegeben\", sagt die britische Altertumsforscherin Judith Herrin.<\/p>\n\n\n\n

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Freigelegtes Mosaik von \"Christos Pantokrator\".<\/figcaption><\/figure>\n\n\n\n

Neue Fragen<\/h3>\n\n\n\n

Die Kirche wurde von Mehmed II. und Nachfolgern nicht in der Substanz zerst\u00f6rt, sondern \"entchristlicht\". Die urspr\u00fcnglich \u00fcbert\u00fcnchten oder auch abgeschlagenen Mosaiken mit den Darstellungen von Christus, der Muttergottes, diversen Kaisern kamen zum Teil schon unter einem Sultan des 19. Jahrhunderts, dann gro\u00dfteils nach der Museumswidmung wieder zum Vorschein.<\/p>\n\n\n\n

Jetzt stellen sich neue symbolisch-praktische Fragen. Erdo\u011fan hat die Hagia Sophia der konservativen staatlichen Religionsbeh\u00f6rde Diyanet unterstellt. Die byzantinischen Mosaike, wie der gro\u00dfartige \"Christos Pantokrator\" (\"Weltenherrscher\") oder die Jungfrau Maria in der Apsis, m\u00fcssen wohl w\u00e4hrend des islamischen Gottesdiensts verh\u00e4ngt werden. Muss der Boden mit seinen Marmorplatten und Mosaiken mit einem Teppich bedeckt werden? Erdo\u011fan sagt, Touristen seien nach wie vor zugelassen. Aber sie werden wohl hinter Absperrungen bleiben m\u00fcssen. Frauen werden \u2013 wie in der benachbarten \"Blauen Moschee\" (\"Sultanahmed\") Kopftuch tragen m\u00fcssen.<\/p>\n\n\n\n

\"\"\/
Erdo\u011fan mit Gattin in der Hagia Sophia.<\/figcaption><\/figure>\n\n\n\n

Erdo\u011fans neue Abenteuer<\/strong><\/h3>\n\n\n\n

Aber wird da nicht doch zu viel in einen Formalakt rund um ein uraltes Bauwerk hineininterpretiert? Im geschichtlichen Kontext relativiert sich manches: Konstantinopel wurde schon von Christen erobert und ausgepl\u00fcndert \u2013 1204 im Vierten Kreuzzug. In der Moschee von Cordoba (\"Mezquita\") bauten die Katholiken eine ganze Kirche in den ber\u00fchmten S\u00e4ulenwald hinein. Die Mezquita ist heute noch Kirche, kein Museum.<\/p>\n\n\n\n

\"Das ist der Beweis, dass wir kein s\u00e4kularer Staat mehr sein wollen\", sagt Nobelpreistr\u00e4ger Orhan Pamuk. Erdo\u011fan betrachtet sich offenbar als auch neoosmanischer \"Fatih\" im Mittelmeerraum mit immer neuen Abenteuern: Eingreifen in Syrien, Stellvertreterkrieg in Libyen, Anspr\u00fcche auf Erdgasvorkommen weit vor der t\u00fcrkischen K\u00fcste bei Zypern, Reden, wonach manche \u00c4g\u00e4is-Inseln eigentlich zur T\u00fcrkei geh\u00f6ren, \"denn dort stehen unsere Moscheen\". Manches davon ist nur Rhetorik, aber genug anderes ist riskante Realit\u00e4t. (Hans Rauscher, 14.7.2020)<\/p>\n\n\n\n

Quelle<\/a><\/strong><\/p>\n","post_title":"Hagia Sophia: Verengung und Verarmung eines Welterbes","post_excerpt":"","post_status":"publish","comment_status":"closed","ping_status":"closed","post_password":"","post_name":"hagia-sophia-verengung-und-verarmung-eines-welterbes","to_ping":"","pinged":"","post_modified":"2025-02-02 08:39:39","post_modified_gmt":"2025-02-02 08:39:39","post_content_filtered":"","post_parent":0,"guid":"https:\/\/dctransparency.com\/?p=3792","menu_order":0,"post_type":"post","post_mime_type":"","comment_count":"0","filter":"raw"},{"ID":3789,"post_author":"7","post_date":"2020-08-14 13:56:07","post_date_gmt":"2020-08-14 13:56:07","post_content":"\n

Im Gastkommentar pocht Mark Leonard, Direktor des Europ\u00e4ischen Rats f\u00fcr Ausw\u00e4rtige Beziehungen, auf \"neue, einvernehmlich vereinbarte Prinzipien sowie klare Grenzen\", nur so k\u00f6nne eine weitere Destabilisierung in der Region verhindert werden.<\/em><\/strong><\/p>\n\n\n\n

Ist die T\u00fcrkei das neue Russland? Diese Frage wird in den europ\u00e4ischen Hauptst\u00e4dten zunehmend gestellt, da die Au\u00dfenpolitik des t\u00fcrkischen Pr\u00e4sidenten Recep Tayyip Erdo\u011fan zunehmend aggressiver wird. Erdo\u011fan nutzt nicht nur die Migration, um die EU zu bedrohen und zu betr\u00fcgen, sondern setzt auch milit\u00e4rische Macht ein, um den Einflussbereich der T\u00fcrkei auf die gesamte Region auszudehnen.<\/p>\n\n\n\n

Seit dem Ende des Kalten Krieges haben die Europ\u00e4er die regionale Sicherheit durch eine unipolare westliche Linse betrachtet. W\u00e4hrend die Nato die milit\u00e4rische Sicherheit garantierte, sorgte die EU mit ihrem 80.000 Seiten starken Regelwerk f\u00fcr alles von LGBTQ-Rechten bis hin zu Rasenm\u00e4her-Sound-Verordnungen f\u00fcr Rechtsordnung. In den 90er-Jahren ging man allgemein davon aus, dass die beiden gro\u00dfen nichtwestlichen regionalen Akteure, Russland und die T\u00fcrkei, nach und nach an diese Regelungen herangef\u00fchrt werden w\u00fcrden.<\/p>\n\n\n\n

Qu\u00e4lende Hassliebe<\/h3>\n\n\n\n

Doch in den letzten 15 Jahren ist der Traum von der europ\u00e4ischen Unipolarit\u00e4t einer multipolaren Realit\u00e4t gewichen. Sowohl Russland als auch die T\u00fcrkei haben eine lange, qu\u00e4lende Hassliebe zu Europa, und beide sind unter nationalen Machthabern, denen die Verachtung der Normen und Werte der EU gemeinsam ist, durchsetzungsf\u00e4higer geworden.<\/p>\n\n\n\n

Die zunehmende Verschlechterung der Beziehungen zwischen der EU und Russland ist gut dokumentiert, der Fall der T\u00fcrkei weniger. Der Irakkrieg im Jahr 2003 komplizierte das Verh\u00e4ltnis der T\u00fcrkei zur Nato, und ihr Verh\u00e4ltnis zur EU verschlechterte sich 2007, als Frankreich einen wichtigen Teil ihrer EU-Beitrittsverhandlungen blockierte. Seitdem hat die T\u00fcrkei ihren eigenen Weg in Syrien, auf dem Balkan und in Libyen eingeschlagen und neue Beziehungen zu Russland und China aufgebaut.<\/p>\n\n\n\n

Wichtiger Akteur<\/strong><\/h3>\n\n\n\n

Nat\u00fcrlich sind die Beziehungen zwischen der T\u00fcrkei und Russland nicht weniger kompliziert, nicht zuletzt weil Erdo\u011fan und der russische Pr\u00e4sident Wladimir Putin im syrischen B\u00fcrgerkrieg verschiedene Seiten unterst\u00fctzten.Und w\u00e4hrend die Spannungen wegen des Syrien-Konflikts weiterhin bestehen, bewundert Erdo\u011fan deutlich, wie Russland sich \u2013 bei relativ geringen Kosten \u2013 wieder als wichtiger Akteur im Nahen Osten und in Nordafrika etabliert hat.<\/p>\n\n\n\n

Nachdem er in einen nicht zu gewinnenden Krieg im Osten der Ukraine verwickelt war, schien Putins weitgehend erfolgreicher Feldzug in Syrien einen Teil seiner innenpolitischen Autorit\u00e4t wiederherzustellen. Der Westen hatte f\u00fcnf Jahre lang darauf bestanden, dass es keine milit\u00e4rische L\u00f6sung des Konflikts gebe und dass der syrische Pr\u00e4sident Baschar al-Assad gehen m\u00fcsse. Doch w\u00e4hrend die von den Vereinten Nationen unterst\u00fctzten Gespr\u00e4che in Genf zu keinem Ergebnis f\u00fchrten, schienen die von Russland geleiteten Gespr\u00e4che in Astana voranzukommen. Indem der Kreml die T\u00fcrkei und den Iran einbezog, w\u00e4hrend er die westlichen M\u00e4chte ausschloss, erweckte er den Eindruck, dass Russland als wiedergeborene Supermacht aus der Asche auferstanden sei.<\/p>\n\n\n\n

Unter Druck<\/h3>\n\n\n\n

Angesichts des wachsenden Widerstands im eigenen Land macht es Erdo\u011fan Putin gleich. Da der Westen nicht bereit war, (erneut) milit\u00e4risch in Libyen zu intervenieren, sah Erdo\u011fan eine Gelegenheit, die T\u00fcrkei zu positionieren. Nach dem Vorgehen Russlands in Syrien sicherte er sich eine formelle Einladung der libyschen Regierung zur Intervention. Mit einem Schlag Ende letzten Jahres hat er nicht nur das Image der T\u00fcrkei als Regionalmacht gest\u00e4rkt, sondern auch ein Abkommen mit Libyen \u00fcber die Seegrenze abgeschlossen und damit einen Plan Griechenlands, Zyperns, \u00c4gyptens und Israels zur Erschlie\u00dfung von Unterwasser\u00f6l- und -gasfeldern in der N\u00e4he zunichtegemacht.<\/p>\n\n\n\n

Erdo\u011fan scheint auch von der Spalt-und-Eroberungs-Strategie des Kreml in Europa inspiriert worden zu sein, der zufolge oft diejenigen EU-Mitgliedsstaaten unter Druck gesetzt werden, die am meisten von russischen Kohlenwasserstoffen oder M\u00e4rkten abh\u00e4ngig sind. So wie Putin lange Zeit die Energieversorgung instrumentalisiert hat, hat Erdo\u011fan versucht, den Strom von Migranten und Fl\u00fcchtlingen, die vor Konflikten im Nahen Osten fliehen, zu instrumentalisieren. Als die EU eine neue Marinemission ank\u00fcndigte, um den Waffenstrom nach Libyen zu blockieren, malte die T\u00fcrkei f\u00fcr Malta das Schreckgespenst der angeblichen Bedrohung durch Migranten an die Wand. Malta reagierte prompt und signalisierte, dass es gegen die Finanzierung der Mission ein Veto einlegen werde.<\/p>\n\n\n\n

Verlorener Sohn<\/strong><\/h3>\n\n\n\n

Jahrelang redeten sich die Europ\u00e4er ein, dass Russland eine Art verlorener Sohn sei und dass die europ\u00e4ische unipolare Ordnung gesund bleibe. Doch das machte Europa zu einem leichten Ziel f\u00fcr die Trennungs-und-Eroberungs-Strategie des Kreml. Erst vor relativ kurzer Zeit entwarf die Union eine neue Politik und ein robustes Sanktionsregime, um die russische Aggression abzuschrecken. Und selbst jetzt \u2013 trotz der besten Bem\u00fchungen der deutschen Bundeskanzlerin Angela Merkel und des franz\u00f6sischen Pr\u00e4sidenten Emmanuel Macron \u2013 hat die EU noch immer keine wirksamen Kommunikationskan\u00e4le mit Russland geschaffen, um gemeinsame Probleme anzugehen.<\/p>\n\n\n\n

Die T\u00fcrkei ist noch kein neues Russland, aber sie k\u00f6nnte dazu werden, wenn die Situation falsch gehandhabt wird. Vorerst betrachten die meisten Europ\u00e4er die T\u00fcrkei noch immer als einen komplizierten Partner und nicht als \"Systemrivalen\". Aber die Europ\u00e4er sollten die hart erk\u00e4mpften Lehren aus dem Umgang mit Russland in den letzten 15 Jahren beherzigen. Die Beziehungen zwischen der EU und der T\u00fcrkei brauchen neue, einvernehmlich vereinbarte Prinzipien sowie klare Grenzen, um eine weitere Destabilisierung in der Region zu verhindern.<\/p>\n\n\n\n

Zu diesem Zweck sollten die Europ\u00e4er klarstellen, dass der EU-Beitrittsprozess entweder zur\u00fcckgedreht oder vorangetrieben werden kann und dass eine eher transaktionale Beziehung sowohl Zuckerbrot als auch Peitsche beinhaltet. Die Herausforderung wird darin bestehen, daf\u00fcr zu sorgen, dass es in einer Region, die nicht nur von Europa und der T\u00fcrkei, sondern auch von Russland, den USA und einem aufstrebenden China beeinflusst wird, noch Raum f\u00fcr politisches Engagement in Fragen der gemeinsamen Sicherheit gibt. (Mark Leonard, \u00dcbersetzung: Eva G\u00f6llner, Copyright: Project Syndicate, 10.8.2020)<\/p>\n\n\n\n

Mark Leonard <\/strong>ist Direktor des Europ\u00e4ischen Rats f\u00fcr Ausw\u00e4rtige Beziehungen.<\/a><\/p>\n","post_title":"Erdo\u011fan \u2013 der andere Putin vor der Haust\u00fcr Europas","post_excerpt":"","post_status":"publish","comment_status":"closed","ping_status":"closed","post_password":"","post_name":"erdogan-der-andere-putin-vor-der-haustur-europas","to_ping":"","pinged":"","post_modified":"2025-02-02 08:39:39","post_modified_gmt":"2025-02-02 08:39:39","post_content_filtered":"","post_parent":0,"guid":"https:\/\/dctransparency.com\/?p=3789","menu_order":0,"post_type":"post","post_mime_type":"","comment_count":"0","filter":"raw"},{"ID":3786,"post_author":"7","post_date":"2020-08-14 13:51:23","post_date_gmt":"2020-08-14 13:51:23","post_content":"\n

Einen Monat nachdem ich zur israelischen Armee eingezogen worden war, brach die erste Intifada aus. Statt Soldat zu sein, machte ich Polizeiarbeit, sagte den Menschen, wann sie zur Arbeit gehen konnten und wann sie ihre L\u00e4den schlie\u00dfen mussten, wann sie die Grenze passieren und wann sie schlafen konnten. Einen Monat nachdem ich aus der Armee entlassen worden war, ging ich auf Reisen. (In Israel sagen wir: Wir dienen drei Jahre und versuchen den Rest unseres Lebens, diese drei Jahre zu vergessen.) Auf meiner Reise begann ich Briefe an meine Freundin zu schreiben, die ich in Israel zur\u00fcckgelassen hatte.<\/p>\n\n\n\n

Ich schrieb ihr, wie schrecklich depressiv ich war und dass diese drei Jahre des Anweisungenbellens und Anderen-Menschen-Sagens, was sie zu tun haben, mich f\u00fcr immer verfolgen w\u00fcrden. Dass sie ein Teil dessen geworden waren, was ich bin. Ich erinnere mich, dass ich ihr schrieb, dass wir da rausm\u00fcssen \u2013 nicht nur f\u00fcr die Pal\u00e4stinenser, sondern wegen der furchtbaren und brutalen Auswirkungen, die all das auf uns, auf die israelische Gesellschaft haben w\u00fcrde. Sie schrieb zur\u00fcck: \u201eDu hast recht. Ich habe einen neuen Freund.\u201c<\/p>\n\n\n\n

Felix Klein wurde als Beauftragter der Bundesregierung berufen<\/a>, um die Auswirkungen des zunehmenden Antisemitismus in unserer Gesellschaft, in Deutschland, zu bek\u00e4mpfen. Was nicht in seiner Jobbeschreibung steht, ist, dass er dabei unsere Gesellschaft heilen muss, jene Gesellschaft, die diese Form des Hasses reproduziert und sch\u00fctzt. Klein hat das begriffen.<\/p>\n\n\n\n

Er versteht, dass man Krebs nicht mit einem Pflaster verarztet, er wei\u00df, dass er das Bewusstsein der Deutschen sch\u00e4rfen und Diskussionen ansto\u00dfen muss. Er hat begriffen, dass das Problem nicht nur an den R\u00e4ndern der Gesellschaft (bei den Rechten) liegt, sondern auch in ihrer Mitte. Dort, wo gebildete Menschen nicht einmal bemerken, dass das, was sie sagen und tun, antisemitisch ist. So wie sie es auch nicht merken, wenn sie rassistisch handeln. Er hat all das verstanden, und genau deshalb wollen einige, dass er seinen Posten r\u00e4umt.<\/p>\n\n\n\n

Mehr als 60 deutsche und israelische Intellektuelle haben letzte Woche in einem Brief an Kanzlerin Merkel<\/a> dar\u00fcber geklagt, dass der aktuelle \u201eGebrauch des Antisemitismusbegriffs\u201c darauf abziele, \u201elegitime Kritik an der israelischen Regierungspolitik zu unterdr\u00fccken\u201c, und Klein vorgeworfen, rechtspopulistische israelische Stimmen zu f\u00f6rdern.<\/p>\n\n\n\n

Faszinierend an diesem offenen Brief ist, dass viele der Unterzeichneten keine Deutschen sind und auch nicht in Deutschland leben. Ich wei\u00df nicht, woher sie \u2013 die meisten von ihnen sind Israelis \u2013 die Chuzpe haben, sich in eine innerdeutsche Angelegenheit einzumischen und zu fordern, eine Person zu entlassen, die von der Bundesregierung eingesetzt wurde. Die H\u00e4lfte der Unterzeichneten lebt nicht hier, von der anderen H\u00e4lfte sind viele keine Juden \u2013 somit sind die allermeisten von ihnen nicht direkt vom Antisemitismus in Deutschland betroffen. Wie also k\u00f6nnen sie diesen Brief unterschreiben? Und warum eigentlich haben so wenige Deutsche unterschrieben? Dazu komme ich gleich.<\/p>\n\n\n\n

Debatte um Achille Mbembe<\/h6>\n\n\n\n

Hintergrund des Briefs war, dass Felix Klein gefordert hatte, den Philosophen Achille Mbembe<\/a> nicht die Er\u00f6ffnungsrede der Ruhrtriennale halten zu lassen. Als mit \u00f6ffentlichen Mitteln gef\u00f6rdertes Event solle die Ruhrtriennale Mbembe wegen seiner Haltung zu Israels Existenzrecht, seiner Haltung zu BDS und der Art, wie er in einem seiner Werke den Holocaust relativiert, nicht einladen.<\/p>\n\n\n\n

Mbembes Unterst\u00fctzer sagen, keine dieser Anschuldigungen sei wahr. F\u00fcrs Protokoll: In meinen Augen unterst\u00fctzt Mbembe sehr wohl BDS<\/a>, er schrieb unter anderem das Vorwort zu \u201eApartheid Israel\u201c und fordert die komplette Isolation Israels. Ich glaube auch, wenn Mbembe schreibt, die israelische Besetzung sei der \u201egr\u00f6\u00dfte moralische Skandal unserer Zeit\u201c, zeigt das, dass sein moralischer und geografischer Kompass etwas schief ist.<\/p>\n\n\n\n

Doch warum treibt die Debatte so viele Menschen um? Nun, zun\u00e4chst gibt niemand gern auf, was ihm oder ihr selbstverst\u00e4ndlich scheint. \u00dcber den gesamten politischen, sozialen, kulturellen, medialen und akademischen Sektor hinweg sind Menschen daran gew\u00f6hnt, so schlecht \u00fcber Israel sprechen zu k\u00f6nnen, wie auch immer sie wollen.<\/p>\n\n\n\n

Der Spiegel<\/em> hat \u2013 vielleicht in Anlehnung an seine Relotius-Standards, Israel erst k\u00fcrzlich eine Corona-Diktatur genannt. Fakten und Belege f\u00fcr diese Behauptung gab es nicht. Doch Millionen Deutsche haben es gelesen, und es wird nat\u00fcrlich haften bleiben. Faktenlage hin oder her. Der Spiegel<\/em> und andere Medien haben dieses Spiel perfektioniert: Titel so zu drehen, dass sie Israel indirekt anklagen, die Idee zu streuen, der Mossad kon\u00adtrol\u00adliere die deutsche Au\u00dfenpolitik im Nahen Osten, und so fort. Doch sie stehen allesamt sofort auf den Hinterbeinen, wenn jemand es wagt, das Spiel beim Namen zu nennen: moderner Antisemitismus.<\/p>\n\n\n\n

Klein will dem entgegenwirken. Er versteht, dass antisemitische Attacken in Deutschland die Fr\u00fcchte solch falsch gezeichneter Bilder und eindimensionaler Narrative \u00fcber Israel sind. Wenn er und andere versuchen, ein anderes Narrativ aufzuzeigen, wirft man ihnen Zensur vor: Wie k\u00f6nnen sie es wagen, das Gesch\u00e4ft der Anti-Israel-Propaganda zu st\u00f6ren?<\/p>\n\n\n\n

Liebe Deutsche, wenn ihr reden wollt, lasst uns gern reden: \u00fcber die Besetzung, \u00fcber Bibi und alles, was schiefl\u00e4uft. Aber dann lasst uns bitte auch dar\u00fcber reden, wie deutsche Steuergelder Terrortunnel finanzieren. Erst vergangene Woche r\u00e4umte die niederl\u00e4ndische Regierung ein, dass Gelder an eine Landwirtschaftsorganisation in Ramallah geflossen seien, die damit teilweise die Geh\u00e4lter zweier des Mordes an der 17-j\u00e4hrigen Israelin Rina Shnerb Verd\u00e4chtiger gezahlt haben. Auch die Bundesregierung unterst\u00fctzt diese Organisation, obwohl Kritiker schon lange vor Verbindungen zu Terroristen warnen.<\/p>\n\n\n\n

Wir k\u00f6nnen uns also gerne unterhalten \u2013 aber im Dialog, nicht in Monologen. Denn Reden unter Menschen, die sich einig sind, ist nichts anderes als Impotenz.<\/p>\n\n\n\n

Israelkritik als Eintrittskarte<\/h6>\n\n\n\n

Die Israelis, die die Petition unterzeichnet haben, haben \u00fcbrigens ebenfalls etwas verstanden. Seit Jahren wissen sie: Es ist ihre Eintrittskarte in die Mitte der deutschen (und europ\u00e4ischen) Gesellschaft. Man h\u00f6rt nicht oft von Akademikern mit proisraelischen Ansichten. Weder in den Philharmonie-Orchestern noch in der Kunstszene. Die Eintrittskarte daf\u00fcr ist ein antiisraelischer Standpunkt.<\/p>\n\n\n\n

Der mutma\u00dfliche Grund, warum kaum Deutsche die Petition unterzeichnet haben: Sie mussten es nicht. Ihre Lieblingsjuden haben es f\u00fcr sie getan. Jetzt k\u00f6nnen sie sagen: \u201eSchau, ich bin das ja nicht, meine j\u00fcdischen Freunde sagen es.\u201c Ich selbst war einige Jahre lang mit einem Paar hier in Berlin befreundet, bis ich herausfand, dass ich ihr Lieblingsjude war. Ja, selbst das j\u00fcdische Museum wurde so genutzt.<\/p>\n\n\n\n

Weil Attacken gegen Juden ein absolutes Tabu sind, wurden Umwege gefunden, um den Antisemitismus auf kleiner Flamme k\u00f6cheln zu lassen: die unfundierte, unbegr\u00fcndete Kritik an Israel.<\/p>\n\n\n\n

Diese Art der Kritik ist gef\u00e4hrlich. Sie schw\u00e4cht jede begr\u00fcndete und notwendige Kritik am Verhalten Israels. Und das Interessante ist: Trotz all der heftigen, pauschalisierenden Anklagen, all der offenen Briefe driftet Israel politisch immer weiter nach rechts. Doch statt mal einen anderen Ansatz zu versuchen, werden die antiisraelischen Stimmen nur lauter. Dasselbe versuchen und andere Ergebnisse davon erwarten \u2013 das ist die Definition von Wahnsinn.<\/p>\n\n\n\n

Kurz bevor der Prozess gegen den wegen des Attentats von Halle<\/a> Angeklagten begann \u2013 des seit Kriegsende schlimmsten Akts von Antisemitismus in Deutschland \u2013, lud eine Lokalzeitung den fr\u00fcheren Botschafter Shimon Stein und den Historiker Moshe Zimmermann ein, dar\u00fcber zu schreiben, was Antisemitismus ist. Nat\u00fcrlich wendeten auch sie sich gegen Felix Kleins Ansatz. Sie zitieren die Kontroverse um die Umbenennung der U-Bahn-Station Mohrenstra\u00dfe in Glinkastra\u00dfe, die sich darum drehte, dass der russische Komponist Michael Glinka Antisemit gewesen sein soll. Stein und Zimmermann halten die Debatte f\u00fcr \u00fcberzogen, Glinka sei nur ein Kind seiner Zeit gewesen. Folgt man ihrer Logik, k\u00f6nnen wir dann also in 20 oder 30 Jahren U-Bahn-Stationen nach den Kindern der 1930er Jahre benennen?<\/p>\n\n\n\n

Der Antisemit als Tierfreund<\/h6>\n\n\n\n

Ich w\u00fcnschte, die Sache h\u00e4tte mit dem Artikel, mit der Petition geendet. Doch dann erschien ein Artikel, der den Leser auf einen Waldspaziergang mit einem veganen Koch und Antisemiten mitnahm. Darin setzt der Tierfreund erst behutsam einen K\u00e4fer wieder auf seine Beinchen und erkl\u00e4rt dann, dass die Todesstrafe in Deutschland wieder eingef\u00fchrt werden solle, um einen gewissen Politiker (der zuf\u00e4llig pro Israel ist) an seinen Hoden aufh\u00e4ngen zu k\u00f6nnen. Dieser Koch hat Hunderttausende Follower, er sagt all solche Dinge am helllichten Tag in Berlin. Und in den Medien.<\/p>\n\n\n\n

F\u00e4lle wie dieser handeln bereits von Gewalt \u2013 und sie enden nicht bei den Juden. Der Hass richtet sich gegen Frauen<\/a>, Muslime, Gefl\u00fcchtete, \u00adLBTQI. Am Ende aller theoretischen Debatten stehen immer echte Menschen. Am Ende jeder Konferenz dar\u00fcber, was Antisemitismus ausmacht, steht ein potenzielles j\u00fcdisches Opfer. Angesichts einer Welle von Antisemitismus \u00fcber die Definition von Antisemitismus zu streiten ist, wie eine 10 Meter hohe Welle heranrollen zu sehen und dar\u00fcber zu streiten, was einen Tsunami ausmacht.<\/p>\n\n\n\n

Felix Klein versteht, wie absurd es ist, zu sagen: Es sind nur die Rechten. Die Rechten sind Deutsche, so wie die Nazis Deutsche waren. Klein versteht, dass die Deutschen nicht aufgeh\u00f6rt haben, Juden zu ermorden, weil sie irgendeine Art von Erleuchtung hatten. Sondern schlicht, weil sie den Krieg verloren haben. Um den Antisemitismus zu bek\u00e4mpfen, bevor er die Gesellschaft frisst, in der er und wir leben, muss Deutschland seinen moralischen Kompass korrigieren.<\/p>\n\n\n\n

Immerhin: Mehr und mehr Deutsche fahren nach Israel, sie wollen ein anderes Narrativ h\u00f6ren. Mehr und mehr Deutsche verstehen, dass Antisemitismus Schockwellen ausl\u00f6st, die die gesamte Gesellschaft betreffen. In einem normalen Universum w\u00fcrde Klein bef\u00f6rdert werden f\u00fcr seine Leistung. In einer verdrehten Gesellschaft fordern Menschen seine Entlassung. Um es mit Mbembe zu sagen: Das ist Nano-Nonsens.<\/p>\n\n\n\n

\u00dcbersetzung: Ariane Lemme<\/a><\/em><\/p>\n","post_title":"Felix Klein hat verstanden","post_excerpt":"","post_status":"publish","comment_status":"closed","ping_status":"closed","post_password":"","post_name":"felix-klein-hat-verstanden","to_ping":"","pinged":"","post_modified":"2025-02-02 08:39:39","post_modified_gmt":"2025-02-02 08:39:39","post_content_filtered":"","post_parent":0,"guid":"https:\/\/dctransparency.com\/?p=3786","menu_order":0,"post_type":"post","post_mime_type":"","comment_count":"0","filter":"raw"}],"next":false,"prev":true,"total_page":47},"paged":1,"column_class":"jeg_col_2o3","class":"epic_block_3"};

\n

\"Salomo, ich habe dich \u00fcbertroffen!\"<\/p><\/blockquote>\n\n\n\n

Als Kaiser Justinian die Hagia Sophia nach nur f\u00fcnf Jahren Bauzeit (532\u2013537) betrat, soll er in Anspielung auf den Tempel in Jerusalem ausgerufen haben: \"Salomo, ich habe dich \u00fcbertroffen!\" Die Innenausstattung war mit ihren S\u00e4ulen aus Porphyr und gr\u00fcnem Marmor, mit Mosaiken aus Gold und Halbedelsteinen derart prunkvoll, der Gesamteindruck derart \u00fcberirdisch, dass eine Delegation des Gro\u00dff\u00fcrsten von Kiew nicht mehr wusste, \"ob wir im Himmel oder auf der Erde\" waren \u2013 was die Christianisierung Russlands bef\u00f6rderte.<\/p>\n\n\n\n

Der deutsche Architekturlehrer Holger Kleine nennt die Hagia Sophia \"absolute Architektur\", weil sie \"extreme Ausdrucksformen nahezu aller dramaturgischen Mittel, die der Architektur zur Verf\u00fcgung stehen, vereinigt: wuchtigste K\u00f6rper und luftigste R\u00e4ume, engste Enge und gr\u00f6\u00dfte Weite, w\u00e4rmende Helligkeit und mystisches Dunkel\". Und die Kuppelbauten aus der sp\u00e4teren Hochbl\u00fcte der Moscheenarchitektur im 16. und 17. Jahrhundert gehen eindeutig auf die Hagia Sophia zur\u00fcck.<\/p>\n\n\n\n

Die Hagia Sophia war Staatskirche des byzantinischen Reichs. F\u00fcr die Eroberer der letzte Schlussstein in der Kuppel osmanisch-muslimischen Herrschaftsanspruchs. Konstantinopel war ja 1453 nur noch eine isolierte, heruntergekommene Enklave in einem osmanischen Umfeld, kein christliches Heer kam zu Hilfe. Doch vorher war es zugleich Sperrriegel nach Osten und Geistesarchiv der antiken Kultur gewesen. \"Ohne Byzanz h\u00e4tte es kein Europa gegeben\", sagt die britische Altertumsforscherin Judith Herrin.<\/p>\n\n\n\n

\"\"\/
Freigelegtes Mosaik von \"Christos Pantokrator\".<\/figcaption><\/figure>\n\n\n\n

Neue Fragen<\/h3>\n\n\n\n

Die Kirche wurde von Mehmed II. und Nachfolgern nicht in der Substanz zerst\u00f6rt, sondern \"entchristlicht\". Die urspr\u00fcnglich \u00fcbert\u00fcnchten oder auch abgeschlagenen Mosaiken mit den Darstellungen von Christus, der Muttergottes, diversen Kaisern kamen zum Teil schon unter einem Sultan des 19. Jahrhunderts, dann gro\u00dfteils nach der Museumswidmung wieder zum Vorschein.<\/p>\n\n\n\n

Jetzt stellen sich neue symbolisch-praktische Fragen. Erdo\u011fan hat die Hagia Sophia der konservativen staatlichen Religionsbeh\u00f6rde Diyanet unterstellt. Die byzantinischen Mosaike, wie der gro\u00dfartige \"Christos Pantokrator\" (\"Weltenherrscher\") oder die Jungfrau Maria in der Apsis, m\u00fcssen wohl w\u00e4hrend des islamischen Gottesdiensts verh\u00e4ngt werden. Muss der Boden mit seinen Marmorplatten und Mosaiken mit einem Teppich bedeckt werden? Erdo\u011fan sagt, Touristen seien nach wie vor zugelassen. Aber sie werden wohl hinter Absperrungen bleiben m\u00fcssen. Frauen werden \u2013 wie in der benachbarten \"Blauen Moschee\" (\"Sultanahmed\") Kopftuch tragen m\u00fcssen.<\/p>\n\n\n\n

\"\"\/
Erdo\u011fan mit Gattin in der Hagia Sophia.<\/figcaption><\/figure>\n\n\n\n

Erdo\u011fans neue Abenteuer<\/strong><\/h3>\n\n\n\n

Aber wird da nicht doch zu viel in einen Formalakt rund um ein uraltes Bauwerk hineininterpretiert? Im geschichtlichen Kontext relativiert sich manches: Konstantinopel wurde schon von Christen erobert und ausgepl\u00fcndert \u2013 1204 im Vierten Kreuzzug. In der Moschee von Cordoba (\"Mezquita\") bauten die Katholiken eine ganze Kirche in den ber\u00fchmten S\u00e4ulenwald hinein. Die Mezquita ist heute noch Kirche, kein Museum.<\/p>\n\n\n\n

\"Das ist der Beweis, dass wir kein s\u00e4kularer Staat mehr sein wollen\", sagt Nobelpreistr\u00e4ger Orhan Pamuk. Erdo\u011fan betrachtet sich offenbar als auch neoosmanischer \"Fatih\" im Mittelmeerraum mit immer neuen Abenteuern: Eingreifen in Syrien, Stellvertreterkrieg in Libyen, Anspr\u00fcche auf Erdgasvorkommen weit vor der t\u00fcrkischen K\u00fcste bei Zypern, Reden, wonach manche \u00c4g\u00e4is-Inseln eigentlich zur T\u00fcrkei geh\u00f6ren, \"denn dort stehen unsere Moscheen\". Manches davon ist nur Rhetorik, aber genug anderes ist riskante Realit\u00e4t. (Hans Rauscher, 14.7.2020)<\/p>\n\n\n\n

Quelle<\/a><\/strong><\/p>\n","post_title":"Hagia Sophia: Verengung und Verarmung eines Welterbes","post_excerpt":"","post_status":"publish","comment_status":"closed","ping_status":"closed","post_password":"","post_name":"hagia-sophia-verengung-und-verarmung-eines-welterbes","to_ping":"","pinged":"","post_modified":"2025-02-02 08:39:39","post_modified_gmt":"2025-02-02 08:39:39","post_content_filtered":"","post_parent":0,"guid":"https:\/\/dctransparency.com\/?p=3792","menu_order":0,"post_type":"post","post_mime_type":"","comment_count":"0","filter":"raw"},{"ID":3789,"post_author":"7","post_date":"2020-08-14 13:56:07","post_date_gmt":"2020-08-14 13:56:07","post_content":"\n

Im Gastkommentar pocht Mark Leonard, Direktor des Europ\u00e4ischen Rats f\u00fcr Ausw\u00e4rtige Beziehungen, auf \"neue, einvernehmlich vereinbarte Prinzipien sowie klare Grenzen\", nur so k\u00f6nne eine weitere Destabilisierung in der Region verhindert werden.<\/em><\/strong><\/p>\n\n\n\n

Ist die T\u00fcrkei das neue Russland? Diese Frage wird in den europ\u00e4ischen Hauptst\u00e4dten zunehmend gestellt, da die Au\u00dfenpolitik des t\u00fcrkischen Pr\u00e4sidenten Recep Tayyip Erdo\u011fan zunehmend aggressiver wird. Erdo\u011fan nutzt nicht nur die Migration, um die EU zu bedrohen und zu betr\u00fcgen, sondern setzt auch milit\u00e4rische Macht ein, um den Einflussbereich der T\u00fcrkei auf die gesamte Region auszudehnen.<\/p>\n\n\n\n

Seit dem Ende des Kalten Krieges haben die Europ\u00e4er die regionale Sicherheit durch eine unipolare westliche Linse betrachtet. W\u00e4hrend die Nato die milit\u00e4rische Sicherheit garantierte, sorgte die EU mit ihrem 80.000 Seiten starken Regelwerk f\u00fcr alles von LGBTQ-Rechten bis hin zu Rasenm\u00e4her-Sound-Verordnungen f\u00fcr Rechtsordnung. In den 90er-Jahren ging man allgemein davon aus, dass die beiden gro\u00dfen nichtwestlichen regionalen Akteure, Russland und die T\u00fcrkei, nach und nach an diese Regelungen herangef\u00fchrt werden w\u00fcrden.<\/p>\n\n\n\n

Qu\u00e4lende Hassliebe<\/h3>\n\n\n\n

Doch in den letzten 15 Jahren ist der Traum von der europ\u00e4ischen Unipolarit\u00e4t einer multipolaren Realit\u00e4t gewichen. Sowohl Russland als auch die T\u00fcrkei haben eine lange, qu\u00e4lende Hassliebe zu Europa, und beide sind unter nationalen Machthabern, denen die Verachtung der Normen und Werte der EU gemeinsam ist, durchsetzungsf\u00e4higer geworden.<\/p>\n\n\n\n

Die zunehmende Verschlechterung der Beziehungen zwischen der EU und Russland ist gut dokumentiert, der Fall der T\u00fcrkei weniger. Der Irakkrieg im Jahr 2003 komplizierte das Verh\u00e4ltnis der T\u00fcrkei zur Nato, und ihr Verh\u00e4ltnis zur EU verschlechterte sich 2007, als Frankreich einen wichtigen Teil ihrer EU-Beitrittsverhandlungen blockierte. Seitdem hat die T\u00fcrkei ihren eigenen Weg in Syrien, auf dem Balkan und in Libyen eingeschlagen und neue Beziehungen zu Russland und China aufgebaut.<\/p>\n\n\n\n

Wichtiger Akteur<\/strong><\/h3>\n\n\n\n

Nat\u00fcrlich sind die Beziehungen zwischen der T\u00fcrkei und Russland nicht weniger kompliziert, nicht zuletzt weil Erdo\u011fan und der russische Pr\u00e4sident Wladimir Putin im syrischen B\u00fcrgerkrieg verschiedene Seiten unterst\u00fctzten.Und w\u00e4hrend die Spannungen wegen des Syrien-Konflikts weiterhin bestehen, bewundert Erdo\u011fan deutlich, wie Russland sich \u2013 bei relativ geringen Kosten \u2013 wieder als wichtiger Akteur im Nahen Osten und in Nordafrika etabliert hat.<\/p>\n\n\n\n

Nachdem er in einen nicht zu gewinnenden Krieg im Osten der Ukraine verwickelt war, schien Putins weitgehend erfolgreicher Feldzug in Syrien einen Teil seiner innenpolitischen Autorit\u00e4t wiederherzustellen. Der Westen hatte f\u00fcnf Jahre lang darauf bestanden, dass es keine milit\u00e4rische L\u00f6sung des Konflikts gebe und dass der syrische Pr\u00e4sident Baschar al-Assad gehen m\u00fcsse. Doch w\u00e4hrend die von den Vereinten Nationen unterst\u00fctzten Gespr\u00e4che in Genf zu keinem Ergebnis f\u00fchrten, schienen die von Russland geleiteten Gespr\u00e4che in Astana voranzukommen. Indem der Kreml die T\u00fcrkei und den Iran einbezog, w\u00e4hrend er die westlichen M\u00e4chte ausschloss, erweckte er den Eindruck, dass Russland als wiedergeborene Supermacht aus der Asche auferstanden sei.<\/p>\n\n\n\n

Unter Druck<\/h3>\n\n\n\n

Angesichts des wachsenden Widerstands im eigenen Land macht es Erdo\u011fan Putin gleich. Da der Westen nicht bereit war, (erneut) milit\u00e4risch in Libyen zu intervenieren, sah Erdo\u011fan eine Gelegenheit, die T\u00fcrkei zu positionieren. Nach dem Vorgehen Russlands in Syrien sicherte er sich eine formelle Einladung der libyschen Regierung zur Intervention. Mit einem Schlag Ende letzten Jahres hat er nicht nur das Image der T\u00fcrkei als Regionalmacht gest\u00e4rkt, sondern auch ein Abkommen mit Libyen \u00fcber die Seegrenze abgeschlossen und damit einen Plan Griechenlands, Zyperns, \u00c4gyptens und Israels zur Erschlie\u00dfung von Unterwasser\u00f6l- und -gasfeldern in der N\u00e4he zunichtegemacht.<\/p>\n\n\n\n

Erdo\u011fan scheint auch von der Spalt-und-Eroberungs-Strategie des Kreml in Europa inspiriert worden zu sein, der zufolge oft diejenigen EU-Mitgliedsstaaten unter Druck gesetzt werden, die am meisten von russischen Kohlenwasserstoffen oder M\u00e4rkten abh\u00e4ngig sind. So wie Putin lange Zeit die Energieversorgung instrumentalisiert hat, hat Erdo\u011fan versucht, den Strom von Migranten und Fl\u00fcchtlingen, die vor Konflikten im Nahen Osten fliehen, zu instrumentalisieren. Als die EU eine neue Marinemission ank\u00fcndigte, um den Waffenstrom nach Libyen zu blockieren, malte die T\u00fcrkei f\u00fcr Malta das Schreckgespenst der angeblichen Bedrohung durch Migranten an die Wand. Malta reagierte prompt und signalisierte, dass es gegen die Finanzierung der Mission ein Veto einlegen werde.<\/p>\n\n\n\n

Verlorener Sohn<\/strong><\/h3>\n\n\n\n

Jahrelang redeten sich die Europ\u00e4er ein, dass Russland eine Art verlorener Sohn sei und dass die europ\u00e4ische unipolare Ordnung gesund bleibe. Doch das machte Europa zu einem leichten Ziel f\u00fcr die Trennungs-und-Eroberungs-Strategie des Kreml. Erst vor relativ kurzer Zeit entwarf die Union eine neue Politik und ein robustes Sanktionsregime, um die russische Aggression abzuschrecken. Und selbst jetzt \u2013 trotz der besten Bem\u00fchungen der deutschen Bundeskanzlerin Angela Merkel und des franz\u00f6sischen Pr\u00e4sidenten Emmanuel Macron \u2013 hat die EU noch immer keine wirksamen Kommunikationskan\u00e4le mit Russland geschaffen, um gemeinsame Probleme anzugehen.<\/p>\n\n\n\n

Die T\u00fcrkei ist noch kein neues Russland, aber sie k\u00f6nnte dazu werden, wenn die Situation falsch gehandhabt wird. Vorerst betrachten die meisten Europ\u00e4er die T\u00fcrkei noch immer als einen komplizierten Partner und nicht als \"Systemrivalen\". Aber die Europ\u00e4er sollten die hart erk\u00e4mpften Lehren aus dem Umgang mit Russland in den letzten 15 Jahren beherzigen. Die Beziehungen zwischen der EU und der T\u00fcrkei brauchen neue, einvernehmlich vereinbarte Prinzipien sowie klare Grenzen, um eine weitere Destabilisierung in der Region zu verhindern.<\/p>\n\n\n\n

Zu diesem Zweck sollten die Europ\u00e4er klarstellen, dass der EU-Beitrittsprozess entweder zur\u00fcckgedreht oder vorangetrieben werden kann und dass eine eher transaktionale Beziehung sowohl Zuckerbrot als auch Peitsche beinhaltet. Die Herausforderung wird darin bestehen, daf\u00fcr zu sorgen, dass es in einer Region, die nicht nur von Europa und der T\u00fcrkei, sondern auch von Russland, den USA und einem aufstrebenden China beeinflusst wird, noch Raum f\u00fcr politisches Engagement in Fragen der gemeinsamen Sicherheit gibt. (Mark Leonard, \u00dcbersetzung: Eva G\u00f6llner, Copyright: Project Syndicate, 10.8.2020)<\/p>\n\n\n\n

Mark Leonard <\/strong>ist Direktor des Europ\u00e4ischen Rats f\u00fcr Ausw\u00e4rtige Beziehungen.<\/a><\/p>\n","post_title":"Erdo\u011fan \u2013 der andere Putin vor der Haust\u00fcr Europas","post_excerpt":"","post_status":"publish","comment_status":"closed","ping_status":"closed","post_password":"","post_name":"erdogan-der-andere-putin-vor-der-haustur-europas","to_ping":"","pinged":"","post_modified":"2025-02-02 08:39:39","post_modified_gmt":"2025-02-02 08:39:39","post_content_filtered":"","post_parent":0,"guid":"https:\/\/dctransparency.com\/?p=3789","menu_order":0,"post_type":"post","post_mime_type":"","comment_count":"0","filter":"raw"},{"ID":3786,"post_author":"7","post_date":"2020-08-14 13:51:23","post_date_gmt":"2020-08-14 13:51:23","post_content":"\n

Einen Monat nachdem ich zur israelischen Armee eingezogen worden war, brach die erste Intifada aus. Statt Soldat zu sein, machte ich Polizeiarbeit, sagte den Menschen, wann sie zur Arbeit gehen konnten und wann sie ihre L\u00e4den schlie\u00dfen mussten, wann sie die Grenze passieren und wann sie schlafen konnten. Einen Monat nachdem ich aus der Armee entlassen worden war, ging ich auf Reisen. (In Israel sagen wir: Wir dienen drei Jahre und versuchen den Rest unseres Lebens, diese drei Jahre zu vergessen.) Auf meiner Reise begann ich Briefe an meine Freundin zu schreiben, die ich in Israel zur\u00fcckgelassen hatte.<\/p>\n\n\n\n

Ich schrieb ihr, wie schrecklich depressiv ich war und dass diese drei Jahre des Anweisungenbellens und Anderen-Menschen-Sagens, was sie zu tun haben, mich f\u00fcr immer verfolgen w\u00fcrden. Dass sie ein Teil dessen geworden waren, was ich bin. Ich erinnere mich, dass ich ihr schrieb, dass wir da rausm\u00fcssen \u2013 nicht nur f\u00fcr die Pal\u00e4stinenser, sondern wegen der furchtbaren und brutalen Auswirkungen, die all das auf uns, auf die israelische Gesellschaft haben w\u00fcrde. Sie schrieb zur\u00fcck: \u201eDu hast recht. Ich habe einen neuen Freund.\u201c<\/p>\n\n\n\n

Felix Klein wurde als Beauftragter der Bundesregierung berufen<\/a>, um die Auswirkungen des zunehmenden Antisemitismus in unserer Gesellschaft, in Deutschland, zu bek\u00e4mpfen. Was nicht in seiner Jobbeschreibung steht, ist, dass er dabei unsere Gesellschaft heilen muss, jene Gesellschaft, die diese Form des Hasses reproduziert und sch\u00fctzt. Klein hat das begriffen.<\/p>\n\n\n\n

Er versteht, dass man Krebs nicht mit einem Pflaster verarztet, er wei\u00df, dass er das Bewusstsein der Deutschen sch\u00e4rfen und Diskussionen ansto\u00dfen muss. Er hat begriffen, dass das Problem nicht nur an den R\u00e4ndern der Gesellschaft (bei den Rechten) liegt, sondern auch in ihrer Mitte. Dort, wo gebildete Menschen nicht einmal bemerken, dass das, was sie sagen und tun, antisemitisch ist. So wie sie es auch nicht merken, wenn sie rassistisch handeln. Er hat all das verstanden, und genau deshalb wollen einige, dass er seinen Posten r\u00e4umt.<\/p>\n\n\n\n

Mehr als 60 deutsche und israelische Intellektuelle haben letzte Woche in einem Brief an Kanzlerin Merkel<\/a> dar\u00fcber geklagt, dass der aktuelle \u201eGebrauch des Antisemitismusbegriffs\u201c darauf abziele, \u201elegitime Kritik an der israelischen Regierungspolitik zu unterdr\u00fccken\u201c, und Klein vorgeworfen, rechtspopulistische israelische Stimmen zu f\u00f6rdern.<\/p>\n\n\n\n

Faszinierend an diesem offenen Brief ist, dass viele der Unterzeichneten keine Deutschen sind und auch nicht in Deutschland leben. Ich wei\u00df nicht, woher sie \u2013 die meisten von ihnen sind Israelis \u2013 die Chuzpe haben, sich in eine innerdeutsche Angelegenheit einzumischen und zu fordern, eine Person zu entlassen, die von der Bundesregierung eingesetzt wurde. Die H\u00e4lfte der Unterzeichneten lebt nicht hier, von der anderen H\u00e4lfte sind viele keine Juden \u2013 somit sind die allermeisten von ihnen nicht direkt vom Antisemitismus in Deutschland betroffen. Wie also k\u00f6nnen sie diesen Brief unterschreiben? Und warum eigentlich haben so wenige Deutsche unterschrieben? Dazu komme ich gleich.<\/p>\n\n\n\n

Debatte um Achille Mbembe<\/h6>\n\n\n\n

Hintergrund des Briefs war, dass Felix Klein gefordert hatte, den Philosophen Achille Mbembe<\/a> nicht die Er\u00f6ffnungsrede der Ruhrtriennale halten zu lassen. Als mit \u00f6ffentlichen Mitteln gef\u00f6rdertes Event solle die Ruhrtriennale Mbembe wegen seiner Haltung zu Israels Existenzrecht, seiner Haltung zu BDS und der Art, wie er in einem seiner Werke den Holocaust relativiert, nicht einladen.<\/p>\n\n\n\n

Mbembes Unterst\u00fctzer sagen, keine dieser Anschuldigungen sei wahr. F\u00fcrs Protokoll: In meinen Augen unterst\u00fctzt Mbembe sehr wohl BDS<\/a>, er schrieb unter anderem das Vorwort zu \u201eApartheid Israel\u201c und fordert die komplette Isolation Israels. Ich glaube auch, wenn Mbembe schreibt, die israelische Besetzung sei der \u201egr\u00f6\u00dfte moralische Skandal unserer Zeit\u201c, zeigt das, dass sein moralischer und geografischer Kompass etwas schief ist.<\/p>\n\n\n\n

Doch warum treibt die Debatte so viele Menschen um? Nun, zun\u00e4chst gibt niemand gern auf, was ihm oder ihr selbstverst\u00e4ndlich scheint. \u00dcber den gesamten politischen, sozialen, kulturellen, medialen und akademischen Sektor hinweg sind Menschen daran gew\u00f6hnt, so schlecht \u00fcber Israel sprechen zu k\u00f6nnen, wie auch immer sie wollen.<\/p>\n\n\n\n

Der Spiegel<\/em> hat \u2013 vielleicht in Anlehnung an seine Relotius-Standards, Israel erst k\u00fcrzlich eine Corona-Diktatur genannt. Fakten und Belege f\u00fcr diese Behauptung gab es nicht. Doch Millionen Deutsche haben es gelesen, und es wird nat\u00fcrlich haften bleiben. Faktenlage hin oder her. Der Spiegel<\/em> und andere Medien haben dieses Spiel perfektioniert: Titel so zu drehen, dass sie Israel indirekt anklagen, die Idee zu streuen, der Mossad kon\u00adtrol\u00adliere die deutsche Au\u00dfenpolitik im Nahen Osten, und so fort. Doch sie stehen allesamt sofort auf den Hinterbeinen, wenn jemand es wagt, das Spiel beim Namen zu nennen: moderner Antisemitismus.<\/p>\n\n\n\n

Klein will dem entgegenwirken. Er versteht, dass antisemitische Attacken in Deutschland die Fr\u00fcchte solch falsch gezeichneter Bilder und eindimensionaler Narrative \u00fcber Israel sind. Wenn er und andere versuchen, ein anderes Narrativ aufzuzeigen, wirft man ihnen Zensur vor: Wie k\u00f6nnen sie es wagen, das Gesch\u00e4ft der Anti-Israel-Propaganda zu st\u00f6ren?<\/p>\n\n\n\n

Liebe Deutsche, wenn ihr reden wollt, lasst uns gern reden: \u00fcber die Besetzung, \u00fcber Bibi und alles, was schiefl\u00e4uft. Aber dann lasst uns bitte auch dar\u00fcber reden, wie deutsche Steuergelder Terrortunnel finanzieren. Erst vergangene Woche r\u00e4umte die niederl\u00e4ndische Regierung ein, dass Gelder an eine Landwirtschaftsorganisation in Ramallah geflossen seien, die damit teilweise die Geh\u00e4lter zweier des Mordes an der 17-j\u00e4hrigen Israelin Rina Shnerb Verd\u00e4chtiger gezahlt haben. Auch die Bundesregierung unterst\u00fctzt diese Organisation, obwohl Kritiker schon lange vor Verbindungen zu Terroristen warnen.<\/p>\n\n\n\n

Wir k\u00f6nnen uns also gerne unterhalten \u2013 aber im Dialog, nicht in Monologen. Denn Reden unter Menschen, die sich einig sind, ist nichts anderes als Impotenz.<\/p>\n\n\n\n

Israelkritik als Eintrittskarte<\/h6>\n\n\n\n

Die Israelis, die die Petition unterzeichnet haben, haben \u00fcbrigens ebenfalls etwas verstanden. Seit Jahren wissen sie: Es ist ihre Eintrittskarte in die Mitte der deutschen (und europ\u00e4ischen) Gesellschaft. Man h\u00f6rt nicht oft von Akademikern mit proisraelischen Ansichten. Weder in den Philharmonie-Orchestern noch in der Kunstszene. Die Eintrittskarte daf\u00fcr ist ein antiisraelischer Standpunkt.<\/p>\n\n\n\n

Der mutma\u00dfliche Grund, warum kaum Deutsche die Petition unterzeichnet haben: Sie mussten es nicht. Ihre Lieblingsjuden haben es f\u00fcr sie getan. Jetzt k\u00f6nnen sie sagen: \u201eSchau, ich bin das ja nicht, meine j\u00fcdischen Freunde sagen es.\u201c Ich selbst war einige Jahre lang mit einem Paar hier in Berlin befreundet, bis ich herausfand, dass ich ihr Lieblingsjude war. Ja, selbst das j\u00fcdische Museum wurde so genutzt.<\/p>\n\n\n\n

Weil Attacken gegen Juden ein absolutes Tabu sind, wurden Umwege gefunden, um den Antisemitismus auf kleiner Flamme k\u00f6cheln zu lassen: die unfundierte, unbegr\u00fcndete Kritik an Israel.<\/p>\n\n\n\n

Diese Art der Kritik ist gef\u00e4hrlich. Sie schw\u00e4cht jede begr\u00fcndete und notwendige Kritik am Verhalten Israels. Und das Interessante ist: Trotz all der heftigen, pauschalisierenden Anklagen, all der offenen Briefe driftet Israel politisch immer weiter nach rechts. Doch statt mal einen anderen Ansatz zu versuchen, werden die antiisraelischen Stimmen nur lauter. Dasselbe versuchen und andere Ergebnisse davon erwarten \u2013 das ist die Definition von Wahnsinn.<\/p>\n\n\n\n

Kurz bevor der Prozess gegen den wegen des Attentats von Halle<\/a> Angeklagten begann \u2013 des seit Kriegsende schlimmsten Akts von Antisemitismus in Deutschland \u2013, lud eine Lokalzeitung den fr\u00fcheren Botschafter Shimon Stein und den Historiker Moshe Zimmermann ein, dar\u00fcber zu schreiben, was Antisemitismus ist. Nat\u00fcrlich wendeten auch sie sich gegen Felix Kleins Ansatz. Sie zitieren die Kontroverse um die Umbenennung der U-Bahn-Station Mohrenstra\u00dfe in Glinkastra\u00dfe, die sich darum drehte, dass der russische Komponist Michael Glinka Antisemit gewesen sein soll. Stein und Zimmermann halten die Debatte f\u00fcr \u00fcberzogen, Glinka sei nur ein Kind seiner Zeit gewesen. Folgt man ihrer Logik, k\u00f6nnen wir dann also in 20 oder 30 Jahren U-Bahn-Stationen nach den Kindern der 1930er Jahre benennen?<\/p>\n\n\n\n

Der Antisemit als Tierfreund<\/h6>\n\n\n\n

Ich w\u00fcnschte, die Sache h\u00e4tte mit dem Artikel, mit der Petition geendet. Doch dann erschien ein Artikel, der den Leser auf einen Waldspaziergang mit einem veganen Koch und Antisemiten mitnahm. Darin setzt der Tierfreund erst behutsam einen K\u00e4fer wieder auf seine Beinchen und erkl\u00e4rt dann, dass die Todesstrafe in Deutschland wieder eingef\u00fchrt werden solle, um einen gewissen Politiker (der zuf\u00e4llig pro Israel ist) an seinen Hoden aufh\u00e4ngen zu k\u00f6nnen. Dieser Koch hat Hunderttausende Follower, er sagt all solche Dinge am helllichten Tag in Berlin. Und in den Medien.<\/p>\n\n\n\n

F\u00e4lle wie dieser handeln bereits von Gewalt \u2013 und sie enden nicht bei den Juden. Der Hass richtet sich gegen Frauen<\/a>, Muslime, Gefl\u00fcchtete, \u00adLBTQI. Am Ende aller theoretischen Debatten stehen immer echte Menschen. Am Ende jeder Konferenz dar\u00fcber, was Antisemitismus ausmacht, steht ein potenzielles j\u00fcdisches Opfer. Angesichts einer Welle von Antisemitismus \u00fcber die Definition von Antisemitismus zu streiten ist, wie eine 10 Meter hohe Welle heranrollen zu sehen und dar\u00fcber zu streiten, was einen Tsunami ausmacht.<\/p>\n\n\n\n

Felix Klein versteht, wie absurd es ist, zu sagen: Es sind nur die Rechten. Die Rechten sind Deutsche, so wie die Nazis Deutsche waren. Klein versteht, dass die Deutschen nicht aufgeh\u00f6rt haben, Juden zu ermorden, weil sie irgendeine Art von Erleuchtung hatten. Sondern schlicht, weil sie den Krieg verloren haben. Um den Antisemitismus zu bek\u00e4mpfen, bevor er die Gesellschaft frisst, in der er und wir leben, muss Deutschland seinen moralischen Kompass korrigieren.<\/p>\n\n\n\n

Immerhin: Mehr und mehr Deutsche fahren nach Israel, sie wollen ein anderes Narrativ h\u00f6ren. Mehr und mehr Deutsche verstehen, dass Antisemitismus Schockwellen ausl\u00f6st, die die gesamte Gesellschaft betreffen. In einem normalen Universum w\u00fcrde Klein bef\u00f6rdert werden f\u00fcr seine Leistung. In einer verdrehten Gesellschaft fordern Menschen seine Entlassung. Um es mit Mbembe zu sagen: Das ist Nano-Nonsens.<\/p>\n\n\n\n

\u00dcbersetzung: Ariane Lemme<\/a><\/em><\/p>\n","post_title":"Felix Klein hat verstanden","post_excerpt":"","post_status":"publish","comment_status":"closed","ping_status":"closed","post_password":"","post_name":"felix-klein-hat-verstanden","to_ping":"","pinged":"","post_modified":"2025-02-02 08:39:39","post_modified_gmt":"2025-02-02 08:39:39","post_content_filtered":"","post_parent":0,"guid":"https:\/\/dctransparency.com\/?p=3786","menu_order":0,"post_type":"post","post_mime_type":"","comment_count":"0","filter":"raw"}],"next":false,"prev":true,"total_page":47},"paged":1,"column_class":"jeg_col_2o3","class":"epic_block_3"};

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Davon abgesehen aber war und ist sie ein architektonisches Meisterwerk und geh\u00f6rt zu den bedeutendsten Bauten der Welt. Wer heute den Zentralraum unter der Kuppel betritt, kann sich nur schwer dem zugleich majest\u00e4tischen wie schwebenden Gesamteindruck entziehen. Die Hagia Sophia blieb fast 1000 Jahre die gr\u00f6\u00dfte Kirche der Christenheit. Technisch war die Kuppel (mit mehreren Halbkuppeln) eine \u00fcberaus riskante Innovation: Die 55 Meter hohe und 32 Meter im Durchmesser breite Kuppel ruht auf nur vier Tragpunkten, was den schwebenden, schwerelosen Eindruck erzeugt. Die Konstruktion folgt einem mathematischen Prinzip, das erst k\u00fcrzlich entschl\u00fcsselt wurde.<\/p>\n\n\n\n

\"Salomo, ich habe dich \u00fcbertroffen!\"<\/p><\/blockquote>\n\n\n\n

Als Kaiser Justinian die Hagia Sophia nach nur f\u00fcnf Jahren Bauzeit (532\u2013537) betrat, soll er in Anspielung auf den Tempel in Jerusalem ausgerufen haben: \"Salomo, ich habe dich \u00fcbertroffen!\" Die Innenausstattung war mit ihren S\u00e4ulen aus Porphyr und gr\u00fcnem Marmor, mit Mosaiken aus Gold und Halbedelsteinen derart prunkvoll, der Gesamteindruck derart \u00fcberirdisch, dass eine Delegation des Gro\u00dff\u00fcrsten von Kiew nicht mehr wusste, \"ob wir im Himmel oder auf der Erde\" waren \u2013 was die Christianisierung Russlands bef\u00f6rderte.<\/p>\n\n\n\n

Der deutsche Architekturlehrer Holger Kleine nennt die Hagia Sophia \"absolute Architektur\", weil sie \"extreme Ausdrucksformen nahezu aller dramaturgischen Mittel, die der Architektur zur Verf\u00fcgung stehen, vereinigt: wuchtigste K\u00f6rper und luftigste R\u00e4ume, engste Enge und gr\u00f6\u00dfte Weite, w\u00e4rmende Helligkeit und mystisches Dunkel\". Und die Kuppelbauten aus der sp\u00e4teren Hochbl\u00fcte der Moscheenarchitektur im 16. und 17. Jahrhundert gehen eindeutig auf die Hagia Sophia zur\u00fcck.<\/p>\n\n\n\n

Die Hagia Sophia war Staatskirche des byzantinischen Reichs. F\u00fcr die Eroberer der letzte Schlussstein in der Kuppel osmanisch-muslimischen Herrschaftsanspruchs. Konstantinopel war ja 1453 nur noch eine isolierte, heruntergekommene Enklave in einem osmanischen Umfeld, kein christliches Heer kam zu Hilfe. Doch vorher war es zugleich Sperrriegel nach Osten und Geistesarchiv der antiken Kultur gewesen. \"Ohne Byzanz h\u00e4tte es kein Europa gegeben\", sagt die britische Altertumsforscherin Judith Herrin.<\/p>\n\n\n\n

\"\"\/
Freigelegtes Mosaik von \"Christos Pantokrator\".<\/figcaption><\/figure>\n\n\n\n

Neue Fragen<\/h3>\n\n\n\n

Die Kirche wurde von Mehmed II. und Nachfolgern nicht in der Substanz zerst\u00f6rt, sondern \"entchristlicht\". Die urspr\u00fcnglich \u00fcbert\u00fcnchten oder auch abgeschlagenen Mosaiken mit den Darstellungen von Christus, der Muttergottes, diversen Kaisern kamen zum Teil schon unter einem Sultan des 19. Jahrhunderts, dann gro\u00dfteils nach der Museumswidmung wieder zum Vorschein.<\/p>\n\n\n\n

Jetzt stellen sich neue symbolisch-praktische Fragen. Erdo\u011fan hat die Hagia Sophia der konservativen staatlichen Religionsbeh\u00f6rde Diyanet unterstellt. Die byzantinischen Mosaike, wie der gro\u00dfartige \"Christos Pantokrator\" (\"Weltenherrscher\") oder die Jungfrau Maria in der Apsis, m\u00fcssen wohl w\u00e4hrend des islamischen Gottesdiensts verh\u00e4ngt werden. Muss der Boden mit seinen Marmorplatten und Mosaiken mit einem Teppich bedeckt werden? Erdo\u011fan sagt, Touristen seien nach wie vor zugelassen. Aber sie werden wohl hinter Absperrungen bleiben m\u00fcssen. Frauen werden \u2013 wie in der benachbarten \"Blauen Moschee\" (\"Sultanahmed\") Kopftuch tragen m\u00fcssen.<\/p>\n\n\n\n

\"\"\/
Erdo\u011fan mit Gattin in der Hagia Sophia.<\/figcaption><\/figure>\n\n\n\n

Erdo\u011fans neue Abenteuer<\/strong><\/h3>\n\n\n\n

Aber wird da nicht doch zu viel in einen Formalakt rund um ein uraltes Bauwerk hineininterpretiert? Im geschichtlichen Kontext relativiert sich manches: Konstantinopel wurde schon von Christen erobert und ausgepl\u00fcndert \u2013 1204 im Vierten Kreuzzug. In der Moschee von Cordoba (\"Mezquita\") bauten die Katholiken eine ganze Kirche in den ber\u00fchmten S\u00e4ulenwald hinein. Die Mezquita ist heute noch Kirche, kein Museum.<\/p>\n\n\n\n

\"Das ist der Beweis, dass wir kein s\u00e4kularer Staat mehr sein wollen\", sagt Nobelpreistr\u00e4ger Orhan Pamuk. Erdo\u011fan betrachtet sich offenbar als auch neoosmanischer \"Fatih\" im Mittelmeerraum mit immer neuen Abenteuern: Eingreifen in Syrien, Stellvertreterkrieg in Libyen, Anspr\u00fcche auf Erdgasvorkommen weit vor der t\u00fcrkischen K\u00fcste bei Zypern, Reden, wonach manche \u00c4g\u00e4is-Inseln eigentlich zur T\u00fcrkei geh\u00f6ren, \"denn dort stehen unsere Moscheen\". Manches davon ist nur Rhetorik, aber genug anderes ist riskante Realit\u00e4t. (Hans Rauscher, 14.7.2020)<\/p>\n\n\n\n

Quelle<\/a><\/strong><\/p>\n","post_title":"Hagia Sophia: Verengung und Verarmung eines Welterbes","post_excerpt":"","post_status":"publish","comment_status":"closed","ping_status":"closed","post_password":"","post_name":"hagia-sophia-verengung-und-verarmung-eines-welterbes","to_ping":"","pinged":"","post_modified":"2025-02-02 08:39:39","post_modified_gmt":"2025-02-02 08:39:39","post_content_filtered":"","post_parent":0,"guid":"https:\/\/dctransparency.com\/?p=3792","menu_order":0,"post_type":"post","post_mime_type":"","comment_count":"0","filter":"raw"},{"ID":3789,"post_author":"7","post_date":"2020-08-14 13:56:07","post_date_gmt":"2020-08-14 13:56:07","post_content":"\n

Im Gastkommentar pocht Mark Leonard, Direktor des Europ\u00e4ischen Rats f\u00fcr Ausw\u00e4rtige Beziehungen, auf \"neue, einvernehmlich vereinbarte Prinzipien sowie klare Grenzen\", nur so k\u00f6nne eine weitere Destabilisierung in der Region verhindert werden.<\/em><\/strong><\/p>\n\n\n\n

Ist die T\u00fcrkei das neue Russland? Diese Frage wird in den europ\u00e4ischen Hauptst\u00e4dten zunehmend gestellt, da die Au\u00dfenpolitik des t\u00fcrkischen Pr\u00e4sidenten Recep Tayyip Erdo\u011fan zunehmend aggressiver wird. Erdo\u011fan nutzt nicht nur die Migration, um die EU zu bedrohen und zu betr\u00fcgen, sondern setzt auch milit\u00e4rische Macht ein, um den Einflussbereich der T\u00fcrkei auf die gesamte Region auszudehnen.<\/p>\n\n\n\n

Seit dem Ende des Kalten Krieges haben die Europ\u00e4er die regionale Sicherheit durch eine unipolare westliche Linse betrachtet. W\u00e4hrend die Nato die milit\u00e4rische Sicherheit garantierte, sorgte die EU mit ihrem 80.000 Seiten starken Regelwerk f\u00fcr alles von LGBTQ-Rechten bis hin zu Rasenm\u00e4her-Sound-Verordnungen f\u00fcr Rechtsordnung. In den 90er-Jahren ging man allgemein davon aus, dass die beiden gro\u00dfen nichtwestlichen regionalen Akteure, Russland und die T\u00fcrkei, nach und nach an diese Regelungen herangef\u00fchrt werden w\u00fcrden.<\/p>\n\n\n\n

Qu\u00e4lende Hassliebe<\/h3>\n\n\n\n

Doch in den letzten 15 Jahren ist der Traum von der europ\u00e4ischen Unipolarit\u00e4t einer multipolaren Realit\u00e4t gewichen. Sowohl Russland als auch die T\u00fcrkei haben eine lange, qu\u00e4lende Hassliebe zu Europa, und beide sind unter nationalen Machthabern, denen die Verachtung der Normen und Werte der EU gemeinsam ist, durchsetzungsf\u00e4higer geworden.<\/p>\n\n\n\n

Die zunehmende Verschlechterung der Beziehungen zwischen der EU und Russland ist gut dokumentiert, der Fall der T\u00fcrkei weniger. Der Irakkrieg im Jahr 2003 komplizierte das Verh\u00e4ltnis der T\u00fcrkei zur Nato, und ihr Verh\u00e4ltnis zur EU verschlechterte sich 2007, als Frankreich einen wichtigen Teil ihrer EU-Beitrittsverhandlungen blockierte. Seitdem hat die T\u00fcrkei ihren eigenen Weg in Syrien, auf dem Balkan und in Libyen eingeschlagen und neue Beziehungen zu Russland und China aufgebaut.<\/p>\n\n\n\n

Wichtiger Akteur<\/strong><\/h3>\n\n\n\n

Nat\u00fcrlich sind die Beziehungen zwischen der T\u00fcrkei und Russland nicht weniger kompliziert, nicht zuletzt weil Erdo\u011fan und der russische Pr\u00e4sident Wladimir Putin im syrischen B\u00fcrgerkrieg verschiedene Seiten unterst\u00fctzten.Und w\u00e4hrend die Spannungen wegen des Syrien-Konflikts weiterhin bestehen, bewundert Erdo\u011fan deutlich, wie Russland sich \u2013 bei relativ geringen Kosten \u2013 wieder als wichtiger Akteur im Nahen Osten und in Nordafrika etabliert hat.<\/p>\n\n\n\n

Nachdem er in einen nicht zu gewinnenden Krieg im Osten der Ukraine verwickelt war, schien Putins weitgehend erfolgreicher Feldzug in Syrien einen Teil seiner innenpolitischen Autorit\u00e4t wiederherzustellen. Der Westen hatte f\u00fcnf Jahre lang darauf bestanden, dass es keine milit\u00e4rische L\u00f6sung des Konflikts gebe und dass der syrische Pr\u00e4sident Baschar al-Assad gehen m\u00fcsse. Doch w\u00e4hrend die von den Vereinten Nationen unterst\u00fctzten Gespr\u00e4che in Genf zu keinem Ergebnis f\u00fchrten, schienen die von Russland geleiteten Gespr\u00e4che in Astana voranzukommen. Indem der Kreml die T\u00fcrkei und den Iran einbezog, w\u00e4hrend er die westlichen M\u00e4chte ausschloss, erweckte er den Eindruck, dass Russland als wiedergeborene Supermacht aus der Asche auferstanden sei.<\/p>\n\n\n\n

Unter Druck<\/h3>\n\n\n\n

Angesichts des wachsenden Widerstands im eigenen Land macht es Erdo\u011fan Putin gleich. Da der Westen nicht bereit war, (erneut) milit\u00e4risch in Libyen zu intervenieren, sah Erdo\u011fan eine Gelegenheit, die T\u00fcrkei zu positionieren. Nach dem Vorgehen Russlands in Syrien sicherte er sich eine formelle Einladung der libyschen Regierung zur Intervention. Mit einem Schlag Ende letzten Jahres hat er nicht nur das Image der T\u00fcrkei als Regionalmacht gest\u00e4rkt, sondern auch ein Abkommen mit Libyen \u00fcber die Seegrenze abgeschlossen und damit einen Plan Griechenlands, Zyperns, \u00c4gyptens und Israels zur Erschlie\u00dfung von Unterwasser\u00f6l- und -gasfeldern in der N\u00e4he zunichtegemacht.<\/p>\n\n\n\n

Erdo\u011fan scheint auch von der Spalt-und-Eroberungs-Strategie des Kreml in Europa inspiriert worden zu sein, der zufolge oft diejenigen EU-Mitgliedsstaaten unter Druck gesetzt werden, die am meisten von russischen Kohlenwasserstoffen oder M\u00e4rkten abh\u00e4ngig sind. So wie Putin lange Zeit die Energieversorgung instrumentalisiert hat, hat Erdo\u011fan versucht, den Strom von Migranten und Fl\u00fcchtlingen, die vor Konflikten im Nahen Osten fliehen, zu instrumentalisieren. Als die EU eine neue Marinemission ank\u00fcndigte, um den Waffenstrom nach Libyen zu blockieren, malte die T\u00fcrkei f\u00fcr Malta das Schreckgespenst der angeblichen Bedrohung durch Migranten an die Wand. Malta reagierte prompt und signalisierte, dass es gegen die Finanzierung der Mission ein Veto einlegen werde.<\/p>\n\n\n\n

Verlorener Sohn<\/strong><\/h3>\n\n\n\n

Jahrelang redeten sich die Europ\u00e4er ein, dass Russland eine Art verlorener Sohn sei und dass die europ\u00e4ische unipolare Ordnung gesund bleibe. Doch das machte Europa zu einem leichten Ziel f\u00fcr die Trennungs-und-Eroberungs-Strategie des Kreml. Erst vor relativ kurzer Zeit entwarf die Union eine neue Politik und ein robustes Sanktionsregime, um die russische Aggression abzuschrecken. Und selbst jetzt \u2013 trotz der besten Bem\u00fchungen der deutschen Bundeskanzlerin Angela Merkel und des franz\u00f6sischen Pr\u00e4sidenten Emmanuel Macron \u2013 hat die EU noch immer keine wirksamen Kommunikationskan\u00e4le mit Russland geschaffen, um gemeinsame Probleme anzugehen.<\/p>\n\n\n\n

Die T\u00fcrkei ist noch kein neues Russland, aber sie k\u00f6nnte dazu werden, wenn die Situation falsch gehandhabt wird. Vorerst betrachten die meisten Europ\u00e4er die T\u00fcrkei noch immer als einen komplizierten Partner und nicht als \"Systemrivalen\". Aber die Europ\u00e4er sollten die hart erk\u00e4mpften Lehren aus dem Umgang mit Russland in den letzten 15 Jahren beherzigen. Die Beziehungen zwischen der EU und der T\u00fcrkei brauchen neue, einvernehmlich vereinbarte Prinzipien sowie klare Grenzen, um eine weitere Destabilisierung in der Region zu verhindern.<\/p>\n\n\n\n

Zu diesem Zweck sollten die Europ\u00e4er klarstellen, dass der EU-Beitrittsprozess entweder zur\u00fcckgedreht oder vorangetrieben werden kann und dass eine eher transaktionale Beziehung sowohl Zuckerbrot als auch Peitsche beinhaltet. Die Herausforderung wird darin bestehen, daf\u00fcr zu sorgen, dass es in einer Region, die nicht nur von Europa und der T\u00fcrkei, sondern auch von Russland, den USA und einem aufstrebenden China beeinflusst wird, noch Raum f\u00fcr politisches Engagement in Fragen der gemeinsamen Sicherheit gibt. (Mark Leonard, \u00dcbersetzung: Eva G\u00f6llner, Copyright: Project Syndicate, 10.8.2020)<\/p>\n\n\n\n

Mark Leonard <\/strong>ist Direktor des Europ\u00e4ischen Rats f\u00fcr Ausw\u00e4rtige Beziehungen.<\/a><\/p>\n","post_title":"Erdo\u011fan \u2013 der andere Putin vor der Haust\u00fcr Europas","post_excerpt":"","post_status":"publish","comment_status":"closed","ping_status":"closed","post_password":"","post_name":"erdogan-der-andere-putin-vor-der-haustur-europas","to_ping":"","pinged":"","post_modified":"2025-02-02 08:39:39","post_modified_gmt":"2025-02-02 08:39:39","post_content_filtered":"","post_parent":0,"guid":"https:\/\/dctransparency.com\/?p=3789","menu_order":0,"post_type":"post","post_mime_type":"","comment_count":"0","filter":"raw"},{"ID":3786,"post_author":"7","post_date":"2020-08-14 13:51:23","post_date_gmt":"2020-08-14 13:51:23","post_content":"\n

Einen Monat nachdem ich zur israelischen Armee eingezogen worden war, brach die erste Intifada aus. Statt Soldat zu sein, machte ich Polizeiarbeit, sagte den Menschen, wann sie zur Arbeit gehen konnten und wann sie ihre L\u00e4den schlie\u00dfen mussten, wann sie die Grenze passieren und wann sie schlafen konnten. Einen Monat nachdem ich aus der Armee entlassen worden war, ging ich auf Reisen. (In Israel sagen wir: Wir dienen drei Jahre und versuchen den Rest unseres Lebens, diese drei Jahre zu vergessen.) Auf meiner Reise begann ich Briefe an meine Freundin zu schreiben, die ich in Israel zur\u00fcckgelassen hatte.<\/p>\n\n\n\n

Ich schrieb ihr, wie schrecklich depressiv ich war und dass diese drei Jahre des Anweisungenbellens und Anderen-Menschen-Sagens, was sie zu tun haben, mich f\u00fcr immer verfolgen w\u00fcrden. Dass sie ein Teil dessen geworden waren, was ich bin. Ich erinnere mich, dass ich ihr schrieb, dass wir da rausm\u00fcssen \u2013 nicht nur f\u00fcr die Pal\u00e4stinenser, sondern wegen der furchtbaren und brutalen Auswirkungen, die all das auf uns, auf die israelische Gesellschaft haben w\u00fcrde. Sie schrieb zur\u00fcck: \u201eDu hast recht. Ich habe einen neuen Freund.\u201c<\/p>\n\n\n\n

Felix Klein wurde als Beauftragter der Bundesregierung berufen<\/a>, um die Auswirkungen des zunehmenden Antisemitismus in unserer Gesellschaft, in Deutschland, zu bek\u00e4mpfen. Was nicht in seiner Jobbeschreibung steht, ist, dass er dabei unsere Gesellschaft heilen muss, jene Gesellschaft, die diese Form des Hasses reproduziert und sch\u00fctzt. Klein hat das begriffen.<\/p>\n\n\n\n

Er versteht, dass man Krebs nicht mit einem Pflaster verarztet, er wei\u00df, dass er das Bewusstsein der Deutschen sch\u00e4rfen und Diskussionen ansto\u00dfen muss. Er hat begriffen, dass das Problem nicht nur an den R\u00e4ndern der Gesellschaft (bei den Rechten) liegt, sondern auch in ihrer Mitte. Dort, wo gebildete Menschen nicht einmal bemerken, dass das, was sie sagen und tun, antisemitisch ist. So wie sie es auch nicht merken, wenn sie rassistisch handeln. Er hat all das verstanden, und genau deshalb wollen einige, dass er seinen Posten r\u00e4umt.<\/p>\n\n\n\n

Mehr als 60 deutsche und israelische Intellektuelle haben letzte Woche in einem Brief an Kanzlerin Merkel<\/a> dar\u00fcber geklagt, dass der aktuelle \u201eGebrauch des Antisemitismusbegriffs\u201c darauf abziele, \u201elegitime Kritik an der israelischen Regierungspolitik zu unterdr\u00fccken\u201c, und Klein vorgeworfen, rechtspopulistische israelische Stimmen zu f\u00f6rdern.<\/p>\n\n\n\n

Faszinierend an diesem offenen Brief ist, dass viele der Unterzeichneten keine Deutschen sind und auch nicht in Deutschland leben. Ich wei\u00df nicht, woher sie \u2013 die meisten von ihnen sind Israelis \u2013 die Chuzpe haben, sich in eine innerdeutsche Angelegenheit einzumischen und zu fordern, eine Person zu entlassen, die von der Bundesregierung eingesetzt wurde. Die H\u00e4lfte der Unterzeichneten lebt nicht hier, von der anderen H\u00e4lfte sind viele keine Juden \u2013 somit sind die allermeisten von ihnen nicht direkt vom Antisemitismus in Deutschland betroffen. Wie also k\u00f6nnen sie diesen Brief unterschreiben? Und warum eigentlich haben so wenige Deutsche unterschrieben? Dazu komme ich gleich.<\/p>\n\n\n\n

Debatte um Achille Mbembe<\/h6>\n\n\n\n

Hintergrund des Briefs war, dass Felix Klein gefordert hatte, den Philosophen Achille Mbembe<\/a> nicht die Er\u00f6ffnungsrede der Ruhrtriennale halten zu lassen. Als mit \u00f6ffentlichen Mitteln gef\u00f6rdertes Event solle die Ruhrtriennale Mbembe wegen seiner Haltung zu Israels Existenzrecht, seiner Haltung zu BDS und der Art, wie er in einem seiner Werke den Holocaust relativiert, nicht einladen.<\/p>\n\n\n\n

Mbembes Unterst\u00fctzer sagen, keine dieser Anschuldigungen sei wahr. F\u00fcrs Protokoll: In meinen Augen unterst\u00fctzt Mbembe sehr wohl BDS<\/a>, er schrieb unter anderem das Vorwort zu \u201eApartheid Israel\u201c und fordert die komplette Isolation Israels. Ich glaube auch, wenn Mbembe schreibt, die israelische Besetzung sei der \u201egr\u00f6\u00dfte moralische Skandal unserer Zeit\u201c, zeigt das, dass sein moralischer und geografischer Kompass etwas schief ist.<\/p>\n\n\n\n

Doch warum treibt die Debatte so viele Menschen um? Nun, zun\u00e4chst gibt niemand gern auf, was ihm oder ihr selbstverst\u00e4ndlich scheint. \u00dcber den gesamten politischen, sozialen, kulturellen, medialen und akademischen Sektor hinweg sind Menschen daran gew\u00f6hnt, so schlecht \u00fcber Israel sprechen zu k\u00f6nnen, wie auch immer sie wollen.<\/p>\n\n\n\n

Der Spiegel<\/em> hat \u2013 vielleicht in Anlehnung an seine Relotius-Standards, Israel erst k\u00fcrzlich eine Corona-Diktatur genannt. Fakten und Belege f\u00fcr diese Behauptung gab es nicht. Doch Millionen Deutsche haben es gelesen, und es wird nat\u00fcrlich haften bleiben. Faktenlage hin oder her. Der Spiegel<\/em> und andere Medien haben dieses Spiel perfektioniert: Titel so zu drehen, dass sie Israel indirekt anklagen, die Idee zu streuen, der Mossad kon\u00adtrol\u00adliere die deutsche Au\u00dfenpolitik im Nahen Osten, und so fort. Doch sie stehen allesamt sofort auf den Hinterbeinen, wenn jemand es wagt, das Spiel beim Namen zu nennen: moderner Antisemitismus.<\/p>\n\n\n\n

Klein will dem entgegenwirken. Er versteht, dass antisemitische Attacken in Deutschland die Fr\u00fcchte solch falsch gezeichneter Bilder und eindimensionaler Narrative \u00fcber Israel sind. Wenn er und andere versuchen, ein anderes Narrativ aufzuzeigen, wirft man ihnen Zensur vor: Wie k\u00f6nnen sie es wagen, das Gesch\u00e4ft der Anti-Israel-Propaganda zu st\u00f6ren?<\/p>\n\n\n\n

Liebe Deutsche, wenn ihr reden wollt, lasst uns gern reden: \u00fcber die Besetzung, \u00fcber Bibi und alles, was schiefl\u00e4uft. Aber dann lasst uns bitte auch dar\u00fcber reden, wie deutsche Steuergelder Terrortunnel finanzieren. Erst vergangene Woche r\u00e4umte die niederl\u00e4ndische Regierung ein, dass Gelder an eine Landwirtschaftsorganisation in Ramallah geflossen seien, die damit teilweise die Geh\u00e4lter zweier des Mordes an der 17-j\u00e4hrigen Israelin Rina Shnerb Verd\u00e4chtiger gezahlt haben. Auch die Bundesregierung unterst\u00fctzt diese Organisation, obwohl Kritiker schon lange vor Verbindungen zu Terroristen warnen.<\/p>\n\n\n\n

Wir k\u00f6nnen uns also gerne unterhalten \u2013 aber im Dialog, nicht in Monologen. Denn Reden unter Menschen, die sich einig sind, ist nichts anderes als Impotenz.<\/p>\n\n\n\n

Israelkritik als Eintrittskarte<\/h6>\n\n\n\n

Die Israelis, die die Petition unterzeichnet haben, haben \u00fcbrigens ebenfalls etwas verstanden. Seit Jahren wissen sie: Es ist ihre Eintrittskarte in die Mitte der deutschen (und europ\u00e4ischen) Gesellschaft. Man h\u00f6rt nicht oft von Akademikern mit proisraelischen Ansichten. Weder in den Philharmonie-Orchestern noch in der Kunstszene. Die Eintrittskarte daf\u00fcr ist ein antiisraelischer Standpunkt.<\/p>\n\n\n\n

Der mutma\u00dfliche Grund, warum kaum Deutsche die Petition unterzeichnet haben: Sie mussten es nicht. Ihre Lieblingsjuden haben es f\u00fcr sie getan. Jetzt k\u00f6nnen sie sagen: \u201eSchau, ich bin das ja nicht, meine j\u00fcdischen Freunde sagen es.\u201c Ich selbst war einige Jahre lang mit einem Paar hier in Berlin befreundet, bis ich herausfand, dass ich ihr Lieblingsjude war. Ja, selbst das j\u00fcdische Museum wurde so genutzt.<\/p>\n\n\n\n

Weil Attacken gegen Juden ein absolutes Tabu sind, wurden Umwege gefunden, um den Antisemitismus auf kleiner Flamme k\u00f6cheln zu lassen: die unfundierte, unbegr\u00fcndete Kritik an Israel.<\/p>\n\n\n\n

Diese Art der Kritik ist gef\u00e4hrlich. Sie schw\u00e4cht jede begr\u00fcndete und notwendige Kritik am Verhalten Israels. Und das Interessante ist: Trotz all der heftigen, pauschalisierenden Anklagen, all der offenen Briefe driftet Israel politisch immer weiter nach rechts. Doch statt mal einen anderen Ansatz zu versuchen, werden die antiisraelischen Stimmen nur lauter. Dasselbe versuchen und andere Ergebnisse davon erwarten \u2013 das ist die Definition von Wahnsinn.<\/p>\n\n\n\n

Kurz bevor der Prozess gegen den wegen des Attentats von Halle<\/a> Angeklagten begann \u2013 des seit Kriegsende schlimmsten Akts von Antisemitismus in Deutschland \u2013, lud eine Lokalzeitung den fr\u00fcheren Botschafter Shimon Stein und den Historiker Moshe Zimmermann ein, dar\u00fcber zu schreiben, was Antisemitismus ist. Nat\u00fcrlich wendeten auch sie sich gegen Felix Kleins Ansatz. Sie zitieren die Kontroverse um die Umbenennung der U-Bahn-Station Mohrenstra\u00dfe in Glinkastra\u00dfe, die sich darum drehte, dass der russische Komponist Michael Glinka Antisemit gewesen sein soll. Stein und Zimmermann halten die Debatte f\u00fcr \u00fcberzogen, Glinka sei nur ein Kind seiner Zeit gewesen. Folgt man ihrer Logik, k\u00f6nnen wir dann also in 20 oder 30 Jahren U-Bahn-Stationen nach den Kindern der 1930er Jahre benennen?<\/p>\n\n\n\n

Der Antisemit als Tierfreund<\/h6>\n\n\n\n

Ich w\u00fcnschte, die Sache h\u00e4tte mit dem Artikel, mit der Petition geendet. Doch dann erschien ein Artikel, der den Leser auf einen Waldspaziergang mit einem veganen Koch und Antisemiten mitnahm. Darin setzt der Tierfreund erst behutsam einen K\u00e4fer wieder auf seine Beinchen und erkl\u00e4rt dann, dass die Todesstrafe in Deutschland wieder eingef\u00fchrt werden solle, um einen gewissen Politiker (der zuf\u00e4llig pro Israel ist) an seinen Hoden aufh\u00e4ngen zu k\u00f6nnen. Dieser Koch hat Hunderttausende Follower, er sagt all solche Dinge am helllichten Tag in Berlin. Und in den Medien.<\/p>\n\n\n\n

F\u00e4lle wie dieser handeln bereits von Gewalt \u2013 und sie enden nicht bei den Juden. Der Hass richtet sich gegen Frauen<\/a>, Muslime, Gefl\u00fcchtete, \u00adLBTQI. Am Ende aller theoretischen Debatten stehen immer echte Menschen. Am Ende jeder Konferenz dar\u00fcber, was Antisemitismus ausmacht, steht ein potenzielles j\u00fcdisches Opfer. Angesichts einer Welle von Antisemitismus \u00fcber die Definition von Antisemitismus zu streiten ist, wie eine 10 Meter hohe Welle heranrollen zu sehen und dar\u00fcber zu streiten, was einen Tsunami ausmacht.<\/p>\n\n\n\n

Felix Klein versteht, wie absurd es ist, zu sagen: Es sind nur die Rechten. Die Rechten sind Deutsche, so wie die Nazis Deutsche waren. Klein versteht, dass die Deutschen nicht aufgeh\u00f6rt haben, Juden zu ermorden, weil sie irgendeine Art von Erleuchtung hatten. Sondern schlicht, weil sie den Krieg verloren haben. Um den Antisemitismus zu bek\u00e4mpfen, bevor er die Gesellschaft frisst, in der er und wir leben, muss Deutschland seinen moralischen Kompass korrigieren.<\/p>\n\n\n\n

Immerhin: Mehr und mehr Deutsche fahren nach Israel, sie wollen ein anderes Narrativ h\u00f6ren. Mehr und mehr Deutsche verstehen, dass Antisemitismus Schockwellen ausl\u00f6st, die die gesamte Gesellschaft betreffen. In einem normalen Universum w\u00fcrde Klein bef\u00f6rdert werden f\u00fcr seine Leistung. In einer verdrehten Gesellschaft fordern Menschen seine Entlassung. Um es mit Mbembe zu sagen: Das ist Nano-Nonsens.<\/p>\n\n\n\n

\u00dcbersetzung: Ariane Lemme<\/a><\/em><\/p>\n","post_title":"Felix Klein hat verstanden","post_excerpt":"","post_status":"publish","comment_status":"closed","ping_status":"closed","post_password":"","post_name":"felix-klein-hat-verstanden","to_ping":"","pinged":"","post_modified":"2025-02-02 08:39:39","post_modified_gmt":"2025-02-02 08:39:39","post_content_filtered":"","post_parent":0,"guid":"https:\/\/dctransparency.com\/?p=3786","menu_order":0,"post_type":"post","post_mime_type":"","comment_count":"0","filter":"raw"}],"next":false,"prev":true,"total_page":47},"paged":1,"column_class":"jeg_col_2o3","class":"epic_block_3"};

\n
\"\"\/
Betende Muslime vor der Hagia Sophia.<\/figcaption><\/figure>\n\n\n\n

Davon abgesehen aber war und ist sie ein architektonisches Meisterwerk und geh\u00f6rt zu den bedeutendsten Bauten der Welt. Wer heute den Zentralraum unter der Kuppel betritt, kann sich nur schwer dem zugleich majest\u00e4tischen wie schwebenden Gesamteindruck entziehen. Die Hagia Sophia blieb fast 1000 Jahre die gr\u00f6\u00dfte Kirche der Christenheit. Technisch war die Kuppel (mit mehreren Halbkuppeln) eine \u00fcberaus riskante Innovation: Die 55 Meter hohe und 32 Meter im Durchmesser breite Kuppel ruht auf nur vier Tragpunkten, was den schwebenden, schwerelosen Eindruck erzeugt. Die Konstruktion folgt einem mathematischen Prinzip, das erst k\u00fcrzlich entschl\u00fcsselt wurde.<\/p>\n\n\n\n

\"Salomo, ich habe dich \u00fcbertroffen!\"<\/p><\/blockquote>\n\n\n\n

Als Kaiser Justinian die Hagia Sophia nach nur f\u00fcnf Jahren Bauzeit (532\u2013537) betrat, soll er in Anspielung auf den Tempel in Jerusalem ausgerufen haben: \"Salomo, ich habe dich \u00fcbertroffen!\" Die Innenausstattung war mit ihren S\u00e4ulen aus Porphyr und gr\u00fcnem Marmor, mit Mosaiken aus Gold und Halbedelsteinen derart prunkvoll, der Gesamteindruck derart \u00fcberirdisch, dass eine Delegation des Gro\u00dff\u00fcrsten von Kiew nicht mehr wusste, \"ob wir im Himmel oder auf der Erde\" waren \u2013 was die Christianisierung Russlands bef\u00f6rderte.<\/p>\n\n\n\n

Der deutsche Architekturlehrer Holger Kleine nennt die Hagia Sophia \"absolute Architektur\", weil sie \"extreme Ausdrucksformen nahezu aller dramaturgischen Mittel, die der Architektur zur Verf\u00fcgung stehen, vereinigt: wuchtigste K\u00f6rper und luftigste R\u00e4ume, engste Enge und gr\u00f6\u00dfte Weite, w\u00e4rmende Helligkeit und mystisches Dunkel\". Und die Kuppelbauten aus der sp\u00e4teren Hochbl\u00fcte der Moscheenarchitektur im 16. und 17. Jahrhundert gehen eindeutig auf die Hagia Sophia zur\u00fcck.<\/p>\n\n\n\n

Die Hagia Sophia war Staatskirche des byzantinischen Reichs. F\u00fcr die Eroberer der letzte Schlussstein in der Kuppel osmanisch-muslimischen Herrschaftsanspruchs. Konstantinopel war ja 1453 nur noch eine isolierte, heruntergekommene Enklave in einem osmanischen Umfeld, kein christliches Heer kam zu Hilfe. Doch vorher war es zugleich Sperrriegel nach Osten und Geistesarchiv der antiken Kultur gewesen. \"Ohne Byzanz h\u00e4tte es kein Europa gegeben\", sagt die britische Altertumsforscherin Judith Herrin.<\/p>\n\n\n\n

\"\"\/
Freigelegtes Mosaik von \"Christos Pantokrator\".<\/figcaption><\/figure>\n\n\n\n

Neue Fragen<\/h3>\n\n\n\n

Die Kirche wurde von Mehmed II. und Nachfolgern nicht in der Substanz zerst\u00f6rt, sondern \"entchristlicht\". Die urspr\u00fcnglich \u00fcbert\u00fcnchten oder auch abgeschlagenen Mosaiken mit den Darstellungen von Christus, der Muttergottes, diversen Kaisern kamen zum Teil schon unter einem Sultan des 19. Jahrhunderts, dann gro\u00dfteils nach der Museumswidmung wieder zum Vorschein.<\/p>\n\n\n\n

Jetzt stellen sich neue symbolisch-praktische Fragen. Erdo\u011fan hat die Hagia Sophia der konservativen staatlichen Religionsbeh\u00f6rde Diyanet unterstellt. Die byzantinischen Mosaike, wie der gro\u00dfartige \"Christos Pantokrator\" (\"Weltenherrscher\") oder die Jungfrau Maria in der Apsis, m\u00fcssen wohl w\u00e4hrend des islamischen Gottesdiensts verh\u00e4ngt werden. Muss der Boden mit seinen Marmorplatten und Mosaiken mit einem Teppich bedeckt werden? Erdo\u011fan sagt, Touristen seien nach wie vor zugelassen. Aber sie werden wohl hinter Absperrungen bleiben m\u00fcssen. Frauen werden \u2013 wie in der benachbarten \"Blauen Moschee\" (\"Sultanahmed\") Kopftuch tragen m\u00fcssen.<\/p>\n\n\n\n

\"\"\/
Erdo\u011fan mit Gattin in der Hagia Sophia.<\/figcaption><\/figure>\n\n\n\n

Erdo\u011fans neue Abenteuer<\/strong><\/h3>\n\n\n\n

Aber wird da nicht doch zu viel in einen Formalakt rund um ein uraltes Bauwerk hineininterpretiert? Im geschichtlichen Kontext relativiert sich manches: Konstantinopel wurde schon von Christen erobert und ausgepl\u00fcndert \u2013 1204 im Vierten Kreuzzug. In der Moschee von Cordoba (\"Mezquita\") bauten die Katholiken eine ganze Kirche in den ber\u00fchmten S\u00e4ulenwald hinein. Die Mezquita ist heute noch Kirche, kein Museum.<\/p>\n\n\n\n

\"Das ist der Beweis, dass wir kein s\u00e4kularer Staat mehr sein wollen\", sagt Nobelpreistr\u00e4ger Orhan Pamuk. Erdo\u011fan betrachtet sich offenbar als auch neoosmanischer \"Fatih\" im Mittelmeerraum mit immer neuen Abenteuern: Eingreifen in Syrien, Stellvertreterkrieg in Libyen, Anspr\u00fcche auf Erdgasvorkommen weit vor der t\u00fcrkischen K\u00fcste bei Zypern, Reden, wonach manche \u00c4g\u00e4is-Inseln eigentlich zur T\u00fcrkei geh\u00f6ren, \"denn dort stehen unsere Moscheen\". Manches davon ist nur Rhetorik, aber genug anderes ist riskante Realit\u00e4t. (Hans Rauscher, 14.7.2020)<\/p>\n\n\n\n

Quelle<\/a><\/strong><\/p>\n","post_title":"Hagia Sophia: Verengung und Verarmung eines Welterbes","post_excerpt":"","post_status":"publish","comment_status":"closed","ping_status":"closed","post_password":"","post_name":"hagia-sophia-verengung-und-verarmung-eines-welterbes","to_ping":"","pinged":"","post_modified":"2025-02-02 08:39:39","post_modified_gmt":"2025-02-02 08:39:39","post_content_filtered":"","post_parent":0,"guid":"https:\/\/dctransparency.com\/?p=3792","menu_order":0,"post_type":"post","post_mime_type":"","comment_count":"0","filter":"raw"},{"ID":3789,"post_author":"7","post_date":"2020-08-14 13:56:07","post_date_gmt":"2020-08-14 13:56:07","post_content":"\n

Im Gastkommentar pocht Mark Leonard, Direktor des Europ\u00e4ischen Rats f\u00fcr Ausw\u00e4rtige Beziehungen, auf \"neue, einvernehmlich vereinbarte Prinzipien sowie klare Grenzen\", nur so k\u00f6nne eine weitere Destabilisierung in der Region verhindert werden.<\/em><\/strong><\/p>\n\n\n\n

Ist die T\u00fcrkei das neue Russland? Diese Frage wird in den europ\u00e4ischen Hauptst\u00e4dten zunehmend gestellt, da die Au\u00dfenpolitik des t\u00fcrkischen Pr\u00e4sidenten Recep Tayyip Erdo\u011fan zunehmend aggressiver wird. Erdo\u011fan nutzt nicht nur die Migration, um die EU zu bedrohen und zu betr\u00fcgen, sondern setzt auch milit\u00e4rische Macht ein, um den Einflussbereich der T\u00fcrkei auf die gesamte Region auszudehnen.<\/p>\n\n\n\n

Seit dem Ende des Kalten Krieges haben die Europ\u00e4er die regionale Sicherheit durch eine unipolare westliche Linse betrachtet. W\u00e4hrend die Nato die milit\u00e4rische Sicherheit garantierte, sorgte die EU mit ihrem 80.000 Seiten starken Regelwerk f\u00fcr alles von LGBTQ-Rechten bis hin zu Rasenm\u00e4her-Sound-Verordnungen f\u00fcr Rechtsordnung. In den 90er-Jahren ging man allgemein davon aus, dass die beiden gro\u00dfen nichtwestlichen regionalen Akteure, Russland und die T\u00fcrkei, nach und nach an diese Regelungen herangef\u00fchrt werden w\u00fcrden.<\/p>\n\n\n\n

Qu\u00e4lende Hassliebe<\/h3>\n\n\n\n

Doch in den letzten 15 Jahren ist der Traum von der europ\u00e4ischen Unipolarit\u00e4t einer multipolaren Realit\u00e4t gewichen. Sowohl Russland als auch die T\u00fcrkei haben eine lange, qu\u00e4lende Hassliebe zu Europa, und beide sind unter nationalen Machthabern, denen die Verachtung der Normen und Werte der EU gemeinsam ist, durchsetzungsf\u00e4higer geworden.<\/p>\n\n\n\n

Die zunehmende Verschlechterung der Beziehungen zwischen der EU und Russland ist gut dokumentiert, der Fall der T\u00fcrkei weniger. Der Irakkrieg im Jahr 2003 komplizierte das Verh\u00e4ltnis der T\u00fcrkei zur Nato, und ihr Verh\u00e4ltnis zur EU verschlechterte sich 2007, als Frankreich einen wichtigen Teil ihrer EU-Beitrittsverhandlungen blockierte. Seitdem hat die T\u00fcrkei ihren eigenen Weg in Syrien, auf dem Balkan und in Libyen eingeschlagen und neue Beziehungen zu Russland und China aufgebaut.<\/p>\n\n\n\n

Wichtiger Akteur<\/strong><\/h3>\n\n\n\n

Nat\u00fcrlich sind die Beziehungen zwischen der T\u00fcrkei und Russland nicht weniger kompliziert, nicht zuletzt weil Erdo\u011fan und der russische Pr\u00e4sident Wladimir Putin im syrischen B\u00fcrgerkrieg verschiedene Seiten unterst\u00fctzten.Und w\u00e4hrend die Spannungen wegen des Syrien-Konflikts weiterhin bestehen, bewundert Erdo\u011fan deutlich, wie Russland sich \u2013 bei relativ geringen Kosten \u2013 wieder als wichtiger Akteur im Nahen Osten und in Nordafrika etabliert hat.<\/p>\n\n\n\n

Nachdem er in einen nicht zu gewinnenden Krieg im Osten der Ukraine verwickelt war, schien Putins weitgehend erfolgreicher Feldzug in Syrien einen Teil seiner innenpolitischen Autorit\u00e4t wiederherzustellen. Der Westen hatte f\u00fcnf Jahre lang darauf bestanden, dass es keine milit\u00e4rische L\u00f6sung des Konflikts gebe und dass der syrische Pr\u00e4sident Baschar al-Assad gehen m\u00fcsse. Doch w\u00e4hrend die von den Vereinten Nationen unterst\u00fctzten Gespr\u00e4che in Genf zu keinem Ergebnis f\u00fchrten, schienen die von Russland geleiteten Gespr\u00e4che in Astana voranzukommen. Indem der Kreml die T\u00fcrkei und den Iran einbezog, w\u00e4hrend er die westlichen M\u00e4chte ausschloss, erweckte er den Eindruck, dass Russland als wiedergeborene Supermacht aus der Asche auferstanden sei.<\/p>\n\n\n\n

Unter Druck<\/h3>\n\n\n\n

Angesichts des wachsenden Widerstands im eigenen Land macht es Erdo\u011fan Putin gleich. Da der Westen nicht bereit war, (erneut) milit\u00e4risch in Libyen zu intervenieren, sah Erdo\u011fan eine Gelegenheit, die T\u00fcrkei zu positionieren. Nach dem Vorgehen Russlands in Syrien sicherte er sich eine formelle Einladung der libyschen Regierung zur Intervention. Mit einem Schlag Ende letzten Jahres hat er nicht nur das Image der T\u00fcrkei als Regionalmacht gest\u00e4rkt, sondern auch ein Abkommen mit Libyen \u00fcber die Seegrenze abgeschlossen und damit einen Plan Griechenlands, Zyperns, \u00c4gyptens und Israels zur Erschlie\u00dfung von Unterwasser\u00f6l- und -gasfeldern in der N\u00e4he zunichtegemacht.<\/p>\n\n\n\n

Erdo\u011fan scheint auch von der Spalt-und-Eroberungs-Strategie des Kreml in Europa inspiriert worden zu sein, der zufolge oft diejenigen EU-Mitgliedsstaaten unter Druck gesetzt werden, die am meisten von russischen Kohlenwasserstoffen oder M\u00e4rkten abh\u00e4ngig sind. So wie Putin lange Zeit die Energieversorgung instrumentalisiert hat, hat Erdo\u011fan versucht, den Strom von Migranten und Fl\u00fcchtlingen, die vor Konflikten im Nahen Osten fliehen, zu instrumentalisieren. Als die EU eine neue Marinemission ank\u00fcndigte, um den Waffenstrom nach Libyen zu blockieren, malte die T\u00fcrkei f\u00fcr Malta das Schreckgespenst der angeblichen Bedrohung durch Migranten an die Wand. Malta reagierte prompt und signalisierte, dass es gegen die Finanzierung der Mission ein Veto einlegen werde.<\/p>\n\n\n\n

Verlorener Sohn<\/strong><\/h3>\n\n\n\n

Jahrelang redeten sich die Europ\u00e4er ein, dass Russland eine Art verlorener Sohn sei und dass die europ\u00e4ische unipolare Ordnung gesund bleibe. Doch das machte Europa zu einem leichten Ziel f\u00fcr die Trennungs-und-Eroberungs-Strategie des Kreml. Erst vor relativ kurzer Zeit entwarf die Union eine neue Politik und ein robustes Sanktionsregime, um die russische Aggression abzuschrecken. Und selbst jetzt \u2013 trotz der besten Bem\u00fchungen der deutschen Bundeskanzlerin Angela Merkel und des franz\u00f6sischen Pr\u00e4sidenten Emmanuel Macron \u2013 hat die EU noch immer keine wirksamen Kommunikationskan\u00e4le mit Russland geschaffen, um gemeinsame Probleme anzugehen.<\/p>\n\n\n\n

Die T\u00fcrkei ist noch kein neues Russland, aber sie k\u00f6nnte dazu werden, wenn die Situation falsch gehandhabt wird. Vorerst betrachten die meisten Europ\u00e4er die T\u00fcrkei noch immer als einen komplizierten Partner und nicht als \"Systemrivalen\". Aber die Europ\u00e4er sollten die hart erk\u00e4mpften Lehren aus dem Umgang mit Russland in den letzten 15 Jahren beherzigen. Die Beziehungen zwischen der EU und der T\u00fcrkei brauchen neue, einvernehmlich vereinbarte Prinzipien sowie klare Grenzen, um eine weitere Destabilisierung in der Region zu verhindern.<\/p>\n\n\n\n

Zu diesem Zweck sollten die Europ\u00e4er klarstellen, dass der EU-Beitrittsprozess entweder zur\u00fcckgedreht oder vorangetrieben werden kann und dass eine eher transaktionale Beziehung sowohl Zuckerbrot als auch Peitsche beinhaltet. Die Herausforderung wird darin bestehen, daf\u00fcr zu sorgen, dass es in einer Region, die nicht nur von Europa und der T\u00fcrkei, sondern auch von Russland, den USA und einem aufstrebenden China beeinflusst wird, noch Raum f\u00fcr politisches Engagement in Fragen der gemeinsamen Sicherheit gibt. (Mark Leonard, \u00dcbersetzung: Eva G\u00f6llner, Copyright: Project Syndicate, 10.8.2020)<\/p>\n\n\n\n

Mark Leonard <\/strong>ist Direktor des Europ\u00e4ischen Rats f\u00fcr Ausw\u00e4rtige Beziehungen.<\/a><\/p>\n","post_title":"Erdo\u011fan \u2013 der andere Putin vor der Haust\u00fcr Europas","post_excerpt":"","post_status":"publish","comment_status":"closed","ping_status":"closed","post_password":"","post_name":"erdogan-der-andere-putin-vor-der-haustur-europas","to_ping":"","pinged":"","post_modified":"2025-02-02 08:39:39","post_modified_gmt":"2025-02-02 08:39:39","post_content_filtered":"","post_parent":0,"guid":"https:\/\/dctransparency.com\/?p=3789","menu_order":0,"post_type":"post","post_mime_type":"","comment_count":"0","filter":"raw"},{"ID":3786,"post_author":"7","post_date":"2020-08-14 13:51:23","post_date_gmt":"2020-08-14 13:51:23","post_content":"\n

Einen Monat nachdem ich zur israelischen Armee eingezogen worden war, brach die erste Intifada aus. Statt Soldat zu sein, machte ich Polizeiarbeit, sagte den Menschen, wann sie zur Arbeit gehen konnten und wann sie ihre L\u00e4den schlie\u00dfen mussten, wann sie die Grenze passieren und wann sie schlafen konnten. Einen Monat nachdem ich aus der Armee entlassen worden war, ging ich auf Reisen. (In Israel sagen wir: Wir dienen drei Jahre und versuchen den Rest unseres Lebens, diese drei Jahre zu vergessen.) Auf meiner Reise begann ich Briefe an meine Freundin zu schreiben, die ich in Israel zur\u00fcckgelassen hatte.<\/p>\n\n\n\n

Ich schrieb ihr, wie schrecklich depressiv ich war und dass diese drei Jahre des Anweisungenbellens und Anderen-Menschen-Sagens, was sie zu tun haben, mich f\u00fcr immer verfolgen w\u00fcrden. Dass sie ein Teil dessen geworden waren, was ich bin. Ich erinnere mich, dass ich ihr schrieb, dass wir da rausm\u00fcssen \u2013 nicht nur f\u00fcr die Pal\u00e4stinenser, sondern wegen der furchtbaren und brutalen Auswirkungen, die all das auf uns, auf die israelische Gesellschaft haben w\u00fcrde. Sie schrieb zur\u00fcck: \u201eDu hast recht. Ich habe einen neuen Freund.\u201c<\/p>\n\n\n\n

Felix Klein wurde als Beauftragter der Bundesregierung berufen<\/a>, um die Auswirkungen des zunehmenden Antisemitismus in unserer Gesellschaft, in Deutschland, zu bek\u00e4mpfen. Was nicht in seiner Jobbeschreibung steht, ist, dass er dabei unsere Gesellschaft heilen muss, jene Gesellschaft, die diese Form des Hasses reproduziert und sch\u00fctzt. Klein hat das begriffen.<\/p>\n\n\n\n

Er versteht, dass man Krebs nicht mit einem Pflaster verarztet, er wei\u00df, dass er das Bewusstsein der Deutschen sch\u00e4rfen und Diskussionen ansto\u00dfen muss. Er hat begriffen, dass das Problem nicht nur an den R\u00e4ndern der Gesellschaft (bei den Rechten) liegt, sondern auch in ihrer Mitte. Dort, wo gebildete Menschen nicht einmal bemerken, dass das, was sie sagen und tun, antisemitisch ist. So wie sie es auch nicht merken, wenn sie rassistisch handeln. Er hat all das verstanden, und genau deshalb wollen einige, dass er seinen Posten r\u00e4umt.<\/p>\n\n\n\n

Mehr als 60 deutsche und israelische Intellektuelle haben letzte Woche in einem Brief an Kanzlerin Merkel<\/a> dar\u00fcber geklagt, dass der aktuelle \u201eGebrauch des Antisemitismusbegriffs\u201c darauf abziele, \u201elegitime Kritik an der israelischen Regierungspolitik zu unterdr\u00fccken\u201c, und Klein vorgeworfen, rechtspopulistische israelische Stimmen zu f\u00f6rdern.<\/p>\n\n\n\n

Faszinierend an diesem offenen Brief ist, dass viele der Unterzeichneten keine Deutschen sind und auch nicht in Deutschland leben. Ich wei\u00df nicht, woher sie \u2013 die meisten von ihnen sind Israelis \u2013 die Chuzpe haben, sich in eine innerdeutsche Angelegenheit einzumischen und zu fordern, eine Person zu entlassen, die von der Bundesregierung eingesetzt wurde. Die H\u00e4lfte der Unterzeichneten lebt nicht hier, von der anderen H\u00e4lfte sind viele keine Juden \u2013 somit sind die allermeisten von ihnen nicht direkt vom Antisemitismus in Deutschland betroffen. Wie also k\u00f6nnen sie diesen Brief unterschreiben? Und warum eigentlich haben so wenige Deutsche unterschrieben? Dazu komme ich gleich.<\/p>\n\n\n\n

Debatte um Achille Mbembe<\/h6>\n\n\n\n

Hintergrund des Briefs war, dass Felix Klein gefordert hatte, den Philosophen Achille Mbembe<\/a> nicht die Er\u00f6ffnungsrede der Ruhrtriennale halten zu lassen. Als mit \u00f6ffentlichen Mitteln gef\u00f6rdertes Event solle die Ruhrtriennale Mbembe wegen seiner Haltung zu Israels Existenzrecht, seiner Haltung zu BDS und der Art, wie er in einem seiner Werke den Holocaust relativiert, nicht einladen.<\/p>\n\n\n\n

Mbembes Unterst\u00fctzer sagen, keine dieser Anschuldigungen sei wahr. F\u00fcrs Protokoll: In meinen Augen unterst\u00fctzt Mbembe sehr wohl BDS<\/a>, er schrieb unter anderem das Vorwort zu \u201eApartheid Israel\u201c und fordert die komplette Isolation Israels. Ich glaube auch, wenn Mbembe schreibt, die israelische Besetzung sei der \u201egr\u00f6\u00dfte moralische Skandal unserer Zeit\u201c, zeigt das, dass sein moralischer und geografischer Kompass etwas schief ist.<\/p>\n\n\n\n

Doch warum treibt die Debatte so viele Menschen um? Nun, zun\u00e4chst gibt niemand gern auf, was ihm oder ihr selbstverst\u00e4ndlich scheint. \u00dcber den gesamten politischen, sozialen, kulturellen, medialen und akademischen Sektor hinweg sind Menschen daran gew\u00f6hnt, so schlecht \u00fcber Israel sprechen zu k\u00f6nnen, wie auch immer sie wollen.<\/p>\n\n\n\n

Der Spiegel<\/em> hat \u2013 vielleicht in Anlehnung an seine Relotius-Standards, Israel erst k\u00fcrzlich eine Corona-Diktatur genannt. Fakten und Belege f\u00fcr diese Behauptung gab es nicht. Doch Millionen Deutsche haben es gelesen, und es wird nat\u00fcrlich haften bleiben. Faktenlage hin oder her. Der Spiegel<\/em> und andere Medien haben dieses Spiel perfektioniert: Titel so zu drehen, dass sie Israel indirekt anklagen, die Idee zu streuen, der Mossad kon\u00adtrol\u00adliere die deutsche Au\u00dfenpolitik im Nahen Osten, und so fort. Doch sie stehen allesamt sofort auf den Hinterbeinen, wenn jemand es wagt, das Spiel beim Namen zu nennen: moderner Antisemitismus.<\/p>\n\n\n\n

Klein will dem entgegenwirken. Er versteht, dass antisemitische Attacken in Deutschland die Fr\u00fcchte solch falsch gezeichneter Bilder und eindimensionaler Narrative \u00fcber Israel sind. Wenn er und andere versuchen, ein anderes Narrativ aufzuzeigen, wirft man ihnen Zensur vor: Wie k\u00f6nnen sie es wagen, das Gesch\u00e4ft der Anti-Israel-Propaganda zu st\u00f6ren?<\/p>\n\n\n\n

Liebe Deutsche, wenn ihr reden wollt, lasst uns gern reden: \u00fcber die Besetzung, \u00fcber Bibi und alles, was schiefl\u00e4uft. Aber dann lasst uns bitte auch dar\u00fcber reden, wie deutsche Steuergelder Terrortunnel finanzieren. Erst vergangene Woche r\u00e4umte die niederl\u00e4ndische Regierung ein, dass Gelder an eine Landwirtschaftsorganisation in Ramallah geflossen seien, die damit teilweise die Geh\u00e4lter zweier des Mordes an der 17-j\u00e4hrigen Israelin Rina Shnerb Verd\u00e4chtiger gezahlt haben. Auch die Bundesregierung unterst\u00fctzt diese Organisation, obwohl Kritiker schon lange vor Verbindungen zu Terroristen warnen.<\/p>\n\n\n\n

Wir k\u00f6nnen uns also gerne unterhalten \u2013 aber im Dialog, nicht in Monologen. Denn Reden unter Menschen, die sich einig sind, ist nichts anderes als Impotenz.<\/p>\n\n\n\n

Israelkritik als Eintrittskarte<\/h6>\n\n\n\n

Die Israelis, die die Petition unterzeichnet haben, haben \u00fcbrigens ebenfalls etwas verstanden. Seit Jahren wissen sie: Es ist ihre Eintrittskarte in die Mitte der deutschen (und europ\u00e4ischen) Gesellschaft. Man h\u00f6rt nicht oft von Akademikern mit proisraelischen Ansichten. Weder in den Philharmonie-Orchestern noch in der Kunstszene. Die Eintrittskarte daf\u00fcr ist ein antiisraelischer Standpunkt.<\/p>\n\n\n\n

Der mutma\u00dfliche Grund, warum kaum Deutsche die Petition unterzeichnet haben: Sie mussten es nicht. Ihre Lieblingsjuden haben es f\u00fcr sie getan. Jetzt k\u00f6nnen sie sagen: \u201eSchau, ich bin das ja nicht, meine j\u00fcdischen Freunde sagen es.\u201c Ich selbst war einige Jahre lang mit einem Paar hier in Berlin befreundet, bis ich herausfand, dass ich ihr Lieblingsjude war. Ja, selbst das j\u00fcdische Museum wurde so genutzt.<\/p>\n\n\n\n

Weil Attacken gegen Juden ein absolutes Tabu sind, wurden Umwege gefunden, um den Antisemitismus auf kleiner Flamme k\u00f6cheln zu lassen: die unfundierte, unbegr\u00fcndete Kritik an Israel.<\/p>\n\n\n\n

Diese Art der Kritik ist gef\u00e4hrlich. Sie schw\u00e4cht jede begr\u00fcndete und notwendige Kritik am Verhalten Israels. Und das Interessante ist: Trotz all der heftigen, pauschalisierenden Anklagen, all der offenen Briefe driftet Israel politisch immer weiter nach rechts. Doch statt mal einen anderen Ansatz zu versuchen, werden die antiisraelischen Stimmen nur lauter. Dasselbe versuchen und andere Ergebnisse davon erwarten \u2013 das ist die Definition von Wahnsinn.<\/p>\n\n\n\n

Kurz bevor der Prozess gegen den wegen des Attentats von Halle<\/a> Angeklagten begann \u2013 des seit Kriegsende schlimmsten Akts von Antisemitismus in Deutschland \u2013, lud eine Lokalzeitung den fr\u00fcheren Botschafter Shimon Stein und den Historiker Moshe Zimmermann ein, dar\u00fcber zu schreiben, was Antisemitismus ist. Nat\u00fcrlich wendeten auch sie sich gegen Felix Kleins Ansatz. Sie zitieren die Kontroverse um die Umbenennung der U-Bahn-Station Mohrenstra\u00dfe in Glinkastra\u00dfe, die sich darum drehte, dass der russische Komponist Michael Glinka Antisemit gewesen sein soll. Stein und Zimmermann halten die Debatte f\u00fcr \u00fcberzogen, Glinka sei nur ein Kind seiner Zeit gewesen. Folgt man ihrer Logik, k\u00f6nnen wir dann also in 20 oder 30 Jahren U-Bahn-Stationen nach den Kindern der 1930er Jahre benennen?<\/p>\n\n\n\n

Der Antisemit als Tierfreund<\/h6>\n\n\n\n

Ich w\u00fcnschte, die Sache h\u00e4tte mit dem Artikel, mit der Petition geendet. Doch dann erschien ein Artikel, der den Leser auf einen Waldspaziergang mit einem veganen Koch und Antisemiten mitnahm. Darin setzt der Tierfreund erst behutsam einen K\u00e4fer wieder auf seine Beinchen und erkl\u00e4rt dann, dass die Todesstrafe in Deutschland wieder eingef\u00fchrt werden solle, um einen gewissen Politiker (der zuf\u00e4llig pro Israel ist) an seinen Hoden aufh\u00e4ngen zu k\u00f6nnen. Dieser Koch hat Hunderttausende Follower, er sagt all solche Dinge am helllichten Tag in Berlin. Und in den Medien.<\/p>\n\n\n\n

F\u00e4lle wie dieser handeln bereits von Gewalt \u2013 und sie enden nicht bei den Juden. Der Hass richtet sich gegen Frauen<\/a>, Muslime, Gefl\u00fcchtete, \u00adLBTQI. Am Ende aller theoretischen Debatten stehen immer echte Menschen. Am Ende jeder Konferenz dar\u00fcber, was Antisemitismus ausmacht, steht ein potenzielles j\u00fcdisches Opfer. Angesichts einer Welle von Antisemitismus \u00fcber die Definition von Antisemitismus zu streiten ist, wie eine 10 Meter hohe Welle heranrollen zu sehen und dar\u00fcber zu streiten, was einen Tsunami ausmacht.<\/p>\n\n\n\n

Felix Klein versteht, wie absurd es ist, zu sagen: Es sind nur die Rechten. Die Rechten sind Deutsche, so wie die Nazis Deutsche waren. Klein versteht, dass die Deutschen nicht aufgeh\u00f6rt haben, Juden zu ermorden, weil sie irgendeine Art von Erleuchtung hatten. Sondern schlicht, weil sie den Krieg verloren haben. Um den Antisemitismus zu bek\u00e4mpfen, bevor er die Gesellschaft frisst, in der er und wir leben, muss Deutschland seinen moralischen Kompass korrigieren.<\/p>\n\n\n\n

Immerhin: Mehr und mehr Deutsche fahren nach Israel, sie wollen ein anderes Narrativ h\u00f6ren. Mehr und mehr Deutsche verstehen, dass Antisemitismus Schockwellen ausl\u00f6st, die die gesamte Gesellschaft betreffen. In einem normalen Universum w\u00fcrde Klein bef\u00f6rdert werden f\u00fcr seine Leistung. In einer verdrehten Gesellschaft fordern Menschen seine Entlassung. Um es mit Mbembe zu sagen: Das ist Nano-Nonsens.<\/p>\n\n\n\n

\u00dcbersetzung: Ariane Lemme<\/a><\/em><\/p>\n","post_title":"Felix Klein hat verstanden","post_excerpt":"","post_status":"publish","comment_status":"closed","ping_status":"closed","post_password":"","post_name":"felix-klein-hat-verstanden","to_ping":"","pinged":"","post_modified":"2025-02-02 08:39:39","post_modified_gmt":"2025-02-02 08:39:39","post_content_filtered":"","post_parent":0,"guid":"https:\/\/dctransparency.com\/?p=3786","menu_order":0,"post_type":"post","post_mime_type":"","comment_count":"0","filter":"raw"}],"next":false,"prev":true,"total_page":47},"paged":1,"column_class":"jeg_col_2o3","class":"epic_block_3"};

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Das eigentliche Schl\u00fcsselwort im Zusammenhang mit der Hagia Sofia ist \"Welterbe\". Das Erbe von allen. Einmal im kulturellen Sinn der Unesco, aber in Wahrheit weiter gefasst. Das einzigartige Bauwerk geh\u00f6rt in Wirklichkeit der ganzen Welt, nicht der einen oder anderen Religion. Die beiden Gro\u00dfreiche, f\u00fcr die die Hagia Sofia der zentrale spirituelle Bau war, das byzantinische und das osmanische, sind l\u00e4ngst versunken. Seither hat sie eine neue, \u00fcbernationale Dimension erhalten. Was Erdo\u011fan da jetzt mit der Hagia Sofia macht, ist eine Verengung und Verarmung eines gemeinsamen Welterbes.<\/p>\n\n\n\n

\"\"\/
Betende Muslime vor der Hagia Sophia.<\/figcaption><\/figure>\n\n\n\n

Davon abgesehen aber war und ist sie ein architektonisches Meisterwerk und geh\u00f6rt zu den bedeutendsten Bauten der Welt. Wer heute den Zentralraum unter der Kuppel betritt, kann sich nur schwer dem zugleich majest\u00e4tischen wie schwebenden Gesamteindruck entziehen. Die Hagia Sophia blieb fast 1000 Jahre die gr\u00f6\u00dfte Kirche der Christenheit. Technisch war die Kuppel (mit mehreren Halbkuppeln) eine \u00fcberaus riskante Innovation: Die 55 Meter hohe und 32 Meter im Durchmesser breite Kuppel ruht auf nur vier Tragpunkten, was den schwebenden, schwerelosen Eindruck erzeugt. Die Konstruktion folgt einem mathematischen Prinzip, das erst k\u00fcrzlich entschl\u00fcsselt wurde.<\/p>\n\n\n\n

\"Salomo, ich habe dich \u00fcbertroffen!\"<\/p><\/blockquote>\n\n\n\n

Als Kaiser Justinian die Hagia Sophia nach nur f\u00fcnf Jahren Bauzeit (532\u2013537) betrat, soll er in Anspielung auf den Tempel in Jerusalem ausgerufen haben: \"Salomo, ich habe dich \u00fcbertroffen!\" Die Innenausstattung war mit ihren S\u00e4ulen aus Porphyr und gr\u00fcnem Marmor, mit Mosaiken aus Gold und Halbedelsteinen derart prunkvoll, der Gesamteindruck derart \u00fcberirdisch, dass eine Delegation des Gro\u00dff\u00fcrsten von Kiew nicht mehr wusste, \"ob wir im Himmel oder auf der Erde\" waren \u2013 was die Christianisierung Russlands bef\u00f6rderte.<\/p>\n\n\n\n

Der deutsche Architekturlehrer Holger Kleine nennt die Hagia Sophia \"absolute Architektur\", weil sie \"extreme Ausdrucksformen nahezu aller dramaturgischen Mittel, die der Architektur zur Verf\u00fcgung stehen, vereinigt: wuchtigste K\u00f6rper und luftigste R\u00e4ume, engste Enge und gr\u00f6\u00dfte Weite, w\u00e4rmende Helligkeit und mystisches Dunkel\". Und die Kuppelbauten aus der sp\u00e4teren Hochbl\u00fcte der Moscheenarchitektur im 16. und 17. Jahrhundert gehen eindeutig auf die Hagia Sophia zur\u00fcck.<\/p>\n\n\n\n

Die Hagia Sophia war Staatskirche des byzantinischen Reichs. F\u00fcr die Eroberer der letzte Schlussstein in der Kuppel osmanisch-muslimischen Herrschaftsanspruchs. Konstantinopel war ja 1453 nur noch eine isolierte, heruntergekommene Enklave in einem osmanischen Umfeld, kein christliches Heer kam zu Hilfe. Doch vorher war es zugleich Sperrriegel nach Osten und Geistesarchiv der antiken Kultur gewesen. \"Ohne Byzanz h\u00e4tte es kein Europa gegeben\", sagt die britische Altertumsforscherin Judith Herrin.<\/p>\n\n\n\n

\"\"\/
Freigelegtes Mosaik von \"Christos Pantokrator\".<\/figcaption><\/figure>\n\n\n\n

Neue Fragen<\/h3>\n\n\n\n

Die Kirche wurde von Mehmed II. und Nachfolgern nicht in der Substanz zerst\u00f6rt, sondern \"entchristlicht\". Die urspr\u00fcnglich \u00fcbert\u00fcnchten oder auch abgeschlagenen Mosaiken mit den Darstellungen von Christus, der Muttergottes, diversen Kaisern kamen zum Teil schon unter einem Sultan des 19. Jahrhunderts, dann gro\u00dfteils nach der Museumswidmung wieder zum Vorschein.<\/p>\n\n\n\n

Jetzt stellen sich neue symbolisch-praktische Fragen. Erdo\u011fan hat die Hagia Sophia der konservativen staatlichen Religionsbeh\u00f6rde Diyanet unterstellt. Die byzantinischen Mosaike, wie der gro\u00dfartige \"Christos Pantokrator\" (\"Weltenherrscher\") oder die Jungfrau Maria in der Apsis, m\u00fcssen wohl w\u00e4hrend des islamischen Gottesdiensts verh\u00e4ngt werden. Muss der Boden mit seinen Marmorplatten und Mosaiken mit einem Teppich bedeckt werden? Erdo\u011fan sagt, Touristen seien nach wie vor zugelassen. Aber sie werden wohl hinter Absperrungen bleiben m\u00fcssen. Frauen werden \u2013 wie in der benachbarten \"Blauen Moschee\" (\"Sultanahmed\") Kopftuch tragen m\u00fcssen.<\/p>\n\n\n\n

\"\"\/
Erdo\u011fan mit Gattin in der Hagia Sophia.<\/figcaption><\/figure>\n\n\n\n

Erdo\u011fans neue Abenteuer<\/strong><\/h3>\n\n\n\n

Aber wird da nicht doch zu viel in einen Formalakt rund um ein uraltes Bauwerk hineininterpretiert? Im geschichtlichen Kontext relativiert sich manches: Konstantinopel wurde schon von Christen erobert und ausgepl\u00fcndert \u2013 1204 im Vierten Kreuzzug. In der Moschee von Cordoba (\"Mezquita\") bauten die Katholiken eine ganze Kirche in den ber\u00fchmten S\u00e4ulenwald hinein. Die Mezquita ist heute noch Kirche, kein Museum.<\/p>\n\n\n\n

\"Das ist der Beweis, dass wir kein s\u00e4kularer Staat mehr sein wollen\", sagt Nobelpreistr\u00e4ger Orhan Pamuk. Erdo\u011fan betrachtet sich offenbar als auch neoosmanischer \"Fatih\" im Mittelmeerraum mit immer neuen Abenteuern: Eingreifen in Syrien, Stellvertreterkrieg in Libyen, Anspr\u00fcche auf Erdgasvorkommen weit vor der t\u00fcrkischen K\u00fcste bei Zypern, Reden, wonach manche \u00c4g\u00e4is-Inseln eigentlich zur T\u00fcrkei geh\u00f6ren, \"denn dort stehen unsere Moscheen\". Manches davon ist nur Rhetorik, aber genug anderes ist riskante Realit\u00e4t. (Hans Rauscher, 14.7.2020)<\/p>\n\n\n\n

Quelle<\/a><\/strong><\/p>\n","post_title":"Hagia Sophia: Verengung und Verarmung eines Welterbes","post_excerpt":"","post_status":"publish","comment_status":"closed","ping_status":"closed","post_password":"","post_name":"hagia-sophia-verengung-und-verarmung-eines-welterbes","to_ping":"","pinged":"","post_modified":"2025-02-02 08:39:39","post_modified_gmt":"2025-02-02 08:39:39","post_content_filtered":"","post_parent":0,"guid":"https:\/\/dctransparency.com\/?p=3792","menu_order":0,"post_type":"post","post_mime_type":"","comment_count":"0","filter":"raw"},{"ID":3789,"post_author":"7","post_date":"2020-08-14 13:56:07","post_date_gmt":"2020-08-14 13:56:07","post_content":"\n

Im Gastkommentar pocht Mark Leonard, Direktor des Europ\u00e4ischen Rats f\u00fcr Ausw\u00e4rtige Beziehungen, auf \"neue, einvernehmlich vereinbarte Prinzipien sowie klare Grenzen\", nur so k\u00f6nne eine weitere Destabilisierung in der Region verhindert werden.<\/em><\/strong><\/p>\n\n\n\n

Ist die T\u00fcrkei das neue Russland? Diese Frage wird in den europ\u00e4ischen Hauptst\u00e4dten zunehmend gestellt, da die Au\u00dfenpolitik des t\u00fcrkischen Pr\u00e4sidenten Recep Tayyip Erdo\u011fan zunehmend aggressiver wird. Erdo\u011fan nutzt nicht nur die Migration, um die EU zu bedrohen und zu betr\u00fcgen, sondern setzt auch milit\u00e4rische Macht ein, um den Einflussbereich der T\u00fcrkei auf die gesamte Region auszudehnen.<\/p>\n\n\n\n

Seit dem Ende des Kalten Krieges haben die Europ\u00e4er die regionale Sicherheit durch eine unipolare westliche Linse betrachtet. W\u00e4hrend die Nato die milit\u00e4rische Sicherheit garantierte, sorgte die EU mit ihrem 80.000 Seiten starken Regelwerk f\u00fcr alles von LGBTQ-Rechten bis hin zu Rasenm\u00e4her-Sound-Verordnungen f\u00fcr Rechtsordnung. In den 90er-Jahren ging man allgemein davon aus, dass die beiden gro\u00dfen nichtwestlichen regionalen Akteure, Russland und die T\u00fcrkei, nach und nach an diese Regelungen herangef\u00fchrt werden w\u00fcrden.<\/p>\n\n\n\n

Qu\u00e4lende Hassliebe<\/h3>\n\n\n\n

Doch in den letzten 15 Jahren ist der Traum von der europ\u00e4ischen Unipolarit\u00e4t einer multipolaren Realit\u00e4t gewichen. Sowohl Russland als auch die T\u00fcrkei haben eine lange, qu\u00e4lende Hassliebe zu Europa, und beide sind unter nationalen Machthabern, denen die Verachtung der Normen und Werte der EU gemeinsam ist, durchsetzungsf\u00e4higer geworden.<\/p>\n\n\n\n

Die zunehmende Verschlechterung der Beziehungen zwischen der EU und Russland ist gut dokumentiert, der Fall der T\u00fcrkei weniger. Der Irakkrieg im Jahr 2003 komplizierte das Verh\u00e4ltnis der T\u00fcrkei zur Nato, und ihr Verh\u00e4ltnis zur EU verschlechterte sich 2007, als Frankreich einen wichtigen Teil ihrer EU-Beitrittsverhandlungen blockierte. Seitdem hat die T\u00fcrkei ihren eigenen Weg in Syrien, auf dem Balkan und in Libyen eingeschlagen und neue Beziehungen zu Russland und China aufgebaut.<\/p>\n\n\n\n

Wichtiger Akteur<\/strong><\/h3>\n\n\n\n

Nat\u00fcrlich sind die Beziehungen zwischen der T\u00fcrkei und Russland nicht weniger kompliziert, nicht zuletzt weil Erdo\u011fan und der russische Pr\u00e4sident Wladimir Putin im syrischen B\u00fcrgerkrieg verschiedene Seiten unterst\u00fctzten.Und w\u00e4hrend die Spannungen wegen des Syrien-Konflikts weiterhin bestehen, bewundert Erdo\u011fan deutlich, wie Russland sich \u2013 bei relativ geringen Kosten \u2013 wieder als wichtiger Akteur im Nahen Osten und in Nordafrika etabliert hat.<\/p>\n\n\n\n

Nachdem er in einen nicht zu gewinnenden Krieg im Osten der Ukraine verwickelt war, schien Putins weitgehend erfolgreicher Feldzug in Syrien einen Teil seiner innenpolitischen Autorit\u00e4t wiederherzustellen. Der Westen hatte f\u00fcnf Jahre lang darauf bestanden, dass es keine milit\u00e4rische L\u00f6sung des Konflikts gebe und dass der syrische Pr\u00e4sident Baschar al-Assad gehen m\u00fcsse. Doch w\u00e4hrend die von den Vereinten Nationen unterst\u00fctzten Gespr\u00e4che in Genf zu keinem Ergebnis f\u00fchrten, schienen die von Russland geleiteten Gespr\u00e4che in Astana voranzukommen. Indem der Kreml die T\u00fcrkei und den Iran einbezog, w\u00e4hrend er die westlichen M\u00e4chte ausschloss, erweckte er den Eindruck, dass Russland als wiedergeborene Supermacht aus der Asche auferstanden sei.<\/p>\n\n\n\n

Unter Druck<\/h3>\n\n\n\n

Angesichts des wachsenden Widerstands im eigenen Land macht es Erdo\u011fan Putin gleich. Da der Westen nicht bereit war, (erneut) milit\u00e4risch in Libyen zu intervenieren, sah Erdo\u011fan eine Gelegenheit, die T\u00fcrkei zu positionieren. Nach dem Vorgehen Russlands in Syrien sicherte er sich eine formelle Einladung der libyschen Regierung zur Intervention. Mit einem Schlag Ende letzten Jahres hat er nicht nur das Image der T\u00fcrkei als Regionalmacht gest\u00e4rkt, sondern auch ein Abkommen mit Libyen \u00fcber die Seegrenze abgeschlossen und damit einen Plan Griechenlands, Zyperns, \u00c4gyptens und Israels zur Erschlie\u00dfung von Unterwasser\u00f6l- und -gasfeldern in der N\u00e4he zunichtegemacht.<\/p>\n\n\n\n

Erdo\u011fan scheint auch von der Spalt-und-Eroberungs-Strategie des Kreml in Europa inspiriert worden zu sein, der zufolge oft diejenigen EU-Mitgliedsstaaten unter Druck gesetzt werden, die am meisten von russischen Kohlenwasserstoffen oder M\u00e4rkten abh\u00e4ngig sind. So wie Putin lange Zeit die Energieversorgung instrumentalisiert hat, hat Erdo\u011fan versucht, den Strom von Migranten und Fl\u00fcchtlingen, die vor Konflikten im Nahen Osten fliehen, zu instrumentalisieren. Als die EU eine neue Marinemission ank\u00fcndigte, um den Waffenstrom nach Libyen zu blockieren, malte die T\u00fcrkei f\u00fcr Malta das Schreckgespenst der angeblichen Bedrohung durch Migranten an die Wand. Malta reagierte prompt und signalisierte, dass es gegen die Finanzierung der Mission ein Veto einlegen werde.<\/p>\n\n\n\n

Verlorener Sohn<\/strong><\/h3>\n\n\n\n

Jahrelang redeten sich die Europ\u00e4er ein, dass Russland eine Art verlorener Sohn sei und dass die europ\u00e4ische unipolare Ordnung gesund bleibe. Doch das machte Europa zu einem leichten Ziel f\u00fcr die Trennungs-und-Eroberungs-Strategie des Kreml. Erst vor relativ kurzer Zeit entwarf die Union eine neue Politik und ein robustes Sanktionsregime, um die russische Aggression abzuschrecken. Und selbst jetzt \u2013 trotz der besten Bem\u00fchungen der deutschen Bundeskanzlerin Angela Merkel und des franz\u00f6sischen Pr\u00e4sidenten Emmanuel Macron \u2013 hat die EU noch immer keine wirksamen Kommunikationskan\u00e4le mit Russland geschaffen, um gemeinsame Probleme anzugehen.<\/p>\n\n\n\n

Die T\u00fcrkei ist noch kein neues Russland, aber sie k\u00f6nnte dazu werden, wenn die Situation falsch gehandhabt wird. Vorerst betrachten die meisten Europ\u00e4er die T\u00fcrkei noch immer als einen komplizierten Partner und nicht als \"Systemrivalen\". Aber die Europ\u00e4er sollten die hart erk\u00e4mpften Lehren aus dem Umgang mit Russland in den letzten 15 Jahren beherzigen. Die Beziehungen zwischen der EU und der T\u00fcrkei brauchen neue, einvernehmlich vereinbarte Prinzipien sowie klare Grenzen, um eine weitere Destabilisierung in der Region zu verhindern.<\/p>\n\n\n\n

Zu diesem Zweck sollten die Europ\u00e4er klarstellen, dass der EU-Beitrittsprozess entweder zur\u00fcckgedreht oder vorangetrieben werden kann und dass eine eher transaktionale Beziehung sowohl Zuckerbrot als auch Peitsche beinhaltet. Die Herausforderung wird darin bestehen, daf\u00fcr zu sorgen, dass es in einer Region, die nicht nur von Europa und der T\u00fcrkei, sondern auch von Russland, den USA und einem aufstrebenden China beeinflusst wird, noch Raum f\u00fcr politisches Engagement in Fragen der gemeinsamen Sicherheit gibt. (Mark Leonard, \u00dcbersetzung: Eva G\u00f6llner, Copyright: Project Syndicate, 10.8.2020)<\/p>\n\n\n\n

Mark Leonard <\/strong>ist Direktor des Europ\u00e4ischen Rats f\u00fcr Ausw\u00e4rtige Beziehungen.<\/a><\/p>\n","post_title":"Erdo\u011fan \u2013 der andere Putin vor der Haust\u00fcr Europas","post_excerpt":"","post_status":"publish","comment_status":"closed","ping_status":"closed","post_password":"","post_name":"erdogan-der-andere-putin-vor-der-haustur-europas","to_ping":"","pinged":"","post_modified":"2025-02-02 08:39:39","post_modified_gmt":"2025-02-02 08:39:39","post_content_filtered":"","post_parent":0,"guid":"https:\/\/dctransparency.com\/?p=3789","menu_order":0,"post_type":"post","post_mime_type":"","comment_count":"0","filter":"raw"},{"ID":3786,"post_author":"7","post_date":"2020-08-14 13:51:23","post_date_gmt":"2020-08-14 13:51:23","post_content":"\n

Einen Monat nachdem ich zur israelischen Armee eingezogen worden war, brach die erste Intifada aus. Statt Soldat zu sein, machte ich Polizeiarbeit, sagte den Menschen, wann sie zur Arbeit gehen konnten und wann sie ihre L\u00e4den schlie\u00dfen mussten, wann sie die Grenze passieren und wann sie schlafen konnten. Einen Monat nachdem ich aus der Armee entlassen worden war, ging ich auf Reisen. (In Israel sagen wir: Wir dienen drei Jahre und versuchen den Rest unseres Lebens, diese drei Jahre zu vergessen.) Auf meiner Reise begann ich Briefe an meine Freundin zu schreiben, die ich in Israel zur\u00fcckgelassen hatte.<\/p>\n\n\n\n

Ich schrieb ihr, wie schrecklich depressiv ich war und dass diese drei Jahre des Anweisungenbellens und Anderen-Menschen-Sagens, was sie zu tun haben, mich f\u00fcr immer verfolgen w\u00fcrden. Dass sie ein Teil dessen geworden waren, was ich bin. Ich erinnere mich, dass ich ihr schrieb, dass wir da rausm\u00fcssen \u2013 nicht nur f\u00fcr die Pal\u00e4stinenser, sondern wegen der furchtbaren und brutalen Auswirkungen, die all das auf uns, auf die israelische Gesellschaft haben w\u00fcrde. Sie schrieb zur\u00fcck: \u201eDu hast recht. Ich habe einen neuen Freund.\u201c<\/p>\n\n\n\n

Felix Klein wurde als Beauftragter der Bundesregierung berufen<\/a>, um die Auswirkungen des zunehmenden Antisemitismus in unserer Gesellschaft, in Deutschland, zu bek\u00e4mpfen. Was nicht in seiner Jobbeschreibung steht, ist, dass er dabei unsere Gesellschaft heilen muss, jene Gesellschaft, die diese Form des Hasses reproduziert und sch\u00fctzt. Klein hat das begriffen.<\/p>\n\n\n\n

Er versteht, dass man Krebs nicht mit einem Pflaster verarztet, er wei\u00df, dass er das Bewusstsein der Deutschen sch\u00e4rfen und Diskussionen ansto\u00dfen muss. Er hat begriffen, dass das Problem nicht nur an den R\u00e4ndern der Gesellschaft (bei den Rechten) liegt, sondern auch in ihrer Mitte. Dort, wo gebildete Menschen nicht einmal bemerken, dass das, was sie sagen und tun, antisemitisch ist. So wie sie es auch nicht merken, wenn sie rassistisch handeln. Er hat all das verstanden, und genau deshalb wollen einige, dass er seinen Posten r\u00e4umt.<\/p>\n\n\n\n

Mehr als 60 deutsche und israelische Intellektuelle haben letzte Woche in einem Brief an Kanzlerin Merkel<\/a> dar\u00fcber geklagt, dass der aktuelle \u201eGebrauch des Antisemitismusbegriffs\u201c darauf abziele, \u201elegitime Kritik an der israelischen Regierungspolitik zu unterdr\u00fccken\u201c, und Klein vorgeworfen, rechtspopulistische israelische Stimmen zu f\u00f6rdern.<\/p>\n\n\n\n

Faszinierend an diesem offenen Brief ist, dass viele der Unterzeichneten keine Deutschen sind und auch nicht in Deutschland leben. Ich wei\u00df nicht, woher sie \u2013 die meisten von ihnen sind Israelis \u2013 die Chuzpe haben, sich in eine innerdeutsche Angelegenheit einzumischen und zu fordern, eine Person zu entlassen, die von der Bundesregierung eingesetzt wurde. Die H\u00e4lfte der Unterzeichneten lebt nicht hier, von der anderen H\u00e4lfte sind viele keine Juden \u2013 somit sind die allermeisten von ihnen nicht direkt vom Antisemitismus in Deutschland betroffen. Wie also k\u00f6nnen sie diesen Brief unterschreiben? Und warum eigentlich haben so wenige Deutsche unterschrieben? Dazu komme ich gleich.<\/p>\n\n\n\n

Debatte um Achille Mbembe<\/h6>\n\n\n\n

Hintergrund des Briefs war, dass Felix Klein gefordert hatte, den Philosophen Achille Mbembe<\/a> nicht die Er\u00f6ffnungsrede der Ruhrtriennale halten zu lassen. Als mit \u00f6ffentlichen Mitteln gef\u00f6rdertes Event solle die Ruhrtriennale Mbembe wegen seiner Haltung zu Israels Existenzrecht, seiner Haltung zu BDS und der Art, wie er in einem seiner Werke den Holocaust relativiert, nicht einladen.<\/p>\n\n\n\n

Mbembes Unterst\u00fctzer sagen, keine dieser Anschuldigungen sei wahr. F\u00fcrs Protokoll: In meinen Augen unterst\u00fctzt Mbembe sehr wohl BDS<\/a>, er schrieb unter anderem das Vorwort zu \u201eApartheid Israel\u201c und fordert die komplette Isolation Israels. Ich glaube auch, wenn Mbembe schreibt, die israelische Besetzung sei der \u201egr\u00f6\u00dfte moralische Skandal unserer Zeit\u201c, zeigt das, dass sein moralischer und geografischer Kompass etwas schief ist.<\/p>\n\n\n\n

Doch warum treibt die Debatte so viele Menschen um? Nun, zun\u00e4chst gibt niemand gern auf, was ihm oder ihr selbstverst\u00e4ndlich scheint. \u00dcber den gesamten politischen, sozialen, kulturellen, medialen und akademischen Sektor hinweg sind Menschen daran gew\u00f6hnt, so schlecht \u00fcber Israel sprechen zu k\u00f6nnen, wie auch immer sie wollen.<\/p>\n\n\n\n

Der Spiegel<\/em> hat \u2013 vielleicht in Anlehnung an seine Relotius-Standards, Israel erst k\u00fcrzlich eine Corona-Diktatur genannt. Fakten und Belege f\u00fcr diese Behauptung gab es nicht. Doch Millionen Deutsche haben es gelesen, und es wird nat\u00fcrlich haften bleiben. Faktenlage hin oder her. Der Spiegel<\/em> und andere Medien haben dieses Spiel perfektioniert: Titel so zu drehen, dass sie Israel indirekt anklagen, die Idee zu streuen, der Mossad kon\u00adtrol\u00adliere die deutsche Au\u00dfenpolitik im Nahen Osten, und so fort. Doch sie stehen allesamt sofort auf den Hinterbeinen, wenn jemand es wagt, das Spiel beim Namen zu nennen: moderner Antisemitismus.<\/p>\n\n\n\n

Klein will dem entgegenwirken. Er versteht, dass antisemitische Attacken in Deutschland die Fr\u00fcchte solch falsch gezeichneter Bilder und eindimensionaler Narrative \u00fcber Israel sind. Wenn er und andere versuchen, ein anderes Narrativ aufzuzeigen, wirft man ihnen Zensur vor: Wie k\u00f6nnen sie es wagen, das Gesch\u00e4ft der Anti-Israel-Propaganda zu st\u00f6ren?<\/p>\n\n\n\n

Liebe Deutsche, wenn ihr reden wollt, lasst uns gern reden: \u00fcber die Besetzung, \u00fcber Bibi und alles, was schiefl\u00e4uft. Aber dann lasst uns bitte auch dar\u00fcber reden, wie deutsche Steuergelder Terrortunnel finanzieren. Erst vergangene Woche r\u00e4umte die niederl\u00e4ndische Regierung ein, dass Gelder an eine Landwirtschaftsorganisation in Ramallah geflossen seien, die damit teilweise die Geh\u00e4lter zweier des Mordes an der 17-j\u00e4hrigen Israelin Rina Shnerb Verd\u00e4chtiger gezahlt haben. Auch die Bundesregierung unterst\u00fctzt diese Organisation, obwohl Kritiker schon lange vor Verbindungen zu Terroristen warnen.<\/p>\n\n\n\n

Wir k\u00f6nnen uns also gerne unterhalten \u2013 aber im Dialog, nicht in Monologen. Denn Reden unter Menschen, die sich einig sind, ist nichts anderes als Impotenz.<\/p>\n\n\n\n

Israelkritik als Eintrittskarte<\/h6>\n\n\n\n

Die Israelis, die die Petition unterzeichnet haben, haben \u00fcbrigens ebenfalls etwas verstanden. Seit Jahren wissen sie: Es ist ihre Eintrittskarte in die Mitte der deutschen (und europ\u00e4ischen) Gesellschaft. Man h\u00f6rt nicht oft von Akademikern mit proisraelischen Ansichten. Weder in den Philharmonie-Orchestern noch in der Kunstszene. Die Eintrittskarte daf\u00fcr ist ein antiisraelischer Standpunkt.<\/p>\n\n\n\n

Der mutma\u00dfliche Grund, warum kaum Deutsche die Petition unterzeichnet haben: Sie mussten es nicht. Ihre Lieblingsjuden haben es f\u00fcr sie getan. Jetzt k\u00f6nnen sie sagen: \u201eSchau, ich bin das ja nicht, meine j\u00fcdischen Freunde sagen es.\u201c Ich selbst war einige Jahre lang mit einem Paar hier in Berlin befreundet, bis ich herausfand, dass ich ihr Lieblingsjude war. Ja, selbst das j\u00fcdische Museum wurde so genutzt.<\/p>\n\n\n\n

Weil Attacken gegen Juden ein absolutes Tabu sind, wurden Umwege gefunden, um den Antisemitismus auf kleiner Flamme k\u00f6cheln zu lassen: die unfundierte, unbegr\u00fcndete Kritik an Israel.<\/p>\n\n\n\n

Diese Art der Kritik ist gef\u00e4hrlich. Sie schw\u00e4cht jede begr\u00fcndete und notwendige Kritik am Verhalten Israels. Und das Interessante ist: Trotz all der heftigen, pauschalisierenden Anklagen, all der offenen Briefe driftet Israel politisch immer weiter nach rechts. Doch statt mal einen anderen Ansatz zu versuchen, werden die antiisraelischen Stimmen nur lauter. Dasselbe versuchen und andere Ergebnisse davon erwarten \u2013 das ist die Definition von Wahnsinn.<\/p>\n\n\n\n

Kurz bevor der Prozess gegen den wegen des Attentats von Halle<\/a> Angeklagten begann \u2013 des seit Kriegsende schlimmsten Akts von Antisemitismus in Deutschland \u2013, lud eine Lokalzeitung den fr\u00fcheren Botschafter Shimon Stein und den Historiker Moshe Zimmermann ein, dar\u00fcber zu schreiben, was Antisemitismus ist. Nat\u00fcrlich wendeten auch sie sich gegen Felix Kleins Ansatz. Sie zitieren die Kontroverse um die Umbenennung der U-Bahn-Station Mohrenstra\u00dfe in Glinkastra\u00dfe, die sich darum drehte, dass der russische Komponist Michael Glinka Antisemit gewesen sein soll. Stein und Zimmermann halten die Debatte f\u00fcr \u00fcberzogen, Glinka sei nur ein Kind seiner Zeit gewesen. Folgt man ihrer Logik, k\u00f6nnen wir dann also in 20 oder 30 Jahren U-Bahn-Stationen nach den Kindern der 1930er Jahre benennen?<\/p>\n\n\n\n

Der Antisemit als Tierfreund<\/h6>\n\n\n\n

Ich w\u00fcnschte, die Sache h\u00e4tte mit dem Artikel, mit der Petition geendet. Doch dann erschien ein Artikel, der den Leser auf einen Waldspaziergang mit einem veganen Koch und Antisemiten mitnahm. Darin setzt der Tierfreund erst behutsam einen K\u00e4fer wieder auf seine Beinchen und erkl\u00e4rt dann, dass die Todesstrafe in Deutschland wieder eingef\u00fchrt werden solle, um einen gewissen Politiker (der zuf\u00e4llig pro Israel ist) an seinen Hoden aufh\u00e4ngen zu k\u00f6nnen. Dieser Koch hat Hunderttausende Follower, er sagt all solche Dinge am helllichten Tag in Berlin. Und in den Medien.<\/p>\n\n\n\n

F\u00e4lle wie dieser handeln bereits von Gewalt \u2013 und sie enden nicht bei den Juden. Der Hass richtet sich gegen Frauen<\/a>, Muslime, Gefl\u00fcchtete, \u00adLBTQI. Am Ende aller theoretischen Debatten stehen immer echte Menschen. Am Ende jeder Konferenz dar\u00fcber, was Antisemitismus ausmacht, steht ein potenzielles j\u00fcdisches Opfer. Angesichts einer Welle von Antisemitismus \u00fcber die Definition von Antisemitismus zu streiten ist, wie eine 10 Meter hohe Welle heranrollen zu sehen und dar\u00fcber zu streiten, was einen Tsunami ausmacht.<\/p>\n\n\n\n

Felix Klein versteht, wie absurd es ist, zu sagen: Es sind nur die Rechten. Die Rechten sind Deutsche, so wie die Nazis Deutsche waren. Klein versteht, dass die Deutschen nicht aufgeh\u00f6rt haben, Juden zu ermorden, weil sie irgendeine Art von Erleuchtung hatten. Sondern schlicht, weil sie den Krieg verloren haben. Um den Antisemitismus zu bek\u00e4mpfen, bevor er die Gesellschaft frisst, in der er und wir leben, muss Deutschland seinen moralischen Kompass korrigieren.<\/p>\n\n\n\n

Immerhin: Mehr und mehr Deutsche fahren nach Israel, sie wollen ein anderes Narrativ h\u00f6ren. Mehr und mehr Deutsche verstehen, dass Antisemitismus Schockwellen ausl\u00f6st, die die gesamte Gesellschaft betreffen. In einem normalen Universum w\u00fcrde Klein bef\u00f6rdert werden f\u00fcr seine Leistung. In einer verdrehten Gesellschaft fordern Menschen seine Entlassung. Um es mit Mbembe zu sagen: Das ist Nano-Nonsens.<\/p>\n\n\n\n

\u00dcbersetzung: Ariane Lemme<\/a><\/em><\/p>\n","post_title":"Felix Klein hat verstanden","post_excerpt":"","post_status":"publish","comment_status":"closed","ping_status":"closed","post_password":"","post_name":"felix-klein-hat-verstanden","to_ping":"","pinged":"","post_modified":"2025-02-02 08:39:39","post_modified_gmt":"2025-02-02 08:39:39","post_content_filtered":"","post_parent":0,"guid":"https:\/\/dctransparency.com\/?p=3786","menu_order":0,"post_type":"post","post_mime_type":"","comment_count":"0","filter":"raw"}],"next":false,"prev":true,"total_page":47},"paged":1,"column_class":"jeg_col_2o3","class":"epic_block_3"};

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Die beiden Gro\u00dfreiche, das byzantinische und das osmanische, sind l\u00e4ngst versunken.<\/p><\/blockquote>\n\n\n\n

Das eigentliche Schl\u00fcsselwort im Zusammenhang mit der Hagia Sofia ist \"Welterbe\". Das Erbe von allen. Einmal im kulturellen Sinn der Unesco, aber in Wahrheit weiter gefasst. Das einzigartige Bauwerk geh\u00f6rt in Wirklichkeit der ganzen Welt, nicht der einen oder anderen Religion. Die beiden Gro\u00dfreiche, f\u00fcr die die Hagia Sofia der zentrale spirituelle Bau war, das byzantinische und das osmanische, sind l\u00e4ngst versunken. Seither hat sie eine neue, \u00fcbernationale Dimension erhalten. Was Erdo\u011fan da jetzt mit der Hagia Sofia macht, ist eine Verengung und Verarmung eines gemeinsamen Welterbes.<\/p>\n\n\n\n

\"\"\/
Betende Muslime vor der Hagia Sophia.<\/figcaption><\/figure>\n\n\n\n

Davon abgesehen aber war und ist sie ein architektonisches Meisterwerk und geh\u00f6rt zu den bedeutendsten Bauten der Welt. Wer heute den Zentralraum unter der Kuppel betritt, kann sich nur schwer dem zugleich majest\u00e4tischen wie schwebenden Gesamteindruck entziehen. Die Hagia Sophia blieb fast 1000 Jahre die gr\u00f6\u00dfte Kirche der Christenheit. Technisch war die Kuppel (mit mehreren Halbkuppeln) eine \u00fcberaus riskante Innovation: Die 55 Meter hohe und 32 Meter im Durchmesser breite Kuppel ruht auf nur vier Tragpunkten, was den schwebenden, schwerelosen Eindruck erzeugt. Die Konstruktion folgt einem mathematischen Prinzip, das erst k\u00fcrzlich entschl\u00fcsselt wurde.<\/p>\n\n\n\n

\"Salomo, ich habe dich \u00fcbertroffen!\"<\/p><\/blockquote>\n\n\n\n

Als Kaiser Justinian die Hagia Sophia nach nur f\u00fcnf Jahren Bauzeit (532\u2013537) betrat, soll er in Anspielung auf den Tempel in Jerusalem ausgerufen haben: \"Salomo, ich habe dich \u00fcbertroffen!\" Die Innenausstattung war mit ihren S\u00e4ulen aus Porphyr und gr\u00fcnem Marmor, mit Mosaiken aus Gold und Halbedelsteinen derart prunkvoll, der Gesamteindruck derart \u00fcberirdisch, dass eine Delegation des Gro\u00dff\u00fcrsten von Kiew nicht mehr wusste, \"ob wir im Himmel oder auf der Erde\" waren \u2013 was die Christianisierung Russlands bef\u00f6rderte.<\/p>\n\n\n\n

Der deutsche Architekturlehrer Holger Kleine nennt die Hagia Sophia \"absolute Architektur\", weil sie \"extreme Ausdrucksformen nahezu aller dramaturgischen Mittel, die der Architektur zur Verf\u00fcgung stehen, vereinigt: wuchtigste K\u00f6rper und luftigste R\u00e4ume, engste Enge und gr\u00f6\u00dfte Weite, w\u00e4rmende Helligkeit und mystisches Dunkel\". Und die Kuppelbauten aus der sp\u00e4teren Hochbl\u00fcte der Moscheenarchitektur im 16. und 17. Jahrhundert gehen eindeutig auf die Hagia Sophia zur\u00fcck.<\/p>\n\n\n\n

Die Hagia Sophia war Staatskirche des byzantinischen Reichs. F\u00fcr die Eroberer der letzte Schlussstein in der Kuppel osmanisch-muslimischen Herrschaftsanspruchs. Konstantinopel war ja 1453 nur noch eine isolierte, heruntergekommene Enklave in einem osmanischen Umfeld, kein christliches Heer kam zu Hilfe. Doch vorher war es zugleich Sperrriegel nach Osten und Geistesarchiv der antiken Kultur gewesen. \"Ohne Byzanz h\u00e4tte es kein Europa gegeben\", sagt die britische Altertumsforscherin Judith Herrin.<\/p>\n\n\n\n

\"\"\/
Freigelegtes Mosaik von \"Christos Pantokrator\".<\/figcaption><\/figure>\n\n\n\n

Neue Fragen<\/h3>\n\n\n\n

Die Kirche wurde von Mehmed II. und Nachfolgern nicht in der Substanz zerst\u00f6rt, sondern \"entchristlicht\". Die urspr\u00fcnglich \u00fcbert\u00fcnchten oder auch abgeschlagenen Mosaiken mit den Darstellungen von Christus, der Muttergottes, diversen Kaisern kamen zum Teil schon unter einem Sultan des 19. Jahrhunderts, dann gro\u00dfteils nach der Museumswidmung wieder zum Vorschein.<\/p>\n\n\n\n

Jetzt stellen sich neue symbolisch-praktische Fragen. Erdo\u011fan hat die Hagia Sophia der konservativen staatlichen Religionsbeh\u00f6rde Diyanet unterstellt. Die byzantinischen Mosaike, wie der gro\u00dfartige \"Christos Pantokrator\" (\"Weltenherrscher\") oder die Jungfrau Maria in der Apsis, m\u00fcssen wohl w\u00e4hrend des islamischen Gottesdiensts verh\u00e4ngt werden. Muss der Boden mit seinen Marmorplatten und Mosaiken mit einem Teppich bedeckt werden? Erdo\u011fan sagt, Touristen seien nach wie vor zugelassen. Aber sie werden wohl hinter Absperrungen bleiben m\u00fcssen. Frauen werden \u2013 wie in der benachbarten \"Blauen Moschee\" (\"Sultanahmed\") Kopftuch tragen m\u00fcssen.<\/p>\n\n\n\n

\"\"\/
Erdo\u011fan mit Gattin in der Hagia Sophia.<\/figcaption><\/figure>\n\n\n\n

Erdo\u011fans neue Abenteuer<\/strong><\/h3>\n\n\n\n

Aber wird da nicht doch zu viel in einen Formalakt rund um ein uraltes Bauwerk hineininterpretiert? Im geschichtlichen Kontext relativiert sich manches: Konstantinopel wurde schon von Christen erobert und ausgepl\u00fcndert \u2013 1204 im Vierten Kreuzzug. In der Moschee von Cordoba (\"Mezquita\") bauten die Katholiken eine ganze Kirche in den ber\u00fchmten S\u00e4ulenwald hinein. Die Mezquita ist heute noch Kirche, kein Museum.<\/p>\n\n\n\n

\"Das ist der Beweis, dass wir kein s\u00e4kularer Staat mehr sein wollen\", sagt Nobelpreistr\u00e4ger Orhan Pamuk. Erdo\u011fan betrachtet sich offenbar als auch neoosmanischer \"Fatih\" im Mittelmeerraum mit immer neuen Abenteuern: Eingreifen in Syrien, Stellvertreterkrieg in Libyen, Anspr\u00fcche auf Erdgasvorkommen weit vor der t\u00fcrkischen K\u00fcste bei Zypern, Reden, wonach manche \u00c4g\u00e4is-Inseln eigentlich zur T\u00fcrkei geh\u00f6ren, \"denn dort stehen unsere Moscheen\". Manches davon ist nur Rhetorik, aber genug anderes ist riskante Realit\u00e4t. (Hans Rauscher, 14.7.2020)<\/p>\n\n\n\n

Quelle<\/a><\/strong><\/p>\n","post_title":"Hagia Sophia: Verengung und Verarmung eines Welterbes","post_excerpt":"","post_status":"publish","comment_status":"closed","ping_status":"closed","post_password":"","post_name":"hagia-sophia-verengung-und-verarmung-eines-welterbes","to_ping":"","pinged":"","post_modified":"2025-02-02 08:39:39","post_modified_gmt":"2025-02-02 08:39:39","post_content_filtered":"","post_parent":0,"guid":"https:\/\/dctransparency.com\/?p=3792","menu_order":0,"post_type":"post","post_mime_type":"","comment_count":"0","filter":"raw"},{"ID":3789,"post_author":"7","post_date":"2020-08-14 13:56:07","post_date_gmt":"2020-08-14 13:56:07","post_content":"\n

Im Gastkommentar pocht Mark Leonard, Direktor des Europ\u00e4ischen Rats f\u00fcr Ausw\u00e4rtige Beziehungen, auf \"neue, einvernehmlich vereinbarte Prinzipien sowie klare Grenzen\", nur so k\u00f6nne eine weitere Destabilisierung in der Region verhindert werden.<\/em><\/strong><\/p>\n\n\n\n

Ist die T\u00fcrkei das neue Russland? Diese Frage wird in den europ\u00e4ischen Hauptst\u00e4dten zunehmend gestellt, da die Au\u00dfenpolitik des t\u00fcrkischen Pr\u00e4sidenten Recep Tayyip Erdo\u011fan zunehmend aggressiver wird. Erdo\u011fan nutzt nicht nur die Migration, um die EU zu bedrohen und zu betr\u00fcgen, sondern setzt auch milit\u00e4rische Macht ein, um den Einflussbereich der T\u00fcrkei auf die gesamte Region auszudehnen.<\/p>\n\n\n\n

Seit dem Ende des Kalten Krieges haben die Europ\u00e4er die regionale Sicherheit durch eine unipolare westliche Linse betrachtet. W\u00e4hrend die Nato die milit\u00e4rische Sicherheit garantierte, sorgte die EU mit ihrem 80.000 Seiten starken Regelwerk f\u00fcr alles von LGBTQ-Rechten bis hin zu Rasenm\u00e4her-Sound-Verordnungen f\u00fcr Rechtsordnung. In den 90er-Jahren ging man allgemein davon aus, dass die beiden gro\u00dfen nichtwestlichen regionalen Akteure, Russland und die T\u00fcrkei, nach und nach an diese Regelungen herangef\u00fchrt werden w\u00fcrden.<\/p>\n\n\n\n

Qu\u00e4lende Hassliebe<\/h3>\n\n\n\n

Doch in den letzten 15 Jahren ist der Traum von der europ\u00e4ischen Unipolarit\u00e4t einer multipolaren Realit\u00e4t gewichen. Sowohl Russland als auch die T\u00fcrkei haben eine lange, qu\u00e4lende Hassliebe zu Europa, und beide sind unter nationalen Machthabern, denen die Verachtung der Normen und Werte der EU gemeinsam ist, durchsetzungsf\u00e4higer geworden.<\/p>\n\n\n\n

Die zunehmende Verschlechterung der Beziehungen zwischen der EU und Russland ist gut dokumentiert, der Fall der T\u00fcrkei weniger. Der Irakkrieg im Jahr 2003 komplizierte das Verh\u00e4ltnis der T\u00fcrkei zur Nato, und ihr Verh\u00e4ltnis zur EU verschlechterte sich 2007, als Frankreich einen wichtigen Teil ihrer EU-Beitrittsverhandlungen blockierte. Seitdem hat die T\u00fcrkei ihren eigenen Weg in Syrien, auf dem Balkan und in Libyen eingeschlagen und neue Beziehungen zu Russland und China aufgebaut.<\/p>\n\n\n\n

Wichtiger Akteur<\/strong><\/h3>\n\n\n\n

Nat\u00fcrlich sind die Beziehungen zwischen der T\u00fcrkei und Russland nicht weniger kompliziert, nicht zuletzt weil Erdo\u011fan und der russische Pr\u00e4sident Wladimir Putin im syrischen B\u00fcrgerkrieg verschiedene Seiten unterst\u00fctzten.Und w\u00e4hrend die Spannungen wegen des Syrien-Konflikts weiterhin bestehen, bewundert Erdo\u011fan deutlich, wie Russland sich \u2013 bei relativ geringen Kosten \u2013 wieder als wichtiger Akteur im Nahen Osten und in Nordafrika etabliert hat.<\/p>\n\n\n\n

Nachdem er in einen nicht zu gewinnenden Krieg im Osten der Ukraine verwickelt war, schien Putins weitgehend erfolgreicher Feldzug in Syrien einen Teil seiner innenpolitischen Autorit\u00e4t wiederherzustellen. Der Westen hatte f\u00fcnf Jahre lang darauf bestanden, dass es keine milit\u00e4rische L\u00f6sung des Konflikts gebe und dass der syrische Pr\u00e4sident Baschar al-Assad gehen m\u00fcsse. Doch w\u00e4hrend die von den Vereinten Nationen unterst\u00fctzten Gespr\u00e4che in Genf zu keinem Ergebnis f\u00fchrten, schienen die von Russland geleiteten Gespr\u00e4che in Astana voranzukommen. Indem der Kreml die T\u00fcrkei und den Iran einbezog, w\u00e4hrend er die westlichen M\u00e4chte ausschloss, erweckte er den Eindruck, dass Russland als wiedergeborene Supermacht aus der Asche auferstanden sei.<\/p>\n\n\n\n

Unter Druck<\/h3>\n\n\n\n

Angesichts des wachsenden Widerstands im eigenen Land macht es Erdo\u011fan Putin gleich. Da der Westen nicht bereit war, (erneut) milit\u00e4risch in Libyen zu intervenieren, sah Erdo\u011fan eine Gelegenheit, die T\u00fcrkei zu positionieren. Nach dem Vorgehen Russlands in Syrien sicherte er sich eine formelle Einladung der libyschen Regierung zur Intervention. Mit einem Schlag Ende letzten Jahres hat er nicht nur das Image der T\u00fcrkei als Regionalmacht gest\u00e4rkt, sondern auch ein Abkommen mit Libyen \u00fcber die Seegrenze abgeschlossen und damit einen Plan Griechenlands, Zyperns, \u00c4gyptens und Israels zur Erschlie\u00dfung von Unterwasser\u00f6l- und -gasfeldern in der N\u00e4he zunichtegemacht.<\/p>\n\n\n\n

Erdo\u011fan scheint auch von der Spalt-und-Eroberungs-Strategie des Kreml in Europa inspiriert worden zu sein, der zufolge oft diejenigen EU-Mitgliedsstaaten unter Druck gesetzt werden, die am meisten von russischen Kohlenwasserstoffen oder M\u00e4rkten abh\u00e4ngig sind. So wie Putin lange Zeit die Energieversorgung instrumentalisiert hat, hat Erdo\u011fan versucht, den Strom von Migranten und Fl\u00fcchtlingen, die vor Konflikten im Nahen Osten fliehen, zu instrumentalisieren. Als die EU eine neue Marinemission ank\u00fcndigte, um den Waffenstrom nach Libyen zu blockieren, malte die T\u00fcrkei f\u00fcr Malta das Schreckgespenst der angeblichen Bedrohung durch Migranten an die Wand. Malta reagierte prompt und signalisierte, dass es gegen die Finanzierung der Mission ein Veto einlegen werde.<\/p>\n\n\n\n

Verlorener Sohn<\/strong><\/h3>\n\n\n\n

Jahrelang redeten sich die Europ\u00e4er ein, dass Russland eine Art verlorener Sohn sei und dass die europ\u00e4ische unipolare Ordnung gesund bleibe. Doch das machte Europa zu einem leichten Ziel f\u00fcr die Trennungs-und-Eroberungs-Strategie des Kreml. Erst vor relativ kurzer Zeit entwarf die Union eine neue Politik und ein robustes Sanktionsregime, um die russische Aggression abzuschrecken. Und selbst jetzt \u2013 trotz der besten Bem\u00fchungen der deutschen Bundeskanzlerin Angela Merkel und des franz\u00f6sischen Pr\u00e4sidenten Emmanuel Macron \u2013 hat die EU noch immer keine wirksamen Kommunikationskan\u00e4le mit Russland geschaffen, um gemeinsame Probleme anzugehen.<\/p>\n\n\n\n

Die T\u00fcrkei ist noch kein neues Russland, aber sie k\u00f6nnte dazu werden, wenn die Situation falsch gehandhabt wird. Vorerst betrachten die meisten Europ\u00e4er die T\u00fcrkei noch immer als einen komplizierten Partner und nicht als \"Systemrivalen\". Aber die Europ\u00e4er sollten die hart erk\u00e4mpften Lehren aus dem Umgang mit Russland in den letzten 15 Jahren beherzigen. Die Beziehungen zwischen der EU und der T\u00fcrkei brauchen neue, einvernehmlich vereinbarte Prinzipien sowie klare Grenzen, um eine weitere Destabilisierung in der Region zu verhindern.<\/p>\n\n\n\n

Zu diesem Zweck sollten die Europ\u00e4er klarstellen, dass der EU-Beitrittsprozess entweder zur\u00fcckgedreht oder vorangetrieben werden kann und dass eine eher transaktionale Beziehung sowohl Zuckerbrot als auch Peitsche beinhaltet. Die Herausforderung wird darin bestehen, daf\u00fcr zu sorgen, dass es in einer Region, die nicht nur von Europa und der T\u00fcrkei, sondern auch von Russland, den USA und einem aufstrebenden China beeinflusst wird, noch Raum f\u00fcr politisches Engagement in Fragen der gemeinsamen Sicherheit gibt. (Mark Leonard, \u00dcbersetzung: Eva G\u00f6llner, Copyright: Project Syndicate, 10.8.2020)<\/p>\n\n\n\n

Mark Leonard <\/strong>ist Direktor des Europ\u00e4ischen Rats f\u00fcr Ausw\u00e4rtige Beziehungen.<\/a><\/p>\n","post_title":"Erdo\u011fan \u2013 der andere Putin vor der Haust\u00fcr Europas","post_excerpt":"","post_status":"publish","comment_status":"closed","ping_status":"closed","post_password":"","post_name":"erdogan-der-andere-putin-vor-der-haustur-europas","to_ping":"","pinged":"","post_modified":"2025-02-02 08:39:39","post_modified_gmt":"2025-02-02 08:39:39","post_content_filtered":"","post_parent":0,"guid":"https:\/\/dctransparency.com\/?p=3789","menu_order":0,"post_type":"post","post_mime_type":"","comment_count":"0","filter":"raw"},{"ID":3786,"post_author":"7","post_date":"2020-08-14 13:51:23","post_date_gmt":"2020-08-14 13:51:23","post_content":"\n

Einen Monat nachdem ich zur israelischen Armee eingezogen worden war, brach die erste Intifada aus. Statt Soldat zu sein, machte ich Polizeiarbeit, sagte den Menschen, wann sie zur Arbeit gehen konnten und wann sie ihre L\u00e4den schlie\u00dfen mussten, wann sie die Grenze passieren und wann sie schlafen konnten. Einen Monat nachdem ich aus der Armee entlassen worden war, ging ich auf Reisen. (In Israel sagen wir: Wir dienen drei Jahre und versuchen den Rest unseres Lebens, diese drei Jahre zu vergessen.) Auf meiner Reise begann ich Briefe an meine Freundin zu schreiben, die ich in Israel zur\u00fcckgelassen hatte.<\/p>\n\n\n\n

Ich schrieb ihr, wie schrecklich depressiv ich war und dass diese drei Jahre des Anweisungenbellens und Anderen-Menschen-Sagens, was sie zu tun haben, mich f\u00fcr immer verfolgen w\u00fcrden. Dass sie ein Teil dessen geworden waren, was ich bin. Ich erinnere mich, dass ich ihr schrieb, dass wir da rausm\u00fcssen \u2013 nicht nur f\u00fcr die Pal\u00e4stinenser, sondern wegen der furchtbaren und brutalen Auswirkungen, die all das auf uns, auf die israelische Gesellschaft haben w\u00fcrde. Sie schrieb zur\u00fcck: \u201eDu hast recht. Ich habe einen neuen Freund.\u201c<\/p>\n\n\n\n

Felix Klein wurde als Beauftragter der Bundesregierung berufen<\/a>, um die Auswirkungen des zunehmenden Antisemitismus in unserer Gesellschaft, in Deutschland, zu bek\u00e4mpfen. Was nicht in seiner Jobbeschreibung steht, ist, dass er dabei unsere Gesellschaft heilen muss, jene Gesellschaft, die diese Form des Hasses reproduziert und sch\u00fctzt. Klein hat das begriffen.<\/p>\n\n\n\n

Er versteht, dass man Krebs nicht mit einem Pflaster verarztet, er wei\u00df, dass er das Bewusstsein der Deutschen sch\u00e4rfen und Diskussionen ansto\u00dfen muss. Er hat begriffen, dass das Problem nicht nur an den R\u00e4ndern der Gesellschaft (bei den Rechten) liegt, sondern auch in ihrer Mitte. Dort, wo gebildete Menschen nicht einmal bemerken, dass das, was sie sagen und tun, antisemitisch ist. So wie sie es auch nicht merken, wenn sie rassistisch handeln. Er hat all das verstanden, und genau deshalb wollen einige, dass er seinen Posten r\u00e4umt.<\/p>\n\n\n\n

Mehr als 60 deutsche und israelische Intellektuelle haben letzte Woche in einem Brief an Kanzlerin Merkel<\/a> dar\u00fcber geklagt, dass der aktuelle \u201eGebrauch des Antisemitismusbegriffs\u201c darauf abziele, \u201elegitime Kritik an der israelischen Regierungspolitik zu unterdr\u00fccken\u201c, und Klein vorgeworfen, rechtspopulistische israelische Stimmen zu f\u00f6rdern.<\/p>\n\n\n\n

Faszinierend an diesem offenen Brief ist, dass viele der Unterzeichneten keine Deutschen sind und auch nicht in Deutschland leben. Ich wei\u00df nicht, woher sie \u2013 die meisten von ihnen sind Israelis \u2013 die Chuzpe haben, sich in eine innerdeutsche Angelegenheit einzumischen und zu fordern, eine Person zu entlassen, die von der Bundesregierung eingesetzt wurde. Die H\u00e4lfte der Unterzeichneten lebt nicht hier, von der anderen H\u00e4lfte sind viele keine Juden \u2013 somit sind die allermeisten von ihnen nicht direkt vom Antisemitismus in Deutschland betroffen. Wie also k\u00f6nnen sie diesen Brief unterschreiben? Und warum eigentlich haben so wenige Deutsche unterschrieben? Dazu komme ich gleich.<\/p>\n\n\n\n

Debatte um Achille Mbembe<\/h6>\n\n\n\n

Hintergrund des Briefs war, dass Felix Klein gefordert hatte, den Philosophen Achille Mbembe<\/a> nicht die Er\u00f6ffnungsrede der Ruhrtriennale halten zu lassen. Als mit \u00f6ffentlichen Mitteln gef\u00f6rdertes Event solle die Ruhrtriennale Mbembe wegen seiner Haltung zu Israels Existenzrecht, seiner Haltung zu BDS und der Art, wie er in einem seiner Werke den Holocaust relativiert, nicht einladen.<\/p>\n\n\n\n

Mbembes Unterst\u00fctzer sagen, keine dieser Anschuldigungen sei wahr. F\u00fcrs Protokoll: In meinen Augen unterst\u00fctzt Mbembe sehr wohl BDS<\/a>, er schrieb unter anderem das Vorwort zu \u201eApartheid Israel\u201c und fordert die komplette Isolation Israels. Ich glaube auch, wenn Mbembe schreibt, die israelische Besetzung sei der \u201egr\u00f6\u00dfte moralische Skandal unserer Zeit\u201c, zeigt das, dass sein moralischer und geografischer Kompass etwas schief ist.<\/p>\n\n\n\n

Doch warum treibt die Debatte so viele Menschen um? Nun, zun\u00e4chst gibt niemand gern auf, was ihm oder ihr selbstverst\u00e4ndlich scheint. \u00dcber den gesamten politischen, sozialen, kulturellen, medialen und akademischen Sektor hinweg sind Menschen daran gew\u00f6hnt, so schlecht \u00fcber Israel sprechen zu k\u00f6nnen, wie auch immer sie wollen.<\/p>\n\n\n\n

Der Spiegel<\/em> hat \u2013 vielleicht in Anlehnung an seine Relotius-Standards, Israel erst k\u00fcrzlich eine Corona-Diktatur genannt. Fakten und Belege f\u00fcr diese Behauptung gab es nicht. Doch Millionen Deutsche haben es gelesen, und es wird nat\u00fcrlich haften bleiben. Faktenlage hin oder her. Der Spiegel<\/em> und andere Medien haben dieses Spiel perfektioniert: Titel so zu drehen, dass sie Israel indirekt anklagen, die Idee zu streuen, der Mossad kon\u00adtrol\u00adliere die deutsche Au\u00dfenpolitik im Nahen Osten, und so fort. Doch sie stehen allesamt sofort auf den Hinterbeinen, wenn jemand es wagt, das Spiel beim Namen zu nennen: moderner Antisemitismus.<\/p>\n\n\n\n

Klein will dem entgegenwirken. Er versteht, dass antisemitische Attacken in Deutschland die Fr\u00fcchte solch falsch gezeichneter Bilder und eindimensionaler Narrative \u00fcber Israel sind. Wenn er und andere versuchen, ein anderes Narrativ aufzuzeigen, wirft man ihnen Zensur vor: Wie k\u00f6nnen sie es wagen, das Gesch\u00e4ft der Anti-Israel-Propaganda zu st\u00f6ren?<\/p>\n\n\n\n

Liebe Deutsche, wenn ihr reden wollt, lasst uns gern reden: \u00fcber die Besetzung, \u00fcber Bibi und alles, was schiefl\u00e4uft. Aber dann lasst uns bitte auch dar\u00fcber reden, wie deutsche Steuergelder Terrortunnel finanzieren. Erst vergangene Woche r\u00e4umte die niederl\u00e4ndische Regierung ein, dass Gelder an eine Landwirtschaftsorganisation in Ramallah geflossen seien, die damit teilweise die Geh\u00e4lter zweier des Mordes an der 17-j\u00e4hrigen Israelin Rina Shnerb Verd\u00e4chtiger gezahlt haben. Auch die Bundesregierung unterst\u00fctzt diese Organisation, obwohl Kritiker schon lange vor Verbindungen zu Terroristen warnen.<\/p>\n\n\n\n

Wir k\u00f6nnen uns also gerne unterhalten \u2013 aber im Dialog, nicht in Monologen. Denn Reden unter Menschen, die sich einig sind, ist nichts anderes als Impotenz.<\/p>\n\n\n\n

Israelkritik als Eintrittskarte<\/h6>\n\n\n\n

Die Israelis, die die Petition unterzeichnet haben, haben \u00fcbrigens ebenfalls etwas verstanden. Seit Jahren wissen sie: Es ist ihre Eintrittskarte in die Mitte der deutschen (und europ\u00e4ischen) Gesellschaft. Man h\u00f6rt nicht oft von Akademikern mit proisraelischen Ansichten. Weder in den Philharmonie-Orchestern noch in der Kunstszene. Die Eintrittskarte daf\u00fcr ist ein antiisraelischer Standpunkt.<\/p>\n\n\n\n

Der mutma\u00dfliche Grund, warum kaum Deutsche die Petition unterzeichnet haben: Sie mussten es nicht. Ihre Lieblingsjuden haben es f\u00fcr sie getan. Jetzt k\u00f6nnen sie sagen: \u201eSchau, ich bin das ja nicht, meine j\u00fcdischen Freunde sagen es.\u201c Ich selbst war einige Jahre lang mit einem Paar hier in Berlin befreundet, bis ich herausfand, dass ich ihr Lieblingsjude war. Ja, selbst das j\u00fcdische Museum wurde so genutzt.<\/p>\n\n\n\n

Weil Attacken gegen Juden ein absolutes Tabu sind, wurden Umwege gefunden, um den Antisemitismus auf kleiner Flamme k\u00f6cheln zu lassen: die unfundierte, unbegr\u00fcndete Kritik an Israel.<\/p>\n\n\n\n

Diese Art der Kritik ist gef\u00e4hrlich. Sie schw\u00e4cht jede begr\u00fcndete und notwendige Kritik am Verhalten Israels. Und das Interessante ist: Trotz all der heftigen, pauschalisierenden Anklagen, all der offenen Briefe driftet Israel politisch immer weiter nach rechts. Doch statt mal einen anderen Ansatz zu versuchen, werden die antiisraelischen Stimmen nur lauter. Dasselbe versuchen und andere Ergebnisse davon erwarten \u2013 das ist die Definition von Wahnsinn.<\/p>\n\n\n\n

Kurz bevor der Prozess gegen den wegen des Attentats von Halle<\/a> Angeklagten begann \u2013 des seit Kriegsende schlimmsten Akts von Antisemitismus in Deutschland \u2013, lud eine Lokalzeitung den fr\u00fcheren Botschafter Shimon Stein und den Historiker Moshe Zimmermann ein, dar\u00fcber zu schreiben, was Antisemitismus ist. Nat\u00fcrlich wendeten auch sie sich gegen Felix Kleins Ansatz. Sie zitieren die Kontroverse um die Umbenennung der U-Bahn-Station Mohrenstra\u00dfe in Glinkastra\u00dfe, die sich darum drehte, dass der russische Komponist Michael Glinka Antisemit gewesen sein soll. Stein und Zimmermann halten die Debatte f\u00fcr \u00fcberzogen, Glinka sei nur ein Kind seiner Zeit gewesen. Folgt man ihrer Logik, k\u00f6nnen wir dann also in 20 oder 30 Jahren U-Bahn-Stationen nach den Kindern der 1930er Jahre benennen?<\/p>\n\n\n\n

Der Antisemit als Tierfreund<\/h6>\n\n\n\n

Ich w\u00fcnschte, die Sache h\u00e4tte mit dem Artikel, mit der Petition geendet. Doch dann erschien ein Artikel, der den Leser auf einen Waldspaziergang mit einem veganen Koch und Antisemiten mitnahm. Darin setzt der Tierfreund erst behutsam einen K\u00e4fer wieder auf seine Beinchen und erkl\u00e4rt dann, dass die Todesstrafe in Deutschland wieder eingef\u00fchrt werden solle, um einen gewissen Politiker (der zuf\u00e4llig pro Israel ist) an seinen Hoden aufh\u00e4ngen zu k\u00f6nnen. Dieser Koch hat Hunderttausende Follower, er sagt all solche Dinge am helllichten Tag in Berlin. Und in den Medien.<\/p>\n\n\n\n

F\u00e4lle wie dieser handeln bereits von Gewalt \u2013 und sie enden nicht bei den Juden. Der Hass richtet sich gegen Frauen<\/a>, Muslime, Gefl\u00fcchtete, \u00adLBTQI. Am Ende aller theoretischen Debatten stehen immer echte Menschen. Am Ende jeder Konferenz dar\u00fcber, was Antisemitismus ausmacht, steht ein potenzielles j\u00fcdisches Opfer. Angesichts einer Welle von Antisemitismus \u00fcber die Definition von Antisemitismus zu streiten ist, wie eine 10 Meter hohe Welle heranrollen zu sehen und dar\u00fcber zu streiten, was einen Tsunami ausmacht.<\/p>\n\n\n\n

Felix Klein versteht, wie absurd es ist, zu sagen: Es sind nur die Rechten. Die Rechten sind Deutsche, so wie die Nazis Deutsche waren. Klein versteht, dass die Deutschen nicht aufgeh\u00f6rt haben, Juden zu ermorden, weil sie irgendeine Art von Erleuchtung hatten. Sondern schlicht, weil sie den Krieg verloren haben. Um den Antisemitismus zu bek\u00e4mpfen, bevor er die Gesellschaft frisst, in der er und wir leben, muss Deutschland seinen moralischen Kompass korrigieren.<\/p>\n\n\n\n

Immerhin: Mehr und mehr Deutsche fahren nach Israel, sie wollen ein anderes Narrativ h\u00f6ren. Mehr und mehr Deutsche verstehen, dass Antisemitismus Schockwellen ausl\u00f6st, die die gesamte Gesellschaft betreffen. In einem normalen Universum w\u00fcrde Klein bef\u00f6rdert werden f\u00fcr seine Leistung. In einer verdrehten Gesellschaft fordern Menschen seine Entlassung. Um es mit Mbembe zu sagen: Das ist Nano-Nonsens.<\/p>\n\n\n\n

\u00dcbersetzung: Ariane Lemme<\/a><\/em><\/p>\n","post_title":"Felix Klein hat verstanden","post_excerpt":"","post_status":"publish","comment_status":"closed","ping_status":"closed","post_password":"","post_name":"felix-klein-hat-verstanden","to_ping":"","pinged":"","post_modified":"2025-02-02 08:39:39","post_modified_gmt":"2025-02-02 08:39:39","post_content_filtered":"","post_parent":0,"guid":"https:\/\/dctransparency.com\/?p=3786","menu_order":0,"post_type":"post","post_mime_type":"","comment_count":"0","filter":"raw"}],"next":false,"prev":true,"total_page":47},"paged":1,"column_class":"jeg_col_2o3","class":"epic_block_3"};

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Ist es der Alleingang eines Autokraten in Bedr\u00e4ngnis oder ist \"der Jubel \u00fcber die Eroberung der Hagia Sophia der Versuch einer zutiefst erniedrigten, vom Gef\u00fchl der Wertlosigkeit dominierten und in ihrer eigenen Selbstberechtigung beraubten Gesellschaft, eine Bedeutung, eine St\u00e4rke, ein Selbstwertgef\u00fchl zu finden\"? So recht pauschalierend der in Deutschland lebende pal\u00e4stinensische Intellektuelle und Psychiater Ahmad Mansour.<\/p>\n\n\n\n

Die beiden Gro\u00dfreiche, das byzantinische und das osmanische, sind l\u00e4ngst versunken.<\/p><\/blockquote>\n\n\n\n

Das eigentliche Schl\u00fcsselwort im Zusammenhang mit der Hagia Sofia ist \"Welterbe\". Das Erbe von allen. Einmal im kulturellen Sinn der Unesco, aber in Wahrheit weiter gefasst. Das einzigartige Bauwerk geh\u00f6rt in Wirklichkeit der ganzen Welt, nicht der einen oder anderen Religion. Die beiden Gro\u00dfreiche, f\u00fcr die die Hagia Sofia der zentrale spirituelle Bau war, das byzantinische und das osmanische, sind l\u00e4ngst versunken. Seither hat sie eine neue, \u00fcbernationale Dimension erhalten. Was Erdo\u011fan da jetzt mit der Hagia Sofia macht, ist eine Verengung und Verarmung eines gemeinsamen Welterbes.<\/p>\n\n\n\n

\"\"\/
Betende Muslime vor der Hagia Sophia.<\/figcaption><\/figure>\n\n\n\n

Davon abgesehen aber war und ist sie ein architektonisches Meisterwerk und geh\u00f6rt zu den bedeutendsten Bauten der Welt. Wer heute den Zentralraum unter der Kuppel betritt, kann sich nur schwer dem zugleich majest\u00e4tischen wie schwebenden Gesamteindruck entziehen. Die Hagia Sophia blieb fast 1000 Jahre die gr\u00f6\u00dfte Kirche der Christenheit. Technisch war die Kuppel (mit mehreren Halbkuppeln) eine \u00fcberaus riskante Innovation: Die 55 Meter hohe und 32 Meter im Durchmesser breite Kuppel ruht auf nur vier Tragpunkten, was den schwebenden, schwerelosen Eindruck erzeugt. Die Konstruktion folgt einem mathematischen Prinzip, das erst k\u00fcrzlich entschl\u00fcsselt wurde.<\/p>\n\n\n\n

\"Salomo, ich habe dich \u00fcbertroffen!\"<\/p><\/blockquote>\n\n\n\n

Als Kaiser Justinian die Hagia Sophia nach nur f\u00fcnf Jahren Bauzeit (532\u2013537) betrat, soll er in Anspielung auf den Tempel in Jerusalem ausgerufen haben: \"Salomo, ich habe dich \u00fcbertroffen!\" Die Innenausstattung war mit ihren S\u00e4ulen aus Porphyr und gr\u00fcnem Marmor, mit Mosaiken aus Gold und Halbedelsteinen derart prunkvoll, der Gesamteindruck derart \u00fcberirdisch, dass eine Delegation des Gro\u00dff\u00fcrsten von Kiew nicht mehr wusste, \"ob wir im Himmel oder auf der Erde\" waren \u2013 was die Christianisierung Russlands bef\u00f6rderte.<\/p>\n\n\n\n

Der deutsche Architekturlehrer Holger Kleine nennt die Hagia Sophia \"absolute Architektur\", weil sie \"extreme Ausdrucksformen nahezu aller dramaturgischen Mittel, die der Architektur zur Verf\u00fcgung stehen, vereinigt: wuchtigste K\u00f6rper und luftigste R\u00e4ume, engste Enge und gr\u00f6\u00dfte Weite, w\u00e4rmende Helligkeit und mystisches Dunkel\". Und die Kuppelbauten aus der sp\u00e4teren Hochbl\u00fcte der Moscheenarchitektur im 16. und 17. Jahrhundert gehen eindeutig auf die Hagia Sophia zur\u00fcck.<\/p>\n\n\n\n

Die Hagia Sophia war Staatskirche des byzantinischen Reichs. F\u00fcr die Eroberer der letzte Schlussstein in der Kuppel osmanisch-muslimischen Herrschaftsanspruchs. Konstantinopel war ja 1453 nur noch eine isolierte, heruntergekommene Enklave in einem osmanischen Umfeld, kein christliches Heer kam zu Hilfe. Doch vorher war es zugleich Sperrriegel nach Osten und Geistesarchiv der antiken Kultur gewesen. \"Ohne Byzanz h\u00e4tte es kein Europa gegeben\", sagt die britische Altertumsforscherin Judith Herrin.<\/p>\n\n\n\n

\"\"\/
Freigelegtes Mosaik von \"Christos Pantokrator\".<\/figcaption><\/figure>\n\n\n\n

Neue Fragen<\/h3>\n\n\n\n

Die Kirche wurde von Mehmed II. und Nachfolgern nicht in der Substanz zerst\u00f6rt, sondern \"entchristlicht\". Die urspr\u00fcnglich \u00fcbert\u00fcnchten oder auch abgeschlagenen Mosaiken mit den Darstellungen von Christus, der Muttergottes, diversen Kaisern kamen zum Teil schon unter einem Sultan des 19. Jahrhunderts, dann gro\u00dfteils nach der Museumswidmung wieder zum Vorschein.<\/p>\n\n\n\n

Jetzt stellen sich neue symbolisch-praktische Fragen. Erdo\u011fan hat die Hagia Sophia der konservativen staatlichen Religionsbeh\u00f6rde Diyanet unterstellt. Die byzantinischen Mosaike, wie der gro\u00dfartige \"Christos Pantokrator\" (\"Weltenherrscher\") oder die Jungfrau Maria in der Apsis, m\u00fcssen wohl w\u00e4hrend des islamischen Gottesdiensts verh\u00e4ngt werden. Muss der Boden mit seinen Marmorplatten und Mosaiken mit einem Teppich bedeckt werden? Erdo\u011fan sagt, Touristen seien nach wie vor zugelassen. Aber sie werden wohl hinter Absperrungen bleiben m\u00fcssen. Frauen werden \u2013 wie in der benachbarten \"Blauen Moschee\" (\"Sultanahmed\") Kopftuch tragen m\u00fcssen.<\/p>\n\n\n\n

\"\"\/
Erdo\u011fan mit Gattin in der Hagia Sophia.<\/figcaption><\/figure>\n\n\n\n

Erdo\u011fans neue Abenteuer<\/strong><\/h3>\n\n\n\n

Aber wird da nicht doch zu viel in einen Formalakt rund um ein uraltes Bauwerk hineininterpretiert? Im geschichtlichen Kontext relativiert sich manches: Konstantinopel wurde schon von Christen erobert und ausgepl\u00fcndert \u2013 1204 im Vierten Kreuzzug. In der Moschee von Cordoba (\"Mezquita\") bauten die Katholiken eine ganze Kirche in den ber\u00fchmten S\u00e4ulenwald hinein. Die Mezquita ist heute noch Kirche, kein Museum.<\/p>\n\n\n\n

\"Das ist der Beweis, dass wir kein s\u00e4kularer Staat mehr sein wollen\", sagt Nobelpreistr\u00e4ger Orhan Pamuk. Erdo\u011fan betrachtet sich offenbar als auch neoosmanischer \"Fatih\" im Mittelmeerraum mit immer neuen Abenteuern: Eingreifen in Syrien, Stellvertreterkrieg in Libyen, Anspr\u00fcche auf Erdgasvorkommen weit vor der t\u00fcrkischen K\u00fcste bei Zypern, Reden, wonach manche \u00c4g\u00e4is-Inseln eigentlich zur T\u00fcrkei geh\u00f6ren, \"denn dort stehen unsere Moscheen\". Manches davon ist nur Rhetorik, aber genug anderes ist riskante Realit\u00e4t. (Hans Rauscher, 14.7.2020)<\/p>\n\n\n\n

Quelle<\/a><\/strong><\/p>\n","post_title":"Hagia Sophia: Verengung und Verarmung eines Welterbes","post_excerpt":"","post_status":"publish","comment_status":"closed","ping_status":"closed","post_password":"","post_name":"hagia-sophia-verengung-und-verarmung-eines-welterbes","to_ping":"","pinged":"","post_modified":"2025-02-02 08:39:39","post_modified_gmt":"2025-02-02 08:39:39","post_content_filtered":"","post_parent":0,"guid":"https:\/\/dctransparency.com\/?p=3792","menu_order":0,"post_type":"post","post_mime_type":"","comment_count":"0","filter":"raw"},{"ID":3789,"post_author":"7","post_date":"2020-08-14 13:56:07","post_date_gmt":"2020-08-14 13:56:07","post_content":"\n

Im Gastkommentar pocht Mark Leonard, Direktor des Europ\u00e4ischen Rats f\u00fcr Ausw\u00e4rtige Beziehungen, auf \"neue, einvernehmlich vereinbarte Prinzipien sowie klare Grenzen\", nur so k\u00f6nne eine weitere Destabilisierung in der Region verhindert werden.<\/em><\/strong><\/p>\n\n\n\n

Ist die T\u00fcrkei das neue Russland? Diese Frage wird in den europ\u00e4ischen Hauptst\u00e4dten zunehmend gestellt, da die Au\u00dfenpolitik des t\u00fcrkischen Pr\u00e4sidenten Recep Tayyip Erdo\u011fan zunehmend aggressiver wird. Erdo\u011fan nutzt nicht nur die Migration, um die EU zu bedrohen und zu betr\u00fcgen, sondern setzt auch milit\u00e4rische Macht ein, um den Einflussbereich der T\u00fcrkei auf die gesamte Region auszudehnen.<\/p>\n\n\n\n

Seit dem Ende des Kalten Krieges haben die Europ\u00e4er die regionale Sicherheit durch eine unipolare westliche Linse betrachtet. W\u00e4hrend die Nato die milit\u00e4rische Sicherheit garantierte, sorgte die EU mit ihrem 80.000 Seiten starken Regelwerk f\u00fcr alles von LGBTQ-Rechten bis hin zu Rasenm\u00e4her-Sound-Verordnungen f\u00fcr Rechtsordnung. In den 90er-Jahren ging man allgemein davon aus, dass die beiden gro\u00dfen nichtwestlichen regionalen Akteure, Russland und die T\u00fcrkei, nach und nach an diese Regelungen herangef\u00fchrt werden w\u00fcrden.<\/p>\n\n\n\n

Qu\u00e4lende Hassliebe<\/h3>\n\n\n\n

Doch in den letzten 15 Jahren ist der Traum von der europ\u00e4ischen Unipolarit\u00e4t einer multipolaren Realit\u00e4t gewichen. Sowohl Russland als auch die T\u00fcrkei haben eine lange, qu\u00e4lende Hassliebe zu Europa, und beide sind unter nationalen Machthabern, denen die Verachtung der Normen und Werte der EU gemeinsam ist, durchsetzungsf\u00e4higer geworden.<\/p>\n\n\n\n

Die zunehmende Verschlechterung der Beziehungen zwischen der EU und Russland ist gut dokumentiert, der Fall der T\u00fcrkei weniger. Der Irakkrieg im Jahr 2003 komplizierte das Verh\u00e4ltnis der T\u00fcrkei zur Nato, und ihr Verh\u00e4ltnis zur EU verschlechterte sich 2007, als Frankreich einen wichtigen Teil ihrer EU-Beitrittsverhandlungen blockierte. Seitdem hat die T\u00fcrkei ihren eigenen Weg in Syrien, auf dem Balkan und in Libyen eingeschlagen und neue Beziehungen zu Russland und China aufgebaut.<\/p>\n\n\n\n

Wichtiger Akteur<\/strong><\/h3>\n\n\n\n

Nat\u00fcrlich sind die Beziehungen zwischen der T\u00fcrkei und Russland nicht weniger kompliziert, nicht zuletzt weil Erdo\u011fan und der russische Pr\u00e4sident Wladimir Putin im syrischen B\u00fcrgerkrieg verschiedene Seiten unterst\u00fctzten.Und w\u00e4hrend die Spannungen wegen des Syrien-Konflikts weiterhin bestehen, bewundert Erdo\u011fan deutlich, wie Russland sich \u2013 bei relativ geringen Kosten \u2013 wieder als wichtiger Akteur im Nahen Osten und in Nordafrika etabliert hat.<\/p>\n\n\n\n

Nachdem er in einen nicht zu gewinnenden Krieg im Osten der Ukraine verwickelt war, schien Putins weitgehend erfolgreicher Feldzug in Syrien einen Teil seiner innenpolitischen Autorit\u00e4t wiederherzustellen. Der Westen hatte f\u00fcnf Jahre lang darauf bestanden, dass es keine milit\u00e4rische L\u00f6sung des Konflikts gebe und dass der syrische Pr\u00e4sident Baschar al-Assad gehen m\u00fcsse. Doch w\u00e4hrend die von den Vereinten Nationen unterst\u00fctzten Gespr\u00e4che in Genf zu keinem Ergebnis f\u00fchrten, schienen die von Russland geleiteten Gespr\u00e4che in Astana voranzukommen. Indem der Kreml die T\u00fcrkei und den Iran einbezog, w\u00e4hrend er die westlichen M\u00e4chte ausschloss, erweckte er den Eindruck, dass Russland als wiedergeborene Supermacht aus der Asche auferstanden sei.<\/p>\n\n\n\n

Unter Druck<\/h3>\n\n\n\n

Angesichts des wachsenden Widerstands im eigenen Land macht es Erdo\u011fan Putin gleich. Da der Westen nicht bereit war, (erneut) milit\u00e4risch in Libyen zu intervenieren, sah Erdo\u011fan eine Gelegenheit, die T\u00fcrkei zu positionieren. Nach dem Vorgehen Russlands in Syrien sicherte er sich eine formelle Einladung der libyschen Regierung zur Intervention. Mit einem Schlag Ende letzten Jahres hat er nicht nur das Image der T\u00fcrkei als Regionalmacht gest\u00e4rkt, sondern auch ein Abkommen mit Libyen \u00fcber die Seegrenze abgeschlossen und damit einen Plan Griechenlands, Zyperns, \u00c4gyptens und Israels zur Erschlie\u00dfung von Unterwasser\u00f6l- und -gasfeldern in der N\u00e4he zunichtegemacht.<\/p>\n\n\n\n

Erdo\u011fan scheint auch von der Spalt-und-Eroberungs-Strategie des Kreml in Europa inspiriert worden zu sein, der zufolge oft diejenigen EU-Mitgliedsstaaten unter Druck gesetzt werden, die am meisten von russischen Kohlenwasserstoffen oder M\u00e4rkten abh\u00e4ngig sind. So wie Putin lange Zeit die Energieversorgung instrumentalisiert hat, hat Erdo\u011fan versucht, den Strom von Migranten und Fl\u00fcchtlingen, die vor Konflikten im Nahen Osten fliehen, zu instrumentalisieren. Als die EU eine neue Marinemission ank\u00fcndigte, um den Waffenstrom nach Libyen zu blockieren, malte die T\u00fcrkei f\u00fcr Malta das Schreckgespenst der angeblichen Bedrohung durch Migranten an die Wand. Malta reagierte prompt und signalisierte, dass es gegen die Finanzierung der Mission ein Veto einlegen werde.<\/p>\n\n\n\n

Verlorener Sohn<\/strong><\/h3>\n\n\n\n

Jahrelang redeten sich die Europ\u00e4er ein, dass Russland eine Art verlorener Sohn sei und dass die europ\u00e4ische unipolare Ordnung gesund bleibe. Doch das machte Europa zu einem leichten Ziel f\u00fcr die Trennungs-und-Eroberungs-Strategie des Kreml. Erst vor relativ kurzer Zeit entwarf die Union eine neue Politik und ein robustes Sanktionsregime, um die russische Aggression abzuschrecken. Und selbst jetzt \u2013 trotz der besten Bem\u00fchungen der deutschen Bundeskanzlerin Angela Merkel und des franz\u00f6sischen Pr\u00e4sidenten Emmanuel Macron \u2013 hat die EU noch immer keine wirksamen Kommunikationskan\u00e4le mit Russland geschaffen, um gemeinsame Probleme anzugehen.<\/p>\n\n\n\n

Die T\u00fcrkei ist noch kein neues Russland, aber sie k\u00f6nnte dazu werden, wenn die Situation falsch gehandhabt wird. Vorerst betrachten die meisten Europ\u00e4er die T\u00fcrkei noch immer als einen komplizierten Partner und nicht als \"Systemrivalen\". Aber die Europ\u00e4er sollten die hart erk\u00e4mpften Lehren aus dem Umgang mit Russland in den letzten 15 Jahren beherzigen. Die Beziehungen zwischen der EU und der T\u00fcrkei brauchen neue, einvernehmlich vereinbarte Prinzipien sowie klare Grenzen, um eine weitere Destabilisierung in der Region zu verhindern.<\/p>\n\n\n\n

Zu diesem Zweck sollten die Europ\u00e4er klarstellen, dass der EU-Beitrittsprozess entweder zur\u00fcckgedreht oder vorangetrieben werden kann und dass eine eher transaktionale Beziehung sowohl Zuckerbrot als auch Peitsche beinhaltet. Die Herausforderung wird darin bestehen, daf\u00fcr zu sorgen, dass es in einer Region, die nicht nur von Europa und der T\u00fcrkei, sondern auch von Russland, den USA und einem aufstrebenden China beeinflusst wird, noch Raum f\u00fcr politisches Engagement in Fragen der gemeinsamen Sicherheit gibt. (Mark Leonard, \u00dcbersetzung: Eva G\u00f6llner, Copyright: Project Syndicate, 10.8.2020)<\/p>\n\n\n\n

Mark Leonard <\/strong>ist Direktor des Europ\u00e4ischen Rats f\u00fcr Ausw\u00e4rtige Beziehungen.<\/a><\/p>\n","post_title":"Erdo\u011fan \u2013 der andere Putin vor der Haust\u00fcr Europas","post_excerpt":"","post_status":"publish","comment_status":"closed","ping_status":"closed","post_password":"","post_name":"erdogan-der-andere-putin-vor-der-haustur-europas","to_ping":"","pinged":"","post_modified":"2025-02-02 08:39:39","post_modified_gmt":"2025-02-02 08:39:39","post_content_filtered":"","post_parent":0,"guid":"https:\/\/dctransparency.com\/?p=3789","menu_order":0,"post_type":"post","post_mime_type":"","comment_count":"0","filter":"raw"},{"ID":3786,"post_author":"7","post_date":"2020-08-14 13:51:23","post_date_gmt":"2020-08-14 13:51:23","post_content":"\n

Einen Monat nachdem ich zur israelischen Armee eingezogen worden war, brach die erste Intifada aus. Statt Soldat zu sein, machte ich Polizeiarbeit, sagte den Menschen, wann sie zur Arbeit gehen konnten und wann sie ihre L\u00e4den schlie\u00dfen mussten, wann sie die Grenze passieren und wann sie schlafen konnten. Einen Monat nachdem ich aus der Armee entlassen worden war, ging ich auf Reisen. (In Israel sagen wir: Wir dienen drei Jahre und versuchen den Rest unseres Lebens, diese drei Jahre zu vergessen.) Auf meiner Reise begann ich Briefe an meine Freundin zu schreiben, die ich in Israel zur\u00fcckgelassen hatte.<\/p>\n\n\n\n

Ich schrieb ihr, wie schrecklich depressiv ich war und dass diese drei Jahre des Anweisungenbellens und Anderen-Menschen-Sagens, was sie zu tun haben, mich f\u00fcr immer verfolgen w\u00fcrden. Dass sie ein Teil dessen geworden waren, was ich bin. Ich erinnere mich, dass ich ihr schrieb, dass wir da rausm\u00fcssen \u2013 nicht nur f\u00fcr die Pal\u00e4stinenser, sondern wegen der furchtbaren und brutalen Auswirkungen, die all das auf uns, auf die israelische Gesellschaft haben w\u00fcrde. Sie schrieb zur\u00fcck: \u201eDu hast recht. Ich habe einen neuen Freund.\u201c<\/p>\n\n\n\n

Felix Klein wurde als Beauftragter der Bundesregierung berufen<\/a>, um die Auswirkungen des zunehmenden Antisemitismus in unserer Gesellschaft, in Deutschland, zu bek\u00e4mpfen. Was nicht in seiner Jobbeschreibung steht, ist, dass er dabei unsere Gesellschaft heilen muss, jene Gesellschaft, die diese Form des Hasses reproduziert und sch\u00fctzt. Klein hat das begriffen.<\/p>\n\n\n\n

Er versteht, dass man Krebs nicht mit einem Pflaster verarztet, er wei\u00df, dass er das Bewusstsein der Deutschen sch\u00e4rfen und Diskussionen ansto\u00dfen muss. Er hat begriffen, dass das Problem nicht nur an den R\u00e4ndern der Gesellschaft (bei den Rechten) liegt, sondern auch in ihrer Mitte. Dort, wo gebildete Menschen nicht einmal bemerken, dass das, was sie sagen und tun, antisemitisch ist. So wie sie es auch nicht merken, wenn sie rassistisch handeln. Er hat all das verstanden, und genau deshalb wollen einige, dass er seinen Posten r\u00e4umt.<\/p>\n\n\n\n

Mehr als 60 deutsche und israelische Intellektuelle haben letzte Woche in einem Brief an Kanzlerin Merkel<\/a> dar\u00fcber geklagt, dass der aktuelle \u201eGebrauch des Antisemitismusbegriffs\u201c darauf abziele, \u201elegitime Kritik an der israelischen Regierungspolitik zu unterdr\u00fccken\u201c, und Klein vorgeworfen, rechtspopulistische israelische Stimmen zu f\u00f6rdern.<\/p>\n\n\n\n

Faszinierend an diesem offenen Brief ist, dass viele der Unterzeichneten keine Deutschen sind und auch nicht in Deutschland leben. Ich wei\u00df nicht, woher sie \u2013 die meisten von ihnen sind Israelis \u2013 die Chuzpe haben, sich in eine innerdeutsche Angelegenheit einzumischen und zu fordern, eine Person zu entlassen, die von der Bundesregierung eingesetzt wurde. Die H\u00e4lfte der Unterzeichneten lebt nicht hier, von der anderen H\u00e4lfte sind viele keine Juden \u2013 somit sind die allermeisten von ihnen nicht direkt vom Antisemitismus in Deutschland betroffen. Wie also k\u00f6nnen sie diesen Brief unterschreiben? Und warum eigentlich haben so wenige Deutsche unterschrieben? Dazu komme ich gleich.<\/p>\n\n\n\n

Debatte um Achille Mbembe<\/h6>\n\n\n\n

Hintergrund des Briefs war, dass Felix Klein gefordert hatte, den Philosophen Achille Mbembe<\/a> nicht die Er\u00f6ffnungsrede der Ruhrtriennale halten zu lassen. Als mit \u00f6ffentlichen Mitteln gef\u00f6rdertes Event solle die Ruhrtriennale Mbembe wegen seiner Haltung zu Israels Existenzrecht, seiner Haltung zu BDS und der Art, wie er in einem seiner Werke den Holocaust relativiert, nicht einladen.<\/p>\n\n\n\n

Mbembes Unterst\u00fctzer sagen, keine dieser Anschuldigungen sei wahr. F\u00fcrs Protokoll: In meinen Augen unterst\u00fctzt Mbembe sehr wohl BDS<\/a>, er schrieb unter anderem das Vorwort zu \u201eApartheid Israel\u201c und fordert die komplette Isolation Israels. Ich glaube auch, wenn Mbembe schreibt, die israelische Besetzung sei der \u201egr\u00f6\u00dfte moralische Skandal unserer Zeit\u201c, zeigt das, dass sein moralischer und geografischer Kompass etwas schief ist.<\/p>\n\n\n\n

Doch warum treibt die Debatte so viele Menschen um? Nun, zun\u00e4chst gibt niemand gern auf, was ihm oder ihr selbstverst\u00e4ndlich scheint. \u00dcber den gesamten politischen, sozialen, kulturellen, medialen und akademischen Sektor hinweg sind Menschen daran gew\u00f6hnt, so schlecht \u00fcber Israel sprechen zu k\u00f6nnen, wie auch immer sie wollen.<\/p>\n\n\n\n

Der Spiegel<\/em> hat \u2013 vielleicht in Anlehnung an seine Relotius-Standards, Israel erst k\u00fcrzlich eine Corona-Diktatur genannt. Fakten und Belege f\u00fcr diese Behauptung gab es nicht. Doch Millionen Deutsche haben es gelesen, und es wird nat\u00fcrlich haften bleiben. Faktenlage hin oder her. Der Spiegel<\/em> und andere Medien haben dieses Spiel perfektioniert: Titel so zu drehen, dass sie Israel indirekt anklagen, die Idee zu streuen, der Mossad kon\u00adtrol\u00adliere die deutsche Au\u00dfenpolitik im Nahen Osten, und so fort. Doch sie stehen allesamt sofort auf den Hinterbeinen, wenn jemand es wagt, das Spiel beim Namen zu nennen: moderner Antisemitismus.<\/p>\n\n\n\n

Klein will dem entgegenwirken. Er versteht, dass antisemitische Attacken in Deutschland die Fr\u00fcchte solch falsch gezeichneter Bilder und eindimensionaler Narrative \u00fcber Israel sind. Wenn er und andere versuchen, ein anderes Narrativ aufzuzeigen, wirft man ihnen Zensur vor: Wie k\u00f6nnen sie es wagen, das Gesch\u00e4ft der Anti-Israel-Propaganda zu st\u00f6ren?<\/p>\n\n\n\n

Liebe Deutsche, wenn ihr reden wollt, lasst uns gern reden: \u00fcber die Besetzung, \u00fcber Bibi und alles, was schiefl\u00e4uft. Aber dann lasst uns bitte auch dar\u00fcber reden, wie deutsche Steuergelder Terrortunnel finanzieren. Erst vergangene Woche r\u00e4umte die niederl\u00e4ndische Regierung ein, dass Gelder an eine Landwirtschaftsorganisation in Ramallah geflossen seien, die damit teilweise die Geh\u00e4lter zweier des Mordes an der 17-j\u00e4hrigen Israelin Rina Shnerb Verd\u00e4chtiger gezahlt haben. Auch die Bundesregierung unterst\u00fctzt diese Organisation, obwohl Kritiker schon lange vor Verbindungen zu Terroristen warnen.<\/p>\n\n\n\n

Wir k\u00f6nnen uns also gerne unterhalten \u2013 aber im Dialog, nicht in Monologen. Denn Reden unter Menschen, die sich einig sind, ist nichts anderes als Impotenz.<\/p>\n\n\n\n

Israelkritik als Eintrittskarte<\/h6>\n\n\n\n

Die Israelis, die die Petition unterzeichnet haben, haben \u00fcbrigens ebenfalls etwas verstanden. Seit Jahren wissen sie: Es ist ihre Eintrittskarte in die Mitte der deutschen (und europ\u00e4ischen) Gesellschaft. Man h\u00f6rt nicht oft von Akademikern mit proisraelischen Ansichten. Weder in den Philharmonie-Orchestern noch in der Kunstszene. Die Eintrittskarte daf\u00fcr ist ein antiisraelischer Standpunkt.<\/p>\n\n\n\n

Der mutma\u00dfliche Grund, warum kaum Deutsche die Petition unterzeichnet haben: Sie mussten es nicht. Ihre Lieblingsjuden haben es f\u00fcr sie getan. Jetzt k\u00f6nnen sie sagen: \u201eSchau, ich bin das ja nicht, meine j\u00fcdischen Freunde sagen es.\u201c Ich selbst war einige Jahre lang mit einem Paar hier in Berlin befreundet, bis ich herausfand, dass ich ihr Lieblingsjude war. Ja, selbst das j\u00fcdische Museum wurde so genutzt.<\/p>\n\n\n\n

Weil Attacken gegen Juden ein absolutes Tabu sind, wurden Umwege gefunden, um den Antisemitismus auf kleiner Flamme k\u00f6cheln zu lassen: die unfundierte, unbegr\u00fcndete Kritik an Israel.<\/p>\n\n\n\n

Diese Art der Kritik ist gef\u00e4hrlich. Sie schw\u00e4cht jede begr\u00fcndete und notwendige Kritik am Verhalten Israels. Und das Interessante ist: Trotz all der heftigen, pauschalisierenden Anklagen, all der offenen Briefe driftet Israel politisch immer weiter nach rechts. Doch statt mal einen anderen Ansatz zu versuchen, werden die antiisraelischen Stimmen nur lauter. Dasselbe versuchen und andere Ergebnisse davon erwarten \u2013 das ist die Definition von Wahnsinn.<\/p>\n\n\n\n

Kurz bevor der Prozess gegen den wegen des Attentats von Halle<\/a> Angeklagten begann \u2013 des seit Kriegsende schlimmsten Akts von Antisemitismus in Deutschland \u2013, lud eine Lokalzeitung den fr\u00fcheren Botschafter Shimon Stein und den Historiker Moshe Zimmermann ein, dar\u00fcber zu schreiben, was Antisemitismus ist. Nat\u00fcrlich wendeten auch sie sich gegen Felix Kleins Ansatz. Sie zitieren die Kontroverse um die Umbenennung der U-Bahn-Station Mohrenstra\u00dfe in Glinkastra\u00dfe, die sich darum drehte, dass der russische Komponist Michael Glinka Antisemit gewesen sein soll. Stein und Zimmermann halten die Debatte f\u00fcr \u00fcberzogen, Glinka sei nur ein Kind seiner Zeit gewesen. Folgt man ihrer Logik, k\u00f6nnen wir dann also in 20 oder 30 Jahren U-Bahn-Stationen nach den Kindern der 1930er Jahre benennen?<\/p>\n\n\n\n

Der Antisemit als Tierfreund<\/h6>\n\n\n\n

Ich w\u00fcnschte, die Sache h\u00e4tte mit dem Artikel, mit der Petition geendet. Doch dann erschien ein Artikel, der den Leser auf einen Waldspaziergang mit einem veganen Koch und Antisemiten mitnahm. Darin setzt der Tierfreund erst behutsam einen K\u00e4fer wieder auf seine Beinchen und erkl\u00e4rt dann, dass die Todesstrafe in Deutschland wieder eingef\u00fchrt werden solle, um einen gewissen Politiker (der zuf\u00e4llig pro Israel ist) an seinen Hoden aufh\u00e4ngen zu k\u00f6nnen. Dieser Koch hat Hunderttausende Follower, er sagt all solche Dinge am helllichten Tag in Berlin. Und in den Medien.<\/p>\n\n\n\n

F\u00e4lle wie dieser handeln bereits von Gewalt \u2013 und sie enden nicht bei den Juden. Der Hass richtet sich gegen Frauen<\/a>, Muslime, Gefl\u00fcchtete, \u00adLBTQI. Am Ende aller theoretischen Debatten stehen immer echte Menschen. Am Ende jeder Konferenz dar\u00fcber, was Antisemitismus ausmacht, steht ein potenzielles j\u00fcdisches Opfer. Angesichts einer Welle von Antisemitismus \u00fcber die Definition von Antisemitismus zu streiten ist, wie eine 10 Meter hohe Welle heranrollen zu sehen und dar\u00fcber zu streiten, was einen Tsunami ausmacht.<\/p>\n\n\n\n

Felix Klein versteht, wie absurd es ist, zu sagen: Es sind nur die Rechten. Die Rechten sind Deutsche, so wie die Nazis Deutsche waren. Klein versteht, dass die Deutschen nicht aufgeh\u00f6rt haben, Juden zu ermorden, weil sie irgendeine Art von Erleuchtung hatten. Sondern schlicht, weil sie den Krieg verloren haben. Um den Antisemitismus zu bek\u00e4mpfen, bevor er die Gesellschaft frisst, in der er und wir leben, muss Deutschland seinen moralischen Kompass korrigieren.<\/p>\n\n\n\n

Immerhin: Mehr und mehr Deutsche fahren nach Israel, sie wollen ein anderes Narrativ h\u00f6ren. Mehr und mehr Deutsche verstehen, dass Antisemitismus Schockwellen ausl\u00f6st, die die gesamte Gesellschaft betreffen. In einem normalen Universum w\u00fcrde Klein bef\u00f6rdert werden f\u00fcr seine Leistung. In einer verdrehten Gesellschaft fordern Menschen seine Entlassung. Um es mit Mbembe zu sagen: Das ist Nano-Nonsens.<\/p>\n\n\n\n

\u00dcbersetzung: Ariane Lemme<\/a><\/em><\/p>\n","post_title":"Felix Klein hat verstanden","post_excerpt":"","post_status":"publish","comment_status":"closed","ping_status":"closed","post_password":"","post_name":"felix-klein-hat-verstanden","to_ping":"","pinged":"","post_modified":"2025-02-02 08:39:39","post_modified_gmt":"2025-02-02 08:39:39","post_content_filtered":"","post_parent":0,"guid":"https:\/\/dctransparency.com\/?p=3786","menu_order":0,"post_type":"post","post_mime_type":"","comment_count":"0","filter":"raw"}],"next":false,"prev":true,"total_page":47},"paged":1,"column_class":"jeg_col_2o3","class":"epic_block_3"};

\n

Wie bedeutungsschwer ist dieser Akt eines \"starken Mannes\", der innenpolitisch deutlich schw\u00e4chelt? Die Proteste vor allem aus der orthodoxen Welt, aber auch aus Europa und den USA sind eher traurig als w\u00fctend. Der Papst dr\u00fcckte seinen \"Schmerz\" aus. Auch der Jubel in der islamischen Welt fiel zun\u00e4chst weniger \u00fcbersch\u00e4umend als erwartet aus.<\/p>\n\n\n\n

Ist es der Alleingang eines Autokraten in Bedr\u00e4ngnis oder ist \"der Jubel \u00fcber die Eroberung der Hagia Sophia der Versuch einer zutiefst erniedrigten, vom Gef\u00fchl der Wertlosigkeit dominierten und in ihrer eigenen Selbstberechtigung beraubten Gesellschaft, eine Bedeutung, eine St\u00e4rke, ein Selbstwertgef\u00fchl zu finden\"? So recht pauschalierend der in Deutschland lebende pal\u00e4stinensische Intellektuelle und Psychiater Ahmad Mansour.<\/p>\n\n\n\n

Die beiden Gro\u00dfreiche, das byzantinische und das osmanische, sind l\u00e4ngst versunken.<\/p><\/blockquote>\n\n\n\n

Das eigentliche Schl\u00fcsselwort im Zusammenhang mit der Hagia Sofia ist \"Welterbe\". Das Erbe von allen. Einmal im kulturellen Sinn der Unesco, aber in Wahrheit weiter gefasst. Das einzigartige Bauwerk geh\u00f6rt in Wirklichkeit der ganzen Welt, nicht der einen oder anderen Religion. Die beiden Gro\u00dfreiche, f\u00fcr die die Hagia Sofia der zentrale spirituelle Bau war, das byzantinische und das osmanische, sind l\u00e4ngst versunken. Seither hat sie eine neue, \u00fcbernationale Dimension erhalten. Was Erdo\u011fan da jetzt mit der Hagia Sofia macht, ist eine Verengung und Verarmung eines gemeinsamen Welterbes.<\/p>\n\n\n\n

\"\"\/
Betende Muslime vor der Hagia Sophia.<\/figcaption><\/figure>\n\n\n\n

Davon abgesehen aber war und ist sie ein architektonisches Meisterwerk und geh\u00f6rt zu den bedeutendsten Bauten der Welt. Wer heute den Zentralraum unter der Kuppel betritt, kann sich nur schwer dem zugleich majest\u00e4tischen wie schwebenden Gesamteindruck entziehen. Die Hagia Sophia blieb fast 1000 Jahre die gr\u00f6\u00dfte Kirche der Christenheit. Technisch war die Kuppel (mit mehreren Halbkuppeln) eine \u00fcberaus riskante Innovation: Die 55 Meter hohe und 32 Meter im Durchmesser breite Kuppel ruht auf nur vier Tragpunkten, was den schwebenden, schwerelosen Eindruck erzeugt. Die Konstruktion folgt einem mathematischen Prinzip, das erst k\u00fcrzlich entschl\u00fcsselt wurde.<\/p>\n\n\n\n

\"Salomo, ich habe dich \u00fcbertroffen!\"<\/p><\/blockquote>\n\n\n\n

Als Kaiser Justinian die Hagia Sophia nach nur f\u00fcnf Jahren Bauzeit (532\u2013537) betrat, soll er in Anspielung auf den Tempel in Jerusalem ausgerufen haben: \"Salomo, ich habe dich \u00fcbertroffen!\" Die Innenausstattung war mit ihren S\u00e4ulen aus Porphyr und gr\u00fcnem Marmor, mit Mosaiken aus Gold und Halbedelsteinen derart prunkvoll, der Gesamteindruck derart \u00fcberirdisch, dass eine Delegation des Gro\u00dff\u00fcrsten von Kiew nicht mehr wusste, \"ob wir im Himmel oder auf der Erde\" waren \u2013 was die Christianisierung Russlands bef\u00f6rderte.<\/p>\n\n\n\n

Der deutsche Architekturlehrer Holger Kleine nennt die Hagia Sophia \"absolute Architektur\", weil sie \"extreme Ausdrucksformen nahezu aller dramaturgischen Mittel, die der Architektur zur Verf\u00fcgung stehen, vereinigt: wuchtigste K\u00f6rper und luftigste R\u00e4ume, engste Enge und gr\u00f6\u00dfte Weite, w\u00e4rmende Helligkeit und mystisches Dunkel\". Und die Kuppelbauten aus der sp\u00e4teren Hochbl\u00fcte der Moscheenarchitektur im 16. und 17. Jahrhundert gehen eindeutig auf die Hagia Sophia zur\u00fcck.<\/p>\n\n\n\n

Die Hagia Sophia war Staatskirche des byzantinischen Reichs. F\u00fcr die Eroberer der letzte Schlussstein in der Kuppel osmanisch-muslimischen Herrschaftsanspruchs. Konstantinopel war ja 1453 nur noch eine isolierte, heruntergekommene Enklave in einem osmanischen Umfeld, kein christliches Heer kam zu Hilfe. Doch vorher war es zugleich Sperrriegel nach Osten und Geistesarchiv der antiken Kultur gewesen. \"Ohne Byzanz h\u00e4tte es kein Europa gegeben\", sagt die britische Altertumsforscherin Judith Herrin.<\/p>\n\n\n\n

\"\"\/
Freigelegtes Mosaik von \"Christos Pantokrator\".<\/figcaption><\/figure>\n\n\n\n

Neue Fragen<\/h3>\n\n\n\n

Die Kirche wurde von Mehmed II. und Nachfolgern nicht in der Substanz zerst\u00f6rt, sondern \"entchristlicht\". Die urspr\u00fcnglich \u00fcbert\u00fcnchten oder auch abgeschlagenen Mosaiken mit den Darstellungen von Christus, der Muttergottes, diversen Kaisern kamen zum Teil schon unter einem Sultan des 19. Jahrhunderts, dann gro\u00dfteils nach der Museumswidmung wieder zum Vorschein.<\/p>\n\n\n\n

Jetzt stellen sich neue symbolisch-praktische Fragen. Erdo\u011fan hat die Hagia Sophia der konservativen staatlichen Religionsbeh\u00f6rde Diyanet unterstellt. Die byzantinischen Mosaike, wie der gro\u00dfartige \"Christos Pantokrator\" (\"Weltenherrscher\") oder die Jungfrau Maria in der Apsis, m\u00fcssen wohl w\u00e4hrend des islamischen Gottesdiensts verh\u00e4ngt werden. Muss der Boden mit seinen Marmorplatten und Mosaiken mit einem Teppich bedeckt werden? Erdo\u011fan sagt, Touristen seien nach wie vor zugelassen. Aber sie werden wohl hinter Absperrungen bleiben m\u00fcssen. Frauen werden \u2013 wie in der benachbarten \"Blauen Moschee\" (\"Sultanahmed\") Kopftuch tragen m\u00fcssen.<\/p>\n\n\n\n

\"\"\/
Erdo\u011fan mit Gattin in der Hagia Sophia.<\/figcaption><\/figure>\n\n\n\n

Erdo\u011fans neue Abenteuer<\/strong><\/h3>\n\n\n\n

Aber wird da nicht doch zu viel in einen Formalakt rund um ein uraltes Bauwerk hineininterpretiert? Im geschichtlichen Kontext relativiert sich manches: Konstantinopel wurde schon von Christen erobert und ausgepl\u00fcndert \u2013 1204 im Vierten Kreuzzug. In der Moschee von Cordoba (\"Mezquita\") bauten die Katholiken eine ganze Kirche in den ber\u00fchmten S\u00e4ulenwald hinein. Die Mezquita ist heute noch Kirche, kein Museum.<\/p>\n\n\n\n

\"Das ist der Beweis, dass wir kein s\u00e4kularer Staat mehr sein wollen\", sagt Nobelpreistr\u00e4ger Orhan Pamuk. Erdo\u011fan betrachtet sich offenbar als auch neoosmanischer \"Fatih\" im Mittelmeerraum mit immer neuen Abenteuern: Eingreifen in Syrien, Stellvertreterkrieg in Libyen, Anspr\u00fcche auf Erdgasvorkommen weit vor der t\u00fcrkischen K\u00fcste bei Zypern, Reden, wonach manche \u00c4g\u00e4is-Inseln eigentlich zur T\u00fcrkei geh\u00f6ren, \"denn dort stehen unsere Moscheen\". Manches davon ist nur Rhetorik, aber genug anderes ist riskante Realit\u00e4t. (Hans Rauscher, 14.7.2020)<\/p>\n\n\n\n

Quelle<\/a><\/strong><\/p>\n","post_title":"Hagia Sophia: Verengung und Verarmung eines Welterbes","post_excerpt":"","post_status":"publish","comment_status":"closed","ping_status":"closed","post_password":"","post_name":"hagia-sophia-verengung-und-verarmung-eines-welterbes","to_ping":"","pinged":"","post_modified":"2025-02-02 08:39:39","post_modified_gmt":"2025-02-02 08:39:39","post_content_filtered":"","post_parent":0,"guid":"https:\/\/dctransparency.com\/?p=3792","menu_order":0,"post_type":"post","post_mime_type":"","comment_count":"0","filter":"raw"},{"ID":3789,"post_author":"7","post_date":"2020-08-14 13:56:07","post_date_gmt":"2020-08-14 13:56:07","post_content":"\n

Im Gastkommentar pocht Mark Leonard, Direktor des Europ\u00e4ischen Rats f\u00fcr Ausw\u00e4rtige Beziehungen, auf \"neue, einvernehmlich vereinbarte Prinzipien sowie klare Grenzen\", nur so k\u00f6nne eine weitere Destabilisierung in der Region verhindert werden.<\/em><\/strong><\/p>\n\n\n\n

Ist die T\u00fcrkei das neue Russland? Diese Frage wird in den europ\u00e4ischen Hauptst\u00e4dten zunehmend gestellt, da die Au\u00dfenpolitik des t\u00fcrkischen Pr\u00e4sidenten Recep Tayyip Erdo\u011fan zunehmend aggressiver wird. Erdo\u011fan nutzt nicht nur die Migration, um die EU zu bedrohen und zu betr\u00fcgen, sondern setzt auch milit\u00e4rische Macht ein, um den Einflussbereich der T\u00fcrkei auf die gesamte Region auszudehnen.<\/p>\n\n\n\n

Seit dem Ende des Kalten Krieges haben die Europ\u00e4er die regionale Sicherheit durch eine unipolare westliche Linse betrachtet. W\u00e4hrend die Nato die milit\u00e4rische Sicherheit garantierte, sorgte die EU mit ihrem 80.000 Seiten starken Regelwerk f\u00fcr alles von LGBTQ-Rechten bis hin zu Rasenm\u00e4her-Sound-Verordnungen f\u00fcr Rechtsordnung. In den 90er-Jahren ging man allgemein davon aus, dass die beiden gro\u00dfen nichtwestlichen regionalen Akteure, Russland und die T\u00fcrkei, nach und nach an diese Regelungen herangef\u00fchrt werden w\u00fcrden.<\/p>\n\n\n\n

Qu\u00e4lende Hassliebe<\/h3>\n\n\n\n

Doch in den letzten 15 Jahren ist der Traum von der europ\u00e4ischen Unipolarit\u00e4t einer multipolaren Realit\u00e4t gewichen. Sowohl Russland als auch die T\u00fcrkei haben eine lange, qu\u00e4lende Hassliebe zu Europa, und beide sind unter nationalen Machthabern, denen die Verachtung der Normen und Werte der EU gemeinsam ist, durchsetzungsf\u00e4higer geworden.<\/p>\n\n\n\n

Die zunehmende Verschlechterung der Beziehungen zwischen der EU und Russland ist gut dokumentiert, der Fall der T\u00fcrkei weniger. Der Irakkrieg im Jahr 2003 komplizierte das Verh\u00e4ltnis der T\u00fcrkei zur Nato, und ihr Verh\u00e4ltnis zur EU verschlechterte sich 2007, als Frankreich einen wichtigen Teil ihrer EU-Beitrittsverhandlungen blockierte. Seitdem hat die T\u00fcrkei ihren eigenen Weg in Syrien, auf dem Balkan und in Libyen eingeschlagen und neue Beziehungen zu Russland und China aufgebaut.<\/p>\n\n\n\n

Wichtiger Akteur<\/strong><\/h3>\n\n\n\n

Nat\u00fcrlich sind die Beziehungen zwischen der T\u00fcrkei und Russland nicht weniger kompliziert, nicht zuletzt weil Erdo\u011fan und der russische Pr\u00e4sident Wladimir Putin im syrischen B\u00fcrgerkrieg verschiedene Seiten unterst\u00fctzten.Und w\u00e4hrend die Spannungen wegen des Syrien-Konflikts weiterhin bestehen, bewundert Erdo\u011fan deutlich, wie Russland sich \u2013 bei relativ geringen Kosten \u2013 wieder als wichtiger Akteur im Nahen Osten und in Nordafrika etabliert hat.<\/p>\n\n\n\n

Nachdem er in einen nicht zu gewinnenden Krieg im Osten der Ukraine verwickelt war, schien Putins weitgehend erfolgreicher Feldzug in Syrien einen Teil seiner innenpolitischen Autorit\u00e4t wiederherzustellen. Der Westen hatte f\u00fcnf Jahre lang darauf bestanden, dass es keine milit\u00e4rische L\u00f6sung des Konflikts gebe und dass der syrische Pr\u00e4sident Baschar al-Assad gehen m\u00fcsse. Doch w\u00e4hrend die von den Vereinten Nationen unterst\u00fctzten Gespr\u00e4che in Genf zu keinem Ergebnis f\u00fchrten, schienen die von Russland geleiteten Gespr\u00e4che in Astana voranzukommen. Indem der Kreml die T\u00fcrkei und den Iran einbezog, w\u00e4hrend er die westlichen M\u00e4chte ausschloss, erweckte er den Eindruck, dass Russland als wiedergeborene Supermacht aus der Asche auferstanden sei.<\/p>\n\n\n\n

Unter Druck<\/h3>\n\n\n\n

Angesichts des wachsenden Widerstands im eigenen Land macht es Erdo\u011fan Putin gleich. Da der Westen nicht bereit war, (erneut) milit\u00e4risch in Libyen zu intervenieren, sah Erdo\u011fan eine Gelegenheit, die T\u00fcrkei zu positionieren. Nach dem Vorgehen Russlands in Syrien sicherte er sich eine formelle Einladung der libyschen Regierung zur Intervention. Mit einem Schlag Ende letzten Jahres hat er nicht nur das Image der T\u00fcrkei als Regionalmacht gest\u00e4rkt, sondern auch ein Abkommen mit Libyen \u00fcber die Seegrenze abgeschlossen und damit einen Plan Griechenlands, Zyperns, \u00c4gyptens und Israels zur Erschlie\u00dfung von Unterwasser\u00f6l- und -gasfeldern in der N\u00e4he zunichtegemacht.<\/p>\n\n\n\n

Erdo\u011fan scheint auch von der Spalt-und-Eroberungs-Strategie des Kreml in Europa inspiriert worden zu sein, der zufolge oft diejenigen EU-Mitgliedsstaaten unter Druck gesetzt werden, die am meisten von russischen Kohlenwasserstoffen oder M\u00e4rkten abh\u00e4ngig sind. So wie Putin lange Zeit die Energieversorgung instrumentalisiert hat, hat Erdo\u011fan versucht, den Strom von Migranten und Fl\u00fcchtlingen, die vor Konflikten im Nahen Osten fliehen, zu instrumentalisieren. Als die EU eine neue Marinemission ank\u00fcndigte, um den Waffenstrom nach Libyen zu blockieren, malte die T\u00fcrkei f\u00fcr Malta das Schreckgespenst der angeblichen Bedrohung durch Migranten an die Wand. Malta reagierte prompt und signalisierte, dass es gegen die Finanzierung der Mission ein Veto einlegen werde.<\/p>\n\n\n\n

Verlorener Sohn<\/strong><\/h3>\n\n\n\n

Jahrelang redeten sich die Europ\u00e4er ein, dass Russland eine Art verlorener Sohn sei und dass die europ\u00e4ische unipolare Ordnung gesund bleibe. Doch das machte Europa zu einem leichten Ziel f\u00fcr die Trennungs-und-Eroberungs-Strategie des Kreml. Erst vor relativ kurzer Zeit entwarf die Union eine neue Politik und ein robustes Sanktionsregime, um die russische Aggression abzuschrecken. Und selbst jetzt \u2013 trotz der besten Bem\u00fchungen der deutschen Bundeskanzlerin Angela Merkel und des franz\u00f6sischen Pr\u00e4sidenten Emmanuel Macron \u2013 hat die EU noch immer keine wirksamen Kommunikationskan\u00e4le mit Russland geschaffen, um gemeinsame Probleme anzugehen.<\/p>\n\n\n\n

Die T\u00fcrkei ist noch kein neues Russland, aber sie k\u00f6nnte dazu werden, wenn die Situation falsch gehandhabt wird. Vorerst betrachten die meisten Europ\u00e4er die T\u00fcrkei noch immer als einen komplizierten Partner und nicht als \"Systemrivalen\". Aber die Europ\u00e4er sollten die hart erk\u00e4mpften Lehren aus dem Umgang mit Russland in den letzten 15 Jahren beherzigen. Die Beziehungen zwischen der EU und der T\u00fcrkei brauchen neue, einvernehmlich vereinbarte Prinzipien sowie klare Grenzen, um eine weitere Destabilisierung in der Region zu verhindern.<\/p>\n\n\n\n

Zu diesem Zweck sollten die Europ\u00e4er klarstellen, dass der EU-Beitrittsprozess entweder zur\u00fcckgedreht oder vorangetrieben werden kann und dass eine eher transaktionale Beziehung sowohl Zuckerbrot als auch Peitsche beinhaltet. Die Herausforderung wird darin bestehen, daf\u00fcr zu sorgen, dass es in einer Region, die nicht nur von Europa und der T\u00fcrkei, sondern auch von Russland, den USA und einem aufstrebenden China beeinflusst wird, noch Raum f\u00fcr politisches Engagement in Fragen der gemeinsamen Sicherheit gibt. (Mark Leonard, \u00dcbersetzung: Eva G\u00f6llner, Copyright: Project Syndicate, 10.8.2020)<\/p>\n\n\n\n

Mark Leonard <\/strong>ist Direktor des Europ\u00e4ischen Rats f\u00fcr Ausw\u00e4rtige Beziehungen.<\/a><\/p>\n","post_title":"Erdo\u011fan \u2013 der andere Putin vor der Haust\u00fcr Europas","post_excerpt":"","post_status":"publish","comment_status":"closed","ping_status":"closed","post_password":"","post_name":"erdogan-der-andere-putin-vor-der-haustur-europas","to_ping":"","pinged":"","post_modified":"2025-02-02 08:39:39","post_modified_gmt":"2025-02-02 08:39:39","post_content_filtered":"","post_parent":0,"guid":"https:\/\/dctransparency.com\/?p=3789","menu_order":0,"post_type":"post","post_mime_type":"","comment_count":"0","filter":"raw"},{"ID":3786,"post_author":"7","post_date":"2020-08-14 13:51:23","post_date_gmt":"2020-08-14 13:51:23","post_content":"\n

Einen Monat nachdem ich zur israelischen Armee eingezogen worden war, brach die erste Intifada aus. Statt Soldat zu sein, machte ich Polizeiarbeit, sagte den Menschen, wann sie zur Arbeit gehen konnten und wann sie ihre L\u00e4den schlie\u00dfen mussten, wann sie die Grenze passieren und wann sie schlafen konnten. Einen Monat nachdem ich aus der Armee entlassen worden war, ging ich auf Reisen. (In Israel sagen wir: Wir dienen drei Jahre und versuchen den Rest unseres Lebens, diese drei Jahre zu vergessen.) Auf meiner Reise begann ich Briefe an meine Freundin zu schreiben, die ich in Israel zur\u00fcckgelassen hatte.<\/p>\n\n\n\n

Ich schrieb ihr, wie schrecklich depressiv ich war und dass diese drei Jahre des Anweisungenbellens und Anderen-Menschen-Sagens, was sie zu tun haben, mich f\u00fcr immer verfolgen w\u00fcrden. Dass sie ein Teil dessen geworden waren, was ich bin. Ich erinnere mich, dass ich ihr schrieb, dass wir da rausm\u00fcssen \u2013 nicht nur f\u00fcr die Pal\u00e4stinenser, sondern wegen der furchtbaren und brutalen Auswirkungen, die all das auf uns, auf die israelische Gesellschaft haben w\u00fcrde. Sie schrieb zur\u00fcck: \u201eDu hast recht. Ich habe einen neuen Freund.\u201c<\/p>\n\n\n\n

Felix Klein wurde als Beauftragter der Bundesregierung berufen<\/a>, um die Auswirkungen des zunehmenden Antisemitismus in unserer Gesellschaft, in Deutschland, zu bek\u00e4mpfen. Was nicht in seiner Jobbeschreibung steht, ist, dass er dabei unsere Gesellschaft heilen muss, jene Gesellschaft, die diese Form des Hasses reproduziert und sch\u00fctzt. Klein hat das begriffen.<\/p>\n\n\n\n

Er versteht, dass man Krebs nicht mit einem Pflaster verarztet, er wei\u00df, dass er das Bewusstsein der Deutschen sch\u00e4rfen und Diskussionen ansto\u00dfen muss. Er hat begriffen, dass das Problem nicht nur an den R\u00e4ndern der Gesellschaft (bei den Rechten) liegt, sondern auch in ihrer Mitte. Dort, wo gebildete Menschen nicht einmal bemerken, dass das, was sie sagen und tun, antisemitisch ist. So wie sie es auch nicht merken, wenn sie rassistisch handeln. Er hat all das verstanden, und genau deshalb wollen einige, dass er seinen Posten r\u00e4umt.<\/p>\n\n\n\n

Mehr als 60 deutsche und israelische Intellektuelle haben letzte Woche in einem Brief an Kanzlerin Merkel<\/a> dar\u00fcber geklagt, dass der aktuelle \u201eGebrauch des Antisemitismusbegriffs\u201c darauf abziele, \u201elegitime Kritik an der israelischen Regierungspolitik zu unterdr\u00fccken\u201c, und Klein vorgeworfen, rechtspopulistische israelische Stimmen zu f\u00f6rdern.<\/p>\n\n\n\n

Faszinierend an diesem offenen Brief ist, dass viele der Unterzeichneten keine Deutschen sind und auch nicht in Deutschland leben. Ich wei\u00df nicht, woher sie \u2013 die meisten von ihnen sind Israelis \u2013 die Chuzpe haben, sich in eine innerdeutsche Angelegenheit einzumischen und zu fordern, eine Person zu entlassen, die von der Bundesregierung eingesetzt wurde. Die H\u00e4lfte der Unterzeichneten lebt nicht hier, von der anderen H\u00e4lfte sind viele keine Juden \u2013 somit sind die allermeisten von ihnen nicht direkt vom Antisemitismus in Deutschland betroffen. Wie also k\u00f6nnen sie diesen Brief unterschreiben? Und warum eigentlich haben so wenige Deutsche unterschrieben? Dazu komme ich gleich.<\/p>\n\n\n\n

Debatte um Achille Mbembe<\/h6>\n\n\n\n

Hintergrund des Briefs war, dass Felix Klein gefordert hatte, den Philosophen Achille Mbembe<\/a> nicht die Er\u00f6ffnungsrede der Ruhrtriennale halten zu lassen. Als mit \u00f6ffentlichen Mitteln gef\u00f6rdertes Event solle die Ruhrtriennale Mbembe wegen seiner Haltung zu Israels Existenzrecht, seiner Haltung zu BDS und der Art, wie er in einem seiner Werke den Holocaust relativiert, nicht einladen.<\/p>\n\n\n\n

Mbembes Unterst\u00fctzer sagen, keine dieser Anschuldigungen sei wahr. F\u00fcrs Protokoll: In meinen Augen unterst\u00fctzt Mbembe sehr wohl BDS<\/a>, er schrieb unter anderem das Vorwort zu \u201eApartheid Israel\u201c und fordert die komplette Isolation Israels. Ich glaube auch, wenn Mbembe schreibt, die israelische Besetzung sei der \u201egr\u00f6\u00dfte moralische Skandal unserer Zeit\u201c, zeigt das, dass sein moralischer und geografischer Kompass etwas schief ist.<\/p>\n\n\n\n

Doch warum treibt die Debatte so viele Menschen um? Nun, zun\u00e4chst gibt niemand gern auf, was ihm oder ihr selbstverst\u00e4ndlich scheint. \u00dcber den gesamten politischen, sozialen, kulturellen, medialen und akademischen Sektor hinweg sind Menschen daran gew\u00f6hnt, so schlecht \u00fcber Israel sprechen zu k\u00f6nnen, wie auch immer sie wollen.<\/p>\n\n\n\n

Der Spiegel<\/em> hat \u2013 vielleicht in Anlehnung an seine Relotius-Standards, Israel erst k\u00fcrzlich eine Corona-Diktatur genannt. Fakten und Belege f\u00fcr diese Behauptung gab es nicht. Doch Millionen Deutsche haben es gelesen, und es wird nat\u00fcrlich haften bleiben. Faktenlage hin oder her. Der Spiegel<\/em> und andere Medien haben dieses Spiel perfektioniert: Titel so zu drehen, dass sie Israel indirekt anklagen, die Idee zu streuen, der Mossad kon\u00adtrol\u00adliere die deutsche Au\u00dfenpolitik im Nahen Osten, und so fort. Doch sie stehen allesamt sofort auf den Hinterbeinen, wenn jemand es wagt, das Spiel beim Namen zu nennen: moderner Antisemitismus.<\/p>\n\n\n\n

Klein will dem entgegenwirken. Er versteht, dass antisemitische Attacken in Deutschland die Fr\u00fcchte solch falsch gezeichneter Bilder und eindimensionaler Narrative \u00fcber Israel sind. Wenn er und andere versuchen, ein anderes Narrativ aufzuzeigen, wirft man ihnen Zensur vor: Wie k\u00f6nnen sie es wagen, das Gesch\u00e4ft der Anti-Israel-Propaganda zu st\u00f6ren?<\/p>\n\n\n\n

Liebe Deutsche, wenn ihr reden wollt, lasst uns gern reden: \u00fcber die Besetzung, \u00fcber Bibi und alles, was schiefl\u00e4uft. Aber dann lasst uns bitte auch dar\u00fcber reden, wie deutsche Steuergelder Terrortunnel finanzieren. Erst vergangene Woche r\u00e4umte die niederl\u00e4ndische Regierung ein, dass Gelder an eine Landwirtschaftsorganisation in Ramallah geflossen seien, die damit teilweise die Geh\u00e4lter zweier des Mordes an der 17-j\u00e4hrigen Israelin Rina Shnerb Verd\u00e4chtiger gezahlt haben. Auch die Bundesregierung unterst\u00fctzt diese Organisation, obwohl Kritiker schon lange vor Verbindungen zu Terroristen warnen.<\/p>\n\n\n\n

Wir k\u00f6nnen uns also gerne unterhalten \u2013 aber im Dialog, nicht in Monologen. Denn Reden unter Menschen, die sich einig sind, ist nichts anderes als Impotenz.<\/p>\n\n\n\n

Israelkritik als Eintrittskarte<\/h6>\n\n\n\n

Die Israelis, die die Petition unterzeichnet haben, haben \u00fcbrigens ebenfalls etwas verstanden. Seit Jahren wissen sie: Es ist ihre Eintrittskarte in die Mitte der deutschen (und europ\u00e4ischen) Gesellschaft. Man h\u00f6rt nicht oft von Akademikern mit proisraelischen Ansichten. Weder in den Philharmonie-Orchestern noch in der Kunstszene. Die Eintrittskarte daf\u00fcr ist ein antiisraelischer Standpunkt.<\/p>\n\n\n\n

Der mutma\u00dfliche Grund, warum kaum Deutsche die Petition unterzeichnet haben: Sie mussten es nicht. Ihre Lieblingsjuden haben es f\u00fcr sie getan. Jetzt k\u00f6nnen sie sagen: \u201eSchau, ich bin das ja nicht, meine j\u00fcdischen Freunde sagen es.\u201c Ich selbst war einige Jahre lang mit einem Paar hier in Berlin befreundet, bis ich herausfand, dass ich ihr Lieblingsjude war. Ja, selbst das j\u00fcdische Museum wurde so genutzt.<\/p>\n\n\n\n

Weil Attacken gegen Juden ein absolutes Tabu sind, wurden Umwege gefunden, um den Antisemitismus auf kleiner Flamme k\u00f6cheln zu lassen: die unfundierte, unbegr\u00fcndete Kritik an Israel.<\/p>\n\n\n\n

Diese Art der Kritik ist gef\u00e4hrlich. Sie schw\u00e4cht jede begr\u00fcndete und notwendige Kritik am Verhalten Israels. Und das Interessante ist: Trotz all der heftigen, pauschalisierenden Anklagen, all der offenen Briefe driftet Israel politisch immer weiter nach rechts. Doch statt mal einen anderen Ansatz zu versuchen, werden die antiisraelischen Stimmen nur lauter. Dasselbe versuchen und andere Ergebnisse davon erwarten \u2013 das ist die Definition von Wahnsinn.<\/p>\n\n\n\n

Kurz bevor der Prozess gegen den wegen des Attentats von Halle<\/a> Angeklagten begann \u2013 des seit Kriegsende schlimmsten Akts von Antisemitismus in Deutschland \u2013, lud eine Lokalzeitung den fr\u00fcheren Botschafter Shimon Stein und den Historiker Moshe Zimmermann ein, dar\u00fcber zu schreiben, was Antisemitismus ist. Nat\u00fcrlich wendeten auch sie sich gegen Felix Kleins Ansatz. Sie zitieren die Kontroverse um die Umbenennung der U-Bahn-Station Mohrenstra\u00dfe in Glinkastra\u00dfe, die sich darum drehte, dass der russische Komponist Michael Glinka Antisemit gewesen sein soll. Stein und Zimmermann halten die Debatte f\u00fcr \u00fcberzogen, Glinka sei nur ein Kind seiner Zeit gewesen. Folgt man ihrer Logik, k\u00f6nnen wir dann also in 20 oder 30 Jahren U-Bahn-Stationen nach den Kindern der 1930er Jahre benennen?<\/p>\n\n\n\n

Der Antisemit als Tierfreund<\/h6>\n\n\n\n

Ich w\u00fcnschte, die Sache h\u00e4tte mit dem Artikel, mit der Petition geendet. Doch dann erschien ein Artikel, der den Leser auf einen Waldspaziergang mit einem veganen Koch und Antisemiten mitnahm. Darin setzt der Tierfreund erst behutsam einen K\u00e4fer wieder auf seine Beinchen und erkl\u00e4rt dann, dass die Todesstrafe in Deutschland wieder eingef\u00fchrt werden solle, um einen gewissen Politiker (der zuf\u00e4llig pro Israel ist) an seinen Hoden aufh\u00e4ngen zu k\u00f6nnen. Dieser Koch hat Hunderttausende Follower, er sagt all solche Dinge am helllichten Tag in Berlin. Und in den Medien.<\/p>\n\n\n\n

F\u00e4lle wie dieser handeln bereits von Gewalt \u2013 und sie enden nicht bei den Juden. Der Hass richtet sich gegen Frauen<\/a>, Muslime, Gefl\u00fcchtete, \u00adLBTQI. Am Ende aller theoretischen Debatten stehen immer echte Menschen. Am Ende jeder Konferenz dar\u00fcber, was Antisemitismus ausmacht, steht ein potenzielles j\u00fcdisches Opfer. Angesichts einer Welle von Antisemitismus \u00fcber die Definition von Antisemitismus zu streiten ist, wie eine 10 Meter hohe Welle heranrollen zu sehen und dar\u00fcber zu streiten, was einen Tsunami ausmacht.<\/p>\n\n\n\n

Felix Klein versteht, wie absurd es ist, zu sagen: Es sind nur die Rechten. Die Rechten sind Deutsche, so wie die Nazis Deutsche waren. Klein versteht, dass die Deutschen nicht aufgeh\u00f6rt haben, Juden zu ermorden, weil sie irgendeine Art von Erleuchtung hatten. Sondern schlicht, weil sie den Krieg verloren haben. Um den Antisemitismus zu bek\u00e4mpfen, bevor er die Gesellschaft frisst, in der er und wir leben, muss Deutschland seinen moralischen Kompass korrigieren.<\/p>\n\n\n\n

Immerhin: Mehr und mehr Deutsche fahren nach Israel, sie wollen ein anderes Narrativ h\u00f6ren. Mehr und mehr Deutsche verstehen, dass Antisemitismus Schockwellen ausl\u00f6st, die die gesamte Gesellschaft betreffen. In einem normalen Universum w\u00fcrde Klein bef\u00f6rdert werden f\u00fcr seine Leistung. In einer verdrehten Gesellschaft fordern Menschen seine Entlassung. Um es mit Mbembe zu sagen: Das ist Nano-Nonsens.<\/p>\n\n\n\n

\u00dcbersetzung: Ariane Lemme<\/a><\/em><\/p>\n","post_title":"Felix Klein hat verstanden","post_excerpt":"","post_status":"publish","comment_status":"closed","ping_status":"closed","post_password":"","post_name":"felix-klein-hat-verstanden","to_ping":"","pinged":"","post_modified":"2025-02-02 08:39:39","post_modified_gmt":"2025-02-02 08:39:39","post_content_filtered":"","post_parent":0,"guid":"https:\/\/dctransparency.com\/?p=3786","menu_order":0,"post_type":"post","post_mime_type":"","comment_count":"0","filter":"raw"}],"next":false,"prev":true,"total_page":47},"paged":1,"column_class":"jeg_col_2o3","class":"epic_block_3"};

\n

Welterbe von allen<\/h3>\n\n\n\n

Wie bedeutungsschwer ist dieser Akt eines \"starken Mannes\", der innenpolitisch deutlich schw\u00e4chelt? Die Proteste vor allem aus der orthodoxen Welt, aber auch aus Europa und den USA sind eher traurig als w\u00fctend. Der Papst dr\u00fcckte seinen \"Schmerz\" aus. Auch der Jubel in der islamischen Welt fiel zun\u00e4chst weniger \u00fcbersch\u00e4umend als erwartet aus.<\/p>\n\n\n\n

Ist es der Alleingang eines Autokraten in Bedr\u00e4ngnis oder ist \"der Jubel \u00fcber die Eroberung der Hagia Sophia der Versuch einer zutiefst erniedrigten, vom Gef\u00fchl der Wertlosigkeit dominierten und in ihrer eigenen Selbstberechtigung beraubten Gesellschaft, eine Bedeutung, eine St\u00e4rke, ein Selbstwertgef\u00fchl zu finden\"? So recht pauschalierend der in Deutschland lebende pal\u00e4stinensische Intellektuelle und Psychiater Ahmad Mansour.<\/p>\n\n\n\n

Die beiden Gro\u00dfreiche, das byzantinische und das osmanische, sind l\u00e4ngst versunken.<\/p><\/blockquote>\n\n\n\n

Das eigentliche Schl\u00fcsselwort im Zusammenhang mit der Hagia Sofia ist \"Welterbe\". Das Erbe von allen. Einmal im kulturellen Sinn der Unesco, aber in Wahrheit weiter gefasst. Das einzigartige Bauwerk geh\u00f6rt in Wirklichkeit der ganzen Welt, nicht der einen oder anderen Religion. Die beiden Gro\u00dfreiche, f\u00fcr die die Hagia Sofia der zentrale spirituelle Bau war, das byzantinische und das osmanische, sind l\u00e4ngst versunken. Seither hat sie eine neue, \u00fcbernationale Dimension erhalten. Was Erdo\u011fan da jetzt mit der Hagia Sofia macht, ist eine Verengung und Verarmung eines gemeinsamen Welterbes.<\/p>\n\n\n\n

\"\"\/
Betende Muslime vor der Hagia Sophia.<\/figcaption><\/figure>\n\n\n\n

Davon abgesehen aber war und ist sie ein architektonisches Meisterwerk und geh\u00f6rt zu den bedeutendsten Bauten der Welt. Wer heute den Zentralraum unter der Kuppel betritt, kann sich nur schwer dem zugleich majest\u00e4tischen wie schwebenden Gesamteindruck entziehen. Die Hagia Sophia blieb fast 1000 Jahre die gr\u00f6\u00dfte Kirche der Christenheit. Technisch war die Kuppel (mit mehreren Halbkuppeln) eine \u00fcberaus riskante Innovation: Die 55 Meter hohe und 32 Meter im Durchmesser breite Kuppel ruht auf nur vier Tragpunkten, was den schwebenden, schwerelosen Eindruck erzeugt. Die Konstruktion folgt einem mathematischen Prinzip, das erst k\u00fcrzlich entschl\u00fcsselt wurde.<\/p>\n\n\n\n

\"Salomo, ich habe dich \u00fcbertroffen!\"<\/p><\/blockquote>\n\n\n\n

Als Kaiser Justinian die Hagia Sophia nach nur f\u00fcnf Jahren Bauzeit (532\u2013537) betrat, soll er in Anspielung auf den Tempel in Jerusalem ausgerufen haben: \"Salomo, ich habe dich \u00fcbertroffen!\" Die Innenausstattung war mit ihren S\u00e4ulen aus Porphyr und gr\u00fcnem Marmor, mit Mosaiken aus Gold und Halbedelsteinen derart prunkvoll, der Gesamteindruck derart \u00fcberirdisch, dass eine Delegation des Gro\u00dff\u00fcrsten von Kiew nicht mehr wusste, \"ob wir im Himmel oder auf der Erde\" waren \u2013 was die Christianisierung Russlands bef\u00f6rderte.<\/p>\n\n\n\n

Der deutsche Architekturlehrer Holger Kleine nennt die Hagia Sophia \"absolute Architektur\", weil sie \"extreme Ausdrucksformen nahezu aller dramaturgischen Mittel, die der Architektur zur Verf\u00fcgung stehen, vereinigt: wuchtigste K\u00f6rper und luftigste R\u00e4ume, engste Enge und gr\u00f6\u00dfte Weite, w\u00e4rmende Helligkeit und mystisches Dunkel\". Und die Kuppelbauten aus der sp\u00e4teren Hochbl\u00fcte der Moscheenarchitektur im 16. und 17. Jahrhundert gehen eindeutig auf die Hagia Sophia zur\u00fcck.<\/p>\n\n\n\n

Die Hagia Sophia war Staatskirche des byzantinischen Reichs. F\u00fcr die Eroberer der letzte Schlussstein in der Kuppel osmanisch-muslimischen Herrschaftsanspruchs. Konstantinopel war ja 1453 nur noch eine isolierte, heruntergekommene Enklave in einem osmanischen Umfeld, kein christliches Heer kam zu Hilfe. Doch vorher war es zugleich Sperrriegel nach Osten und Geistesarchiv der antiken Kultur gewesen. \"Ohne Byzanz h\u00e4tte es kein Europa gegeben\", sagt die britische Altertumsforscherin Judith Herrin.<\/p>\n\n\n\n

\"\"\/
Freigelegtes Mosaik von \"Christos Pantokrator\".<\/figcaption><\/figure>\n\n\n\n

Neue Fragen<\/h3>\n\n\n\n

Die Kirche wurde von Mehmed II. und Nachfolgern nicht in der Substanz zerst\u00f6rt, sondern \"entchristlicht\". Die urspr\u00fcnglich \u00fcbert\u00fcnchten oder auch abgeschlagenen Mosaiken mit den Darstellungen von Christus, der Muttergottes, diversen Kaisern kamen zum Teil schon unter einem Sultan des 19. Jahrhunderts, dann gro\u00dfteils nach der Museumswidmung wieder zum Vorschein.<\/p>\n\n\n\n

Jetzt stellen sich neue symbolisch-praktische Fragen. Erdo\u011fan hat die Hagia Sophia der konservativen staatlichen Religionsbeh\u00f6rde Diyanet unterstellt. Die byzantinischen Mosaike, wie der gro\u00dfartige \"Christos Pantokrator\" (\"Weltenherrscher\") oder die Jungfrau Maria in der Apsis, m\u00fcssen wohl w\u00e4hrend des islamischen Gottesdiensts verh\u00e4ngt werden. Muss der Boden mit seinen Marmorplatten und Mosaiken mit einem Teppich bedeckt werden? Erdo\u011fan sagt, Touristen seien nach wie vor zugelassen. Aber sie werden wohl hinter Absperrungen bleiben m\u00fcssen. Frauen werden \u2013 wie in der benachbarten \"Blauen Moschee\" (\"Sultanahmed\") Kopftuch tragen m\u00fcssen.<\/p>\n\n\n\n

\"\"\/
Erdo\u011fan mit Gattin in der Hagia Sophia.<\/figcaption><\/figure>\n\n\n\n

Erdo\u011fans neue Abenteuer<\/strong><\/h3>\n\n\n\n

Aber wird da nicht doch zu viel in einen Formalakt rund um ein uraltes Bauwerk hineininterpretiert? Im geschichtlichen Kontext relativiert sich manches: Konstantinopel wurde schon von Christen erobert und ausgepl\u00fcndert \u2013 1204 im Vierten Kreuzzug. In der Moschee von Cordoba (\"Mezquita\") bauten die Katholiken eine ganze Kirche in den ber\u00fchmten S\u00e4ulenwald hinein. Die Mezquita ist heute noch Kirche, kein Museum.<\/p>\n\n\n\n

\"Das ist der Beweis, dass wir kein s\u00e4kularer Staat mehr sein wollen\", sagt Nobelpreistr\u00e4ger Orhan Pamuk. Erdo\u011fan betrachtet sich offenbar als auch neoosmanischer \"Fatih\" im Mittelmeerraum mit immer neuen Abenteuern: Eingreifen in Syrien, Stellvertreterkrieg in Libyen, Anspr\u00fcche auf Erdgasvorkommen weit vor der t\u00fcrkischen K\u00fcste bei Zypern, Reden, wonach manche \u00c4g\u00e4is-Inseln eigentlich zur T\u00fcrkei geh\u00f6ren, \"denn dort stehen unsere Moscheen\". Manches davon ist nur Rhetorik, aber genug anderes ist riskante Realit\u00e4t. (Hans Rauscher, 14.7.2020)<\/p>\n\n\n\n

Quelle<\/a><\/strong><\/p>\n","post_title":"Hagia Sophia: Verengung und Verarmung eines Welterbes","post_excerpt":"","post_status":"publish","comment_status":"closed","ping_status":"closed","post_password":"","post_name":"hagia-sophia-verengung-und-verarmung-eines-welterbes","to_ping":"","pinged":"","post_modified":"2025-02-02 08:39:39","post_modified_gmt":"2025-02-02 08:39:39","post_content_filtered":"","post_parent":0,"guid":"https:\/\/dctransparency.com\/?p=3792","menu_order":0,"post_type":"post","post_mime_type":"","comment_count":"0","filter":"raw"},{"ID":3789,"post_author":"7","post_date":"2020-08-14 13:56:07","post_date_gmt":"2020-08-14 13:56:07","post_content":"\n

Im Gastkommentar pocht Mark Leonard, Direktor des Europ\u00e4ischen Rats f\u00fcr Ausw\u00e4rtige Beziehungen, auf \"neue, einvernehmlich vereinbarte Prinzipien sowie klare Grenzen\", nur so k\u00f6nne eine weitere Destabilisierung in der Region verhindert werden.<\/em><\/strong><\/p>\n\n\n\n

Ist die T\u00fcrkei das neue Russland? Diese Frage wird in den europ\u00e4ischen Hauptst\u00e4dten zunehmend gestellt, da die Au\u00dfenpolitik des t\u00fcrkischen Pr\u00e4sidenten Recep Tayyip Erdo\u011fan zunehmend aggressiver wird. Erdo\u011fan nutzt nicht nur die Migration, um die EU zu bedrohen und zu betr\u00fcgen, sondern setzt auch milit\u00e4rische Macht ein, um den Einflussbereich der T\u00fcrkei auf die gesamte Region auszudehnen.<\/p>\n\n\n\n

Seit dem Ende des Kalten Krieges haben die Europ\u00e4er die regionale Sicherheit durch eine unipolare westliche Linse betrachtet. W\u00e4hrend die Nato die milit\u00e4rische Sicherheit garantierte, sorgte die EU mit ihrem 80.000 Seiten starken Regelwerk f\u00fcr alles von LGBTQ-Rechten bis hin zu Rasenm\u00e4her-Sound-Verordnungen f\u00fcr Rechtsordnung. In den 90er-Jahren ging man allgemein davon aus, dass die beiden gro\u00dfen nichtwestlichen regionalen Akteure, Russland und die T\u00fcrkei, nach und nach an diese Regelungen herangef\u00fchrt werden w\u00fcrden.<\/p>\n\n\n\n

Qu\u00e4lende Hassliebe<\/h3>\n\n\n\n

Doch in den letzten 15 Jahren ist der Traum von der europ\u00e4ischen Unipolarit\u00e4t einer multipolaren Realit\u00e4t gewichen. Sowohl Russland als auch die T\u00fcrkei haben eine lange, qu\u00e4lende Hassliebe zu Europa, und beide sind unter nationalen Machthabern, denen die Verachtung der Normen und Werte der EU gemeinsam ist, durchsetzungsf\u00e4higer geworden.<\/p>\n\n\n\n

Die zunehmende Verschlechterung der Beziehungen zwischen der EU und Russland ist gut dokumentiert, der Fall der T\u00fcrkei weniger. Der Irakkrieg im Jahr 2003 komplizierte das Verh\u00e4ltnis der T\u00fcrkei zur Nato, und ihr Verh\u00e4ltnis zur EU verschlechterte sich 2007, als Frankreich einen wichtigen Teil ihrer EU-Beitrittsverhandlungen blockierte. Seitdem hat die T\u00fcrkei ihren eigenen Weg in Syrien, auf dem Balkan und in Libyen eingeschlagen und neue Beziehungen zu Russland und China aufgebaut.<\/p>\n\n\n\n

Wichtiger Akteur<\/strong><\/h3>\n\n\n\n

Nat\u00fcrlich sind die Beziehungen zwischen der T\u00fcrkei und Russland nicht weniger kompliziert, nicht zuletzt weil Erdo\u011fan und der russische Pr\u00e4sident Wladimir Putin im syrischen B\u00fcrgerkrieg verschiedene Seiten unterst\u00fctzten.Und w\u00e4hrend die Spannungen wegen des Syrien-Konflikts weiterhin bestehen, bewundert Erdo\u011fan deutlich, wie Russland sich \u2013 bei relativ geringen Kosten \u2013 wieder als wichtiger Akteur im Nahen Osten und in Nordafrika etabliert hat.<\/p>\n\n\n\n

Nachdem er in einen nicht zu gewinnenden Krieg im Osten der Ukraine verwickelt war, schien Putins weitgehend erfolgreicher Feldzug in Syrien einen Teil seiner innenpolitischen Autorit\u00e4t wiederherzustellen. Der Westen hatte f\u00fcnf Jahre lang darauf bestanden, dass es keine milit\u00e4rische L\u00f6sung des Konflikts gebe und dass der syrische Pr\u00e4sident Baschar al-Assad gehen m\u00fcsse. Doch w\u00e4hrend die von den Vereinten Nationen unterst\u00fctzten Gespr\u00e4che in Genf zu keinem Ergebnis f\u00fchrten, schienen die von Russland geleiteten Gespr\u00e4che in Astana voranzukommen. Indem der Kreml die T\u00fcrkei und den Iran einbezog, w\u00e4hrend er die westlichen M\u00e4chte ausschloss, erweckte er den Eindruck, dass Russland als wiedergeborene Supermacht aus der Asche auferstanden sei.<\/p>\n\n\n\n

Unter Druck<\/h3>\n\n\n\n

Angesichts des wachsenden Widerstands im eigenen Land macht es Erdo\u011fan Putin gleich. Da der Westen nicht bereit war, (erneut) milit\u00e4risch in Libyen zu intervenieren, sah Erdo\u011fan eine Gelegenheit, die T\u00fcrkei zu positionieren. Nach dem Vorgehen Russlands in Syrien sicherte er sich eine formelle Einladung der libyschen Regierung zur Intervention. Mit einem Schlag Ende letzten Jahres hat er nicht nur das Image der T\u00fcrkei als Regionalmacht gest\u00e4rkt, sondern auch ein Abkommen mit Libyen \u00fcber die Seegrenze abgeschlossen und damit einen Plan Griechenlands, Zyperns, \u00c4gyptens und Israels zur Erschlie\u00dfung von Unterwasser\u00f6l- und -gasfeldern in der N\u00e4he zunichtegemacht.<\/p>\n\n\n\n

Erdo\u011fan scheint auch von der Spalt-und-Eroberungs-Strategie des Kreml in Europa inspiriert worden zu sein, der zufolge oft diejenigen EU-Mitgliedsstaaten unter Druck gesetzt werden, die am meisten von russischen Kohlenwasserstoffen oder M\u00e4rkten abh\u00e4ngig sind. So wie Putin lange Zeit die Energieversorgung instrumentalisiert hat, hat Erdo\u011fan versucht, den Strom von Migranten und Fl\u00fcchtlingen, die vor Konflikten im Nahen Osten fliehen, zu instrumentalisieren. Als die EU eine neue Marinemission ank\u00fcndigte, um den Waffenstrom nach Libyen zu blockieren, malte die T\u00fcrkei f\u00fcr Malta das Schreckgespenst der angeblichen Bedrohung durch Migranten an die Wand. Malta reagierte prompt und signalisierte, dass es gegen die Finanzierung der Mission ein Veto einlegen werde.<\/p>\n\n\n\n

Verlorener Sohn<\/strong><\/h3>\n\n\n\n

Jahrelang redeten sich die Europ\u00e4er ein, dass Russland eine Art verlorener Sohn sei und dass die europ\u00e4ische unipolare Ordnung gesund bleibe. Doch das machte Europa zu einem leichten Ziel f\u00fcr die Trennungs-und-Eroberungs-Strategie des Kreml. Erst vor relativ kurzer Zeit entwarf die Union eine neue Politik und ein robustes Sanktionsregime, um die russische Aggression abzuschrecken. Und selbst jetzt \u2013 trotz der besten Bem\u00fchungen der deutschen Bundeskanzlerin Angela Merkel und des franz\u00f6sischen Pr\u00e4sidenten Emmanuel Macron \u2013 hat die EU noch immer keine wirksamen Kommunikationskan\u00e4le mit Russland geschaffen, um gemeinsame Probleme anzugehen.<\/p>\n\n\n\n

Die T\u00fcrkei ist noch kein neues Russland, aber sie k\u00f6nnte dazu werden, wenn die Situation falsch gehandhabt wird. Vorerst betrachten die meisten Europ\u00e4er die T\u00fcrkei noch immer als einen komplizierten Partner und nicht als \"Systemrivalen\". Aber die Europ\u00e4er sollten die hart erk\u00e4mpften Lehren aus dem Umgang mit Russland in den letzten 15 Jahren beherzigen. Die Beziehungen zwischen der EU und der T\u00fcrkei brauchen neue, einvernehmlich vereinbarte Prinzipien sowie klare Grenzen, um eine weitere Destabilisierung in der Region zu verhindern.<\/p>\n\n\n\n

Zu diesem Zweck sollten die Europ\u00e4er klarstellen, dass der EU-Beitrittsprozess entweder zur\u00fcckgedreht oder vorangetrieben werden kann und dass eine eher transaktionale Beziehung sowohl Zuckerbrot als auch Peitsche beinhaltet. Die Herausforderung wird darin bestehen, daf\u00fcr zu sorgen, dass es in einer Region, die nicht nur von Europa und der T\u00fcrkei, sondern auch von Russland, den USA und einem aufstrebenden China beeinflusst wird, noch Raum f\u00fcr politisches Engagement in Fragen der gemeinsamen Sicherheit gibt. (Mark Leonard, \u00dcbersetzung: Eva G\u00f6llner, Copyright: Project Syndicate, 10.8.2020)<\/p>\n\n\n\n

Mark Leonard <\/strong>ist Direktor des Europ\u00e4ischen Rats f\u00fcr Ausw\u00e4rtige Beziehungen.<\/a><\/p>\n","post_title":"Erdo\u011fan \u2013 der andere Putin vor der Haust\u00fcr Europas","post_excerpt":"","post_status":"publish","comment_status":"closed","ping_status":"closed","post_password":"","post_name":"erdogan-der-andere-putin-vor-der-haustur-europas","to_ping":"","pinged":"","post_modified":"2025-02-02 08:39:39","post_modified_gmt":"2025-02-02 08:39:39","post_content_filtered":"","post_parent":0,"guid":"https:\/\/dctransparency.com\/?p=3789","menu_order":0,"post_type":"post","post_mime_type":"","comment_count":"0","filter":"raw"},{"ID":3786,"post_author":"7","post_date":"2020-08-14 13:51:23","post_date_gmt":"2020-08-14 13:51:23","post_content":"\n

Einen Monat nachdem ich zur israelischen Armee eingezogen worden war, brach die erste Intifada aus. Statt Soldat zu sein, machte ich Polizeiarbeit, sagte den Menschen, wann sie zur Arbeit gehen konnten und wann sie ihre L\u00e4den schlie\u00dfen mussten, wann sie die Grenze passieren und wann sie schlafen konnten. Einen Monat nachdem ich aus der Armee entlassen worden war, ging ich auf Reisen. (In Israel sagen wir: Wir dienen drei Jahre und versuchen den Rest unseres Lebens, diese drei Jahre zu vergessen.) Auf meiner Reise begann ich Briefe an meine Freundin zu schreiben, die ich in Israel zur\u00fcckgelassen hatte.<\/p>\n\n\n\n

Ich schrieb ihr, wie schrecklich depressiv ich war und dass diese drei Jahre des Anweisungenbellens und Anderen-Menschen-Sagens, was sie zu tun haben, mich f\u00fcr immer verfolgen w\u00fcrden. Dass sie ein Teil dessen geworden waren, was ich bin. Ich erinnere mich, dass ich ihr schrieb, dass wir da rausm\u00fcssen \u2013 nicht nur f\u00fcr die Pal\u00e4stinenser, sondern wegen der furchtbaren und brutalen Auswirkungen, die all das auf uns, auf die israelische Gesellschaft haben w\u00fcrde. Sie schrieb zur\u00fcck: \u201eDu hast recht. Ich habe einen neuen Freund.\u201c<\/p>\n\n\n\n

Felix Klein wurde als Beauftragter der Bundesregierung berufen<\/a>, um die Auswirkungen des zunehmenden Antisemitismus in unserer Gesellschaft, in Deutschland, zu bek\u00e4mpfen. Was nicht in seiner Jobbeschreibung steht, ist, dass er dabei unsere Gesellschaft heilen muss, jene Gesellschaft, die diese Form des Hasses reproduziert und sch\u00fctzt. Klein hat das begriffen.<\/p>\n\n\n\n

Er versteht, dass man Krebs nicht mit einem Pflaster verarztet, er wei\u00df, dass er das Bewusstsein der Deutschen sch\u00e4rfen und Diskussionen ansto\u00dfen muss. Er hat begriffen, dass das Problem nicht nur an den R\u00e4ndern der Gesellschaft (bei den Rechten) liegt, sondern auch in ihrer Mitte. Dort, wo gebildete Menschen nicht einmal bemerken, dass das, was sie sagen und tun, antisemitisch ist. So wie sie es auch nicht merken, wenn sie rassistisch handeln. Er hat all das verstanden, und genau deshalb wollen einige, dass er seinen Posten r\u00e4umt.<\/p>\n\n\n\n

Mehr als 60 deutsche und israelische Intellektuelle haben letzte Woche in einem Brief an Kanzlerin Merkel<\/a> dar\u00fcber geklagt, dass der aktuelle \u201eGebrauch des Antisemitismusbegriffs\u201c darauf abziele, \u201elegitime Kritik an der israelischen Regierungspolitik zu unterdr\u00fccken\u201c, und Klein vorgeworfen, rechtspopulistische israelische Stimmen zu f\u00f6rdern.<\/p>\n\n\n\n

Faszinierend an diesem offenen Brief ist, dass viele der Unterzeichneten keine Deutschen sind und auch nicht in Deutschland leben. Ich wei\u00df nicht, woher sie \u2013 die meisten von ihnen sind Israelis \u2013 die Chuzpe haben, sich in eine innerdeutsche Angelegenheit einzumischen und zu fordern, eine Person zu entlassen, die von der Bundesregierung eingesetzt wurde. Die H\u00e4lfte der Unterzeichneten lebt nicht hier, von der anderen H\u00e4lfte sind viele keine Juden \u2013 somit sind die allermeisten von ihnen nicht direkt vom Antisemitismus in Deutschland betroffen. Wie also k\u00f6nnen sie diesen Brief unterschreiben? Und warum eigentlich haben so wenige Deutsche unterschrieben? Dazu komme ich gleich.<\/p>\n\n\n\n

Debatte um Achille Mbembe<\/h6>\n\n\n\n

Hintergrund des Briefs war, dass Felix Klein gefordert hatte, den Philosophen Achille Mbembe<\/a> nicht die Er\u00f6ffnungsrede der Ruhrtriennale halten zu lassen. Als mit \u00f6ffentlichen Mitteln gef\u00f6rdertes Event solle die Ruhrtriennale Mbembe wegen seiner Haltung zu Israels Existenzrecht, seiner Haltung zu BDS und der Art, wie er in einem seiner Werke den Holocaust relativiert, nicht einladen.<\/p>\n\n\n\n

Mbembes Unterst\u00fctzer sagen, keine dieser Anschuldigungen sei wahr. F\u00fcrs Protokoll: In meinen Augen unterst\u00fctzt Mbembe sehr wohl BDS<\/a>, er schrieb unter anderem das Vorwort zu \u201eApartheid Israel\u201c und fordert die komplette Isolation Israels. Ich glaube auch, wenn Mbembe schreibt, die israelische Besetzung sei der \u201egr\u00f6\u00dfte moralische Skandal unserer Zeit\u201c, zeigt das, dass sein moralischer und geografischer Kompass etwas schief ist.<\/p>\n\n\n\n

Doch warum treibt die Debatte so viele Menschen um? Nun, zun\u00e4chst gibt niemand gern auf, was ihm oder ihr selbstverst\u00e4ndlich scheint. \u00dcber den gesamten politischen, sozialen, kulturellen, medialen und akademischen Sektor hinweg sind Menschen daran gew\u00f6hnt, so schlecht \u00fcber Israel sprechen zu k\u00f6nnen, wie auch immer sie wollen.<\/p>\n\n\n\n

Der Spiegel<\/em> hat \u2013 vielleicht in Anlehnung an seine Relotius-Standards, Israel erst k\u00fcrzlich eine Corona-Diktatur genannt. Fakten und Belege f\u00fcr diese Behauptung gab es nicht. Doch Millionen Deutsche haben es gelesen, und es wird nat\u00fcrlich haften bleiben. Faktenlage hin oder her. Der Spiegel<\/em> und andere Medien haben dieses Spiel perfektioniert: Titel so zu drehen, dass sie Israel indirekt anklagen, die Idee zu streuen, der Mossad kon\u00adtrol\u00adliere die deutsche Au\u00dfenpolitik im Nahen Osten, und so fort. Doch sie stehen allesamt sofort auf den Hinterbeinen, wenn jemand es wagt, das Spiel beim Namen zu nennen: moderner Antisemitismus.<\/p>\n\n\n\n

Klein will dem entgegenwirken. Er versteht, dass antisemitische Attacken in Deutschland die Fr\u00fcchte solch falsch gezeichneter Bilder und eindimensionaler Narrative \u00fcber Israel sind. Wenn er und andere versuchen, ein anderes Narrativ aufzuzeigen, wirft man ihnen Zensur vor: Wie k\u00f6nnen sie es wagen, das Gesch\u00e4ft der Anti-Israel-Propaganda zu st\u00f6ren?<\/p>\n\n\n\n

Liebe Deutsche, wenn ihr reden wollt, lasst uns gern reden: \u00fcber die Besetzung, \u00fcber Bibi und alles, was schiefl\u00e4uft. Aber dann lasst uns bitte auch dar\u00fcber reden, wie deutsche Steuergelder Terrortunnel finanzieren. Erst vergangene Woche r\u00e4umte die niederl\u00e4ndische Regierung ein, dass Gelder an eine Landwirtschaftsorganisation in Ramallah geflossen seien, die damit teilweise die Geh\u00e4lter zweier des Mordes an der 17-j\u00e4hrigen Israelin Rina Shnerb Verd\u00e4chtiger gezahlt haben. Auch die Bundesregierung unterst\u00fctzt diese Organisation, obwohl Kritiker schon lange vor Verbindungen zu Terroristen warnen.<\/p>\n\n\n\n

Wir k\u00f6nnen uns also gerne unterhalten \u2013 aber im Dialog, nicht in Monologen. Denn Reden unter Menschen, die sich einig sind, ist nichts anderes als Impotenz.<\/p>\n\n\n\n

Israelkritik als Eintrittskarte<\/h6>\n\n\n\n

Die Israelis, die die Petition unterzeichnet haben, haben \u00fcbrigens ebenfalls etwas verstanden. Seit Jahren wissen sie: Es ist ihre Eintrittskarte in die Mitte der deutschen (und europ\u00e4ischen) Gesellschaft. Man h\u00f6rt nicht oft von Akademikern mit proisraelischen Ansichten. Weder in den Philharmonie-Orchestern noch in der Kunstszene. Die Eintrittskarte daf\u00fcr ist ein antiisraelischer Standpunkt.<\/p>\n\n\n\n

Der mutma\u00dfliche Grund, warum kaum Deutsche die Petition unterzeichnet haben: Sie mussten es nicht. Ihre Lieblingsjuden haben es f\u00fcr sie getan. Jetzt k\u00f6nnen sie sagen: \u201eSchau, ich bin das ja nicht, meine j\u00fcdischen Freunde sagen es.\u201c Ich selbst war einige Jahre lang mit einem Paar hier in Berlin befreundet, bis ich herausfand, dass ich ihr Lieblingsjude war. Ja, selbst das j\u00fcdische Museum wurde so genutzt.<\/p>\n\n\n\n

Weil Attacken gegen Juden ein absolutes Tabu sind, wurden Umwege gefunden, um den Antisemitismus auf kleiner Flamme k\u00f6cheln zu lassen: die unfundierte, unbegr\u00fcndete Kritik an Israel.<\/p>\n\n\n\n

Diese Art der Kritik ist gef\u00e4hrlich. Sie schw\u00e4cht jede begr\u00fcndete und notwendige Kritik am Verhalten Israels. Und das Interessante ist: Trotz all der heftigen, pauschalisierenden Anklagen, all der offenen Briefe driftet Israel politisch immer weiter nach rechts. Doch statt mal einen anderen Ansatz zu versuchen, werden die antiisraelischen Stimmen nur lauter. Dasselbe versuchen und andere Ergebnisse davon erwarten \u2013 das ist die Definition von Wahnsinn.<\/p>\n\n\n\n

Kurz bevor der Prozess gegen den wegen des Attentats von Halle<\/a> Angeklagten begann \u2013 des seit Kriegsende schlimmsten Akts von Antisemitismus in Deutschland \u2013, lud eine Lokalzeitung den fr\u00fcheren Botschafter Shimon Stein und den Historiker Moshe Zimmermann ein, dar\u00fcber zu schreiben, was Antisemitismus ist. Nat\u00fcrlich wendeten auch sie sich gegen Felix Kleins Ansatz. Sie zitieren die Kontroverse um die Umbenennung der U-Bahn-Station Mohrenstra\u00dfe in Glinkastra\u00dfe, die sich darum drehte, dass der russische Komponist Michael Glinka Antisemit gewesen sein soll. Stein und Zimmermann halten die Debatte f\u00fcr \u00fcberzogen, Glinka sei nur ein Kind seiner Zeit gewesen. Folgt man ihrer Logik, k\u00f6nnen wir dann also in 20 oder 30 Jahren U-Bahn-Stationen nach den Kindern der 1930er Jahre benennen?<\/p>\n\n\n\n

Der Antisemit als Tierfreund<\/h6>\n\n\n\n

Ich w\u00fcnschte, die Sache h\u00e4tte mit dem Artikel, mit der Petition geendet. Doch dann erschien ein Artikel, der den Leser auf einen Waldspaziergang mit einem veganen Koch und Antisemiten mitnahm. Darin setzt der Tierfreund erst behutsam einen K\u00e4fer wieder auf seine Beinchen und erkl\u00e4rt dann, dass die Todesstrafe in Deutschland wieder eingef\u00fchrt werden solle, um einen gewissen Politiker (der zuf\u00e4llig pro Israel ist) an seinen Hoden aufh\u00e4ngen zu k\u00f6nnen. Dieser Koch hat Hunderttausende Follower, er sagt all solche Dinge am helllichten Tag in Berlin. Und in den Medien.<\/p>\n\n\n\n

F\u00e4lle wie dieser handeln bereits von Gewalt \u2013 und sie enden nicht bei den Juden. Der Hass richtet sich gegen Frauen<\/a>, Muslime, Gefl\u00fcchtete, \u00adLBTQI. Am Ende aller theoretischen Debatten stehen immer echte Menschen. Am Ende jeder Konferenz dar\u00fcber, was Antisemitismus ausmacht, steht ein potenzielles j\u00fcdisches Opfer. Angesichts einer Welle von Antisemitismus \u00fcber die Definition von Antisemitismus zu streiten ist, wie eine 10 Meter hohe Welle heranrollen zu sehen und dar\u00fcber zu streiten, was einen Tsunami ausmacht.<\/p>\n\n\n\n

Felix Klein versteht, wie absurd es ist, zu sagen: Es sind nur die Rechten. Die Rechten sind Deutsche, so wie die Nazis Deutsche waren. Klein versteht, dass die Deutschen nicht aufgeh\u00f6rt haben, Juden zu ermorden, weil sie irgendeine Art von Erleuchtung hatten. Sondern schlicht, weil sie den Krieg verloren haben. Um den Antisemitismus zu bek\u00e4mpfen, bevor er die Gesellschaft frisst, in der er und wir leben, muss Deutschland seinen moralischen Kompass korrigieren.<\/p>\n\n\n\n

Immerhin: Mehr und mehr Deutsche fahren nach Israel, sie wollen ein anderes Narrativ h\u00f6ren. Mehr und mehr Deutsche verstehen, dass Antisemitismus Schockwellen ausl\u00f6st, die die gesamte Gesellschaft betreffen. In einem normalen Universum w\u00fcrde Klein bef\u00f6rdert werden f\u00fcr seine Leistung. In einer verdrehten Gesellschaft fordern Menschen seine Entlassung. Um es mit Mbembe zu sagen: Das ist Nano-Nonsens.<\/p>\n\n\n\n

\u00dcbersetzung: Ariane Lemme<\/a><\/em><\/p>\n","post_title":"Felix Klein hat verstanden","post_excerpt":"","post_status":"publish","comment_status":"closed","ping_status":"closed","post_password":"","post_name":"felix-klein-hat-verstanden","to_ping":"","pinged":"","post_modified":"2025-02-02 08:39:39","post_modified_gmt":"2025-02-02 08:39:39","post_content_filtered":"","post_parent":0,"guid":"https:\/\/dctransparency.com\/?p=3786","menu_order":0,"post_type":"post","post_mime_type":"","comment_count":"0","filter":"raw"}],"next":false,"prev":true,"total_page":47},"paged":1,"column_class":"jeg_col_2o3","class":"epic_block_3"};

\n

Nun wird Pr\u00e4sident Recep Tayyip Erdo\u011fan, der \"Vater\" der re-islamisierten T\u00fcrkei, am 24. Juli dieses Jahres die Ayasofya durch das Freitagsgebet wieder in den Islam eingliedern. Oder eher in seinen pers\u00f6nlichen religi\u00f6sen Nationalismus.<\/p>\n\n\n\n

Welterbe von allen<\/h3>\n\n\n\n

Wie bedeutungsschwer ist dieser Akt eines \"starken Mannes\", der innenpolitisch deutlich schw\u00e4chelt? Die Proteste vor allem aus der orthodoxen Welt, aber auch aus Europa und den USA sind eher traurig als w\u00fctend. Der Papst dr\u00fcckte seinen \"Schmerz\" aus. Auch der Jubel in der islamischen Welt fiel zun\u00e4chst weniger \u00fcbersch\u00e4umend als erwartet aus.<\/p>\n\n\n\n

Ist es der Alleingang eines Autokraten in Bedr\u00e4ngnis oder ist \"der Jubel \u00fcber die Eroberung der Hagia Sophia der Versuch einer zutiefst erniedrigten, vom Gef\u00fchl der Wertlosigkeit dominierten und in ihrer eigenen Selbstberechtigung beraubten Gesellschaft, eine Bedeutung, eine St\u00e4rke, ein Selbstwertgef\u00fchl zu finden\"? So recht pauschalierend der in Deutschland lebende pal\u00e4stinensische Intellektuelle und Psychiater Ahmad Mansour.<\/p>\n\n\n\n

Die beiden Gro\u00dfreiche, das byzantinische und das osmanische, sind l\u00e4ngst versunken.<\/p><\/blockquote>\n\n\n\n

Das eigentliche Schl\u00fcsselwort im Zusammenhang mit der Hagia Sofia ist \"Welterbe\". Das Erbe von allen. Einmal im kulturellen Sinn der Unesco, aber in Wahrheit weiter gefasst. Das einzigartige Bauwerk geh\u00f6rt in Wirklichkeit der ganzen Welt, nicht der einen oder anderen Religion. Die beiden Gro\u00dfreiche, f\u00fcr die die Hagia Sofia der zentrale spirituelle Bau war, das byzantinische und das osmanische, sind l\u00e4ngst versunken. Seither hat sie eine neue, \u00fcbernationale Dimension erhalten. Was Erdo\u011fan da jetzt mit der Hagia Sofia macht, ist eine Verengung und Verarmung eines gemeinsamen Welterbes.<\/p>\n\n\n\n

\"\"\/
Betende Muslime vor der Hagia Sophia.<\/figcaption><\/figure>\n\n\n\n

Davon abgesehen aber war und ist sie ein architektonisches Meisterwerk und geh\u00f6rt zu den bedeutendsten Bauten der Welt. Wer heute den Zentralraum unter der Kuppel betritt, kann sich nur schwer dem zugleich majest\u00e4tischen wie schwebenden Gesamteindruck entziehen. Die Hagia Sophia blieb fast 1000 Jahre die gr\u00f6\u00dfte Kirche der Christenheit. Technisch war die Kuppel (mit mehreren Halbkuppeln) eine \u00fcberaus riskante Innovation: Die 55 Meter hohe und 32 Meter im Durchmesser breite Kuppel ruht auf nur vier Tragpunkten, was den schwebenden, schwerelosen Eindruck erzeugt. Die Konstruktion folgt einem mathematischen Prinzip, das erst k\u00fcrzlich entschl\u00fcsselt wurde.<\/p>\n\n\n\n

\"Salomo, ich habe dich \u00fcbertroffen!\"<\/p><\/blockquote>\n\n\n\n

Als Kaiser Justinian die Hagia Sophia nach nur f\u00fcnf Jahren Bauzeit (532\u2013537) betrat, soll er in Anspielung auf den Tempel in Jerusalem ausgerufen haben: \"Salomo, ich habe dich \u00fcbertroffen!\" Die Innenausstattung war mit ihren S\u00e4ulen aus Porphyr und gr\u00fcnem Marmor, mit Mosaiken aus Gold und Halbedelsteinen derart prunkvoll, der Gesamteindruck derart \u00fcberirdisch, dass eine Delegation des Gro\u00dff\u00fcrsten von Kiew nicht mehr wusste, \"ob wir im Himmel oder auf der Erde\" waren \u2013 was die Christianisierung Russlands bef\u00f6rderte.<\/p>\n\n\n\n

Der deutsche Architekturlehrer Holger Kleine nennt die Hagia Sophia \"absolute Architektur\", weil sie \"extreme Ausdrucksformen nahezu aller dramaturgischen Mittel, die der Architektur zur Verf\u00fcgung stehen, vereinigt: wuchtigste K\u00f6rper und luftigste R\u00e4ume, engste Enge und gr\u00f6\u00dfte Weite, w\u00e4rmende Helligkeit und mystisches Dunkel\". Und die Kuppelbauten aus der sp\u00e4teren Hochbl\u00fcte der Moscheenarchitektur im 16. und 17. Jahrhundert gehen eindeutig auf die Hagia Sophia zur\u00fcck.<\/p>\n\n\n\n

Die Hagia Sophia war Staatskirche des byzantinischen Reichs. F\u00fcr die Eroberer der letzte Schlussstein in der Kuppel osmanisch-muslimischen Herrschaftsanspruchs. Konstantinopel war ja 1453 nur noch eine isolierte, heruntergekommene Enklave in einem osmanischen Umfeld, kein christliches Heer kam zu Hilfe. Doch vorher war es zugleich Sperrriegel nach Osten und Geistesarchiv der antiken Kultur gewesen. \"Ohne Byzanz h\u00e4tte es kein Europa gegeben\", sagt die britische Altertumsforscherin Judith Herrin.<\/p>\n\n\n\n

\"\"\/
Freigelegtes Mosaik von \"Christos Pantokrator\".<\/figcaption><\/figure>\n\n\n\n

Neue Fragen<\/h3>\n\n\n\n

Die Kirche wurde von Mehmed II. und Nachfolgern nicht in der Substanz zerst\u00f6rt, sondern \"entchristlicht\". Die urspr\u00fcnglich \u00fcbert\u00fcnchten oder auch abgeschlagenen Mosaiken mit den Darstellungen von Christus, der Muttergottes, diversen Kaisern kamen zum Teil schon unter einem Sultan des 19. Jahrhunderts, dann gro\u00dfteils nach der Museumswidmung wieder zum Vorschein.<\/p>\n\n\n\n

Jetzt stellen sich neue symbolisch-praktische Fragen. Erdo\u011fan hat die Hagia Sophia der konservativen staatlichen Religionsbeh\u00f6rde Diyanet unterstellt. Die byzantinischen Mosaike, wie der gro\u00dfartige \"Christos Pantokrator\" (\"Weltenherrscher\") oder die Jungfrau Maria in der Apsis, m\u00fcssen wohl w\u00e4hrend des islamischen Gottesdiensts verh\u00e4ngt werden. Muss der Boden mit seinen Marmorplatten und Mosaiken mit einem Teppich bedeckt werden? Erdo\u011fan sagt, Touristen seien nach wie vor zugelassen. Aber sie werden wohl hinter Absperrungen bleiben m\u00fcssen. Frauen werden \u2013 wie in der benachbarten \"Blauen Moschee\" (\"Sultanahmed\") Kopftuch tragen m\u00fcssen.<\/p>\n\n\n\n

\"\"\/
Erdo\u011fan mit Gattin in der Hagia Sophia.<\/figcaption><\/figure>\n\n\n\n

Erdo\u011fans neue Abenteuer<\/strong><\/h3>\n\n\n\n

Aber wird da nicht doch zu viel in einen Formalakt rund um ein uraltes Bauwerk hineininterpretiert? Im geschichtlichen Kontext relativiert sich manches: Konstantinopel wurde schon von Christen erobert und ausgepl\u00fcndert \u2013 1204 im Vierten Kreuzzug. In der Moschee von Cordoba (\"Mezquita\") bauten die Katholiken eine ganze Kirche in den ber\u00fchmten S\u00e4ulenwald hinein. Die Mezquita ist heute noch Kirche, kein Museum.<\/p>\n\n\n\n

\"Das ist der Beweis, dass wir kein s\u00e4kularer Staat mehr sein wollen\", sagt Nobelpreistr\u00e4ger Orhan Pamuk. Erdo\u011fan betrachtet sich offenbar als auch neoosmanischer \"Fatih\" im Mittelmeerraum mit immer neuen Abenteuern: Eingreifen in Syrien, Stellvertreterkrieg in Libyen, Anspr\u00fcche auf Erdgasvorkommen weit vor der t\u00fcrkischen K\u00fcste bei Zypern, Reden, wonach manche \u00c4g\u00e4is-Inseln eigentlich zur T\u00fcrkei geh\u00f6ren, \"denn dort stehen unsere Moscheen\". Manches davon ist nur Rhetorik, aber genug anderes ist riskante Realit\u00e4t. (Hans Rauscher, 14.7.2020)<\/p>\n\n\n\n

Quelle<\/a><\/strong><\/p>\n","post_title":"Hagia Sophia: Verengung und Verarmung eines Welterbes","post_excerpt":"","post_status":"publish","comment_status":"closed","ping_status":"closed","post_password":"","post_name":"hagia-sophia-verengung-und-verarmung-eines-welterbes","to_ping":"","pinged":"","post_modified":"2025-02-02 08:39:39","post_modified_gmt":"2025-02-02 08:39:39","post_content_filtered":"","post_parent":0,"guid":"https:\/\/dctransparency.com\/?p=3792","menu_order":0,"post_type":"post","post_mime_type":"","comment_count":"0","filter":"raw"},{"ID":3789,"post_author":"7","post_date":"2020-08-14 13:56:07","post_date_gmt":"2020-08-14 13:56:07","post_content":"\n

Im Gastkommentar pocht Mark Leonard, Direktor des Europ\u00e4ischen Rats f\u00fcr Ausw\u00e4rtige Beziehungen, auf \"neue, einvernehmlich vereinbarte Prinzipien sowie klare Grenzen\", nur so k\u00f6nne eine weitere Destabilisierung in der Region verhindert werden.<\/em><\/strong><\/p>\n\n\n\n

Ist die T\u00fcrkei das neue Russland? Diese Frage wird in den europ\u00e4ischen Hauptst\u00e4dten zunehmend gestellt, da die Au\u00dfenpolitik des t\u00fcrkischen Pr\u00e4sidenten Recep Tayyip Erdo\u011fan zunehmend aggressiver wird. Erdo\u011fan nutzt nicht nur die Migration, um die EU zu bedrohen und zu betr\u00fcgen, sondern setzt auch milit\u00e4rische Macht ein, um den Einflussbereich der T\u00fcrkei auf die gesamte Region auszudehnen.<\/p>\n\n\n\n

Seit dem Ende des Kalten Krieges haben die Europ\u00e4er die regionale Sicherheit durch eine unipolare westliche Linse betrachtet. W\u00e4hrend die Nato die milit\u00e4rische Sicherheit garantierte, sorgte die EU mit ihrem 80.000 Seiten starken Regelwerk f\u00fcr alles von LGBTQ-Rechten bis hin zu Rasenm\u00e4her-Sound-Verordnungen f\u00fcr Rechtsordnung. In den 90er-Jahren ging man allgemein davon aus, dass die beiden gro\u00dfen nichtwestlichen regionalen Akteure, Russland und die T\u00fcrkei, nach und nach an diese Regelungen herangef\u00fchrt werden w\u00fcrden.<\/p>\n\n\n\n

Qu\u00e4lende Hassliebe<\/h3>\n\n\n\n

Doch in den letzten 15 Jahren ist der Traum von der europ\u00e4ischen Unipolarit\u00e4t einer multipolaren Realit\u00e4t gewichen. Sowohl Russland als auch die T\u00fcrkei haben eine lange, qu\u00e4lende Hassliebe zu Europa, und beide sind unter nationalen Machthabern, denen die Verachtung der Normen und Werte der EU gemeinsam ist, durchsetzungsf\u00e4higer geworden.<\/p>\n\n\n\n

Die zunehmende Verschlechterung der Beziehungen zwischen der EU und Russland ist gut dokumentiert, der Fall der T\u00fcrkei weniger. Der Irakkrieg im Jahr 2003 komplizierte das Verh\u00e4ltnis der T\u00fcrkei zur Nato, und ihr Verh\u00e4ltnis zur EU verschlechterte sich 2007, als Frankreich einen wichtigen Teil ihrer EU-Beitrittsverhandlungen blockierte. Seitdem hat die T\u00fcrkei ihren eigenen Weg in Syrien, auf dem Balkan und in Libyen eingeschlagen und neue Beziehungen zu Russland und China aufgebaut.<\/p>\n\n\n\n

Wichtiger Akteur<\/strong><\/h3>\n\n\n\n

Nat\u00fcrlich sind die Beziehungen zwischen der T\u00fcrkei und Russland nicht weniger kompliziert, nicht zuletzt weil Erdo\u011fan und der russische Pr\u00e4sident Wladimir Putin im syrischen B\u00fcrgerkrieg verschiedene Seiten unterst\u00fctzten.Und w\u00e4hrend die Spannungen wegen des Syrien-Konflikts weiterhin bestehen, bewundert Erdo\u011fan deutlich, wie Russland sich \u2013 bei relativ geringen Kosten \u2013 wieder als wichtiger Akteur im Nahen Osten und in Nordafrika etabliert hat.<\/p>\n\n\n\n

Nachdem er in einen nicht zu gewinnenden Krieg im Osten der Ukraine verwickelt war, schien Putins weitgehend erfolgreicher Feldzug in Syrien einen Teil seiner innenpolitischen Autorit\u00e4t wiederherzustellen. Der Westen hatte f\u00fcnf Jahre lang darauf bestanden, dass es keine milit\u00e4rische L\u00f6sung des Konflikts gebe und dass der syrische Pr\u00e4sident Baschar al-Assad gehen m\u00fcsse. Doch w\u00e4hrend die von den Vereinten Nationen unterst\u00fctzten Gespr\u00e4che in Genf zu keinem Ergebnis f\u00fchrten, schienen die von Russland geleiteten Gespr\u00e4che in Astana voranzukommen. Indem der Kreml die T\u00fcrkei und den Iran einbezog, w\u00e4hrend er die westlichen M\u00e4chte ausschloss, erweckte er den Eindruck, dass Russland als wiedergeborene Supermacht aus der Asche auferstanden sei.<\/p>\n\n\n\n

Unter Druck<\/h3>\n\n\n\n

Angesichts des wachsenden Widerstands im eigenen Land macht es Erdo\u011fan Putin gleich. Da der Westen nicht bereit war, (erneut) milit\u00e4risch in Libyen zu intervenieren, sah Erdo\u011fan eine Gelegenheit, die T\u00fcrkei zu positionieren. Nach dem Vorgehen Russlands in Syrien sicherte er sich eine formelle Einladung der libyschen Regierung zur Intervention. Mit einem Schlag Ende letzten Jahres hat er nicht nur das Image der T\u00fcrkei als Regionalmacht gest\u00e4rkt, sondern auch ein Abkommen mit Libyen \u00fcber die Seegrenze abgeschlossen und damit einen Plan Griechenlands, Zyperns, \u00c4gyptens und Israels zur Erschlie\u00dfung von Unterwasser\u00f6l- und -gasfeldern in der N\u00e4he zunichtegemacht.<\/p>\n\n\n\n

Erdo\u011fan scheint auch von der Spalt-und-Eroberungs-Strategie des Kreml in Europa inspiriert worden zu sein, der zufolge oft diejenigen EU-Mitgliedsstaaten unter Druck gesetzt werden, die am meisten von russischen Kohlenwasserstoffen oder M\u00e4rkten abh\u00e4ngig sind. So wie Putin lange Zeit die Energieversorgung instrumentalisiert hat, hat Erdo\u011fan versucht, den Strom von Migranten und Fl\u00fcchtlingen, die vor Konflikten im Nahen Osten fliehen, zu instrumentalisieren. Als die EU eine neue Marinemission ank\u00fcndigte, um den Waffenstrom nach Libyen zu blockieren, malte die T\u00fcrkei f\u00fcr Malta das Schreckgespenst der angeblichen Bedrohung durch Migranten an die Wand. Malta reagierte prompt und signalisierte, dass es gegen die Finanzierung der Mission ein Veto einlegen werde.<\/p>\n\n\n\n

Verlorener Sohn<\/strong><\/h3>\n\n\n\n

Jahrelang redeten sich die Europ\u00e4er ein, dass Russland eine Art verlorener Sohn sei und dass die europ\u00e4ische unipolare Ordnung gesund bleibe. Doch das machte Europa zu einem leichten Ziel f\u00fcr die Trennungs-und-Eroberungs-Strategie des Kreml. Erst vor relativ kurzer Zeit entwarf die Union eine neue Politik und ein robustes Sanktionsregime, um die russische Aggression abzuschrecken. Und selbst jetzt \u2013 trotz der besten Bem\u00fchungen der deutschen Bundeskanzlerin Angela Merkel und des franz\u00f6sischen Pr\u00e4sidenten Emmanuel Macron \u2013 hat die EU noch immer keine wirksamen Kommunikationskan\u00e4le mit Russland geschaffen, um gemeinsame Probleme anzugehen.<\/p>\n\n\n\n

Die T\u00fcrkei ist noch kein neues Russland, aber sie k\u00f6nnte dazu werden, wenn die Situation falsch gehandhabt wird. Vorerst betrachten die meisten Europ\u00e4er die T\u00fcrkei noch immer als einen komplizierten Partner und nicht als \"Systemrivalen\". Aber die Europ\u00e4er sollten die hart erk\u00e4mpften Lehren aus dem Umgang mit Russland in den letzten 15 Jahren beherzigen. Die Beziehungen zwischen der EU und der T\u00fcrkei brauchen neue, einvernehmlich vereinbarte Prinzipien sowie klare Grenzen, um eine weitere Destabilisierung in der Region zu verhindern.<\/p>\n\n\n\n

Zu diesem Zweck sollten die Europ\u00e4er klarstellen, dass der EU-Beitrittsprozess entweder zur\u00fcckgedreht oder vorangetrieben werden kann und dass eine eher transaktionale Beziehung sowohl Zuckerbrot als auch Peitsche beinhaltet. Die Herausforderung wird darin bestehen, daf\u00fcr zu sorgen, dass es in einer Region, die nicht nur von Europa und der T\u00fcrkei, sondern auch von Russland, den USA und einem aufstrebenden China beeinflusst wird, noch Raum f\u00fcr politisches Engagement in Fragen der gemeinsamen Sicherheit gibt. (Mark Leonard, \u00dcbersetzung: Eva G\u00f6llner, Copyright: Project Syndicate, 10.8.2020)<\/p>\n\n\n\n

Mark Leonard <\/strong>ist Direktor des Europ\u00e4ischen Rats f\u00fcr Ausw\u00e4rtige Beziehungen.<\/a><\/p>\n","post_title":"Erdo\u011fan \u2013 der andere Putin vor der Haust\u00fcr Europas","post_excerpt":"","post_status":"publish","comment_status":"closed","ping_status":"closed","post_password":"","post_name":"erdogan-der-andere-putin-vor-der-haustur-europas","to_ping":"","pinged":"","post_modified":"2025-02-02 08:39:39","post_modified_gmt":"2025-02-02 08:39:39","post_content_filtered":"","post_parent":0,"guid":"https:\/\/dctransparency.com\/?p=3789","menu_order":0,"post_type":"post","post_mime_type":"","comment_count":"0","filter":"raw"},{"ID":3786,"post_author":"7","post_date":"2020-08-14 13:51:23","post_date_gmt":"2020-08-14 13:51:23","post_content":"\n

Einen Monat nachdem ich zur israelischen Armee eingezogen worden war, brach die erste Intifada aus. Statt Soldat zu sein, machte ich Polizeiarbeit, sagte den Menschen, wann sie zur Arbeit gehen konnten und wann sie ihre L\u00e4den schlie\u00dfen mussten, wann sie die Grenze passieren und wann sie schlafen konnten. Einen Monat nachdem ich aus der Armee entlassen worden war, ging ich auf Reisen. (In Israel sagen wir: Wir dienen drei Jahre und versuchen den Rest unseres Lebens, diese drei Jahre zu vergessen.) Auf meiner Reise begann ich Briefe an meine Freundin zu schreiben, die ich in Israel zur\u00fcckgelassen hatte.<\/p>\n\n\n\n

Ich schrieb ihr, wie schrecklich depressiv ich war und dass diese drei Jahre des Anweisungenbellens und Anderen-Menschen-Sagens, was sie zu tun haben, mich f\u00fcr immer verfolgen w\u00fcrden. Dass sie ein Teil dessen geworden waren, was ich bin. Ich erinnere mich, dass ich ihr schrieb, dass wir da rausm\u00fcssen \u2013 nicht nur f\u00fcr die Pal\u00e4stinenser, sondern wegen der furchtbaren und brutalen Auswirkungen, die all das auf uns, auf die israelische Gesellschaft haben w\u00fcrde. Sie schrieb zur\u00fcck: \u201eDu hast recht. Ich habe einen neuen Freund.\u201c<\/p>\n\n\n\n

Felix Klein wurde als Beauftragter der Bundesregierung berufen<\/a>, um die Auswirkungen des zunehmenden Antisemitismus in unserer Gesellschaft, in Deutschland, zu bek\u00e4mpfen. Was nicht in seiner Jobbeschreibung steht, ist, dass er dabei unsere Gesellschaft heilen muss, jene Gesellschaft, die diese Form des Hasses reproduziert und sch\u00fctzt. Klein hat das begriffen.<\/p>\n\n\n\n

Er versteht, dass man Krebs nicht mit einem Pflaster verarztet, er wei\u00df, dass er das Bewusstsein der Deutschen sch\u00e4rfen und Diskussionen ansto\u00dfen muss. Er hat begriffen, dass das Problem nicht nur an den R\u00e4ndern der Gesellschaft (bei den Rechten) liegt, sondern auch in ihrer Mitte. Dort, wo gebildete Menschen nicht einmal bemerken, dass das, was sie sagen und tun, antisemitisch ist. So wie sie es auch nicht merken, wenn sie rassistisch handeln. Er hat all das verstanden, und genau deshalb wollen einige, dass er seinen Posten r\u00e4umt.<\/p>\n\n\n\n

Mehr als 60 deutsche und israelische Intellektuelle haben letzte Woche in einem Brief an Kanzlerin Merkel<\/a> dar\u00fcber geklagt, dass der aktuelle \u201eGebrauch des Antisemitismusbegriffs\u201c darauf abziele, \u201elegitime Kritik an der israelischen Regierungspolitik zu unterdr\u00fccken\u201c, und Klein vorgeworfen, rechtspopulistische israelische Stimmen zu f\u00f6rdern.<\/p>\n\n\n\n

Faszinierend an diesem offenen Brief ist, dass viele der Unterzeichneten keine Deutschen sind und auch nicht in Deutschland leben. Ich wei\u00df nicht, woher sie \u2013 die meisten von ihnen sind Israelis \u2013 die Chuzpe haben, sich in eine innerdeutsche Angelegenheit einzumischen und zu fordern, eine Person zu entlassen, die von der Bundesregierung eingesetzt wurde. Die H\u00e4lfte der Unterzeichneten lebt nicht hier, von der anderen H\u00e4lfte sind viele keine Juden \u2013 somit sind die allermeisten von ihnen nicht direkt vom Antisemitismus in Deutschland betroffen. Wie also k\u00f6nnen sie diesen Brief unterschreiben? Und warum eigentlich haben so wenige Deutsche unterschrieben? Dazu komme ich gleich.<\/p>\n\n\n\n

Debatte um Achille Mbembe<\/h6>\n\n\n\n

Hintergrund des Briefs war, dass Felix Klein gefordert hatte, den Philosophen Achille Mbembe<\/a> nicht die Er\u00f6ffnungsrede der Ruhrtriennale halten zu lassen. Als mit \u00f6ffentlichen Mitteln gef\u00f6rdertes Event solle die Ruhrtriennale Mbembe wegen seiner Haltung zu Israels Existenzrecht, seiner Haltung zu BDS und der Art, wie er in einem seiner Werke den Holocaust relativiert, nicht einladen.<\/p>\n\n\n\n

Mbembes Unterst\u00fctzer sagen, keine dieser Anschuldigungen sei wahr. F\u00fcrs Protokoll: In meinen Augen unterst\u00fctzt Mbembe sehr wohl BDS<\/a>, er schrieb unter anderem das Vorwort zu \u201eApartheid Israel\u201c und fordert die komplette Isolation Israels. Ich glaube auch, wenn Mbembe schreibt, die israelische Besetzung sei der \u201egr\u00f6\u00dfte moralische Skandal unserer Zeit\u201c, zeigt das, dass sein moralischer und geografischer Kompass etwas schief ist.<\/p>\n\n\n\n

Doch warum treibt die Debatte so viele Menschen um? Nun, zun\u00e4chst gibt niemand gern auf, was ihm oder ihr selbstverst\u00e4ndlich scheint. \u00dcber den gesamten politischen, sozialen, kulturellen, medialen und akademischen Sektor hinweg sind Menschen daran gew\u00f6hnt, so schlecht \u00fcber Israel sprechen zu k\u00f6nnen, wie auch immer sie wollen.<\/p>\n\n\n\n

Der Spiegel<\/em> hat \u2013 vielleicht in Anlehnung an seine Relotius-Standards, Israel erst k\u00fcrzlich eine Corona-Diktatur genannt. Fakten und Belege f\u00fcr diese Behauptung gab es nicht. Doch Millionen Deutsche haben es gelesen, und es wird nat\u00fcrlich haften bleiben. Faktenlage hin oder her. Der Spiegel<\/em> und andere Medien haben dieses Spiel perfektioniert: Titel so zu drehen, dass sie Israel indirekt anklagen, die Idee zu streuen, der Mossad kon\u00adtrol\u00adliere die deutsche Au\u00dfenpolitik im Nahen Osten, und so fort. Doch sie stehen allesamt sofort auf den Hinterbeinen, wenn jemand es wagt, das Spiel beim Namen zu nennen: moderner Antisemitismus.<\/p>\n\n\n\n

Klein will dem entgegenwirken. Er versteht, dass antisemitische Attacken in Deutschland die Fr\u00fcchte solch falsch gezeichneter Bilder und eindimensionaler Narrative \u00fcber Israel sind. Wenn er und andere versuchen, ein anderes Narrativ aufzuzeigen, wirft man ihnen Zensur vor: Wie k\u00f6nnen sie es wagen, das Gesch\u00e4ft der Anti-Israel-Propaganda zu st\u00f6ren?<\/p>\n\n\n\n

Liebe Deutsche, wenn ihr reden wollt, lasst uns gern reden: \u00fcber die Besetzung, \u00fcber Bibi und alles, was schiefl\u00e4uft. Aber dann lasst uns bitte auch dar\u00fcber reden, wie deutsche Steuergelder Terrortunnel finanzieren. Erst vergangene Woche r\u00e4umte die niederl\u00e4ndische Regierung ein, dass Gelder an eine Landwirtschaftsorganisation in Ramallah geflossen seien, die damit teilweise die Geh\u00e4lter zweier des Mordes an der 17-j\u00e4hrigen Israelin Rina Shnerb Verd\u00e4chtiger gezahlt haben. Auch die Bundesregierung unterst\u00fctzt diese Organisation, obwohl Kritiker schon lange vor Verbindungen zu Terroristen warnen.<\/p>\n\n\n\n

Wir k\u00f6nnen uns also gerne unterhalten \u2013 aber im Dialog, nicht in Monologen. Denn Reden unter Menschen, die sich einig sind, ist nichts anderes als Impotenz.<\/p>\n\n\n\n

Israelkritik als Eintrittskarte<\/h6>\n\n\n\n

Die Israelis, die die Petition unterzeichnet haben, haben \u00fcbrigens ebenfalls etwas verstanden. Seit Jahren wissen sie: Es ist ihre Eintrittskarte in die Mitte der deutschen (und europ\u00e4ischen) Gesellschaft. Man h\u00f6rt nicht oft von Akademikern mit proisraelischen Ansichten. Weder in den Philharmonie-Orchestern noch in der Kunstszene. Die Eintrittskarte daf\u00fcr ist ein antiisraelischer Standpunkt.<\/p>\n\n\n\n

Der mutma\u00dfliche Grund, warum kaum Deutsche die Petition unterzeichnet haben: Sie mussten es nicht. Ihre Lieblingsjuden haben es f\u00fcr sie getan. Jetzt k\u00f6nnen sie sagen: \u201eSchau, ich bin das ja nicht, meine j\u00fcdischen Freunde sagen es.\u201c Ich selbst war einige Jahre lang mit einem Paar hier in Berlin befreundet, bis ich herausfand, dass ich ihr Lieblingsjude war. Ja, selbst das j\u00fcdische Museum wurde so genutzt.<\/p>\n\n\n\n

Weil Attacken gegen Juden ein absolutes Tabu sind, wurden Umwege gefunden, um den Antisemitismus auf kleiner Flamme k\u00f6cheln zu lassen: die unfundierte, unbegr\u00fcndete Kritik an Israel.<\/p>\n\n\n\n

Diese Art der Kritik ist gef\u00e4hrlich. Sie schw\u00e4cht jede begr\u00fcndete und notwendige Kritik am Verhalten Israels. Und das Interessante ist: Trotz all der heftigen, pauschalisierenden Anklagen, all der offenen Briefe driftet Israel politisch immer weiter nach rechts. Doch statt mal einen anderen Ansatz zu versuchen, werden die antiisraelischen Stimmen nur lauter. Dasselbe versuchen und andere Ergebnisse davon erwarten \u2013 das ist die Definition von Wahnsinn.<\/p>\n\n\n\n

Kurz bevor der Prozess gegen den wegen des Attentats von Halle<\/a> Angeklagten begann \u2013 des seit Kriegsende schlimmsten Akts von Antisemitismus in Deutschland \u2013, lud eine Lokalzeitung den fr\u00fcheren Botschafter Shimon Stein und den Historiker Moshe Zimmermann ein, dar\u00fcber zu schreiben, was Antisemitismus ist. Nat\u00fcrlich wendeten auch sie sich gegen Felix Kleins Ansatz. Sie zitieren die Kontroverse um die Umbenennung der U-Bahn-Station Mohrenstra\u00dfe in Glinkastra\u00dfe, die sich darum drehte, dass der russische Komponist Michael Glinka Antisemit gewesen sein soll. Stein und Zimmermann halten die Debatte f\u00fcr \u00fcberzogen, Glinka sei nur ein Kind seiner Zeit gewesen. Folgt man ihrer Logik, k\u00f6nnen wir dann also in 20 oder 30 Jahren U-Bahn-Stationen nach den Kindern der 1930er Jahre benennen?<\/p>\n\n\n\n

Der Antisemit als Tierfreund<\/h6>\n\n\n\n

Ich w\u00fcnschte, die Sache h\u00e4tte mit dem Artikel, mit der Petition geendet. Doch dann erschien ein Artikel, der den Leser auf einen Waldspaziergang mit einem veganen Koch und Antisemiten mitnahm. Darin setzt der Tierfreund erst behutsam einen K\u00e4fer wieder auf seine Beinchen und erkl\u00e4rt dann, dass die Todesstrafe in Deutschland wieder eingef\u00fchrt werden solle, um einen gewissen Politiker (der zuf\u00e4llig pro Israel ist) an seinen Hoden aufh\u00e4ngen zu k\u00f6nnen. Dieser Koch hat Hunderttausende Follower, er sagt all solche Dinge am helllichten Tag in Berlin. Und in den Medien.<\/p>\n\n\n\n

F\u00e4lle wie dieser handeln bereits von Gewalt \u2013 und sie enden nicht bei den Juden. Der Hass richtet sich gegen Frauen<\/a>, Muslime, Gefl\u00fcchtete, \u00adLBTQI. Am Ende aller theoretischen Debatten stehen immer echte Menschen. Am Ende jeder Konferenz dar\u00fcber, was Antisemitismus ausmacht, steht ein potenzielles j\u00fcdisches Opfer. Angesichts einer Welle von Antisemitismus \u00fcber die Definition von Antisemitismus zu streiten ist, wie eine 10 Meter hohe Welle heranrollen zu sehen und dar\u00fcber zu streiten, was einen Tsunami ausmacht.<\/p>\n\n\n\n

Felix Klein versteht, wie absurd es ist, zu sagen: Es sind nur die Rechten. Die Rechten sind Deutsche, so wie die Nazis Deutsche waren. Klein versteht, dass die Deutschen nicht aufgeh\u00f6rt haben, Juden zu ermorden, weil sie irgendeine Art von Erleuchtung hatten. Sondern schlicht, weil sie den Krieg verloren haben. Um den Antisemitismus zu bek\u00e4mpfen, bevor er die Gesellschaft frisst, in der er und wir leben, muss Deutschland seinen moralischen Kompass korrigieren.<\/p>\n\n\n\n

Immerhin: Mehr und mehr Deutsche fahren nach Israel, sie wollen ein anderes Narrativ h\u00f6ren. Mehr und mehr Deutsche verstehen, dass Antisemitismus Schockwellen ausl\u00f6st, die die gesamte Gesellschaft betreffen. In einem normalen Universum w\u00fcrde Klein bef\u00f6rdert werden f\u00fcr seine Leistung. In einer verdrehten Gesellschaft fordern Menschen seine Entlassung. Um es mit Mbembe zu sagen: Das ist Nano-Nonsens.<\/p>\n\n\n\n

\u00dcbersetzung: Ariane Lemme<\/a><\/em><\/p>\n","post_title":"Felix Klein hat verstanden","post_excerpt":"","post_status":"publish","comment_status":"closed","ping_status":"closed","post_password":"","post_name":"felix-klein-hat-verstanden","to_ping":"","pinged":"","post_modified":"2025-02-02 08:39:39","post_modified_gmt":"2025-02-02 08:39:39","post_content_filtered":"","post_parent":0,"guid":"https:\/\/dctransparency.com\/?p=3786","menu_order":0,"post_type":"post","post_mime_type":"","comment_count":"0","filter":"raw"}],"next":false,"prev":true,"total_page":47},"paged":1,"column_class":"jeg_col_2o3","class":"epic_block_3"};

\n

Die Hagia Sophia war (ist) ein kulturelles Weltwunder und aufgeladen mit symbolischer Bedeutung, f\u00fcr die Christenheit ebenso wie f\u00fcr den Islam \u2013 und den t\u00fcrkischen Nationalismus. Als Mehmed II. sie betrat, war sie schon fast 1000 Jahre die gr\u00f6\u00dfte Kirche der christlichen Welt und das Zentrum der orthodoxen Glaubensrichtung. Die \"Ayasofya\", wie sie dann hie\u00df, war 500 Jahre lang Moschee \u2013 bis 1934, als Kemal Pascha Atat\u00fcrk, der \"Vater\" der modernen T\u00fcrkei, sie in ein Museum verwandelte, in der ausdr\u00fccklichen Absicht, auch hier mit dem osmanischen Erbe zu brechen.<\/p>\n\n\n\n

Nun wird Pr\u00e4sident Recep Tayyip Erdo\u011fan, der \"Vater\" der re-islamisierten T\u00fcrkei, am 24. Juli dieses Jahres die Ayasofya durch das Freitagsgebet wieder in den Islam eingliedern. Oder eher in seinen pers\u00f6nlichen religi\u00f6sen Nationalismus.<\/p>\n\n\n\n

Welterbe von allen<\/h3>\n\n\n\n

Wie bedeutungsschwer ist dieser Akt eines \"starken Mannes\", der innenpolitisch deutlich schw\u00e4chelt? Die Proteste vor allem aus der orthodoxen Welt, aber auch aus Europa und den USA sind eher traurig als w\u00fctend. Der Papst dr\u00fcckte seinen \"Schmerz\" aus. Auch der Jubel in der islamischen Welt fiel zun\u00e4chst weniger \u00fcbersch\u00e4umend als erwartet aus.<\/p>\n\n\n\n

Ist es der Alleingang eines Autokraten in Bedr\u00e4ngnis oder ist \"der Jubel \u00fcber die Eroberung der Hagia Sophia der Versuch einer zutiefst erniedrigten, vom Gef\u00fchl der Wertlosigkeit dominierten und in ihrer eigenen Selbstberechtigung beraubten Gesellschaft, eine Bedeutung, eine St\u00e4rke, ein Selbstwertgef\u00fchl zu finden\"? So recht pauschalierend der in Deutschland lebende pal\u00e4stinensische Intellektuelle und Psychiater Ahmad Mansour.<\/p>\n\n\n\n

Die beiden Gro\u00dfreiche, das byzantinische und das osmanische, sind l\u00e4ngst versunken.<\/p><\/blockquote>\n\n\n\n

Das eigentliche Schl\u00fcsselwort im Zusammenhang mit der Hagia Sofia ist \"Welterbe\". Das Erbe von allen. Einmal im kulturellen Sinn der Unesco, aber in Wahrheit weiter gefasst. Das einzigartige Bauwerk geh\u00f6rt in Wirklichkeit der ganzen Welt, nicht der einen oder anderen Religion. Die beiden Gro\u00dfreiche, f\u00fcr die die Hagia Sofia der zentrale spirituelle Bau war, das byzantinische und das osmanische, sind l\u00e4ngst versunken. Seither hat sie eine neue, \u00fcbernationale Dimension erhalten. Was Erdo\u011fan da jetzt mit der Hagia Sofia macht, ist eine Verengung und Verarmung eines gemeinsamen Welterbes.<\/p>\n\n\n\n

\"\"\/
Betende Muslime vor der Hagia Sophia.<\/figcaption><\/figure>\n\n\n\n

Davon abgesehen aber war und ist sie ein architektonisches Meisterwerk und geh\u00f6rt zu den bedeutendsten Bauten der Welt. Wer heute den Zentralraum unter der Kuppel betritt, kann sich nur schwer dem zugleich majest\u00e4tischen wie schwebenden Gesamteindruck entziehen. Die Hagia Sophia blieb fast 1000 Jahre die gr\u00f6\u00dfte Kirche der Christenheit. Technisch war die Kuppel (mit mehreren Halbkuppeln) eine \u00fcberaus riskante Innovation: Die 55 Meter hohe und 32 Meter im Durchmesser breite Kuppel ruht auf nur vier Tragpunkten, was den schwebenden, schwerelosen Eindruck erzeugt. Die Konstruktion folgt einem mathematischen Prinzip, das erst k\u00fcrzlich entschl\u00fcsselt wurde.<\/p>\n\n\n\n

\"Salomo, ich habe dich \u00fcbertroffen!\"<\/p><\/blockquote>\n\n\n\n

Als Kaiser Justinian die Hagia Sophia nach nur f\u00fcnf Jahren Bauzeit (532\u2013537) betrat, soll er in Anspielung auf den Tempel in Jerusalem ausgerufen haben: \"Salomo, ich habe dich \u00fcbertroffen!\" Die Innenausstattung war mit ihren S\u00e4ulen aus Porphyr und gr\u00fcnem Marmor, mit Mosaiken aus Gold und Halbedelsteinen derart prunkvoll, der Gesamteindruck derart \u00fcberirdisch, dass eine Delegation des Gro\u00dff\u00fcrsten von Kiew nicht mehr wusste, \"ob wir im Himmel oder auf der Erde\" waren \u2013 was die Christianisierung Russlands bef\u00f6rderte.<\/p>\n\n\n\n

Der deutsche Architekturlehrer Holger Kleine nennt die Hagia Sophia \"absolute Architektur\", weil sie \"extreme Ausdrucksformen nahezu aller dramaturgischen Mittel, die der Architektur zur Verf\u00fcgung stehen, vereinigt: wuchtigste K\u00f6rper und luftigste R\u00e4ume, engste Enge und gr\u00f6\u00dfte Weite, w\u00e4rmende Helligkeit und mystisches Dunkel\". Und die Kuppelbauten aus der sp\u00e4teren Hochbl\u00fcte der Moscheenarchitektur im 16. und 17. Jahrhundert gehen eindeutig auf die Hagia Sophia zur\u00fcck.<\/p>\n\n\n\n

Die Hagia Sophia war Staatskirche des byzantinischen Reichs. F\u00fcr die Eroberer der letzte Schlussstein in der Kuppel osmanisch-muslimischen Herrschaftsanspruchs. Konstantinopel war ja 1453 nur noch eine isolierte, heruntergekommene Enklave in einem osmanischen Umfeld, kein christliches Heer kam zu Hilfe. Doch vorher war es zugleich Sperrriegel nach Osten und Geistesarchiv der antiken Kultur gewesen. \"Ohne Byzanz h\u00e4tte es kein Europa gegeben\", sagt die britische Altertumsforscherin Judith Herrin.<\/p>\n\n\n\n

\"\"\/
Freigelegtes Mosaik von \"Christos Pantokrator\".<\/figcaption><\/figure>\n\n\n\n

Neue Fragen<\/h3>\n\n\n\n

Die Kirche wurde von Mehmed II. und Nachfolgern nicht in der Substanz zerst\u00f6rt, sondern \"entchristlicht\". Die urspr\u00fcnglich \u00fcbert\u00fcnchten oder auch abgeschlagenen Mosaiken mit den Darstellungen von Christus, der Muttergottes, diversen Kaisern kamen zum Teil schon unter einem Sultan des 19. Jahrhunderts, dann gro\u00dfteils nach der Museumswidmung wieder zum Vorschein.<\/p>\n\n\n\n

Jetzt stellen sich neue symbolisch-praktische Fragen. Erdo\u011fan hat die Hagia Sophia der konservativen staatlichen Religionsbeh\u00f6rde Diyanet unterstellt. Die byzantinischen Mosaike, wie der gro\u00dfartige \"Christos Pantokrator\" (\"Weltenherrscher\") oder die Jungfrau Maria in der Apsis, m\u00fcssen wohl w\u00e4hrend des islamischen Gottesdiensts verh\u00e4ngt werden. Muss der Boden mit seinen Marmorplatten und Mosaiken mit einem Teppich bedeckt werden? Erdo\u011fan sagt, Touristen seien nach wie vor zugelassen. Aber sie werden wohl hinter Absperrungen bleiben m\u00fcssen. Frauen werden \u2013 wie in der benachbarten \"Blauen Moschee\" (\"Sultanahmed\") Kopftuch tragen m\u00fcssen.<\/p>\n\n\n\n

\"\"\/
Erdo\u011fan mit Gattin in der Hagia Sophia.<\/figcaption><\/figure>\n\n\n\n

Erdo\u011fans neue Abenteuer<\/strong><\/h3>\n\n\n\n

Aber wird da nicht doch zu viel in einen Formalakt rund um ein uraltes Bauwerk hineininterpretiert? Im geschichtlichen Kontext relativiert sich manches: Konstantinopel wurde schon von Christen erobert und ausgepl\u00fcndert \u2013 1204 im Vierten Kreuzzug. In der Moschee von Cordoba (\"Mezquita\") bauten die Katholiken eine ganze Kirche in den ber\u00fchmten S\u00e4ulenwald hinein. Die Mezquita ist heute noch Kirche, kein Museum.<\/p>\n\n\n\n

\"Das ist der Beweis, dass wir kein s\u00e4kularer Staat mehr sein wollen\", sagt Nobelpreistr\u00e4ger Orhan Pamuk. Erdo\u011fan betrachtet sich offenbar als auch neoosmanischer \"Fatih\" im Mittelmeerraum mit immer neuen Abenteuern: Eingreifen in Syrien, Stellvertreterkrieg in Libyen, Anspr\u00fcche auf Erdgasvorkommen weit vor der t\u00fcrkischen K\u00fcste bei Zypern, Reden, wonach manche \u00c4g\u00e4is-Inseln eigentlich zur T\u00fcrkei geh\u00f6ren, \"denn dort stehen unsere Moscheen\". Manches davon ist nur Rhetorik, aber genug anderes ist riskante Realit\u00e4t. (Hans Rauscher, 14.7.2020)<\/p>\n\n\n\n

Quelle<\/a><\/strong><\/p>\n","post_title":"Hagia Sophia: Verengung und Verarmung eines Welterbes","post_excerpt":"","post_status":"publish","comment_status":"closed","ping_status":"closed","post_password":"","post_name":"hagia-sophia-verengung-und-verarmung-eines-welterbes","to_ping":"","pinged":"","post_modified":"2025-02-02 08:39:39","post_modified_gmt":"2025-02-02 08:39:39","post_content_filtered":"","post_parent":0,"guid":"https:\/\/dctransparency.com\/?p=3792","menu_order":0,"post_type":"post","post_mime_type":"","comment_count":"0","filter":"raw"},{"ID":3789,"post_author":"7","post_date":"2020-08-14 13:56:07","post_date_gmt":"2020-08-14 13:56:07","post_content":"\n

Im Gastkommentar pocht Mark Leonard, Direktor des Europ\u00e4ischen Rats f\u00fcr Ausw\u00e4rtige Beziehungen, auf \"neue, einvernehmlich vereinbarte Prinzipien sowie klare Grenzen\", nur so k\u00f6nne eine weitere Destabilisierung in der Region verhindert werden.<\/em><\/strong><\/p>\n\n\n\n

Ist die T\u00fcrkei das neue Russland? Diese Frage wird in den europ\u00e4ischen Hauptst\u00e4dten zunehmend gestellt, da die Au\u00dfenpolitik des t\u00fcrkischen Pr\u00e4sidenten Recep Tayyip Erdo\u011fan zunehmend aggressiver wird. Erdo\u011fan nutzt nicht nur die Migration, um die EU zu bedrohen und zu betr\u00fcgen, sondern setzt auch milit\u00e4rische Macht ein, um den Einflussbereich der T\u00fcrkei auf die gesamte Region auszudehnen.<\/p>\n\n\n\n

Seit dem Ende des Kalten Krieges haben die Europ\u00e4er die regionale Sicherheit durch eine unipolare westliche Linse betrachtet. W\u00e4hrend die Nato die milit\u00e4rische Sicherheit garantierte, sorgte die EU mit ihrem 80.000 Seiten starken Regelwerk f\u00fcr alles von LGBTQ-Rechten bis hin zu Rasenm\u00e4her-Sound-Verordnungen f\u00fcr Rechtsordnung. In den 90er-Jahren ging man allgemein davon aus, dass die beiden gro\u00dfen nichtwestlichen regionalen Akteure, Russland und die T\u00fcrkei, nach und nach an diese Regelungen herangef\u00fchrt werden w\u00fcrden.<\/p>\n\n\n\n

Qu\u00e4lende Hassliebe<\/h3>\n\n\n\n

Doch in den letzten 15 Jahren ist der Traum von der europ\u00e4ischen Unipolarit\u00e4t einer multipolaren Realit\u00e4t gewichen. Sowohl Russland als auch die T\u00fcrkei haben eine lange, qu\u00e4lende Hassliebe zu Europa, und beide sind unter nationalen Machthabern, denen die Verachtung der Normen und Werte der EU gemeinsam ist, durchsetzungsf\u00e4higer geworden.<\/p>\n\n\n\n

Die zunehmende Verschlechterung der Beziehungen zwischen der EU und Russland ist gut dokumentiert, der Fall der T\u00fcrkei weniger. Der Irakkrieg im Jahr 2003 komplizierte das Verh\u00e4ltnis der T\u00fcrkei zur Nato, und ihr Verh\u00e4ltnis zur EU verschlechterte sich 2007, als Frankreich einen wichtigen Teil ihrer EU-Beitrittsverhandlungen blockierte. Seitdem hat die T\u00fcrkei ihren eigenen Weg in Syrien, auf dem Balkan und in Libyen eingeschlagen und neue Beziehungen zu Russland und China aufgebaut.<\/p>\n\n\n\n

Wichtiger Akteur<\/strong><\/h3>\n\n\n\n

Nat\u00fcrlich sind die Beziehungen zwischen der T\u00fcrkei und Russland nicht weniger kompliziert, nicht zuletzt weil Erdo\u011fan und der russische Pr\u00e4sident Wladimir Putin im syrischen B\u00fcrgerkrieg verschiedene Seiten unterst\u00fctzten.Und w\u00e4hrend die Spannungen wegen des Syrien-Konflikts weiterhin bestehen, bewundert Erdo\u011fan deutlich, wie Russland sich \u2013 bei relativ geringen Kosten \u2013 wieder als wichtiger Akteur im Nahen Osten und in Nordafrika etabliert hat.<\/p>\n\n\n\n

Nachdem er in einen nicht zu gewinnenden Krieg im Osten der Ukraine verwickelt war, schien Putins weitgehend erfolgreicher Feldzug in Syrien einen Teil seiner innenpolitischen Autorit\u00e4t wiederherzustellen. Der Westen hatte f\u00fcnf Jahre lang darauf bestanden, dass es keine milit\u00e4rische L\u00f6sung des Konflikts gebe und dass der syrische Pr\u00e4sident Baschar al-Assad gehen m\u00fcsse. Doch w\u00e4hrend die von den Vereinten Nationen unterst\u00fctzten Gespr\u00e4che in Genf zu keinem Ergebnis f\u00fchrten, schienen die von Russland geleiteten Gespr\u00e4che in Astana voranzukommen. Indem der Kreml die T\u00fcrkei und den Iran einbezog, w\u00e4hrend er die westlichen M\u00e4chte ausschloss, erweckte er den Eindruck, dass Russland als wiedergeborene Supermacht aus der Asche auferstanden sei.<\/p>\n\n\n\n

Unter Druck<\/h3>\n\n\n\n

Angesichts des wachsenden Widerstands im eigenen Land macht es Erdo\u011fan Putin gleich. Da der Westen nicht bereit war, (erneut) milit\u00e4risch in Libyen zu intervenieren, sah Erdo\u011fan eine Gelegenheit, die T\u00fcrkei zu positionieren. Nach dem Vorgehen Russlands in Syrien sicherte er sich eine formelle Einladung der libyschen Regierung zur Intervention. Mit einem Schlag Ende letzten Jahres hat er nicht nur das Image der T\u00fcrkei als Regionalmacht gest\u00e4rkt, sondern auch ein Abkommen mit Libyen \u00fcber die Seegrenze abgeschlossen und damit einen Plan Griechenlands, Zyperns, \u00c4gyptens und Israels zur Erschlie\u00dfung von Unterwasser\u00f6l- und -gasfeldern in der N\u00e4he zunichtegemacht.<\/p>\n\n\n\n

Erdo\u011fan scheint auch von der Spalt-und-Eroberungs-Strategie des Kreml in Europa inspiriert worden zu sein, der zufolge oft diejenigen EU-Mitgliedsstaaten unter Druck gesetzt werden, die am meisten von russischen Kohlenwasserstoffen oder M\u00e4rkten abh\u00e4ngig sind. So wie Putin lange Zeit die Energieversorgung instrumentalisiert hat, hat Erdo\u011fan versucht, den Strom von Migranten und Fl\u00fcchtlingen, die vor Konflikten im Nahen Osten fliehen, zu instrumentalisieren. Als die EU eine neue Marinemission ank\u00fcndigte, um den Waffenstrom nach Libyen zu blockieren, malte die T\u00fcrkei f\u00fcr Malta das Schreckgespenst der angeblichen Bedrohung durch Migranten an die Wand. Malta reagierte prompt und signalisierte, dass es gegen die Finanzierung der Mission ein Veto einlegen werde.<\/p>\n\n\n\n

Verlorener Sohn<\/strong><\/h3>\n\n\n\n

Jahrelang redeten sich die Europ\u00e4er ein, dass Russland eine Art verlorener Sohn sei und dass die europ\u00e4ische unipolare Ordnung gesund bleibe. Doch das machte Europa zu einem leichten Ziel f\u00fcr die Trennungs-und-Eroberungs-Strategie des Kreml. Erst vor relativ kurzer Zeit entwarf die Union eine neue Politik und ein robustes Sanktionsregime, um die russische Aggression abzuschrecken. Und selbst jetzt \u2013 trotz der besten Bem\u00fchungen der deutschen Bundeskanzlerin Angela Merkel und des franz\u00f6sischen Pr\u00e4sidenten Emmanuel Macron \u2013 hat die EU noch immer keine wirksamen Kommunikationskan\u00e4le mit Russland geschaffen, um gemeinsame Probleme anzugehen.<\/p>\n\n\n\n

Die T\u00fcrkei ist noch kein neues Russland, aber sie k\u00f6nnte dazu werden, wenn die Situation falsch gehandhabt wird. Vorerst betrachten die meisten Europ\u00e4er die T\u00fcrkei noch immer als einen komplizierten Partner und nicht als \"Systemrivalen\". Aber die Europ\u00e4er sollten die hart erk\u00e4mpften Lehren aus dem Umgang mit Russland in den letzten 15 Jahren beherzigen. Die Beziehungen zwischen der EU und der T\u00fcrkei brauchen neue, einvernehmlich vereinbarte Prinzipien sowie klare Grenzen, um eine weitere Destabilisierung in der Region zu verhindern.<\/p>\n\n\n\n

Zu diesem Zweck sollten die Europ\u00e4er klarstellen, dass der EU-Beitrittsprozess entweder zur\u00fcckgedreht oder vorangetrieben werden kann und dass eine eher transaktionale Beziehung sowohl Zuckerbrot als auch Peitsche beinhaltet. Die Herausforderung wird darin bestehen, daf\u00fcr zu sorgen, dass es in einer Region, die nicht nur von Europa und der T\u00fcrkei, sondern auch von Russland, den USA und einem aufstrebenden China beeinflusst wird, noch Raum f\u00fcr politisches Engagement in Fragen der gemeinsamen Sicherheit gibt. (Mark Leonard, \u00dcbersetzung: Eva G\u00f6llner, Copyright: Project Syndicate, 10.8.2020)<\/p>\n\n\n\n

Mark Leonard <\/strong>ist Direktor des Europ\u00e4ischen Rats f\u00fcr Ausw\u00e4rtige Beziehungen.<\/a><\/p>\n","post_title":"Erdo\u011fan \u2013 der andere Putin vor der Haust\u00fcr Europas","post_excerpt":"","post_status":"publish","comment_status":"closed","ping_status":"closed","post_password":"","post_name":"erdogan-der-andere-putin-vor-der-haustur-europas","to_ping":"","pinged":"","post_modified":"2025-02-02 08:39:39","post_modified_gmt":"2025-02-02 08:39:39","post_content_filtered":"","post_parent":0,"guid":"https:\/\/dctransparency.com\/?p=3789","menu_order":0,"post_type":"post","post_mime_type":"","comment_count":"0","filter":"raw"},{"ID":3786,"post_author":"7","post_date":"2020-08-14 13:51:23","post_date_gmt":"2020-08-14 13:51:23","post_content":"\n

Einen Monat nachdem ich zur israelischen Armee eingezogen worden war, brach die erste Intifada aus. Statt Soldat zu sein, machte ich Polizeiarbeit, sagte den Menschen, wann sie zur Arbeit gehen konnten und wann sie ihre L\u00e4den schlie\u00dfen mussten, wann sie die Grenze passieren und wann sie schlafen konnten. Einen Monat nachdem ich aus der Armee entlassen worden war, ging ich auf Reisen. (In Israel sagen wir: Wir dienen drei Jahre und versuchen den Rest unseres Lebens, diese drei Jahre zu vergessen.) Auf meiner Reise begann ich Briefe an meine Freundin zu schreiben, die ich in Israel zur\u00fcckgelassen hatte.<\/p>\n\n\n\n

Ich schrieb ihr, wie schrecklich depressiv ich war und dass diese drei Jahre des Anweisungenbellens und Anderen-Menschen-Sagens, was sie zu tun haben, mich f\u00fcr immer verfolgen w\u00fcrden. Dass sie ein Teil dessen geworden waren, was ich bin. Ich erinnere mich, dass ich ihr schrieb, dass wir da rausm\u00fcssen \u2013 nicht nur f\u00fcr die Pal\u00e4stinenser, sondern wegen der furchtbaren und brutalen Auswirkungen, die all das auf uns, auf die israelische Gesellschaft haben w\u00fcrde. Sie schrieb zur\u00fcck: \u201eDu hast recht. Ich habe einen neuen Freund.\u201c<\/p>\n\n\n\n

Felix Klein wurde als Beauftragter der Bundesregierung berufen<\/a>, um die Auswirkungen des zunehmenden Antisemitismus in unserer Gesellschaft, in Deutschland, zu bek\u00e4mpfen. Was nicht in seiner Jobbeschreibung steht, ist, dass er dabei unsere Gesellschaft heilen muss, jene Gesellschaft, die diese Form des Hasses reproduziert und sch\u00fctzt. Klein hat das begriffen.<\/p>\n\n\n\n

Er versteht, dass man Krebs nicht mit einem Pflaster verarztet, er wei\u00df, dass er das Bewusstsein der Deutschen sch\u00e4rfen und Diskussionen ansto\u00dfen muss. Er hat begriffen, dass das Problem nicht nur an den R\u00e4ndern der Gesellschaft (bei den Rechten) liegt, sondern auch in ihrer Mitte. Dort, wo gebildete Menschen nicht einmal bemerken, dass das, was sie sagen und tun, antisemitisch ist. So wie sie es auch nicht merken, wenn sie rassistisch handeln. Er hat all das verstanden, und genau deshalb wollen einige, dass er seinen Posten r\u00e4umt.<\/p>\n\n\n\n

Mehr als 60 deutsche und israelische Intellektuelle haben letzte Woche in einem Brief an Kanzlerin Merkel<\/a> dar\u00fcber geklagt, dass der aktuelle \u201eGebrauch des Antisemitismusbegriffs\u201c darauf abziele, \u201elegitime Kritik an der israelischen Regierungspolitik zu unterdr\u00fccken\u201c, und Klein vorgeworfen, rechtspopulistische israelische Stimmen zu f\u00f6rdern.<\/p>\n\n\n\n

Faszinierend an diesem offenen Brief ist, dass viele der Unterzeichneten keine Deutschen sind und auch nicht in Deutschland leben. Ich wei\u00df nicht, woher sie \u2013 die meisten von ihnen sind Israelis \u2013 die Chuzpe haben, sich in eine innerdeutsche Angelegenheit einzumischen und zu fordern, eine Person zu entlassen, die von der Bundesregierung eingesetzt wurde. Die H\u00e4lfte der Unterzeichneten lebt nicht hier, von der anderen H\u00e4lfte sind viele keine Juden \u2013 somit sind die allermeisten von ihnen nicht direkt vom Antisemitismus in Deutschland betroffen. Wie also k\u00f6nnen sie diesen Brief unterschreiben? Und warum eigentlich haben so wenige Deutsche unterschrieben? Dazu komme ich gleich.<\/p>\n\n\n\n

Debatte um Achille Mbembe<\/h6>\n\n\n\n

Hintergrund des Briefs war, dass Felix Klein gefordert hatte, den Philosophen Achille Mbembe<\/a> nicht die Er\u00f6ffnungsrede der Ruhrtriennale halten zu lassen. Als mit \u00f6ffentlichen Mitteln gef\u00f6rdertes Event solle die Ruhrtriennale Mbembe wegen seiner Haltung zu Israels Existenzrecht, seiner Haltung zu BDS und der Art, wie er in einem seiner Werke den Holocaust relativiert, nicht einladen.<\/p>\n\n\n\n

Mbembes Unterst\u00fctzer sagen, keine dieser Anschuldigungen sei wahr. F\u00fcrs Protokoll: In meinen Augen unterst\u00fctzt Mbembe sehr wohl BDS<\/a>, er schrieb unter anderem das Vorwort zu \u201eApartheid Israel\u201c und fordert die komplette Isolation Israels. Ich glaube auch, wenn Mbembe schreibt, die israelische Besetzung sei der \u201egr\u00f6\u00dfte moralische Skandal unserer Zeit\u201c, zeigt das, dass sein moralischer und geografischer Kompass etwas schief ist.<\/p>\n\n\n\n

Doch warum treibt die Debatte so viele Menschen um? Nun, zun\u00e4chst gibt niemand gern auf, was ihm oder ihr selbstverst\u00e4ndlich scheint. \u00dcber den gesamten politischen, sozialen, kulturellen, medialen und akademischen Sektor hinweg sind Menschen daran gew\u00f6hnt, so schlecht \u00fcber Israel sprechen zu k\u00f6nnen, wie auch immer sie wollen.<\/p>\n\n\n\n

Der Spiegel<\/em> hat \u2013 vielleicht in Anlehnung an seine Relotius-Standards, Israel erst k\u00fcrzlich eine Corona-Diktatur genannt. Fakten und Belege f\u00fcr diese Behauptung gab es nicht. Doch Millionen Deutsche haben es gelesen, und es wird nat\u00fcrlich haften bleiben. Faktenlage hin oder her. Der Spiegel<\/em> und andere Medien haben dieses Spiel perfektioniert: Titel so zu drehen, dass sie Israel indirekt anklagen, die Idee zu streuen, der Mossad kon\u00adtrol\u00adliere die deutsche Au\u00dfenpolitik im Nahen Osten, und so fort. Doch sie stehen allesamt sofort auf den Hinterbeinen, wenn jemand es wagt, das Spiel beim Namen zu nennen: moderner Antisemitismus.<\/p>\n\n\n\n

Klein will dem entgegenwirken. Er versteht, dass antisemitische Attacken in Deutschland die Fr\u00fcchte solch falsch gezeichneter Bilder und eindimensionaler Narrative \u00fcber Israel sind. Wenn er und andere versuchen, ein anderes Narrativ aufzuzeigen, wirft man ihnen Zensur vor: Wie k\u00f6nnen sie es wagen, das Gesch\u00e4ft der Anti-Israel-Propaganda zu st\u00f6ren?<\/p>\n\n\n\n

Liebe Deutsche, wenn ihr reden wollt, lasst uns gern reden: \u00fcber die Besetzung, \u00fcber Bibi und alles, was schiefl\u00e4uft. Aber dann lasst uns bitte auch dar\u00fcber reden, wie deutsche Steuergelder Terrortunnel finanzieren. Erst vergangene Woche r\u00e4umte die niederl\u00e4ndische Regierung ein, dass Gelder an eine Landwirtschaftsorganisation in Ramallah geflossen seien, die damit teilweise die Geh\u00e4lter zweier des Mordes an der 17-j\u00e4hrigen Israelin Rina Shnerb Verd\u00e4chtiger gezahlt haben. Auch die Bundesregierung unterst\u00fctzt diese Organisation, obwohl Kritiker schon lange vor Verbindungen zu Terroristen warnen.<\/p>\n\n\n\n

Wir k\u00f6nnen uns also gerne unterhalten \u2013 aber im Dialog, nicht in Monologen. Denn Reden unter Menschen, die sich einig sind, ist nichts anderes als Impotenz.<\/p>\n\n\n\n

Israelkritik als Eintrittskarte<\/h6>\n\n\n\n

Die Israelis, die die Petition unterzeichnet haben, haben \u00fcbrigens ebenfalls etwas verstanden. Seit Jahren wissen sie: Es ist ihre Eintrittskarte in die Mitte der deutschen (und europ\u00e4ischen) Gesellschaft. Man h\u00f6rt nicht oft von Akademikern mit proisraelischen Ansichten. Weder in den Philharmonie-Orchestern noch in der Kunstszene. Die Eintrittskarte daf\u00fcr ist ein antiisraelischer Standpunkt.<\/p>\n\n\n\n

Der mutma\u00dfliche Grund, warum kaum Deutsche die Petition unterzeichnet haben: Sie mussten es nicht. Ihre Lieblingsjuden haben es f\u00fcr sie getan. Jetzt k\u00f6nnen sie sagen: \u201eSchau, ich bin das ja nicht, meine j\u00fcdischen Freunde sagen es.\u201c Ich selbst war einige Jahre lang mit einem Paar hier in Berlin befreundet, bis ich herausfand, dass ich ihr Lieblingsjude war. Ja, selbst das j\u00fcdische Museum wurde so genutzt.<\/p>\n\n\n\n

Weil Attacken gegen Juden ein absolutes Tabu sind, wurden Umwege gefunden, um den Antisemitismus auf kleiner Flamme k\u00f6cheln zu lassen: die unfundierte, unbegr\u00fcndete Kritik an Israel.<\/p>\n\n\n\n

Diese Art der Kritik ist gef\u00e4hrlich. Sie schw\u00e4cht jede begr\u00fcndete und notwendige Kritik am Verhalten Israels. Und das Interessante ist: Trotz all der heftigen, pauschalisierenden Anklagen, all der offenen Briefe driftet Israel politisch immer weiter nach rechts. Doch statt mal einen anderen Ansatz zu versuchen, werden die antiisraelischen Stimmen nur lauter. Dasselbe versuchen und andere Ergebnisse davon erwarten \u2013 das ist die Definition von Wahnsinn.<\/p>\n\n\n\n

Kurz bevor der Prozess gegen den wegen des Attentats von Halle<\/a> Angeklagten begann \u2013 des seit Kriegsende schlimmsten Akts von Antisemitismus in Deutschland \u2013, lud eine Lokalzeitung den fr\u00fcheren Botschafter Shimon Stein und den Historiker Moshe Zimmermann ein, dar\u00fcber zu schreiben, was Antisemitismus ist. Nat\u00fcrlich wendeten auch sie sich gegen Felix Kleins Ansatz. Sie zitieren die Kontroverse um die Umbenennung der U-Bahn-Station Mohrenstra\u00dfe in Glinkastra\u00dfe, die sich darum drehte, dass der russische Komponist Michael Glinka Antisemit gewesen sein soll. Stein und Zimmermann halten die Debatte f\u00fcr \u00fcberzogen, Glinka sei nur ein Kind seiner Zeit gewesen. Folgt man ihrer Logik, k\u00f6nnen wir dann also in 20 oder 30 Jahren U-Bahn-Stationen nach den Kindern der 1930er Jahre benennen?<\/p>\n\n\n\n

Der Antisemit als Tierfreund<\/h6>\n\n\n\n

Ich w\u00fcnschte, die Sache h\u00e4tte mit dem Artikel, mit der Petition geendet. Doch dann erschien ein Artikel, der den Leser auf einen Waldspaziergang mit einem veganen Koch und Antisemiten mitnahm. Darin setzt der Tierfreund erst behutsam einen K\u00e4fer wieder auf seine Beinchen und erkl\u00e4rt dann, dass die Todesstrafe in Deutschland wieder eingef\u00fchrt werden solle, um einen gewissen Politiker (der zuf\u00e4llig pro Israel ist) an seinen Hoden aufh\u00e4ngen zu k\u00f6nnen. Dieser Koch hat Hunderttausende Follower, er sagt all solche Dinge am helllichten Tag in Berlin. Und in den Medien.<\/p>\n\n\n\n

F\u00e4lle wie dieser handeln bereits von Gewalt \u2013 und sie enden nicht bei den Juden. Der Hass richtet sich gegen Frauen<\/a>, Muslime, Gefl\u00fcchtete, \u00adLBTQI. Am Ende aller theoretischen Debatten stehen immer echte Menschen. Am Ende jeder Konferenz dar\u00fcber, was Antisemitismus ausmacht, steht ein potenzielles j\u00fcdisches Opfer. Angesichts einer Welle von Antisemitismus \u00fcber die Definition von Antisemitismus zu streiten ist, wie eine 10 Meter hohe Welle heranrollen zu sehen und dar\u00fcber zu streiten, was einen Tsunami ausmacht.<\/p>\n\n\n\n

Felix Klein versteht, wie absurd es ist, zu sagen: Es sind nur die Rechten. Die Rechten sind Deutsche, so wie die Nazis Deutsche waren. Klein versteht, dass die Deutschen nicht aufgeh\u00f6rt haben, Juden zu ermorden, weil sie irgendeine Art von Erleuchtung hatten. Sondern schlicht, weil sie den Krieg verloren haben. Um den Antisemitismus zu bek\u00e4mpfen, bevor er die Gesellschaft frisst, in der er und wir leben, muss Deutschland seinen moralischen Kompass korrigieren.<\/p>\n\n\n\n

Immerhin: Mehr und mehr Deutsche fahren nach Israel, sie wollen ein anderes Narrativ h\u00f6ren. Mehr und mehr Deutsche verstehen, dass Antisemitismus Schockwellen ausl\u00f6st, die die gesamte Gesellschaft betreffen. In einem normalen Universum w\u00fcrde Klein bef\u00f6rdert werden f\u00fcr seine Leistung. In einer verdrehten Gesellschaft fordern Menschen seine Entlassung. Um es mit Mbembe zu sagen: Das ist Nano-Nonsens.<\/p>\n\n\n\n

\u00dcbersetzung: Ariane Lemme<\/a><\/em><\/p>\n","post_title":"Felix Klein hat verstanden","post_excerpt":"","post_status":"publish","comment_status":"closed","ping_status":"closed","post_password":"","post_name":"felix-klein-hat-verstanden","to_ping":"","pinged":"","post_modified":"2025-02-02 08:39:39","post_modified_gmt":"2025-02-02 08:39:39","post_content_filtered":"","post_parent":0,"guid":"https:\/\/dctransparency.com\/?p=3786","menu_order":0,"post_type":"post","post_mime_type":"","comment_count":"0","filter":"raw"}],"next":false,"prev":true,"total_page":47},"paged":1,"column_class":"jeg_col_2o3","class":"epic_block_3"};

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Mit Unterst\u00fctzung der T\u00fcrkei hat die von den Vereinten Nationen anerkannte Regierung des Nationalen Abkommens nun die LNA von Gen Haftar aus der Gegend um Tripolis zur\u00fcckgeschlagen.<\/p>\n","post_title":"BBC-Untersuchung: VAE in t\u00f6dlichen Angriff in Libyen verwickelt","post_excerpt":"","post_status":"publish","comment_status":"closed","ping_status":"closed","post_password":"","post_name":"bbc-untersuchung-vae-in-todlichen-angriff-in-libyen-verwickelt","to_ping":"","pinged":"","post_modified":"2025-02-02 08:39:39","post_modified_gmt":"2025-02-02 08:39:39","post_content_filtered":"","post_parent":0,"guid":"https:\/\/dctransparency.com\/?p=3811","menu_order":0,"post_type":"post","post_mime_type":"","comment_count":"0","filter":"raw"},{"ID":3792,"post_author":"7","post_date":"2020-08-14 13:58:48","post_date_gmt":"2020-08-14 13:58:48","post_content":"\n

Die Hagia Sophia war (ist) ein kulturelles Weltwunder und aufgeladen mit symbolischer Bedeutung, f\u00fcr die Christenheit ebenso wie f\u00fcr den Islam \u2013 und den t\u00fcrkischen Nationalismus. Als Mehmed II. sie betrat, war sie schon fast 1000 Jahre die gr\u00f6\u00dfte Kirche der christlichen Welt und das Zentrum der orthodoxen Glaubensrichtung. Die \"Ayasofya\", wie sie dann hie\u00df, war 500 Jahre lang Moschee \u2013 bis 1934, als Kemal Pascha Atat\u00fcrk, der \"Vater\" der modernen T\u00fcrkei, sie in ein Museum verwandelte, in der ausdr\u00fccklichen Absicht, auch hier mit dem osmanischen Erbe zu brechen.<\/p>\n\n\n\n

Nun wird Pr\u00e4sident Recep Tayyip Erdo\u011fan, der \"Vater\" der re-islamisierten T\u00fcrkei, am 24. Juli dieses Jahres die Ayasofya durch das Freitagsgebet wieder in den Islam eingliedern. Oder eher in seinen pers\u00f6nlichen religi\u00f6sen Nationalismus.<\/p>\n\n\n\n

Welterbe von allen<\/h3>\n\n\n\n

Wie bedeutungsschwer ist dieser Akt eines \"starken Mannes\", der innenpolitisch deutlich schw\u00e4chelt? Die Proteste vor allem aus der orthodoxen Welt, aber auch aus Europa und den USA sind eher traurig als w\u00fctend. Der Papst dr\u00fcckte seinen \"Schmerz\" aus. Auch der Jubel in der islamischen Welt fiel zun\u00e4chst weniger \u00fcbersch\u00e4umend als erwartet aus.<\/p>\n\n\n\n

Ist es der Alleingang eines Autokraten in Bedr\u00e4ngnis oder ist \"der Jubel \u00fcber die Eroberung der Hagia Sophia der Versuch einer zutiefst erniedrigten, vom Gef\u00fchl der Wertlosigkeit dominierten und in ihrer eigenen Selbstberechtigung beraubten Gesellschaft, eine Bedeutung, eine St\u00e4rke, ein Selbstwertgef\u00fchl zu finden\"? So recht pauschalierend der in Deutschland lebende pal\u00e4stinensische Intellektuelle und Psychiater Ahmad Mansour.<\/p>\n\n\n\n

Die beiden Gro\u00dfreiche, das byzantinische und das osmanische, sind l\u00e4ngst versunken.<\/p><\/blockquote>\n\n\n\n

Das eigentliche Schl\u00fcsselwort im Zusammenhang mit der Hagia Sofia ist \"Welterbe\". Das Erbe von allen. Einmal im kulturellen Sinn der Unesco, aber in Wahrheit weiter gefasst. Das einzigartige Bauwerk geh\u00f6rt in Wirklichkeit der ganzen Welt, nicht der einen oder anderen Religion. Die beiden Gro\u00dfreiche, f\u00fcr die die Hagia Sofia der zentrale spirituelle Bau war, das byzantinische und das osmanische, sind l\u00e4ngst versunken. Seither hat sie eine neue, \u00fcbernationale Dimension erhalten. Was Erdo\u011fan da jetzt mit der Hagia Sofia macht, ist eine Verengung und Verarmung eines gemeinsamen Welterbes.<\/p>\n\n\n\n

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Betende Muslime vor der Hagia Sophia.<\/figcaption><\/figure>\n\n\n\n

Davon abgesehen aber war und ist sie ein architektonisches Meisterwerk und geh\u00f6rt zu den bedeutendsten Bauten der Welt. Wer heute den Zentralraum unter der Kuppel betritt, kann sich nur schwer dem zugleich majest\u00e4tischen wie schwebenden Gesamteindruck entziehen. Die Hagia Sophia blieb fast 1000 Jahre die gr\u00f6\u00dfte Kirche der Christenheit. Technisch war die Kuppel (mit mehreren Halbkuppeln) eine \u00fcberaus riskante Innovation: Die 55 Meter hohe und 32 Meter im Durchmesser breite Kuppel ruht auf nur vier Tragpunkten, was den schwebenden, schwerelosen Eindruck erzeugt. Die Konstruktion folgt einem mathematischen Prinzip, das erst k\u00fcrzlich entschl\u00fcsselt wurde.<\/p>\n\n\n\n

\"Salomo, ich habe dich \u00fcbertroffen!\"<\/p><\/blockquote>\n\n\n\n

Als Kaiser Justinian die Hagia Sophia nach nur f\u00fcnf Jahren Bauzeit (532\u2013537) betrat, soll er in Anspielung auf den Tempel in Jerusalem ausgerufen haben: \"Salomo, ich habe dich \u00fcbertroffen!\" Die Innenausstattung war mit ihren S\u00e4ulen aus Porphyr und gr\u00fcnem Marmor, mit Mosaiken aus Gold und Halbedelsteinen derart prunkvoll, der Gesamteindruck derart \u00fcberirdisch, dass eine Delegation des Gro\u00dff\u00fcrsten von Kiew nicht mehr wusste, \"ob wir im Himmel oder auf der Erde\" waren \u2013 was die Christianisierung Russlands bef\u00f6rderte.<\/p>\n\n\n\n

Der deutsche Architekturlehrer Holger Kleine nennt die Hagia Sophia \"absolute Architektur\", weil sie \"extreme Ausdrucksformen nahezu aller dramaturgischen Mittel, die der Architektur zur Verf\u00fcgung stehen, vereinigt: wuchtigste K\u00f6rper und luftigste R\u00e4ume, engste Enge und gr\u00f6\u00dfte Weite, w\u00e4rmende Helligkeit und mystisches Dunkel\". Und die Kuppelbauten aus der sp\u00e4teren Hochbl\u00fcte der Moscheenarchitektur im 16. und 17. Jahrhundert gehen eindeutig auf die Hagia Sophia zur\u00fcck.<\/p>\n\n\n\n

Die Hagia Sophia war Staatskirche des byzantinischen Reichs. F\u00fcr die Eroberer der letzte Schlussstein in der Kuppel osmanisch-muslimischen Herrschaftsanspruchs. Konstantinopel war ja 1453 nur noch eine isolierte, heruntergekommene Enklave in einem osmanischen Umfeld, kein christliches Heer kam zu Hilfe. Doch vorher war es zugleich Sperrriegel nach Osten und Geistesarchiv der antiken Kultur gewesen. \"Ohne Byzanz h\u00e4tte es kein Europa gegeben\", sagt die britische Altertumsforscherin Judith Herrin.<\/p>\n\n\n\n

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Freigelegtes Mosaik von \"Christos Pantokrator\".<\/figcaption><\/figure>\n\n\n\n

Neue Fragen<\/h3>\n\n\n\n

Die Kirche wurde von Mehmed II. und Nachfolgern nicht in der Substanz zerst\u00f6rt, sondern \"entchristlicht\". Die urspr\u00fcnglich \u00fcbert\u00fcnchten oder auch abgeschlagenen Mosaiken mit den Darstellungen von Christus, der Muttergottes, diversen Kaisern kamen zum Teil schon unter einem Sultan des 19. Jahrhunderts, dann gro\u00dfteils nach der Museumswidmung wieder zum Vorschein.<\/p>\n\n\n\n

Jetzt stellen sich neue symbolisch-praktische Fragen. Erdo\u011fan hat die Hagia Sophia der konservativen staatlichen Religionsbeh\u00f6rde Diyanet unterstellt. Die byzantinischen Mosaike, wie der gro\u00dfartige \"Christos Pantokrator\" (\"Weltenherrscher\") oder die Jungfrau Maria in der Apsis, m\u00fcssen wohl w\u00e4hrend des islamischen Gottesdiensts verh\u00e4ngt werden. Muss der Boden mit seinen Marmorplatten und Mosaiken mit einem Teppich bedeckt werden? Erdo\u011fan sagt, Touristen seien nach wie vor zugelassen. Aber sie werden wohl hinter Absperrungen bleiben m\u00fcssen. Frauen werden \u2013 wie in der benachbarten \"Blauen Moschee\" (\"Sultanahmed\") Kopftuch tragen m\u00fcssen.<\/p>\n\n\n\n

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Erdo\u011fan mit Gattin in der Hagia Sophia.<\/figcaption><\/figure>\n\n\n\n

Erdo\u011fans neue Abenteuer<\/strong><\/h3>\n\n\n\n

Aber wird da nicht doch zu viel in einen Formalakt rund um ein uraltes Bauwerk hineininterpretiert? Im geschichtlichen Kontext relativiert sich manches: Konstantinopel wurde schon von Christen erobert und ausgepl\u00fcndert \u2013 1204 im Vierten Kreuzzug. In der Moschee von Cordoba (\"Mezquita\") bauten die Katholiken eine ganze Kirche in den ber\u00fchmten S\u00e4ulenwald hinein. Die Mezquita ist heute noch Kirche, kein Museum.<\/p>\n\n\n\n

\"Das ist der Beweis, dass wir kein s\u00e4kularer Staat mehr sein wollen\", sagt Nobelpreistr\u00e4ger Orhan Pamuk. Erdo\u011fan betrachtet sich offenbar als auch neoosmanischer \"Fatih\" im Mittelmeerraum mit immer neuen Abenteuern: Eingreifen in Syrien, Stellvertreterkrieg in Libyen, Anspr\u00fcche auf Erdgasvorkommen weit vor der t\u00fcrkischen K\u00fcste bei Zypern, Reden, wonach manche \u00c4g\u00e4is-Inseln eigentlich zur T\u00fcrkei geh\u00f6ren, \"denn dort stehen unsere Moscheen\". Manches davon ist nur Rhetorik, aber genug anderes ist riskante Realit\u00e4t. (Hans Rauscher, 14.7.2020)<\/p>\n\n\n\n

Quelle<\/a><\/strong><\/p>\n","post_title":"Hagia Sophia: Verengung und Verarmung eines Welterbes","post_excerpt":"","post_status":"publish","comment_status":"closed","ping_status":"closed","post_password":"","post_name":"hagia-sophia-verengung-und-verarmung-eines-welterbes","to_ping":"","pinged":"","post_modified":"2025-02-02 08:39:39","post_modified_gmt":"2025-02-02 08:39:39","post_content_filtered":"","post_parent":0,"guid":"https:\/\/dctransparency.com\/?p=3792","menu_order":0,"post_type":"post","post_mime_type":"","comment_count":"0","filter":"raw"},{"ID":3789,"post_author":"7","post_date":"2020-08-14 13:56:07","post_date_gmt":"2020-08-14 13:56:07","post_content":"\n

Im Gastkommentar pocht Mark Leonard, Direktor des Europ\u00e4ischen Rats f\u00fcr Ausw\u00e4rtige Beziehungen, auf \"neue, einvernehmlich vereinbarte Prinzipien sowie klare Grenzen\", nur so k\u00f6nne eine weitere Destabilisierung in der Region verhindert werden.<\/em><\/strong><\/p>\n\n\n\n

Ist die T\u00fcrkei das neue Russland? Diese Frage wird in den europ\u00e4ischen Hauptst\u00e4dten zunehmend gestellt, da die Au\u00dfenpolitik des t\u00fcrkischen Pr\u00e4sidenten Recep Tayyip Erdo\u011fan zunehmend aggressiver wird. Erdo\u011fan nutzt nicht nur die Migration, um die EU zu bedrohen und zu betr\u00fcgen, sondern setzt auch milit\u00e4rische Macht ein, um den Einflussbereich der T\u00fcrkei auf die gesamte Region auszudehnen.<\/p>\n\n\n\n

Seit dem Ende des Kalten Krieges haben die Europ\u00e4er die regionale Sicherheit durch eine unipolare westliche Linse betrachtet. W\u00e4hrend die Nato die milit\u00e4rische Sicherheit garantierte, sorgte die EU mit ihrem 80.000 Seiten starken Regelwerk f\u00fcr alles von LGBTQ-Rechten bis hin zu Rasenm\u00e4her-Sound-Verordnungen f\u00fcr Rechtsordnung. In den 90er-Jahren ging man allgemein davon aus, dass die beiden gro\u00dfen nichtwestlichen regionalen Akteure, Russland und die T\u00fcrkei, nach und nach an diese Regelungen herangef\u00fchrt werden w\u00fcrden.<\/p>\n\n\n\n

Qu\u00e4lende Hassliebe<\/h3>\n\n\n\n

Doch in den letzten 15 Jahren ist der Traum von der europ\u00e4ischen Unipolarit\u00e4t einer multipolaren Realit\u00e4t gewichen. Sowohl Russland als auch die T\u00fcrkei haben eine lange, qu\u00e4lende Hassliebe zu Europa, und beide sind unter nationalen Machthabern, denen die Verachtung der Normen und Werte der EU gemeinsam ist, durchsetzungsf\u00e4higer geworden.<\/p>\n\n\n\n

Die zunehmende Verschlechterung der Beziehungen zwischen der EU und Russland ist gut dokumentiert, der Fall der T\u00fcrkei weniger. Der Irakkrieg im Jahr 2003 komplizierte das Verh\u00e4ltnis der T\u00fcrkei zur Nato, und ihr Verh\u00e4ltnis zur EU verschlechterte sich 2007, als Frankreich einen wichtigen Teil ihrer EU-Beitrittsverhandlungen blockierte. Seitdem hat die T\u00fcrkei ihren eigenen Weg in Syrien, auf dem Balkan und in Libyen eingeschlagen und neue Beziehungen zu Russland und China aufgebaut.<\/p>\n\n\n\n

Wichtiger Akteur<\/strong><\/h3>\n\n\n\n

Nat\u00fcrlich sind die Beziehungen zwischen der T\u00fcrkei und Russland nicht weniger kompliziert, nicht zuletzt weil Erdo\u011fan und der russische Pr\u00e4sident Wladimir Putin im syrischen B\u00fcrgerkrieg verschiedene Seiten unterst\u00fctzten.Und w\u00e4hrend die Spannungen wegen des Syrien-Konflikts weiterhin bestehen, bewundert Erdo\u011fan deutlich, wie Russland sich \u2013 bei relativ geringen Kosten \u2013 wieder als wichtiger Akteur im Nahen Osten und in Nordafrika etabliert hat.<\/p>\n\n\n\n

Nachdem er in einen nicht zu gewinnenden Krieg im Osten der Ukraine verwickelt war, schien Putins weitgehend erfolgreicher Feldzug in Syrien einen Teil seiner innenpolitischen Autorit\u00e4t wiederherzustellen. Der Westen hatte f\u00fcnf Jahre lang darauf bestanden, dass es keine milit\u00e4rische L\u00f6sung des Konflikts gebe und dass der syrische Pr\u00e4sident Baschar al-Assad gehen m\u00fcsse. Doch w\u00e4hrend die von den Vereinten Nationen unterst\u00fctzten Gespr\u00e4che in Genf zu keinem Ergebnis f\u00fchrten, schienen die von Russland geleiteten Gespr\u00e4che in Astana voranzukommen. Indem der Kreml die T\u00fcrkei und den Iran einbezog, w\u00e4hrend er die westlichen M\u00e4chte ausschloss, erweckte er den Eindruck, dass Russland als wiedergeborene Supermacht aus der Asche auferstanden sei.<\/p>\n\n\n\n

Unter Druck<\/h3>\n\n\n\n

Angesichts des wachsenden Widerstands im eigenen Land macht es Erdo\u011fan Putin gleich. Da der Westen nicht bereit war, (erneut) milit\u00e4risch in Libyen zu intervenieren, sah Erdo\u011fan eine Gelegenheit, die T\u00fcrkei zu positionieren. Nach dem Vorgehen Russlands in Syrien sicherte er sich eine formelle Einladung der libyschen Regierung zur Intervention. Mit einem Schlag Ende letzten Jahres hat er nicht nur das Image der T\u00fcrkei als Regionalmacht gest\u00e4rkt, sondern auch ein Abkommen mit Libyen \u00fcber die Seegrenze abgeschlossen und damit einen Plan Griechenlands, Zyperns, \u00c4gyptens und Israels zur Erschlie\u00dfung von Unterwasser\u00f6l- und -gasfeldern in der N\u00e4he zunichtegemacht.<\/p>\n\n\n\n

Erdo\u011fan scheint auch von der Spalt-und-Eroberungs-Strategie des Kreml in Europa inspiriert worden zu sein, der zufolge oft diejenigen EU-Mitgliedsstaaten unter Druck gesetzt werden, die am meisten von russischen Kohlenwasserstoffen oder M\u00e4rkten abh\u00e4ngig sind. So wie Putin lange Zeit die Energieversorgung instrumentalisiert hat, hat Erdo\u011fan versucht, den Strom von Migranten und Fl\u00fcchtlingen, die vor Konflikten im Nahen Osten fliehen, zu instrumentalisieren. Als die EU eine neue Marinemission ank\u00fcndigte, um den Waffenstrom nach Libyen zu blockieren, malte die T\u00fcrkei f\u00fcr Malta das Schreckgespenst der angeblichen Bedrohung durch Migranten an die Wand. Malta reagierte prompt und signalisierte, dass es gegen die Finanzierung der Mission ein Veto einlegen werde.<\/p>\n\n\n\n

Verlorener Sohn<\/strong><\/h3>\n\n\n\n

Jahrelang redeten sich die Europ\u00e4er ein, dass Russland eine Art verlorener Sohn sei und dass die europ\u00e4ische unipolare Ordnung gesund bleibe. Doch das machte Europa zu einem leichten Ziel f\u00fcr die Trennungs-und-Eroberungs-Strategie des Kreml. Erst vor relativ kurzer Zeit entwarf die Union eine neue Politik und ein robustes Sanktionsregime, um die russische Aggression abzuschrecken. Und selbst jetzt \u2013 trotz der besten Bem\u00fchungen der deutschen Bundeskanzlerin Angela Merkel und des franz\u00f6sischen Pr\u00e4sidenten Emmanuel Macron \u2013 hat die EU noch immer keine wirksamen Kommunikationskan\u00e4le mit Russland geschaffen, um gemeinsame Probleme anzugehen.<\/p>\n\n\n\n

Die T\u00fcrkei ist noch kein neues Russland, aber sie k\u00f6nnte dazu werden, wenn die Situation falsch gehandhabt wird. Vorerst betrachten die meisten Europ\u00e4er die T\u00fcrkei noch immer als einen komplizierten Partner und nicht als \"Systemrivalen\". Aber die Europ\u00e4er sollten die hart erk\u00e4mpften Lehren aus dem Umgang mit Russland in den letzten 15 Jahren beherzigen. Die Beziehungen zwischen der EU und der T\u00fcrkei brauchen neue, einvernehmlich vereinbarte Prinzipien sowie klare Grenzen, um eine weitere Destabilisierung in der Region zu verhindern.<\/p>\n\n\n\n

Zu diesem Zweck sollten die Europ\u00e4er klarstellen, dass der EU-Beitrittsprozess entweder zur\u00fcckgedreht oder vorangetrieben werden kann und dass eine eher transaktionale Beziehung sowohl Zuckerbrot als auch Peitsche beinhaltet. Die Herausforderung wird darin bestehen, daf\u00fcr zu sorgen, dass es in einer Region, die nicht nur von Europa und der T\u00fcrkei, sondern auch von Russland, den USA und einem aufstrebenden China beeinflusst wird, noch Raum f\u00fcr politisches Engagement in Fragen der gemeinsamen Sicherheit gibt. (Mark Leonard, \u00dcbersetzung: Eva G\u00f6llner, Copyright: Project Syndicate, 10.8.2020)<\/p>\n\n\n\n

Mark Leonard <\/strong>ist Direktor des Europ\u00e4ischen Rats f\u00fcr Ausw\u00e4rtige Beziehungen.<\/a><\/p>\n","post_title":"Erdo\u011fan \u2013 der andere Putin vor der Haust\u00fcr Europas","post_excerpt":"","post_status":"publish","comment_status":"closed","ping_status":"closed","post_password":"","post_name":"erdogan-der-andere-putin-vor-der-haustur-europas","to_ping":"","pinged":"","post_modified":"2025-02-02 08:39:39","post_modified_gmt":"2025-02-02 08:39:39","post_content_filtered":"","post_parent":0,"guid":"https:\/\/dctransparency.com\/?p=3789","menu_order":0,"post_type":"post","post_mime_type":"","comment_count":"0","filter":"raw"},{"ID":3786,"post_author":"7","post_date":"2020-08-14 13:51:23","post_date_gmt":"2020-08-14 13:51:23","post_content":"\n

Einen Monat nachdem ich zur israelischen Armee eingezogen worden war, brach die erste Intifada aus. Statt Soldat zu sein, machte ich Polizeiarbeit, sagte den Menschen, wann sie zur Arbeit gehen konnten und wann sie ihre L\u00e4den schlie\u00dfen mussten, wann sie die Grenze passieren und wann sie schlafen konnten. Einen Monat nachdem ich aus der Armee entlassen worden war, ging ich auf Reisen. (In Israel sagen wir: Wir dienen drei Jahre und versuchen den Rest unseres Lebens, diese drei Jahre zu vergessen.) Auf meiner Reise begann ich Briefe an meine Freundin zu schreiben, die ich in Israel zur\u00fcckgelassen hatte.<\/p>\n\n\n\n

Ich schrieb ihr, wie schrecklich depressiv ich war und dass diese drei Jahre des Anweisungenbellens und Anderen-Menschen-Sagens, was sie zu tun haben, mich f\u00fcr immer verfolgen w\u00fcrden. Dass sie ein Teil dessen geworden waren, was ich bin. Ich erinnere mich, dass ich ihr schrieb, dass wir da rausm\u00fcssen \u2013 nicht nur f\u00fcr die Pal\u00e4stinenser, sondern wegen der furchtbaren und brutalen Auswirkungen, die all das auf uns, auf die israelische Gesellschaft haben w\u00fcrde. Sie schrieb zur\u00fcck: \u201eDu hast recht. Ich habe einen neuen Freund.\u201c<\/p>\n\n\n\n

Felix Klein wurde als Beauftragter der Bundesregierung berufen<\/a>, um die Auswirkungen des zunehmenden Antisemitismus in unserer Gesellschaft, in Deutschland, zu bek\u00e4mpfen. Was nicht in seiner Jobbeschreibung steht, ist, dass er dabei unsere Gesellschaft heilen muss, jene Gesellschaft, die diese Form des Hasses reproduziert und sch\u00fctzt. Klein hat das begriffen.<\/p>\n\n\n\n

Er versteht, dass man Krebs nicht mit einem Pflaster verarztet, er wei\u00df, dass er das Bewusstsein der Deutschen sch\u00e4rfen und Diskussionen ansto\u00dfen muss. Er hat begriffen, dass das Problem nicht nur an den R\u00e4ndern der Gesellschaft (bei den Rechten) liegt, sondern auch in ihrer Mitte. Dort, wo gebildete Menschen nicht einmal bemerken, dass das, was sie sagen und tun, antisemitisch ist. So wie sie es auch nicht merken, wenn sie rassistisch handeln. Er hat all das verstanden, und genau deshalb wollen einige, dass er seinen Posten r\u00e4umt.<\/p>\n\n\n\n

Mehr als 60 deutsche und israelische Intellektuelle haben letzte Woche in einem Brief an Kanzlerin Merkel<\/a> dar\u00fcber geklagt, dass der aktuelle \u201eGebrauch des Antisemitismusbegriffs\u201c darauf abziele, \u201elegitime Kritik an der israelischen Regierungspolitik zu unterdr\u00fccken\u201c, und Klein vorgeworfen, rechtspopulistische israelische Stimmen zu f\u00f6rdern.<\/p>\n\n\n\n

Faszinierend an diesem offenen Brief ist, dass viele der Unterzeichneten keine Deutschen sind und auch nicht in Deutschland leben. Ich wei\u00df nicht, woher sie \u2013 die meisten von ihnen sind Israelis \u2013 die Chuzpe haben, sich in eine innerdeutsche Angelegenheit einzumischen und zu fordern, eine Person zu entlassen, die von der Bundesregierung eingesetzt wurde. Die H\u00e4lfte der Unterzeichneten lebt nicht hier, von der anderen H\u00e4lfte sind viele keine Juden \u2013 somit sind die allermeisten von ihnen nicht direkt vom Antisemitismus in Deutschland betroffen. Wie also k\u00f6nnen sie diesen Brief unterschreiben? Und warum eigentlich haben so wenige Deutsche unterschrieben? Dazu komme ich gleich.<\/p>\n\n\n\n

Debatte um Achille Mbembe<\/h6>\n\n\n\n

Hintergrund des Briefs war, dass Felix Klein gefordert hatte, den Philosophen Achille Mbembe<\/a> nicht die Er\u00f6ffnungsrede der Ruhrtriennale halten zu lassen. Als mit \u00f6ffentlichen Mitteln gef\u00f6rdertes Event solle die Ruhrtriennale Mbembe wegen seiner Haltung zu Israels Existenzrecht, seiner Haltung zu BDS und der Art, wie er in einem seiner Werke den Holocaust relativiert, nicht einladen.<\/p>\n\n\n\n

Mbembes Unterst\u00fctzer sagen, keine dieser Anschuldigungen sei wahr. F\u00fcrs Protokoll: In meinen Augen unterst\u00fctzt Mbembe sehr wohl BDS<\/a>, er schrieb unter anderem das Vorwort zu \u201eApartheid Israel\u201c und fordert die komplette Isolation Israels. Ich glaube auch, wenn Mbembe schreibt, die israelische Besetzung sei der \u201egr\u00f6\u00dfte moralische Skandal unserer Zeit\u201c, zeigt das, dass sein moralischer und geografischer Kompass etwas schief ist.<\/p>\n\n\n\n

Doch warum treibt die Debatte so viele Menschen um? Nun, zun\u00e4chst gibt niemand gern auf, was ihm oder ihr selbstverst\u00e4ndlich scheint. \u00dcber den gesamten politischen, sozialen, kulturellen, medialen und akademischen Sektor hinweg sind Menschen daran gew\u00f6hnt, so schlecht \u00fcber Israel sprechen zu k\u00f6nnen, wie auch immer sie wollen.<\/p>\n\n\n\n

Der Spiegel<\/em> hat \u2013 vielleicht in Anlehnung an seine Relotius-Standards, Israel erst k\u00fcrzlich eine Corona-Diktatur genannt. Fakten und Belege f\u00fcr diese Behauptung gab es nicht. Doch Millionen Deutsche haben es gelesen, und es wird nat\u00fcrlich haften bleiben. Faktenlage hin oder her. Der Spiegel<\/em> und andere Medien haben dieses Spiel perfektioniert: Titel so zu drehen, dass sie Israel indirekt anklagen, die Idee zu streuen, der Mossad kon\u00adtrol\u00adliere die deutsche Au\u00dfenpolitik im Nahen Osten, und so fort. Doch sie stehen allesamt sofort auf den Hinterbeinen, wenn jemand es wagt, das Spiel beim Namen zu nennen: moderner Antisemitismus.<\/p>\n\n\n\n

Klein will dem entgegenwirken. Er versteht, dass antisemitische Attacken in Deutschland die Fr\u00fcchte solch falsch gezeichneter Bilder und eindimensionaler Narrative \u00fcber Israel sind. Wenn er und andere versuchen, ein anderes Narrativ aufzuzeigen, wirft man ihnen Zensur vor: Wie k\u00f6nnen sie es wagen, das Gesch\u00e4ft der Anti-Israel-Propaganda zu st\u00f6ren?<\/p>\n\n\n\n

Liebe Deutsche, wenn ihr reden wollt, lasst uns gern reden: \u00fcber die Besetzung, \u00fcber Bibi und alles, was schiefl\u00e4uft. Aber dann lasst uns bitte auch dar\u00fcber reden, wie deutsche Steuergelder Terrortunnel finanzieren. Erst vergangene Woche r\u00e4umte die niederl\u00e4ndische Regierung ein, dass Gelder an eine Landwirtschaftsorganisation in Ramallah geflossen seien, die damit teilweise die Geh\u00e4lter zweier des Mordes an der 17-j\u00e4hrigen Israelin Rina Shnerb Verd\u00e4chtiger gezahlt haben. Auch die Bundesregierung unterst\u00fctzt diese Organisation, obwohl Kritiker schon lange vor Verbindungen zu Terroristen warnen.<\/p>\n\n\n\n

Wir k\u00f6nnen uns also gerne unterhalten \u2013 aber im Dialog, nicht in Monologen. Denn Reden unter Menschen, die sich einig sind, ist nichts anderes als Impotenz.<\/p>\n\n\n\n

Israelkritik als Eintrittskarte<\/h6>\n\n\n\n

Die Israelis, die die Petition unterzeichnet haben, haben \u00fcbrigens ebenfalls etwas verstanden. Seit Jahren wissen sie: Es ist ihre Eintrittskarte in die Mitte der deutschen (und europ\u00e4ischen) Gesellschaft. Man h\u00f6rt nicht oft von Akademikern mit proisraelischen Ansichten. Weder in den Philharmonie-Orchestern noch in der Kunstszene. Die Eintrittskarte daf\u00fcr ist ein antiisraelischer Standpunkt.<\/p>\n\n\n\n

Der mutma\u00dfliche Grund, warum kaum Deutsche die Petition unterzeichnet haben: Sie mussten es nicht. Ihre Lieblingsjuden haben es f\u00fcr sie getan. Jetzt k\u00f6nnen sie sagen: \u201eSchau, ich bin das ja nicht, meine j\u00fcdischen Freunde sagen es.\u201c Ich selbst war einige Jahre lang mit einem Paar hier in Berlin befreundet, bis ich herausfand, dass ich ihr Lieblingsjude war. Ja, selbst das j\u00fcdische Museum wurde so genutzt.<\/p>\n\n\n\n

Weil Attacken gegen Juden ein absolutes Tabu sind, wurden Umwege gefunden, um den Antisemitismus auf kleiner Flamme k\u00f6cheln zu lassen: die unfundierte, unbegr\u00fcndete Kritik an Israel.<\/p>\n\n\n\n

Diese Art der Kritik ist gef\u00e4hrlich. Sie schw\u00e4cht jede begr\u00fcndete und notwendige Kritik am Verhalten Israels. Und das Interessante ist: Trotz all der heftigen, pauschalisierenden Anklagen, all der offenen Briefe driftet Israel politisch immer weiter nach rechts. Doch statt mal einen anderen Ansatz zu versuchen, werden die antiisraelischen Stimmen nur lauter. Dasselbe versuchen und andere Ergebnisse davon erwarten \u2013 das ist die Definition von Wahnsinn.<\/p>\n\n\n\n

Kurz bevor der Prozess gegen den wegen des Attentats von Halle<\/a> Angeklagten begann \u2013 des seit Kriegsende schlimmsten Akts von Antisemitismus in Deutschland \u2013, lud eine Lokalzeitung den fr\u00fcheren Botschafter Shimon Stein und den Historiker Moshe Zimmermann ein, dar\u00fcber zu schreiben, was Antisemitismus ist. Nat\u00fcrlich wendeten auch sie sich gegen Felix Kleins Ansatz. Sie zitieren die Kontroverse um die Umbenennung der U-Bahn-Station Mohrenstra\u00dfe in Glinkastra\u00dfe, die sich darum drehte, dass der russische Komponist Michael Glinka Antisemit gewesen sein soll. Stein und Zimmermann halten die Debatte f\u00fcr \u00fcberzogen, Glinka sei nur ein Kind seiner Zeit gewesen. Folgt man ihrer Logik, k\u00f6nnen wir dann also in 20 oder 30 Jahren U-Bahn-Stationen nach den Kindern der 1930er Jahre benennen?<\/p>\n\n\n\n

Der Antisemit als Tierfreund<\/h6>\n\n\n\n

Ich w\u00fcnschte, die Sache h\u00e4tte mit dem Artikel, mit der Petition geendet. Doch dann erschien ein Artikel, der den Leser auf einen Waldspaziergang mit einem veganen Koch und Antisemiten mitnahm. Darin setzt der Tierfreund erst behutsam einen K\u00e4fer wieder auf seine Beinchen und erkl\u00e4rt dann, dass die Todesstrafe in Deutschland wieder eingef\u00fchrt werden solle, um einen gewissen Politiker (der zuf\u00e4llig pro Israel ist) an seinen Hoden aufh\u00e4ngen zu k\u00f6nnen. Dieser Koch hat Hunderttausende Follower, er sagt all solche Dinge am helllichten Tag in Berlin. Und in den Medien.<\/p>\n\n\n\n

F\u00e4lle wie dieser handeln bereits von Gewalt \u2013 und sie enden nicht bei den Juden. Der Hass richtet sich gegen Frauen<\/a>, Muslime, Gefl\u00fcchtete, \u00adLBTQI. Am Ende aller theoretischen Debatten stehen immer echte Menschen. Am Ende jeder Konferenz dar\u00fcber, was Antisemitismus ausmacht, steht ein potenzielles j\u00fcdisches Opfer. Angesichts einer Welle von Antisemitismus \u00fcber die Definition von Antisemitismus zu streiten ist, wie eine 10 Meter hohe Welle heranrollen zu sehen und dar\u00fcber zu streiten, was einen Tsunami ausmacht.<\/p>\n\n\n\n

Felix Klein versteht, wie absurd es ist, zu sagen: Es sind nur die Rechten. Die Rechten sind Deutsche, so wie die Nazis Deutsche waren. Klein versteht, dass die Deutschen nicht aufgeh\u00f6rt haben, Juden zu ermorden, weil sie irgendeine Art von Erleuchtung hatten. Sondern schlicht, weil sie den Krieg verloren haben. Um den Antisemitismus zu bek\u00e4mpfen, bevor er die Gesellschaft frisst, in der er und wir leben, muss Deutschland seinen moralischen Kompass korrigieren.<\/p>\n\n\n\n

Immerhin: Mehr und mehr Deutsche fahren nach Israel, sie wollen ein anderes Narrativ h\u00f6ren. Mehr und mehr Deutsche verstehen, dass Antisemitismus Schockwellen ausl\u00f6st, die die gesamte Gesellschaft betreffen. In einem normalen Universum w\u00fcrde Klein bef\u00f6rdert werden f\u00fcr seine Leistung. In einer verdrehten Gesellschaft fordern Menschen seine Entlassung. Um es mit Mbembe zu sagen: Das ist Nano-Nonsens.<\/p>\n\n\n\n

\u00dcbersetzung: Ariane Lemme<\/a><\/em><\/p>\n","post_title":"Felix Klein hat verstanden","post_excerpt":"","post_status":"publish","comment_status":"closed","ping_status":"closed","post_password":"","post_name":"felix-klein-hat-verstanden","to_ping":"","pinged":"","post_modified":"2025-02-02 08:39:39","post_modified_gmt":"2025-02-02 08:39:39","post_content_filtered":"","post_parent":0,"guid":"https:\/\/dctransparency.com\/?p=3786","menu_order":0,"post_type":"post","post_mime_type":"","comment_count":"0","filter":"raw"}],"next":false,"prev":true,"total_page":47},"paged":1,"column_class":"jeg_col_2o3","class":"epic_block_3"};

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Anfang dieses Jahres gab BBC Africa Eye bekannt, dass die T\u00fcrkei auch gegen das Waffenembargo der Vereinten Nationen gegen Libyen versto\u00dfen hat, indem sie geheime Waffenlieferungen an die von den Vereinten Nationen anerkannte Regierung in Tripolis gesendet hat.<\/p>\n\n\n\n

Mit Unterst\u00fctzung der T\u00fcrkei hat die von den Vereinten Nationen anerkannte Regierung des Nationalen Abkommens nun die LNA von Gen Haftar aus der Gegend um Tripolis zur\u00fcckgeschlagen.<\/p>\n","post_title":"BBC-Untersuchung: VAE in t\u00f6dlichen Angriff in Libyen verwickelt","post_excerpt":"","post_status":"publish","comment_status":"closed","ping_status":"closed","post_password":"","post_name":"bbc-untersuchung-vae-in-todlichen-angriff-in-libyen-verwickelt","to_ping":"","pinged":"","post_modified":"2025-02-02 08:39:39","post_modified_gmt":"2025-02-02 08:39:39","post_content_filtered":"","post_parent":0,"guid":"https:\/\/dctransparency.com\/?p=3811","menu_order":0,"post_type":"post","post_mime_type":"","comment_count":"0","filter":"raw"},{"ID":3792,"post_author":"7","post_date":"2020-08-14 13:58:48","post_date_gmt":"2020-08-14 13:58:48","post_content":"\n

Die Hagia Sophia war (ist) ein kulturelles Weltwunder und aufgeladen mit symbolischer Bedeutung, f\u00fcr die Christenheit ebenso wie f\u00fcr den Islam \u2013 und den t\u00fcrkischen Nationalismus. Als Mehmed II. sie betrat, war sie schon fast 1000 Jahre die gr\u00f6\u00dfte Kirche der christlichen Welt und das Zentrum der orthodoxen Glaubensrichtung. Die \"Ayasofya\", wie sie dann hie\u00df, war 500 Jahre lang Moschee \u2013 bis 1934, als Kemal Pascha Atat\u00fcrk, der \"Vater\" der modernen T\u00fcrkei, sie in ein Museum verwandelte, in der ausdr\u00fccklichen Absicht, auch hier mit dem osmanischen Erbe zu brechen.<\/p>\n\n\n\n

Nun wird Pr\u00e4sident Recep Tayyip Erdo\u011fan, der \"Vater\" der re-islamisierten T\u00fcrkei, am 24. Juli dieses Jahres die Ayasofya durch das Freitagsgebet wieder in den Islam eingliedern. Oder eher in seinen pers\u00f6nlichen religi\u00f6sen Nationalismus.<\/p>\n\n\n\n

Welterbe von allen<\/h3>\n\n\n\n

Wie bedeutungsschwer ist dieser Akt eines \"starken Mannes\", der innenpolitisch deutlich schw\u00e4chelt? Die Proteste vor allem aus der orthodoxen Welt, aber auch aus Europa und den USA sind eher traurig als w\u00fctend. Der Papst dr\u00fcckte seinen \"Schmerz\" aus. Auch der Jubel in der islamischen Welt fiel zun\u00e4chst weniger \u00fcbersch\u00e4umend als erwartet aus.<\/p>\n\n\n\n

Ist es der Alleingang eines Autokraten in Bedr\u00e4ngnis oder ist \"der Jubel \u00fcber die Eroberung der Hagia Sophia der Versuch einer zutiefst erniedrigten, vom Gef\u00fchl der Wertlosigkeit dominierten und in ihrer eigenen Selbstberechtigung beraubten Gesellschaft, eine Bedeutung, eine St\u00e4rke, ein Selbstwertgef\u00fchl zu finden\"? So recht pauschalierend der in Deutschland lebende pal\u00e4stinensische Intellektuelle und Psychiater Ahmad Mansour.<\/p>\n\n\n\n

Die beiden Gro\u00dfreiche, das byzantinische und das osmanische, sind l\u00e4ngst versunken.<\/p><\/blockquote>\n\n\n\n

Das eigentliche Schl\u00fcsselwort im Zusammenhang mit der Hagia Sofia ist \"Welterbe\". Das Erbe von allen. Einmal im kulturellen Sinn der Unesco, aber in Wahrheit weiter gefasst. Das einzigartige Bauwerk geh\u00f6rt in Wirklichkeit der ganzen Welt, nicht der einen oder anderen Religion. Die beiden Gro\u00dfreiche, f\u00fcr die die Hagia Sofia der zentrale spirituelle Bau war, das byzantinische und das osmanische, sind l\u00e4ngst versunken. Seither hat sie eine neue, \u00fcbernationale Dimension erhalten. Was Erdo\u011fan da jetzt mit der Hagia Sofia macht, ist eine Verengung und Verarmung eines gemeinsamen Welterbes.<\/p>\n\n\n\n

\"\"\/
Betende Muslime vor der Hagia Sophia.<\/figcaption><\/figure>\n\n\n\n

Davon abgesehen aber war und ist sie ein architektonisches Meisterwerk und geh\u00f6rt zu den bedeutendsten Bauten der Welt. Wer heute den Zentralraum unter der Kuppel betritt, kann sich nur schwer dem zugleich majest\u00e4tischen wie schwebenden Gesamteindruck entziehen. Die Hagia Sophia blieb fast 1000 Jahre die gr\u00f6\u00dfte Kirche der Christenheit. Technisch war die Kuppel (mit mehreren Halbkuppeln) eine \u00fcberaus riskante Innovation: Die 55 Meter hohe und 32 Meter im Durchmesser breite Kuppel ruht auf nur vier Tragpunkten, was den schwebenden, schwerelosen Eindruck erzeugt. Die Konstruktion folgt einem mathematischen Prinzip, das erst k\u00fcrzlich entschl\u00fcsselt wurde.<\/p>\n\n\n\n

\"Salomo, ich habe dich \u00fcbertroffen!\"<\/p><\/blockquote>\n\n\n\n

Als Kaiser Justinian die Hagia Sophia nach nur f\u00fcnf Jahren Bauzeit (532\u2013537) betrat, soll er in Anspielung auf den Tempel in Jerusalem ausgerufen haben: \"Salomo, ich habe dich \u00fcbertroffen!\" Die Innenausstattung war mit ihren S\u00e4ulen aus Porphyr und gr\u00fcnem Marmor, mit Mosaiken aus Gold und Halbedelsteinen derart prunkvoll, der Gesamteindruck derart \u00fcberirdisch, dass eine Delegation des Gro\u00dff\u00fcrsten von Kiew nicht mehr wusste, \"ob wir im Himmel oder auf der Erde\" waren \u2013 was die Christianisierung Russlands bef\u00f6rderte.<\/p>\n\n\n\n

Der deutsche Architekturlehrer Holger Kleine nennt die Hagia Sophia \"absolute Architektur\", weil sie \"extreme Ausdrucksformen nahezu aller dramaturgischen Mittel, die der Architektur zur Verf\u00fcgung stehen, vereinigt: wuchtigste K\u00f6rper und luftigste R\u00e4ume, engste Enge und gr\u00f6\u00dfte Weite, w\u00e4rmende Helligkeit und mystisches Dunkel\". Und die Kuppelbauten aus der sp\u00e4teren Hochbl\u00fcte der Moscheenarchitektur im 16. und 17. Jahrhundert gehen eindeutig auf die Hagia Sophia zur\u00fcck.<\/p>\n\n\n\n

Die Hagia Sophia war Staatskirche des byzantinischen Reichs. F\u00fcr die Eroberer der letzte Schlussstein in der Kuppel osmanisch-muslimischen Herrschaftsanspruchs. Konstantinopel war ja 1453 nur noch eine isolierte, heruntergekommene Enklave in einem osmanischen Umfeld, kein christliches Heer kam zu Hilfe. Doch vorher war es zugleich Sperrriegel nach Osten und Geistesarchiv der antiken Kultur gewesen. \"Ohne Byzanz h\u00e4tte es kein Europa gegeben\", sagt die britische Altertumsforscherin Judith Herrin.<\/p>\n\n\n\n

\"\"\/
Freigelegtes Mosaik von \"Christos Pantokrator\".<\/figcaption><\/figure>\n\n\n\n

Neue Fragen<\/h3>\n\n\n\n

Die Kirche wurde von Mehmed II. und Nachfolgern nicht in der Substanz zerst\u00f6rt, sondern \"entchristlicht\". Die urspr\u00fcnglich \u00fcbert\u00fcnchten oder auch abgeschlagenen Mosaiken mit den Darstellungen von Christus, der Muttergottes, diversen Kaisern kamen zum Teil schon unter einem Sultan des 19. Jahrhunderts, dann gro\u00dfteils nach der Museumswidmung wieder zum Vorschein.<\/p>\n\n\n\n

Jetzt stellen sich neue symbolisch-praktische Fragen. Erdo\u011fan hat die Hagia Sophia der konservativen staatlichen Religionsbeh\u00f6rde Diyanet unterstellt. Die byzantinischen Mosaike, wie der gro\u00dfartige \"Christos Pantokrator\" (\"Weltenherrscher\") oder die Jungfrau Maria in der Apsis, m\u00fcssen wohl w\u00e4hrend des islamischen Gottesdiensts verh\u00e4ngt werden. Muss der Boden mit seinen Marmorplatten und Mosaiken mit einem Teppich bedeckt werden? Erdo\u011fan sagt, Touristen seien nach wie vor zugelassen. Aber sie werden wohl hinter Absperrungen bleiben m\u00fcssen. Frauen werden \u2013 wie in der benachbarten \"Blauen Moschee\" (\"Sultanahmed\") Kopftuch tragen m\u00fcssen.<\/p>\n\n\n\n

\"\"\/
Erdo\u011fan mit Gattin in der Hagia Sophia.<\/figcaption><\/figure>\n\n\n\n

Erdo\u011fans neue Abenteuer<\/strong><\/h3>\n\n\n\n

Aber wird da nicht doch zu viel in einen Formalakt rund um ein uraltes Bauwerk hineininterpretiert? Im geschichtlichen Kontext relativiert sich manches: Konstantinopel wurde schon von Christen erobert und ausgepl\u00fcndert \u2013 1204 im Vierten Kreuzzug. In der Moschee von Cordoba (\"Mezquita\") bauten die Katholiken eine ganze Kirche in den ber\u00fchmten S\u00e4ulenwald hinein. Die Mezquita ist heute noch Kirche, kein Museum.<\/p>\n\n\n\n

\"Das ist der Beweis, dass wir kein s\u00e4kularer Staat mehr sein wollen\", sagt Nobelpreistr\u00e4ger Orhan Pamuk. Erdo\u011fan betrachtet sich offenbar als auch neoosmanischer \"Fatih\" im Mittelmeerraum mit immer neuen Abenteuern: Eingreifen in Syrien, Stellvertreterkrieg in Libyen, Anspr\u00fcche auf Erdgasvorkommen weit vor der t\u00fcrkischen K\u00fcste bei Zypern, Reden, wonach manche \u00c4g\u00e4is-Inseln eigentlich zur T\u00fcrkei geh\u00f6ren, \"denn dort stehen unsere Moscheen\". Manches davon ist nur Rhetorik, aber genug anderes ist riskante Realit\u00e4t. (Hans Rauscher, 14.7.2020)<\/p>\n\n\n\n

Quelle<\/a><\/strong><\/p>\n","post_title":"Hagia Sophia: Verengung und Verarmung eines Welterbes","post_excerpt":"","post_status":"publish","comment_status":"closed","ping_status":"closed","post_password":"","post_name":"hagia-sophia-verengung-und-verarmung-eines-welterbes","to_ping":"","pinged":"","post_modified":"2025-02-02 08:39:39","post_modified_gmt":"2025-02-02 08:39:39","post_content_filtered":"","post_parent":0,"guid":"https:\/\/dctransparency.com\/?p=3792","menu_order":0,"post_type":"post","post_mime_type":"","comment_count":"0","filter":"raw"},{"ID":3789,"post_author":"7","post_date":"2020-08-14 13:56:07","post_date_gmt":"2020-08-14 13:56:07","post_content":"\n

Im Gastkommentar pocht Mark Leonard, Direktor des Europ\u00e4ischen Rats f\u00fcr Ausw\u00e4rtige Beziehungen, auf \"neue, einvernehmlich vereinbarte Prinzipien sowie klare Grenzen\", nur so k\u00f6nne eine weitere Destabilisierung in der Region verhindert werden.<\/em><\/strong><\/p>\n\n\n\n

Ist die T\u00fcrkei das neue Russland? Diese Frage wird in den europ\u00e4ischen Hauptst\u00e4dten zunehmend gestellt, da die Au\u00dfenpolitik des t\u00fcrkischen Pr\u00e4sidenten Recep Tayyip Erdo\u011fan zunehmend aggressiver wird. Erdo\u011fan nutzt nicht nur die Migration, um die EU zu bedrohen und zu betr\u00fcgen, sondern setzt auch milit\u00e4rische Macht ein, um den Einflussbereich der T\u00fcrkei auf die gesamte Region auszudehnen.<\/p>\n\n\n\n

Seit dem Ende des Kalten Krieges haben die Europ\u00e4er die regionale Sicherheit durch eine unipolare westliche Linse betrachtet. W\u00e4hrend die Nato die milit\u00e4rische Sicherheit garantierte, sorgte die EU mit ihrem 80.000 Seiten starken Regelwerk f\u00fcr alles von LGBTQ-Rechten bis hin zu Rasenm\u00e4her-Sound-Verordnungen f\u00fcr Rechtsordnung. In den 90er-Jahren ging man allgemein davon aus, dass die beiden gro\u00dfen nichtwestlichen regionalen Akteure, Russland und die T\u00fcrkei, nach und nach an diese Regelungen herangef\u00fchrt werden w\u00fcrden.<\/p>\n\n\n\n

Qu\u00e4lende Hassliebe<\/h3>\n\n\n\n

Doch in den letzten 15 Jahren ist der Traum von der europ\u00e4ischen Unipolarit\u00e4t einer multipolaren Realit\u00e4t gewichen. Sowohl Russland als auch die T\u00fcrkei haben eine lange, qu\u00e4lende Hassliebe zu Europa, und beide sind unter nationalen Machthabern, denen die Verachtung der Normen und Werte der EU gemeinsam ist, durchsetzungsf\u00e4higer geworden.<\/p>\n\n\n\n

Die zunehmende Verschlechterung der Beziehungen zwischen der EU und Russland ist gut dokumentiert, der Fall der T\u00fcrkei weniger. Der Irakkrieg im Jahr 2003 komplizierte das Verh\u00e4ltnis der T\u00fcrkei zur Nato, und ihr Verh\u00e4ltnis zur EU verschlechterte sich 2007, als Frankreich einen wichtigen Teil ihrer EU-Beitrittsverhandlungen blockierte. Seitdem hat die T\u00fcrkei ihren eigenen Weg in Syrien, auf dem Balkan und in Libyen eingeschlagen und neue Beziehungen zu Russland und China aufgebaut.<\/p>\n\n\n\n

Wichtiger Akteur<\/strong><\/h3>\n\n\n\n

Nat\u00fcrlich sind die Beziehungen zwischen der T\u00fcrkei und Russland nicht weniger kompliziert, nicht zuletzt weil Erdo\u011fan und der russische Pr\u00e4sident Wladimir Putin im syrischen B\u00fcrgerkrieg verschiedene Seiten unterst\u00fctzten.Und w\u00e4hrend die Spannungen wegen des Syrien-Konflikts weiterhin bestehen, bewundert Erdo\u011fan deutlich, wie Russland sich \u2013 bei relativ geringen Kosten \u2013 wieder als wichtiger Akteur im Nahen Osten und in Nordafrika etabliert hat.<\/p>\n\n\n\n

Nachdem er in einen nicht zu gewinnenden Krieg im Osten der Ukraine verwickelt war, schien Putins weitgehend erfolgreicher Feldzug in Syrien einen Teil seiner innenpolitischen Autorit\u00e4t wiederherzustellen. Der Westen hatte f\u00fcnf Jahre lang darauf bestanden, dass es keine milit\u00e4rische L\u00f6sung des Konflikts gebe und dass der syrische Pr\u00e4sident Baschar al-Assad gehen m\u00fcsse. Doch w\u00e4hrend die von den Vereinten Nationen unterst\u00fctzten Gespr\u00e4che in Genf zu keinem Ergebnis f\u00fchrten, schienen die von Russland geleiteten Gespr\u00e4che in Astana voranzukommen. Indem der Kreml die T\u00fcrkei und den Iran einbezog, w\u00e4hrend er die westlichen M\u00e4chte ausschloss, erweckte er den Eindruck, dass Russland als wiedergeborene Supermacht aus der Asche auferstanden sei.<\/p>\n\n\n\n

Unter Druck<\/h3>\n\n\n\n

Angesichts des wachsenden Widerstands im eigenen Land macht es Erdo\u011fan Putin gleich. Da der Westen nicht bereit war, (erneut) milit\u00e4risch in Libyen zu intervenieren, sah Erdo\u011fan eine Gelegenheit, die T\u00fcrkei zu positionieren. Nach dem Vorgehen Russlands in Syrien sicherte er sich eine formelle Einladung der libyschen Regierung zur Intervention. Mit einem Schlag Ende letzten Jahres hat er nicht nur das Image der T\u00fcrkei als Regionalmacht gest\u00e4rkt, sondern auch ein Abkommen mit Libyen \u00fcber die Seegrenze abgeschlossen und damit einen Plan Griechenlands, Zyperns, \u00c4gyptens und Israels zur Erschlie\u00dfung von Unterwasser\u00f6l- und -gasfeldern in der N\u00e4he zunichtegemacht.<\/p>\n\n\n\n

Erdo\u011fan scheint auch von der Spalt-und-Eroberungs-Strategie des Kreml in Europa inspiriert worden zu sein, der zufolge oft diejenigen EU-Mitgliedsstaaten unter Druck gesetzt werden, die am meisten von russischen Kohlenwasserstoffen oder M\u00e4rkten abh\u00e4ngig sind. So wie Putin lange Zeit die Energieversorgung instrumentalisiert hat, hat Erdo\u011fan versucht, den Strom von Migranten und Fl\u00fcchtlingen, die vor Konflikten im Nahen Osten fliehen, zu instrumentalisieren. Als die EU eine neue Marinemission ank\u00fcndigte, um den Waffenstrom nach Libyen zu blockieren, malte die T\u00fcrkei f\u00fcr Malta das Schreckgespenst der angeblichen Bedrohung durch Migranten an die Wand. Malta reagierte prompt und signalisierte, dass es gegen die Finanzierung der Mission ein Veto einlegen werde.<\/p>\n\n\n\n

Verlorener Sohn<\/strong><\/h3>\n\n\n\n

Jahrelang redeten sich die Europ\u00e4er ein, dass Russland eine Art verlorener Sohn sei und dass die europ\u00e4ische unipolare Ordnung gesund bleibe. Doch das machte Europa zu einem leichten Ziel f\u00fcr die Trennungs-und-Eroberungs-Strategie des Kreml. Erst vor relativ kurzer Zeit entwarf die Union eine neue Politik und ein robustes Sanktionsregime, um die russische Aggression abzuschrecken. Und selbst jetzt \u2013 trotz der besten Bem\u00fchungen der deutschen Bundeskanzlerin Angela Merkel und des franz\u00f6sischen Pr\u00e4sidenten Emmanuel Macron \u2013 hat die EU noch immer keine wirksamen Kommunikationskan\u00e4le mit Russland geschaffen, um gemeinsame Probleme anzugehen.<\/p>\n\n\n\n

Die T\u00fcrkei ist noch kein neues Russland, aber sie k\u00f6nnte dazu werden, wenn die Situation falsch gehandhabt wird. Vorerst betrachten die meisten Europ\u00e4er die T\u00fcrkei noch immer als einen komplizierten Partner und nicht als \"Systemrivalen\". Aber die Europ\u00e4er sollten die hart erk\u00e4mpften Lehren aus dem Umgang mit Russland in den letzten 15 Jahren beherzigen. Die Beziehungen zwischen der EU und der T\u00fcrkei brauchen neue, einvernehmlich vereinbarte Prinzipien sowie klare Grenzen, um eine weitere Destabilisierung in der Region zu verhindern.<\/p>\n\n\n\n

Zu diesem Zweck sollten die Europ\u00e4er klarstellen, dass der EU-Beitrittsprozess entweder zur\u00fcckgedreht oder vorangetrieben werden kann und dass eine eher transaktionale Beziehung sowohl Zuckerbrot als auch Peitsche beinhaltet. Die Herausforderung wird darin bestehen, daf\u00fcr zu sorgen, dass es in einer Region, die nicht nur von Europa und der T\u00fcrkei, sondern auch von Russland, den USA und einem aufstrebenden China beeinflusst wird, noch Raum f\u00fcr politisches Engagement in Fragen der gemeinsamen Sicherheit gibt. (Mark Leonard, \u00dcbersetzung: Eva G\u00f6llner, Copyright: Project Syndicate, 10.8.2020)<\/p>\n\n\n\n

Mark Leonard <\/strong>ist Direktor des Europ\u00e4ischen Rats f\u00fcr Ausw\u00e4rtige Beziehungen.<\/a><\/p>\n","post_title":"Erdo\u011fan \u2013 der andere Putin vor der Haust\u00fcr Europas","post_excerpt":"","post_status":"publish","comment_status":"closed","ping_status":"closed","post_password":"","post_name":"erdogan-der-andere-putin-vor-der-haustur-europas","to_ping":"","pinged":"","post_modified":"2025-02-02 08:39:39","post_modified_gmt":"2025-02-02 08:39:39","post_content_filtered":"","post_parent":0,"guid":"https:\/\/dctransparency.com\/?p=3789","menu_order":0,"post_type":"post","post_mime_type":"","comment_count":"0","filter":"raw"},{"ID":3786,"post_author":"7","post_date":"2020-08-14 13:51:23","post_date_gmt":"2020-08-14 13:51:23","post_content":"\n

Einen Monat nachdem ich zur israelischen Armee eingezogen worden war, brach die erste Intifada aus. Statt Soldat zu sein, machte ich Polizeiarbeit, sagte den Menschen, wann sie zur Arbeit gehen konnten und wann sie ihre L\u00e4den schlie\u00dfen mussten, wann sie die Grenze passieren und wann sie schlafen konnten. Einen Monat nachdem ich aus der Armee entlassen worden war, ging ich auf Reisen. (In Israel sagen wir: Wir dienen drei Jahre und versuchen den Rest unseres Lebens, diese drei Jahre zu vergessen.) Auf meiner Reise begann ich Briefe an meine Freundin zu schreiben, die ich in Israel zur\u00fcckgelassen hatte.<\/p>\n\n\n\n

Ich schrieb ihr, wie schrecklich depressiv ich war und dass diese drei Jahre des Anweisungenbellens und Anderen-Menschen-Sagens, was sie zu tun haben, mich f\u00fcr immer verfolgen w\u00fcrden. Dass sie ein Teil dessen geworden waren, was ich bin. Ich erinnere mich, dass ich ihr schrieb, dass wir da rausm\u00fcssen \u2013 nicht nur f\u00fcr die Pal\u00e4stinenser, sondern wegen der furchtbaren und brutalen Auswirkungen, die all das auf uns, auf die israelische Gesellschaft haben w\u00fcrde. Sie schrieb zur\u00fcck: \u201eDu hast recht. Ich habe einen neuen Freund.\u201c<\/p>\n\n\n\n

Felix Klein wurde als Beauftragter der Bundesregierung berufen<\/a>, um die Auswirkungen des zunehmenden Antisemitismus in unserer Gesellschaft, in Deutschland, zu bek\u00e4mpfen. Was nicht in seiner Jobbeschreibung steht, ist, dass er dabei unsere Gesellschaft heilen muss, jene Gesellschaft, die diese Form des Hasses reproduziert und sch\u00fctzt. Klein hat das begriffen.<\/p>\n\n\n\n

Er versteht, dass man Krebs nicht mit einem Pflaster verarztet, er wei\u00df, dass er das Bewusstsein der Deutschen sch\u00e4rfen und Diskussionen ansto\u00dfen muss. Er hat begriffen, dass das Problem nicht nur an den R\u00e4ndern der Gesellschaft (bei den Rechten) liegt, sondern auch in ihrer Mitte. Dort, wo gebildete Menschen nicht einmal bemerken, dass das, was sie sagen und tun, antisemitisch ist. So wie sie es auch nicht merken, wenn sie rassistisch handeln. Er hat all das verstanden, und genau deshalb wollen einige, dass er seinen Posten r\u00e4umt.<\/p>\n\n\n\n

Mehr als 60 deutsche und israelische Intellektuelle haben letzte Woche in einem Brief an Kanzlerin Merkel<\/a> dar\u00fcber geklagt, dass der aktuelle \u201eGebrauch des Antisemitismusbegriffs\u201c darauf abziele, \u201elegitime Kritik an der israelischen Regierungspolitik zu unterdr\u00fccken\u201c, und Klein vorgeworfen, rechtspopulistische israelische Stimmen zu f\u00f6rdern.<\/p>\n\n\n\n

Faszinierend an diesem offenen Brief ist, dass viele der Unterzeichneten keine Deutschen sind und auch nicht in Deutschland leben. Ich wei\u00df nicht, woher sie \u2013 die meisten von ihnen sind Israelis \u2013 die Chuzpe haben, sich in eine innerdeutsche Angelegenheit einzumischen und zu fordern, eine Person zu entlassen, die von der Bundesregierung eingesetzt wurde. Die H\u00e4lfte der Unterzeichneten lebt nicht hier, von der anderen H\u00e4lfte sind viele keine Juden \u2013 somit sind die allermeisten von ihnen nicht direkt vom Antisemitismus in Deutschland betroffen. Wie also k\u00f6nnen sie diesen Brief unterschreiben? Und warum eigentlich haben so wenige Deutsche unterschrieben? Dazu komme ich gleich.<\/p>\n\n\n\n

Debatte um Achille Mbembe<\/h6>\n\n\n\n

Hintergrund des Briefs war, dass Felix Klein gefordert hatte, den Philosophen Achille Mbembe<\/a> nicht die Er\u00f6ffnungsrede der Ruhrtriennale halten zu lassen. Als mit \u00f6ffentlichen Mitteln gef\u00f6rdertes Event solle die Ruhrtriennale Mbembe wegen seiner Haltung zu Israels Existenzrecht, seiner Haltung zu BDS und der Art, wie er in einem seiner Werke den Holocaust relativiert, nicht einladen.<\/p>\n\n\n\n

Mbembes Unterst\u00fctzer sagen, keine dieser Anschuldigungen sei wahr. F\u00fcrs Protokoll: In meinen Augen unterst\u00fctzt Mbembe sehr wohl BDS<\/a>, er schrieb unter anderem das Vorwort zu \u201eApartheid Israel\u201c und fordert die komplette Isolation Israels. Ich glaube auch, wenn Mbembe schreibt, die israelische Besetzung sei der \u201egr\u00f6\u00dfte moralische Skandal unserer Zeit\u201c, zeigt das, dass sein moralischer und geografischer Kompass etwas schief ist.<\/p>\n\n\n\n

Doch warum treibt die Debatte so viele Menschen um? Nun, zun\u00e4chst gibt niemand gern auf, was ihm oder ihr selbstverst\u00e4ndlich scheint. \u00dcber den gesamten politischen, sozialen, kulturellen, medialen und akademischen Sektor hinweg sind Menschen daran gew\u00f6hnt, so schlecht \u00fcber Israel sprechen zu k\u00f6nnen, wie auch immer sie wollen.<\/p>\n\n\n\n

Der Spiegel<\/em> hat \u2013 vielleicht in Anlehnung an seine Relotius-Standards, Israel erst k\u00fcrzlich eine Corona-Diktatur genannt. Fakten und Belege f\u00fcr diese Behauptung gab es nicht. Doch Millionen Deutsche haben es gelesen, und es wird nat\u00fcrlich haften bleiben. Faktenlage hin oder her. Der Spiegel<\/em> und andere Medien haben dieses Spiel perfektioniert: Titel so zu drehen, dass sie Israel indirekt anklagen, die Idee zu streuen, der Mossad kon\u00adtrol\u00adliere die deutsche Au\u00dfenpolitik im Nahen Osten, und so fort. Doch sie stehen allesamt sofort auf den Hinterbeinen, wenn jemand es wagt, das Spiel beim Namen zu nennen: moderner Antisemitismus.<\/p>\n\n\n\n

Klein will dem entgegenwirken. Er versteht, dass antisemitische Attacken in Deutschland die Fr\u00fcchte solch falsch gezeichneter Bilder und eindimensionaler Narrative \u00fcber Israel sind. Wenn er und andere versuchen, ein anderes Narrativ aufzuzeigen, wirft man ihnen Zensur vor: Wie k\u00f6nnen sie es wagen, das Gesch\u00e4ft der Anti-Israel-Propaganda zu st\u00f6ren?<\/p>\n\n\n\n

Liebe Deutsche, wenn ihr reden wollt, lasst uns gern reden: \u00fcber die Besetzung, \u00fcber Bibi und alles, was schiefl\u00e4uft. Aber dann lasst uns bitte auch dar\u00fcber reden, wie deutsche Steuergelder Terrortunnel finanzieren. Erst vergangene Woche r\u00e4umte die niederl\u00e4ndische Regierung ein, dass Gelder an eine Landwirtschaftsorganisation in Ramallah geflossen seien, die damit teilweise die Geh\u00e4lter zweier des Mordes an der 17-j\u00e4hrigen Israelin Rina Shnerb Verd\u00e4chtiger gezahlt haben. Auch die Bundesregierung unterst\u00fctzt diese Organisation, obwohl Kritiker schon lange vor Verbindungen zu Terroristen warnen.<\/p>\n\n\n\n

Wir k\u00f6nnen uns also gerne unterhalten \u2013 aber im Dialog, nicht in Monologen. Denn Reden unter Menschen, die sich einig sind, ist nichts anderes als Impotenz.<\/p>\n\n\n\n

Israelkritik als Eintrittskarte<\/h6>\n\n\n\n

Die Israelis, die die Petition unterzeichnet haben, haben \u00fcbrigens ebenfalls etwas verstanden. Seit Jahren wissen sie: Es ist ihre Eintrittskarte in die Mitte der deutschen (und europ\u00e4ischen) Gesellschaft. Man h\u00f6rt nicht oft von Akademikern mit proisraelischen Ansichten. Weder in den Philharmonie-Orchestern noch in der Kunstszene. Die Eintrittskarte daf\u00fcr ist ein antiisraelischer Standpunkt.<\/p>\n\n\n\n

Der mutma\u00dfliche Grund, warum kaum Deutsche die Petition unterzeichnet haben: Sie mussten es nicht. Ihre Lieblingsjuden haben es f\u00fcr sie getan. Jetzt k\u00f6nnen sie sagen: \u201eSchau, ich bin das ja nicht, meine j\u00fcdischen Freunde sagen es.\u201c Ich selbst war einige Jahre lang mit einem Paar hier in Berlin befreundet, bis ich herausfand, dass ich ihr Lieblingsjude war. Ja, selbst das j\u00fcdische Museum wurde so genutzt.<\/p>\n\n\n\n

Weil Attacken gegen Juden ein absolutes Tabu sind, wurden Umwege gefunden, um den Antisemitismus auf kleiner Flamme k\u00f6cheln zu lassen: die unfundierte, unbegr\u00fcndete Kritik an Israel.<\/p>\n\n\n\n

Diese Art der Kritik ist gef\u00e4hrlich. Sie schw\u00e4cht jede begr\u00fcndete und notwendige Kritik am Verhalten Israels. Und das Interessante ist: Trotz all der heftigen, pauschalisierenden Anklagen, all der offenen Briefe driftet Israel politisch immer weiter nach rechts. Doch statt mal einen anderen Ansatz zu versuchen, werden die antiisraelischen Stimmen nur lauter. Dasselbe versuchen und andere Ergebnisse davon erwarten \u2013 das ist die Definition von Wahnsinn.<\/p>\n\n\n\n

Kurz bevor der Prozess gegen den wegen des Attentats von Halle<\/a> Angeklagten begann \u2013 des seit Kriegsende schlimmsten Akts von Antisemitismus in Deutschland \u2013, lud eine Lokalzeitung den fr\u00fcheren Botschafter Shimon Stein und den Historiker Moshe Zimmermann ein, dar\u00fcber zu schreiben, was Antisemitismus ist. Nat\u00fcrlich wendeten auch sie sich gegen Felix Kleins Ansatz. Sie zitieren die Kontroverse um die Umbenennung der U-Bahn-Station Mohrenstra\u00dfe in Glinkastra\u00dfe, die sich darum drehte, dass der russische Komponist Michael Glinka Antisemit gewesen sein soll. Stein und Zimmermann halten die Debatte f\u00fcr \u00fcberzogen, Glinka sei nur ein Kind seiner Zeit gewesen. Folgt man ihrer Logik, k\u00f6nnen wir dann also in 20 oder 30 Jahren U-Bahn-Stationen nach den Kindern der 1930er Jahre benennen?<\/p>\n\n\n\n

Der Antisemit als Tierfreund<\/h6>\n\n\n\n

Ich w\u00fcnschte, die Sache h\u00e4tte mit dem Artikel, mit der Petition geendet. Doch dann erschien ein Artikel, der den Leser auf einen Waldspaziergang mit einem veganen Koch und Antisemiten mitnahm. Darin setzt der Tierfreund erst behutsam einen K\u00e4fer wieder auf seine Beinchen und erkl\u00e4rt dann, dass die Todesstrafe in Deutschland wieder eingef\u00fchrt werden solle, um einen gewissen Politiker (der zuf\u00e4llig pro Israel ist) an seinen Hoden aufh\u00e4ngen zu k\u00f6nnen. Dieser Koch hat Hunderttausende Follower, er sagt all solche Dinge am helllichten Tag in Berlin. Und in den Medien.<\/p>\n\n\n\n

F\u00e4lle wie dieser handeln bereits von Gewalt \u2013 und sie enden nicht bei den Juden. Der Hass richtet sich gegen Frauen<\/a>, Muslime, Gefl\u00fcchtete, \u00adLBTQI. Am Ende aller theoretischen Debatten stehen immer echte Menschen. Am Ende jeder Konferenz dar\u00fcber, was Antisemitismus ausmacht, steht ein potenzielles j\u00fcdisches Opfer. Angesichts einer Welle von Antisemitismus \u00fcber die Definition von Antisemitismus zu streiten ist, wie eine 10 Meter hohe Welle heranrollen zu sehen und dar\u00fcber zu streiten, was einen Tsunami ausmacht.<\/p>\n\n\n\n

Felix Klein versteht, wie absurd es ist, zu sagen: Es sind nur die Rechten. Die Rechten sind Deutsche, so wie die Nazis Deutsche waren. Klein versteht, dass die Deutschen nicht aufgeh\u00f6rt haben, Juden zu ermorden, weil sie irgendeine Art von Erleuchtung hatten. Sondern schlicht, weil sie den Krieg verloren haben. Um den Antisemitismus zu bek\u00e4mpfen, bevor er die Gesellschaft frisst, in der er und wir leben, muss Deutschland seinen moralischen Kompass korrigieren.<\/p>\n\n\n\n

Immerhin: Mehr und mehr Deutsche fahren nach Israel, sie wollen ein anderes Narrativ h\u00f6ren. Mehr und mehr Deutsche verstehen, dass Antisemitismus Schockwellen ausl\u00f6st, die die gesamte Gesellschaft betreffen. In einem normalen Universum w\u00fcrde Klein bef\u00f6rdert werden f\u00fcr seine Leistung. In einer verdrehten Gesellschaft fordern Menschen seine Entlassung. Um es mit Mbembe zu sagen: Das ist Nano-Nonsens.<\/p>\n\n\n\n

\u00dcbersetzung: Ariane Lemme<\/a><\/em><\/p>\n","post_title":"Felix Klein hat verstanden","post_excerpt":"","post_status":"publish","comment_status":"closed","ping_status":"closed","post_password":"","post_name":"felix-klein-hat-verstanden","to_ping":"","pinged":"","post_modified":"2025-02-02 08:39:39","post_modified_gmt":"2025-02-02 08:39:39","post_content_filtered":"","post_parent":0,"guid":"https:\/\/dctransparency.com\/?p=3786","menu_order":0,"post_type":"post","post_mime_type":"","comment_count":"0","filter":"raw"}],"next":false,"prev":true,"total_page":47},"paged":1,"column_class":"jeg_col_2o3","class":"epic_block_3"};

\n

Die VAE sind nicht die einzige ausl\u00e4ndische Macht, die an diesem Konflikt beteiligt ist.<\/p>\n\n\n\n

Anfang dieses Jahres gab BBC Africa Eye bekannt, dass die T\u00fcrkei auch gegen das Waffenembargo der Vereinten Nationen gegen Libyen versto\u00dfen hat, indem sie geheime Waffenlieferungen an die von den Vereinten Nationen anerkannte Regierung in Tripolis gesendet hat.<\/p>\n\n\n\n

Mit Unterst\u00fctzung der T\u00fcrkei hat die von den Vereinten Nationen anerkannte Regierung des Nationalen Abkommens nun die LNA von Gen Haftar aus der Gegend um Tripolis zur\u00fcckgeschlagen.<\/p>\n","post_title":"BBC-Untersuchung: VAE in t\u00f6dlichen Angriff in Libyen verwickelt","post_excerpt":"","post_status":"publish","comment_status":"closed","ping_status":"closed","post_password":"","post_name":"bbc-untersuchung-vae-in-todlichen-angriff-in-libyen-verwickelt","to_ping":"","pinged":"","post_modified":"2025-02-02 08:39:39","post_modified_gmt":"2025-02-02 08:39:39","post_content_filtered":"","post_parent":0,"guid":"https:\/\/dctransparency.com\/?p=3811","menu_order":0,"post_type":"post","post_mime_type":"","comment_count":"0","filter":"raw"},{"ID":3792,"post_author":"7","post_date":"2020-08-14 13:58:48","post_date_gmt":"2020-08-14 13:58:48","post_content":"\n

Die Hagia Sophia war (ist) ein kulturelles Weltwunder und aufgeladen mit symbolischer Bedeutung, f\u00fcr die Christenheit ebenso wie f\u00fcr den Islam \u2013 und den t\u00fcrkischen Nationalismus. Als Mehmed II. sie betrat, war sie schon fast 1000 Jahre die gr\u00f6\u00dfte Kirche der christlichen Welt und das Zentrum der orthodoxen Glaubensrichtung. Die \"Ayasofya\", wie sie dann hie\u00df, war 500 Jahre lang Moschee \u2013 bis 1934, als Kemal Pascha Atat\u00fcrk, der \"Vater\" der modernen T\u00fcrkei, sie in ein Museum verwandelte, in der ausdr\u00fccklichen Absicht, auch hier mit dem osmanischen Erbe zu brechen.<\/p>\n\n\n\n

Nun wird Pr\u00e4sident Recep Tayyip Erdo\u011fan, der \"Vater\" der re-islamisierten T\u00fcrkei, am 24. Juli dieses Jahres die Ayasofya durch das Freitagsgebet wieder in den Islam eingliedern. Oder eher in seinen pers\u00f6nlichen religi\u00f6sen Nationalismus.<\/p>\n\n\n\n

Welterbe von allen<\/h3>\n\n\n\n

Wie bedeutungsschwer ist dieser Akt eines \"starken Mannes\", der innenpolitisch deutlich schw\u00e4chelt? Die Proteste vor allem aus der orthodoxen Welt, aber auch aus Europa und den USA sind eher traurig als w\u00fctend. Der Papst dr\u00fcckte seinen \"Schmerz\" aus. Auch der Jubel in der islamischen Welt fiel zun\u00e4chst weniger \u00fcbersch\u00e4umend als erwartet aus.<\/p>\n\n\n\n

Ist es der Alleingang eines Autokraten in Bedr\u00e4ngnis oder ist \"der Jubel \u00fcber die Eroberung der Hagia Sophia der Versuch einer zutiefst erniedrigten, vom Gef\u00fchl der Wertlosigkeit dominierten und in ihrer eigenen Selbstberechtigung beraubten Gesellschaft, eine Bedeutung, eine St\u00e4rke, ein Selbstwertgef\u00fchl zu finden\"? So recht pauschalierend der in Deutschland lebende pal\u00e4stinensische Intellektuelle und Psychiater Ahmad Mansour.<\/p>\n\n\n\n

Die beiden Gro\u00dfreiche, das byzantinische und das osmanische, sind l\u00e4ngst versunken.<\/p><\/blockquote>\n\n\n\n

Das eigentliche Schl\u00fcsselwort im Zusammenhang mit der Hagia Sofia ist \"Welterbe\". Das Erbe von allen. Einmal im kulturellen Sinn der Unesco, aber in Wahrheit weiter gefasst. Das einzigartige Bauwerk geh\u00f6rt in Wirklichkeit der ganzen Welt, nicht der einen oder anderen Religion. Die beiden Gro\u00dfreiche, f\u00fcr die die Hagia Sofia der zentrale spirituelle Bau war, das byzantinische und das osmanische, sind l\u00e4ngst versunken. Seither hat sie eine neue, \u00fcbernationale Dimension erhalten. Was Erdo\u011fan da jetzt mit der Hagia Sofia macht, ist eine Verengung und Verarmung eines gemeinsamen Welterbes.<\/p>\n\n\n\n

\"\"\/
Betende Muslime vor der Hagia Sophia.<\/figcaption><\/figure>\n\n\n\n

Davon abgesehen aber war und ist sie ein architektonisches Meisterwerk und geh\u00f6rt zu den bedeutendsten Bauten der Welt. Wer heute den Zentralraum unter der Kuppel betritt, kann sich nur schwer dem zugleich majest\u00e4tischen wie schwebenden Gesamteindruck entziehen. Die Hagia Sophia blieb fast 1000 Jahre die gr\u00f6\u00dfte Kirche der Christenheit. Technisch war die Kuppel (mit mehreren Halbkuppeln) eine \u00fcberaus riskante Innovation: Die 55 Meter hohe und 32 Meter im Durchmesser breite Kuppel ruht auf nur vier Tragpunkten, was den schwebenden, schwerelosen Eindruck erzeugt. Die Konstruktion folgt einem mathematischen Prinzip, das erst k\u00fcrzlich entschl\u00fcsselt wurde.<\/p>\n\n\n\n

\"Salomo, ich habe dich \u00fcbertroffen!\"<\/p><\/blockquote>\n\n\n\n

Als Kaiser Justinian die Hagia Sophia nach nur f\u00fcnf Jahren Bauzeit (532\u2013537) betrat, soll er in Anspielung auf den Tempel in Jerusalem ausgerufen haben: \"Salomo, ich habe dich \u00fcbertroffen!\" Die Innenausstattung war mit ihren S\u00e4ulen aus Porphyr und gr\u00fcnem Marmor, mit Mosaiken aus Gold und Halbedelsteinen derart prunkvoll, der Gesamteindruck derart \u00fcberirdisch, dass eine Delegation des Gro\u00dff\u00fcrsten von Kiew nicht mehr wusste, \"ob wir im Himmel oder auf der Erde\" waren \u2013 was die Christianisierung Russlands bef\u00f6rderte.<\/p>\n\n\n\n

Der deutsche Architekturlehrer Holger Kleine nennt die Hagia Sophia \"absolute Architektur\", weil sie \"extreme Ausdrucksformen nahezu aller dramaturgischen Mittel, die der Architektur zur Verf\u00fcgung stehen, vereinigt: wuchtigste K\u00f6rper und luftigste R\u00e4ume, engste Enge und gr\u00f6\u00dfte Weite, w\u00e4rmende Helligkeit und mystisches Dunkel\". Und die Kuppelbauten aus der sp\u00e4teren Hochbl\u00fcte der Moscheenarchitektur im 16. und 17. Jahrhundert gehen eindeutig auf die Hagia Sophia zur\u00fcck.<\/p>\n\n\n\n

Die Hagia Sophia war Staatskirche des byzantinischen Reichs. F\u00fcr die Eroberer der letzte Schlussstein in der Kuppel osmanisch-muslimischen Herrschaftsanspruchs. Konstantinopel war ja 1453 nur noch eine isolierte, heruntergekommene Enklave in einem osmanischen Umfeld, kein christliches Heer kam zu Hilfe. Doch vorher war es zugleich Sperrriegel nach Osten und Geistesarchiv der antiken Kultur gewesen. \"Ohne Byzanz h\u00e4tte es kein Europa gegeben\", sagt die britische Altertumsforscherin Judith Herrin.<\/p>\n\n\n\n

\"\"\/
Freigelegtes Mosaik von \"Christos Pantokrator\".<\/figcaption><\/figure>\n\n\n\n

Neue Fragen<\/h3>\n\n\n\n

Die Kirche wurde von Mehmed II. und Nachfolgern nicht in der Substanz zerst\u00f6rt, sondern \"entchristlicht\". Die urspr\u00fcnglich \u00fcbert\u00fcnchten oder auch abgeschlagenen Mosaiken mit den Darstellungen von Christus, der Muttergottes, diversen Kaisern kamen zum Teil schon unter einem Sultan des 19. Jahrhunderts, dann gro\u00dfteils nach der Museumswidmung wieder zum Vorschein.<\/p>\n\n\n\n

Jetzt stellen sich neue symbolisch-praktische Fragen. Erdo\u011fan hat die Hagia Sophia der konservativen staatlichen Religionsbeh\u00f6rde Diyanet unterstellt. Die byzantinischen Mosaike, wie der gro\u00dfartige \"Christos Pantokrator\" (\"Weltenherrscher\") oder die Jungfrau Maria in der Apsis, m\u00fcssen wohl w\u00e4hrend des islamischen Gottesdiensts verh\u00e4ngt werden. Muss der Boden mit seinen Marmorplatten und Mosaiken mit einem Teppich bedeckt werden? Erdo\u011fan sagt, Touristen seien nach wie vor zugelassen. Aber sie werden wohl hinter Absperrungen bleiben m\u00fcssen. Frauen werden \u2013 wie in der benachbarten \"Blauen Moschee\" (\"Sultanahmed\") Kopftuch tragen m\u00fcssen.<\/p>\n\n\n\n

\"\"\/
Erdo\u011fan mit Gattin in der Hagia Sophia.<\/figcaption><\/figure>\n\n\n\n

Erdo\u011fans neue Abenteuer<\/strong><\/h3>\n\n\n\n

Aber wird da nicht doch zu viel in einen Formalakt rund um ein uraltes Bauwerk hineininterpretiert? Im geschichtlichen Kontext relativiert sich manches: Konstantinopel wurde schon von Christen erobert und ausgepl\u00fcndert \u2013 1204 im Vierten Kreuzzug. In der Moschee von Cordoba (\"Mezquita\") bauten die Katholiken eine ganze Kirche in den ber\u00fchmten S\u00e4ulenwald hinein. Die Mezquita ist heute noch Kirche, kein Museum.<\/p>\n\n\n\n

\"Das ist der Beweis, dass wir kein s\u00e4kularer Staat mehr sein wollen\", sagt Nobelpreistr\u00e4ger Orhan Pamuk. Erdo\u011fan betrachtet sich offenbar als auch neoosmanischer \"Fatih\" im Mittelmeerraum mit immer neuen Abenteuern: Eingreifen in Syrien, Stellvertreterkrieg in Libyen, Anspr\u00fcche auf Erdgasvorkommen weit vor der t\u00fcrkischen K\u00fcste bei Zypern, Reden, wonach manche \u00c4g\u00e4is-Inseln eigentlich zur T\u00fcrkei geh\u00f6ren, \"denn dort stehen unsere Moscheen\". Manches davon ist nur Rhetorik, aber genug anderes ist riskante Realit\u00e4t. (Hans Rauscher, 14.7.2020)<\/p>\n\n\n\n

Quelle<\/a><\/strong><\/p>\n","post_title":"Hagia Sophia: Verengung und Verarmung eines Welterbes","post_excerpt":"","post_status":"publish","comment_status":"closed","ping_status":"closed","post_password":"","post_name":"hagia-sophia-verengung-und-verarmung-eines-welterbes","to_ping":"","pinged":"","post_modified":"2025-02-02 08:39:39","post_modified_gmt":"2025-02-02 08:39:39","post_content_filtered":"","post_parent":0,"guid":"https:\/\/dctransparency.com\/?p=3792","menu_order":0,"post_type":"post","post_mime_type":"","comment_count":"0","filter":"raw"},{"ID":3789,"post_author":"7","post_date":"2020-08-14 13:56:07","post_date_gmt":"2020-08-14 13:56:07","post_content":"\n

Im Gastkommentar pocht Mark Leonard, Direktor des Europ\u00e4ischen Rats f\u00fcr Ausw\u00e4rtige Beziehungen, auf \"neue, einvernehmlich vereinbarte Prinzipien sowie klare Grenzen\", nur so k\u00f6nne eine weitere Destabilisierung in der Region verhindert werden.<\/em><\/strong><\/p>\n\n\n\n

Ist die T\u00fcrkei das neue Russland? Diese Frage wird in den europ\u00e4ischen Hauptst\u00e4dten zunehmend gestellt, da die Au\u00dfenpolitik des t\u00fcrkischen Pr\u00e4sidenten Recep Tayyip Erdo\u011fan zunehmend aggressiver wird. Erdo\u011fan nutzt nicht nur die Migration, um die EU zu bedrohen und zu betr\u00fcgen, sondern setzt auch milit\u00e4rische Macht ein, um den Einflussbereich der T\u00fcrkei auf die gesamte Region auszudehnen.<\/p>\n\n\n\n

Seit dem Ende des Kalten Krieges haben die Europ\u00e4er die regionale Sicherheit durch eine unipolare westliche Linse betrachtet. W\u00e4hrend die Nato die milit\u00e4rische Sicherheit garantierte, sorgte die EU mit ihrem 80.000 Seiten starken Regelwerk f\u00fcr alles von LGBTQ-Rechten bis hin zu Rasenm\u00e4her-Sound-Verordnungen f\u00fcr Rechtsordnung. In den 90er-Jahren ging man allgemein davon aus, dass die beiden gro\u00dfen nichtwestlichen regionalen Akteure, Russland und die T\u00fcrkei, nach und nach an diese Regelungen herangef\u00fchrt werden w\u00fcrden.<\/p>\n\n\n\n

Qu\u00e4lende Hassliebe<\/h3>\n\n\n\n

Doch in den letzten 15 Jahren ist der Traum von der europ\u00e4ischen Unipolarit\u00e4t einer multipolaren Realit\u00e4t gewichen. Sowohl Russland als auch die T\u00fcrkei haben eine lange, qu\u00e4lende Hassliebe zu Europa, und beide sind unter nationalen Machthabern, denen die Verachtung der Normen und Werte der EU gemeinsam ist, durchsetzungsf\u00e4higer geworden.<\/p>\n\n\n\n

Die zunehmende Verschlechterung der Beziehungen zwischen der EU und Russland ist gut dokumentiert, der Fall der T\u00fcrkei weniger. Der Irakkrieg im Jahr 2003 komplizierte das Verh\u00e4ltnis der T\u00fcrkei zur Nato, und ihr Verh\u00e4ltnis zur EU verschlechterte sich 2007, als Frankreich einen wichtigen Teil ihrer EU-Beitrittsverhandlungen blockierte. Seitdem hat die T\u00fcrkei ihren eigenen Weg in Syrien, auf dem Balkan und in Libyen eingeschlagen und neue Beziehungen zu Russland und China aufgebaut.<\/p>\n\n\n\n

Wichtiger Akteur<\/strong><\/h3>\n\n\n\n

Nat\u00fcrlich sind die Beziehungen zwischen der T\u00fcrkei und Russland nicht weniger kompliziert, nicht zuletzt weil Erdo\u011fan und der russische Pr\u00e4sident Wladimir Putin im syrischen B\u00fcrgerkrieg verschiedene Seiten unterst\u00fctzten.Und w\u00e4hrend die Spannungen wegen des Syrien-Konflikts weiterhin bestehen, bewundert Erdo\u011fan deutlich, wie Russland sich \u2013 bei relativ geringen Kosten \u2013 wieder als wichtiger Akteur im Nahen Osten und in Nordafrika etabliert hat.<\/p>\n\n\n\n

Nachdem er in einen nicht zu gewinnenden Krieg im Osten der Ukraine verwickelt war, schien Putins weitgehend erfolgreicher Feldzug in Syrien einen Teil seiner innenpolitischen Autorit\u00e4t wiederherzustellen. Der Westen hatte f\u00fcnf Jahre lang darauf bestanden, dass es keine milit\u00e4rische L\u00f6sung des Konflikts gebe und dass der syrische Pr\u00e4sident Baschar al-Assad gehen m\u00fcsse. Doch w\u00e4hrend die von den Vereinten Nationen unterst\u00fctzten Gespr\u00e4che in Genf zu keinem Ergebnis f\u00fchrten, schienen die von Russland geleiteten Gespr\u00e4che in Astana voranzukommen. Indem der Kreml die T\u00fcrkei und den Iran einbezog, w\u00e4hrend er die westlichen M\u00e4chte ausschloss, erweckte er den Eindruck, dass Russland als wiedergeborene Supermacht aus der Asche auferstanden sei.<\/p>\n\n\n\n

Unter Druck<\/h3>\n\n\n\n

Angesichts des wachsenden Widerstands im eigenen Land macht es Erdo\u011fan Putin gleich. Da der Westen nicht bereit war, (erneut) milit\u00e4risch in Libyen zu intervenieren, sah Erdo\u011fan eine Gelegenheit, die T\u00fcrkei zu positionieren. Nach dem Vorgehen Russlands in Syrien sicherte er sich eine formelle Einladung der libyschen Regierung zur Intervention. Mit einem Schlag Ende letzten Jahres hat er nicht nur das Image der T\u00fcrkei als Regionalmacht gest\u00e4rkt, sondern auch ein Abkommen mit Libyen \u00fcber die Seegrenze abgeschlossen und damit einen Plan Griechenlands, Zyperns, \u00c4gyptens und Israels zur Erschlie\u00dfung von Unterwasser\u00f6l- und -gasfeldern in der N\u00e4he zunichtegemacht.<\/p>\n\n\n\n

Erdo\u011fan scheint auch von der Spalt-und-Eroberungs-Strategie des Kreml in Europa inspiriert worden zu sein, der zufolge oft diejenigen EU-Mitgliedsstaaten unter Druck gesetzt werden, die am meisten von russischen Kohlenwasserstoffen oder M\u00e4rkten abh\u00e4ngig sind. So wie Putin lange Zeit die Energieversorgung instrumentalisiert hat, hat Erdo\u011fan versucht, den Strom von Migranten und Fl\u00fcchtlingen, die vor Konflikten im Nahen Osten fliehen, zu instrumentalisieren. Als die EU eine neue Marinemission ank\u00fcndigte, um den Waffenstrom nach Libyen zu blockieren, malte die T\u00fcrkei f\u00fcr Malta das Schreckgespenst der angeblichen Bedrohung durch Migranten an die Wand. Malta reagierte prompt und signalisierte, dass es gegen die Finanzierung der Mission ein Veto einlegen werde.<\/p>\n\n\n\n

Verlorener Sohn<\/strong><\/h3>\n\n\n\n

Jahrelang redeten sich die Europ\u00e4er ein, dass Russland eine Art verlorener Sohn sei und dass die europ\u00e4ische unipolare Ordnung gesund bleibe. Doch das machte Europa zu einem leichten Ziel f\u00fcr die Trennungs-und-Eroberungs-Strategie des Kreml. Erst vor relativ kurzer Zeit entwarf die Union eine neue Politik und ein robustes Sanktionsregime, um die russische Aggression abzuschrecken. Und selbst jetzt \u2013 trotz der besten Bem\u00fchungen der deutschen Bundeskanzlerin Angela Merkel und des franz\u00f6sischen Pr\u00e4sidenten Emmanuel Macron \u2013 hat die EU noch immer keine wirksamen Kommunikationskan\u00e4le mit Russland geschaffen, um gemeinsame Probleme anzugehen.<\/p>\n\n\n\n

Die T\u00fcrkei ist noch kein neues Russland, aber sie k\u00f6nnte dazu werden, wenn die Situation falsch gehandhabt wird. Vorerst betrachten die meisten Europ\u00e4er die T\u00fcrkei noch immer als einen komplizierten Partner und nicht als \"Systemrivalen\". Aber die Europ\u00e4er sollten die hart erk\u00e4mpften Lehren aus dem Umgang mit Russland in den letzten 15 Jahren beherzigen. Die Beziehungen zwischen der EU und der T\u00fcrkei brauchen neue, einvernehmlich vereinbarte Prinzipien sowie klare Grenzen, um eine weitere Destabilisierung in der Region zu verhindern.<\/p>\n\n\n\n

Zu diesem Zweck sollten die Europ\u00e4er klarstellen, dass der EU-Beitrittsprozess entweder zur\u00fcckgedreht oder vorangetrieben werden kann und dass eine eher transaktionale Beziehung sowohl Zuckerbrot als auch Peitsche beinhaltet. Die Herausforderung wird darin bestehen, daf\u00fcr zu sorgen, dass es in einer Region, die nicht nur von Europa und der T\u00fcrkei, sondern auch von Russland, den USA und einem aufstrebenden China beeinflusst wird, noch Raum f\u00fcr politisches Engagement in Fragen der gemeinsamen Sicherheit gibt. (Mark Leonard, \u00dcbersetzung: Eva G\u00f6llner, Copyright: Project Syndicate, 10.8.2020)<\/p>\n\n\n\n

Mark Leonard <\/strong>ist Direktor des Europ\u00e4ischen Rats f\u00fcr Ausw\u00e4rtige Beziehungen.<\/a><\/p>\n","post_title":"Erdo\u011fan \u2013 der andere Putin vor der Haust\u00fcr Europas","post_excerpt":"","post_status":"publish","comment_status":"closed","ping_status":"closed","post_password":"","post_name":"erdogan-der-andere-putin-vor-der-haustur-europas","to_ping":"","pinged":"","post_modified":"2025-02-02 08:39:39","post_modified_gmt":"2025-02-02 08:39:39","post_content_filtered":"","post_parent":0,"guid":"https:\/\/dctransparency.com\/?p=3789","menu_order":0,"post_type":"post","post_mime_type":"","comment_count":"0","filter":"raw"},{"ID":3786,"post_author":"7","post_date":"2020-08-14 13:51:23","post_date_gmt":"2020-08-14 13:51:23","post_content":"\n

Einen Monat nachdem ich zur israelischen Armee eingezogen worden war, brach die erste Intifada aus. Statt Soldat zu sein, machte ich Polizeiarbeit, sagte den Menschen, wann sie zur Arbeit gehen konnten und wann sie ihre L\u00e4den schlie\u00dfen mussten, wann sie die Grenze passieren und wann sie schlafen konnten. Einen Monat nachdem ich aus der Armee entlassen worden war, ging ich auf Reisen. (In Israel sagen wir: Wir dienen drei Jahre und versuchen den Rest unseres Lebens, diese drei Jahre zu vergessen.) Auf meiner Reise begann ich Briefe an meine Freundin zu schreiben, die ich in Israel zur\u00fcckgelassen hatte.<\/p>\n\n\n\n

Ich schrieb ihr, wie schrecklich depressiv ich war und dass diese drei Jahre des Anweisungenbellens und Anderen-Menschen-Sagens, was sie zu tun haben, mich f\u00fcr immer verfolgen w\u00fcrden. Dass sie ein Teil dessen geworden waren, was ich bin. Ich erinnere mich, dass ich ihr schrieb, dass wir da rausm\u00fcssen \u2013 nicht nur f\u00fcr die Pal\u00e4stinenser, sondern wegen der furchtbaren und brutalen Auswirkungen, die all das auf uns, auf die israelische Gesellschaft haben w\u00fcrde. Sie schrieb zur\u00fcck: \u201eDu hast recht. Ich habe einen neuen Freund.\u201c<\/p>\n\n\n\n

Felix Klein wurde als Beauftragter der Bundesregierung berufen<\/a>, um die Auswirkungen des zunehmenden Antisemitismus in unserer Gesellschaft, in Deutschland, zu bek\u00e4mpfen. Was nicht in seiner Jobbeschreibung steht, ist, dass er dabei unsere Gesellschaft heilen muss, jene Gesellschaft, die diese Form des Hasses reproduziert und sch\u00fctzt. Klein hat das begriffen.<\/p>\n\n\n\n

Er versteht, dass man Krebs nicht mit einem Pflaster verarztet, er wei\u00df, dass er das Bewusstsein der Deutschen sch\u00e4rfen und Diskussionen ansto\u00dfen muss. Er hat begriffen, dass das Problem nicht nur an den R\u00e4ndern der Gesellschaft (bei den Rechten) liegt, sondern auch in ihrer Mitte. Dort, wo gebildete Menschen nicht einmal bemerken, dass das, was sie sagen und tun, antisemitisch ist. So wie sie es auch nicht merken, wenn sie rassistisch handeln. Er hat all das verstanden, und genau deshalb wollen einige, dass er seinen Posten r\u00e4umt.<\/p>\n\n\n\n

Mehr als 60 deutsche und israelische Intellektuelle haben letzte Woche in einem Brief an Kanzlerin Merkel<\/a> dar\u00fcber geklagt, dass der aktuelle \u201eGebrauch des Antisemitismusbegriffs\u201c darauf abziele, \u201elegitime Kritik an der israelischen Regierungspolitik zu unterdr\u00fccken\u201c, und Klein vorgeworfen, rechtspopulistische israelische Stimmen zu f\u00f6rdern.<\/p>\n\n\n\n

Faszinierend an diesem offenen Brief ist, dass viele der Unterzeichneten keine Deutschen sind und auch nicht in Deutschland leben. Ich wei\u00df nicht, woher sie \u2013 die meisten von ihnen sind Israelis \u2013 die Chuzpe haben, sich in eine innerdeutsche Angelegenheit einzumischen und zu fordern, eine Person zu entlassen, die von der Bundesregierung eingesetzt wurde. Die H\u00e4lfte der Unterzeichneten lebt nicht hier, von der anderen H\u00e4lfte sind viele keine Juden \u2013 somit sind die allermeisten von ihnen nicht direkt vom Antisemitismus in Deutschland betroffen. Wie also k\u00f6nnen sie diesen Brief unterschreiben? Und warum eigentlich haben so wenige Deutsche unterschrieben? Dazu komme ich gleich.<\/p>\n\n\n\n

Debatte um Achille Mbembe<\/h6>\n\n\n\n

Hintergrund des Briefs war, dass Felix Klein gefordert hatte, den Philosophen Achille Mbembe<\/a> nicht die Er\u00f6ffnungsrede der Ruhrtriennale halten zu lassen. Als mit \u00f6ffentlichen Mitteln gef\u00f6rdertes Event solle die Ruhrtriennale Mbembe wegen seiner Haltung zu Israels Existenzrecht, seiner Haltung zu BDS und der Art, wie er in einem seiner Werke den Holocaust relativiert, nicht einladen.<\/p>\n\n\n\n

Mbembes Unterst\u00fctzer sagen, keine dieser Anschuldigungen sei wahr. F\u00fcrs Protokoll: In meinen Augen unterst\u00fctzt Mbembe sehr wohl BDS<\/a>, er schrieb unter anderem das Vorwort zu \u201eApartheid Israel\u201c und fordert die komplette Isolation Israels. Ich glaube auch, wenn Mbembe schreibt, die israelische Besetzung sei der \u201egr\u00f6\u00dfte moralische Skandal unserer Zeit\u201c, zeigt das, dass sein moralischer und geografischer Kompass etwas schief ist.<\/p>\n\n\n\n

Doch warum treibt die Debatte so viele Menschen um? Nun, zun\u00e4chst gibt niemand gern auf, was ihm oder ihr selbstverst\u00e4ndlich scheint. \u00dcber den gesamten politischen, sozialen, kulturellen, medialen und akademischen Sektor hinweg sind Menschen daran gew\u00f6hnt, so schlecht \u00fcber Israel sprechen zu k\u00f6nnen, wie auch immer sie wollen.<\/p>\n\n\n\n

Der Spiegel<\/em> hat \u2013 vielleicht in Anlehnung an seine Relotius-Standards, Israel erst k\u00fcrzlich eine Corona-Diktatur genannt. Fakten und Belege f\u00fcr diese Behauptung gab es nicht. Doch Millionen Deutsche haben es gelesen, und es wird nat\u00fcrlich haften bleiben. Faktenlage hin oder her. Der Spiegel<\/em> und andere Medien haben dieses Spiel perfektioniert: Titel so zu drehen, dass sie Israel indirekt anklagen, die Idee zu streuen, der Mossad kon\u00adtrol\u00adliere die deutsche Au\u00dfenpolitik im Nahen Osten, und so fort. Doch sie stehen allesamt sofort auf den Hinterbeinen, wenn jemand es wagt, das Spiel beim Namen zu nennen: moderner Antisemitismus.<\/p>\n\n\n\n

Klein will dem entgegenwirken. Er versteht, dass antisemitische Attacken in Deutschland die Fr\u00fcchte solch falsch gezeichneter Bilder und eindimensionaler Narrative \u00fcber Israel sind. Wenn er und andere versuchen, ein anderes Narrativ aufzuzeigen, wirft man ihnen Zensur vor: Wie k\u00f6nnen sie es wagen, das Gesch\u00e4ft der Anti-Israel-Propaganda zu st\u00f6ren?<\/p>\n\n\n\n

Liebe Deutsche, wenn ihr reden wollt, lasst uns gern reden: \u00fcber die Besetzung, \u00fcber Bibi und alles, was schiefl\u00e4uft. Aber dann lasst uns bitte auch dar\u00fcber reden, wie deutsche Steuergelder Terrortunnel finanzieren. Erst vergangene Woche r\u00e4umte die niederl\u00e4ndische Regierung ein, dass Gelder an eine Landwirtschaftsorganisation in Ramallah geflossen seien, die damit teilweise die Geh\u00e4lter zweier des Mordes an der 17-j\u00e4hrigen Israelin Rina Shnerb Verd\u00e4chtiger gezahlt haben. Auch die Bundesregierung unterst\u00fctzt diese Organisation, obwohl Kritiker schon lange vor Verbindungen zu Terroristen warnen.<\/p>\n\n\n\n

Wir k\u00f6nnen uns also gerne unterhalten \u2013 aber im Dialog, nicht in Monologen. Denn Reden unter Menschen, die sich einig sind, ist nichts anderes als Impotenz.<\/p>\n\n\n\n

Israelkritik als Eintrittskarte<\/h6>\n\n\n\n

Die Israelis, die die Petition unterzeichnet haben, haben \u00fcbrigens ebenfalls etwas verstanden. Seit Jahren wissen sie: Es ist ihre Eintrittskarte in die Mitte der deutschen (und europ\u00e4ischen) Gesellschaft. Man h\u00f6rt nicht oft von Akademikern mit proisraelischen Ansichten. Weder in den Philharmonie-Orchestern noch in der Kunstszene. Die Eintrittskarte daf\u00fcr ist ein antiisraelischer Standpunkt.<\/p>\n\n\n\n

Der mutma\u00dfliche Grund, warum kaum Deutsche die Petition unterzeichnet haben: Sie mussten es nicht. Ihre Lieblingsjuden haben es f\u00fcr sie getan. Jetzt k\u00f6nnen sie sagen: \u201eSchau, ich bin das ja nicht, meine j\u00fcdischen Freunde sagen es.\u201c Ich selbst war einige Jahre lang mit einem Paar hier in Berlin befreundet, bis ich herausfand, dass ich ihr Lieblingsjude war. Ja, selbst das j\u00fcdische Museum wurde so genutzt.<\/p>\n\n\n\n

Weil Attacken gegen Juden ein absolutes Tabu sind, wurden Umwege gefunden, um den Antisemitismus auf kleiner Flamme k\u00f6cheln zu lassen: die unfundierte, unbegr\u00fcndete Kritik an Israel.<\/p>\n\n\n\n

Diese Art der Kritik ist gef\u00e4hrlich. Sie schw\u00e4cht jede begr\u00fcndete und notwendige Kritik am Verhalten Israels. Und das Interessante ist: Trotz all der heftigen, pauschalisierenden Anklagen, all der offenen Briefe driftet Israel politisch immer weiter nach rechts. Doch statt mal einen anderen Ansatz zu versuchen, werden die antiisraelischen Stimmen nur lauter. Dasselbe versuchen und andere Ergebnisse davon erwarten \u2013 das ist die Definition von Wahnsinn.<\/p>\n\n\n\n

Kurz bevor der Prozess gegen den wegen des Attentats von Halle<\/a> Angeklagten begann \u2013 des seit Kriegsende schlimmsten Akts von Antisemitismus in Deutschland \u2013, lud eine Lokalzeitung den fr\u00fcheren Botschafter Shimon Stein und den Historiker Moshe Zimmermann ein, dar\u00fcber zu schreiben, was Antisemitismus ist. Nat\u00fcrlich wendeten auch sie sich gegen Felix Kleins Ansatz. Sie zitieren die Kontroverse um die Umbenennung der U-Bahn-Station Mohrenstra\u00dfe in Glinkastra\u00dfe, die sich darum drehte, dass der russische Komponist Michael Glinka Antisemit gewesen sein soll. Stein und Zimmermann halten die Debatte f\u00fcr \u00fcberzogen, Glinka sei nur ein Kind seiner Zeit gewesen. Folgt man ihrer Logik, k\u00f6nnen wir dann also in 20 oder 30 Jahren U-Bahn-Stationen nach den Kindern der 1930er Jahre benennen?<\/p>\n\n\n\n

Der Antisemit als Tierfreund<\/h6>\n\n\n\n

Ich w\u00fcnschte, die Sache h\u00e4tte mit dem Artikel, mit der Petition geendet. Doch dann erschien ein Artikel, der den Leser auf einen Waldspaziergang mit einem veganen Koch und Antisemiten mitnahm. Darin setzt der Tierfreund erst behutsam einen K\u00e4fer wieder auf seine Beinchen und erkl\u00e4rt dann, dass die Todesstrafe in Deutschland wieder eingef\u00fchrt werden solle, um einen gewissen Politiker (der zuf\u00e4llig pro Israel ist) an seinen Hoden aufh\u00e4ngen zu k\u00f6nnen. Dieser Koch hat Hunderttausende Follower, er sagt all solche Dinge am helllichten Tag in Berlin. Und in den Medien.<\/p>\n\n\n\n

F\u00e4lle wie dieser handeln bereits von Gewalt \u2013 und sie enden nicht bei den Juden. Der Hass richtet sich gegen Frauen<\/a>, Muslime, Gefl\u00fcchtete, \u00adLBTQI. Am Ende aller theoretischen Debatten stehen immer echte Menschen. Am Ende jeder Konferenz dar\u00fcber, was Antisemitismus ausmacht, steht ein potenzielles j\u00fcdisches Opfer. Angesichts einer Welle von Antisemitismus \u00fcber die Definition von Antisemitismus zu streiten ist, wie eine 10 Meter hohe Welle heranrollen zu sehen und dar\u00fcber zu streiten, was einen Tsunami ausmacht.<\/p>\n\n\n\n

Felix Klein versteht, wie absurd es ist, zu sagen: Es sind nur die Rechten. Die Rechten sind Deutsche, so wie die Nazis Deutsche waren. Klein versteht, dass die Deutschen nicht aufgeh\u00f6rt haben, Juden zu ermorden, weil sie irgendeine Art von Erleuchtung hatten. Sondern schlicht, weil sie den Krieg verloren haben. Um den Antisemitismus zu bek\u00e4mpfen, bevor er die Gesellschaft frisst, in der er und wir leben, muss Deutschland seinen moralischen Kompass korrigieren.<\/p>\n\n\n\n

Immerhin: Mehr und mehr Deutsche fahren nach Israel, sie wollen ein anderes Narrativ h\u00f6ren. Mehr und mehr Deutsche verstehen, dass Antisemitismus Schockwellen ausl\u00f6st, die die gesamte Gesellschaft betreffen. In einem normalen Universum w\u00fcrde Klein bef\u00f6rdert werden f\u00fcr seine Leistung. In einer verdrehten Gesellschaft fordern Menschen seine Entlassung. Um es mit Mbembe zu sagen: Das ist Nano-Nonsens.<\/p>\n\n\n\n

\u00dcbersetzung: Ariane Lemme<\/a><\/em><\/p>\n","post_title":"Felix Klein hat verstanden","post_excerpt":"","post_status":"publish","comment_status":"closed","ping_status":"closed","post_password":"","post_name":"felix-klein-hat-verstanden","to_ping":"","pinged":"","post_modified":"2025-02-02 08:39:39","post_modified_gmt":"2025-02-02 08:39:39","post_content_filtered":"","post_parent":0,"guid":"https:\/\/dctransparency.com\/?p=3786","menu_order":0,"post_type":"post","post_mime_type":"","comment_count":"0","filter":"raw"}],"next":false,"prev":true,"total_page":47},"paged":1,"column_class":"jeg_col_2o3","class":"epic_block_3"};

\n

Ghassan Salam\u00e9, der fr\u00fchere Leiter der UN-Mission in Libyen, beschrieb dies als \"m\u00f6glicherweise das gr\u00f6\u00dfte Drohnenkriegstheater der Welt\".<\/p>\n\n\n\n

Die VAE sind nicht die einzige ausl\u00e4ndische Macht, die an diesem Konflikt beteiligt ist.<\/p>\n\n\n\n

Anfang dieses Jahres gab BBC Africa Eye bekannt, dass die T\u00fcrkei auch gegen das Waffenembargo der Vereinten Nationen gegen Libyen versto\u00dfen hat, indem sie geheime Waffenlieferungen an die von den Vereinten Nationen anerkannte Regierung in Tripolis gesendet hat.<\/p>\n\n\n\n

Mit Unterst\u00fctzung der T\u00fcrkei hat die von den Vereinten Nationen anerkannte Regierung des Nationalen Abkommens nun die LNA von Gen Haftar aus der Gegend um Tripolis zur\u00fcckgeschlagen.<\/p>\n","post_title":"BBC-Untersuchung: VAE in t\u00f6dlichen Angriff in Libyen verwickelt","post_excerpt":"","post_status":"publish","comment_status":"closed","ping_status":"closed","post_password":"","post_name":"bbc-untersuchung-vae-in-todlichen-angriff-in-libyen-verwickelt","to_ping":"","pinged":"","post_modified":"2025-02-02 08:39:39","post_modified_gmt":"2025-02-02 08:39:39","post_content_filtered":"","post_parent":0,"guid":"https:\/\/dctransparency.com\/?p=3811","menu_order":0,"post_type":"post","post_mime_type":"","comment_count":"0","filter":"raw"},{"ID":3792,"post_author":"7","post_date":"2020-08-14 13:58:48","post_date_gmt":"2020-08-14 13:58:48","post_content":"\n

Die Hagia Sophia war (ist) ein kulturelles Weltwunder und aufgeladen mit symbolischer Bedeutung, f\u00fcr die Christenheit ebenso wie f\u00fcr den Islam \u2013 und den t\u00fcrkischen Nationalismus. Als Mehmed II. sie betrat, war sie schon fast 1000 Jahre die gr\u00f6\u00dfte Kirche der christlichen Welt und das Zentrum der orthodoxen Glaubensrichtung. Die \"Ayasofya\", wie sie dann hie\u00df, war 500 Jahre lang Moschee \u2013 bis 1934, als Kemal Pascha Atat\u00fcrk, der \"Vater\" der modernen T\u00fcrkei, sie in ein Museum verwandelte, in der ausdr\u00fccklichen Absicht, auch hier mit dem osmanischen Erbe zu brechen.<\/p>\n\n\n\n

Nun wird Pr\u00e4sident Recep Tayyip Erdo\u011fan, der \"Vater\" der re-islamisierten T\u00fcrkei, am 24. Juli dieses Jahres die Ayasofya durch das Freitagsgebet wieder in den Islam eingliedern. Oder eher in seinen pers\u00f6nlichen religi\u00f6sen Nationalismus.<\/p>\n\n\n\n

Welterbe von allen<\/h3>\n\n\n\n

Wie bedeutungsschwer ist dieser Akt eines \"starken Mannes\", der innenpolitisch deutlich schw\u00e4chelt? Die Proteste vor allem aus der orthodoxen Welt, aber auch aus Europa und den USA sind eher traurig als w\u00fctend. Der Papst dr\u00fcckte seinen \"Schmerz\" aus. Auch der Jubel in der islamischen Welt fiel zun\u00e4chst weniger \u00fcbersch\u00e4umend als erwartet aus.<\/p>\n\n\n\n

Ist es der Alleingang eines Autokraten in Bedr\u00e4ngnis oder ist \"der Jubel \u00fcber die Eroberung der Hagia Sophia der Versuch einer zutiefst erniedrigten, vom Gef\u00fchl der Wertlosigkeit dominierten und in ihrer eigenen Selbstberechtigung beraubten Gesellschaft, eine Bedeutung, eine St\u00e4rke, ein Selbstwertgef\u00fchl zu finden\"? So recht pauschalierend der in Deutschland lebende pal\u00e4stinensische Intellektuelle und Psychiater Ahmad Mansour.<\/p>\n\n\n\n

Die beiden Gro\u00dfreiche, das byzantinische und das osmanische, sind l\u00e4ngst versunken.<\/p><\/blockquote>\n\n\n\n

Das eigentliche Schl\u00fcsselwort im Zusammenhang mit der Hagia Sofia ist \"Welterbe\". Das Erbe von allen. Einmal im kulturellen Sinn der Unesco, aber in Wahrheit weiter gefasst. Das einzigartige Bauwerk geh\u00f6rt in Wirklichkeit der ganzen Welt, nicht der einen oder anderen Religion. Die beiden Gro\u00dfreiche, f\u00fcr die die Hagia Sofia der zentrale spirituelle Bau war, das byzantinische und das osmanische, sind l\u00e4ngst versunken. Seither hat sie eine neue, \u00fcbernationale Dimension erhalten. Was Erdo\u011fan da jetzt mit der Hagia Sofia macht, ist eine Verengung und Verarmung eines gemeinsamen Welterbes.<\/p>\n\n\n\n

\"\"\/
Betende Muslime vor der Hagia Sophia.<\/figcaption><\/figure>\n\n\n\n

Davon abgesehen aber war und ist sie ein architektonisches Meisterwerk und geh\u00f6rt zu den bedeutendsten Bauten der Welt. Wer heute den Zentralraum unter der Kuppel betritt, kann sich nur schwer dem zugleich majest\u00e4tischen wie schwebenden Gesamteindruck entziehen. Die Hagia Sophia blieb fast 1000 Jahre die gr\u00f6\u00dfte Kirche der Christenheit. Technisch war die Kuppel (mit mehreren Halbkuppeln) eine \u00fcberaus riskante Innovation: Die 55 Meter hohe und 32 Meter im Durchmesser breite Kuppel ruht auf nur vier Tragpunkten, was den schwebenden, schwerelosen Eindruck erzeugt. Die Konstruktion folgt einem mathematischen Prinzip, das erst k\u00fcrzlich entschl\u00fcsselt wurde.<\/p>\n\n\n\n

\"Salomo, ich habe dich \u00fcbertroffen!\"<\/p><\/blockquote>\n\n\n\n

Als Kaiser Justinian die Hagia Sophia nach nur f\u00fcnf Jahren Bauzeit (532\u2013537) betrat, soll er in Anspielung auf den Tempel in Jerusalem ausgerufen haben: \"Salomo, ich habe dich \u00fcbertroffen!\" Die Innenausstattung war mit ihren S\u00e4ulen aus Porphyr und gr\u00fcnem Marmor, mit Mosaiken aus Gold und Halbedelsteinen derart prunkvoll, der Gesamteindruck derart \u00fcberirdisch, dass eine Delegation des Gro\u00dff\u00fcrsten von Kiew nicht mehr wusste, \"ob wir im Himmel oder auf der Erde\" waren \u2013 was die Christianisierung Russlands bef\u00f6rderte.<\/p>\n\n\n\n

Der deutsche Architekturlehrer Holger Kleine nennt die Hagia Sophia \"absolute Architektur\", weil sie \"extreme Ausdrucksformen nahezu aller dramaturgischen Mittel, die der Architektur zur Verf\u00fcgung stehen, vereinigt: wuchtigste K\u00f6rper und luftigste R\u00e4ume, engste Enge und gr\u00f6\u00dfte Weite, w\u00e4rmende Helligkeit und mystisches Dunkel\". Und die Kuppelbauten aus der sp\u00e4teren Hochbl\u00fcte der Moscheenarchitektur im 16. und 17. Jahrhundert gehen eindeutig auf die Hagia Sophia zur\u00fcck.<\/p>\n\n\n\n

Die Hagia Sophia war Staatskirche des byzantinischen Reichs. F\u00fcr die Eroberer der letzte Schlussstein in der Kuppel osmanisch-muslimischen Herrschaftsanspruchs. Konstantinopel war ja 1453 nur noch eine isolierte, heruntergekommene Enklave in einem osmanischen Umfeld, kein christliches Heer kam zu Hilfe. Doch vorher war es zugleich Sperrriegel nach Osten und Geistesarchiv der antiken Kultur gewesen. \"Ohne Byzanz h\u00e4tte es kein Europa gegeben\", sagt die britische Altertumsforscherin Judith Herrin.<\/p>\n\n\n\n

\"\"\/
Freigelegtes Mosaik von \"Christos Pantokrator\".<\/figcaption><\/figure>\n\n\n\n

Neue Fragen<\/h3>\n\n\n\n

Die Kirche wurde von Mehmed II. und Nachfolgern nicht in der Substanz zerst\u00f6rt, sondern \"entchristlicht\". Die urspr\u00fcnglich \u00fcbert\u00fcnchten oder auch abgeschlagenen Mosaiken mit den Darstellungen von Christus, der Muttergottes, diversen Kaisern kamen zum Teil schon unter einem Sultan des 19. Jahrhunderts, dann gro\u00dfteils nach der Museumswidmung wieder zum Vorschein.<\/p>\n\n\n\n

Jetzt stellen sich neue symbolisch-praktische Fragen. Erdo\u011fan hat die Hagia Sophia der konservativen staatlichen Religionsbeh\u00f6rde Diyanet unterstellt. Die byzantinischen Mosaike, wie der gro\u00dfartige \"Christos Pantokrator\" (\"Weltenherrscher\") oder die Jungfrau Maria in der Apsis, m\u00fcssen wohl w\u00e4hrend des islamischen Gottesdiensts verh\u00e4ngt werden. Muss der Boden mit seinen Marmorplatten und Mosaiken mit einem Teppich bedeckt werden? Erdo\u011fan sagt, Touristen seien nach wie vor zugelassen. Aber sie werden wohl hinter Absperrungen bleiben m\u00fcssen. Frauen werden \u2013 wie in der benachbarten \"Blauen Moschee\" (\"Sultanahmed\") Kopftuch tragen m\u00fcssen.<\/p>\n\n\n\n

\"\"\/
Erdo\u011fan mit Gattin in der Hagia Sophia.<\/figcaption><\/figure>\n\n\n\n

Erdo\u011fans neue Abenteuer<\/strong><\/h3>\n\n\n\n

Aber wird da nicht doch zu viel in einen Formalakt rund um ein uraltes Bauwerk hineininterpretiert? Im geschichtlichen Kontext relativiert sich manches: Konstantinopel wurde schon von Christen erobert und ausgepl\u00fcndert \u2013 1204 im Vierten Kreuzzug. In der Moschee von Cordoba (\"Mezquita\") bauten die Katholiken eine ganze Kirche in den ber\u00fchmten S\u00e4ulenwald hinein. Die Mezquita ist heute noch Kirche, kein Museum.<\/p>\n\n\n\n

\"Das ist der Beweis, dass wir kein s\u00e4kularer Staat mehr sein wollen\", sagt Nobelpreistr\u00e4ger Orhan Pamuk. Erdo\u011fan betrachtet sich offenbar als auch neoosmanischer \"Fatih\" im Mittelmeerraum mit immer neuen Abenteuern: Eingreifen in Syrien, Stellvertreterkrieg in Libyen, Anspr\u00fcche auf Erdgasvorkommen weit vor der t\u00fcrkischen K\u00fcste bei Zypern, Reden, wonach manche \u00c4g\u00e4is-Inseln eigentlich zur T\u00fcrkei geh\u00f6ren, \"denn dort stehen unsere Moscheen\". Manches davon ist nur Rhetorik, aber genug anderes ist riskante Realit\u00e4t. (Hans Rauscher, 14.7.2020)<\/p>\n\n\n\n

Quelle<\/a><\/strong><\/p>\n","post_title":"Hagia Sophia: Verengung und Verarmung eines Welterbes","post_excerpt":"","post_status":"publish","comment_status":"closed","ping_status":"closed","post_password":"","post_name":"hagia-sophia-verengung-und-verarmung-eines-welterbes","to_ping":"","pinged":"","post_modified":"2025-02-02 08:39:39","post_modified_gmt":"2025-02-02 08:39:39","post_content_filtered":"","post_parent":0,"guid":"https:\/\/dctransparency.com\/?p=3792","menu_order":0,"post_type":"post","post_mime_type":"","comment_count":"0","filter":"raw"},{"ID":3789,"post_author":"7","post_date":"2020-08-14 13:56:07","post_date_gmt":"2020-08-14 13:56:07","post_content":"\n

Im Gastkommentar pocht Mark Leonard, Direktor des Europ\u00e4ischen Rats f\u00fcr Ausw\u00e4rtige Beziehungen, auf \"neue, einvernehmlich vereinbarte Prinzipien sowie klare Grenzen\", nur so k\u00f6nne eine weitere Destabilisierung in der Region verhindert werden.<\/em><\/strong><\/p>\n\n\n\n

Ist die T\u00fcrkei das neue Russland? Diese Frage wird in den europ\u00e4ischen Hauptst\u00e4dten zunehmend gestellt, da die Au\u00dfenpolitik des t\u00fcrkischen Pr\u00e4sidenten Recep Tayyip Erdo\u011fan zunehmend aggressiver wird. Erdo\u011fan nutzt nicht nur die Migration, um die EU zu bedrohen und zu betr\u00fcgen, sondern setzt auch milit\u00e4rische Macht ein, um den Einflussbereich der T\u00fcrkei auf die gesamte Region auszudehnen.<\/p>\n\n\n\n

Seit dem Ende des Kalten Krieges haben die Europ\u00e4er die regionale Sicherheit durch eine unipolare westliche Linse betrachtet. W\u00e4hrend die Nato die milit\u00e4rische Sicherheit garantierte, sorgte die EU mit ihrem 80.000 Seiten starken Regelwerk f\u00fcr alles von LGBTQ-Rechten bis hin zu Rasenm\u00e4her-Sound-Verordnungen f\u00fcr Rechtsordnung. In den 90er-Jahren ging man allgemein davon aus, dass die beiden gro\u00dfen nichtwestlichen regionalen Akteure, Russland und die T\u00fcrkei, nach und nach an diese Regelungen herangef\u00fchrt werden w\u00fcrden.<\/p>\n\n\n\n

Qu\u00e4lende Hassliebe<\/h3>\n\n\n\n

Doch in den letzten 15 Jahren ist der Traum von der europ\u00e4ischen Unipolarit\u00e4t einer multipolaren Realit\u00e4t gewichen. Sowohl Russland als auch die T\u00fcrkei haben eine lange, qu\u00e4lende Hassliebe zu Europa, und beide sind unter nationalen Machthabern, denen die Verachtung der Normen und Werte der EU gemeinsam ist, durchsetzungsf\u00e4higer geworden.<\/p>\n\n\n\n

Die zunehmende Verschlechterung der Beziehungen zwischen der EU und Russland ist gut dokumentiert, der Fall der T\u00fcrkei weniger. Der Irakkrieg im Jahr 2003 komplizierte das Verh\u00e4ltnis der T\u00fcrkei zur Nato, und ihr Verh\u00e4ltnis zur EU verschlechterte sich 2007, als Frankreich einen wichtigen Teil ihrer EU-Beitrittsverhandlungen blockierte. Seitdem hat die T\u00fcrkei ihren eigenen Weg in Syrien, auf dem Balkan und in Libyen eingeschlagen und neue Beziehungen zu Russland und China aufgebaut.<\/p>\n\n\n\n

Wichtiger Akteur<\/strong><\/h3>\n\n\n\n

Nat\u00fcrlich sind die Beziehungen zwischen der T\u00fcrkei und Russland nicht weniger kompliziert, nicht zuletzt weil Erdo\u011fan und der russische Pr\u00e4sident Wladimir Putin im syrischen B\u00fcrgerkrieg verschiedene Seiten unterst\u00fctzten.Und w\u00e4hrend die Spannungen wegen des Syrien-Konflikts weiterhin bestehen, bewundert Erdo\u011fan deutlich, wie Russland sich \u2013 bei relativ geringen Kosten \u2013 wieder als wichtiger Akteur im Nahen Osten und in Nordafrika etabliert hat.<\/p>\n\n\n\n

Nachdem er in einen nicht zu gewinnenden Krieg im Osten der Ukraine verwickelt war, schien Putins weitgehend erfolgreicher Feldzug in Syrien einen Teil seiner innenpolitischen Autorit\u00e4t wiederherzustellen. Der Westen hatte f\u00fcnf Jahre lang darauf bestanden, dass es keine milit\u00e4rische L\u00f6sung des Konflikts gebe und dass der syrische Pr\u00e4sident Baschar al-Assad gehen m\u00fcsse. Doch w\u00e4hrend die von den Vereinten Nationen unterst\u00fctzten Gespr\u00e4che in Genf zu keinem Ergebnis f\u00fchrten, schienen die von Russland geleiteten Gespr\u00e4che in Astana voranzukommen. Indem der Kreml die T\u00fcrkei und den Iran einbezog, w\u00e4hrend er die westlichen M\u00e4chte ausschloss, erweckte er den Eindruck, dass Russland als wiedergeborene Supermacht aus der Asche auferstanden sei.<\/p>\n\n\n\n

Unter Druck<\/h3>\n\n\n\n

Angesichts des wachsenden Widerstands im eigenen Land macht es Erdo\u011fan Putin gleich. Da der Westen nicht bereit war, (erneut) milit\u00e4risch in Libyen zu intervenieren, sah Erdo\u011fan eine Gelegenheit, die T\u00fcrkei zu positionieren. Nach dem Vorgehen Russlands in Syrien sicherte er sich eine formelle Einladung der libyschen Regierung zur Intervention. Mit einem Schlag Ende letzten Jahres hat er nicht nur das Image der T\u00fcrkei als Regionalmacht gest\u00e4rkt, sondern auch ein Abkommen mit Libyen \u00fcber die Seegrenze abgeschlossen und damit einen Plan Griechenlands, Zyperns, \u00c4gyptens und Israels zur Erschlie\u00dfung von Unterwasser\u00f6l- und -gasfeldern in der N\u00e4he zunichtegemacht.<\/p>\n\n\n\n

Erdo\u011fan scheint auch von der Spalt-und-Eroberungs-Strategie des Kreml in Europa inspiriert worden zu sein, der zufolge oft diejenigen EU-Mitgliedsstaaten unter Druck gesetzt werden, die am meisten von russischen Kohlenwasserstoffen oder M\u00e4rkten abh\u00e4ngig sind. So wie Putin lange Zeit die Energieversorgung instrumentalisiert hat, hat Erdo\u011fan versucht, den Strom von Migranten und Fl\u00fcchtlingen, die vor Konflikten im Nahen Osten fliehen, zu instrumentalisieren. Als die EU eine neue Marinemission ank\u00fcndigte, um den Waffenstrom nach Libyen zu blockieren, malte die T\u00fcrkei f\u00fcr Malta das Schreckgespenst der angeblichen Bedrohung durch Migranten an die Wand. Malta reagierte prompt und signalisierte, dass es gegen die Finanzierung der Mission ein Veto einlegen werde.<\/p>\n\n\n\n

Verlorener Sohn<\/strong><\/h3>\n\n\n\n

Jahrelang redeten sich die Europ\u00e4er ein, dass Russland eine Art verlorener Sohn sei und dass die europ\u00e4ische unipolare Ordnung gesund bleibe. Doch das machte Europa zu einem leichten Ziel f\u00fcr die Trennungs-und-Eroberungs-Strategie des Kreml. Erst vor relativ kurzer Zeit entwarf die Union eine neue Politik und ein robustes Sanktionsregime, um die russische Aggression abzuschrecken. Und selbst jetzt \u2013 trotz der besten Bem\u00fchungen der deutschen Bundeskanzlerin Angela Merkel und des franz\u00f6sischen Pr\u00e4sidenten Emmanuel Macron \u2013 hat die EU noch immer keine wirksamen Kommunikationskan\u00e4le mit Russland geschaffen, um gemeinsame Probleme anzugehen.<\/p>\n\n\n\n

Die T\u00fcrkei ist noch kein neues Russland, aber sie k\u00f6nnte dazu werden, wenn die Situation falsch gehandhabt wird. Vorerst betrachten die meisten Europ\u00e4er die T\u00fcrkei noch immer als einen komplizierten Partner und nicht als \"Systemrivalen\". Aber die Europ\u00e4er sollten die hart erk\u00e4mpften Lehren aus dem Umgang mit Russland in den letzten 15 Jahren beherzigen. Die Beziehungen zwischen der EU und der T\u00fcrkei brauchen neue, einvernehmlich vereinbarte Prinzipien sowie klare Grenzen, um eine weitere Destabilisierung in der Region zu verhindern.<\/p>\n\n\n\n

Zu diesem Zweck sollten die Europ\u00e4er klarstellen, dass der EU-Beitrittsprozess entweder zur\u00fcckgedreht oder vorangetrieben werden kann und dass eine eher transaktionale Beziehung sowohl Zuckerbrot als auch Peitsche beinhaltet. Die Herausforderung wird darin bestehen, daf\u00fcr zu sorgen, dass es in einer Region, die nicht nur von Europa und der T\u00fcrkei, sondern auch von Russland, den USA und einem aufstrebenden China beeinflusst wird, noch Raum f\u00fcr politisches Engagement in Fragen der gemeinsamen Sicherheit gibt. (Mark Leonard, \u00dcbersetzung: Eva G\u00f6llner, Copyright: Project Syndicate, 10.8.2020)<\/p>\n\n\n\n

Mark Leonard <\/strong>ist Direktor des Europ\u00e4ischen Rats f\u00fcr Ausw\u00e4rtige Beziehungen.<\/a><\/p>\n","post_title":"Erdo\u011fan \u2013 der andere Putin vor der Haust\u00fcr Europas","post_excerpt":"","post_status":"publish","comment_status":"closed","ping_status":"closed","post_password":"","post_name":"erdogan-der-andere-putin-vor-der-haustur-europas","to_ping":"","pinged":"","post_modified":"2025-02-02 08:39:39","post_modified_gmt":"2025-02-02 08:39:39","post_content_filtered":"","post_parent":0,"guid":"https:\/\/dctransparency.com\/?p=3789","menu_order":0,"post_type":"post","post_mime_type":"","comment_count":"0","filter":"raw"},{"ID":3786,"post_author":"7","post_date":"2020-08-14 13:51:23","post_date_gmt":"2020-08-14 13:51:23","post_content":"\n

Einen Monat nachdem ich zur israelischen Armee eingezogen worden war, brach die erste Intifada aus. Statt Soldat zu sein, machte ich Polizeiarbeit, sagte den Menschen, wann sie zur Arbeit gehen konnten und wann sie ihre L\u00e4den schlie\u00dfen mussten, wann sie die Grenze passieren und wann sie schlafen konnten. Einen Monat nachdem ich aus der Armee entlassen worden war, ging ich auf Reisen. (In Israel sagen wir: Wir dienen drei Jahre und versuchen den Rest unseres Lebens, diese drei Jahre zu vergessen.) Auf meiner Reise begann ich Briefe an meine Freundin zu schreiben, die ich in Israel zur\u00fcckgelassen hatte.<\/p>\n\n\n\n

Ich schrieb ihr, wie schrecklich depressiv ich war und dass diese drei Jahre des Anweisungenbellens und Anderen-Menschen-Sagens, was sie zu tun haben, mich f\u00fcr immer verfolgen w\u00fcrden. Dass sie ein Teil dessen geworden waren, was ich bin. Ich erinnere mich, dass ich ihr schrieb, dass wir da rausm\u00fcssen \u2013 nicht nur f\u00fcr die Pal\u00e4stinenser, sondern wegen der furchtbaren und brutalen Auswirkungen, die all das auf uns, auf die israelische Gesellschaft haben w\u00fcrde. Sie schrieb zur\u00fcck: \u201eDu hast recht. Ich habe einen neuen Freund.\u201c<\/p>\n\n\n\n

Felix Klein wurde als Beauftragter der Bundesregierung berufen<\/a>, um die Auswirkungen des zunehmenden Antisemitismus in unserer Gesellschaft, in Deutschland, zu bek\u00e4mpfen. Was nicht in seiner Jobbeschreibung steht, ist, dass er dabei unsere Gesellschaft heilen muss, jene Gesellschaft, die diese Form des Hasses reproduziert und sch\u00fctzt. Klein hat das begriffen.<\/p>\n\n\n\n

Er versteht, dass man Krebs nicht mit einem Pflaster verarztet, er wei\u00df, dass er das Bewusstsein der Deutschen sch\u00e4rfen und Diskussionen ansto\u00dfen muss. Er hat begriffen, dass das Problem nicht nur an den R\u00e4ndern der Gesellschaft (bei den Rechten) liegt, sondern auch in ihrer Mitte. Dort, wo gebildete Menschen nicht einmal bemerken, dass das, was sie sagen und tun, antisemitisch ist. So wie sie es auch nicht merken, wenn sie rassistisch handeln. Er hat all das verstanden, und genau deshalb wollen einige, dass er seinen Posten r\u00e4umt.<\/p>\n\n\n\n

Mehr als 60 deutsche und israelische Intellektuelle haben letzte Woche in einem Brief an Kanzlerin Merkel<\/a> dar\u00fcber geklagt, dass der aktuelle \u201eGebrauch des Antisemitismusbegriffs\u201c darauf abziele, \u201elegitime Kritik an der israelischen Regierungspolitik zu unterdr\u00fccken\u201c, und Klein vorgeworfen, rechtspopulistische israelische Stimmen zu f\u00f6rdern.<\/p>\n\n\n\n

Faszinierend an diesem offenen Brief ist, dass viele der Unterzeichneten keine Deutschen sind und auch nicht in Deutschland leben. Ich wei\u00df nicht, woher sie \u2013 die meisten von ihnen sind Israelis \u2013 die Chuzpe haben, sich in eine innerdeutsche Angelegenheit einzumischen und zu fordern, eine Person zu entlassen, die von der Bundesregierung eingesetzt wurde. Die H\u00e4lfte der Unterzeichneten lebt nicht hier, von der anderen H\u00e4lfte sind viele keine Juden \u2013 somit sind die allermeisten von ihnen nicht direkt vom Antisemitismus in Deutschland betroffen. Wie also k\u00f6nnen sie diesen Brief unterschreiben? Und warum eigentlich haben so wenige Deutsche unterschrieben? Dazu komme ich gleich.<\/p>\n\n\n\n

Debatte um Achille Mbembe<\/h6>\n\n\n\n

Hintergrund des Briefs war, dass Felix Klein gefordert hatte, den Philosophen Achille Mbembe<\/a> nicht die Er\u00f6ffnungsrede der Ruhrtriennale halten zu lassen. Als mit \u00f6ffentlichen Mitteln gef\u00f6rdertes Event solle die Ruhrtriennale Mbembe wegen seiner Haltung zu Israels Existenzrecht, seiner Haltung zu BDS und der Art, wie er in einem seiner Werke den Holocaust relativiert, nicht einladen.<\/p>\n\n\n\n

Mbembes Unterst\u00fctzer sagen, keine dieser Anschuldigungen sei wahr. F\u00fcrs Protokoll: In meinen Augen unterst\u00fctzt Mbembe sehr wohl BDS<\/a>, er schrieb unter anderem das Vorwort zu \u201eApartheid Israel\u201c und fordert die komplette Isolation Israels. Ich glaube auch, wenn Mbembe schreibt, die israelische Besetzung sei der \u201egr\u00f6\u00dfte moralische Skandal unserer Zeit\u201c, zeigt das, dass sein moralischer und geografischer Kompass etwas schief ist.<\/p>\n\n\n\n

Doch warum treibt die Debatte so viele Menschen um? Nun, zun\u00e4chst gibt niemand gern auf, was ihm oder ihr selbstverst\u00e4ndlich scheint. \u00dcber den gesamten politischen, sozialen, kulturellen, medialen und akademischen Sektor hinweg sind Menschen daran gew\u00f6hnt, so schlecht \u00fcber Israel sprechen zu k\u00f6nnen, wie auch immer sie wollen.<\/p>\n\n\n\n

Der Spiegel<\/em> hat \u2013 vielleicht in Anlehnung an seine Relotius-Standards, Israel erst k\u00fcrzlich eine Corona-Diktatur genannt. Fakten und Belege f\u00fcr diese Behauptung gab es nicht. Doch Millionen Deutsche haben es gelesen, und es wird nat\u00fcrlich haften bleiben. Faktenlage hin oder her. Der Spiegel<\/em> und andere Medien haben dieses Spiel perfektioniert: Titel so zu drehen, dass sie Israel indirekt anklagen, die Idee zu streuen, der Mossad kon\u00adtrol\u00adliere die deutsche Au\u00dfenpolitik im Nahen Osten, und so fort. Doch sie stehen allesamt sofort auf den Hinterbeinen, wenn jemand es wagt, das Spiel beim Namen zu nennen: moderner Antisemitismus.<\/p>\n\n\n\n

Klein will dem entgegenwirken. Er versteht, dass antisemitische Attacken in Deutschland die Fr\u00fcchte solch falsch gezeichneter Bilder und eindimensionaler Narrative \u00fcber Israel sind. Wenn er und andere versuchen, ein anderes Narrativ aufzuzeigen, wirft man ihnen Zensur vor: Wie k\u00f6nnen sie es wagen, das Gesch\u00e4ft der Anti-Israel-Propaganda zu st\u00f6ren?<\/p>\n\n\n\n

Liebe Deutsche, wenn ihr reden wollt, lasst uns gern reden: \u00fcber die Besetzung, \u00fcber Bibi und alles, was schiefl\u00e4uft. Aber dann lasst uns bitte auch dar\u00fcber reden, wie deutsche Steuergelder Terrortunnel finanzieren. Erst vergangene Woche r\u00e4umte die niederl\u00e4ndische Regierung ein, dass Gelder an eine Landwirtschaftsorganisation in Ramallah geflossen seien, die damit teilweise die Geh\u00e4lter zweier des Mordes an der 17-j\u00e4hrigen Israelin Rina Shnerb Verd\u00e4chtiger gezahlt haben. Auch die Bundesregierung unterst\u00fctzt diese Organisation, obwohl Kritiker schon lange vor Verbindungen zu Terroristen warnen.<\/p>\n\n\n\n

Wir k\u00f6nnen uns also gerne unterhalten \u2013 aber im Dialog, nicht in Monologen. Denn Reden unter Menschen, die sich einig sind, ist nichts anderes als Impotenz.<\/p>\n\n\n\n

Israelkritik als Eintrittskarte<\/h6>\n\n\n\n

Die Israelis, die die Petition unterzeichnet haben, haben \u00fcbrigens ebenfalls etwas verstanden. Seit Jahren wissen sie: Es ist ihre Eintrittskarte in die Mitte der deutschen (und europ\u00e4ischen) Gesellschaft. Man h\u00f6rt nicht oft von Akademikern mit proisraelischen Ansichten. Weder in den Philharmonie-Orchestern noch in der Kunstszene. Die Eintrittskarte daf\u00fcr ist ein antiisraelischer Standpunkt.<\/p>\n\n\n\n

Der mutma\u00dfliche Grund, warum kaum Deutsche die Petition unterzeichnet haben: Sie mussten es nicht. Ihre Lieblingsjuden haben es f\u00fcr sie getan. Jetzt k\u00f6nnen sie sagen: \u201eSchau, ich bin das ja nicht, meine j\u00fcdischen Freunde sagen es.\u201c Ich selbst war einige Jahre lang mit einem Paar hier in Berlin befreundet, bis ich herausfand, dass ich ihr Lieblingsjude war. Ja, selbst das j\u00fcdische Museum wurde so genutzt.<\/p>\n\n\n\n

Weil Attacken gegen Juden ein absolutes Tabu sind, wurden Umwege gefunden, um den Antisemitismus auf kleiner Flamme k\u00f6cheln zu lassen: die unfundierte, unbegr\u00fcndete Kritik an Israel.<\/p>\n\n\n\n

Diese Art der Kritik ist gef\u00e4hrlich. Sie schw\u00e4cht jede begr\u00fcndete und notwendige Kritik am Verhalten Israels. Und das Interessante ist: Trotz all der heftigen, pauschalisierenden Anklagen, all der offenen Briefe driftet Israel politisch immer weiter nach rechts. Doch statt mal einen anderen Ansatz zu versuchen, werden die antiisraelischen Stimmen nur lauter. Dasselbe versuchen und andere Ergebnisse davon erwarten \u2013 das ist die Definition von Wahnsinn.<\/p>\n\n\n\n

Kurz bevor der Prozess gegen den wegen des Attentats von Halle<\/a> Angeklagten begann \u2013 des seit Kriegsende schlimmsten Akts von Antisemitismus in Deutschland \u2013, lud eine Lokalzeitung den fr\u00fcheren Botschafter Shimon Stein und den Historiker Moshe Zimmermann ein, dar\u00fcber zu schreiben, was Antisemitismus ist. Nat\u00fcrlich wendeten auch sie sich gegen Felix Kleins Ansatz. Sie zitieren die Kontroverse um die Umbenennung der U-Bahn-Station Mohrenstra\u00dfe in Glinkastra\u00dfe, die sich darum drehte, dass der russische Komponist Michael Glinka Antisemit gewesen sein soll. Stein und Zimmermann halten die Debatte f\u00fcr \u00fcberzogen, Glinka sei nur ein Kind seiner Zeit gewesen. Folgt man ihrer Logik, k\u00f6nnen wir dann also in 20 oder 30 Jahren U-Bahn-Stationen nach den Kindern der 1930er Jahre benennen?<\/p>\n\n\n\n

Der Antisemit als Tierfreund<\/h6>\n\n\n\n

Ich w\u00fcnschte, die Sache h\u00e4tte mit dem Artikel, mit der Petition geendet. Doch dann erschien ein Artikel, der den Leser auf einen Waldspaziergang mit einem veganen Koch und Antisemiten mitnahm. Darin setzt der Tierfreund erst behutsam einen K\u00e4fer wieder auf seine Beinchen und erkl\u00e4rt dann, dass die Todesstrafe in Deutschland wieder eingef\u00fchrt werden solle, um einen gewissen Politiker (der zuf\u00e4llig pro Israel ist) an seinen Hoden aufh\u00e4ngen zu k\u00f6nnen. Dieser Koch hat Hunderttausende Follower, er sagt all solche Dinge am helllichten Tag in Berlin. Und in den Medien.<\/p>\n\n\n\n

F\u00e4lle wie dieser handeln bereits von Gewalt \u2013 und sie enden nicht bei den Juden. Der Hass richtet sich gegen Frauen<\/a>, Muslime, Gefl\u00fcchtete, \u00adLBTQI. Am Ende aller theoretischen Debatten stehen immer echte Menschen. Am Ende jeder Konferenz dar\u00fcber, was Antisemitismus ausmacht, steht ein potenzielles j\u00fcdisches Opfer. Angesichts einer Welle von Antisemitismus \u00fcber die Definition von Antisemitismus zu streiten ist, wie eine 10 Meter hohe Welle heranrollen zu sehen und dar\u00fcber zu streiten, was einen Tsunami ausmacht.<\/p>\n\n\n\n

Felix Klein versteht, wie absurd es ist, zu sagen: Es sind nur die Rechten. Die Rechten sind Deutsche, so wie die Nazis Deutsche waren. Klein versteht, dass die Deutschen nicht aufgeh\u00f6rt haben, Juden zu ermorden, weil sie irgendeine Art von Erleuchtung hatten. Sondern schlicht, weil sie den Krieg verloren haben. Um den Antisemitismus zu bek\u00e4mpfen, bevor er die Gesellschaft frisst, in der er und wir leben, muss Deutschland seinen moralischen Kompass korrigieren.<\/p>\n\n\n\n

Immerhin: Mehr und mehr Deutsche fahren nach Israel, sie wollen ein anderes Narrativ h\u00f6ren. Mehr und mehr Deutsche verstehen, dass Antisemitismus Schockwellen ausl\u00f6st, die die gesamte Gesellschaft betreffen. In einem normalen Universum w\u00fcrde Klein bef\u00f6rdert werden f\u00fcr seine Leistung. In einer verdrehten Gesellschaft fordern Menschen seine Entlassung. Um es mit Mbembe zu sagen: Das ist Nano-Nonsens.<\/p>\n\n\n\n

\u00dcbersetzung: Ariane Lemme<\/a><\/em><\/p>\n","post_title":"Felix Klein hat verstanden","post_excerpt":"","post_status":"publish","comment_status":"closed","ping_status":"closed","post_password":"","post_name":"felix-klein-hat-verstanden","to_ping":"","pinged":"","post_modified":"2025-02-02 08:39:39","post_modified_gmt":"2025-02-02 08:39:39","post_content_filtered":"","post_parent":0,"guid":"https:\/\/dctransparency.com\/?p=3786","menu_order":0,"post_type":"post","post_mime_type":"","comment_count":"0","filter":"raw"}],"next":false,"prev":true,"total_page":47},"paged":1,"column_class":"jeg_col_2o3","class":"epic_block_3"};

\n

Im vergangenen Jahr gab es jedoch eine Eskalation des Einsatzes von Drohnen durch beide Seiten des Konflikts.<\/p>\n\n\n\n

Ghassan Salam\u00e9, der fr\u00fchere Leiter der UN-Mission in Libyen, beschrieb dies als \"m\u00f6glicherweise das gr\u00f6\u00dfte Drohnenkriegstheater der Welt\".<\/p>\n\n\n\n

Die VAE sind nicht die einzige ausl\u00e4ndische Macht, die an diesem Konflikt beteiligt ist.<\/p>\n\n\n\n

Anfang dieses Jahres gab BBC Africa Eye bekannt, dass die T\u00fcrkei auch gegen das Waffenembargo der Vereinten Nationen gegen Libyen versto\u00dfen hat, indem sie geheime Waffenlieferungen an die von den Vereinten Nationen anerkannte Regierung in Tripolis gesendet hat.<\/p>\n\n\n\n

Mit Unterst\u00fctzung der T\u00fcrkei hat die von den Vereinten Nationen anerkannte Regierung des Nationalen Abkommens nun die LNA von Gen Haftar aus der Gegend um Tripolis zur\u00fcckgeschlagen.<\/p>\n","post_title":"BBC-Untersuchung: VAE in t\u00f6dlichen Angriff in Libyen verwickelt","post_excerpt":"","post_status":"publish","comment_status":"closed","ping_status":"closed","post_password":"","post_name":"bbc-untersuchung-vae-in-todlichen-angriff-in-libyen-verwickelt","to_ping":"","pinged":"","post_modified":"2025-02-02 08:39:39","post_modified_gmt":"2025-02-02 08:39:39","post_content_filtered":"","post_parent":0,"guid":"https:\/\/dctransparency.com\/?p=3811","menu_order":0,"post_type":"post","post_mime_type":"","comment_count":"0","filter":"raw"},{"ID":3792,"post_author":"7","post_date":"2020-08-14 13:58:48","post_date_gmt":"2020-08-14 13:58:48","post_content":"\n

Die Hagia Sophia war (ist) ein kulturelles Weltwunder und aufgeladen mit symbolischer Bedeutung, f\u00fcr die Christenheit ebenso wie f\u00fcr den Islam \u2013 und den t\u00fcrkischen Nationalismus. Als Mehmed II. sie betrat, war sie schon fast 1000 Jahre die gr\u00f6\u00dfte Kirche der christlichen Welt und das Zentrum der orthodoxen Glaubensrichtung. Die \"Ayasofya\", wie sie dann hie\u00df, war 500 Jahre lang Moschee \u2013 bis 1934, als Kemal Pascha Atat\u00fcrk, der \"Vater\" der modernen T\u00fcrkei, sie in ein Museum verwandelte, in der ausdr\u00fccklichen Absicht, auch hier mit dem osmanischen Erbe zu brechen.<\/p>\n\n\n\n

Nun wird Pr\u00e4sident Recep Tayyip Erdo\u011fan, der \"Vater\" der re-islamisierten T\u00fcrkei, am 24. Juli dieses Jahres die Ayasofya durch das Freitagsgebet wieder in den Islam eingliedern. Oder eher in seinen pers\u00f6nlichen religi\u00f6sen Nationalismus.<\/p>\n\n\n\n

Welterbe von allen<\/h3>\n\n\n\n

Wie bedeutungsschwer ist dieser Akt eines \"starken Mannes\", der innenpolitisch deutlich schw\u00e4chelt? Die Proteste vor allem aus der orthodoxen Welt, aber auch aus Europa und den USA sind eher traurig als w\u00fctend. Der Papst dr\u00fcckte seinen \"Schmerz\" aus. Auch der Jubel in der islamischen Welt fiel zun\u00e4chst weniger \u00fcbersch\u00e4umend als erwartet aus.<\/p>\n\n\n\n

Ist es der Alleingang eines Autokraten in Bedr\u00e4ngnis oder ist \"der Jubel \u00fcber die Eroberung der Hagia Sophia der Versuch einer zutiefst erniedrigten, vom Gef\u00fchl der Wertlosigkeit dominierten und in ihrer eigenen Selbstberechtigung beraubten Gesellschaft, eine Bedeutung, eine St\u00e4rke, ein Selbstwertgef\u00fchl zu finden\"? So recht pauschalierend der in Deutschland lebende pal\u00e4stinensische Intellektuelle und Psychiater Ahmad Mansour.<\/p>\n\n\n\n

Die beiden Gro\u00dfreiche, das byzantinische und das osmanische, sind l\u00e4ngst versunken.<\/p><\/blockquote>\n\n\n\n

Das eigentliche Schl\u00fcsselwort im Zusammenhang mit der Hagia Sofia ist \"Welterbe\". Das Erbe von allen. Einmal im kulturellen Sinn der Unesco, aber in Wahrheit weiter gefasst. Das einzigartige Bauwerk geh\u00f6rt in Wirklichkeit der ganzen Welt, nicht der einen oder anderen Religion. Die beiden Gro\u00dfreiche, f\u00fcr die die Hagia Sofia der zentrale spirituelle Bau war, das byzantinische und das osmanische, sind l\u00e4ngst versunken. Seither hat sie eine neue, \u00fcbernationale Dimension erhalten. Was Erdo\u011fan da jetzt mit der Hagia Sofia macht, ist eine Verengung und Verarmung eines gemeinsamen Welterbes.<\/p>\n\n\n\n

\"\"\/
Betende Muslime vor der Hagia Sophia.<\/figcaption><\/figure>\n\n\n\n

Davon abgesehen aber war und ist sie ein architektonisches Meisterwerk und geh\u00f6rt zu den bedeutendsten Bauten der Welt. Wer heute den Zentralraum unter der Kuppel betritt, kann sich nur schwer dem zugleich majest\u00e4tischen wie schwebenden Gesamteindruck entziehen. Die Hagia Sophia blieb fast 1000 Jahre die gr\u00f6\u00dfte Kirche der Christenheit. Technisch war die Kuppel (mit mehreren Halbkuppeln) eine \u00fcberaus riskante Innovation: Die 55 Meter hohe und 32 Meter im Durchmesser breite Kuppel ruht auf nur vier Tragpunkten, was den schwebenden, schwerelosen Eindruck erzeugt. Die Konstruktion folgt einem mathematischen Prinzip, das erst k\u00fcrzlich entschl\u00fcsselt wurde.<\/p>\n\n\n\n

\"Salomo, ich habe dich \u00fcbertroffen!\"<\/p><\/blockquote>\n\n\n\n

Als Kaiser Justinian die Hagia Sophia nach nur f\u00fcnf Jahren Bauzeit (532\u2013537) betrat, soll er in Anspielung auf den Tempel in Jerusalem ausgerufen haben: \"Salomo, ich habe dich \u00fcbertroffen!\" Die Innenausstattung war mit ihren S\u00e4ulen aus Porphyr und gr\u00fcnem Marmor, mit Mosaiken aus Gold und Halbedelsteinen derart prunkvoll, der Gesamteindruck derart \u00fcberirdisch, dass eine Delegation des Gro\u00dff\u00fcrsten von Kiew nicht mehr wusste, \"ob wir im Himmel oder auf der Erde\" waren \u2013 was die Christianisierung Russlands bef\u00f6rderte.<\/p>\n\n\n\n

Der deutsche Architekturlehrer Holger Kleine nennt die Hagia Sophia \"absolute Architektur\", weil sie \"extreme Ausdrucksformen nahezu aller dramaturgischen Mittel, die der Architektur zur Verf\u00fcgung stehen, vereinigt: wuchtigste K\u00f6rper und luftigste R\u00e4ume, engste Enge und gr\u00f6\u00dfte Weite, w\u00e4rmende Helligkeit und mystisches Dunkel\". Und die Kuppelbauten aus der sp\u00e4teren Hochbl\u00fcte der Moscheenarchitektur im 16. und 17. Jahrhundert gehen eindeutig auf die Hagia Sophia zur\u00fcck.<\/p>\n\n\n\n

Die Hagia Sophia war Staatskirche des byzantinischen Reichs. F\u00fcr die Eroberer der letzte Schlussstein in der Kuppel osmanisch-muslimischen Herrschaftsanspruchs. Konstantinopel war ja 1453 nur noch eine isolierte, heruntergekommene Enklave in einem osmanischen Umfeld, kein christliches Heer kam zu Hilfe. Doch vorher war es zugleich Sperrriegel nach Osten und Geistesarchiv der antiken Kultur gewesen. \"Ohne Byzanz h\u00e4tte es kein Europa gegeben\", sagt die britische Altertumsforscherin Judith Herrin.<\/p>\n\n\n\n

\"\"\/
Freigelegtes Mosaik von \"Christos Pantokrator\".<\/figcaption><\/figure>\n\n\n\n

Neue Fragen<\/h3>\n\n\n\n

Die Kirche wurde von Mehmed II. und Nachfolgern nicht in der Substanz zerst\u00f6rt, sondern \"entchristlicht\". Die urspr\u00fcnglich \u00fcbert\u00fcnchten oder auch abgeschlagenen Mosaiken mit den Darstellungen von Christus, der Muttergottes, diversen Kaisern kamen zum Teil schon unter einem Sultan des 19. Jahrhunderts, dann gro\u00dfteils nach der Museumswidmung wieder zum Vorschein.<\/p>\n\n\n\n

Jetzt stellen sich neue symbolisch-praktische Fragen. Erdo\u011fan hat die Hagia Sophia der konservativen staatlichen Religionsbeh\u00f6rde Diyanet unterstellt. Die byzantinischen Mosaike, wie der gro\u00dfartige \"Christos Pantokrator\" (\"Weltenherrscher\") oder die Jungfrau Maria in der Apsis, m\u00fcssen wohl w\u00e4hrend des islamischen Gottesdiensts verh\u00e4ngt werden. Muss der Boden mit seinen Marmorplatten und Mosaiken mit einem Teppich bedeckt werden? Erdo\u011fan sagt, Touristen seien nach wie vor zugelassen. Aber sie werden wohl hinter Absperrungen bleiben m\u00fcssen. Frauen werden \u2013 wie in der benachbarten \"Blauen Moschee\" (\"Sultanahmed\") Kopftuch tragen m\u00fcssen.<\/p>\n\n\n\n

\"\"\/
Erdo\u011fan mit Gattin in der Hagia Sophia.<\/figcaption><\/figure>\n\n\n\n

Erdo\u011fans neue Abenteuer<\/strong><\/h3>\n\n\n\n

Aber wird da nicht doch zu viel in einen Formalakt rund um ein uraltes Bauwerk hineininterpretiert? Im geschichtlichen Kontext relativiert sich manches: Konstantinopel wurde schon von Christen erobert und ausgepl\u00fcndert \u2013 1204 im Vierten Kreuzzug. In der Moschee von Cordoba (\"Mezquita\") bauten die Katholiken eine ganze Kirche in den ber\u00fchmten S\u00e4ulenwald hinein. Die Mezquita ist heute noch Kirche, kein Museum.<\/p>\n\n\n\n

\"Das ist der Beweis, dass wir kein s\u00e4kularer Staat mehr sein wollen\", sagt Nobelpreistr\u00e4ger Orhan Pamuk. Erdo\u011fan betrachtet sich offenbar als auch neoosmanischer \"Fatih\" im Mittelmeerraum mit immer neuen Abenteuern: Eingreifen in Syrien, Stellvertreterkrieg in Libyen, Anspr\u00fcche auf Erdgasvorkommen weit vor der t\u00fcrkischen K\u00fcste bei Zypern, Reden, wonach manche \u00c4g\u00e4is-Inseln eigentlich zur T\u00fcrkei geh\u00f6ren, \"denn dort stehen unsere Moscheen\". Manches davon ist nur Rhetorik, aber genug anderes ist riskante Realit\u00e4t. (Hans Rauscher, 14.7.2020)<\/p>\n\n\n\n

Quelle<\/a><\/strong><\/p>\n","post_title":"Hagia Sophia: Verengung und Verarmung eines Welterbes","post_excerpt":"","post_status":"publish","comment_status":"closed","ping_status":"closed","post_password":"","post_name":"hagia-sophia-verengung-und-verarmung-eines-welterbes","to_ping":"","pinged":"","post_modified":"2025-02-02 08:39:39","post_modified_gmt":"2025-02-02 08:39:39","post_content_filtered":"","post_parent":0,"guid":"https:\/\/dctransparency.com\/?p=3792","menu_order":0,"post_type":"post","post_mime_type":"","comment_count":"0","filter":"raw"},{"ID":3789,"post_author":"7","post_date":"2020-08-14 13:56:07","post_date_gmt":"2020-08-14 13:56:07","post_content":"\n

Im Gastkommentar pocht Mark Leonard, Direktor des Europ\u00e4ischen Rats f\u00fcr Ausw\u00e4rtige Beziehungen, auf \"neue, einvernehmlich vereinbarte Prinzipien sowie klare Grenzen\", nur so k\u00f6nne eine weitere Destabilisierung in der Region verhindert werden.<\/em><\/strong><\/p>\n\n\n\n

Ist die T\u00fcrkei das neue Russland? Diese Frage wird in den europ\u00e4ischen Hauptst\u00e4dten zunehmend gestellt, da die Au\u00dfenpolitik des t\u00fcrkischen Pr\u00e4sidenten Recep Tayyip Erdo\u011fan zunehmend aggressiver wird. Erdo\u011fan nutzt nicht nur die Migration, um die EU zu bedrohen und zu betr\u00fcgen, sondern setzt auch milit\u00e4rische Macht ein, um den Einflussbereich der T\u00fcrkei auf die gesamte Region auszudehnen.<\/p>\n\n\n\n

Seit dem Ende des Kalten Krieges haben die Europ\u00e4er die regionale Sicherheit durch eine unipolare westliche Linse betrachtet. W\u00e4hrend die Nato die milit\u00e4rische Sicherheit garantierte, sorgte die EU mit ihrem 80.000 Seiten starken Regelwerk f\u00fcr alles von LGBTQ-Rechten bis hin zu Rasenm\u00e4her-Sound-Verordnungen f\u00fcr Rechtsordnung. In den 90er-Jahren ging man allgemein davon aus, dass die beiden gro\u00dfen nichtwestlichen regionalen Akteure, Russland und die T\u00fcrkei, nach und nach an diese Regelungen herangef\u00fchrt werden w\u00fcrden.<\/p>\n\n\n\n

Qu\u00e4lende Hassliebe<\/h3>\n\n\n\n

Doch in den letzten 15 Jahren ist der Traum von der europ\u00e4ischen Unipolarit\u00e4t einer multipolaren Realit\u00e4t gewichen. Sowohl Russland als auch die T\u00fcrkei haben eine lange, qu\u00e4lende Hassliebe zu Europa, und beide sind unter nationalen Machthabern, denen die Verachtung der Normen und Werte der EU gemeinsam ist, durchsetzungsf\u00e4higer geworden.<\/p>\n\n\n\n

Die zunehmende Verschlechterung der Beziehungen zwischen der EU und Russland ist gut dokumentiert, der Fall der T\u00fcrkei weniger. Der Irakkrieg im Jahr 2003 komplizierte das Verh\u00e4ltnis der T\u00fcrkei zur Nato, und ihr Verh\u00e4ltnis zur EU verschlechterte sich 2007, als Frankreich einen wichtigen Teil ihrer EU-Beitrittsverhandlungen blockierte. Seitdem hat die T\u00fcrkei ihren eigenen Weg in Syrien, auf dem Balkan und in Libyen eingeschlagen und neue Beziehungen zu Russland und China aufgebaut.<\/p>\n\n\n\n

Wichtiger Akteur<\/strong><\/h3>\n\n\n\n

Nat\u00fcrlich sind die Beziehungen zwischen der T\u00fcrkei und Russland nicht weniger kompliziert, nicht zuletzt weil Erdo\u011fan und der russische Pr\u00e4sident Wladimir Putin im syrischen B\u00fcrgerkrieg verschiedene Seiten unterst\u00fctzten.Und w\u00e4hrend die Spannungen wegen des Syrien-Konflikts weiterhin bestehen, bewundert Erdo\u011fan deutlich, wie Russland sich \u2013 bei relativ geringen Kosten \u2013 wieder als wichtiger Akteur im Nahen Osten und in Nordafrika etabliert hat.<\/p>\n\n\n\n

Nachdem er in einen nicht zu gewinnenden Krieg im Osten der Ukraine verwickelt war, schien Putins weitgehend erfolgreicher Feldzug in Syrien einen Teil seiner innenpolitischen Autorit\u00e4t wiederherzustellen. Der Westen hatte f\u00fcnf Jahre lang darauf bestanden, dass es keine milit\u00e4rische L\u00f6sung des Konflikts gebe und dass der syrische Pr\u00e4sident Baschar al-Assad gehen m\u00fcsse. Doch w\u00e4hrend die von den Vereinten Nationen unterst\u00fctzten Gespr\u00e4che in Genf zu keinem Ergebnis f\u00fchrten, schienen die von Russland geleiteten Gespr\u00e4che in Astana voranzukommen. Indem der Kreml die T\u00fcrkei und den Iran einbezog, w\u00e4hrend er die westlichen M\u00e4chte ausschloss, erweckte er den Eindruck, dass Russland als wiedergeborene Supermacht aus der Asche auferstanden sei.<\/p>\n\n\n\n

Unter Druck<\/h3>\n\n\n\n

Angesichts des wachsenden Widerstands im eigenen Land macht es Erdo\u011fan Putin gleich. Da der Westen nicht bereit war, (erneut) milit\u00e4risch in Libyen zu intervenieren, sah Erdo\u011fan eine Gelegenheit, die T\u00fcrkei zu positionieren. Nach dem Vorgehen Russlands in Syrien sicherte er sich eine formelle Einladung der libyschen Regierung zur Intervention. Mit einem Schlag Ende letzten Jahres hat er nicht nur das Image der T\u00fcrkei als Regionalmacht gest\u00e4rkt, sondern auch ein Abkommen mit Libyen \u00fcber die Seegrenze abgeschlossen und damit einen Plan Griechenlands, Zyperns, \u00c4gyptens und Israels zur Erschlie\u00dfung von Unterwasser\u00f6l- und -gasfeldern in der N\u00e4he zunichtegemacht.<\/p>\n\n\n\n

Erdo\u011fan scheint auch von der Spalt-und-Eroberungs-Strategie des Kreml in Europa inspiriert worden zu sein, der zufolge oft diejenigen EU-Mitgliedsstaaten unter Druck gesetzt werden, die am meisten von russischen Kohlenwasserstoffen oder M\u00e4rkten abh\u00e4ngig sind. So wie Putin lange Zeit die Energieversorgung instrumentalisiert hat, hat Erdo\u011fan versucht, den Strom von Migranten und Fl\u00fcchtlingen, die vor Konflikten im Nahen Osten fliehen, zu instrumentalisieren. Als die EU eine neue Marinemission ank\u00fcndigte, um den Waffenstrom nach Libyen zu blockieren, malte die T\u00fcrkei f\u00fcr Malta das Schreckgespenst der angeblichen Bedrohung durch Migranten an die Wand. Malta reagierte prompt und signalisierte, dass es gegen die Finanzierung der Mission ein Veto einlegen werde.<\/p>\n\n\n\n

Verlorener Sohn<\/strong><\/h3>\n\n\n\n

Jahrelang redeten sich die Europ\u00e4er ein, dass Russland eine Art verlorener Sohn sei und dass die europ\u00e4ische unipolare Ordnung gesund bleibe. Doch das machte Europa zu einem leichten Ziel f\u00fcr die Trennungs-und-Eroberungs-Strategie des Kreml. Erst vor relativ kurzer Zeit entwarf die Union eine neue Politik und ein robustes Sanktionsregime, um die russische Aggression abzuschrecken. Und selbst jetzt \u2013 trotz der besten Bem\u00fchungen der deutschen Bundeskanzlerin Angela Merkel und des franz\u00f6sischen Pr\u00e4sidenten Emmanuel Macron \u2013 hat die EU noch immer keine wirksamen Kommunikationskan\u00e4le mit Russland geschaffen, um gemeinsame Probleme anzugehen.<\/p>\n\n\n\n

Die T\u00fcrkei ist noch kein neues Russland, aber sie k\u00f6nnte dazu werden, wenn die Situation falsch gehandhabt wird. Vorerst betrachten die meisten Europ\u00e4er die T\u00fcrkei noch immer als einen komplizierten Partner und nicht als \"Systemrivalen\". Aber die Europ\u00e4er sollten die hart erk\u00e4mpften Lehren aus dem Umgang mit Russland in den letzten 15 Jahren beherzigen. Die Beziehungen zwischen der EU und der T\u00fcrkei brauchen neue, einvernehmlich vereinbarte Prinzipien sowie klare Grenzen, um eine weitere Destabilisierung in der Region zu verhindern.<\/p>\n\n\n\n

Zu diesem Zweck sollten die Europ\u00e4er klarstellen, dass der EU-Beitrittsprozess entweder zur\u00fcckgedreht oder vorangetrieben werden kann und dass eine eher transaktionale Beziehung sowohl Zuckerbrot als auch Peitsche beinhaltet. Die Herausforderung wird darin bestehen, daf\u00fcr zu sorgen, dass es in einer Region, die nicht nur von Europa und der T\u00fcrkei, sondern auch von Russland, den USA und einem aufstrebenden China beeinflusst wird, noch Raum f\u00fcr politisches Engagement in Fragen der gemeinsamen Sicherheit gibt. (Mark Leonard, \u00dcbersetzung: Eva G\u00f6llner, Copyright: Project Syndicate, 10.8.2020)<\/p>\n\n\n\n

Mark Leonard <\/strong>ist Direktor des Europ\u00e4ischen Rats f\u00fcr Ausw\u00e4rtige Beziehungen.<\/a><\/p>\n","post_title":"Erdo\u011fan \u2013 der andere Putin vor der Haust\u00fcr Europas","post_excerpt":"","post_status":"publish","comment_status":"closed","ping_status":"closed","post_password":"","post_name":"erdogan-der-andere-putin-vor-der-haustur-europas","to_ping":"","pinged":"","post_modified":"2025-02-02 08:39:39","post_modified_gmt":"2025-02-02 08:39:39","post_content_filtered":"","post_parent":0,"guid":"https:\/\/dctransparency.com\/?p=3789","menu_order":0,"post_type":"post","post_mime_type":"","comment_count":"0","filter":"raw"},{"ID":3786,"post_author":"7","post_date":"2020-08-14 13:51:23","post_date_gmt":"2020-08-14 13:51:23","post_content":"\n

Einen Monat nachdem ich zur israelischen Armee eingezogen worden war, brach die erste Intifada aus. Statt Soldat zu sein, machte ich Polizeiarbeit, sagte den Menschen, wann sie zur Arbeit gehen konnten und wann sie ihre L\u00e4den schlie\u00dfen mussten, wann sie die Grenze passieren und wann sie schlafen konnten. Einen Monat nachdem ich aus der Armee entlassen worden war, ging ich auf Reisen. (In Israel sagen wir: Wir dienen drei Jahre und versuchen den Rest unseres Lebens, diese drei Jahre zu vergessen.) Auf meiner Reise begann ich Briefe an meine Freundin zu schreiben, die ich in Israel zur\u00fcckgelassen hatte.<\/p>\n\n\n\n

Ich schrieb ihr, wie schrecklich depressiv ich war und dass diese drei Jahre des Anweisungenbellens und Anderen-Menschen-Sagens, was sie zu tun haben, mich f\u00fcr immer verfolgen w\u00fcrden. Dass sie ein Teil dessen geworden waren, was ich bin. Ich erinnere mich, dass ich ihr schrieb, dass wir da rausm\u00fcssen \u2013 nicht nur f\u00fcr die Pal\u00e4stinenser, sondern wegen der furchtbaren und brutalen Auswirkungen, die all das auf uns, auf die israelische Gesellschaft haben w\u00fcrde. Sie schrieb zur\u00fcck: \u201eDu hast recht. Ich habe einen neuen Freund.\u201c<\/p>\n\n\n\n

Felix Klein wurde als Beauftragter der Bundesregierung berufen<\/a>, um die Auswirkungen des zunehmenden Antisemitismus in unserer Gesellschaft, in Deutschland, zu bek\u00e4mpfen. Was nicht in seiner Jobbeschreibung steht, ist, dass er dabei unsere Gesellschaft heilen muss, jene Gesellschaft, die diese Form des Hasses reproduziert und sch\u00fctzt. Klein hat das begriffen.<\/p>\n\n\n\n

Er versteht, dass man Krebs nicht mit einem Pflaster verarztet, er wei\u00df, dass er das Bewusstsein der Deutschen sch\u00e4rfen und Diskussionen ansto\u00dfen muss. Er hat begriffen, dass das Problem nicht nur an den R\u00e4ndern der Gesellschaft (bei den Rechten) liegt, sondern auch in ihrer Mitte. Dort, wo gebildete Menschen nicht einmal bemerken, dass das, was sie sagen und tun, antisemitisch ist. So wie sie es auch nicht merken, wenn sie rassistisch handeln. Er hat all das verstanden, und genau deshalb wollen einige, dass er seinen Posten r\u00e4umt.<\/p>\n\n\n\n

Mehr als 60 deutsche und israelische Intellektuelle haben letzte Woche in einem Brief an Kanzlerin Merkel<\/a> dar\u00fcber geklagt, dass der aktuelle \u201eGebrauch des Antisemitismusbegriffs\u201c darauf abziele, \u201elegitime Kritik an der israelischen Regierungspolitik zu unterdr\u00fccken\u201c, und Klein vorgeworfen, rechtspopulistische israelische Stimmen zu f\u00f6rdern.<\/p>\n\n\n\n

Faszinierend an diesem offenen Brief ist, dass viele der Unterzeichneten keine Deutschen sind und auch nicht in Deutschland leben. Ich wei\u00df nicht, woher sie \u2013 die meisten von ihnen sind Israelis \u2013 die Chuzpe haben, sich in eine innerdeutsche Angelegenheit einzumischen und zu fordern, eine Person zu entlassen, die von der Bundesregierung eingesetzt wurde. Die H\u00e4lfte der Unterzeichneten lebt nicht hier, von der anderen H\u00e4lfte sind viele keine Juden \u2013 somit sind die allermeisten von ihnen nicht direkt vom Antisemitismus in Deutschland betroffen. Wie also k\u00f6nnen sie diesen Brief unterschreiben? Und warum eigentlich haben so wenige Deutsche unterschrieben? Dazu komme ich gleich.<\/p>\n\n\n\n

Debatte um Achille Mbembe<\/h6>\n\n\n\n

Hintergrund des Briefs war, dass Felix Klein gefordert hatte, den Philosophen Achille Mbembe<\/a> nicht die Er\u00f6ffnungsrede der Ruhrtriennale halten zu lassen. Als mit \u00f6ffentlichen Mitteln gef\u00f6rdertes Event solle die Ruhrtriennale Mbembe wegen seiner Haltung zu Israels Existenzrecht, seiner Haltung zu BDS und der Art, wie er in einem seiner Werke den Holocaust relativiert, nicht einladen.<\/p>\n\n\n\n

Mbembes Unterst\u00fctzer sagen, keine dieser Anschuldigungen sei wahr. F\u00fcrs Protokoll: In meinen Augen unterst\u00fctzt Mbembe sehr wohl BDS<\/a>, er schrieb unter anderem das Vorwort zu \u201eApartheid Israel\u201c und fordert die komplette Isolation Israels. Ich glaube auch, wenn Mbembe schreibt, die israelische Besetzung sei der \u201egr\u00f6\u00dfte moralische Skandal unserer Zeit\u201c, zeigt das, dass sein moralischer und geografischer Kompass etwas schief ist.<\/p>\n\n\n\n

Doch warum treibt die Debatte so viele Menschen um? Nun, zun\u00e4chst gibt niemand gern auf, was ihm oder ihr selbstverst\u00e4ndlich scheint. \u00dcber den gesamten politischen, sozialen, kulturellen, medialen und akademischen Sektor hinweg sind Menschen daran gew\u00f6hnt, so schlecht \u00fcber Israel sprechen zu k\u00f6nnen, wie auch immer sie wollen.<\/p>\n\n\n\n

Der Spiegel<\/em> hat \u2013 vielleicht in Anlehnung an seine Relotius-Standards, Israel erst k\u00fcrzlich eine Corona-Diktatur genannt. Fakten und Belege f\u00fcr diese Behauptung gab es nicht. Doch Millionen Deutsche haben es gelesen, und es wird nat\u00fcrlich haften bleiben. Faktenlage hin oder her. Der Spiegel<\/em> und andere Medien haben dieses Spiel perfektioniert: Titel so zu drehen, dass sie Israel indirekt anklagen, die Idee zu streuen, der Mossad kon\u00adtrol\u00adliere die deutsche Au\u00dfenpolitik im Nahen Osten, und so fort. Doch sie stehen allesamt sofort auf den Hinterbeinen, wenn jemand es wagt, das Spiel beim Namen zu nennen: moderner Antisemitismus.<\/p>\n\n\n\n

Klein will dem entgegenwirken. Er versteht, dass antisemitische Attacken in Deutschland die Fr\u00fcchte solch falsch gezeichneter Bilder und eindimensionaler Narrative \u00fcber Israel sind. Wenn er und andere versuchen, ein anderes Narrativ aufzuzeigen, wirft man ihnen Zensur vor: Wie k\u00f6nnen sie es wagen, das Gesch\u00e4ft der Anti-Israel-Propaganda zu st\u00f6ren?<\/p>\n\n\n\n

Liebe Deutsche, wenn ihr reden wollt, lasst uns gern reden: \u00fcber die Besetzung, \u00fcber Bibi und alles, was schiefl\u00e4uft. Aber dann lasst uns bitte auch dar\u00fcber reden, wie deutsche Steuergelder Terrortunnel finanzieren. Erst vergangene Woche r\u00e4umte die niederl\u00e4ndische Regierung ein, dass Gelder an eine Landwirtschaftsorganisation in Ramallah geflossen seien, die damit teilweise die Geh\u00e4lter zweier des Mordes an der 17-j\u00e4hrigen Israelin Rina Shnerb Verd\u00e4chtiger gezahlt haben. Auch die Bundesregierung unterst\u00fctzt diese Organisation, obwohl Kritiker schon lange vor Verbindungen zu Terroristen warnen.<\/p>\n\n\n\n

Wir k\u00f6nnen uns also gerne unterhalten \u2013 aber im Dialog, nicht in Monologen. Denn Reden unter Menschen, die sich einig sind, ist nichts anderes als Impotenz.<\/p>\n\n\n\n

Israelkritik als Eintrittskarte<\/h6>\n\n\n\n

Die Israelis, die die Petition unterzeichnet haben, haben \u00fcbrigens ebenfalls etwas verstanden. Seit Jahren wissen sie: Es ist ihre Eintrittskarte in die Mitte der deutschen (und europ\u00e4ischen) Gesellschaft. Man h\u00f6rt nicht oft von Akademikern mit proisraelischen Ansichten. Weder in den Philharmonie-Orchestern noch in der Kunstszene. Die Eintrittskarte daf\u00fcr ist ein antiisraelischer Standpunkt.<\/p>\n\n\n\n

Der mutma\u00dfliche Grund, warum kaum Deutsche die Petition unterzeichnet haben: Sie mussten es nicht. Ihre Lieblingsjuden haben es f\u00fcr sie getan. Jetzt k\u00f6nnen sie sagen: \u201eSchau, ich bin das ja nicht, meine j\u00fcdischen Freunde sagen es.\u201c Ich selbst war einige Jahre lang mit einem Paar hier in Berlin befreundet, bis ich herausfand, dass ich ihr Lieblingsjude war. Ja, selbst das j\u00fcdische Museum wurde so genutzt.<\/p>\n\n\n\n

Weil Attacken gegen Juden ein absolutes Tabu sind, wurden Umwege gefunden, um den Antisemitismus auf kleiner Flamme k\u00f6cheln zu lassen: die unfundierte, unbegr\u00fcndete Kritik an Israel.<\/p>\n\n\n\n

Diese Art der Kritik ist gef\u00e4hrlich. Sie schw\u00e4cht jede begr\u00fcndete und notwendige Kritik am Verhalten Israels. Und das Interessante ist: Trotz all der heftigen, pauschalisierenden Anklagen, all der offenen Briefe driftet Israel politisch immer weiter nach rechts. Doch statt mal einen anderen Ansatz zu versuchen, werden die antiisraelischen Stimmen nur lauter. Dasselbe versuchen und andere Ergebnisse davon erwarten \u2013 das ist die Definition von Wahnsinn.<\/p>\n\n\n\n

Kurz bevor der Prozess gegen den wegen des Attentats von Halle<\/a> Angeklagten begann \u2013 des seit Kriegsende schlimmsten Akts von Antisemitismus in Deutschland \u2013, lud eine Lokalzeitung den fr\u00fcheren Botschafter Shimon Stein und den Historiker Moshe Zimmermann ein, dar\u00fcber zu schreiben, was Antisemitismus ist. Nat\u00fcrlich wendeten auch sie sich gegen Felix Kleins Ansatz. Sie zitieren die Kontroverse um die Umbenennung der U-Bahn-Station Mohrenstra\u00dfe in Glinkastra\u00dfe, die sich darum drehte, dass der russische Komponist Michael Glinka Antisemit gewesen sein soll. Stein und Zimmermann halten die Debatte f\u00fcr \u00fcberzogen, Glinka sei nur ein Kind seiner Zeit gewesen. Folgt man ihrer Logik, k\u00f6nnen wir dann also in 20 oder 30 Jahren U-Bahn-Stationen nach den Kindern der 1930er Jahre benennen?<\/p>\n\n\n\n

Der Antisemit als Tierfreund<\/h6>\n\n\n\n

Ich w\u00fcnschte, die Sache h\u00e4tte mit dem Artikel, mit der Petition geendet. Doch dann erschien ein Artikel, der den Leser auf einen Waldspaziergang mit einem veganen Koch und Antisemiten mitnahm. Darin setzt der Tierfreund erst behutsam einen K\u00e4fer wieder auf seine Beinchen und erkl\u00e4rt dann, dass die Todesstrafe in Deutschland wieder eingef\u00fchrt werden solle, um einen gewissen Politiker (der zuf\u00e4llig pro Israel ist) an seinen Hoden aufh\u00e4ngen zu k\u00f6nnen. Dieser Koch hat Hunderttausende Follower, er sagt all solche Dinge am helllichten Tag in Berlin. Und in den Medien.<\/p>\n\n\n\n

F\u00e4lle wie dieser handeln bereits von Gewalt \u2013 und sie enden nicht bei den Juden. Der Hass richtet sich gegen Frauen<\/a>, Muslime, Gefl\u00fcchtete, \u00adLBTQI. Am Ende aller theoretischen Debatten stehen immer echte Menschen. Am Ende jeder Konferenz dar\u00fcber, was Antisemitismus ausmacht, steht ein potenzielles j\u00fcdisches Opfer. Angesichts einer Welle von Antisemitismus \u00fcber die Definition von Antisemitismus zu streiten ist, wie eine 10 Meter hohe Welle heranrollen zu sehen und dar\u00fcber zu streiten, was einen Tsunami ausmacht.<\/p>\n\n\n\n

Felix Klein versteht, wie absurd es ist, zu sagen: Es sind nur die Rechten. Die Rechten sind Deutsche, so wie die Nazis Deutsche waren. Klein versteht, dass die Deutschen nicht aufgeh\u00f6rt haben, Juden zu ermorden, weil sie irgendeine Art von Erleuchtung hatten. Sondern schlicht, weil sie den Krieg verloren haben. Um den Antisemitismus zu bek\u00e4mpfen, bevor er die Gesellschaft frisst, in der er und wir leben, muss Deutschland seinen moralischen Kompass korrigieren.<\/p>\n\n\n\n

Immerhin: Mehr und mehr Deutsche fahren nach Israel, sie wollen ein anderes Narrativ h\u00f6ren. Mehr und mehr Deutsche verstehen, dass Antisemitismus Schockwellen ausl\u00f6st, die die gesamte Gesellschaft betreffen. In einem normalen Universum w\u00fcrde Klein bef\u00f6rdert werden f\u00fcr seine Leistung. In einer verdrehten Gesellschaft fordern Menschen seine Entlassung. Um es mit Mbembe zu sagen: Das ist Nano-Nonsens.<\/p>\n\n\n\n

\u00dcbersetzung: Ariane Lemme<\/a><\/em><\/p>\n","post_title":"Felix Klein hat verstanden","post_excerpt":"","post_status":"publish","comment_status":"closed","ping_status":"closed","post_password":"","post_name":"felix-klein-hat-verstanden","to_ping":"","pinged":"","post_modified":"2025-02-02 08:39:39","post_modified_gmt":"2025-02-02 08:39:39","post_content_filtered":"","post_parent":0,"guid":"https:\/\/dctransparency.com\/?p=3786","menu_order":0,"post_type":"post","post_mime_type":"","comment_count":"0","filter":"raw"}],"next":false,"prev":true,"total_page":47},"paged":1,"column_class":"jeg_col_2o3","class":"epic_block_3"};

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Sowohl die Vereinigten Arabischen Emirate als auch \u00c4gypten nahmen an einer von Bundeskanzlerin Angela Merkel im Januar dieses Jahres in Berlin einberufenen Konferenz \u00fcber Libyen teil, auf der sie ihre Unterst\u00fctzung f\u00fcr den UN-Friedensprozess bekr\u00e4ftigten und sich bereit erkl\u00e4rten, nicht in den Libyen-Krieg einzugreifen.<\/p>\n\n\n\n

Im vergangenen Jahr gab es jedoch eine Eskalation des Einsatzes von Drohnen durch beide Seiten des Konflikts.<\/p>\n\n\n\n

Ghassan Salam\u00e9, der fr\u00fchere Leiter der UN-Mission in Libyen, beschrieb dies als \"m\u00f6glicherweise das gr\u00f6\u00dfte Drohnenkriegstheater der Welt\".<\/p>\n\n\n\n

Die VAE sind nicht die einzige ausl\u00e4ndische Macht, die an diesem Konflikt beteiligt ist.<\/p>\n\n\n\n

Anfang dieses Jahres gab BBC Africa Eye bekannt, dass die T\u00fcrkei auch gegen das Waffenembargo der Vereinten Nationen gegen Libyen versto\u00dfen hat, indem sie geheime Waffenlieferungen an die von den Vereinten Nationen anerkannte Regierung in Tripolis gesendet hat.<\/p>\n\n\n\n

Mit Unterst\u00fctzung der T\u00fcrkei hat die von den Vereinten Nationen anerkannte Regierung des Nationalen Abkommens nun die LNA von Gen Haftar aus der Gegend um Tripolis zur\u00fcckgeschlagen.<\/p>\n","post_title":"BBC-Untersuchung: VAE in t\u00f6dlichen Angriff in Libyen verwickelt","post_excerpt":"","post_status":"publish","comment_status":"closed","ping_status":"closed","post_password":"","post_name":"bbc-untersuchung-vae-in-todlichen-angriff-in-libyen-verwickelt","to_ping":"","pinged":"","post_modified":"2025-02-02 08:39:39","post_modified_gmt":"2025-02-02 08:39:39","post_content_filtered":"","post_parent":0,"guid":"https:\/\/dctransparency.com\/?p=3811","menu_order":0,"post_type":"post","post_mime_type":"","comment_count":"0","filter":"raw"},{"ID":3792,"post_author":"7","post_date":"2020-08-14 13:58:48","post_date_gmt":"2020-08-14 13:58:48","post_content":"\n

Die Hagia Sophia war (ist) ein kulturelles Weltwunder und aufgeladen mit symbolischer Bedeutung, f\u00fcr die Christenheit ebenso wie f\u00fcr den Islam \u2013 und den t\u00fcrkischen Nationalismus. Als Mehmed II. sie betrat, war sie schon fast 1000 Jahre die gr\u00f6\u00dfte Kirche der christlichen Welt und das Zentrum der orthodoxen Glaubensrichtung. Die \"Ayasofya\", wie sie dann hie\u00df, war 500 Jahre lang Moschee \u2013 bis 1934, als Kemal Pascha Atat\u00fcrk, der \"Vater\" der modernen T\u00fcrkei, sie in ein Museum verwandelte, in der ausdr\u00fccklichen Absicht, auch hier mit dem osmanischen Erbe zu brechen.<\/p>\n\n\n\n

Nun wird Pr\u00e4sident Recep Tayyip Erdo\u011fan, der \"Vater\" der re-islamisierten T\u00fcrkei, am 24. Juli dieses Jahres die Ayasofya durch das Freitagsgebet wieder in den Islam eingliedern. Oder eher in seinen pers\u00f6nlichen religi\u00f6sen Nationalismus.<\/p>\n\n\n\n

Welterbe von allen<\/h3>\n\n\n\n

Wie bedeutungsschwer ist dieser Akt eines \"starken Mannes\", der innenpolitisch deutlich schw\u00e4chelt? Die Proteste vor allem aus der orthodoxen Welt, aber auch aus Europa und den USA sind eher traurig als w\u00fctend. Der Papst dr\u00fcckte seinen \"Schmerz\" aus. Auch der Jubel in der islamischen Welt fiel zun\u00e4chst weniger \u00fcbersch\u00e4umend als erwartet aus.<\/p>\n\n\n\n

Ist es der Alleingang eines Autokraten in Bedr\u00e4ngnis oder ist \"der Jubel \u00fcber die Eroberung der Hagia Sophia der Versuch einer zutiefst erniedrigten, vom Gef\u00fchl der Wertlosigkeit dominierten und in ihrer eigenen Selbstberechtigung beraubten Gesellschaft, eine Bedeutung, eine St\u00e4rke, ein Selbstwertgef\u00fchl zu finden\"? So recht pauschalierend der in Deutschland lebende pal\u00e4stinensische Intellektuelle und Psychiater Ahmad Mansour.<\/p>\n\n\n\n

Die beiden Gro\u00dfreiche, das byzantinische und das osmanische, sind l\u00e4ngst versunken.<\/p><\/blockquote>\n\n\n\n

Das eigentliche Schl\u00fcsselwort im Zusammenhang mit der Hagia Sofia ist \"Welterbe\". Das Erbe von allen. Einmal im kulturellen Sinn der Unesco, aber in Wahrheit weiter gefasst. Das einzigartige Bauwerk geh\u00f6rt in Wirklichkeit der ganzen Welt, nicht der einen oder anderen Religion. Die beiden Gro\u00dfreiche, f\u00fcr die die Hagia Sofia der zentrale spirituelle Bau war, das byzantinische und das osmanische, sind l\u00e4ngst versunken. Seither hat sie eine neue, \u00fcbernationale Dimension erhalten. Was Erdo\u011fan da jetzt mit der Hagia Sofia macht, ist eine Verengung und Verarmung eines gemeinsamen Welterbes.<\/p>\n\n\n\n

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Betende Muslime vor der Hagia Sophia.<\/figcaption><\/figure>\n\n\n\n

Davon abgesehen aber war und ist sie ein architektonisches Meisterwerk und geh\u00f6rt zu den bedeutendsten Bauten der Welt. Wer heute den Zentralraum unter der Kuppel betritt, kann sich nur schwer dem zugleich majest\u00e4tischen wie schwebenden Gesamteindruck entziehen. Die Hagia Sophia blieb fast 1000 Jahre die gr\u00f6\u00dfte Kirche der Christenheit. Technisch war die Kuppel (mit mehreren Halbkuppeln) eine \u00fcberaus riskante Innovation: Die 55 Meter hohe und 32 Meter im Durchmesser breite Kuppel ruht auf nur vier Tragpunkten, was den schwebenden, schwerelosen Eindruck erzeugt. Die Konstruktion folgt einem mathematischen Prinzip, das erst k\u00fcrzlich entschl\u00fcsselt wurde.<\/p>\n\n\n\n

\"Salomo, ich habe dich \u00fcbertroffen!\"<\/p><\/blockquote>\n\n\n\n

Als Kaiser Justinian die Hagia Sophia nach nur f\u00fcnf Jahren Bauzeit (532\u2013537) betrat, soll er in Anspielung auf den Tempel in Jerusalem ausgerufen haben: \"Salomo, ich habe dich \u00fcbertroffen!\" Die Innenausstattung war mit ihren S\u00e4ulen aus Porphyr und gr\u00fcnem Marmor, mit Mosaiken aus Gold und Halbedelsteinen derart prunkvoll, der Gesamteindruck derart \u00fcberirdisch, dass eine Delegation des Gro\u00dff\u00fcrsten von Kiew nicht mehr wusste, \"ob wir im Himmel oder auf der Erde\" waren \u2013 was die Christianisierung Russlands bef\u00f6rderte.<\/p>\n\n\n\n

Der deutsche Architekturlehrer Holger Kleine nennt die Hagia Sophia \"absolute Architektur\", weil sie \"extreme Ausdrucksformen nahezu aller dramaturgischen Mittel, die der Architektur zur Verf\u00fcgung stehen, vereinigt: wuchtigste K\u00f6rper und luftigste R\u00e4ume, engste Enge und gr\u00f6\u00dfte Weite, w\u00e4rmende Helligkeit und mystisches Dunkel\". Und die Kuppelbauten aus der sp\u00e4teren Hochbl\u00fcte der Moscheenarchitektur im 16. und 17. Jahrhundert gehen eindeutig auf die Hagia Sophia zur\u00fcck.<\/p>\n\n\n\n

Die Hagia Sophia war Staatskirche des byzantinischen Reichs. F\u00fcr die Eroberer der letzte Schlussstein in der Kuppel osmanisch-muslimischen Herrschaftsanspruchs. Konstantinopel war ja 1453 nur noch eine isolierte, heruntergekommene Enklave in einem osmanischen Umfeld, kein christliches Heer kam zu Hilfe. Doch vorher war es zugleich Sperrriegel nach Osten und Geistesarchiv der antiken Kultur gewesen. \"Ohne Byzanz h\u00e4tte es kein Europa gegeben\", sagt die britische Altertumsforscherin Judith Herrin.<\/p>\n\n\n\n

\"\"\/
Freigelegtes Mosaik von \"Christos Pantokrator\".<\/figcaption><\/figure>\n\n\n\n

Neue Fragen<\/h3>\n\n\n\n

Die Kirche wurde von Mehmed II. und Nachfolgern nicht in der Substanz zerst\u00f6rt, sondern \"entchristlicht\". Die urspr\u00fcnglich \u00fcbert\u00fcnchten oder auch abgeschlagenen Mosaiken mit den Darstellungen von Christus, der Muttergottes, diversen Kaisern kamen zum Teil schon unter einem Sultan des 19. Jahrhunderts, dann gro\u00dfteils nach der Museumswidmung wieder zum Vorschein.<\/p>\n\n\n\n

Jetzt stellen sich neue symbolisch-praktische Fragen. Erdo\u011fan hat die Hagia Sophia der konservativen staatlichen Religionsbeh\u00f6rde Diyanet unterstellt. Die byzantinischen Mosaike, wie der gro\u00dfartige \"Christos Pantokrator\" (\"Weltenherrscher\") oder die Jungfrau Maria in der Apsis, m\u00fcssen wohl w\u00e4hrend des islamischen Gottesdiensts verh\u00e4ngt werden. Muss der Boden mit seinen Marmorplatten und Mosaiken mit einem Teppich bedeckt werden? Erdo\u011fan sagt, Touristen seien nach wie vor zugelassen. Aber sie werden wohl hinter Absperrungen bleiben m\u00fcssen. Frauen werden \u2013 wie in der benachbarten \"Blauen Moschee\" (\"Sultanahmed\") Kopftuch tragen m\u00fcssen.<\/p>\n\n\n\n

\"\"\/
Erdo\u011fan mit Gattin in der Hagia Sophia.<\/figcaption><\/figure>\n\n\n\n

Erdo\u011fans neue Abenteuer<\/strong><\/h3>\n\n\n\n

Aber wird da nicht doch zu viel in einen Formalakt rund um ein uraltes Bauwerk hineininterpretiert? Im geschichtlichen Kontext relativiert sich manches: Konstantinopel wurde schon von Christen erobert und ausgepl\u00fcndert \u2013 1204 im Vierten Kreuzzug. In der Moschee von Cordoba (\"Mezquita\") bauten die Katholiken eine ganze Kirche in den ber\u00fchmten S\u00e4ulenwald hinein. Die Mezquita ist heute noch Kirche, kein Museum.<\/p>\n\n\n\n

\"Das ist der Beweis, dass wir kein s\u00e4kularer Staat mehr sein wollen\", sagt Nobelpreistr\u00e4ger Orhan Pamuk. Erdo\u011fan betrachtet sich offenbar als auch neoosmanischer \"Fatih\" im Mittelmeerraum mit immer neuen Abenteuern: Eingreifen in Syrien, Stellvertreterkrieg in Libyen, Anspr\u00fcche auf Erdgasvorkommen weit vor der t\u00fcrkischen K\u00fcste bei Zypern, Reden, wonach manche \u00c4g\u00e4is-Inseln eigentlich zur T\u00fcrkei geh\u00f6ren, \"denn dort stehen unsere Moscheen\". Manches davon ist nur Rhetorik, aber genug anderes ist riskante Realit\u00e4t. (Hans Rauscher, 14.7.2020)<\/p>\n\n\n\n

Quelle<\/a><\/strong><\/p>\n","post_title":"Hagia Sophia: Verengung und Verarmung eines Welterbes","post_excerpt":"","post_status":"publish","comment_status":"closed","ping_status":"closed","post_password":"","post_name":"hagia-sophia-verengung-und-verarmung-eines-welterbes","to_ping":"","pinged":"","post_modified":"2025-02-02 08:39:39","post_modified_gmt":"2025-02-02 08:39:39","post_content_filtered":"","post_parent":0,"guid":"https:\/\/dctransparency.com\/?p=3792","menu_order":0,"post_type":"post","post_mime_type":"","comment_count":"0","filter":"raw"},{"ID":3789,"post_author":"7","post_date":"2020-08-14 13:56:07","post_date_gmt":"2020-08-14 13:56:07","post_content":"\n

Im Gastkommentar pocht Mark Leonard, Direktor des Europ\u00e4ischen Rats f\u00fcr Ausw\u00e4rtige Beziehungen, auf \"neue, einvernehmlich vereinbarte Prinzipien sowie klare Grenzen\", nur so k\u00f6nne eine weitere Destabilisierung in der Region verhindert werden.<\/em><\/strong><\/p>\n\n\n\n

Ist die T\u00fcrkei das neue Russland? Diese Frage wird in den europ\u00e4ischen Hauptst\u00e4dten zunehmend gestellt, da die Au\u00dfenpolitik des t\u00fcrkischen Pr\u00e4sidenten Recep Tayyip Erdo\u011fan zunehmend aggressiver wird. Erdo\u011fan nutzt nicht nur die Migration, um die EU zu bedrohen und zu betr\u00fcgen, sondern setzt auch milit\u00e4rische Macht ein, um den Einflussbereich der T\u00fcrkei auf die gesamte Region auszudehnen.<\/p>\n\n\n\n

Seit dem Ende des Kalten Krieges haben die Europ\u00e4er die regionale Sicherheit durch eine unipolare westliche Linse betrachtet. W\u00e4hrend die Nato die milit\u00e4rische Sicherheit garantierte, sorgte die EU mit ihrem 80.000 Seiten starken Regelwerk f\u00fcr alles von LGBTQ-Rechten bis hin zu Rasenm\u00e4her-Sound-Verordnungen f\u00fcr Rechtsordnung. In den 90er-Jahren ging man allgemein davon aus, dass die beiden gro\u00dfen nichtwestlichen regionalen Akteure, Russland und die T\u00fcrkei, nach und nach an diese Regelungen herangef\u00fchrt werden w\u00fcrden.<\/p>\n\n\n\n

Qu\u00e4lende Hassliebe<\/h3>\n\n\n\n

Doch in den letzten 15 Jahren ist der Traum von der europ\u00e4ischen Unipolarit\u00e4t einer multipolaren Realit\u00e4t gewichen. Sowohl Russland als auch die T\u00fcrkei haben eine lange, qu\u00e4lende Hassliebe zu Europa, und beide sind unter nationalen Machthabern, denen die Verachtung der Normen und Werte der EU gemeinsam ist, durchsetzungsf\u00e4higer geworden.<\/p>\n\n\n\n

Die zunehmende Verschlechterung der Beziehungen zwischen der EU und Russland ist gut dokumentiert, der Fall der T\u00fcrkei weniger. Der Irakkrieg im Jahr 2003 komplizierte das Verh\u00e4ltnis der T\u00fcrkei zur Nato, und ihr Verh\u00e4ltnis zur EU verschlechterte sich 2007, als Frankreich einen wichtigen Teil ihrer EU-Beitrittsverhandlungen blockierte. Seitdem hat die T\u00fcrkei ihren eigenen Weg in Syrien, auf dem Balkan und in Libyen eingeschlagen und neue Beziehungen zu Russland und China aufgebaut.<\/p>\n\n\n\n

Wichtiger Akteur<\/strong><\/h3>\n\n\n\n

Nat\u00fcrlich sind die Beziehungen zwischen der T\u00fcrkei und Russland nicht weniger kompliziert, nicht zuletzt weil Erdo\u011fan und der russische Pr\u00e4sident Wladimir Putin im syrischen B\u00fcrgerkrieg verschiedene Seiten unterst\u00fctzten.Und w\u00e4hrend die Spannungen wegen des Syrien-Konflikts weiterhin bestehen, bewundert Erdo\u011fan deutlich, wie Russland sich \u2013 bei relativ geringen Kosten \u2013 wieder als wichtiger Akteur im Nahen Osten und in Nordafrika etabliert hat.<\/p>\n\n\n\n

Nachdem er in einen nicht zu gewinnenden Krieg im Osten der Ukraine verwickelt war, schien Putins weitgehend erfolgreicher Feldzug in Syrien einen Teil seiner innenpolitischen Autorit\u00e4t wiederherzustellen. Der Westen hatte f\u00fcnf Jahre lang darauf bestanden, dass es keine milit\u00e4rische L\u00f6sung des Konflikts gebe und dass der syrische Pr\u00e4sident Baschar al-Assad gehen m\u00fcsse. Doch w\u00e4hrend die von den Vereinten Nationen unterst\u00fctzten Gespr\u00e4che in Genf zu keinem Ergebnis f\u00fchrten, schienen die von Russland geleiteten Gespr\u00e4che in Astana voranzukommen. Indem der Kreml die T\u00fcrkei und den Iran einbezog, w\u00e4hrend er die westlichen M\u00e4chte ausschloss, erweckte er den Eindruck, dass Russland als wiedergeborene Supermacht aus der Asche auferstanden sei.<\/p>\n\n\n\n

Unter Druck<\/h3>\n\n\n\n

Angesichts des wachsenden Widerstands im eigenen Land macht es Erdo\u011fan Putin gleich. Da der Westen nicht bereit war, (erneut) milit\u00e4risch in Libyen zu intervenieren, sah Erdo\u011fan eine Gelegenheit, die T\u00fcrkei zu positionieren. Nach dem Vorgehen Russlands in Syrien sicherte er sich eine formelle Einladung der libyschen Regierung zur Intervention. Mit einem Schlag Ende letzten Jahres hat er nicht nur das Image der T\u00fcrkei als Regionalmacht gest\u00e4rkt, sondern auch ein Abkommen mit Libyen \u00fcber die Seegrenze abgeschlossen und damit einen Plan Griechenlands, Zyperns, \u00c4gyptens und Israels zur Erschlie\u00dfung von Unterwasser\u00f6l- und -gasfeldern in der N\u00e4he zunichtegemacht.<\/p>\n\n\n\n

Erdo\u011fan scheint auch von der Spalt-und-Eroberungs-Strategie des Kreml in Europa inspiriert worden zu sein, der zufolge oft diejenigen EU-Mitgliedsstaaten unter Druck gesetzt werden, die am meisten von russischen Kohlenwasserstoffen oder M\u00e4rkten abh\u00e4ngig sind. So wie Putin lange Zeit die Energieversorgung instrumentalisiert hat, hat Erdo\u011fan versucht, den Strom von Migranten und Fl\u00fcchtlingen, die vor Konflikten im Nahen Osten fliehen, zu instrumentalisieren. Als die EU eine neue Marinemission ank\u00fcndigte, um den Waffenstrom nach Libyen zu blockieren, malte die T\u00fcrkei f\u00fcr Malta das Schreckgespenst der angeblichen Bedrohung durch Migranten an die Wand. Malta reagierte prompt und signalisierte, dass es gegen die Finanzierung der Mission ein Veto einlegen werde.<\/p>\n\n\n\n

Verlorener Sohn<\/strong><\/h3>\n\n\n\n

Jahrelang redeten sich die Europ\u00e4er ein, dass Russland eine Art verlorener Sohn sei und dass die europ\u00e4ische unipolare Ordnung gesund bleibe. Doch das machte Europa zu einem leichten Ziel f\u00fcr die Trennungs-und-Eroberungs-Strategie des Kreml. Erst vor relativ kurzer Zeit entwarf die Union eine neue Politik und ein robustes Sanktionsregime, um die russische Aggression abzuschrecken. Und selbst jetzt \u2013 trotz der besten Bem\u00fchungen der deutschen Bundeskanzlerin Angela Merkel und des franz\u00f6sischen Pr\u00e4sidenten Emmanuel Macron \u2013 hat die EU noch immer keine wirksamen Kommunikationskan\u00e4le mit Russland geschaffen, um gemeinsame Probleme anzugehen.<\/p>\n\n\n\n

Die T\u00fcrkei ist noch kein neues Russland, aber sie k\u00f6nnte dazu werden, wenn die Situation falsch gehandhabt wird. Vorerst betrachten die meisten Europ\u00e4er die T\u00fcrkei noch immer als einen komplizierten Partner und nicht als \"Systemrivalen\". Aber die Europ\u00e4er sollten die hart erk\u00e4mpften Lehren aus dem Umgang mit Russland in den letzten 15 Jahren beherzigen. Die Beziehungen zwischen der EU und der T\u00fcrkei brauchen neue, einvernehmlich vereinbarte Prinzipien sowie klare Grenzen, um eine weitere Destabilisierung in der Region zu verhindern.<\/p>\n\n\n\n

Zu diesem Zweck sollten die Europ\u00e4er klarstellen, dass der EU-Beitrittsprozess entweder zur\u00fcckgedreht oder vorangetrieben werden kann und dass eine eher transaktionale Beziehung sowohl Zuckerbrot als auch Peitsche beinhaltet. Die Herausforderung wird darin bestehen, daf\u00fcr zu sorgen, dass es in einer Region, die nicht nur von Europa und der T\u00fcrkei, sondern auch von Russland, den USA und einem aufstrebenden China beeinflusst wird, noch Raum f\u00fcr politisches Engagement in Fragen der gemeinsamen Sicherheit gibt. (Mark Leonard, \u00dcbersetzung: Eva G\u00f6llner, Copyright: Project Syndicate, 10.8.2020)<\/p>\n\n\n\n

Mark Leonard <\/strong>ist Direktor des Europ\u00e4ischen Rats f\u00fcr Ausw\u00e4rtige Beziehungen.<\/a><\/p>\n","post_title":"Erdo\u011fan \u2013 der andere Putin vor der Haust\u00fcr Europas","post_excerpt":"","post_status":"publish","comment_status":"closed","ping_status":"closed","post_password":"","post_name":"erdogan-der-andere-putin-vor-der-haustur-europas","to_ping":"","pinged":"","post_modified":"2025-02-02 08:39:39","post_modified_gmt":"2025-02-02 08:39:39","post_content_filtered":"","post_parent":0,"guid":"https:\/\/dctransparency.com\/?p=3789","menu_order":0,"post_type":"post","post_mime_type":"","comment_count":"0","filter":"raw"},{"ID":3786,"post_author":"7","post_date":"2020-08-14 13:51:23","post_date_gmt":"2020-08-14 13:51:23","post_content":"\n

Einen Monat nachdem ich zur israelischen Armee eingezogen worden war, brach die erste Intifada aus. Statt Soldat zu sein, machte ich Polizeiarbeit, sagte den Menschen, wann sie zur Arbeit gehen konnten und wann sie ihre L\u00e4den schlie\u00dfen mussten, wann sie die Grenze passieren und wann sie schlafen konnten. Einen Monat nachdem ich aus der Armee entlassen worden war, ging ich auf Reisen. (In Israel sagen wir: Wir dienen drei Jahre und versuchen den Rest unseres Lebens, diese drei Jahre zu vergessen.) Auf meiner Reise begann ich Briefe an meine Freundin zu schreiben, die ich in Israel zur\u00fcckgelassen hatte.<\/p>\n\n\n\n

Ich schrieb ihr, wie schrecklich depressiv ich war und dass diese drei Jahre des Anweisungenbellens und Anderen-Menschen-Sagens, was sie zu tun haben, mich f\u00fcr immer verfolgen w\u00fcrden. Dass sie ein Teil dessen geworden waren, was ich bin. Ich erinnere mich, dass ich ihr schrieb, dass wir da rausm\u00fcssen \u2013 nicht nur f\u00fcr die Pal\u00e4stinenser, sondern wegen der furchtbaren und brutalen Auswirkungen, die all das auf uns, auf die israelische Gesellschaft haben w\u00fcrde. Sie schrieb zur\u00fcck: \u201eDu hast recht. Ich habe einen neuen Freund.\u201c<\/p>\n\n\n\n

Felix Klein wurde als Beauftragter der Bundesregierung berufen<\/a>, um die Auswirkungen des zunehmenden Antisemitismus in unserer Gesellschaft, in Deutschland, zu bek\u00e4mpfen. Was nicht in seiner Jobbeschreibung steht, ist, dass er dabei unsere Gesellschaft heilen muss, jene Gesellschaft, die diese Form des Hasses reproduziert und sch\u00fctzt. Klein hat das begriffen.<\/p>\n\n\n\n

Er versteht, dass man Krebs nicht mit einem Pflaster verarztet, er wei\u00df, dass er das Bewusstsein der Deutschen sch\u00e4rfen und Diskussionen ansto\u00dfen muss. Er hat begriffen, dass das Problem nicht nur an den R\u00e4ndern der Gesellschaft (bei den Rechten) liegt, sondern auch in ihrer Mitte. Dort, wo gebildete Menschen nicht einmal bemerken, dass das, was sie sagen und tun, antisemitisch ist. So wie sie es auch nicht merken, wenn sie rassistisch handeln. Er hat all das verstanden, und genau deshalb wollen einige, dass er seinen Posten r\u00e4umt.<\/p>\n\n\n\n

Mehr als 60 deutsche und israelische Intellektuelle haben letzte Woche in einem Brief an Kanzlerin Merkel<\/a> dar\u00fcber geklagt, dass der aktuelle \u201eGebrauch des Antisemitismusbegriffs\u201c darauf abziele, \u201elegitime Kritik an der israelischen Regierungspolitik zu unterdr\u00fccken\u201c, und Klein vorgeworfen, rechtspopulistische israelische Stimmen zu f\u00f6rdern.<\/p>\n\n\n\n

Faszinierend an diesem offenen Brief ist, dass viele der Unterzeichneten keine Deutschen sind und auch nicht in Deutschland leben. Ich wei\u00df nicht, woher sie \u2013 die meisten von ihnen sind Israelis \u2013 die Chuzpe haben, sich in eine innerdeutsche Angelegenheit einzumischen und zu fordern, eine Person zu entlassen, die von der Bundesregierung eingesetzt wurde. Die H\u00e4lfte der Unterzeichneten lebt nicht hier, von der anderen H\u00e4lfte sind viele keine Juden \u2013 somit sind die allermeisten von ihnen nicht direkt vom Antisemitismus in Deutschland betroffen. Wie also k\u00f6nnen sie diesen Brief unterschreiben? Und warum eigentlich haben so wenige Deutsche unterschrieben? Dazu komme ich gleich.<\/p>\n\n\n\n

Debatte um Achille Mbembe<\/h6>\n\n\n\n

Hintergrund des Briefs war, dass Felix Klein gefordert hatte, den Philosophen Achille Mbembe<\/a> nicht die Er\u00f6ffnungsrede der Ruhrtriennale halten zu lassen. Als mit \u00f6ffentlichen Mitteln gef\u00f6rdertes Event solle die Ruhrtriennale Mbembe wegen seiner Haltung zu Israels Existenzrecht, seiner Haltung zu BDS und der Art, wie er in einem seiner Werke den Holocaust relativiert, nicht einladen.<\/p>\n\n\n\n

Mbembes Unterst\u00fctzer sagen, keine dieser Anschuldigungen sei wahr. F\u00fcrs Protokoll: In meinen Augen unterst\u00fctzt Mbembe sehr wohl BDS<\/a>, er schrieb unter anderem das Vorwort zu \u201eApartheid Israel\u201c und fordert die komplette Isolation Israels. Ich glaube auch, wenn Mbembe schreibt, die israelische Besetzung sei der \u201egr\u00f6\u00dfte moralische Skandal unserer Zeit\u201c, zeigt das, dass sein moralischer und geografischer Kompass etwas schief ist.<\/p>\n\n\n\n

Doch warum treibt die Debatte so viele Menschen um? Nun, zun\u00e4chst gibt niemand gern auf, was ihm oder ihr selbstverst\u00e4ndlich scheint. \u00dcber den gesamten politischen, sozialen, kulturellen, medialen und akademischen Sektor hinweg sind Menschen daran gew\u00f6hnt, so schlecht \u00fcber Israel sprechen zu k\u00f6nnen, wie auch immer sie wollen.<\/p>\n\n\n\n

Der Spiegel<\/em> hat \u2013 vielleicht in Anlehnung an seine Relotius-Standards, Israel erst k\u00fcrzlich eine Corona-Diktatur genannt. Fakten und Belege f\u00fcr diese Behauptung gab es nicht. Doch Millionen Deutsche haben es gelesen, und es wird nat\u00fcrlich haften bleiben. Faktenlage hin oder her. Der Spiegel<\/em> und andere Medien haben dieses Spiel perfektioniert: Titel so zu drehen, dass sie Israel indirekt anklagen, die Idee zu streuen, der Mossad kon\u00adtrol\u00adliere die deutsche Au\u00dfenpolitik im Nahen Osten, und so fort. Doch sie stehen allesamt sofort auf den Hinterbeinen, wenn jemand es wagt, das Spiel beim Namen zu nennen: moderner Antisemitismus.<\/p>\n\n\n\n

Klein will dem entgegenwirken. Er versteht, dass antisemitische Attacken in Deutschland die Fr\u00fcchte solch falsch gezeichneter Bilder und eindimensionaler Narrative \u00fcber Israel sind. Wenn er und andere versuchen, ein anderes Narrativ aufzuzeigen, wirft man ihnen Zensur vor: Wie k\u00f6nnen sie es wagen, das Gesch\u00e4ft der Anti-Israel-Propaganda zu st\u00f6ren?<\/p>\n\n\n\n

Liebe Deutsche, wenn ihr reden wollt, lasst uns gern reden: \u00fcber die Besetzung, \u00fcber Bibi und alles, was schiefl\u00e4uft. Aber dann lasst uns bitte auch dar\u00fcber reden, wie deutsche Steuergelder Terrortunnel finanzieren. Erst vergangene Woche r\u00e4umte die niederl\u00e4ndische Regierung ein, dass Gelder an eine Landwirtschaftsorganisation in Ramallah geflossen seien, die damit teilweise die Geh\u00e4lter zweier des Mordes an der 17-j\u00e4hrigen Israelin Rina Shnerb Verd\u00e4chtiger gezahlt haben. Auch die Bundesregierung unterst\u00fctzt diese Organisation, obwohl Kritiker schon lange vor Verbindungen zu Terroristen warnen.<\/p>\n\n\n\n

Wir k\u00f6nnen uns also gerne unterhalten \u2013 aber im Dialog, nicht in Monologen. Denn Reden unter Menschen, die sich einig sind, ist nichts anderes als Impotenz.<\/p>\n\n\n\n

Israelkritik als Eintrittskarte<\/h6>\n\n\n\n

Die Israelis, die die Petition unterzeichnet haben, haben \u00fcbrigens ebenfalls etwas verstanden. Seit Jahren wissen sie: Es ist ihre Eintrittskarte in die Mitte der deutschen (und europ\u00e4ischen) Gesellschaft. Man h\u00f6rt nicht oft von Akademikern mit proisraelischen Ansichten. Weder in den Philharmonie-Orchestern noch in der Kunstszene. Die Eintrittskarte daf\u00fcr ist ein antiisraelischer Standpunkt.<\/p>\n\n\n\n

Der mutma\u00dfliche Grund, warum kaum Deutsche die Petition unterzeichnet haben: Sie mussten es nicht. Ihre Lieblingsjuden haben es f\u00fcr sie getan. Jetzt k\u00f6nnen sie sagen: \u201eSchau, ich bin das ja nicht, meine j\u00fcdischen Freunde sagen es.\u201c Ich selbst war einige Jahre lang mit einem Paar hier in Berlin befreundet, bis ich herausfand, dass ich ihr Lieblingsjude war. Ja, selbst das j\u00fcdische Museum wurde so genutzt.<\/p>\n\n\n\n

Weil Attacken gegen Juden ein absolutes Tabu sind, wurden Umwege gefunden, um den Antisemitismus auf kleiner Flamme k\u00f6cheln zu lassen: die unfundierte, unbegr\u00fcndete Kritik an Israel.<\/p>\n\n\n\n

Diese Art der Kritik ist gef\u00e4hrlich. Sie schw\u00e4cht jede begr\u00fcndete und notwendige Kritik am Verhalten Israels. Und das Interessante ist: Trotz all der heftigen, pauschalisierenden Anklagen, all der offenen Briefe driftet Israel politisch immer weiter nach rechts. Doch statt mal einen anderen Ansatz zu versuchen, werden die antiisraelischen Stimmen nur lauter. Dasselbe versuchen und andere Ergebnisse davon erwarten \u2013 das ist die Definition von Wahnsinn.<\/p>\n\n\n\n

Kurz bevor der Prozess gegen den wegen des Attentats von Halle<\/a> Angeklagten begann \u2013 des seit Kriegsende schlimmsten Akts von Antisemitismus in Deutschland \u2013, lud eine Lokalzeitung den fr\u00fcheren Botschafter Shimon Stein und den Historiker Moshe Zimmermann ein, dar\u00fcber zu schreiben, was Antisemitismus ist. Nat\u00fcrlich wendeten auch sie sich gegen Felix Kleins Ansatz. Sie zitieren die Kontroverse um die Umbenennung der U-Bahn-Station Mohrenstra\u00dfe in Glinkastra\u00dfe, die sich darum drehte, dass der russische Komponist Michael Glinka Antisemit gewesen sein soll. Stein und Zimmermann halten die Debatte f\u00fcr \u00fcberzogen, Glinka sei nur ein Kind seiner Zeit gewesen. Folgt man ihrer Logik, k\u00f6nnen wir dann also in 20 oder 30 Jahren U-Bahn-Stationen nach den Kindern der 1930er Jahre benennen?<\/p>\n\n\n\n

Der Antisemit als Tierfreund<\/h6>\n\n\n\n

Ich w\u00fcnschte, die Sache h\u00e4tte mit dem Artikel, mit der Petition geendet. Doch dann erschien ein Artikel, der den Leser auf einen Waldspaziergang mit einem veganen Koch und Antisemiten mitnahm. Darin setzt der Tierfreund erst behutsam einen K\u00e4fer wieder auf seine Beinchen und erkl\u00e4rt dann, dass die Todesstrafe in Deutschland wieder eingef\u00fchrt werden solle, um einen gewissen Politiker (der zuf\u00e4llig pro Israel ist) an seinen Hoden aufh\u00e4ngen zu k\u00f6nnen. Dieser Koch hat Hunderttausende Follower, er sagt all solche Dinge am helllichten Tag in Berlin. Und in den Medien.<\/p>\n\n\n\n

F\u00e4lle wie dieser handeln bereits von Gewalt \u2013 und sie enden nicht bei den Juden. Der Hass richtet sich gegen Frauen<\/a>, Muslime, Gefl\u00fcchtete, \u00adLBTQI. Am Ende aller theoretischen Debatten stehen immer echte Menschen. Am Ende jeder Konferenz dar\u00fcber, was Antisemitismus ausmacht, steht ein potenzielles j\u00fcdisches Opfer. Angesichts einer Welle von Antisemitismus \u00fcber die Definition von Antisemitismus zu streiten ist, wie eine 10 Meter hohe Welle heranrollen zu sehen und dar\u00fcber zu streiten, was einen Tsunami ausmacht.<\/p>\n\n\n\n

Felix Klein versteht, wie absurd es ist, zu sagen: Es sind nur die Rechten. Die Rechten sind Deutsche, so wie die Nazis Deutsche waren. Klein versteht, dass die Deutschen nicht aufgeh\u00f6rt haben, Juden zu ermorden, weil sie irgendeine Art von Erleuchtung hatten. Sondern schlicht, weil sie den Krieg verloren haben. Um den Antisemitismus zu bek\u00e4mpfen, bevor er die Gesellschaft frisst, in der er und wir leben, muss Deutschland seinen moralischen Kompass korrigieren.<\/p>\n\n\n\n

Immerhin: Mehr und mehr Deutsche fahren nach Israel, sie wollen ein anderes Narrativ h\u00f6ren. Mehr und mehr Deutsche verstehen, dass Antisemitismus Schockwellen ausl\u00f6st, die die gesamte Gesellschaft betreffen. In einem normalen Universum w\u00fcrde Klein bef\u00f6rdert werden f\u00fcr seine Leistung. In einer verdrehten Gesellschaft fordern Menschen seine Entlassung. Um es mit Mbembe zu sagen: Das ist Nano-Nonsens.<\/p>\n\n\n\n

\u00dcbersetzung: Ariane Lemme<\/a><\/em><\/p>\n","post_title":"Felix Klein hat verstanden","post_excerpt":"","post_status":"publish","comment_status":"closed","ping_status":"closed","post_password":"","post_name":"felix-klein-hat-verstanden","to_ping":"","pinged":"","post_modified":"2025-02-02 08:39:39","post_modified_gmt":"2025-02-02 08:39:39","post_content_filtered":"","post_parent":0,"guid":"https:\/\/dctransparency.com\/?p=3786","menu_order":0,"post_type":"post","post_mime_type":"","comment_count":"0","filter":"raw"}],"next":false,"prev":true,"total_page":47},"paged":1,"column_class":"jeg_col_2o3","class":"epic_block_3"};

\n

Ist ausl\u00e4ndisches milit\u00e4risches Engagement \u00fcberraschend?<\/strong><\/p>\n\n\n\n

Sowohl die Vereinigten Arabischen Emirate als auch \u00c4gypten nahmen an einer von Bundeskanzlerin Angela Merkel im Januar dieses Jahres in Berlin einberufenen Konferenz \u00fcber Libyen teil, auf der sie ihre Unterst\u00fctzung f\u00fcr den UN-Friedensprozess bekr\u00e4ftigten und sich bereit erkl\u00e4rten, nicht in den Libyen-Krieg einzugreifen.<\/p>\n\n\n\n

Im vergangenen Jahr gab es jedoch eine Eskalation des Einsatzes von Drohnen durch beide Seiten des Konflikts.<\/p>\n\n\n\n

Ghassan Salam\u00e9, der fr\u00fchere Leiter der UN-Mission in Libyen, beschrieb dies als \"m\u00f6glicherweise das gr\u00f6\u00dfte Drohnenkriegstheater der Welt\".<\/p>\n\n\n\n

Die VAE sind nicht die einzige ausl\u00e4ndische Macht, die an diesem Konflikt beteiligt ist.<\/p>\n\n\n\n

Anfang dieses Jahres gab BBC Africa Eye bekannt, dass die T\u00fcrkei auch gegen das Waffenembargo der Vereinten Nationen gegen Libyen versto\u00dfen hat, indem sie geheime Waffenlieferungen an die von den Vereinten Nationen anerkannte Regierung in Tripolis gesendet hat.<\/p>\n\n\n\n

Mit Unterst\u00fctzung der T\u00fcrkei hat die von den Vereinten Nationen anerkannte Regierung des Nationalen Abkommens nun die LNA von Gen Haftar aus der Gegend um Tripolis zur\u00fcckgeschlagen.<\/p>\n","post_title":"BBC-Untersuchung: VAE in t\u00f6dlichen Angriff in Libyen verwickelt","post_excerpt":"","post_status":"publish","comment_status":"closed","ping_status":"closed","post_password":"","post_name":"bbc-untersuchung-vae-in-todlichen-angriff-in-libyen-verwickelt","to_ping":"","pinged":"","post_modified":"2025-02-02 08:39:39","post_modified_gmt":"2025-02-02 08:39:39","post_content_filtered":"","post_parent":0,"guid":"https:\/\/dctransparency.com\/?p=3811","menu_order":0,"post_type":"post","post_mime_type":"","comment_count":"0","filter":"raw"},{"ID":3792,"post_author":"7","post_date":"2020-08-14 13:58:48","post_date_gmt":"2020-08-14 13:58:48","post_content":"\n

Die Hagia Sophia war (ist) ein kulturelles Weltwunder und aufgeladen mit symbolischer Bedeutung, f\u00fcr die Christenheit ebenso wie f\u00fcr den Islam \u2013 und den t\u00fcrkischen Nationalismus. Als Mehmed II. sie betrat, war sie schon fast 1000 Jahre die gr\u00f6\u00dfte Kirche der christlichen Welt und das Zentrum der orthodoxen Glaubensrichtung. Die \"Ayasofya\", wie sie dann hie\u00df, war 500 Jahre lang Moschee \u2013 bis 1934, als Kemal Pascha Atat\u00fcrk, der \"Vater\" der modernen T\u00fcrkei, sie in ein Museum verwandelte, in der ausdr\u00fccklichen Absicht, auch hier mit dem osmanischen Erbe zu brechen.<\/p>\n\n\n\n

Nun wird Pr\u00e4sident Recep Tayyip Erdo\u011fan, der \"Vater\" der re-islamisierten T\u00fcrkei, am 24. Juli dieses Jahres die Ayasofya durch das Freitagsgebet wieder in den Islam eingliedern. Oder eher in seinen pers\u00f6nlichen religi\u00f6sen Nationalismus.<\/p>\n\n\n\n

Welterbe von allen<\/h3>\n\n\n\n

Wie bedeutungsschwer ist dieser Akt eines \"starken Mannes\", der innenpolitisch deutlich schw\u00e4chelt? Die Proteste vor allem aus der orthodoxen Welt, aber auch aus Europa und den USA sind eher traurig als w\u00fctend. Der Papst dr\u00fcckte seinen \"Schmerz\" aus. Auch der Jubel in der islamischen Welt fiel zun\u00e4chst weniger \u00fcbersch\u00e4umend als erwartet aus.<\/p>\n\n\n\n

Ist es der Alleingang eines Autokraten in Bedr\u00e4ngnis oder ist \"der Jubel \u00fcber die Eroberung der Hagia Sophia der Versuch einer zutiefst erniedrigten, vom Gef\u00fchl der Wertlosigkeit dominierten und in ihrer eigenen Selbstberechtigung beraubten Gesellschaft, eine Bedeutung, eine St\u00e4rke, ein Selbstwertgef\u00fchl zu finden\"? So recht pauschalierend der in Deutschland lebende pal\u00e4stinensische Intellektuelle und Psychiater Ahmad Mansour.<\/p>\n\n\n\n

Die beiden Gro\u00dfreiche, das byzantinische und das osmanische, sind l\u00e4ngst versunken.<\/p><\/blockquote>\n\n\n\n

Das eigentliche Schl\u00fcsselwort im Zusammenhang mit der Hagia Sofia ist \"Welterbe\". Das Erbe von allen. Einmal im kulturellen Sinn der Unesco, aber in Wahrheit weiter gefasst. Das einzigartige Bauwerk geh\u00f6rt in Wirklichkeit der ganzen Welt, nicht der einen oder anderen Religion. Die beiden Gro\u00dfreiche, f\u00fcr die die Hagia Sofia der zentrale spirituelle Bau war, das byzantinische und das osmanische, sind l\u00e4ngst versunken. Seither hat sie eine neue, \u00fcbernationale Dimension erhalten. Was Erdo\u011fan da jetzt mit der Hagia Sofia macht, ist eine Verengung und Verarmung eines gemeinsamen Welterbes.<\/p>\n\n\n\n

\"\"\/
Betende Muslime vor der Hagia Sophia.<\/figcaption><\/figure>\n\n\n\n

Davon abgesehen aber war und ist sie ein architektonisches Meisterwerk und geh\u00f6rt zu den bedeutendsten Bauten der Welt. Wer heute den Zentralraum unter der Kuppel betritt, kann sich nur schwer dem zugleich majest\u00e4tischen wie schwebenden Gesamteindruck entziehen. Die Hagia Sophia blieb fast 1000 Jahre die gr\u00f6\u00dfte Kirche der Christenheit. Technisch war die Kuppel (mit mehreren Halbkuppeln) eine \u00fcberaus riskante Innovation: Die 55 Meter hohe und 32 Meter im Durchmesser breite Kuppel ruht auf nur vier Tragpunkten, was den schwebenden, schwerelosen Eindruck erzeugt. Die Konstruktion folgt einem mathematischen Prinzip, das erst k\u00fcrzlich entschl\u00fcsselt wurde.<\/p>\n\n\n\n

\"Salomo, ich habe dich \u00fcbertroffen!\"<\/p><\/blockquote>\n\n\n\n

Als Kaiser Justinian die Hagia Sophia nach nur f\u00fcnf Jahren Bauzeit (532\u2013537) betrat, soll er in Anspielung auf den Tempel in Jerusalem ausgerufen haben: \"Salomo, ich habe dich \u00fcbertroffen!\" Die Innenausstattung war mit ihren S\u00e4ulen aus Porphyr und gr\u00fcnem Marmor, mit Mosaiken aus Gold und Halbedelsteinen derart prunkvoll, der Gesamteindruck derart \u00fcberirdisch, dass eine Delegation des Gro\u00dff\u00fcrsten von Kiew nicht mehr wusste, \"ob wir im Himmel oder auf der Erde\" waren \u2013 was die Christianisierung Russlands bef\u00f6rderte.<\/p>\n\n\n\n

Der deutsche Architekturlehrer Holger Kleine nennt die Hagia Sophia \"absolute Architektur\", weil sie \"extreme Ausdrucksformen nahezu aller dramaturgischen Mittel, die der Architektur zur Verf\u00fcgung stehen, vereinigt: wuchtigste K\u00f6rper und luftigste R\u00e4ume, engste Enge und gr\u00f6\u00dfte Weite, w\u00e4rmende Helligkeit und mystisches Dunkel\". Und die Kuppelbauten aus der sp\u00e4teren Hochbl\u00fcte der Moscheenarchitektur im 16. und 17. Jahrhundert gehen eindeutig auf die Hagia Sophia zur\u00fcck.<\/p>\n\n\n\n

Die Hagia Sophia war Staatskirche des byzantinischen Reichs. F\u00fcr die Eroberer der letzte Schlussstein in der Kuppel osmanisch-muslimischen Herrschaftsanspruchs. Konstantinopel war ja 1453 nur noch eine isolierte, heruntergekommene Enklave in einem osmanischen Umfeld, kein christliches Heer kam zu Hilfe. Doch vorher war es zugleich Sperrriegel nach Osten und Geistesarchiv der antiken Kultur gewesen. \"Ohne Byzanz h\u00e4tte es kein Europa gegeben\", sagt die britische Altertumsforscherin Judith Herrin.<\/p>\n\n\n\n

\"\"\/
Freigelegtes Mosaik von \"Christos Pantokrator\".<\/figcaption><\/figure>\n\n\n\n

Neue Fragen<\/h3>\n\n\n\n

Die Kirche wurde von Mehmed II. und Nachfolgern nicht in der Substanz zerst\u00f6rt, sondern \"entchristlicht\". Die urspr\u00fcnglich \u00fcbert\u00fcnchten oder auch abgeschlagenen Mosaiken mit den Darstellungen von Christus, der Muttergottes, diversen Kaisern kamen zum Teil schon unter einem Sultan des 19. Jahrhunderts, dann gro\u00dfteils nach der Museumswidmung wieder zum Vorschein.<\/p>\n\n\n\n

Jetzt stellen sich neue symbolisch-praktische Fragen. Erdo\u011fan hat die Hagia Sophia der konservativen staatlichen Religionsbeh\u00f6rde Diyanet unterstellt. Die byzantinischen Mosaike, wie der gro\u00dfartige \"Christos Pantokrator\" (\"Weltenherrscher\") oder die Jungfrau Maria in der Apsis, m\u00fcssen wohl w\u00e4hrend des islamischen Gottesdiensts verh\u00e4ngt werden. Muss der Boden mit seinen Marmorplatten und Mosaiken mit einem Teppich bedeckt werden? Erdo\u011fan sagt, Touristen seien nach wie vor zugelassen. Aber sie werden wohl hinter Absperrungen bleiben m\u00fcssen. Frauen werden \u2013 wie in der benachbarten \"Blauen Moschee\" (\"Sultanahmed\") Kopftuch tragen m\u00fcssen.<\/p>\n\n\n\n

\"\"\/
Erdo\u011fan mit Gattin in der Hagia Sophia.<\/figcaption><\/figure>\n\n\n\n

Erdo\u011fans neue Abenteuer<\/strong><\/h3>\n\n\n\n

Aber wird da nicht doch zu viel in einen Formalakt rund um ein uraltes Bauwerk hineininterpretiert? Im geschichtlichen Kontext relativiert sich manches: Konstantinopel wurde schon von Christen erobert und ausgepl\u00fcndert \u2013 1204 im Vierten Kreuzzug. In der Moschee von Cordoba (\"Mezquita\") bauten die Katholiken eine ganze Kirche in den ber\u00fchmten S\u00e4ulenwald hinein. Die Mezquita ist heute noch Kirche, kein Museum.<\/p>\n\n\n\n

\"Das ist der Beweis, dass wir kein s\u00e4kularer Staat mehr sein wollen\", sagt Nobelpreistr\u00e4ger Orhan Pamuk. Erdo\u011fan betrachtet sich offenbar als auch neoosmanischer \"Fatih\" im Mittelmeerraum mit immer neuen Abenteuern: Eingreifen in Syrien, Stellvertreterkrieg in Libyen, Anspr\u00fcche auf Erdgasvorkommen weit vor der t\u00fcrkischen K\u00fcste bei Zypern, Reden, wonach manche \u00c4g\u00e4is-Inseln eigentlich zur T\u00fcrkei geh\u00f6ren, \"denn dort stehen unsere Moscheen\". Manches davon ist nur Rhetorik, aber genug anderes ist riskante Realit\u00e4t. (Hans Rauscher, 14.7.2020)<\/p>\n\n\n\n

Quelle<\/a><\/strong><\/p>\n","post_title":"Hagia Sophia: Verengung und Verarmung eines Welterbes","post_excerpt":"","post_status":"publish","comment_status":"closed","ping_status":"closed","post_password":"","post_name":"hagia-sophia-verengung-und-verarmung-eines-welterbes","to_ping":"","pinged":"","post_modified":"2025-02-02 08:39:39","post_modified_gmt":"2025-02-02 08:39:39","post_content_filtered":"","post_parent":0,"guid":"https:\/\/dctransparency.com\/?p=3792","menu_order":0,"post_type":"post","post_mime_type":"","comment_count":"0","filter":"raw"},{"ID":3789,"post_author":"7","post_date":"2020-08-14 13:56:07","post_date_gmt":"2020-08-14 13:56:07","post_content":"\n

Im Gastkommentar pocht Mark Leonard, Direktor des Europ\u00e4ischen Rats f\u00fcr Ausw\u00e4rtige Beziehungen, auf \"neue, einvernehmlich vereinbarte Prinzipien sowie klare Grenzen\", nur so k\u00f6nne eine weitere Destabilisierung in der Region verhindert werden.<\/em><\/strong><\/p>\n\n\n\n

Ist die T\u00fcrkei das neue Russland? Diese Frage wird in den europ\u00e4ischen Hauptst\u00e4dten zunehmend gestellt, da die Au\u00dfenpolitik des t\u00fcrkischen Pr\u00e4sidenten Recep Tayyip Erdo\u011fan zunehmend aggressiver wird. Erdo\u011fan nutzt nicht nur die Migration, um die EU zu bedrohen und zu betr\u00fcgen, sondern setzt auch milit\u00e4rische Macht ein, um den Einflussbereich der T\u00fcrkei auf die gesamte Region auszudehnen.<\/p>\n\n\n\n

Seit dem Ende des Kalten Krieges haben die Europ\u00e4er die regionale Sicherheit durch eine unipolare westliche Linse betrachtet. W\u00e4hrend die Nato die milit\u00e4rische Sicherheit garantierte, sorgte die EU mit ihrem 80.000 Seiten starken Regelwerk f\u00fcr alles von LGBTQ-Rechten bis hin zu Rasenm\u00e4her-Sound-Verordnungen f\u00fcr Rechtsordnung. In den 90er-Jahren ging man allgemein davon aus, dass die beiden gro\u00dfen nichtwestlichen regionalen Akteure, Russland und die T\u00fcrkei, nach und nach an diese Regelungen herangef\u00fchrt werden w\u00fcrden.<\/p>\n\n\n\n

Qu\u00e4lende Hassliebe<\/h3>\n\n\n\n

Doch in den letzten 15 Jahren ist der Traum von der europ\u00e4ischen Unipolarit\u00e4t einer multipolaren Realit\u00e4t gewichen. Sowohl Russland als auch die T\u00fcrkei haben eine lange, qu\u00e4lende Hassliebe zu Europa, und beide sind unter nationalen Machthabern, denen die Verachtung der Normen und Werte der EU gemeinsam ist, durchsetzungsf\u00e4higer geworden.<\/p>\n\n\n\n

Die zunehmende Verschlechterung der Beziehungen zwischen der EU und Russland ist gut dokumentiert, der Fall der T\u00fcrkei weniger. Der Irakkrieg im Jahr 2003 komplizierte das Verh\u00e4ltnis der T\u00fcrkei zur Nato, und ihr Verh\u00e4ltnis zur EU verschlechterte sich 2007, als Frankreich einen wichtigen Teil ihrer EU-Beitrittsverhandlungen blockierte. Seitdem hat die T\u00fcrkei ihren eigenen Weg in Syrien, auf dem Balkan und in Libyen eingeschlagen und neue Beziehungen zu Russland und China aufgebaut.<\/p>\n\n\n\n

Wichtiger Akteur<\/strong><\/h3>\n\n\n\n

Nat\u00fcrlich sind die Beziehungen zwischen der T\u00fcrkei und Russland nicht weniger kompliziert, nicht zuletzt weil Erdo\u011fan und der russische Pr\u00e4sident Wladimir Putin im syrischen B\u00fcrgerkrieg verschiedene Seiten unterst\u00fctzten.Und w\u00e4hrend die Spannungen wegen des Syrien-Konflikts weiterhin bestehen, bewundert Erdo\u011fan deutlich, wie Russland sich \u2013 bei relativ geringen Kosten \u2013 wieder als wichtiger Akteur im Nahen Osten und in Nordafrika etabliert hat.<\/p>\n\n\n\n

Nachdem er in einen nicht zu gewinnenden Krieg im Osten der Ukraine verwickelt war, schien Putins weitgehend erfolgreicher Feldzug in Syrien einen Teil seiner innenpolitischen Autorit\u00e4t wiederherzustellen. Der Westen hatte f\u00fcnf Jahre lang darauf bestanden, dass es keine milit\u00e4rische L\u00f6sung des Konflikts gebe und dass der syrische Pr\u00e4sident Baschar al-Assad gehen m\u00fcsse. Doch w\u00e4hrend die von den Vereinten Nationen unterst\u00fctzten Gespr\u00e4che in Genf zu keinem Ergebnis f\u00fchrten, schienen die von Russland geleiteten Gespr\u00e4che in Astana voranzukommen. Indem der Kreml die T\u00fcrkei und den Iran einbezog, w\u00e4hrend er die westlichen M\u00e4chte ausschloss, erweckte er den Eindruck, dass Russland als wiedergeborene Supermacht aus der Asche auferstanden sei.<\/p>\n\n\n\n

Unter Druck<\/h3>\n\n\n\n

Angesichts des wachsenden Widerstands im eigenen Land macht es Erdo\u011fan Putin gleich. Da der Westen nicht bereit war, (erneut) milit\u00e4risch in Libyen zu intervenieren, sah Erdo\u011fan eine Gelegenheit, die T\u00fcrkei zu positionieren. Nach dem Vorgehen Russlands in Syrien sicherte er sich eine formelle Einladung der libyschen Regierung zur Intervention. Mit einem Schlag Ende letzten Jahres hat er nicht nur das Image der T\u00fcrkei als Regionalmacht gest\u00e4rkt, sondern auch ein Abkommen mit Libyen \u00fcber die Seegrenze abgeschlossen und damit einen Plan Griechenlands, Zyperns, \u00c4gyptens und Israels zur Erschlie\u00dfung von Unterwasser\u00f6l- und -gasfeldern in der N\u00e4he zunichtegemacht.<\/p>\n\n\n\n

Erdo\u011fan scheint auch von der Spalt-und-Eroberungs-Strategie des Kreml in Europa inspiriert worden zu sein, der zufolge oft diejenigen EU-Mitgliedsstaaten unter Druck gesetzt werden, die am meisten von russischen Kohlenwasserstoffen oder M\u00e4rkten abh\u00e4ngig sind. So wie Putin lange Zeit die Energieversorgung instrumentalisiert hat, hat Erdo\u011fan versucht, den Strom von Migranten und Fl\u00fcchtlingen, die vor Konflikten im Nahen Osten fliehen, zu instrumentalisieren. Als die EU eine neue Marinemission ank\u00fcndigte, um den Waffenstrom nach Libyen zu blockieren, malte die T\u00fcrkei f\u00fcr Malta das Schreckgespenst der angeblichen Bedrohung durch Migranten an die Wand. Malta reagierte prompt und signalisierte, dass es gegen die Finanzierung der Mission ein Veto einlegen werde.<\/p>\n\n\n\n

Verlorener Sohn<\/strong><\/h3>\n\n\n\n

Jahrelang redeten sich die Europ\u00e4er ein, dass Russland eine Art verlorener Sohn sei und dass die europ\u00e4ische unipolare Ordnung gesund bleibe. Doch das machte Europa zu einem leichten Ziel f\u00fcr die Trennungs-und-Eroberungs-Strategie des Kreml. Erst vor relativ kurzer Zeit entwarf die Union eine neue Politik und ein robustes Sanktionsregime, um die russische Aggression abzuschrecken. Und selbst jetzt \u2013 trotz der besten Bem\u00fchungen der deutschen Bundeskanzlerin Angela Merkel und des franz\u00f6sischen Pr\u00e4sidenten Emmanuel Macron \u2013 hat die EU noch immer keine wirksamen Kommunikationskan\u00e4le mit Russland geschaffen, um gemeinsame Probleme anzugehen.<\/p>\n\n\n\n

Die T\u00fcrkei ist noch kein neues Russland, aber sie k\u00f6nnte dazu werden, wenn die Situation falsch gehandhabt wird. Vorerst betrachten die meisten Europ\u00e4er die T\u00fcrkei noch immer als einen komplizierten Partner und nicht als \"Systemrivalen\". Aber die Europ\u00e4er sollten die hart erk\u00e4mpften Lehren aus dem Umgang mit Russland in den letzten 15 Jahren beherzigen. Die Beziehungen zwischen der EU und der T\u00fcrkei brauchen neue, einvernehmlich vereinbarte Prinzipien sowie klare Grenzen, um eine weitere Destabilisierung in der Region zu verhindern.<\/p>\n\n\n\n

Zu diesem Zweck sollten die Europ\u00e4er klarstellen, dass der EU-Beitrittsprozess entweder zur\u00fcckgedreht oder vorangetrieben werden kann und dass eine eher transaktionale Beziehung sowohl Zuckerbrot als auch Peitsche beinhaltet. Die Herausforderung wird darin bestehen, daf\u00fcr zu sorgen, dass es in einer Region, die nicht nur von Europa und der T\u00fcrkei, sondern auch von Russland, den USA und einem aufstrebenden China beeinflusst wird, noch Raum f\u00fcr politisches Engagement in Fragen der gemeinsamen Sicherheit gibt. (Mark Leonard, \u00dcbersetzung: Eva G\u00f6llner, Copyright: Project Syndicate, 10.8.2020)<\/p>\n\n\n\n

Mark Leonard <\/strong>ist Direktor des Europ\u00e4ischen Rats f\u00fcr Ausw\u00e4rtige Beziehungen.<\/a><\/p>\n","post_title":"Erdo\u011fan \u2013 der andere Putin vor der Haust\u00fcr Europas","post_excerpt":"","post_status":"publish","comment_status":"closed","ping_status":"closed","post_password":"","post_name":"erdogan-der-andere-putin-vor-der-haustur-europas","to_ping":"","pinged":"","post_modified":"2025-02-02 08:39:39","post_modified_gmt":"2025-02-02 08:39:39","post_content_filtered":"","post_parent":0,"guid":"https:\/\/dctransparency.com\/?p=3789","menu_order":0,"post_type":"post","post_mime_type":"","comment_count":"0","filter":"raw"},{"ID":3786,"post_author":"7","post_date":"2020-08-14 13:51:23","post_date_gmt":"2020-08-14 13:51:23","post_content":"\n

Einen Monat nachdem ich zur israelischen Armee eingezogen worden war, brach die erste Intifada aus. Statt Soldat zu sein, machte ich Polizeiarbeit, sagte den Menschen, wann sie zur Arbeit gehen konnten und wann sie ihre L\u00e4den schlie\u00dfen mussten, wann sie die Grenze passieren und wann sie schlafen konnten. Einen Monat nachdem ich aus der Armee entlassen worden war, ging ich auf Reisen. (In Israel sagen wir: Wir dienen drei Jahre und versuchen den Rest unseres Lebens, diese drei Jahre zu vergessen.) Auf meiner Reise begann ich Briefe an meine Freundin zu schreiben, die ich in Israel zur\u00fcckgelassen hatte.<\/p>\n\n\n\n

Ich schrieb ihr, wie schrecklich depressiv ich war und dass diese drei Jahre des Anweisungenbellens und Anderen-Menschen-Sagens, was sie zu tun haben, mich f\u00fcr immer verfolgen w\u00fcrden. Dass sie ein Teil dessen geworden waren, was ich bin. Ich erinnere mich, dass ich ihr schrieb, dass wir da rausm\u00fcssen \u2013 nicht nur f\u00fcr die Pal\u00e4stinenser, sondern wegen der furchtbaren und brutalen Auswirkungen, die all das auf uns, auf die israelische Gesellschaft haben w\u00fcrde. Sie schrieb zur\u00fcck: \u201eDu hast recht. Ich habe einen neuen Freund.\u201c<\/p>\n\n\n\n

Felix Klein wurde als Beauftragter der Bundesregierung berufen<\/a>, um die Auswirkungen des zunehmenden Antisemitismus in unserer Gesellschaft, in Deutschland, zu bek\u00e4mpfen. Was nicht in seiner Jobbeschreibung steht, ist, dass er dabei unsere Gesellschaft heilen muss, jene Gesellschaft, die diese Form des Hasses reproduziert und sch\u00fctzt. Klein hat das begriffen.<\/p>\n\n\n\n

Er versteht, dass man Krebs nicht mit einem Pflaster verarztet, er wei\u00df, dass er das Bewusstsein der Deutschen sch\u00e4rfen und Diskussionen ansto\u00dfen muss. Er hat begriffen, dass das Problem nicht nur an den R\u00e4ndern der Gesellschaft (bei den Rechten) liegt, sondern auch in ihrer Mitte. Dort, wo gebildete Menschen nicht einmal bemerken, dass das, was sie sagen und tun, antisemitisch ist. So wie sie es auch nicht merken, wenn sie rassistisch handeln. Er hat all das verstanden, und genau deshalb wollen einige, dass er seinen Posten r\u00e4umt.<\/p>\n\n\n\n

Mehr als 60 deutsche und israelische Intellektuelle haben letzte Woche in einem Brief an Kanzlerin Merkel<\/a> dar\u00fcber geklagt, dass der aktuelle \u201eGebrauch des Antisemitismusbegriffs\u201c darauf abziele, \u201elegitime Kritik an der israelischen Regierungspolitik zu unterdr\u00fccken\u201c, und Klein vorgeworfen, rechtspopulistische israelische Stimmen zu f\u00f6rdern.<\/p>\n\n\n\n

Faszinierend an diesem offenen Brief ist, dass viele der Unterzeichneten keine Deutschen sind und auch nicht in Deutschland leben. Ich wei\u00df nicht, woher sie \u2013 die meisten von ihnen sind Israelis \u2013 die Chuzpe haben, sich in eine innerdeutsche Angelegenheit einzumischen und zu fordern, eine Person zu entlassen, die von der Bundesregierung eingesetzt wurde. Die H\u00e4lfte der Unterzeichneten lebt nicht hier, von der anderen H\u00e4lfte sind viele keine Juden \u2013 somit sind die allermeisten von ihnen nicht direkt vom Antisemitismus in Deutschland betroffen. Wie also k\u00f6nnen sie diesen Brief unterschreiben? Und warum eigentlich haben so wenige Deutsche unterschrieben? Dazu komme ich gleich.<\/p>\n\n\n\n

Debatte um Achille Mbembe<\/h6>\n\n\n\n

Hintergrund des Briefs war, dass Felix Klein gefordert hatte, den Philosophen Achille Mbembe<\/a> nicht die Er\u00f6ffnungsrede der Ruhrtriennale halten zu lassen. Als mit \u00f6ffentlichen Mitteln gef\u00f6rdertes Event solle die Ruhrtriennale Mbembe wegen seiner Haltung zu Israels Existenzrecht, seiner Haltung zu BDS und der Art, wie er in einem seiner Werke den Holocaust relativiert, nicht einladen.<\/p>\n\n\n\n

Mbembes Unterst\u00fctzer sagen, keine dieser Anschuldigungen sei wahr. F\u00fcrs Protokoll: In meinen Augen unterst\u00fctzt Mbembe sehr wohl BDS<\/a>, er schrieb unter anderem das Vorwort zu \u201eApartheid Israel\u201c und fordert die komplette Isolation Israels. Ich glaube auch, wenn Mbembe schreibt, die israelische Besetzung sei der \u201egr\u00f6\u00dfte moralische Skandal unserer Zeit\u201c, zeigt das, dass sein moralischer und geografischer Kompass etwas schief ist.<\/p>\n\n\n\n

Doch warum treibt die Debatte so viele Menschen um? Nun, zun\u00e4chst gibt niemand gern auf, was ihm oder ihr selbstverst\u00e4ndlich scheint. \u00dcber den gesamten politischen, sozialen, kulturellen, medialen und akademischen Sektor hinweg sind Menschen daran gew\u00f6hnt, so schlecht \u00fcber Israel sprechen zu k\u00f6nnen, wie auch immer sie wollen.<\/p>\n\n\n\n

Der Spiegel<\/em> hat \u2013 vielleicht in Anlehnung an seine Relotius-Standards, Israel erst k\u00fcrzlich eine Corona-Diktatur genannt. Fakten und Belege f\u00fcr diese Behauptung gab es nicht. Doch Millionen Deutsche haben es gelesen, und es wird nat\u00fcrlich haften bleiben. Faktenlage hin oder her. Der Spiegel<\/em> und andere Medien haben dieses Spiel perfektioniert: Titel so zu drehen, dass sie Israel indirekt anklagen, die Idee zu streuen, der Mossad kon\u00adtrol\u00adliere die deutsche Au\u00dfenpolitik im Nahen Osten, und so fort. Doch sie stehen allesamt sofort auf den Hinterbeinen, wenn jemand es wagt, das Spiel beim Namen zu nennen: moderner Antisemitismus.<\/p>\n\n\n\n

Klein will dem entgegenwirken. Er versteht, dass antisemitische Attacken in Deutschland die Fr\u00fcchte solch falsch gezeichneter Bilder und eindimensionaler Narrative \u00fcber Israel sind. Wenn er und andere versuchen, ein anderes Narrativ aufzuzeigen, wirft man ihnen Zensur vor: Wie k\u00f6nnen sie es wagen, das Gesch\u00e4ft der Anti-Israel-Propaganda zu st\u00f6ren?<\/p>\n\n\n\n

Liebe Deutsche, wenn ihr reden wollt, lasst uns gern reden: \u00fcber die Besetzung, \u00fcber Bibi und alles, was schiefl\u00e4uft. Aber dann lasst uns bitte auch dar\u00fcber reden, wie deutsche Steuergelder Terrortunnel finanzieren. Erst vergangene Woche r\u00e4umte die niederl\u00e4ndische Regierung ein, dass Gelder an eine Landwirtschaftsorganisation in Ramallah geflossen seien, die damit teilweise die Geh\u00e4lter zweier des Mordes an der 17-j\u00e4hrigen Israelin Rina Shnerb Verd\u00e4chtiger gezahlt haben. Auch die Bundesregierung unterst\u00fctzt diese Organisation, obwohl Kritiker schon lange vor Verbindungen zu Terroristen warnen.<\/p>\n\n\n\n

Wir k\u00f6nnen uns also gerne unterhalten \u2013 aber im Dialog, nicht in Monologen. Denn Reden unter Menschen, die sich einig sind, ist nichts anderes als Impotenz.<\/p>\n\n\n\n

Israelkritik als Eintrittskarte<\/h6>\n\n\n\n

Die Israelis, die die Petition unterzeichnet haben, haben \u00fcbrigens ebenfalls etwas verstanden. Seit Jahren wissen sie: Es ist ihre Eintrittskarte in die Mitte der deutschen (und europ\u00e4ischen) Gesellschaft. Man h\u00f6rt nicht oft von Akademikern mit proisraelischen Ansichten. Weder in den Philharmonie-Orchestern noch in der Kunstszene. Die Eintrittskarte daf\u00fcr ist ein antiisraelischer Standpunkt.<\/p>\n\n\n\n

Der mutma\u00dfliche Grund, warum kaum Deutsche die Petition unterzeichnet haben: Sie mussten es nicht. Ihre Lieblingsjuden haben es f\u00fcr sie getan. Jetzt k\u00f6nnen sie sagen: \u201eSchau, ich bin das ja nicht, meine j\u00fcdischen Freunde sagen es.\u201c Ich selbst war einige Jahre lang mit einem Paar hier in Berlin befreundet, bis ich herausfand, dass ich ihr Lieblingsjude war. Ja, selbst das j\u00fcdische Museum wurde so genutzt.<\/p>\n\n\n\n

Weil Attacken gegen Juden ein absolutes Tabu sind, wurden Umwege gefunden, um den Antisemitismus auf kleiner Flamme k\u00f6cheln zu lassen: die unfundierte, unbegr\u00fcndete Kritik an Israel.<\/p>\n\n\n\n

Diese Art der Kritik ist gef\u00e4hrlich. Sie schw\u00e4cht jede begr\u00fcndete und notwendige Kritik am Verhalten Israels. Und das Interessante ist: Trotz all der heftigen, pauschalisierenden Anklagen, all der offenen Briefe driftet Israel politisch immer weiter nach rechts. Doch statt mal einen anderen Ansatz zu versuchen, werden die antiisraelischen Stimmen nur lauter. Dasselbe versuchen und andere Ergebnisse davon erwarten \u2013 das ist die Definition von Wahnsinn.<\/p>\n\n\n\n

Kurz bevor der Prozess gegen den wegen des Attentats von Halle<\/a> Angeklagten begann \u2013 des seit Kriegsende schlimmsten Akts von Antisemitismus in Deutschland \u2013, lud eine Lokalzeitung den fr\u00fcheren Botschafter Shimon Stein und den Historiker Moshe Zimmermann ein, dar\u00fcber zu schreiben, was Antisemitismus ist. Nat\u00fcrlich wendeten auch sie sich gegen Felix Kleins Ansatz. Sie zitieren die Kontroverse um die Umbenennung der U-Bahn-Station Mohrenstra\u00dfe in Glinkastra\u00dfe, die sich darum drehte, dass der russische Komponist Michael Glinka Antisemit gewesen sein soll. Stein und Zimmermann halten die Debatte f\u00fcr \u00fcberzogen, Glinka sei nur ein Kind seiner Zeit gewesen. Folgt man ihrer Logik, k\u00f6nnen wir dann also in 20 oder 30 Jahren U-Bahn-Stationen nach den Kindern der 1930er Jahre benennen?<\/p>\n\n\n\n

Der Antisemit als Tierfreund<\/h6>\n\n\n\n

Ich w\u00fcnschte, die Sache h\u00e4tte mit dem Artikel, mit der Petition geendet. Doch dann erschien ein Artikel, der den Leser auf einen Waldspaziergang mit einem veganen Koch und Antisemiten mitnahm. Darin setzt der Tierfreund erst behutsam einen K\u00e4fer wieder auf seine Beinchen und erkl\u00e4rt dann, dass die Todesstrafe in Deutschland wieder eingef\u00fchrt werden solle, um einen gewissen Politiker (der zuf\u00e4llig pro Israel ist) an seinen Hoden aufh\u00e4ngen zu k\u00f6nnen. Dieser Koch hat Hunderttausende Follower, er sagt all solche Dinge am helllichten Tag in Berlin. Und in den Medien.<\/p>\n\n\n\n

F\u00e4lle wie dieser handeln bereits von Gewalt \u2013 und sie enden nicht bei den Juden. Der Hass richtet sich gegen Frauen<\/a>, Muslime, Gefl\u00fcchtete, \u00adLBTQI. Am Ende aller theoretischen Debatten stehen immer echte Menschen. Am Ende jeder Konferenz dar\u00fcber, was Antisemitismus ausmacht, steht ein potenzielles j\u00fcdisches Opfer. Angesichts einer Welle von Antisemitismus \u00fcber die Definition von Antisemitismus zu streiten ist, wie eine 10 Meter hohe Welle heranrollen zu sehen und dar\u00fcber zu streiten, was einen Tsunami ausmacht.<\/p>\n\n\n\n

Felix Klein versteht, wie absurd es ist, zu sagen: Es sind nur die Rechten. Die Rechten sind Deutsche, so wie die Nazis Deutsche waren. Klein versteht, dass die Deutschen nicht aufgeh\u00f6rt haben, Juden zu ermorden, weil sie irgendeine Art von Erleuchtung hatten. Sondern schlicht, weil sie den Krieg verloren haben. Um den Antisemitismus zu bek\u00e4mpfen, bevor er die Gesellschaft frisst, in der er und wir leben, muss Deutschland seinen moralischen Kompass korrigieren.<\/p>\n\n\n\n

Immerhin: Mehr und mehr Deutsche fahren nach Israel, sie wollen ein anderes Narrativ h\u00f6ren. Mehr und mehr Deutsche verstehen, dass Antisemitismus Schockwellen ausl\u00f6st, die die gesamte Gesellschaft betreffen. In einem normalen Universum w\u00fcrde Klein bef\u00f6rdert werden f\u00fcr seine Leistung. In einer verdrehten Gesellschaft fordern Menschen seine Entlassung. Um es mit Mbembe zu sagen: Das ist Nano-Nonsens.<\/p>\n\n\n\n

\u00dcbersetzung: Ariane Lemme<\/a><\/em><\/p>\n","post_title":"Felix Klein hat verstanden","post_excerpt":"","post_status":"publish","comment_status":"closed","ping_status":"closed","post_password":"","post_name":"felix-klein-hat-verstanden","to_ping":"","pinged":"","post_modified":"2025-02-02 08:39:39","post_modified_gmt":"2025-02-02 08:39:39","post_content_filtered":"","post_parent":0,"guid":"https:\/\/dctransparency.com\/?p=3786","menu_order":0,"post_type":"post","post_mime_type":"","comment_count":"0","filter":"raw"}],"next":false,"prev":true,"total_page":47},"paged":1,"column_class":"jeg_col_2o3","class":"epic_block_3"};

\n

Die \u00e4gyptische Regierung antwortete nicht auf die Bitte der BBC um Stellungnahme.<\/p>\n\n\n\n

Ist ausl\u00e4ndisches milit\u00e4risches Engagement \u00fcberraschend?<\/strong><\/p>\n\n\n\n

Sowohl die Vereinigten Arabischen Emirate als auch \u00c4gypten nahmen an einer von Bundeskanzlerin Angela Merkel im Januar dieses Jahres in Berlin einberufenen Konferenz \u00fcber Libyen teil, auf der sie ihre Unterst\u00fctzung f\u00fcr den UN-Friedensprozess bekr\u00e4ftigten und sich bereit erkl\u00e4rten, nicht in den Libyen-Krieg einzugreifen.<\/p>\n\n\n\n

Im vergangenen Jahr gab es jedoch eine Eskalation des Einsatzes von Drohnen durch beide Seiten des Konflikts.<\/p>\n\n\n\n

Ghassan Salam\u00e9, der fr\u00fchere Leiter der UN-Mission in Libyen, beschrieb dies als \"m\u00f6glicherweise das gr\u00f6\u00dfte Drohnenkriegstheater der Welt\".<\/p>\n\n\n\n

Die VAE sind nicht die einzige ausl\u00e4ndische Macht, die an diesem Konflikt beteiligt ist.<\/p>\n\n\n\n

Anfang dieses Jahres gab BBC Africa Eye bekannt, dass die T\u00fcrkei auch gegen das Waffenembargo der Vereinten Nationen gegen Libyen versto\u00dfen hat, indem sie geheime Waffenlieferungen an die von den Vereinten Nationen anerkannte Regierung in Tripolis gesendet hat.<\/p>\n\n\n\n

Mit Unterst\u00fctzung der T\u00fcrkei hat die von den Vereinten Nationen anerkannte Regierung des Nationalen Abkommens nun die LNA von Gen Haftar aus der Gegend um Tripolis zur\u00fcckgeschlagen.<\/p>\n","post_title":"BBC-Untersuchung: VAE in t\u00f6dlichen Angriff in Libyen verwickelt","post_excerpt":"","post_status":"publish","comment_status":"closed","ping_status":"closed","post_password":"","post_name":"bbc-untersuchung-vae-in-todlichen-angriff-in-libyen-verwickelt","to_ping":"","pinged":"","post_modified":"2025-02-02 08:39:39","post_modified_gmt":"2025-02-02 08:39:39","post_content_filtered":"","post_parent":0,"guid":"https:\/\/dctransparency.com\/?p=3811","menu_order":0,"post_type":"post","post_mime_type":"","comment_count":"0","filter":"raw"},{"ID":3792,"post_author":"7","post_date":"2020-08-14 13:58:48","post_date_gmt":"2020-08-14 13:58:48","post_content":"\n

Die Hagia Sophia war (ist) ein kulturelles Weltwunder und aufgeladen mit symbolischer Bedeutung, f\u00fcr die Christenheit ebenso wie f\u00fcr den Islam \u2013 und den t\u00fcrkischen Nationalismus. Als Mehmed II. sie betrat, war sie schon fast 1000 Jahre die gr\u00f6\u00dfte Kirche der christlichen Welt und das Zentrum der orthodoxen Glaubensrichtung. Die \"Ayasofya\", wie sie dann hie\u00df, war 500 Jahre lang Moschee \u2013 bis 1934, als Kemal Pascha Atat\u00fcrk, der \"Vater\" der modernen T\u00fcrkei, sie in ein Museum verwandelte, in der ausdr\u00fccklichen Absicht, auch hier mit dem osmanischen Erbe zu brechen.<\/p>\n\n\n\n

Nun wird Pr\u00e4sident Recep Tayyip Erdo\u011fan, der \"Vater\" der re-islamisierten T\u00fcrkei, am 24. Juli dieses Jahres die Ayasofya durch das Freitagsgebet wieder in den Islam eingliedern. Oder eher in seinen pers\u00f6nlichen religi\u00f6sen Nationalismus.<\/p>\n\n\n\n

Welterbe von allen<\/h3>\n\n\n\n

Wie bedeutungsschwer ist dieser Akt eines \"starken Mannes\", der innenpolitisch deutlich schw\u00e4chelt? Die Proteste vor allem aus der orthodoxen Welt, aber auch aus Europa und den USA sind eher traurig als w\u00fctend. Der Papst dr\u00fcckte seinen \"Schmerz\" aus. Auch der Jubel in der islamischen Welt fiel zun\u00e4chst weniger \u00fcbersch\u00e4umend als erwartet aus.<\/p>\n\n\n\n

Ist es der Alleingang eines Autokraten in Bedr\u00e4ngnis oder ist \"der Jubel \u00fcber die Eroberung der Hagia Sophia der Versuch einer zutiefst erniedrigten, vom Gef\u00fchl der Wertlosigkeit dominierten und in ihrer eigenen Selbstberechtigung beraubten Gesellschaft, eine Bedeutung, eine St\u00e4rke, ein Selbstwertgef\u00fchl zu finden\"? So recht pauschalierend der in Deutschland lebende pal\u00e4stinensische Intellektuelle und Psychiater Ahmad Mansour.<\/p>\n\n\n\n

Die beiden Gro\u00dfreiche, das byzantinische und das osmanische, sind l\u00e4ngst versunken.<\/p><\/blockquote>\n\n\n\n

Das eigentliche Schl\u00fcsselwort im Zusammenhang mit der Hagia Sofia ist \"Welterbe\". Das Erbe von allen. Einmal im kulturellen Sinn der Unesco, aber in Wahrheit weiter gefasst. Das einzigartige Bauwerk geh\u00f6rt in Wirklichkeit der ganzen Welt, nicht der einen oder anderen Religion. Die beiden Gro\u00dfreiche, f\u00fcr die die Hagia Sofia der zentrale spirituelle Bau war, das byzantinische und das osmanische, sind l\u00e4ngst versunken. Seither hat sie eine neue, \u00fcbernationale Dimension erhalten. Was Erdo\u011fan da jetzt mit der Hagia Sofia macht, ist eine Verengung und Verarmung eines gemeinsamen Welterbes.<\/p>\n\n\n\n

\"\"\/
Betende Muslime vor der Hagia Sophia.<\/figcaption><\/figure>\n\n\n\n

Davon abgesehen aber war und ist sie ein architektonisches Meisterwerk und geh\u00f6rt zu den bedeutendsten Bauten der Welt. Wer heute den Zentralraum unter der Kuppel betritt, kann sich nur schwer dem zugleich majest\u00e4tischen wie schwebenden Gesamteindruck entziehen. Die Hagia Sophia blieb fast 1000 Jahre die gr\u00f6\u00dfte Kirche der Christenheit. Technisch war die Kuppel (mit mehreren Halbkuppeln) eine \u00fcberaus riskante Innovation: Die 55 Meter hohe und 32 Meter im Durchmesser breite Kuppel ruht auf nur vier Tragpunkten, was den schwebenden, schwerelosen Eindruck erzeugt. Die Konstruktion folgt einem mathematischen Prinzip, das erst k\u00fcrzlich entschl\u00fcsselt wurde.<\/p>\n\n\n\n

\"Salomo, ich habe dich \u00fcbertroffen!\"<\/p><\/blockquote>\n\n\n\n

Als Kaiser Justinian die Hagia Sophia nach nur f\u00fcnf Jahren Bauzeit (532\u2013537) betrat, soll er in Anspielung auf den Tempel in Jerusalem ausgerufen haben: \"Salomo, ich habe dich \u00fcbertroffen!\" Die Innenausstattung war mit ihren S\u00e4ulen aus Porphyr und gr\u00fcnem Marmor, mit Mosaiken aus Gold und Halbedelsteinen derart prunkvoll, der Gesamteindruck derart \u00fcberirdisch, dass eine Delegation des Gro\u00dff\u00fcrsten von Kiew nicht mehr wusste, \"ob wir im Himmel oder auf der Erde\" waren \u2013 was die Christianisierung Russlands bef\u00f6rderte.<\/p>\n\n\n\n

Der deutsche Architekturlehrer Holger Kleine nennt die Hagia Sophia \"absolute Architektur\", weil sie \"extreme Ausdrucksformen nahezu aller dramaturgischen Mittel, die der Architektur zur Verf\u00fcgung stehen, vereinigt: wuchtigste K\u00f6rper und luftigste R\u00e4ume, engste Enge und gr\u00f6\u00dfte Weite, w\u00e4rmende Helligkeit und mystisches Dunkel\". Und die Kuppelbauten aus der sp\u00e4teren Hochbl\u00fcte der Moscheenarchitektur im 16. und 17. Jahrhundert gehen eindeutig auf die Hagia Sophia zur\u00fcck.<\/p>\n\n\n\n

Die Hagia Sophia war Staatskirche des byzantinischen Reichs. F\u00fcr die Eroberer der letzte Schlussstein in der Kuppel osmanisch-muslimischen Herrschaftsanspruchs. Konstantinopel war ja 1453 nur noch eine isolierte, heruntergekommene Enklave in einem osmanischen Umfeld, kein christliches Heer kam zu Hilfe. Doch vorher war es zugleich Sperrriegel nach Osten und Geistesarchiv der antiken Kultur gewesen. \"Ohne Byzanz h\u00e4tte es kein Europa gegeben\", sagt die britische Altertumsforscherin Judith Herrin.<\/p>\n\n\n\n

\"\"\/
Freigelegtes Mosaik von \"Christos Pantokrator\".<\/figcaption><\/figure>\n\n\n\n

Neue Fragen<\/h3>\n\n\n\n

Die Kirche wurde von Mehmed II. und Nachfolgern nicht in der Substanz zerst\u00f6rt, sondern \"entchristlicht\". Die urspr\u00fcnglich \u00fcbert\u00fcnchten oder auch abgeschlagenen Mosaiken mit den Darstellungen von Christus, der Muttergottes, diversen Kaisern kamen zum Teil schon unter einem Sultan des 19. Jahrhunderts, dann gro\u00dfteils nach der Museumswidmung wieder zum Vorschein.<\/p>\n\n\n\n

Jetzt stellen sich neue symbolisch-praktische Fragen. Erdo\u011fan hat die Hagia Sophia der konservativen staatlichen Religionsbeh\u00f6rde Diyanet unterstellt. Die byzantinischen Mosaike, wie der gro\u00dfartige \"Christos Pantokrator\" (\"Weltenherrscher\") oder die Jungfrau Maria in der Apsis, m\u00fcssen wohl w\u00e4hrend des islamischen Gottesdiensts verh\u00e4ngt werden. Muss der Boden mit seinen Marmorplatten und Mosaiken mit einem Teppich bedeckt werden? Erdo\u011fan sagt, Touristen seien nach wie vor zugelassen. Aber sie werden wohl hinter Absperrungen bleiben m\u00fcssen. Frauen werden \u2013 wie in der benachbarten \"Blauen Moschee\" (\"Sultanahmed\") Kopftuch tragen m\u00fcssen.<\/p>\n\n\n\n

\"\"\/
Erdo\u011fan mit Gattin in der Hagia Sophia.<\/figcaption><\/figure>\n\n\n\n

Erdo\u011fans neue Abenteuer<\/strong><\/h3>\n\n\n\n

Aber wird da nicht doch zu viel in einen Formalakt rund um ein uraltes Bauwerk hineininterpretiert? Im geschichtlichen Kontext relativiert sich manches: Konstantinopel wurde schon von Christen erobert und ausgepl\u00fcndert \u2013 1204 im Vierten Kreuzzug. In der Moschee von Cordoba (\"Mezquita\") bauten die Katholiken eine ganze Kirche in den ber\u00fchmten S\u00e4ulenwald hinein. Die Mezquita ist heute noch Kirche, kein Museum.<\/p>\n\n\n\n

\"Das ist der Beweis, dass wir kein s\u00e4kularer Staat mehr sein wollen\", sagt Nobelpreistr\u00e4ger Orhan Pamuk. Erdo\u011fan betrachtet sich offenbar als auch neoosmanischer \"Fatih\" im Mittelmeerraum mit immer neuen Abenteuern: Eingreifen in Syrien, Stellvertreterkrieg in Libyen, Anspr\u00fcche auf Erdgasvorkommen weit vor der t\u00fcrkischen K\u00fcste bei Zypern, Reden, wonach manche \u00c4g\u00e4is-Inseln eigentlich zur T\u00fcrkei geh\u00f6ren, \"denn dort stehen unsere Moscheen\". Manches davon ist nur Rhetorik, aber genug anderes ist riskante Realit\u00e4t. (Hans Rauscher, 14.7.2020)<\/p>\n\n\n\n

Quelle<\/a><\/strong><\/p>\n","post_title":"Hagia Sophia: Verengung und Verarmung eines Welterbes","post_excerpt":"","post_status":"publish","comment_status":"closed","ping_status":"closed","post_password":"","post_name":"hagia-sophia-verengung-und-verarmung-eines-welterbes","to_ping":"","pinged":"","post_modified":"2025-02-02 08:39:39","post_modified_gmt":"2025-02-02 08:39:39","post_content_filtered":"","post_parent":0,"guid":"https:\/\/dctransparency.com\/?p=3792","menu_order":0,"post_type":"post","post_mime_type":"","comment_count":"0","filter":"raw"},{"ID":3789,"post_author":"7","post_date":"2020-08-14 13:56:07","post_date_gmt":"2020-08-14 13:56:07","post_content":"\n

Im Gastkommentar pocht Mark Leonard, Direktor des Europ\u00e4ischen Rats f\u00fcr Ausw\u00e4rtige Beziehungen, auf \"neue, einvernehmlich vereinbarte Prinzipien sowie klare Grenzen\", nur so k\u00f6nne eine weitere Destabilisierung in der Region verhindert werden.<\/em><\/strong><\/p>\n\n\n\n

Ist die T\u00fcrkei das neue Russland? Diese Frage wird in den europ\u00e4ischen Hauptst\u00e4dten zunehmend gestellt, da die Au\u00dfenpolitik des t\u00fcrkischen Pr\u00e4sidenten Recep Tayyip Erdo\u011fan zunehmend aggressiver wird. Erdo\u011fan nutzt nicht nur die Migration, um die EU zu bedrohen und zu betr\u00fcgen, sondern setzt auch milit\u00e4rische Macht ein, um den Einflussbereich der T\u00fcrkei auf die gesamte Region auszudehnen.<\/p>\n\n\n\n

Seit dem Ende des Kalten Krieges haben die Europ\u00e4er die regionale Sicherheit durch eine unipolare westliche Linse betrachtet. W\u00e4hrend die Nato die milit\u00e4rische Sicherheit garantierte, sorgte die EU mit ihrem 80.000 Seiten starken Regelwerk f\u00fcr alles von LGBTQ-Rechten bis hin zu Rasenm\u00e4her-Sound-Verordnungen f\u00fcr Rechtsordnung. In den 90er-Jahren ging man allgemein davon aus, dass die beiden gro\u00dfen nichtwestlichen regionalen Akteure, Russland und die T\u00fcrkei, nach und nach an diese Regelungen herangef\u00fchrt werden w\u00fcrden.<\/p>\n\n\n\n

Qu\u00e4lende Hassliebe<\/h3>\n\n\n\n

Doch in den letzten 15 Jahren ist der Traum von der europ\u00e4ischen Unipolarit\u00e4t einer multipolaren Realit\u00e4t gewichen. Sowohl Russland als auch die T\u00fcrkei haben eine lange, qu\u00e4lende Hassliebe zu Europa, und beide sind unter nationalen Machthabern, denen die Verachtung der Normen und Werte der EU gemeinsam ist, durchsetzungsf\u00e4higer geworden.<\/p>\n\n\n\n

Die zunehmende Verschlechterung der Beziehungen zwischen der EU und Russland ist gut dokumentiert, der Fall der T\u00fcrkei weniger. Der Irakkrieg im Jahr 2003 komplizierte das Verh\u00e4ltnis der T\u00fcrkei zur Nato, und ihr Verh\u00e4ltnis zur EU verschlechterte sich 2007, als Frankreich einen wichtigen Teil ihrer EU-Beitrittsverhandlungen blockierte. Seitdem hat die T\u00fcrkei ihren eigenen Weg in Syrien, auf dem Balkan und in Libyen eingeschlagen und neue Beziehungen zu Russland und China aufgebaut.<\/p>\n\n\n\n

Wichtiger Akteur<\/strong><\/h3>\n\n\n\n

Nat\u00fcrlich sind die Beziehungen zwischen der T\u00fcrkei und Russland nicht weniger kompliziert, nicht zuletzt weil Erdo\u011fan und der russische Pr\u00e4sident Wladimir Putin im syrischen B\u00fcrgerkrieg verschiedene Seiten unterst\u00fctzten.Und w\u00e4hrend die Spannungen wegen des Syrien-Konflikts weiterhin bestehen, bewundert Erdo\u011fan deutlich, wie Russland sich \u2013 bei relativ geringen Kosten \u2013 wieder als wichtiger Akteur im Nahen Osten und in Nordafrika etabliert hat.<\/p>\n\n\n\n

Nachdem er in einen nicht zu gewinnenden Krieg im Osten der Ukraine verwickelt war, schien Putins weitgehend erfolgreicher Feldzug in Syrien einen Teil seiner innenpolitischen Autorit\u00e4t wiederherzustellen. Der Westen hatte f\u00fcnf Jahre lang darauf bestanden, dass es keine milit\u00e4rische L\u00f6sung des Konflikts gebe und dass der syrische Pr\u00e4sident Baschar al-Assad gehen m\u00fcsse. Doch w\u00e4hrend die von den Vereinten Nationen unterst\u00fctzten Gespr\u00e4che in Genf zu keinem Ergebnis f\u00fchrten, schienen die von Russland geleiteten Gespr\u00e4che in Astana voranzukommen. Indem der Kreml die T\u00fcrkei und den Iran einbezog, w\u00e4hrend er die westlichen M\u00e4chte ausschloss, erweckte er den Eindruck, dass Russland als wiedergeborene Supermacht aus der Asche auferstanden sei.<\/p>\n\n\n\n

Unter Druck<\/h3>\n\n\n\n

Angesichts des wachsenden Widerstands im eigenen Land macht es Erdo\u011fan Putin gleich. Da der Westen nicht bereit war, (erneut) milit\u00e4risch in Libyen zu intervenieren, sah Erdo\u011fan eine Gelegenheit, die T\u00fcrkei zu positionieren. Nach dem Vorgehen Russlands in Syrien sicherte er sich eine formelle Einladung der libyschen Regierung zur Intervention. Mit einem Schlag Ende letzten Jahres hat er nicht nur das Image der T\u00fcrkei als Regionalmacht gest\u00e4rkt, sondern auch ein Abkommen mit Libyen \u00fcber die Seegrenze abgeschlossen und damit einen Plan Griechenlands, Zyperns, \u00c4gyptens und Israels zur Erschlie\u00dfung von Unterwasser\u00f6l- und -gasfeldern in der N\u00e4he zunichtegemacht.<\/p>\n\n\n\n

Erdo\u011fan scheint auch von der Spalt-und-Eroberungs-Strategie des Kreml in Europa inspiriert worden zu sein, der zufolge oft diejenigen EU-Mitgliedsstaaten unter Druck gesetzt werden, die am meisten von russischen Kohlenwasserstoffen oder M\u00e4rkten abh\u00e4ngig sind. So wie Putin lange Zeit die Energieversorgung instrumentalisiert hat, hat Erdo\u011fan versucht, den Strom von Migranten und Fl\u00fcchtlingen, die vor Konflikten im Nahen Osten fliehen, zu instrumentalisieren. Als die EU eine neue Marinemission ank\u00fcndigte, um den Waffenstrom nach Libyen zu blockieren, malte die T\u00fcrkei f\u00fcr Malta das Schreckgespenst der angeblichen Bedrohung durch Migranten an die Wand. Malta reagierte prompt und signalisierte, dass es gegen die Finanzierung der Mission ein Veto einlegen werde.<\/p>\n\n\n\n

Verlorener Sohn<\/strong><\/h3>\n\n\n\n

Jahrelang redeten sich die Europ\u00e4er ein, dass Russland eine Art verlorener Sohn sei und dass die europ\u00e4ische unipolare Ordnung gesund bleibe. Doch das machte Europa zu einem leichten Ziel f\u00fcr die Trennungs-und-Eroberungs-Strategie des Kreml. Erst vor relativ kurzer Zeit entwarf die Union eine neue Politik und ein robustes Sanktionsregime, um die russische Aggression abzuschrecken. Und selbst jetzt \u2013 trotz der besten Bem\u00fchungen der deutschen Bundeskanzlerin Angela Merkel und des franz\u00f6sischen Pr\u00e4sidenten Emmanuel Macron \u2013 hat die EU noch immer keine wirksamen Kommunikationskan\u00e4le mit Russland geschaffen, um gemeinsame Probleme anzugehen.<\/p>\n\n\n\n

Die T\u00fcrkei ist noch kein neues Russland, aber sie k\u00f6nnte dazu werden, wenn die Situation falsch gehandhabt wird. Vorerst betrachten die meisten Europ\u00e4er die T\u00fcrkei noch immer als einen komplizierten Partner und nicht als \"Systemrivalen\". Aber die Europ\u00e4er sollten die hart erk\u00e4mpften Lehren aus dem Umgang mit Russland in den letzten 15 Jahren beherzigen. Die Beziehungen zwischen der EU und der T\u00fcrkei brauchen neue, einvernehmlich vereinbarte Prinzipien sowie klare Grenzen, um eine weitere Destabilisierung in der Region zu verhindern.<\/p>\n\n\n\n

Zu diesem Zweck sollten die Europ\u00e4er klarstellen, dass der EU-Beitrittsprozess entweder zur\u00fcckgedreht oder vorangetrieben werden kann und dass eine eher transaktionale Beziehung sowohl Zuckerbrot als auch Peitsche beinhaltet. Die Herausforderung wird darin bestehen, daf\u00fcr zu sorgen, dass es in einer Region, die nicht nur von Europa und der T\u00fcrkei, sondern auch von Russland, den USA und einem aufstrebenden China beeinflusst wird, noch Raum f\u00fcr politisches Engagement in Fragen der gemeinsamen Sicherheit gibt. (Mark Leonard, \u00dcbersetzung: Eva G\u00f6llner, Copyright: Project Syndicate, 10.8.2020)<\/p>\n\n\n\n

Mark Leonard <\/strong>ist Direktor des Europ\u00e4ischen Rats f\u00fcr Ausw\u00e4rtige Beziehungen.<\/a><\/p>\n","post_title":"Erdo\u011fan \u2013 der andere Putin vor der Haust\u00fcr Europas","post_excerpt":"","post_status":"publish","comment_status":"closed","ping_status":"closed","post_password":"","post_name":"erdogan-der-andere-putin-vor-der-haustur-europas","to_ping":"","pinged":"","post_modified":"2025-02-02 08:39:39","post_modified_gmt":"2025-02-02 08:39:39","post_content_filtered":"","post_parent":0,"guid":"https:\/\/dctransparency.com\/?p=3789","menu_order":0,"post_type":"post","post_mime_type":"","comment_count":"0","filter":"raw"},{"ID":3786,"post_author":"7","post_date":"2020-08-14 13:51:23","post_date_gmt":"2020-08-14 13:51:23","post_content":"\n

Einen Monat nachdem ich zur israelischen Armee eingezogen worden war, brach die erste Intifada aus. Statt Soldat zu sein, machte ich Polizeiarbeit, sagte den Menschen, wann sie zur Arbeit gehen konnten und wann sie ihre L\u00e4den schlie\u00dfen mussten, wann sie die Grenze passieren und wann sie schlafen konnten. Einen Monat nachdem ich aus der Armee entlassen worden war, ging ich auf Reisen. (In Israel sagen wir: Wir dienen drei Jahre und versuchen den Rest unseres Lebens, diese drei Jahre zu vergessen.) Auf meiner Reise begann ich Briefe an meine Freundin zu schreiben, die ich in Israel zur\u00fcckgelassen hatte.<\/p>\n\n\n\n

Ich schrieb ihr, wie schrecklich depressiv ich war und dass diese drei Jahre des Anweisungenbellens und Anderen-Menschen-Sagens, was sie zu tun haben, mich f\u00fcr immer verfolgen w\u00fcrden. Dass sie ein Teil dessen geworden waren, was ich bin. Ich erinnere mich, dass ich ihr schrieb, dass wir da rausm\u00fcssen \u2013 nicht nur f\u00fcr die Pal\u00e4stinenser, sondern wegen der furchtbaren und brutalen Auswirkungen, die all das auf uns, auf die israelische Gesellschaft haben w\u00fcrde. Sie schrieb zur\u00fcck: \u201eDu hast recht. Ich habe einen neuen Freund.\u201c<\/p>\n\n\n\n

Felix Klein wurde als Beauftragter der Bundesregierung berufen<\/a>, um die Auswirkungen des zunehmenden Antisemitismus in unserer Gesellschaft, in Deutschland, zu bek\u00e4mpfen. Was nicht in seiner Jobbeschreibung steht, ist, dass er dabei unsere Gesellschaft heilen muss, jene Gesellschaft, die diese Form des Hasses reproduziert und sch\u00fctzt. Klein hat das begriffen.<\/p>\n\n\n\n

Er versteht, dass man Krebs nicht mit einem Pflaster verarztet, er wei\u00df, dass er das Bewusstsein der Deutschen sch\u00e4rfen und Diskussionen ansto\u00dfen muss. Er hat begriffen, dass das Problem nicht nur an den R\u00e4ndern der Gesellschaft (bei den Rechten) liegt, sondern auch in ihrer Mitte. Dort, wo gebildete Menschen nicht einmal bemerken, dass das, was sie sagen und tun, antisemitisch ist. So wie sie es auch nicht merken, wenn sie rassistisch handeln. Er hat all das verstanden, und genau deshalb wollen einige, dass er seinen Posten r\u00e4umt.<\/p>\n\n\n\n

Mehr als 60 deutsche und israelische Intellektuelle haben letzte Woche in einem Brief an Kanzlerin Merkel<\/a> dar\u00fcber geklagt, dass der aktuelle \u201eGebrauch des Antisemitismusbegriffs\u201c darauf abziele, \u201elegitime Kritik an der israelischen Regierungspolitik zu unterdr\u00fccken\u201c, und Klein vorgeworfen, rechtspopulistische israelische Stimmen zu f\u00f6rdern.<\/p>\n\n\n\n

Faszinierend an diesem offenen Brief ist, dass viele der Unterzeichneten keine Deutschen sind und auch nicht in Deutschland leben. Ich wei\u00df nicht, woher sie \u2013 die meisten von ihnen sind Israelis \u2013 die Chuzpe haben, sich in eine innerdeutsche Angelegenheit einzumischen und zu fordern, eine Person zu entlassen, die von der Bundesregierung eingesetzt wurde. Die H\u00e4lfte der Unterzeichneten lebt nicht hier, von der anderen H\u00e4lfte sind viele keine Juden \u2013 somit sind die allermeisten von ihnen nicht direkt vom Antisemitismus in Deutschland betroffen. Wie also k\u00f6nnen sie diesen Brief unterschreiben? Und warum eigentlich haben so wenige Deutsche unterschrieben? Dazu komme ich gleich.<\/p>\n\n\n\n

Debatte um Achille Mbembe<\/h6>\n\n\n\n

Hintergrund des Briefs war, dass Felix Klein gefordert hatte, den Philosophen Achille Mbembe<\/a> nicht die Er\u00f6ffnungsrede der Ruhrtriennale halten zu lassen. Als mit \u00f6ffentlichen Mitteln gef\u00f6rdertes Event solle die Ruhrtriennale Mbembe wegen seiner Haltung zu Israels Existenzrecht, seiner Haltung zu BDS und der Art, wie er in einem seiner Werke den Holocaust relativiert, nicht einladen.<\/p>\n\n\n\n

Mbembes Unterst\u00fctzer sagen, keine dieser Anschuldigungen sei wahr. F\u00fcrs Protokoll: In meinen Augen unterst\u00fctzt Mbembe sehr wohl BDS<\/a>, er schrieb unter anderem das Vorwort zu \u201eApartheid Israel\u201c und fordert die komplette Isolation Israels. Ich glaube auch, wenn Mbembe schreibt, die israelische Besetzung sei der \u201egr\u00f6\u00dfte moralische Skandal unserer Zeit\u201c, zeigt das, dass sein moralischer und geografischer Kompass etwas schief ist.<\/p>\n\n\n\n

Doch warum treibt die Debatte so viele Menschen um? Nun, zun\u00e4chst gibt niemand gern auf, was ihm oder ihr selbstverst\u00e4ndlich scheint. \u00dcber den gesamten politischen, sozialen, kulturellen, medialen und akademischen Sektor hinweg sind Menschen daran gew\u00f6hnt, so schlecht \u00fcber Israel sprechen zu k\u00f6nnen, wie auch immer sie wollen.<\/p>\n\n\n\n

Der Spiegel<\/em> hat \u2013 vielleicht in Anlehnung an seine Relotius-Standards, Israel erst k\u00fcrzlich eine Corona-Diktatur genannt. Fakten und Belege f\u00fcr diese Behauptung gab es nicht. Doch Millionen Deutsche haben es gelesen, und es wird nat\u00fcrlich haften bleiben. Faktenlage hin oder her. Der Spiegel<\/em> und andere Medien haben dieses Spiel perfektioniert: Titel so zu drehen, dass sie Israel indirekt anklagen, die Idee zu streuen, der Mossad kon\u00adtrol\u00adliere die deutsche Au\u00dfenpolitik im Nahen Osten, und so fort. Doch sie stehen allesamt sofort auf den Hinterbeinen, wenn jemand es wagt, das Spiel beim Namen zu nennen: moderner Antisemitismus.<\/p>\n\n\n\n

Klein will dem entgegenwirken. Er versteht, dass antisemitische Attacken in Deutschland die Fr\u00fcchte solch falsch gezeichneter Bilder und eindimensionaler Narrative \u00fcber Israel sind. Wenn er und andere versuchen, ein anderes Narrativ aufzuzeigen, wirft man ihnen Zensur vor: Wie k\u00f6nnen sie es wagen, das Gesch\u00e4ft der Anti-Israel-Propaganda zu st\u00f6ren?<\/p>\n\n\n\n

Liebe Deutsche, wenn ihr reden wollt, lasst uns gern reden: \u00fcber die Besetzung, \u00fcber Bibi und alles, was schiefl\u00e4uft. Aber dann lasst uns bitte auch dar\u00fcber reden, wie deutsche Steuergelder Terrortunnel finanzieren. Erst vergangene Woche r\u00e4umte die niederl\u00e4ndische Regierung ein, dass Gelder an eine Landwirtschaftsorganisation in Ramallah geflossen seien, die damit teilweise die Geh\u00e4lter zweier des Mordes an der 17-j\u00e4hrigen Israelin Rina Shnerb Verd\u00e4chtiger gezahlt haben. Auch die Bundesregierung unterst\u00fctzt diese Organisation, obwohl Kritiker schon lange vor Verbindungen zu Terroristen warnen.<\/p>\n\n\n\n

Wir k\u00f6nnen uns also gerne unterhalten \u2013 aber im Dialog, nicht in Monologen. Denn Reden unter Menschen, die sich einig sind, ist nichts anderes als Impotenz.<\/p>\n\n\n\n

Israelkritik als Eintrittskarte<\/h6>\n\n\n\n

Die Israelis, die die Petition unterzeichnet haben, haben \u00fcbrigens ebenfalls etwas verstanden. Seit Jahren wissen sie: Es ist ihre Eintrittskarte in die Mitte der deutschen (und europ\u00e4ischen) Gesellschaft. Man h\u00f6rt nicht oft von Akademikern mit proisraelischen Ansichten. Weder in den Philharmonie-Orchestern noch in der Kunstszene. Die Eintrittskarte daf\u00fcr ist ein antiisraelischer Standpunkt.<\/p>\n\n\n\n

Der mutma\u00dfliche Grund, warum kaum Deutsche die Petition unterzeichnet haben: Sie mussten es nicht. Ihre Lieblingsjuden haben es f\u00fcr sie getan. Jetzt k\u00f6nnen sie sagen: \u201eSchau, ich bin das ja nicht, meine j\u00fcdischen Freunde sagen es.\u201c Ich selbst war einige Jahre lang mit einem Paar hier in Berlin befreundet, bis ich herausfand, dass ich ihr Lieblingsjude war. Ja, selbst das j\u00fcdische Museum wurde so genutzt.<\/p>\n\n\n\n

Weil Attacken gegen Juden ein absolutes Tabu sind, wurden Umwege gefunden, um den Antisemitismus auf kleiner Flamme k\u00f6cheln zu lassen: die unfundierte, unbegr\u00fcndete Kritik an Israel.<\/p>\n\n\n\n

Diese Art der Kritik ist gef\u00e4hrlich. Sie schw\u00e4cht jede begr\u00fcndete und notwendige Kritik am Verhalten Israels. Und das Interessante ist: Trotz all der heftigen, pauschalisierenden Anklagen, all der offenen Briefe driftet Israel politisch immer weiter nach rechts. Doch statt mal einen anderen Ansatz zu versuchen, werden die antiisraelischen Stimmen nur lauter. Dasselbe versuchen und andere Ergebnisse davon erwarten \u2013 das ist die Definition von Wahnsinn.<\/p>\n\n\n\n

Kurz bevor der Prozess gegen den wegen des Attentats von Halle<\/a> Angeklagten begann \u2013 des seit Kriegsende schlimmsten Akts von Antisemitismus in Deutschland \u2013, lud eine Lokalzeitung den fr\u00fcheren Botschafter Shimon Stein und den Historiker Moshe Zimmermann ein, dar\u00fcber zu schreiben, was Antisemitismus ist. Nat\u00fcrlich wendeten auch sie sich gegen Felix Kleins Ansatz. Sie zitieren die Kontroverse um die Umbenennung der U-Bahn-Station Mohrenstra\u00dfe in Glinkastra\u00dfe, die sich darum drehte, dass der russische Komponist Michael Glinka Antisemit gewesen sein soll. Stein und Zimmermann halten die Debatte f\u00fcr \u00fcberzogen, Glinka sei nur ein Kind seiner Zeit gewesen. Folgt man ihrer Logik, k\u00f6nnen wir dann also in 20 oder 30 Jahren U-Bahn-Stationen nach den Kindern der 1930er Jahre benennen?<\/p>\n\n\n\n

Der Antisemit als Tierfreund<\/h6>\n\n\n\n

Ich w\u00fcnschte, die Sache h\u00e4tte mit dem Artikel, mit der Petition geendet. Doch dann erschien ein Artikel, der den Leser auf einen Waldspaziergang mit einem veganen Koch und Antisemiten mitnahm. Darin setzt der Tierfreund erst behutsam einen K\u00e4fer wieder auf seine Beinchen und erkl\u00e4rt dann, dass die Todesstrafe in Deutschland wieder eingef\u00fchrt werden solle, um einen gewissen Politiker (der zuf\u00e4llig pro Israel ist) an seinen Hoden aufh\u00e4ngen zu k\u00f6nnen. Dieser Koch hat Hunderttausende Follower, er sagt all solche Dinge am helllichten Tag in Berlin. Und in den Medien.<\/p>\n\n\n\n

F\u00e4lle wie dieser handeln bereits von Gewalt \u2013 und sie enden nicht bei den Juden. Der Hass richtet sich gegen Frauen<\/a>, Muslime, Gefl\u00fcchtete, \u00adLBTQI. Am Ende aller theoretischen Debatten stehen immer echte Menschen. Am Ende jeder Konferenz dar\u00fcber, was Antisemitismus ausmacht, steht ein potenzielles j\u00fcdisches Opfer. Angesichts einer Welle von Antisemitismus \u00fcber die Definition von Antisemitismus zu streiten ist, wie eine 10 Meter hohe Welle heranrollen zu sehen und dar\u00fcber zu streiten, was einen Tsunami ausmacht.<\/p>\n\n\n\n

Felix Klein versteht, wie absurd es ist, zu sagen: Es sind nur die Rechten. Die Rechten sind Deutsche, so wie die Nazis Deutsche waren. Klein versteht, dass die Deutschen nicht aufgeh\u00f6rt haben, Juden zu ermorden, weil sie irgendeine Art von Erleuchtung hatten. Sondern schlicht, weil sie den Krieg verloren haben. Um den Antisemitismus zu bek\u00e4mpfen, bevor er die Gesellschaft frisst, in der er und wir leben, muss Deutschland seinen moralischen Kompass korrigieren.<\/p>\n\n\n\n

Immerhin: Mehr und mehr Deutsche fahren nach Israel, sie wollen ein anderes Narrativ h\u00f6ren. Mehr und mehr Deutsche verstehen, dass Antisemitismus Schockwellen ausl\u00f6st, die die gesamte Gesellschaft betreffen. In einem normalen Universum w\u00fcrde Klein bef\u00f6rdert werden f\u00fcr seine Leistung. In einer verdrehten Gesellschaft fordern Menschen seine Entlassung. Um es mit Mbembe zu sagen: Das ist Nano-Nonsens.<\/p>\n\n\n\n

\u00dcbersetzung: Ariane Lemme<\/a><\/em><\/p>\n","post_title":"Felix Klein hat verstanden","post_excerpt":"","post_status":"publish","comment_status":"closed","ping_status":"closed","post_password":"","post_name":"felix-klein-hat-verstanden","to_ping":"","pinged":"","post_modified":"2025-02-02 08:39:39","post_modified_gmt":"2025-02-02 08:39:39","post_content_filtered":"","post_parent":0,"guid":"https:\/\/dctransparency.com\/?p=3786","menu_order":0,"post_type":"post","post_mime_type":"","comment_count":"0","filter":"raw"}],"next":false,"prev":true,"total_page":47},"paged":1,"column_class":"jeg_col_2o3","class":"epic_block_3"};

\n

Sidi Barrani ist auch das Ziel f\u00fcr mehrere Frachtflugzeuge, die von den Vereinigten Arabischen Emiraten gestartet sind, und schl\u00e4gt eine Luftbr\u00fccke f\u00fcr Ausr\u00fcstung oder Lieferungen zwischen den Vereinigten Arabischen Emiraten und einer Milit\u00e4rbasis vor, die nur 80 km von der libyschen Grenze entfernt liegt.<\/p>\n\n\n\n

Die \u00e4gyptische Regierung antwortete nicht auf die Bitte der BBC um Stellungnahme.<\/p>\n\n\n\n

Ist ausl\u00e4ndisches milit\u00e4risches Engagement \u00fcberraschend?<\/strong><\/p>\n\n\n\n

Sowohl die Vereinigten Arabischen Emirate als auch \u00c4gypten nahmen an einer von Bundeskanzlerin Angela Merkel im Januar dieses Jahres in Berlin einberufenen Konferenz \u00fcber Libyen teil, auf der sie ihre Unterst\u00fctzung f\u00fcr den UN-Friedensprozess bekr\u00e4ftigten und sich bereit erkl\u00e4rten, nicht in den Libyen-Krieg einzugreifen.<\/p>\n\n\n\n

Im vergangenen Jahr gab es jedoch eine Eskalation des Einsatzes von Drohnen durch beide Seiten des Konflikts.<\/p>\n\n\n\n

Ghassan Salam\u00e9, der fr\u00fchere Leiter der UN-Mission in Libyen, beschrieb dies als \"m\u00f6glicherweise das gr\u00f6\u00dfte Drohnenkriegstheater der Welt\".<\/p>\n\n\n\n

Die VAE sind nicht die einzige ausl\u00e4ndische Macht, die an diesem Konflikt beteiligt ist.<\/p>\n\n\n\n

Anfang dieses Jahres gab BBC Africa Eye bekannt, dass die T\u00fcrkei auch gegen das Waffenembargo der Vereinten Nationen gegen Libyen versto\u00dfen hat, indem sie geheime Waffenlieferungen an die von den Vereinten Nationen anerkannte Regierung in Tripolis gesendet hat.<\/p>\n\n\n\n

Mit Unterst\u00fctzung der T\u00fcrkei hat die von den Vereinten Nationen anerkannte Regierung des Nationalen Abkommens nun die LNA von Gen Haftar aus der Gegend um Tripolis zur\u00fcckgeschlagen.<\/p>\n","post_title":"BBC-Untersuchung: VAE in t\u00f6dlichen Angriff in Libyen verwickelt","post_excerpt":"","post_status":"publish","comment_status":"closed","ping_status":"closed","post_password":"","post_name":"bbc-untersuchung-vae-in-todlichen-angriff-in-libyen-verwickelt","to_ping":"","pinged":"","post_modified":"2025-02-02 08:39:39","post_modified_gmt":"2025-02-02 08:39:39","post_content_filtered":"","post_parent":0,"guid":"https:\/\/dctransparency.com\/?p=3811","menu_order":0,"post_type":"post","post_mime_type":"","comment_count":"0","filter":"raw"},{"ID":3792,"post_author":"7","post_date":"2020-08-14 13:58:48","post_date_gmt":"2020-08-14 13:58:48","post_content":"\n

Die Hagia Sophia war (ist) ein kulturelles Weltwunder und aufgeladen mit symbolischer Bedeutung, f\u00fcr die Christenheit ebenso wie f\u00fcr den Islam \u2013 und den t\u00fcrkischen Nationalismus. Als Mehmed II. sie betrat, war sie schon fast 1000 Jahre die gr\u00f6\u00dfte Kirche der christlichen Welt und das Zentrum der orthodoxen Glaubensrichtung. Die \"Ayasofya\", wie sie dann hie\u00df, war 500 Jahre lang Moschee \u2013 bis 1934, als Kemal Pascha Atat\u00fcrk, der \"Vater\" der modernen T\u00fcrkei, sie in ein Museum verwandelte, in der ausdr\u00fccklichen Absicht, auch hier mit dem osmanischen Erbe zu brechen.<\/p>\n\n\n\n

Nun wird Pr\u00e4sident Recep Tayyip Erdo\u011fan, der \"Vater\" der re-islamisierten T\u00fcrkei, am 24. Juli dieses Jahres die Ayasofya durch das Freitagsgebet wieder in den Islam eingliedern. Oder eher in seinen pers\u00f6nlichen religi\u00f6sen Nationalismus.<\/p>\n\n\n\n

Welterbe von allen<\/h3>\n\n\n\n

Wie bedeutungsschwer ist dieser Akt eines \"starken Mannes\", der innenpolitisch deutlich schw\u00e4chelt? Die Proteste vor allem aus der orthodoxen Welt, aber auch aus Europa und den USA sind eher traurig als w\u00fctend. Der Papst dr\u00fcckte seinen \"Schmerz\" aus. Auch der Jubel in der islamischen Welt fiel zun\u00e4chst weniger \u00fcbersch\u00e4umend als erwartet aus.<\/p>\n\n\n\n

Ist es der Alleingang eines Autokraten in Bedr\u00e4ngnis oder ist \"der Jubel \u00fcber die Eroberung der Hagia Sophia der Versuch einer zutiefst erniedrigten, vom Gef\u00fchl der Wertlosigkeit dominierten und in ihrer eigenen Selbstberechtigung beraubten Gesellschaft, eine Bedeutung, eine St\u00e4rke, ein Selbstwertgef\u00fchl zu finden\"? So recht pauschalierend der in Deutschland lebende pal\u00e4stinensische Intellektuelle und Psychiater Ahmad Mansour.<\/p>\n\n\n\n

Die beiden Gro\u00dfreiche, das byzantinische und das osmanische, sind l\u00e4ngst versunken.<\/p><\/blockquote>\n\n\n\n

Das eigentliche Schl\u00fcsselwort im Zusammenhang mit der Hagia Sofia ist \"Welterbe\". Das Erbe von allen. Einmal im kulturellen Sinn der Unesco, aber in Wahrheit weiter gefasst. Das einzigartige Bauwerk geh\u00f6rt in Wirklichkeit der ganzen Welt, nicht der einen oder anderen Religion. Die beiden Gro\u00dfreiche, f\u00fcr die die Hagia Sofia der zentrale spirituelle Bau war, das byzantinische und das osmanische, sind l\u00e4ngst versunken. Seither hat sie eine neue, \u00fcbernationale Dimension erhalten. Was Erdo\u011fan da jetzt mit der Hagia Sofia macht, ist eine Verengung und Verarmung eines gemeinsamen Welterbes.<\/p>\n\n\n\n

\"\"\/
Betende Muslime vor der Hagia Sophia.<\/figcaption><\/figure>\n\n\n\n

Davon abgesehen aber war und ist sie ein architektonisches Meisterwerk und geh\u00f6rt zu den bedeutendsten Bauten der Welt. Wer heute den Zentralraum unter der Kuppel betritt, kann sich nur schwer dem zugleich majest\u00e4tischen wie schwebenden Gesamteindruck entziehen. Die Hagia Sophia blieb fast 1000 Jahre die gr\u00f6\u00dfte Kirche der Christenheit. Technisch war die Kuppel (mit mehreren Halbkuppeln) eine \u00fcberaus riskante Innovation: Die 55 Meter hohe und 32 Meter im Durchmesser breite Kuppel ruht auf nur vier Tragpunkten, was den schwebenden, schwerelosen Eindruck erzeugt. Die Konstruktion folgt einem mathematischen Prinzip, das erst k\u00fcrzlich entschl\u00fcsselt wurde.<\/p>\n\n\n\n

\"Salomo, ich habe dich \u00fcbertroffen!\"<\/p><\/blockquote>\n\n\n\n

Als Kaiser Justinian die Hagia Sophia nach nur f\u00fcnf Jahren Bauzeit (532\u2013537) betrat, soll er in Anspielung auf den Tempel in Jerusalem ausgerufen haben: \"Salomo, ich habe dich \u00fcbertroffen!\" Die Innenausstattung war mit ihren S\u00e4ulen aus Porphyr und gr\u00fcnem Marmor, mit Mosaiken aus Gold und Halbedelsteinen derart prunkvoll, der Gesamteindruck derart \u00fcberirdisch, dass eine Delegation des Gro\u00dff\u00fcrsten von Kiew nicht mehr wusste, \"ob wir im Himmel oder auf der Erde\" waren \u2013 was die Christianisierung Russlands bef\u00f6rderte.<\/p>\n\n\n\n

Der deutsche Architekturlehrer Holger Kleine nennt die Hagia Sophia \"absolute Architektur\", weil sie \"extreme Ausdrucksformen nahezu aller dramaturgischen Mittel, die der Architektur zur Verf\u00fcgung stehen, vereinigt: wuchtigste K\u00f6rper und luftigste R\u00e4ume, engste Enge und gr\u00f6\u00dfte Weite, w\u00e4rmende Helligkeit und mystisches Dunkel\". Und die Kuppelbauten aus der sp\u00e4teren Hochbl\u00fcte der Moscheenarchitektur im 16. und 17. Jahrhundert gehen eindeutig auf die Hagia Sophia zur\u00fcck.<\/p>\n\n\n\n

Die Hagia Sophia war Staatskirche des byzantinischen Reichs. F\u00fcr die Eroberer der letzte Schlussstein in der Kuppel osmanisch-muslimischen Herrschaftsanspruchs. Konstantinopel war ja 1453 nur noch eine isolierte, heruntergekommene Enklave in einem osmanischen Umfeld, kein christliches Heer kam zu Hilfe. Doch vorher war es zugleich Sperrriegel nach Osten und Geistesarchiv der antiken Kultur gewesen. \"Ohne Byzanz h\u00e4tte es kein Europa gegeben\", sagt die britische Altertumsforscherin Judith Herrin.<\/p>\n\n\n\n

\"\"\/
Freigelegtes Mosaik von \"Christos Pantokrator\".<\/figcaption><\/figure>\n\n\n\n

Neue Fragen<\/h3>\n\n\n\n

Die Kirche wurde von Mehmed II. und Nachfolgern nicht in der Substanz zerst\u00f6rt, sondern \"entchristlicht\". Die urspr\u00fcnglich \u00fcbert\u00fcnchten oder auch abgeschlagenen Mosaiken mit den Darstellungen von Christus, der Muttergottes, diversen Kaisern kamen zum Teil schon unter einem Sultan des 19. Jahrhunderts, dann gro\u00dfteils nach der Museumswidmung wieder zum Vorschein.<\/p>\n\n\n\n

Jetzt stellen sich neue symbolisch-praktische Fragen. Erdo\u011fan hat die Hagia Sophia der konservativen staatlichen Religionsbeh\u00f6rde Diyanet unterstellt. Die byzantinischen Mosaike, wie der gro\u00dfartige \"Christos Pantokrator\" (\"Weltenherrscher\") oder die Jungfrau Maria in der Apsis, m\u00fcssen wohl w\u00e4hrend des islamischen Gottesdiensts verh\u00e4ngt werden. Muss der Boden mit seinen Marmorplatten und Mosaiken mit einem Teppich bedeckt werden? Erdo\u011fan sagt, Touristen seien nach wie vor zugelassen. Aber sie werden wohl hinter Absperrungen bleiben m\u00fcssen. Frauen werden \u2013 wie in der benachbarten \"Blauen Moschee\" (\"Sultanahmed\") Kopftuch tragen m\u00fcssen.<\/p>\n\n\n\n

\"\"\/
Erdo\u011fan mit Gattin in der Hagia Sophia.<\/figcaption><\/figure>\n\n\n\n

Erdo\u011fans neue Abenteuer<\/strong><\/h3>\n\n\n\n

Aber wird da nicht doch zu viel in einen Formalakt rund um ein uraltes Bauwerk hineininterpretiert? Im geschichtlichen Kontext relativiert sich manches: Konstantinopel wurde schon von Christen erobert und ausgepl\u00fcndert \u2013 1204 im Vierten Kreuzzug. In der Moschee von Cordoba (\"Mezquita\") bauten die Katholiken eine ganze Kirche in den ber\u00fchmten S\u00e4ulenwald hinein. Die Mezquita ist heute noch Kirche, kein Museum.<\/p>\n\n\n\n

\"Das ist der Beweis, dass wir kein s\u00e4kularer Staat mehr sein wollen\", sagt Nobelpreistr\u00e4ger Orhan Pamuk. Erdo\u011fan betrachtet sich offenbar als auch neoosmanischer \"Fatih\" im Mittelmeerraum mit immer neuen Abenteuern: Eingreifen in Syrien, Stellvertreterkrieg in Libyen, Anspr\u00fcche auf Erdgasvorkommen weit vor der t\u00fcrkischen K\u00fcste bei Zypern, Reden, wonach manche \u00c4g\u00e4is-Inseln eigentlich zur T\u00fcrkei geh\u00f6ren, \"denn dort stehen unsere Moscheen\". Manches davon ist nur Rhetorik, aber genug anderes ist riskante Realit\u00e4t. (Hans Rauscher, 14.7.2020)<\/p>\n\n\n\n

Quelle<\/a><\/strong><\/p>\n","post_title":"Hagia Sophia: Verengung und Verarmung eines Welterbes","post_excerpt":"","post_status":"publish","comment_status":"closed","ping_status":"closed","post_password":"","post_name":"hagia-sophia-verengung-und-verarmung-eines-welterbes","to_ping":"","pinged":"","post_modified":"2025-02-02 08:39:39","post_modified_gmt":"2025-02-02 08:39:39","post_content_filtered":"","post_parent":0,"guid":"https:\/\/dctransparency.com\/?p=3792","menu_order":0,"post_type":"post","post_mime_type":"","comment_count":"0","filter":"raw"},{"ID":3789,"post_author":"7","post_date":"2020-08-14 13:56:07","post_date_gmt":"2020-08-14 13:56:07","post_content":"\n

Im Gastkommentar pocht Mark Leonard, Direktor des Europ\u00e4ischen Rats f\u00fcr Ausw\u00e4rtige Beziehungen, auf \"neue, einvernehmlich vereinbarte Prinzipien sowie klare Grenzen\", nur so k\u00f6nne eine weitere Destabilisierung in der Region verhindert werden.<\/em><\/strong><\/p>\n\n\n\n

Ist die T\u00fcrkei das neue Russland? Diese Frage wird in den europ\u00e4ischen Hauptst\u00e4dten zunehmend gestellt, da die Au\u00dfenpolitik des t\u00fcrkischen Pr\u00e4sidenten Recep Tayyip Erdo\u011fan zunehmend aggressiver wird. Erdo\u011fan nutzt nicht nur die Migration, um die EU zu bedrohen und zu betr\u00fcgen, sondern setzt auch milit\u00e4rische Macht ein, um den Einflussbereich der T\u00fcrkei auf die gesamte Region auszudehnen.<\/p>\n\n\n\n

Seit dem Ende des Kalten Krieges haben die Europ\u00e4er die regionale Sicherheit durch eine unipolare westliche Linse betrachtet. W\u00e4hrend die Nato die milit\u00e4rische Sicherheit garantierte, sorgte die EU mit ihrem 80.000 Seiten starken Regelwerk f\u00fcr alles von LGBTQ-Rechten bis hin zu Rasenm\u00e4her-Sound-Verordnungen f\u00fcr Rechtsordnung. In den 90er-Jahren ging man allgemein davon aus, dass die beiden gro\u00dfen nichtwestlichen regionalen Akteure, Russland und die T\u00fcrkei, nach und nach an diese Regelungen herangef\u00fchrt werden w\u00fcrden.<\/p>\n\n\n\n

Qu\u00e4lende Hassliebe<\/h3>\n\n\n\n

Doch in den letzten 15 Jahren ist der Traum von der europ\u00e4ischen Unipolarit\u00e4t einer multipolaren Realit\u00e4t gewichen. Sowohl Russland als auch die T\u00fcrkei haben eine lange, qu\u00e4lende Hassliebe zu Europa, und beide sind unter nationalen Machthabern, denen die Verachtung der Normen und Werte der EU gemeinsam ist, durchsetzungsf\u00e4higer geworden.<\/p>\n\n\n\n

Die zunehmende Verschlechterung der Beziehungen zwischen der EU und Russland ist gut dokumentiert, der Fall der T\u00fcrkei weniger. Der Irakkrieg im Jahr 2003 komplizierte das Verh\u00e4ltnis der T\u00fcrkei zur Nato, und ihr Verh\u00e4ltnis zur EU verschlechterte sich 2007, als Frankreich einen wichtigen Teil ihrer EU-Beitrittsverhandlungen blockierte. Seitdem hat die T\u00fcrkei ihren eigenen Weg in Syrien, auf dem Balkan und in Libyen eingeschlagen und neue Beziehungen zu Russland und China aufgebaut.<\/p>\n\n\n\n

Wichtiger Akteur<\/strong><\/h3>\n\n\n\n

Nat\u00fcrlich sind die Beziehungen zwischen der T\u00fcrkei und Russland nicht weniger kompliziert, nicht zuletzt weil Erdo\u011fan und der russische Pr\u00e4sident Wladimir Putin im syrischen B\u00fcrgerkrieg verschiedene Seiten unterst\u00fctzten.Und w\u00e4hrend die Spannungen wegen des Syrien-Konflikts weiterhin bestehen, bewundert Erdo\u011fan deutlich, wie Russland sich \u2013 bei relativ geringen Kosten \u2013 wieder als wichtiger Akteur im Nahen Osten und in Nordafrika etabliert hat.<\/p>\n\n\n\n

Nachdem er in einen nicht zu gewinnenden Krieg im Osten der Ukraine verwickelt war, schien Putins weitgehend erfolgreicher Feldzug in Syrien einen Teil seiner innenpolitischen Autorit\u00e4t wiederherzustellen. Der Westen hatte f\u00fcnf Jahre lang darauf bestanden, dass es keine milit\u00e4rische L\u00f6sung des Konflikts gebe und dass der syrische Pr\u00e4sident Baschar al-Assad gehen m\u00fcsse. Doch w\u00e4hrend die von den Vereinten Nationen unterst\u00fctzten Gespr\u00e4che in Genf zu keinem Ergebnis f\u00fchrten, schienen die von Russland geleiteten Gespr\u00e4che in Astana voranzukommen. Indem der Kreml die T\u00fcrkei und den Iran einbezog, w\u00e4hrend er die westlichen M\u00e4chte ausschloss, erweckte er den Eindruck, dass Russland als wiedergeborene Supermacht aus der Asche auferstanden sei.<\/p>\n\n\n\n

Unter Druck<\/h3>\n\n\n\n

Angesichts des wachsenden Widerstands im eigenen Land macht es Erdo\u011fan Putin gleich. Da der Westen nicht bereit war, (erneut) milit\u00e4risch in Libyen zu intervenieren, sah Erdo\u011fan eine Gelegenheit, die T\u00fcrkei zu positionieren. Nach dem Vorgehen Russlands in Syrien sicherte er sich eine formelle Einladung der libyschen Regierung zur Intervention. Mit einem Schlag Ende letzten Jahres hat er nicht nur das Image der T\u00fcrkei als Regionalmacht gest\u00e4rkt, sondern auch ein Abkommen mit Libyen \u00fcber die Seegrenze abgeschlossen und damit einen Plan Griechenlands, Zyperns, \u00c4gyptens und Israels zur Erschlie\u00dfung von Unterwasser\u00f6l- und -gasfeldern in der N\u00e4he zunichtegemacht.<\/p>\n\n\n\n

Erdo\u011fan scheint auch von der Spalt-und-Eroberungs-Strategie des Kreml in Europa inspiriert worden zu sein, der zufolge oft diejenigen EU-Mitgliedsstaaten unter Druck gesetzt werden, die am meisten von russischen Kohlenwasserstoffen oder M\u00e4rkten abh\u00e4ngig sind. So wie Putin lange Zeit die Energieversorgung instrumentalisiert hat, hat Erdo\u011fan versucht, den Strom von Migranten und Fl\u00fcchtlingen, die vor Konflikten im Nahen Osten fliehen, zu instrumentalisieren. Als die EU eine neue Marinemission ank\u00fcndigte, um den Waffenstrom nach Libyen zu blockieren, malte die T\u00fcrkei f\u00fcr Malta das Schreckgespenst der angeblichen Bedrohung durch Migranten an die Wand. Malta reagierte prompt und signalisierte, dass es gegen die Finanzierung der Mission ein Veto einlegen werde.<\/p>\n\n\n\n

Verlorener Sohn<\/strong><\/h3>\n\n\n\n

Jahrelang redeten sich die Europ\u00e4er ein, dass Russland eine Art verlorener Sohn sei und dass die europ\u00e4ische unipolare Ordnung gesund bleibe. Doch das machte Europa zu einem leichten Ziel f\u00fcr die Trennungs-und-Eroberungs-Strategie des Kreml. Erst vor relativ kurzer Zeit entwarf die Union eine neue Politik und ein robustes Sanktionsregime, um die russische Aggression abzuschrecken. Und selbst jetzt \u2013 trotz der besten Bem\u00fchungen der deutschen Bundeskanzlerin Angela Merkel und des franz\u00f6sischen Pr\u00e4sidenten Emmanuel Macron \u2013 hat die EU noch immer keine wirksamen Kommunikationskan\u00e4le mit Russland geschaffen, um gemeinsame Probleme anzugehen.<\/p>\n\n\n\n

Die T\u00fcrkei ist noch kein neues Russland, aber sie k\u00f6nnte dazu werden, wenn die Situation falsch gehandhabt wird. Vorerst betrachten die meisten Europ\u00e4er die T\u00fcrkei noch immer als einen komplizierten Partner und nicht als \"Systemrivalen\". Aber die Europ\u00e4er sollten die hart erk\u00e4mpften Lehren aus dem Umgang mit Russland in den letzten 15 Jahren beherzigen. Die Beziehungen zwischen der EU und der T\u00fcrkei brauchen neue, einvernehmlich vereinbarte Prinzipien sowie klare Grenzen, um eine weitere Destabilisierung in der Region zu verhindern.<\/p>\n\n\n\n

Zu diesem Zweck sollten die Europ\u00e4er klarstellen, dass der EU-Beitrittsprozess entweder zur\u00fcckgedreht oder vorangetrieben werden kann und dass eine eher transaktionale Beziehung sowohl Zuckerbrot als auch Peitsche beinhaltet. Die Herausforderung wird darin bestehen, daf\u00fcr zu sorgen, dass es in einer Region, die nicht nur von Europa und der T\u00fcrkei, sondern auch von Russland, den USA und einem aufstrebenden China beeinflusst wird, noch Raum f\u00fcr politisches Engagement in Fragen der gemeinsamen Sicherheit gibt. (Mark Leonard, \u00dcbersetzung: Eva G\u00f6llner, Copyright: Project Syndicate, 10.8.2020)<\/p>\n\n\n\n

Mark Leonard <\/strong>ist Direktor des Europ\u00e4ischen Rats f\u00fcr Ausw\u00e4rtige Beziehungen.<\/a><\/p>\n","post_title":"Erdo\u011fan \u2013 der andere Putin vor der Haust\u00fcr Europas","post_excerpt":"","post_status":"publish","comment_status":"closed","ping_status":"closed","post_password":"","post_name":"erdogan-der-andere-putin-vor-der-haustur-europas","to_ping":"","pinged":"","post_modified":"2025-02-02 08:39:39","post_modified_gmt":"2025-02-02 08:39:39","post_content_filtered":"","post_parent":0,"guid":"https:\/\/dctransparency.com\/?p=3789","menu_order":0,"post_type":"post","post_mime_type":"","comment_count":"0","filter":"raw"},{"ID":3786,"post_author":"7","post_date":"2020-08-14 13:51:23","post_date_gmt":"2020-08-14 13:51:23","post_content":"\n

Einen Monat nachdem ich zur israelischen Armee eingezogen worden war, brach die erste Intifada aus. Statt Soldat zu sein, machte ich Polizeiarbeit, sagte den Menschen, wann sie zur Arbeit gehen konnten und wann sie ihre L\u00e4den schlie\u00dfen mussten, wann sie die Grenze passieren und wann sie schlafen konnten. Einen Monat nachdem ich aus der Armee entlassen worden war, ging ich auf Reisen. (In Israel sagen wir: Wir dienen drei Jahre und versuchen den Rest unseres Lebens, diese drei Jahre zu vergessen.) Auf meiner Reise begann ich Briefe an meine Freundin zu schreiben, die ich in Israel zur\u00fcckgelassen hatte.<\/p>\n\n\n\n

Ich schrieb ihr, wie schrecklich depressiv ich war und dass diese drei Jahre des Anweisungenbellens und Anderen-Menschen-Sagens, was sie zu tun haben, mich f\u00fcr immer verfolgen w\u00fcrden. Dass sie ein Teil dessen geworden waren, was ich bin. Ich erinnere mich, dass ich ihr schrieb, dass wir da rausm\u00fcssen \u2013 nicht nur f\u00fcr die Pal\u00e4stinenser, sondern wegen der furchtbaren und brutalen Auswirkungen, die all das auf uns, auf die israelische Gesellschaft haben w\u00fcrde. Sie schrieb zur\u00fcck: \u201eDu hast recht. Ich habe einen neuen Freund.\u201c<\/p>\n\n\n\n

Felix Klein wurde als Beauftragter der Bundesregierung berufen<\/a>, um die Auswirkungen des zunehmenden Antisemitismus in unserer Gesellschaft, in Deutschland, zu bek\u00e4mpfen. Was nicht in seiner Jobbeschreibung steht, ist, dass er dabei unsere Gesellschaft heilen muss, jene Gesellschaft, die diese Form des Hasses reproduziert und sch\u00fctzt. Klein hat das begriffen.<\/p>\n\n\n\n

Er versteht, dass man Krebs nicht mit einem Pflaster verarztet, er wei\u00df, dass er das Bewusstsein der Deutschen sch\u00e4rfen und Diskussionen ansto\u00dfen muss. Er hat begriffen, dass das Problem nicht nur an den R\u00e4ndern der Gesellschaft (bei den Rechten) liegt, sondern auch in ihrer Mitte. Dort, wo gebildete Menschen nicht einmal bemerken, dass das, was sie sagen und tun, antisemitisch ist. So wie sie es auch nicht merken, wenn sie rassistisch handeln. Er hat all das verstanden, und genau deshalb wollen einige, dass er seinen Posten r\u00e4umt.<\/p>\n\n\n\n

Mehr als 60 deutsche und israelische Intellektuelle haben letzte Woche in einem Brief an Kanzlerin Merkel<\/a> dar\u00fcber geklagt, dass der aktuelle \u201eGebrauch des Antisemitismusbegriffs\u201c darauf abziele, \u201elegitime Kritik an der israelischen Regierungspolitik zu unterdr\u00fccken\u201c, und Klein vorgeworfen, rechtspopulistische israelische Stimmen zu f\u00f6rdern.<\/p>\n\n\n\n

Faszinierend an diesem offenen Brief ist, dass viele der Unterzeichneten keine Deutschen sind und auch nicht in Deutschland leben. Ich wei\u00df nicht, woher sie \u2013 die meisten von ihnen sind Israelis \u2013 die Chuzpe haben, sich in eine innerdeutsche Angelegenheit einzumischen und zu fordern, eine Person zu entlassen, die von der Bundesregierung eingesetzt wurde. Die H\u00e4lfte der Unterzeichneten lebt nicht hier, von der anderen H\u00e4lfte sind viele keine Juden \u2013 somit sind die allermeisten von ihnen nicht direkt vom Antisemitismus in Deutschland betroffen. Wie also k\u00f6nnen sie diesen Brief unterschreiben? Und warum eigentlich haben so wenige Deutsche unterschrieben? Dazu komme ich gleich.<\/p>\n\n\n\n

Debatte um Achille Mbembe<\/h6>\n\n\n\n

Hintergrund des Briefs war, dass Felix Klein gefordert hatte, den Philosophen Achille Mbembe<\/a> nicht die Er\u00f6ffnungsrede der Ruhrtriennale halten zu lassen. Als mit \u00f6ffentlichen Mitteln gef\u00f6rdertes Event solle die Ruhrtriennale Mbembe wegen seiner Haltung zu Israels Existenzrecht, seiner Haltung zu BDS und der Art, wie er in einem seiner Werke den Holocaust relativiert, nicht einladen.<\/p>\n\n\n\n

Mbembes Unterst\u00fctzer sagen, keine dieser Anschuldigungen sei wahr. F\u00fcrs Protokoll: In meinen Augen unterst\u00fctzt Mbembe sehr wohl BDS<\/a>, er schrieb unter anderem das Vorwort zu \u201eApartheid Israel\u201c und fordert die komplette Isolation Israels. Ich glaube auch, wenn Mbembe schreibt, die israelische Besetzung sei der \u201egr\u00f6\u00dfte moralische Skandal unserer Zeit\u201c, zeigt das, dass sein moralischer und geografischer Kompass etwas schief ist.<\/p>\n\n\n\n

Doch warum treibt die Debatte so viele Menschen um? Nun, zun\u00e4chst gibt niemand gern auf, was ihm oder ihr selbstverst\u00e4ndlich scheint. \u00dcber den gesamten politischen, sozialen, kulturellen, medialen und akademischen Sektor hinweg sind Menschen daran gew\u00f6hnt, so schlecht \u00fcber Israel sprechen zu k\u00f6nnen, wie auch immer sie wollen.<\/p>\n\n\n\n

Der Spiegel<\/em> hat \u2013 vielleicht in Anlehnung an seine Relotius-Standards, Israel erst k\u00fcrzlich eine Corona-Diktatur genannt. Fakten und Belege f\u00fcr diese Behauptung gab es nicht. Doch Millionen Deutsche haben es gelesen, und es wird nat\u00fcrlich haften bleiben. Faktenlage hin oder her. Der Spiegel<\/em> und andere Medien haben dieses Spiel perfektioniert: Titel so zu drehen, dass sie Israel indirekt anklagen, die Idee zu streuen, der Mossad kon\u00adtrol\u00adliere die deutsche Au\u00dfenpolitik im Nahen Osten, und so fort. Doch sie stehen allesamt sofort auf den Hinterbeinen, wenn jemand es wagt, das Spiel beim Namen zu nennen: moderner Antisemitismus.<\/p>\n\n\n\n

Klein will dem entgegenwirken. Er versteht, dass antisemitische Attacken in Deutschland die Fr\u00fcchte solch falsch gezeichneter Bilder und eindimensionaler Narrative \u00fcber Israel sind. Wenn er und andere versuchen, ein anderes Narrativ aufzuzeigen, wirft man ihnen Zensur vor: Wie k\u00f6nnen sie es wagen, das Gesch\u00e4ft der Anti-Israel-Propaganda zu st\u00f6ren?<\/p>\n\n\n\n

Liebe Deutsche, wenn ihr reden wollt, lasst uns gern reden: \u00fcber die Besetzung, \u00fcber Bibi und alles, was schiefl\u00e4uft. Aber dann lasst uns bitte auch dar\u00fcber reden, wie deutsche Steuergelder Terrortunnel finanzieren. Erst vergangene Woche r\u00e4umte die niederl\u00e4ndische Regierung ein, dass Gelder an eine Landwirtschaftsorganisation in Ramallah geflossen seien, die damit teilweise die Geh\u00e4lter zweier des Mordes an der 17-j\u00e4hrigen Israelin Rina Shnerb Verd\u00e4chtiger gezahlt haben. Auch die Bundesregierung unterst\u00fctzt diese Organisation, obwohl Kritiker schon lange vor Verbindungen zu Terroristen warnen.<\/p>\n\n\n\n

Wir k\u00f6nnen uns also gerne unterhalten \u2013 aber im Dialog, nicht in Monologen. Denn Reden unter Menschen, die sich einig sind, ist nichts anderes als Impotenz.<\/p>\n\n\n\n

Israelkritik als Eintrittskarte<\/h6>\n\n\n\n

Die Israelis, die die Petition unterzeichnet haben, haben \u00fcbrigens ebenfalls etwas verstanden. Seit Jahren wissen sie: Es ist ihre Eintrittskarte in die Mitte der deutschen (und europ\u00e4ischen) Gesellschaft. Man h\u00f6rt nicht oft von Akademikern mit proisraelischen Ansichten. Weder in den Philharmonie-Orchestern noch in der Kunstszene. Die Eintrittskarte daf\u00fcr ist ein antiisraelischer Standpunkt.<\/p>\n\n\n\n

Der mutma\u00dfliche Grund, warum kaum Deutsche die Petition unterzeichnet haben: Sie mussten es nicht. Ihre Lieblingsjuden haben es f\u00fcr sie getan. Jetzt k\u00f6nnen sie sagen: \u201eSchau, ich bin das ja nicht, meine j\u00fcdischen Freunde sagen es.\u201c Ich selbst war einige Jahre lang mit einem Paar hier in Berlin befreundet, bis ich herausfand, dass ich ihr Lieblingsjude war. Ja, selbst das j\u00fcdische Museum wurde so genutzt.<\/p>\n\n\n\n

Weil Attacken gegen Juden ein absolutes Tabu sind, wurden Umwege gefunden, um den Antisemitismus auf kleiner Flamme k\u00f6cheln zu lassen: die unfundierte, unbegr\u00fcndete Kritik an Israel.<\/p>\n\n\n\n

Diese Art der Kritik ist gef\u00e4hrlich. Sie schw\u00e4cht jede begr\u00fcndete und notwendige Kritik am Verhalten Israels. Und das Interessante ist: Trotz all der heftigen, pauschalisierenden Anklagen, all der offenen Briefe driftet Israel politisch immer weiter nach rechts. Doch statt mal einen anderen Ansatz zu versuchen, werden die antiisraelischen Stimmen nur lauter. Dasselbe versuchen und andere Ergebnisse davon erwarten \u2013 das ist die Definition von Wahnsinn.<\/p>\n\n\n\n

Kurz bevor der Prozess gegen den wegen des Attentats von Halle<\/a> Angeklagten begann \u2013 des seit Kriegsende schlimmsten Akts von Antisemitismus in Deutschland \u2013, lud eine Lokalzeitung den fr\u00fcheren Botschafter Shimon Stein und den Historiker Moshe Zimmermann ein, dar\u00fcber zu schreiben, was Antisemitismus ist. Nat\u00fcrlich wendeten auch sie sich gegen Felix Kleins Ansatz. Sie zitieren die Kontroverse um die Umbenennung der U-Bahn-Station Mohrenstra\u00dfe in Glinkastra\u00dfe, die sich darum drehte, dass der russische Komponist Michael Glinka Antisemit gewesen sein soll. Stein und Zimmermann halten die Debatte f\u00fcr \u00fcberzogen, Glinka sei nur ein Kind seiner Zeit gewesen. Folgt man ihrer Logik, k\u00f6nnen wir dann also in 20 oder 30 Jahren U-Bahn-Stationen nach den Kindern der 1930er Jahre benennen?<\/p>\n\n\n\n

Der Antisemit als Tierfreund<\/h6>\n\n\n\n

Ich w\u00fcnschte, die Sache h\u00e4tte mit dem Artikel, mit der Petition geendet. Doch dann erschien ein Artikel, der den Leser auf einen Waldspaziergang mit einem veganen Koch und Antisemiten mitnahm. Darin setzt der Tierfreund erst behutsam einen K\u00e4fer wieder auf seine Beinchen und erkl\u00e4rt dann, dass die Todesstrafe in Deutschland wieder eingef\u00fchrt werden solle, um einen gewissen Politiker (der zuf\u00e4llig pro Israel ist) an seinen Hoden aufh\u00e4ngen zu k\u00f6nnen. Dieser Koch hat Hunderttausende Follower, er sagt all solche Dinge am helllichten Tag in Berlin. Und in den Medien.<\/p>\n\n\n\n

F\u00e4lle wie dieser handeln bereits von Gewalt \u2013 und sie enden nicht bei den Juden. Der Hass richtet sich gegen Frauen<\/a>, Muslime, Gefl\u00fcchtete, \u00adLBTQI. Am Ende aller theoretischen Debatten stehen immer echte Menschen. Am Ende jeder Konferenz dar\u00fcber, was Antisemitismus ausmacht, steht ein potenzielles j\u00fcdisches Opfer. Angesichts einer Welle von Antisemitismus \u00fcber die Definition von Antisemitismus zu streiten ist, wie eine 10 Meter hohe Welle heranrollen zu sehen und dar\u00fcber zu streiten, was einen Tsunami ausmacht.<\/p>\n\n\n\n

Felix Klein versteht, wie absurd es ist, zu sagen: Es sind nur die Rechten. Die Rechten sind Deutsche, so wie die Nazis Deutsche waren. Klein versteht, dass die Deutschen nicht aufgeh\u00f6rt haben, Juden zu ermorden, weil sie irgendeine Art von Erleuchtung hatten. Sondern schlicht, weil sie den Krieg verloren haben. Um den Antisemitismus zu bek\u00e4mpfen, bevor er die Gesellschaft frisst, in der er und wir leben, muss Deutschland seinen moralischen Kompass korrigieren.<\/p>\n\n\n\n

Immerhin: Mehr und mehr Deutsche fahren nach Israel, sie wollen ein anderes Narrativ h\u00f6ren. Mehr und mehr Deutsche verstehen, dass Antisemitismus Schockwellen ausl\u00f6st, die die gesamte Gesellschaft betreffen. In einem normalen Universum w\u00fcrde Klein bef\u00f6rdert werden f\u00fcr seine Leistung. In einer verdrehten Gesellschaft fordern Menschen seine Entlassung. Um es mit Mbembe zu sagen: Das ist Nano-Nonsens.<\/p>\n\n\n\n

\u00dcbersetzung: Ariane Lemme<\/a><\/em><\/p>\n","post_title":"Felix Klein hat verstanden","post_excerpt":"","post_status":"publish","comment_status":"closed","ping_status":"closed","post_password":"","post_name":"felix-klein-hat-verstanden","to_ping":"","pinged":"","post_modified":"2025-02-02 08:39:39","post_modified_gmt":"2025-02-02 08:39:39","post_content_filtered":"","post_parent":0,"guid":"https:\/\/dctransparency.com\/?p=3786","menu_order":0,"post_type":"post","post_mime_type":"","comment_count":"0","filter":"raw"}],"next":false,"prev":true,"total_page":47},"paged":1,"column_class":"jeg_col_2o3","class":"epic_block_3"};

\n

Ausl\u00e4ndischer Jet bei libyschem Migrantenangriff verd\u00e4chtigt<\/p>\n\n\n\n

Sidi Barrani ist auch das Ziel f\u00fcr mehrere Frachtflugzeuge, die von den Vereinigten Arabischen Emiraten gestartet sind, und schl\u00e4gt eine Luftbr\u00fccke f\u00fcr Ausr\u00fcstung oder Lieferungen zwischen den Vereinigten Arabischen Emiraten und einer Milit\u00e4rbasis vor, die nur 80 km von der libyschen Grenze entfernt liegt.<\/p>\n\n\n\n

Die \u00e4gyptische Regierung antwortete nicht auf die Bitte der BBC um Stellungnahme.<\/p>\n\n\n\n

Ist ausl\u00e4ndisches milit\u00e4risches Engagement \u00fcberraschend?<\/strong><\/p>\n\n\n\n

Sowohl die Vereinigten Arabischen Emirate als auch \u00c4gypten nahmen an einer von Bundeskanzlerin Angela Merkel im Januar dieses Jahres in Berlin einberufenen Konferenz \u00fcber Libyen teil, auf der sie ihre Unterst\u00fctzung f\u00fcr den UN-Friedensprozess bekr\u00e4ftigten und sich bereit erkl\u00e4rten, nicht in den Libyen-Krieg einzugreifen.<\/p>\n\n\n\n

Im vergangenen Jahr gab es jedoch eine Eskalation des Einsatzes von Drohnen durch beide Seiten des Konflikts.<\/p>\n\n\n\n

Ghassan Salam\u00e9, der fr\u00fchere Leiter der UN-Mission in Libyen, beschrieb dies als \"m\u00f6glicherweise das gr\u00f6\u00dfte Drohnenkriegstheater der Welt\".<\/p>\n\n\n\n

Die VAE sind nicht die einzige ausl\u00e4ndische Macht, die an diesem Konflikt beteiligt ist.<\/p>\n\n\n\n

Anfang dieses Jahres gab BBC Africa Eye bekannt, dass die T\u00fcrkei auch gegen das Waffenembargo der Vereinten Nationen gegen Libyen versto\u00dfen hat, indem sie geheime Waffenlieferungen an die von den Vereinten Nationen anerkannte Regierung in Tripolis gesendet hat.<\/p>\n\n\n\n

Mit Unterst\u00fctzung der T\u00fcrkei hat die von den Vereinten Nationen anerkannte Regierung des Nationalen Abkommens nun die LNA von Gen Haftar aus der Gegend um Tripolis zur\u00fcckgeschlagen.<\/p>\n","post_title":"BBC-Untersuchung: VAE in t\u00f6dlichen Angriff in Libyen verwickelt","post_excerpt":"","post_status":"publish","comment_status":"closed","ping_status":"closed","post_password":"","post_name":"bbc-untersuchung-vae-in-todlichen-angriff-in-libyen-verwickelt","to_ping":"","pinged":"","post_modified":"2025-02-02 08:39:39","post_modified_gmt":"2025-02-02 08:39:39","post_content_filtered":"","post_parent":0,"guid":"https:\/\/dctransparency.com\/?p=3811","menu_order":0,"post_type":"post","post_mime_type":"","comment_count":"0","filter":"raw"},{"ID":3792,"post_author":"7","post_date":"2020-08-14 13:58:48","post_date_gmt":"2020-08-14 13:58:48","post_content":"\n

Die Hagia Sophia war (ist) ein kulturelles Weltwunder und aufgeladen mit symbolischer Bedeutung, f\u00fcr die Christenheit ebenso wie f\u00fcr den Islam \u2013 und den t\u00fcrkischen Nationalismus. Als Mehmed II. sie betrat, war sie schon fast 1000 Jahre die gr\u00f6\u00dfte Kirche der christlichen Welt und das Zentrum der orthodoxen Glaubensrichtung. Die \"Ayasofya\", wie sie dann hie\u00df, war 500 Jahre lang Moschee \u2013 bis 1934, als Kemal Pascha Atat\u00fcrk, der \"Vater\" der modernen T\u00fcrkei, sie in ein Museum verwandelte, in der ausdr\u00fccklichen Absicht, auch hier mit dem osmanischen Erbe zu brechen.<\/p>\n\n\n\n

Nun wird Pr\u00e4sident Recep Tayyip Erdo\u011fan, der \"Vater\" der re-islamisierten T\u00fcrkei, am 24. Juli dieses Jahres die Ayasofya durch das Freitagsgebet wieder in den Islam eingliedern. Oder eher in seinen pers\u00f6nlichen religi\u00f6sen Nationalismus.<\/p>\n\n\n\n

Welterbe von allen<\/h3>\n\n\n\n

Wie bedeutungsschwer ist dieser Akt eines \"starken Mannes\", der innenpolitisch deutlich schw\u00e4chelt? Die Proteste vor allem aus der orthodoxen Welt, aber auch aus Europa und den USA sind eher traurig als w\u00fctend. Der Papst dr\u00fcckte seinen \"Schmerz\" aus. Auch der Jubel in der islamischen Welt fiel zun\u00e4chst weniger \u00fcbersch\u00e4umend als erwartet aus.<\/p>\n\n\n\n

Ist es der Alleingang eines Autokraten in Bedr\u00e4ngnis oder ist \"der Jubel \u00fcber die Eroberung der Hagia Sophia der Versuch einer zutiefst erniedrigten, vom Gef\u00fchl der Wertlosigkeit dominierten und in ihrer eigenen Selbstberechtigung beraubten Gesellschaft, eine Bedeutung, eine St\u00e4rke, ein Selbstwertgef\u00fchl zu finden\"? So recht pauschalierend der in Deutschland lebende pal\u00e4stinensische Intellektuelle und Psychiater Ahmad Mansour.<\/p>\n\n\n\n

Die beiden Gro\u00dfreiche, das byzantinische und das osmanische, sind l\u00e4ngst versunken.<\/p><\/blockquote>\n\n\n\n

Das eigentliche Schl\u00fcsselwort im Zusammenhang mit der Hagia Sofia ist \"Welterbe\". Das Erbe von allen. Einmal im kulturellen Sinn der Unesco, aber in Wahrheit weiter gefasst. Das einzigartige Bauwerk geh\u00f6rt in Wirklichkeit der ganzen Welt, nicht der einen oder anderen Religion. Die beiden Gro\u00dfreiche, f\u00fcr die die Hagia Sofia der zentrale spirituelle Bau war, das byzantinische und das osmanische, sind l\u00e4ngst versunken. Seither hat sie eine neue, \u00fcbernationale Dimension erhalten. Was Erdo\u011fan da jetzt mit der Hagia Sofia macht, ist eine Verengung und Verarmung eines gemeinsamen Welterbes.<\/p>\n\n\n\n

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Betende Muslime vor der Hagia Sophia.<\/figcaption><\/figure>\n\n\n\n

Davon abgesehen aber war und ist sie ein architektonisches Meisterwerk und geh\u00f6rt zu den bedeutendsten Bauten der Welt. Wer heute den Zentralraum unter der Kuppel betritt, kann sich nur schwer dem zugleich majest\u00e4tischen wie schwebenden Gesamteindruck entziehen. Die Hagia Sophia blieb fast 1000 Jahre die gr\u00f6\u00dfte Kirche der Christenheit. Technisch war die Kuppel (mit mehreren Halbkuppeln) eine \u00fcberaus riskante Innovation: Die 55 Meter hohe und 32 Meter im Durchmesser breite Kuppel ruht auf nur vier Tragpunkten, was den schwebenden, schwerelosen Eindruck erzeugt. Die Konstruktion folgt einem mathematischen Prinzip, das erst k\u00fcrzlich entschl\u00fcsselt wurde.<\/p>\n\n\n\n

\"Salomo, ich habe dich \u00fcbertroffen!\"<\/p><\/blockquote>\n\n\n\n

Als Kaiser Justinian die Hagia Sophia nach nur f\u00fcnf Jahren Bauzeit (532\u2013537) betrat, soll er in Anspielung auf den Tempel in Jerusalem ausgerufen haben: \"Salomo, ich habe dich \u00fcbertroffen!\" Die Innenausstattung war mit ihren S\u00e4ulen aus Porphyr und gr\u00fcnem Marmor, mit Mosaiken aus Gold und Halbedelsteinen derart prunkvoll, der Gesamteindruck derart \u00fcberirdisch, dass eine Delegation des Gro\u00dff\u00fcrsten von Kiew nicht mehr wusste, \"ob wir im Himmel oder auf der Erde\" waren \u2013 was die Christianisierung Russlands bef\u00f6rderte.<\/p>\n\n\n\n

Der deutsche Architekturlehrer Holger Kleine nennt die Hagia Sophia \"absolute Architektur\", weil sie \"extreme Ausdrucksformen nahezu aller dramaturgischen Mittel, die der Architektur zur Verf\u00fcgung stehen, vereinigt: wuchtigste K\u00f6rper und luftigste R\u00e4ume, engste Enge und gr\u00f6\u00dfte Weite, w\u00e4rmende Helligkeit und mystisches Dunkel\". Und die Kuppelbauten aus der sp\u00e4teren Hochbl\u00fcte der Moscheenarchitektur im 16. und 17. Jahrhundert gehen eindeutig auf die Hagia Sophia zur\u00fcck.<\/p>\n\n\n\n

Die Hagia Sophia war Staatskirche des byzantinischen Reichs. F\u00fcr die Eroberer der letzte Schlussstein in der Kuppel osmanisch-muslimischen Herrschaftsanspruchs. Konstantinopel war ja 1453 nur noch eine isolierte, heruntergekommene Enklave in einem osmanischen Umfeld, kein christliches Heer kam zu Hilfe. Doch vorher war es zugleich Sperrriegel nach Osten und Geistesarchiv der antiken Kultur gewesen. \"Ohne Byzanz h\u00e4tte es kein Europa gegeben\", sagt die britische Altertumsforscherin Judith Herrin.<\/p>\n\n\n\n

\"\"\/
Freigelegtes Mosaik von \"Christos Pantokrator\".<\/figcaption><\/figure>\n\n\n\n

Neue Fragen<\/h3>\n\n\n\n

Die Kirche wurde von Mehmed II. und Nachfolgern nicht in der Substanz zerst\u00f6rt, sondern \"entchristlicht\". Die urspr\u00fcnglich \u00fcbert\u00fcnchten oder auch abgeschlagenen Mosaiken mit den Darstellungen von Christus, der Muttergottes, diversen Kaisern kamen zum Teil schon unter einem Sultan des 19. Jahrhunderts, dann gro\u00dfteils nach der Museumswidmung wieder zum Vorschein.<\/p>\n\n\n\n

Jetzt stellen sich neue symbolisch-praktische Fragen. Erdo\u011fan hat die Hagia Sophia der konservativen staatlichen Religionsbeh\u00f6rde Diyanet unterstellt. Die byzantinischen Mosaike, wie der gro\u00dfartige \"Christos Pantokrator\" (\"Weltenherrscher\") oder die Jungfrau Maria in der Apsis, m\u00fcssen wohl w\u00e4hrend des islamischen Gottesdiensts verh\u00e4ngt werden. Muss der Boden mit seinen Marmorplatten und Mosaiken mit einem Teppich bedeckt werden? Erdo\u011fan sagt, Touristen seien nach wie vor zugelassen. Aber sie werden wohl hinter Absperrungen bleiben m\u00fcssen. Frauen werden \u2013 wie in der benachbarten \"Blauen Moschee\" (\"Sultanahmed\") Kopftuch tragen m\u00fcssen.<\/p>\n\n\n\n

\"\"\/
Erdo\u011fan mit Gattin in der Hagia Sophia.<\/figcaption><\/figure>\n\n\n\n

Erdo\u011fans neue Abenteuer<\/strong><\/h3>\n\n\n\n

Aber wird da nicht doch zu viel in einen Formalakt rund um ein uraltes Bauwerk hineininterpretiert? Im geschichtlichen Kontext relativiert sich manches: Konstantinopel wurde schon von Christen erobert und ausgepl\u00fcndert \u2013 1204 im Vierten Kreuzzug. In der Moschee von Cordoba (\"Mezquita\") bauten die Katholiken eine ganze Kirche in den ber\u00fchmten S\u00e4ulenwald hinein. Die Mezquita ist heute noch Kirche, kein Museum.<\/p>\n\n\n\n

\"Das ist der Beweis, dass wir kein s\u00e4kularer Staat mehr sein wollen\", sagt Nobelpreistr\u00e4ger Orhan Pamuk. Erdo\u011fan betrachtet sich offenbar als auch neoosmanischer \"Fatih\" im Mittelmeerraum mit immer neuen Abenteuern: Eingreifen in Syrien, Stellvertreterkrieg in Libyen, Anspr\u00fcche auf Erdgasvorkommen weit vor der t\u00fcrkischen K\u00fcste bei Zypern, Reden, wonach manche \u00c4g\u00e4is-Inseln eigentlich zur T\u00fcrkei geh\u00f6ren, \"denn dort stehen unsere Moscheen\". Manches davon ist nur Rhetorik, aber genug anderes ist riskante Realit\u00e4t. (Hans Rauscher, 14.7.2020)<\/p>\n\n\n\n

Quelle<\/a><\/strong><\/p>\n","post_title":"Hagia Sophia: Verengung und Verarmung eines Welterbes","post_excerpt":"","post_status":"publish","comment_status":"closed","ping_status":"closed","post_password":"","post_name":"hagia-sophia-verengung-und-verarmung-eines-welterbes","to_ping":"","pinged":"","post_modified":"2025-02-02 08:39:39","post_modified_gmt":"2025-02-02 08:39:39","post_content_filtered":"","post_parent":0,"guid":"https:\/\/dctransparency.com\/?p=3792","menu_order":0,"post_type":"post","post_mime_type":"","comment_count":"0","filter":"raw"},{"ID":3789,"post_author":"7","post_date":"2020-08-14 13:56:07","post_date_gmt":"2020-08-14 13:56:07","post_content":"\n

Im Gastkommentar pocht Mark Leonard, Direktor des Europ\u00e4ischen Rats f\u00fcr Ausw\u00e4rtige Beziehungen, auf \"neue, einvernehmlich vereinbarte Prinzipien sowie klare Grenzen\", nur so k\u00f6nne eine weitere Destabilisierung in der Region verhindert werden.<\/em><\/strong><\/p>\n\n\n\n

Ist die T\u00fcrkei das neue Russland? Diese Frage wird in den europ\u00e4ischen Hauptst\u00e4dten zunehmend gestellt, da die Au\u00dfenpolitik des t\u00fcrkischen Pr\u00e4sidenten Recep Tayyip Erdo\u011fan zunehmend aggressiver wird. Erdo\u011fan nutzt nicht nur die Migration, um die EU zu bedrohen und zu betr\u00fcgen, sondern setzt auch milit\u00e4rische Macht ein, um den Einflussbereich der T\u00fcrkei auf die gesamte Region auszudehnen.<\/p>\n\n\n\n

Seit dem Ende des Kalten Krieges haben die Europ\u00e4er die regionale Sicherheit durch eine unipolare westliche Linse betrachtet. W\u00e4hrend die Nato die milit\u00e4rische Sicherheit garantierte, sorgte die EU mit ihrem 80.000 Seiten starken Regelwerk f\u00fcr alles von LGBTQ-Rechten bis hin zu Rasenm\u00e4her-Sound-Verordnungen f\u00fcr Rechtsordnung. In den 90er-Jahren ging man allgemein davon aus, dass die beiden gro\u00dfen nichtwestlichen regionalen Akteure, Russland und die T\u00fcrkei, nach und nach an diese Regelungen herangef\u00fchrt werden w\u00fcrden.<\/p>\n\n\n\n

Qu\u00e4lende Hassliebe<\/h3>\n\n\n\n

Doch in den letzten 15 Jahren ist der Traum von der europ\u00e4ischen Unipolarit\u00e4t einer multipolaren Realit\u00e4t gewichen. Sowohl Russland als auch die T\u00fcrkei haben eine lange, qu\u00e4lende Hassliebe zu Europa, und beide sind unter nationalen Machthabern, denen die Verachtung der Normen und Werte der EU gemeinsam ist, durchsetzungsf\u00e4higer geworden.<\/p>\n\n\n\n

Die zunehmende Verschlechterung der Beziehungen zwischen der EU und Russland ist gut dokumentiert, der Fall der T\u00fcrkei weniger. Der Irakkrieg im Jahr 2003 komplizierte das Verh\u00e4ltnis der T\u00fcrkei zur Nato, und ihr Verh\u00e4ltnis zur EU verschlechterte sich 2007, als Frankreich einen wichtigen Teil ihrer EU-Beitrittsverhandlungen blockierte. Seitdem hat die T\u00fcrkei ihren eigenen Weg in Syrien, auf dem Balkan und in Libyen eingeschlagen und neue Beziehungen zu Russland und China aufgebaut.<\/p>\n\n\n\n

Wichtiger Akteur<\/strong><\/h3>\n\n\n\n

Nat\u00fcrlich sind die Beziehungen zwischen der T\u00fcrkei und Russland nicht weniger kompliziert, nicht zuletzt weil Erdo\u011fan und der russische Pr\u00e4sident Wladimir Putin im syrischen B\u00fcrgerkrieg verschiedene Seiten unterst\u00fctzten.Und w\u00e4hrend die Spannungen wegen des Syrien-Konflikts weiterhin bestehen, bewundert Erdo\u011fan deutlich, wie Russland sich \u2013 bei relativ geringen Kosten \u2013 wieder als wichtiger Akteur im Nahen Osten und in Nordafrika etabliert hat.<\/p>\n\n\n\n

Nachdem er in einen nicht zu gewinnenden Krieg im Osten der Ukraine verwickelt war, schien Putins weitgehend erfolgreicher Feldzug in Syrien einen Teil seiner innenpolitischen Autorit\u00e4t wiederherzustellen. Der Westen hatte f\u00fcnf Jahre lang darauf bestanden, dass es keine milit\u00e4rische L\u00f6sung des Konflikts gebe und dass der syrische Pr\u00e4sident Baschar al-Assad gehen m\u00fcsse. Doch w\u00e4hrend die von den Vereinten Nationen unterst\u00fctzten Gespr\u00e4che in Genf zu keinem Ergebnis f\u00fchrten, schienen die von Russland geleiteten Gespr\u00e4che in Astana voranzukommen. Indem der Kreml die T\u00fcrkei und den Iran einbezog, w\u00e4hrend er die westlichen M\u00e4chte ausschloss, erweckte er den Eindruck, dass Russland als wiedergeborene Supermacht aus der Asche auferstanden sei.<\/p>\n\n\n\n

Unter Druck<\/h3>\n\n\n\n

Angesichts des wachsenden Widerstands im eigenen Land macht es Erdo\u011fan Putin gleich. Da der Westen nicht bereit war, (erneut) milit\u00e4risch in Libyen zu intervenieren, sah Erdo\u011fan eine Gelegenheit, die T\u00fcrkei zu positionieren. Nach dem Vorgehen Russlands in Syrien sicherte er sich eine formelle Einladung der libyschen Regierung zur Intervention. Mit einem Schlag Ende letzten Jahres hat er nicht nur das Image der T\u00fcrkei als Regionalmacht gest\u00e4rkt, sondern auch ein Abkommen mit Libyen \u00fcber die Seegrenze abgeschlossen und damit einen Plan Griechenlands, Zyperns, \u00c4gyptens und Israels zur Erschlie\u00dfung von Unterwasser\u00f6l- und -gasfeldern in der N\u00e4he zunichtegemacht.<\/p>\n\n\n\n

Erdo\u011fan scheint auch von der Spalt-und-Eroberungs-Strategie des Kreml in Europa inspiriert worden zu sein, der zufolge oft diejenigen EU-Mitgliedsstaaten unter Druck gesetzt werden, die am meisten von russischen Kohlenwasserstoffen oder M\u00e4rkten abh\u00e4ngig sind. So wie Putin lange Zeit die Energieversorgung instrumentalisiert hat, hat Erdo\u011fan versucht, den Strom von Migranten und Fl\u00fcchtlingen, die vor Konflikten im Nahen Osten fliehen, zu instrumentalisieren. Als die EU eine neue Marinemission ank\u00fcndigte, um den Waffenstrom nach Libyen zu blockieren, malte die T\u00fcrkei f\u00fcr Malta das Schreckgespenst der angeblichen Bedrohung durch Migranten an die Wand. Malta reagierte prompt und signalisierte, dass es gegen die Finanzierung der Mission ein Veto einlegen werde.<\/p>\n\n\n\n

Verlorener Sohn<\/strong><\/h3>\n\n\n\n

Jahrelang redeten sich die Europ\u00e4er ein, dass Russland eine Art verlorener Sohn sei und dass die europ\u00e4ische unipolare Ordnung gesund bleibe. Doch das machte Europa zu einem leichten Ziel f\u00fcr die Trennungs-und-Eroberungs-Strategie des Kreml. Erst vor relativ kurzer Zeit entwarf die Union eine neue Politik und ein robustes Sanktionsregime, um die russische Aggression abzuschrecken. Und selbst jetzt \u2013 trotz der besten Bem\u00fchungen der deutschen Bundeskanzlerin Angela Merkel und des franz\u00f6sischen Pr\u00e4sidenten Emmanuel Macron \u2013 hat die EU noch immer keine wirksamen Kommunikationskan\u00e4le mit Russland geschaffen, um gemeinsame Probleme anzugehen.<\/p>\n\n\n\n

Die T\u00fcrkei ist noch kein neues Russland, aber sie k\u00f6nnte dazu werden, wenn die Situation falsch gehandhabt wird. Vorerst betrachten die meisten Europ\u00e4er die T\u00fcrkei noch immer als einen komplizierten Partner und nicht als \"Systemrivalen\". Aber die Europ\u00e4er sollten die hart erk\u00e4mpften Lehren aus dem Umgang mit Russland in den letzten 15 Jahren beherzigen. Die Beziehungen zwischen der EU und der T\u00fcrkei brauchen neue, einvernehmlich vereinbarte Prinzipien sowie klare Grenzen, um eine weitere Destabilisierung in der Region zu verhindern.<\/p>\n\n\n\n

Zu diesem Zweck sollten die Europ\u00e4er klarstellen, dass der EU-Beitrittsprozess entweder zur\u00fcckgedreht oder vorangetrieben werden kann und dass eine eher transaktionale Beziehung sowohl Zuckerbrot als auch Peitsche beinhaltet. Die Herausforderung wird darin bestehen, daf\u00fcr zu sorgen, dass es in einer Region, die nicht nur von Europa und der T\u00fcrkei, sondern auch von Russland, den USA und einem aufstrebenden China beeinflusst wird, noch Raum f\u00fcr politisches Engagement in Fragen der gemeinsamen Sicherheit gibt. (Mark Leonard, \u00dcbersetzung: Eva G\u00f6llner, Copyright: Project Syndicate, 10.8.2020)<\/p>\n\n\n\n

Mark Leonard <\/strong>ist Direktor des Europ\u00e4ischen Rats f\u00fcr Ausw\u00e4rtige Beziehungen.<\/a><\/p>\n","post_title":"Erdo\u011fan \u2013 der andere Putin vor der Haust\u00fcr Europas","post_excerpt":"","post_status":"publish","comment_status":"closed","ping_status":"closed","post_password":"","post_name":"erdogan-der-andere-putin-vor-der-haustur-europas","to_ping":"","pinged":"","post_modified":"2025-02-02 08:39:39","post_modified_gmt":"2025-02-02 08:39:39","post_content_filtered":"","post_parent":0,"guid":"https:\/\/dctransparency.com\/?p=3789","menu_order":0,"post_type":"post","post_mime_type":"","comment_count":"0","filter":"raw"},{"ID":3786,"post_author":"7","post_date":"2020-08-14 13:51:23","post_date_gmt":"2020-08-14 13:51:23","post_content":"\n

Einen Monat nachdem ich zur israelischen Armee eingezogen worden war, brach die erste Intifada aus. Statt Soldat zu sein, machte ich Polizeiarbeit, sagte den Menschen, wann sie zur Arbeit gehen konnten und wann sie ihre L\u00e4den schlie\u00dfen mussten, wann sie die Grenze passieren und wann sie schlafen konnten. Einen Monat nachdem ich aus der Armee entlassen worden war, ging ich auf Reisen. (In Israel sagen wir: Wir dienen drei Jahre und versuchen den Rest unseres Lebens, diese drei Jahre zu vergessen.) Auf meiner Reise begann ich Briefe an meine Freundin zu schreiben, die ich in Israel zur\u00fcckgelassen hatte.<\/p>\n\n\n\n

Ich schrieb ihr, wie schrecklich depressiv ich war und dass diese drei Jahre des Anweisungenbellens und Anderen-Menschen-Sagens, was sie zu tun haben, mich f\u00fcr immer verfolgen w\u00fcrden. Dass sie ein Teil dessen geworden waren, was ich bin. Ich erinnere mich, dass ich ihr schrieb, dass wir da rausm\u00fcssen \u2013 nicht nur f\u00fcr die Pal\u00e4stinenser, sondern wegen der furchtbaren und brutalen Auswirkungen, die all das auf uns, auf die israelische Gesellschaft haben w\u00fcrde. Sie schrieb zur\u00fcck: \u201eDu hast recht. Ich habe einen neuen Freund.\u201c<\/p>\n\n\n\n

Felix Klein wurde als Beauftragter der Bundesregierung berufen<\/a>, um die Auswirkungen des zunehmenden Antisemitismus in unserer Gesellschaft, in Deutschland, zu bek\u00e4mpfen. Was nicht in seiner Jobbeschreibung steht, ist, dass er dabei unsere Gesellschaft heilen muss, jene Gesellschaft, die diese Form des Hasses reproduziert und sch\u00fctzt. Klein hat das begriffen.<\/p>\n\n\n\n

Er versteht, dass man Krebs nicht mit einem Pflaster verarztet, er wei\u00df, dass er das Bewusstsein der Deutschen sch\u00e4rfen und Diskussionen ansto\u00dfen muss. Er hat begriffen, dass das Problem nicht nur an den R\u00e4ndern der Gesellschaft (bei den Rechten) liegt, sondern auch in ihrer Mitte. Dort, wo gebildete Menschen nicht einmal bemerken, dass das, was sie sagen und tun, antisemitisch ist. So wie sie es auch nicht merken, wenn sie rassistisch handeln. Er hat all das verstanden, und genau deshalb wollen einige, dass er seinen Posten r\u00e4umt.<\/p>\n\n\n\n

Mehr als 60 deutsche und israelische Intellektuelle haben letzte Woche in einem Brief an Kanzlerin Merkel<\/a> dar\u00fcber geklagt, dass der aktuelle \u201eGebrauch des Antisemitismusbegriffs\u201c darauf abziele, \u201elegitime Kritik an der israelischen Regierungspolitik zu unterdr\u00fccken\u201c, und Klein vorgeworfen, rechtspopulistische israelische Stimmen zu f\u00f6rdern.<\/p>\n\n\n\n

Faszinierend an diesem offenen Brief ist, dass viele der Unterzeichneten keine Deutschen sind und auch nicht in Deutschland leben. Ich wei\u00df nicht, woher sie \u2013 die meisten von ihnen sind Israelis \u2013 die Chuzpe haben, sich in eine innerdeutsche Angelegenheit einzumischen und zu fordern, eine Person zu entlassen, die von der Bundesregierung eingesetzt wurde. Die H\u00e4lfte der Unterzeichneten lebt nicht hier, von der anderen H\u00e4lfte sind viele keine Juden \u2013 somit sind die allermeisten von ihnen nicht direkt vom Antisemitismus in Deutschland betroffen. Wie also k\u00f6nnen sie diesen Brief unterschreiben? Und warum eigentlich haben so wenige Deutsche unterschrieben? Dazu komme ich gleich.<\/p>\n\n\n\n

Debatte um Achille Mbembe<\/h6>\n\n\n\n

Hintergrund des Briefs war, dass Felix Klein gefordert hatte, den Philosophen Achille Mbembe<\/a> nicht die Er\u00f6ffnungsrede der Ruhrtriennale halten zu lassen. Als mit \u00f6ffentlichen Mitteln gef\u00f6rdertes Event solle die Ruhrtriennale Mbembe wegen seiner Haltung zu Israels Existenzrecht, seiner Haltung zu BDS und der Art, wie er in einem seiner Werke den Holocaust relativiert, nicht einladen.<\/p>\n\n\n\n

Mbembes Unterst\u00fctzer sagen, keine dieser Anschuldigungen sei wahr. F\u00fcrs Protokoll: In meinen Augen unterst\u00fctzt Mbembe sehr wohl BDS<\/a>, er schrieb unter anderem das Vorwort zu \u201eApartheid Israel\u201c und fordert die komplette Isolation Israels. Ich glaube auch, wenn Mbembe schreibt, die israelische Besetzung sei der \u201egr\u00f6\u00dfte moralische Skandal unserer Zeit\u201c, zeigt das, dass sein moralischer und geografischer Kompass etwas schief ist.<\/p>\n\n\n\n

Doch warum treibt die Debatte so viele Menschen um? Nun, zun\u00e4chst gibt niemand gern auf, was ihm oder ihr selbstverst\u00e4ndlich scheint. \u00dcber den gesamten politischen, sozialen, kulturellen, medialen und akademischen Sektor hinweg sind Menschen daran gew\u00f6hnt, so schlecht \u00fcber Israel sprechen zu k\u00f6nnen, wie auch immer sie wollen.<\/p>\n\n\n\n

Der Spiegel<\/em> hat \u2013 vielleicht in Anlehnung an seine Relotius-Standards, Israel erst k\u00fcrzlich eine Corona-Diktatur genannt. Fakten und Belege f\u00fcr diese Behauptung gab es nicht. Doch Millionen Deutsche haben es gelesen, und es wird nat\u00fcrlich haften bleiben. Faktenlage hin oder her. Der Spiegel<\/em> und andere Medien haben dieses Spiel perfektioniert: Titel so zu drehen, dass sie Israel indirekt anklagen, die Idee zu streuen, der Mossad kon\u00adtrol\u00adliere die deutsche Au\u00dfenpolitik im Nahen Osten, und so fort. Doch sie stehen allesamt sofort auf den Hinterbeinen, wenn jemand es wagt, das Spiel beim Namen zu nennen: moderner Antisemitismus.<\/p>\n\n\n\n

Klein will dem entgegenwirken. Er versteht, dass antisemitische Attacken in Deutschland die Fr\u00fcchte solch falsch gezeichneter Bilder und eindimensionaler Narrative \u00fcber Israel sind. Wenn er und andere versuchen, ein anderes Narrativ aufzuzeigen, wirft man ihnen Zensur vor: Wie k\u00f6nnen sie es wagen, das Gesch\u00e4ft der Anti-Israel-Propaganda zu st\u00f6ren?<\/p>\n\n\n\n

Liebe Deutsche, wenn ihr reden wollt, lasst uns gern reden: \u00fcber die Besetzung, \u00fcber Bibi und alles, was schiefl\u00e4uft. Aber dann lasst uns bitte auch dar\u00fcber reden, wie deutsche Steuergelder Terrortunnel finanzieren. Erst vergangene Woche r\u00e4umte die niederl\u00e4ndische Regierung ein, dass Gelder an eine Landwirtschaftsorganisation in Ramallah geflossen seien, die damit teilweise die Geh\u00e4lter zweier des Mordes an der 17-j\u00e4hrigen Israelin Rina Shnerb Verd\u00e4chtiger gezahlt haben. Auch die Bundesregierung unterst\u00fctzt diese Organisation, obwohl Kritiker schon lange vor Verbindungen zu Terroristen warnen.<\/p>\n\n\n\n

Wir k\u00f6nnen uns also gerne unterhalten \u2013 aber im Dialog, nicht in Monologen. Denn Reden unter Menschen, die sich einig sind, ist nichts anderes als Impotenz.<\/p>\n\n\n\n

Israelkritik als Eintrittskarte<\/h6>\n\n\n\n

Die Israelis, die die Petition unterzeichnet haben, haben \u00fcbrigens ebenfalls etwas verstanden. Seit Jahren wissen sie: Es ist ihre Eintrittskarte in die Mitte der deutschen (und europ\u00e4ischen) Gesellschaft. Man h\u00f6rt nicht oft von Akademikern mit proisraelischen Ansichten. Weder in den Philharmonie-Orchestern noch in der Kunstszene. Die Eintrittskarte daf\u00fcr ist ein antiisraelischer Standpunkt.<\/p>\n\n\n\n

Der mutma\u00dfliche Grund, warum kaum Deutsche die Petition unterzeichnet haben: Sie mussten es nicht. Ihre Lieblingsjuden haben es f\u00fcr sie getan. Jetzt k\u00f6nnen sie sagen: \u201eSchau, ich bin das ja nicht, meine j\u00fcdischen Freunde sagen es.\u201c Ich selbst war einige Jahre lang mit einem Paar hier in Berlin befreundet, bis ich herausfand, dass ich ihr Lieblingsjude war. Ja, selbst das j\u00fcdische Museum wurde so genutzt.<\/p>\n\n\n\n

Weil Attacken gegen Juden ein absolutes Tabu sind, wurden Umwege gefunden, um den Antisemitismus auf kleiner Flamme k\u00f6cheln zu lassen: die unfundierte, unbegr\u00fcndete Kritik an Israel.<\/p>\n\n\n\n

Diese Art der Kritik ist gef\u00e4hrlich. Sie schw\u00e4cht jede begr\u00fcndete und notwendige Kritik am Verhalten Israels. Und das Interessante ist: Trotz all der heftigen, pauschalisierenden Anklagen, all der offenen Briefe driftet Israel politisch immer weiter nach rechts. Doch statt mal einen anderen Ansatz zu versuchen, werden die antiisraelischen Stimmen nur lauter. Dasselbe versuchen und andere Ergebnisse davon erwarten \u2013 das ist die Definition von Wahnsinn.<\/p>\n\n\n\n

Kurz bevor der Prozess gegen den wegen des Attentats von Halle<\/a> Angeklagten begann \u2013 des seit Kriegsende schlimmsten Akts von Antisemitismus in Deutschland \u2013, lud eine Lokalzeitung den fr\u00fcheren Botschafter Shimon Stein und den Historiker Moshe Zimmermann ein, dar\u00fcber zu schreiben, was Antisemitismus ist. Nat\u00fcrlich wendeten auch sie sich gegen Felix Kleins Ansatz. Sie zitieren die Kontroverse um die Umbenennung der U-Bahn-Station Mohrenstra\u00dfe in Glinkastra\u00dfe, die sich darum drehte, dass der russische Komponist Michael Glinka Antisemit gewesen sein soll. Stein und Zimmermann halten die Debatte f\u00fcr \u00fcberzogen, Glinka sei nur ein Kind seiner Zeit gewesen. Folgt man ihrer Logik, k\u00f6nnen wir dann also in 20 oder 30 Jahren U-Bahn-Stationen nach den Kindern der 1930er Jahre benennen?<\/p>\n\n\n\n

Der Antisemit als Tierfreund<\/h6>\n\n\n\n

Ich w\u00fcnschte, die Sache h\u00e4tte mit dem Artikel, mit der Petition geendet. Doch dann erschien ein Artikel, der den Leser auf einen Waldspaziergang mit einem veganen Koch und Antisemiten mitnahm. Darin setzt der Tierfreund erst behutsam einen K\u00e4fer wieder auf seine Beinchen und erkl\u00e4rt dann, dass die Todesstrafe in Deutschland wieder eingef\u00fchrt werden solle, um einen gewissen Politiker (der zuf\u00e4llig pro Israel ist) an seinen Hoden aufh\u00e4ngen zu k\u00f6nnen. Dieser Koch hat Hunderttausende Follower, er sagt all solche Dinge am helllichten Tag in Berlin. Und in den Medien.<\/p>\n\n\n\n

F\u00e4lle wie dieser handeln bereits von Gewalt \u2013 und sie enden nicht bei den Juden. Der Hass richtet sich gegen Frauen<\/a>, Muslime, Gefl\u00fcchtete, \u00adLBTQI. Am Ende aller theoretischen Debatten stehen immer echte Menschen. Am Ende jeder Konferenz dar\u00fcber, was Antisemitismus ausmacht, steht ein potenzielles j\u00fcdisches Opfer. Angesichts einer Welle von Antisemitismus \u00fcber die Definition von Antisemitismus zu streiten ist, wie eine 10 Meter hohe Welle heranrollen zu sehen und dar\u00fcber zu streiten, was einen Tsunami ausmacht.<\/p>\n\n\n\n

Felix Klein versteht, wie absurd es ist, zu sagen: Es sind nur die Rechten. Die Rechten sind Deutsche, so wie die Nazis Deutsche waren. Klein versteht, dass die Deutschen nicht aufgeh\u00f6rt haben, Juden zu ermorden, weil sie irgendeine Art von Erleuchtung hatten. Sondern schlicht, weil sie den Krieg verloren haben. Um den Antisemitismus zu bek\u00e4mpfen, bevor er die Gesellschaft frisst, in der er und wir leben, muss Deutschland seinen moralischen Kompass korrigieren.<\/p>\n\n\n\n

Immerhin: Mehr und mehr Deutsche fahren nach Israel, sie wollen ein anderes Narrativ h\u00f6ren. Mehr und mehr Deutsche verstehen, dass Antisemitismus Schockwellen ausl\u00f6st, die die gesamte Gesellschaft betreffen. In einem normalen Universum w\u00fcrde Klein bef\u00f6rdert werden f\u00fcr seine Leistung. In einer verdrehten Gesellschaft fordern Menschen seine Entlassung. Um es mit Mbembe zu sagen: Das ist Nano-Nonsens.<\/p>\n\n\n\n

\u00dcbersetzung: Ariane Lemme<\/a><\/em><\/p>\n","post_title":"Felix Klein hat verstanden","post_excerpt":"","post_status":"publish","comment_status":"closed","ping_status":"closed","post_password":"","post_name":"felix-klein-hat-verstanden","to_ping":"","pinged":"","post_modified":"2025-02-02 08:39:39","post_modified_gmt":"2025-02-02 08:39:39","post_content_filtered":"","post_parent":0,"guid":"https:\/\/dctransparency.com\/?p=3786","menu_order":0,"post_type":"post","post_mime_type":"","comment_count":"0","filter":"raw"}],"next":false,"prev":true,"total_page":47},"paged":1,"column_class":"jeg_col_2o3","class":"epic_block_3"};

\n

Dies ist das gleiche Flugzeugmodell, das von den Vereinten Nationen in einen Luftangriff auf ein Migrationszentrum \u00f6stlich von Tripolis im Juli 2019 verwickelt wurde, bei dem 53 Menschen get\u00f6tet wurden.<\/p>\n\n\n\n

Ausl\u00e4ndischer Jet bei libyschem Migrantenangriff verd\u00e4chtigt<\/p>\n\n\n\n

Sidi Barrani ist auch das Ziel f\u00fcr mehrere Frachtflugzeuge, die von den Vereinigten Arabischen Emiraten gestartet sind, und schl\u00e4gt eine Luftbr\u00fccke f\u00fcr Ausr\u00fcstung oder Lieferungen zwischen den Vereinigten Arabischen Emiraten und einer Milit\u00e4rbasis vor, die nur 80 km von der libyschen Grenze entfernt liegt.<\/p>\n\n\n\n

Die \u00e4gyptische Regierung antwortete nicht auf die Bitte der BBC um Stellungnahme.<\/p>\n\n\n\n

Ist ausl\u00e4ndisches milit\u00e4risches Engagement \u00fcberraschend?<\/strong><\/p>\n\n\n\n

Sowohl die Vereinigten Arabischen Emirate als auch \u00c4gypten nahmen an einer von Bundeskanzlerin Angela Merkel im Januar dieses Jahres in Berlin einberufenen Konferenz \u00fcber Libyen teil, auf der sie ihre Unterst\u00fctzung f\u00fcr den UN-Friedensprozess bekr\u00e4ftigten und sich bereit erkl\u00e4rten, nicht in den Libyen-Krieg einzugreifen.<\/p>\n\n\n\n

Im vergangenen Jahr gab es jedoch eine Eskalation des Einsatzes von Drohnen durch beide Seiten des Konflikts.<\/p>\n\n\n\n

Ghassan Salam\u00e9, der fr\u00fchere Leiter der UN-Mission in Libyen, beschrieb dies als \"m\u00f6glicherweise das gr\u00f6\u00dfte Drohnenkriegstheater der Welt\".<\/p>\n\n\n\n

Die VAE sind nicht die einzige ausl\u00e4ndische Macht, die an diesem Konflikt beteiligt ist.<\/p>\n\n\n\n

Anfang dieses Jahres gab BBC Africa Eye bekannt, dass die T\u00fcrkei auch gegen das Waffenembargo der Vereinten Nationen gegen Libyen versto\u00dfen hat, indem sie geheime Waffenlieferungen an die von den Vereinten Nationen anerkannte Regierung in Tripolis gesendet hat.<\/p>\n\n\n\n

Mit Unterst\u00fctzung der T\u00fcrkei hat die von den Vereinten Nationen anerkannte Regierung des Nationalen Abkommens nun die LNA von Gen Haftar aus der Gegend um Tripolis zur\u00fcckgeschlagen.<\/p>\n","post_title":"BBC-Untersuchung: VAE in t\u00f6dlichen Angriff in Libyen verwickelt","post_excerpt":"","post_status":"publish","comment_status":"closed","ping_status":"closed","post_password":"","post_name":"bbc-untersuchung-vae-in-todlichen-angriff-in-libyen-verwickelt","to_ping":"","pinged":"","post_modified":"2025-02-02 08:39:39","post_modified_gmt":"2025-02-02 08:39:39","post_content_filtered":"","post_parent":0,"guid":"https:\/\/dctransparency.com\/?p=3811","menu_order":0,"post_type":"post","post_mime_type":"","comment_count":"0","filter":"raw"},{"ID":3792,"post_author":"7","post_date":"2020-08-14 13:58:48","post_date_gmt":"2020-08-14 13:58:48","post_content":"\n

Die Hagia Sophia war (ist) ein kulturelles Weltwunder und aufgeladen mit symbolischer Bedeutung, f\u00fcr die Christenheit ebenso wie f\u00fcr den Islam \u2013 und den t\u00fcrkischen Nationalismus. Als Mehmed II. sie betrat, war sie schon fast 1000 Jahre die gr\u00f6\u00dfte Kirche der christlichen Welt und das Zentrum der orthodoxen Glaubensrichtung. Die \"Ayasofya\", wie sie dann hie\u00df, war 500 Jahre lang Moschee \u2013 bis 1934, als Kemal Pascha Atat\u00fcrk, der \"Vater\" der modernen T\u00fcrkei, sie in ein Museum verwandelte, in der ausdr\u00fccklichen Absicht, auch hier mit dem osmanischen Erbe zu brechen.<\/p>\n\n\n\n

Nun wird Pr\u00e4sident Recep Tayyip Erdo\u011fan, der \"Vater\" der re-islamisierten T\u00fcrkei, am 24. Juli dieses Jahres die Ayasofya durch das Freitagsgebet wieder in den Islam eingliedern. Oder eher in seinen pers\u00f6nlichen religi\u00f6sen Nationalismus.<\/p>\n\n\n\n

Welterbe von allen<\/h3>\n\n\n\n

Wie bedeutungsschwer ist dieser Akt eines \"starken Mannes\", der innenpolitisch deutlich schw\u00e4chelt? Die Proteste vor allem aus der orthodoxen Welt, aber auch aus Europa und den USA sind eher traurig als w\u00fctend. Der Papst dr\u00fcckte seinen \"Schmerz\" aus. Auch der Jubel in der islamischen Welt fiel zun\u00e4chst weniger \u00fcbersch\u00e4umend als erwartet aus.<\/p>\n\n\n\n

Ist es der Alleingang eines Autokraten in Bedr\u00e4ngnis oder ist \"der Jubel \u00fcber die Eroberung der Hagia Sophia der Versuch einer zutiefst erniedrigten, vom Gef\u00fchl der Wertlosigkeit dominierten und in ihrer eigenen Selbstberechtigung beraubten Gesellschaft, eine Bedeutung, eine St\u00e4rke, ein Selbstwertgef\u00fchl zu finden\"? So recht pauschalierend der in Deutschland lebende pal\u00e4stinensische Intellektuelle und Psychiater Ahmad Mansour.<\/p>\n\n\n\n

Die beiden Gro\u00dfreiche, das byzantinische und das osmanische, sind l\u00e4ngst versunken.<\/p><\/blockquote>\n\n\n\n

Das eigentliche Schl\u00fcsselwort im Zusammenhang mit der Hagia Sofia ist \"Welterbe\". Das Erbe von allen. Einmal im kulturellen Sinn der Unesco, aber in Wahrheit weiter gefasst. Das einzigartige Bauwerk geh\u00f6rt in Wirklichkeit der ganzen Welt, nicht der einen oder anderen Religion. Die beiden Gro\u00dfreiche, f\u00fcr die die Hagia Sofia der zentrale spirituelle Bau war, das byzantinische und das osmanische, sind l\u00e4ngst versunken. Seither hat sie eine neue, \u00fcbernationale Dimension erhalten. Was Erdo\u011fan da jetzt mit der Hagia Sofia macht, ist eine Verengung und Verarmung eines gemeinsamen Welterbes.<\/p>\n\n\n\n

\"\"\/
Betende Muslime vor der Hagia Sophia.<\/figcaption><\/figure>\n\n\n\n

Davon abgesehen aber war und ist sie ein architektonisches Meisterwerk und geh\u00f6rt zu den bedeutendsten Bauten der Welt. Wer heute den Zentralraum unter der Kuppel betritt, kann sich nur schwer dem zugleich majest\u00e4tischen wie schwebenden Gesamteindruck entziehen. Die Hagia Sophia blieb fast 1000 Jahre die gr\u00f6\u00dfte Kirche der Christenheit. Technisch war die Kuppel (mit mehreren Halbkuppeln) eine \u00fcberaus riskante Innovation: Die 55 Meter hohe und 32 Meter im Durchmesser breite Kuppel ruht auf nur vier Tragpunkten, was den schwebenden, schwerelosen Eindruck erzeugt. Die Konstruktion folgt einem mathematischen Prinzip, das erst k\u00fcrzlich entschl\u00fcsselt wurde.<\/p>\n\n\n\n

\"Salomo, ich habe dich \u00fcbertroffen!\"<\/p><\/blockquote>\n\n\n\n

Als Kaiser Justinian die Hagia Sophia nach nur f\u00fcnf Jahren Bauzeit (532\u2013537) betrat, soll er in Anspielung auf den Tempel in Jerusalem ausgerufen haben: \"Salomo, ich habe dich \u00fcbertroffen!\" Die Innenausstattung war mit ihren S\u00e4ulen aus Porphyr und gr\u00fcnem Marmor, mit Mosaiken aus Gold und Halbedelsteinen derart prunkvoll, der Gesamteindruck derart \u00fcberirdisch, dass eine Delegation des Gro\u00dff\u00fcrsten von Kiew nicht mehr wusste, \"ob wir im Himmel oder auf der Erde\" waren \u2013 was die Christianisierung Russlands bef\u00f6rderte.<\/p>\n\n\n\n

Der deutsche Architekturlehrer Holger Kleine nennt die Hagia Sophia \"absolute Architektur\", weil sie \"extreme Ausdrucksformen nahezu aller dramaturgischen Mittel, die der Architektur zur Verf\u00fcgung stehen, vereinigt: wuchtigste K\u00f6rper und luftigste R\u00e4ume, engste Enge und gr\u00f6\u00dfte Weite, w\u00e4rmende Helligkeit und mystisches Dunkel\". Und die Kuppelbauten aus der sp\u00e4teren Hochbl\u00fcte der Moscheenarchitektur im 16. und 17. Jahrhundert gehen eindeutig auf die Hagia Sophia zur\u00fcck.<\/p>\n\n\n\n

Die Hagia Sophia war Staatskirche des byzantinischen Reichs. F\u00fcr die Eroberer der letzte Schlussstein in der Kuppel osmanisch-muslimischen Herrschaftsanspruchs. Konstantinopel war ja 1453 nur noch eine isolierte, heruntergekommene Enklave in einem osmanischen Umfeld, kein christliches Heer kam zu Hilfe. Doch vorher war es zugleich Sperrriegel nach Osten und Geistesarchiv der antiken Kultur gewesen. \"Ohne Byzanz h\u00e4tte es kein Europa gegeben\", sagt die britische Altertumsforscherin Judith Herrin.<\/p>\n\n\n\n

\"\"\/
Freigelegtes Mosaik von \"Christos Pantokrator\".<\/figcaption><\/figure>\n\n\n\n

Neue Fragen<\/h3>\n\n\n\n

Die Kirche wurde von Mehmed II. und Nachfolgern nicht in der Substanz zerst\u00f6rt, sondern \"entchristlicht\". Die urspr\u00fcnglich \u00fcbert\u00fcnchten oder auch abgeschlagenen Mosaiken mit den Darstellungen von Christus, der Muttergottes, diversen Kaisern kamen zum Teil schon unter einem Sultan des 19. Jahrhunderts, dann gro\u00dfteils nach der Museumswidmung wieder zum Vorschein.<\/p>\n\n\n\n

Jetzt stellen sich neue symbolisch-praktische Fragen. Erdo\u011fan hat die Hagia Sophia der konservativen staatlichen Religionsbeh\u00f6rde Diyanet unterstellt. Die byzantinischen Mosaike, wie der gro\u00dfartige \"Christos Pantokrator\" (\"Weltenherrscher\") oder die Jungfrau Maria in der Apsis, m\u00fcssen wohl w\u00e4hrend des islamischen Gottesdiensts verh\u00e4ngt werden. Muss der Boden mit seinen Marmorplatten und Mosaiken mit einem Teppich bedeckt werden? Erdo\u011fan sagt, Touristen seien nach wie vor zugelassen. Aber sie werden wohl hinter Absperrungen bleiben m\u00fcssen. Frauen werden \u2013 wie in der benachbarten \"Blauen Moschee\" (\"Sultanahmed\") Kopftuch tragen m\u00fcssen.<\/p>\n\n\n\n

\"\"\/
Erdo\u011fan mit Gattin in der Hagia Sophia.<\/figcaption><\/figure>\n\n\n\n

Erdo\u011fans neue Abenteuer<\/strong><\/h3>\n\n\n\n

Aber wird da nicht doch zu viel in einen Formalakt rund um ein uraltes Bauwerk hineininterpretiert? Im geschichtlichen Kontext relativiert sich manches: Konstantinopel wurde schon von Christen erobert und ausgepl\u00fcndert \u2013 1204 im Vierten Kreuzzug. In der Moschee von Cordoba (\"Mezquita\") bauten die Katholiken eine ganze Kirche in den ber\u00fchmten S\u00e4ulenwald hinein. Die Mezquita ist heute noch Kirche, kein Museum.<\/p>\n\n\n\n

\"Das ist der Beweis, dass wir kein s\u00e4kularer Staat mehr sein wollen\", sagt Nobelpreistr\u00e4ger Orhan Pamuk. Erdo\u011fan betrachtet sich offenbar als auch neoosmanischer \"Fatih\" im Mittelmeerraum mit immer neuen Abenteuern: Eingreifen in Syrien, Stellvertreterkrieg in Libyen, Anspr\u00fcche auf Erdgasvorkommen weit vor der t\u00fcrkischen K\u00fcste bei Zypern, Reden, wonach manche \u00c4g\u00e4is-Inseln eigentlich zur T\u00fcrkei geh\u00f6ren, \"denn dort stehen unsere Moscheen\". Manches davon ist nur Rhetorik, aber genug anderes ist riskante Realit\u00e4t. (Hans Rauscher, 14.7.2020)<\/p>\n\n\n\n

Quelle<\/a><\/strong><\/p>\n","post_title":"Hagia Sophia: Verengung und Verarmung eines Welterbes","post_excerpt":"","post_status":"publish","comment_status":"closed","ping_status":"closed","post_password":"","post_name":"hagia-sophia-verengung-und-verarmung-eines-welterbes","to_ping":"","pinged":"","post_modified":"2025-02-02 08:39:39","post_modified_gmt":"2025-02-02 08:39:39","post_content_filtered":"","post_parent":0,"guid":"https:\/\/dctransparency.com\/?p=3792","menu_order":0,"post_type":"post","post_mime_type":"","comment_count":"0","filter":"raw"},{"ID":3789,"post_author":"7","post_date":"2020-08-14 13:56:07","post_date_gmt":"2020-08-14 13:56:07","post_content":"\n

Im Gastkommentar pocht Mark Leonard, Direktor des Europ\u00e4ischen Rats f\u00fcr Ausw\u00e4rtige Beziehungen, auf \"neue, einvernehmlich vereinbarte Prinzipien sowie klare Grenzen\", nur so k\u00f6nne eine weitere Destabilisierung in der Region verhindert werden.<\/em><\/strong><\/p>\n\n\n\n

Ist die T\u00fcrkei das neue Russland? Diese Frage wird in den europ\u00e4ischen Hauptst\u00e4dten zunehmend gestellt, da die Au\u00dfenpolitik des t\u00fcrkischen Pr\u00e4sidenten Recep Tayyip Erdo\u011fan zunehmend aggressiver wird. Erdo\u011fan nutzt nicht nur die Migration, um die EU zu bedrohen und zu betr\u00fcgen, sondern setzt auch milit\u00e4rische Macht ein, um den Einflussbereich der T\u00fcrkei auf die gesamte Region auszudehnen.<\/p>\n\n\n\n

Seit dem Ende des Kalten Krieges haben die Europ\u00e4er die regionale Sicherheit durch eine unipolare westliche Linse betrachtet. W\u00e4hrend die Nato die milit\u00e4rische Sicherheit garantierte, sorgte die EU mit ihrem 80.000 Seiten starken Regelwerk f\u00fcr alles von LGBTQ-Rechten bis hin zu Rasenm\u00e4her-Sound-Verordnungen f\u00fcr Rechtsordnung. In den 90er-Jahren ging man allgemein davon aus, dass die beiden gro\u00dfen nichtwestlichen regionalen Akteure, Russland und die T\u00fcrkei, nach und nach an diese Regelungen herangef\u00fchrt werden w\u00fcrden.<\/p>\n\n\n\n

Qu\u00e4lende Hassliebe<\/h3>\n\n\n\n

Doch in den letzten 15 Jahren ist der Traum von der europ\u00e4ischen Unipolarit\u00e4t einer multipolaren Realit\u00e4t gewichen. Sowohl Russland als auch die T\u00fcrkei haben eine lange, qu\u00e4lende Hassliebe zu Europa, und beide sind unter nationalen Machthabern, denen die Verachtung der Normen und Werte der EU gemeinsam ist, durchsetzungsf\u00e4higer geworden.<\/p>\n\n\n\n

Die zunehmende Verschlechterung der Beziehungen zwischen der EU und Russland ist gut dokumentiert, der Fall der T\u00fcrkei weniger. Der Irakkrieg im Jahr 2003 komplizierte das Verh\u00e4ltnis der T\u00fcrkei zur Nato, und ihr Verh\u00e4ltnis zur EU verschlechterte sich 2007, als Frankreich einen wichtigen Teil ihrer EU-Beitrittsverhandlungen blockierte. Seitdem hat die T\u00fcrkei ihren eigenen Weg in Syrien, auf dem Balkan und in Libyen eingeschlagen und neue Beziehungen zu Russland und China aufgebaut.<\/p>\n\n\n\n

Wichtiger Akteur<\/strong><\/h3>\n\n\n\n

Nat\u00fcrlich sind die Beziehungen zwischen der T\u00fcrkei und Russland nicht weniger kompliziert, nicht zuletzt weil Erdo\u011fan und der russische Pr\u00e4sident Wladimir Putin im syrischen B\u00fcrgerkrieg verschiedene Seiten unterst\u00fctzten.Und w\u00e4hrend die Spannungen wegen des Syrien-Konflikts weiterhin bestehen, bewundert Erdo\u011fan deutlich, wie Russland sich \u2013 bei relativ geringen Kosten \u2013 wieder als wichtiger Akteur im Nahen Osten und in Nordafrika etabliert hat.<\/p>\n\n\n\n

Nachdem er in einen nicht zu gewinnenden Krieg im Osten der Ukraine verwickelt war, schien Putins weitgehend erfolgreicher Feldzug in Syrien einen Teil seiner innenpolitischen Autorit\u00e4t wiederherzustellen. Der Westen hatte f\u00fcnf Jahre lang darauf bestanden, dass es keine milit\u00e4rische L\u00f6sung des Konflikts gebe und dass der syrische Pr\u00e4sident Baschar al-Assad gehen m\u00fcsse. Doch w\u00e4hrend die von den Vereinten Nationen unterst\u00fctzten Gespr\u00e4che in Genf zu keinem Ergebnis f\u00fchrten, schienen die von Russland geleiteten Gespr\u00e4che in Astana voranzukommen. Indem der Kreml die T\u00fcrkei und den Iran einbezog, w\u00e4hrend er die westlichen M\u00e4chte ausschloss, erweckte er den Eindruck, dass Russland als wiedergeborene Supermacht aus der Asche auferstanden sei.<\/p>\n\n\n\n

Unter Druck<\/h3>\n\n\n\n

Angesichts des wachsenden Widerstands im eigenen Land macht es Erdo\u011fan Putin gleich. Da der Westen nicht bereit war, (erneut) milit\u00e4risch in Libyen zu intervenieren, sah Erdo\u011fan eine Gelegenheit, die T\u00fcrkei zu positionieren. Nach dem Vorgehen Russlands in Syrien sicherte er sich eine formelle Einladung der libyschen Regierung zur Intervention. Mit einem Schlag Ende letzten Jahres hat er nicht nur das Image der T\u00fcrkei als Regionalmacht gest\u00e4rkt, sondern auch ein Abkommen mit Libyen \u00fcber die Seegrenze abgeschlossen und damit einen Plan Griechenlands, Zyperns, \u00c4gyptens und Israels zur Erschlie\u00dfung von Unterwasser\u00f6l- und -gasfeldern in der N\u00e4he zunichtegemacht.<\/p>\n\n\n\n

Erdo\u011fan scheint auch von der Spalt-und-Eroberungs-Strategie des Kreml in Europa inspiriert worden zu sein, der zufolge oft diejenigen EU-Mitgliedsstaaten unter Druck gesetzt werden, die am meisten von russischen Kohlenwasserstoffen oder M\u00e4rkten abh\u00e4ngig sind. So wie Putin lange Zeit die Energieversorgung instrumentalisiert hat, hat Erdo\u011fan versucht, den Strom von Migranten und Fl\u00fcchtlingen, die vor Konflikten im Nahen Osten fliehen, zu instrumentalisieren. Als die EU eine neue Marinemission ank\u00fcndigte, um den Waffenstrom nach Libyen zu blockieren, malte die T\u00fcrkei f\u00fcr Malta das Schreckgespenst der angeblichen Bedrohung durch Migranten an die Wand. Malta reagierte prompt und signalisierte, dass es gegen die Finanzierung der Mission ein Veto einlegen werde.<\/p>\n\n\n\n

Verlorener Sohn<\/strong><\/h3>\n\n\n\n

Jahrelang redeten sich die Europ\u00e4er ein, dass Russland eine Art verlorener Sohn sei und dass die europ\u00e4ische unipolare Ordnung gesund bleibe. Doch das machte Europa zu einem leichten Ziel f\u00fcr die Trennungs-und-Eroberungs-Strategie des Kreml. Erst vor relativ kurzer Zeit entwarf die Union eine neue Politik und ein robustes Sanktionsregime, um die russische Aggression abzuschrecken. Und selbst jetzt \u2013 trotz der besten Bem\u00fchungen der deutschen Bundeskanzlerin Angela Merkel und des franz\u00f6sischen Pr\u00e4sidenten Emmanuel Macron \u2013 hat die EU noch immer keine wirksamen Kommunikationskan\u00e4le mit Russland geschaffen, um gemeinsame Probleme anzugehen.<\/p>\n\n\n\n

Die T\u00fcrkei ist noch kein neues Russland, aber sie k\u00f6nnte dazu werden, wenn die Situation falsch gehandhabt wird. Vorerst betrachten die meisten Europ\u00e4er die T\u00fcrkei noch immer als einen komplizierten Partner und nicht als \"Systemrivalen\". Aber die Europ\u00e4er sollten die hart erk\u00e4mpften Lehren aus dem Umgang mit Russland in den letzten 15 Jahren beherzigen. Die Beziehungen zwischen der EU und der T\u00fcrkei brauchen neue, einvernehmlich vereinbarte Prinzipien sowie klare Grenzen, um eine weitere Destabilisierung in der Region zu verhindern.<\/p>\n\n\n\n

Zu diesem Zweck sollten die Europ\u00e4er klarstellen, dass der EU-Beitrittsprozess entweder zur\u00fcckgedreht oder vorangetrieben werden kann und dass eine eher transaktionale Beziehung sowohl Zuckerbrot als auch Peitsche beinhaltet. Die Herausforderung wird darin bestehen, daf\u00fcr zu sorgen, dass es in einer Region, die nicht nur von Europa und der T\u00fcrkei, sondern auch von Russland, den USA und einem aufstrebenden China beeinflusst wird, noch Raum f\u00fcr politisches Engagement in Fragen der gemeinsamen Sicherheit gibt. (Mark Leonard, \u00dcbersetzung: Eva G\u00f6llner, Copyright: Project Syndicate, 10.8.2020)<\/p>\n\n\n\n

Mark Leonard <\/strong>ist Direktor des Europ\u00e4ischen Rats f\u00fcr Ausw\u00e4rtige Beziehungen.<\/a><\/p>\n","post_title":"Erdo\u011fan \u2013 der andere Putin vor der Haust\u00fcr Europas","post_excerpt":"","post_status":"publish","comment_status":"closed","ping_status":"closed","post_password":"","post_name":"erdogan-der-andere-putin-vor-der-haustur-europas","to_ping":"","pinged":"","post_modified":"2025-02-02 08:39:39","post_modified_gmt":"2025-02-02 08:39:39","post_content_filtered":"","post_parent":0,"guid":"https:\/\/dctransparency.com\/?p=3789","menu_order":0,"post_type":"post","post_mime_type":"","comment_count":"0","filter":"raw"},{"ID":3786,"post_author":"7","post_date":"2020-08-14 13:51:23","post_date_gmt":"2020-08-14 13:51:23","post_content":"\n

Einen Monat nachdem ich zur israelischen Armee eingezogen worden war, brach die erste Intifada aus. Statt Soldat zu sein, machte ich Polizeiarbeit, sagte den Menschen, wann sie zur Arbeit gehen konnten und wann sie ihre L\u00e4den schlie\u00dfen mussten, wann sie die Grenze passieren und wann sie schlafen konnten. Einen Monat nachdem ich aus der Armee entlassen worden war, ging ich auf Reisen. (In Israel sagen wir: Wir dienen drei Jahre und versuchen den Rest unseres Lebens, diese drei Jahre zu vergessen.) Auf meiner Reise begann ich Briefe an meine Freundin zu schreiben, die ich in Israel zur\u00fcckgelassen hatte.<\/p>\n\n\n\n

Ich schrieb ihr, wie schrecklich depressiv ich war und dass diese drei Jahre des Anweisungenbellens und Anderen-Menschen-Sagens, was sie zu tun haben, mich f\u00fcr immer verfolgen w\u00fcrden. Dass sie ein Teil dessen geworden waren, was ich bin. Ich erinnere mich, dass ich ihr schrieb, dass wir da rausm\u00fcssen \u2013 nicht nur f\u00fcr die Pal\u00e4stinenser, sondern wegen der furchtbaren und brutalen Auswirkungen, die all das auf uns, auf die israelische Gesellschaft haben w\u00fcrde. Sie schrieb zur\u00fcck: \u201eDu hast recht. Ich habe einen neuen Freund.\u201c<\/p>\n\n\n\n

Felix Klein wurde als Beauftragter der Bundesregierung berufen<\/a>, um die Auswirkungen des zunehmenden Antisemitismus in unserer Gesellschaft, in Deutschland, zu bek\u00e4mpfen. Was nicht in seiner Jobbeschreibung steht, ist, dass er dabei unsere Gesellschaft heilen muss, jene Gesellschaft, die diese Form des Hasses reproduziert und sch\u00fctzt. Klein hat das begriffen.<\/p>\n\n\n\n

Er versteht, dass man Krebs nicht mit einem Pflaster verarztet, er wei\u00df, dass er das Bewusstsein der Deutschen sch\u00e4rfen und Diskussionen ansto\u00dfen muss. Er hat begriffen, dass das Problem nicht nur an den R\u00e4ndern der Gesellschaft (bei den Rechten) liegt, sondern auch in ihrer Mitte. Dort, wo gebildete Menschen nicht einmal bemerken, dass das, was sie sagen und tun, antisemitisch ist. So wie sie es auch nicht merken, wenn sie rassistisch handeln. Er hat all das verstanden, und genau deshalb wollen einige, dass er seinen Posten r\u00e4umt.<\/p>\n\n\n\n

Mehr als 60 deutsche und israelische Intellektuelle haben letzte Woche in einem Brief an Kanzlerin Merkel<\/a> dar\u00fcber geklagt, dass der aktuelle \u201eGebrauch des Antisemitismusbegriffs\u201c darauf abziele, \u201elegitime Kritik an der israelischen Regierungspolitik zu unterdr\u00fccken\u201c, und Klein vorgeworfen, rechtspopulistische israelische Stimmen zu f\u00f6rdern.<\/p>\n\n\n\n

Faszinierend an diesem offenen Brief ist, dass viele der Unterzeichneten keine Deutschen sind und auch nicht in Deutschland leben. Ich wei\u00df nicht, woher sie \u2013 die meisten von ihnen sind Israelis \u2013 die Chuzpe haben, sich in eine innerdeutsche Angelegenheit einzumischen und zu fordern, eine Person zu entlassen, die von der Bundesregierung eingesetzt wurde. Die H\u00e4lfte der Unterzeichneten lebt nicht hier, von der anderen H\u00e4lfte sind viele keine Juden \u2013 somit sind die allermeisten von ihnen nicht direkt vom Antisemitismus in Deutschland betroffen. Wie also k\u00f6nnen sie diesen Brief unterschreiben? Und warum eigentlich haben so wenige Deutsche unterschrieben? Dazu komme ich gleich.<\/p>\n\n\n\n

Debatte um Achille Mbembe<\/h6>\n\n\n\n

Hintergrund des Briefs war, dass Felix Klein gefordert hatte, den Philosophen Achille Mbembe<\/a> nicht die Er\u00f6ffnungsrede der Ruhrtriennale halten zu lassen. Als mit \u00f6ffentlichen Mitteln gef\u00f6rdertes Event solle die Ruhrtriennale Mbembe wegen seiner Haltung zu Israels Existenzrecht, seiner Haltung zu BDS und der Art, wie er in einem seiner Werke den Holocaust relativiert, nicht einladen.<\/p>\n\n\n\n

Mbembes Unterst\u00fctzer sagen, keine dieser Anschuldigungen sei wahr. F\u00fcrs Protokoll: In meinen Augen unterst\u00fctzt Mbembe sehr wohl BDS<\/a>, er schrieb unter anderem das Vorwort zu \u201eApartheid Israel\u201c und fordert die komplette Isolation Israels. Ich glaube auch, wenn Mbembe schreibt, die israelische Besetzung sei der \u201egr\u00f6\u00dfte moralische Skandal unserer Zeit\u201c, zeigt das, dass sein moralischer und geografischer Kompass etwas schief ist.<\/p>\n\n\n\n

Doch warum treibt die Debatte so viele Menschen um? Nun, zun\u00e4chst gibt niemand gern auf, was ihm oder ihr selbstverst\u00e4ndlich scheint. \u00dcber den gesamten politischen, sozialen, kulturellen, medialen und akademischen Sektor hinweg sind Menschen daran gew\u00f6hnt, so schlecht \u00fcber Israel sprechen zu k\u00f6nnen, wie auch immer sie wollen.<\/p>\n\n\n\n

Der Spiegel<\/em> hat \u2013 vielleicht in Anlehnung an seine Relotius-Standards, Israel erst k\u00fcrzlich eine Corona-Diktatur genannt. Fakten und Belege f\u00fcr diese Behauptung gab es nicht. Doch Millionen Deutsche haben es gelesen, und es wird nat\u00fcrlich haften bleiben. Faktenlage hin oder her. Der Spiegel<\/em> und andere Medien haben dieses Spiel perfektioniert: Titel so zu drehen, dass sie Israel indirekt anklagen, die Idee zu streuen, der Mossad kon\u00adtrol\u00adliere die deutsche Au\u00dfenpolitik im Nahen Osten, und so fort. Doch sie stehen allesamt sofort auf den Hinterbeinen, wenn jemand es wagt, das Spiel beim Namen zu nennen: moderner Antisemitismus.<\/p>\n\n\n\n

Klein will dem entgegenwirken. Er versteht, dass antisemitische Attacken in Deutschland die Fr\u00fcchte solch falsch gezeichneter Bilder und eindimensionaler Narrative \u00fcber Israel sind. Wenn er und andere versuchen, ein anderes Narrativ aufzuzeigen, wirft man ihnen Zensur vor: Wie k\u00f6nnen sie es wagen, das Gesch\u00e4ft der Anti-Israel-Propaganda zu st\u00f6ren?<\/p>\n\n\n\n

Liebe Deutsche, wenn ihr reden wollt, lasst uns gern reden: \u00fcber die Besetzung, \u00fcber Bibi und alles, was schiefl\u00e4uft. Aber dann lasst uns bitte auch dar\u00fcber reden, wie deutsche Steuergelder Terrortunnel finanzieren. Erst vergangene Woche r\u00e4umte die niederl\u00e4ndische Regierung ein, dass Gelder an eine Landwirtschaftsorganisation in Ramallah geflossen seien, die damit teilweise die Geh\u00e4lter zweier des Mordes an der 17-j\u00e4hrigen Israelin Rina Shnerb Verd\u00e4chtiger gezahlt haben. Auch die Bundesregierung unterst\u00fctzt diese Organisation, obwohl Kritiker schon lange vor Verbindungen zu Terroristen warnen.<\/p>\n\n\n\n

Wir k\u00f6nnen uns also gerne unterhalten \u2013 aber im Dialog, nicht in Monologen. Denn Reden unter Menschen, die sich einig sind, ist nichts anderes als Impotenz.<\/p>\n\n\n\n

Israelkritik als Eintrittskarte<\/h6>\n\n\n\n

Die Israelis, die die Petition unterzeichnet haben, haben \u00fcbrigens ebenfalls etwas verstanden. Seit Jahren wissen sie: Es ist ihre Eintrittskarte in die Mitte der deutschen (und europ\u00e4ischen) Gesellschaft. Man h\u00f6rt nicht oft von Akademikern mit proisraelischen Ansichten. Weder in den Philharmonie-Orchestern noch in der Kunstszene. Die Eintrittskarte daf\u00fcr ist ein antiisraelischer Standpunkt.<\/p>\n\n\n\n

Der mutma\u00dfliche Grund, warum kaum Deutsche die Petition unterzeichnet haben: Sie mussten es nicht. Ihre Lieblingsjuden haben es f\u00fcr sie getan. Jetzt k\u00f6nnen sie sagen: \u201eSchau, ich bin das ja nicht, meine j\u00fcdischen Freunde sagen es.\u201c Ich selbst war einige Jahre lang mit einem Paar hier in Berlin befreundet, bis ich herausfand, dass ich ihr Lieblingsjude war. Ja, selbst das j\u00fcdische Museum wurde so genutzt.<\/p>\n\n\n\n

Weil Attacken gegen Juden ein absolutes Tabu sind, wurden Umwege gefunden, um den Antisemitismus auf kleiner Flamme k\u00f6cheln zu lassen: die unfundierte, unbegr\u00fcndete Kritik an Israel.<\/p>\n\n\n\n

Diese Art der Kritik ist gef\u00e4hrlich. Sie schw\u00e4cht jede begr\u00fcndete und notwendige Kritik am Verhalten Israels. Und das Interessante ist: Trotz all der heftigen, pauschalisierenden Anklagen, all der offenen Briefe driftet Israel politisch immer weiter nach rechts. Doch statt mal einen anderen Ansatz zu versuchen, werden die antiisraelischen Stimmen nur lauter. Dasselbe versuchen und andere Ergebnisse davon erwarten \u2013 das ist die Definition von Wahnsinn.<\/p>\n\n\n\n

Kurz bevor der Prozess gegen den wegen des Attentats von Halle<\/a> Angeklagten begann \u2013 des seit Kriegsende schlimmsten Akts von Antisemitismus in Deutschland \u2013, lud eine Lokalzeitung den fr\u00fcheren Botschafter Shimon Stein und den Historiker Moshe Zimmermann ein, dar\u00fcber zu schreiben, was Antisemitismus ist. Nat\u00fcrlich wendeten auch sie sich gegen Felix Kleins Ansatz. Sie zitieren die Kontroverse um die Umbenennung der U-Bahn-Station Mohrenstra\u00dfe in Glinkastra\u00dfe, die sich darum drehte, dass der russische Komponist Michael Glinka Antisemit gewesen sein soll. Stein und Zimmermann halten die Debatte f\u00fcr \u00fcberzogen, Glinka sei nur ein Kind seiner Zeit gewesen. Folgt man ihrer Logik, k\u00f6nnen wir dann also in 20 oder 30 Jahren U-Bahn-Stationen nach den Kindern der 1930er Jahre benennen?<\/p>\n\n\n\n

Der Antisemit als Tierfreund<\/h6>\n\n\n\n

Ich w\u00fcnschte, die Sache h\u00e4tte mit dem Artikel, mit der Petition geendet. Doch dann erschien ein Artikel, der den Leser auf einen Waldspaziergang mit einem veganen Koch und Antisemiten mitnahm. Darin setzt der Tierfreund erst behutsam einen K\u00e4fer wieder auf seine Beinchen und erkl\u00e4rt dann, dass die Todesstrafe in Deutschland wieder eingef\u00fchrt werden solle, um einen gewissen Politiker (der zuf\u00e4llig pro Israel ist) an seinen Hoden aufh\u00e4ngen zu k\u00f6nnen. Dieser Koch hat Hunderttausende Follower, er sagt all solche Dinge am helllichten Tag in Berlin. Und in den Medien.<\/p>\n\n\n\n

F\u00e4lle wie dieser handeln bereits von Gewalt \u2013 und sie enden nicht bei den Juden. Der Hass richtet sich gegen Frauen<\/a>, Muslime, Gefl\u00fcchtete, \u00adLBTQI. Am Ende aller theoretischen Debatten stehen immer echte Menschen. Am Ende jeder Konferenz dar\u00fcber, was Antisemitismus ausmacht, steht ein potenzielles j\u00fcdisches Opfer. Angesichts einer Welle von Antisemitismus \u00fcber die Definition von Antisemitismus zu streiten ist, wie eine 10 Meter hohe Welle heranrollen zu sehen und dar\u00fcber zu streiten, was einen Tsunami ausmacht.<\/p>\n\n\n\n

Felix Klein versteht, wie absurd es ist, zu sagen: Es sind nur die Rechten. Die Rechten sind Deutsche, so wie die Nazis Deutsche waren. Klein versteht, dass die Deutschen nicht aufgeh\u00f6rt haben, Juden zu ermorden, weil sie irgendeine Art von Erleuchtung hatten. Sondern schlicht, weil sie den Krieg verloren haben. Um den Antisemitismus zu bek\u00e4mpfen, bevor er die Gesellschaft frisst, in der er und wir leben, muss Deutschland seinen moralischen Kompass korrigieren.<\/p>\n\n\n\n

Immerhin: Mehr und mehr Deutsche fahren nach Israel, sie wollen ein anderes Narrativ h\u00f6ren. Mehr und mehr Deutsche verstehen, dass Antisemitismus Schockwellen ausl\u00f6st, die die gesamte Gesellschaft betreffen. In einem normalen Universum w\u00fcrde Klein bef\u00f6rdert werden f\u00fcr seine Leistung. In einer verdrehten Gesellschaft fordern Menschen seine Entlassung. Um es mit Mbembe zu sagen: Das ist Nano-Nonsens.<\/p>\n\n\n\n

\u00dcbersetzung: Ariane Lemme<\/a><\/em><\/p>\n","post_title":"Felix Klein hat verstanden","post_excerpt":"","post_status":"publish","comment_status":"closed","ping_status":"closed","post_password":"","post_name":"felix-klein-hat-verstanden","to_ping":"","pinged":"","post_modified":"2025-02-02 08:39:39","post_modified_gmt":"2025-02-02 08:39:39","post_content_filtered":"","post_parent":0,"guid":"https:\/\/dctransparency.com\/?p=3786","menu_order":0,"post_type":"post","post_mime_type":"","comment_count":"0","filter":"raw"}],"next":false,"prev":true,"total_page":47},"paged":1,"column_class":"jeg_col_2o3","class":"epic_block_3"};

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Satellitenbilder zeigen auch, dass ein zweiter \u00e4gyptischer Milit\u00e4rflugplatz, Sidi Barrani, als Einsatzbasis f\u00fcr Mirage 2000-Kampfflugzeuge verwendet wurde, die in Farben lackiert sind, die nicht von der \u00e4gyptischen Luftwaffe verwendet werden, aber genau den von den VAE geflogenen Jets entsprechen .<\/p>\n\n\n\n

Dies ist das gleiche Flugzeugmodell, das von den Vereinten Nationen in einen Luftangriff auf ein Migrationszentrum \u00f6stlich von Tripolis im Juli 2019 verwickelt wurde, bei dem 53 Menschen get\u00f6tet wurden.<\/p>\n\n\n\n

Ausl\u00e4ndischer Jet bei libyschem Migrantenangriff verd\u00e4chtigt<\/p>\n\n\n\n

Sidi Barrani ist auch das Ziel f\u00fcr mehrere Frachtflugzeuge, die von den Vereinigten Arabischen Emiraten gestartet sind, und schl\u00e4gt eine Luftbr\u00fccke f\u00fcr Ausr\u00fcstung oder Lieferungen zwischen den Vereinigten Arabischen Emiraten und einer Milit\u00e4rbasis vor, die nur 80 km von der libyschen Grenze entfernt liegt.<\/p>\n\n\n\n

Die \u00e4gyptische Regierung antwortete nicht auf die Bitte der BBC um Stellungnahme.<\/p>\n\n\n\n

Ist ausl\u00e4ndisches milit\u00e4risches Engagement \u00fcberraschend?<\/strong><\/p>\n\n\n\n

Sowohl die Vereinigten Arabischen Emirate als auch \u00c4gypten nahmen an einer von Bundeskanzlerin Angela Merkel im Januar dieses Jahres in Berlin einberufenen Konferenz \u00fcber Libyen teil, auf der sie ihre Unterst\u00fctzung f\u00fcr den UN-Friedensprozess bekr\u00e4ftigten und sich bereit erkl\u00e4rten, nicht in den Libyen-Krieg einzugreifen.<\/p>\n\n\n\n

Im vergangenen Jahr gab es jedoch eine Eskalation des Einsatzes von Drohnen durch beide Seiten des Konflikts.<\/p>\n\n\n\n

Ghassan Salam\u00e9, der fr\u00fchere Leiter der UN-Mission in Libyen, beschrieb dies als \"m\u00f6glicherweise das gr\u00f6\u00dfte Drohnenkriegstheater der Welt\".<\/p>\n\n\n\n

Die VAE sind nicht die einzige ausl\u00e4ndische Macht, die an diesem Konflikt beteiligt ist.<\/p>\n\n\n\n

Anfang dieses Jahres gab BBC Africa Eye bekannt, dass die T\u00fcrkei auch gegen das Waffenembargo der Vereinten Nationen gegen Libyen versto\u00dfen hat, indem sie geheime Waffenlieferungen an die von den Vereinten Nationen anerkannte Regierung in Tripolis gesendet hat.<\/p>\n\n\n\n

Mit Unterst\u00fctzung der T\u00fcrkei hat die von den Vereinten Nationen anerkannte Regierung des Nationalen Abkommens nun die LNA von Gen Haftar aus der Gegend um Tripolis zur\u00fcckgeschlagen.<\/p>\n","post_title":"BBC-Untersuchung: VAE in t\u00f6dlichen Angriff in Libyen verwickelt","post_excerpt":"","post_status":"publish","comment_status":"closed","ping_status":"closed","post_password":"","post_name":"bbc-untersuchung-vae-in-todlichen-angriff-in-libyen-verwickelt","to_ping":"","pinged":"","post_modified":"2025-02-02 08:39:39","post_modified_gmt":"2025-02-02 08:39:39","post_content_filtered":"","post_parent":0,"guid":"https:\/\/dctransparency.com\/?p=3811","menu_order":0,"post_type":"post","post_mime_type":"","comment_count":"0","filter":"raw"},{"ID":3792,"post_author":"7","post_date":"2020-08-14 13:58:48","post_date_gmt":"2020-08-14 13:58:48","post_content":"\n

Die Hagia Sophia war (ist) ein kulturelles Weltwunder und aufgeladen mit symbolischer Bedeutung, f\u00fcr die Christenheit ebenso wie f\u00fcr den Islam \u2013 und den t\u00fcrkischen Nationalismus. Als Mehmed II. sie betrat, war sie schon fast 1000 Jahre die gr\u00f6\u00dfte Kirche der christlichen Welt und das Zentrum der orthodoxen Glaubensrichtung. Die \"Ayasofya\", wie sie dann hie\u00df, war 500 Jahre lang Moschee \u2013 bis 1934, als Kemal Pascha Atat\u00fcrk, der \"Vater\" der modernen T\u00fcrkei, sie in ein Museum verwandelte, in der ausdr\u00fccklichen Absicht, auch hier mit dem osmanischen Erbe zu brechen.<\/p>\n\n\n\n

Nun wird Pr\u00e4sident Recep Tayyip Erdo\u011fan, der \"Vater\" der re-islamisierten T\u00fcrkei, am 24. Juli dieses Jahres die Ayasofya durch das Freitagsgebet wieder in den Islam eingliedern. Oder eher in seinen pers\u00f6nlichen religi\u00f6sen Nationalismus.<\/p>\n\n\n\n

Welterbe von allen<\/h3>\n\n\n\n

Wie bedeutungsschwer ist dieser Akt eines \"starken Mannes\", der innenpolitisch deutlich schw\u00e4chelt? Die Proteste vor allem aus der orthodoxen Welt, aber auch aus Europa und den USA sind eher traurig als w\u00fctend. Der Papst dr\u00fcckte seinen \"Schmerz\" aus. Auch der Jubel in der islamischen Welt fiel zun\u00e4chst weniger \u00fcbersch\u00e4umend als erwartet aus.<\/p>\n\n\n\n

Ist es der Alleingang eines Autokraten in Bedr\u00e4ngnis oder ist \"der Jubel \u00fcber die Eroberung der Hagia Sophia der Versuch einer zutiefst erniedrigten, vom Gef\u00fchl der Wertlosigkeit dominierten und in ihrer eigenen Selbstberechtigung beraubten Gesellschaft, eine Bedeutung, eine St\u00e4rke, ein Selbstwertgef\u00fchl zu finden\"? So recht pauschalierend der in Deutschland lebende pal\u00e4stinensische Intellektuelle und Psychiater Ahmad Mansour.<\/p>\n\n\n\n

Die beiden Gro\u00dfreiche, das byzantinische und das osmanische, sind l\u00e4ngst versunken.<\/p><\/blockquote>\n\n\n\n

Das eigentliche Schl\u00fcsselwort im Zusammenhang mit der Hagia Sofia ist \"Welterbe\". Das Erbe von allen. Einmal im kulturellen Sinn der Unesco, aber in Wahrheit weiter gefasst. Das einzigartige Bauwerk geh\u00f6rt in Wirklichkeit der ganzen Welt, nicht der einen oder anderen Religion. Die beiden Gro\u00dfreiche, f\u00fcr die die Hagia Sofia der zentrale spirituelle Bau war, das byzantinische und das osmanische, sind l\u00e4ngst versunken. Seither hat sie eine neue, \u00fcbernationale Dimension erhalten. Was Erdo\u011fan da jetzt mit der Hagia Sofia macht, ist eine Verengung und Verarmung eines gemeinsamen Welterbes.<\/p>\n\n\n\n

\"\"\/
Betende Muslime vor der Hagia Sophia.<\/figcaption><\/figure>\n\n\n\n

Davon abgesehen aber war und ist sie ein architektonisches Meisterwerk und geh\u00f6rt zu den bedeutendsten Bauten der Welt. Wer heute den Zentralraum unter der Kuppel betritt, kann sich nur schwer dem zugleich majest\u00e4tischen wie schwebenden Gesamteindruck entziehen. Die Hagia Sophia blieb fast 1000 Jahre die gr\u00f6\u00dfte Kirche der Christenheit. Technisch war die Kuppel (mit mehreren Halbkuppeln) eine \u00fcberaus riskante Innovation: Die 55 Meter hohe und 32 Meter im Durchmesser breite Kuppel ruht auf nur vier Tragpunkten, was den schwebenden, schwerelosen Eindruck erzeugt. Die Konstruktion folgt einem mathematischen Prinzip, das erst k\u00fcrzlich entschl\u00fcsselt wurde.<\/p>\n\n\n\n

\"Salomo, ich habe dich \u00fcbertroffen!\"<\/p><\/blockquote>\n\n\n\n

Als Kaiser Justinian die Hagia Sophia nach nur f\u00fcnf Jahren Bauzeit (532\u2013537) betrat, soll er in Anspielung auf den Tempel in Jerusalem ausgerufen haben: \"Salomo, ich habe dich \u00fcbertroffen!\" Die Innenausstattung war mit ihren S\u00e4ulen aus Porphyr und gr\u00fcnem Marmor, mit Mosaiken aus Gold und Halbedelsteinen derart prunkvoll, der Gesamteindruck derart \u00fcberirdisch, dass eine Delegation des Gro\u00dff\u00fcrsten von Kiew nicht mehr wusste, \"ob wir im Himmel oder auf der Erde\" waren \u2013 was die Christianisierung Russlands bef\u00f6rderte.<\/p>\n\n\n\n

Der deutsche Architekturlehrer Holger Kleine nennt die Hagia Sophia \"absolute Architektur\", weil sie \"extreme Ausdrucksformen nahezu aller dramaturgischen Mittel, die der Architektur zur Verf\u00fcgung stehen, vereinigt: wuchtigste K\u00f6rper und luftigste R\u00e4ume, engste Enge und gr\u00f6\u00dfte Weite, w\u00e4rmende Helligkeit und mystisches Dunkel\". Und die Kuppelbauten aus der sp\u00e4teren Hochbl\u00fcte der Moscheenarchitektur im 16. und 17. Jahrhundert gehen eindeutig auf die Hagia Sophia zur\u00fcck.<\/p>\n\n\n\n

Die Hagia Sophia war Staatskirche des byzantinischen Reichs. F\u00fcr die Eroberer der letzte Schlussstein in der Kuppel osmanisch-muslimischen Herrschaftsanspruchs. Konstantinopel war ja 1453 nur noch eine isolierte, heruntergekommene Enklave in einem osmanischen Umfeld, kein christliches Heer kam zu Hilfe. Doch vorher war es zugleich Sperrriegel nach Osten und Geistesarchiv der antiken Kultur gewesen. \"Ohne Byzanz h\u00e4tte es kein Europa gegeben\", sagt die britische Altertumsforscherin Judith Herrin.<\/p>\n\n\n\n

\"\"\/
Freigelegtes Mosaik von \"Christos Pantokrator\".<\/figcaption><\/figure>\n\n\n\n

Neue Fragen<\/h3>\n\n\n\n

Die Kirche wurde von Mehmed II. und Nachfolgern nicht in der Substanz zerst\u00f6rt, sondern \"entchristlicht\". Die urspr\u00fcnglich \u00fcbert\u00fcnchten oder auch abgeschlagenen Mosaiken mit den Darstellungen von Christus, der Muttergottes, diversen Kaisern kamen zum Teil schon unter einem Sultan des 19. Jahrhunderts, dann gro\u00dfteils nach der Museumswidmung wieder zum Vorschein.<\/p>\n\n\n\n

Jetzt stellen sich neue symbolisch-praktische Fragen. Erdo\u011fan hat die Hagia Sophia der konservativen staatlichen Religionsbeh\u00f6rde Diyanet unterstellt. Die byzantinischen Mosaike, wie der gro\u00dfartige \"Christos Pantokrator\" (\"Weltenherrscher\") oder die Jungfrau Maria in der Apsis, m\u00fcssen wohl w\u00e4hrend des islamischen Gottesdiensts verh\u00e4ngt werden. Muss der Boden mit seinen Marmorplatten und Mosaiken mit einem Teppich bedeckt werden? Erdo\u011fan sagt, Touristen seien nach wie vor zugelassen. Aber sie werden wohl hinter Absperrungen bleiben m\u00fcssen. Frauen werden \u2013 wie in der benachbarten \"Blauen Moschee\" (\"Sultanahmed\") Kopftuch tragen m\u00fcssen.<\/p>\n\n\n\n

\"\"\/
Erdo\u011fan mit Gattin in der Hagia Sophia.<\/figcaption><\/figure>\n\n\n\n

Erdo\u011fans neue Abenteuer<\/strong><\/h3>\n\n\n\n

Aber wird da nicht doch zu viel in einen Formalakt rund um ein uraltes Bauwerk hineininterpretiert? Im geschichtlichen Kontext relativiert sich manches: Konstantinopel wurde schon von Christen erobert und ausgepl\u00fcndert \u2013 1204 im Vierten Kreuzzug. In der Moschee von Cordoba (\"Mezquita\") bauten die Katholiken eine ganze Kirche in den ber\u00fchmten S\u00e4ulenwald hinein. Die Mezquita ist heute noch Kirche, kein Museum.<\/p>\n\n\n\n

\"Das ist der Beweis, dass wir kein s\u00e4kularer Staat mehr sein wollen\", sagt Nobelpreistr\u00e4ger Orhan Pamuk. Erdo\u011fan betrachtet sich offenbar als auch neoosmanischer \"Fatih\" im Mittelmeerraum mit immer neuen Abenteuern: Eingreifen in Syrien, Stellvertreterkrieg in Libyen, Anspr\u00fcche auf Erdgasvorkommen weit vor der t\u00fcrkischen K\u00fcste bei Zypern, Reden, wonach manche \u00c4g\u00e4is-Inseln eigentlich zur T\u00fcrkei geh\u00f6ren, \"denn dort stehen unsere Moscheen\". Manches davon ist nur Rhetorik, aber genug anderes ist riskante Realit\u00e4t. (Hans Rauscher, 14.7.2020)<\/p>\n\n\n\n

Quelle<\/a><\/strong><\/p>\n","post_title":"Hagia Sophia: Verengung und Verarmung eines Welterbes","post_excerpt":"","post_status":"publish","comment_status":"closed","ping_status":"closed","post_password":"","post_name":"hagia-sophia-verengung-und-verarmung-eines-welterbes","to_ping":"","pinged":"","post_modified":"2025-02-02 08:39:39","post_modified_gmt":"2025-02-02 08:39:39","post_content_filtered":"","post_parent":0,"guid":"https:\/\/dctransparency.com\/?p=3792","menu_order":0,"post_type":"post","post_mime_type":"","comment_count":"0","filter":"raw"},{"ID":3789,"post_author":"7","post_date":"2020-08-14 13:56:07","post_date_gmt":"2020-08-14 13:56:07","post_content":"\n

Im Gastkommentar pocht Mark Leonard, Direktor des Europ\u00e4ischen Rats f\u00fcr Ausw\u00e4rtige Beziehungen, auf \"neue, einvernehmlich vereinbarte Prinzipien sowie klare Grenzen\", nur so k\u00f6nne eine weitere Destabilisierung in der Region verhindert werden.<\/em><\/strong><\/p>\n\n\n\n

Ist die T\u00fcrkei das neue Russland? Diese Frage wird in den europ\u00e4ischen Hauptst\u00e4dten zunehmend gestellt, da die Au\u00dfenpolitik des t\u00fcrkischen Pr\u00e4sidenten Recep Tayyip Erdo\u011fan zunehmend aggressiver wird. Erdo\u011fan nutzt nicht nur die Migration, um die EU zu bedrohen und zu betr\u00fcgen, sondern setzt auch milit\u00e4rische Macht ein, um den Einflussbereich der T\u00fcrkei auf die gesamte Region auszudehnen.<\/p>\n\n\n\n

Seit dem Ende des Kalten Krieges haben die Europ\u00e4er die regionale Sicherheit durch eine unipolare westliche Linse betrachtet. W\u00e4hrend die Nato die milit\u00e4rische Sicherheit garantierte, sorgte die EU mit ihrem 80.000 Seiten starken Regelwerk f\u00fcr alles von LGBTQ-Rechten bis hin zu Rasenm\u00e4her-Sound-Verordnungen f\u00fcr Rechtsordnung. In den 90er-Jahren ging man allgemein davon aus, dass die beiden gro\u00dfen nichtwestlichen regionalen Akteure, Russland und die T\u00fcrkei, nach und nach an diese Regelungen herangef\u00fchrt werden w\u00fcrden.<\/p>\n\n\n\n

Qu\u00e4lende Hassliebe<\/h3>\n\n\n\n

Doch in den letzten 15 Jahren ist der Traum von der europ\u00e4ischen Unipolarit\u00e4t einer multipolaren Realit\u00e4t gewichen. Sowohl Russland als auch die T\u00fcrkei haben eine lange, qu\u00e4lende Hassliebe zu Europa, und beide sind unter nationalen Machthabern, denen die Verachtung der Normen und Werte der EU gemeinsam ist, durchsetzungsf\u00e4higer geworden.<\/p>\n\n\n\n

Die zunehmende Verschlechterung der Beziehungen zwischen der EU und Russland ist gut dokumentiert, der Fall der T\u00fcrkei weniger. Der Irakkrieg im Jahr 2003 komplizierte das Verh\u00e4ltnis der T\u00fcrkei zur Nato, und ihr Verh\u00e4ltnis zur EU verschlechterte sich 2007, als Frankreich einen wichtigen Teil ihrer EU-Beitrittsverhandlungen blockierte. Seitdem hat die T\u00fcrkei ihren eigenen Weg in Syrien, auf dem Balkan und in Libyen eingeschlagen und neue Beziehungen zu Russland und China aufgebaut.<\/p>\n\n\n\n

Wichtiger Akteur<\/strong><\/h3>\n\n\n\n

Nat\u00fcrlich sind die Beziehungen zwischen der T\u00fcrkei und Russland nicht weniger kompliziert, nicht zuletzt weil Erdo\u011fan und der russische Pr\u00e4sident Wladimir Putin im syrischen B\u00fcrgerkrieg verschiedene Seiten unterst\u00fctzten.Und w\u00e4hrend die Spannungen wegen des Syrien-Konflikts weiterhin bestehen, bewundert Erdo\u011fan deutlich, wie Russland sich \u2013 bei relativ geringen Kosten \u2013 wieder als wichtiger Akteur im Nahen Osten und in Nordafrika etabliert hat.<\/p>\n\n\n\n

Nachdem er in einen nicht zu gewinnenden Krieg im Osten der Ukraine verwickelt war, schien Putins weitgehend erfolgreicher Feldzug in Syrien einen Teil seiner innenpolitischen Autorit\u00e4t wiederherzustellen. Der Westen hatte f\u00fcnf Jahre lang darauf bestanden, dass es keine milit\u00e4rische L\u00f6sung des Konflikts gebe und dass der syrische Pr\u00e4sident Baschar al-Assad gehen m\u00fcsse. Doch w\u00e4hrend die von den Vereinten Nationen unterst\u00fctzten Gespr\u00e4che in Genf zu keinem Ergebnis f\u00fchrten, schienen die von Russland geleiteten Gespr\u00e4che in Astana voranzukommen. Indem der Kreml die T\u00fcrkei und den Iran einbezog, w\u00e4hrend er die westlichen M\u00e4chte ausschloss, erweckte er den Eindruck, dass Russland als wiedergeborene Supermacht aus der Asche auferstanden sei.<\/p>\n\n\n\n

Unter Druck<\/h3>\n\n\n\n

Angesichts des wachsenden Widerstands im eigenen Land macht es Erdo\u011fan Putin gleich. Da der Westen nicht bereit war, (erneut) milit\u00e4risch in Libyen zu intervenieren, sah Erdo\u011fan eine Gelegenheit, die T\u00fcrkei zu positionieren. Nach dem Vorgehen Russlands in Syrien sicherte er sich eine formelle Einladung der libyschen Regierung zur Intervention. Mit einem Schlag Ende letzten Jahres hat er nicht nur das Image der T\u00fcrkei als Regionalmacht gest\u00e4rkt, sondern auch ein Abkommen mit Libyen \u00fcber die Seegrenze abgeschlossen und damit einen Plan Griechenlands, Zyperns, \u00c4gyptens und Israels zur Erschlie\u00dfung von Unterwasser\u00f6l- und -gasfeldern in der N\u00e4he zunichtegemacht.<\/p>\n\n\n\n

Erdo\u011fan scheint auch von der Spalt-und-Eroberungs-Strategie des Kreml in Europa inspiriert worden zu sein, der zufolge oft diejenigen EU-Mitgliedsstaaten unter Druck gesetzt werden, die am meisten von russischen Kohlenwasserstoffen oder M\u00e4rkten abh\u00e4ngig sind. So wie Putin lange Zeit die Energieversorgung instrumentalisiert hat, hat Erdo\u011fan versucht, den Strom von Migranten und Fl\u00fcchtlingen, die vor Konflikten im Nahen Osten fliehen, zu instrumentalisieren. Als die EU eine neue Marinemission ank\u00fcndigte, um den Waffenstrom nach Libyen zu blockieren, malte die T\u00fcrkei f\u00fcr Malta das Schreckgespenst der angeblichen Bedrohung durch Migranten an die Wand. Malta reagierte prompt und signalisierte, dass es gegen die Finanzierung der Mission ein Veto einlegen werde.<\/p>\n\n\n\n

Verlorener Sohn<\/strong><\/h3>\n\n\n\n

Jahrelang redeten sich die Europ\u00e4er ein, dass Russland eine Art verlorener Sohn sei und dass die europ\u00e4ische unipolare Ordnung gesund bleibe. Doch das machte Europa zu einem leichten Ziel f\u00fcr die Trennungs-und-Eroberungs-Strategie des Kreml. Erst vor relativ kurzer Zeit entwarf die Union eine neue Politik und ein robustes Sanktionsregime, um die russische Aggression abzuschrecken. Und selbst jetzt \u2013 trotz der besten Bem\u00fchungen der deutschen Bundeskanzlerin Angela Merkel und des franz\u00f6sischen Pr\u00e4sidenten Emmanuel Macron \u2013 hat die EU noch immer keine wirksamen Kommunikationskan\u00e4le mit Russland geschaffen, um gemeinsame Probleme anzugehen.<\/p>\n\n\n\n

Die T\u00fcrkei ist noch kein neues Russland, aber sie k\u00f6nnte dazu werden, wenn die Situation falsch gehandhabt wird. Vorerst betrachten die meisten Europ\u00e4er die T\u00fcrkei noch immer als einen komplizierten Partner und nicht als \"Systemrivalen\". Aber die Europ\u00e4er sollten die hart erk\u00e4mpften Lehren aus dem Umgang mit Russland in den letzten 15 Jahren beherzigen. Die Beziehungen zwischen der EU und der T\u00fcrkei brauchen neue, einvernehmlich vereinbarte Prinzipien sowie klare Grenzen, um eine weitere Destabilisierung in der Region zu verhindern.<\/p>\n\n\n\n

Zu diesem Zweck sollten die Europ\u00e4er klarstellen, dass der EU-Beitrittsprozess entweder zur\u00fcckgedreht oder vorangetrieben werden kann und dass eine eher transaktionale Beziehung sowohl Zuckerbrot als auch Peitsche beinhaltet. Die Herausforderung wird darin bestehen, daf\u00fcr zu sorgen, dass es in einer Region, die nicht nur von Europa und der T\u00fcrkei, sondern auch von Russland, den USA und einem aufstrebenden China beeinflusst wird, noch Raum f\u00fcr politisches Engagement in Fragen der gemeinsamen Sicherheit gibt. (Mark Leonard, \u00dcbersetzung: Eva G\u00f6llner, Copyright: Project Syndicate, 10.8.2020)<\/p>\n\n\n\n

Mark Leonard <\/strong>ist Direktor des Europ\u00e4ischen Rats f\u00fcr Ausw\u00e4rtige Beziehungen.<\/a><\/p>\n","post_title":"Erdo\u011fan \u2013 der andere Putin vor der Haust\u00fcr Europas","post_excerpt":"","post_status":"publish","comment_status":"closed","ping_status":"closed","post_password":"","post_name":"erdogan-der-andere-putin-vor-der-haustur-europas","to_ping":"","pinged":"","post_modified":"2025-02-02 08:39:39","post_modified_gmt":"2025-02-02 08:39:39","post_content_filtered":"","post_parent":0,"guid":"https:\/\/dctransparency.com\/?p=3789","menu_order":0,"post_type":"post","post_mime_type":"","comment_count":"0","filter":"raw"},{"ID":3786,"post_author":"7","post_date":"2020-08-14 13:51:23","post_date_gmt":"2020-08-14 13:51:23","post_content":"\n

Einen Monat nachdem ich zur israelischen Armee eingezogen worden war, brach die erste Intifada aus. Statt Soldat zu sein, machte ich Polizeiarbeit, sagte den Menschen, wann sie zur Arbeit gehen konnten und wann sie ihre L\u00e4den schlie\u00dfen mussten, wann sie die Grenze passieren und wann sie schlafen konnten. Einen Monat nachdem ich aus der Armee entlassen worden war, ging ich auf Reisen. (In Israel sagen wir: Wir dienen drei Jahre und versuchen den Rest unseres Lebens, diese drei Jahre zu vergessen.) Auf meiner Reise begann ich Briefe an meine Freundin zu schreiben, die ich in Israel zur\u00fcckgelassen hatte.<\/p>\n\n\n\n

Ich schrieb ihr, wie schrecklich depressiv ich war und dass diese drei Jahre des Anweisungenbellens und Anderen-Menschen-Sagens, was sie zu tun haben, mich f\u00fcr immer verfolgen w\u00fcrden. Dass sie ein Teil dessen geworden waren, was ich bin. Ich erinnere mich, dass ich ihr schrieb, dass wir da rausm\u00fcssen \u2013 nicht nur f\u00fcr die Pal\u00e4stinenser, sondern wegen der furchtbaren und brutalen Auswirkungen, die all das auf uns, auf die israelische Gesellschaft haben w\u00fcrde. Sie schrieb zur\u00fcck: \u201eDu hast recht. Ich habe einen neuen Freund.\u201c<\/p>\n\n\n\n

Felix Klein wurde als Beauftragter der Bundesregierung berufen<\/a>, um die Auswirkungen des zunehmenden Antisemitismus in unserer Gesellschaft, in Deutschland, zu bek\u00e4mpfen. Was nicht in seiner Jobbeschreibung steht, ist, dass er dabei unsere Gesellschaft heilen muss, jene Gesellschaft, die diese Form des Hasses reproduziert und sch\u00fctzt. Klein hat das begriffen.<\/p>\n\n\n\n

Er versteht, dass man Krebs nicht mit einem Pflaster verarztet, er wei\u00df, dass er das Bewusstsein der Deutschen sch\u00e4rfen und Diskussionen ansto\u00dfen muss. Er hat begriffen, dass das Problem nicht nur an den R\u00e4ndern der Gesellschaft (bei den Rechten) liegt, sondern auch in ihrer Mitte. Dort, wo gebildete Menschen nicht einmal bemerken, dass das, was sie sagen und tun, antisemitisch ist. So wie sie es auch nicht merken, wenn sie rassistisch handeln. Er hat all das verstanden, und genau deshalb wollen einige, dass er seinen Posten r\u00e4umt.<\/p>\n\n\n\n

Mehr als 60 deutsche und israelische Intellektuelle haben letzte Woche in einem Brief an Kanzlerin Merkel<\/a> dar\u00fcber geklagt, dass der aktuelle \u201eGebrauch des Antisemitismusbegriffs\u201c darauf abziele, \u201elegitime Kritik an der israelischen Regierungspolitik zu unterdr\u00fccken\u201c, und Klein vorgeworfen, rechtspopulistische israelische Stimmen zu f\u00f6rdern.<\/p>\n\n\n\n

Faszinierend an diesem offenen Brief ist, dass viele der Unterzeichneten keine Deutschen sind und auch nicht in Deutschland leben. Ich wei\u00df nicht, woher sie \u2013 die meisten von ihnen sind Israelis \u2013 die Chuzpe haben, sich in eine innerdeutsche Angelegenheit einzumischen und zu fordern, eine Person zu entlassen, die von der Bundesregierung eingesetzt wurde. Die H\u00e4lfte der Unterzeichneten lebt nicht hier, von der anderen H\u00e4lfte sind viele keine Juden \u2013 somit sind die allermeisten von ihnen nicht direkt vom Antisemitismus in Deutschland betroffen. Wie also k\u00f6nnen sie diesen Brief unterschreiben? Und warum eigentlich haben so wenige Deutsche unterschrieben? Dazu komme ich gleich.<\/p>\n\n\n\n

Debatte um Achille Mbembe<\/h6>\n\n\n\n

Hintergrund des Briefs war, dass Felix Klein gefordert hatte, den Philosophen Achille Mbembe<\/a> nicht die Er\u00f6ffnungsrede der Ruhrtriennale halten zu lassen. Als mit \u00f6ffentlichen Mitteln gef\u00f6rdertes Event solle die Ruhrtriennale Mbembe wegen seiner Haltung zu Israels Existenzrecht, seiner Haltung zu BDS und der Art, wie er in einem seiner Werke den Holocaust relativiert, nicht einladen.<\/p>\n\n\n\n

Mbembes Unterst\u00fctzer sagen, keine dieser Anschuldigungen sei wahr. F\u00fcrs Protokoll: In meinen Augen unterst\u00fctzt Mbembe sehr wohl BDS<\/a>, er schrieb unter anderem das Vorwort zu \u201eApartheid Israel\u201c und fordert die komplette Isolation Israels. Ich glaube auch, wenn Mbembe schreibt, die israelische Besetzung sei der \u201egr\u00f6\u00dfte moralische Skandal unserer Zeit\u201c, zeigt das, dass sein moralischer und geografischer Kompass etwas schief ist.<\/p>\n\n\n\n

Doch warum treibt die Debatte so viele Menschen um? Nun, zun\u00e4chst gibt niemand gern auf, was ihm oder ihr selbstverst\u00e4ndlich scheint. \u00dcber den gesamten politischen, sozialen, kulturellen, medialen und akademischen Sektor hinweg sind Menschen daran gew\u00f6hnt, so schlecht \u00fcber Israel sprechen zu k\u00f6nnen, wie auch immer sie wollen.<\/p>\n\n\n\n

Der Spiegel<\/em> hat \u2013 vielleicht in Anlehnung an seine Relotius-Standards, Israel erst k\u00fcrzlich eine Corona-Diktatur genannt. Fakten und Belege f\u00fcr diese Behauptung gab es nicht. Doch Millionen Deutsche haben es gelesen, und es wird nat\u00fcrlich haften bleiben. Faktenlage hin oder her. Der Spiegel<\/em> und andere Medien haben dieses Spiel perfektioniert: Titel so zu drehen, dass sie Israel indirekt anklagen, die Idee zu streuen, der Mossad kon\u00adtrol\u00adliere die deutsche Au\u00dfenpolitik im Nahen Osten, und so fort. Doch sie stehen allesamt sofort auf den Hinterbeinen, wenn jemand es wagt, das Spiel beim Namen zu nennen: moderner Antisemitismus.<\/p>\n\n\n\n

Klein will dem entgegenwirken. Er versteht, dass antisemitische Attacken in Deutschland die Fr\u00fcchte solch falsch gezeichneter Bilder und eindimensionaler Narrative \u00fcber Israel sind. Wenn er und andere versuchen, ein anderes Narrativ aufzuzeigen, wirft man ihnen Zensur vor: Wie k\u00f6nnen sie es wagen, das Gesch\u00e4ft der Anti-Israel-Propaganda zu st\u00f6ren?<\/p>\n\n\n\n

Liebe Deutsche, wenn ihr reden wollt, lasst uns gern reden: \u00fcber die Besetzung, \u00fcber Bibi und alles, was schiefl\u00e4uft. Aber dann lasst uns bitte auch dar\u00fcber reden, wie deutsche Steuergelder Terrortunnel finanzieren. Erst vergangene Woche r\u00e4umte die niederl\u00e4ndische Regierung ein, dass Gelder an eine Landwirtschaftsorganisation in Ramallah geflossen seien, die damit teilweise die Geh\u00e4lter zweier des Mordes an der 17-j\u00e4hrigen Israelin Rina Shnerb Verd\u00e4chtiger gezahlt haben. Auch die Bundesregierung unterst\u00fctzt diese Organisation, obwohl Kritiker schon lange vor Verbindungen zu Terroristen warnen.<\/p>\n\n\n\n

Wir k\u00f6nnen uns also gerne unterhalten \u2013 aber im Dialog, nicht in Monologen. Denn Reden unter Menschen, die sich einig sind, ist nichts anderes als Impotenz.<\/p>\n\n\n\n

Israelkritik als Eintrittskarte<\/h6>\n\n\n\n

Die Israelis, die die Petition unterzeichnet haben, haben \u00fcbrigens ebenfalls etwas verstanden. Seit Jahren wissen sie: Es ist ihre Eintrittskarte in die Mitte der deutschen (und europ\u00e4ischen) Gesellschaft. Man h\u00f6rt nicht oft von Akademikern mit proisraelischen Ansichten. Weder in den Philharmonie-Orchestern noch in der Kunstszene. Die Eintrittskarte daf\u00fcr ist ein antiisraelischer Standpunkt.<\/p>\n\n\n\n

Der mutma\u00dfliche Grund, warum kaum Deutsche die Petition unterzeichnet haben: Sie mussten es nicht. Ihre Lieblingsjuden haben es f\u00fcr sie getan. Jetzt k\u00f6nnen sie sagen: \u201eSchau, ich bin das ja nicht, meine j\u00fcdischen Freunde sagen es.\u201c Ich selbst war einige Jahre lang mit einem Paar hier in Berlin befreundet, bis ich herausfand, dass ich ihr Lieblingsjude war. Ja, selbst das j\u00fcdische Museum wurde so genutzt.<\/p>\n\n\n\n

Weil Attacken gegen Juden ein absolutes Tabu sind, wurden Umwege gefunden, um den Antisemitismus auf kleiner Flamme k\u00f6cheln zu lassen: die unfundierte, unbegr\u00fcndete Kritik an Israel.<\/p>\n\n\n\n

Diese Art der Kritik ist gef\u00e4hrlich. Sie schw\u00e4cht jede begr\u00fcndete und notwendige Kritik am Verhalten Israels. Und das Interessante ist: Trotz all der heftigen, pauschalisierenden Anklagen, all der offenen Briefe driftet Israel politisch immer weiter nach rechts. Doch statt mal einen anderen Ansatz zu versuchen, werden die antiisraelischen Stimmen nur lauter. Dasselbe versuchen und andere Ergebnisse davon erwarten \u2013 das ist die Definition von Wahnsinn.<\/p>\n\n\n\n

Kurz bevor der Prozess gegen den wegen des Attentats von Halle<\/a> Angeklagten begann \u2013 des seit Kriegsende schlimmsten Akts von Antisemitismus in Deutschland \u2013, lud eine Lokalzeitung den fr\u00fcheren Botschafter Shimon Stein und den Historiker Moshe Zimmermann ein, dar\u00fcber zu schreiben, was Antisemitismus ist. Nat\u00fcrlich wendeten auch sie sich gegen Felix Kleins Ansatz. Sie zitieren die Kontroverse um die Umbenennung der U-Bahn-Station Mohrenstra\u00dfe in Glinkastra\u00dfe, die sich darum drehte, dass der russische Komponist Michael Glinka Antisemit gewesen sein soll. Stein und Zimmermann halten die Debatte f\u00fcr \u00fcberzogen, Glinka sei nur ein Kind seiner Zeit gewesen. Folgt man ihrer Logik, k\u00f6nnen wir dann also in 20 oder 30 Jahren U-Bahn-Stationen nach den Kindern der 1930er Jahre benennen?<\/p>\n\n\n\n

Der Antisemit als Tierfreund<\/h6>\n\n\n\n

Ich w\u00fcnschte, die Sache h\u00e4tte mit dem Artikel, mit der Petition geendet. Doch dann erschien ein Artikel, der den Leser auf einen Waldspaziergang mit einem veganen Koch und Antisemiten mitnahm. Darin setzt der Tierfreund erst behutsam einen K\u00e4fer wieder auf seine Beinchen und erkl\u00e4rt dann, dass die Todesstrafe in Deutschland wieder eingef\u00fchrt werden solle, um einen gewissen Politiker (der zuf\u00e4llig pro Israel ist) an seinen Hoden aufh\u00e4ngen zu k\u00f6nnen. Dieser Koch hat Hunderttausende Follower, er sagt all solche Dinge am helllichten Tag in Berlin. Und in den Medien.<\/p>\n\n\n\n

F\u00e4lle wie dieser handeln bereits von Gewalt \u2013 und sie enden nicht bei den Juden. Der Hass richtet sich gegen Frauen<\/a>, Muslime, Gefl\u00fcchtete, \u00adLBTQI. Am Ende aller theoretischen Debatten stehen immer echte Menschen. Am Ende jeder Konferenz dar\u00fcber, was Antisemitismus ausmacht, steht ein potenzielles j\u00fcdisches Opfer. Angesichts einer Welle von Antisemitismus \u00fcber die Definition von Antisemitismus zu streiten ist, wie eine 10 Meter hohe Welle heranrollen zu sehen und dar\u00fcber zu streiten, was einen Tsunami ausmacht.<\/p>\n\n\n\n

Felix Klein versteht, wie absurd es ist, zu sagen: Es sind nur die Rechten. Die Rechten sind Deutsche, so wie die Nazis Deutsche waren. Klein versteht, dass die Deutschen nicht aufgeh\u00f6rt haben, Juden zu ermorden, weil sie irgendeine Art von Erleuchtung hatten. Sondern schlicht, weil sie den Krieg verloren haben. Um den Antisemitismus zu bek\u00e4mpfen, bevor er die Gesellschaft frisst, in der er und wir leben, muss Deutschland seinen moralischen Kompass korrigieren.<\/p>\n\n\n\n

Immerhin: Mehr und mehr Deutsche fahren nach Israel, sie wollen ein anderes Narrativ h\u00f6ren. Mehr und mehr Deutsche verstehen, dass Antisemitismus Schockwellen ausl\u00f6st, die die gesamte Gesellschaft betreffen. In einem normalen Universum w\u00fcrde Klein bef\u00f6rdert werden f\u00fcr seine Leistung. In einer verdrehten Gesellschaft fordern Menschen seine Entlassung. Um es mit Mbembe zu sagen: Das ist Nano-Nonsens.<\/p>\n\n\n\n

\u00dcbersetzung: Ariane Lemme<\/a><\/em><\/p>\n","post_title":"Felix Klein hat verstanden","post_excerpt":"","post_status":"publish","comment_status":"closed","ping_status":"closed","post_password":"","post_name":"felix-klein-hat-verstanden","to_ping":"","pinged":"","post_modified":"2025-02-02 08:39:39","post_modified_gmt":"2025-02-02 08:39:39","post_content_filtered":"","post_parent":0,"guid":"https:\/\/dctransparency.com\/?p=3786","menu_order":0,"post_type":"post","post_mime_type":"","comment_count":"0","filter":"raw"}],"next":false,"prev":true,"total_page":47},"paged":1,"column_class":"jeg_col_2o3","class":"epic_block_3"};

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Im Februar 2020 scheinen die in Libyen stationierten Wing Loong II-Drohnen \u00fcber die Grenze nach \u00c4gypten zu einem Luftwaffenst\u00fctzpunkt in der N\u00e4he von Siwa in der west\u00e4gyptischen W\u00fcste gebracht worden zu sein.<\/p>\n\n\n\n

Satellitenbilder zeigen auch, dass ein zweiter \u00e4gyptischer Milit\u00e4rflugplatz, Sidi Barrani, als Einsatzbasis f\u00fcr Mirage 2000-Kampfflugzeuge verwendet wurde, die in Farben lackiert sind, die nicht von der \u00e4gyptischen Luftwaffe verwendet werden, aber genau den von den VAE geflogenen Jets entsprechen .<\/p>\n\n\n\n

Dies ist das gleiche Flugzeugmodell, das von den Vereinten Nationen in einen Luftangriff auf ein Migrationszentrum \u00f6stlich von Tripolis im Juli 2019 verwickelt wurde, bei dem 53 Menschen get\u00f6tet wurden.<\/p>\n\n\n\n

Ausl\u00e4ndischer Jet bei libyschem Migrantenangriff verd\u00e4chtigt<\/p>\n\n\n\n

Sidi Barrani ist auch das Ziel f\u00fcr mehrere Frachtflugzeuge, die von den Vereinigten Arabischen Emiraten gestartet sind, und schl\u00e4gt eine Luftbr\u00fccke f\u00fcr Ausr\u00fcstung oder Lieferungen zwischen den Vereinigten Arabischen Emiraten und einer Milit\u00e4rbasis vor, die nur 80 km von der libyschen Grenze entfernt liegt.<\/p>\n\n\n\n

Die \u00e4gyptische Regierung antwortete nicht auf die Bitte der BBC um Stellungnahme.<\/p>\n\n\n\n

Ist ausl\u00e4ndisches milit\u00e4risches Engagement \u00fcberraschend?<\/strong><\/p>\n\n\n\n

Sowohl die Vereinigten Arabischen Emirate als auch \u00c4gypten nahmen an einer von Bundeskanzlerin Angela Merkel im Januar dieses Jahres in Berlin einberufenen Konferenz \u00fcber Libyen teil, auf der sie ihre Unterst\u00fctzung f\u00fcr den UN-Friedensprozess bekr\u00e4ftigten und sich bereit erkl\u00e4rten, nicht in den Libyen-Krieg einzugreifen.<\/p>\n\n\n\n

Im vergangenen Jahr gab es jedoch eine Eskalation des Einsatzes von Drohnen durch beide Seiten des Konflikts.<\/p>\n\n\n\n

Ghassan Salam\u00e9, der fr\u00fchere Leiter der UN-Mission in Libyen, beschrieb dies als \"m\u00f6glicherweise das gr\u00f6\u00dfte Drohnenkriegstheater der Welt\".<\/p>\n\n\n\n

Die VAE sind nicht die einzige ausl\u00e4ndische Macht, die an diesem Konflikt beteiligt ist.<\/p>\n\n\n\n

Anfang dieses Jahres gab BBC Africa Eye bekannt, dass die T\u00fcrkei auch gegen das Waffenembargo der Vereinten Nationen gegen Libyen versto\u00dfen hat, indem sie geheime Waffenlieferungen an die von den Vereinten Nationen anerkannte Regierung in Tripolis gesendet hat.<\/p>\n\n\n\n

Mit Unterst\u00fctzung der T\u00fcrkei hat die von den Vereinten Nationen anerkannte Regierung des Nationalen Abkommens nun die LNA von Gen Haftar aus der Gegend um Tripolis zur\u00fcckgeschlagen.<\/p>\n","post_title":"BBC-Untersuchung: VAE in t\u00f6dlichen Angriff in Libyen verwickelt","post_excerpt":"","post_status":"publish","comment_status":"closed","ping_status":"closed","post_password":"","post_name":"bbc-untersuchung-vae-in-todlichen-angriff-in-libyen-verwickelt","to_ping":"","pinged":"","post_modified":"2025-02-02 08:39:39","post_modified_gmt":"2025-02-02 08:39:39","post_content_filtered":"","post_parent":0,"guid":"https:\/\/dctransparency.com\/?p=3811","menu_order":0,"post_type":"post","post_mime_type":"","comment_count":"0","filter":"raw"},{"ID":3792,"post_author":"7","post_date":"2020-08-14 13:58:48","post_date_gmt":"2020-08-14 13:58:48","post_content":"\n

Die Hagia Sophia war (ist) ein kulturelles Weltwunder und aufgeladen mit symbolischer Bedeutung, f\u00fcr die Christenheit ebenso wie f\u00fcr den Islam \u2013 und den t\u00fcrkischen Nationalismus. Als Mehmed II. sie betrat, war sie schon fast 1000 Jahre die gr\u00f6\u00dfte Kirche der christlichen Welt und das Zentrum der orthodoxen Glaubensrichtung. Die \"Ayasofya\", wie sie dann hie\u00df, war 500 Jahre lang Moschee \u2013 bis 1934, als Kemal Pascha Atat\u00fcrk, der \"Vater\" der modernen T\u00fcrkei, sie in ein Museum verwandelte, in der ausdr\u00fccklichen Absicht, auch hier mit dem osmanischen Erbe zu brechen.<\/p>\n\n\n\n

Nun wird Pr\u00e4sident Recep Tayyip Erdo\u011fan, der \"Vater\" der re-islamisierten T\u00fcrkei, am 24. Juli dieses Jahres die Ayasofya durch das Freitagsgebet wieder in den Islam eingliedern. Oder eher in seinen pers\u00f6nlichen religi\u00f6sen Nationalismus.<\/p>\n\n\n\n

Welterbe von allen<\/h3>\n\n\n\n

Wie bedeutungsschwer ist dieser Akt eines \"starken Mannes\", der innenpolitisch deutlich schw\u00e4chelt? Die Proteste vor allem aus der orthodoxen Welt, aber auch aus Europa und den USA sind eher traurig als w\u00fctend. Der Papst dr\u00fcckte seinen \"Schmerz\" aus. Auch der Jubel in der islamischen Welt fiel zun\u00e4chst weniger \u00fcbersch\u00e4umend als erwartet aus.<\/p>\n\n\n\n

Ist es der Alleingang eines Autokraten in Bedr\u00e4ngnis oder ist \"der Jubel \u00fcber die Eroberung der Hagia Sophia der Versuch einer zutiefst erniedrigten, vom Gef\u00fchl der Wertlosigkeit dominierten und in ihrer eigenen Selbstberechtigung beraubten Gesellschaft, eine Bedeutung, eine St\u00e4rke, ein Selbstwertgef\u00fchl zu finden\"? So recht pauschalierend der in Deutschland lebende pal\u00e4stinensische Intellektuelle und Psychiater Ahmad Mansour.<\/p>\n\n\n\n

Die beiden Gro\u00dfreiche, das byzantinische und das osmanische, sind l\u00e4ngst versunken.<\/p><\/blockquote>\n\n\n\n

Das eigentliche Schl\u00fcsselwort im Zusammenhang mit der Hagia Sofia ist \"Welterbe\". Das Erbe von allen. Einmal im kulturellen Sinn der Unesco, aber in Wahrheit weiter gefasst. Das einzigartige Bauwerk geh\u00f6rt in Wirklichkeit der ganzen Welt, nicht der einen oder anderen Religion. Die beiden Gro\u00dfreiche, f\u00fcr die die Hagia Sofia der zentrale spirituelle Bau war, das byzantinische und das osmanische, sind l\u00e4ngst versunken. Seither hat sie eine neue, \u00fcbernationale Dimension erhalten. Was Erdo\u011fan da jetzt mit der Hagia Sofia macht, ist eine Verengung und Verarmung eines gemeinsamen Welterbes.<\/p>\n\n\n\n

\"\"\/
Betende Muslime vor der Hagia Sophia.<\/figcaption><\/figure>\n\n\n\n

Davon abgesehen aber war und ist sie ein architektonisches Meisterwerk und geh\u00f6rt zu den bedeutendsten Bauten der Welt. Wer heute den Zentralraum unter der Kuppel betritt, kann sich nur schwer dem zugleich majest\u00e4tischen wie schwebenden Gesamteindruck entziehen. Die Hagia Sophia blieb fast 1000 Jahre die gr\u00f6\u00dfte Kirche der Christenheit. Technisch war die Kuppel (mit mehreren Halbkuppeln) eine \u00fcberaus riskante Innovation: Die 55 Meter hohe und 32 Meter im Durchmesser breite Kuppel ruht auf nur vier Tragpunkten, was den schwebenden, schwerelosen Eindruck erzeugt. Die Konstruktion folgt einem mathematischen Prinzip, das erst k\u00fcrzlich entschl\u00fcsselt wurde.<\/p>\n\n\n\n

\"Salomo, ich habe dich \u00fcbertroffen!\"<\/p><\/blockquote>\n\n\n\n

Als Kaiser Justinian die Hagia Sophia nach nur f\u00fcnf Jahren Bauzeit (532\u2013537) betrat, soll er in Anspielung auf den Tempel in Jerusalem ausgerufen haben: \"Salomo, ich habe dich \u00fcbertroffen!\" Die Innenausstattung war mit ihren S\u00e4ulen aus Porphyr und gr\u00fcnem Marmor, mit Mosaiken aus Gold und Halbedelsteinen derart prunkvoll, der Gesamteindruck derart \u00fcberirdisch, dass eine Delegation des Gro\u00dff\u00fcrsten von Kiew nicht mehr wusste, \"ob wir im Himmel oder auf der Erde\" waren \u2013 was die Christianisierung Russlands bef\u00f6rderte.<\/p>\n\n\n\n

Der deutsche Architekturlehrer Holger Kleine nennt die Hagia Sophia \"absolute Architektur\", weil sie \"extreme Ausdrucksformen nahezu aller dramaturgischen Mittel, die der Architektur zur Verf\u00fcgung stehen, vereinigt: wuchtigste K\u00f6rper und luftigste R\u00e4ume, engste Enge und gr\u00f6\u00dfte Weite, w\u00e4rmende Helligkeit und mystisches Dunkel\". Und die Kuppelbauten aus der sp\u00e4teren Hochbl\u00fcte der Moscheenarchitektur im 16. und 17. Jahrhundert gehen eindeutig auf die Hagia Sophia zur\u00fcck.<\/p>\n\n\n\n

Die Hagia Sophia war Staatskirche des byzantinischen Reichs. F\u00fcr die Eroberer der letzte Schlussstein in der Kuppel osmanisch-muslimischen Herrschaftsanspruchs. Konstantinopel war ja 1453 nur noch eine isolierte, heruntergekommene Enklave in einem osmanischen Umfeld, kein christliches Heer kam zu Hilfe. Doch vorher war es zugleich Sperrriegel nach Osten und Geistesarchiv der antiken Kultur gewesen. \"Ohne Byzanz h\u00e4tte es kein Europa gegeben\", sagt die britische Altertumsforscherin Judith Herrin.<\/p>\n\n\n\n

\"\"\/
Freigelegtes Mosaik von \"Christos Pantokrator\".<\/figcaption><\/figure>\n\n\n\n

Neue Fragen<\/h3>\n\n\n\n

Die Kirche wurde von Mehmed II. und Nachfolgern nicht in der Substanz zerst\u00f6rt, sondern \"entchristlicht\". Die urspr\u00fcnglich \u00fcbert\u00fcnchten oder auch abgeschlagenen Mosaiken mit den Darstellungen von Christus, der Muttergottes, diversen Kaisern kamen zum Teil schon unter einem Sultan des 19. Jahrhunderts, dann gro\u00dfteils nach der Museumswidmung wieder zum Vorschein.<\/p>\n\n\n\n

Jetzt stellen sich neue symbolisch-praktische Fragen. Erdo\u011fan hat die Hagia Sophia der konservativen staatlichen Religionsbeh\u00f6rde Diyanet unterstellt. Die byzantinischen Mosaike, wie der gro\u00dfartige \"Christos Pantokrator\" (\"Weltenherrscher\") oder die Jungfrau Maria in der Apsis, m\u00fcssen wohl w\u00e4hrend des islamischen Gottesdiensts verh\u00e4ngt werden. Muss der Boden mit seinen Marmorplatten und Mosaiken mit einem Teppich bedeckt werden? Erdo\u011fan sagt, Touristen seien nach wie vor zugelassen. Aber sie werden wohl hinter Absperrungen bleiben m\u00fcssen. Frauen werden \u2013 wie in der benachbarten \"Blauen Moschee\" (\"Sultanahmed\") Kopftuch tragen m\u00fcssen.<\/p>\n\n\n\n

\"\"\/
Erdo\u011fan mit Gattin in der Hagia Sophia.<\/figcaption><\/figure>\n\n\n\n

Erdo\u011fans neue Abenteuer<\/strong><\/h3>\n\n\n\n

Aber wird da nicht doch zu viel in einen Formalakt rund um ein uraltes Bauwerk hineininterpretiert? Im geschichtlichen Kontext relativiert sich manches: Konstantinopel wurde schon von Christen erobert und ausgepl\u00fcndert \u2013 1204 im Vierten Kreuzzug. In der Moschee von Cordoba (\"Mezquita\") bauten die Katholiken eine ganze Kirche in den ber\u00fchmten S\u00e4ulenwald hinein. Die Mezquita ist heute noch Kirche, kein Museum.<\/p>\n\n\n\n

\"Das ist der Beweis, dass wir kein s\u00e4kularer Staat mehr sein wollen\", sagt Nobelpreistr\u00e4ger Orhan Pamuk. Erdo\u011fan betrachtet sich offenbar als auch neoosmanischer \"Fatih\" im Mittelmeerraum mit immer neuen Abenteuern: Eingreifen in Syrien, Stellvertreterkrieg in Libyen, Anspr\u00fcche auf Erdgasvorkommen weit vor der t\u00fcrkischen K\u00fcste bei Zypern, Reden, wonach manche \u00c4g\u00e4is-Inseln eigentlich zur T\u00fcrkei geh\u00f6ren, \"denn dort stehen unsere Moscheen\". Manches davon ist nur Rhetorik, aber genug anderes ist riskante Realit\u00e4t. (Hans Rauscher, 14.7.2020)<\/p>\n\n\n\n

Quelle<\/a><\/strong><\/p>\n","post_title":"Hagia Sophia: Verengung und Verarmung eines Welterbes","post_excerpt":"","post_status":"publish","comment_status":"closed","ping_status":"closed","post_password":"","post_name":"hagia-sophia-verengung-und-verarmung-eines-welterbes","to_ping":"","pinged":"","post_modified":"2025-02-02 08:39:39","post_modified_gmt":"2025-02-02 08:39:39","post_content_filtered":"","post_parent":0,"guid":"https:\/\/dctransparency.com\/?p=3792","menu_order":0,"post_type":"post","post_mime_type":"","comment_count":"0","filter":"raw"},{"ID":3789,"post_author":"7","post_date":"2020-08-14 13:56:07","post_date_gmt":"2020-08-14 13:56:07","post_content":"\n

Im Gastkommentar pocht Mark Leonard, Direktor des Europ\u00e4ischen Rats f\u00fcr Ausw\u00e4rtige Beziehungen, auf \"neue, einvernehmlich vereinbarte Prinzipien sowie klare Grenzen\", nur so k\u00f6nne eine weitere Destabilisierung in der Region verhindert werden.<\/em><\/strong><\/p>\n\n\n\n

Ist die T\u00fcrkei das neue Russland? Diese Frage wird in den europ\u00e4ischen Hauptst\u00e4dten zunehmend gestellt, da die Au\u00dfenpolitik des t\u00fcrkischen Pr\u00e4sidenten Recep Tayyip Erdo\u011fan zunehmend aggressiver wird. Erdo\u011fan nutzt nicht nur die Migration, um die EU zu bedrohen und zu betr\u00fcgen, sondern setzt auch milit\u00e4rische Macht ein, um den Einflussbereich der T\u00fcrkei auf die gesamte Region auszudehnen.<\/p>\n\n\n\n

Seit dem Ende des Kalten Krieges haben die Europ\u00e4er die regionale Sicherheit durch eine unipolare westliche Linse betrachtet. W\u00e4hrend die Nato die milit\u00e4rische Sicherheit garantierte, sorgte die EU mit ihrem 80.000 Seiten starken Regelwerk f\u00fcr alles von LGBTQ-Rechten bis hin zu Rasenm\u00e4her-Sound-Verordnungen f\u00fcr Rechtsordnung. In den 90er-Jahren ging man allgemein davon aus, dass die beiden gro\u00dfen nichtwestlichen regionalen Akteure, Russland und die T\u00fcrkei, nach und nach an diese Regelungen herangef\u00fchrt werden w\u00fcrden.<\/p>\n\n\n\n

Qu\u00e4lende Hassliebe<\/h3>\n\n\n\n

Doch in den letzten 15 Jahren ist der Traum von der europ\u00e4ischen Unipolarit\u00e4t einer multipolaren Realit\u00e4t gewichen. Sowohl Russland als auch die T\u00fcrkei haben eine lange, qu\u00e4lende Hassliebe zu Europa, und beide sind unter nationalen Machthabern, denen die Verachtung der Normen und Werte der EU gemeinsam ist, durchsetzungsf\u00e4higer geworden.<\/p>\n\n\n\n

Die zunehmende Verschlechterung der Beziehungen zwischen der EU und Russland ist gut dokumentiert, der Fall der T\u00fcrkei weniger. Der Irakkrieg im Jahr 2003 komplizierte das Verh\u00e4ltnis der T\u00fcrkei zur Nato, und ihr Verh\u00e4ltnis zur EU verschlechterte sich 2007, als Frankreich einen wichtigen Teil ihrer EU-Beitrittsverhandlungen blockierte. Seitdem hat die T\u00fcrkei ihren eigenen Weg in Syrien, auf dem Balkan und in Libyen eingeschlagen und neue Beziehungen zu Russland und China aufgebaut.<\/p>\n\n\n\n

Wichtiger Akteur<\/strong><\/h3>\n\n\n\n

Nat\u00fcrlich sind die Beziehungen zwischen der T\u00fcrkei und Russland nicht weniger kompliziert, nicht zuletzt weil Erdo\u011fan und der russische Pr\u00e4sident Wladimir Putin im syrischen B\u00fcrgerkrieg verschiedene Seiten unterst\u00fctzten.Und w\u00e4hrend die Spannungen wegen des Syrien-Konflikts weiterhin bestehen, bewundert Erdo\u011fan deutlich, wie Russland sich \u2013 bei relativ geringen Kosten \u2013 wieder als wichtiger Akteur im Nahen Osten und in Nordafrika etabliert hat.<\/p>\n\n\n\n

Nachdem er in einen nicht zu gewinnenden Krieg im Osten der Ukraine verwickelt war, schien Putins weitgehend erfolgreicher Feldzug in Syrien einen Teil seiner innenpolitischen Autorit\u00e4t wiederherzustellen. Der Westen hatte f\u00fcnf Jahre lang darauf bestanden, dass es keine milit\u00e4rische L\u00f6sung des Konflikts gebe und dass der syrische Pr\u00e4sident Baschar al-Assad gehen m\u00fcsse. Doch w\u00e4hrend die von den Vereinten Nationen unterst\u00fctzten Gespr\u00e4che in Genf zu keinem Ergebnis f\u00fchrten, schienen die von Russland geleiteten Gespr\u00e4che in Astana voranzukommen. Indem der Kreml die T\u00fcrkei und den Iran einbezog, w\u00e4hrend er die westlichen M\u00e4chte ausschloss, erweckte er den Eindruck, dass Russland als wiedergeborene Supermacht aus der Asche auferstanden sei.<\/p>\n\n\n\n

Unter Druck<\/h3>\n\n\n\n

Angesichts des wachsenden Widerstands im eigenen Land macht es Erdo\u011fan Putin gleich. Da der Westen nicht bereit war, (erneut) milit\u00e4risch in Libyen zu intervenieren, sah Erdo\u011fan eine Gelegenheit, die T\u00fcrkei zu positionieren. Nach dem Vorgehen Russlands in Syrien sicherte er sich eine formelle Einladung der libyschen Regierung zur Intervention. Mit einem Schlag Ende letzten Jahres hat er nicht nur das Image der T\u00fcrkei als Regionalmacht gest\u00e4rkt, sondern auch ein Abkommen mit Libyen \u00fcber die Seegrenze abgeschlossen und damit einen Plan Griechenlands, Zyperns, \u00c4gyptens und Israels zur Erschlie\u00dfung von Unterwasser\u00f6l- und -gasfeldern in der N\u00e4he zunichtegemacht.<\/p>\n\n\n\n

Erdo\u011fan scheint auch von der Spalt-und-Eroberungs-Strategie des Kreml in Europa inspiriert worden zu sein, der zufolge oft diejenigen EU-Mitgliedsstaaten unter Druck gesetzt werden, die am meisten von russischen Kohlenwasserstoffen oder M\u00e4rkten abh\u00e4ngig sind. So wie Putin lange Zeit die Energieversorgung instrumentalisiert hat, hat Erdo\u011fan versucht, den Strom von Migranten und Fl\u00fcchtlingen, die vor Konflikten im Nahen Osten fliehen, zu instrumentalisieren. Als die EU eine neue Marinemission ank\u00fcndigte, um den Waffenstrom nach Libyen zu blockieren, malte die T\u00fcrkei f\u00fcr Malta das Schreckgespenst der angeblichen Bedrohung durch Migranten an die Wand. Malta reagierte prompt und signalisierte, dass es gegen die Finanzierung der Mission ein Veto einlegen werde.<\/p>\n\n\n\n

Verlorener Sohn<\/strong><\/h3>\n\n\n\n

Jahrelang redeten sich die Europ\u00e4er ein, dass Russland eine Art verlorener Sohn sei und dass die europ\u00e4ische unipolare Ordnung gesund bleibe. Doch das machte Europa zu einem leichten Ziel f\u00fcr die Trennungs-und-Eroberungs-Strategie des Kreml. Erst vor relativ kurzer Zeit entwarf die Union eine neue Politik und ein robustes Sanktionsregime, um die russische Aggression abzuschrecken. Und selbst jetzt \u2013 trotz der besten Bem\u00fchungen der deutschen Bundeskanzlerin Angela Merkel und des franz\u00f6sischen Pr\u00e4sidenten Emmanuel Macron \u2013 hat die EU noch immer keine wirksamen Kommunikationskan\u00e4le mit Russland geschaffen, um gemeinsame Probleme anzugehen.<\/p>\n\n\n\n

Die T\u00fcrkei ist noch kein neues Russland, aber sie k\u00f6nnte dazu werden, wenn die Situation falsch gehandhabt wird. Vorerst betrachten die meisten Europ\u00e4er die T\u00fcrkei noch immer als einen komplizierten Partner und nicht als \"Systemrivalen\". Aber die Europ\u00e4er sollten die hart erk\u00e4mpften Lehren aus dem Umgang mit Russland in den letzten 15 Jahren beherzigen. Die Beziehungen zwischen der EU und der T\u00fcrkei brauchen neue, einvernehmlich vereinbarte Prinzipien sowie klare Grenzen, um eine weitere Destabilisierung in der Region zu verhindern.<\/p>\n\n\n\n

Zu diesem Zweck sollten die Europ\u00e4er klarstellen, dass der EU-Beitrittsprozess entweder zur\u00fcckgedreht oder vorangetrieben werden kann und dass eine eher transaktionale Beziehung sowohl Zuckerbrot als auch Peitsche beinhaltet. Die Herausforderung wird darin bestehen, daf\u00fcr zu sorgen, dass es in einer Region, die nicht nur von Europa und der T\u00fcrkei, sondern auch von Russland, den USA und einem aufstrebenden China beeinflusst wird, noch Raum f\u00fcr politisches Engagement in Fragen der gemeinsamen Sicherheit gibt. (Mark Leonard, \u00dcbersetzung: Eva G\u00f6llner, Copyright: Project Syndicate, 10.8.2020)<\/p>\n\n\n\n

Mark Leonard <\/strong>ist Direktor des Europ\u00e4ischen Rats f\u00fcr Ausw\u00e4rtige Beziehungen.<\/a><\/p>\n","post_title":"Erdo\u011fan \u2013 der andere Putin vor der Haust\u00fcr Europas","post_excerpt":"","post_status":"publish","comment_status":"closed","ping_status":"closed","post_password":"","post_name":"erdogan-der-andere-putin-vor-der-haustur-europas","to_ping":"","pinged":"","post_modified":"2025-02-02 08:39:39","post_modified_gmt":"2025-02-02 08:39:39","post_content_filtered":"","post_parent":0,"guid":"https:\/\/dctransparency.com\/?p=3789","menu_order":0,"post_type":"post","post_mime_type":"","comment_count":"0","filter":"raw"},{"ID":3786,"post_author":"7","post_date":"2020-08-14 13:51:23","post_date_gmt":"2020-08-14 13:51:23","post_content":"\n

Einen Monat nachdem ich zur israelischen Armee eingezogen worden war, brach die erste Intifada aus. Statt Soldat zu sein, machte ich Polizeiarbeit, sagte den Menschen, wann sie zur Arbeit gehen konnten und wann sie ihre L\u00e4den schlie\u00dfen mussten, wann sie die Grenze passieren und wann sie schlafen konnten. Einen Monat nachdem ich aus der Armee entlassen worden war, ging ich auf Reisen. (In Israel sagen wir: Wir dienen drei Jahre und versuchen den Rest unseres Lebens, diese drei Jahre zu vergessen.) Auf meiner Reise begann ich Briefe an meine Freundin zu schreiben, die ich in Israel zur\u00fcckgelassen hatte.<\/p>\n\n\n\n

Ich schrieb ihr, wie schrecklich depressiv ich war und dass diese drei Jahre des Anweisungenbellens und Anderen-Menschen-Sagens, was sie zu tun haben, mich f\u00fcr immer verfolgen w\u00fcrden. Dass sie ein Teil dessen geworden waren, was ich bin. Ich erinnere mich, dass ich ihr schrieb, dass wir da rausm\u00fcssen \u2013 nicht nur f\u00fcr die Pal\u00e4stinenser, sondern wegen der furchtbaren und brutalen Auswirkungen, die all das auf uns, auf die israelische Gesellschaft haben w\u00fcrde. Sie schrieb zur\u00fcck: \u201eDu hast recht. Ich habe einen neuen Freund.\u201c<\/p>\n\n\n\n

Felix Klein wurde als Beauftragter der Bundesregierung berufen<\/a>, um die Auswirkungen des zunehmenden Antisemitismus in unserer Gesellschaft, in Deutschland, zu bek\u00e4mpfen. Was nicht in seiner Jobbeschreibung steht, ist, dass er dabei unsere Gesellschaft heilen muss, jene Gesellschaft, die diese Form des Hasses reproduziert und sch\u00fctzt. Klein hat das begriffen.<\/p>\n\n\n\n

Er versteht, dass man Krebs nicht mit einem Pflaster verarztet, er wei\u00df, dass er das Bewusstsein der Deutschen sch\u00e4rfen und Diskussionen ansto\u00dfen muss. Er hat begriffen, dass das Problem nicht nur an den R\u00e4ndern der Gesellschaft (bei den Rechten) liegt, sondern auch in ihrer Mitte. Dort, wo gebildete Menschen nicht einmal bemerken, dass das, was sie sagen und tun, antisemitisch ist. So wie sie es auch nicht merken, wenn sie rassistisch handeln. Er hat all das verstanden, und genau deshalb wollen einige, dass er seinen Posten r\u00e4umt.<\/p>\n\n\n\n

Mehr als 60 deutsche und israelische Intellektuelle haben letzte Woche in einem Brief an Kanzlerin Merkel<\/a> dar\u00fcber geklagt, dass der aktuelle \u201eGebrauch des Antisemitismusbegriffs\u201c darauf abziele, \u201elegitime Kritik an der israelischen Regierungspolitik zu unterdr\u00fccken\u201c, und Klein vorgeworfen, rechtspopulistische israelische Stimmen zu f\u00f6rdern.<\/p>\n\n\n\n

Faszinierend an diesem offenen Brief ist, dass viele der Unterzeichneten keine Deutschen sind und auch nicht in Deutschland leben. Ich wei\u00df nicht, woher sie \u2013 die meisten von ihnen sind Israelis \u2013 die Chuzpe haben, sich in eine innerdeutsche Angelegenheit einzumischen und zu fordern, eine Person zu entlassen, die von der Bundesregierung eingesetzt wurde. Die H\u00e4lfte der Unterzeichneten lebt nicht hier, von der anderen H\u00e4lfte sind viele keine Juden \u2013 somit sind die allermeisten von ihnen nicht direkt vom Antisemitismus in Deutschland betroffen. Wie also k\u00f6nnen sie diesen Brief unterschreiben? Und warum eigentlich haben so wenige Deutsche unterschrieben? Dazu komme ich gleich.<\/p>\n\n\n\n

Debatte um Achille Mbembe<\/h6>\n\n\n\n

Hintergrund des Briefs war, dass Felix Klein gefordert hatte, den Philosophen Achille Mbembe<\/a> nicht die Er\u00f6ffnungsrede der Ruhrtriennale halten zu lassen. Als mit \u00f6ffentlichen Mitteln gef\u00f6rdertes Event solle die Ruhrtriennale Mbembe wegen seiner Haltung zu Israels Existenzrecht, seiner Haltung zu BDS und der Art, wie er in einem seiner Werke den Holocaust relativiert, nicht einladen.<\/p>\n\n\n\n

Mbembes Unterst\u00fctzer sagen, keine dieser Anschuldigungen sei wahr. F\u00fcrs Protokoll: In meinen Augen unterst\u00fctzt Mbembe sehr wohl BDS<\/a>, er schrieb unter anderem das Vorwort zu \u201eApartheid Israel\u201c und fordert die komplette Isolation Israels. Ich glaube auch, wenn Mbembe schreibt, die israelische Besetzung sei der \u201egr\u00f6\u00dfte moralische Skandal unserer Zeit\u201c, zeigt das, dass sein moralischer und geografischer Kompass etwas schief ist.<\/p>\n\n\n\n

Doch warum treibt die Debatte so viele Menschen um? Nun, zun\u00e4chst gibt niemand gern auf, was ihm oder ihr selbstverst\u00e4ndlich scheint. \u00dcber den gesamten politischen, sozialen, kulturellen, medialen und akademischen Sektor hinweg sind Menschen daran gew\u00f6hnt, so schlecht \u00fcber Israel sprechen zu k\u00f6nnen, wie auch immer sie wollen.<\/p>\n\n\n\n

Der Spiegel<\/em> hat \u2013 vielleicht in Anlehnung an seine Relotius-Standards, Israel erst k\u00fcrzlich eine Corona-Diktatur genannt. Fakten und Belege f\u00fcr diese Behauptung gab es nicht. Doch Millionen Deutsche haben es gelesen, und es wird nat\u00fcrlich haften bleiben. Faktenlage hin oder her. Der Spiegel<\/em> und andere Medien haben dieses Spiel perfektioniert: Titel so zu drehen, dass sie Israel indirekt anklagen, die Idee zu streuen, der Mossad kon\u00adtrol\u00adliere die deutsche Au\u00dfenpolitik im Nahen Osten, und so fort. Doch sie stehen allesamt sofort auf den Hinterbeinen, wenn jemand es wagt, das Spiel beim Namen zu nennen: moderner Antisemitismus.<\/p>\n\n\n\n

Klein will dem entgegenwirken. Er versteht, dass antisemitische Attacken in Deutschland die Fr\u00fcchte solch falsch gezeichneter Bilder und eindimensionaler Narrative \u00fcber Israel sind. Wenn er und andere versuchen, ein anderes Narrativ aufzuzeigen, wirft man ihnen Zensur vor: Wie k\u00f6nnen sie es wagen, das Gesch\u00e4ft der Anti-Israel-Propaganda zu st\u00f6ren?<\/p>\n\n\n\n

Liebe Deutsche, wenn ihr reden wollt, lasst uns gern reden: \u00fcber die Besetzung, \u00fcber Bibi und alles, was schiefl\u00e4uft. Aber dann lasst uns bitte auch dar\u00fcber reden, wie deutsche Steuergelder Terrortunnel finanzieren. Erst vergangene Woche r\u00e4umte die niederl\u00e4ndische Regierung ein, dass Gelder an eine Landwirtschaftsorganisation in Ramallah geflossen seien, die damit teilweise die Geh\u00e4lter zweier des Mordes an der 17-j\u00e4hrigen Israelin Rina Shnerb Verd\u00e4chtiger gezahlt haben. Auch die Bundesregierung unterst\u00fctzt diese Organisation, obwohl Kritiker schon lange vor Verbindungen zu Terroristen warnen.<\/p>\n\n\n\n

Wir k\u00f6nnen uns also gerne unterhalten \u2013 aber im Dialog, nicht in Monologen. Denn Reden unter Menschen, die sich einig sind, ist nichts anderes als Impotenz.<\/p>\n\n\n\n

Israelkritik als Eintrittskarte<\/h6>\n\n\n\n

Die Israelis, die die Petition unterzeichnet haben, haben \u00fcbrigens ebenfalls etwas verstanden. Seit Jahren wissen sie: Es ist ihre Eintrittskarte in die Mitte der deutschen (und europ\u00e4ischen) Gesellschaft. Man h\u00f6rt nicht oft von Akademikern mit proisraelischen Ansichten. Weder in den Philharmonie-Orchestern noch in der Kunstszene. Die Eintrittskarte daf\u00fcr ist ein antiisraelischer Standpunkt.<\/p>\n\n\n\n

Der mutma\u00dfliche Grund, warum kaum Deutsche die Petition unterzeichnet haben: Sie mussten es nicht. Ihre Lieblingsjuden haben es f\u00fcr sie getan. Jetzt k\u00f6nnen sie sagen: \u201eSchau, ich bin das ja nicht, meine j\u00fcdischen Freunde sagen es.\u201c Ich selbst war einige Jahre lang mit einem Paar hier in Berlin befreundet, bis ich herausfand, dass ich ihr Lieblingsjude war. Ja, selbst das j\u00fcdische Museum wurde so genutzt.<\/p>\n\n\n\n

Weil Attacken gegen Juden ein absolutes Tabu sind, wurden Umwege gefunden, um den Antisemitismus auf kleiner Flamme k\u00f6cheln zu lassen: die unfundierte, unbegr\u00fcndete Kritik an Israel.<\/p>\n\n\n\n

Diese Art der Kritik ist gef\u00e4hrlich. Sie schw\u00e4cht jede begr\u00fcndete und notwendige Kritik am Verhalten Israels. Und das Interessante ist: Trotz all der heftigen, pauschalisierenden Anklagen, all der offenen Briefe driftet Israel politisch immer weiter nach rechts. Doch statt mal einen anderen Ansatz zu versuchen, werden die antiisraelischen Stimmen nur lauter. Dasselbe versuchen und andere Ergebnisse davon erwarten \u2013 das ist die Definition von Wahnsinn.<\/p>\n\n\n\n

Kurz bevor der Prozess gegen den wegen des Attentats von Halle<\/a> Angeklagten begann \u2013 des seit Kriegsende schlimmsten Akts von Antisemitismus in Deutschland \u2013, lud eine Lokalzeitung den fr\u00fcheren Botschafter Shimon Stein und den Historiker Moshe Zimmermann ein, dar\u00fcber zu schreiben, was Antisemitismus ist. Nat\u00fcrlich wendeten auch sie sich gegen Felix Kleins Ansatz. Sie zitieren die Kontroverse um die Umbenennung der U-Bahn-Station Mohrenstra\u00dfe in Glinkastra\u00dfe, die sich darum drehte, dass der russische Komponist Michael Glinka Antisemit gewesen sein soll. Stein und Zimmermann halten die Debatte f\u00fcr \u00fcberzogen, Glinka sei nur ein Kind seiner Zeit gewesen. Folgt man ihrer Logik, k\u00f6nnen wir dann also in 20 oder 30 Jahren U-Bahn-Stationen nach den Kindern der 1930er Jahre benennen?<\/p>\n\n\n\n

Der Antisemit als Tierfreund<\/h6>\n\n\n\n

Ich w\u00fcnschte, die Sache h\u00e4tte mit dem Artikel, mit der Petition geendet. Doch dann erschien ein Artikel, der den Leser auf einen Waldspaziergang mit einem veganen Koch und Antisemiten mitnahm. Darin setzt der Tierfreund erst behutsam einen K\u00e4fer wieder auf seine Beinchen und erkl\u00e4rt dann, dass die Todesstrafe in Deutschland wieder eingef\u00fchrt werden solle, um einen gewissen Politiker (der zuf\u00e4llig pro Israel ist) an seinen Hoden aufh\u00e4ngen zu k\u00f6nnen. Dieser Koch hat Hunderttausende Follower, er sagt all solche Dinge am helllichten Tag in Berlin. Und in den Medien.<\/p>\n\n\n\n

F\u00e4lle wie dieser handeln bereits von Gewalt \u2013 und sie enden nicht bei den Juden. Der Hass richtet sich gegen Frauen<\/a>, Muslime, Gefl\u00fcchtete, \u00adLBTQI. Am Ende aller theoretischen Debatten stehen immer echte Menschen. Am Ende jeder Konferenz dar\u00fcber, was Antisemitismus ausmacht, steht ein potenzielles j\u00fcdisches Opfer. Angesichts einer Welle von Antisemitismus \u00fcber die Definition von Antisemitismus zu streiten ist, wie eine 10 Meter hohe Welle heranrollen zu sehen und dar\u00fcber zu streiten, was einen Tsunami ausmacht.<\/p>\n\n\n\n

Felix Klein versteht, wie absurd es ist, zu sagen: Es sind nur die Rechten. Die Rechten sind Deutsche, so wie die Nazis Deutsche waren. Klein versteht, dass die Deutschen nicht aufgeh\u00f6rt haben, Juden zu ermorden, weil sie irgendeine Art von Erleuchtung hatten. Sondern schlicht, weil sie den Krieg verloren haben. Um den Antisemitismus zu bek\u00e4mpfen, bevor er die Gesellschaft frisst, in der er und wir leben, muss Deutschland seinen moralischen Kompass korrigieren.<\/p>\n\n\n\n

Immerhin: Mehr und mehr Deutsche fahren nach Israel, sie wollen ein anderes Narrativ h\u00f6ren. Mehr und mehr Deutsche verstehen, dass Antisemitismus Schockwellen ausl\u00f6st, die die gesamte Gesellschaft betreffen. In einem normalen Universum w\u00fcrde Klein bef\u00f6rdert werden f\u00fcr seine Leistung. In einer verdrehten Gesellschaft fordern Menschen seine Entlassung. Um es mit Mbembe zu sagen: Das ist Nano-Nonsens.<\/p>\n\n\n\n

\u00dcbersetzung: Ariane Lemme<\/a><\/em><\/p>\n","post_title":"Felix Klein hat verstanden","post_excerpt":"","post_status":"publish","comment_status":"closed","ping_status":"closed","post_password":"","post_name":"felix-klein-hat-verstanden","to_ping":"","pinged":"","post_modified":"2025-02-02 08:39:39","post_modified_gmt":"2025-02-02 08:39:39","post_content_filtered":"","post_parent":0,"guid":"https:\/\/dctransparency.com\/?p=3786","menu_order":0,"post_type":"post","post_mime_type":"","comment_count":"0","filter":"raw"}],"next":false,"prev":true,"total_page":47},"paged":1,"column_class":"jeg_col_2o3","class":"epic_block_3"};

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Die BBC-Untersuchung ergab auch neue Beweise daf\u00fcr, dass \u00c4gypten den VAE erlaubt, \u00e4gyptische Milit\u00e4rflugpl\u00e4tze nahe der libyschen Grenze zu nutzen.<\/p>\n\n\n\n

Im Februar 2020 scheinen die in Libyen stationierten Wing Loong II-Drohnen \u00fcber die Grenze nach \u00c4gypten zu einem Luftwaffenst\u00fctzpunkt in der N\u00e4he von Siwa in der west\u00e4gyptischen W\u00fcste gebracht worden zu sein.<\/p>\n\n\n\n

Satellitenbilder zeigen auch, dass ein zweiter \u00e4gyptischer Milit\u00e4rflugplatz, Sidi Barrani, als Einsatzbasis f\u00fcr Mirage 2000-Kampfflugzeuge verwendet wurde, die in Farben lackiert sind, die nicht von der \u00e4gyptischen Luftwaffe verwendet werden, aber genau den von den VAE geflogenen Jets entsprechen .<\/p>\n\n\n\n

Dies ist das gleiche Flugzeugmodell, das von den Vereinten Nationen in einen Luftangriff auf ein Migrationszentrum \u00f6stlich von Tripolis im Juli 2019 verwickelt wurde, bei dem 53 Menschen get\u00f6tet wurden.<\/p>\n\n\n\n

Ausl\u00e4ndischer Jet bei libyschem Migrantenangriff verd\u00e4chtigt<\/p>\n\n\n\n

Sidi Barrani ist auch das Ziel f\u00fcr mehrere Frachtflugzeuge, die von den Vereinigten Arabischen Emiraten gestartet sind, und schl\u00e4gt eine Luftbr\u00fccke f\u00fcr Ausr\u00fcstung oder Lieferungen zwischen den Vereinigten Arabischen Emiraten und einer Milit\u00e4rbasis vor, die nur 80 km von der libyschen Grenze entfernt liegt.<\/p>\n\n\n\n

Die \u00e4gyptische Regierung antwortete nicht auf die Bitte der BBC um Stellungnahme.<\/p>\n\n\n\n

Ist ausl\u00e4ndisches milit\u00e4risches Engagement \u00fcberraschend?<\/strong><\/p>\n\n\n\n

Sowohl die Vereinigten Arabischen Emirate als auch \u00c4gypten nahmen an einer von Bundeskanzlerin Angela Merkel im Januar dieses Jahres in Berlin einberufenen Konferenz \u00fcber Libyen teil, auf der sie ihre Unterst\u00fctzung f\u00fcr den UN-Friedensprozess bekr\u00e4ftigten und sich bereit erkl\u00e4rten, nicht in den Libyen-Krieg einzugreifen.<\/p>\n\n\n\n

Im vergangenen Jahr gab es jedoch eine Eskalation des Einsatzes von Drohnen durch beide Seiten des Konflikts.<\/p>\n\n\n\n

Ghassan Salam\u00e9, der fr\u00fchere Leiter der UN-Mission in Libyen, beschrieb dies als \"m\u00f6glicherweise das gr\u00f6\u00dfte Drohnenkriegstheater der Welt\".<\/p>\n\n\n\n

Die VAE sind nicht die einzige ausl\u00e4ndische Macht, die an diesem Konflikt beteiligt ist.<\/p>\n\n\n\n

Anfang dieses Jahres gab BBC Africa Eye bekannt, dass die T\u00fcrkei auch gegen das Waffenembargo der Vereinten Nationen gegen Libyen versto\u00dfen hat, indem sie geheime Waffenlieferungen an die von den Vereinten Nationen anerkannte Regierung in Tripolis gesendet hat.<\/p>\n\n\n\n

Mit Unterst\u00fctzung der T\u00fcrkei hat die von den Vereinten Nationen anerkannte Regierung des Nationalen Abkommens nun die LNA von Gen Haftar aus der Gegend um Tripolis zur\u00fcckgeschlagen.<\/p>\n","post_title":"BBC-Untersuchung: VAE in t\u00f6dlichen Angriff in Libyen verwickelt","post_excerpt":"","post_status":"publish","comment_status":"closed","ping_status":"closed","post_password":"","post_name":"bbc-untersuchung-vae-in-todlichen-angriff-in-libyen-verwickelt","to_ping":"","pinged":"","post_modified":"2025-02-02 08:39:39","post_modified_gmt":"2025-02-02 08:39:39","post_content_filtered":"","post_parent":0,"guid":"https:\/\/dctransparency.com\/?p=3811","menu_order":0,"post_type":"post","post_mime_type":"","comment_count":"0","filter":"raw"},{"ID":3792,"post_author":"7","post_date":"2020-08-14 13:58:48","post_date_gmt":"2020-08-14 13:58:48","post_content":"\n

Die Hagia Sophia war (ist) ein kulturelles Weltwunder und aufgeladen mit symbolischer Bedeutung, f\u00fcr die Christenheit ebenso wie f\u00fcr den Islam \u2013 und den t\u00fcrkischen Nationalismus. Als Mehmed II. sie betrat, war sie schon fast 1000 Jahre die gr\u00f6\u00dfte Kirche der christlichen Welt und das Zentrum der orthodoxen Glaubensrichtung. Die \"Ayasofya\", wie sie dann hie\u00df, war 500 Jahre lang Moschee \u2013 bis 1934, als Kemal Pascha Atat\u00fcrk, der \"Vater\" der modernen T\u00fcrkei, sie in ein Museum verwandelte, in der ausdr\u00fccklichen Absicht, auch hier mit dem osmanischen Erbe zu brechen.<\/p>\n\n\n\n

Nun wird Pr\u00e4sident Recep Tayyip Erdo\u011fan, der \"Vater\" der re-islamisierten T\u00fcrkei, am 24. Juli dieses Jahres die Ayasofya durch das Freitagsgebet wieder in den Islam eingliedern. Oder eher in seinen pers\u00f6nlichen religi\u00f6sen Nationalismus.<\/p>\n\n\n\n

Welterbe von allen<\/h3>\n\n\n\n

Wie bedeutungsschwer ist dieser Akt eines \"starken Mannes\", der innenpolitisch deutlich schw\u00e4chelt? Die Proteste vor allem aus der orthodoxen Welt, aber auch aus Europa und den USA sind eher traurig als w\u00fctend. Der Papst dr\u00fcckte seinen \"Schmerz\" aus. Auch der Jubel in der islamischen Welt fiel zun\u00e4chst weniger \u00fcbersch\u00e4umend als erwartet aus.<\/p>\n\n\n\n

Ist es der Alleingang eines Autokraten in Bedr\u00e4ngnis oder ist \"der Jubel \u00fcber die Eroberung der Hagia Sophia der Versuch einer zutiefst erniedrigten, vom Gef\u00fchl der Wertlosigkeit dominierten und in ihrer eigenen Selbstberechtigung beraubten Gesellschaft, eine Bedeutung, eine St\u00e4rke, ein Selbstwertgef\u00fchl zu finden\"? So recht pauschalierend der in Deutschland lebende pal\u00e4stinensische Intellektuelle und Psychiater Ahmad Mansour.<\/p>\n\n\n\n

Die beiden Gro\u00dfreiche, das byzantinische und das osmanische, sind l\u00e4ngst versunken.<\/p><\/blockquote>\n\n\n\n

Das eigentliche Schl\u00fcsselwort im Zusammenhang mit der Hagia Sofia ist \"Welterbe\". Das Erbe von allen. Einmal im kulturellen Sinn der Unesco, aber in Wahrheit weiter gefasst. Das einzigartige Bauwerk geh\u00f6rt in Wirklichkeit der ganzen Welt, nicht der einen oder anderen Religion. Die beiden Gro\u00dfreiche, f\u00fcr die die Hagia Sofia der zentrale spirituelle Bau war, das byzantinische und das osmanische, sind l\u00e4ngst versunken. Seither hat sie eine neue, \u00fcbernationale Dimension erhalten. Was Erdo\u011fan da jetzt mit der Hagia Sofia macht, ist eine Verengung und Verarmung eines gemeinsamen Welterbes.<\/p>\n\n\n\n

\"\"\/
Betende Muslime vor der Hagia Sophia.<\/figcaption><\/figure>\n\n\n\n

Davon abgesehen aber war und ist sie ein architektonisches Meisterwerk und geh\u00f6rt zu den bedeutendsten Bauten der Welt. Wer heute den Zentralraum unter der Kuppel betritt, kann sich nur schwer dem zugleich majest\u00e4tischen wie schwebenden Gesamteindruck entziehen. Die Hagia Sophia blieb fast 1000 Jahre die gr\u00f6\u00dfte Kirche der Christenheit. Technisch war die Kuppel (mit mehreren Halbkuppeln) eine \u00fcberaus riskante Innovation: Die 55 Meter hohe und 32 Meter im Durchmesser breite Kuppel ruht auf nur vier Tragpunkten, was den schwebenden, schwerelosen Eindruck erzeugt. Die Konstruktion folgt einem mathematischen Prinzip, das erst k\u00fcrzlich entschl\u00fcsselt wurde.<\/p>\n\n\n\n

\"Salomo, ich habe dich \u00fcbertroffen!\"<\/p><\/blockquote>\n\n\n\n

Als Kaiser Justinian die Hagia Sophia nach nur f\u00fcnf Jahren Bauzeit (532\u2013537) betrat, soll er in Anspielung auf den Tempel in Jerusalem ausgerufen haben: \"Salomo, ich habe dich \u00fcbertroffen!\" Die Innenausstattung war mit ihren S\u00e4ulen aus Porphyr und gr\u00fcnem Marmor, mit Mosaiken aus Gold und Halbedelsteinen derart prunkvoll, der Gesamteindruck derart \u00fcberirdisch, dass eine Delegation des Gro\u00dff\u00fcrsten von Kiew nicht mehr wusste, \"ob wir im Himmel oder auf der Erde\" waren \u2013 was die Christianisierung Russlands bef\u00f6rderte.<\/p>\n\n\n\n

Der deutsche Architekturlehrer Holger Kleine nennt die Hagia Sophia \"absolute Architektur\", weil sie \"extreme Ausdrucksformen nahezu aller dramaturgischen Mittel, die der Architektur zur Verf\u00fcgung stehen, vereinigt: wuchtigste K\u00f6rper und luftigste R\u00e4ume, engste Enge und gr\u00f6\u00dfte Weite, w\u00e4rmende Helligkeit und mystisches Dunkel\". Und die Kuppelbauten aus der sp\u00e4teren Hochbl\u00fcte der Moscheenarchitektur im 16. und 17. Jahrhundert gehen eindeutig auf die Hagia Sophia zur\u00fcck.<\/p>\n\n\n\n

Die Hagia Sophia war Staatskirche des byzantinischen Reichs. F\u00fcr die Eroberer der letzte Schlussstein in der Kuppel osmanisch-muslimischen Herrschaftsanspruchs. Konstantinopel war ja 1453 nur noch eine isolierte, heruntergekommene Enklave in einem osmanischen Umfeld, kein christliches Heer kam zu Hilfe. Doch vorher war es zugleich Sperrriegel nach Osten und Geistesarchiv der antiken Kultur gewesen. \"Ohne Byzanz h\u00e4tte es kein Europa gegeben\", sagt die britische Altertumsforscherin Judith Herrin.<\/p>\n\n\n\n

\"\"\/
Freigelegtes Mosaik von \"Christos Pantokrator\".<\/figcaption><\/figure>\n\n\n\n

Neue Fragen<\/h3>\n\n\n\n

Die Kirche wurde von Mehmed II. und Nachfolgern nicht in der Substanz zerst\u00f6rt, sondern \"entchristlicht\". Die urspr\u00fcnglich \u00fcbert\u00fcnchten oder auch abgeschlagenen Mosaiken mit den Darstellungen von Christus, der Muttergottes, diversen Kaisern kamen zum Teil schon unter einem Sultan des 19. Jahrhunderts, dann gro\u00dfteils nach der Museumswidmung wieder zum Vorschein.<\/p>\n\n\n\n

Jetzt stellen sich neue symbolisch-praktische Fragen. Erdo\u011fan hat die Hagia Sophia der konservativen staatlichen Religionsbeh\u00f6rde Diyanet unterstellt. Die byzantinischen Mosaike, wie der gro\u00dfartige \"Christos Pantokrator\" (\"Weltenherrscher\") oder die Jungfrau Maria in der Apsis, m\u00fcssen wohl w\u00e4hrend des islamischen Gottesdiensts verh\u00e4ngt werden. Muss der Boden mit seinen Marmorplatten und Mosaiken mit einem Teppich bedeckt werden? Erdo\u011fan sagt, Touristen seien nach wie vor zugelassen. Aber sie werden wohl hinter Absperrungen bleiben m\u00fcssen. Frauen werden \u2013 wie in der benachbarten \"Blauen Moschee\" (\"Sultanahmed\") Kopftuch tragen m\u00fcssen.<\/p>\n\n\n\n

\"\"\/
Erdo\u011fan mit Gattin in der Hagia Sophia.<\/figcaption><\/figure>\n\n\n\n

Erdo\u011fans neue Abenteuer<\/strong><\/h3>\n\n\n\n

Aber wird da nicht doch zu viel in einen Formalakt rund um ein uraltes Bauwerk hineininterpretiert? Im geschichtlichen Kontext relativiert sich manches: Konstantinopel wurde schon von Christen erobert und ausgepl\u00fcndert \u2013 1204 im Vierten Kreuzzug. In der Moschee von Cordoba (\"Mezquita\") bauten die Katholiken eine ganze Kirche in den ber\u00fchmten S\u00e4ulenwald hinein. Die Mezquita ist heute noch Kirche, kein Museum.<\/p>\n\n\n\n

\"Das ist der Beweis, dass wir kein s\u00e4kularer Staat mehr sein wollen\", sagt Nobelpreistr\u00e4ger Orhan Pamuk. Erdo\u011fan betrachtet sich offenbar als auch neoosmanischer \"Fatih\" im Mittelmeerraum mit immer neuen Abenteuern: Eingreifen in Syrien, Stellvertreterkrieg in Libyen, Anspr\u00fcche auf Erdgasvorkommen weit vor der t\u00fcrkischen K\u00fcste bei Zypern, Reden, wonach manche \u00c4g\u00e4is-Inseln eigentlich zur T\u00fcrkei geh\u00f6ren, \"denn dort stehen unsere Moscheen\". Manches davon ist nur Rhetorik, aber genug anderes ist riskante Realit\u00e4t. (Hans Rauscher, 14.7.2020)<\/p>\n\n\n\n

Quelle<\/a><\/strong><\/p>\n","post_title":"Hagia Sophia: Verengung und Verarmung eines Welterbes","post_excerpt":"","post_status":"publish","comment_status":"closed","ping_status":"closed","post_password":"","post_name":"hagia-sophia-verengung-und-verarmung-eines-welterbes","to_ping":"","pinged":"","post_modified":"2025-02-02 08:39:39","post_modified_gmt":"2025-02-02 08:39:39","post_content_filtered":"","post_parent":0,"guid":"https:\/\/dctransparency.com\/?p=3792","menu_order":0,"post_type":"post","post_mime_type":"","comment_count":"0","filter":"raw"},{"ID":3789,"post_author":"7","post_date":"2020-08-14 13:56:07","post_date_gmt":"2020-08-14 13:56:07","post_content":"\n

Im Gastkommentar pocht Mark Leonard, Direktor des Europ\u00e4ischen Rats f\u00fcr Ausw\u00e4rtige Beziehungen, auf \"neue, einvernehmlich vereinbarte Prinzipien sowie klare Grenzen\", nur so k\u00f6nne eine weitere Destabilisierung in der Region verhindert werden.<\/em><\/strong><\/p>\n\n\n\n

Ist die T\u00fcrkei das neue Russland? Diese Frage wird in den europ\u00e4ischen Hauptst\u00e4dten zunehmend gestellt, da die Au\u00dfenpolitik des t\u00fcrkischen Pr\u00e4sidenten Recep Tayyip Erdo\u011fan zunehmend aggressiver wird. Erdo\u011fan nutzt nicht nur die Migration, um die EU zu bedrohen und zu betr\u00fcgen, sondern setzt auch milit\u00e4rische Macht ein, um den Einflussbereich der T\u00fcrkei auf die gesamte Region auszudehnen.<\/p>\n\n\n\n

Seit dem Ende des Kalten Krieges haben die Europ\u00e4er die regionale Sicherheit durch eine unipolare westliche Linse betrachtet. W\u00e4hrend die Nato die milit\u00e4rische Sicherheit garantierte, sorgte die EU mit ihrem 80.000 Seiten starken Regelwerk f\u00fcr alles von LGBTQ-Rechten bis hin zu Rasenm\u00e4her-Sound-Verordnungen f\u00fcr Rechtsordnung. In den 90er-Jahren ging man allgemein davon aus, dass die beiden gro\u00dfen nichtwestlichen regionalen Akteure, Russland und die T\u00fcrkei, nach und nach an diese Regelungen herangef\u00fchrt werden w\u00fcrden.<\/p>\n\n\n\n

Qu\u00e4lende Hassliebe<\/h3>\n\n\n\n

Doch in den letzten 15 Jahren ist der Traum von der europ\u00e4ischen Unipolarit\u00e4t einer multipolaren Realit\u00e4t gewichen. Sowohl Russland als auch die T\u00fcrkei haben eine lange, qu\u00e4lende Hassliebe zu Europa, und beide sind unter nationalen Machthabern, denen die Verachtung der Normen und Werte der EU gemeinsam ist, durchsetzungsf\u00e4higer geworden.<\/p>\n\n\n\n

Die zunehmende Verschlechterung der Beziehungen zwischen der EU und Russland ist gut dokumentiert, der Fall der T\u00fcrkei weniger. Der Irakkrieg im Jahr 2003 komplizierte das Verh\u00e4ltnis der T\u00fcrkei zur Nato, und ihr Verh\u00e4ltnis zur EU verschlechterte sich 2007, als Frankreich einen wichtigen Teil ihrer EU-Beitrittsverhandlungen blockierte. Seitdem hat die T\u00fcrkei ihren eigenen Weg in Syrien, auf dem Balkan und in Libyen eingeschlagen und neue Beziehungen zu Russland und China aufgebaut.<\/p>\n\n\n\n

Wichtiger Akteur<\/strong><\/h3>\n\n\n\n

Nat\u00fcrlich sind die Beziehungen zwischen der T\u00fcrkei und Russland nicht weniger kompliziert, nicht zuletzt weil Erdo\u011fan und der russische Pr\u00e4sident Wladimir Putin im syrischen B\u00fcrgerkrieg verschiedene Seiten unterst\u00fctzten.Und w\u00e4hrend die Spannungen wegen des Syrien-Konflikts weiterhin bestehen, bewundert Erdo\u011fan deutlich, wie Russland sich \u2013 bei relativ geringen Kosten \u2013 wieder als wichtiger Akteur im Nahen Osten und in Nordafrika etabliert hat.<\/p>\n\n\n\n

Nachdem er in einen nicht zu gewinnenden Krieg im Osten der Ukraine verwickelt war, schien Putins weitgehend erfolgreicher Feldzug in Syrien einen Teil seiner innenpolitischen Autorit\u00e4t wiederherzustellen. Der Westen hatte f\u00fcnf Jahre lang darauf bestanden, dass es keine milit\u00e4rische L\u00f6sung des Konflikts gebe und dass der syrische Pr\u00e4sident Baschar al-Assad gehen m\u00fcsse. Doch w\u00e4hrend die von den Vereinten Nationen unterst\u00fctzten Gespr\u00e4che in Genf zu keinem Ergebnis f\u00fchrten, schienen die von Russland geleiteten Gespr\u00e4che in Astana voranzukommen. Indem der Kreml die T\u00fcrkei und den Iran einbezog, w\u00e4hrend er die westlichen M\u00e4chte ausschloss, erweckte er den Eindruck, dass Russland als wiedergeborene Supermacht aus der Asche auferstanden sei.<\/p>\n\n\n\n

Unter Druck<\/h3>\n\n\n\n

Angesichts des wachsenden Widerstands im eigenen Land macht es Erdo\u011fan Putin gleich. Da der Westen nicht bereit war, (erneut) milit\u00e4risch in Libyen zu intervenieren, sah Erdo\u011fan eine Gelegenheit, die T\u00fcrkei zu positionieren. Nach dem Vorgehen Russlands in Syrien sicherte er sich eine formelle Einladung der libyschen Regierung zur Intervention. Mit einem Schlag Ende letzten Jahres hat er nicht nur das Image der T\u00fcrkei als Regionalmacht gest\u00e4rkt, sondern auch ein Abkommen mit Libyen \u00fcber die Seegrenze abgeschlossen und damit einen Plan Griechenlands, Zyperns, \u00c4gyptens und Israels zur Erschlie\u00dfung von Unterwasser\u00f6l- und -gasfeldern in der N\u00e4he zunichtegemacht.<\/p>\n\n\n\n

Erdo\u011fan scheint auch von der Spalt-und-Eroberungs-Strategie des Kreml in Europa inspiriert worden zu sein, der zufolge oft diejenigen EU-Mitgliedsstaaten unter Druck gesetzt werden, die am meisten von russischen Kohlenwasserstoffen oder M\u00e4rkten abh\u00e4ngig sind. So wie Putin lange Zeit die Energieversorgung instrumentalisiert hat, hat Erdo\u011fan versucht, den Strom von Migranten und Fl\u00fcchtlingen, die vor Konflikten im Nahen Osten fliehen, zu instrumentalisieren. Als die EU eine neue Marinemission ank\u00fcndigte, um den Waffenstrom nach Libyen zu blockieren, malte die T\u00fcrkei f\u00fcr Malta das Schreckgespenst der angeblichen Bedrohung durch Migranten an die Wand. Malta reagierte prompt und signalisierte, dass es gegen die Finanzierung der Mission ein Veto einlegen werde.<\/p>\n\n\n\n

Verlorener Sohn<\/strong><\/h3>\n\n\n\n

Jahrelang redeten sich die Europ\u00e4er ein, dass Russland eine Art verlorener Sohn sei und dass die europ\u00e4ische unipolare Ordnung gesund bleibe. Doch das machte Europa zu einem leichten Ziel f\u00fcr die Trennungs-und-Eroberungs-Strategie des Kreml. Erst vor relativ kurzer Zeit entwarf die Union eine neue Politik und ein robustes Sanktionsregime, um die russische Aggression abzuschrecken. Und selbst jetzt \u2013 trotz der besten Bem\u00fchungen der deutschen Bundeskanzlerin Angela Merkel und des franz\u00f6sischen Pr\u00e4sidenten Emmanuel Macron \u2013 hat die EU noch immer keine wirksamen Kommunikationskan\u00e4le mit Russland geschaffen, um gemeinsame Probleme anzugehen.<\/p>\n\n\n\n

Die T\u00fcrkei ist noch kein neues Russland, aber sie k\u00f6nnte dazu werden, wenn die Situation falsch gehandhabt wird. Vorerst betrachten die meisten Europ\u00e4er die T\u00fcrkei noch immer als einen komplizierten Partner und nicht als \"Systemrivalen\". Aber die Europ\u00e4er sollten die hart erk\u00e4mpften Lehren aus dem Umgang mit Russland in den letzten 15 Jahren beherzigen. Die Beziehungen zwischen der EU und der T\u00fcrkei brauchen neue, einvernehmlich vereinbarte Prinzipien sowie klare Grenzen, um eine weitere Destabilisierung in der Region zu verhindern.<\/p>\n\n\n\n

Zu diesem Zweck sollten die Europ\u00e4er klarstellen, dass der EU-Beitrittsprozess entweder zur\u00fcckgedreht oder vorangetrieben werden kann und dass eine eher transaktionale Beziehung sowohl Zuckerbrot als auch Peitsche beinhaltet. Die Herausforderung wird darin bestehen, daf\u00fcr zu sorgen, dass es in einer Region, die nicht nur von Europa und der T\u00fcrkei, sondern auch von Russland, den USA und einem aufstrebenden China beeinflusst wird, noch Raum f\u00fcr politisches Engagement in Fragen der gemeinsamen Sicherheit gibt. (Mark Leonard, \u00dcbersetzung: Eva G\u00f6llner, Copyright: Project Syndicate, 10.8.2020)<\/p>\n\n\n\n

Mark Leonard <\/strong>ist Direktor des Europ\u00e4ischen Rats f\u00fcr Ausw\u00e4rtige Beziehungen.<\/a><\/p>\n","post_title":"Erdo\u011fan \u2013 der andere Putin vor der Haust\u00fcr Europas","post_excerpt":"","post_status":"publish","comment_status":"closed","ping_status":"closed","post_password":"","post_name":"erdogan-der-andere-putin-vor-der-haustur-europas","to_ping":"","pinged":"","post_modified":"2025-02-02 08:39:39","post_modified_gmt":"2025-02-02 08:39:39","post_content_filtered":"","post_parent":0,"guid":"https:\/\/dctransparency.com\/?p=3789","menu_order":0,"post_type":"post","post_mime_type":"","comment_count":"0","filter":"raw"},{"ID":3786,"post_author":"7","post_date":"2020-08-14 13:51:23","post_date_gmt":"2020-08-14 13:51:23","post_content":"\n

Einen Monat nachdem ich zur israelischen Armee eingezogen worden war, brach die erste Intifada aus. Statt Soldat zu sein, machte ich Polizeiarbeit, sagte den Menschen, wann sie zur Arbeit gehen konnten und wann sie ihre L\u00e4den schlie\u00dfen mussten, wann sie die Grenze passieren und wann sie schlafen konnten. Einen Monat nachdem ich aus der Armee entlassen worden war, ging ich auf Reisen. (In Israel sagen wir: Wir dienen drei Jahre und versuchen den Rest unseres Lebens, diese drei Jahre zu vergessen.) Auf meiner Reise begann ich Briefe an meine Freundin zu schreiben, die ich in Israel zur\u00fcckgelassen hatte.<\/p>\n\n\n\n

Ich schrieb ihr, wie schrecklich depressiv ich war und dass diese drei Jahre des Anweisungenbellens und Anderen-Menschen-Sagens, was sie zu tun haben, mich f\u00fcr immer verfolgen w\u00fcrden. Dass sie ein Teil dessen geworden waren, was ich bin. Ich erinnere mich, dass ich ihr schrieb, dass wir da rausm\u00fcssen \u2013 nicht nur f\u00fcr die Pal\u00e4stinenser, sondern wegen der furchtbaren und brutalen Auswirkungen, die all das auf uns, auf die israelische Gesellschaft haben w\u00fcrde. Sie schrieb zur\u00fcck: \u201eDu hast recht. Ich habe einen neuen Freund.\u201c<\/p>\n\n\n\n

Felix Klein wurde als Beauftragter der Bundesregierung berufen<\/a>, um die Auswirkungen des zunehmenden Antisemitismus in unserer Gesellschaft, in Deutschland, zu bek\u00e4mpfen. Was nicht in seiner Jobbeschreibung steht, ist, dass er dabei unsere Gesellschaft heilen muss, jene Gesellschaft, die diese Form des Hasses reproduziert und sch\u00fctzt. Klein hat das begriffen.<\/p>\n\n\n\n

Er versteht, dass man Krebs nicht mit einem Pflaster verarztet, er wei\u00df, dass er das Bewusstsein der Deutschen sch\u00e4rfen und Diskussionen ansto\u00dfen muss. Er hat begriffen, dass das Problem nicht nur an den R\u00e4ndern der Gesellschaft (bei den Rechten) liegt, sondern auch in ihrer Mitte. Dort, wo gebildete Menschen nicht einmal bemerken, dass das, was sie sagen und tun, antisemitisch ist. So wie sie es auch nicht merken, wenn sie rassistisch handeln. Er hat all das verstanden, und genau deshalb wollen einige, dass er seinen Posten r\u00e4umt.<\/p>\n\n\n\n

Mehr als 60 deutsche und israelische Intellektuelle haben letzte Woche in einem Brief an Kanzlerin Merkel<\/a> dar\u00fcber geklagt, dass der aktuelle \u201eGebrauch des Antisemitismusbegriffs\u201c darauf abziele, \u201elegitime Kritik an der israelischen Regierungspolitik zu unterdr\u00fccken\u201c, und Klein vorgeworfen, rechtspopulistische israelische Stimmen zu f\u00f6rdern.<\/p>\n\n\n\n

Faszinierend an diesem offenen Brief ist, dass viele der Unterzeichneten keine Deutschen sind und auch nicht in Deutschland leben. Ich wei\u00df nicht, woher sie \u2013 die meisten von ihnen sind Israelis \u2013 die Chuzpe haben, sich in eine innerdeutsche Angelegenheit einzumischen und zu fordern, eine Person zu entlassen, die von der Bundesregierung eingesetzt wurde. Die H\u00e4lfte der Unterzeichneten lebt nicht hier, von der anderen H\u00e4lfte sind viele keine Juden \u2013 somit sind die allermeisten von ihnen nicht direkt vom Antisemitismus in Deutschland betroffen. Wie also k\u00f6nnen sie diesen Brief unterschreiben? Und warum eigentlich haben so wenige Deutsche unterschrieben? Dazu komme ich gleich.<\/p>\n\n\n\n

Debatte um Achille Mbembe<\/h6>\n\n\n\n

Hintergrund des Briefs war, dass Felix Klein gefordert hatte, den Philosophen Achille Mbembe<\/a> nicht die Er\u00f6ffnungsrede der Ruhrtriennale halten zu lassen. Als mit \u00f6ffentlichen Mitteln gef\u00f6rdertes Event solle die Ruhrtriennale Mbembe wegen seiner Haltung zu Israels Existenzrecht, seiner Haltung zu BDS und der Art, wie er in einem seiner Werke den Holocaust relativiert, nicht einladen.<\/p>\n\n\n\n

Mbembes Unterst\u00fctzer sagen, keine dieser Anschuldigungen sei wahr. F\u00fcrs Protokoll: In meinen Augen unterst\u00fctzt Mbembe sehr wohl BDS<\/a>, er schrieb unter anderem das Vorwort zu \u201eApartheid Israel\u201c und fordert die komplette Isolation Israels. Ich glaube auch, wenn Mbembe schreibt, die israelische Besetzung sei der \u201egr\u00f6\u00dfte moralische Skandal unserer Zeit\u201c, zeigt das, dass sein moralischer und geografischer Kompass etwas schief ist.<\/p>\n\n\n\n

Doch warum treibt die Debatte so viele Menschen um? Nun, zun\u00e4chst gibt niemand gern auf, was ihm oder ihr selbstverst\u00e4ndlich scheint. \u00dcber den gesamten politischen, sozialen, kulturellen, medialen und akademischen Sektor hinweg sind Menschen daran gew\u00f6hnt, so schlecht \u00fcber Israel sprechen zu k\u00f6nnen, wie auch immer sie wollen.<\/p>\n\n\n\n

Der Spiegel<\/em> hat \u2013 vielleicht in Anlehnung an seine Relotius-Standards, Israel erst k\u00fcrzlich eine Corona-Diktatur genannt. Fakten und Belege f\u00fcr diese Behauptung gab es nicht. Doch Millionen Deutsche haben es gelesen, und es wird nat\u00fcrlich haften bleiben. Faktenlage hin oder her. Der Spiegel<\/em> und andere Medien haben dieses Spiel perfektioniert: Titel so zu drehen, dass sie Israel indirekt anklagen, die Idee zu streuen, der Mossad kon\u00adtrol\u00adliere die deutsche Au\u00dfenpolitik im Nahen Osten, und so fort. Doch sie stehen allesamt sofort auf den Hinterbeinen, wenn jemand es wagt, das Spiel beim Namen zu nennen: moderner Antisemitismus.<\/p>\n\n\n\n

Klein will dem entgegenwirken. Er versteht, dass antisemitische Attacken in Deutschland die Fr\u00fcchte solch falsch gezeichneter Bilder und eindimensionaler Narrative \u00fcber Israel sind. Wenn er und andere versuchen, ein anderes Narrativ aufzuzeigen, wirft man ihnen Zensur vor: Wie k\u00f6nnen sie es wagen, das Gesch\u00e4ft der Anti-Israel-Propaganda zu st\u00f6ren?<\/p>\n\n\n\n

Liebe Deutsche, wenn ihr reden wollt, lasst uns gern reden: \u00fcber die Besetzung, \u00fcber Bibi und alles, was schiefl\u00e4uft. Aber dann lasst uns bitte auch dar\u00fcber reden, wie deutsche Steuergelder Terrortunnel finanzieren. Erst vergangene Woche r\u00e4umte die niederl\u00e4ndische Regierung ein, dass Gelder an eine Landwirtschaftsorganisation in Ramallah geflossen seien, die damit teilweise die Geh\u00e4lter zweier des Mordes an der 17-j\u00e4hrigen Israelin Rina Shnerb Verd\u00e4chtiger gezahlt haben. Auch die Bundesregierung unterst\u00fctzt diese Organisation, obwohl Kritiker schon lange vor Verbindungen zu Terroristen warnen.<\/p>\n\n\n\n

Wir k\u00f6nnen uns also gerne unterhalten \u2013 aber im Dialog, nicht in Monologen. Denn Reden unter Menschen, die sich einig sind, ist nichts anderes als Impotenz.<\/p>\n\n\n\n

Israelkritik als Eintrittskarte<\/h6>\n\n\n\n

Die Israelis, die die Petition unterzeichnet haben, haben \u00fcbrigens ebenfalls etwas verstanden. Seit Jahren wissen sie: Es ist ihre Eintrittskarte in die Mitte der deutschen (und europ\u00e4ischen) Gesellschaft. Man h\u00f6rt nicht oft von Akademikern mit proisraelischen Ansichten. Weder in den Philharmonie-Orchestern noch in der Kunstszene. Die Eintrittskarte daf\u00fcr ist ein antiisraelischer Standpunkt.<\/p>\n\n\n\n

Der mutma\u00dfliche Grund, warum kaum Deutsche die Petition unterzeichnet haben: Sie mussten es nicht. Ihre Lieblingsjuden haben es f\u00fcr sie getan. Jetzt k\u00f6nnen sie sagen: \u201eSchau, ich bin das ja nicht, meine j\u00fcdischen Freunde sagen es.\u201c Ich selbst war einige Jahre lang mit einem Paar hier in Berlin befreundet, bis ich herausfand, dass ich ihr Lieblingsjude war. Ja, selbst das j\u00fcdische Museum wurde so genutzt.<\/p>\n\n\n\n

Weil Attacken gegen Juden ein absolutes Tabu sind, wurden Umwege gefunden, um den Antisemitismus auf kleiner Flamme k\u00f6cheln zu lassen: die unfundierte, unbegr\u00fcndete Kritik an Israel.<\/p>\n\n\n\n

Diese Art der Kritik ist gef\u00e4hrlich. Sie schw\u00e4cht jede begr\u00fcndete und notwendige Kritik am Verhalten Israels. Und das Interessante ist: Trotz all der heftigen, pauschalisierenden Anklagen, all der offenen Briefe driftet Israel politisch immer weiter nach rechts. Doch statt mal einen anderen Ansatz zu versuchen, werden die antiisraelischen Stimmen nur lauter. Dasselbe versuchen und andere Ergebnisse davon erwarten \u2013 das ist die Definition von Wahnsinn.<\/p>\n\n\n\n

Kurz bevor der Prozess gegen den wegen des Attentats von Halle<\/a> Angeklagten begann \u2013 des seit Kriegsende schlimmsten Akts von Antisemitismus in Deutschland \u2013, lud eine Lokalzeitung den fr\u00fcheren Botschafter Shimon Stein und den Historiker Moshe Zimmermann ein, dar\u00fcber zu schreiben, was Antisemitismus ist. Nat\u00fcrlich wendeten auch sie sich gegen Felix Kleins Ansatz. Sie zitieren die Kontroverse um die Umbenennung der U-Bahn-Station Mohrenstra\u00dfe in Glinkastra\u00dfe, die sich darum drehte, dass der russische Komponist Michael Glinka Antisemit gewesen sein soll. Stein und Zimmermann halten die Debatte f\u00fcr \u00fcberzogen, Glinka sei nur ein Kind seiner Zeit gewesen. Folgt man ihrer Logik, k\u00f6nnen wir dann also in 20 oder 30 Jahren U-Bahn-Stationen nach den Kindern der 1930er Jahre benennen?<\/p>\n\n\n\n

Der Antisemit als Tierfreund<\/h6>\n\n\n\n

Ich w\u00fcnschte, die Sache h\u00e4tte mit dem Artikel, mit der Petition geendet. Doch dann erschien ein Artikel, der den Leser auf einen Waldspaziergang mit einem veganen Koch und Antisemiten mitnahm. Darin setzt der Tierfreund erst behutsam einen K\u00e4fer wieder auf seine Beinchen und erkl\u00e4rt dann, dass die Todesstrafe in Deutschland wieder eingef\u00fchrt werden solle, um einen gewissen Politiker (der zuf\u00e4llig pro Israel ist) an seinen Hoden aufh\u00e4ngen zu k\u00f6nnen. Dieser Koch hat Hunderttausende Follower, er sagt all solche Dinge am helllichten Tag in Berlin. Und in den Medien.<\/p>\n\n\n\n

F\u00e4lle wie dieser handeln bereits von Gewalt \u2013 und sie enden nicht bei den Juden. Der Hass richtet sich gegen Frauen<\/a>, Muslime, Gefl\u00fcchtete, \u00adLBTQI. Am Ende aller theoretischen Debatten stehen immer echte Menschen. Am Ende jeder Konferenz dar\u00fcber, was Antisemitismus ausmacht, steht ein potenzielles j\u00fcdisches Opfer. Angesichts einer Welle von Antisemitismus \u00fcber die Definition von Antisemitismus zu streiten ist, wie eine 10 Meter hohe Welle heranrollen zu sehen und dar\u00fcber zu streiten, was einen Tsunami ausmacht.<\/p>\n\n\n\n

Felix Klein versteht, wie absurd es ist, zu sagen: Es sind nur die Rechten. Die Rechten sind Deutsche, so wie die Nazis Deutsche waren. Klein versteht, dass die Deutschen nicht aufgeh\u00f6rt haben, Juden zu ermorden, weil sie irgendeine Art von Erleuchtung hatten. Sondern schlicht, weil sie den Krieg verloren haben. Um den Antisemitismus zu bek\u00e4mpfen, bevor er die Gesellschaft frisst, in der er und wir leben, muss Deutschland seinen moralischen Kompass korrigieren.<\/p>\n\n\n\n

Immerhin: Mehr und mehr Deutsche fahren nach Israel, sie wollen ein anderes Narrativ h\u00f6ren. Mehr und mehr Deutsche verstehen, dass Antisemitismus Schockwellen ausl\u00f6st, die die gesamte Gesellschaft betreffen. In einem normalen Universum w\u00fcrde Klein bef\u00f6rdert werden f\u00fcr seine Leistung. In einer verdrehten Gesellschaft fordern Menschen seine Entlassung. Um es mit Mbembe zu sagen: Das ist Nano-Nonsens.<\/p>\n\n\n\n

\u00dcbersetzung: Ariane Lemme<\/a><\/em><\/p>\n","post_title":"Felix Klein hat verstanden","post_excerpt":"","post_status":"publish","comment_status":"closed","ping_status":"closed","post_password":"","post_name":"felix-klein-hat-verstanden","to_ping":"","pinged":"","post_modified":"2025-02-02 08:39:39","post_modified_gmt":"2025-02-02 08:39:39","post_content_filtered":"","post_parent":0,"guid":"https:\/\/dctransparency.com\/?p=3786","menu_order":0,"post_type":"post","post_mime_type":"","comment_count":"0","filter":"raw"}],"next":false,"prev":true,"total_page":47},"paged":1,"column_class":"jeg_col_2o3","class":"epic_block_3"};

\n

<\/p>\n\n\n\n

Die BBC-Untersuchung ergab auch neue Beweise daf\u00fcr, dass \u00c4gypten den VAE erlaubt, \u00e4gyptische Milit\u00e4rflugpl\u00e4tze nahe der libyschen Grenze zu nutzen.<\/p>\n\n\n\n

Im Februar 2020 scheinen die in Libyen stationierten Wing Loong II-Drohnen \u00fcber die Grenze nach \u00c4gypten zu einem Luftwaffenst\u00fctzpunkt in der N\u00e4he von Siwa in der west\u00e4gyptischen W\u00fcste gebracht worden zu sein.<\/p>\n\n\n\n

Satellitenbilder zeigen auch, dass ein zweiter \u00e4gyptischer Milit\u00e4rflugplatz, Sidi Barrani, als Einsatzbasis f\u00fcr Mirage 2000-Kampfflugzeuge verwendet wurde, die in Farben lackiert sind, die nicht von der \u00e4gyptischen Luftwaffe verwendet werden, aber genau den von den VAE geflogenen Jets entsprechen .<\/p>\n\n\n\n

Dies ist das gleiche Flugzeugmodell, das von den Vereinten Nationen in einen Luftangriff auf ein Migrationszentrum \u00f6stlich von Tripolis im Juli 2019 verwickelt wurde, bei dem 53 Menschen get\u00f6tet wurden.<\/p>\n\n\n\n

Ausl\u00e4ndischer Jet bei libyschem Migrantenangriff verd\u00e4chtigt<\/p>\n\n\n\n

Sidi Barrani ist auch das Ziel f\u00fcr mehrere Frachtflugzeuge, die von den Vereinigten Arabischen Emiraten gestartet sind, und schl\u00e4gt eine Luftbr\u00fccke f\u00fcr Ausr\u00fcstung oder Lieferungen zwischen den Vereinigten Arabischen Emiraten und einer Milit\u00e4rbasis vor, die nur 80 km von der libyschen Grenze entfernt liegt.<\/p>\n\n\n\n

Die \u00e4gyptische Regierung antwortete nicht auf die Bitte der BBC um Stellungnahme.<\/p>\n\n\n\n

Ist ausl\u00e4ndisches milit\u00e4risches Engagement \u00fcberraschend?<\/strong><\/p>\n\n\n\n

Sowohl die Vereinigten Arabischen Emirate als auch \u00c4gypten nahmen an einer von Bundeskanzlerin Angela Merkel im Januar dieses Jahres in Berlin einberufenen Konferenz \u00fcber Libyen teil, auf der sie ihre Unterst\u00fctzung f\u00fcr den UN-Friedensprozess bekr\u00e4ftigten und sich bereit erkl\u00e4rten, nicht in den Libyen-Krieg einzugreifen.<\/p>\n\n\n\n

Im vergangenen Jahr gab es jedoch eine Eskalation des Einsatzes von Drohnen durch beide Seiten des Konflikts.<\/p>\n\n\n\n

Ghassan Salam\u00e9, der fr\u00fchere Leiter der UN-Mission in Libyen, beschrieb dies als \"m\u00f6glicherweise das gr\u00f6\u00dfte Drohnenkriegstheater der Welt\".<\/p>\n\n\n\n

Die VAE sind nicht die einzige ausl\u00e4ndische Macht, die an diesem Konflikt beteiligt ist.<\/p>\n\n\n\n

Anfang dieses Jahres gab BBC Africa Eye bekannt, dass die T\u00fcrkei auch gegen das Waffenembargo der Vereinten Nationen gegen Libyen versto\u00dfen hat, indem sie geheime Waffenlieferungen an die von den Vereinten Nationen anerkannte Regierung in Tripolis gesendet hat.<\/p>\n\n\n\n

Mit Unterst\u00fctzung der T\u00fcrkei hat die von den Vereinten Nationen anerkannte Regierung des Nationalen Abkommens nun die LNA von Gen Haftar aus der Gegend um Tripolis zur\u00fcckgeschlagen.<\/p>\n","post_title":"BBC-Untersuchung: VAE in t\u00f6dlichen Angriff in Libyen verwickelt","post_excerpt":"","post_status":"publish","comment_status":"closed","ping_status":"closed","post_password":"","post_name":"bbc-untersuchung-vae-in-todlichen-angriff-in-libyen-verwickelt","to_ping":"","pinged":"","post_modified":"2025-02-02 08:39:39","post_modified_gmt":"2025-02-02 08:39:39","post_content_filtered":"","post_parent":0,"guid":"https:\/\/dctransparency.com\/?p=3811","menu_order":0,"post_type":"post","post_mime_type":"","comment_count":"0","filter":"raw"},{"ID":3792,"post_author":"7","post_date":"2020-08-14 13:58:48","post_date_gmt":"2020-08-14 13:58:48","post_content":"\n

Die Hagia Sophia war (ist) ein kulturelles Weltwunder und aufgeladen mit symbolischer Bedeutung, f\u00fcr die Christenheit ebenso wie f\u00fcr den Islam \u2013 und den t\u00fcrkischen Nationalismus. Als Mehmed II. sie betrat, war sie schon fast 1000 Jahre die gr\u00f6\u00dfte Kirche der christlichen Welt und das Zentrum der orthodoxen Glaubensrichtung. Die \"Ayasofya\", wie sie dann hie\u00df, war 500 Jahre lang Moschee \u2013 bis 1934, als Kemal Pascha Atat\u00fcrk, der \"Vater\" der modernen T\u00fcrkei, sie in ein Museum verwandelte, in der ausdr\u00fccklichen Absicht, auch hier mit dem osmanischen Erbe zu brechen.<\/p>\n\n\n\n

Nun wird Pr\u00e4sident Recep Tayyip Erdo\u011fan, der \"Vater\" der re-islamisierten T\u00fcrkei, am 24. Juli dieses Jahres die Ayasofya durch das Freitagsgebet wieder in den Islam eingliedern. Oder eher in seinen pers\u00f6nlichen religi\u00f6sen Nationalismus.<\/p>\n\n\n\n

Welterbe von allen<\/h3>\n\n\n\n

Wie bedeutungsschwer ist dieser Akt eines \"starken Mannes\", der innenpolitisch deutlich schw\u00e4chelt? Die Proteste vor allem aus der orthodoxen Welt, aber auch aus Europa und den USA sind eher traurig als w\u00fctend. Der Papst dr\u00fcckte seinen \"Schmerz\" aus. Auch der Jubel in der islamischen Welt fiel zun\u00e4chst weniger \u00fcbersch\u00e4umend als erwartet aus.<\/p>\n\n\n\n

Ist es der Alleingang eines Autokraten in Bedr\u00e4ngnis oder ist \"der Jubel \u00fcber die Eroberung der Hagia Sophia der Versuch einer zutiefst erniedrigten, vom Gef\u00fchl der Wertlosigkeit dominierten und in ihrer eigenen Selbstberechtigung beraubten Gesellschaft, eine Bedeutung, eine St\u00e4rke, ein Selbstwertgef\u00fchl zu finden\"? So recht pauschalierend der in Deutschland lebende pal\u00e4stinensische Intellektuelle und Psychiater Ahmad Mansour.<\/p>\n\n\n\n

Die beiden Gro\u00dfreiche, das byzantinische und das osmanische, sind l\u00e4ngst versunken.<\/p><\/blockquote>\n\n\n\n

Das eigentliche Schl\u00fcsselwort im Zusammenhang mit der Hagia Sofia ist \"Welterbe\". Das Erbe von allen. Einmal im kulturellen Sinn der Unesco, aber in Wahrheit weiter gefasst. Das einzigartige Bauwerk geh\u00f6rt in Wirklichkeit der ganzen Welt, nicht der einen oder anderen Religion. Die beiden Gro\u00dfreiche, f\u00fcr die die Hagia Sofia der zentrale spirituelle Bau war, das byzantinische und das osmanische, sind l\u00e4ngst versunken. Seither hat sie eine neue, \u00fcbernationale Dimension erhalten. Was Erdo\u011fan da jetzt mit der Hagia Sofia macht, ist eine Verengung und Verarmung eines gemeinsamen Welterbes.<\/p>\n\n\n\n

\"\"\/
Betende Muslime vor der Hagia Sophia.<\/figcaption><\/figure>\n\n\n\n

Davon abgesehen aber war und ist sie ein architektonisches Meisterwerk und geh\u00f6rt zu den bedeutendsten Bauten der Welt. Wer heute den Zentralraum unter der Kuppel betritt, kann sich nur schwer dem zugleich majest\u00e4tischen wie schwebenden Gesamteindruck entziehen. Die Hagia Sophia blieb fast 1000 Jahre die gr\u00f6\u00dfte Kirche der Christenheit. Technisch war die Kuppel (mit mehreren Halbkuppeln) eine \u00fcberaus riskante Innovation: Die 55 Meter hohe und 32 Meter im Durchmesser breite Kuppel ruht auf nur vier Tragpunkten, was den schwebenden, schwerelosen Eindruck erzeugt. Die Konstruktion folgt einem mathematischen Prinzip, das erst k\u00fcrzlich entschl\u00fcsselt wurde.<\/p>\n\n\n\n

\"Salomo, ich habe dich \u00fcbertroffen!\"<\/p><\/blockquote>\n\n\n\n

Als Kaiser Justinian die Hagia Sophia nach nur f\u00fcnf Jahren Bauzeit (532\u2013537) betrat, soll er in Anspielung auf den Tempel in Jerusalem ausgerufen haben: \"Salomo, ich habe dich \u00fcbertroffen!\" Die Innenausstattung war mit ihren S\u00e4ulen aus Porphyr und gr\u00fcnem Marmor, mit Mosaiken aus Gold und Halbedelsteinen derart prunkvoll, der Gesamteindruck derart \u00fcberirdisch, dass eine Delegation des Gro\u00dff\u00fcrsten von Kiew nicht mehr wusste, \"ob wir im Himmel oder auf der Erde\" waren \u2013 was die Christianisierung Russlands bef\u00f6rderte.<\/p>\n\n\n\n

Der deutsche Architekturlehrer Holger Kleine nennt die Hagia Sophia \"absolute Architektur\", weil sie \"extreme Ausdrucksformen nahezu aller dramaturgischen Mittel, die der Architektur zur Verf\u00fcgung stehen, vereinigt: wuchtigste K\u00f6rper und luftigste R\u00e4ume, engste Enge und gr\u00f6\u00dfte Weite, w\u00e4rmende Helligkeit und mystisches Dunkel\". Und die Kuppelbauten aus der sp\u00e4teren Hochbl\u00fcte der Moscheenarchitektur im 16. und 17. Jahrhundert gehen eindeutig auf die Hagia Sophia zur\u00fcck.<\/p>\n\n\n\n

Die Hagia Sophia war Staatskirche des byzantinischen Reichs. F\u00fcr die Eroberer der letzte Schlussstein in der Kuppel osmanisch-muslimischen Herrschaftsanspruchs. Konstantinopel war ja 1453 nur noch eine isolierte, heruntergekommene Enklave in einem osmanischen Umfeld, kein christliches Heer kam zu Hilfe. Doch vorher war es zugleich Sperrriegel nach Osten und Geistesarchiv der antiken Kultur gewesen. \"Ohne Byzanz h\u00e4tte es kein Europa gegeben\", sagt die britische Altertumsforscherin Judith Herrin.<\/p>\n\n\n\n

\"\"\/
Freigelegtes Mosaik von \"Christos Pantokrator\".<\/figcaption><\/figure>\n\n\n\n

Neue Fragen<\/h3>\n\n\n\n

Die Kirche wurde von Mehmed II. und Nachfolgern nicht in der Substanz zerst\u00f6rt, sondern \"entchristlicht\". Die urspr\u00fcnglich \u00fcbert\u00fcnchten oder auch abgeschlagenen Mosaiken mit den Darstellungen von Christus, der Muttergottes, diversen Kaisern kamen zum Teil schon unter einem Sultan des 19. Jahrhunderts, dann gro\u00dfteils nach der Museumswidmung wieder zum Vorschein.<\/p>\n\n\n\n

Jetzt stellen sich neue symbolisch-praktische Fragen. Erdo\u011fan hat die Hagia Sophia der konservativen staatlichen Religionsbeh\u00f6rde Diyanet unterstellt. Die byzantinischen Mosaike, wie der gro\u00dfartige \"Christos Pantokrator\" (\"Weltenherrscher\") oder die Jungfrau Maria in der Apsis, m\u00fcssen wohl w\u00e4hrend des islamischen Gottesdiensts verh\u00e4ngt werden. Muss der Boden mit seinen Marmorplatten und Mosaiken mit einem Teppich bedeckt werden? Erdo\u011fan sagt, Touristen seien nach wie vor zugelassen. Aber sie werden wohl hinter Absperrungen bleiben m\u00fcssen. Frauen werden \u2013 wie in der benachbarten \"Blauen Moschee\" (\"Sultanahmed\") Kopftuch tragen m\u00fcssen.<\/p>\n\n\n\n

\"\"\/
Erdo\u011fan mit Gattin in der Hagia Sophia.<\/figcaption><\/figure>\n\n\n\n

Erdo\u011fans neue Abenteuer<\/strong><\/h3>\n\n\n\n

Aber wird da nicht doch zu viel in einen Formalakt rund um ein uraltes Bauwerk hineininterpretiert? Im geschichtlichen Kontext relativiert sich manches: Konstantinopel wurde schon von Christen erobert und ausgepl\u00fcndert \u2013 1204 im Vierten Kreuzzug. In der Moschee von Cordoba (\"Mezquita\") bauten die Katholiken eine ganze Kirche in den ber\u00fchmten S\u00e4ulenwald hinein. Die Mezquita ist heute noch Kirche, kein Museum.<\/p>\n\n\n\n

\"Das ist der Beweis, dass wir kein s\u00e4kularer Staat mehr sein wollen\", sagt Nobelpreistr\u00e4ger Orhan Pamuk. Erdo\u011fan betrachtet sich offenbar als auch neoosmanischer \"Fatih\" im Mittelmeerraum mit immer neuen Abenteuern: Eingreifen in Syrien, Stellvertreterkrieg in Libyen, Anspr\u00fcche auf Erdgasvorkommen weit vor der t\u00fcrkischen K\u00fcste bei Zypern, Reden, wonach manche \u00c4g\u00e4is-Inseln eigentlich zur T\u00fcrkei geh\u00f6ren, \"denn dort stehen unsere Moscheen\". Manches davon ist nur Rhetorik, aber genug anderes ist riskante Realit\u00e4t. (Hans Rauscher, 14.7.2020)<\/p>\n\n\n\n

Quelle<\/a><\/strong><\/p>\n","post_title":"Hagia Sophia: Verengung und Verarmung eines Welterbes","post_excerpt":"","post_status":"publish","comment_status":"closed","ping_status":"closed","post_password":"","post_name":"hagia-sophia-verengung-und-verarmung-eines-welterbes","to_ping":"","pinged":"","post_modified":"2025-02-02 08:39:39","post_modified_gmt":"2025-02-02 08:39:39","post_content_filtered":"","post_parent":0,"guid":"https:\/\/dctransparency.com\/?p=3792","menu_order":0,"post_type":"post","post_mime_type":"","comment_count":"0","filter":"raw"},{"ID":3789,"post_author":"7","post_date":"2020-08-14 13:56:07","post_date_gmt":"2020-08-14 13:56:07","post_content":"\n

Im Gastkommentar pocht Mark Leonard, Direktor des Europ\u00e4ischen Rats f\u00fcr Ausw\u00e4rtige Beziehungen, auf \"neue, einvernehmlich vereinbarte Prinzipien sowie klare Grenzen\", nur so k\u00f6nne eine weitere Destabilisierung in der Region verhindert werden.<\/em><\/strong><\/p>\n\n\n\n

Ist die T\u00fcrkei das neue Russland? Diese Frage wird in den europ\u00e4ischen Hauptst\u00e4dten zunehmend gestellt, da die Au\u00dfenpolitik des t\u00fcrkischen Pr\u00e4sidenten Recep Tayyip Erdo\u011fan zunehmend aggressiver wird. Erdo\u011fan nutzt nicht nur die Migration, um die EU zu bedrohen und zu betr\u00fcgen, sondern setzt auch milit\u00e4rische Macht ein, um den Einflussbereich der T\u00fcrkei auf die gesamte Region auszudehnen.<\/p>\n\n\n\n

Seit dem Ende des Kalten Krieges haben die Europ\u00e4er die regionale Sicherheit durch eine unipolare westliche Linse betrachtet. W\u00e4hrend die Nato die milit\u00e4rische Sicherheit garantierte, sorgte die EU mit ihrem 80.000 Seiten starken Regelwerk f\u00fcr alles von LGBTQ-Rechten bis hin zu Rasenm\u00e4her-Sound-Verordnungen f\u00fcr Rechtsordnung. In den 90er-Jahren ging man allgemein davon aus, dass die beiden gro\u00dfen nichtwestlichen regionalen Akteure, Russland und die T\u00fcrkei, nach und nach an diese Regelungen herangef\u00fchrt werden w\u00fcrden.<\/p>\n\n\n\n

Qu\u00e4lende Hassliebe<\/h3>\n\n\n\n

Doch in den letzten 15 Jahren ist der Traum von der europ\u00e4ischen Unipolarit\u00e4t einer multipolaren Realit\u00e4t gewichen. Sowohl Russland als auch die T\u00fcrkei haben eine lange, qu\u00e4lende Hassliebe zu Europa, und beide sind unter nationalen Machthabern, denen die Verachtung der Normen und Werte der EU gemeinsam ist, durchsetzungsf\u00e4higer geworden.<\/p>\n\n\n\n

Die zunehmende Verschlechterung der Beziehungen zwischen der EU und Russland ist gut dokumentiert, der Fall der T\u00fcrkei weniger. Der Irakkrieg im Jahr 2003 komplizierte das Verh\u00e4ltnis der T\u00fcrkei zur Nato, und ihr Verh\u00e4ltnis zur EU verschlechterte sich 2007, als Frankreich einen wichtigen Teil ihrer EU-Beitrittsverhandlungen blockierte. Seitdem hat die T\u00fcrkei ihren eigenen Weg in Syrien, auf dem Balkan und in Libyen eingeschlagen und neue Beziehungen zu Russland und China aufgebaut.<\/p>\n\n\n\n

Wichtiger Akteur<\/strong><\/h3>\n\n\n\n

Nat\u00fcrlich sind die Beziehungen zwischen der T\u00fcrkei und Russland nicht weniger kompliziert, nicht zuletzt weil Erdo\u011fan und der russische Pr\u00e4sident Wladimir Putin im syrischen B\u00fcrgerkrieg verschiedene Seiten unterst\u00fctzten.Und w\u00e4hrend die Spannungen wegen des Syrien-Konflikts weiterhin bestehen, bewundert Erdo\u011fan deutlich, wie Russland sich \u2013 bei relativ geringen Kosten \u2013 wieder als wichtiger Akteur im Nahen Osten und in Nordafrika etabliert hat.<\/p>\n\n\n\n

Nachdem er in einen nicht zu gewinnenden Krieg im Osten der Ukraine verwickelt war, schien Putins weitgehend erfolgreicher Feldzug in Syrien einen Teil seiner innenpolitischen Autorit\u00e4t wiederherzustellen. Der Westen hatte f\u00fcnf Jahre lang darauf bestanden, dass es keine milit\u00e4rische L\u00f6sung des Konflikts gebe und dass der syrische Pr\u00e4sident Baschar al-Assad gehen m\u00fcsse. Doch w\u00e4hrend die von den Vereinten Nationen unterst\u00fctzten Gespr\u00e4che in Genf zu keinem Ergebnis f\u00fchrten, schienen die von Russland geleiteten Gespr\u00e4che in Astana voranzukommen. Indem der Kreml die T\u00fcrkei und den Iran einbezog, w\u00e4hrend er die westlichen M\u00e4chte ausschloss, erweckte er den Eindruck, dass Russland als wiedergeborene Supermacht aus der Asche auferstanden sei.<\/p>\n\n\n\n

Unter Druck<\/h3>\n\n\n\n

Angesichts des wachsenden Widerstands im eigenen Land macht es Erdo\u011fan Putin gleich. Da der Westen nicht bereit war, (erneut) milit\u00e4risch in Libyen zu intervenieren, sah Erdo\u011fan eine Gelegenheit, die T\u00fcrkei zu positionieren. Nach dem Vorgehen Russlands in Syrien sicherte er sich eine formelle Einladung der libyschen Regierung zur Intervention. Mit einem Schlag Ende letzten Jahres hat er nicht nur das Image der T\u00fcrkei als Regionalmacht gest\u00e4rkt, sondern auch ein Abkommen mit Libyen \u00fcber die Seegrenze abgeschlossen und damit einen Plan Griechenlands, Zyperns, \u00c4gyptens und Israels zur Erschlie\u00dfung von Unterwasser\u00f6l- und -gasfeldern in der N\u00e4he zunichtegemacht.<\/p>\n\n\n\n

Erdo\u011fan scheint auch von der Spalt-und-Eroberungs-Strategie des Kreml in Europa inspiriert worden zu sein, der zufolge oft diejenigen EU-Mitgliedsstaaten unter Druck gesetzt werden, die am meisten von russischen Kohlenwasserstoffen oder M\u00e4rkten abh\u00e4ngig sind. So wie Putin lange Zeit die Energieversorgung instrumentalisiert hat, hat Erdo\u011fan versucht, den Strom von Migranten und Fl\u00fcchtlingen, die vor Konflikten im Nahen Osten fliehen, zu instrumentalisieren. Als die EU eine neue Marinemission ank\u00fcndigte, um den Waffenstrom nach Libyen zu blockieren, malte die T\u00fcrkei f\u00fcr Malta das Schreckgespenst der angeblichen Bedrohung durch Migranten an die Wand. Malta reagierte prompt und signalisierte, dass es gegen die Finanzierung der Mission ein Veto einlegen werde.<\/p>\n\n\n\n

Verlorener Sohn<\/strong><\/h3>\n\n\n\n

Jahrelang redeten sich die Europ\u00e4er ein, dass Russland eine Art verlorener Sohn sei und dass die europ\u00e4ische unipolare Ordnung gesund bleibe. Doch das machte Europa zu einem leichten Ziel f\u00fcr die Trennungs-und-Eroberungs-Strategie des Kreml. Erst vor relativ kurzer Zeit entwarf die Union eine neue Politik und ein robustes Sanktionsregime, um die russische Aggression abzuschrecken. Und selbst jetzt \u2013 trotz der besten Bem\u00fchungen der deutschen Bundeskanzlerin Angela Merkel und des franz\u00f6sischen Pr\u00e4sidenten Emmanuel Macron \u2013 hat die EU noch immer keine wirksamen Kommunikationskan\u00e4le mit Russland geschaffen, um gemeinsame Probleme anzugehen.<\/p>\n\n\n\n

Die T\u00fcrkei ist noch kein neues Russland, aber sie k\u00f6nnte dazu werden, wenn die Situation falsch gehandhabt wird. Vorerst betrachten die meisten Europ\u00e4er die T\u00fcrkei noch immer als einen komplizierten Partner und nicht als \"Systemrivalen\". Aber die Europ\u00e4er sollten die hart erk\u00e4mpften Lehren aus dem Umgang mit Russland in den letzten 15 Jahren beherzigen. Die Beziehungen zwischen der EU und der T\u00fcrkei brauchen neue, einvernehmlich vereinbarte Prinzipien sowie klare Grenzen, um eine weitere Destabilisierung in der Region zu verhindern.<\/p>\n\n\n\n

Zu diesem Zweck sollten die Europ\u00e4er klarstellen, dass der EU-Beitrittsprozess entweder zur\u00fcckgedreht oder vorangetrieben werden kann und dass eine eher transaktionale Beziehung sowohl Zuckerbrot als auch Peitsche beinhaltet. Die Herausforderung wird darin bestehen, daf\u00fcr zu sorgen, dass es in einer Region, die nicht nur von Europa und der T\u00fcrkei, sondern auch von Russland, den USA und einem aufstrebenden China beeinflusst wird, noch Raum f\u00fcr politisches Engagement in Fragen der gemeinsamen Sicherheit gibt. (Mark Leonard, \u00dcbersetzung: Eva G\u00f6llner, Copyright: Project Syndicate, 10.8.2020)<\/p>\n\n\n\n

Mark Leonard <\/strong>ist Direktor des Europ\u00e4ischen Rats f\u00fcr Ausw\u00e4rtige Beziehungen.<\/a><\/p>\n","post_title":"Erdo\u011fan \u2013 der andere Putin vor der Haust\u00fcr Europas","post_excerpt":"","post_status":"publish","comment_status":"closed","ping_status":"closed","post_password":"","post_name":"erdogan-der-andere-putin-vor-der-haustur-europas","to_ping":"","pinged":"","post_modified":"2025-02-02 08:39:39","post_modified_gmt":"2025-02-02 08:39:39","post_content_filtered":"","post_parent":0,"guid":"https:\/\/dctransparency.com\/?p=3789","menu_order":0,"post_type":"post","post_mime_type":"","comment_count":"0","filter":"raw"},{"ID":3786,"post_author":"7","post_date":"2020-08-14 13:51:23","post_date_gmt":"2020-08-14 13:51:23","post_content":"\n

Einen Monat nachdem ich zur israelischen Armee eingezogen worden war, brach die erste Intifada aus. Statt Soldat zu sein, machte ich Polizeiarbeit, sagte den Menschen, wann sie zur Arbeit gehen konnten und wann sie ihre L\u00e4den schlie\u00dfen mussten, wann sie die Grenze passieren und wann sie schlafen konnten. Einen Monat nachdem ich aus der Armee entlassen worden war, ging ich auf Reisen. (In Israel sagen wir: Wir dienen drei Jahre und versuchen den Rest unseres Lebens, diese drei Jahre zu vergessen.) Auf meiner Reise begann ich Briefe an meine Freundin zu schreiben, die ich in Israel zur\u00fcckgelassen hatte.<\/p>\n\n\n\n

Ich schrieb ihr, wie schrecklich depressiv ich war und dass diese drei Jahre des Anweisungenbellens und Anderen-Menschen-Sagens, was sie zu tun haben, mich f\u00fcr immer verfolgen w\u00fcrden. Dass sie ein Teil dessen geworden waren, was ich bin. Ich erinnere mich, dass ich ihr schrieb, dass wir da rausm\u00fcssen \u2013 nicht nur f\u00fcr die Pal\u00e4stinenser, sondern wegen der furchtbaren und brutalen Auswirkungen, die all das auf uns, auf die israelische Gesellschaft haben w\u00fcrde. Sie schrieb zur\u00fcck: \u201eDu hast recht. Ich habe einen neuen Freund.\u201c<\/p>\n\n\n\n

Felix Klein wurde als Beauftragter der Bundesregierung berufen<\/a>, um die Auswirkungen des zunehmenden Antisemitismus in unserer Gesellschaft, in Deutschland, zu bek\u00e4mpfen. Was nicht in seiner Jobbeschreibung steht, ist, dass er dabei unsere Gesellschaft heilen muss, jene Gesellschaft, die diese Form des Hasses reproduziert und sch\u00fctzt. Klein hat das begriffen.<\/p>\n\n\n\n

Er versteht, dass man Krebs nicht mit einem Pflaster verarztet, er wei\u00df, dass er das Bewusstsein der Deutschen sch\u00e4rfen und Diskussionen ansto\u00dfen muss. Er hat begriffen, dass das Problem nicht nur an den R\u00e4ndern der Gesellschaft (bei den Rechten) liegt, sondern auch in ihrer Mitte. Dort, wo gebildete Menschen nicht einmal bemerken, dass das, was sie sagen und tun, antisemitisch ist. So wie sie es auch nicht merken, wenn sie rassistisch handeln. Er hat all das verstanden, und genau deshalb wollen einige, dass er seinen Posten r\u00e4umt.<\/p>\n\n\n\n

Mehr als 60 deutsche und israelische Intellektuelle haben letzte Woche in einem Brief an Kanzlerin Merkel<\/a> dar\u00fcber geklagt, dass der aktuelle \u201eGebrauch des Antisemitismusbegriffs\u201c darauf abziele, \u201elegitime Kritik an der israelischen Regierungspolitik zu unterdr\u00fccken\u201c, und Klein vorgeworfen, rechtspopulistische israelische Stimmen zu f\u00f6rdern.<\/p>\n\n\n\n

Faszinierend an diesem offenen Brief ist, dass viele der Unterzeichneten keine Deutschen sind und auch nicht in Deutschland leben. Ich wei\u00df nicht, woher sie \u2013 die meisten von ihnen sind Israelis \u2013 die Chuzpe haben, sich in eine innerdeutsche Angelegenheit einzumischen und zu fordern, eine Person zu entlassen, die von der Bundesregierung eingesetzt wurde. Die H\u00e4lfte der Unterzeichneten lebt nicht hier, von der anderen H\u00e4lfte sind viele keine Juden \u2013 somit sind die allermeisten von ihnen nicht direkt vom Antisemitismus in Deutschland betroffen. Wie also k\u00f6nnen sie diesen Brief unterschreiben? Und warum eigentlich haben so wenige Deutsche unterschrieben? Dazu komme ich gleich.<\/p>\n\n\n\n

Debatte um Achille Mbembe<\/h6>\n\n\n\n

Hintergrund des Briefs war, dass Felix Klein gefordert hatte, den Philosophen Achille Mbembe<\/a> nicht die Er\u00f6ffnungsrede der Ruhrtriennale halten zu lassen. Als mit \u00f6ffentlichen Mitteln gef\u00f6rdertes Event solle die Ruhrtriennale Mbembe wegen seiner Haltung zu Israels Existenzrecht, seiner Haltung zu BDS und der Art, wie er in einem seiner Werke den Holocaust relativiert, nicht einladen.<\/p>\n\n\n\n

Mbembes Unterst\u00fctzer sagen, keine dieser Anschuldigungen sei wahr. F\u00fcrs Protokoll: In meinen Augen unterst\u00fctzt Mbembe sehr wohl BDS<\/a>, er schrieb unter anderem das Vorwort zu \u201eApartheid Israel\u201c und fordert die komplette Isolation Israels. Ich glaube auch, wenn Mbembe schreibt, die israelische Besetzung sei der \u201egr\u00f6\u00dfte moralische Skandal unserer Zeit\u201c, zeigt das, dass sein moralischer und geografischer Kompass etwas schief ist.<\/p>\n\n\n\n

Doch warum treibt die Debatte so viele Menschen um? Nun, zun\u00e4chst gibt niemand gern auf, was ihm oder ihr selbstverst\u00e4ndlich scheint. \u00dcber den gesamten politischen, sozialen, kulturellen, medialen und akademischen Sektor hinweg sind Menschen daran gew\u00f6hnt, so schlecht \u00fcber Israel sprechen zu k\u00f6nnen, wie auch immer sie wollen.<\/p>\n\n\n\n

Der Spiegel<\/em> hat \u2013 vielleicht in Anlehnung an seine Relotius-Standards, Israel erst k\u00fcrzlich eine Corona-Diktatur genannt. Fakten und Belege f\u00fcr diese Behauptung gab es nicht. Doch Millionen Deutsche haben es gelesen, und es wird nat\u00fcrlich haften bleiben. Faktenlage hin oder her. Der Spiegel<\/em> und andere Medien haben dieses Spiel perfektioniert: Titel so zu drehen, dass sie Israel indirekt anklagen, die Idee zu streuen, der Mossad kon\u00adtrol\u00adliere die deutsche Au\u00dfenpolitik im Nahen Osten, und so fort. Doch sie stehen allesamt sofort auf den Hinterbeinen, wenn jemand es wagt, das Spiel beim Namen zu nennen: moderner Antisemitismus.<\/p>\n\n\n\n

Klein will dem entgegenwirken. Er versteht, dass antisemitische Attacken in Deutschland die Fr\u00fcchte solch falsch gezeichneter Bilder und eindimensionaler Narrative \u00fcber Israel sind. Wenn er und andere versuchen, ein anderes Narrativ aufzuzeigen, wirft man ihnen Zensur vor: Wie k\u00f6nnen sie es wagen, das Gesch\u00e4ft der Anti-Israel-Propaganda zu st\u00f6ren?<\/p>\n\n\n\n

Liebe Deutsche, wenn ihr reden wollt, lasst uns gern reden: \u00fcber die Besetzung, \u00fcber Bibi und alles, was schiefl\u00e4uft. Aber dann lasst uns bitte auch dar\u00fcber reden, wie deutsche Steuergelder Terrortunnel finanzieren. Erst vergangene Woche r\u00e4umte die niederl\u00e4ndische Regierung ein, dass Gelder an eine Landwirtschaftsorganisation in Ramallah geflossen seien, die damit teilweise die Geh\u00e4lter zweier des Mordes an der 17-j\u00e4hrigen Israelin Rina Shnerb Verd\u00e4chtiger gezahlt haben. Auch die Bundesregierung unterst\u00fctzt diese Organisation, obwohl Kritiker schon lange vor Verbindungen zu Terroristen warnen.<\/p>\n\n\n\n

Wir k\u00f6nnen uns also gerne unterhalten \u2013 aber im Dialog, nicht in Monologen. Denn Reden unter Menschen, die sich einig sind, ist nichts anderes als Impotenz.<\/p>\n\n\n\n

Israelkritik als Eintrittskarte<\/h6>\n\n\n\n

Die Israelis, die die Petition unterzeichnet haben, haben \u00fcbrigens ebenfalls etwas verstanden. Seit Jahren wissen sie: Es ist ihre Eintrittskarte in die Mitte der deutschen (und europ\u00e4ischen) Gesellschaft. Man h\u00f6rt nicht oft von Akademikern mit proisraelischen Ansichten. Weder in den Philharmonie-Orchestern noch in der Kunstszene. Die Eintrittskarte daf\u00fcr ist ein antiisraelischer Standpunkt.<\/p>\n\n\n\n

Der mutma\u00dfliche Grund, warum kaum Deutsche die Petition unterzeichnet haben: Sie mussten es nicht. Ihre Lieblingsjuden haben es f\u00fcr sie getan. Jetzt k\u00f6nnen sie sagen: \u201eSchau, ich bin das ja nicht, meine j\u00fcdischen Freunde sagen es.\u201c Ich selbst war einige Jahre lang mit einem Paar hier in Berlin befreundet, bis ich herausfand, dass ich ihr Lieblingsjude war. Ja, selbst das j\u00fcdische Museum wurde so genutzt.<\/p>\n\n\n\n

Weil Attacken gegen Juden ein absolutes Tabu sind, wurden Umwege gefunden, um den Antisemitismus auf kleiner Flamme k\u00f6cheln zu lassen: die unfundierte, unbegr\u00fcndete Kritik an Israel.<\/p>\n\n\n\n

Diese Art der Kritik ist gef\u00e4hrlich. Sie schw\u00e4cht jede begr\u00fcndete und notwendige Kritik am Verhalten Israels. Und das Interessante ist: Trotz all der heftigen, pauschalisierenden Anklagen, all der offenen Briefe driftet Israel politisch immer weiter nach rechts. Doch statt mal einen anderen Ansatz zu versuchen, werden die antiisraelischen Stimmen nur lauter. Dasselbe versuchen und andere Ergebnisse davon erwarten \u2013 das ist die Definition von Wahnsinn.<\/p>\n\n\n\n

Kurz bevor der Prozess gegen den wegen des Attentats von Halle<\/a> Angeklagten begann \u2013 des seit Kriegsende schlimmsten Akts von Antisemitismus in Deutschland \u2013, lud eine Lokalzeitung den fr\u00fcheren Botschafter Shimon Stein und den Historiker Moshe Zimmermann ein, dar\u00fcber zu schreiben, was Antisemitismus ist. Nat\u00fcrlich wendeten auch sie sich gegen Felix Kleins Ansatz. Sie zitieren die Kontroverse um die Umbenennung der U-Bahn-Station Mohrenstra\u00dfe in Glinkastra\u00dfe, die sich darum drehte, dass der russische Komponist Michael Glinka Antisemit gewesen sein soll. Stein und Zimmermann halten die Debatte f\u00fcr \u00fcberzogen, Glinka sei nur ein Kind seiner Zeit gewesen. Folgt man ihrer Logik, k\u00f6nnen wir dann also in 20 oder 30 Jahren U-Bahn-Stationen nach den Kindern der 1930er Jahre benennen?<\/p>\n\n\n\n

Der Antisemit als Tierfreund<\/h6>\n\n\n\n

Ich w\u00fcnschte, die Sache h\u00e4tte mit dem Artikel, mit der Petition geendet. Doch dann erschien ein Artikel, der den Leser auf einen Waldspaziergang mit einem veganen Koch und Antisemiten mitnahm. Darin setzt der Tierfreund erst behutsam einen K\u00e4fer wieder auf seine Beinchen und erkl\u00e4rt dann, dass die Todesstrafe in Deutschland wieder eingef\u00fchrt werden solle, um einen gewissen Politiker (der zuf\u00e4llig pro Israel ist) an seinen Hoden aufh\u00e4ngen zu k\u00f6nnen. Dieser Koch hat Hunderttausende Follower, er sagt all solche Dinge am helllichten Tag in Berlin. Und in den Medien.<\/p>\n\n\n\n

F\u00e4lle wie dieser handeln bereits von Gewalt \u2013 und sie enden nicht bei den Juden. Der Hass richtet sich gegen Frauen<\/a>, Muslime, Gefl\u00fcchtete, \u00adLBTQI. Am Ende aller theoretischen Debatten stehen immer echte Menschen. Am Ende jeder Konferenz dar\u00fcber, was Antisemitismus ausmacht, steht ein potenzielles j\u00fcdisches Opfer. Angesichts einer Welle von Antisemitismus \u00fcber die Definition von Antisemitismus zu streiten ist, wie eine 10 Meter hohe Welle heranrollen zu sehen und dar\u00fcber zu streiten, was einen Tsunami ausmacht.<\/p>\n\n\n\n

Felix Klein versteht, wie absurd es ist, zu sagen: Es sind nur die Rechten. Die Rechten sind Deutsche, so wie die Nazis Deutsche waren. Klein versteht, dass die Deutschen nicht aufgeh\u00f6rt haben, Juden zu ermorden, weil sie irgendeine Art von Erleuchtung hatten. Sondern schlicht, weil sie den Krieg verloren haben. Um den Antisemitismus zu bek\u00e4mpfen, bevor er die Gesellschaft frisst, in der er und wir leben, muss Deutschland seinen moralischen Kompass korrigieren.<\/p>\n\n\n\n

Immerhin: Mehr und mehr Deutsche fahren nach Israel, sie wollen ein anderes Narrativ h\u00f6ren. Mehr und mehr Deutsche verstehen, dass Antisemitismus Schockwellen ausl\u00f6st, die die gesamte Gesellschaft betreffen. In einem normalen Universum w\u00fcrde Klein bef\u00f6rdert werden f\u00fcr seine Leistung. In einer verdrehten Gesellschaft fordern Menschen seine Entlassung. Um es mit Mbembe zu sagen: Das ist Nano-Nonsens.<\/p>\n\n\n\n

\u00dcbersetzung: Ariane Lemme<\/a><\/em><\/p>\n","post_title":"Felix Klein hat verstanden","post_excerpt":"","post_status":"publish","comment_status":"closed","ping_status":"closed","post_password":"","post_name":"felix-klein-hat-verstanden","to_ping":"","pinged":"","post_modified":"2025-02-02 08:39:39","post_modified_gmt":"2025-02-02 08:39:39","post_content_filtered":"","post_parent":0,"guid":"https:\/\/dctransparency.com\/?p=3786","menu_order":0,"post_type":"post","post_mime_type":"","comment_count":"0","filter":"raw"}],"next":false,"prev":true,"total_page":47},"paged":1,"column_class":"jeg_col_2o3","class":"epic_block_3"};

\n

Was hat die BBC noch aufgedeckt?<\/strong><\/p>\n\n\n\n

<\/p>\n\n\n\n

Die BBC-Untersuchung ergab auch neue Beweise daf\u00fcr, dass \u00c4gypten den VAE erlaubt, \u00e4gyptische Milit\u00e4rflugpl\u00e4tze nahe der libyschen Grenze zu nutzen.<\/p>\n\n\n\n

Im Februar 2020 scheinen die in Libyen stationierten Wing Loong II-Drohnen \u00fcber die Grenze nach \u00c4gypten zu einem Luftwaffenst\u00fctzpunkt in der N\u00e4he von Siwa in der west\u00e4gyptischen W\u00fcste gebracht worden zu sein.<\/p>\n\n\n\n

Satellitenbilder zeigen auch, dass ein zweiter \u00e4gyptischer Milit\u00e4rflugplatz, Sidi Barrani, als Einsatzbasis f\u00fcr Mirage 2000-Kampfflugzeuge verwendet wurde, die in Farben lackiert sind, die nicht von der \u00e4gyptischen Luftwaffe verwendet werden, aber genau den von den VAE geflogenen Jets entsprechen .<\/p>\n\n\n\n

Dies ist das gleiche Flugzeugmodell, das von den Vereinten Nationen in einen Luftangriff auf ein Migrationszentrum \u00f6stlich von Tripolis im Juli 2019 verwickelt wurde, bei dem 53 Menschen get\u00f6tet wurden.<\/p>\n\n\n\n

Ausl\u00e4ndischer Jet bei libyschem Migrantenangriff verd\u00e4chtigt<\/p>\n\n\n\n

Sidi Barrani ist auch das Ziel f\u00fcr mehrere Frachtflugzeuge, die von den Vereinigten Arabischen Emiraten gestartet sind, und schl\u00e4gt eine Luftbr\u00fccke f\u00fcr Ausr\u00fcstung oder Lieferungen zwischen den Vereinigten Arabischen Emiraten und einer Milit\u00e4rbasis vor, die nur 80 km von der libyschen Grenze entfernt liegt.<\/p>\n\n\n\n

Die \u00e4gyptische Regierung antwortete nicht auf die Bitte der BBC um Stellungnahme.<\/p>\n\n\n\n

Ist ausl\u00e4ndisches milit\u00e4risches Engagement \u00fcberraschend?<\/strong><\/p>\n\n\n\n

Sowohl die Vereinigten Arabischen Emirate als auch \u00c4gypten nahmen an einer von Bundeskanzlerin Angela Merkel im Januar dieses Jahres in Berlin einberufenen Konferenz \u00fcber Libyen teil, auf der sie ihre Unterst\u00fctzung f\u00fcr den UN-Friedensprozess bekr\u00e4ftigten und sich bereit erkl\u00e4rten, nicht in den Libyen-Krieg einzugreifen.<\/p>\n\n\n\n

Im vergangenen Jahr gab es jedoch eine Eskalation des Einsatzes von Drohnen durch beide Seiten des Konflikts.<\/p>\n\n\n\n

Ghassan Salam\u00e9, der fr\u00fchere Leiter der UN-Mission in Libyen, beschrieb dies als \"m\u00f6glicherweise das gr\u00f6\u00dfte Drohnenkriegstheater der Welt\".<\/p>\n\n\n\n

Die VAE sind nicht die einzige ausl\u00e4ndische Macht, die an diesem Konflikt beteiligt ist.<\/p>\n\n\n\n

Anfang dieses Jahres gab BBC Africa Eye bekannt, dass die T\u00fcrkei auch gegen das Waffenembargo der Vereinten Nationen gegen Libyen versto\u00dfen hat, indem sie geheime Waffenlieferungen an die von den Vereinten Nationen anerkannte Regierung in Tripolis gesendet hat.<\/p>\n\n\n\n

Mit Unterst\u00fctzung der T\u00fcrkei hat die von den Vereinten Nationen anerkannte Regierung des Nationalen Abkommens nun die LNA von Gen Haftar aus der Gegend um Tripolis zur\u00fcckgeschlagen.<\/p>\n","post_title":"BBC-Untersuchung: VAE in t\u00f6dlichen Angriff in Libyen verwickelt","post_excerpt":"","post_status":"publish","comment_status":"closed","ping_status":"closed","post_password":"","post_name":"bbc-untersuchung-vae-in-todlichen-angriff-in-libyen-verwickelt","to_ping":"","pinged":"","post_modified":"2025-02-02 08:39:39","post_modified_gmt":"2025-02-02 08:39:39","post_content_filtered":"","post_parent":0,"guid":"https:\/\/dctransparency.com\/?p=3811","menu_order":0,"post_type":"post","post_mime_type":"","comment_count":"0","filter":"raw"},{"ID":3792,"post_author":"7","post_date":"2020-08-14 13:58:48","post_date_gmt":"2020-08-14 13:58:48","post_content":"\n

Die Hagia Sophia war (ist) ein kulturelles Weltwunder und aufgeladen mit symbolischer Bedeutung, f\u00fcr die Christenheit ebenso wie f\u00fcr den Islam \u2013 und den t\u00fcrkischen Nationalismus. Als Mehmed II. sie betrat, war sie schon fast 1000 Jahre die gr\u00f6\u00dfte Kirche der christlichen Welt und das Zentrum der orthodoxen Glaubensrichtung. Die \"Ayasofya\", wie sie dann hie\u00df, war 500 Jahre lang Moschee \u2013 bis 1934, als Kemal Pascha Atat\u00fcrk, der \"Vater\" der modernen T\u00fcrkei, sie in ein Museum verwandelte, in der ausdr\u00fccklichen Absicht, auch hier mit dem osmanischen Erbe zu brechen.<\/p>\n\n\n\n

Nun wird Pr\u00e4sident Recep Tayyip Erdo\u011fan, der \"Vater\" der re-islamisierten T\u00fcrkei, am 24. Juli dieses Jahres die Ayasofya durch das Freitagsgebet wieder in den Islam eingliedern. Oder eher in seinen pers\u00f6nlichen religi\u00f6sen Nationalismus.<\/p>\n\n\n\n

Welterbe von allen<\/h3>\n\n\n\n

Wie bedeutungsschwer ist dieser Akt eines \"starken Mannes\", der innenpolitisch deutlich schw\u00e4chelt? Die Proteste vor allem aus der orthodoxen Welt, aber auch aus Europa und den USA sind eher traurig als w\u00fctend. Der Papst dr\u00fcckte seinen \"Schmerz\" aus. Auch der Jubel in der islamischen Welt fiel zun\u00e4chst weniger \u00fcbersch\u00e4umend als erwartet aus.<\/p>\n\n\n\n

Ist es der Alleingang eines Autokraten in Bedr\u00e4ngnis oder ist \"der Jubel \u00fcber die Eroberung der Hagia Sophia der Versuch einer zutiefst erniedrigten, vom Gef\u00fchl der Wertlosigkeit dominierten und in ihrer eigenen Selbstberechtigung beraubten Gesellschaft, eine Bedeutung, eine St\u00e4rke, ein Selbstwertgef\u00fchl zu finden\"? So recht pauschalierend der in Deutschland lebende pal\u00e4stinensische Intellektuelle und Psychiater Ahmad Mansour.<\/p>\n\n\n\n

Die beiden Gro\u00dfreiche, das byzantinische und das osmanische, sind l\u00e4ngst versunken.<\/p><\/blockquote>\n\n\n\n

Das eigentliche Schl\u00fcsselwort im Zusammenhang mit der Hagia Sofia ist \"Welterbe\". Das Erbe von allen. Einmal im kulturellen Sinn der Unesco, aber in Wahrheit weiter gefasst. Das einzigartige Bauwerk geh\u00f6rt in Wirklichkeit der ganzen Welt, nicht der einen oder anderen Religion. Die beiden Gro\u00dfreiche, f\u00fcr die die Hagia Sofia der zentrale spirituelle Bau war, das byzantinische und das osmanische, sind l\u00e4ngst versunken. Seither hat sie eine neue, \u00fcbernationale Dimension erhalten. Was Erdo\u011fan da jetzt mit der Hagia Sofia macht, ist eine Verengung und Verarmung eines gemeinsamen Welterbes.<\/p>\n\n\n\n

\"\"\/
Betende Muslime vor der Hagia Sophia.<\/figcaption><\/figure>\n\n\n\n

Davon abgesehen aber war und ist sie ein architektonisches Meisterwerk und geh\u00f6rt zu den bedeutendsten Bauten der Welt. Wer heute den Zentralraum unter der Kuppel betritt, kann sich nur schwer dem zugleich majest\u00e4tischen wie schwebenden Gesamteindruck entziehen. Die Hagia Sophia blieb fast 1000 Jahre die gr\u00f6\u00dfte Kirche der Christenheit. Technisch war die Kuppel (mit mehreren Halbkuppeln) eine \u00fcberaus riskante Innovation: Die 55 Meter hohe und 32 Meter im Durchmesser breite Kuppel ruht auf nur vier Tragpunkten, was den schwebenden, schwerelosen Eindruck erzeugt. Die Konstruktion folgt einem mathematischen Prinzip, das erst k\u00fcrzlich entschl\u00fcsselt wurde.<\/p>\n\n\n\n

\"Salomo, ich habe dich \u00fcbertroffen!\"<\/p><\/blockquote>\n\n\n\n

Als Kaiser Justinian die Hagia Sophia nach nur f\u00fcnf Jahren Bauzeit (532\u2013537) betrat, soll er in Anspielung auf den Tempel in Jerusalem ausgerufen haben: \"Salomo, ich habe dich \u00fcbertroffen!\" Die Innenausstattung war mit ihren S\u00e4ulen aus Porphyr und gr\u00fcnem Marmor, mit Mosaiken aus Gold und Halbedelsteinen derart prunkvoll, der Gesamteindruck derart \u00fcberirdisch, dass eine Delegation des Gro\u00dff\u00fcrsten von Kiew nicht mehr wusste, \"ob wir im Himmel oder auf der Erde\" waren \u2013 was die Christianisierung Russlands bef\u00f6rderte.<\/p>\n\n\n\n

Der deutsche Architekturlehrer Holger Kleine nennt die Hagia Sophia \"absolute Architektur\", weil sie \"extreme Ausdrucksformen nahezu aller dramaturgischen Mittel, die der Architektur zur Verf\u00fcgung stehen, vereinigt: wuchtigste K\u00f6rper und luftigste R\u00e4ume, engste Enge und gr\u00f6\u00dfte Weite, w\u00e4rmende Helligkeit und mystisches Dunkel\". Und die Kuppelbauten aus der sp\u00e4teren Hochbl\u00fcte der Moscheenarchitektur im 16. und 17. Jahrhundert gehen eindeutig auf die Hagia Sophia zur\u00fcck.<\/p>\n\n\n\n

Die Hagia Sophia war Staatskirche des byzantinischen Reichs. F\u00fcr die Eroberer der letzte Schlussstein in der Kuppel osmanisch-muslimischen Herrschaftsanspruchs. Konstantinopel war ja 1453 nur noch eine isolierte, heruntergekommene Enklave in einem osmanischen Umfeld, kein christliches Heer kam zu Hilfe. Doch vorher war es zugleich Sperrriegel nach Osten und Geistesarchiv der antiken Kultur gewesen. \"Ohne Byzanz h\u00e4tte es kein Europa gegeben\", sagt die britische Altertumsforscherin Judith Herrin.<\/p>\n\n\n\n

\"\"\/
Freigelegtes Mosaik von \"Christos Pantokrator\".<\/figcaption><\/figure>\n\n\n\n

Neue Fragen<\/h3>\n\n\n\n

Die Kirche wurde von Mehmed II. und Nachfolgern nicht in der Substanz zerst\u00f6rt, sondern \"entchristlicht\". Die urspr\u00fcnglich \u00fcbert\u00fcnchten oder auch abgeschlagenen Mosaiken mit den Darstellungen von Christus, der Muttergottes, diversen Kaisern kamen zum Teil schon unter einem Sultan des 19. Jahrhunderts, dann gro\u00dfteils nach der Museumswidmung wieder zum Vorschein.<\/p>\n\n\n\n

Jetzt stellen sich neue symbolisch-praktische Fragen. Erdo\u011fan hat die Hagia Sophia der konservativen staatlichen Religionsbeh\u00f6rde Diyanet unterstellt. Die byzantinischen Mosaike, wie der gro\u00dfartige \"Christos Pantokrator\" (\"Weltenherrscher\") oder die Jungfrau Maria in der Apsis, m\u00fcssen wohl w\u00e4hrend des islamischen Gottesdiensts verh\u00e4ngt werden. Muss der Boden mit seinen Marmorplatten und Mosaiken mit einem Teppich bedeckt werden? Erdo\u011fan sagt, Touristen seien nach wie vor zugelassen. Aber sie werden wohl hinter Absperrungen bleiben m\u00fcssen. Frauen werden \u2013 wie in der benachbarten \"Blauen Moschee\" (\"Sultanahmed\") Kopftuch tragen m\u00fcssen.<\/p>\n\n\n\n

\"\"\/
Erdo\u011fan mit Gattin in der Hagia Sophia.<\/figcaption><\/figure>\n\n\n\n

Erdo\u011fans neue Abenteuer<\/strong><\/h3>\n\n\n\n

Aber wird da nicht doch zu viel in einen Formalakt rund um ein uraltes Bauwerk hineininterpretiert? Im geschichtlichen Kontext relativiert sich manches: Konstantinopel wurde schon von Christen erobert und ausgepl\u00fcndert \u2013 1204 im Vierten Kreuzzug. In der Moschee von Cordoba (\"Mezquita\") bauten die Katholiken eine ganze Kirche in den ber\u00fchmten S\u00e4ulenwald hinein. Die Mezquita ist heute noch Kirche, kein Museum.<\/p>\n\n\n\n

\"Das ist der Beweis, dass wir kein s\u00e4kularer Staat mehr sein wollen\", sagt Nobelpreistr\u00e4ger Orhan Pamuk. Erdo\u011fan betrachtet sich offenbar als auch neoosmanischer \"Fatih\" im Mittelmeerraum mit immer neuen Abenteuern: Eingreifen in Syrien, Stellvertreterkrieg in Libyen, Anspr\u00fcche auf Erdgasvorkommen weit vor der t\u00fcrkischen K\u00fcste bei Zypern, Reden, wonach manche \u00c4g\u00e4is-Inseln eigentlich zur T\u00fcrkei geh\u00f6ren, \"denn dort stehen unsere Moscheen\". Manches davon ist nur Rhetorik, aber genug anderes ist riskante Realit\u00e4t. (Hans Rauscher, 14.7.2020)<\/p>\n\n\n\n

Quelle<\/a><\/strong><\/p>\n","post_title":"Hagia Sophia: Verengung und Verarmung eines Welterbes","post_excerpt":"","post_status":"publish","comment_status":"closed","ping_status":"closed","post_password":"","post_name":"hagia-sophia-verengung-und-verarmung-eines-welterbes","to_ping":"","pinged":"","post_modified":"2025-02-02 08:39:39","post_modified_gmt":"2025-02-02 08:39:39","post_content_filtered":"","post_parent":0,"guid":"https:\/\/dctransparency.com\/?p=3792","menu_order":0,"post_type":"post","post_mime_type":"","comment_count":"0","filter":"raw"},{"ID":3789,"post_author":"7","post_date":"2020-08-14 13:56:07","post_date_gmt":"2020-08-14 13:56:07","post_content":"\n

Im Gastkommentar pocht Mark Leonard, Direktor des Europ\u00e4ischen Rats f\u00fcr Ausw\u00e4rtige Beziehungen, auf \"neue, einvernehmlich vereinbarte Prinzipien sowie klare Grenzen\", nur so k\u00f6nne eine weitere Destabilisierung in der Region verhindert werden.<\/em><\/strong><\/p>\n\n\n\n

Ist die T\u00fcrkei das neue Russland? Diese Frage wird in den europ\u00e4ischen Hauptst\u00e4dten zunehmend gestellt, da die Au\u00dfenpolitik des t\u00fcrkischen Pr\u00e4sidenten Recep Tayyip Erdo\u011fan zunehmend aggressiver wird. Erdo\u011fan nutzt nicht nur die Migration, um die EU zu bedrohen und zu betr\u00fcgen, sondern setzt auch milit\u00e4rische Macht ein, um den Einflussbereich der T\u00fcrkei auf die gesamte Region auszudehnen.<\/p>\n\n\n\n

Seit dem Ende des Kalten Krieges haben die Europ\u00e4er die regionale Sicherheit durch eine unipolare westliche Linse betrachtet. W\u00e4hrend die Nato die milit\u00e4rische Sicherheit garantierte, sorgte die EU mit ihrem 80.000 Seiten starken Regelwerk f\u00fcr alles von LGBTQ-Rechten bis hin zu Rasenm\u00e4her-Sound-Verordnungen f\u00fcr Rechtsordnung. In den 90er-Jahren ging man allgemein davon aus, dass die beiden gro\u00dfen nichtwestlichen regionalen Akteure, Russland und die T\u00fcrkei, nach und nach an diese Regelungen herangef\u00fchrt werden w\u00fcrden.<\/p>\n\n\n\n

Qu\u00e4lende Hassliebe<\/h3>\n\n\n\n

Doch in den letzten 15 Jahren ist der Traum von der europ\u00e4ischen Unipolarit\u00e4t einer multipolaren Realit\u00e4t gewichen. Sowohl Russland als auch die T\u00fcrkei haben eine lange, qu\u00e4lende Hassliebe zu Europa, und beide sind unter nationalen Machthabern, denen die Verachtung der Normen und Werte der EU gemeinsam ist, durchsetzungsf\u00e4higer geworden.<\/p>\n\n\n\n

Die zunehmende Verschlechterung der Beziehungen zwischen der EU und Russland ist gut dokumentiert, der Fall der T\u00fcrkei weniger. Der Irakkrieg im Jahr 2003 komplizierte das Verh\u00e4ltnis der T\u00fcrkei zur Nato, und ihr Verh\u00e4ltnis zur EU verschlechterte sich 2007, als Frankreich einen wichtigen Teil ihrer EU-Beitrittsverhandlungen blockierte. Seitdem hat die T\u00fcrkei ihren eigenen Weg in Syrien, auf dem Balkan und in Libyen eingeschlagen und neue Beziehungen zu Russland und China aufgebaut.<\/p>\n\n\n\n

Wichtiger Akteur<\/strong><\/h3>\n\n\n\n

Nat\u00fcrlich sind die Beziehungen zwischen der T\u00fcrkei und Russland nicht weniger kompliziert, nicht zuletzt weil Erdo\u011fan und der russische Pr\u00e4sident Wladimir Putin im syrischen B\u00fcrgerkrieg verschiedene Seiten unterst\u00fctzten.Und w\u00e4hrend die Spannungen wegen des Syrien-Konflikts weiterhin bestehen, bewundert Erdo\u011fan deutlich, wie Russland sich \u2013 bei relativ geringen Kosten \u2013 wieder als wichtiger Akteur im Nahen Osten und in Nordafrika etabliert hat.<\/p>\n\n\n\n

Nachdem er in einen nicht zu gewinnenden Krieg im Osten der Ukraine verwickelt war, schien Putins weitgehend erfolgreicher Feldzug in Syrien einen Teil seiner innenpolitischen Autorit\u00e4t wiederherzustellen. Der Westen hatte f\u00fcnf Jahre lang darauf bestanden, dass es keine milit\u00e4rische L\u00f6sung des Konflikts gebe und dass der syrische Pr\u00e4sident Baschar al-Assad gehen m\u00fcsse. Doch w\u00e4hrend die von den Vereinten Nationen unterst\u00fctzten Gespr\u00e4che in Genf zu keinem Ergebnis f\u00fchrten, schienen die von Russland geleiteten Gespr\u00e4che in Astana voranzukommen. Indem der Kreml die T\u00fcrkei und den Iran einbezog, w\u00e4hrend er die westlichen M\u00e4chte ausschloss, erweckte er den Eindruck, dass Russland als wiedergeborene Supermacht aus der Asche auferstanden sei.<\/p>\n\n\n\n

Unter Druck<\/h3>\n\n\n\n

Angesichts des wachsenden Widerstands im eigenen Land macht es Erdo\u011fan Putin gleich. Da der Westen nicht bereit war, (erneut) milit\u00e4risch in Libyen zu intervenieren, sah Erdo\u011fan eine Gelegenheit, die T\u00fcrkei zu positionieren. Nach dem Vorgehen Russlands in Syrien sicherte er sich eine formelle Einladung der libyschen Regierung zur Intervention. Mit einem Schlag Ende letzten Jahres hat er nicht nur das Image der T\u00fcrkei als Regionalmacht gest\u00e4rkt, sondern auch ein Abkommen mit Libyen \u00fcber die Seegrenze abgeschlossen und damit einen Plan Griechenlands, Zyperns, \u00c4gyptens und Israels zur Erschlie\u00dfung von Unterwasser\u00f6l- und -gasfeldern in der N\u00e4he zunichtegemacht.<\/p>\n\n\n\n

Erdo\u011fan scheint auch von der Spalt-und-Eroberungs-Strategie des Kreml in Europa inspiriert worden zu sein, der zufolge oft diejenigen EU-Mitgliedsstaaten unter Druck gesetzt werden, die am meisten von russischen Kohlenwasserstoffen oder M\u00e4rkten abh\u00e4ngig sind. So wie Putin lange Zeit die Energieversorgung instrumentalisiert hat, hat Erdo\u011fan versucht, den Strom von Migranten und Fl\u00fcchtlingen, die vor Konflikten im Nahen Osten fliehen, zu instrumentalisieren. Als die EU eine neue Marinemission ank\u00fcndigte, um den Waffenstrom nach Libyen zu blockieren, malte die T\u00fcrkei f\u00fcr Malta das Schreckgespenst der angeblichen Bedrohung durch Migranten an die Wand. Malta reagierte prompt und signalisierte, dass es gegen die Finanzierung der Mission ein Veto einlegen werde.<\/p>\n\n\n\n

Verlorener Sohn<\/strong><\/h3>\n\n\n\n

Jahrelang redeten sich die Europ\u00e4er ein, dass Russland eine Art verlorener Sohn sei und dass die europ\u00e4ische unipolare Ordnung gesund bleibe. Doch das machte Europa zu einem leichten Ziel f\u00fcr die Trennungs-und-Eroberungs-Strategie des Kreml. Erst vor relativ kurzer Zeit entwarf die Union eine neue Politik und ein robustes Sanktionsregime, um die russische Aggression abzuschrecken. Und selbst jetzt \u2013 trotz der besten Bem\u00fchungen der deutschen Bundeskanzlerin Angela Merkel und des franz\u00f6sischen Pr\u00e4sidenten Emmanuel Macron \u2013 hat die EU noch immer keine wirksamen Kommunikationskan\u00e4le mit Russland geschaffen, um gemeinsame Probleme anzugehen.<\/p>\n\n\n\n

Die T\u00fcrkei ist noch kein neues Russland, aber sie k\u00f6nnte dazu werden, wenn die Situation falsch gehandhabt wird. Vorerst betrachten die meisten Europ\u00e4er die T\u00fcrkei noch immer als einen komplizierten Partner und nicht als \"Systemrivalen\". Aber die Europ\u00e4er sollten die hart erk\u00e4mpften Lehren aus dem Umgang mit Russland in den letzten 15 Jahren beherzigen. Die Beziehungen zwischen der EU und der T\u00fcrkei brauchen neue, einvernehmlich vereinbarte Prinzipien sowie klare Grenzen, um eine weitere Destabilisierung in der Region zu verhindern.<\/p>\n\n\n\n

Zu diesem Zweck sollten die Europ\u00e4er klarstellen, dass der EU-Beitrittsprozess entweder zur\u00fcckgedreht oder vorangetrieben werden kann und dass eine eher transaktionale Beziehung sowohl Zuckerbrot als auch Peitsche beinhaltet. Die Herausforderung wird darin bestehen, daf\u00fcr zu sorgen, dass es in einer Region, die nicht nur von Europa und der T\u00fcrkei, sondern auch von Russland, den USA und einem aufstrebenden China beeinflusst wird, noch Raum f\u00fcr politisches Engagement in Fragen der gemeinsamen Sicherheit gibt. (Mark Leonard, \u00dcbersetzung: Eva G\u00f6llner, Copyright: Project Syndicate, 10.8.2020)<\/p>\n\n\n\n

Mark Leonard <\/strong>ist Direktor des Europ\u00e4ischen Rats f\u00fcr Ausw\u00e4rtige Beziehungen.<\/a><\/p>\n","post_title":"Erdo\u011fan \u2013 der andere Putin vor der Haust\u00fcr Europas","post_excerpt":"","post_status":"publish","comment_status":"closed","ping_status":"closed","post_password":"","post_name":"erdogan-der-andere-putin-vor-der-haustur-europas","to_ping":"","pinged":"","post_modified":"2025-02-02 08:39:39","post_modified_gmt":"2025-02-02 08:39:39","post_content_filtered":"","post_parent":0,"guid":"https:\/\/dctransparency.com\/?p=3789","menu_order":0,"post_type":"post","post_mime_type":"","comment_count":"0","filter":"raw"},{"ID":3786,"post_author":"7","post_date":"2020-08-14 13:51:23","post_date_gmt":"2020-08-14 13:51:23","post_content":"\n

Einen Monat nachdem ich zur israelischen Armee eingezogen worden war, brach die erste Intifada aus. Statt Soldat zu sein, machte ich Polizeiarbeit, sagte den Menschen, wann sie zur Arbeit gehen konnten und wann sie ihre L\u00e4den schlie\u00dfen mussten, wann sie die Grenze passieren und wann sie schlafen konnten. Einen Monat nachdem ich aus der Armee entlassen worden war, ging ich auf Reisen. (In Israel sagen wir: Wir dienen drei Jahre und versuchen den Rest unseres Lebens, diese drei Jahre zu vergessen.) Auf meiner Reise begann ich Briefe an meine Freundin zu schreiben, die ich in Israel zur\u00fcckgelassen hatte.<\/p>\n\n\n\n

Ich schrieb ihr, wie schrecklich depressiv ich war und dass diese drei Jahre des Anweisungenbellens und Anderen-Menschen-Sagens, was sie zu tun haben, mich f\u00fcr immer verfolgen w\u00fcrden. Dass sie ein Teil dessen geworden waren, was ich bin. Ich erinnere mich, dass ich ihr schrieb, dass wir da rausm\u00fcssen \u2013 nicht nur f\u00fcr die Pal\u00e4stinenser, sondern wegen der furchtbaren und brutalen Auswirkungen, die all das auf uns, auf die israelische Gesellschaft haben w\u00fcrde. Sie schrieb zur\u00fcck: \u201eDu hast recht. Ich habe einen neuen Freund.\u201c<\/p>\n\n\n\n

Felix Klein wurde als Beauftragter der Bundesregierung berufen<\/a>, um die Auswirkungen des zunehmenden Antisemitismus in unserer Gesellschaft, in Deutschland, zu bek\u00e4mpfen. Was nicht in seiner Jobbeschreibung steht, ist, dass er dabei unsere Gesellschaft heilen muss, jene Gesellschaft, die diese Form des Hasses reproduziert und sch\u00fctzt. Klein hat das begriffen.<\/p>\n\n\n\n

Er versteht, dass man Krebs nicht mit einem Pflaster verarztet, er wei\u00df, dass er das Bewusstsein der Deutschen sch\u00e4rfen und Diskussionen ansto\u00dfen muss. Er hat begriffen, dass das Problem nicht nur an den R\u00e4ndern der Gesellschaft (bei den Rechten) liegt, sondern auch in ihrer Mitte. Dort, wo gebildete Menschen nicht einmal bemerken, dass das, was sie sagen und tun, antisemitisch ist. So wie sie es auch nicht merken, wenn sie rassistisch handeln. Er hat all das verstanden, und genau deshalb wollen einige, dass er seinen Posten r\u00e4umt.<\/p>\n\n\n\n

Mehr als 60 deutsche und israelische Intellektuelle haben letzte Woche in einem Brief an Kanzlerin Merkel<\/a> dar\u00fcber geklagt, dass der aktuelle \u201eGebrauch des Antisemitismusbegriffs\u201c darauf abziele, \u201elegitime Kritik an der israelischen Regierungspolitik zu unterdr\u00fccken\u201c, und Klein vorgeworfen, rechtspopulistische israelische Stimmen zu f\u00f6rdern.<\/p>\n\n\n\n

Faszinierend an diesem offenen Brief ist, dass viele der Unterzeichneten keine Deutschen sind und auch nicht in Deutschland leben. Ich wei\u00df nicht, woher sie \u2013 die meisten von ihnen sind Israelis \u2013 die Chuzpe haben, sich in eine innerdeutsche Angelegenheit einzumischen und zu fordern, eine Person zu entlassen, die von der Bundesregierung eingesetzt wurde. Die H\u00e4lfte der Unterzeichneten lebt nicht hier, von der anderen H\u00e4lfte sind viele keine Juden \u2013 somit sind die allermeisten von ihnen nicht direkt vom Antisemitismus in Deutschland betroffen. Wie also k\u00f6nnen sie diesen Brief unterschreiben? Und warum eigentlich haben so wenige Deutsche unterschrieben? Dazu komme ich gleich.<\/p>\n\n\n\n

Debatte um Achille Mbembe<\/h6>\n\n\n\n

Hintergrund des Briefs war, dass Felix Klein gefordert hatte, den Philosophen Achille Mbembe<\/a> nicht die Er\u00f6ffnungsrede der Ruhrtriennale halten zu lassen. Als mit \u00f6ffentlichen Mitteln gef\u00f6rdertes Event solle die Ruhrtriennale Mbembe wegen seiner Haltung zu Israels Existenzrecht, seiner Haltung zu BDS und der Art, wie er in einem seiner Werke den Holocaust relativiert, nicht einladen.<\/p>\n\n\n\n

Mbembes Unterst\u00fctzer sagen, keine dieser Anschuldigungen sei wahr. F\u00fcrs Protokoll: In meinen Augen unterst\u00fctzt Mbembe sehr wohl BDS<\/a>, er schrieb unter anderem das Vorwort zu \u201eApartheid Israel\u201c und fordert die komplette Isolation Israels. Ich glaube auch, wenn Mbembe schreibt, die israelische Besetzung sei der \u201egr\u00f6\u00dfte moralische Skandal unserer Zeit\u201c, zeigt das, dass sein moralischer und geografischer Kompass etwas schief ist.<\/p>\n\n\n\n

Doch warum treibt die Debatte so viele Menschen um? Nun, zun\u00e4chst gibt niemand gern auf, was ihm oder ihr selbstverst\u00e4ndlich scheint. \u00dcber den gesamten politischen, sozialen, kulturellen, medialen und akademischen Sektor hinweg sind Menschen daran gew\u00f6hnt, so schlecht \u00fcber Israel sprechen zu k\u00f6nnen, wie auch immer sie wollen.<\/p>\n\n\n\n

Der Spiegel<\/em> hat \u2013 vielleicht in Anlehnung an seine Relotius-Standards, Israel erst k\u00fcrzlich eine Corona-Diktatur genannt. Fakten und Belege f\u00fcr diese Behauptung gab es nicht. Doch Millionen Deutsche haben es gelesen, und es wird nat\u00fcrlich haften bleiben. Faktenlage hin oder her. Der Spiegel<\/em> und andere Medien haben dieses Spiel perfektioniert: Titel so zu drehen, dass sie Israel indirekt anklagen, die Idee zu streuen, der Mossad kon\u00adtrol\u00adliere die deutsche Au\u00dfenpolitik im Nahen Osten, und so fort. Doch sie stehen allesamt sofort auf den Hinterbeinen, wenn jemand es wagt, das Spiel beim Namen zu nennen: moderner Antisemitismus.<\/p>\n\n\n\n

Klein will dem entgegenwirken. Er versteht, dass antisemitische Attacken in Deutschland die Fr\u00fcchte solch falsch gezeichneter Bilder und eindimensionaler Narrative \u00fcber Israel sind. Wenn er und andere versuchen, ein anderes Narrativ aufzuzeigen, wirft man ihnen Zensur vor: Wie k\u00f6nnen sie es wagen, das Gesch\u00e4ft der Anti-Israel-Propaganda zu st\u00f6ren?<\/p>\n\n\n\n

Liebe Deutsche, wenn ihr reden wollt, lasst uns gern reden: \u00fcber die Besetzung, \u00fcber Bibi und alles, was schiefl\u00e4uft. Aber dann lasst uns bitte auch dar\u00fcber reden, wie deutsche Steuergelder Terrortunnel finanzieren. Erst vergangene Woche r\u00e4umte die niederl\u00e4ndische Regierung ein, dass Gelder an eine Landwirtschaftsorganisation in Ramallah geflossen seien, die damit teilweise die Geh\u00e4lter zweier des Mordes an der 17-j\u00e4hrigen Israelin Rina Shnerb Verd\u00e4chtiger gezahlt haben. Auch die Bundesregierung unterst\u00fctzt diese Organisation, obwohl Kritiker schon lange vor Verbindungen zu Terroristen warnen.<\/p>\n\n\n\n

Wir k\u00f6nnen uns also gerne unterhalten \u2013 aber im Dialog, nicht in Monologen. Denn Reden unter Menschen, die sich einig sind, ist nichts anderes als Impotenz.<\/p>\n\n\n\n

Israelkritik als Eintrittskarte<\/h6>\n\n\n\n

Die Israelis, die die Petition unterzeichnet haben, haben \u00fcbrigens ebenfalls etwas verstanden. Seit Jahren wissen sie: Es ist ihre Eintrittskarte in die Mitte der deutschen (und europ\u00e4ischen) Gesellschaft. Man h\u00f6rt nicht oft von Akademikern mit proisraelischen Ansichten. Weder in den Philharmonie-Orchestern noch in der Kunstszene. Die Eintrittskarte daf\u00fcr ist ein antiisraelischer Standpunkt.<\/p>\n\n\n\n

Der mutma\u00dfliche Grund, warum kaum Deutsche die Petition unterzeichnet haben: Sie mussten es nicht. Ihre Lieblingsjuden haben es f\u00fcr sie getan. Jetzt k\u00f6nnen sie sagen: \u201eSchau, ich bin das ja nicht, meine j\u00fcdischen Freunde sagen es.\u201c Ich selbst war einige Jahre lang mit einem Paar hier in Berlin befreundet, bis ich herausfand, dass ich ihr Lieblingsjude war. Ja, selbst das j\u00fcdische Museum wurde so genutzt.<\/p>\n\n\n\n

Weil Attacken gegen Juden ein absolutes Tabu sind, wurden Umwege gefunden, um den Antisemitismus auf kleiner Flamme k\u00f6cheln zu lassen: die unfundierte, unbegr\u00fcndete Kritik an Israel.<\/p>\n\n\n\n

Diese Art der Kritik ist gef\u00e4hrlich. Sie schw\u00e4cht jede begr\u00fcndete und notwendige Kritik am Verhalten Israels. Und das Interessante ist: Trotz all der heftigen, pauschalisierenden Anklagen, all der offenen Briefe driftet Israel politisch immer weiter nach rechts. Doch statt mal einen anderen Ansatz zu versuchen, werden die antiisraelischen Stimmen nur lauter. Dasselbe versuchen und andere Ergebnisse davon erwarten \u2013 das ist die Definition von Wahnsinn.<\/p>\n\n\n\n

Kurz bevor der Prozess gegen den wegen des Attentats von Halle<\/a> Angeklagten begann \u2013 des seit Kriegsende schlimmsten Akts von Antisemitismus in Deutschland \u2013, lud eine Lokalzeitung den fr\u00fcheren Botschafter Shimon Stein und den Historiker Moshe Zimmermann ein, dar\u00fcber zu schreiben, was Antisemitismus ist. Nat\u00fcrlich wendeten auch sie sich gegen Felix Kleins Ansatz. Sie zitieren die Kontroverse um die Umbenennung der U-Bahn-Station Mohrenstra\u00dfe in Glinkastra\u00dfe, die sich darum drehte, dass der russische Komponist Michael Glinka Antisemit gewesen sein soll. Stein und Zimmermann halten die Debatte f\u00fcr \u00fcberzogen, Glinka sei nur ein Kind seiner Zeit gewesen. Folgt man ihrer Logik, k\u00f6nnen wir dann also in 20 oder 30 Jahren U-Bahn-Stationen nach den Kindern der 1930er Jahre benennen?<\/p>\n\n\n\n

Der Antisemit als Tierfreund<\/h6>\n\n\n\n

Ich w\u00fcnschte, die Sache h\u00e4tte mit dem Artikel, mit der Petition geendet. Doch dann erschien ein Artikel, der den Leser auf einen Waldspaziergang mit einem veganen Koch und Antisemiten mitnahm. Darin setzt der Tierfreund erst behutsam einen K\u00e4fer wieder auf seine Beinchen und erkl\u00e4rt dann, dass die Todesstrafe in Deutschland wieder eingef\u00fchrt werden solle, um einen gewissen Politiker (der zuf\u00e4llig pro Israel ist) an seinen Hoden aufh\u00e4ngen zu k\u00f6nnen. Dieser Koch hat Hunderttausende Follower, er sagt all solche Dinge am helllichten Tag in Berlin. Und in den Medien.<\/p>\n\n\n\n

F\u00e4lle wie dieser handeln bereits von Gewalt \u2013 und sie enden nicht bei den Juden. Der Hass richtet sich gegen Frauen<\/a>, Muslime, Gefl\u00fcchtete, \u00adLBTQI. Am Ende aller theoretischen Debatten stehen immer echte Menschen. Am Ende jeder Konferenz dar\u00fcber, was Antisemitismus ausmacht, steht ein potenzielles j\u00fcdisches Opfer. Angesichts einer Welle von Antisemitismus \u00fcber die Definition von Antisemitismus zu streiten ist, wie eine 10 Meter hohe Welle heranrollen zu sehen und dar\u00fcber zu streiten, was einen Tsunami ausmacht.<\/p>\n\n\n\n

Felix Klein versteht, wie absurd es ist, zu sagen: Es sind nur die Rechten. Die Rechten sind Deutsche, so wie die Nazis Deutsche waren. Klein versteht, dass die Deutschen nicht aufgeh\u00f6rt haben, Juden zu ermorden, weil sie irgendeine Art von Erleuchtung hatten. Sondern schlicht, weil sie den Krieg verloren haben. Um den Antisemitismus zu bek\u00e4mpfen, bevor er die Gesellschaft frisst, in der er und wir leben, muss Deutschland seinen moralischen Kompass korrigieren.<\/p>\n\n\n\n

Immerhin: Mehr und mehr Deutsche fahren nach Israel, sie wollen ein anderes Narrativ h\u00f6ren. Mehr und mehr Deutsche verstehen, dass Antisemitismus Schockwellen ausl\u00f6st, die die gesamte Gesellschaft betreffen. In einem normalen Universum w\u00fcrde Klein bef\u00f6rdert werden f\u00fcr seine Leistung. In einer verdrehten Gesellschaft fordern Menschen seine Entlassung. Um es mit Mbembe zu sagen: Das ist Nano-Nonsens.<\/p>\n\n\n\n

\u00dcbersetzung: Ariane Lemme<\/a><\/em><\/p>\n","post_title":"Felix Klein hat verstanden","post_excerpt":"","post_status":"publish","comment_status":"closed","ping_status":"closed","post_password":"","post_name":"felix-klein-hat-verstanden","to_ping":"","pinged":"","post_modified":"2025-02-02 08:39:39","post_modified_gmt":"2025-02-02 08:39:39","post_content_filtered":"","post_parent":0,"guid":"https:\/\/dctransparency.com\/?p=3786","menu_order":0,"post_type":"post","post_mime_type":"","comment_count":"0","filter":"raw"}],"next":false,"prev":true,"total_page":47},"paged":1,"column_class":"jeg_col_2o3","class":"epic_block_3"};

\n

Die BBC fand auch ein Waffenregister, aus dem hervorgeht, dass die VAE 2017 15 Wing Loong-Drohnen und 350 Blue Arrow 7-Raketen gekauft haben.<\/p>\n\n\n\n

Was hat die BBC noch aufgedeckt?<\/strong><\/p>\n\n\n\n

<\/p>\n\n\n\n

Die BBC-Untersuchung ergab auch neue Beweise daf\u00fcr, dass \u00c4gypten den VAE erlaubt, \u00e4gyptische Milit\u00e4rflugpl\u00e4tze nahe der libyschen Grenze zu nutzen.<\/p>\n\n\n\n

Im Februar 2020 scheinen die in Libyen stationierten Wing Loong II-Drohnen \u00fcber die Grenze nach \u00c4gypten zu einem Luftwaffenst\u00fctzpunkt in der N\u00e4he von Siwa in der west\u00e4gyptischen W\u00fcste gebracht worden zu sein.<\/p>\n\n\n\n

Satellitenbilder zeigen auch, dass ein zweiter \u00e4gyptischer Milit\u00e4rflugplatz, Sidi Barrani, als Einsatzbasis f\u00fcr Mirage 2000-Kampfflugzeuge verwendet wurde, die in Farben lackiert sind, die nicht von der \u00e4gyptischen Luftwaffe verwendet werden, aber genau den von den VAE geflogenen Jets entsprechen .<\/p>\n\n\n\n

Dies ist das gleiche Flugzeugmodell, das von den Vereinten Nationen in einen Luftangriff auf ein Migrationszentrum \u00f6stlich von Tripolis im Juli 2019 verwickelt wurde, bei dem 53 Menschen get\u00f6tet wurden.<\/p>\n\n\n\n

Ausl\u00e4ndischer Jet bei libyschem Migrantenangriff verd\u00e4chtigt<\/p>\n\n\n\n

Sidi Barrani ist auch das Ziel f\u00fcr mehrere Frachtflugzeuge, die von den Vereinigten Arabischen Emiraten gestartet sind, und schl\u00e4gt eine Luftbr\u00fccke f\u00fcr Ausr\u00fcstung oder Lieferungen zwischen den Vereinigten Arabischen Emiraten und einer Milit\u00e4rbasis vor, die nur 80 km von der libyschen Grenze entfernt liegt.<\/p>\n\n\n\n

Die \u00e4gyptische Regierung antwortete nicht auf die Bitte der BBC um Stellungnahme.<\/p>\n\n\n\n

Ist ausl\u00e4ndisches milit\u00e4risches Engagement \u00fcberraschend?<\/strong><\/p>\n\n\n\n

Sowohl die Vereinigten Arabischen Emirate als auch \u00c4gypten nahmen an einer von Bundeskanzlerin Angela Merkel im Januar dieses Jahres in Berlin einberufenen Konferenz \u00fcber Libyen teil, auf der sie ihre Unterst\u00fctzung f\u00fcr den UN-Friedensprozess bekr\u00e4ftigten und sich bereit erkl\u00e4rten, nicht in den Libyen-Krieg einzugreifen.<\/p>\n\n\n\n

Im vergangenen Jahr gab es jedoch eine Eskalation des Einsatzes von Drohnen durch beide Seiten des Konflikts.<\/p>\n\n\n\n

Ghassan Salam\u00e9, der fr\u00fchere Leiter der UN-Mission in Libyen, beschrieb dies als \"m\u00f6glicherweise das gr\u00f6\u00dfte Drohnenkriegstheater der Welt\".<\/p>\n\n\n\n

Die VAE sind nicht die einzige ausl\u00e4ndische Macht, die an diesem Konflikt beteiligt ist.<\/p>\n\n\n\n

Anfang dieses Jahres gab BBC Africa Eye bekannt, dass die T\u00fcrkei auch gegen das Waffenembargo der Vereinten Nationen gegen Libyen versto\u00dfen hat, indem sie geheime Waffenlieferungen an die von den Vereinten Nationen anerkannte Regierung in Tripolis gesendet hat.<\/p>\n\n\n\n

Mit Unterst\u00fctzung der T\u00fcrkei hat die von den Vereinten Nationen anerkannte Regierung des Nationalen Abkommens nun die LNA von Gen Haftar aus der Gegend um Tripolis zur\u00fcckgeschlagen.<\/p>\n","post_title":"BBC-Untersuchung: VAE in t\u00f6dlichen Angriff in Libyen verwickelt","post_excerpt":"","post_status":"publish","comment_status":"closed","ping_status":"closed","post_password":"","post_name":"bbc-untersuchung-vae-in-todlichen-angriff-in-libyen-verwickelt","to_ping":"","pinged":"","post_modified":"2025-02-02 08:39:39","post_modified_gmt":"2025-02-02 08:39:39","post_content_filtered":"","post_parent":0,"guid":"https:\/\/dctransparency.com\/?p=3811","menu_order":0,"post_type":"post","post_mime_type":"","comment_count":"0","filter":"raw"},{"ID":3792,"post_author":"7","post_date":"2020-08-14 13:58:48","post_date_gmt":"2020-08-14 13:58:48","post_content":"\n

Die Hagia Sophia war (ist) ein kulturelles Weltwunder und aufgeladen mit symbolischer Bedeutung, f\u00fcr die Christenheit ebenso wie f\u00fcr den Islam \u2013 und den t\u00fcrkischen Nationalismus. Als Mehmed II. sie betrat, war sie schon fast 1000 Jahre die gr\u00f6\u00dfte Kirche der christlichen Welt und das Zentrum der orthodoxen Glaubensrichtung. Die \"Ayasofya\", wie sie dann hie\u00df, war 500 Jahre lang Moschee \u2013 bis 1934, als Kemal Pascha Atat\u00fcrk, der \"Vater\" der modernen T\u00fcrkei, sie in ein Museum verwandelte, in der ausdr\u00fccklichen Absicht, auch hier mit dem osmanischen Erbe zu brechen.<\/p>\n\n\n\n

Nun wird Pr\u00e4sident Recep Tayyip Erdo\u011fan, der \"Vater\" der re-islamisierten T\u00fcrkei, am 24. Juli dieses Jahres die Ayasofya durch das Freitagsgebet wieder in den Islam eingliedern. Oder eher in seinen pers\u00f6nlichen religi\u00f6sen Nationalismus.<\/p>\n\n\n\n

Welterbe von allen<\/h3>\n\n\n\n

Wie bedeutungsschwer ist dieser Akt eines \"starken Mannes\", der innenpolitisch deutlich schw\u00e4chelt? Die Proteste vor allem aus der orthodoxen Welt, aber auch aus Europa und den USA sind eher traurig als w\u00fctend. Der Papst dr\u00fcckte seinen \"Schmerz\" aus. Auch der Jubel in der islamischen Welt fiel zun\u00e4chst weniger \u00fcbersch\u00e4umend als erwartet aus.<\/p>\n\n\n\n

Ist es der Alleingang eines Autokraten in Bedr\u00e4ngnis oder ist \"der Jubel \u00fcber die Eroberung der Hagia Sophia der Versuch einer zutiefst erniedrigten, vom Gef\u00fchl der Wertlosigkeit dominierten und in ihrer eigenen Selbstberechtigung beraubten Gesellschaft, eine Bedeutung, eine St\u00e4rke, ein Selbstwertgef\u00fchl zu finden\"? So recht pauschalierend der in Deutschland lebende pal\u00e4stinensische Intellektuelle und Psychiater Ahmad Mansour.<\/p>\n\n\n\n

Die beiden Gro\u00dfreiche, das byzantinische und das osmanische, sind l\u00e4ngst versunken.<\/p><\/blockquote>\n\n\n\n

Das eigentliche Schl\u00fcsselwort im Zusammenhang mit der Hagia Sofia ist \"Welterbe\". Das Erbe von allen. Einmal im kulturellen Sinn der Unesco, aber in Wahrheit weiter gefasst. Das einzigartige Bauwerk geh\u00f6rt in Wirklichkeit der ganzen Welt, nicht der einen oder anderen Religion. Die beiden Gro\u00dfreiche, f\u00fcr die die Hagia Sofia der zentrale spirituelle Bau war, das byzantinische und das osmanische, sind l\u00e4ngst versunken. Seither hat sie eine neue, \u00fcbernationale Dimension erhalten. Was Erdo\u011fan da jetzt mit der Hagia Sofia macht, ist eine Verengung und Verarmung eines gemeinsamen Welterbes.<\/p>\n\n\n\n

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Betende Muslime vor der Hagia Sophia.<\/figcaption><\/figure>\n\n\n\n

Davon abgesehen aber war und ist sie ein architektonisches Meisterwerk und geh\u00f6rt zu den bedeutendsten Bauten der Welt. Wer heute den Zentralraum unter der Kuppel betritt, kann sich nur schwer dem zugleich majest\u00e4tischen wie schwebenden Gesamteindruck entziehen. Die Hagia Sophia blieb fast 1000 Jahre die gr\u00f6\u00dfte Kirche der Christenheit. Technisch war die Kuppel (mit mehreren Halbkuppeln) eine \u00fcberaus riskante Innovation: Die 55 Meter hohe und 32 Meter im Durchmesser breite Kuppel ruht auf nur vier Tragpunkten, was den schwebenden, schwerelosen Eindruck erzeugt. Die Konstruktion folgt einem mathematischen Prinzip, das erst k\u00fcrzlich entschl\u00fcsselt wurde.<\/p>\n\n\n\n

\"Salomo, ich habe dich \u00fcbertroffen!\"<\/p><\/blockquote>\n\n\n\n

Als Kaiser Justinian die Hagia Sophia nach nur f\u00fcnf Jahren Bauzeit (532\u2013537) betrat, soll er in Anspielung auf den Tempel in Jerusalem ausgerufen haben: \"Salomo, ich habe dich \u00fcbertroffen!\" Die Innenausstattung war mit ihren S\u00e4ulen aus Porphyr und gr\u00fcnem Marmor, mit Mosaiken aus Gold und Halbedelsteinen derart prunkvoll, der Gesamteindruck derart \u00fcberirdisch, dass eine Delegation des Gro\u00dff\u00fcrsten von Kiew nicht mehr wusste, \"ob wir im Himmel oder auf der Erde\" waren \u2013 was die Christianisierung Russlands bef\u00f6rderte.<\/p>\n\n\n\n

Der deutsche Architekturlehrer Holger Kleine nennt die Hagia Sophia \"absolute Architektur\", weil sie \"extreme Ausdrucksformen nahezu aller dramaturgischen Mittel, die der Architektur zur Verf\u00fcgung stehen, vereinigt: wuchtigste K\u00f6rper und luftigste R\u00e4ume, engste Enge und gr\u00f6\u00dfte Weite, w\u00e4rmende Helligkeit und mystisches Dunkel\". Und die Kuppelbauten aus der sp\u00e4teren Hochbl\u00fcte der Moscheenarchitektur im 16. und 17. Jahrhundert gehen eindeutig auf die Hagia Sophia zur\u00fcck.<\/p>\n\n\n\n

Die Hagia Sophia war Staatskirche des byzantinischen Reichs. F\u00fcr die Eroberer der letzte Schlussstein in der Kuppel osmanisch-muslimischen Herrschaftsanspruchs. Konstantinopel war ja 1453 nur noch eine isolierte, heruntergekommene Enklave in einem osmanischen Umfeld, kein christliches Heer kam zu Hilfe. Doch vorher war es zugleich Sperrriegel nach Osten und Geistesarchiv der antiken Kultur gewesen. \"Ohne Byzanz h\u00e4tte es kein Europa gegeben\", sagt die britische Altertumsforscherin Judith Herrin.<\/p>\n\n\n\n

\"\"\/
Freigelegtes Mosaik von \"Christos Pantokrator\".<\/figcaption><\/figure>\n\n\n\n

Neue Fragen<\/h3>\n\n\n\n

Die Kirche wurde von Mehmed II. und Nachfolgern nicht in der Substanz zerst\u00f6rt, sondern \"entchristlicht\". Die urspr\u00fcnglich \u00fcbert\u00fcnchten oder auch abgeschlagenen Mosaiken mit den Darstellungen von Christus, der Muttergottes, diversen Kaisern kamen zum Teil schon unter einem Sultan des 19. Jahrhunderts, dann gro\u00dfteils nach der Museumswidmung wieder zum Vorschein.<\/p>\n\n\n\n

Jetzt stellen sich neue symbolisch-praktische Fragen. Erdo\u011fan hat die Hagia Sophia der konservativen staatlichen Religionsbeh\u00f6rde Diyanet unterstellt. Die byzantinischen Mosaike, wie der gro\u00dfartige \"Christos Pantokrator\" (\"Weltenherrscher\") oder die Jungfrau Maria in der Apsis, m\u00fcssen wohl w\u00e4hrend des islamischen Gottesdiensts verh\u00e4ngt werden. Muss der Boden mit seinen Marmorplatten und Mosaiken mit einem Teppich bedeckt werden? Erdo\u011fan sagt, Touristen seien nach wie vor zugelassen. Aber sie werden wohl hinter Absperrungen bleiben m\u00fcssen. Frauen werden \u2013 wie in der benachbarten \"Blauen Moschee\" (\"Sultanahmed\") Kopftuch tragen m\u00fcssen.<\/p>\n\n\n\n

\"\"\/
Erdo\u011fan mit Gattin in der Hagia Sophia.<\/figcaption><\/figure>\n\n\n\n

Erdo\u011fans neue Abenteuer<\/strong><\/h3>\n\n\n\n

Aber wird da nicht doch zu viel in einen Formalakt rund um ein uraltes Bauwerk hineininterpretiert? Im geschichtlichen Kontext relativiert sich manches: Konstantinopel wurde schon von Christen erobert und ausgepl\u00fcndert \u2013 1204 im Vierten Kreuzzug. In der Moschee von Cordoba (\"Mezquita\") bauten die Katholiken eine ganze Kirche in den ber\u00fchmten S\u00e4ulenwald hinein. Die Mezquita ist heute noch Kirche, kein Museum.<\/p>\n\n\n\n

\"Das ist der Beweis, dass wir kein s\u00e4kularer Staat mehr sein wollen\", sagt Nobelpreistr\u00e4ger Orhan Pamuk. Erdo\u011fan betrachtet sich offenbar als auch neoosmanischer \"Fatih\" im Mittelmeerraum mit immer neuen Abenteuern: Eingreifen in Syrien, Stellvertreterkrieg in Libyen, Anspr\u00fcche auf Erdgasvorkommen weit vor der t\u00fcrkischen K\u00fcste bei Zypern, Reden, wonach manche \u00c4g\u00e4is-Inseln eigentlich zur T\u00fcrkei geh\u00f6ren, \"denn dort stehen unsere Moscheen\". Manches davon ist nur Rhetorik, aber genug anderes ist riskante Realit\u00e4t. (Hans Rauscher, 14.7.2020)<\/p>\n\n\n\n

Quelle<\/a><\/strong><\/p>\n","post_title":"Hagia Sophia: Verengung und Verarmung eines Welterbes","post_excerpt":"","post_status":"publish","comment_status":"closed","ping_status":"closed","post_password":"","post_name":"hagia-sophia-verengung-und-verarmung-eines-welterbes","to_ping":"","pinged":"","post_modified":"2025-02-02 08:39:39","post_modified_gmt":"2025-02-02 08:39:39","post_content_filtered":"","post_parent":0,"guid":"https:\/\/dctransparency.com\/?p=3792","menu_order":0,"post_type":"post","post_mime_type":"","comment_count":"0","filter":"raw"},{"ID":3789,"post_author":"7","post_date":"2020-08-14 13:56:07","post_date_gmt":"2020-08-14 13:56:07","post_content":"\n

Im Gastkommentar pocht Mark Leonard, Direktor des Europ\u00e4ischen Rats f\u00fcr Ausw\u00e4rtige Beziehungen, auf \"neue, einvernehmlich vereinbarte Prinzipien sowie klare Grenzen\", nur so k\u00f6nne eine weitere Destabilisierung in der Region verhindert werden.<\/em><\/strong><\/p>\n\n\n\n

Ist die T\u00fcrkei das neue Russland? Diese Frage wird in den europ\u00e4ischen Hauptst\u00e4dten zunehmend gestellt, da die Au\u00dfenpolitik des t\u00fcrkischen Pr\u00e4sidenten Recep Tayyip Erdo\u011fan zunehmend aggressiver wird. Erdo\u011fan nutzt nicht nur die Migration, um die EU zu bedrohen und zu betr\u00fcgen, sondern setzt auch milit\u00e4rische Macht ein, um den Einflussbereich der T\u00fcrkei auf die gesamte Region auszudehnen.<\/p>\n\n\n\n

Seit dem Ende des Kalten Krieges haben die Europ\u00e4er die regionale Sicherheit durch eine unipolare westliche Linse betrachtet. W\u00e4hrend die Nato die milit\u00e4rische Sicherheit garantierte, sorgte die EU mit ihrem 80.000 Seiten starken Regelwerk f\u00fcr alles von LGBTQ-Rechten bis hin zu Rasenm\u00e4her-Sound-Verordnungen f\u00fcr Rechtsordnung. In den 90er-Jahren ging man allgemein davon aus, dass die beiden gro\u00dfen nichtwestlichen regionalen Akteure, Russland und die T\u00fcrkei, nach und nach an diese Regelungen herangef\u00fchrt werden w\u00fcrden.<\/p>\n\n\n\n

Qu\u00e4lende Hassliebe<\/h3>\n\n\n\n

Doch in den letzten 15 Jahren ist der Traum von der europ\u00e4ischen Unipolarit\u00e4t einer multipolaren Realit\u00e4t gewichen. Sowohl Russland als auch die T\u00fcrkei haben eine lange, qu\u00e4lende Hassliebe zu Europa, und beide sind unter nationalen Machthabern, denen die Verachtung der Normen und Werte der EU gemeinsam ist, durchsetzungsf\u00e4higer geworden.<\/p>\n\n\n\n

Die zunehmende Verschlechterung der Beziehungen zwischen der EU und Russland ist gut dokumentiert, der Fall der T\u00fcrkei weniger. Der Irakkrieg im Jahr 2003 komplizierte das Verh\u00e4ltnis der T\u00fcrkei zur Nato, und ihr Verh\u00e4ltnis zur EU verschlechterte sich 2007, als Frankreich einen wichtigen Teil ihrer EU-Beitrittsverhandlungen blockierte. Seitdem hat die T\u00fcrkei ihren eigenen Weg in Syrien, auf dem Balkan und in Libyen eingeschlagen und neue Beziehungen zu Russland und China aufgebaut.<\/p>\n\n\n\n

Wichtiger Akteur<\/strong><\/h3>\n\n\n\n

Nat\u00fcrlich sind die Beziehungen zwischen der T\u00fcrkei und Russland nicht weniger kompliziert, nicht zuletzt weil Erdo\u011fan und der russische Pr\u00e4sident Wladimir Putin im syrischen B\u00fcrgerkrieg verschiedene Seiten unterst\u00fctzten.Und w\u00e4hrend die Spannungen wegen des Syrien-Konflikts weiterhin bestehen, bewundert Erdo\u011fan deutlich, wie Russland sich \u2013 bei relativ geringen Kosten \u2013 wieder als wichtiger Akteur im Nahen Osten und in Nordafrika etabliert hat.<\/p>\n\n\n\n

Nachdem er in einen nicht zu gewinnenden Krieg im Osten der Ukraine verwickelt war, schien Putins weitgehend erfolgreicher Feldzug in Syrien einen Teil seiner innenpolitischen Autorit\u00e4t wiederherzustellen. Der Westen hatte f\u00fcnf Jahre lang darauf bestanden, dass es keine milit\u00e4rische L\u00f6sung des Konflikts gebe und dass der syrische Pr\u00e4sident Baschar al-Assad gehen m\u00fcsse. Doch w\u00e4hrend die von den Vereinten Nationen unterst\u00fctzten Gespr\u00e4che in Genf zu keinem Ergebnis f\u00fchrten, schienen die von Russland geleiteten Gespr\u00e4che in Astana voranzukommen. Indem der Kreml die T\u00fcrkei und den Iran einbezog, w\u00e4hrend er die westlichen M\u00e4chte ausschloss, erweckte er den Eindruck, dass Russland als wiedergeborene Supermacht aus der Asche auferstanden sei.<\/p>\n\n\n\n

Unter Druck<\/h3>\n\n\n\n

Angesichts des wachsenden Widerstands im eigenen Land macht es Erdo\u011fan Putin gleich. Da der Westen nicht bereit war, (erneut) milit\u00e4risch in Libyen zu intervenieren, sah Erdo\u011fan eine Gelegenheit, die T\u00fcrkei zu positionieren. Nach dem Vorgehen Russlands in Syrien sicherte er sich eine formelle Einladung der libyschen Regierung zur Intervention. Mit einem Schlag Ende letzten Jahres hat er nicht nur das Image der T\u00fcrkei als Regionalmacht gest\u00e4rkt, sondern auch ein Abkommen mit Libyen \u00fcber die Seegrenze abgeschlossen und damit einen Plan Griechenlands, Zyperns, \u00c4gyptens und Israels zur Erschlie\u00dfung von Unterwasser\u00f6l- und -gasfeldern in der N\u00e4he zunichtegemacht.<\/p>\n\n\n\n

Erdo\u011fan scheint auch von der Spalt-und-Eroberungs-Strategie des Kreml in Europa inspiriert worden zu sein, der zufolge oft diejenigen EU-Mitgliedsstaaten unter Druck gesetzt werden, die am meisten von russischen Kohlenwasserstoffen oder M\u00e4rkten abh\u00e4ngig sind. So wie Putin lange Zeit die Energieversorgung instrumentalisiert hat, hat Erdo\u011fan versucht, den Strom von Migranten und Fl\u00fcchtlingen, die vor Konflikten im Nahen Osten fliehen, zu instrumentalisieren. Als die EU eine neue Marinemission ank\u00fcndigte, um den Waffenstrom nach Libyen zu blockieren, malte die T\u00fcrkei f\u00fcr Malta das Schreckgespenst der angeblichen Bedrohung durch Migranten an die Wand. Malta reagierte prompt und signalisierte, dass es gegen die Finanzierung der Mission ein Veto einlegen werde.<\/p>\n\n\n\n

Verlorener Sohn<\/strong><\/h3>\n\n\n\n

Jahrelang redeten sich die Europ\u00e4er ein, dass Russland eine Art verlorener Sohn sei und dass die europ\u00e4ische unipolare Ordnung gesund bleibe. Doch das machte Europa zu einem leichten Ziel f\u00fcr die Trennungs-und-Eroberungs-Strategie des Kreml. Erst vor relativ kurzer Zeit entwarf die Union eine neue Politik und ein robustes Sanktionsregime, um die russische Aggression abzuschrecken. Und selbst jetzt \u2013 trotz der besten Bem\u00fchungen der deutschen Bundeskanzlerin Angela Merkel und des franz\u00f6sischen Pr\u00e4sidenten Emmanuel Macron \u2013 hat die EU noch immer keine wirksamen Kommunikationskan\u00e4le mit Russland geschaffen, um gemeinsame Probleme anzugehen.<\/p>\n\n\n\n

Die T\u00fcrkei ist noch kein neues Russland, aber sie k\u00f6nnte dazu werden, wenn die Situation falsch gehandhabt wird. Vorerst betrachten die meisten Europ\u00e4er die T\u00fcrkei noch immer als einen komplizierten Partner und nicht als \"Systemrivalen\". Aber die Europ\u00e4er sollten die hart erk\u00e4mpften Lehren aus dem Umgang mit Russland in den letzten 15 Jahren beherzigen. Die Beziehungen zwischen der EU und der T\u00fcrkei brauchen neue, einvernehmlich vereinbarte Prinzipien sowie klare Grenzen, um eine weitere Destabilisierung in der Region zu verhindern.<\/p>\n\n\n\n

Zu diesem Zweck sollten die Europ\u00e4er klarstellen, dass der EU-Beitrittsprozess entweder zur\u00fcckgedreht oder vorangetrieben werden kann und dass eine eher transaktionale Beziehung sowohl Zuckerbrot als auch Peitsche beinhaltet. Die Herausforderung wird darin bestehen, daf\u00fcr zu sorgen, dass es in einer Region, die nicht nur von Europa und der T\u00fcrkei, sondern auch von Russland, den USA und einem aufstrebenden China beeinflusst wird, noch Raum f\u00fcr politisches Engagement in Fragen der gemeinsamen Sicherheit gibt. (Mark Leonard, \u00dcbersetzung: Eva G\u00f6llner, Copyright: Project Syndicate, 10.8.2020)<\/p>\n\n\n\n

Mark Leonard <\/strong>ist Direktor des Europ\u00e4ischen Rats f\u00fcr Ausw\u00e4rtige Beziehungen.<\/a><\/p>\n","post_title":"Erdo\u011fan \u2013 der andere Putin vor der Haust\u00fcr Europas","post_excerpt":"","post_status":"publish","comment_status":"closed","ping_status":"closed","post_password":"","post_name":"erdogan-der-andere-putin-vor-der-haustur-europas","to_ping":"","pinged":"","post_modified":"2025-02-02 08:39:39","post_modified_gmt":"2025-02-02 08:39:39","post_content_filtered":"","post_parent":0,"guid":"https:\/\/dctransparency.com\/?p=3789","menu_order":0,"post_type":"post","post_mime_type":"","comment_count":"0","filter":"raw"},{"ID":3786,"post_author":"7","post_date":"2020-08-14 13:51:23","post_date_gmt":"2020-08-14 13:51:23","post_content":"\n

Einen Monat nachdem ich zur israelischen Armee eingezogen worden war, brach die erste Intifada aus. Statt Soldat zu sein, machte ich Polizeiarbeit, sagte den Menschen, wann sie zur Arbeit gehen konnten und wann sie ihre L\u00e4den schlie\u00dfen mussten, wann sie die Grenze passieren und wann sie schlafen konnten. Einen Monat nachdem ich aus der Armee entlassen worden war, ging ich auf Reisen. (In Israel sagen wir: Wir dienen drei Jahre und versuchen den Rest unseres Lebens, diese drei Jahre zu vergessen.) Auf meiner Reise begann ich Briefe an meine Freundin zu schreiben, die ich in Israel zur\u00fcckgelassen hatte.<\/p>\n\n\n\n

Ich schrieb ihr, wie schrecklich depressiv ich war und dass diese drei Jahre des Anweisungenbellens und Anderen-Menschen-Sagens, was sie zu tun haben, mich f\u00fcr immer verfolgen w\u00fcrden. Dass sie ein Teil dessen geworden waren, was ich bin. Ich erinnere mich, dass ich ihr schrieb, dass wir da rausm\u00fcssen \u2013 nicht nur f\u00fcr die Pal\u00e4stinenser, sondern wegen der furchtbaren und brutalen Auswirkungen, die all das auf uns, auf die israelische Gesellschaft haben w\u00fcrde. Sie schrieb zur\u00fcck: \u201eDu hast recht. Ich habe einen neuen Freund.\u201c<\/p>\n\n\n\n

Felix Klein wurde als Beauftragter der Bundesregierung berufen<\/a>, um die Auswirkungen des zunehmenden Antisemitismus in unserer Gesellschaft, in Deutschland, zu bek\u00e4mpfen. Was nicht in seiner Jobbeschreibung steht, ist, dass er dabei unsere Gesellschaft heilen muss, jene Gesellschaft, die diese Form des Hasses reproduziert und sch\u00fctzt. Klein hat das begriffen.<\/p>\n\n\n\n

Er versteht, dass man Krebs nicht mit einem Pflaster verarztet, er wei\u00df, dass er das Bewusstsein der Deutschen sch\u00e4rfen und Diskussionen ansto\u00dfen muss. Er hat begriffen, dass das Problem nicht nur an den R\u00e4ndern der Gesellschaft (bei den Rechten) liegt, sondern auch in ihrer Mitte. Dort, wo gebildete Menschen nicht einmal bemerken, dass das, was sie sagen und tun, antisemitisch ist. So wie sie es auch nicht merken, wenn sie rassistisch handeln. Er hat all das verstanden, und genau deshalb wollen einige, dass er seinen Posten r\u00e4umt.<\/p>\n\n\n\n

Mehr als 60 deutsche und israelische Intellektuelle haben letzte Woche in einem Brief an Kanzlerin Merkel<\/a> dar\u00fcber geklagt, dass der aktuelle \u201eGebrauch des Antisemitismusbegriffs\u201c darauf abziele, \u201elegitime Kritik an der israelischen Regierungspolitik zu unterdr\u00fccken\u201c, und Klein vorgeworfen, rechtspopulistische israelische Stimmen zu f\u00f6rdern.<\/p>\n\n\n\n

Faszinierend an diesem offenen Brief ist, dass viele der Unterzeichneten keine Deutschen sind und auch nicht in Deutschland leben. Ich wei\u00df nicht, woher sie \u2013 die meisten von ihnen sind Israelis \u2013 die Chuzpe haben, sich in eine innerdeutsche Angelegenheit einzumischen und zu fordern, eine Person zu entlassen, die von der Bundesregierung eingesetzt wurde. Die H\u00e4lfte der Unterzeichneten lebt nicht hier, von der anderen H\u00e4lfte sind viele keine Juden \u2013 somit sind die allermeisten von ihnen nicht direkt vom Antisemitismus in Deutschland betroffen. Wie also k\u00f6nnen sie diesen Brief unterschreiben? Und warum eigentlich haben so wenige Deutsche unterschrieben? Dazu komme ich gleich.<\/p>\n\n\n\n

Debatte um Achille Mbembe<\/h6>\n\n\n\n

Hintergrund des Briefs war, dass Felix Klein gefordert hatte, den Philosophen Achille Mbembe<\/a> nicht die Er\u00f6ffnungsrede der Ruhrtriennale halten zu lassen. Als mit \u00f6ffentlichen Mitteln gef\u00f6rdertes Event solle die Ruhrtriennale Mbembe wegen seiner Haltung zu Israels Existenzrecht, seiner Haltung zu BDS und der Art, wie er in einem seiner Werke den Holocaust relativiert, nicht einladen.<\/p>\n\n\n\n

Mbembes Unterst\u00fctzer sagen, keine dieser Anschuldigungen sei wahr. F\u00fcrs Protokoll: In meinen Augen unterst\u00fctzt Mbembe sehr wohl BDS<\/a>, er schrieb unter anderem das Vorwort zu \u201eApartheid Israel\u201c und fordert die komplette Isolation Israels. Ich glaube auch, wenn Mbembe schreibt, die israelische Besetzung sei der \u201egr\u00f6\u00dfte moralische Skandal unserer Zeit\u201c, zeigt das, dass sein moralischer und geografischer Kompass etwas schief ist.<\/p>\n\n\n\n

Doch warum treibt die Debatte so viele Menschen um? Nun, zun\u00e4chst gibt niemand gern auf, was ihm oder ihr selbstverst\u00e4ndlich scheint. \u00dcber den gesamten politischen, sozialen, kulturellen, medialen und akademischen Sektor hinweg sind Menschen daran gew\u00f6hnt, so schlecht \u00fcber Israel sprechen zu k\u00f6nnen, wie auch immer sie wollen.<\/p>\n\n\n\n

Der Spiegel<\/em> hat \u2013 vielleicht in Anlehnung an seine Relotius-Standards, Israel erst k\u00fcrzlich eine Corona-Diktatur genannt. Fakten und Belege f\u00fcr diese Behauptung gab es nicht. Doch Millionen Deutsche haben es gelesen, und es wird nat\u00fcrlich haften bleiben. Faktenlage hin oder her. Der Spiegel<\/em> und andere Medien haben dieses Spiel perfektioniert: Titel so zu drehen, dass sie Israel indirekt anklagen, die Idee zu streuen, der Mossad kon\u00adtrol\u00adliere die deutsche Au\u00dfenpolitik im Nahen Osten, und so fort. Doch sie stehen allesamt sofort auf den Hinterbeinen, wenn jemand es wagt, das Spiel beim Namen zu nennen: moderner Antisemitismus.<\/p>\n\n\n\n

Klein will dem entgegenwirken. Er versteht, dass antisemitische Attacken in Deutschland die Fr\u00fcchte solch falsch gezeichneter Bilder und eindimensionaler Narrative \u00fcber Israel sind. Wenn er und andere versuchen, ein anderes Narrativ aufzuzeigen, wirft man ihnen Zensur vor: Wie k\u00f6nnen sie es wagen, das Gesch\u00e4ft der Anti-Israel-Propaganda zu st\u00f6ren?<\/p>\n\n\n\n

Liebe Deutsche, wenn ihr reden wollt, lasst uns gern reden: \u00fcber die Besetzung, \u00fcber Bibi und alles, was schiefl\u00e4uft. Aber dann lasst uns bitte auch dar\u00fcber reden, wie deutsche Steuergelder Terrortunnel finanzieren. Erst vergangene Woche r\u00e4umte die niederl\u00e4ndische Regierung ein, dass Gelder an eine Landwirtschaftsorganisation in Ramallah geflossen seien, die damit teilweise die Geh\u00e4lter zweier des Mordes an der 17-j\u00e4hrigen Israelin Rina Shnerb Verd\u00e4chtiger gezahlt haben. Auch die Bundesregierung unterst\u00fctzt diese Organisation, obwohl Kritiker schon lange vor Verbindungen zu Terroristen warnen.<\/p>\n\n\n\n

Wir k\u00f6nnen uns also gerne unterhalten \u2013 aber im Dialog, nicht in Monologen. Denn Reden unter Menschen, die sich einig sind, ist nichts anderes als Impotenz.<\/p>\n\n\n\n

Israelkritik als Eintrittskarte<\/h6>\n\n\n\n

Die Israelis, die die Petition unterzeichnet haben, haben \u00fcbrigens ebenfalls etwas verstanden. Seit Jahren wissen sie: Es ist ihre Eintrittskarte in die Mitte der deutschen (und europ\u00e4ischen) Gesellschaft. Man h\u00f6rt nicht oft von Akademikern mit proisraelischen Ansichten. Weder in den Philharmonie-Orchestern noch in der Kunstszene. Die Eintrittskarte daf\u00fcr ist ein antiisraelischer Standpunkt.<\/p>\n\n\n\n

Der mutma\u00dfliche Grund, warum kaum Deutsche die Petition unterzeichnet haben: Sie mussten es nicht. Ihre Lieblingsjuden haben es f\u00fcr sie getan. Jetzt k\u00f6nnen sie sagen: \u201eSchau, ich bin das ja nicht, meine j\u00fcdischen Freunde sagen es.\u201c Ich selbst war einige Jahre lang mit einem Paar hier in Berlin befreundet, bis ich herausfand, dass ich ihr Lieblingsjude war. Ja, selbst das j\u00fcdische Museum wurde so genutzt.<\/p>\n\n\n\n

Weil Attacken gegen Juden ein absolutes Tabu sind, wurden Umwege gefunden, um den Antisemitismus auf kleiner Flamme k\u00f6cheln zu lassen: die unfundierte, unbegr\u00fcndete Kritik an Israel.<\/p>\n\n\n\n

Diese Art der Kritik ist gef\u00e4hrlich. Sie schw\u00e4cht jede begr\u00fcndete und notwendige Kritik am Verhalten Israels. Und das Interessante ist: Trotz all der heftigen, pauschalisierenden Anklagen, all der offenen Briefe driftet Israel politisch immer weiter nach rechts. Doch statt mal einen anderen Ansatz zu versuchen, werden die antiisraelischen Stimmen nur lauter. Dasselbe versuchen und andere Ergebnisse davon erwarten \u2013 das ist die Definition von Wahnsinn.<\/p>\n\n\n\n

Kurz bevor der Prozess gegen den wegen des Attentats von Halle<\/a> Angeklagten begann \u2013 des seit Kriegsende schlimmsten Akts von Antisemitismus in Deutschland \u2013, lud eine Lokalzeitung den fr\u00fcheren Botschafter Shimon Stein und den Historiker Moshe Zimmermann ein, dar\u00fcber zu schreiben, was Antisemitismus ist. Nat\u00fcrlich wendeten auch sie sich gegen Felix Kleins Ansatz. Sie zitieren die Kontroverse um die Umbenennung der U-Bahn-Station Mohrenstra\u00dfe in Glinkastra\u00dfe, die sich darum drehte, dass der russische Komponist Michael Glinka Antisemit gewesen sein soll. Stein und Zimmermann halten die Debatte f\u00fcr \u00fcberzogen, Glinka sei nur ein Kind seiner Zeit gewesen. Folgt man ihrer Logik, k\u00f6nnen wir dann also in 20 oder 30 Jahren U-Bahn-Stationen nach den Kindern der 1930er Jahre benennen?<\/p>\n\n\n\n

Der Antisemit als Tierfreund<\/h6>\n\n\n\n

Ich w\u00fcnschte, die Sache h\u00e4tte mit dem Artikel, mit der Petition geendet. Doch dann erschien ein Artikel, der den Leser auf einen Waldspaziergang mit einem veganen Koch und Antisemiten mitnahm. Darin setzt der Tierfreund erst behutsam einen K\u00e4fer wieder auf seine Beinchen und erkl\u00e4rt dann, dass die Todesstrafe in Deutschland wieder eingef\u00fchrt werden solle, um einen gewissen Politiker (der zuf\u00e4llig pro Israel ist) an seinen Hoden aufh\u00e4ngen zu k\u00f6nnen. Dieser Koch hat Hunderttausende Follower, er sagt all solche Dinge am helllichten Tag in Berlin. Und in den Medien.<\/p>\n\n\n\n

F\u00e4lle wie dieser handeln bereits von Gewalt \u2013 und sie enden nicht bei den Juden. Der Hass richtet sich gegen Frauen<\/a>, Muslime, Gefl\u00fcchtete, \u00adLBTQI. Am Ende aller theoretischen Debatten stehen immer echte Menschen. Am Ende jeder Konferenz dar\u00fcber, was Antisemitismus ausmacht, steht ein potenzielles j\u00fcdisches Opfer. Angesichts einer Welle von Antisemitismus \u00fcber die Definition von Antisemitismus zu streiten ist, wie eine 10 Meter hohe Welle heranrollen zu sehen und dar\u00fcber zu streiten, was einen Tsunami ausmacht.<\/p>\n\n\n\n

Felix Klein versteht, wie absurd es ist, zu sagen: Es sind nur die Rechten. Die Rechten sind Deutsche, so wie die Nazis Deutsche waren. Klein versteht, dass die Deutschen nicht aufgeh\u00f6rt haben, Juden zu ermorden, weil sie irgendeine Art von Erleuchtung hatten. Sondern schlicht, weil sie den Krieg verloren haben. Um den Antisemitismus zu bek\u00e4mpfen, bevor er die Gesellschaft frisst, in der er und wir leben, muss Deutschland seinen moralischen Kompass korrigieren.<\/p>\n\n\n\n

Immerhin: Mehr und mehr Deutsche fahren nach Israel, sie wollen ein anderes Narrativ h\u00f6ren. Mehr und mehr Deutsche verstehen, dass Antisemitismus Schockwellen ausl\u00f6st, die die gesamte Gesellschaft betreffen. In einem normalen Universum w\u00fcrde Klein bef\u00f6rdert werden f\u00fcr seine Leistung. In einer verdrehten Gesellschaft fordern Menschen seine Entlassung. Um es mit Mbembe zu sagen: Das ist Nano-Nonsens.<\/p>\n\n\n\n

\u00dcbersetzung: Ariane Lemme<\/a><\/em><\/p>\n","post_title":"Felix Klein hat verstanden","post_excerpt":"","post_status":"publish","comment_status":"closed","ping_status":"closed","post_password":"","post_name":"felix-klein-hat-verstanden","to_ping":"","pinged":"","post_modified":"2025-02-02 08:39:39","post_modified_gmt":"2025-02-02 08:39:39","post_content_filtered":"","post_parent":0,"guid":"https:\/\/dctransparency.com\/?p=3786","menu_order":0,"post_type":"post","post_mime_type":"","comment_count":"0","filter":"raw"}],"next":false,"prev":true,"total_page":47},"paged":1,"column_class":"jeg_col_2o3","class":"epic_block_3"};

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Im Jahr 2019 stellte die UNO fest, dass die VAE durch den Versand von Wing Loong-Drohnen und Blue Arrow 7-Raketen nach Libyen gegen das seit 2011 geltende UN-Waffenembargo gegen das Land versto\u00dfen hatten.<\/p>\n\n\n\n

Die BBC fand auch ein Waffenregister, aus dem hervorgeht, dass die VAE 2017 15 Wing Loong-Drohnen und 350 Blue Arrow 7-Raketen gekauft haben.<\/p>\n\n\n\n

Was hat die BBC noch aufgedeckt?<\/strong><\/p>\n\n\n\n

<\/p>\n\n\n\n

Die BBC-Untersuchung ergab auch neue Beweise daf\u00fcr, dass \u00c4gypten den VAE erlaubt, \u00e4gyptische Milit\u00e4rflugpl\u00e4tze nahe der libyschen Grenze zu nutzen.<\/p>\n\n\n\n

Im Februar 2020 scheinen die in Libyen stationierten Wing Loong II-Drohnen \u00fcber die Grenze nach \u00c4gypten zu einem Luftwaffenst\u00fctzpunkt in der N\u00e4he von Siwa in der west\u00e4gyptischen W\u00fcste gebracht worden zu sein.<\/p>\n\n\n\n

Satellitenbilder zeigen auch, dass ein zweiter \u00e4gyptischer Milit\u00e4rflugplatz, Sidi Barrani, als Einsatzbasis f\u00fcr Mirage 2000-Kampfflugzeuge verwendet wurde, die in Farben lackiert sind, die nicht von der \u00e4gyptischen Luftwaffe verwendet werden, aber genau den von den VAE geflogenen Jets entsprechen .<\/p>\n\n\n\n

Dies ist das gleiche Flugzeugmodell, das von den Vereinten Nationen in einen Luftangriff auf ein Migrationszentrum \u00f6stlich von Tripolis im Juli 2019 verwickelt wurde, bei dem 53 Menschen get\u00f6tet wurden.<\/p>\n\n\n\n

Ausl\u00e4ndischer Jet bei libyschem Migrantenangriff verd\u00e4chtigt<\/p>\n\n\n\n

Sidi Barrani ist auch das Ziel f\u00fcr mehrere Frachtflugzeuge, die von den Vereinigten Arabischen Emiraten gestartet sind, und schl\u00e4gt eine Luftbr\u00fccke f\u00fcr Ausr\u00fcstung oder Lieferungen zwischen den Vereinigten Arabischen Emiraten und einer Milit\u00e4rbasis vor, die nur 80 km von der libyschen Grenze entfernt liegt.<\/p>\n\n\n\n

Die \u00e4gyptische Regierung antwortete nicht auf die Bitte der BBC um Stellungnahme.<\/p>\n\n\n\n

Ist ausl\u00e4ndisches milit\u00e4risches Engagement \u00fcberraschend?<\/strong><\/p>\n\n\n\n

Sowohl die Vereinigten Arabischen Emirate als auch \u00c4gypten nahmen an einer von Bundeskanzlerin Angela Merkel im Januar dieses Jahres in Berlin einberufenen Konferenz \u00fcber Libyen teil, auf der sie ihre Unterst\u00fctzung f\u00fcr den UN-Friedensprozess bekr\u00e4ftigten und sich bereit erkl\u00e4rten, nicht in den Libyen-Krieg einzugreifen.<\/p>\n\n\n\n

Im vergangenen Jahr gab es jedoch eine Eskalation des Einsatzes von Drohnen durch beide Seiten des Konflikts.<\/p>\n\n\n\n

Ghassan Salam\u00e9, der fr\u00fchere Leiter der UN-Mission in Libyen, beschrieb dies als \"m\u00f6glicherweise das gr\u00f6\u00dfte Drohnenkriegstheater der Welt\".<\/p>\n\n\n\n

Die VAE sind nicht die einzige ausl\u00e4ndische Macht, die an diesem Konflikt beteiligt ist.<\/p>\n\n\n\n

Anfang dieses Jahres gab BBC Africa Eye bekannt, dass die T\u00fcrkei auch gegen das Waffenembargo der Vereinten Nationen gegen Libyen versto\u00dfen hat, indem sie geheime Waffenlieferungen an die von den Vereinten Nationen anerkannte Regierung in Tripolis gesendet hat.<\/p>\n\n\n\n

Mit Unterst\u00fctzung der T\u00fcrkei hat die von den Vereinten Nationen anerkannte Regierung des Nationalen Abkommens nun die LNA von Gen Haftar aus der Gegend um Tripolis zur\u00fcckgeschlagen.<\/p>\n","post_title":"BBC-Untersuchung: VAE in t\u00f6dlichen Angriff in Libyen verwickelt","post_excerpt":"","post_status":"publish","comment_status":"closed","ping_status":"closed","post_password":"","post_name":"bbc-untersuchung-vae-in-todlichen-angriff-in-libyen-verwickelt","to_ping":"","pinged":"","post_modified":"2025-02-02 08:39:39","post_modified_gmt":"2025-02-02 08:39:39","post_content_filtered":"","post_parent":0,"guid":"https:\/\/dctransparency.com\/?p=3811","menu_order":0,"post_type":"post","post_mime_type":"","comment_count":"0","filter":"raw"},{"ID":3792,"post_author":"7","post_date":"2020-08-14 13:58:48","post_date_gmt":"2020-08-14 13:58:48","post_content":"\n

Die Hagia Sophia war (ist) ein kulturelles Weltwunder und aufgeladen mit symbolischer Bedeutung, f\u00fcr die Christenheit ebenso wie f\u00fcr den Islam \u2013 und den t\u00fcrkischen Nationalismus. Als Mehmed II. sie betrat, war sie schon fast 1000 Jahre die gr\u00f6\u00dfte Kirche der christlichen Welt und das Zentrum der orthodoxen Glaubensrichtung. Die \"Ayasofya\", wie sie dann hie\u00df, war 500 Jahre lang Moschee \u2013 bis 1934, als Kemal Pascha Atat\u00fcrk, der \"Vater\" der modernen T\u00fcrkei, sie in ein Museum verwandelte, in der ausdr\u00fccklichen Absicht, auch hier mit dem osmanischen Erbe zu brechen.<\/p>\n\n\n\n

Nun wird Pr\u00e4sident Recep Tayyip Erdo\u011fan, der \"Vater\" der re-islamisierten T\u00fcrkei, am 24. Juli dieses Jahres die Ayasofya durch das Freitagsgebet wieder in den Islam eingliedern. Oder eher in seinen pers\u00f6nlichen religi\u00f6sen Nationalismus.<\/p>\n\n\n\n

Welterbe von allen<\/h3>\n\n\n\n

Wie bedeutungsschwer ist dieser Akt eines \"starken Mannes\", der innenpolitisch deutlich schw\u00e4chelt? Die Proteste vor allem aus der orthodoxen Welt, aber auch aus Europa und den USA sind eher traurig als w\u00fctend. Der Papst dr\u00fcckte seinen \"Schmerz\" aus. Auch der Jubel in der islamischen Welt fiel zun\u00e4chst weniger \u00fcbersch\u00e4umend als erwartet aus.<\/p>\n\n\n\n

Ist es der Alleingang eines Autokraten in Bedr\u00e4ngnis oder ist \"der Jubel \u00fcber die Eroberung der Hagia Sophia der Versuch einer zutiefst erniedrigten, vom Gef\u00fchl der Wertlosigkeit dominierten und in ihrer eigenen Selbstberechtigung beraubten Gesellschaft, eine Bedeutung, eine St\u00e4rke, ein Selbstwertgef\u00fchl zu finden\"? So recht pauschalierend der in Deutschland lebende pal\u00e4stinensische Intellektuelle und Psychiater Ahmad Mansour.<\/p>\n\n\n\n

Die beiden Gro\u00dfreiche, das byzantinische und das osmanische, sind l\u00e4ngst versunken.<\/p><\/blockquote>\n\n\n\n

Das eigentliche Schl\u00fcsselwort im Zusammenhang mit der Hagia Sofia ist \"Welterbe\". Das Erbe von allen. Einmal im kulturellen Sinn der Unesco, aber in Wahrheit weiter gefasst. Das einzigartige Bauwerk geh\u00f6rt in Wirklichkeit der ganzen Welt, nicht der einen oder anderen Religion. Die beiden Gro\u00dfreiche, f\u00fcr die die Hagia Sofia der zentrale spirituelle Bau war, das byzantinische und das osmanische, sind l\u00e4ngst versunken. Seither hat sie eine neue, \u00fcbernationale Dimension erhalten. Was Erdo\u011fan da jetzt mit der Hagia Sofia macht, ist eine Verengung und Verarmung eines gemeinsamen Welterbes.<\/p>\n\n\n\n

\"\"\/
Betende Muslime vor der Hagia Sophia.<\/figcaption><\/figure>\n\n\n\n

Davon abgesehen aber war und ist sie ein architektonisches Meisterwerk und geh\u00f6rt zu den bedeutendsten Bauten der Welt. Wer heute den Zentralraum unter der Kuppel betritt, kann sich nur schwer dem zugleich majest\u00e4tischen wie schwebenden Gesamteindruck entziehen. Die Hagia Sophia blieb fast 1000 Jahre die gr\u00f6\u00dfte Kirche der Christenheit. Technisch war die Kuppel (mit mehreren Halbkuppeln) eine \u00fcberaus riskante Innovation: Die 55 Meter hohe und 32 Meter im Durchmesser breite Kuppel ruht auf nur vier Tragpunkten, was den schwebenden, schwerelosen Eindruck erzeugt. Die Konstruktion folgt einem mathematischen Prinzip, das erst k\u00fcrzlich entschl\u00fcsselt wurde.<\/p>\n\n\n\n

\"Salomo, ich habe dich \u00fcbertroffen!\"<\/p><\/blockquote>\n\n\n\n

Als Kaiser Justinian die Hagia Sophia nach nur f\u00fcnf Jahren Bauzeit (532\u2013537) betrat, soll er in Anspielung auf den Tempel in Jerusalem ausgerufen haben: \"Salomo, ich habe dich \u00fcbertroffen!\" Die Innenausstattung war mit ihren S\u00e4ulen aus Porphyr und gr\u00fcnem Marmor, mit Mosaiken aus Gold und Halbedelsteinen derart prunkvoll, der Gesamteindruck derart \u00fcberirdisch, dass eine Delegation des Gro\u00dff\u00fcrsten von Kiew nicht mehr wusste, \"ob wir im Himmel oder auf der Erde\" waren \u2013 was die Christianisierung Russlands bef\u00f6rderte.<\/p>\n\n\n\n

Der deutsche Architekturlehrer Holger Kleine nennt die Hagia Sophia \"absolute Architektur\", weil sie \"extreme Ausdrucksformen nahezu aller dramaturgischen Mittel, die der Architektur zur Verf\u00fcgung stehen, vereinigt: wuchtigste K\u00f6rper und luftigste R\u00e4ume, engste Enge und gr\u00f6\u00dfte Weite, w\u00e4rmende Helligkeit und mystisches Dunkel\". Und die Kuppelbauten aus der sp\u00e4teren Hochbl\u00fcte der Moscheenarchitektur im 16. und 17. Jahrhundert gehen eindeutig auf die Hagia Sophia zur\u00fcck.<\/p>\n\n\n\n

Die Hagia Sophia war Staatskirche des byzantinischen Reichs. F\u00fcr die Eroberer der letzte Schlussstein in der Kuppel osmanisch-muslimischen Herrschaftsanspruchs. Konstantinopel war ja 1453 nur noch eine isolierte, heruntergekommene Enklave in einem osmanischen Umfeld, kein christliches Heer kam zu Hilfe. Doch vorher war es zugleich Sperrriegel nach Osten und Geistesarchiv der antiken Kultur gewesen. \"Ohne Byzanz h\u00e4tte es kein Europa gegeben\", sagt die britische Altertumsforscherin Judith Herrin.<\/p>\n\n\n\n

\"\"\/
Freigelegtes Mosaik von \"Christos Pantokrator\".<\/figcaption><\/figure>\n\n\n\n

Neue Fragen<\/h3>\n\n\n\n

Die Kirche wurde von Mehmed II. und Nachfolgern nicht in der Substanz zerst\u00f6rt, sondern \"entchristlicht\". Die urspr\u00fcnglich \u00fcbert\u00fcnchten oder auch abgeschlagenen Mosaiken mit den Darstellungen von Christus, der Muttergottes, diversen Kaisern kamen zum Teil schon unter einem Sultan des 19. Jahrhunderts, dann gro\u00dfteils nach der Museumswidmung wieder zum Vorschein.<\/p>\n\n\n\n

Jetzt stellen sich neue symbolisch-praktische Fragen. Erdo\u011fan hat die Hagia Sophia der konservativen staatlichen Religionsbeh\u00f6rde Diyanet unterstellt. Die byzantinischen Mosaike, wie der gro\u00dfartige \"Christos Pantokrator\" (\"Weltenherrscher\") oder die Jungfrau Maria in der Apsis, m\u00fcssen wohl w\u00e4hrend des islamischen Gottesdiensts verh\u00e4ngt werden. Muss der Boden mit seinen Marmorplatten und Mosaiken mit einem Teppich bedeckt werden? Erdo\u011fan sagt, Touristen seien nach wie vor zugelassen. Aber sie werden wohl hinter Absperrungen bleiben m\u00fcssen. Frauen werden \u2013 wie in der benachbarten \"Blauen Moschee\" (\"Sultanahmed\") Kopftuch tragen m\u00fcssen.<\/p>\n\n\n\n

\"\"\/
Erdo\u011fan mit Gattin in der Hagia Sophia.<\/figcaption><\/figure>\n\n\n\n

Erdo\u011fans neue Abenteuer<\/strong><\/h3>\n\n\n\n

Aber wird da nicht doch zu viel in einen Formalakt rund um ein uraltes Bauwerk hineininterpretiert? Im geschichtlichen Kontext relativiert sich manches: Konstantinopel wurde schon von Christen erobert und ausgepl\u00fcndert \u2013 1204 im Vierten Kreuzzug. In der Moschee von Cordoba (\"Mezquita\") bauten die Katholiken eine ganze Kirche in den ber\u00fchmten S\u00e4ulenwald hinein. Die Mezquita ist heute noch Kirche, kein Museum.<\/p>\n\n\n\n

\"Das ist der Beweis, dass wir kein s\u00e4kularer Staat mehr sein wollen\", sagt Nobelpreistr\u00e4ger Orhan Pamuk. Erdo\u011fan betrachtet sich offenbar als auch neoosmanischer \"Fatih\" im Mittelmeerraum mit immer neuen Abenteuern: Eingreifen in Syrien, Stellvertreterkrieg in Libyen, Anspr\u00fcche auf Erdgasvorkommen weit vor der t\u00fcrkischen K\u00fcste bei Zypern, Reden, wonach manche \u00c4g\u00e4is-Inseln eigentlich zur T\u00fcrkei geh\u00f6ren, \"denn dort stehen unsere Moscheen\". Manches davon ist nur Rhetorik, aber genug anderes ist riskante Realit\u00e4t. (Hans Rauscher, 14.7.2020)<\/p>\n\n\n\n

Quelle<\/a><\/strong><\/p>\n","post_title":"Hagia Sophia: Verengung und Verarmung eines Welterbes","post_excerpt":"","post_status":"publish","comment_status":"closed","ping_status":"closed","post_password":"","post_name":"hagia-sophia-verengung-und-verarmung-eines-welterbes","to_ping":"","pinged":"","post_modified":"2025-02-02 08:39:39","post_modified_gmt":"2025-02-02 08:39:39","post_content_filtered":"","post_parent":0,"guid":"https:\/\/dctransparency.com\/?p=3792","menu_order":0,"post_type":"post","post_mime_type":"","comment_count":"0","filter":"raw"},{"ID":3789,"post_author":"7","post_date":"2020-08-14 13:56:07","post_date_gmt":"2020-08-14 13:56:07","post_content":"\n

Im Gastkommentar pocht Mark Leonard, Direktor des Europ\u00e4ischen Rats f\u00fcr Ausw\u00e4rtige Beziehungen, auf \"neue, einvernehmlich vereinbarte Prinzipien sowie klare Grenzen\", nur so k\u00f6nne eine weitere Destabilisierung in der Region verhindert werden.<\/em><\/strong><\/p>\n\n\n\n

Ist die T\u00fcrkei das neue Russland? Diese Frage wird in den europ\u00e4ischen Hauptst\u00e4dten zunehmend gestellt, da die Au\u00dfenpolitik des t\u00fcrkischen Pr\u00e4sidenten Recep Tayyip Erdo\u011fan zunehmend aggressiver wird. Erdo\u011fan nutzt nicht nur die Migration, um die EU zu bedrohen und zu betr\u00fcgen, sondern setzt auch milit\u00e4rische Macht ein, um den Einflussbereich der T\u00fcrkei auf die gesamte Region auszudehnen.<\/p>\n\n\n\n

Seit dem Ende des Kalten Krieges haben die Europ\u00e4er die regionale Sicherheit durch eine unipolare westliche Linse betrachtet. W\u00e4hrend die Nato die milit\u00e4rische Sicherheit garantierte, sorgte die EU mit ihrem 80.000 Seiten starken Regelwerk f\u00fcr alles von LGBTQ-Rechten bis hin zu Rasenm\u00e4her-Sound-Verordnungen f\u00fcr Rechtsordnung. In den 90er-Jahren ging man allgemein davon aus, dass die beiden gro\u00dfen nichtwestlichen regionalen Akteure, Russland und die T\u00fcrkei, nach und nach an diese Regelungen herangef\u00fchrt werden w\u00fcrden.<\/p>\n\n\n\n

Qu\u00e4lende Hassliebe<\/h3>\n\n\n\n

Doch in den letzten 15 Jahren ist der Traum von der europ\u00e4ischen Unipolarit\u00e4t einer multipolaren Realit\u00e4t gewichen. Sowohl Russland als auch die T\u00fcrkei haben eine lange, qu\u00e4lende Hassliebe zu Europa, und beide sind unter nationalen Machthabern, denen die Verachtung der Normen und Werte der EU gemeinsam ist, durchsetzungsf\u00e4higer geworden.<\/p>\n\n\n\n

Die zunehmende Verschlechterung der Beziehungen zwischen der EU und Russland ist gut dokumentiert, der Fall der T\u00fcrkei weniger. Der Irakkrieg im Jahr 2003 komplizierte das Verh\u00e4ltnis der T\u00fcrkei zur Nato, und ihr Verh\u00e4ltnis zur EU verschlechterte sich 2007, als Frankreich einen wichtigen Teil ihrer EU-Beitrittsverhandlungen blockierte. Seitdem hat die T\u00fcrkei ihren eigenen Weg in Syrien, auf dem Balkan und in Libyen eingeschlagen und neue Beziehungen zu Russland und China aufgebaut.<\/p>\n\n\n\n

Wichtiger Akteur<\/strong><\/h3>\n\n\n\n

Nat\u00fcrlich sind die Beziehungen zwischen der T\u00fcrkei und Russland nicht weniger kompliziert, nicht zuletzt weil Erdo\u011fan und der russische Pr\u00e4sident Wladimir Putin im syrischen B\u00fcrgerkrieg verschiedene Seiten unterst\u00fctzten.Und w\u00e4hrend die Spannungen wegen des Syrien-Konflikts weiterhin bestehen, bewundert Erdo\u011fan deutlich, wie Russland sich \u2013 bei relativ geringen Kosten \u2013 wieder als wichtiger Akteur im Nahen Osten und in Nordafrika etabliert hat.<\/p>\n\n\n\n

Nachdem er in einen nicht zu gewinnenden Krieg im Osten der Ukraine verwickelt war, schien Putins weitgehend erfolgreicher Feldzug in Syrien einen Teil seiner innenpolitischen Autorit\u00e4t wiederherzustellen. Der Westen hatte f\u00fcnf Jahre lang darauf bestanden, dass es keine milit\u00e4rische L\u00f6sung des Konflikts gebe und dass der syrische Pr\u00e4sident Baschar al-Assad gehen m\u00fcsse. Doch w\u00e4hrend die von den Vereinten Nationen unterst\u00fctzten Gespr\u00e4che in Genf zu keinem Ergebnis f\u00fchrten, schienen die von Russland geleiteten Gespr\u00e4che in Astana voranzukommen. Indem der Kreml die T\u00fcrkei und den Iran einbezog, w\u00e4hrend er die westlichen M\u00e4chte ausschloss, erweckte er den Eindruck, dass Russland als wiedergeborene Supermacht aus der Asche auferstanden sei.<\/p>\n\n\n\n

Unter Druck<\/h3>\n\n\n\n

Angesichts des wachsenden Widerstands im eigenen Land macht es Erdo\u011fan Putin gleich. Da der Westen nicht bereit war, (erneut) milit\u00e4risch in Libyen zu intervenieren, sah Erdo\u011fan eine Gelegenheit, die T\u00fcrkei zu positionieren. Nach dem Vorgehen Russlands in Syrien sicherte er sich eine formelle Einladung der libyschen Regierung zur Intervention. Mit einem Schlag Ende letzten Jahres hat er nicht nur das Image der T\u00fcrkei als Regionalmacht gest\u00e4rkt, sondern auch ein Abkommen mit Libyen \u00fcber die Seegrenze abgeschlossen und damit einen Plan Griechenlands, Zyperns, \u00c4gyptens und Israels zur Erschlie\u00dfung von Unterwasser\u00f6l- und -gasfeldern in der N\u00e4he zunichtegemacht.<\/p>\n\n\n\n

Erdo\u011fan scheint auch von der Spalt-und-Eroberungs-Strategie des Kreml in Europa inspiriert worden zu sein, der zufolge oft diejenigen EU-Mitgliedsstaaten unter Druck gesetzt werden, die am meisten von russischen Kohlenwasserstoffen oder M\u00e4rkten abh\u00e4ngig sind. So wie Putin lange Zeit die Energieversorgung instrumentalisiert hat, hat Erdo\u011fan versucht, den Strom von Migranten und Fl\u00fcchtlingen, die vor Konflikten im Nahen Osten fliehen, zu instrumentalisieren. Als die EU eine neue Marinemission ank\u00fcndigte, um den Waffenstrom nach Libyen zu blockieren, malte die T\u00fcrkei f\u00fcr Malta das Schreckgespenst der angeblichen Bedrohung durch Migranten an die Wand. Malta reagierte prompt und signalisierte, dass es gegen die Finanzierung der Mission ein Veto einlegen werde.<\/p>\n\n\n\n

Verlorener Sohn<\/strong><\/h3>\n\n\n\n

Jahrelang redeten sich die Europ\u00e4er ein, dass Russland eine Art verlorener Sohn sei und dass die europ\u00e4ische unipolare Ordnung gesund bleibe. Doch das machte Europa zu einem leichten Ziel f\u00fcr die Trennungs-und-Eroberungs-Strategie des Kreml. Erst vor relativ kurzer Zeit entwarf die Union eine neue Politik und ein robustes Sanktionsregime, um die russische Aggression abzuschrecken. Und selbst jetzt \u2013 trotz der besten Bem\u00fchungen der deutschen Bundeskanzlerin Angela Merkel und des franz\u00f6sischen Pr\u00e4sidenten Emmanuel Macron \u2013 hat die EU noch immer keine wirksamen Kommunikationskan\u00e4le mit Russland geschaffen, um gemeinsame Probleme anzugehen.<\/p>\n\n\n\n

Die T\u00fcrkei ist noch kein neues Russland, aber sie k\u00f6nnte dazu werden, wenn die Situation falsch gehandhabt wird. Vorerst betrachten die meisten Europ\u00e4er die T\u00fcrkei noch immer als einen komplizierten Partner und nicht als \"Systemrivalen\". Aber die Europ\u00e4er sollten die hart erk\u00e4mpften Lehren aus dem Umgang mit Russland in den letzten 15 Jahren beherzigen. Die Beziehungen zwischen der EU und der T\u00fcrkei brauchen neue, einvernehmlich vereinbarte Prinzipien sowie klare Grenzen, um eine weitere Destabilisierung in der Region zu verhindern.<\/p>\n\n\n\n

Zu diesem Zweck sollten die Europ\u00e4er klarstellen, dass der EU-Beitrittsprozess entweder zur\u00fcckgedreht oder vorangetrieben werden kann und dass eine eher transaktionale Beziehung sowohl Zuckerbrot als auch Peitsche beinhaltet. Die Herausforderung wird darin bestehen, daf\u00fcr zu sorgen, dass es in einer Region, die nicht nur von Europa und der T\u00fcrkei, sondern auch von Russland, den USA und einem aufstrebenden China beeinflusst wird, noch Raum f\u00fcr politisches Engagement in Fragen der gemeinsamen Sicherheit gibt. (Mark Leonard, \u00dcbersetzung: Eva G\u00f6llner, Copyright: Project Syndicate, 10.8.2020)<\/p>\n\n\n\n

Mark Leonard <\/strong>ist Direktor des Europ\u00e4ischen Rats f\u00fcr Ausw\u00e4rtige Beziehungen.<\/a><\/p>\n","post_title":"Erdo\u011fan \u2013 der andere Putin vor der Haust\u00fcr Europas","post_excerpt":"","post_status":"publish","comment_status":"closed","ping_status":"closed","post_password":"","post_name":"erdogan-der-andere-putin-vor-der-haustur-europas","to_ping":"","pinged":"","post_modified":"2025-02-02 08:39:39","post_modified_gmt":"2025-02-02 08:39:39","post_content_filtered":"","post_parent":0,"guid":"https:\/\/dctransparency.com\/?p=3789","menu_order":0,"post_type":"post","post_mime_type":"","comment_count":"0","filter":"raw"},{"ID":3786,"post_author":"7","post_date":"2020-08-14 13:51:23","post_date_gmt":"2020-08-14 13:51:23","post_content":"\n

Einen Monat nachdem ich zur israelischen Armee eingezogen worden war, brach die erste Intifada aus. Statt Soldat zu sein, machte ich Polizeiarbeit, sagte den Menschen, wann sie zur Arbeit gehen konnten und wann sie ihre L\u00e4den schlie\u00dfen mussten, wann sie die Grenze passieren und wann sie schlafen konnten. Einen Monat nachdem ich aus der Armee entlassen worden war, ging ich auf Reisen. (In Israel sagen wir: Wir dienen drei Jahre und versuchen den Rest unseres Lebens, diese drei Jahre zu vergessen.) Auf meiner Reise begann ich Briefe an meine Freundin zu schreiben, die ich in Israel zur\u00fcckgelassen hatte.<\/p>\n\n\n\n

Ich schrieb ihr, wie schrecklich depressiv ich war und dass diese drei Jahre des Anweisungenbellens und Anderen-Menschen-Sagens, was sie zu tun haben, mich f\u00fcr immer verfolgen w\u00fcrden. Dass sie ein Teil dessen geworden waren, was ich bin. Ich erinnere mich, dass ich ihr schrieb, dass wir da rausm\u00fcssen \u2013 nicht nur f\u00fcr die Pal\u00e4stinenser, sondern wegen der furchtbaren und brutalen Auswirkungen, die all das auf uns, auf die israelische Gesellschaft haben w\u00fcrde. Sie schrieb zur\u00fcck: \u201eDu hast recht. Ich habe einen neuen Freund.\u201c<\/p>\n\n\n\n

Felix Klein wurde als Beauftragter der Bundesregierung berufen<\/a>, um die Auswirkungen des zunehmenden Antisemitismus in unserer Gesellschaft, in Deutschland, zu bek\u00e4mpfen. Was nicht in seiner Jobbeschreibung steht, ist, dass er dabei unsere Gesellschaft heilen muss, jene Gesellschaft, die diese Form des Hasses reproduziert und sch\u00fctzt. Klein hat das begriffen.<\/p>\n\n\n\n

Er versteht, dass man Krebs nicht mit einem Pflaster verarztet, er wei\u00df, dass er das Bewusstsein der Deutschen sch\u00e4rfen und Diskussionen ansto\u00dfen muss. Er hat begriffen, dass das Problem nicht nur an den R\u00e4ndern der Gesellschaft (bei den Rechten) liegt, sondern auch in ihrer Mitte. Dort, wo gebildete Menschen nicht einmal bemerken, dass das, was sie sagen und tun, antisemitisch ist. So wie sie es auch nicht merken, wenn sie rassistisch handeln. Er hat all das verstanden, und genau deshalb wollen einige, dass er seinen Posten r\u00e4umt.<\/p>\n\n\n\n

Mehr als 60 deutsche und israelische Intellektuelle haben letzte Woche in einem Brief an Kanzlerin Merkel<\/a> dar\u00fcber geklagt, dass der aktuelle \u201eGebrauch des Antisemitismusbegriffs\u201c darauf abziele, \u201elegitime Kritik an der israelischen Regierungspolitik zu unterdr\u00fccken\u201c, und Klein vorgeworfen, rechtspopulistische israelische Stimmen zu f\u00f6rdern.<\/p>\n\n\n\n

Faszinierend an diesem offenen Brief ist, dass viele der Unterzeichneten keine Deutschen sind und auch nicht in Deutschland leben. Ich wei\u00df nicht, woher sie \u2013 die meisten von ihnen sind Israelis \u2013 die Chuzpe haben, sich in eine innerdeutsche Angelegenheit einzumischen und zu fordern, eine Person zu entlassen, die von der Bundesregierung eingesetzt wurde. Die H\u00e4lfte der Unterzeichneten lebt nicht hier, von der anderen H\u00e4lfte sind viele keine Juden \u2013 somit sind die allermeisten von ihnen nicht direkt vom Antisemitismus in Deutschland betroffen. Wie also k\u00f6nnen sie diesen Brief unterschreiben? Und warum eigentlich haben so wenige Deutsche unterschrieben? Dazu komme ich gleich.<\/p>\n\n\n\n

Debatte um Achille Mbembe<\/h6>\n\n\n\n

Hintergrund des Briefs war, dass Felix Klein gefordert hatte, den Philosophen Achille Mbembe<\/a> nicht die Er\u00f6ffnungsrede der Ruhrtriennale halten zu lassen. Als mit \u00f6ffentlichen Mitteln gef\u00f6rdertes Event solle die Ruhrtriennale Mbembe wegen seiner Haltung zu Israels Existenzrecht, seiner Haltung zu BDS und der Art, wie er in einem seiner Werke den Holocaust relativiert, nicht einladen.<\/p>\n\n\n\n

Mbembes Unterst\u00fctzer sagen, keine dieser Anschuldigungen sei wahr. F\u00fcrs Protokoll: In meinen Augen unterst\u00fctzt Mbembe sehr wohl BDS<\/a>, er schrieb unter anderem das Vorwort zu \u201eApartheid Israel\u201c und fordert die komplette Isolation Israels. Ich glaube auch, wenn Mbembe schreibt, die israelische Besetzung sei der \u201egr\u00f6\u00dfte moralische Skandal unserer Zeit\u201c, zeigt das, dass sein moralischer und geografischer Kompass etwas schief ist.<\/p>\n\n\n\n

Doch warum treibt die Debatte so viele Menschen um? Nun, zun\u00e4chst gibt niemand gern auf, was ihm oder ihr selbstverst\u00e4ndlich scheint. \u00dcber den gesamten politischen, sozialen, kulturellen, medialen und akademischen Sektor hinweg sind Menschen daran gew\u00f6hnt, so schlecht \u00fcber Israel sprechen zu k\u00f6nnen, wie auch immer sie wollen.<\/p>\n\n\n\n

Der Spiegel<\/em> hat \u2013 vielleicht in Anlehnung an seine Relotius-Standards, Israel erst k\u00fcrzlich eine Corona-Diktatur genannt. Fakten und Belege f\u00fcr diese Behauptung gab es nicht. Doch Millionen Deutsche haben es gelesen, und es wird nat\u00fcrlich haften bleiben. Faktenlage hin oder her. Der Spiegel<\/em> und andere Medien haben dieses Spiel perfektioniert: Titel so zu drehen, dass sie Israel indirekt anklagen, die Idee zu streuen, der Mossad kon\u00adtrol\u00adliere die deutsche Au\u00dfenpolitik im Nahen Osten, und so fort. Doch sie stehen allesamt sofort auf den Hinterbeinen, wenn jemand es wagt, das Spiel beim Namen zu nennen: moderner Antisemitismus.<\/p>\n\n\n\n

Klein will dem entgegenwirken. Er versteht, dass antisemitische Attacken in Deutschland die Fr\u00fcchte solch falsch gezeichneter Bilder und eindimensionaler Narrative \u00fcber Israel sind. Wenn er und andere versuchen, ein anderes Narrativ aufzuzeigen, wirft man ihnen Zensur vor: Wie k\u00f6nnen sie es wagen, das Gesch\u00e4ft der Anti-Israel-Propaganda zu st\u00f6ren?<\/p>\n\n\n\n

Liebe Deutsche, wenn ihr reden wollt, lasst uns gern reden: \u00fcber die Besetzung, \u00fcber Bibi und alles, was schiefl\u00e4uft. Aber dann lasst uns bitte auch dar\u00fcber reden, wie deutsche Steuergelder Terrortunnel finanzieren. Erst vergangene Woche r\u00e4umte die niederl\u00e4ndische Regierung ein, dass Gelder an eine Landwirtschaftsorganisation in Ramallah geflossen seien, die damit teilweise die Geh\u00e4lter zweier des Mordes an der 17-j\u00e4hrigen Israelin Rina Shnerb Verd\u00e4chtiger gezahlt haben. Auch die Bundesregierung unterst\u00fctzt diese Organisation, obwohl Kritiker schon lange vor Verbindungen zu Terroristen warnen.<\/p>\n\n\n\n

Wir k\u00f6nnen uns also gerne unterhalten \u2013 aber im Dialog, nicht in Monologen. Denn Reden unter Menschen, die sich einig sind, ist nichts anderes als Impotenz.<\/p>\n\n\n\n

Israelkritik als Eintrittskarte<\/h6>\n\n\n\n

Die Israelis, die die Petition unterzeichnet haben, haben \u00fcbrigens ebenfalls etwas verstanden. Seit Jahren wissen sie: Es ist ihre Eintrittskarte in die Mitte der deutschen (und europ\u00e4ischen) Gesellschaft. Man h\u00f6rt nicht oft von Akademikern mit proisraelischen Ansichten. Weder in den Philharmonie-Orchestern noch in der Kunstszene. Die Eintrittskarte daf\u00fcr ist ein antiisraelischer Standpunkt.<\/p>\n\n\n\n

Der mutma\u00dfliche Grund, warum kaum Deutsche die Petition unterzeichnet haben: Sie mussten es nicht. Ihre Lieblingsjuden haben es f\u00fcr sie getan. Jetzt k\u00f6nnen sie sagen: \u201eSchau, ich bin das ja nicht, meine j\u00fcdischen Freunde sagen es.\u201c Ich selbst war einige Jahre lang mit einem Paar hier in Berlin befreundet, bis ich herausfand, dass ich ihr Lieblingsjude war. Ja, selbst das j\u00fcdische Museum wurde so genutzt.<\/p>\n\n\n\n

Weil Attacken gegen Juden ein absolutes Tabu sind, wurden Umwege gefunden, um den Antisemitismus auf kleiner Flamme k\u00f6cheln zu lassen: die unfundierte, unbegr\u00fcndete Kritik an Israel.<\/p>\n\n\n\n

Diese Art der Kritik ist gef\u00e4hrlich. Sie schw\u00e4cht jede begr\u00fcndete und notwendige Kritik am Verhalten Israels. Und das Interessante ist: Trotz all der heftigen, pauschalisierenden Anklagen, all der offenen Briefe driftet Israel politisch immer weiter nach rechts. Doch statt mal einen anderen Ansatz zu versuchen, werden die antiisraelischen Stimmen nur lauter. Dasselbe versuchen und andere Ergebnisse davon erwarten \u2013 das ist die Definition von Wahnsinn.<\/p>\n\n\n\n

Kurz bevor der Prozess gegen den wegen des Attentats von Halle<\/a> Angeklagten begann \u2013 des seit Kriegsende schlimmsten Akts von Antisemitismus in Deutschland \u2013, lud eine Lokalzeitung den fr\u00fcheren Botschafter Shimon Stein und den Historiker Moshe Zimmermann ein, dar\u00fcber zu schreiben, was Antisemitismus ist. Nat\u00fcrlich wendeten auch sie sich gegen Felix Kleins Ansatz. Sie zitieren die Kontroverse um die Umbenennung der U-Bahn-Station Mohrenstra\u00dfe in Glinkastra\u00dfe, die sich darum drehte, dass der russische Komponist Michael Glinka Antisemit gewesen sein soll. Stein und Zimmermann halten die Debatte f\u00fcr \u00fcberzogen, Glinka sei nur ein Kind seiner Zeit gewesen. Folgt man ihrer Logik, k\u00f6nnen wir dann also in 20 oder 30 Jahren U-Bahn-Stationen nach den Kindern der 1930er Jahre benennen?<\/p>\n\n\n\n

Der Antisemit als Tierfreund<\/h6>\n\n\n\n

Ich w\u00fcnschte, die Sache h\u00e4tte mit dem Artikel, mit der Petition geendet. Doch dann erschien ein Artikel, der den Leser auf einen Waldspaziergang mit einem veganen Koch und Antisemiten mitnahm. Darin setzt der Tierfreund erst behutsam einen K\u00e4fer wieder auf seine Beinchen und erkl\u00e4rt dann, dass die Todesstrafe in Deutschland wieder eingef\u00fchrt werden solle, um einen gewissen Politiker (der zuf\u00e4llig pro Israel ist) an seinen Hoden aufh\u00e4ngen zu k\u00f6nnen. Dieser Koch hat Hunderttausende Follower, er sagt all solche Dinge am helllichten Tag in Berlin. Und in den Medien.<\/p>\n\n\n\n

F\u00e4lle wie dieser handeln bereits von Gewalt \u2013 und sie enden nicht bei den Juden. Der Hass richtet sich gegen Frauen<\/a>, Muslime, Gefl\u00fcchtete, \u00adLBTQI. Am Ende aller theoretischen Debatten stehen immer echte Menschen. Am Ende jeder Konferenz dar\u00fcber, was Antisemitismus ausmacht, steht ein potenzielles j\u00fcdisches Opfer. Angesichts einer Welle von Antisemitismus \u00fcber die Definition von Antisemitismus zu streiten ist, wie eine 10 Meter hohe Welle heranrollen zu sehen und dar\u00fcber zu streiten, was einen Tsunami ausmacht.<\/p>\n\n\n\n

Felix Klein versteht, wie absurd es ist, zu sagen: Es sind nur die Rechten. Die Rechten sind Deutsche, so wie die Nazis Deutsche waren. Klein versteht, dass die Deutschen nicht aufgeh\u00f6rt haben, Juden zu ermorden, weil sie irgendeine Art von Erleuchtung hatten. Sondern schlicht, weil sie den Krieg verloren haben. Um den Antisemitismus zu bek\u00e4mpfen, bevor er die Gesellschaft frisst, in der er und wir leben, muss Deutschland seinen moralischen Kompass korrigieren.<\/p>\n\n\n\n

Immerhin: Mehr und mehr Deutsche fahren nach Israel, sie wollen ein anderes Narrativ h\u00f6ren. Mehr und mehr Deutsche verstehen, dass Antisemitismus Schockwellen ausl\u00f6st, die die gesamte Gesellschaft betreffen. In einem normalen Universum w\u00fcrde Klein bef\u00f6rdert werden f\u00fcr seine Leistung. In einer verdrehten Gesellschaft fordern Menschen seine Entlassung. Um es mit Mbembe zu sagen: Das ist Nano-Nonsens.<\/p>\n\n\n\n

\u00dcbersetzung: Ariane Lemme<\/a><\/em><\/p>\n","post_title":"Felix Klein hat verstanden","post_excerpt":"","post_status":"publish","comment_status":"closed","ping_status":"closed","post_password":"","post_name":"felix-klein-hat-verstanden","to_ping":"","pinged":"","post_modified":"2025-02-02 08:39:39","post_modified_gmt":"2025-02-02 08:39:39","post_content_filtered":"","post_parent":0,"guid":"https:\/\/dctransparency.com\/?p=3786","menu_order":0,"post_type":"post","post_mime_type":"","comment_count":"0","filter":"raw"}],"next":false,"prev":true,"total_page":47},"paged":1,"column_class":"jeg_col_2o3","class":"epic_block_3"};

\n

Sowohl die BBC als auch die UN haben Beweise daf\u00fcr gefunden, dass Drohnen, die von diesem Luftwaffenst\u00fctzpunkt aus operieren, zu den Vereinigten Arabischen Emiraten geh\u00f6ren.<\/p>\n\n\n\n

Im Jahr 2019 stellte die UNO fest, dass die VAE durch den Versand von Wing Loong-Drohnen und Blue Arrow 7-Raketen nach Libyen gegen das seit 2011 geltende UN-Waffenembargo gegen das Land versto\u00dfen hatten.<\/p>\n\n\n\n

Die BBC fand auch ein Waffenregister, aus dem hervorgeht, dass die VAE 2017 15 Wing Loong-Drohnen und 350 Blue Arrow 7-Raketen gekauft haben.<\/p>\n\n\n\n

Was hat die BBC noch aufgedeckt?<\/strong><\/p>\n\n\n\n

<\/p>\n\n\n\n

Die BBC-Untersuchung ergab auch neue Beweise daf\u00fcr, dass \u00c4gypten den VAE erlaubt, \u00e4gyptische Milit\u00e4rflugpl\u00e4tze nahe der libyschen Grenze zu nutzen.<\/p>\n\n\n\n

Im Februar 2020 scheinen die in Libyen stationierten Wing Loong II-Drohnen \u00fcber die Grenze nach \u00c4gypten zu einem Luftwaffenst\u00fctzpunkt in der N\u00e4he von Siwa in der west\u00e4gyptischen W\u00fcste gebracht worden zu sein.<\/p>\n\n\n\n

Satellitenbilder zeigen auch, dass ein zweiter \u00e4gyptischer Milit\u00e4rflugplatz, Sidi Barrani, als Einsatzbasis f\u00fcr Mirage 2000-Kampfflugzeuge verwendet wurde, die in Farben lackiert sind, die nicht von der \u00e4gyptischen Luftwaffe verwendet werden, aber genau den von den VAE geflogenen Jets entsprechen .<\/p>\n\n\n\n

Dies ist das gleiche Flugzeugmodell, das von den Vereinten Nationen in einen Luftangriff auf ein Migrationszentrum \u00f6stlich von Tripolis im Juli 2019 verwickelt wurde, bei dem 53 Menschen get\u00f6tet wurden.<\/p>\n\n\n\n

Ausl\u00e4ndischer Jet bei libyschem Migrantenangriff verd\u00e4chtigt<\/p>\n\n\n\n

Sidi Barrani ist auch das Ziel f\u00fcr mehrere Frachtflugzeuge, die von den Vereinigten Arabischen Emiraten gestartet sind, und schl\u00e4gt eine Luftbr\u00fccke f\u00fcr Ausr\u00fcstung oder Lieferungen zwischen den Vereinigten Arabischen Emiraten und einer Milit\u00e4rbasis vor, die nur 80 km von der libyschen Grenze entfernt liegt.<\/p>\n\n\n\n

Die \u00e4gyptische Regierung antwortete nicht auf die Bitte der BBC um Stellungnahme.<\/p>\n\n\n\n

Ist ausl\u00e4ndisches milit\u00e4risches Engagement \u00fcberraschend?<\/strong><\/p>\n\n\n\n

Sowohl die Vereinigten Arabischen Emirate als auch \u00c4gypten nahmen an einer von Bundeskanzlerin Angela Merkel im Januar dieses Jahres in Berlin einberufenen Konferenz \u00fcber Libyen teil, auf der sie ihre Unterst\u00fctzung f\u00fcr den UN-Friedensprozess bekr\u00e4ftigten und sich bereit erkl\u00e4rten, nicht in den Libyen-Krieg einzugreifen.<\/p>\n\n\n\n

Im vergangenen Jahr gab es jedoch eine Eskalation des Einsatzes von Drohnen durch beide Seiten des Konflikts.<\/p>\n\n\n\n

Ghassan Salam\u00e9, der fr\u00fchere Leiter der UN-Mission in Libyen, beschrieb dies als \"m\u00f6glicherweise das gr\u00f6\u00dfte Drohnenkriegstheater der Welt\".<\/p>\n\n\n\n

Die VAE sind nicht die einzige ausl\u00e4ndische Macht, die an diesem Konflikt beteiligt ist.<\/p>\n\n\n\n

Anfang dieses Jahres gab BBC Africa Eye bekannt, dass die T\u00fcrkei auch gegen das Waffenembargo der Vereinten Nationen gegen Libyen versto\u00dfen hat, indem sie geheime Waffenlieferungen an die von den Vereinten Nationen anerkannte Regierung in Tripolis gesendet hat.<\/p>\n\n\n\n

Mit Unterst\u00fctzung der T\u00fcrkei hat die von den Vereinten Nationen anerkannte Regierung des Nationalen Abkommens nun die LNA von Gen Haftar aus der Gegend um Tripolis zur\u00fcckgeschlagen.<\/p>\n","post_title":"BBC-Untersuchung: VAE in t\u00f6dlichen Angriff in Libyen verwickelt","post_excerpt":"","post_status":"publish","comment_status":"closed","ping_status":"closed","post_password":"","post_name":"bbc-untersuchung-vae-in-todlichen-angriff-in-libyen-verwickelt","to_ping":"","pinged":"","post_modified":"2025-02-02 08:39:39","post_modified_gmt":"2025-02-02 08:39:39","post_content_filtered":"","post_parent":0,"guid":"https:\/\/dctransparency.com\/?p=3811","menu_order":0,"post_type":"post","post_mime_type":"","comment_count":"0","filter":"raw"},{"ID":3792,"post_author":"7","post_date":"2020-08-14 13:58:48","post_date_gmt":"2020-08-14 13:58:48","post_content":"\n

Die Hagia Sophia war (ist) ein kulturelles Weltwunder und aufgeladen mit symbolischer Bedeutung, f\u00fcr die Christenheit ebenso wie f\u00fcr den Islam \u2013 und den t\u00fcrkischen Nationalismus. Als Mehmed II. sie betrat, war sie schon fast 1000 Jahre die gr\u00f6\u00dfte Kirche der christlichen Welt und das Zentrum der orthodoxen Glaubensrichtung. Die \"Ayasofya\", wie sie dann hie\u00df, war 500 Jahre lang Moschee \u2013 bis 1934, als Kemal Pascha Atat\u00fcrk, der \"Vater\" der modernen T\u00fcrkei, sie in ein Museum verwandelte, in der ausdr\u00fccklichen Absicht, auch hier mit dem osmanischen Erbe zu brechen.<\/p>\n\n\n\n

Nun wird Pr\u00e4sident Recep Tayyip Erdo\u011fan, der \"Vater\" der re-islamisierten T\u00fcrkei, am 24. Juli dieses Jahres die Ayasofya durch das Freitagsgebet wieder in den Islam eingliedern. Oder eher in seinen pers\u00f6nlichen religi\u00f6sen Nationalismus.<\/p>\n\n\n\n

Welterbe von allen<\/h3>\n\n\n\n

Wie bedeutungsschwer ist dieser Akt eines \"starken Mannes\", der innenpolitisch deutlich schw\u00e4chelt? Die Proteste vor allem aus der orthodoxen Welt, aber auch aus Europa und den USA sind eher traurig als w\u00fctend. Der Papst dr\u00fcckte seinen \"Schmerz\" aus. Auch der Jubel in der islamischen Welt fiel zun\u00e4chst weniger \u00fcbersch\u00e4umend als erwartet aus.<\/p>\n\n\n\n

Ist es der Alleingang eines Autokraten in Bedr\u00e4ngnis oder ist \"der Jubel \u00fcber die Eroberung der Hagia Sophia der Versuch einer zutiefst erniedrigten, vom Gef\u00fchl der Wertlosigkeit dominierten und in ihrer eigenen Selbstberechtigung beraubten Gesellschaft, eine Bedeutung, eine St\u00e4rke, ein Selbstwertgef\u00fchl zu finden\"? So recht pauschalierend der in Deutschland lebende pal\u00e4stinensische Intellektuelle und Psychiater Ahmad Mansour.<\/p>\n\n\n\n

Die beiden Gro\u00dfreiche, das byzantinische und das osmanische, sind l\u00e4ngst versunken.<\/p><\/blockquote>\n\n\n\n

Das eigentliche Schl\u00fcsselwort im Zusammenhang mit der Hagia Sofia ist \"Welterbe\". Das Erbe von allen. Einmal im kulturellen Sinn der Unesco, aber in Wahrheit weiter gefasst. Das einzigartige Bauwerk geh\u00f6rt in Wirklichkeit der ganzen Welt, nicht der einen oder anderen Religion. Die beiden Gro\u00dfreiche, f\u00fcr die die Hagia Sofia der zentrale spirituelle Bau war, das byzantinische und das osmanische, sind l\u00e4ngst versunken. Seither hat sie eine neue, \u00fcbernationale Dimension erhalten. Was Erdo\u011fan da jetzt mit der Hagia Sofia macht, ist eine Verengung und Verarmung eines gemeinsamen Welterbes.<\/p>\n\n\n\n

\"\"\/
Betende Muslime vor der Hagia Sophia.<\/figcaption><\/figure>\n\n\n\n

Davon abgesehen aber war und ist sie ein architektonisches Meisterwerk und geh\u00f6rt zu den bedeutendsten Bauten der Welt. Wer heute den Zentralraum unter der Kuppel betritt, kann sich nur schwer dem zugleich majest\u00e4tischen wie schwebenden Gesamteindruck entziehen. Die Hagia Sophia blieb fast 1000 Jahre die gr\u00f6\u00dfte Kirche der Christenheit. Technisch war die Kuppel (mit mehreren Halbkuppeln) eine \u00fcberaus riskante Innovation: Die 55 Meter hohe und 32 Meter im Durchmesser breite Kuppel ruht auf nur vier Tragpunkten, was den schwebenden, schwerelosen Eindruck erzeugt. Die Konstruktion folgt einem mathematischen Prinzip, das erst k\u00fcrzlich entschl\u00fcsselt wurde.<\/p>\n\n\n\n

\"Salomo, ich habe dich \u00fcbertroffen!\"<\/p><\/blockquote>\n\n\n\n

Als Kaiser Justinian die Hagia Sophia nach nur f\u00fcnf Jahren Bauzeit (532\u2013537) betrat, soll er in Anspielung auf den Tempel in Jerusalem ausgerufen haben: \"Salomo, ich habe dich \u00fcbertroffen!\" Die Innenausstattung war mit ihren S\u00e4ulen aus Porphyr und gr\u00fcnem Marmor, mit Mosaiken aus Gold und Halbedelsteinen derart prunkvoll, der Gesamteindruck derart \u00fcberirdisch, dass eine Delegation des Gro\u00dff\u00fcrsten von Kiew nicht mehr wusste, \"ob wir im Himmel oder auf der Erde\" waren \u2013 was die Christianisierung Russlands bef\u00f6rderte.<\/p>\n\n\n\n

Der deutsche Architekturlehrer Holger Kleine nennt die Hagia Sophia \"absolute Architektur\", weil sie \"extreme Ausdrucksformen nahezu aller dramaturgischen Mittel, die der Architektur zur Verf\u00fcgung stehen, vereinigt: wuchtigste K\u00f6rper und luftigste R\u00e4ume, engste Enge und gr\u00f6\u00dfte Weite, w\u00e4rmende Helligkeit und mystisches Dunkel\". Und die Kuppelbauten aus der sp\u00e4teren Hochbl\u00fcte der Moscheenarchitektur im 16. und 17. Jahrhundert gehen eindeutig auf die Hagia Sophia zur\u00fcck.<\/p>\n\n\n\n

Die Hagia Sophia war Staatskirche des byzantinischen Reichs. F\u00fcr die Eroberer der letzte Schlussstein in der Kuppel osmanisch-muslimischen Herrschaftsanspruchs. Konstantinopel war ja 1453 nur noch eine isolierte, heruntergekommene Enklave in einem osmanischen Umfeld, kein christliches Heer kam zu Hilfe. Doch vorher war es zugleich Sperrriegel nach Osten und Geistesarchiv der antiken Kultur gewesen. \"Ohne Byzanz h\u00e4tte es kein Europa gegeben\", sagt die britische Altertumsforscherin Judith Herrin.<\/p>\n\n\n\n

\"\"\/
Freigelegtes Mosaik von \"Christos Pantokrator\".<\/figcaption><\/figure>\n\n\n\n

Neue Fragen<\/h3>\n\n\n\n

Die Kirche wurde von Mehmed II. und Nachfolgern nicht in der Substanz zerst\u00f6rt, sondern \"entchristlicht\". Die urspr\u00fcnglich \u00fcbert\u00fcnchten oder auch abgeschlagenen Mosaiken mit den Darstellungen von Christus, der Muttergottes, diversen Kaisern kamen zum Teil schon unter einem Sultan des 19. Jahrhunderts, dann gro\u00dfteils nach der Museumswidmung wieder zum Vorschein.<\/p>\n\n\n\n

Jetzt stellen sich neue symbolisch-praktische Fragen. Erdo\u011fan hat die Hagia Sophia der konservativen staatlichen Religionsbeh\u00f6rde Diyanet unterstellt. Die byzantinischen Mosaike, wie der gro\u00dfartige \"Christos Pantokrator\" (\"Weltenherrscher\") oder die Jungfrau Maria in der Apsis, m\u00fcssen wohl w\u00e4hrend des islamischen Gottesdiensts verh\u00e4ngt werden. Muss der Boden mit seinen Marmorplatten und Mosaiken mit einem Teppich bedeckt werden? Erdo\u011fan sagt, Touristen seien nach wie vor zugelassen. Aber sie werden wohl hinter Absperrungen bleiben m\u00fcssen. Frauen werden \u2013 wie in der benachbarten \"Blauen Moschee\" (\"Sultanahmed\") Kopftuch tragen m\u00fcssen.<\/p>\n\n\n\n

\"\"\/
Erdo\u011fan mit Gattin in der Hagia Sophia.<\/figcaption><\/figure>\n\n\n\n

Erdo\u011fans neue Abenteuer<\/strong><\/h3>\n\n\n\n

Aber wird da nicht doch zu viel in einen Formalakt rund um ein uraltes Bauwerk hineininterpretiert? Im geschichtlichen Kontext relativiert sich manches: Konstantinopel wurde schon von Christen erobert und ausgepl\u00fcndert \u2013 1204 im Vierten Kreuzzug. In der Moschee von Cordoba (\"Mezquita\") bauten die Katholiken eine ganze Kirche in den ber\u00fchmten S\u00e4ulenwald hinein. Die Mezquita ist heute noch Kirche, kein Museum.<\/p>\n\n\n\n

\"Das ist der Beweis, dass wir kein s\u00e4kularer Staat mehr sein wollen\", sagt Nobelpreistr\u00e4ger Orhan Pamuk. Erdo\u011fan betrachtet sich offenbar als auch neoosmanischer \"Fatih\" im Mittelmeerraum mit immer neuen Abenteuern: Eingreifen in Syrien, Stellvertreterkrieg in Libyen, Anspr\u00fcche auf Erdgasvorkommen weit vor der t\u00fcrkischen K\u00fcste bei Zypern, Reden, wonach manche \u00c4g\u00e4is-Inseln eigentlich zur T\u00fcrkei geh\u00f6ren, \"denn dort stehen unsere Moscheen\". Manches davon ist nur Rhetorik, aber genug anderes ist riskante Realit\u00e4t. (Hans Rauscher, 14.7.2020)<\/p>\n\n\n\n

Quelle<\/a><\/strong><\/p>\n","post_title":"Hagia Sophia: Verengung und Verarmung eines Welterbes","post_excerpt":"","post_status":"publish","comment_status":"closed","ping_status":"closed","post_password":"","post_name":"hagia-sophia-verengung-und-verarmung-eines-welterbes","to_ping":"","pinged":"","post_modified":"2025-02-02 08:39:39","post_modified_gmt":"2025-02-02 08:39:39","post_content_filtered":"","post_parent":0,"guid":"https:\/\/dctransparency.com\/?p=3792","menu_order":0,"post_type":"post","post_mime_type":"","comment_count":"0","filter":"raw"},{"ID":3789,"post_author":"7","post_date":"2020-08-14 13:56:07","post_date_gmt":"2020-08-14 13:56:07","post_content":"\n

Im Gastkommentar pocht Mark Leonard, Direktor des Europ\u00e4ischen Rats f\u00fcr Ausw\u00e4rtige Beziehungen, auf \"neue, einvernehmlich vereinbarte Prinzipien sowie klare Grenzen\", nur so k\u00f6nne eine weitere Destabilisierung in der Region verhindert werden.<\/em><\/strong><\/p>\n\n\n\n

Ist die T\u00fcrkei das neue Russland? Diese Frage wird in den europ\u00e4ischen Hauptst\u00e4dten zunehmend gestellt, da die Au\u00dfenpolitik des t\u00fcrkischen Pr\u00e4sidenten Recep Tayyip Erdo\u011fan zunehmend aggressiver wird. Erdo\u011fan nutzt nicht nur die Migration, um die EU zu bedrohen und zu betr\u00fcgen, sondern setzt auch milit\u00e4rische Macht ein, um den Einflussbereich der T\u00fcrkei auf die gesamte Region auszudehnen.<\/p>\n\n\n\n

Seit dem Ende des Kalten Krieges haben die Europ\u00e4er die regionale Sicherheit durch eine unipolare westliche Linse betrachtet. W\u00e4hrend die Nato die milit\u00e4rische Sicherheit garantierte, sorgte die EU mit ihrem 80.000 Seiten starken Regelwerk f\u00fcr alles von LGBTQ-Rechten bis hin zu Rasenm\u00e4her-Sound-Verordnungen f\u00fcr Rechtsordnung. In den 90er-Jahren ging man allgemein davon aus, dass die beiden gro\u00dfen nichtwestlichen regionalen Akteure, Russland und die T\u00fcrkei, nach und nach an diese Regelungen herangef\u00fchrt werden w\u00fcrden.<\/p>\n\n\n\n

Qu\u00e4lende Hassliebe<\/h3>\n\n\n\n

Doch in den letzten 15 Jahren ist der Traum von der europ\u00e4ischen Unipolarit\u00e4t einer multipolaren Realit\u00e4t gewichen. Sowohl Russland als auch die T\u00fcrkei haben eine lange, qu\u00e4lende Hassliebe zu Europa, und beide sind unter nationalen Machthabern, denen die Verachtung der Normen und Werte der EU gemeinsam ist, durchsetzungsf\u00e4higer geworden.<\/p>\n\n\n\n

Die zunehmende Verschlechterung der Beziehungen zwischen der EU und Russland ist gut dokumentiert, der Fall der T\u00fcrkei weniger. Der Irakkrieg im Jahr 2003 komplizierte das Verh\u00e4ltnis der T\u00fcrkei zur Nato, und ihr Verh\u00e4ltnis zur EU verschlechterte sich 2007, als Frankreich einen wichtigen Teil ihrer EU-Beitrittsverhandlungen blockierte. Seitdem hat die T\u00fcrkei ihren eigenen Weg in Syrien, auf dem Balkan und in Libyen eingeschlagen und neue Beziehungen zu Russland und China aufgebaut.<\/p>\n\n\n\n

Wichtiger Akteur<\/strong><\/h3>\n\n\n\n

Nat\u00fcrlich sind die Beziehungen zwischen der T\u00fcrkei und Russland nicht weniger kompliziert, nicht zuletzt weil Erdo\u011fan und der russische Pr\u00e4sident Wladimir Putin im syrischen B\u00fcrgerkrieg verschiedene Seiten unterst\u00fctzten.Und w\u00e4hrend die Spannungen wegen des Syrien-Konflikts weiterhin bestehen, bewundert Erdo\u011fan deutlich, wie Russland sich \u2013 bei relativ geringen Kosten \u2013 wieder als wichtiger Akteur im Nahen Osten und in Nordafrika etabliert hat.<\/p>\n\n\n\n

Nachdem er in einen nicht zu gewinnenden Krieg im Osten der Ukraine verwickelt war, schien Putins weitgehend erfolgreicher Feldzug in Syrien einen Teil seiner innenpolitischen Autorit\u00e4t wiederherzustellen. Der Westen hatte f\u00fcnf Jahre lang darauf bestanden, dass es keine milit\u00e4rische L\u00f6sung des Konflikts gebe und dass der syrische Pr\u00e4sident Baschar al-Assad gehen m\u00fcsse. Doch w\u00e4hrend die von den Vereinten Nationen unterst\u00fctzten Gespr\u00e4che in Genf zu keinem Ergebnis f\u00fchrten, schienen die von Russland geleiteten Gespr\u00e4che in Astana voranzukommen. Indem der Kreml die T\u00fcrkei und den Iran einbezog, w\u00e4hrend er die westlichen M\u00e4chte ausschloss, erweckte er den Eindruck, dass Russland als wiedergeborene Supermacht aus der Asche auferstanden sei.<\/p>\n\n\n\n

Unter Druck<\/h3>\n\n\n\n

Angesichts des wachsenden Widerstands im eigenen Land macht es Erdo\u011fan Putin gleich. Da der Westen nicht bereit war, (erneut) milit\u00e4risch in Libyen zu intervenieren, sah Erdo\u011fan eine Gelegenheit, die T\u00fcrkei zu positionieren. Nach dem Vorgehen Russlands in Syrien sicherte er sich eine formelle Einladung der libyschen Regierung zur Intervention. Mit einem Schlag Ende letzten Jahres hat er nicht nur das Image der T\u00fcrkei als Regionalmacht gest\u00e4rkt, sondern auch ein Abkommen mit Libyen \u00fcber die Seegrenze abgeschlossen und damit einen Plan Griechenlands, Zyperns, \u00c4gyptens und Israels zur Erschlie\u00dfung von Unterwasser\u00f6l- und -gasfeldern in der N\u00e4he zunichtegemacht.<\/p>\n\n\n\n

Erdo\u011fan scheint auch von der Spalt-und-Eroberungs-Strategie des Kreml in Europa inspiriert worden zu sein, der zufolge oft diejenigen EU-Mitgliedsstaaten unter Druck gesetzt werden, die am meisten von russischen Kohlenwasserstoffen oder M\u00e4rkten abh\u00e4ngig sind. So wie Putin lange Zeit die Energieversorgung instrumentalisiert hat, hat Erdo\u011fan versucht, den Strom von Migranten und Fl\u00fcchtlingen, die vor Konflikten im Nahen Osten fliehen, zu instrumentalisieren. Als die EU eine neue Marinemission ank\u00fcndigte, um den Waffenstrom nach Libyen zu blockieren, malte die T\u00fcrkei f\u00fcr Malta das Schreckgespenst der angeblichen Bedrohung durch Migranten an die Wand. Malta reagierte prompt und signalisierte, dass es gegen die Finanzierung der Mission ein Veto einlegen werde.<\/p>\n\n\n\n

Verlorener Sohn<\/strong><\/h3>\n\n\n\n

Jahrelang redeten sich die Europ\u00e4er ein, dass Russland eine Art verlorener Sohn sei und dass die europ\u00e4ische unipolare Ordnung gesund bleibe. Doch das machte Europa zu einem leichten Ziel f\u00fcr die Trennungs-und-Eroberungs-Strategie des Kreml. Erst vor relativ kurzer Zeit entwarf die Union eine neue Politik und ein robustes Sanktionsregime, um die russische Aggression abzuschrecken. Und selbst jetzt \u2013 trotz der besten Bem\u00fchungen der deutschen Bundeskanzlerin Angela Merkel und des franz\u00f6sischen Pr\u00e4sidenten Emmanuel Macron \u2013 hat die EU noch immer keine wirksamen Kommunikationskan\u00e4le mit Russland geschaffen, um gemeinsame Probleme anzugehen.<\/p>\n\n\n\n

Die T\u00fcrkei ist noch kein neues Russland, aber sie k\u00f6nnte dazu werden, wenn die Situation falsch gehandhabt wird. Vorerst betrachten die meisten Europ\u00e4er die T\u00fcrkei noch immer als einen komplizierten Partner und nicht als \"Systemrivalen\". Aber die Europ\u00e4er sollten die hart erk\u00e4mpften Lehren aus dem Umgang mit Russland in den letzten 15 Jahren beherzigen. Die Beziehungen zwischen der EU und der T\u00fcrkei brauchen neue, einvernehmlich vereinbarte Prinzipien sowie klare Grenzen, um eine weitere Destabilisierung in der Region zu verhindern.<\/p>\n\n\n\n

Zu diesem Zweck sollten die Europ\u00e4er klarstellen, dass der EU-Beitrittsprozess entweder zur\u00fcckgedreht oder vorangetrieben werden kann und dass eine eher transaktionale Beziehung sowohl Zuckerbrot als auch Peitsche beinhaltet. Die Herausforderung wird darin bestehen, daf\u00fcr zu sorgen, dass es in einer Region, die nicht nur von Europa und der T\u00fcrkei, sondern auch von Russland, den USA und einem aufstrebenden China beeinflusst wird, noch Raum f\u00fcr politisches Engagement in Fragen der gemeinsamen Sicherheit gibt. (Mark Leonard, \u00dcbersetzung: Eva G\u00f6llner, Copyright: Project Syndicate, 10.8.2020)<\/p>\n\n\n\n

Mark Leonard <\/strong>ist Direktor des Europ\u00e4ischen Rats f\u00fcr Ausw\u00e4rtige Beziehungen.<\/a><\/p>\n","post_title":"Erdo\u011fan \u2013 der andere Putin vor der Haust\u00fcr Europas","post_excerpt":"","post_status":"publish","comment_status":"closed","ping_status":"closed","post_password":"","post_name":"erdogan-der-andere-putin-vor-der-haustur-europas","to_ping":"","pinged":"","post_modified":"2025-02-02 08:39:39","post_modified_gmt":"2025-02-02 08:39:39","post_content_filtered":"","post_parent":0,"guid":"https:\/\/dctransparency.com\/?p=3789","menu_order":0,"post_type":"post","post_mime_type":"","comment_count":"0","filter":"raw"},{"ID":3786,"post_author":"7","post_date":"2020-08-14 13:51:23","post_date_gmt":"2020-08-14 13:51:23","post_content":"\n

Einen Monat nachdem ich zur israelischen Armee eingezogen worden war, brach die erste Intifada aus. Statt Soldat zu sein, machte ich Polizeiarbeit, sagte den Menschen, wann sie zur Arbeit gehen konnten und wann sie ihre L\u00e4den schlie\u00dfen mussten, wann sie die Grenze passieren und wann sie schlafen konnten. Einen Monat nachdem ich aus der Armee entlassen worden war, ging ich auf Reisen. (In Israel sagen wir: Wir dienen drei Jahre und versuchen den Rest unseres Lebens, diese drei Jahre zu vergessen.) Auf meiner Reise begann ich Briefe an meine Freundin zu schreiben, die ich in Israel zur\u00fcckgelassen hatte.<\/p>\n\n\n\n

Ich schrieb ihr, wie schrecklich depressiv ich war und dass diese drei Jahre des Anweisungenbellens und Anderen-Menschen-Sagens, was sie zu tun haben, mich f\u00fcr immer verfolgen w\u00fcrden. Dass sie ein Teil dessen geworden waren, was ich bin. Ich erinnere mich, dass ich ihr schrieb, dass wir da rausm\u00fcssen \u2013 nicht nur f\u00fcr die Pal\u00e4stinenser, sondern wegen der furchtbaren und brutalen Auswirkungen, die all das auf uns, auf die israelische Gesellschaft haben w\u00fcrde. Sie schrieb zur\u00fcck: \u201eDu hast recht. Ich habe einen neuen Freund.\u201c<\/p>\n\n\n\n

Felix Klein wurde als Beauftragter der Bundesregierung berufen<\/a>, um die Auswirkungen des zunehmenden Antisemitismus in unserer Gesellschaft, in Deutschland, zu bek\u00e4mpfen. Was nicht in seiner Jobbeschreibung steht, ist, dass er dabei unsere Gesellschaft heilen muss, jene Gesellschaft, die diese Form des Hasses reproduziert und sch\u00fctzt. Klein hat das begriffen.<\/p>\n\n\n\n

Er versteht, dass man Krebs nicht mit einem Pflaster verarztet, er wei\u00df, dass er das Bewusstsein der Deutschen sch\u00e4rfen und Diskussionen ansto\u00dfen muss. Er hat begriffen, dass das Problem nicht nur an den R\u00e4ndern der Gesellschaft (bei den Rechten) liegt, sondern auch in ihrer Mitte. Dort, wo gebildete Menschen nicht einmal bemerken, dass das, was sie sagen und tun, antisemitisch ist. So wie sie es auch nicht merken, wenn sie rassistisch handeln. Er hat all das verstanden, und genau deshalb wollen einige, dass er seinen Posten r\u00e4umt.<\/p>\n\n\n\n

Mehr als 60 deutsche und israelische Intellektuelle haben letzte Woche in einem Brief an Kanzlerin Merkel<\/a> dar\u00fcber geklagt, dass der aktuelle \u201eGebrauch des Antisemitismusbegriffs\u201c darauf abziele, \u201elegitime Kritik an der israelischen Regierungspolitik zu unterdr\u00fccken\u201c, und Klein vorgeworfen, rechtspopulistische israelische Stimmen zu f\u00f6rdern.<\/p>\n\n\n\n

Faszinierend an diesem offenen Brief ist, dass viele der Unterzeichneten keine Deutschen sind und auch nicht in Deutschland leben. Ich wei\u00df nicht, woher sie \u2013 die meisten von ihnen sind Israelis \u2013 die Chuzpe haben, sich in eine innerdeutsche Angelegenheit einzumischen und zu fordern, eine Person zu entlassen, die von der Bundesregierung eingesetzt wurde. Die H\u00e4lfte der Unterzeichneten lebt nicht hier, von der anderen H\u00e4lfte sind viele keine Juden \u2013 somit sind die allermeisten von ihnen nicht direkt vom Antisemitismus in Deutschland betroffen. Wie also k\u00f6nnen sie diesen Brief unterschreiben? Und warum eigentlich haben so wenige Deutsche unterschrieben? Dazu komme ich gleich.<\/p>\n\n\n\n

Debatte um Achille Mbembe<\/h6>\n\n\n\n

Hintergrund des Briefs war, dass Felix Klein gefordert hatte, den Philosophen Achille Mbembe<\/a> nicht die Er\u00f6ffnungsrede der Ruhrtriennale halten zu lassen. Als mit \u00f6ffentlichen Mitteln gef\u00f6rdertes Event solle die Ruhrtriennale Mbembe wegen seiner Haltung zu Israels Existenzrecht, seiner Haltung zu BDS und der Art, wie er in einem seiner Werke den Holocaust relativiert, nicht einladen.<\/p>\n\n\n\n

Mbembes Unterst\u00fctzer sagen, keine dieser Anschuldigungen sei wahr. F\u00fcrs Protokoll: In meinen Augen unterst\u00fctzt Mbembe sehr wohl BDS<\/a>, er schrieb unter anderem das Vorwort zu \u201eApartheid Israel\u201c und fordert die komplette Isolation Israels. Ich glaube auch, wenn Mbembe schreibt, die israelische Besetzung sei der \u201egr\u00f6\u00dfte moralische Skandal unserer Zeit\u201c, zeigt das, dass sein moralischer und geografischer Kompass etwas schief ist.<\/p>\n\n\n\n

Doch warum treibt die Debatte so viele Menschen um? Nun, zun\u00e4chst gibt niemand gern auf, was ihm oder ihr selbstverst\u00e4ndlich scheint. \u00dcber den gesamten politischen, sozialen, kulturellen, medialen und akademischen Sektor hinweg sind Menschen daran gew\u00f6hnt, so schlecht \u00fcber Israel sprechen zu k\u00f6nnen, wie auch immer sie wollen.<\/p>\n\n\n\n

Der Spiegel<\/em> hat \u2013 vielleicht in Anlehnung an seine Relotius-Standards, Israel erst k\u00fcrzlich eine Corona-Diktatur genannt. Fakten und Belege f\u00fcr diese Behauptung gab es nicht. Doch Millionen Deutsche haben es gelesen, und es wird nat\u00fcrlich haften bleiben. Faktenlage hin oder her. Der Spiegel<\/em> und andere Medien haben dieses Spiel perfektioniert: Titel so zu drehen, dass sie Israel indirekt anklagen, die Idee zu streuen, der Mossad kon\u00adtrol\u00adliere die deutsche Au\u00dfenpolitik im Nahen Osten, und so fort. Doch sie stehen allesamt sofort auf den Hinterbeinen, wenn jemand es wagt, das Spiel beim Namen zu nennen: moderner Antisemitismus.<\/p>\n\n\n\n

Klein will dem entgegenwirken. Er versteht, dass antisemitische Attacken in Deutschland die Fr\u00fcchte solch falsch gezeichneter Bilder und eindimensionaler Narrative \u00fcber Israel sind. Wenn er und andere versuchen, ein anderes Narrativ aufzuzeigen, wirft man ihnen Zensur vor: Wie k\u00f6nnen sie es wagen, das Gesch\u00e4ft der Anti-Israel-Propaganda zu st\u00f6ren?<\/p>\n\n\n\n

Liebe Deutsche, wenn ihr reden wollt, lasst uns gern reden: \u00fcber die Besetzung, \u00fcber Bibi und alles, was schiefl\u00e4uft. Aber dann lasst uns bitte auch dar\u00fcber reden, wie deutsche Steuergelder Terrortunnel finanzieren. Erst vergangene Woche r\u00e4umte die niederl\u00e4ndische Regierung ein, dass Gelder an eine Landwirtschaftsorganisation in Ramallah geflossen seien, die damit teilweise die Geh\u00e4lter zweier des Mordes an der 17-j\u00e4hrigen Israelin Rina Shnerb Verd\u00e4chtiger gezahlt haben. Auch die Bundesregierung unterst\u00fctzt diese Organisation, obwohl Kritiker schon lange vor Verbindungen zu Terroristen warnen.<\/p>\n\n\n\n

Wir k\u00f6nnen uns also gerne unterhalten \u2013 aber im Dialog, nicht in Monologen. Denn Reden unter Menschen, die sich einig sind, ist nichts anderes als Impotenz.<\/p>\n\n\n\n

Israelkritik als Eintrittskarte<\/h6>\n\n\n\n

Die Israelis, die die Petition unterzeichnet haben, haben \u00fcbrigens ebenfalls etwas verstanden. Seit Jahren wissen sie: Es ist ihre Eintrittskarte in die Mitte der deutschen (und europ\u00e4ischen) Gesellschaft. Man h\u00f6rt nicht oft von Akademikern mit proisraelischen Ansichten. Weder in den Philharmonie-Orchestern noch in der Kunstszene. Die Eintrittskarte daf\u00fcr ist ein antiisraelischer Standpunkt.<\/p>\n\n\n\n

Der mutma\u00dfliche Grund, warum kaum Deutsche die Petition unterzeichnet haben: Sie mussten es nicht. Ihre Lieblingsjuden haben es f\u00fcr sie getan. Jetzt k\u00f6nnen sie sagen: \u201eSchau, ich bin das ja nicht, meine j\u00fcdischen Freunde sagen es.\u201c Ich selbst war einige Jahre lang mit einem Paar hier in Berlin befreundet, bis ich herausfand, dass ich ihr Lieblingsjude war. Ja, selbst das j\u00fcdische Museum wurde so genutzt.<\/p>\n\n\n\n

Weil Attacken gegen Juden ein absolutes Tabu sind, wurden Umwege gefunden, um den Antisemitismus auf kleiner Flamme k\u00f6cheln zu lassen: die unfundierte, unbegr\u00fcndete Kritik an Israel.<\/p>\n\n\n\n

Diese Art der Kritik ist gef\u00e4hrlich. Sie schw\u00e4cht jede begr\u00fcndete und notwendige Kritik am Verhalten Israels. Und das Interessante ist: Trotz all der heftigen, pauschalisierenden Anklagen, all der offenen Briefe driftet Israel politisch immer weiter nach rechts. Doch statt mal einen anderen Ansatz zu versuchen, werden die antiisraelischen Stimmen nur lauter. Dasselbe versuchen und andere Ergebnisse davon erwarten \u2013 das ist die Definition von Wahnsinn.<\/p>\n\n\n\n

Kurz bevor der Prozess gegen den wegen des Attentats von Halle<\/a> Angeklagten begann \u2013 des seit Kriegsende schlimmsten Akts von Antisemitismus in Deutschland \u2013, lud eine Lokalzeitung den fr\u00fcheren Botschafter Shimon Stein und den Historiker Moshe Zimmermann ein, dar\u00fcber zu schreiben, was Antisemitismus ist. Nat\u00fcrlich wendeten auch sie sich gegen Felix Kleins Ansatz. Sie zitieren die Kontroverse um die Umbenennung der U-Bahn-Station Mohrenstra\u00dfe in Glinkastra\u00dfe, die sich darum drehte, dass der russische Komponist Michael Glinka Antisemit gewesen sein soll. Stein und Zimmermann halten die Debatte f\u00fcr \u00fcberzogen, Glinka sei nur ein Kind seiner Zeit gewesen. Folgt man ihrer Logik, k\u00f6nnen wir dann also in 20 oder 30 Jahren U-Bahn-Stationen nach den Kindern der 1930er Jahre benennen?<\/p>\n\n\n\n

Der Antisemit als Tierfreund<\/h6>\n\n\n\n

Ich w\u00fcnschte, die Sache h\u00e4tte mit dem Artikel, mit der Petition geendet. Doch dann erschien ein Artikel, der den Leser auf einen Waldspaziergang mit einem veganen Koch und Antisemiten mitnahm. Darin setzt der Tierfreund erst behutsam einen K\u00e4fer wieder auf seine Beinchen und erkl\u00e4rt dann, dass die Todesstrafe in Deutschland wieder eingef\u00fchrt werden solle, um einen gewissen Politiker (der zuf\u00e4llig pro Israel ist) an seinen Hoden aufh\u00e4ngen zu k\u00f6nnen. Dieser Koch hat Hunderttausende Follower, er sagt all solche Dinge am helllichten Tag in Berlin. Und in den Medien.<\/p>\n\n\n\n

F\u00e4lle wie dieser handeln bereits von Gewalt \u2013 und sie enden nicht bei den Juden. Der Hass richtet sich gegen Frauen<\/a>, Muslime, Gefl\u00fcchtete, \u00adLBTQI. Am Ende aller theoretischen Debatten stehen immer echte Menschen. Am Ende jeder Konferenz dar\u00fcber, was Antisemitismus ausmacht, steht ein potenzielles j\u00fcdisches Opfer. Angesichts einer Welle von Antisemitismus \u00fcber die Definition von Antisemitismus zu streiten ist, wie eine 10 Meter hohe Welle heranrollen zu sehen und dar\u00fcber zu streiten, was einen Tsunami ausmacht.<\/p>\n\n\n\n

Felix Klein versteht, wie absurd es ist, zu sagen: Es sind nur die Rechten. Die Rechten sind Deutsche, so wie die Nazis Deutsche waren. Klein versteht, dass die Deutschen nicht aufgeh\u00f6rt haben, Juden zu ermorden, weil sie irgendeine Art von Erleuchtung hatten. Sondern schlicht, weil sie den Krieg verloren haben. Um den Antisemitismus zu bek\u00e4mpfen, bevor er die Gesellschaft frisst, in der er und wir leben, muss Deutschland seinen moralischen Kompass korrigieren.<\/p>\n\n\n\n

Immerhin: Mehr und mehr Deutsche fahren nach Israel, sie wollen ein anderes Narrativ h\u00f6ren. Mehr und mehr Deutsche verstehen, dass Antisemitismus Schockwellen ausl\u00f6st, die die gesamte Gesellschaft betreffen. In einem normalen Universum w\u00fcrde Klein bef\u00f6rdert werden f\u00fcr seine Leistung. In einer verdrehten Gesellschaft fordern Menschen seine Entlassung. Um es mit Mbembe zu sagen: Das ist Nano-Nonsens.<\/p>\n\n\n\n

\u00dcbersetzung: Ariane Lemme<\/a><\/em><\/p>\n","post_title":"Felix Klein hat verstanden","post_excerpt":"","post_status":"publish","comment_status":"closed","ping_status":"closed","post_password":"","post_name":"felix-klein-hat-verstanden","to_ping":"","pinged":"","post_modified":"2025-02-02 08:39:39","post_modified_gmt":"2025-02-02 08:39:39","post_content_filtered":"","post_parent":0,"guid":"https:\/\/dctransparency.com\/?p=3786","menu_order":0,"post_type":"post","post_mime_type":"","comment_count":"0","filter":"raw"}],"next":false,"prev":true,"total_page":47},"paged":1,"column_class":"jeg_col_2o3","class":"epic_block_3"};

\n

Die BBC untersuchte auch, woher diese Drohne stammen k\u00f6nnte, und fand Hinweise darauf, dass Wing Loong-Drohnen zum Zeitpunkt des Angriffs nur von einem libyschen Luftwaffenst\u00fctzpunkt aus operierten: al-Khadim im von der LNA kontrollierten Ostlibyen.<\/p>\n\n\n\n

Sowohl die BBC als auch die UN haben Beweise daf\u00fcr gefunden, dass Drohnen, die von diesem Luftwaffenst\u00fctzpunkt aus operieren, zu den Vereinigten Arabischen Emiraten geh\u00f6ren.<\/p>\n\n\n\n

Im Jahr 2019 stellte die UNO fest, dass die VAE durch den Versand von Wing Loong-Drohnen und Blue Arrow 7-Raketen nach Libyen gegen das seit 2011 geltende UN-Waffenembargo gegen das Land versto\u00dfen hatten.<\/p>\n\n\n\n

Die BBC fand auch ein Waffenregister, aus dem hervorgeht, dass die VAE 2017 15 Wing Loong-Drohnen und 350 Blue Arrow 7-Raketen gekauft haben.<\/p>\n\n\n\n

Was hat die BBC noch aufgedeckt?<\/strong><\/p>\n\n\n\n

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Die BBC-Untersuchung ergab auch neue Beweise daf\u00fcr, dass \u00c4gypten den VAE erlaubt, \u00e4gyptische Milit\u00e4rflugpl\u00e4tze nahe der libyschen Grenze zu nutzen.<\/p>\n\n\n\n

Im Februar 2020 scheinen die in Libyen stationierten Wing Loong II-Drohnen \u00fcber die Grenze nach \u00c4gypten zu einem Luftwaffenst\u00fctzpunkt in der N\u00e4he von Siwa in der west\u00e4gyptischen W\u00fcste gebracht worden zu sein.<\/p>\n\n\n\n

Satellitenbilder zeigen auch, dass ein zweiter \u00e4gyptischer Milit\u00e4rflugplatz, Sidi Barrani, als Einsatzbasis f\u00fcr Mirage 2000-Kampfflugzeuge verwendet wurde, die in Farben lackiert sind, die nicht von der \u00e4gyptischen Luftwaffe verwendet werden, aber genau den von den VAE geflogenen Jets entsprechen .<\/p>\n\n\n\n

Dies ist das gleiche Flugzeugmodell, das von den Vereinten Nationen in einen Luftangriff auf ein Migrationszentrum \u00f6stlich von Tripolis im Juli 2019 verwickelt wurde, bei dem 53 Menschen get\u00f6tet wurden.<\/p>\n\n\n\n

Ausl\u00e4ndischer Jet bei libyschem Migrantenangriff verd\u00e4chtigt<\/p>\n\n\n\n

Sidi Barrani ist auch das Ziel f\u00fcr mehrere Frachtflugzeuge, die von den Vereinigten Arabischen Emiraten gestartet sind, und schl\u00e4gt eine Luftbr\u00fccke f\u00fcr Ausr\u00fcstung oder Lieferungen zwischen den Vereinigten Arabischen Emiraten und einer Milit\u00e4rbasis vor, die nur 80 km von der libyschen Grenze entfernt liegt.<\/p>\n\n\n\n

Die \u00e4gyptische Regierung antwortete nicht auf die Bitte der BBC um Stellungnahme.<\/p>\n\n\n\n

Ist ausl\u00e4ndisches milit\u00e4risches Engagement \u00fcberraschend?<\/strong><\/p>\n\n\n\n

Sowohl die Vereinigten Arabischen Emirate als auch \u00c4gypten nahmen an einer von Bundeskanzlerin Angela Merkel im Januar dieses Jahres in Berlin einberufenen Konferenz \u00fcber Libyen teil, auf der sie ihre Unterst\u00fctzung f\u00fcr den UN-Friedensprozess bekr\u00e4ftigten und sich bereit erkl\u00e4rten, nicht in den Libyen-Krieg einzugreifen.<\/p>\n\n\n\n

Im vergangenen Jahr gab es jedoch eine Eskalation des Einsatzes von Drohnen durch beide Seiten des Konflikts.<\/p>\n\n\n\n

Ghassan Salam\u00e9, der fr\u00fchere Leiter der UN-Mission in Libyen, beschrieb dies als \"m\u00f6glicherweise das gr\u00f6\u00dfte Drohnenkriegstheater der Welt\".<\/p>\n\n\n\n

Die VAE sind nicht die einzige ausl\u00e4ndische Macht, die an diesem Konflikt beteiligt ist.<\/p>\n\n\n\n

Anfang dieses Jahres gab BBC Africa Eye bekannt, dass die T\u00fcrkei auch gegen das Waffenembargo der Vereinten Nationen gegen Libyen versto\u00dfen hat, indem sie geheime Waffenlieferungen an die von den Vereinten Nationen anerkannte Regierung in Tripolis gesendet hat.<\/p>\n\n\n\n

Mit Unterst\u00fctzung der T\u00fcrkei hat die von den Vereinten Nationen anerkannte Regierung des Nationalen Abkommens nun die LNA von Gen Haftar aus der Gegend um Tripolis zur\u00fcckgeschlagen.<\/p>\n","post_title":"BBC-Untersuchung: VAE in t\u00f6dlichen Angriff in Libyen verwickelt","post_excerpt":"","post_status":"publish","comment_status":"closed","ping_status":"closed","post_password":"","post_name":"bbc-untersuchung-vae-in-todlichen-angriff-in-libyen-verwickelt","to_ping":"","pinged":"","post_modified":"2025-02-02 08:39:39","post_modified_gmt":"2025-02-02 08:39:39","post_content_filtered":"","post_parent":0,"guid":"https:\/\/dctransparency.com\/?p=3811","menu_order":0,"post_type":"post","post_mime_type":"","comment_count":"0","filter":"raw"},{"ID":3792,"post_author":"7","post_date":"2020-08-14 13:58:48","post_date_gmt":"2020-08-14 13:58:48","post_content":"\n

Die Hagia Sophia war (ist) ein kulturelles Weltwunder und aufgeladen mit symbolischer Bedeutung, f\u00fcr die Christenheit ebenso wie f\u00fcr den Islam \u2013 und den t\u00fcrkischen Nationalismus. Als Mehmed II. sie betrat, war sie schon fast 1000 Jahre die gr\u00f6\u00dfte Kirche der christlichen Welt und das Zentrum der orthodoxen Glaubensrichtung. Die \"Ayasofya\", wie sie dann hie\u00df, war 500 Jahre lang Moschee \u2013 bis 1934, als Kemal Pascha Atat\u00fcrk, der \"Vater\" der modernen T\u00fcrkei, sie in ein Museum verwandelte, in der ausdr\u00fccklichen Absicht, auch hier mit dem osmanischen Erbe zu brechen.<\/p>\n\n\n\n

Nun wird Pr\u00e4sident Recep Tayyip Erdo\u011fan, der \"Vater\" der re-islamisierten T\u00fcrkei, am 24. Juli dieses Jahres die Ayasofya durch das Freitagsgebet wieder in den Islam eingliedern. Oder eher in seinen pers\u00f6nlichen religi\u00f6sen Nationalismus.<\/p>\n\n\n\n

Welterbe von allen<\/h3>\n\n\n\n

Wie bedeutungsschwer ist dieser Akt eines \"starken Mannes\", der innenpolitisch deutlich schw\u00e4chelt? Die Proteste vor allem aus der orthodoxen Welt, aber auch aus Europa und den USA sind eher traurig als w\u00fctend. Der Papst dr\u00fcckte seinen \"Schmerz\" aus. Auch der Jubel in der islamischen Welt fiel zun\u00e4chst weniger \u00fcbersch\u00e4umend als erwartet aus.<\/p>\n\n\n\n

Ist es der Alleingang eines Autokraten in Bedr\u00e4ngnis oder ist \"der Jubel \u00fcber die Eroberung der Hagia Sophia der Versuch einer zutiefst erniedrigten, vom Gef\u00fchl der Wertlosigkeit dominierten und in ihrer eigenen Selbstberechtigung beraubten Gesellschaft, eine Bedeutung, eine St\u00e4rke, ein Selbstwertgef\u00fchl zu finden\"? So recht pauschalierend der in Deutschland lebende pal\u00e4stinensische Intellektuelle und Psychiater Ahmad Mansour.<\/p>\n\n\n\n

Die beiden Gro\u00dfreiche, das byzantinische und das osmanische, sind l\u00e4ngst versunken.<\/p><\/blockquote>\n\n\n\n

Das eigentliche Schl\u00fcsselwort im Zusammenhang mit der Hagia Sofia ist \"Welterbe\". Das Erbe von allen. Einmal im kulturellen Sinn der Unesco, aber in Wahrheit weiter gefasst. Das einzigartige Bauwerk geh\u00f6rt in Wirklichkeit der ganzen Welt, nicht der einen oder anderen Religion. Die beiden Gro\u00dfreiche, f\u00fcr die die Hagia Sofia der zentrale spirituelle Bau war, das byzantinische und das osmanische, sind l\u00e4ngst versunken. Seither hat sie eine neue, \u00fcbernationale Dimension erhalten. Was Erdo\u011fan da jetzt mit der Hagia Sofia macht, ist eine Verengung und Verarmung eines gemeinsamen Welterbes.<\/p>\n\n\n\n

\"\"\/
Betende Muslime vor der Hagia Sophia.<\/figcaption><\/figure>\n\n\n\n

Davon abgesehen aber war und ist sie ein architektonisches Meisterwerk und geh\u00f6rt zu den bedeutendsten Bauten der Welt. Wer heute den Zentralraum unter der Kuppel betritt, kann sich nur schwer dem zugleich majest\u00e4tischen wie schwebenden Gesamteindruck entziehen. Die Hagia Sophia blieb fast 1000 Jahre die gr\u00f6\u00dfte Kirche der Christenheit. Technisch war die Kuppel (mit mehreren Halbkuppeln) eine \u00fcberaus riskante Innovation: Die 55 Meter hohe und 32 Meter im Durchmesser breite Kuppel ruht auf nur vier Tragpunkten, was den schwebenden, schwerelosen Eindruck erzeugt. Die Konstruktion folgt einem mathematischen Prinzip, das erst k\u00fcrzlich entschl\u00fcsselt wurde.<\/p>\n\n\n\n

\"Salomo, ich habe dich \u00fcbertroffen!\"<\/p><\/blockquote>\n\n\n\n

Als Kaiser Justinian die Hagia Sophia nach nur f\u00fcnf Jahren Bauzeit (532\u2013537) betrat, soll er in Anspielung auf den Tempel in Jerusalem ausgerufen haben: \"Salomo, ich habe dich \u00fcbertroffen!\" Die Innenausstattung war mit ihren S\u00e4ulen aus Porphyr und gr\u00fcnem Marmor, mit Mosaiken aus Gold und Halbedelsteinen derart prunkvoll, der Gesamteindruck derart \u00fcberirdisch, dass eine Delegation des Gro\u00dff\u00fcrsten von Kiew nicht mehr wusste, \"ob wir im Himmel oder auf der Erde\" waren \u2013 was die Christianisierung Russlands bef\u00f6rderte.<\/p>\n\n\n\n

Der deutsche Architekturlehrer Holger Kleine nennt die Hagia Sophia \"absolute Architektur\", weil sie \"extreme Ausdrucksformen nahezu aller dramaturgischen Mittel, die der Architektur zur Verf\u00fcgung stehen, vereinigt: wuchtigste K\u00f6rper und luftigste R\u00e4ume, engste Enge und gr\u00f6\u00dfte Weite, w\u00e4rmende Helligkeit und mystisches Dunkel\". Und die Kuppelbauten aus der sp\u00e4teren Hochbl\u00fcte der Moscheenarchitektur im 16. und 17. Jahrhundert gehen eindeutig auf die Hagia Sophia zur\u00fcck.<\/p>\n\n\n\n

Die Hagia Sophia war Staatskirche des byzantinischen Reichs. F\u00fcr die Eroberer der letzte Schlussstein in der Kuppel osmanisch-muslimischen Herrschaftsanspruchs. Konstantinopel war ja 1453 nur noch eine isolierte, heruntergekommene Enklave in einem osmanischen Umfeld, kein christliches Heer kam zu Hilfe. Doch vorher war es zugleich Sperrriegel nach Osten und Geistesarchiv der antiken Kultur gewesen. \"Ohne Byzanz h\u00e4tte es kein Europa gegeben\", sagt die britische Altertumsforscherin Judith Herrin.<\/p>\n\n\n\n

\"\"\/
Freigelegtes Mosaik von \"Christos Pantokrator\".<\/figcaption><\/figure>\n\n\n\n

Neue Fragen<\/h3>\n\n\n\n

Die Kirche wurde von Mehmed II. und Nachfolgern nicht in der Substanz zerst\u00f6rt, sondern \"entchristlicht\". Die urspr\u00fcnglich \u00fcbert\u00fcnchten oder auch abgeschlagenen Mosaiken mit den Darstellungen von Christus, der Muttergottes, diversen Kaisern kamen zum Teil schon unter einem Sultan des 19. Jahrhunderts, dann gro\u00dfteils nach der Museumswidmung wieder zum Vorschein.<\/p>\n\n\n\n

Jetzt stellen sich neue symbolisch-praktische Fragen. Erdo\u011fan hat die Hagia Sophia der konservativen staatlichen Religionsbeh\u00f6rde Diyanet unterstellt. Die byzantinischen Mosaike, wie der gro\u00dfartige \"Christos Pantokrator\" (\"Weltenherrscher\") oder die Jungfrau Maria in der Apsis, m\u00fcssen wohl w\u00e4hrend des islamischen Gottesdiensts verh\u00e4ngt werden. Muss der Boden mit seinen Marmorplatten und Mosaiken mit einem Teppich bedeckt werden? Erdo\u011fan sagt, Touristen seien nach wie vor zugelassen. Aber sie werden wohl hinter Absperrungen bleiben m\u00fcssen. Frauen werden \u2013 wie in der benachbarten \"Blauen Moschee\" (\"Sultanahmed\") Kopftuch tragen m\u00fcssen.<\/p>\n\n\n\n

\"\"\/
Erdo\u011fan mit Gattin in der Hagia Sophia.<\/figcaption><\/figure>\n\n\n\n

Erdo\u011fans neue Abenteuer<\/strong><\/h3>\n\n\n\n

Aber wird da nicht doch zu viel in einen Formalakt rund um ein uraltes Bauwerk hineininterpretiert? Im geschichtlichen Kontext relativiert sich manches: Konstantinopel wurde schon von Christen erobert und ausgepl\u00fcndert \u2013 1204 im Vierten Kreuzzug. In der Moschee von Cordoba (\"Mezquita\") bauten die Katholiken eine ganze Kirche in den ber\u00fchmten S\u00e4ulenwald hinein. Die Mezquita ist heute noch Kirche, kein Museum.<\/p>\n\n\n\n

\"Das ist der Beweis, dass wir kein s\u00e4kularer Staat mehr sein wollen\", sagt Nobelpreistr\u00e4ger Orhan Pamuk. Erdo\u011fan betrachtet sich offenbar als auch neoosmanischer \"Fatih\" im Mittelmeerraum mit immer neuen Abenteuern: Eingreifen in Syrien, Stellvertreterkrieg in Libyen, Anspr\u00fcche auf Erdgasvorkommen weit vor der t\u00fcrkischen K\u00fcste bei Zypern, Reden, wonach manche \u00c4g\u00e4is-Inseln eigentlich zur T\u00fcrkei geh\u00f6ren, \"denn dort stehen unsere Moscheen\". Manches davon ist nur Rhetorik, aber genug anderes ist riskante Realit\u00e4t. (Hans Rauscher, 14.7.2020)<\/p>\n\n\n\n

Quelle<\/a><\/strong><\/p>\n","post_title":"Hagia Sophia: Verengung und Verarmung eines Welterbes","post_excerpt":"","post_status":"publish","comment_status":"closed","ping_status":"closed","post_password":"","post_name":"hagia-sophia-verengung-und-verarmung-eines-welterbes","to_ping":"","pinged":"","post_modified":"2025-02-02 08:39:39","post_modified_gmt":"2025-02-02 08:39:39","post_content_filtered":"","post_parent":0,"guid":"https:\/\/dctransparency.com\/?p=3792","menu_order":0,"post_type":"post","post_mime_type":"","comment_count":"0","filter":"raw"},{"ID":3789,"post_author":"7","post_date":"2020-08-14 13:56:07","post_date_gmt":"2020-08-14 13:56:07","post_content":"\n

Im Gastkommentar pocht Mark Leonard, Direktor des Europ\u00e4ischen Rats f\u00fcr Ausw\u00e4rtige Beziehungen, auf \"neue, einvernehmlich vereinbarte Prinzipien sowie klare Grenzen\", nur so k\u00f6nne eine weitere Destabilisierung in der Region verhindert werden.<\/em><\/strong><\/p>\n\n\n\n

Ist die T\u00fcrkei das neue Russland? Diese Frage wird in den europ\u00e4ischen Hauptst\u00e4dten zunehmend gestellt, da die Au\u00dfenpolitik des t\u00fcrkischen Pr\u00e4sidenten Recep Tayyip Erdo\u011fan zunehmend aggressiver wird. Erdo\u011fan nutzt nicht nur die Migration, um die EU zu bedrohen und zu betr\u00fcgen, sondern setzt auch milit\u00e4rische Macht ein, um den Einflussbereich der T\u00fcrkei auf die gesamte Region auszudehnen.<\/p>\n\n\n\n

Seit dem Ende des Kalten Krieges haben die Europ\u00e4er die regionale Sicherheit durch eine unipolare westliche Linse betrachtet. W\u00e4hrend die Nato die milit\u00e4rische Sicherheit garantierte, sorgte die EU mit ihrem 80.000 Seiten starken Regelwerk f\u00fcr alles von LGBTQ-Rechten bis hin zu Rasenm\u00e4her-Sound-Verordnungen f\u00fcr Rechtsordnung. In den 90er-Jahren ging man allgemein davon aus, dass die beiden gro\u00dfen nichtwestlichen regionalen Akteure, Russland und die T\u00fcrkei, nach und nach an diese Regelungen herangef\u00fchrt werden w\u00fcrden.<\/p>\n\n\n\n

Qu\u00e4lende Hassliebe<\/h3>\n\n\n\n

Doch in den letzten 15 Jahren ist der Traum von der europ\u00e4ischen Unipolarit\u00e4t einer multipolaren Realit\u00e4t gewichen. Sowohl Russland als auch die T\u00fcrkei haben eine lange, qu\u00e4lende Hassliebe zu Europa, und beide sind unter nationalen Machthabern, denen die Verachtung der Normen und Werte der EU gemeinsam ist, durchsetzungsf\u00e4higer geworden.<\/p>\n\n\n\n

Die zunehmende Verschlechterung der Beziehungen zwischen der EU und Russland ist gut dokumentiert, der Fall der T\u00fcrkei weniger. Der Irakkrieg im Jahr 2003 komplizierte das Verh\u00e4ltnis der T\u00fcrkei zur Nato, und ihr Verh\u00e4ltnis zur EU verschlechterte sich 2007, als Frankreich einen wichtigen Teil ihrer EU-Beitrittsverhandlungen blockierte. Seitdem hat die T\u00fcrkei ihren eigenen Weg in Syrien, auf dem Balkan und in Libyen eingeschlagen und neue Beziehungen zu Russland und China aufgebaut.<\/p>\n\n\n\n

Wichtiger Akteur<\/strong><\/h3>\n\n\n\n

Nat\u00fcrlich sind die Beziehungen zwischen der T\u00fcrkei und Russland nicht weniger kompliziert, nicht zuletzt weil Erdo\u011fan und der russische Pr\u00e4sident Wladimir Putin im syrischen B\u00fcrgerkrieg verschiedene Seiten unterst\u00fctzten.Und w\u00e4hrend die Spannungen wegen des Syrien-Konflikts weiterhin bestehen, bewundert Erdo\u011fan deutlich, wie Russland sich \u2013 bei relativ geringen Kosten \u2013 wieder als wichtiger Akteur im Nahen Osten und in Nordafrika etabliert hat.<\/p>\n\n\n\n

Nachdem er in einen nicht zu gewinnenden Krieg im Osten der Ukraine verwickelt war, schien Putins weitgehend erfolgreicher Feldzug in Syrien einen Teil seiner innenpolitischen Autorit\u00e4t wiederherzustellen. Der Westen hatte f\u00fcnf Jahre lang darauf bestanden, dass es keine milit\u00e4rische L\u00f6sung des Konflikts gebe und dass der syrische Pr\u00e4sident Baschar al-Assad gehen m\u00fcsse. Doch w\u00e4hrend die von den Vereinten Nationen unterst\u00fctzten Gespr\u00e4che in Genf zu keinem Ergebnis f\u00fchrten, schienen die von Russland geleiteten Gespr\u00e4che in Astana voranzukommen. Indem der Kreml die T\u00fcrkei und den Iran einbezog, w\u00e4hrend er die westlichen M\u00e4chte ausschloss, erweckte er den Eindruck, dass Russland als wiedergeborene Supermacht aus der Asche auferstanden sei.<\/p>\n\n\n\n

Unter Druck<\/h3>\n\n\n\n

Angesichts des wachsenden Widerstands im eigenen Land macht es Erdo\u011fan Putin gleich. Da der Westen nicht bereit war, (erneut) milit\u00e4risch in Libyen zu intervenieren, sah Erdo\u011fan eine Gelegenheit, die T\u00fcrkei zu positionieren. Nach dem Vorgehen Russlands in Syrien sicherte er sich eine formelle Einladung der libyschen Regierung zur Intervention. Mit einem Schlag Ende letzten Jahres hat er nicht nur das Image der T\u00fcrkei als Regionalmacht gest\u00e4rkt, sondern auch ein Abkommen mit Libyen \u00fcber die Seegrenze abgeschlossen und damit einen Plan Griechenlands, Zyperns, \u00c4gyptens und Israels zur Erschlie\u00dfung von Unterwasser\u00f6l- und -gasfeldern in der N\u00e4he zunichtegemacht.<\/p>\n\n\n\n

Erdo\u011fan scheint auch von der Spalt-und-Eroberungs-Strategie des Kreml in Europa inspiriert worden zu sein, der zufolge oft diejenigen EU-Mitgliedsstaaten unter Druck gesetzt werden, die am meisten von russischen Kohlenwasserstoffen oder M\u00e4rkten abh\u00e4ngig sind. So wie Putin lange Zeit die Energieversorgung instrumentalisiert hat, hat Erdo\u011fan versucht, den Strom von Migranten und Fl\u00fcchtlingen, die vor Konflikten im Nahen Osten fliehen, zu instrumentalisieren. Als die EU eine neue Marinemission ank\u00fcndigte, um den Waffenstrom nach Libyen zu blockieren, malte die T\u00fcrkei f\u00fcr Malta das Schreckgespenst der angeblichen Bedrohung durch Migranten an die Wand. Malta reagierte prompt und signalisierte, dass es gegen die Finanzierung der Mission ein Veto einlegen werde.<\/p>\n\n\n\n

Verlorener Sohn<\/strong><\/h3>\n\n\n\n

Jahrelang redeten sich die Europ\u00e4er ein, dass Russland eine Art verlorener Sohn sei und dass die europ\u00e4ische unipolare Ordnung gesund bleibe. Doch das machte Europa zu einem leichten Ziel f\u00fcr die Trennungs-und-Eroberungs-Strategie des Kreml. Erst vor relativ kurzer Zeit entwarf die Union eine neue Politik und ein robustes Sanktionsregime, um die russische Aggression abzuschrecken. Und selbst jetzt \u2013 trotz der besten Bem\u00fchungen der deutschen Bundeskanzlerin Angela Merkel und des franz\u00f6sischen Pr\u00e4sidenten Emmanuel Macron \u2013 hat die EU noch immer keine wirksamen Kommunikationskan\u00e4le mit Russland geschaffen, um gemeinsame Probleme anzugehen.<\/p>\n\n\n\n

Die T\u00fcrkei ist noch kein neues Russland, aber sie k\u00f6nnte dazu werden, wenn die Situation falsch gehandhabt wird. Vorerst betrachten die meisten Europ\u00e4er die T\u00fcrkei noch immer als einen komplizierten Partner und nicht als \"Systemrivalen\". Aber die Europ\u00e4er sollten die hart erk\u00e4mpften Lehren aus dem Umgang mit Russland in den letzten 15 Jahren beherzigen. Die Beziehungen zwischen der EU und der T\u00fcrkei brauchen neue, einvernehmlich vereinbarte Prinzipien sowie klare Grenzen, um eine weitere Destabilisierung in der Region zu verhindern.<\/p>\n\n\n\n

Zu diesem Zweck sollten die Europ\u00e4er klarstellen, dass der EU-Beitrittsprozess entweder zur\u00fcckgedreht oder vorangetrieben werden kann und dass eine eher transaktionale Beziehung sowohl Zuckerbrot als auch Peitsche beinhaltet. Die Herausforderung wird darin bestehen, daf\u00fcr zu sorgen, dass es in einer Region, die nicht nur von Europa und der T\u00fcrkei, sondern auch von Russland, den USA und einem aufstrebenden China beeinflusst wird, noch Raum f\u00fcr politisches Engagement in Fragen der gemeinsamen Sicherheit gibt. (Mark Leonard, \u00dcbersetzung: Eva G\u00f6llner, Copyright: Project Syndicate, 10.8.2020)<\/p>\n\n\n\n

Mark Leonard <\/strong>ist Direktor des Europ\u00e4ischen Rats f\u00fcr Ausw\u00e4rtige Beziehungen.<\/a><\/p>\n","post_title":"Erdo\u011fan \u2013 der andere Putin vor der Haust\u00fcr Europas","post_excerpt":"","post_status":"publish","comment_status":"closed","ping_status":"closed","post_password":"","post_name":"erdogan-der-andere-putin-vor-der-haustur-europas","to_ping":"","pinged":"","post_modified":"2025-02-02 08:39:39","post_modified_gmt":"2025-02-02 08:39:39","post_content_filtered":"","post_parent":0,"guid":"https:\/\/dctransparency.com\/?p=3789","menu_order":0,"post_type":"post","post_mime_type":"","comment_count":"0","filter":"raw"},{"ID":3786,"post_author":"7","post_date":"2020-08-14 13:51:23","post_date_gmt":"2020-08-14 13:51:23","post_content":"\n

Einen Monat nachdem ich zur israelischen Armee eingezogen worden war, brach die erste Intifada aus. Statt Soldat zu sein, machte ich Polizeiarbeit, sagte den Menschen, wann sie zur Arbeit gehen konnten und wann sie ihre L\u00e4den schlie\u00dfen mussten, wann sie die Grenze passieren und wann sie schlafen konnten. Einen Monat nachdem ich aus der Armee entlassen worden war, ging ich auf Reisen. (In Israel sagen wir: Wir dienen drei Jahre und versuchen den Rest unseres Lebens, diese drei Jahre zu vergessen.) Auf meiner Reise begann ich Briefe an meine Freundin zu schreiben, die ich in Israel zur\u00fcckgelassen hatte.<\/p>\n\n\n\n

Ich schrieb ihr, wie schrecklich depressiv ich war und dass diese drei Jahre des Anweisungenbellens und Anderen-Menschen-Sagens, was sie zu tun haben, mich f\u00fcr immer verfolgen w\u00fcrden. Dass sie ein Teil dessen geworden waren, was ich bin. Ich erinnere mich, dass ich ihr schrieb, dass wir da rausm\u00fcssen \u2013 nicht nur f\u00fcr die Pal\u00e4stinenser, sondern wegen der furchtbaren und brutalen Auswirkungen, die all das auf uns, auf die israelische Gesellschaft haben w\u00fcrde. Sie schrieb zur\u00fcck: \u201eDu hast recht. Ich habe einen neuen Freund.\u201c<\/p>\n\n\n\n

Felix Klein wurde als Beauftragter der Bundesregierung berufen<\/a>, um die Auswirkungen des zunehmenden Antisemitismus in unserer Gesellschaft, in Deutschland, zu bek\u00e4mpfen. Was nicht in seiner Jobbeschreibung steht, ist, dass er dabei unsere Gesellschaft heilen muss, jene Gesellschaft, die diese Form des Hasses reproduziert und sch\u00fctzt. Klein hat das begriffen.<\/p>\n\n\n\n

Er versteht, dass man Krebs nicht mit einem Pflaster verarztet, er wei\u00df, dass er das Bewusstsein der Deutschen sch\u00e4rfen und Diskussionen ansto\u00dfen muss. Er hat begriffen, dass das Problem nicht nur an den R\u00e4ndern der Gesellschaft (bei den Rechten) liegt, sondern auch in ihrer Mitte. Dort, wo gebildete Menschen nicht einmal bemerken, dass das, was sie sagen und tun, antisemitisch ist. So wie sie es auch nicht merken, wenn sie rassistisch handeln. Er hat all das verstanden, und genau deshalb wollen einige, dass er seinen Posten r\u00e4umt.<\/p>\n\n\n\n

Mehr als 60 deutsche und israelische Intellektuelle haben letzte Woche in einem Brief an Kanzlerin Merkel<\/a> dar\u00fcber geklagt, dass der aktuelle \u201eGebrauch des Antisemitismusbegriffs\u201c darauf abziele, \u201elegitime Kritik an der israelischen Regierungspolitik zu unterdr\u00fccken\u201c, und Klein vorgeworfen, rechtspopulistische israelische Stimmen zu f\u00f6rdern.<\/p>\n\n\n\n

Faszinierend an diesem offenen Brief ist, dass viele der Unterzeichneten keine Deutschen sind und auch nicht in Deutschland leben. Ich wei\u00df nicht, woher sie \u2013 die meisten von ihnen sind Israelis \u2013 die Chuzpe haben, sich in eine innerdeutsche Angelegenheit einzumischen und zu fordern, eine Person zu entlassen, die von der Bundesregierung eingesetzt wurde. Die H\u00e4lfte der Unterzeichneten lebt nicht hier, von der anderen H\u00e4lfte sind viele keine Juden \u2013 somit sind die allermeisten von ihnen nicht direkt vom Antisemitismus in Deutschland betroffen. Wie also k\u00f6nnen sie diesen Brief unterschreiben? Und warum eigentlich haben so wenige Deutsche unterschrieben? Dazu komme ich gleich.<\/p>\n\n\n\n

Debatte um Achille Mbembe<\/h6>\n\n\n\n

Hintergrund des Briefs war, dass Felix Klein gefordert hatte, den Philosophen Achille Mbembe<\/a> nicht die Er\u00f6ffnungsrede der Ruhrtriennale halten zu lassen. Als mit \u00f6ffentlichen Mitteln gef\u00f6rdertes Event solle die Ruhrtriennale Mbembe wegen seiner Haltung zu Israels Existenzrecht, seiner Haltung zu BDS und der Art, wie er in einem seiner Werke den Holocaust relativiert, nicht einladen.<\/p>\n\n\n\n

Mbembes Unterst\u00fctzer sagen, keine dieser Anschuldigungen sei wahr. F\u00fcrs Protokoll: In meinen Augen unterst\u00fctzt Mbembe sehr wohl BDS<\/a>, er schrieb unter anderem das Vorwort zu \u201eApartheid Israel\u201c und fordert die komplette Isolation Israels. Ich glaube auch, wenn Mbembe schreibt, die israelische Besetzung sei der \u201egr\u00f6\u00dfte moralische Skandal unserer Zeit\u201c, zeigt das, dass sein moralischer und geografischer Kompass etwas schief ist.<\/p>\n\n\n\n

Doch warum treibt die Debatte so viele Menschen um? Nun, zun\u00e4chst gibt niemand gern auf, was ihm oder ihr selbstverst\u00e4ndlich scheint. \u00dcber den gesamten politischen, sozialen, kulturellen, medialen und akademischen Sektor hinweg sind Menschen daran gew\u00f6hnt, so schlecht \u00fcber Israel sprechen zu k\u00f6nnen, wie auch immer sie wollen.<\/p>\n\n\n\n

Der Spiegel<\/em> hat \u2013 vielleicht in Anlehnung an seine Relotius-Standards, Israel erst k\u00fcrzlich eine Corona-Diktatur genannt. Fakten und Belege f\u00fcr diese Behauptung gab es nicht. Doch Millionen Deutsche haben es gelesen, und es wird nat\u00fcrlich haften bleiben. Faktenlage hin oder her. Der Spiegel<\/em> und andere Medien haben dieses Spiel perfektioniert: Titel so zu drehen, dass sie Israel indirekt anklagen, die Idee zu streuen, der Mossad kon\u00adtrol\u00adliere die deutsche Au\u00dfenpolitik im Nahen Osten, und so fort. Doch sie stehen allesamt sofort auf den Hinterbeinen, wenn jemand es wagt, das Spiel beim Namen zu nennen: moderner Antisemitismus.<\/p>\n\n\n\n

Klein will dem entgegenwirken. Er versteht, dass antisemitische Attacken in Deutschland die Fr\u00fcchte solch falsch gezeichneter Bilder und eindimensionaler Narrative \u00fcber Israel sind. Wenn er und andere versuchen, ein anderes Narrativ aufzuzeigen, wirft man ihnen Zensur vor: Wie k\u00f6nnen sie es wagen, das Gesch\u00e4ft der Anti-Israel-Propaganda zu st\u00f6ren?<\/p>\n\n\n\n

Liebe Deutsche, wenn ihr reden wollt, lasst uns gern reden: \u00fcber die Besetzung, \u00fcber Bibi und alles, was schiefl\u00e4uft. Aber dann lasst uns bitte auch dar\u00fcber reden, wie deutsche Steuergelder Terrortunnel finanzieren. Erst vergangene Woche r\u00e4umte die niederl\u00e4ndische Regierung ein, dass Gelder an eine Landwirtschaftsorganisation in Ramallah geflossen seien, die damit teilweise die Geh\u00e4lter zweier des Mordes an der 17-j\u00e4hrigen Israelin Rina Shnerb Verd\u00e4chtiger gezahlt haben. Auch die Bundesregierung unterst\u00fctzt diese Organisation, obwohl Kritiker schon lange vor Verbindungen zu Terroristen warnen.<\/p>\n\n\n\n

Wir k\u00f6nnen uns also gerne unterhalten \u2013 aber im Dialog, nicht in Monologen. Denn Reden unter Menschen, die sich einig sind, ist nichts anderes als Impotenz.<\/p>\n\n\n\n

Israelkritik als Eintrittskarte<\/h6>\n\n\n\n

Die Israelis, die die Petition unterzeichnet haben, haben \u00fcbrigens ebenfalls etwas verstanden. Seit Jahren wissen sie: Es ist ihre Eintrittskarte in die Mitte der deutschen (und europ\u00e4ischen) Gesellschaft. Man h\u00f6rt nicht oft von Akademikern mit proisraelischen Ansichten. Weder in den Philharmonie-Orchestern noch in der Kunstszene. Die Eintrittskarte daf\u00fcr ist ein antiisraelischer Standpunkt.<\/p>\n\n\n\n

Der mutma\u00dfliche Grund, warum kaum Deutsche die Petition unterzeichnet haben: Sie mussten es nicht. Ihre Lieblingsjuden haben es f\u00fcr sie getan. Jetzt k\u00f6nnen sie sagen: \u201eSchau, ich bin das ja nicht, meine j\u00fcdischen Freunde sagen es.\u201c Ich selbst war einige Jahre lang mit einem Paar hier in Berlin befreundet, bis ich herausfand, dass ich ihr Lieblingsjude war. Ja, selbst das j\u00fcdische Museum wurde so genutzt.<\/p>\n\n\n\n

Weil Attacken gegen Juden ein absolutes Tabu sind, wurden Umwege gefunden, um den Antisemitismus auf kleiner Flamme k\u00f6cheln zu lassen: die unfundierte, unbegr\u00fcndete Kritik an Israel.<\/p>\n\n\n\n

Diese Art der Kritik ist gef\u00e4hrlich. Sie schw\u00e4cht jede begr\u00fcndete und notwendige Kritik am Verhalten Israels. Und das Interessante ist: Trotz all der heftigen, pauschalisierenden Anklagen, all der offenen Briefe driftet Israel politisch immer weiter nach rechts. Doch statt mal einen anderen Ansatz zu versuchen, werden die antiisraelischen Stimmen nur lauter. Dasselbe versuchen und andere Ergebnisse davon erwarten \u2013 das ist die Definition von Wahnsinn.<\/p>\n\n\n\n

Kurz bevor der Prozess gegen den wegen des Attentats von Halle<\/a> Angeklagten begann \u2013 des seit Kriegsende schlimmsten Akts von Antisemitismus in Deutschland \u2013, lud eine Lokalzeitung den fr\u00fcheren Botschafter Shimon Stein und den Historiker Moshe Zimmermann ein, dar\u00fcber zu schreiben, was Antisemitismus ist. Nat\u00fcrlich wendeten auch sie sich gegen Felix Kleins Ansatz. Sie zitieren die Kontroverse um die Umbenennung der U-Bahn-Station Mohrenstra\u00dfe in Glinkastra\u00dfe, die sich darum drehte, dass der russische Komponist Michael Glinka Antisemit gewesen sein soll. Stein und Zimmermann halten die Debatte f\u00fcr \u00fcberzogen, Glinka sei nur ein Kind seiner Zeit gewesen. Folgt man ihrer Logik, k\u00f6nnen wir dann also in 20 oder 30 Jahren U-Bahn-Stationen nach den Kindern der 1930er Jahre benennen?<\/p>\n\n\n\n

Der Antisemit als Tierfreund<\/h6>\n\n\n\n

Ich w\u00fcnschte, die Sache h\u00e4tte mit dem Artikel, mit der Petition geendet. Doch dann erschien ein Artikel, der den Leser auf einen Waldspaziergang mit einem veganen Koch und Antisemiten mitnahm. Darin setzt der Tierfreund erst behutsam einen K\u00e4fer wieder auf seine Beinchen und erkl\u00e4rt dann, dass die Todesstrafe in Deutschland wieder eingef\u00fchrt werden solle, um einen gewissen Politiker (der zuf\u00e4llig pro Israel ist) an seinen Hoden aufh\u00e4ngen zu k\u00f6nnen. Dieser Koch hat Hunderttausende Follower, er sagt all solche Dinge am helllichten Tag in Berlin. Und in den Medien.<\/p>\n\n\n\n

F\u00e4lle wie dieser handeln bereits von Gewalt \u2013 und sie enden nicht bei den Juden. Der Hass richtet sich gegen Frauen<\/a>, Muslime, Gefl\u00fcchtete, \u00adLBTQI. Am Ende aller theoretischen Debatten stehen immer echte Menschen. Am Ende jeder Konferenz dar\u00fcber, was Antisemitismus ausmacht, steht ein potenzielles j\u00fcdisches Opfer. Angesichts einer Welle von Antisemitismus \u00fcber die Definition von Antisemitismus zu streiten ist, wie eine 10 Meter hohe Welle heranrollen zu sehen und dar\u00fcber zu streiten, was einen Tsunami ausmacht.<\/p>\n\n\n\n

Felix Klein versteht, wie absurd es ist, zu sagen: Es sind nur die Rechten. Die Rechten sind Deutsche, so wie die Nazis Deutsche waren. Klein versteht, dass die Deutschen nicht aufgeh\u00f6rt haben, Juden zu ermorden, weil sie irgendeine Art von Erleuchtung hatten. Sondern schlicht, weil sie den Krieg verloren haben. Um den Antisemitismus zu bek\u00e4mpfen, bevor er die Gesellschaft frisst, in der er und wir leben, muss Deutschland seinen moralischen Kompass korrigieren.<\/p>\n\n\n\n

Immerhin: Mehr und mehr Deutsche fahren nach Israel, sie wollen ein anderes Narrativ h\u00f6ren. Mehr und mehr Deutsche verstehen, dass Antisemitismus Schockwellen ausl\u00f6st, die die gesamte Gesellschaft betreffen. In einem normalen Universum w\u00fcrde Klein bef\u00f6rdert werden f\u00fcr seine Leistung. In einer verdrehten Gesellschaft fordern Menschen seine Entlassung. Um es mit Mbembe zu sagen: Das ist Nano-Nonsens.<\/p>\n\n\n\n

\u00dcbersetzung: Ariane Lemme<\/a><\/em><\/p>\n","post_title":"Felix Klein hat verstanden","post_excerpt":"","post_status":"publish","comment_status":"closed","ping_status":"closed","post_password":"","post_name":"felix-klein-hat-verstanden","to_ping":"","pinged":"","post_modified":"2025-02-02 08:39:39","post_modified_gmt":"2025-02-02 08:39:39","post_content_filtered":"","post_parent":0,"guid":"https:\/\/dctransparency.com\/?p=3786","menu_order":0,"post_type":"post","post_mime_type":"","comment_count":"0","filter":"raw"}],"next":false,"prev":true,"total_page":47},"paged":1,"column_class":"jeg_col_2o3","class":"epic_block_3"};

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Nur drei Wochen vor diesem Streik kamen die Vereinten Nationen zu dem Schluss, dass der Blaue Pfeil 7 \"ballistisch gepaart ist, um vom Wing Loong II geliefert zu werden ... und von keinem anderen in Libyen bisher identifizierten Luftfahrtgut\".<\/p>\n\n\n\n

Die BBC untersuchte auch, woher diese Drohne stammen k\u00f6nnte, und fand Hinweise darauf, dass Wing Loong-Drohnen zum Zeitpunkt des Angriffs nur von einem libyschen Luftwaffenst\u00fctzpunkt aus operierten: al-Khadim im von der LNA kontrollierten Ostlibyen.<\/p>\n\n\n\n

Sowohl die BBC als auch die UN haben Beweise daf\u00fcr gefunden, dass Drohnen, die von diesem Luftwaffenst\u00fctzpunkt aus operieren, zu den Vereinigten Arabischen Emiraten geh\u00f6ren.<\/p>\n\n\n\n

Im Jahr 2019 stellte die UNO fest, dass die VAE durch den Versand von Wing Loong-Drohnen und Blue Arrow 7-Raketen nach Libyen gegen das seit 2011 geltende UN-Waffenembargo gegen das Land versto\u00dfen hatten.<\/p>\n\n\n\n

Die BBC fand auch ein Waffenregister, aus dem hervorgeht, dass die VAE 2017 15 Wing Loong-Drohnen und 350 Blue Arrow 7-Raketen gekauft haben.<\/p>\n\n\n\n

Was hat die BBC noch aufgedeckt?<\/strong><\/p>\n\n\n\n

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Die BBC-Untersuchung ergab auch neue Beweise daf\u00fcr, dass \u00c4gypten den VAE erlaubt, \u00e4gyptische Milit\u00e4rflugpl\u00e4tze nahe der libyschen Grenze zu nutzen.<\/p>\n\n\n\n

Im Februar 2020 scheinen die in Libyen stationierten Wing Loong II-Drohnen \u00fcber die Grenze nach \u00c4gypten zu einem Luftwaffenst\u00fctzpunkt in der N\u00e4he von Siwa in der west\u00e4gyptischen W\u00fcste gebracht worden zu sein.<\/p>\n\n\n\n

Satellitenbilder zeigen auch, dass ein zweiter \u00e4gyptischer Milit\u00e4rflugplatz, Sidi Barrani, als Einsatzbasis f\u00fcr Mirage 2000-Kampfflugzeuge verwendet wurde, die in Farben lackiert sind, die nicht von der \u00e4gyptischen Luftwaffe verwendet werden, aber genau den von den VAE geflogenen Jets entsprechen .<\/p>\n\n\n\n

Dies ist das gleiche Flugzeugmodell, das von den Vereinten Nationen in einen Luftangriff auf ein Migrationszentrum \u00f6stlich von Tripolis im Juli 2019 verwickelt wurde, bei dem 53 Menschen get\u00f6tet wurden.<\/p>\n\n\n\n

Ausl\u00e4ndischer Jet bei libyschem Migrantenangriff verd\u00e4chtigt<\/p>\n\n\n\n

Sidi Barrani ist auch das Ziel f\u00fcr mehrere Frachtflugzeuge, die von den Vereinigten Arabischen Emiraten gestartet sind, und schl\u00e4gt eine Luftbr\u00fccke f\u00fcr Ausr\u00fcstung oder Lieferungen zwischen den Vereinigten Arabischen Emiraten und einer Milit\u00e4rbasis vor, die nur 80 km von der libyschen Grenze entfernt liegt.<\/p>\n\n\n\n

Die \u00e4gyptische Regierung antwortete nicht auf die Bitte der BBC um Stellungnahme.<\/p>\n\n\n\n

Ist ausl\u00e4ndisches milit\u00e4risches Engagement \u00fcberraschend?<\/strong><\/p>\n\n\n\n

Sowohl die Vereinigten Arabischen Emirate als auch \u00c4gypten nahmen an einer von Bundeskanzlerin Angela Merkel im Januar dieses Jahres in Berlin einberufenen Konferenz \u00fcber Libyen teil, auf der sie ihre Unterst\u00fctzung f\u00fcr den UN-Friedensprozess bekr\u00e4ftigten und sich bereit erkl\u00e4rten, nicht in den Libyen-Krieg einzugreifen.<\/p>\n\n\n\n

Im vergangenen Jahr gab es jedoch eine Eskalation des Einsatzes von Drohnen durch beide Seiten des Konflikts.<\/p>\n\n\n\n

Ghassan Salam\u00e9, der fr\u00fchere Leiter der UN-Mission in Libyen, beschrieb dies als \"m\u00f6glicherweise das gr\u00f6\u00dfte Drohnenkriegstheater der Welt\".<\/p>\n\n\n\n

Die VAE sind nicht die einzige ausl\u00e4ndische Macht, die an diesem Konflikt beteiligt ist.<\/p>\n\n\n\n

Anfang dieses Jahres gab BBC Africa Eye bekannt, dass die T\u00fcrkei auch gegen das Waffenembargo der Vereinten Nationen gegen Libyen versto\u00dfen hat, indem sie geheime Waffenlieferungen an die von den Vereinten Nationen anerkannte Regierung in Tripolis gesendet hat.<\/p>\n\n\n\n

Mit Unterst\u00fctzung der T\u00fcrkei hat die von den Vereinten Nationen anerkannte Regierung des Nationalen Abkommens nun die LNA von Gen Haftar aus der Gegend um Tripolis zur\u00fcckgeschlagen.<\/p>\n","post_title":"BBC-Untersuchung: VAE in t\u00f6dlichen Angriff in Libyen verwickelt","post_excerpt":"","post_status":"publish","comment_status":"closed","ping_status":"closed","post_password":"","post_name":"bbc-untersuchung-vae-in-todlichen-angriff-in-libyen-verwickelt","to_ping":"","pinged":"","post_modified":"2025-02-02 08:39:39","post_modified_gmt":"2025-02-02 08:39:39","post_content_filtered":"","post_parent":0,"guid":"https:\/\/dctransparency.com\/?p=3811","menu_order":0,"post_type":"post","post_mime_type":"","comment_count":"0","filter":"raw"},{"ID":3792,"post_author":"7","post_date":"2020-08-14 13:58:48","post_date_gmt":"2020-08-14 13:58:48","post_content":"\n

Die Hagia Sophia war (ist) ein kulturelles Weltwunder und aufgeladen mit symbolischer Bedeutung, f\u00fcr die Christenheit ebenso wie f\u00fcr den Islam \u2013 und den t\u00fcrkischen Nationalismus. Als Mehmed II. sie betrat, war sie schon fast 1000 Jahre die gr\u00f6\u00dfte Kirche der christlichen Welt und das Zentrum der orthodoxen Glaubensrichtung. Die \"Ayasofya\", wie sie dann hie\u00df, war 500 Jahre lang Moschee \u2013 bis 1934, als Kemal Pascha Atat\u00fcrk, der \"Vater\" der modernen T\u00fcrkei, sie in ein Museum verwandelte, in der ausdr\u00fccklichen Absicht, auch hier mit dem osmanischen Erbe zu brechen.<\/p>\n\n\n\n

Nun wird Pr\u00e4sident Recep Tayyip Erdo\u011fan, der \"Vater\" der re-islamisierten T\u00fcrkei, am 24. Juli dieses Jahres die Ayasofya durch das Freitagsgebet wieder in den Islam eingliedern. Oder eher in seinen pers\u00f6nlichen religi\u00f6sen Nationalismus.<\/p>\n\n\n\n

Welterbe von allen<\/h3>\n\n\n\n

Wie bedeutungsschwer ist dieser Akt eines \"starken Mannes\", der innenpolitisch deutlich schw\u00e4chelt? Die Proteste vor allem aus der orthodoxen Welt, aber auch aus Europa und den USA sind eher traurig als w\u00fctend. Der Papst dr\u00fcckte seinen \"Schmerz\" aus. Auch der Jubel in der islamischen Welt fiel zun\u00e4chst weniger \u00fcbersch\u00e4umend als erwartet aus.<\/p>\n\n\n\n

Ist es der Alleingang eines Autokraten in Bedr\u00e4ngnis oder ist \"der Jubel \u00fcber die Eroberung der Hagia Sophia der Versuch einer zutiefst erniedrigten, vom Gef\u00fchl der Wertlosigkeit dominierten und in ihrer eigenen Selbstberechtigung beraubten Gesellschaft, eine Bedeutung, eine St\u00e4rke, ein Selbstwertgef\u00fchl zu finden\"? So recht pauschalierend der in Deutschland lebende pal\u00e4stinensische Intellektuelle und Psychiater Ahmad Mansour.<\/p>\n\n\n\n

Die beiden Gro\u00dfreiche, das byzantinische und das osmanische, sind l\u00e4ngst versunken.<\/p><\/blockquote>\n\n\n\n

Das eigentliche Schl\u00fcsselwort im Zusammenhang mit der Hagia Sofia ist \"Welterbe\". Das Erbe von allen. Einmal im kulturellen Sinn der Unesco, aber in Wahrheit weiter gefasst. Das einzigartige Bauwerk geh\u00f6rt in Wirklichkeit der ganzen Welt, nicht der einen oder anderen Religion. Die beiden Gro\u00dfreiche, f\u00fcr die die Hagia Sofia der zentrale spirituelle Bau war, das byzantinische und das osmanische, sind l\u00e4ngst versunken. Seither hat sie eine neue, \u00fcbernationale Dimension erhalten. Was Erdo\u011fan da jetzt mit der Hagia Sofia macht, ist eine Verengung und Verarmung eines gemeinsamen Welterbes.<\/p>\n\n\n\n

\"\"\/
Betende Muslime vor der Hagia Sophia.<\/figcaption><\/figure>\n\n\n\n

Davon abgesehen aber war und ist sie ein architektonisches Meisterwerk und geh\u00f6rt zu den bedeutendsten Bauten der Welt. Wer heute den Zentralraum unter der Kuppel betritt, kann sich nur schwer dem zugleich majest\u00e4tischen wie schwebenden Gesamteindruck entziehen. Die Hagia Sophia blieb fast 1000 Jahre die gr\u00f6\u00dfte Kirche der Christenheit. Technisch war die Kuppel (mit mehreren Halbkuppeln) eine \u00fcberaus riskante Innovation: Die 55 Meter hohe und 32 Meter im Durchmesser breite Kuppel ruht auf nur vier Tragpunkten, was den schwebenden, schwerelosen Eindruck erzeugt. Die Konstruktion folgt einem mathematischen Prinzip, das erst k\u00fcrzlich entschl\u00fcsselt wurde.<\/p>\n\n\n\n

\"Salomo, ich habe dich \u00fcbertroffen!\"<\/p><\/blockquote>\n\n\n\n

Als Kaiser Justinian die Hagia Sophia nach nur f\u00fcnf Jahren Bauzeit (532\u2013537) betrat, soll er in Anspielung auf den Tempel in Jerusalem ausgerufen haben: \"Salomo, ich habe dich \u00fcbertroffen!\" Die Innenausstattung war mit ihren S\u00e4ulen aus Porphyr und gr\u00fcnem Marmor, mit Mosaiken aus Gold und Halbedelsteinen derart prunkvoll, der Gesamteindruck derart \u00fcberirdisch, dass eine Delegation des Gro\u00dff\u00fcrsten von Kiew nicht mehr wusste, \"ob wir im Himmel oder auf der Erde\" waren \u2013 was die Christianisierung Russlands bef\u00f6rderte.<\/p>\n\n\n\n

Der deutsche Architekturlehrer Holger Kleine nennt die Hagia Sophia \"absolute Architektur\", weil sie \"extreme Ausdrucksformen nahezu aller dramaturgischen Mittel, die der Architektur zur Verf\u00fcgung stehen, vereinigt: wuchtigste K\u00f6rper und luftigste R\u00e4ume, engste Enge und gr\u00f6\u00dfte Weite, w\u00e4rmende Helligkeit und mystisches Dunkel\". Und die Kuppelbauten aus der sp\u00e4teren Hochbl\u00fcte der Moscheenarchitektur im 16. und 17. Jahrhundert gehen eindeutig auf die Hagia Sophia zur\u00fcck.<\/p>\n\n\n\n

Die Hagia Sophia war Staatskirche des byzantinischen Reichs. F\u00fcr die Eroberer der letzte Schlussstein in der Kuppel osmanisch-muslimischen Herrschaftsanspruchs. Konstantinopel war ja 1453 nur noch eine isolierte, heruntergekommene Enklave in einem osmanischen Umfeld, kein christliches Heer kam zu Hilfe. Doch vorher war es zugleich Sperrriegel nach Osten und Geistesarchiv der antiken Kultur gewesen. \"Ohne Byzanz h\u00e4tte es kein Europa gegeben\", sagt die britische Altertumsforscherin Judith Herrin.<\/p>\n\n\n\n

\"\"\/
Freigelegtes Mosaik von \"Christos Pantokrator\".<\/figcaption><\/figure>\n\n\n\n

Neue Fragen<\/h3>\n\n\n\n

Die Kirche wurde von Mehmed II. und Nachfolgern nicht in der Substanz zerst\u00f6rt, sondern \"entchristlicht\". Die urspr\u00fcnglich \u00fcbert\u00fcnchten oder auch abgeschlagenen Mosaiken mit den Darstellungen von Christus, der Muttergottes, diversen Kaisern kamen zum Teil schon unter einem Sultan des 19. Jahrhunderts, dann gro\u00dfteils nach der Museumswidmung wieder zum Vorschein.<\/p>\n\n\n\n

Jetzt stellen sich neue symbolisch-praktische Fragen. Erdo\u011fan hat die Hagia Sophia der konservativen staatlichen Religionsbeh\u00f6rde Diyanet unterstellt. Die byzantinischen Mosaike, wie der gro\u00dfartige \"Christos Pantokrator\" (\"Weltenherrscher\") oder die Jungfrau Maria in der Apsis, m\u00fcssen wohl w\u00e4hrend des islamischen Gottesdiensts verh\u00e4ngt werden. Muss der Boden mit seinen Marmorplatten und Mosaiken mit einem Teppich bedeckt werden? Erdo\u011fan sagt, Touristen seien nach wie vor zugelassen. Aber sie werden wohl hinter Absperrungen bleiben m\u00fcssen. Frauen werden \u2013 wie in der benachbarten \"Blauen Moschee\" (\"Sultanahmed\") Kopftuch tragen m\u00fcssen.<\/p>\n\n\n\n

\"\"\/
Erdo\u011fan mit Gattin in der Hagia Sophia.<\/figcaption><\/figure>\n\n\n\n

Erdo\u011fans neue Abenteuer<\/strong><\/h3>\n\n\n\n

Aber wird da nicht doch zu viel in einen Formalakt rund um ein uraltes Bauwerk hineininterpretiert? Im geschichtlichen Kontext relativiert sich manches: Konstantinopel wurde schon von Christen erobert und ausgepl\u00fcndert \u2013 1204 im Vierten Kreuzzug. In der Moschee von Cordoba (\"Mezquita\") bauten die Katholiken eine ganze Kirche in den ber\u00fchmten S\u00e4ulenwald hinein. Die Mezquita ist heute noch Kirche, kein Museum.<\/p>\n\n\n\n

\"Das ist der Beweis, dass wir kein s\u00e4kularer Staat mehr sein wollen\", sagt Nobelpreistr\u00e4ger Orhan Pamuk. Erdo\u011fan betrachtet sich offenbar als auch neoosmanischer \"Fatih\" im Mittelmeerraum mit immer neuen Abenteuern: Eingreifen in Syrien, Stellvertreterkrieg in Libyen, Anspr\u00fcche auf Erdgasvorkommen weit vor der t\u00fcrkischen K\u00fcste bei Zypern, Reden, wonach manche \u00c4g\u00e4is-Inseln eigentlich zur T\u00fcrkei geh\u00f6ren, \"denn dort stehen unsere Moscheen\". Manches davon ist nur Rhetorik, aber genug anderes ist riskante Realit\u00e4t. (Hans Rauscher, 14.7.2020)<\/p>\n\n\n\n

Quelle<\/a><\/strong><\/p>\n","post_title":"Hagia Sophia: Verengung und Verarmung eines Welterbes","post_excerpt":"","post_status":"publish","comment_status":"closed","ping_status":"closed","post_password":"","post_name":"hagia-sophia-verengung-und-verarmung-eines-welterbes","to_ping":"","pinged":"","post_modified":"2025-02-02 08:39:39","post_modified_gmt":"2025-02-02 08:39:39","post_content_filtered":"","post_parent":0,"guid":"https:\/\/dctransparency.com\/?p=3792","menu_order":0,"post_type":"post","post_mime_type":"","comment_count":"0","filter":"raw"},{"ID":3789,"post_author":"7","post_date":"2020-08-14 13:56:07","post_date_gmt":"2020-08-14 13:56:07","post_content":"\n

Im Gastkommentar pocht Mark Leonard, Direktor des Europ\u00e4ischen Rats f\u00fcr Ausw\u00e4rtige Beziehungen, auf \"neue, einvernehmlich vereinbarte Prinzipien sowie klare Grenzen\", nur so k\u00f6nne eine weitere Destabilisierung in der Region verhindert werden.<\/em><\/strong><\/p>\n\n\n\n

Ist die T\u00fcrkei das neue Russland? Diese Frage wird in den europ\u00e4ischen Hauptst\u00e4dten zunehmend gestellt, da die Au\u00dfenpolitik des t\u00fcrkischen Pr\u00e4sidenten Recep Tayyip Erdo\u011fan zunehmend aggressiver wird. Erdo\u011fan nutzt nicht nur die Migration, um die EU zu bedrohen und zu betr\u00fcgen, sondern setzt auch milit\u00e4rische Macht ein, um den Einflussbereich der T\u00fcrkei auf die gesamte Region auszudehnen.<\/p>\n\n\n\n

Seit dem Ende des Kalten Krieges haben die Europ\u00e4er die regionale Sicherheit durch eine unipolare westliche Linse betrachtet. W\u00e4hrend die Nato die milit\u00e4rische Sicherheit garantierte, sorgte die EU mit ihrem 80.000 Seiten starken Regelwerk f\u00fcr alles von LGBTQ-Rechten bis hin zu Rasenm\u00e4her-Sound-Verordnungen f\u00fcr Rechtsordnung. In den 90er-Jahren ging man allgemein davon aus, dass die beiden gro\u00dfen nichtwestlichen regionalen Akteure, Russland und die T\u00fcrkei, nach und nach an diese Regelungen herangef\u00fchrt werden w\u00fcrden.<\/p>\n\n\n\n

Qu\u00e4lende Hassliebe<\/h3>\n\n\n\n

Doch in den letzten 15 Jahren ist der Traum von der europ\u00e4ischen Unipolarit\u00e4t einer multipolaren Realit\u00e4t gewichen. Sowohl Russland als auch die T\u00fcrkei haben eine lange, qu\u00e4lende Hassliebe zu Europa, und beide sind unter nationalen Machthabern, denen die Verachtung der Normen und Werte der EU gemeinsam ist, durchsetzungsf\u00e4higer geworden.<\/p>\n\n\n\n

Die zunehmende Verschlechterung der Beziehungen zwischen der EU und Russland ist gut dokumentiert, der Fall der T\u00fcrkei weniger. Der Irakkrieg im Jahr 2003 komplizierte das Verh\u00e4ltnis der T\u00fcrkei zur Nato, und ihr Verh\u00e4ltnis zur EU verschlechterte sich 2007, als Frankreich einen wichtigen Teil ihrer EU-Beitrittsverhandlungen blockierte. Seitdem hat die T\u00fcrkei ihren eigenen Weg in Syrien, auf dem Balkan und in Libyen eingeschlagen und neue Beziehungen zu Russland und China aufgebaut.<\/p>\n\n\n\n

Wichtiger Akteur<\/strong><\/h3>\n\n\n\n

Nat\u00fcrlich sind die Beziehungen zwischen der T\u00fcrkei und Russland nicht weniger kompliziert, nicht zuletzt weil Erdo\u011fan und der russische Pr\u00e4sident Wladimir Putin im syrischen B\u00fcrgerkrieg verschiedene Seiten unterst\u00fctzten.Und w\u00e4hrend die Spannungen wegen des Syrien-Konflikts weiterhin bestehen, bewundert Erdo\u011fan deutlich, wie Russland sich \u2013 bei relativ geringen Kosten \u2013 wieder als wichtiger Akteur im Nahen Osten und in Nordafrika etabliert hat.<\/p>\n\n\n\n

Nachdem er in einen nicht zu gewinnenden Krieg im Osten der Ukraine verwickelt war, schien Putins weitgehend erfolgreicher Feldzug in Syrien einen Teil seiner innenpolitischen Autorit\u00e4t wiederherzustellen. Der Westen hatte f\u00fcnf Jahre lang darauf bestanden, dass es keine milit\u00e4rische L\u00f6sung des Konflikts gebe und dass der syrische Pr\u00e4sident Baschar al-Assad gehen m\u00fcsse. Doch w\u00e4hrend die von den Vereinten Nationen unterst\u00fctzten Gespr\u00e4che in Genf zu keinem Ergebnis f\u00fchrten, schienen die von Russland geleiteten Gespr\u00e4che in Astana voranzukommen. Indem der Kreml die T\u00fcrkei und den Iran einbezog, w\u00e4hrend er die westlichen M\u00e4chte ausschloss, erweckte er den Eindruck, dass Russland als wiedergeborene Supermacht aus der Asche auferstanden sei.<\/p>\n\n\n\n

Unter Druck<\/h3>\n\n\n\n

Angesichts des wachsenden Widerstands im eigenen Land macht es Erdo\u011fan Putin gleich. Da der Westen nicht bereit war, (erneut) milit\u00e4risch in Libyen zu intervenieren, sah Erdo\u011fan eine Gelegenheit, die T\u00fcrkei zu positionieren. Nach dem Vorgehen Russlands in Syrien sicherte er sich eine formelle Einladung der libyschen Regierung zur Intervention. Mit einem Schlag Ende letzten Jahres hat er nicht nur das Image der T\u00fcrkei als Regionalmacht gest\u00e4rkt, sondern auch ein Abkommen mit Libyen \u00fcber die Seegrenze abgeschlossen und damit einen Plan Griechenlands, Zyperns, \u00c4gyptens und Israels zur Erschlie\u00dfung von Unterwasser\u00f6l- und -gasfeldern in der N\u00e4he zunichtegemacht.<\/p>\n\n\n\n

Erdo\u011fan scheint auch von der Spalt-und-Eroberungs-Strategie des Kreml in Europa inspiriert worden zu sein, der zufolge oft diejenigen EU-Mitgliedsstaaten unter Druck gesetzt werden, die am meisten von russischen Kohlenwasserstoffen oder M\u00e4rkten abh\u00e4ngig sind. So wie Putin lange Zeit die Energieversorgung instrumentalisiert hat, hat Erdo\u011fan versucht, den Strom von Migranten und Fl\u00fcchtlingen, die vor Konflikten im Nahen Osten fliehen, zu instrumentalisieren. Als die EU eine neue Marinemission ank\u00fcndigte, um den Waffenstrom nach Libyen zu blockieren, malte die T\u00fcrkei f\u00fcr Malta das Schreckgespenst der angeblichen Bedrohung durch Migranten an die Wand. Malta reagierte prompt und signalisierte, dass es gegen die Finanzierung der Mission ein Veto einlegen werde.<\/p>\n\n\n\n

Verlorener Sohn<\/strong><\/h3>\n\n\n\n

Jahrelang redeten sich die Europ\u00e4er ein, dass Russland eine Art verlorener Sohn sei und dass die europ\u00e4ische unipolare Ordnung gesund bleibe. Doch das machte Europa zu einem leichten Ziel f\u00fcr die Trennungs-und-Eroberungs-Strategie des Kreml. Erst vor relativ kurzer Zeit entwarf die Union eine neue Politik und ein robustes Sanktionsregime, um die russische Aggression abzuschrecken. Und selbst jetzt \u2013 trotz der besten Bem\u00fchungen der deutschen Bundeskanzlerin Angela Merkel und des franz\u00f6sischen Pr\u00e4sidenten Emmanuel Macron \u2013 hat die EU noch immer keine wirksamen Kommunikationskan\u00e4le mit Russland geschaffen, um gemeinsame Probleme anzugehen.<\/p>\n\n\n\n

Die T\u00fcrkei ist noch kein neues Russland, aber sie k\u00f6nnte dazu werden, wenn die Situation falsch gehandhabt wird. Vorerst betrachten die meisten Europ\u00e4er die T\u00fcrkei noch immer als einen komplizierten Partner und nicht als \"Systemrivalen\". Aber die Europ\u00e4er sollten die hart erk\u00e4mpften Lehren aus dem Umgang mit Russland in den letzten 15 Jahren beherzigen. Die Beziehungen zwischen der EU und der T\u00fcrkei brauchen neue, einvernehmlich vereinbarte Prinzipien sowie klare Grenzen, um eine weitere Destabilisierung in der Region zu verhindern.<\/p>\n\n\n\n

Zu diesem Zweck sollten die Europ\u00e4er klarstellen, dass der EU-Beitrittsprozess entweder zur\u00fcckgedreht oder vorangetrieben werden kann und dass eine eher transaktionale Beziehung sowohl Zuckerbrot als auch Peitsche beinhaltet. Die Herausforderung wird darin bestehen, daf\u00fcr zu sorgen, dass es in einer Region, die nicht nur von Europa und der T\u00fcrkei, sondern auch von Russland, den USA und einem aufstrebenden China beeinflusst wird, noch Raum f\u00fcr politisches Engagement in Fragen der gemeinsamen Sicherheit gibt. (Mark Leonard, \u00dcbersetzung: Eva G\u00f6llner, Copyright: Project Syndicate, 10.8.2020)<\/p>\n\n\n\n

Mark Leonard <\/strong>ist Direktor des Europ\u00e4ischen Rats f\u00fcr Ausw\u00e4rtige Beziehungen.<\/a><\/p>\n","post_title":"Erdo\u011fan \u2013 der andere Putin vor der Haust\u00fcr Europas","post_excerpt":"","post_status":"publish","comment_status":"closed","ping_status":"closed","post_password":"","post_name":"erdogan-der-andere-putin-vor-der-haustur-europas","to_ping":"","pinged":"","post_modified":"2025-02-02 08:39:39","post_modified_gmt":"2025-02-02 08:39:39","post_content_filtered":"","post_parent":0,"guid":"https:\/\/dctransparency.com\/?p=3789","menu_order":0,"post_type":"post","post_mime_type":"","comment_count":"0","filter":"raw"},{"ID":3786,"post_author":"7","post_date":"2020-08-14 13:51:23","post_date_gmt":"2020-08-14 13:51:23","post_content":"\n

Einen Monat nachdem ich zur israelischen Armee eingezogen worden war, brach die erste Intifada aus. Statt Soldat zu sein, machte ich Polizeiarbeit, sagte den Menschen, wann sie zur Arbeit gehen konnten und wann sie ihre L\u00e4den schlie\u00dfen mussten, wann sie die Grenze passieren und wann sie schlafen konnten. Einen Monat nachdem ich aus der Armee entlassen worden war, ging ich auf Reisen. (In Israel sagen wir: Wir dienen drei Jahre und versuchen den Rest unseres Lebens, diese drei Jahre zu vergessen.) Auf meiner Reise begann ich Briefe an meine Freundin zu schreiben, die ich in Israel zur\u00fcckgelassen hatte.<\/p>\n\n\n\n

Ich schrieb ihr, wie schrecklich depressiv ich war und dass diese drei Jahre des Anweisungenbellens und Anderen-Menschen-Sagens, was sie zu tun haben, mich f\u00fcr immer verfolgen w\u00fcrden. Dass sie ein Teil dessen geworden waren, was ich bin. Ich erinnere mich, dass ich ihr schrieb, dass wir da rausm\u00fcssen \u2013 nicht nur f\u00fcr die Pal\u00e4stinenser, sondern wegen der furchtbaren und brutalen Auswirkungen, die all das auf uns, auf die israelische Gesellschaft haben w\u00fcrde. Sie schrieb zur\u00fcck: \u201eDu hast recht. Ich habe einen neuen Freund.\u201c<\/p>\n\n\n\n

Felix Klein wurde als Beauftragter der Bundesregierung berufen<\/a>, um die Auswirkungen des zunehmenden Antisemitismus in unserer Gesellschaft, in Deutschland, zu bek\u00e4mpfen. Was nicht in seiner Jobbeschreibung steht, ist, dass er dabei unsere Gesellschaft heilen muss, jene Gesellschaft, die diese Form des Hasses reproduziert und sch\u00fctzt. Klein hat das begriffen.<\/p>\n\n\n\n

Er versteht, dass man Krebs nicht mit einem Pflaster verarztet, er wei\u00df, dass er das Bewusstsein der Deutschen sch\u00e4rfen und Diskussionen ansto\u00dfen muss. Er hat begriffen, dass das Problem nicht nur an den R\u00e4ndern der Gesellschaft (bei den Rechten) liegt, sondern auch in ihrer Mitte. Dort, wo gebildete Menschen nicht einmal bemerken, dass das, was sie sagen und tun, antisemitisch ist. So wie sie es auch nicht merken, wenn sie rassistisch handeln. Er hat all das verstanden, und genau deshalb wollen einige, dass er seinen Posten r\u00e4umt.<\/p>\n\n\n\n

Mehr als 60 deutsche und israelische Intellektuelle haben letzte Woche in einem Brief an Kanzlerin Merkel<\/a> dar\u00fcber geklagt, dass der aktuelle \u201eGebrauch des Antisemitismusbegriffs\u201c darauf abziele, \u201elegitime Kritik an der israelischen Regierungspolitik zu unterdr\u00fccken\u201c, und Klein vorgeworfen, rechtspopulistische israelische Stimmen zu f\u00f6rdern.<\/p>\n\n\n\n

Faszinierend an diesem offenen Brief ist, dass viele der Unterzeichneten keine Deutschen sind und auch nicht in Deutschland leben. Ich wei\u00df nicht, woher sie \u2013 die meisten von ihnen sind Israelis \u2013 die Chuzpe haben, sich in eine innerdeutsche Angelegenheit einzumischen und zu fordern, eine Person zu entlassen, die von der Bundesregierung eingesetzt wurde. Die H\u00e4lfte der Unterzeichneten lebt nicht hier, von der anderen H\u00e4lfte sind viele keine Juden \u2013 somit sind die allermeisten von ihnen nicht direkt vom Antisemitismus in Deutschland betroffen. Wie also k\u00f6nnen sie diesen Brief unterschreiben? Und warum eigentlich haben so wenige Deutsche unterschrieben? Dazu komme ich gleich.<\/p>\n\n\n\n

Debatte um Achille Mbembe<\/h6>\n\n\n\n

Hintergrund des Briefs war, dass Felix Klein gefordert hatte, den Philosophen Achille Mbembe<\/a> nicht die Er\u00f6ffnungsrede der Ruhrtriennale halten zu lassen. Als mit \u00f6ffentlichen Mitteln gef\u00f6rdertes Event solle die Ruhrtriennale Mbembe wegen seiner Haltung zu Israels Existenzrecht, seiner Haltung zu BDS und der Art, wie er in einem seiner Werke den Holocaust relativiert, nicht einladen.<\/p>\n\n\n\n

Mbembes Unterst\u00fctzer sagen, keine dieser Anschuldigungen sei wahr. F\u00fcrs Protokoll: In meinen Augen unterst\u00fctzt Mbembe sehr wohl BDS<\/a>, er schrieb unter anderem das Vorwort zu \u201eApartheid Israel\u201c und fordert die komplette Isolation Israels. Ich glaube auch, wenn Mbembe schreibt, die israelische Besetzung sei der \u201egr\u00f6\u00dfte moralische Skandal unserer Zeit\u201c, zeigt das, dass sein moralischer und geografischer Kompass etwas schief ist.<\/p>\n\n\n\n

Doch warum treibt die Debatte so viele Menschen um? Nun, zun\u00e4chst gibt niemand gern auf, was ihm oder ihr selbstverst\u00e4ndlich scheint. \u00dcber den gesamten politischen, sozialen, kulturellen, medialen und akademischen Sektor hinweg sind Menschen daran gew\u00f6hnt, so schlecht \u00fcber Israel sprechen zu k\u00f6nnen, wie auch immer sie wollen.<\/p>\n\n\n\n

Der Spiegel<\/em> hat \u2013 vielleicht in Anlehnung an seine Relotius-Standards, Israel erst k\u00fcrzlich eine Corona-Diktatur genannt. Fakten und Belege f\u00fcr diese Behauptung gab es nicht. Doch Millionen Deutsche haben es gelesen, und es wird nat\u00fcrlich haften bleiben. Faktenlage hin oder her. Der Spiegel<\/em> und andere Medien haben dieses Spiel perfektioniert: Titel so zu drehen, dass sie Israel indirekt anklagen, die Idee zu streuen, der Mossad kon\u00adtrol\u00adliere die deutsche Au\u00dfenpolitik im Nahen Osten, und so fort. Doch sie stehen allesamt sofort auf den Hinterbeinen, wenn jemand es wagt, das Spiel beim Namen zu nennen: moderner Antisemitismus.<\/p>\n\n\n\n

Klein will dem entgegenwirken. Er versteht, dass antisemitische Attacken in Deutschland die Fr\u00fcchte solch falsch gezeichneter Bilder und eindimensionaler Narrative \u00fcber Israel sind. Wenn er und andere versuchen, ein anderes Narrativ aufzuzeigen, wirft man ihnen Zensur vor: Wie k\u00f6nnen sie es wagen, das Gesch\u00e4ft der Anti-Israel-Propaganda zu st\u00f6ren?<\/p>\n\n\n\n

Liebe Deutsche, wenn ihr reden wollt, lasst uns gern reden: \u00fcber die Besetzung, \u00fcber Bibi und alles, was schiefl\u00e4uft. Aber dann lasst uns bitte auch dar\u00fcber reden, wie deutsche Steuergelder Terrortunnel finanzieren. Erst vergangene Woche r\u00e4umte die niederl\u00e4ndische Regierung ein, dass Gelder an eine Landwirtschaftsorganisation in Ramallah geflossen seien, die damit teilweise die Geh\u00e4lter zweier des Mordes an der 17-j\u00e4hrigen Israelin Rina Shnerb Verd\u00e4chtiger gezahlt haben. Auch die Bundesregierung unterst\u00fctzt diese Organisation, obwohl Kritiker schon lange vor Verbindungen zu Terroristen warnen.<\/p>\n\n\n\n

Wir k\u00f6nnen uns also gerne unterhalten \u2013 aber im Dialog, nicht in Monologen. Denn Reden unter Menschen, die sich einig sind, ist nichts anderes als Impotenz.<\/p>\n\n\n\n

Israelkritik als Eintrittskarte<\/h6>\n\n\n\n

Die Israelis, die die Petition unterzeichnet haben, haben \u00fcbrigens ebenfalls etwas verstanden. Seit Jahren wissen sie: Es ist ihre Eintrittskarte in die Mitte der deutschen (und europ\u00e4ischen) Gesellschaft. Man h\u00f6rt nicht oft von Akademikern mit proisraelischen Ansichten. Weder in den Philharmonie-Orchestern noch in der Kunstszene. Die Eintrittskarte daf\u00fcr ist ein antiisraelischer Standpunkt.<\/p>\n\n\n\n

Der mutma\u00dfliche Grund, warum kaum Deutsche die Petition unterzeichnet haben: Sie mussten es nicht. Ihre Lieblingsjuden haben es f\u00fcr sie getan. Jetzt k\u00f6nnen sie sagen: \u201eSchau, ich bin das ja nicht, meine j\u00fcdischen Freunde sagen es.\u201c Ich selbst war einige Jahre lang mit einem Paar hier in Berlin befreundet, bis ich herausfand, dass ich ihr Lieblingsjude war. Ja, selbst das j\u00fcdische Museum wurde so genutzt.<\/p>\n\n\n\n

Weil Attacken gegen Juden ein absolutes Tabu sind, wurden Umwege gefunden, um den Antisemitismus auf kleiner Flamme k\u00f6cheln zu lassen: die unfundierte, unbegr\u00fcndete Kritik an Israel.<\/p>\n\n\n\n

Diese Art der Kritik ist gef\u00e4hrlich. Sie schw\u00e4cht jede begr\u00fcndete und notwendige Kritik am Verhalten Israels. Und das Interessante ist: Trotz all der heftigen, pauschalisierenden Anklagen, all der offenen Briefe driftet Israel politisch immer weiter nach rechts. Doch statt mal einen anderen Ansatz zu versuchen, werden die antiisraelischen Stimmen nur lauter. Dasselbe versuchen und andere Ergebnisse davon erwarten \u2013 das ist die Definition von Wahnsinn.<\/p>\n\n\n\n

Kurz bevor der Prozess gegen den wegen des Attentats von Halle<\/a> Angeklagten begann \u2013 des seit Kriegsende schlimmsten Akts von Antisemitismus in Deutschland \u2013, lud eine Lokalzeitung den fr\u00fcheren Botschafter Shimon Stein und den Historiker Moshe Zimmermann ein, dar\u00fcber zu schreiben, was Antisemitismus ist. Nat\u00fcrlich wendeten auch sie sich gegen Felix Kleins Ansatz. Sie zitieren die Kontroverse um die Umbenennung der U-Bahn-Station Mohrenstra\u00dfe in Glinkastra\u00dfe, die sich darum drehte, dass der russische Komponist Michael Glinka Antisemit gewesen sein soll. Stein und Zimmermann halten die Debatte f\u00fcr \u00fcberzogen, Glinka sei nur ein Kind seiner Zeit gewesen. Folgt man ihrer Logik, k\u00f6nnen wir dann also in 20 oder 30 Jahren U-Bahn-Stationen nach den Kindern der 1930er Jahre benennen?<\/p>\n\n\n\n

Der Antisemit als Tierfreund<\/h6>\n\n\n\n

Ich w\u00fcnschte, die Sache h\u00e4tte mit dem Artikel, mit der Petition geendet. Doch dann erschien ein Artikel, der den Leser auf einen Waldspaziergang mit einem veganen Koch und Antisemiten mitnahm. Darin setzt der Tierfreund erst behutsam einen K\u00e4fer wieder auf seine Beinchen und erkl\u00e4rt dann, dass die Todesstrafe in Deutschland wieder eingef\u00fchrt werden solle, um einen gewissen Politiker (der zuf\u00e4llig pro Israel ist) an seinen Hoden aufh\u00e4ngen zu k\u00f6nnen. Dieser Koch hat Hunderttausende Follower, er sagt all solche Dinge am helllichten Tag in Berlin. Und in den Medien.<\/p>\n\n\n\n

F\u00e4lle wie dieser handeln bereits von Gewalt \u2013 und sie enden nicht bei den Juden. Der Hass richtet sich gegen Frauen<\/a>, Muslime, Gefl\u00fcchtete, \u00adLBTQI. Am Ende aller theoretischen Debatten stehen immer echte Menschen. Am Ende jeder Konferenz dar\u00fcber, was Antisemitismus ausmacht, steht ein potenzielles j\u00fcdisches Opfer. Angesichts einer Welle von Antisemitismus \u00fcber die Definition von Antisemitismus zu streiten ist, wie eine 10 Meter hohe Welle heranrollen zu sehen und dar\u00fcber zu streiten, was einen Tsunami ausmacht.<\/p>\n\n\n\n

Felix Klein versteht, wie absurd es ist, zu sagen: Es sind nur die Rechten. Die Rechten sind Deutsche, so wie die Nazis Deutsche waren. Klein versteht, dass die Deutschen nicht aufgeh\u00f6rt haben, Juden zu ermorden, weil sie irgendeine Art von Erleuchtung hatten. Sondern schlicht, weil sie den Krieg verloren haben. Um den Antisemitismus zu bek\u00e4mpfen, bevor er die Gesellschaft frisst, in der er und wir leben, muss Deutschland seinen moralischen Kompass korrigieren.<\/p>\n\n\n\n

Immerhin: Mehr und mehr Deutsche fahren nach Israel, sie wollen ein anderes Narrativ h\u00f6ren. Mehr und mehr Deutsche verstehen, dass Antisemitismus Schockwellen ausl\u00f6st, die die gesamte Gesellschaft betreffen. In einem normalen Universum w\u00fcrde Klein bef\u00f6rdert werden f\u00fcr seine Leistung. In einer verdrehten Gesellschaft fordern Menschen seine Entlassung. Um es mit Mbembe zu sagen: Das ist Nano-Nonsens.<\/p>\n\n\n\n

\u00dcbersetzung: Ariane Lemme<\/a><\/em><\/p>\n","post_title":"Felix Klein hat verstanden","post_excerpt":"","post_status":"publish","comment_status":"closed","ping_status":"closed","post_password":"","post_name":"felix-klein-hat-verstanden","to_ping":"","pinged":"","post_modified":"2025-02-02 08:39:39","post_modified_gmt":"2025-02-02 08:39:39","post_content_filtered":"","post_parent":0,"guid":"https:\/\/dctransparency.com\/?p=3786","menu_order":0,"post_type":"post","post_mime_type":"","comment_count":"0","filter":"raw"}],"next":false,"prev":true,"total_page":47},"paged":1,"column_class":"jeg_col_2o3","class":"epic_block_3"};

\n

Unsere Analyse ergab, dass nur ein Flugzeug, das im Januar 2020 \u00fcber Tripolis operierte, diese Waffe abfeuern konnte - eine Drohne namens Wing Loong 2.<\/p>\n\n\n\n

Nur drei Wochen vor diesem Streik kamen die Vereinten Nationen zu dem Schluss, dass der Blaue Pfeil 7 \"ballistisch gepaart ist, um vom Wing Loong II geliefert zu werden ... und von keinem anderen in Libyen bisher identifizierten Luftfahrtgut\".<\/p>\n\n\n\n

Die BBC untersuchte auch, woher diese Drohne stammen k\u00f6nnte, und fand Hinweise darauf, dass Wing Loong-Drohnen zum Zeitpunkt des Angriffs nur von einem libyschen Luftwaffenst\u00fctzpunkt aus operierten: al-Khadim im von der LNA kontrollierten Ostlibyen.<\/p>\n\n\n\n

Sowohl die BBC als auch die UN haben Beweise daf\u00fcr gefunden, dass Drohnen, die von diesem Luftwaffenst\u00fctzpunkt aus operieren, zu den Vereinigten Arabischen Emiraten geh\u00f6ren.<\/p>\n\n\n\n

Im Jahr 2019 stellte die UNO fest, dass die VAE durch den Versand von Wing Loong-Drohnen und Blue Arrow 7-Raketen nach Libyen gegen das seit 2011 geltende UN-Waffenembargo gegen das Land versto\u00dfen hatten.<\/p>\n\n\n\n

Die BBC fand auch ein Waffenregister, aus dem hervorgeht, dass die VAE 2017 15 Wing Loong-Drohnen und 350 Blue Arrow 7-Raketen gekauft haben.<\/p>\n\n\n\n

Was hat die BBC noch aufgedeckt?<\/strong><\/p>\n\n\n\n

<\/p>\n\n\n\n

Die BBC-Untersuchung ergab auch neue Beweise daf\u00fcr, dass \u00c4gypten den VAE erlaubt, \u00e4gyptische Milit\u00e4rflugpl\u00e4tze nahe der libyschen Grenze zu nutzen.<\/p>\n\n\n\n

Im Februar 2020 scheinen die in Libyen stationierten Wing Loong II-Drohnen \u00fcber die Grenze nach \u00c4gypten zu einem Luftwaffenst\u00fctzpunkt in der N\u00e4he von Siwa in der west\u00e4gyptischen W\u00fcste gebracht worden zu sein.<\/p>\n\n\n\n

Satellitenbilder zeigen auch, dass ein zweiter \u00e4gyptischer Milit\u00e4rflugplatz, Sidi Barrani, als Einsatzbasis f\u00fcr Mirage 2000-Kampfflugzeuge verwendet wurde, die in Farben lackiert sind, die nicht von der \u00e4gyptischen Luftwaffe verwendet werden, aber genau den von den VAE geflogenen Jets entsprechen .<\/p>\n\n\n\n

Dies ist das gleiche Flugzeugmodell, das von den Vereinten Nationen in einen Luftangriff auf ein Migrationszentrum \u00f6stlich von Tripolis im Juli 2019 verwickelt wurde, bei dem 53 Menschen get\u00f6tet wurden.<\/p>\n\n\n\n

Ausl\u00e4ndischer Jet bei libyschem Migrantenangriff verd\u00e4chtigt<\/p>\n\n\n\n

Sidi Barrani ist auch das Ziel f\u00fcr mehrere Frachtflugzeuge, die von den Vereinigten Arabischen Emiraten gestartet sind, und schl\u00e4gt eine Luftbr\u00fccke f\u00fcr Ausr\u00fcstung oder Lieferungen zwischen den Vereinigten Arabischen Emiraten und einer Milit\u00e4rbasis vor, die nur 80 km von der libyschen Grenze entfernt liegt.<\/p>\n\n\n\n

Die \u00e4gyptische Regierung antwortete nicht auf die Bitte der BBC um Stellungnahme.<\/p>\n\n\n\n

Ist ausl\u00e4ndisches milit\u00e4risches Engagement \u00fcberraschend?<\/strong><\/p>\n\n\n\n

Sowohl die Vereinigten Arabischen Emirate als auch \u00c4gypten nahmen an einer von Bundeskanzlerin Angela Merkel im Januar dieses Jahres in Berlin einberufenen Konferenz \u00fcber Libyen teil, auf der sie ihre Unterst\u00fctzung f\u00fcr den UN-Friedensprozess bekr\u00e4ftigten und sich bereit erkl\u00e4rten, nicht in den Libyen-Krieg einzugreifen.<\/p>\n\n\n\n

Im vergangenen Jahr gab es jedoch eine Eskalation des Einsatzes von Drohnen durch beide Seiten des Konflikts.<\/p>\n\n\n\n

Ghassan Salam\u00e9, der fr\u00fchere Leiter der UN-Mission in Libyen, beschrieb dies als \"m\u00f6glicherweise das gr\u00f6\u00dfte Drohnenkriegstheater der Welt\".<\/p>\n\n\n\n

Die VAE sind nicht die einzige ausl\u00e4ndische Macht, die an diesem Konflikt beteiligt ist.<\/p>\n\n\n\n

Anfang dieses Jahres gab BBC Africa Eye bekannt, dass die T\u00fcrkei auch gegen das Waffenembargo der Vereinten Nationen gegen Libyen versto\u00dfen hat, indem sie geheime Waffenlieferungen an die von den Vereinten Nationen anerkannte Regierung in Tripolis gesendet hat.<\/p>\n\n\n\n

Mit Unterst\u00fctzung der T\u00fcrkei hat die von den Vereinten Nationen anerkannte Regierung des Nationalen Abkommens nun die LNA von Gen Haftar aus der Gegend um Tripolis zur\u00fcckgeschlagen.<\/p>\n","post_title":"BBC-Untersuchung: VAE in t\u00f6dlichen Angriff in Libyen verwickelt","post_excerpt":"","post_status":"publish","comment_status":"closed","ping_status":"closed","post_password":"","post_name":"bbc-untersuchung-vae-in-todlichen-angriff-in-libyen-verwickelt","to_ping":"","pinged":"","post_modified":"2025-02-02 08:39:39","post_modified_gmt":"2025-02-02 08:39:39","post_content_filtered":"","post_parent":0,"guid":"https:\/\/dctransparency.com\/?p=3811","menu_order":0,"post_type":"post","post_mime_type":"","comment_count":"0","filter":"raw"},{"ID":3792,"post_author":"7","post_date":"2020-08-14 13:58:48","post_date_gmt":"2020-08-14 13:58:48","post_content":"\n

Die Hagia Sophia war (ist) ein kulturelles Weltwunder und aufgeladen mit symbolischer Bedeutung, f\u00fcr die Christenheit ebenso wie f\u00fcr den Islam \u2013 und den t\u00fcrkischen Nationalismus. Als Mehmed II. sie betrat, war sie schon fast 1000 Jahre die gr\u00f6\u00dfte Kirche der christlichen Welt und das Zentrum der orthodoxen Glaubensrichtung. Die \"Ayasofya\", wie sie dann hie\u00df, war 500 Jahre lang Moschee \u2013 bis 1934, als Kemal Pascha Atat\u00fcrk, der \"Vater\" der modernen T\u00fcrkei, sie in ein Museum verwandelte, in der ausdr\u00fccklichen Absicht, auch hier mit dem osmanischen Erbe zu brechen.<\/p>\n\n\n\n

Nun wird Pr\u00e4sident Recep Tayyip Erdo\u011fan, der \"Vater\" der re-islamisierten T\u00fcrkei, am 24. Juli dieses Jahres die Ayasofya durch das Freitagsgebet wieder in den Islam eingliedern. Oder eher in seinen pers\u00f6nlichen religi\u00f6sen Nationalismus.<\/p>\n\n\n\n

Welterbe von allen<\/h3>\n\n\n\n

Wie bedeutungsschwer ist dieser Akt eines \"starken Mannes\", der innenpolitisch deutlich schw\u00e4chelt? Die Proteste vor allem aus der orthodoxen Welt, aber auch aus Europa und den USA sind eher traurig als w\u00fctend. Der Papst dr\u00fcckte seinen \"Schmerz\" aus. Auch der Jubel in der islamischen Welt fiel zun\u00e4chst weniger \u00fcbersch\u00e4umend als erwartet aus.<\/p>\n\n\n\n

Ist es der Alleingang eines Autokraten in Bedr\u00e4ngnis oder ist \"der Jubel \u00fcber die Eroberung der Hagia Sophia der Versuch einer zutiefst erniedrigten, vom Gef\u00fchl der Wertlosigkeit dominierten und in ihrer eigenen Selbstberechtigung beraubten Gesellschaft, eine Bedeutung, eine St\u00e4rke, ein Selbstwertgef\u00fchl zu finden\"? So recht pauschalierend der in Deutschland lebende pal\u00e4stinensische Intellektuelle und Psychiater Ahmad Mansour.<\/p>\n\n\n\n

Die beiden Gro\u00dfreiche, das byzantinische und das osmanische, sind l\u00e4ngst versunken.<\/p><\/blockquote>\n\n\n\n

Das eigentliche Schl\u00fcsselwort im Zusammenhang mit der Hagia Sofia ist \"Welterbe\". Das Erbe von allen. Einmal im kulturellen Sinn der Unesco, aber in Wahrheit weiter gefasst. Das einzigartige Bauwerk geh\u00f6rt in Wirklichkeit der ganzen Welt, nicht der einen oder anderen Religion. Die beiden Gro\u00dfreiche, f\u00fcr die die Hagia Sofia der zentrale spirituelle Bau war, das byzantinische und das osmanische, sind l\u00e4ngst versunken. Seither hat sie eine neue, \u00fcbernationale Dimension erhalten. Was Erdo\u011fan da jetzt mit der Hagia Sofia macht, ist eine Verengung und Verarmung eines gemeinsamen Welterbes.<\/p>\n\n\n\n

\"\"\/
Betende Muslime vor der Hagia Sophia.<\/figcaption><\/figure>\n\n\n\n

Davon abgesehen aber war und ist sie ein architektonisches Meisterwerk und geh\u00f6rt zu den bedeutendsten Bauten der Welt. Wer heute den Zentralraum unter der Kuppel betritt, kann sich nur schwer dem zugleich majest\u00e4tischen wie schwebenden Gesamteindruck entziehen. Die Hagia Sophia blieb fast 1000 Jahre die gr\u00f6\u00dfte Kirche der Christenheit. Technisch war die Kuppel (mit mehreren Halbkuppeln) eine \u00fcberaus riskante Innovation: Die 55 Meter hohe und 32 Meter im Durchmesser breite Kuppel ruht auf nur vier Tragpunkten, was den schwebenden, schwerelosen Eindruck erzeugt. Die Konstruktion folgt einem mathematischen Prinzip, das erst k\u00fcrzlich entschl\u00fcsselt wurde.<\/p>\n\n\n\n

\"Salomo, ich habe dich \u00fcbertroffen!\"<\/p><\/blockquote>\n\n\n\n

Als Kaiser Justinian die Hagia Sophia nach nur f\u00fcnf Jahren Bauzeit (532\u2013537) betrat, soll er in Anspielung auf den Tempel in Jerusalem ausgerufen haben: \"Salomo, ich habe dich \u00fcbertroffen!\" Die Innenausstattung war mit ihren S\u00e4ulen aus Porphyr und gr\u00fcnem Marmor, mit Mosaiken aus Gold und Halbedelsteinen derart prunkvoll, der Gesamteindruck derart \u00fcberirdisch, dass eine Delegation des Gro\u00dff\u00fcrsten von Kiew nicht mehr wusste, \"ob wir im Himmel oder auf der Erde\" waren \u2013 was die Christianisierung Russlands bef\u00f6rderte.<\/p>\n\n\n\n

Der deutsche Architekturlehrer Holger Kleine nennt die Hagia Sophia \"absolute Architektur\", weil sie \"extreme Ausdrucksformen nahezu aller dramaturgischen Mittel, die der Architektur zur Verf\u00fcgung stehen, vereinigt: wuchtigste K\u00f6rper und luftigste R\u00e4ume, engste Enge und gr\u00f6\u00dfte Weite, w\u00e4rmende Helligkeit und mystisches Dunkel\". Und die Kuppelbauten aus der sp\u00e4teren Hochbl\u00fcte der Moscheenarchitektur im 16. und 17. Jahrhundert gehen eindeutig auf die Hagia Sophia zur\u00fcck.<\/p>\n\n\n\n

Die Hagia Sophia war Staatskirche des byzantinischen Reichs. F\u00fcr die Eroberer der letzte Schlussstein in der Kuppel osmanisch-muslimischen Herrschaftsanspruchs. Konstantinopel war ja 1453 nur noch eine isolierte, heruntergekommene Enklave in einem osmanischen Umfeld, kein christliches Heer kam zu Hilfe. Doch vorher war es zugleich Sperrriegel nach Osten und Geistesarchiv der antiken Kultur gewesen. \"Ohne Byzanz h\u00e4tte es kein Europa gegeben\", sagt die britische Altertumsforscherin Judith Herrin.<\/p>\n\n\n\n

\"\"\/
Freigelegtes Mosaik von \"Christos Pantokrator\".<\/figcaption><\/figure>\n\n\n\n

Neue Fragen<\/h3>\n\n\n\n

Die Kirche wurde von Mehmed II. und Nachfolgern nicht in der Substanz zerst\u00f6rt, sondern \"entchristlicht\". Die urspr\u00fcnglich \u00fcbert\u00fcnchten oder auch abgeschlagenen Mosaiken mit den Darstellungen von Christus, der Muttergottes, diversen Kaisern kamen zum Teil schon unter einem Sultan des 19. Jahrhunderts, dann gro\u00dfteils nach der Museumswidmung wieder zum Vorschein.<\/p>\n\n\n\n

Jetzt stellen sich neue symbolisch-praktische Fragen. Erdo\u011fan hat die Hagia Sophia der konservativen staatlichen Religionsbeh\u00f6rde Diyanet unterstellt. Die byzantinischen Mosaike, wie der gro\u00dfartige \"Christos Pantokrator\" (\"Weltenherrscher\") oder die Jungfrau Maria in der Apsis, m\u00fcssen wohl w\u00e4hrend des islamischen Gottesdiensts verh\u00e4ngt werden. Muss der Boden mit seinen Marmorplatten und Mosaiken mit einem Teppich bedeckt werden? Erdo\u011fan sagt, Touristen seien nach wie vor zugelassen. Aber sie werden wohl hinter Absperrungen bleiben m\u00fcssen. Frauen werden \u2013 wie in der benachbarten \"Blauen Moschee\" (\"Sultanahmed\") Kopftuch tragen m\u00fcssen.<\/p>\n\n\n\n

\"\"\/
Erdo\u011fan mit Gattin in der Hagia Sophia.<\/figcaption><\/figure>\n\n\n\n

Erdo\u011fans neue Abenteuer<\/strong><\/h3>\n\n\n\n

Aber wird da nicht doch zu viel in einen Formalakt rund um ein uraltes Bauwerk hineininterpretiert? Im geschichtlichen Kontext relativiert sich manches: Konstantinopel wurde schon von Christen erobert und ausgepl\u00fcndert \u2013 1204 im Vierten Kreuzzug. In der Moschee von Cordoba (\"Mezquita\") bauten die Katholiken eine ganze Kirche in den ber\u00fchmten S\u00e4ulenwald hinein. Die Mezquita ist heute noch Kirche, kein Museum.<\/p>\n\n\n\n

\"Das ist der Beweis, dass wir kein s\u00e4kularer Staat mehr sein wollen\", sagt Nobelpreistr\u00e4ger Orhan Pamuk. Erdo\u011fan betrachtet sich offenbar als auch neoosmanischer \"Fatih\" im Mittelmeerraum mit immer neuen Abenteuern: Eingreifen in Syrien, Stellvertreterkrieg in Libyen, Anspr\u00fcche auf Erdgasvorkommen weit vor der t\u00fcrkischen K\u00fcste bei Zypern, Reden, wonach manche \u00c4g\u00e4is-Inseln eigentlich zur T\u00fcrkei geh\u00f6ren, \"denn dort stehen unsere Moscheen\". Manches davon ist nur Rhetorik, aber genug anderes ist riskante Realit\u00e4t. (Hans Rauscher, 14.7.2020)<\/p>\n\n\n\n

Quelle<\/a><\/strong><\/p>\n","post_title":"Hagia Sophia: Verengung und Verarmung eines Welterbes","post_excerpt":"","post_status":"publish","comment_status":"closed","ping_status":"closed","post_password":"","post_name":"hagia-sophia-verengung-und-verarmung-eines-welterbes","to_ping":"","pinged":"","post_modified":"2025-02-02 08:39:39","post_modified_gmt":"2025-02-02 08:39:39","post_content_filtered":"","post_parent":0,"guid":"https:\/\/dctransparency.com\/?p=3792","menu_order":0,"post_type":"post","post_mime_type":"","comment_count":"0","filter":"raw"},{"ID":3789,"post_author":"7","post_date":"2020-08-14 13:56:07","post_date_gmt":"2020-08-14 13:56:07","post_content":"\n

Im Gastkommentar pocht Mark Leonard, Direktor des Europ\u00e4ischen Rats f\u00fcr Ausw\u00e4rtige Beziehungen, auf \"neue, einvernehmlich vereinbarte Prinzipien sowie klare Grenzen\", nur so k\u00f6nne eine weitere Destabilisierung in der Region verhindert werden.<\/em><\/strong><\/p>\n\n\n\n

Ist die T\u00fcrkei das neue Russland? Diese Frage wird in den europ\u00e4ischen Hauptst\u00e4dten zunehmend gestellt, da die Au\u00dfenpolitik des t\u00fcrkischen Pr\u00e4sidenten Recep Tayyip Erdo\u011fan zunehmend aggressiver wird. Erdo\u011fan nutzt nicht nur die Migration, um die EU zu bedrohen und zu betr\u00fcgen, sondern setzt auch milit\u00e4rische Macht ein, um den Einflussbereich der T\u00fcrkei auf die gesamte Region auszudehnen.<\/p>\n\n\n\n

Seit dem Ende des Kalten Krieges haben die Europ\u00e4er die regionale Sicherheit durch eine unipolare westliche Linse betrachtet. W\u00e4hrend die Nato die milit\u00e4rische Sicherheit garantierte, sorgte die EU mit ihrem 80.000 Seiten starken Regelwerk f\u00fcr alles von LGBTQ-Rechten bis hin zu Rasenm\u00e4her-Sound-Verordnungen f\u00fcr Rechtsordnung. In den 90er-Jahren ging man allgemein davon aus, dass die beiden gro\u00dfen nichtwestlichen regionalen Akteure, Russland und die T\u00fcrkei, nach und nach an diese Regelungen herangef\u00fchrt werden w\u00fcrden.<\/p>\n\n\n\n

Qu\u00e4lende Hassliebe<\/h3>\n\n\n\n

Doch in den letzten 15 Jahren ist der Traum von der europ\u00e4ischen Unipolarit\u00e4t einer multipolaren Realit\u00e4t gewichen. Sowohl Russland als auch die T\u00fcrkei haben eine lange, qu\u00e4lende Hassliebe zu Europa, und beide sind unter nationalen Machthabern, denen die Verachtung der Normen und Werte der EU gemeinsam ist, durchsetzungsf\u00e4higer geworden.<\/p>\n\n\n\n

Die zunehmende Verschlechterung der Beziehungen zwischen der EU und Russland ist gut dokumentiert, der Fall der T\u00fcrkei weniger. Der Irakkrieg im Jahr 2003 komplizierte das Verh\u00e4ltnis der T\u00fcrkei zur Nato, und ihr Verh\u00e4ltnis zur EU verschlechterte sich 2007, als Frankreich einen wichtigen Teil ihrer EU-Beitrittsverhandlungen blockierte. Seitdem hat die T\u00fcrkei ihren eigenen Weg in Syrien, auf dem Balkan und in Libyen eingeschlagen und neue Beziehungen zu Russland und China aufgebaut.<\/p>\n\n\n\n

Wichtiger Akteur<\/strong><\/h3>\n\n\n\n

Nat\u00fcrlich sind die Beziehungen zwischen der T\u00fcrkei und Russland nicht weniger kompliziert, nicht zuletzt weil Erdo\u011fan und der russische Pr\u00e4sident Wladimir Putin im syrischen B\u00fcrgerkrieg verschiedene Seiten unterst\u00fctzten.Und w\u00e4hrend die Spannungen wegen des Syrien-Konflikts weiterhin bestehen, bewundert Erdo\u011fan deutlich, wie Russland sich \u2013 bei relativ geringen Kosten \u2013 wieder als wichtiger Akteur im Nahen Osten und in Nordafrika etabliert hat.<\/p>\n\n\n\n

Nachdem er in einen nicht zu gewinnenden Krieg im Osten der Ukraine verwickelt war, schien Putins weitgehend erfolgreicher Feldzug in Syrien einen Teil seiner innenpolitischen Autorit\u00e4t wiederherzustellen. Der Westen hatte f\u00fcnf Jahre lang darauf bestanden, dass es keine milit\u00e4rische L\u00f6sung des Konflikts gebe und dass der syrische Pr\u00e4sident Baschar al-Assad gehen m\u00fcsse. Doch w\u00e4hrend die von den Vereinten Nationen unterst\u00fctzten Gespr\u00e4che in Genf zu keinem Ergebnis f\u00fchrten, schienen die von Russland geleiteten Gespr\u00e4che in Astana voranzukommen. Indem der Kreml die T\u00fcrkei und den Iran einbezog, w\u00e4hrend er die westlichen M\u00e4chte ausschloss, erweckte er den Eindruck, dass Russland als wiedergeborene Supermacht aus der Asche auferstanden sei.<\/p>\n\n\n\n

Unter Druck<\/h3>\n\n\n\n

Angesichts des wachsenden Widerstands im eigenen Land macht es Erdo\u011fan Putin gleich. Da der Westen nicht bereit war, (erneut) milit\u00e4risch in Libyen zu intervenieren, sah Erdo\u011fan eine Gelegenheit, die T\u00fcrkei zu positionieren. Nach dem Vorgehen Russlands in Syrien sicherte er sich eine formelle Einladung der libyschen Regierung zur Intervention. Mit einem Schlag Ende letzten Jahres hat er nicht nur das Image der T\u00fcrkei als Regionalmacht gest\u00e4rkt, sondern auch ein Abkommen mit Libyen \u00fcber die Seegrenze abgeschlossen und damit einen Plan Griechenlands, Zyperns, \u00c4gyptens und Israels zur Erschlie\u00dfung von Unterwasser\u00f6l- und -gasfeldern in der N\u00e4he zunichtegemacht.<\/p>\n\n\n\n

Erdo\u011fan scheint auch von der Spalt-und-Eroberungs-Strategie des Kreml in Europa inspiriert worden zu sein, der zufolge oft diejenigen EU-Mitgliedsstaaten unter Druck gesetzt werden, die am meisten von russischen Kohlenwasserstoffen oder M\u00e4rkten abh\u00e4ngig sind. So wie Putin lange Zeit die Energieversorgung instrumentalisiert hat, hat Erdo\u011fan versucht, den Strom von Migranten und Fl\u00fcchtlingen, die vor Konflikten im Nahen Osten fliehen, zu instrumentalisieren. Als die EU eine neue Marinemission ank\u00fcndigte, um den Waffenstrom nach Libyen zu blockieren, malte die T\u00fcrkei f\u00fcr Malta das Schreckgespenst der angeblichen Bedrohung durch Migranten an die Wand. Malta reagierte prompt und signalisierte, dass es gegen die Finanzierung der Mission ein Veto einlegen werde.<\/p>\n\n\n\n

Verlorener Sohn<\/strong><\/h3>\n\n\n\n

Jahrelang redeten sich die Europ\u00e4er ein, dass Russland eine Art verlorener Sohn sei und dass die europ\u00e4ische unipolare Ordnung gesund bleibe. Doch das machte Europa zu einem leichten Ziel f\u00fcr die Trennungs-und-Eroberungs-Strategie des Kreml. Erst vor relativ kurzer Zeit entwarf die Union eine neue Politik und ein robustes Sanktionsregime, um die russische Aggression abzuschrecken. Und selbst jetzt \u2013 trotz der besten Bem\u00fchungen der deutschen Bundeskanzlerin Angela Merkel und des franz\u00f6sischen Pr\u00e4sidenten Emmanuel Macron \u2013 hat die EU noch immer keine wirksamen Kommunikationskan\u00e4le mit Russland geschaffen, um gemeinsame Probleme anzugehen.<\/p>\n\n\n\n

Die T\u00fcrkei ist noch kein neues Russland, aber sie k\u00f6nnte dazu werden, wenn die Situation falsch gehandhabt wird. Vorerst betrachten die meisten Europ\u00e4er die T\u00fcrkei noch immer als einen komplizierten Partner und nicht als \"Systemrivalen\". Aber die Europ\u00e4er sollten die hart erk\u00e4mpften Lehren aus dem Umgang mit Russland in den letzten 15 Jahren beherzigen. Die Beziehungen zwischen der EU und der T\u00fcrkei brauchen neue, einvernehmlich vereinbarte Prinzipien sowie klare Grenzen, um eine weitere Destabilisierung in der Region zu verhindern.<\/p>\n\n\n\n

Zu diesem Zweck sollten die Europ\u00e4er klarstellen, dass der EU-Beitrittsprozess entweder zur\u00fcckgedreht oder vorangetrieben werden kann und dass eine eher transaktionale Beziehung sowohl Zuckerbrot als auch Peitsche beinhaltet. Die Herausforderung wird darin bestehen, daf\u00fcr zu sorgen, dass es in einer Region, die nicht nur von Europa und der T\u00fcrkei, sondern auch von Russland, den USA und einem aufstrebenden China beeinflusst wird, noch Raum f\u00fcr politisches Engagement in Fragen der gemeinsamen Sicherheit gibt. (Mark Leonard, \u00dcbersetzung: Eva G\u00f6llner, Copyright: Project Syndicate, 10.8.2020)<\/p>\n\n\n\n

Mark Leonard <\/strong>ist Direktor des Europ\u00e4ischen Rats f\u00fcr Ausw\u00e4rtige Beziehungen.<\/a><\/p>\n","post_title":"Erdo\u011fan \u2013 der andere Putin vor der Haust\u00fcr Europas","post_excerpt":"","post_status":"publish","comment_status":"closed","ping_status":"closed","post_password":"","post_name":"erdogan-der-andere-putin-vor-der-haustur-europas","to_ping":"","pinged":"","post_modified":"2025-02-02 08:39:39","post_modified_gmt":"2025-02-02 08:39:39","post_content_filtered":"","post_parent":0,"guid":"https:\/\/dctransparency.com\/?p=3789","menu_order":0,"post_type":"post","post_mime_type":"","comment_count":"0","filter":"raw"},{"ID":3786,"post_author":"7","post_date":"2020-08-14 13:51:23","post_date_gmt":"2020-08-14 13:51:23","post_content":"\n

Einen Monat nachdem ich zur israelischen Armee eingezogen worden war, brach die erste Intifada aus. Statt Soldat zu sein, machte ich Polizeiarbeit, sagte den Menschen, wann sie zur Arbeit gehen konnten und wann sie ihre L\u00e4den schlie\u00dfen mussten, wann sie die Grenze passieren und wann sie schlafen konnten. Einen Monat nachdem ich aus der Armee entlassen worden war, ging ich auf Reisen. (In Israel sagen wir: Wir dienen drei Jahre und versuchen den Rest unseres Lebens, diese drei Jahre zu vergessen.) Auf meiner Reise begann ich Briefe an meine Freundin zu schreiben, die ich in Israel zur\u00fcckgelassen hatte.<\/p>\n\n\n\n

Ich schrieb ihr, wie schrecklich depressiv ich war und dass diese drei Jahre des Anweisungenbellens und Anderen-Menschen-Sagens, was sie zu tun haben, mich f\u00fcr immer verfolgen w\u00fcrden. Dass sie ein Teil dessen geworden waren, was ich bin. Ich erinnere mich, dass ich ihr schrieb, dass wir da rausm\u00fcssen \u2013 nicht nur f\u00fcr die Pal\u00e4stinenser, sondern wegen der furchtbaren und brutalen Auswirkungen, die all das auf uns, auf die israelische Gesellschaft haben w\u00fcrde. Sie schrieb zur\u00fcck: \u201eDu hast recht. Ich habe einen neuen Freund.\u201c<\/p>\n\n\n\n

Felix Klein wurde als Beauftragter der Bundesregierung berufen<\/a>, um die Auswirkungen des zunehmenden Antisemitismus in unserer Gesellschaft, in Deutschland, zu bek\u00e4mpfen. Was nicht in seiner Jobbeschreibung steht, ist, dass er dabei unsere Gesellschaft heilen muss, jene Gesellschaft, die diese Form des Hasses reproduziert und sch\u00fctzt. Klein hat das begriffen.<\/p>\n\n\n\n

Er versteht, dass man Krebs nicht mit einem Pflaster verarztet, er wei\u00df, dass er das Bewusstsein der Deutschen sch\u00e4rfen und Diskussionen ansto\u00dfen muss. Er hat begriffen, dass das Problem nicht nur an den R\u00e4ndern der Gesellschaft (bei den Rechten) liegt, sondern auch in ihrer Mitte. Dort, wo gebildete Menschen nicht einmal bemerken, dass das, was sie sagen und tun, antisemitisch ist. So wie sie es auch nicht merken, wenn sie rassistisch handeln. Er hat all das verstanden, und genau deshalb wollen einige, dass er seinen Posten r\u00e4umt.<\/p>\n\n\n\n

Mehr als 60 deutsche und israelische Intellektuelle haben letzte Woche in einem Brief an Kanzlerin Merkel<\/a> dar\u00fcber geklagt, dass der aktuelle \u201eGebrauch des Antisemitismusbegriffs\u201c darauf abziele, \u201elegitime Kritik an der israelischen Regierungspolitik zu unterdr\u00fccken\u201c, und Klein vorgeworfen, rechtspopulistische israelische Stimmen zu f\u00f6rdern.<\/p>\n\n\n\n

Faszinierend an diesem offenen Brief ist, dass viele der Unterzeichneten keine Deutschen sind und auch nicht in Deutschland leben. Ich wei\u00df nicht, woher sie \u2013 die meisten von ihnen sind Israelis \u2013 die Chuzpe haben, sich in eine innerdeutsche Angelegenheit einzumischen und zu fordern, eine Person zu entlassen, die von der Bundesregierung eingesetzt wurde. Die H\u00e4lfte der Unterzeichneten lebt nicht hier, von der anderen H\u00e4lfte sind viele keine Juden \u2013 somit sind die allermeisten von ihnen nicht direkt vom Antisemitismus in Deutschland betroffen. Wie also k\u00f6nnen sie diesen Brief unterschreiben? Und warum eigentlich haben so wenige Deutsche unterschrieben? Dazu komme ich gleich.<\/p>\n\n\n\n

Debatte um Achille Mbembe<\/h6>\n\n\n\n

Hintergrund des Briefs war, dass Felix Klein gefordert hatte, den Philosophen Achille Mbembe<\/a> nicht die Er\u00f6ffnungsrede der Ruhrtriennale halten zu lassen. Als mit \u00f6ffentlichen Mitteln gef\u00f6rdertes Event solle die Ruhrtriennale Mbembe wegen seiner Haltung zu Israels Existenzrecht, seiner Haltung zu BDS und der Art, wie er in einem seiner Werke den Holocaust relativiert, nicht einladen.<\/p>\n\n\n\n

Mbembes Unterst\u00fctzer sagen, keine dieser Anschuldigungen sei wahr. F\u00fcrs Protokoll: In meinen Augen unterst\u00fctzt Mbembe sehr wohl BDS<\/a>, er schrieb unter anderem das Vorwort zu \u201eApartheid Israel\u201c und fordert die komplette Isolation Israels. Ich glaube auch, wenn Mbembe schreibt, die israelische Besetzung sei der \u201egr\u00f6\u00dfte moralische Skandal unserer Zeit\u201c, zeigt das, dass sein moralischer und geografischer Kompass etwas schief ist.<\/p>\n\n\n\n

Doch warum treibt die Debatte so viele Menschen um? Nun, zun\u00e4chst gibt niemand gern auf, was ihm oder ihr selbstverst\u00e4ndlich scheint. \u00dcber den gesamten politischen, sozialen, kulturellen, medialen und akademischen Sektor hinweg sind Menschen daran gew\u00f6hnt, so schlecht \u00fcber Israel sprechen zu k\u00f6nnen, wie auch immer sie wollen.<\/p>\n\n\n\n

Der Spiegel<\/em> hat \u2013 vielleicht in Anlehnung an seine Relotius-Standards, Israel erst k\u00fcrzlich eine Corona-Diktatur genannt. Fakten und Belege f\u00fcr diese Behauptung gab es nicht. Doch Millionen Deutsche haben es gelesen, und es wird nat\u00fcrlich haften bleiben. Faktenlage hin oder her. Der Spiegel<\/em> und andere Medien haben dieses Spiel perfektioniert: Titel so zu drehen, dass sie Israel indirekt anklagen, die Idee zu streuen, der Mossad kon\u00adtrol\u00adliere die deutsche Au\u00dfenpolitik im Nahen Osten, und so fort. Doch sie stehen allesamt sofort auf den Hinterbeinen, wenn jemand es wagt, das Spiel beim Namen zu nennen: moderner Antisemitismus.<\/p>\n\n\n\n

Klein will dem entgegenwirken. Er versteht, dass antisemitische Attacken in Deutschland die Fr\u00fcchte solch falsch gezeichneter Bilder und eindimensionaler Narrative \u00fcber Israel sind. Wenn er und andere versuchen, ein anderes Narrativ aufzuzeigen, wirft man ihnen Zensur vor: Wie k\u00f6nnen sie es wagen, das Gesch\u00e4ft der Anti-Israel-Propaganda zu st\u00f6ren?<\/p>\n\n\n\n

Liebe Deutsche, wenn ihr reden wollt, lasst uns gern reden: \u00fcber die Besetzung, \u00fcber Bibi und alles, was schiefl\u00e4uft. Aber dann lasst uns bitte auch dar\u00fcber reden, wie deutsche Steuergelder Terrortunnel finanzieren. Erst vergangene Woche r\u00e4umte die niederl\u00e4ndische Regierung ein, dass Gelder an eine Landwirtschaftsorganisation in Ramallah geflossen seien, die damit teilweise die Geh\u00e4lter zweier des Mordes an der 17-j\u00e4hrigen Israelin Rina Shnerb Verd\u00e4chtiger gezahlt haben. Auch die Bundesregierung unterst\u00fctzt diese Organisation, obwohl Kritiker schon lange vor Verbindungen zu Terroristen warnen.<\/p>\n\n\n\n

Wir k\u00f6nnen uns also gerne unterhalten \u2013 aber im Dialog, nicht in Monologen. Denn Reden unter Menschen, die sich einig sind, ist nichts anderes als Impotenz.<\/p>\n\n\n\n

Israelkritik als Eintrittskarte<\/h6>\n\n\n\n

Die Israelis, die die Petition unterzeichnet haben, haben \u00fcbrigens ebenfalls etwas verstanden. Seit Jahren wissen sie: Es ist ihre Eintrittskarte in die Mitte der deutschen (und europ\u00e4ischen) Gesellschaft. Man h\u00f6rt nicht oft von Akademikern mit proisraelischen Ansichten. Weder in den Philharmonie-Orchestern noch in der Kunstszene. Die Eintrittskarte daf\u00fcr ist ein antiisraelischer Standpunkt.<\/p>\n\n\n\n

Der mutma\u00dfliche Grund, warum kaum Deutsche die Petition unterzeichnet haben: Sie mussten es nicht. Ihre Lieblingsjuden haben es f\u00fcr sie getan. Jetzt k\u00f6nnen sie sagen: \u201eSchau, ich bin das ja nicht, meine j\u00fcdischen Freunde sagen es.\u201c Ich selbst war einige Jahre lang mit einem Paar hier in Berlin befreundet, bis ich herausfand, dass ich ihr Lieblingsjude war. Ja, selbst das j\u00fcdische Museum wurde so genutzt.<\/p>\n\n\n\n

Weil Attacken gegen Juden ein absolutes Tabu sind, wurden Umwege gefunden, um den Antisemitismus auf kleiner Flamme k\u00f6cheln zu lassen: die unfundierte, unbegr\u00fcndete Kritik an Israel.<\/p>\n\n\n\n

Diese Art der Kritik ist gef\u00e4hrlich. Sie schw\u00e4cht jede begr\u00fcndete und notwendige Kritik am Verhalten Israels. Und das Interessante ist: Trotz all der heftigen, pauschalisierenden Anklagen, all der offenen Briefe driftet Israel politisch immer weiter nach rechts. Doch statt mal einen anderen Ansatz zu versuchen, werden die antiisraelischen Stimmen nur lauter. Dasselbe versuchen und andere Ergebnisse davon erwarten \u2013 das ist die Definition von Wahnsinn.<\/p>\n\n\n\n

Kurz bevor der Prozess gegen den wegen des Attentats von Halle<\/a> Angeklagten begann \u2013 des seit Kriegsende schlimmsten Akts von Antisemitismus in Deutschland \u2013, lud eine Lokalzeitung den fr\u00fcheren Botschafter Shimon Stein und den Historiker Moshe Zimmermann ein, dar\u00fcber zu schreiben, was Antisemitismus ist. Nat\u00fcrlich wendeten auch sie sich gegen Felix Kleins Ansatz. Sie zitieren die Kontroverse um die Umbenennung der U-Bahn-Station Mohrenstra\u00dfe in Glinkastra\u00dfe, die sich darum drehte, dass der russische Komponist Michael Glinka Antisemit gewesen sein soll. Stein und Zimmermann halten die Debatte f\u00fcr \u00fcberzogen, Glinka sei nur ein Kind seiner Zeit gewesen. Folgt man ihrer Logik, k\u00f6nnen wir dann also in 20 oder 30 Jahren U-Bahn-Stationen nach den Kindern der 1930er Jahre benennen?<\/p>\n\n\n\n

Der Antisemit als Tierfreund<\/h6>\n\n\n\n

Ich w\u00fcnschte, die Sache h\u00e4tte mit dem Artikel, mit der Petition geendet. Doch dann erschien ein Artikel, der den Leser auf einen Waldspaziergang mit einem veganen Koch und Antisemiten mitnahm. Darin setzt der Tierfreund erst behutsam einen K\u00e4fer wieder auf seine Beinchen und erkl\u00e4rt dann, dass die Todesstrafe in Deutschland wieder eingef\u00fchrt werden solle, um einen gewissen Politiker (der zuf\u00e4llig pro Israel ist) an seinen Hoden aufh\u00e4ngen zu k\u00f6nnen. Dieser Koch hat Hunderttausende Follower, er sagt all solche Dinge am helllichten Tag in Berlin. Und in den Medien.<\/p>\n\n\n\n

F\u00e4lle wie dieser handeln bereits von Gewalt \u2013 und sie enden nicht bei den Juden. Der Hass richtet sich gegen Frauen<\/a>, Muslime, Gefl\u00fcchtete, \u00adLBTQI. Am Ende aller theoretischen Debatten stehen immer echte Menschen. Am Ende jeder Konferenz dar\u00fcber, was Antisemitismus ausmacht, steht ein potenzielles j\u00fcdisches Opfer. Angesichts einer Welle von Antisemitismus \u00fcber die Definition von Antisemitismus zu streiten ist, wie eine 10 Meter hohe Welle heranrollen zu sehen und dar\u00fcber zu streiten, was einen Tsunami ausmacht.<\/p>\n\n\n\n

Felix Klein versteht, wie absurd es ist, zu sagen: Es sind nur die Rechten. Die Rechten sind Deutsche, so wie die Nazis Deutsche waren. Klein versteht, dass die Deutschen nicht aufgeh\u00f6rt haben, Juden zu ermorden, weil sie irgendeine Art von Erleuchtung hatten. Sondern schlicht, weil sie den Krieg verloren haben. Um den Antisemitismus zu bek\u00e4mpfen, bevor er die Gesellschaft frisst, in der er und wir leben, muss Deutschland seinen moralischen Kompass korrigieren.<\/p>\n\n\n\n

Immerhin: Mehr und mehr Deutsche fahren nach Israel, sie wollen ein anderes Narrativ h\u00f6ren. Mehr und mehr Deutsche verstehen, dass Antisemitismus Schockwellen ausl\u00f6st, die die gesamte Gesellschaft betreffen. In einem normalen Universum w\u00fcrde Klein bef\u00f6rdert werden f\u00fcr seine Leistung. In einer verdrehten Gesellschaft fordern Menschen seine Entlassung. Um es mit Mbembe zu sagen: Das ist Nano-Nonsens.<\/p>\n\n\n\n

\u00dcbersetzung: Ariane Lemme<\/a><\/em><\/p>\n","post_title":"Felix Klein hat verstanden","post_excerpt":"","post_status":"publish","comment_status":"closed","ping_status":"closed","post_password":"","post_name":"felix-klein-hat-verstanden","to_ping":"","pinged":"","post_modified":"2025-02-02 08:39:39","post_modified_gmt":"2025-02-02 08:39:39","post_content_filtered":"","post_parent":0,"guid":"https:\/\/dctransparency.com\/?p=3786","menu_order":0,"post_type":"post","post_mime_type":"","comment_count":"0","filter":"raw"}],"next":false,"prev":true,"total_page":47},"paged":1,"column_class":"jeg_col_2o3","class":"epic_block_3"};

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Die BBC betrachtete Bilder des Splitters, der nach dem Streik auf dem Exerzierplatz zur\u00fcckgelassen wurde, und kam zu dem Schluss, dass er mit den Komponenten einer Rakete namens Blue Arrow 7 \u00fcbereinstimmte.<\/p>\n\n\n\n

Unsere Analyse ergab, dass nur ein Flugzeug, das im Januar 2020 \u00fcber Tripolis operierte, diese Waffe abfeuern konnte - eine Drohne namens Wing Loong 2.<\/p>\n\n\n\n

Nur drei Wochen vor diesem Streik kamen die Vereinten Nationen zu dem Schluss, dass der Blaue Pfeil 7 \"ballistisch gepaart ist, um vom Wing Loong II geliefert zu werden ... und von keinem anderen in Libyen bisher identifizierten Luftfahrtgut\".<\/p>\n\n\n\n

Die BBC untersuchte auch, woher diese Drohne stammen k\u00f6nnte, und fand Hinweise darauf, dass Wing Loong-Drohnen zum Zeitpunkt des Angriffs nur von einem libyschen Luftwaffenst\u00fctzpunkt aus operierten: al-Khadim im von der LNA kontrollierten Ostlibyen.<\/p>\n\n\n\n

Sowohl die BBC als auch die UN haben Beweise daf\u00fcr gefunden, dass Drohnen, die von diesem Luftwaffenst\u00fctzpunkt aus operieren, zu den Vereinigten Arabischen Emiraten geh\u00f6ren.<\/p>\n\n\n\n

Im Jahr 2019 stellte die UNO fest, dass die VAE durch den Versand von Wing Loong-Drohnen und Blue Arrow 7-Raketen nach Libyen gegen das seit 2011 geltende UN-Waffenembargo gegen das Land versto\u00dfen hatten.<\/p>\n\n\n\n

Die BBC fand auch ein Waffenregister, aus dem hervorgeht, dass die VAE 2017 15 Wing Loong-Drohnen und 350 Blue Arrow 7-Raketen gekauft haben.<\/p>\n\n\n\n

Was hat die BBC noch aufgedeckt?<\/strong><\/p>\n\n\n\n

<\/p>\n\n\n\n

Die BBC-Untersuchung ergab auch neue Beweise daf\u00fcr, dass \u00c4gypten den VAE erlaubt, \u00e4gyptische Milit\u00e4rflugpl\u00e4tze nahe der libyschen Grenze zu nutzen.<\/p>\n\n\n\n

Im Februar 2020 scheinen die in Libyen stationierten Wing Loong II-Drohnen \u00fcber die Grenze nach \u00c4gypten zu einem Luftwaffenst\u00fctzpunkt in der N\u00e4he von Siwa in der west\u00e4gyptischen W\u00fcste gebracht worden zu sein.<\/p>\n\n\n\n

Satellitenbilder zeigen auch, dass ein zweiter \u00e4gyptischer Milit\u00e4rflugplatz, Sidi Barrani, als Einsatzbasis f\u00fcr Mirage 2000-Kampfflugzeuge verwendet wurde, die in Farben lackiert sind, die nicht von der \u00e4gyptischen Luftwaffe verwendet werden, aber genau den von den VAE geflogenen Jets entsprechen .<\/p>\n\n\n\n

Dies ist das gleiche Flugzeugmodell, das von den Vereinten Nationen in einen Luftangriff auf ein Migrationszentrum \u00f6stlich von Tripolis im Juli 2019 verwickelt wurde, bei dem 53 Menschen get\u00f6tet wurden.<\/p>\n\n\n\n

Ausl\u00e4ndischer Jet bei libyschem Migrantenangriff verd\u00e4chtigt<\/p>\n\n\n\n

Sidi Barrani ist auch das Ziel f\u00fcr mehrere Frachtflugzeuge, die von den Vereinigten Arabischen Emiraten gestartet sind, und schl\u00e4gt eine Luftbr\u00fccke f\u00fcr Ausr\u00fcstung oder Lieferungen zwischen den Vereinigten Arabischen Emiraten und einer Milit\u00e4rbasis vor, die nur 80 km von der libyschen Grenze entfernt liegt.<\/p>\n\n\n\n

Die \u00e4gyptische Regierung antwortete nicht auf die Bitte der BBC um Stellungnahme.<\/p>\n\n\n\n

Ist ausl\u00e4ndisches milit\u00e4risches Engagement \u00fcberraschend?<\/strong><\/p>\n\n\n\n

Sowohl die Vereinigten Arabischen Emirate als auch \u00c4gypten nahmen an einer von Bundeskanzlerin Angela Merkel im Januar dieses Jahres in Berlin einberufenen Konferenz \u00fcber Libyen teil, auf der sie ihre Unterst\u00fctzung f\u00fcr den UN-Friedensprozess bekr\u00e4ftigten und sich bereit erkl\u00e4rten, nicht in den Libyen-Krieg einzugreifen.<\/p>\n\n\n\n

Im vergangenen Jahr gab es jedoch eine Eskalation des Einsatzes von Drohnen durch beide Seiten des Konflikts.<\/p>\n\n\n\n

Ghassan Salam\u00e9, der fr\u00fchere Leiter der UN-Mission in Libyen, beschrieb dies als \"m\u00f6glicherweise das gr\u00f6\u00dfte Drohnenkriegstheater der Welt\".<\/p>\n\n\n\n

Die VAE sind nicht die einzige ausl\u00e4ndische Macht, die an diesem Konflikt beteiligt ist.<\/p>\n\n\n\n

Anfang dieses Jahres gab BBC Africa Eye bekannt, dass die T\u00fcrkei auch gegen das Waffenembargo der Vereinten Nationen gegen Libyen versto\u00dfen hat, indem sie geheime Waffenlieferungen an die von den Vereinten Nationen anerkannte Regierung in Tripolis gesendet hat.<\/p>\n\n\n\n

Mit Unterst\u00fctzung der T\u00fcrkei hat die von den Vereinten Nationen anerkannte Regierung des Nationalen Abkommens nun die LNA von Gen Haftar aus der Gegend um Tripolis zur\u00fcckgeschlagen.<\/p>\n","post_title":"BBC-Untersuchung: VAE in t\u00f6dlichen Angriff in Libyen verwickelt","post_excerpt":"","post_status":"publish","comment_status":"closed","ping_status":"closed","post_password":"","post_name":"bbc-untersuchung-vae-in-todlichen-angriff-in-libyen-verwickelt","to_ping":"","pinged":"","post_modified":"2025-02-02 08:39:39","post_modified_gmt":"2025-02-02 08:39:39","post_content_filtered":"","post_parent":0,"guid":"https:\/\/dctransparency.com\/?p=3811","menu_order":0,"post_type":"post","post_mime_type":"","comment_count":"0","filter":"raw"},{"ID":3792,"post_author":"7","post_date":"2020-08-14 13:58:48","post_date_gmt":"2020-08-14 13:58:48","post_content":"\n

Die Hagia Sophia war (ist) ein kulturelles Weltwunder und aufgeladen mit symbolischer Bedeutung, f\u00fcr die Christenheit ebenso wie f\u00fcr den Islam \u2013 und den t\u00fcrkischen Nationalismus. Als Mehmed II. sie betrat, war sie schon fast 1000 Jahre die gr\u00f6\u00dfte Kirche der christlichen Welt und das Zentrum der orthodoxen Glaubensrichtung. Die \"Ayasofya\", wie sie dann hie\u00df, war 500 Jahre lang Moschee \u2013 bis 1934, als Kemal Pascha Atat\u00fcrk, der \"Vater\" der modernen T\u00fcrkei, sie in ein Museum verwandelte, in der ausdr\u00fccklichen Absicht, auch hier mit dem osmanischen Erbe zu brechen.<\/p>\n\n\n\n

Nun wird Pr\u00e4sident Recep Tayyip Erdo\u011fan, der \"Vater\" der re-islamisierten T\u00fcrkei, am 24. Juli dieses Jahres die Ayasofya durch das Freitagsgebet wieder in den Islam eingliedern. Oder eher in seinen pers\u00f6nlichen religi\u00f6sen Nationalismus.<\/p>\n\n\n\n

Welterbe von allen<\/h3>\n\n\n\n

Wie bedeutungsschwer ist dieser Akt eines \"starken Mannes\", der innenpolitisch deutlich schw\u00e4chelt? Die Proteste vor allem aus der orthodoxen Welt, aber auch aus Europa und den USA sind eher traurig als w\u00fctend. Der Papst dr\u00fcckte seinen \"Schmerz\" aus. Auch der Jubel in der islamischen Welt fiel zun\u00e4chst weniger \u00fcbersch\u00e4umend als erwartet aus.<\/p>\n\n\n\n

Ist es der Alleingang eines Autokraten in Bedr\u00e4ngnis oder ist \"der Jubel \u00fcber die Eroberung der Hagia Sophia der Versuch einer zutiefst erniedrigten, vom Gef\u00fchl der Wertlosigkeit dominierten und in ihrer eigenen Selbstberechtigung beraubten Gesellschaft, eine Bedeutung, eine St\u00e4rke, ein Selbstwertgef\u00fchl zu finden\"? So recht pauschalierend der in Deutschland lebende pal\u00e4stinensische Intellektuelle und Psychiater Ahmad Mansour.<\/p>\n\n\n\n

Die beiden Gro\u00dfreiche, das byzantinische und das osmanische, sind l\u00e4ngst versunken.<\/p><\/blockquote>\n\n\n\n

Das eigentliche Schl\u00fcsselwort im Zusammenhang mit der Hagia Sofia ist \"Welterbe\". Das Erbe von allen. Einmal im kulturellen Sinn der Unesco, aber in Wahrheit weiter gefasst. Das einzigartige Bauwerk geh\u00f6rt in Wirklichkeit der ganzen Welt, nicht der einen oder anderen Religion. Die beiden Gro\u00dfreiche, f\u00fcr die die Hagia Sofia der zentrale spirituelle Bau war, das byzantinische und das osmanische, sind l\u00e4ngst versunken. Seither hat sie eine neue, \u00fcbernationale Dimension erhalten. Was Erdo\u011fan da jetzt mit der Hagia Sofia macht, ist eine Verengung und Verarmung eines gemeinsamen Welterbes.<\/p>\n\n\n\n

\"\"\/
Betende Muslime vor der Hagia Sophia.<\/figcaption><\/figure>\n\n\n\n

Davon abgesehen aber war und ist sie ein architektonisches Meisterwerk und geh\u00f6rt zu den bedeutendsten Bauten der Welt. Wer heute den Zentralraum unter der Kuppel betritt, kann sich nur schwer dem zugleich majest\u00e4tischen wie schwebenden Gesamteindruck entziehen. Die Hagia Sophia blieb fast 1000 Jahre die gr\u00f6\u00dfte Kirche der Christenheit. Technisch war die Kuppel (mit mehreren Halbkuppeln) eine \u00fcberaus riskante Innovation: Die 55 Meter hohe und 32 Meter im Durchmesser breite Kuppel ruht auf nur vier Tragpunkten, was den schwebenden, schwerelosen Eindruck erzeugt. Die Konstruktion folgt einem mathematischen Prinzip, das erst k\u00fcrzlich entschl\u00fcsselt wurde.<\/p>\n\n\n\n

\"Salomo, ich habe dich \u00fcbertroffen!\"<\/p><\/blockquote>\n\n\n\n

Als Kaiser Justinian die Hagia Sophia nach nur f\u00fcnf Jahren Bauzeit (532\u2013537) betrat, soll er in Anspielung auf den Tempel in Jerusalem ausgerufen haben: \"Salomo, ich habe dich \u00fcbertroffen!\" Die Innenausstattung war mit ihren S\u00e4ulen aus Porphyr und gr\u00fcnem Marmor, mit Mosaiken aus Gold und Halbedelsteinen derart prunkvoll, der Gesamteindruck derart \u00fcberirdisch, dass eine Delegation des Gro\u00dff\u00fcrsten von Kiew nicht mehr wusste, \"ob wir im Himmel oder auf der Erde\" waren \u2013 was die Christianisierung Russlands bef\u00f6rderte.<\/p>\n\n\n\n

Der deutsche Architekturlehrer Holger Kleine nennt die Hagia Sophia \"absolute Architektur\", weil sie \"extreme Ausdrucksformen nahezu aller dramaturgischen Mittel, die der Architektur zur Verf\u00fcgung stehen, vereinigt: wuchtigste K\u00f6rper und luftigste R\u00e4ume, engste Enge und gr\u00f6\u00dfte Weite, w\u00e4rmende Helligkeit und mystisches Dunkel\". Und die Kuppelbauten aus der sp\u00e4teren Hochbl\u00fcte der Moscheenarchitektur im 16. und 17. Jahrhundert gehen eindeutig auf die Hagia Sophia zur\u00fcck.<\/p>\n\n\n\n

Die Hagia Sophia war Staatskirche des byzantinischen Reichs. F\u00fcr die Eroberer der letzte Schlussstein in der Kuppel osmanisch-muslimischen Herrschaftsanspruchs. Konstantinopel war ja 1453 nur noch eine isolierte, heruntergekommene Enklave in einem osmanischen Umfeld, kein christliches Heer kam zu Hilfe. Doch vorher war es zugleich Sperrriegel nach Osten und Geistesarchiv der antiken Kultur gewesen. \"Ohne Byzanz h\u00e4tte es kein Europa gegeben\", sagt die britische Altertumsforscherin Judith Herrin.<\/p>\n\n\n\n

\"\"\/
Freigelegtes Mosaik von \"Christos Pantokrator\".<\/figcaption><\/figure>\n\n\n\n

Neue Fragen<\/h3>\n\n\n\n

Die Kirche wurde von Mehmed II. und Nachfolgern nicht in der Substanz zerst\u00f6rt, sondern \"entchristlicht\". Die urspr\u00fcnglich \u00fcbert\u00fcnchten oder auch abgeschlagenen Mosaiken mit den Darstellungen von Christus, der Muttergottes, diversen Kaisern kamen zum Teil schon unter einem Sultan des 19. Jahrhunderts, dann gro\u00dfteils nach der Museumswidmung wieder zum Vorschein.<\/p>\n\n\n\n

Jetzt stellen sich neue symbolisch-praktische Fragen. Erdo\u011fan hat die Hagia Sophia der konservativen staatlichen Religionsbeh\u00f6rde Diyanet unterstellt. Die byzantinischen Mosaike, wie der gro\u00dfartige \"Christos Pantokrator\" (\"Weltenherrscher\") oder die Jungfrau Maria in der Apsis, m\u00fcssen wohl w\u00e4hrend des islamischen Gottesdiensts verh\u00e4ngt werden. Muss der Boden mit seinen Marmorplatten und Mosaiken mit einem Teppich bedeckt werden? Erdo\u011fan sagt, Touristen seien nach wie vor zugelassen. Aber sie werden wohl hinter Absperrungen bleiben m\u00fcssen. Frauen werden \u2013 wie in der benachbarten \"Blauen Moschee\" (\"Sultanahmed\") Kopftuch tragen m\u00fcssen.<\/p>\n\n\n\n

\"\"\/
Erdo\u011fan mit Gattin in der Hagia Sophia.<\/figcaption><\/figure>\n\n\n\n

Erdo\u011fans neue Abenteuer<\/strong><\/h3>\n\n\n\n

Aber wird da nicht doch zu viel in einen Formalakt rund um ein uraltes Bauwerk hineininterpretiert? Im geschichtlichen Kontext relativiert sich manches: Konstantinopel wurde schon von Christen erobert und ausgepl\u00fcndert \u2013 1204 im Vierten Kreuzzug. In der Moschee von Cordoba (\"Mezquita\") bauten die Katholiken eine ganze Kirche in den ber\u00fchmten S\u00e4ulenwald hinein. Die Mezquita ist heute noch Kirche, kein Museum.<\/p>\n\n\n\n

\"Das ist der Beweis, dass wir kein s\u00e4kularer Staat mehr sein wollen\", sagt Nobelpreistr\u00e4ger Orhan Pamuk. Erdo\u011fan betrachtet sich offenbar als auch neoosmanischer \"Fatih\" im Mittelmeerraum mit immer neuen Abenteuern: Eingreifen in Syrien, Stellvertreterkrieg in Libyen, Anspr\u00fcche auf Erdgasvorkommen weit vor der t\u00fcrkischen K\u00fcste bei Zypern, Reden, wonach manche \u00c4g\u00e4is-Inseln eigentlich zur T\u00fcrkei geh\u00f6ren, \"denn dort stehen unsere Moscheen\". Manches davon ist nur Rhetorik, aber genug anderes ist riskante Realit\u00e4t. (Hans Rauscher, 14.7.2020)<\/p>\n\n\n\n

Quelle<\/a><\/strong><\/p>\n","post_title":"Hagia Sophia: Verengung und Verarmung eines Welterbes","post_excerpt":"","post_status":"publish","comment_status":"closed","ping_status":"closed","post_password":"","post_name":"hagia-sophia-verengung-und-verarmung-eines-welterbes","to_ping":"","pinged":"","post_modified":"2025-02-02 08:39:39","post_modified_gmt":"2025-02-02 08:39:39","post_content_filtered":"","post_parent":0,"guid":"https:\/\/dctransparency.com\/?p=3792","menu_order":0,"post_type":"post","post_mime_type":"","comment_count":"0","filter":"raw"},{"ID":3789,"post_author":"7","post_date":"2020-08-14 13:56:07","post_date_gmt":"2020-08-14 13:56:07","post_content":"\n

Im Gastkommentar pocht Mark Leonard, Direktor des Europ\u00e4ischen Rats f\u00fcr Ausw\u00e4rtige Beziehungen, auf \"neue, einvernehmlich vereinbarte Prinzipien sowie klare Grenzen\", nur so k\u00f6nne eine weitere Destabilisierung in der Region verhindert werden.<\/em><\/strong><\/p>\n\n\n\n

Ist die T\u00fcrkei das neue Russland? Diese Frage wird in den europ\u00e4ischen Hauptst\u00e4dten zunehmend gestellt, da die Au\u00dfenpolitik des t\u00fcrkischen Pr\u00e4sidenten Recep Tayyip Erdo\u011fan zunehmend aggressiver wird. Erdo\u011fan nutzt nicht nur die Migration, um die EU zu bedrohen und zu betr\u00fcgen, sondern setzt auch milit\u00e4rische Macht ein, um den Einflussbereich der T\u00fcrkei auf die gesamte Region auszudehnen.<\/p>\n\n\n\n

Seit dem Ende des Kalten Krieges haben die Europ\u00e4er die regionale Sicherheit durch eine unipolare westliche Linse betrachtet. W\u00e4hrend die Nato die milit\u00e4rische Sicherheit garantierte, sorgte die EU mit ihrem 80.000 Seiten starken Regelwerk f\u00fcr alles von LGBTQ-Rechten bis hin zu Rasenm\u00e4her-Sound-Verordnungen f\u00fcr Rechtsordnung. In den 90er-Jahren ging man allgemein davon aus, dass die beiden gro\u00dfen nichtwestlichen regionalen Akteure, Russland und die T\u00fcrkei, nach und nach an diese Regelungen herangef\u00fchrt werden w\u00fcrden.<\/p>\n\n\n\n

Qu\u00e4lende Hassliebe<\/h3>\n\n\n\n

Doch in den letzten 15 Jahren ist der Traum von der europ\u00e4ischen Unipolarit\u00e4t einer multipolaren Realit\u00e4t gewichen. Sowohl Russland als auch die T\u00fcrkei haben eine lange, qu\u00e4lende Hassliebe zu Europa, und beide sind unter nationalen Machthabern, denen die Verachtung der Normen und Werte der EU gemeinsam ist, durchsetzungsf\u00e4higer geworden.<\/p>\n\n\n\n

Die zunehmende Verschlechterung der Beziehungen zwischen der EU und Russland ist gut dokumentiert, der Fall der T\u00fcrkei weniger. Der Irakkrieg im Jahr 2003 komplizierte das Verh\u00e4ltnis der T\u00fcrkei zur Nato, und ihr Verh\u00e4ltnis zur EU verschlechterte sich 2007, als Frankreich einen wichtigen Teil ihrer EU-Beitrittsverhandlungen blockierte. Seitdem hat die T\u00fcrkei ihren eigenen Weg in Syrien, auf dem Balkan und in Libyen eingeschlagen und neue Beziehungen zu Russland und China aufgebaut.<\/p>\n\n\n\n

Wichtiger Akteur<\/strong><\/h3>\n\n\n\n

Nat\u00fcrlich sind die Beziehungen zwischen der T\u00fcrkei und Russland nicht weniger kompliziert, nicht zuletzt weil Erdo\u011fan und der russische Pr\u00e4sident Wladimir Putin im syrischen B\u00fcrgerkrieg verschiedene Seiten unterst\u00fctzten.Und w\u00e4hrend die Spannungen wegen des Syrien-Konflikts weiterhin bestehen, bewundert Erdo\u011fan deutlich, wie Russland sich \u2013 bei relativ geringen Kosten \u2013 wieder als wichtiger Akteur im Nahen Osten und in Nordafrika etabliert hat.<\/p>\n\n\n\n

Nachdem er in einen nicht zu gewinnenden Krieg im Osten der Ukraine verwickelt war, schien Putins weitgehend erfolgreicher Feldzug in Syrien einen Teil seiner innenpolitischen Autorit\u00e4t wiederherzustellen. Der Westen hatte f\u00fcnf Jahre lang darauf bestanden, dass es keine milit\u00e4rische L\u00f6sung des Konflikts gebe und dass der syrische Pr\u00e4sident Baschar al-Assad gehen m\u00fcsse. Doch w\u00e4hrend die von den Vereinten Nationen unterst\u00fctzten Gespr\u00e4che in Genf zu keinem Ergebnis f\u00fchrten, schienen die von Russland geleiteten Gespr\u00e4che in Astana voranzukommen. Indem der Kreml die T\u00fcrkei und den Iran einbezog, w\u00e4hrend er die westlichen M\u00e4chte ausschloss, erweckte er den Eindruck, dass Russland als wiedergeborene Supermacht aus der Asche auferstanden sei.<\/p>\n\n\n\n

Unter Druck<\/h3>\n\n\n\n

Angesichts des wachsenden Widerstands im eigenen Land macht es Erdo\u011fan Putin gleich. Da der Westen nicht bereit war, (erneut) milit\u00e4risch in Libyen zu intervenieren, sah Erdo\u011fan eine Gelegenheit, die T\u00fcrkei zu positionieren. Nach dem Vorgehen Russlands in Syrien sicherte er sich eine formelle Einladung der libyschen Regierung zur Intervention. Mit einem Schlag Ende letzten Jahres hat er nicht nur das Image der T\u00fcrkei als Regionalmacht gest\u00e4rkt, sondern auch ein Abkommen mit Libyen \u00fcber die Seegrenze abgeschlossen und damit einen Plan Griechenlands, Zyperns, \u00c4gyptens und Israels zur Erschlie\u00dfung von Unterwasser\u00f6l- und -gasfeldern in der N\u00e4he zunichtegemacht.<\/p>\n\n\n\n

Erdo\u011fan scheint auch von der Spalt-und-Eroberungs-Strategie des Kreml in Europa inspiriert worden zu sein, der zufolge oft diejenigen EU-Mitgliedsstaaten unter Druck gesetzt werden, die am meisten von russischen Kohlenwasserstoffen oder M\u00e4rkten abh\u00e4ngig sind. So wie Putin lange Zeit die Energieversorgung instrumentalisiert hat, hat Erdo\u011fan versucht, den Strom von Migranten und Fl\u00fcchtlingen, die vor Konflikten im Nahen Osten fliehen, zu instrumentalisieren. Als die EU eine neue Marinemission ank\u00fcndigte, um den Waffenstrom nach Libyen zu blockieren, malte die T\u00fcrkei f\u00fcr Malta das Schreckgespenst der angeblichen Bedrohung durch Migranten an die Wand. Malta reagierte prompt und signalisierte, dass es gegen die Finanzierung der Mission ein Veto einlegen werde.<\/p>\n\n\n\n

Verlorener Sohn<\/strong><\/h3>\n\n\n\n

Jahrelang redeten sich die Europ\u00e4er ein, dass Russland eine Art verlorener Sohn sei und dass die europ\u00e4ische unipolare Ordnung gesund bleibe. Doch das machte Europa zu einem leichten Ziel f\u00fcr die Trennungs-und-Eroberungs-Strategie des Kreml. Erst vor relativ kurzer Zeit entwarf die Union eine neue Politik und ein robustes Sanktionsregime, um die russische Aggression abzuschrecken. Und selbst jetzt \u2013 trotz der besten Bem\u00fchungen der deutschen Bundeskanzlerin Angela Merkel und des franz\u00f6sischen Pr\u00e4sidenten Emmanuel Macron \u2013 hat die EU noch immer keine wirksamen Kommunikationskan\u00e4le mit Russland geschaffen, um gemeinsame Probleme anzugehen.<\/p>\n\n\n\n

Die T\u00fcrkei ist noch kein neues Russland, aber sie k\u00f6nnte dazu werden, wenn die Situation falsch gehandhabt wird. Vorerst betrachten die meisten Europ\u00e4er die T\u00fcrkei noch immer als einen komplizierten Partner und nicht als \"Systemrivalen\". Aber die Europ\u00e4er sollten die hart erk\u00e4mpften Lehren aus dem Umgang mit Russland in den letzten 15 Jahren beherzigen. Die Beziehungen zwischen der EU und der T\u00fcrkei brauchen neue, einvernehmlich vereinbarte Prinzipien sowie klare Grenzen, um eine weitere Destabilisierung in der Region zu verhindern.<\/p>\n\n\n\n

Zu diesem Zweck sollten die Europ\u00e4er klarstellen, dass der EU-Beitrittsprozess entweder zur\u00fcckgedreht oder vorangetrieben werden kann und dass eine eher transaktionale Beziehung sowohl Zuckerbrot als auch Peitsche beinhaltet. Die Herausforderung wird darin bestehen, daf\u00fcr zu sorgen, dass es in einer Region, die nicht nur von Europa und der T\u00fcrkei, sondern auch von Russland, den USA und einem aufstrebenden China beeinflusst wird, noch Raum f\u00fcr politisches Engagement in Fragen der gemeinsamen Sicherheit gibt. (Mark Leonard, \u00dcbersetzung: Eva G\u00f6llner, Copyright: Project Syndicate, 10.8.2020)<\/p>\n\n\n\n

Mark Leonard <\/strong>ist Direktor des Europ\u00e4ischen Rats f\u00fcr Ausw\u00e4rtige Beziehungen.<\/a><\/p>\n","post_title":"Erdo\u011fan \u2013 der andere Putin vor der Haust\u00fcr Europas","post_excerpt":"","post_status":"publish","comment_status":"closed","ping_status":"closed","post_password":"","post_name":"erdogan-der-andere-putin-vor-der-haustur-europas","to_ping":"","pinged":"","post_modified":"2025-02-02 08:39:39","post_modified_gmt":"2025-02-02 08:39:39","post_content_filtered":"","post_parent":0,"guid":"https:\/\/dctransparency.com\/?p=3789","menu_order":0,"post_type":"post","post_mime_type":"","comment_count":"0","filter":"raw"},{"ID":3786,"post_author":"7","post_date":"2020-08-14 13:51:23","post_date_gmt":"2020-08-14 13:51:23","post_content":"\n

Einen Monat nachdem ich zur israelischen Armee eingezogen worden war, brach die erste Intifada aus. Statt Soldat zu sein, machte ich Polizeiarbeit, sagte den Menschen, wann sie zur Arbeit gehen konnten und wann sie ihre L\u00e4den schlie\u00dfen mussten, wann sie die Grenze passieren und wann sie schlafen konnten. Einen Monat nachdem ich aus der Armee entlassen worden war, ging ich auf Reisen. (In Israel sagen wir: Wir dienen drei Jahre und versuchen den Rest unseres Lebens, diese drei Jahre zu vergessen.) Auf meiner Reise begann ich Briefe an meine Freundin zu schreiben, die ich in Israel zur\u00fcckgelassen hatte.<\/p>\n\n\n\n

Ich schrieb ihr, wie schrecklich depressiv ich war und dass diese drei Jahre des Anweisungenbellens und Anderen-Menschen-Sagens, was sie zu tun haben, mich f\u00fcr immer verfolgen w\u00fcrden. Dass sie ein Teil dessen geworden waren, was ich bin. Ich erinnere mich, dass ich ihr schrieb, dass wir da rausm\u00fcssen \u2013 nicht nur f\u00fcr die Pal\u00e4stinenser, sondern wegen der furchtbaren und brutalen Auswirkungen, die all das auf uns, auf die israelische Gesellschaft haben w\u00fcrde. Sie schrieb zur\u00fcck: \u201eDu hast recht. Ich habe einen neuen Freund.\u201c<\/p>\n\n\n\n

Felix Klein wurde als Beauftragter der Bundesregierung berufen<\/a>, um die Auswirkungen des zunehmenden Antisemitismus in unserer Gesellschaft, in Deutschland, zu bek\u00e4mpfen. Was nicht in seiner Jobbeschreibung steht, ist, dass er dabei unsere Gesellschaft heilen muss, jene Gesellschaft, die diese Form des Hasses reproduziert und sch\u00fctzt. Klein hat das begriffen.<\/p>\n\n\n\n

Er versteht, dass man Krebs nicht mit einem Pflaster verarztet, er wei\u00df, dass er das Bewusstsein der Deutschen sch\u00e4rfen und Diskussionen ansto\u00dfen muss. Er hat begriffen, dass das Problem nicht nur an den R\u00e4ndern der Gesellschaft (bei den Rechten) liegt, sondern auch in ihrer Mitte. Dort, wo gebildete Menschen nicht einmal bemerken, dass das, was sie sagen und tun, antisemitisch ist. So wie sie es auch nicht merken, wenn sie rassistisch handeln. Er hat all das verstanden, und genau deshalb wollen einige, dass er seinen Posten r\u00e4umt.<\/p>\n\n\n\n

Mehr als 60 deutsche und israelische Intellektuelle haben letzte Woche in einem Brief an Kanzlerin Merkel<\/a> dar\u00fcber geklagt, dass der aktuelle \u201eGebrauch des Antisemitismusbegriffs\u201c darauf abziele, \u201elegitime Kritik an der israelischen Regierungspolitik zu unterdr\u00fccken\u201c, und Klein vorgeworfen, rechtspopulistische israelische Stimmen zu f\u00f6rdern.<\/p>\n\n\n\n

Faszinierend an diesem offenen Brief ist, dass viele der Unterzeichneten keine Deutschen sind und auch nicht in Deutschland leben. Ich wei\u00df nicht, woher sie \u2013 die meisten von ihnen sind Israelis \u2013 die Chuzpe haben, sich in eine innerdeutsche Angelegenheit einzumischen und zu fordern, eine Person zu entlassen, die von der Bundesregierung eingesetzt wurde. Die H\u00e4lfte der Unterzeichneten lebt nicht hier, von der anderen H\u00e4lfte sind viele keine Juden \u2013 somit sind die allermeisten von ihnen nicht direkt vom Antisemitismus in Deutschland betroffen. Wie also k\u00f6nnen sie diesen Brief unterschreiben? Und warum eigentlich haben so wenige Deutsche unterschrieben? Dazu komme ich gleich.<\/p>\n\n\n\n

Debatte um Achille Mbembe<\/h6>\n\n\n\n

Hintergrund des Briefs war, dass Felix Klein gefordert hatte, den Philosophen Achille Mbembe<\/a> nicht die Er\u00f6ffnungsrede der Ruhrtriennale halten zu lassen. Als mit \u00f6ffentlichen Mitteln gef\u00f6rdertes Event solle die Ruhrtriennale Mbembe wegen seiner Haltung zu Israels Existenzrecht, seiner Haltung zu BDS und der Art, wie er in einem seiner Werke den Holocaust relativiert, nicht einladen.<\/p>\n\n\n\n

Mbembes Unterst\u00fctzer sagen, keine dieser Anschuldigungen sei wahr. F\u00fcrs Protokoll: In meinen Augen unterst\u00fctzt Mbembe sehr wohl BDS<\/a>, er schrieb unter anderem das Vorwort zu \u201eApartheid Israel\u201c und fordert die komplette Isolation Israels. Ich glaube auch, wenn Mbembe schreibt, die israelische Besetzung sei der \u201egr\u00f6\u00dfte moralische Skandal unserer Zeit\u201c, zeigt das, dass sein moralischer und geografischer Kompass etwas schief ist.<\/p>\n\n\n\n

Doch warum treibt die Debatte so viele Menschen um? Nun, zun\u00e4chst gibt niemand gern auf, was ihm oder ihr selbstverst\u00e4ndlich scheint. \u00dcber den gesamten politischen, sozialen, kulturellen, medialen und akademischen Sektor hinweg sind Menschen daran gew\u00f6hnt, so schlecht \u00fcber Israel sprechen zu k\u00f6nnen, wie auch immer sie wollen.<\/p>\n\n\n\n

Der Spiegel<\/em> hat \u2013 vielleicht in Anlehnung an seine Relotius-Standards, Israel erst k\u00fcrzlich eine Corona-Diktatur genannt. Fakten und Belege f\u00fcr diese Behauptung gab es nicht. Doch Millionen Deutsche haben es gelesen, und es wird nat\u00fcrlich haften bleiben. Faktenlage hin oder her. Der Spiegel<\/em> und andere Medien haben dieses Spiel perfektioniert: Titel so zu drehen, dass sie Israel indirekt anklagen, die Idee zu streuen, der Mossad kon\u00adtrol\u00adliere die deutsche Au\u00dfenpolitik im Nahen Osten, und so fort. Doch sie stehen allesamt sofort auf den Hinterbeinen, wenn jemand es wagt, das Spiel beim Namen zu nennen: moderner Antisemitismus.<\/p>\n\n\n\n

Klein will dem entgegenwirken. Er versteht, dass antisemitische Attacken in Deutschland die Fr\u00fcchte solch falsch gezeichneter Bilder und eindimensionaler Narrative \u00fcber Israel sind. Wenn er und andere versuchen, ein anderes Narrativ aufzuzeigen, wirft man ihnen Zensur vor: Wie k\u00f6nnen sie es wagen, das Gesch\u00e4ft der Anti-Israel-Propaganda zu st\u00f6ren?<\/p>\n\n\n\n

Liebe Deutsche, wenn ihr reden wollt, lasst uns gern reden: \u00fcber die Besetzung, \u00fcber Bibi und alles, was schiefl\u00e4uft. Aber dann lasst uns bitte auch dar\u00fcber reden, wie deutsche Steuergelder Terrortunnel finanzieren. Erst vergangene Woche r\u00e4umte die niederl\u00e4ndische Regierung ein, dass Gelder an eine Landwirtschaftsorganisation in Ramallah geflossen seien, die damit teilweise die Geh\u00e4lter zweier des Mordes an der 17-j\u00e4hrigen Israelin Rina Shnerb Verd\u00e4chtiger gezahlt haben. Auch die Bundesregierung unterst\u00fctzt diese Organisation, obwohl Kritiker schon lange vor Verbindungen zu Terroristen warnen.<\/p>\n\n\n\n

Wir k\u00f6nnen uns also gerne unterhalten \u2013 aber im Dialog, nicht in Monologen. Denn Reden unter Menschen, die sich einig sind, ist nichts anderes als Impotenz.<\/p>\n\n\n\n

Israelkritik als Eintrittskarte<\/h6>\n\n\n\n

Die Israelis, die die Petition unterzeichnet haben, haben \u00fcbrigens ebenfalls etwas verstanden. Seit Jahren wissen sie: Es ist ihre Eintrittskarte in die Mitte der deutschen (und europ\u00e4ischen) Gesellschaft. Man h\u00f6rt nicht oft von Akademikern mit proisraelischen Ansichten. Weder in den Philharmonie-Orchestern noch in der Kunstszene. Die Eintrittskarte daf\u00fcr ist ein antiisraelischer Standpunkt.<\/p>\n\n\n\n

Der mutma\u00dfliche Grund, warum kaum Deutsche die Petition unterzeichnet haben: Sie mussten es nicht. Ihre Lieblingsjuden haben es f\u00fcr sie getan. Jetzt k\u00f6nnen sie sagen: \u201eSchau, ich bin das ja nicht, meine j\u00fcdischen Freunde sagen es.\u201c Ich selbst war einige Jahre lang mit einem Paar hier in Berlin befreundet, bis ich herausfand, dass ich ihr Lieblingsjude war. Ja, selbst das j\u00fcdische Museum wurde so genutzt.<\/p>\n\n\n\n

Weil Attacken gegen Juden ein absolutes Tabu sind, wurden Umwege gefunden, um den Antisemitismus auf kleiner Flamme k\u00f6cheln zu lassen: die unfundierte, unbegr\u00fcndete Kritik an Israel.<\/p>\n\n\n\n

Diese Art der Kritik ist gef\u00e4hrlich. Sie schw\u00e4cht jede begr\u00fcndete und notwendige Kritik am Verhalten Israels. Und das Interessante ist: Trotz all der heftigen, pauschalisierenden Anklagen, all der offenen Briefe driftet Israel politisch immer weiter nach rechts. Doch statt mal einen anderen Ansatz zu versuchen, werden die antiisraelischen Stimmen nur lauter. Dasselbe versuchen und andere Ergebnisse davon erwarten \u2013 das ist die Definition von Wahnsinn.<\/p>\n\n\n\n

Kurz bevor der Prozess gegen den wegen des Attentats von Halle<\/a> Angeklagten begann \u2013 des seit Kriegsende schlimmsten Akts von Antisemitismus in Deutschland \u2013, lud eine Lokalzeitung den fr\u00fcheren Botschafter Shimon Stein und den Historiker Moshe Zimmermann ein, dar\u00fcber zu schreiben, was Antisemitismus ist. Nat\u00fcrlich wendeten auch sie sich gegen Felix Kleins Ansatz. Sie zitieren die Kontroverse um die Umbenennung der U-Bahn-Station Mohrenstra\u00dfe in Glinkastra\u00dfe, die sich darum drehte, dass der russische Komponist Michael Glinka Antisemit gewesen sein soll. Stein und Zimmermann halten die Debatte f\u00fcr \u00fcberzogen, Glinka sei nur ein Kind seiner Zeit gewesen. Folgt man ihrer Logik, k\u00f6nnen wir dann also in 20 oder 30 Jahren U-Bahn-Stationen nach den Kindern der 1930er Jahre benennen?<\/p>\n\n\n\n

Der Antisemit als Tierfreund<\/h6>\n\n\n\n

Ich w\u00fcnschte, die Sache h\u00e4tte mit dem Artikel, mit der Petition geendet. Doch dann erschien ein Artikel, der den Leser auf einen Waldspaziergang mit einem veganen Koch und Antisemiten mitnahm. Darin setzt der Tierfreund erst behutsam einen K\u00e4fer wieder auf seine Beinchen und erkl\u00e4rt dann, dass die Todesstrafe in Deutschland wieder eingef\u00fchrt werden solle, um einen gewissen Politiker (der zuf\u00e4llig pro Israel ist) an seinen Hoden aufh\u00e4ngen zu k\u00f6nnen. Dieser Koch hat Hunderttausende Follower, er sagt all solche Dinge am helllichten Tag in Berlin. Und in den Medien.<\/p>\n\n\n\n

F\u00e4lle wie dieser handeln bereits von Gewalt \u2013 und sie enden nicht bei den Juden. Der Hass richtet sich gegen Frauen<\/a>, Muslime, Gefl\u00fcchtete, \u00adLBTQI. Am Ende aller theoretischen Debatten stehen immer echte Menschen. Am Ende jeder Konferenz dar\u00fcber, was Antisemitismus ausmacht, steht ein potenzielles j\u00fcdisches Opfer. Angesichts einer Welle von Antisemitismus \u00fcber die Definition von Antisemitismus zu streiten ist, wie eine 10 Meter hohe Welle heranrollen zu sehen und dar\u00fcber zu streiten, was einen Tsunami ausmacht.<\/p>\n\n\n\n

Felix Klein versteht, wie absurd es ist, zu sagen: Es sind nur die Rechten. Die Rechten sind Deutsche, so wie die Nazis Deutsche waren. Klein versteht, dass die Deutschen nicht aufgeh\u00f6rt haben, Juden zu ermorden, weil sie irgendeine Art von Erleuchtung hatten. Sondern schlicht, weil sie den Krieg verloren haben. Um den Antisemitismus zu bek\u00e4mpfen, bevor er die Gesellschaft frisst, in der er und wir leben, muss Deutschland seinen moralischen Kompass korrigieren.<\/p>\n\n\n\n

Immerhin: Mehr und mehr Deutsche fahren nach Israel, sie wollen ein anderes Narrativ h\u00f6ren. Mehr und mehr Deutsche verstehen, dass Antisemitismus Schockwellen ausl\u00f6st, die die gesamte Gesellschaft betreffen. In einem normalen Universum w\u00fcrde Klein bef\u00f6rdert werden f\u00fcr seine Leistung. In einer verdrehten Gesellschaft fordern Menschen seine Entlassung. Um es mit Mbembe zu sagen: Das ist Nano-Nonsens.<\/p>\n\n\n\n

\u00dcbersetzung: Ariane Lemme<\/a><\/em><\/p>\n","post_title":"Felix Klein hat verstanden","post_excerpt":"","post_status":"publish","comment_status":"closed","ping_status":"closed","post_password":"","post_name":"felix-klein-hat-verstanden","to_ping":"","pinged":"","post_modified":"2025-02-02 08:39:39","post_modified_gmt":"2025-02-02 08:39:39","post_content_filtered":"","post_parent":0,"guid":"https:\/\/dctransparency.com\/?p=3786","menu_order":0,"post_type":"post","post_mime_type":"","comment_count":"0","filter":"raw"}],"next":false,"prev":true,"total_page":47},"paged":1,"column_class":"jeg_col_2o3","class":"epic_block_3"};

\n
\"\"<\/figure>\n\n\n\n

Die BBC betrachtete Bilder des Splitters, der nach dem Streik auf dem Exerzierplatz zur\u00fcckgelassen wurde, und kam zu dem Schluss, dass er mit den Komponenten einer Rakete namens Blue Arrow 7 \u00fcbereinstimmte.<\/p>\n\n\n\n

Unsere Analyse ergab, dass nur ein Flugzeug, das im Januar 2020 \u00fcber Tripolis operierte, diese Waffe abfeuern konnte - eine Drohne namens Wing Loong 2.<\/p>\n\n\n\n

Nur drei Wochen vor diesem Streik kamen die Vereinten Nationen zu dem Schluss, dass der Blaue Pfeil 7 \"ballistisch gepaart ist, um vom Wing Loong II geliefert zu werden ... und von keinem anderen in Libyen bisher identifizierten Luftfahrtgut\".<\/p>\n\n\n\n

Die BBC untersuchte auch, woher diese Drohne stammen k\u00f6nnte, und fand Hinweise darauf, dass Wing Loong-Drohnen zum Zeitpunkt des Angriffs nur von einem libyschen Luftwaffenst\u00fctzpunkt aus operierten: al-Khadim im von der LNA kontrollierten Ostlibyen.<\/p>\n\n\n\n

Sowohl die BBC als auch die UN haben Beweise daf\u00fcr gefunden, dass Drohnen, die von diesem Luftwaffenst\u00fctzpunkt aus operieren, zu den Vereinigten Arabischen Emiraten geh\u00f6ren.<\/p>\n\n\n\n

Im Jahr 2019 stellte die UNO fest, dass die VAE durch den Versand von Wing Loong-Drohnen und Blue Arrow 7-Raketen nach Libyen gegen das seit 2011 geltende UN-Waffenembargo gegen das Land versto\u00dfen hatten.<\/p>\n\n\n\n

Die BBC fand auch ein Waffenregister, aus dem hervorgeht, dass die VAE 2017 15 Wing Loong-Drohnen und 350 Blue Arrow 7-Raketen gekauft haben.<\/p>\n\n\n\n

Was hat die BBC noch aufgedeckt?<\/strong><\/p>\n\n\n\n

<\/p>\n\n\n\n

Die BBC-Untersuchung ergab auch neue Beweise daf\u00fcr, dass \u00c4gypten den VAE erlaubt, \u00e4gyptische Milit\u00e4rflugpl\u00e4tze nahe der libyschen Grenze zu nutzen.<\/p>\n\n\n\n

Im Februar 2020 scheinen die in Libyen stationierten Wing Loong II-Drohnen \u00fcber die Grenze nach \u00c4gypten zu einem Luftwaffenst\u00fctzpunkt in der N\u00e4he von Siwa in der west\u00e4gyptischen W\u00fcste gebracht worden zu sein.<\/p>\n\n\n\n

Satellitenbilder zeigen auch, dass ein zweiter \u00e4gyptischer Milit\u00e4rflugplatz, Sidi Barrani, als Einsatzbasis f\u00fcr Mirage 2000-Kampfflugzeuge verwendet wurde, die in Farben lackiert sind, die nicht von der \u00e4gyptischen Luftwaffe verwendet werden, aber genau den von den VAE geflogenen Jets entsprechen .<\/p>\n\n\n\n

Dies ist das gleiche Flugzeugmodell, das von den Vereinten Nationen in einen Luftangriff auf ein Migrationszentrum \u00f6stlich von Tripolis im Juli 2019 verwickelt wurde, bei dem 53 Menschen get\u00f6tet wurden.<\/p>\n\n\n\n

Ausl\u00e4ndischer Jet bei libyschem Migrantenangriff verd\u00e4chtigt<\/p>\n\n\n\n

Sidi Barrani ist auch das Ziel f\u00fcr mehrere Frachtflugzeuge, die von den Vereinigten Arabischen Emiraten gestartet sind, und schl\u00e4gt eine Luftbr\u00fccke f\u00fcr Ausr\u00fcstung oder Lieferungen zwischen den Vereinigten Arabischen Emiraten und einer Milit\u00e4rbasis vor, die nur 80 km von der libyschen Grenze entfernt liegt.<\/p>\n\n\n\n

Die \u00e4gyptische Regierung antwortete nicht auf die Bitte der BBC um Stellungnahme.<\/p>\n\n\n\n

Ist ausl\u00e4ndisches milit\u00e4risches Engagement \u00fcberraschend?<\/strong><\/p>\n\n\n\n

Sowohl die Vereinigten Arabischen Emirate als auch \u00c4gypten nahmen an einer von Bundeskanzlerin Angela Merkel im Januar dieses Jahres in Berlin einberufenen Konferenz \u00fcber Libyen teil, auf der sie ihre Unterst\u00fctzung f\u00fcr den UN-Friedensprozess bekr\u00e4ftigten und sich bereit erkl\u00e4rten, nicht in den Libyen-Krieg einzugreifen.<\/p>\n\n\n\n

Im vergangenen Jahr gab es jedoch eine Eskalation des Einsatzes von Drohnen durch beide Seiten des Konflikts.<\/p>\n\n\n\n

Ghassan Salam\u00e9, der fr\u00fchere Leiter der UN-Mission in Libyen, beschrieb dies als \"m\u00f6glicherweise das gr\u00f6\u00dfte Drohnenkriegstheater der Welt\".<\/p>\n\n\n\n

Die VAE sind nicht die einzige ausl\u00e4ndische Macht, die an diesem Konflikt beteiligt ist.<\/p>\n\n\n\n

Anfang dieses Jahres gab BBC Africa Eye bekannt, dass die T\u00fcrkei auch gegen das Waffenembargo der Vereinten Nationen gegen Libyen versto\u00dfen hat, indem sie geheime Waffenlieferungen an die von den Vereinten Nationen anerkannte Regierung in Tripolis gesendet hat.<\/p>\n\n\n\n

Mit Unterst\u00fctzung der T\u00fcrkei hat die von den Vereinten Nationen anerkannte Regierung des Nationalen Abkommens nun die LNA von Gen Haftar aus der Gegend um Tripolis zur\u00fcckgeschlagen.<\/p>\n","post_title":"BBC-Untersuchung: VAE in t\u00f6dlichen Angriff in Libyen verwickelt","post_excerpt":"","post_status":"publish","comment_status":"closed","ping_status":"closed","post_password":"","post_name":"bbc-untersuchung-vae-in-todlichen-angriff-in-libyen-verwickelt","to_ping":"","pinged":"","post_modified":"2025-02-02 08:39:39","post_modified_gmt":"2025-02-02 08:39:39","post_content_filtered":"","post_parent":0,"guid":"https:\/\/dctransparency.com\/?p=3811","menu_order":0,"post_type":"post","post_mime_type":"","comment_count":"0","filter":"raw"},{"ID":3792,"post_author":"7","post_date":"2020-08-14 13:58:48","post_date_gmt":"2020-08-14 13:58:48","post_content":"\n

Die Hagia Sophia war (ist) ein kulturelles Weltwunder und aufgeladen mit symbolischer Bedeutung, f\u00fcr die Christenheit ebenso wie f\u00fcr den Islam \u2013 und den t\u00fcrkischen Nationalismus. Als Mehmed II. sie betrat, war sie schon fast 1000 Jahre die gr\u00f6\u00dfte Kirche der christlichen Welt und das Zentrum der orthodoxen Glaubensrichtung. Die \"Ayasofya\", wie sie dann hie\u00df, war 500 Jahre lang Moschee \u2013 bis 1934, als Kemal Pascha Atat\u00fcrk, der \"Vater\" der modernen T\u00fcrkei, sie in ein Museum verwandelte, in der ausdr\u00fccklichen Absicht, auch hier mit dem osmanischen Erbe zu brechen.<\/p>\n\n\n\n

Nun wird Pr\u00e4sident Recep Tayyip Erdo\u011fan, der \"Vater\" der re-islamisierten T\u00fcrkei, am 24. Juli dieses Jahres die Ayasofya durch das Freitagsgebet wieder in den Islam eingliedern. Oder eher in seinen pers\u00f6nlichen religi\u00f6sen Nationalismus.<\/p>\n\n\n\n

Welterbe von allen<\/h3>\n\n\n\n

Wie bedeutungsschwer ist dieser Akt eines \"starken Mannes\", der innenpolitisch deutlich schw\u00e4chelt? Die Proteste vor allem aus der orthodoxen Welt, aber auch aus Europa und den USA sind eher traurig als w\u00fctend. Der Papst dr\u00fcckte seinen \"Schmerz\" aus. Auch der Jubel in der islamischen Welt fiel zun\u00e4chst weniger \u00fcbersch\u00e4umend als erwartet aus.<\/p>\n\n\n\n

Ist es der Alleingang eines Autokraten in Bedr\u00e4ngnis oder ist \"der Jubel \u00fcber die Eroberung der Hagia Sophia der Versuch einer zutiefst erniedrigten, vom Gef\u00fchl der Wertlosigkeit dominierten und in ihrer eigenen Selbstberechtigung beraubten Gesellschaft, eine Bedeutung, eine St\u00e4rke, ein Selbstwertgef\u00fchl zu finden\"? So recht pauschalierend der in Deutschland lebende pal\u00e4stinensische Intellektuelle und Psychiater Ahmad Mansour.<\/p>\n\n\n\n

Die beiden Gro\u00dfreiche, das byzantinische und das osmanische, sind l\u00e4ngst versunken.<\/p><\/blockquote>\n\n\n\n

Das eigentliche Schl\u00fcsselwort im Zusammenhang mit der Hagia Sofia ist \"Welterbe\". Das Erbe von allen. Einmal im kulturellen Sinn der Unesco, aber in Wahrheit weiter gefasst. Das einzigartige Bauwerk geh\u00f6rt in Wirklichkeit der ganzen Welt, nicht der einen oder anderen Religion. Die beiden Gro\u00dfreiche, f\u00fcr die die Hagia Sofia der zentrale spirituelle Bau war, das byzantinische und das osmanische, sind l\u00e4ngst versunken. Seither hat sie eine neue, \u00fcbernationale Dimension erhalten. Was Erdo\u011fan da jetzt mit der Hagia Sofia macht, ist eine Verengung und Verarmung eines gemeinsamen Welterbes.<\/p>\n\n\n\n

\"\"\/
Betende Muslime vor der Hagia Sophia.<\/figcaption><\/figure>\n\n\n\n

Davon abgesehen aber war und ist sie ein architektonisches Meisterwerk und geh\u00f6rt zu den bedeutendsten Bauten der Welt. Wer heute den Zentralraum unter der Kuppel betritt, kann sich nur schwer dem zugleich majest\u00e4tischen wie schwebenden Gesamteindruck entziehen. Die Hagia Sophia blieb fast 1000 Jahre die gr\u00f6\u00dfte Kirche der Christenheit. Technisch war die Kuppel (mit mehreren Halbkuppeln) eine \u00fcberaus riskante Innovation: Die 55 Meter hohe und 32 Meter im Durchmesser breite Kuppel ruht auf nur vier Tragpunkten, was den schwebenden, schwerelosen Eindruck erzeugt. Die Konstruktion folgt einem mathematischen Prinzip, das erst k\u00fcrzlich entschl\u00fcsselt wurde.<\/p>\n\n\n\n

\"Salomo, ich habe dich \u00fcbertroffen!\"<\/p><\/blockquote>\n\n\n\n

Als Kaiser Justinian die Hagia Sophia nach nur f\u00fcnf Jahren Bauzeit (532\u2013537) betrat, soll er in Anspielung auf den Tempel in Jerusalem ausgerufen haben: \"Salomo, ich habe dich \u00fcbertroffen!\" Die Innenausstattung war mit ihren S\u00e4ulen aus Porphyr und gr\u00fcnem Marmor, mit Mosaiken aus Gold und Halbedelsteinen derart prunkvoll, der Gesamteindruck derart \u00fcberirdisch, dass eine Delegation des Gro\u00dff\u00fcrsten von Kiew nicht mehr wusste, \"ob wir im Himmel oder auf der Erde\" waren \u2013 was die Christianisierung Russlands bef\u00f6rderte.<\/p>\n\n\n\n

Der deutsche Architekturlehrer Holger Kleine nennt die Hagia Sophia \"absolute Architektur\", weil sie \"extreme Ausdrucksformen nahezu aller dramaturgischen Mittel, die der Architektur zur Verf\u00fcgung stehen, vereinigt: wuchtigste K\u00f6rper und luftigste R\u00e4ume, engste Enge und gr\u00f6\u00dfte Weite, w\u00e4rmende Helligkeit und mystisches Dunkel\". Und die Kuppelbauten aus der sp\u00e4teren Hochbl\u00fcte der Moscheenarchitektur im 16. und 17. Jahrhundert gehen eindeutig auf die Hagia Sophia zur\u00fcck.<\/p>\n\n\n\n

Die Hagia Sophia war Staatskirche des byzantinischen Reichs. F\u00fcr die Eroberer der letzte Schlussstein in der Kuppel osmanisch-muslimischen Herrschaftsanspruchs. Konstantinopel war ja 1453 nur noch eine isolierte, heruntergekommene Enklave in einem osmanischen Umfeld, kein christliches Heer kam zu Hilfe. Doch vorher war es zugleich Sperrriegel nach Osten und Geistesarchiv der antiken Kultur gewesen. \"Ohne Byzanz h\u00e4tte es kein Europa gegeben\", sagt die britische Altertumsforscherin Judith Herrin.<\/p>\n\n\n\n

\"\"\/
Freigelegtes Mosaik von \"Christos Pantokrator\".<\/figcaption><\/figure>\n\n\n\n

Neue Fragen<\/h3>\n\n\n\n

Die Kirche wurde von Mehmed II. und Nachfolgern nicht in der Substanz zerst\u00f6rt, sondern \"entchristlicht\". Die urspr\u00fcnglich \u00fcbert\u00fcnchten oder auch abgeschlagenen Mosaiken mit den Darstellungen von Christus, der Muttergottes, diversen Kaisern kamen zum Teil schon unter einem Sultan des 19. Jahrhunderts, dann gro\u00dfteils nach der Museumswidmung wieder zum Vorschein.<\/p>\n\n\n\n

Jetzt stellen sich neue symbolisch-praktische Fragen. Erdo\u011fan hat die Hagia Sophia der konservativen staatlichen Religionsbeh\u00f6rde Diyanet unterstellt. Die byzantinischen Mosaike, wie der gro\u00dfartige \"Christos Pantokrator\" (\"Weltenherrscher\") oder die Jungfrau Maria in der Apsis, m\u00fcssen wohl w\u00e4hrend des islamischen Gottesdiensts verh\u00e4ngt werden. Muss der Boden mit seinen Marmorplatten und Mosaiken mit einem Teppich bedeckt werden? Erdo\u011fan sagt, Touristen seien nach wie vor zugelassen. Aber sie werden wohl hinter Absperrungen bleiben m\u00fcssen. Frauen werden \u2013 wie in der benachbarten \"Blauen Moschee\" (\"Sultanahmed\") Kopftuch tragen m\u00fcssen.<\/p>\n\n\n\n

\"\"\/
Erdo\u011fan mit Gattin in der Hagia Sophia.<\/figcaption><\/figure>\n\n\n\n

Erdo\u011fans neue Abenteuer<\/strong><\/h3>\n\n\n\n

Aber wird da nicht doch zu viel in einen Formalakt rund um ein uraltes Bauwerk hineininterpretiert? Im geschichtlichen Kontext relativiert sich manches: Konstantinopel wurde schon von Christen erobert und ausgepl\u00fcndert \u2013 1204 im Vierten Kreuzzug. In der Moschee von Cordoba (\"Mezquita\") bauten die Katholiken eine ganze Kirche in den ber\u00fchmten S\u00e4ulenwald hinein. Die Mezquita ist heute noch Kirche, kein Museum.<\/p>\n\n\n\n

\"Das ist der Beweis, dass wir kein s\u00e4kularer Staat mehr sein wollen\", sagt Nobelpreistr\u00e4ger Orhan Pamuk. Erdo\u011fan betrachtet sich offenbar als auch neoosmanischer \"Fatih\" im Mittelmeerraum mit immer neuen Abenteuern: Eingreifen in Syrien, Stellvertreterkrieg in Libyen, Anspr\u00fcche auf Erdgasvorkommen weit vor der t\u00fcrkischen K\u00fcste bei Zypern, Reden, wonach manche \u00c4g\u00e4is-Inseln eigentlich zur T\u00fcrkei geh\u00f6ren, \"denn dort stehen unsere Moscheen\". Manches davon ist nur Rhetorik, aber genug anderes ist riskante Realit\u00e4t. (Hans Rauscher, 14.7.2020)<\/p>\n\n\n\n

Quelle<\/a><\/strong><\/p>\n","post_title":"Hagia Sophia: Verengung und Verarmung eines Welterbes","post_excerpt":"","post_status":"publish","comment_status":"closed","ping_status":"closed","post_password":"","post_name":"hagia-sophia-verengung-und-verarmung-eines-welterbes","to_ping":"","pinged":"","post_modified":"2025-02-02 08:39:39","post_modified_gmt":"2025-02-02 08:39:39","post_content_filtered":"","post_parent":0,"guid":"https:\/\/dctransparency.com\/?p=3792","menu_order":0,"post_type":"post","post_mime_type":"","comment_count":"0","filter":"raw"},{"ID":3789,"post_author":"7","post_date":"2020-08-14 13:56:07","post_date_gmt":"2020-08-14 13:56:07","post_content":"\n

Im Gastkommentar pocht Mark Leonard, Direktor des Europ\u00e4ischen Rats f\u00fcr Ausw\u00e4rtige Beziehungen, auf \"neue, einvernehmlich vereinbarte Prinzipien sowie klare Grenzen\", nur so k\u00f6nne eine weitere Destabilisierung in der Region verhindert werden.<\/em><\/strong><\/p>\n\n\n\n

Ist die T\u00fcrkei das neue Russland? Diese Frage wird in den europ\u00e4ischen Hauptst\u00e4dten zunehmend gestellt, da die Au\u00dfenpolitik des t\u00fcrkischen Pr\u00e4sidenten Recep Tayyip Erdo\u011fan zunehmend aggressiver wird. Erdo\u011fan nutzt nicht nur die Migration, um die EU zu bedrohen und zu betr\u00fcgen, sondern setzt auch milit\u00e4rische Macht ein, um den Einflussbereich der T\u00fcrkei auf die gesamte Region auszudehnen.<\/p>\n\n\n\n

Seit dem Ende des Kalten Krieges haben die Europ\u00e4er die regionale Sicherheit durch eine unipolare westliche Linse betrachtet. W\u00e4hrend die Nato die milit\u00e4rische Sicherheit garantierte, sorgte die EU mit ihrem 80.000 Seiten starken Regelwerk f\u00fcr alles von LGBTQ-Rechten bis hin zu Rasenm\u00e4her-Sound-Verordnungen f\u00fcr Rechtsordnung. In den 90er-Jahren ging man allgemein davon aus, dass die beiden gro\u00dfen nichtwestlichen regionalen Akteure, Russland und die T\u00fcrkei, nach und nach an diese Regelungen herangef\u00fchrt werden w\u00fcrden.<\/p>\n\n\n\n

Qu\u00e4lende Hassliebe<\/h3>\n\n\n\n

Doch in den letzten 15 Jahren ist der Traum von der europ\u00e4ischen Unipolarit\u00e4t einer multipolaren Realit\u00e4t gewichen. Sowohl Russland als auch die T\u00fcrkei haben eine lange, qu\u00e4lende Hassliebe zu Europa, und beide sind unter nationalen Machthabern, denen die Verachtung der Normen und Werte der EU gemeinsam ist, durchsetzungsf\u00e4higer geworden.<\/p>\n\n\n\n

Die zunehmende Verschlechterung der Beziehungen zwischen der EU und Russland ist gut dokumentiert, der Fall der T\u00fcrkei weniger. Der Irakkrieg im Jahr 2003 komplizierte das Verh\u00e4ltnis der T\u00fcrkei zur Nato, und ihr Verh\u00e4ltnis zur EU verschlechterte sich 2007, als Frankreich einen wichtigen Teil ihrer EU-Beitrittsverhandlungen blockierte. Seitdem hat die T\u00fcrkei ihren eigenen Weg in Syrien, auf dem Balkan und in Libyen eingeschlagen und neue Beziehungen zu Russland und China aufgebaut.<\/p>\n\n\n\n

Wichtiger Akteur<\/strong><\/h3>\n\n\n\n

Nat\u00fcrlich sind die Beziehungen zwischen der T\u00fcrkei und Russland nicht weniger kompliziert, nicht zuletzt weil Erdo\u011fan und der russische Pr\u00e4sident Wladimir Putin im syrischen B\u00fcrgerkrieg verschiedene Seiten unterst\u00fctzten.Und w\u00e4hrend die Spannungen wegen des Syrien-Konflikts weiterhin bestehen, bewundert Erdo\u011fan deutlich, wie Russland sich \u2013 bei relativ geringen Kosten \u2013 wieder als wichtiger Akteur im Nahen Osten und in Nordafrika etabliert hat.<\/p>\n\n\n\n

Nachdem er in einen nicht zu gewinnenden Krieg im Osten der Ukraine verwickelt war, schien Putins weitgehend erfolgreicher Feldzug in Syrien einen Teil seiner innenpolitischen Autorit\u00e4t wiederherzustellen. Der Westen hatte f\u00fcnf Jahre lang darauf bestanden, dass es keine milit\u00e4rische L\u00f6sung des Konflikts gebe und dass der syrische Pr\u00e4sident Baschar al-Assad gehen m\u00fcsse. Doch w\u00e4hrend die von den Vereinten Nationen unterst\u00fctzten Gespr\u00e4che in Genf zu keinem Ergebnis f\u00fchrten, schienen die von Russland geleiteten Gespr\u00e4che in Astana voranzukommen. Indem der Kreml die T\u00fcrkei und den Iran einbezog, w\u00e4hrend er die westlichen M\u00e4chte ausschloss, erweckte er den Eindruck, dass Russland als wiedergeborene Supermacht aus der Asche auferstanden sei.<\/p>\n\n\n\n

Unter Druck<\/h3>\n\n\n\n

Angesichts des wachsenden Widerstands im eigenen Land macht es Erdo\u011fan Putin gleich. Da der Westen nicht bereit war, (erneut) milit\u00e4risch in Libyen zu intervenieren, sah Erdo\u011fan eine Gelegenheit, die T\u00fcrkei zu positionieren. Nach dem Vorgehen Russlands in Syrien sicherte er sich eine formelle Einladung der libyschen Regierung zur Intervention. Mit einem Schlag Ende letzten Jahres hat er nicht nur das Image der T\u00fcrkei als Regionalmacht gest\u00e4rkt, sondern auch ein Abkommen mit Libyen \u00fcber die Seegrenze abgeschlossen und damit einen Plan Griechenlands, Zyperns, \u00c4gyptens und Israels zur Erschlie\u00dfung von Unterwasser\u00f6l- und -gasfeldern in der N\u00e4he zunichtegemacht.<\/p>\n\n\n\n

Erdo\u011fan scheint auch von der Spalt-und-Eroberungs-Strategie des Kreml in Europa inspiriert worden zu sein, der zufolge oft diejenigen EU-Mitgliedsstaaten unter Druck gesetzt werden, die am meisten von russischen Kohlenwasserstoffen oder M\u00e4rkten abh\u00e4ngig sind. So wie Putin lange Zeit die Energieversorgung instrumentalisiert hat, hat Erdo\u011fan versucht, den Strom von Migranten und Fl\u00fcchtlingen, die vor Konflikten im Nahen Osten fliehen, zu instrumentalisieren. Als die EU eine neue Marinemission ank\u00fcndigte, um den Waffenstrom nach Libyen zu blockieren, malte die T\u00fcrkei f\u00fcr Malta das Schreckgespenst der angeblichen Bedrohung durch Migranten an die Wand. Malta reagierte prompt und signalisierte, dass es gegen die Finanzierung der Mission ein Veto einlegen werde.<\/p>\n\n\n\n

Verlorener Sohn<\/strong><\/h3>\n\n\n\n

Jahrelang redeten sich die Europ\u00e4er ein, dass Russland eine Art verlorener Sohn sei und dass die europ\u00e4ische unipolare Ordnung gesund bleibe. Doch das machte Europa zu einem leichten Ziel f\u00fcr die Trennungs-und-Eroberungs-Strategie des Kreml. Erst vor relativ kurzer Zeit entwarf die Union eine neue Politik und ein robustes Sanktionsregime, um die russische Aggression abzuschrecken. Und selbst jetzt \u2013 trotz der besten Bem\u00fchungen der deutschen Bundeskanzlerin Angela Merkel und des franz\u00f6sischen Pr\u00e4sidenten Emmanuel Macron \u2013 hat die EU noch immer keine wirksamen Kommunikationskan\u00e4le mit Russland geschaffen, um gemeinsame Probleme anzugehen.<\/p>\n\n\n\n

Die T\u00fcrkei ist noch kein neues Russland, aber sie k\u00f6nnte dazu werden, wenn die Situation falsch gehandhabt wird. Vorerst betrachten die meisten Europ\u00e4er die T\u00fcrkei noch immer als einen komplizierten Partner und nicht als \"Systemrivalen\". Aber die Europ\u00e4er sollten die hart erk\u00e4mpften Lehren aus dem Umgang mit Russland in den letzten 15 Jahren beherzigen. Die Beziehungen zwischen der EU und der T\u00fcrkei brauchen neue, einvernehmlich vereinbarte Prinzipien sowie klare Grenzen, um eine weitere Destabilisierung in der Region zu verhindern.<\/p>\n\n\n\n

Zu diesem Zweck sollten die Europ\u00e4er klarstellen, dass der EU-Beitrittsprozess entweder zur\u00fcckgedreht oder vorangetrieben werden kann und dass eine eher transaktionale Beziehung sowohl Zuckerbrot als auch Peitsche beinhaltet. Die Herausforderung wird darin bestehen, daf\u00fcr zu sorgen, dass es in einer Region, die nicht nur von Europa und der T\u00fcrkei, sondern auch von Russland, den USA und einem aufstrebenden China beeinflusst wird, noch Raum f\u00fcr politisches Engagement in Fragen der gemeinsamen Sicherheit gibt. (Mark Leonard, \u00dcbersetzung: Eva G\u00f6llner, Copyright: Project Syndicate, 10.8.2020)<\/p>\n\n\n\n

Mark Leonard <\/strong>ist Direktor des Europ\u00e4ischen Rats f\u00fcr Ausw\u00e4rtige Beziehungen.<\/a><\/p>\n","post_title":"Erdo\u011fan \u2013 der andere Putin vor der Haust\u00fcr Europas","post_excerpt":"","post_status":"publish","comment_status":"closed","ping_status":"closed","post_password":"","post_name":"erdogan-der-andere-putin-vor-der-haustur-europas","to_ping":"","pinged":"","post_modified":"2025-02-02 08:39:39","post_modified_gmt":"2025-02-02 08:39:39","post_content_filtered":"","post_parent":0,"guid":"https:\/\/dctransparency.com\/?p=3789","menu_order":0,"post_type":"post","post_mime_type":"","comment_count":"0","filter":"raw"},{"ID":3786,"post_author":"7","post_date":"2020-08-14 13:51:23","post_date_gmt":"2020-08-14 13:51:23","post_content":"\n

Einen Monat nachdem ich zur israelischen Armee eingezogen worden war, brach die erste Intifada aus. Statt Soldat zu sein, machte ich Polizeiarbeit, sagte den Menschen, wann sie zur Arbeit gehen konnten und wann sie ihre L\u00e4den schlie\u00dfen mussten, wann sie die Grenze passieren und wann sie schlafen konnten. Einen Monat nachdem ich aus der Armee entlassen worden war, ging ich auf Reisen. (In Israel sagen wir: Wir dienen drei Jahre und versuchen den Rest unseres Lebens, diese drei Jahre zu vergessen.) Auf meiner Reise begann ich Briefe an meine Freundin zu schreiben, die ich in Israel zur\u00fcckgelassen hatte.<\/p>\n\n\n\n

Ich schrieb ihr, wie schrecklich depressiv ich war und dass diese drei Jahre des Anweisungenbellens und Anderen-Menschen-Sagens, was sie zu tun haben, mich f\u00fcr immer verfolgen w\u00fcrden. Dass sie ein Teil dessen geworden waren, was ich bin. Ich erinnere mich, dass ich ihr schrieb, dass wir da rausm\u00fcssen \u2013 nicht nur f\u00fcr die Pal\u00e4stinenser, sondern wegen der furchtbaren und brutalen Auswirkungen, die all das auf uns, auf die israelische Gesellschaft haben w\u00fcrde. Sie schrieb zur\u00fcck: \u201eDu hast recht. Ich habe einen neuen Freund.\u201c<\/p>\n\n\n\n

Felix Klein wurde als Beauftragter der Bundesregierung berufen<\/a>, um die Auswirkungen des zunehmenden Antisemitismus in unserer Gesellschaft, in Deutschland, zu bek\u00e4mpfen. Was nicht in seiner Jobbeschreibung steht, ist, dass er dabei unsere Gesellschaft heilen muss, jene Gesellschaft, die diese Form des Hasses reproduziert und sch\u00fctzt. Klein hat das begriffen.<\/p>\n\n\n\n

Er versteht, dass man Krebs nicht mit einem Pflaster verarztet, er wei\u00df, dass er das Bewusstsein der Deutschen sch\u00e4rfen und Diskussionen ansto\u00dfen muss. Er hat begriffen, dass das Problem nicht nur an den R\u00e4ndern der Gesellschaft (bei den Rechten) liegt, sondern auch in ihrer Mitte. Dort, wo gebildete Menschen nicht einmal bemerken, dass das, was sie sagen und tun, antisemitisch ist. So wie sie es auch nicht merken, wenn sie rassistisch handeln. Er hat all das verstanden, und genau deshalb wollen einige, dass er seinen Posten r\u00e4umt.<\/p>\n\n\n\n

Mehr als 60 deutsche und israelische Intellektuelle haben letzte Woche in einem Brief an Kanzlerin Merkel<\/a> dar\u00fcber geklagt, dass der aktuelle \u201eGebrauch des Antisemitismusbegriffs\u201c darauf abziele, \u201elegitime Kritik an der israelischen Regierungspolitik zu unterdr\u00fccken\u201c, und Klein vorgeworfen, rechtspopulistische israelische Stimmen zu f\u00f6rdern.<\/p>\n\n\n\n

Faszinierend an diesem offenen Brief ist, dass viele der Unterzeichneten keine Deutschen sind und auch nicht in Deutschland leben. Ich wei\u00df nicht, woher sie \u2013 die meisten von ihnen sind Israelis \u2013 die Chuzpe haben, sich in eine innerdeutsche Angelegenheit einzumischen und zu fordern, eine Person zu entlassen, die von der Bundesregierung eingesetzt wurde. Die H\u00e4lfte der Unterzeichneten lebt nicht hier, von der anderen H\u00e4lfte sind viele keine Juden \u2013 somit sind die allermeisten von ihnen nicht direkt vom Antisemitismus in Deutschland betroffen. Wie also k\u00f6nnen sie diesen Brief unterschreiben? Und warum eigentlich haben so wenige Deutsche unterschrieben? Dazu komme ich gleich.<\/p>\n\n\n\n

Debatte um Achille Mbembe<\/h6>\n\n\n\n

Hintergrund des Briefs war, dass Felix Klein gefordert hatte, den Philosophen Achille Mbembe<\/a> nicht die Er\u00f6ffnungsrede der Ruhrtriennale halten zu lassen. Als mit \u00f6ffentlichen Mitteln gef\u00f6rdertes Event solle die Ruhrtriennale Mbembe wegen seiner Haltung zu Israels Existenzrecht, seiner Haltung zu BDS und der Art, wie er in einem seiner Werke den Holocaust relativiert, nicht einladen.<\/p>\n\n\n\n

Mbembes Unterst\u00fctzer sagen, keine dieser Anschuldigungen sei wahr. F\u00fcrs Protokoll: In meinen Augen unterst\u00fctzt Mbembe sehr wohl BDS<\/a>, er schrieb unter anderem das Vorwort zu \u201eApartheid Israel\u201c und fordert die komplette Isolation Israels. Ich glaube auch, wenn Mbembe schreibt, die israelische Besetzung sei der \u201egr\u00f6\u00dfte moralische Skandal unserer Zeit\u201c, zeigt das, dass sein moralischer und geografischer Kompass etwas schief ist.<\/p>\n\n\n\n

Doch warum treibt die Debatte so viele Menschen um? Nun, zun\u00e4chst gibt niemand gern auf, was ihm oder ihr selbstverst\u00e4ndlich scheint. \u00dcber den gesamten politischen, sozialen, kulturellen, medialen und akademischen Sektor hinweg sind Menschen daran gew\u00f6hnt, so schlecht \u00fcber Israel sprechen zu k\u00f6nnen, wie auch immer sie wollen.<\/p>\n\n\n\n

Der Spiegel<\/em> hat \u2013 vielleicht in Anlehnung an seine Relotius-Standards, Israel erst k\u00fcrzlich eine Corona-Diktatur genannt. Fakten und Belege f\u00fcr diese Behauptung gab es nicht. Doch Millionen Deutsche haben es gelesen, und es wird nat\u00fcrlich haften bleiben. Faktenlage hin oder her. Der Spiegel<\/em> und andere Medien haben dieses Spiel perfektioniert: Titel so zu drehen, dass sie Israel indirekt anklagen, die Idee zu streuen, der Mossad kon\u00adtrol\u00adliere die deutsche Au\u00dfenpolitik im Nahen Osten, und so fort. Doch sie stehen allesamt sofort auf den Hinterbeinen, wenn jemand es wagt, das Spiel beim Namen zu nennen: moderner Antisemitismus.<\/p>\n\n\n\n

Klein will dem entgegenwirken. Er versteht, dass antisemitische Attacken in Deutschland die Fr\u00fcchte solch falsch gezeichneter Bilder und eindimensionaler Narrative \u00fcber Israel sind. Wenn er und andere versuchen, ein anderes Narrativ aufzuzeigen, wirft man ihnen Zensur vor: Wie k\u00f6nnen sie es wagen, das Gesch\u00e4ft der Anti-Israel-Propaganda zu st\u00f6ren?<\/p>\n\n\n\n

Liebe Deutsche, wenn ihr reden wollt, lasst uns gern reden: \u00fcber die Besetzung, \u00fcber Bibi und alles, was schiefl\u00e4uft. Aber dann lasst uns bitte auch dar\u00fcber reden, wie deutsche Steuergelder Terrortunnel finanzieren. Erst vergangene Woche r\u00e4umte die niederl\u00e4ndische Regierung ein, dass Gelder an eine Landwirtschaftsorganisation in Ramallah geflossen seien, die damit teilweise die Geh\u00e4lter zweier des Mordes an der 17-j\u00e4hrigen Israelin Rina Shnerb Verd\u00e4chtiger gezahlt haben. Auch die Bundesregierung unterst\u00fctzt diese Organisation, obwohl Kritiker schon lange vor Verbindungen zu Terroristen warnen.<\/p>\n\n\n\n

Wir k\u00f6nnen uns also gerne unterhalten \u2013 aber im Dialog, nicht in Monologen. Denn Reden unter Menschen, die sich einig sind, ist nichts anderes als Impotenz.<\/p>\n\n\n\n

Israelkritik als Eintrittskarte<\/h6>\n\n\n\n

Die Israelis, die die Petition unterzeichnet haben, haben \u00fcbrigens ebenfalls etwas verstanden. Seit Jahren wissen sie: Es ist ihre Eintrittskarte in die Mitte der deutschen (und europ\u00e4ischen) Gesellschaft. Man h\u00f6rt nicht oft von Akademikern mit proisraelischen Ansichten. Weder in den Philharmonie-Orchestern noch in der Kunstszene. Die Eintrittskarte daf\u00fcr ist ein antiisraelischer Standpunkt.<\/p>\n\n\n\n

Der mutma\u00dfliche Grund, warum kaum Deutsche die Petition unterzeichnet haben: Sie mussten es nicht. Ihre Lieblingsjuden haben es f\u00fcr sie getan. Jetzt k\u00f6nnen sie sagen: \u201eSchau, ich bin das ja nicht, meine j\u00fcdischen Freunde sagen es.\u201c Ich selbst war einige Jahre lang mit einem Paar hier in Berlin befreundet, bis ich herausfand, dass ich ihr Lieblingsjude war. Ja, selbst das j\u00fcdische Museum wurde so genutzt.<\/p>\n\n\n\n

Weil Attacken gegen Juden ein absolutes Tabu sind, wurden Umwege gefunden, um den Antisemitismus auf kleiner Flamme k\u00f6cheln zu lassen: die unfundierte, unbegr\u00fcndete Kritik an Israel.<\/p>\n\n\n\n

Diese Art der Kritik ist gef\u00e4hrlich. Sie schw\u00e4cht jede begr\u00fcndete und notwendige Kritik am Verhalten Israels. Und das Interessante ist: Trotz all der heftigen, pauschalisierenden Anklagen, all der offenen Briefe driftet Israel politisch immer weiter nach rechts. Doch statt mal einen anderen Ansatz zu versuchen, werden die antiisraelischen Stimmen nur lauter. Dasselbe versuchen und andere Ergebnisse davon erwarten \u2013 das ist die Definition von Wahnsinn.<\/p>\n\n\n\n

Kurz bevor der Prozess gegen den wegen des Attentats von Halle<\/a> Angeklagten begann \u2013 des seit Kriegsende schlimmsten Akts von Antisemitismus in Deutschland \u2013, lud eine Lokalzeitung den fr\u00fcheren Botschafter Shimon Stein und den Historiker Moshe Zimmermann ein, dar\u00fcber zu schreiben, was Antisemitismus ist. Nat\u00fcrlich wendeten auch sie sich gegen Felix Kleins Ansatz. Sie zitieren die Kontroverse um die Umbenennung der U-Bahn-Station Mohrenstra\u00dfe in Glinkastra\u00dfe, die sich darum drehte, dass der russische Komponist Michael Glinka Antisemit gewesen sein soll. Stein und Zimmermann halten die Debatte f\u00fcr \u00fcberzogen, Glinka sei nur ein Kind seiner Zeit gewesen. Folgt man ihrer Logik, k\u00f6nnen wir dann also in 20 oder 30 Jahren U-Bahn-Stationen nach den Kindern der 1930er Jahre benennen?<\/p>\n\n\n\n

Der Antisemit als Tierfreund<\/h6>\n\n\n\n

Ich w\u00fcnschte, die Sache h\u00e4tte mit dem Artikel, mit der Petition geendet. Doch dann erschien ein Artikel, der den Leser auf einen Waldspaziergang mit einem veganen Koch und Antisemiten mitnahm. Darin setzt der Tierfreund erst behutsam einen K\u00e4fer wieder auf seine Beinchen und erkl\u00e4rt dann, dass die Todesstrafe in Deutschland wieder eingef\u00fchrt werden solle, um einen gewissen Politiker (der zuf\u00e4llig pro Israel ist) an seinen Hoden aufh\u00e4ngen zu k\u00f6nnen. Dieser Koch hat Hunderttausende Follower, er sagt all solche Dinge am helllichten Tag in Berlin. Und in den Medien.<\/p>\n\n\n\n

F\u00e4lle wie dieser handeln bereits von Gewalt \u2013 und sie enden nicht bei den Juden. Der Hass richtet sich gegen Frauen<\/a>, Muslime, Gefl\u00fcchtete, \u00adLBTQI. Am Ende aller theoretischen Debatten stehen immer echte Menschen. Am Ende jeder Konferenz dar\u00fcber, was Antisemitismus ausmacht, steht ein potenzielles j\u00fcdisches Opfer. Angesichts einer Welle von Antisemitismus \u00fcber die Definition von Antisemitismus zu streiten ist, wie eine 10 Meter hohe Welle heranrollen zu sehen und dar\u00fcber zu streiten, was einen Tsunami ausmacht.<\/p>\n\n\n\n

Felix Klein versteht, wie absurd es ist, zu sagen: Es sind nur die Rechten. Die Rechten sind Deutsche, so wie die Nazis Deutsche waren. Klein versteht, dass die Deutschen nicht aufgeh\u00f6rt haben, Juden zu ermorden, weil sie irgendeine Art von Erleuchtung hatten. Sondern schlicht, weil sie den Krieg verloren haben. Um den Antisemitismus zu bek\u00e4mpfen, bevor er die Gesellschaft frisst, in der er und wir leben, muss Deutschland seinen moralischen Kompass korrigieren.<\/p>\n\n\n\n

Immerhin: Mehr und mehr Deutsche fahren nach Israel, sie wollen ein anderes Narrativ h\u00f6ren. Mehr und mehr Deutsche verstehen, dass Antisemitismus Schockwellen ausl\u00f6st, die die gesamte Gesellschaft betreffen. In einem normalen Universum w\u00fcrde Klein bef\u00f6rdert werden f\u00fcr seine Leistung. In einer verdrehten Gesellschaft fordern Menschen seine Entlassung. Um es mit Mbembe zu sagen: Das ist Nano-Nonsens.<\/p>\n\n\n\n

\u00dcbersetzung: Ariane Lemme<\/a><\/em><\/p>\n","post_title":"Felix Klein hat verstanden","post_excerpt":"","post_status":"publish","comment_status":"closed","ping_status":"closed","post_password":"","post_name":"felix-klein-hat-verstanden","to_ping":"","pinged":"","post_modified":"2025-02-02 08:39:39","post_modified_gmt":"2025-02-02 08:39:39","post_content_filtered":"","post_parent":0,"guid":"https:\/\/dctransparency.com\/?p=3786","menu_order":0,"post_type":"post","post_mime_type":"","comment_count":"0","filter":"raw"}],"next":false,"prev":true,"total_page":47},"paged":1,"column_class":"jeg_col_2o3","class":"epic_block_3"};

\n

Die Untersuchung ergab Hinweise darauf, dass eine viel ausgefeiltere Waffe verwendet wurde.<\/p>\n\n\n\n

\"\"<\/figure>\n\n\n\n

Die BBC betrachtete Bilder des Splitters, der nach dem Streik auf dem Exerzierplatz zur\u00fcckgelassen wurde, und kam zu dem Schluss, dass er mit den Komponenten einer Rakete namens Blue Arrow 7 \u00fcbereinstimmte.<\/p>\n\n\n\n

Unsere Analyse ergab, dass nur ein Flugzeug, das im Januar 2020 \u00fcber Tripolis operierte, diese Waffe abfeuern konnte - eine Drohne namens Wing Loong 2.<\/p>\n\n\n\n

Nur drei Wochen vor diesem Streik kamen die Vereinten Nationen zu dem Schluss, dass der Blaue Pfeil 7 \"ballistisch gepaart ist, um vom Wing Loong II geliefert zu werden ... und von keinem anderen in Libyen bisher identifizierten Luftfahrtgut\".<\/p>\n\n\n\n

Die BBC untersuchte auch, woher diese Drohne stammen k\u00f6nnte, und fand Hinweise darauf, dass Wing Loong-Drohnen zum Zeitpunkt des Angriffs nur von einem libyschen Luftwaffenst\u00fctzpunkt aus operierten: al-Khadim im von der LNA kontrollierten Ostlibyen.<\/p>\n\n\n\n

Sowohl die BBC als auch die UN haben Beweise daf\u00fcr gefunden, dass Drohnen, die von diesem Luftwaffenst\u00fctzpunkt aus operieren, zu den Vereinigten Arabischen Emiraten geh\u00f6ren.<\/p>\n\n\n\n

Im Jahr 2019 stellte die UNO fest, dass die VAE durch den Versand von Wing Loong-Drohnen und Blue Arrow 7-Raketen nach Libyen gegen das seit 2011 geltende UN-Waffenembargo gegen das Land versto\u00dfen hatten.<\/p>\n\n\n\n

Die BBC fand auch ein Waffenregister, aus dem hervorgeht, dass die VAE 2017 15 Wing Loong-Drohnen und 350 Blue Arrow 7-Raketen gekauft haben.<\/p>\n\n\n\n

Was hat die BBC noch aufgedeckt?<\/strong><\/p>\n\n\n\n

<\/p>\n\n\n\n

Die BBC-Untersuchung ergab auch neue Beweise daf\u00fcr, dass \u00c4gypten den VAE erlaubt, \u00e4gyptische Milit\u00e4rflugpl\u00e4tze nahe der libyschen Grenze zu nutzen.<\/p>\n\n\n\n

Im Februar 2020 scheinen die in Libyen stationierten Wing Loong II-Drohnen \u00fcber die Grenze nach \u00c4gypten zu einem Luftwaffenst\u00fctzpunkt in der N\u00e4he von Siwa in der west\u00e4gyptischen W\u00fcste gebracht worden zu sein.<\/p>\n\n\n\n

Satellitenbilder zeigen auch, dass ein zweiter \u00e4gyptischer Milit\u00e4rflugplatz, Sidi Barrani, als Einsatzbasis f\u00fcr Mirage 2000-Kampfflugzeuge verwendet wurde, die in Farben lackiert sind, die nicht von der \u00e4gyptischen Luftwaffe verwendet werden, aber genau den von den VAE geflogenen Jets entsprechen .<\/p>\n\n\n\n

Dies ist das gleiche Flugzeugmodell, das von den Vereinten Nationen in einen Luftangriff auf ein Migrationszentrum \u00f6stlich von Tripolis im Juli 2019 verwickelt wurde, bei dem 53 Menschen get\u00f6tet wurden.<\/p>\n\n\n\n

Ausl\u00e4ndischer Jet bei libyschem Migrantenangriff verd\u00e4chtigt<\/p>\n\n\n\n

Sidi Barrani ist auch das Ziel f\u00fcr mehrere Frachtflugzeuge, die von den Vereinigten Arabischen Emiraten gestartet sind, und schl\u00e4gt eine Luftbr\u00fccke f\u00fcr Ausr\u00fcstung oder Lieferungen zwischen den Vereinigten Arabischen Emiraten und einer Milit\u00e4rbasis vor, die nur 80 km von der libyschen Grenze entfernt liegt.<\/p>\n\n\n\n

Die \u00e4gyptische Regierung antwortete nicht auf die Bitte der BBC um Stellungnahme.<\/p>\n\n\n\n

Ist ausl\u00e4ndisches milit\u00e4risches Engagement \u00fcberraschend?<\/strong><\/p>\n\n\n\n

Sowohl die Vereinigten Arabischen Emirate als auch \u00c4gypten nahmen an einer von Bundeskanzlerin Angela Merkel im Januar dieses Jahres in Berlin einberufenen Konferenz \u00fcber Libyen teil, auf der sie ihre Unterst\u00fctzung f\u00fcr den UN-Friedensprozess bekr\u00e4ftigten und sich bereit erkl\u00e4rten, nicht in den Libyen-Krieg einzugreifen.<\/p>\n\n\n\n

Im vergangenen Jahr gab es jedoch eine Eskalation des Einsatzes von Drohnen durch beide Seiten des Konflikts.<\/p>\n\n\n\n

Ghassan Salam\u00e9, der fr\u00fchere Leiter der UN-Mission in Libyen, beschrieb dies als \"m\u00f6glicherweise das gr\u00f6\u00dfte Drohnenkriegstheater der Welt\".<\/p>\n\n\n\n

Die VAE sind nicht die einzige ausl\u00e4ndische Macht, die an diesem Konflikt beteiligt ist.<\/p>\n\n\n\n

Anfang dieses Jahres gab BBC Africa Eye bekannt, dass die T\u00fcrkei auch gegen das Waffenembargo der Vereinten Nationen gegen Libyen versto\u00dfen hat, indem sie geheime Waffenlieferungen an die von den Vereinten Nationen anerkannte Regierung in Tripolis gesendet hat.<\/p>\n\n\n\n

Mit Unterst\u00fctzung der T\u00fcrkei hat die von den Vereinten Nationen anerkannte Regierung des Nationalen Abkommens nun die LNA von Gen Haftar aus der Gegend um Tripolis zur\u00fcckgeschlagen.<\/p>\n","post_title":"BBC-Untersuchung: VAE in t\u00f6dlichen Angriff in Libyen verwickelt","post_excerpt":"","post_status":"publish","comment_status":"closed","ping_status":"closed","post_password":"","post_name":"bbc-untersuchung-vae-in-todlichen-angriff-in-libyen-verwickelt","to_ping":"","pinged":"","post_modified":"2025-02-02 08:39:39","post_modified_gmt":"2025-02-02 08:39:39","post_content_filtered":"","post_parent":0,"guid":"https:\/\/dctransparency.com\/?p=3811","menu_order":0,"post_type":"post","post_mime_type":"","comment_count":"0","filter":"raw"},{"ID":3792,"post_author":"7","post_date":"2020-08-14 13:58:48","post_date_gmt":"2020-08-14 13:58:48","post_content":"\n

Die Hagia Sophia war (ist) ein kulturelles Weltwunder und aufgeladen mit symbolischer Bedeutung, f\u00fcr die Christenheit ebenso wie f\u00fcr den Islam \u2013 und den t\u00fcrkischen Nationalismus. Als Mehmed II. sie betrat, war sie schon fast 1000 Jahre die gr\u00f6\u00dfte Kirche der christlichen Welt und das Zentrum der orthodoxen Glaubensrichtung. Die \"Ayasofya\", wie sie dann hie\u00df, war 500 Jahre lang Moschee \u2013 bis 1934, als Kemal Pascha Atat\u00fcrk, der \"Vater\" der modernen T\u00fcrkei, sie in ein Museum verwandelte, in der ausdr\u00fccklichen Absicht, auch hier mit dem osmanischen Erbe zu brechen.<\/p>\n\n\n\n

Nun wird Pr\u00e4sident Recep Tayyip Erdo\u011fan, der \"Vater\" der re-islamisierten T\u00fcrkei, am 24. Juli dieses Jahres die Ayasofya durch das Freitagsgebet wieder in den Islam eingliedern. Oder eher in seinen pers\u00f6nlichen religi\u00f6sen Nationalismus.<\/p>\n\n\n\n

Welterbe von allen<\/h3>\n\n\n\n

Wie bedeutungsschwer ist dieser Akt eines \"starken Mannes\", der innenpolitisch deutlich schw\u00e4chelt? Die Proteste vor allem aus der orthodoxen Welt, aber auch aus Europa und den USA sind eher traurig als w\u00fctend. Der Papst dr\u00fcckte seinen \"Schmerz\" aus. Auch der Jubel in der islamischen Welt fiel zun\u00e4chst weniger \u00fcbersch\u00e4umend als erwartet aus.<\/p>\n\n\n\n

Ist es der Alleingang eines Autokraten in Bedr\u00e4ngnis oder ist \"der Jubel \u00fcber die Eroberung der Hagia Sophia der Versuch einer zutiefst erniedrigten, vom Gef\u00fchl der Wertlosigkeit dominierten und in ihrer eigenen Selbstberechtigung beraubten Gesellschaft, eine Bedeutung, eine St\u00e4rke, ein Selbstwertgef\u00fchl zu finden\"? So recht pauschalierend der in Deutschland lebende pal\u00e4stinensische Intellektuelle und Psychiater Ahmad Mansour.<\/p>\n\n\n\n

Die beiden Gro\u00dfreiche, das byzantinische und das osmanische, sind l\u00e4ngst versunken.<\/p><\/blockquote>\n\n\n\n

Das eigentliche Schl\u00fcsselwort im Zusammenhang mit der Hagia Sofia ist \"Welterbe\". Das Erbe von allen. Einmal im kulturellen Sinn der Unesco, aber in Wahrheit weiter gefasst. Das einzigartige Bauwerk geh\u00f6rt in Wirklichkeit der ganzen Welt, nicht der einen oder anderen Religion. Die beiden Gro\u00dfreiche, f\u00fcr die die Hagia Sofia der zentrale spirituelle Bau war, das byzantinische und das osmanische, sind l\u00e4ngst versunken. Seither hat sie eine neue, \u00fcbernationale Dimension erhalten. Was Erdo\u011fan da jetzt mit der Hagia Sofia macht, ist eine Verengung und Verarmung eines gemeinsamen Welterbes.<\/p>\n\n\n\n

\"\"\/
Betende Muslime vor der Hagia Sophia.<\/figcaption><\/figure>\n\n\n\n

Davon abgesehen aber war und ist sie ein architektonisches Meisterwerk und geh\u00f6rt zu den bedeutendsten Bauten der Welt. Wer heute den Zentralraum unter der Kuppel betritt, kann sich nur schwer dem zugleich majest\u00e4tischen wie schwebenden Gesamteindruck entziehen. Die Hagia Sophia blieb fast 1000 Jahre die gr\u00f6\u00dfte Kirche der Christenheit. Technisch war die Kuppel (mit mehreren Halbkuppeln) eine \u00fcberaus riskante Innovation: Die 55 Meter hohe und 32 Meter im Durchmesser breite Kuppel ruht auf nur vier Tragpunkten, was den schwebenden, schwerelosen Eindruck erzeugt. Die Konstruktion folgt einem mathematischen Prinzip, das erst k\u00fcrzlich entschl\u00fcsselt wurde.<\/p>\n\n\n\n

\"Salomo, ich habe dich \u00fcbertroffen!\"<\/p><\/blockquote>\n\n\n\n

Als Kaiser Justinian die Hagia Sophia nach nur f\u00fcnf Jahren Bauzeit (532\u2013537) betrat, soll er in Anspielung auf den Tempel in Jerusalem ausgerufen haben: \"Salomo, ich habe dich \u00fcbertroffen!\" Die Innenausstattung war mit ihren S\u00e4ulen aus Porphyr und gr\u00fcnem Marmor, mit Mosaiken aus Gold und Halbedelsteinen derart prunkvoll, der Gesamteindruck derart \u00fcberirdisch, dass eine Delegation des Gro\u00dff\u00fcrsten von Kiew nicht mehr wusste, \"ob wir im Himmel oder auf der Erde\" waren \u2013 was die Christianisierung Russlands bef\u00f6rderte.<\/p>\n\n\n\n

Der deutsche Architekturlehrer Holger Kleine nennt die Hagia Sophia \"absolute Architektur\", weil sie \"extreme Ausdrucksformen nahezu aller dramaturgischen Mittel, die der Architektur zur Verf\u00fcgung stehen, vereinigt: wuchtigste K\u00f6rper und luftigste R\u00e4ume, engste Enge und gr\u00f6\u00dfte Weite, w\u00e4rmende Helligkeit und mystisches Dunkel\". Und die Kuppelbauten aus der sp\u00e4teren Hochbl\u00fcte der Moscheenarchitektur im 16. und 17. Jahrhundert gehen eindeutig auf die Hagia Sophia zur\u00fcck.<\/p>\n\n\n\n

Die Hagia Sophia war Staatskirche des byzantinischen Reichs. F\u00fcr die Eroberer der letzte Schlussstein in der Kuppel osmanisch-muslimischen Herrschaftsanspruchs. Konstantinopel war ja 1453 nur noch eine isolierte, heruntergekommene Enklave in einem osmanischen Umfeld, kein christliches Heer kam zu Hilfe. Doch vorher war es zugleich Sperrriegel nach Osten und Geistesarchiv der antiken Kultur gewesen. \"Ohne Byzanz h\u00e4tte es kein Europa gegeben\", sagt die britische Altertumsforscherin Judith Herrin.<\/p>\n\n\n\n

\"\"\/
Freigelegtes Mosaik von \"Christos Pantokrator\".<\/figcaption><\/figure>\n\n\n\n

Neue Fragen<\/h3>\n\n\n\n

Die Kirche wurde von Mehmed II. und Nachfolgern nicht in der Substanz zerst\u00f6rt, sondern \"entchristlicht\". Die urspr\u00fcnglich \u00fcbert\u00fcnchten oder auch abgeschlagenen Mosaiken mit den Darstellungen von Christus, der Muttergottes, diversen Kaisern kamen zum Teil schon unter einem Sultan des 19. Jahrhunderts, dann gro\u00dfteils nach der Museumswidmung wieder zum Vorschein.<\/p>\n\n\n\n

Jetzt stellen sich neue symbolisch-praktische Fragen. Erdo\u011fan hat die Hagia Sophia der konservativen staatlichen Religionsbeh\u00f6rde Diyanet unterstellt. Die byzantinischen Mosaike, wie der gro\u00dfartige \"Christos Pantokrator\" (\"Weltenherrscher\") oder die Jungfrau Maria in der Apsis, m\u00fcssen wohl w\u00e4hrend des islamischen Gottesdiensts verh\u00e4ngt werden. Muss der Boden mit seinen Marmorplatten und Mosaiken mit einem Teppich bedeckt werden? Erdo\u011fan sagt, Touristen seien nach wie vor zugelassen. Aber sie werden wohl hinter Absperrungen bleiben m\u00fcssen. Frauen werden \u2013 wie in der benachbarten \"Blauen Moschee\" (\"Sultanahmed\") Kopftuch tragen m\u00fcssen.<\/p>\n\n\n\n

\"\"\/
Erdo\u011fan mit Gattin in der Hagia Sophia.<\/figcaption><\/figure>\n\n\n\n

Erdo\u011fans neue Abenteuer<\/strong><\/h3>\n\n\n\n

Aber wird da nicht doch zu viel in einen Formalakt rund um ein uraltes Bauwerk hineininterpretiert? Im geschichtlichen Kontext relativiert sich manches: Konstantinopel wurde schon von Christen erobert und ausgepl\u00fcndert \u2013 1204 im Vierten Kreuzzug. In der Moschee von Cordoba (\"Mezquita\") bauten die Katholiken eine ganze Kirche in den ber\u00fchmten S\u00e4ulenwald hinein. Die Mezquita ist heute noch Kirche, kein Museum.<\/p>\n\n\n\n

\"Das ist der Beweis, dass wir kein s\u00e4kularer Staat mehr sein wollen\", sagt Nobelpreistr\u00e4ger Orhan Pamuk. Erdo\u011fan betrachtet sich offenbar als auch neoosmanischer \"Fatih\" im Mittelmeerraum mit immer neuen Abenteuern: Eingreifen in Syrien, Stellvertreterkrieg in Libyen, Anspr\u00fcche auf Erdgasvorkommen weit vor der t\u00fcrkischen K\u00fcste bei Zypern, Reden, wonach manche \u00c4g\u00e4is-Inseln eigentlich zur T\u00fcrkei geh\u00f6ren, \"denn dort stehen unsere Moscheen\". Manches davon ist nur Rhetorik, aber genug anderes ist riskante Realit\u00e4t. (Hans Rauscher, 14.7.2020)<\/p>\n\n\n\n

Quelle<\/a><\/strong><\/p>\n","post_title":"Hagia Sophia: Verengung und Verarmung eines Welterbes","post_excerpt":"","post_status":"publish","comment_status":"closed","ping_status":"closed","post_password":"","post_name":"hagia-sophia-verengung-und-verarmung-eines-welterbes","to_ping":"","pinged":"","post_modified":"2025-02-02 08:39:39","post_modified_gmt":"2025-02-02 08:39:39","post_content_filtered":"","post_parent":0,"guid":"https:\/\/dctransparency.com\/?p=3792","menu_order":0,"post_type":"post","post_mime_type":"","comment_count":"0","filter":"raw"},{"ID":3789,"post_author":"7","post_date":"2020-08-14 13:56:07","post_date_gmt":"2020-08-14 13:56:07","post_content":"\n

Im Gastkommentar pocht Mark Leonard, Direktor des Europ\u00e4ischen Rats f\u00fcr Ausw\u00e4rtige Beziehungen, auf \"neue, einvernehmlich vereinbarte Prinzipien sowie klare Grenzen\", nur so k\u00f6nne eine weitere Destabilisierung in der Region verhindert werden.<\/em><\/strong><\/p>\n\n\n\n

Ist die T\u00fcrkei das neue Russland? Diese Frage wird in den europ\u00e4ischen Hauptst\u00e4dten zunehmend gestellt, da die Au\u00dfenpolitik des t\u00fcrkischen Pr\u00e4sidenten Recep Tayyip Erdo\u011fan zunehmend aggressiver wird. Erdo\u011fan nutzt nicht nur die Migration, um die EU zu bedrohen und zu betr\u00fcgen, sondern setzt auch milit\u00e4rische Macht ein, um den Einflussbereich der T\u00fcrkei auf die gesamte Region auszudehnen.<\/p>\n\n\n\n

Seit dem Ende des Kalten Krieges haben die Europ\u00e4er die regionale Sicherheit durch eine unipolare westliche Linse betrachtet. W\u00e4hrend die Nato die milit\u00e4rische Sicherheit garantierte, sorgte die EU mit ihrem 80.000 Seiten starken Regelwerk f\u00fcr alles von LGBTQ-Rechten bis hin zu Rasenm\u00e4her-Sound-Verordnungen f\u00fcr Rechtsordnung. In den 90er-Jahren ging man allgemein davon aus, dass die beiden gro\u00dfen nichtwestlichen regionalen Akteure, Russland und die T\u00fcrkei, nach und nach an diese Regelungen herangef\u00fchrt werden w\u00fcrden.<\/p>\n\n\n\n

Qu\u00e4lende Hassliebe<\/h3>\n\n\n\n

Doch in den letzten 15 Jahren ist der Traum von der europ\u00e4ischen Unipolarit\u00e4t einer multipolaren Realit\u00e4t gewichen. Sowohl Russland als auch die T\u00fcrkei haben eine lange, qu\u00e4lende Hassliebe zu Europa, und beide sind unter nationalen Machthabern, denen die Verachtung der Normen und Werte der EU gemeinsam ist, durchsetzungsf\u00e4higer geworden.<\/p>\n\n\n\n

Die zunehmende Verschlechterung der Beziehungen zwischen der EU und Russland ist gut dokumentiert, der Fall der T\u00fcrkei weniger. Der Irakkrieg im Jahr 2003 komplizierte das Verh\u00e4ltnis der T\u00fcrkei zur Nato, und ihr Verh\u00e4ltnis zur EU verschlechterte sich 2007, als Frankreich einen wichtigen Teil ihrer EU-Beitrittsverhandlungen blockierte. Seitdem hat die T\u00fcrkei ihren eigenen Weg in Syrien, auf dem Balkan und in Libyen eingeschlagen und neue Beziehungen zu Russland und China aufgebaut.<\/p>\n\n\n\n

Wichtiger Akteur<\/strong><\/h3>\n\n\n\n

Nat\u00fcrlich sind die Beziehungen zwischen der T\u00fcrkei und Russland nicht weniger kompliziert, nicht zuletzt weil Erdo\u011fan und der russische Pr\u00e4sident Wladimir Putin im syrischen B\u00fcrgerkrieg verschiedene Seiten unterst\u00fctzten.Und w\u00e4hrend die Spannungen wegen des Syrien-Konflikts weiterhin bestehen, bewundert Erdo\u011fan deutlich, wie Russland sich \u2013 bei relativ geringen Kosten \u2013 wieder als wichtiger Akteur im Nahen Osten und in Nordafrika etabliert hat.<\/p>\n\n\n\n

Nachdem er in einen nicht zu gewinnenden Krieg im Osten der Ukraine verwickelt war, schien Putins weitgehend erfolgreicher Feldzug in Syrien einen Teil seiner innenpolitischen Autorit\u00e4t wiederherzustellen. Der Westen hatte f\u00fcnf Jahre lang darauf bestanden, dass es keine milit\u00e4rische L\u00f6sung des Konflikts gebe und dass der syrische Pr\u00e4sident Baschar al-Assad gehen m\u00fcsse. Doch w\u00e4hrend die von den Vereinten Nationen unterst\u00fctzten Gespr\u00e4che in Genf zu keinem Ergebnis f\u00fchrten, schienen die von Russland geleiteten Gespr\u00e4che in Astana voranzukommen. Indem der Kreml die T\u00fcrkei und den Iran einbezog, w\u00e4hrend er die westlichen M\u00e4chte ausschloss, erweckte er den Eindruck, dass Russland als wiedergeborene Supermacht aus der Asche auferstanden sei.<\/p>\n\n\n\n

Unter Druck<\/h3>\n\n\n\n

Angesichts des wachsenden Widerstands im eigenen Land macht es Erdo\u011fan Putin gleich. Da der Westen nicht bereit war, (erneut) milit\u00e4risch in Libyen zu intervenieren, sah Erdo\u011fan eine Gelegenheit, die T\u00fcrkei zu positionieren. Nach dem Vorgehen Russlands in Syrien sicherte er sich eine formelle Einladung der libyschen Regierung zur Intervention. Mit einem Schlag Ende letzten Jahres hat er nicht nur das Image der T\u00fcrkei als Regionalmacht gest\u00e4rkt, sondern auch ein Abkommen mit Libyen \u00fcber die Seegrenze abgeschlossen und damit einen Plan Griechenlands, Zyperns, \u00c4gyptens und Israels zur Erschlie\u00dfung von Unterwasser\u00f6l- und -gasfeldern in der N\u00e4he zunichtegemacht.<\/p>\n\n\n\n

Erdo\u011fan scheint auch von der Spalt-und-Eroberungs-Strategie des Kreml in Europa inspiriert worden zu sein, der zufolge oft diejenigen EU-Mitgliedsstaaten unter Druck gesetzt werden, die am meisten von russischen Kohlenwasserstoffen oder M\u00e4rkten abh\u00e4ngig sind. So wie Putin lange Zeit die Energieversorgung instrumentalisiert hat, hat Erdo\u011fan versucht, den Strom von Migranten und Fl\u00fcchtlingen, die vor Konflikten im Nahen Osten fliehen, zu instrumentalisieren. Als die EU eine neue Marinemission ank\u00fcndigte, um den Waffenstrom nach Libyen zu blockieren, malte die T\u00fcrkei f\u00fcr Malta das Schreckgespenst der angeblichen Bedrohung durch Migranten an die Wand. Malta reagierte prompt und signalisierte, dass es gegen die Finanzierung der Mission ein Veto einlegen werde.<\/p>\n\n\n\n

Verlorener Sohn<\/strong><\/h3>\n\n\n\n

Jahrelang redeten sich die Europ\u00e4er ein, dass Russland eine Art verlorener Sohn sei und dass die europ\u00e4ische unipolare Ordnung gesund bleibe. Doch das machte Europa zu einem leichten Ziel f\u00fcr die Trennungs-und-Eroberungs-Strategie des Kreml. Erst vor relativ kurzer Zeit entwarf die Union eine neue Politik und ein robustes Sanktionsregime, um die russische Aggression abzuschrecken. Und selbst jetzt \u2013 trotz der besten Bem\u00fchungen der deutschen Bundeskanzlerin Angela Merkel und des franz\u00f6sischen Pr\u00e4sidenten Emmanuel Macron \u2013 hat die EU noch immer keine wirksamen Kommunikationskan\u00e4le mit Russland geschaffen, um gemeinsame Probleme anzugehen.<\/p>\n\n\n\n

Die T\u00fcrkei ist noch kein neues Russland, aber sie k\u00f6nnte dazu werden, wenn die Situation falsch gehandhabt wird. Vorerst betrachten die meisten Europ\u00e4er die T\u00fcrkei noch immer als einen komplizierten Partner und nicht als \"Systemrivalen\". Aber die Europ\u00e4er sollten die hart erk\u00e4mpften Lehren aus dem Umgang mit Russland in den letzten 15 Jahren beherzigen. Die Beziehungen zwischen der EU und der T\u00fcrkei brauchen neue, einvernehmlich vereinbarte Prinzipien sowie klare Grenzen, um eine weitere Destabilisierung in der Region zu verhindern.<\/p>\n\n\n\n

Zu diesem Zweck sollten die Europ\u00e4er klarstellen, dass der EU-Beitrittsprozess entweder zur\u00fcckgedreht oder vorangetrieben werden kann und dass eine eher transaktionale Beziehung sowohl Zuckerbrot als auch Peitsche beinhaltet. Die Herausforderung wird darin bestehen, daf\u00fcr zu sorgen, dass es in einer Region, die nicht nur von Europa und der T\u00fcrkei, sondern auch von Russland, den USA und einem aufstrebenden China beeinflusst wird, noch Raum f\u00fcr politisches Engagement in Fragen der gemeinsamen Sicherheit gibt. (Mark Leonard, \u00dcbersetzung: Eva G\u00f6llner, Copyright: Project Syndicate, 10.8.2020)<\/p>\n\n\n\n

Mark Leonard <\/strong>ist Direktor des Europ\u00e4ischen Rats f\u00fcr Ausw\u00e4rtige Beziehungen.<\/a><\/p>\n","post_title":"Erdo\u011fan \u2013 der andere Putin vor der Haust\u00fcr Europas","post_excerpt":"","post_status":"publish","comment_status":"closed","ping_status":"closed","post_password":"","post_name":"erdogan-der-andere-putin-vor-der-haustur-europas","to_ping":"","pinged":"","post_modified":"2025-02-02 08:39:39","post_modified_gmt":"2025-02-02 08:39:39","post_content_filtered":"","post_parent":0,"guid":"https:\/\/dctransparency.com\/?p=3789","menu_order":0,"post_type":"post","post_mime_type":"","comment_count":"0","filter":"raw"},{"ID":3786,"post_author":"7","post_date":"2020-08-14 13:51:23","post_date_gmt":"2020-08-14 13:51:23","post_content":"\n

Einen Monat nachdem ich zur israelischen Armee eingezogen worden war, brach die erste Intifada aus. Statt Soldat zu sein, machte ich Polizeiarbeit, sagte den Menschen, wann sie zur Arbeit gehen konnten und wann sie ihre L\u00e4den schlie\u00dfen mussten, wann sie die Grenze passieren und wann sie schlafen konnten. Einen Monat nachdem ich aus der Armee entlassen worden war, ging ich auf Reisen. (In Israel sagen wir: Wir dienen drei Jahre und versuchen den Rest unseres Lebens, diese drei Jahre zu vergessen.) Auf meiner Reise begann ich Briefe an meine Freundin zu schreiben, die ich in Israel zur\u00fcckgelassen hatte.<\/p>\n\n\n\n

Ich schrieb ihr, wie schrecklich depressiv ich war und dass diese drei Jahre des Anweisungenbellens und Anderen-Menschen-Sagens, was sie zu tun haben, mich f\u00fcr immer verfolgen w\u00fcrden. Dass sie ein Teil dessen geworden waren, was ich bin. Ich erinnere mich, dass ich ihr schrieb, dass wir da rausm\u00fcssen \u2013 nicht nur f\u00fcr die Pal\u00e4stinenser, sondern wegen der furchtbaren und brutalen Auswirkungen, die all das auf uns, auf die israelische Gesellschaft haben w\u00fcrde. Sie schrieb zur\u00fcck: \u201eDu hast recht. Ich habe einen neuen Freund.\u201c<\/p>\n\n\n\n

Felix Klein wurde als Beauftragter der Bundesregierung berufen<\/a>, um die Auswirkungen des zunehmenden Antisemitismus in unserer Gesellschaft, in Deutschland, zu bek\u00e4mpfen. Was nicht in seiner Jobbeschreibung steht, ist, dass er dabei unsere Gesellschaft heilen muss, jene Gesellschaft, die diese Form des Hasses reproduziert und sch\u00fctzt. Klein hat das begriffen.<\/p>\n\n\n\n

Er versteht, dass man Krebs nicht mit einem Pflaster verarztet, er wei\u00df, dass er das Bewusstsein der Deutschen sch\u00e4rfen und Diskussionen ansto\u00dfen muss. Er hat begriffen, dass das Problem nicht nur an den R\u00e4ndern der Gesellschaft (bei den Rechten) liegt, sondern auch in ihrer Mitte. Dort, wo gebildete Menschen nicht einmal bemerken, dass das, was sie sagen und tun, antisemitisch ist. So wie sie es auch nicht merken, wenn sie rassistisch handeln. Er hat all das verstanden, und genau deshalb wollen einige, dass er seinen Posten r\u00e4umt.<\/p>\n\n\n\n

Mehr als 60 deutsche und israelische Intellektuelle haben letzte Woche in einem Brief an Kanzlerin Merkel<\/a> dar\u00fcber geklagt, dass der aktuelle \u201eGebrauch des Antisemitismusbegriffs\u201c darauf abziele, \u201elegitime Kritik an der israelischen Regierungspolitik zu unterdr\u00fccken\u201c, und Klein vorgeworfen, rechtspopulistische israelische Stimmen zu f\u00f6rdern.<\/p>\n\n\n\n

Faszinierend an diesem offenen Brief ist, dass viele der Unterzeichneten keine Deutschen sind und auch nicht in Deutschland leben. Ich wei\u00df nicht, woher sie \u2013 die meisten von ihnen sind Israelis \u2013 die Chuzpe haben, sich in eine innerdeutsche Angelegenheit einzumischen und zu fordern, eine Person zu entlassen, die von der Bundesregierung eingesetzt wurde. Die H\u00e4lfte der Unterzeichneten lebt nicht hier, von der anderen H\u00e4lfte sind viele keine Juden \u2013 somit sind die allermeisten von ihnen nicht direkt vom Antisemitismus in Deutschland betroffen. Wie also k\u00f6nnen sie diesen Brief unterschreiben? Und warum eigentlich haben so wenige Deutsche unterschrieben? Dazu komme ich gleich.<\/p>\n\n\n\n

Debatte um Achille Mbembe<\/h6>\n\n\n\n

Hintergrund des Briefs war, dass Felix Klein gefordert hatte, den Philosophen Achille Mbembe<\/a> nicht die Er\u00f6ffnungsrede der Ruhrtriennale halten zu lassen. Als mit \u00f6ffentlichen Mitteln gef\u00f6rdertes Event solle die Ruhrtriennale Mbembe wegen seiner Haltung zu Israels Existenzrecht, seiner Haltung zu BDS und der Art, wie er in einem seiner Werke den Holocaust relativiert, nicht einladen.<\/p>\n\n\n\n

Mbembes Unterst\u00fctzer sagen, keine dieser Anschuldigungen sei wahr. F\u00fcrs Protokoll: In meinen Augen unterst\u00fctzt Mbembe sehr wohl BDS<\/a>, er schrieb unter anderem das Vorwort zu \u201eApartheid Israel\u201c und fordert die komplette Isolation Israels. Ich glaube auch, wenn Mbembe schreibt, die israelische Besetzung sei der \u201egr\u00f6\u00dfte moralische Skandal unserer Zeit\u201c, zeigt das, dass sein moralischer und geografischer Kompass etwas schief ist.<\/p>\n\n\n\n

Doch warum treibt die Debatte so viele Menschen um? Nun, zun\u00e4chst gibt niemand gern auf, was ihm oder ihr selbstverst\u00e4ndlich scheint. \u00dcber den gesamten politischen, sozialen, kulturellen, medialen und akademischen Sektor hinweg sind Menschen daran gew\u00f6hnt, so schlecht \u00fcber Israel sprechen zu k\u00f6nnen, wie auch immer sie wollen.<\/p>\n\n\n\n

Der Spiegel<\/em> hat \u2013 vielleicht in Anlehnung an seine Relotius-Standards, Israel erst k\u00fcrzlich eine Corona-Diktatur genannt. Fakten und Belege f\u00fcr diese Behauptung gab es nicht. Doch Millionen Deutsche haben es gelesen, und es wird nat\u00fcrlich haften bleiben. Faktenlage hin oder her. Der Spiegel<\/em> und andere Medien haben dieses Spiel perfektioniert: Titel so zu drehen, dass sie Israel indirekt anklagen, die Idee zu streuen, der Mossad kon\u00adtrol\u00adliere die deutsche Au\u00dfenpolitik im Nahen Osten, und so fort. Doch sie stehen allesamt sofort auf den Hinterbeinen, wenn jemand es wagt, das Spiel beim Namen zu nennen: moderner Antisemitismus.<\/p>\n\n\n\n

Klein will dem entgegenwirken. Er versteht, dass antisemitische Attacken in Deutschland die Fr\u00fcchte solch falsch gezeichneter Bilder und eindimensionaler Narrative \u00fcber Israel sind. Wenn er und andere versuchen, ein anderes Narrativ aufzuzeigen, wirft man ihnen Zensur vor: Wie k\u00f6nnen sie es wagen, das Gesch\u00e4ft der Anti-Israel-Propaganda zu st\u00f6ren?<\/p>\n\n\n\n

Liebe Deutsche, wenn ihr reden wollt, lasst uns gern reden: \u00fcber die Besetzung, \u00fcber Bibi und alles, was schiefl\u00e4uft. Aber dann lasst uns bitte auch dar\u00fcber reden, wie deutsche Steuergelder Terrortunnel finanzieren. Erst vergangene Woche r\u00e4umte die niederl\u00e4ndische Regierung ein, dass Gelder an eine Landwirtschaftsorganisation in Ramallah geflossen seien, die damit teilweise die Geh\u00e4lter zweier des Mordes an der 17-j\u00e4hrigen Israelin Rina Shnerb Verd\u00e4chtiger gezahlt haben. Auch die Bundesregierung unterst\u00fctzt diese Organisation, obwohl Kritiker schon lange vor Verbindungen zu Terroristen warnen.<\/p>\n\n\n\n

Wir k\u00f6nnen uns also gerne unterhalten \u2013 aber im Dialog, nicht in Monologen. Denn Reden unter Menschen, die sich einig sind, ist nichts anderes als Impotenz.<\/p>\n\n\n\n

Israelkritik als Eintrittskarte<\/h6>\n\n\n\n

Die Israelis, die die Petition unterzeichnet haben, haben \u00fcbrigens ebenfalls etwas verstanden. Seit Jahren wissen sie: Es ist ihre Eintrittskarte in die Mitte der deutschen (und europ\u00e4ischen) Gesellschaft. Man h\u00f6rt nicht oft von Akademikern mit proisraelischen Ansichten. Weder in den Philharmonie-Orchestern noch in der Kunstszene. Die Eintrittskarte daf\u00fcr ist ein antiisraelischer Standpunkt.<\/p>\n\n\n\n

Der mutma\u00dfliche Grund, warum kaum Deutsche die Petition unterzeichnet haben: Sie mussten es nicht. Ihre Lieblingsjuden haben es f\u00fcr sie getan. Jetzt k\u00f6nnen sie sagen: \u201eSchau, ich bin das ja nicht, meine j\u00fcdischen Freunde sagen es.\u201c Ich selbst war einige Jahre lang mit einem Paar hier in Berlin befreundet, bis ich herausfand, dass ich ihr Lieblingsjude war. Ja, selbst das j\u00fcdische Museum wurde so genutzt.<\/p>\n\n\n\n

Weil Attacken gegen Juden ein absolutes Tabu sind, wurden Umwege gefunden, um den Antisemitismus auf kleiner Flamme k\u00f6cheln zu lassen: die unfundierte, unbegr\u00fcndete Kritik an Israel.<\/p>\n\n\n\n

Diese Art der Kritik ist gef\u00e4hrlich. Sie schw\u00e4cht jede begr\u00fcndete und notwendige Kritik am Verhalten Israels. Und das Interessante ist: Trotz all der heftigen, pauschalisierenden Anklagen, all der offenen Briefe driftet Israel politisch immer weiter nach rechts. Doch statt mal einen anderen Ansatz zu versuchen, werden die antiisraelischen Stimmen nur lauter. Dasselbe versuchen und andere Ergebnisse davon erwarten \u2013 das ist die Definition von Wahnsinn.<\/p>\n\n\n\n

Kurz bevor der Prozess gegen den wegen des Attentats von Halle<\/a> Angeklagten begann \u2013 des seit Kriegsende schlimmsten Akts von Antisemitismus in Deutschland \u2013, lud eine Lokalzeitung den fr\u00fcheren Botschafter Shimon Stein und den Historiker Moshe Zimmermann ein, dar\u00fcber zu schreiben, was Antisemitismus ist. Nat\u00fcrlich wendeten auch sie sich gegen Felix Kleins Ansatz. Sie zitieren die Kontroverse um die Umbenennung der U-Bahn-Station Mohrenstra\u00dfe in Glinkastra\u00dfe, die sich darum drehte, dass der russische Komponist Michael Glinka Antisemit gewesen sein soll. Stein und Zimmermann halten die Debatte f\u00fcr \u00fcberzogen, Glinka sei nur ein Kind seiner Zeit gewesen. Folgt man ihrer Logik, k\u00f6nnen wir dann also in 20 oder 30 Jahren U-Bahn-Stationen nach den Kindern der 1930er Jahre benennen?<\/p>\n\n\n\n

Der Antisemit als Tierfreund<\/h6>\n\n\n\n

Ich w\u00fcnschte, die Sache h\u00e4tte mit dem Artikel, mit der Petition geendet. Doch dann erschien ein Artikel, der den Leser auf einen Waldspaziergang mit einem veganen Koch und Antisemiten mitnahm. Darin setzt der Tierfreund erst behutsam einen K\u00e4fer wieder auf seine Beinchen und erkl\u00e4rt dann, dass die Todesstrafe in Deutschland wieder eingef\u00fchrt werden solle, um einen gewissen Politiker (der zuf\u00e4llig pro Israel ist) an seinen Hoden aufh\u00e4ngen zu k\u00f6nnen. Dieser Koch hat Hunderttausende Follower, er sagt all solche Dinge am helllichten Tag in Berlin. Und in den Medien.<\/p>\n\n\n\n

F\u00e4lle wie dieser handeln bereits von Gewalt \u2013 und sie enden nicht bei den Juden. Der Hass richtet sich gegen Frauen<\/a>, Muslime, Gefl\u00fcchtete, \u00adLBTQI. Am Ende aller theoretischen Debatten stehen immer echte Menschen. Am Ende jeder Konferenz dar\u00fcber, was Antisemitismus ausmacht, steht ein potenzielles j\u00fcdisches Opfer. Angesichts einer Welle von Antisemitismus \u00fcber die Definition von Antisemitismus zu streiten ist, wie eine 10 Meter hohe Welle heranrollen zu sehen und dar\u00fcber zu streiten, was einen Tsunami ausmacht.<\/p>\n\n\n\n

Felix Klein versteht, wie absurd es ist, zu sagen: Es sind nur die Rechten. Die Rechten sind Deutsche, so wie die Nazis Deutsche waren. Klein versteht, dass die Deutschen nicht aufgeh\u00f6rt haben, Juden zu ermorden, weil sie irgendeine Art von Erleuchtung hatten. Sondern schlicht, weil sie den Krieg verloren haben. Um den Antisemitismus zu bek\u00e4mpfen, bevor er die Gesellschaft frisst, in der er und wir leben, muss Deutschland seinen moralischen Kompass korrigieren.<\/p>\n\n\n\n

Immerhin: Mehr und mehr Deutsche fahren nach Israel, sie wollen ein anderes Narrativ h\u00f6ren. Mehr und mehr Deutsche verstehen, dass Antisemitismus Schockwellen ausl\u00f6st, die die gesamte Gesellschaft betreffen. In einem normalen Universum w\u00fcrde Klein bef\u00f6rdert werden f\u00fcr seine Leistung. In einer verdrehten Gesellschaft fordern Menschen seine Entlassung. Um es mit Mbembe zu sagen: Das ist Nano-Nonsens.<\/p>\n\n\n\n

\u00dcbersetzung: Ariane Lemme<\/a><\/em><\/p>\n","post_title":"Felix Klein hat verstanden","post_excerpt":"","post_status":"publish","comment_status":"closed","ping_status":"closed","post_password":"","post_name":"felix-klein-hat-verstanden","to_ping":"","pinged":"","post_modified":"2025-02-02 08:39:39","post_modified_gmt":"2025-02-02 08:39:39","post_content_filtered":"","post_parent":0,"guid":"https:\/\/dctransparency.com\/?p=3786","menu_order":0,"post_type":"post","post_mime_type":"","comment_count":"0","filter":"raw"}],"next":false,"prev":true,"total_page":47},"paged":1,"column_class":"jeg_col_2o3","class":"epic_block_3"};

\n

Was hat die BBC gefunden?<\/strong><\/p>\n\n\n\n

Die Untersuchung ergab Hinweise darauf, dass eine viel ausgefeiltere Waffe verwendet wurde.<\/p>\n\n\n\n

\"\"<\/figure>\n\n\n\n

Die BBC betrachtete Bilder des Splitters, der nach dem Streik auf dem Exerzierplatz zur\u00fcckgelassen wurde, und kam zu dem Schluss, dass er mit den Komponenten einer Rakete namens Blue Arrow 7 \u00fcbereinstimmte.<\/p>\n\n\n\n

Unsere Analyse ergab, dass nur ein Flugzeug, das im Januar 2020 \u00fcber Tripolis operierte, diese Waffe abfeuern konnte - eine Drohne namens Wing Loong 2.<\/p>\n\n\n\n

Nur drei Wochen vor diesem Streik kamen die Vereinten Nationen zu dem Schluss, dass der Blaue Pfeil 7 \"ballistisch gepaart ist, um vom Wing Loong II geliefert zu werden ... und von keinem anderen in Libyen bisher identifizierten Luftfahrtgut\".<\/p>\n\n\n\n

Die BBC untersuchte auch, woher diese Drohne stammen k\u00f6nnte, und fand Hinweise darauf, dass Wing Loong-Drohnen zum Zeitpunkt des Angriffs nur von einem libyschen Luftwaffenst\u00fctzpunkt aus operierten: al-Khadim im von der LNA kontrollierten Ostlibyen.<\/p>\n\n\n\n

Sowohl die BBC als auch die UN haben Beweise daf\u00fcr gefunden, dass Drohnen, die von diesem Luftwaffenst\u00fctzpunkt aus operieren, zu den Vereinigten Arabischen Emiraten geh\u00f6ren.<\/p>\n\n\n\n

Im Jahr 2019 stellte die UNO fest, dass die VAE durch den Versand von Wing Loong-Drohnen und Blue Arrow 7-Raketen nach Libyen gegen das seit 2011 geltende UN-Waffenembargo gegen das Land versto\u00dfen hatten.<\/p>\n\n\n\n

Die BBC fand auch ein Waffenregister, aus dem hervorgeht, dass die VAE 2017 15 Wing Loong-Drohnen und 350 Blue Arrow 7-Raketen gekauft haben.<\/p>\n\n\n\n

Was hat die BBC noch aufgedeckt?<\/strong><\/p>\n\n\n\n

<\/p>\n\n\n\n

Die BBC-Untersuchung ergab auch neue Beweise daf\u00fcr, dass \u00c4gypten den VAE erlaubt, \u00e4gyptische Milit\u00e4rflugpl\u00e4tze nahe der libyschen Grenze zu nutzen.<\/p>\n\n\n\n

Im Februar 2020 scheinen die in Libyen stationierten Wing Loong II-Drohnen \u00fcber die Grenze nach \u00c4gypten zu einem Luftwaffenst\u00fctzpunkt in der N\u00e4he von Siwa in der west\u00e4gyptischen W\u00fcste gebracht worden zu sein.<\/p>\n\n\n\n

Satellitenbilder zeigen auch, dass ein zweiter \u00e4gyptischer Milit\u00e4rflugplatz, Sidi Barrani, als Einsatzbasis f\u00fcr Mirage 2000-Kampfflugzeuge verwendet wurde, die in Farben lackiert sind, die nicht von der \u00e4gyptischen Luftwaffe verwendet werden, aber genau den von den VAE geflogenen Jets entsprechen .<\/p>\n\n\n\n

Dies ist das gleiche Flugzeugmodell, das von den Vereinten Nationen in einen Luftangriff auf ein Migrationszentrum \u00f6stlich von Tripolis im Juli 2019 verwickelt wurde, bei dem 53 Menschen get\u00f6tet wurden.<\/p>\n\n\n\n

Ausl\u00e4ndischer Jet bei libyschem Migrantenangriff verd\u00e4chtigt<\/p>\n\n\n\n

Sidi Barrani ist auch das Ziel f\u00fcr mehrere Frachtflugzeuge, die von den Vereinigten Arabischen Emiraten gestartet sind, und schl\u00e4gt eine Luftbr\u00fccke f\u00fcr Ausr\u00fcstung oder Lieferungen zwischen den Vereinigten Arabischen Emiraten und einer Milit\u00e4rbasis vor, die nur 80 km von der libyschen Grenze entfernt liegt.<\/p>\n\n\n\n

Die \u00e4gyptische Regierung antwortete nicht auf die Bitte der BBC um Stellungnahme.<\/p>\n\n\n\n

Ist ausl\u00e4ndisches milit\u00e4risches Engagement \u00fcberraschend?<\/strong><\/p>\n\n\n\n

Sowohl die Vereinigten Arabischen Emirate als auch \u00c4gypten nahmen an einer von Bundeskanzlerin Angela Merkel im Januar dieses Jahres in Berlin einberufenen Konferenz \u00fcber Libyen teil, auf der sie ihre Unterst\u00fctzung f\u00fcr den UN-Friedensprozess bekr\u00e4ftigten und sich bereit erkl\u00e4rten, nicht in den Libyen-Krieg einzugreifen.<\/p>\n\n\n\n

Im vergangenen Jahr gab es jedoch eine Eskalation des Einsatzes von Drohnen durch beide Seiten des Konflikts.<\/p>\n\n\n\n

Ghassan Salam\u00e9, der fr\u00fchere Leiter der UN-Mission in Libyen, beschrieb dies als \"m\u00f6glicherweise das gr\u00f6\u00dfte Drohnenkriegstheater der Welt\".<\/p>\n\n\n\n

Die VAE sind nicht die einzige ausl\u00e4ndische Macht, die an diesem Konflikt beteiligt ist.<\/p>\n\n\n\n

Anfang dieses Jahres gab BBC Africa Eye bekannt, dass die T\u00fcrkei auch gegen das Waffenembargo der Vereinten Nationen gegen Libyen versto\u00dfen hat, indem sie geheime Waffenlieferungen an die von den Vereinten Nationen anerkannte Regierung in Tripolis gesendet hat.<\/p>\n\n\n\n

Mit Unterst\u00fctzung der T\u00fcrkei hat die von den Vereinten Nationen anerkannte Regierung des Nationalen Abkommens nun die LNA von Gen Haftar aus der Gegend um Tripolis zur\u00fcckgeschlagen.<\/p>\n","post_title":"BBC-Untersuchung: VAE in t\u00f6dlichen Angriff in Libyen verwickelt","post_excerpt":"","post_status":"publish","comment_status":"closed","ping_status":"closed","post_password":"","post_name":"bbc-untersuchung-vae-in-todlichen-angriff-in-libyen-verwickelt","to_ping":"","pinged":"","post_modified":"2025-02-02 08:39:39","post_modified_gmt":"2025-02-02 08:39:39","post_content_filtered":"","post_parent":0,"guid":"https:\/\/dctransparency.com\/?p=3811","menu_order":0,"post_type":"post","post_mime_type":"","comment_count":"0","filter":"raw"},{"ID":3792,"post_author":"7","post_date":"2020-08-14 13:58:48","post_date_gmt":"2020-08-14 13:58:48","post_content":"\n

Die Hagia Sophia war (ist) ein kulturelles Weltwunder und aufgeladen mit symbolischer Bedeutung, f\u00fcr die Christenheit ebenso wie f\u00fcr den Islam \u2013 und den t\u00fcrkischen Nationalismus. Als Mehmed II. sie betrat, war sie schon fast 1000 Jahre die gr\u00f6\u00dfte Kirche der christlichen Welt und das Zentrum der orthodoxen Glaubensrichtung. Die \"Ayasofya\", wie sie dann hie\u00df, war 500 Jahre lang Moschee \u2013 bis 1934, als Kemal Pascha Atat\u00fcrk, der \"Vater\" der modernen T\u00fcrkei, sie in ein Museum verwandelte, in der ausdr\u00fccklichen Absicht, auch hier mit dem osmanischen Erbe zu brechen.<\/p>\n\n\n\n

Nun wird Pr\u00e4sident Recep Tayyip Erdo\u011fan, der \"Vater\" der re-islamisierten T\u00fcrkei, am 24. Juli dieses Jahres die Ayasofya durch das Freitagsgebet wieder in den Islam eingliedern. Oder eher in seinen pers\u00f6nlichen religi\u00f6sen Nationalismus.<\/p>\n\n\n\n

Welterbe von allen<\/h3>\n\n\n\n

Wie bedeutungsschwer ist dieser Akt eines \"starken Mannes\", der innenpolitisch deutlich schw\u00e4chelt? Die Proteste vor allem aus der orthodoxen Welt, aber auch aus Europa und den USA sind eher traurig als w\u00fctend. Der Papst dr\u00fcckte seinen \"Schmerz\" aus. Auch der Jubel in der islamischen Welt fiel zun\u00e4chst weniger \u00fcbersch\u00e4umend als erwartet aus.<\/p>\n\n\n\n

Ist es der Alleingang eines Autokraten in Bedr\u00e4ngnis oder ist \"der Jubel \u00fcber die Eroberung der Hagia Sophia der Versuch einer zutiefst erniedrigten, vom Gef\u00fchl der Wertlosigkeit dominierten und in ihrer eigenen Selbstberechtigung beraubten Gesellschaft, eine Bedeutung, eine St\u00e4rke, ein Selbstwertgef\u00fchl zu finden\"? So recht pauschalierend der in Deutschland lebende pal\u00e4stinensische Intellektuelle und Psychiater Ahmad Mansour.<\/p>\n\n\n\n

Die beiden Gro\u00dfreiche, das byzantinische und das osmanische, sind l\u00e4ngst versunken.<\/p><\/blockquote>\n\n\n\n

Das eigentliche Schl\u00fcsselwort im Zusammenhang mit der Hagia Sofia ist \"Welterbe\". Das Erbe von allen. Einmal im kulturellen Sinn der Unesco, aber in Wahrheit weiter gefasst. Das einzigartige Bauwerk geh\u00f6rt in Wirklichkeit der ganzen Welt, nicht der einen oder anderen Religion. Die beiden Gro\u00dfreiche, f\u00fcr die die Hagia Sofia der zentrale spirituelle Bau war, das byzantinische und das osmanische, sind l\u00e4ngst versunken. Seither hat sie eine neue, \u00fcbernationale Dimension erhalten. Was Erdo\u011fan da jetzt mit der Hagia Sofia macht, ist eine Verengung und Verarmung eines gemeinsamen Welterbes.<\/p>\n\n\n\n

\"\"\/
Betende Muslime vor der Hagia Sophia.<\/figcaption><\/figure>\n\n\n\n

Davon abgesehen aber war und ist sie ein architektonisches Meisterwerk und geh\u00f6rt zu den bedeutendsten Bauten der Welt. Wer heute den Zentralraum unter der Kuppel betritt, kann sich nur schwer dem zugleich majest\u00e4tischen wie schwebenden Gesamteindruck entziehen. Die Hagia Sophia blieb fast 1000 Jahre die gr\u00f6\u00dfte Kirche der Christenheit. Technisch war die Kuppel (mit mehreren Halbkuppeln) eine \u00fcberaus riskante Innovation: Die 55 Meter hohe und 32 Meter im Durchmesser breite Kuppel ruht auf nur vier Tragpunkten, was den schwebenden, schwerelosen Eindruck erzeugt. Die Konstruktion folgt einem mathematischen Prinzip, das erst k\u00fcrzlich entschl\u00fcsselt wurde.<\/p>\n\n\n\n

\"Salomo, ich habe dich \u00fcbertroffen!\"<\/p><\/blockquote>\n\n\n\n

Als Kaiser Justinian die Hagia Sophia nach nur f\u00fcnf Jahren Bauzeit (532\u2013537) betrat, soll er in Anspielung auf den Tempel in Jerusalem ausgerufen haben: \"Salomo, ich habe dich \u00fcbertroffen!\" Die Innenausstattung war mit ihren S\u00e4ulen aus Porphyr und gr\u00fcnem Marmor, mit Mosaiken aus Gold und Halbedelsteinen derart prunkvoll, der Gesamteindruck derart \u00fcberirdisch, dass eine Delegation des Gro\u00dff\u00fcrsten von Kiew nicht mehr wusste, \"ob wir im Himmel oder auf der Erde\" waren \u2013 was die Christianisierung Russlands bef\u00f6rderte.<\/p>\n\n\n\n

Der deutsche Architekturlehrer Holger Kleine nennt die Hagia Sophia \"absolute Architektur\", weil sie \"extreme Ausdrucksformen nahezu aller dramaturgischen Mittel, die der Architektur zur Verf\u00fcgung stehen, vereinigt: wuchtigste K\u00f6rper und luftigste R\u00e4ume, engste Enge und gr\u00f6\u00dfte Weite, w\u00e4rmende Helligkeit und mystisches Dunkel\". Und die Kuppelbauten aus der sp\u00e4teren Hochbl\u00fcte der Moscheenarchitektur im 16. und 17. Jahrhundert gehen eindeutig auf die Hagia Sophia zur\u00fcck.<\/p>\n\n\n\n

Die Hagia Sophia war Staatskirche des byzantinischen Reichs. F\u00fcr die Eroberer der letzte Schlussstein in der Kuppel osmanisch-muslimischen Herrschaftsanspruchs. Konstantinopel war ja 1453 nur noch eine isolierte, heruntergekommene Enklave in einem osmanischen Umfeld, kein christliches Heer kam zu Hilfe. Doch vorher war es zugleich Sperrriegel nach Osten und Geistesarchiv der antiken Kultur gewesen. \"Ohne Byzanz h\u00e4tte es kein Europa gegeben\", sagt die britische Altertumsforscherin Judith Herrin.<\/p>\n\n\n\n

\"\"\/
Freigelegtes Mosaik von \"Christos Pantokrator\".<\/figcaption><\/figure>\n\n\n\n

Neue Fragen<\/h3>\n\n\n\n

Die Kirche wurde von Mehmed II. und Nachfolgern nicht in der Substanz zerst\u00f6rt, sondern \"entchristlicht\". Die urspr\u00fcnglich \u00fcbert\u00fcnchten oder auch abgeschlagenen Mosaiken mit den Darstellungen von Christus, der Muttergottes, diversen Kaisern kamen zum Teil schon unter einem Sultan des 19. Jahrhunderts, dann gro\u00dfteils nach der Museumswidmung wieder zum Vorschein.<\/p>\n\n\n\n

Jetzt stellen sich neue symbolisch-praktische Fragen. Erdo\u011fan hat die Hagia Sophia der konservativen staatlichen Religionsbeh\u00f6rde Diyanet unterstellt. Die byzantinischen Mosaike, wie der gro\u00dfartige \"Christos Pantokrator\" (\"Weltenherrscher\") oder die Jungfrau Maria in der Apsis, m\u00fcssen wohl w\u00e4hrend des islamischen Gottesdiensts verh\u00e4ngt werden. Muss der Boden mit seinen Marmorplatten und Mosaiken mit einem Teppich bedeckt werden? Erdo\u011fan sagt, Touristen seien nach wie vor zugelassen. Aber sie werden wohl hinter Absperrungen bleiben m\u00fcssen. Frauen werden \u2013 wie in der benachbarten \"Blauen Moschee\" (\"Sultanahmed\") Kopftuch tragen m\u00fcssen.<\/p>\n\n\n\n

\"\"\/
Erdo\u011fan mit Gattin in der Hagia Sophia.<\/figcaption><\/figure>\n\n\n\n

Erdo\u011fans neue Abenteuer<\/strong><\/h3>\n\n\n\n

Aber wird da nicht doch zu viel in einen Formalakt rund um ein uraltes Bauwerk hineininterpretiert? Im geschichtlichen Kontext relativiert sich manches: Konstantinopel wurde schon von Christen erobert und ausgepl\u00fcndert \u2013 1204 im Vierten Kreuzzug. In der Moschee von Cordoba (\"Mezquita\") bauten die Katholiken eine ganze Kirche in den ber\u00fchmten S\u00e4ulenwald hinein. Die Mezquita ist heute noch Kirche, kein Museum.<\/p>\n\n\n\n

\"Das ist der Beweis, dass wir kein s\u00e4kularer Staat mehr sein wollen\", sagt Nobelpreistr\u00e4ger Orhan Pamuk. Erdo\u011fan betrachtet sich offenbar als auch neoosmanischer \"Fatih\" im Mittelmeerraum mit immer neuen Abenteuern: Eingreifen in Syrien, Stellvertreterkrieg in Libyen, Anspr\u00fcche auf Erdgasvorkommen weit vor der t\u00fcrkischen K\u00fcste bei Zypern, Reden, wonach manche \u00c4g\u00e4is-Inseln eigentlich zur T\u00fcrkei geh\u00f6ren, \"denn dort stehen unsere Moscheen\". Manches davon ist nur Rhetorik, aber genug anderes ist riskante Realit\u00e4t. (Hans Rauscher, 14.7.2020)<\/p>\n\n\n\n

Quelle<\/a><\/strong><\/p>\n","post_title":"Hagia Sophia: Verengung und Verarmung eines Welterbes","post_excerpt":"","post_status":"publish","comment_status":"closed","ping_status":"closed","post_password":"","post_name":"hagia-sophia-verengung-und-verarmung-eines-welterbes","to_ping":"","pinged":"","post_modified":"2025-02-02 08:39:39","post_modified_gmt":"2025-02-02 08:39:39","post_content_filtered":"","post_parent":0,"guid":"https:\/\/dctransparency.com\/?p=3792","menu_order":0,"post_type":"post","post_mime_type":"","comment_count":"0","filter":"raw"},{"ID":3789,"post_author":"7","post_date":"2020-08-14 13:56:07","post_date_gmt":"2020-08-14 13:56:07","post_content":"\n

Im Gastkommentar pocht Mark Leonard, Direktor des Europ\u00e4ischen Rats f\u00fcr Ausw\u00e4rtige Beziehungen, auf \"neue, einvernehmlich vereinbarte Prinzipien sowie klare Grenzen\", nur so k\u00f6nne eine weitere Destabilisierung in der Region verhindert werden.<\/em><\/strong><\/p>\n\n\n\n

Ist die T\u00fcrkei das neue Russland? Diese Frage wird in den europ\u00e4ischen Hauptst\u00e4dten zunehmend gestellt, da die Au\u00dfenpolitik des t\u00fcrkischen Pr\u00e4sidenten Recep Tayyip Erdo\u011fan zunehmend aggressiver wird. Erdo\u011fan nutzt nicht nur die Migration, um die EU zu bedrohen und zu betr\u00fcgen, sondern setzt auch milit\u00e4rische Macht ein, um den Einflussbereich der T\u00fcrkei auf die gesamte Region auszudehnen.<\/p>\n\n\n\n

Seit dem Ende des Kalten Krieges haben die Europ\u00e4er die regionale Sicherheit durch eine unipolare westliche Linse betrachtet. W\u00e4hrend die Nato die milit\u00e4rische Sicherheit garantierte, sorgte die EU mit ihrem 80.000 Seiten starken Regelwerk f\u00fcr alles von LGBTQ-Rechten bis hin zu Rasenm\u00e4her-Sound-Verordnungen f\u00fcr Rechtsordnung. In den 90er-Jahren ging man allgemein davon aus, dass die beiden gro\u00dfen nichtwestlichen regionalen Akteure, Russland und die T\u00fcrkei, nach und nach an diese Regelungen herangef\u00fchrt werden w\u00fcrden.<\/p>\n\n\n\n

Qu\u00e4lende Hassliebe<\/h3>\n\n\n\n

Doch in den letzten 15 Jahren ist der Traum von der europ\u00e4ischen Unipolarit\u00e4t einer multipolaren Realit\u00e4t gewichen. Sowohl Russland als auch die T\u00fcrkei haben eine lange, qu\u00e4lende Hassliebe zu Europa, und beide sind unter nationalen Machthabern, denen die Verachtung der Normen und Werte der EU gemeinsam ist, durchsetzungsf\u00e4higer geworden.<\/p>\n\n\n\n

Die zunehmende Verschlechterung der Beziehungen zwischen der EU und Russland ist gut dokumentiert, der Fall der T\u00fcrkei weniger. Der Irakkrieg im Jahr 2003 komplizierte das Verh\u00e4ltnis der T\u00fcrkei zur Nato, und ihr Verh\u00e4ltnis zur EU verschlechterte sich 2007, als Frankreich einen wichtigen Teil ihrer EU-Beitrittsverhandlungen blockierte. Seitdem hat die T\u00fcrkei ihren eigenen Weg in Syrien, auf dem Balkan und in Libyen eingeschlagen und neue Beziehungen zu Russland und China aufgebaut.<\/p>\n\n\n\n

Wichtiger Akteur<\/strong><\/h3>\n\n\n\n

Nat\u00fcrlich sind die Beziehungen zwischen der T\u00fcrkei und Russland nicht weniger kompliziert, nicht zuletzt weil Erdo\u011fan und der russische Pr\u00e4sident Wladimir Putin im syrischen B\u00fcrgerkrieg verschiedene Seiten unterst\u00fctzten.Und w\u00e4hrend die Spannungen wegen des Syrien-Konflikts weiterhin bestehen, bewundert Erdo\u011fan deutlich, wie Russland sich \u2013 bei relativ geringen Kosten \u2013 wieder als wichtiger Akteur im Nahen Osten und in Nordafrika etabliert hat.<\/p>\n\n\n\n

Nachdem er in einen nicht zu gewinnenden Krieg im Osten der Ukraine verwickelt war, schien Putins weitgehend erfolgreicher Feldzug in Syrien einen Teil seiner innenpolitischen Autorit\u00e4t wiederherzustellen. Der Westen hatte f\u00fcnf Jahre lang darauf bestanden, dass es keine milit\u00e4rische L\u00f6sung des Konflikts gebe und dass der syrische Pr\u00e4sident Baschar al-Assad gehen m\u00fcsse. Doch w\u00e4hrend die von den Vereinten Nationen unterst\u00fctzten Gespr\u00e4che in Genf zu keinem Ergebnis f\u00fchrten, schienen die von Russland geleiteten Gespr\u00e4che in Astana voranzukommen. Indem der Kreml die T\u00fcrkei und den Iran einbezog, w\u00e4hrend er die westlichen M\u00e4chte ausschloss, erweckte er den Eindruck, dass Russland als wiedergeborene Supermacht aus der Asche auferstanden sei.<\/p>\n\n\n\n

Unter Druck<\/h3>\n\n\n\n

Angesichts des wachsenden Widerstands im eigenen Land macht es Erdo\u011fan Putin gleich. Da der Westen nicht bereit war, (erneut) milit\u00e4risch in Libyen zu intervenieren, sah Erdo\u011fan eine Gelegenheit, die T\u00fcrkei zu positionieren. Nach dem Vorgehen Russlands in Syrien sicherte er sich eine formelle Einladung der libyschen Regierung zur Intervention. Mit einem Schlag Ende letzten Jahres hat er nicht nur das Image der T\u00fcrkei als Regionalmacht gest\u00e4rkt, sondern auch ein Abkommen mit Libyen \u00fcber die Seegrenze abgeschlossen und damit einen Plan Griechenlands, Zyperns, \u00c4gyptens und Israels zur Erschlie\u00dfung von Unterwasser\u00f6l- und -gasfeldern in der N\u00e4he zunichtegemacht.<\/p>\n\n\n\n

Erdo\u011fan scheint auch von der Spalt-und-Eroberungs-Strategie des Kreml in Europa inspiriert worden zu sein, der zufolge oft diejenigen EU-Mitgliedsstaaten unter Druck gesetzt werden, die am meisten von russischen Kohlenwasserstoffen oder M\u00e4rkten abh\u00e4ngig sind. So wie Putin lange Zeit die Energieversorgung instrumentalisiert hat, hat Erdo\u011fan versucht, den Strom von Migranten und Fl\u00fcchtlingen, die vor Konflikten im Nahen Osten fliehen, zu instrumentalisieren. Als die EU eine neue Marinemission ank\u00fcndigte, um den Waffenstrom nach Libyen zu blockieren, malte die T\u00fcrkei f\u00fcr Malta das Schreckgespenst der angeblichen Bedrohung durch Migranten an die Wand. Malta reagierte prompt und signalisierte, dass es gegen die Finanzierung der Mission ein Veto einlegen werde.<\/p>\n\n\n\n

Verlorener Sohn<\/strong><\/h3>\n\n\n\n

Jahrelang redeten sich die Europ\u00e4er ein, dass Russland eine Art verlorener Sohn sei und dass die europ\u00e4ische unipolare Ordnung gesund bleibe. Doch das machte Europa zu einem leichten Ziel f\u00fcr die Trennungs-und-Eroberungs-Strategie des Kreml. Erst vor relativ kurzer Zeit entwarf die Union eine neue Politik und ein robustes Sanktionsregime, um die russische Aggression abzuschrecken. Und selbst jetzt \u2013 trotz der besten Bem\u00fchungen der deutschen Bundeskanzlerin Angela Merkel und des franz\u00f6sischen Pr\u00e4sidenten Emmanuel Macron \u2013 hat die EU noch immer keine wirksamen Kommunikationskan\u00e4le mit Russland geschaffen, um gemeinsame Probleme anzugehen.<\/p>\n\n\n\n

Die T\u00fcrkei ist noch kein neues Russland, aber sie k\u00f6nnte dazu werden, wenn die Situation falsch gehandhabt wird. Vorerst betrachten die meisten Europ\u00e4er die T\u00fcrkei noch immer als einen komplizierten Partner und nicht als \"Systemrivalen\". Aber die Europ\u00e4er sollten die hart erk\u00e4mpften Lehren aus dem Umgang mit Russland in den letzten 15 Jahren beherzigen. Die Beziehungen zwischen der EU und der T\u00fcrkei brauchen neue, einvernehmlich vereinbarte Prinzipien sowie klare Grenzen, um eine weitere Destabilisierung in der Region zu verhindern.<\/p>\n\n\n\n

Zu diesem Zweck sollten die Europ\u00e4er klarstellen, dass der EU-Beitrittsprozess entweder zur\u00fcckgedreht oder vorangetrieben werden kann und dass eine eher transaktionale Beziehung sowohl Zuckerbrot als auch Peitsche beinhaltet. Die Herausforderung wird darin bestehen, daf\u00fcr zu sorgen, dass es in einer Region, die nicht nur von Europa und der T\u00fcrkei, sondern auch von Russland, den USA und einem aufstrebenden China beeinflusst wird, noch Raum f\u00fcr politisches Engagement in Fragen der gemeinsamen Sicherheit gibt. (Mark Leonard, \u00dcbersetzung: Eva G\u00f6llner, Copyright: Project Syndicate, 10.8.2020)<\/p>\n\n\n\n

Mark Leonard <\/strong>ist Direktor des Europ\u00e4ischen Rats f\u00fcr Ausw\u00e4rtige Beziehungen.<\/a><\/p>\n","post_title":"Erdo\u011fan \u2013 der andere Putin vor der Haust\u00fcr Europas","post_excerpt":"","post_status":"publish","comment_status":"closed","ping_status":"closed","post_password":"","post_name":"erdogan-der-andere-putin-vor-der-haustur-europas","to_ping":"","pinged":"","post_modified":"2025-02-02 08:39:39","post_modified_gmt":"2025-02-02 08:39:39","post_content_filtered":"","post_parent":0,"guid":"https:\/\/dctransparency.com\/?p=3789","menu_order":0,"post_type":"post","post_mime_type":"","comment_count":"0","filter":"raw"},{"ID":3786,"post_author":"7","post_date":"2020-08-14 13:51:23","post_date_gmt":"2020-08-14 13:51:23","post_content":"\n

Einen Monat nachdem ich zur israelischen Armee eingezogen worden war, brach die erste Intifada aus. Statt Soldat zu sein, machte ich Polizeiarbeit, sagte den Menschen, wann sie zur Arbeit gehen konnten und wann sie ihre L\u00e4den schlie\u00dfen mussten, wann sie die Grenze passieren und wann sie schlafen konnten. Einen Monat nachdem ich aus der Armee entlassen worden war, ging ich auf Reisen. (In Israel sagen wir: Wir dienen drei Jahre und versuchen den Rest unseres Lebens, diese drei Jahre zu vergessen.) Auf meiner Reise begann ich Briefe an meine Freundin zu schreiben, die ich in Israel zur\u00fcckgelassen hatte.<\/p>\n\n\n\n

Ich schrieb ihr, wie schrecklich depressiv ich war und dass diese drei Jahre des Anweisungenbellens und Anderen-Menschen-Sagens, was sie zu tun haben, mich f\u00fcr immer verfolgen w\u00fcrden. Dass sie ein Teil dessen geworden waren, was ich bin. Ich erinnere mich, dass ich ihr schrieb, dass wir da rausm\u00fcssen \u2013 nicht nur f\u00fcr die Pal\u00e4stinenser, sondern wegen der furchtbaren und brutalen Auswirkungen, die all das auf uns, auf die israelische Gesellschaft haben w\u00fcrde. Sie schrieb zur\u00fcck: \u201eDu hast recht. Ich habe einen neuen Freund.\u201c<\/p>\n\n\n\n

Felix Klein wurde als Beauftragter der Bundesregierung berufen<\/a>, um die Auswirkungen des zunehmenden Antisemitismus in unserer Gesellschaft, in Deutschland, zu bek\u00e4mpfen. Was nicht in seiner Jobbeschreibung steht, ist, dass er dabei unsere Gesellschaft heilen muss, jene Gesellschaft, die diese Form des Hasses reproduziert und sch\u00fctzt. Klein hat das begriffen.<\/p>\n\n\n\n

Er versteht, dass man Krebs nicht mit einem Pflaster verarztet, er wei\u00df, dass er das Bewusstsein der Deutschen sch\u00e4rfen und Diskussionen ansto\u00dfen muss. Er hat begriffen, dass das Problem nicht nur an den R\u00e4ndern der Gesellschaft (bei den Rechten) liegt, sondern auch in ihrer Mitte. Dort, wo gebildete Menschen nicht einmal bemerken, dass das, was sie sagen und tun, antisemitisch ist. So wie sie es auch nicht merken, wenn sie rassistisch handeln. Er hat all das verstanden, und genau deshalb wollen einige, dass er seinen Posten r\u00e4umt.<\/p>\n\n\n\n

Mehr als 60 deutsche und israelische Intellektuelle haben letzte Woche in einem Brief an Kanzlerin Merkel<\/a> dar\u00fcber geklagt, dass der aktuelle \u201eGebrauch des Antisemitismusbegriffs\u201c darauf abziele, \u201elegitime Kritik an der israelischen Regierungspolitik zu unterdr\u00fccken\u201c, und Klein vorgeworfen, rechtspopulistische israelische Stimmen zu f\u00f6rdern.<\/p>\n\n\n\n

Faszinierend an diesem offenen Brief ist, dass viele der Unterzeichneten keine Deutschen sind und auch nicht in Deutschland leben. Ich wei\u00df nicht, woher sie \u2013 die meisten von ihnen sind Israelis \u2013 die Chuzpe haben, sich in eine innerdeutsche Angelegenheit einzumischen und zu fordern, eine Person zu entlassen, die von der Bundesregierung eingesetzt wurde. Die H\u00e4lfte der Unterzeichneten lebt nicht hier, von der anderen H\u00e4lfte sind viele keine Juden \u2013 somit sind die allermeisten von ihnen nicht direkt vom Antisemitismus in Deutschland betroffen. Wie also k\u00f6nnen sie diesen Brief unterschreiben? Und warum eigentlich haben so wenige Deutsche unterschrieben? Dazu komme ich gleich.<\/p>\n\n\n\n

Debatte um Achille Mbembe<\/h6>\n\n\n\n

Hintergrund des Briefs war, dass Felix Klein gefordert hatte, den Philosophen Achille Mbembe<\/a> nicht die Er\u00f6ffnungsrede der Ruhrtriennale halten zu lassen. Als mit \u00f6ffentlichen Mitteln gef\u00f6rdertes Event solle die Ruhrtriennale Mbembe wegen seiner Haltung zu Israels Existenzrecht, seiner Haltung zu BDS und der Art, wie er in einem seiner Werke den Holocaust relativiert, nicht einladen.<\/p>\n\n\n\n

Mbembes Unterst\u00fctzer sagen, keine dieser Anschuldigungen sei wahr. F\u00fcrs Protokoll: In meinen Augen unterst\u00fctzt Mbembe sehr wohl BDS<\/a>, er schrieb unter anderem das Vorwort zu \u201eApartheid Israel\u201c und fordert die komplette Isolation Israels. Ich glaube auch, wenn Mbembe schreibt, die israelische Besetzung sei der \u201egr\u00f6\u00dfte moralische Skandal unserer Zeit\u201c, zeigt das, dass sein moralischer und geografischer Kompass etwas schief ist.<\/p>\n\n\n\n

Doch warum treibt die Debatte so viele Menschen um? Nun, zun\u00e4chst gibt niemand gern auf, was ihm oder ihr selbstverst\u00e4ndlich scheint. \u00dcber den gesamten politischen, sozialen, kulturellen, medialen und akademischen Sektor hinweg sind Menschen daran gew\u00f6hnt, so schlecht \u00fcber Israel sprechen zu k\u00f6nnen, wie auch immer sie wollen.<\/p>\n\n\n\n

Der Spiegel<\/em> hat \u2013 vielleicht in Anlehnung an seine Relotius-Standards, Israel erst k\u00fcrzlich eine Corona-Diktatur genannt. Fakten und Belege f\u00fcr diese Behauptung gab es nicht. Doch Millionen Deutsche haben es gelesen, und es wird nat\u00fcrlich haften bleiben. Faktenlage hin oder her. Der Spiegel<\/em> und andere Medien haben dieses Spiel perfektioniert: Titel so zu drehen, dass sie Israel indirekt anklagen, die Idee zu streuen, der Mossad kon\u00adtrol\u00adliere die deutsche Au\u00dfenpolitik im Nahen Osten, und so fort. Doch sie stehen allesamt sofort auf den Hinterbeinen, wenn jemand es wagt, das Spiel beim Namen zu nennen: moderner Antisemitismus.<\/p>\n\n\n\n

Klein will dem entgegenwirken. Er versteht, dass antisemitische Attacken in Deutschland die Fr\u00fcchte solch falsch gezeichneter Bilder und eindimensionaler Narrative \u00fcber Israel sind. Wenn er und andere versuchen, ein anderes Narrativ aufzuzeigen, wirft man ihnen Zensur vor: Wie k\u00f6nnen sie es wagen, das Gesch\u00e4ft der Anti-Israel-Propaganda zu st\u00f6ren?<\/p>\n\n\n\n

Liebe Deutsche, wenn ihr reden wollt, lasst uns gern reden: \u00fcber die Besetzung, \u00fcber Bibi und alles, was schiefl\u00e4uft. Aber dann lasst uns bitte auch dar\u00fcber reden, wie deutsche Steuergelder Terrortunnel finanzieren. Erst vergangene Woche r\u00e4umte die niederl\u00e4ndische Regierung ein, dass Gelder an eine Landwirtschaftsorganisation in Ramallah geflossen seien, die damit teilweise die Geh\u00e4lter zweier des Mordes an der 17-j\u00e4hrigen Israelin Rina Shnerb Verd\u00e4chtiger gezahlt haben. Auch die Bundesregierung unterst\u00fctzt diese Organisation, obwohl Kritiker schon lange vor Verbindungen zu Terroristen warnen.<\/p>\n\n\n\n

Wir k\u00f6nnen uns also gerne unterhalten \u2013 aber im Dialog, nicht in Monologen. Denn Reden unter Menschen, die sich einig sind, ist nichts anderes als Impotenz.<\/p>\n\n\n\n

Israelkritik als Eintrittskarte<\/h6>\n\n\n\n

Die Israelis, die die Petition unterzeichnet haben, haben \u00fcbrigens ebenfalls etwas verstanden. Seit Jahren wissen sie: Es ist ihre Eintrittskarte in die Mitte der deutschen (und europ\u00e4ischen) Gesellschaft. Man h\u00f6rt nicht oft von Akademikern mit proisraelischen Ansichten. Weder in den Philharmonie-Orchestern noch in der Kunstszene. Die Eintrittskarte daf\u00fcr ist ein antiisraelischer Standpunkt.<\/p>\n\n\n\n

Der mutma\u00dfliche Grund, warum kaum Deutsche die Petition unterzeichnet haben: Sie mussten es nicht. Ihre Lieblingsjuden haben es f\u00fcr sie getan. Jetzt k\u00f6nnen sie sagen: \u201eSchau, ich bin das ja nicht, meine j\u00fcdischen Freunde sagen es.\u201c Ich selbst war einige Jahre lang mit einem Paar hier in Berlin befreundet, bis ich herausfand, dass ich ihr Lieblingsjude war. Ja, selbst das j\u00fcdische Museum wurde so genutzt.<\/p>\n\n\n\n

Weil Attacken gegen Juden ein absolutes Tabu sind, wurden Umwege gefunden, um den Antisemitismus auf kleiner Flamme k\u00f6cheln zu lassen: die unfundierte, unbegr\u00fcndete Kritik an Israel.<\/p>\n\n\n\n

Diese Art der Kritik ist gef\u00e4hrlich. Sie schw\u00e4cht jede begr\u00fcndete und notwendige Kritik am Verhalten Israels. Und das Interessante ist: Trotz all der heftigen, pauschalisierenden Anklagen, all der offenen Briefe driftet Israel politisch immer weiter nach rechts. Doch statt mal einen anderen Ansatz zu versuchen, werden die antiisraelischen Stimmen nur lauter. Dasselbe versuchen und andere Ergebnisse davon erwarten \u2013 das ist die Definition von Wahnsinn.<\/p>\n\n\n\n

Kurz bevor der Prozess gegen den wegen des Attentats von Halle<\/a> Angeklagten begann \u2013 des seit Kriegsende schlimmsten Akts von Antisemitismus in Deutschland \u2013, lud eine Lokalzeitung den fr\u00fcheren Botschafter Shimon Stein und den Historiker Moshe Zimmermann ein, dar\u00fcber zu schreiben, was Antisemitismus ist. Nat\u00fcrlich wendeten auch sie sich gegen Felix Kleins Ansatz. Sie zitieren die Kontroverse um die Umbenennung der U-Bahn-Station Mohrenstra\u00dfe in Glinkastra\u00dfe, die sich darum drehte, dass der russische Komponist Michael Glinka Antisemit gewesen sein soll. Stein und Zimmermann halten die Debatte f\u00fcr \u00fcberzogen, Glinka sei nur ein Kind seiner Zeit gewesen. Folgt man ihrer Logik, k\u00f6nnen wir dann also in 20 oder 30 Jahren U-Bahn-Stationen nach den Kindern der 1930er Jahre benennen?<\/p>\n\n\n\n

Der Antisemit als Tierfreund<\/h6>\n\n\n\n

Ich w\u00fcnschte, die Sache h\u00e4tte mit dem Artikel, mit der Petition geendet. Doch dann erschien ein Artikel, der den Leser auf einen Waldspaziergang mit einem veganen Koch und Antisemiten mitnahm. Darin setzt der Tierfreund erst behutsam einen K\u00e4fer wieder auf seine Beinchen und erkl\u00e4rt dann, dass die Todesstrafe in Deutschland wieder eingef\u00fchrt werden solle, um einen gewissen Politiker (der zuf\u00e4llig pro Israel ist) an seinen Hoden aufh\u00e4ngen zu k\u00f6nnen. Dieser Koch hat Hunderttausende Follower, er sagt all solche Dinge am helllichten Tag in Berlin. Und in den Medien.<\/p>\n\n\n\n

F\u00e4lle wie dieser handeln bereits von Gewalt \u2013 und sie enden nicht bei den Juden. Der Hass richtet sich gegen Frauen<\/a>, Muslime, Gefl\u00fcchtete, \u00adLBTQI. Am Ende aller theoretischen Debatten stehen immer echte Menschen. Am Ende jeder Konferenz dar\u00fcber, was Antisemitismus ausmacht, steht ein potenzielles j\u00fcdisches Opfer. Angesichts einer Welle von Antisemitismus \u00fcber die Definition von Antisemitismus zu streiten ist, wie eine 10 Meter hohe Welle heranrollen zu sehen und dar\u00fcber zu streiten, was einen Tsunami ausmacht.<\/p>\n\n\n\n

Felix Klein versteht, wie absurd es ist, zu sagen: Es sind nur die Rechten. Die Rechten sind Deutsche, so wie die Nazis Deutsche waren. Klein versteht, dass die Deutschen nicht aufgeh\u00f6rt haben, Juden zu ermorden, weil sie irgendeine Art von Erleuchtung hatten. Sondern schlicht, weil sie den Krieg verloren haben. Um den Antisemitismus zu bek\u00e4mpfen, bevor er die Gesellschaft frisst, in der er und wir leben, muss Deutschland seinen moralischen Kompass korrigieren.<\/p>\n\n\n\n

Immerhin: Mehr und mehr Deutsche fahren nach Israel, sie wollen ein anderes Narrativ h\u00f6ren. Mehr und mehr Deutsche verstehen, dass Antisemitismus Schockwellen ausl\u00f6st, die die gesamte Gesellschaft betreffen. In einem normalen Universum w\u00fcrde Klein bef\u00f6rdert werden f\u00fcr seine Leistung. In einer verdrehten Gesellschaft fordern Menschen seine Entlassung. Um es mit Mbembe zu sagen: Das ist Nano-Nonsens.<\/p>\n\n\n\n

\u00dcbersetzung: Ariane Lemme<\/a><\/em><\/p>\n","post_title":"Felix Klein hat verstanden","post_excerpt":"","post_status":"publish","comment_status":"closed","ping_status":"closed","post_password":"","post_name":"felix-klein-hat-verstanden","to_ping":"","pinged":"","post_modified":"2025-02-02 08:39:39","post_modified_gmt":"2025-02-02 08:39:39","post_content_filtered":"","post_parent":0,"guid":"https:\/\/dctransparency.com\/?p=3786","menu_order":0,"post_type":"post","post_mime_type":"","comment_count":"0","filter":"raw"}],"next":false,"prev":true,"total_page":47},"paged":1,"column_class":"jeg_col_2o3","class":"epic_block_3"};

\n

Die LNA unter Gen Khalifa Haftar bestritt, dass sie hinter dem Streik steckt, und teilte der Presse mit, dass die Explosion m\u00f6glicherweise durch eine lokal abgefeuerte M\u00f6rsergranate oder einen Angriff innerhalb der Akademie verursacht worden sei.<\/p>\n\n\n\n

Was hat die BBC gefunden?<\/strong><\/p>\n\n\n\n

Die Untersuchung ergab Hinweise darauf, dass eine viel ausgefeiltere Waffe verwendet wurde.<\/p>\n\n\n\n

\"\"<\/figure>\n\n\n\n

Die BBC betrachtete Bilder des Splitters, der nach dem Streik auf dem Exerzierplatz zur\u00fcckgelassen wurde, und kam zu dem Schluss, dass er mit den Komponenten einer Rakete namens Blue Arrow 7 \u00fcbereinstimmte.<\/p>\n\n\n\n

Unsere Analyse ergab, dass nur ein Flugzeug, das im Januar 2020 \u00fcber Tripolis operierte, diese Waffe abfeuern konnte - eine Drohne namens Wing Loong 2.<\/p>\n\n\n\n

Nur drei Wochen vor diesem Streik kamen die Vereinten Nationen zu dem Schluss, dass der Blaue Pfeil 7 \"ballistisch gepaart ist, um vom Wing Loong II geliefert zu werden ... und von keinem anderen in Libyen bisher identifizierten Luftfahrtgut\".<\/p>\n\n\n\n

Die BBC untersuchte auch, woher diese Drohne stammen k\u00f6nnte, und fand Hinweise darauf, dass Wing Loong-Drohnen zum Zeitpunkt des Angriffs nur von einem libyschen Luftwaffenst\u00fctzpunkt aus operierten: al-Khadim im von der LNA kontrollierten Ostlibyen.<\/p>\n\n\n\n

Sowohl die BBC als auch die UN haben Beweise daf\u00fcr gefunden, dass Drohnen, die von diesem Luftwaffenst\u00fctzpunkt aus operieren, zu den Vereinigten Arabischen Emiraten geh\u00f6ren.<\/p>\n\n\n\n

Im Jahr 2019 stellte die UNO fest, dass die VAE durch den Versand von Wing Loong-Drohnen und Blue Arrow 7-Raketen nach Libyen gegen das seit 2011 geltende UN-Waffenembargo gegen das Land versto\u00dfen hatten.<\/p>\n\n\n\n

Die BBC fand auch ein Waffenregister, aus dem hervorgeht, dass die VAE 2017 15 Wing Loong-Drohnen und 350 Blue Arrow 7-Raketen gekauft haben.<\/p>\n\n\n\n

Was hat die BBC noch aufgedeckt?<\/strong><\/p>\n\n\n\n

<\/p>\n\n\n\n

Die BBC-Untersuchung ergab auch neue Beweise daf\u00fcr, dass \u00c4gypten den VAE erlaubt, \u00e4gyptische Milit\u00e4rflugpl\u00e4tze nahe der libyschen Grenze zu nutzen.<\/p>\n\n\n\n

Im Februar 2020 scheinen die in Libyen stationierten Wing Loong II-Drohnen \u00fcber die Grenze nach \u00c4gypten zu einem Luftwaffenst\u00fctzpunkt in der N\u00e4he von Siwa in der west\u00e4gyptischen W\u00fcste gebracht worden zu sein.<\/p>\n\n\n\n

Satellitenbilder zeigen auch, dass ein zweiter \u00e4gyptischer Milit\u00e4rflugplatz, Sidi Barrani, als Einsatzbasis f\u00fcr Mirage 2000-Kampfflugzeuge verwendet wurde, die in Farben lackiert sind, die nicht von der \u00e4gyptischen Luftwaffe verwendet werden, aber genau den von den VAE geflogenen Jets entsprechen .<\/p>\n\n\n\n

Dies ist das gleiche Flugzeugmodell, das von den Vereinten Nationen in einen Luftangriff auf ein Migrationszentrum \u00f6stlich von Tripolis im Juli 2019 verwickelt wurde, bei dem 53 Menschen get\u00f6tet wurden.<\/p>\n\n\n\n

Ausl\u00e4ndischer Jet bei libyschem Migrantenangriff verd\u00e4chtigt<\/p>\n\n\n\n

Sidi Barrani ist auch das Ziel f\u00fcr mehrere Frachtflugzeuge, die von den Vereinigten Arabischen Emiraten gestartet sind, und schl\u00e4gt eine Luftbr\u00fccke f\u00fcr Ausr\u00fcstung oder Lieferungen zwischen den Vereinigten Arabischen Emiraten und einer Milit\u00e4rbasis vor, die nur 80 km von der libyschen Grenze entfernt liegt.<\/p>\n\n\n\n

Die \u00e4gyptische Regierung antwortete nicht auf die Bitte der BBC um Stellungnahme.<\/p>\n\n\n\n

Ist ausl\u00e4ndisches milit\u00e4risches Engagement \u00fcberraschend?<\/strong><\/p>\n\n\n\n

Sowohl die Vereinigten Arabischen Emirate als auch \u00c4gypten nahmen an einer von Bundeskanzlerin Angela Merkel im Januar dieses Jahres in Berlin einberufenen Konferenz \u00fcber Libyen teil, auf der sie ihre Unterst\u00fctzung f\u00fcr den UN-Friedensprozess bekr\u00e4ftigten und sich bereit erkl\u00e4rten, nicht in den Libyen-Krieg einzugreifen.<\/p>\n\n\n\n

Im vergangenen Jahr gab es jedoch eine Eskalation des Einsatzes von Drohnen durch beide Seiten des Konflikts.<\/p>\n\n\n\n

Ghassan Salam\u00e9, der fr\u00fchere Leiter der UN-Mission in Libyen, beschrieb dies als \"m\u00f6glicherweise das gr\u00f6\u00dfte Drohnenkriegstheater der Welt\".<\/p>\n\n\n\n

Die VAE sind nicht die einzige ausl\u00e4ndische Macht, die an diesem Konflikt beteiligt ist.<\/p>\n\n\n\n

Anfang dieses Jahres gab BBC Africa Eye bekannt, dass die T\u00fcrkei auch gegen das Waffenembargo der Vereinten Nationen gegen Libyen versto\u00dfen hat, indem sie geheime Waffenlieferungen an die von den Vereinten Nationen anerkannte Regierung in Tripolis gesendet hat.<\/p>\n\n\n\n

Mit Unterst\u00fctzung der T\u00fcrkei hat die von den Vereinten Nationen anerkannte Regierung des Nationalen Abkommens nun die LNA von Gen Haftar aus der Gegend um Tripolis zur\u00fcckgeschlagen.<\/p>\n","post_title":"BBC-Untersuchung: VAE in t\u00f6dlichen Angriff in Libyen verwickelt","post_excerpt":"","post_status":"publish","comment_status":"closed","ping_status":"closed","post_password":"","post_name":"bbc-untersuchung-vae-in-todlichen-angriff-in-libyen-verwickelt","to_ping":"","pinged":"","post_modified":"2025-02-02 08:39:39","post_modified_gmt":"2025-02-02 08:39:39","post_content_filtered":"","post_parent":0,"guid":"https:\/\/dctransparency.com\/?p=3811","menu_order":0,"post_type":"post","post_mime_type":"","comment_count":"0","filter":"raw"},{"ID":3792,"post_author":"7","post_date":"2020-08-14 13:58:48","post_date_gmt":"2020-08-14 13:58:48","post_content":"\n

Die Hagia Sophia war (ist) ein kulturelles Weltwunder und aufgeladen mit symbolischer Bedeutung, f\u00fcr die Christenheit ebenso wie f\u00fcr den Islam \u2013 und den t\u00fcrkischen Nationalismus. Als Mehmed II. sie betrat, war sie schon fast 1000 Jahre die gr\u00f6\u00dfte Kirche der christlichen Welt und das Zentrum der orthodoxen Glaubensrichtung. Die \"Ayasofya\", wie sie dann hie\u00df, war 500 Jahre lang Moschee \u2013 bis 1934, als Kemal Pascha Atat\u00fcrk, der \"Vater\" der modernen T\u00fcrkei, sie in ein Museum verwandelte, in der ausdr\u00fccklichen Absicht, auch hier mit dem osmanischen Erbe zu brechen.<\/p>\n\n\n\n

Nun wird Pr\u00e4sident Recep Tayyip Erdo\u011fan, der \"Vater\" der re-islamisierten T\u00fcrkei, am 24. Juli dieses Jahres die Ayasofya durch das Freitagsgebet wieder in den Islam eingliedern. Oder eher in seinen pers\u00f6nlichen religi\u00f6sen Nationalismus.<\/p>\n\n\n\n

Welterbe von allen<\/h3>\n\n\n\n

Wie bedeutungsschwer ist dieser Akt eines \"starken Mannes\", der innenpolitisch deutlich schw\u00e4chelt? Die Proteste vor allem aus der orthodoxen Welt, aber auch aus Europa und den USA sind eher traurig als w\u00fctend. Der Papst dr\u00fcckte seinen \"Schmerz\" aus. Auch der Jubel in der islamischen Welt fiel zun\u00e4chst weniger \u00fcbersch\u00e4umend als erwartet aus.<\/p>\n\n\n\n

Ist es der Alleingang eines Autokraten in Bedr\u00e4ngnis oder ist \"der Jubel \u00fcber die Eroberung der Hagia Sophia der Versuch einer zutiefst erniedrigten, vom Gef\u00fchl der Wertlosigkeit dominierten und in ihrer eigenen Selbstberechtigung beraubten Gesellschaft, eine Bedeutung, eine St\u00e4rke, ein Selbstwertgef\u00fchl zu finden\"? So recht pauschalierend der in Deutschland lebende pal\u00e4stinensische Intellektuelle und Psychiater Ahmad Mansour.<\/p>\n\n\n\n

Die beiden Gro\u00dfreiche, das byzantinische und das osmanische, sind l\u00e4ngst versunken.<\/p><\/blockquote>\n\n\n\n

Das eigentliche Schl\u00fcsselwort im Zusammenhang mit der Hagia Sofia ist \"Welterbe\". Das Erbe von allen. Einmal im kulturellen Sinn der Unesco, aber in Wahrheit weiter gefasst. Das einzigartige Bauwerk geh\u00f6rt in Wirklichkeit der ganzen Welt, nicht der einen oder anderen Religion. Die beiden Gro\u00dfreiche, f\u00fcr die die Hagia Sofia der zentrale spirituelle Bau war, das byzantinische und das osmanische, sind l\u00e4ngst versunken. Seither hat sie eine neue, \u00fcbernationale Dimension erhalten. Was Erdo\u011fan da jetzt mit der Hagia Sofia macht, ist eine Verengung und Verarmung eines gemeinsamen Welterbes.<\/p>\n\n\n\n

\"\"\/
Betende Muslime vor der Hagia Sophia.<\/figcaption><\/figure>\n\n\n\n

Davon abgesehen aber war und ist sie ein architektonisches Meisterwerk und geh\u00f6rt zu den bedeutendsten Bauten der Welt. Wer heute den Zentralraum unter der Kuppel betritt, kann sich nur schwer dem zugleich majest\u00e4tischen wie schwebenden Gesamteindruck entziehen. Die Hagia Sophia blieb fast 1000 Jahre die gr\u00f6\u00dfte Kirche der Christenheit. Technisch war die Kuppel (mit mehreren Halbkuppeln) eine \u00fcberaus riskante Innovation: Die 55 Meter hohe und 32 Meter im Durchmesser breite Kuppel ruht auf nur vier Tragpunkten, was den schwebenden, schwerelosen Eindruck erzeugt. Die Konstruktion folgt einem mathematischen Prinzip, das erst k\u00fcrzlich entschl\u00fcsselt wurde.<\/p>\n\n\n\n

\"Salomo, ich habe dich \u00fcbertroffen!\"<\/p><\/blockquote>\n\n\n\n

Als Kaiser Justinian die Hagia Sophia nach nur f\u00fcnf Jahren Bauzeit (532\u2013537) betrat, soll er in Anspielung auf den Tempel in Jerusalem ausgerufen haben: \"Salomo, ich habe dich \u00fcbertroffen!\" Die Innenausstattung war mit ihren S\u00e4ulen aus Porphyr und gr\u00fcnem Marmor, mit Mosaiken aus Gold und Halbedelsteinen derart prunkvoll, der Gesamteindruck derart \u00fcberirdisch, dass eine Delegation des Gro\u00dff\u00fcrsten von Kiew nicht mehr wusste, \"ob wir im Himmel oder auf der Erde\" waren \u2013 was die Christianisierung Russlands bef\u00f6rderte.<\/p>\n\n\n\n

Der deutsche Architekturlehrer Holger Kleine nennt die Hagia Sophia \"absolute Architektur\", weil sie \"extreme Ausdrucksformen nahezu aller dramaturgischen Mittel, die der Architektur zur Verf\u00fcgung stehen, vereinigt: wuchtigste K\u00f6rper und luftigste R\u00e4ume, engste Enge und gr\u00f6\u00dfte Weite, w\u00e4rmende Helligkeit und mystisches Dunkel\". Und die Kuppelbauten aus der sp\u00e4teren Hochbl\u00fcte der Moscheenarchitektur im 16. und 17. Jahrhundert gehen eindeutig auf die Hagia Sophia zur\u00fcck.<\/p>\n\n\n\n

Die Hagia Sophia war Staatskirche des byzantinischen Reichs. F\u00fcr die Eroberer der letzte Schlussstein in der Kuppel osmanisch-muslimischen Herrschaftsanspruchs. Konstantinopel war ja 1453 nur noch eine isolierte, heruntergekommene Enklave in einem osmanischen Umfeld, kein christliches Heer kam zu Hilfe. Doch vorher war es zugleich Sperrriegel nach Osten und Geistesarchiv der antiken Kultur gewesen. \"Ohne Byzanz h\u00e4tte es kein Europa gegeben\", sagt die britische Altertumsforscherin Judith Herrin.<\/p>\n\n\n\n

\"\"\/
Freigelegtes Mosaik von \"Christos Pantokrator\".<\/figcaption><\/figure>\n\n\n\n

Neue Fragen<\/h3>\n\n\n\n

Die Kirche wurde von Mehmed II. und Nachfolgern nicht in der Substanz zerst\u00f6rt, sondern \"entchristlicht\". Die urspr\u00fcnglich \u00fcbert\u00fcnchten oder auch abgeschlagenen Mosaiken mit den Darstellungen von Christus, der Muttergottes, diversen Kaisern kamen zum Teil schon unter einem Sultan des 19. Jahrhunderts, dann gro\u00dfteils nach der Museumswidmung wieder zum Vorschein.<\/p>\n\n\n\n

Jetzt stellen sich neue symbolisch-praktische Fragen. Erdo\u011fan hat die Hagia Sophia der konservativen staatlichen Religionsbeh\u00f6rde Diyanet unterstellt. Die byzantinischen Mosaike, wie der gro\u00dfartige \"Christos Pantokrator\" (\"Weltenherrscher\") oder die Jungfrau Maria in der Apsis, m\u00fcssen wohl w\u00e4hrend des islamischen Gottesdiensts verh\u00e4ngt werden. Muss der Boden mit seinen Marmorplatten und Mosaiken mit einem Teppich bedeckt werden? Erdo\u011fan sagt, Touristen seien nach wie vor zugelassen. Aber sie werden wohl hinter Absperrungen bleiben m\u00fcssen. Frauen werden \u2013 wie in der benachbarten \"Blauen Moschee\" (\"Sultanahmed\") Kopftuch tragen m\u00fcssen.<\/p>\n\n\n\n

\"\"\/
Erdo\u011fan mit Gattin in der Hagia Sophia.<\/figcaption><\/figure>\n\n\n\n

Erdo\u011fans neue Abenteuer<\/strong><\/h3>\n\n\n\n

Aber wird da nicht doch zu viel in einen Formalakt rund um ein uraltes Bauwerk hineininterpretiert? Im geschichtlichen Kontext relativiert sich manches: Konstantinopel wurde schon von Christen erobert und ausgepl\u00fcndert \u2013 1204 im Vierten Kreuzzug. In der Moschee von Cordoba (\"Mezquita\") bauten die Katholiken eine ganze Kirche in den ber\u00fchmten S\u00e4ulenwald hinein. Die Mezquita ist heute noch Kirche, kein Museum.<\/p>\n\n\n\n

\"Das ist der Beweis, dass wir kein s\u00e4kularer Staat mehr sein wollen\", sagt Nobelpreistr\u00e4ger Orhan Pamuk. Erdo\u011fan betrachtet sich offenbar als auch neoosmanischer \"Fatih\" im Mittelmeerraum mit immer neuen Abenteuern: Eingreifen in Syrien, Stellvertreterkrieg in Libyen, Anspr\u00fcche auf Erdgasvorkommen weit vor der t\u00fcrkischen K\u00fcste bei Zypern, Reden, wonach manche \u00c4g\u00e4is-Inseln eigentlich zur T\u00fcrkei geh\u00f6ren, \"denn dort stehen unsere Moscheen\". Manches davon ist nur Rhetorik, aber genug anderes ist riskante Realit\u00e4t. (Hans Rauscher, 14.7.2020)<\/p>\n\n\n\n

Quelle<\/a><\/strong><\/p>\n","post_title":"Hagia Sophia: Verengung und Verarmung eines Welterbes","post_excerpt":"","post_status":"publish","comment_status":"closed","ping_status":"closed","post_password":"","post_name":"hagia-sophia-verengung-und-verarmung-eines-welterbes","to_ping":"","pinged":"","post_modified":"2025-02-02 08:39:39","post_modified_gmt":"2025-02-02 08:39:39","post_content_filtered":"","post_parent":0,"guid":"https:\/\/dctransparency.com\/?p=3792","menu_order":0,"post_type":"post","post_mime_type":"","comment_count":"0","filter":"raw"},{"ID":3789,"post_author":"7","post_date":"2020-08-14 13:56:07","post_date_gmt":"2020-08-14 13:56:07","post_content":"\n

Im Gastkommentar pocht Mark Leonard, Direktor des Europ\u00e4ischen Rats f\u00fcr Ausw\u00e4rtige Beziehungen, auf \"neue, einvernehmlich vereinbarte Prinzipien sowie klare Grenzen\", nur so k\u00f6nne eine weitere Destabilisierung in der Region verhindert werden.<\/em><\/strong><\/p>\n\n\n\n

Ist die T\u00fcrkei das neue Russland? Diese Frage wird in den europ\u00e4ischen Hauptst\u00e4dten zunehmend gestellt, da die Au\u00dfenpolitik des t\u00fcrkischen Pr\u00e4sidenten Recep Tayyip Erdo\u011fan zunehmend aggressiver wird. Erdo\u011fan nutzt nicht nur die Migration, um die EU zu bedrohen und zu betr\u00fcgen, sondern setzt auch milit\u00e4rische Macht ein, um den Einflussbereich der T\u00fcrkei auf die gesamte Region auszudehnen.<\/p>\n\n\n\n

Seit dem Ende des Kalten Krieges haben die Europ\u00e4er die regionale Sicherheit durch eine unipolare westliche Linse betrachtet. W\u00e4hrend die Nato die milit\u00e4rische Sicherheit garantierte, sorgte die EU mit ihrem 80.000 Seiten starken Regelwerk f\u00fcr alles von LGBTQ-Rechten bis hin zu Rasenm\u00e4her-Sound-Verordnungen f\u00fcr Rechtsordnung. In den 90er-Jahren ging man allgemein davon aus, dass die beiden gro\u00dfen nichtwestlichen regionalen Akteure, Russland und die T\u00fcrkei, nach und nach an diese Regelungen herangef\u00fchrt werden w\u00fcrden.<\/p>\n\n\n\n

Qu\u00e4lende Hassliebe<\/h3>\n\n\n\n

Doch in den letzten 15 Jahren ist der Traum von der europ\u00e4ischen Unipolarit\u00e4t einer multipolaren Realit\u00e4t gewichen. Sowohl Russland als auch die T\u00fcrkei haben eine lange, qu\u00e4lende Hassliebe zu Europa, und beide sind unter nationalen Machthabern, denen die Verachtung der Normen und Werte der EU gemeinsam ist, durchsetzungsf\u00e4higer geworden.<\/p>\n\n\n\n

Die zunehmende Verschlechterung der Beziehungen zwischen der EU und Russland ist gut dokumentiert, der Fall der T\u00fcrkei weniger. Der Irakkrieg im Jahr 2003 komplizierte das Verh\u00e4ltnis der T\u00fcrkei zur Nato, und ihr Verh\u00e4ltnis zur EU verschlechterte sich 2007, als Frankreich einen wichtigen Teil ihrer EU-Beitrittsverhandlungen blockierte. Seitdem hat die T\u00fcrkei ihren eigenen Weg in Syrien, auf dem Balkan und in Libyen eingeschlagen und neue Beziehungen zu Russland und China aufgebaut.<\/p>\n\n\n\n

Wichtiger Akteur<\/strong><\/h3>\n\n\n\n

Nat\u00fcrlich sind die Beziehungen zwischen der T\u00fcrkei und Russland nicht weniger kompliziert, nicht zuletzt weil Erdo\u011fan und der russische Pr\u00e4sident Wladimir Putin im syrischen B\u00fcrgerkrieg verschiedene Seiten unterst\u00fctzten.Und w\u00e4hrend die Spannungen wegen des Syrien-Konflikts weiterhin bestehen, bewundert Erdo\u011fan deutlich, wie Russland sich \u2013 bei relativ geringen Kosten \u2013 wieder als wichtiger Akteur im Nahen Osten und in Nordafrika etabliert hat.<\/p>\n\n\n\n

Nachdem er in einen nicht zu gewinnenden Krieg im Osten der Ukraine verwickelt war, schien Putins weitgehend erfolgreicher Feldzug in Syrien einen Teil seiner innenpolitischen Autorit\u00e4t wiederherzustellen. Der Westen hatte f\u00fcnf Jahre lang darauf bestanden, dass es keine milit\u00e4rische L\u00f6sung des Konflikts gebe und dass der syrische Pr\u00e4sident Baschar al-Assad gehen m\u00fcsse. Doch w\u00e4hrend die von den Vereinten Nationen unterst\u00fctzten Gespr\u00e4che in Genf zu keinem Ergebnis f\u00fchrten, schienen die von Russland geleiteten Gespr\u00e4che in Astana voranzukommen. Indem der Kreml die T\u00fcrkei und den Iran einbezog, w\u00e4hrend er die westlichen M\u00e4chte ausschloss, erweckte er den Eindruck, dass Russland als wiedergeborene Supermacht aus der Asche auferstanden sei.<\/p>\n\n\n\n

Unter Druck<\/h3>\n\n\n\n

Angesichts des wachsenden Widerstands im eigenen Land macht es Erdo\u011fan Putin gleich. Da der Westen nicht bereit war, (erneut) milit\u00e4risch in Libyen zu intervenieren, sah Erdo\u011fan eine Gelegenheit, die T\u00fcrkei zu positionieren. Nach dem Vorgehen Russlands in Syrien sicherte er sich eine formelle Einladung der libyschen Regierung zur Intervention. Mit einem Schlag Ende letzten Jahres hat er nicht nur das Image der T\u00fcrkei als Regionalmacht gest\u00e4rkt, sondern auch ein Abkommen mit Libyen \u00fcber die Seegrenze abgeschlossen und damit einen Plan Griechenlands, Zyperns, \u00c4gyptens und Israels zur Erschlie\u00dfung von Unterwasser\u00f6l- und -gasfeldern in der N\u00e4he zunichtegemacht.<\/p>\n\n\n\n

Erdo\u011fan scheint auch von der Spalt-und-Eroberungs-Strategie des Kreml in Europa inspiriert worden zu sein, der zufolge oft diejenigen EU-Mitgliedsstaaten unter Druck gesetzt werden, die am meisten von russischen Kohlenwasserstoffen oder M\u00e4rkten abh\u00e4ngig sind. So wie Putin lange Zeit die Energieversorgung instrumentalisiert hat, hat Erdo\u011fan versucht, den Strom von Migranten und Fl\u00fcchtlingen, die vor Konflikten im Nahen Osten fliehen, zu instrumentalisieren. Als die EU eine neue Marinemission ank\u00fcndigte, um den Waffenstrom nach Libyen zu blockieren, malte die T\u00fcrkei f\u00fcr Malta das Schreckgespenst der angeblichen Bedrohung durch Migranten an die Wand. Malta reagierte prompt und signalisierte, dass es gegen die Finanzierung der Mission ein Veto einlegen werde.<\/p>\n\n\n\n

Verlorener Sohn<\/strong><\/h3>\n\n\n\n

Jahrelang redeten sich die Europ\u00e4er ein, dass Russland eine Art verlorener Sohn sei und dass die europ\u00e4ische unipolare Ordnung gesund bleibe. Doch das machte Europa zu einem leichten Ziel f\u00fcr die Trennungs-und-Eroberungs-Strategie des Kreml. Erst vor relativ kurzer Zeit entwarf die Union eine neue Politik und ein robustes Sanktionsregime, um die russische Aggression abzuschrecken. Und selbst jetzt \u2013 trotz der besten Bem\u00fchungen der deutschen Bundeskanzlerin Angela Merkel und des franz\u00f6sischen Pr\u00e4sidenten Emmanuel Macron \u2013 hat die EU noch immer keine wirksamen Kommunikationskan\u00e4le mit Russland geschaffen, um gemeinsame Probleme anzugehen.<\/p>\n\n\n\n

Die T\u00fcrkei ist noch kein neues Russland, aber sie k\u00f6nnte dazu werden, wenn die Situation falsch gehandhabt wird. Vorerst betrachten die meisten Europ\u00e4er die T\u00fcrkei noch immer als einen komplizierten Partner und nicht als \"Systemrivalen\". Aber die Europ\u00e4er sollten die hart erk\u00e4mpften Lehren aus dem Umgang mit Russland in den letzten 15 Jahren beherzigen. Die Beziehungen zwischen der EU und der T\u00fcrkei brauchen neue, einvernehmlich vereinbarte Prinzipien sowie klare Grenzen, um eine weitere Destabilisierung in der Region zu verhindern.<\/p>\n\n\n\n

Zu diesem Zweck sollten die Europ\u00e4er klarstellen, dass der EU-Beitrittsprozess entweder zur\u00fcckgedreht oder vorangetrieben werden kann und dass eine eher transaktionale Beziehung sowohl Zuckerbrot als auch Peitsche beinhaltet. Die Herausforderung wird darin bestehen, daf\u00fcr zu sorgen, dass es in einer Region, die nicht nur von Europa und der T\u00fcrkei, sondern auch von Russland, den USA und einem aufstrebenden China beeinflusst wird, noch Raum f\u00fcr politisches Engagement in Fragen der gemeinsamen Sicherheit gibt. (Mark Leonard, \u00dcbersetzung: Eva G\u00f6llner, Copyright: Project Syndicate, 10.8.2020)<\/p>\n\n\n\n

Mark Leonard <\/strong>ist Direktor des Europ\u00e4ischen Rats f\u00fcr Ausw\u00e4rtige Beziehungen.<\/a><\/p>\n","post_title":"Erdo\u011fan \u2013 der andere Putin vor der Haust\u00fcr Europas","post_excerpt":"","post_status":"publish","comment_status":"closed","ping_status":"closed","post_password":"","post_name":"erdogan-der-andere-putin-vor-der-haustur-europas","to_ping":"","pinged":"","post_modified":"2025-02-02 08:39:39","post_modified_gmt":"2025-02-02 08:39:39","post_content_filtered":"","post_parent":0,"guid":"https:\/\/dctransparency.com\/?p=3789","menu_order":0,"post_type":"post","post_mime_type":"","comment_count":"0","filter":"raw"},{"ID":3786,"post_author":"7","post_date":"2020-08-14 13:51:23","post_date_gmt":"2020-08-14 13:51:23","post_content":"\n

Einen Monat nachdem ich zur israelischen Armee eingezogen worden war, brach die erste Intifada aus. Statt Soldat zu sein, machte ich Polizeiarbeit, sagte den Menschen, wann sie zur Arbeit gehen konnten und wann sie ihre L\u00e4den schlie\u00dfen mussten, wann sie die Grenze passieren und wann sie schlafen konnten. Einen Monat nachdem ich aus der Armee entlassen worden war, ging ich auf Reisen. (In Israel sagen wir: Wir dienen drei Jahre und versuchen den Rest unseres Lebens, diese drei Jahre zu vergessen.) Auf meiner Reise begann ich Briefe an meine Freundin zu schreiben, die ich in Israel zur\u00fcckgelassen hatte.<\/p>\n\n\n\n

Ich schrieb ihr, wie schrecklich depressiv ich war und dass diese drei Jahre des Anweisungenbellens und Anderen-Menschen-Sagens, was sie zu tun haben, mich f\u00fcr immer verfolgen w\u00fcrden. Dass sie ein Teil dessen geworden waren, was ich bin. Ich erinnere mich, dass ich ihr schrieb, dass wir da rausm\u00fcssen \u2013 nicht nur f\u00fcr die Pal\u00e4stinenser, sondern wegen der furchtbaren und brutalen Auswirkungen, die all das auf uns, auf die israelische Gesellschaft haben w\u00fcrde. Sie schrieb zur\u00fcck: \u201eDu hast recht. Ich habe einen neuen Freund.\u201c<\/p>\n\n\n\n

Felix Klein wurde als Beauftragter der Bundesregierung berufen<\/a>, um die Auswirkungen des zunehmenden Antisemitismus in unserer Gesellschaft, in Deutschland, zu bek\u00e4mpfen. Was nicht in seiner Jobbeschreibung steht, ist, dass er dabei unsere Gesellschaft heilen muss, jene Gesellschaft, die diese Form des Hasses reproduziert und sch\u00fctzt. Klein hat das begriffen.<\/p>\n\n\n\n

Er versteht, dass man Krebs nicht mit einem Pflaster verarztet, er wei\u00df, dass er das Bewusstsein der Deutschen sch\u00e4rfen und Diskussionen ansto\u00dfen muss. Er hat begriffen, dass das Problem nicht nur an den R\u00e4ndern der Gesellschaft (bei den Rechten) liegt, sondern auch in ihrer Mitte. Dort, wo gebildete Menschen nicht einmal bemerken, dass das, was sie sagen und tun, antisemitisch ist. So wie sie es auch nicht merken, wenn sie rassistisch handeln. Er hat all das verstanden, und genau deshalb wollen einige, dass er seinen Posten r\u00e4umt.<\/p>\n\n\n\n

Mehr als 60 deutsche und israelische Intellektuelle haben letzte Woche in einem Brief an Kanzlerin Merkel<\/a> dar\u00fcber geklagt, dass der aktuelle \u201eGebrauch des Antisemitismusbegriffs\u201c darauf abziele, \u201elegitime Kritik an der israelischen Regierungspolitik zu unterdr\u00fccken\u201c, und Klein vorgeworfen, rechtspopulistische israelische Stimmen zu f\u00f6rdern.<\/p>\n\n\n\n

Faszinierend an diesem offenen Brief ist, dass viele der Unterzeichneten keine Deutschen sind und auch nicht in Deutschland leben. Ich wei\u00df nicht, woher sie \u2013 die meisten von ihnen sind Israelis \u2013 die Chuzpe haben, sich in eine innerdeutsche Angelegenheit einzumischen und zu fordern, eine Person zu entlassen, die von der Bundesregierung eingesetzt wurde. Die H\u00e4lfte der Unterzeichneten lebt nicht hier, von der anderen H\u00e4lfte sind viele keine Juden \u2013 somit sind die allermeisten von ihnen nicht direkt vom Antisemitismus in Deutschland betroffen. Wie also k\u00f6nnen sie diesen Brief unterschreiben? Und warum eigentlich haben so wenige Deutsche unterschrieben? Dazu komme ich gleich.<\/p>\n\n\n\n

Debatte um Achille Mbembe<\/h6>\n\n\n\n

Hintergrund des Briefs war, dass Felix Klein gefordert hatte, den Philosophen Achille Mbembe<\/a> nicht die Er\u00f6ffnungsrede der Ruhrtriennale halten zu lassen. Als mit \u00f6ffentlichen Mitteln gef\u00f6rdertes Event solle die Ruhrtriennale Mbembe wegen seiner Haltung zu Israels Existenzrecht, seiner Haltung zu BDS und der Art, wie er in einem seiner Werke den Holocaust relativiert, nicht einladen.<\/p>\n\n\n\n

Mbembes Unterst\u00fctzer sagen, keine dieser Anschuldigungen sei wahr. F\u00fcrs Protokoll: In meinen Augen unterst\u00fctzt Mbembe sehr wohl BDS<\/a>, er schrieb unter anderem das Vorwort zu \u201eApartheid Israel\u201c und fordert die komplette Isolation Israels. Ich glaube auch, wenn Mbembe schreibt, die israelische Besetzung sei der \u201egr\u00f6\u00dfte moralische Skandal unserer Zeit\u201c, zeigt das, dass sein moralischer und geografischer Kompass etwas schief ist.<\/p>\n\n\n\n

Doch warum treibt die Debatte so viele Menschen um? Nun, zun\u00e4chst gibt niemand gern auf, was ihm oder ihr selbstverst\u00e4ndlich scheint. \u00dcber den gesamten politischen, sozialen, kulturellen, medialen und akademischen Sektor hinweg sind Menschen daran gew\u00f6hnt, so schlecht \u00fcber Israel sprechen zu k\u00f6nnen, wie auch immer sie wollen.<\/p>\n\n\n\n

Der Spiegel<\/em> hat \u2013 vielleicht in Anlehnung an seine Relotius-Standards, Israel erst k\u00fcrzlich eine Corona-Diktatur genannt. Fakten und Belege f\u00fcr diese Behauptung gab es nicht. Doch Millionen Deutsche haben es gelesen, und es wird nat\u00fcrlich haften bleiben. Faktenlage hin oder her. Der Spiegel<\/em> und andere Medien haben dieses Spiel perfektioniert: Titel so zu drehen, dass sie Israel indirekt anklagen, die Idee zu streuen, der Mossad kon\u00adtrol\u00adliere die deutsche Au\u00dfenpolitik im Nahen Osten, und so fort. Doch sie stehen allesamt sofort auf den Hinterbeinen, wenn jemand es wagt, das Spiel beim Namen zu nennen: moderner Antisemitismus.<\/p>\n\n\n\n

Klein will dem entgegenwirken. Er versteht, dass antisemitische Attacken in Deutschland die Fr\u00fcchte solch falsch gezeichneter Bilder und eindimensionaler Narrative \u00fcber Israel sind. Wenn er und andere versuchen, ein anderes Narrativ aufzuzeigen, wirft man ihnen Zensur vor: Wie k\u00f6nnen sie es wagen, das Gesch\u00e4ft der Anti-Israel-Propaganda zu st\u00f6ren?<\/p>\n\n\n\n

Liebe Deutsche, wenn ihr reden wollt, lasst uns gern reden: \u00fcber die Besetzung, \u00fcber Bibi und alles, was schiefl\u00e4uft. Aber dann lasst uns bitte auch dar\u00fcber reden, wie deutsche Steuergelder Terrortunnel finanzieren. Erst vergangene Woche r\u00e4umte die niederl\u00e4ndische Regierung ein, dass Gelder an eine Landwirtschaftsorganisation in Ramallah geflossen seien, die damit teilweise die Geh\u00e4lter zweier des Mordes an der 17-j\u00e4hrigen Israelin Rina Shnerb Verd\u00e4chtiger gezahlt haben. Auch die Bundesregierung unterst\u00fctzt diese Organisation, obwohl Kritiker schon lange vor Verbindungen zu Terroristen warnen.<\/p>\n\n\n\n

Wir k\u00f6nnen uns also gerne unterhalten \u2013 aber im Dialog, nicht in Monologen. Denn Reden unter Menschen, die sich einig sind, ist nichts anderes als Impotenz.<\/p>\n\n\n\n

Israelkritik als Eintrittskarte<\/h6>\n\n\n\n

Die Israelis, die die Petition unterzeichnet haben, haben \u00fcbrigens ebenfalls etwas verstanden. Seit Jahren wissen sie: Es ist ihre Eintrittskarte in die Mitte der deutschen (und europ\u00e4ischen) Gesellschaft. Man h\u00f6rt nicht oft von Akademikern mit proisraelischen Ansichten. Weder in den Philharmonie-Orchestern noch in der Kunstszene. Die Eintrittskarte daf\u00fcr ist ein antiisraelischer Standpunkt.<\/p>\n\n\n\n

Der mutma\u00dfliche Grund, warum kaum Deutsche die Petition unterzeichnet haben: Sie mussten es nicht. Ihre Lieblingsjuden haben es f\u00fcr sie getan. Jetzt k\u00f6nnen sie sagen: \u201eSchau, ich bin das ja nicht, meine j\u00fcdischen Freunde sagen es.\u201c Ich selbst war einige Jahre lang mit einem Paar hier in Berlin befreundet, bis ich herausfand, dass ich ihr Lieblingsjude war. Ja, selbst das j\u00fcdische Museum wurde so genutzt.<\/p>\n\n\n\n

Weil Attacken gegen Juden ein absolutes Tabu sind, wurden Umwege gefunden, um den Antisemitismus auf kleiner Flamme k\u00f6cheln zu lassen: die unfundierte, unbegr\u00fcndete Kritik an Israel.<\/p>\n\n\n\n

Diese Art der Kritik ist gef\u00e4hrlich. Sie schw\u00e4cht jede begr\u00fcndete und notwendige Kritik am Verhalten Israels. Und das Interessante ist: Trotz all der heftigen, pauschalisierenden Anklagen, all der offenen Briefe driftet Israel politisch immer weiter nach rechts. Doch statt mal einen anderen Ansatz zu versuchen, werden die antiisraelischen Stimmen nur lauter. Dasselbe versuchen und andere Ergebnisse davon erwarten \u2013 das ist die Definition von Wahnsinn.<\/p>\n\n\n\n

Kurz bevor der Prozess gegen den wegen des Attentats von Halle<\/a> Angeklagten begann \u2013 des seit Kriegsende schlimmsten Akts von Antisemitismus in Deutschland \u2013, lud eine Lokalzeitung den fr\u00fcheren Botschafter Shimon Stein und den Historiker Moshe Zimmermann ein, dar\u00fcber zu schreiben, was Antisemitismus ist. Nat\u00fcrlich wendeten auch sie sich gegen Felix Kleins Ansatz. Sie zitieren die Kontroverse um die Umbenennung der U-Bahn-Station Mohrenstra\u00dfe in Glinkastra\u00dfe, die sich darum drehte, dass der russische Komponist Michael Glinka Antisemit gewesen sein soll. Stein und Zimmermann halten die Debatte f\u00fcr \u00fcberzogen, Glinka sei nur ein Kind seiner Zeit gewesen. Folgt man ihrer Logik, k\u00f6nnen wir dann also in 20 oder 30 Jahren U-Bahn-Stationen nach den Kindern der 1930er Jahre benennen?<\/p>\n\n\n\n

Der Antisemit als Tierfreund<\/h6>\n\n\n\n

Ich w\u00fcnschte, die Sache h\u00e4tte mit dem Artikel, mit der Petition geendet. Doch dann erschien ein Artikel, der den Leser auf einen Waldspaziergang mit einem veganen Koch und Antisemiten mitnahm. Darin setzt der Tierfreund erst behutsam einen K\u00e4fer wieder auf seine Beinchen und erkl\u00e4rt dann, dass die Todesstrafe in Deutschland wieder eingef\u00fchrt werden solle, um einen gewissen Politiker (der zuf\u00e4llig pro Israel ist) an seinen Hoden aufh\u00e4ngen zu k\u00f6nnen. Dieser Koch hat Hunderttausende Follower, er sagt all solche Dinge am helllichten Tag in Berlin. Und in den Medien.<\/p>\n\n\n\n

F\u00e4lle wie dieser handeln bereits von Gewalt \u2013 und sie enden nicht bei den Juden. Der Hass richtet sich gegen Frauen<\/a>, Muslime, Gefl\u00fcchtete, \u00adLBTQI. Am Ende aller theoretischen Debatten stehen immer echte Menschen. Am Ende jeder Konferenz dar\u00fcber, was Antisemitismus ausmacht, steht ein potenzielles j\u00fcdisches Opfer. Angesichts einer Welle von Antisemitismus \u00fcber die Definition von Antisemitismus zu streiten ist, wie eine 10 Meter hohe Welle heranrollen zu sehen und dar\u00fcber zu streiten, was einen Tsunami ausmacht.<\/p>\n\n\n\n

Felix Klein versteht, wie absurd es ist, zu sagen: Es sind nur die Rechten. Die Rechten sind Deutsche, so wie die Nazis Deutsche waren. Klein versteht, dass die Deutschen nicht aufgeh\u00f6rt haben, Juden zu ermorden, weil sie irgendeine Art von Erleuchtung hatten. Sondern schlicht, weil sie den Krieg verloren haben. Um den Antisemitismus zu bek\u00e4mpfen, bevor er die Gesellschaft frisst, in der er und wir leben, muss Deutschland seinen moralischen Kompass korrigieren.<\/p>\n\n\n\n

Immerhin: Mehr und mehr Deutsche fahren nach Israel, sie wollen ein anderes Narrativ h\u00f6ren. Mehr und mehr Deutsche verstehen, dass Antisemitismus Schockwellen ausl\u00f6st, die die gesamte Gesellschaft betreffen. In einem normalen Universum w\u00fcrde Klein bef\u00f6rdert werden f\u00fcr seine Leistung. In einer verdrehten Gesellschaft fordern Menschen seine Entlassung. Um es mit Mbembe zu sagen: Das ist Nano-Nonsens.<\/p>\n\n\n\n

\u00dcbersetzung: Ariane Lemme<\/a><\/em><\/p>\n","post_title":"Felix Klein hat verstanden","post_excerpt":"","post_status":"publish","comment_status":"closed","ping_status":"closed","post_password":"","post_name":"felix-klein-hat-verstanden","to_ping":"","pinged":"","post_modified":"2025-02-02 08:39:39","post_modified_gmt":"2025-02-02 08:39:39","post_content_filtered":"","post_parent":0,"guid":"https:\/\/dctransparency.com\/?p=3786","menu_order":0,"post_type":"post","post_mime_type":"","comment_count":"0","filter":"raw"}],"next":false,"prev":true,"total_page":47},"paged":1,"column_class":"jeg_col_2o3","class":"epic_block_3"};

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Sieben Monate nach dem Streik hat niemand die Verantwortung f\u00fcr die T\u00f6tung dieser jungen M\u00e4nner eingestanden.<\/p>\n\n\n\n

Die LNA unter Gen Khalifa Haftar bestritt, dass sie hinter dem Streik steckt, und teilte der Presse mit, dass die Explosion m\u00f6glicherweise durch eine lokal abgefeuerte M\u00f6rsergranate oder einen Angriff innerhalb der Akademie verursacht worden sei.<\/p>\n\n\n\n

Was hat die BBC gefunden?<\/strong><\/p>\n\n\n\n

Die Untersuchung ergab Hinweise darauf, dass eine viel ausgefeiltere Waffe verwendet wurde.<\/p>\n\n\n\n

\"\"<\/figure>\n\n\n\n

Die BBC betrachtete Bilder des Splitters, der nach dem Streik auf dem Exerzierplatz zur\u00fcckgelassen wurde, und kam zu dem Schluss, dass er mit den Komponenten einer Rakete namens Blue Arrow 7 \u00fcbereinstimmte.<\/p>\n\n\n\n

Unsere Analyse ergab, dass nur ein Flugzeug, das im Januar 2020 \u00fcber Tripolis operierte, diese Waffe abfeuern konnte - eine Drohne namens Wing Loong 2.<\/p>\n\n\n\n

Nur drei Wochen vor diesem Streik kamen die Vereinten Nationen zu dem Schluss, dass der Blaue Pfeil 7 \"ballistisch gepaart ist, um vom Wing Loong II geliefert zu werden ... und von keinem anderen in Libyen bisher identifizierten Luftfahrtgut\".<\/p>\n\n\n\n

Die BBC untersuchte auch, woher diese Drohne stammen k\u00f6nnte, und fand Hinweise darauf, dass Wing Loong-Drohnen zum Zeitpunkt des Angriffs nur von einem libyschen Luftwaffenst\u00fctzpunkt aus operierten: al-Khadim im von der LNA kontrollierten Ostlibyen.<\/p>\n\n\n\n

Sowohl die BBC als auch die UN haben Beweise daf\u00fcr gefunden, dass Drohnen, die von diesem Luftwaffenst\u00fctzpunkt aus operieren, zu den Vereinigten Arabischen Emiraten geh\u00f6ren.<\/p>\n\n\n\n

Im Jahr 2019 stellte die UNO fest, dass die VAE durch den Versand von Wing Loong-Drohnen und Blue Arrow 7-Raketen nach Libyen gegen das seit 2011 geltende UN-Waffenembargo gegen das Land versto\u00dfen hatten.<\/p>\n\n\n\n

Die BBC fand auch ein Waffenregister, aus dem hervorgeht, dass die VAE 2017 15 Wing Loong-Drohnen und 350 Blue Arrow 7-Raketen gekauft haben.<\/p>\n\n\n\n

Was hat die BBC noch aufgedeckt?<\/strong><\/p>\n\n\n\n

<\/p>\n\n\n\n

Die BBC-Untersuchung ergab auch neue Beweise daf\u00fcr, dass \u00c4gypten den VAE erlaubt, \u00e4gyptische Milit\u00e4rflugpl\u00e4tze nahe der libyschen Grenze zu nutzen.<\/p>\n\n\n\n

Im Februar 2020 scheinen die in Libyen stationierten Wing Loong II-Drohnen \u00fcber die Grenze nach \u00c4gypten zu einem Luftwaffenst\u00fctzpunkt in der N\u00e4he von Siwa in der west\u00e4gyptischen W\u00fcste gebracht worden zu sein.<\/p>\n\n\n\n

Satellitenbilder zeigen auch, dass ein zweiter \u00e4gyptischer Milit\u00e4rflugplatz, Sidi Barrani, als Einsatzbasis f\u00fcr Mirage 2000-Kampfflugzeuge verwendet wurde, die in Farben lackiert sind, die nicht von der \u00e4gyptischen Luftwaffe verwendet werden, aber genau den von den VAE geflogenen Jets entsprechen .<\/p>\n\n\n\n

Dies ist das gleiche Flugzeugmodell, das von den Vereinten Nationen in einen Luftangriff auf ein Migrationszentrum \u00f6stlich von Tripolis im Juli 2019 verwickelt wurde, bei dem 53 Menschen get\u00f6tet wurden.<\/p>\n\n\n\n

Ausl\u00e4ndischer Jet bei libyschem Migrantenangriff verd\u00e4chtigt<\/p>\n\n\n\n

Sidi Barrani ist auch das Ziel f\u00fcr mehrere Frachtflugzeuge, die von den Vereinigten Arabischen Emiraten gestartet sind, und schl\u00e4gt eine Luftbr\u00fccke f\u00fcr Ausr\u00fcstung oder Lieferungen zwischen den Vereinigten Arabischen Emiraten und einer Milit\u00e4rbasis vor, die nur 80 km von der libyschen Grenze entfernt liegt.<\/p>\n\n\n\n

Die \u00e4gyptische Regierung antwortete nicht auf die Bitte der BBC um Stellungnahme.<\/p>\n\n\n\n

Ist ausl\u00e4ndisches milit\u00e4risches Engagement \u00fcberraschend?<\/strong><\/p>\n\n\n\n

Sowohl die Vereinigten Arabischen Emirate als auch \u00c4gypten nahmen an einer von Bundeskanzlerin Angela Merkel im Januar dieses Jahres in Berlin einberufenen Konferenz \u00fcber Libyen teil, auf der sie ihre Unterst\u00fctzung f\u00fcr den UN-Friedensprozess bekr\u00e4ftigten und sich bereit erkl\u00e4rten, nicht in den Libyen-Krieg einzugreifen.<\/p>\n\n\n\n

Im vergangenen Jahr gab es jedoch eine Eskalation des Einsatzes von Drohnen durch beide Seiten des Konflikts.<\/p>\n\n\n\n

Ghassan Salam\u00e9, der fr\u00fchere Leiter der UN-Mission in Libyen, beschrieb dies als \"m\u00f6glicherweise das gr\u00f6\u00dfte Drohnenkriegstheater der Welt\".<\/p>\n\n\n\n

Die VAE sind nicht die einzige ausl\u00e4ndische Macht, die an diesem Konflikt beteiligt ist.<\/p>\n\n\n\n

Anfang dieses Jahres gab BBC Africa Eye bekannt, dass die T\u00fcrkei auch gegen das Waffenembargo der Vereinten Nationen gegen Libyen versto\u00dfen hat, indem sie geheime Waffenlieferungen an die von den Vereinten Nationen anerkannte Regierung in Tripolis gesendet hat.<\/p>\n\n\n\n

Mit Unterst\u00fctzung der T\u00fcrkei hat die von den Vereinten Nationen anerkannte Regierung des Nationalen Abkommens nun die LNA von Gen Haftar aus der Gegend um Tripolis zur\u00fcckgeschlagen.<\/p>\n","post_title":"BBC-Untersuchung: VAE in t\u00f6dlichen Angriff in Libyen verwickelt","post_excerpt":"","post_status":"publish","comment_status":"closed","ping_status":"closed","post_password":"","post_name":"bbc-untersuchung-vae-in-todlichen-angriff-in-libyen-verwickelt","to_ping":"","pinged":"","post_modified":"2025-02-02 08:39:39","post_modified_gmt":"2025-02-02 08:39:39","post_content_filtered":"","post_parent":0,"guid":"https:\/\/dctransparency.com\/?p=3811","menu_order":0,"post_type":"post","post_mime_type":"","comment_count":"0","filter":"raw"},{"ID":3792,"post_author":"7","post_date":"2020-08-14 13:58:48","post_date_gmt":"2020-08-14 13:58:48","post_content":"\n

Die Hagia Sophia war (ist) ein kulturelles Weltwunder und aufgeladen mit symbolischer Bedeutung, f\u00fcr die Christenheit ebenso wie f\u00fcr den Islam \u2013 und den t\u00fcrkischen Nationalismus. Als Mehmed II. sie betrat, war sie schon fast 1000 Jahre die gr\u00f6\u00dfte Kirche der christlichen Welt und das Zentrum der orthodoxen Glaubensrichtung. Die \"Ayasofya\", wie sie dann hie\u00df, war 500 Jahre lang Moschee \u2013 bis 1934, als Kemal Pascha Atat\u00fcrk, der \"Vater\" der modernen T\u00fcrkei, sie in ein Museum verwandelte, in der ausdr\u00fccklichen Absicht, auch hier mit dem osmanischen Erbe zu brechen.<\/p>\n\n\n\n

Nun wird Pr\u00e4sident Recep Tayyip Erdo\u011fan, der \"Vater\" der re-islamisierten T\u00fcrkei, am 24. Juli dieses Jahres die Ayasofya durch das Freitagsgebet wieder in den Islam eingliedern. Oder eher in seinen pers\u00f6nlichen religi\u00f6sen Nationalismus.<\/p>\n\n\n\n

Welterbe von allen<\/h3>\n\n\n\n

Wie bedeutungsschwer ist dieser Akt eines \"starken Mannes\", der innenpolitisch deutlich schw\u00e4chelt? Die Proteste vor allem aus der orthodoxen Welt, aber auch aus Europa und den USA sind eher traurig als w\u00fctend. Der Papst dr\u00fcckte seinen \"Schmerz\" aus. Auch der Jubel in der islamischen Welt fiel zun\u00e4chst weniger \u00fcbersch\u00e4umend als erwartet aus.<\/p>\n\n\n\n

Ist es der Alleingang eines Autokraten in Bedr\u00e4ngnis oder ist \"der Jubel \u00fcber die Eroberung der Hagia Sophia der Versuch einer zutiefst erniedrigten, vom Gef\u00fchl der Wertlosigkeit dominierten und in ihrer eigenen Selbstberechtigung beraubten Gesellschaft, eine Bedeutung, eine St\u00e4rke, ein Selbstwertgef\u00fchl zu finden\"? So recht pauschalierend der in Deutschland lebende pal\u00e4stinensische Intellektuelle und Psychiater Ahmad Mansour.<\/p>\n\n\n\n

Die beiden Gro\u00dfreiche, das byzantinische und das osmanische, sind l\u00e4ngst versunken.<\/p><\/blockquote>\n\n\n\n

Das eigentliche Schl\u00fcsselwort im Zusammenhang mit der Hagia Sofia ist \"Welterbe\". Das Erbe von allen. Einmal im kulturellen Sinn der Unesco, aber in Wahrheit weiter gefasst. Das einzigartige Bauwerk geh\u00f6rt in Wirklichkeit der ganzen Welt, nicht der einen oder anderen Religion. Die beiden Gro\u00dfreiche, f\u00fcr die die Hagia Sofia der zentrale spirituelle Bau war, das byzantinische und das osmanische, sind l\u00e4ngst versunken. Seither hat sie eine neue, \u00fcbernationale Dimension erhalten. Was Erdo\u011fan da jetzt mit der Hagia Sofia macht, ist eine Verengung und Verarmung eines gemeinsamen Welterbes.<\/p>\n\n\n\n

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Betende Muslime vor der Hagia Sophia.<\/figcaption><\/figure>\n\n\n\n

Davon abgesehen aber war und ist sie ein architektonisches Meisterwerk und geh\u00f6rt zu den bedeutendsten Bauten der Welt. Wer heute den Zentralraum unter der Kuppel betritt, kann sich nur schwer dem zugleich majest\u00e4tischen wie schwebenden Gesamteindruck entziehen. Die Hagia Sophia blieb fast 1000 Jahre die gr\u00f6\u00dfte Kirche der Christenheit. Technisch war die Kuppel (mit mehreren Halbkuppeln) eine \u00fcberaus riskante Innovation: Die 55 Meter hohe und 32 Meter im Durchmesser breite Kuppel ruht auf nur vier Tragpunkten, was den schwebenden, schwerelosen Eindruck erzeugt. Die Konstruktion folgt einem mathematischen Prinzip, das erst k\u00fcrzlich entschl\u00fcsselt wurde.<\/p>\n\n\n\n

\"Salomo, ich habe dich \u00fcbertroffen!\"<\/p><\/blockquote>\n\n\n\n

Als Kaiser Justinian die Hagia Sophia nach nur f\u00fcnf Jahren Bauzeit (532\u2013537) betrat, soll er in Anspielung auf den Tempel in Jerusalem ausgerufen haben: \"Salomo, ich habe dich \u00fcbertroffen!\" Die Innenausstattung war mit ihren S\u00e4ulen aus Porphyr und gr\u00fcnem Marmor, mit Mosaiken aus Gold und Halbedelsteinen derart prunkvoll, der Gesamteindruck derart \u00fcberirdisch, dass eine Delegation des Gro\u00dff\u00fcrsten von Kiew nicht mehr wusste, \"ob wir im Himmel oder auf der Erde\" waren \u2013 was die Christianisierung Russlands bef\u00f6rderte.<\/p>\n\n\n\n

Der deutsche Architekturlehrer Holger Kleine nennt die Hagia Sophia \"absolute Architektur\", weil sie \"extreme Ausdrucksformen nahezu aller dramaturgischen Mittel, die der Architektur zur Verf\u00fcgung stehen, vereinigt: wuchtigste K\u00f6rper und luftigste R\u00e4ume, engste Enge und gr\u00f6\u00dfte Weite, w\u00e4rmende Helligkeit und mystisches Dunkel\". Und die Kuppelbauten aus der sp\u00e4teren Hochbl\u00fcte der Moscheenarchitektur im 16. und 17. Jahrhundert gehen eindeutig auf die Hagia Sophia zur\u00fcck.<\/p>\n\n\n\n

Die Hagia Sophia war Staatskirche des byzantinischen Reichs. F\u00fcr die Eroberer der letzte Schlussstein in der Kuppel osmanisch-muslimischen Herrschaftsanspruchs. Konstantinopel war ja 1453 nur noch eine isolierte, heruntergekommene Enklave in einem osmanischen Umfeld, kein christliches Heer kam zu Hilfe. Doch vorher war es zugleich Sperrriegel nach Osten und Geistesarchiv der antiken Kultur gewesen. \"Ohne Byzanz h\u00e4tte es kein Europa gegeben\", sagt die britische Altertumsforscherin Judith Herrin.<\/p>\n\n\n\n

\"\"\/
Freigelegtes Mosaik von \"Christos Pantokrator\".<\/figcaption><\/figure>\n\n\n\n

Neue Fragen<\/h3>\n\n\n\n

Die Kirche wurde von Mehmed II. und Nachfolgern nicht in der Substanz zerst\u00f6rt, sondern \"entchristlicht\". Die urspr\u00fcnglich \u00fcbert\u00fcnchten oder auch abgeschlagenen Mosaiken mit den Darstellungen von Christus, der Muttergottes, diversen Kaisern kamen zum Teil schon unter einem Sultan des 19. Jahrhunderts, dann gro\u00dfteils nach der Museumswidmung wieder zum Vorschein.<\/p>\n\n\n\n

Jetzt stellen sich neue symbolisch-praktische Fragen. Erdo\u011fan hat die Hagia Sophia der konservativen staatlichen Religionsbeh\u00f6rde Diyanet unterstellt. Die byzantinischen Mosaike, wie der gro\u00dfartige \"Christos Pantokrator\" (\"Weltenherrscher\") oder die Jungfrau Maria in der Apsis, m\u00fcssen wohl w\u00e4hrend des islamischen Gottesdiensts verh\u00e4ngt werden. Muss der Boden mit seinen Marmorplatten und Mosaiken mit einem Teppich bedeckt werden? Erdo\u011fan sagt, Touristen seien nach wie vor zugelassen. Aber sie werden wohl hinter Absperrungen bleiben m\u00fcssen. Frauen werden \u2013 wie in der benachbarten \"Blauen Moschee\" (\"Sultanahmed\") Kopftuch tragen m\u00fcssen.<\/p>\n\n\n\n

\"\"\/
Erdo\u011fan mit Gattin in der Hagia Sophia.<\/figcaption><\/figure>\n\n\n\n

Erdo\u011fans neue Abenteuer<\/strong><\/h3>\n\n\n\n

Aber wird da nicht doch zu viel in einen Formalakt rund um ein uraltes Bauwerk hineininterpretiert? Im geschichtlichen Kontext relativiert sich manches: Konstantinopel wurde schon von Christen erobert und ausgepl\u00fcndert \u2013 1204 im Vierten Kreuzzug. In der Moschee von Cordoba (\"Mezquita\") bauten die Katholiken eine ganze Kirche in den ber\u00fchmten S\u00e4ulenwald hinein. Die Mezquita ist heute noch Kirche, kein Museum.<\/p>\n\n\n\n

\"Das ist der Beweis, dass wir kein s\u00e4kularer Staat mehr sein wollen\", sagt Nobelpreistr\u00e4ger Orhan Pamuk. Erdo\u011fan betrachtet sich offenbar als auch neoosmanischer \"Fatih\" im Mittelmeerraum mit immer neuen Abenteuern: Eingreifen in Syrien, Stellvertreterkrieg in Libyen, Anspr\u00fcche auf Erdgasvorkommen weit vor der t\u00fcrkischen K\u00fcste bei Zypern, Reden, wonach manche \u00c4g\u00e4is-Inseln eigentlich zur T\u00fcrkei geh\u00f6ren, \"denn dort stehen unsere Moscheen\". Manches davon ist nur Rhetorik, aber genug anderes ist riskante Realit\u00e4t. (Hans Rauscher, 14.7.2020)<\/p>\n\n\n\n

Quelle<\/a><\/strong><\/p>\n","post_title":"Hagia Sophia: Verengung und Verarmung eines Welterbes","post_excerpt":"","post_status":"publish","comment_status":"closed","ping_status":"closed","post_password":"","post_name":"hagia-sophia-verengung-und-verarmung-eines-welterbes","to_ping":"","pinged":"","post_modified":"2025-02-02 08:39:39","post_modified_gmt":"2025-02-02 08:39:39","post_content_filtered":"","post_parent":0,"guid":"https:\/\/dctransparency.com\/?p=3792","menu_order":0,"post_type":"post","post_mime_type":"","comment_count":"0","filter":"raw"},{"ID":3789,"post_author":"7","post_date":"2020-08-14 13:56:07","post_date_gmt":"2020-08-14 13:56:07","post_content":"\n

Im Gastkommentar pocht Mark Leonard, Direktor des Europ\u00e4ischen Rats f\u00fcr Ausw\u00e4rtige Beziehungen, auf \"neue, einvernehmlich vereinbarte Prinzipien sowie klare Grenzen\", nur so k\u00f6nne eine weitere Destabilisierung in der Region verhindert werden.<\/em><\/strong><\/p>\n\n\n\n

Ist die T\u00fcrkei das neue Russland? Diese Frage wird in den europ\u00e4ischen Hauptst\u00e4dten zunehmend gestellt, da die Au\u00dfenpolitik des t\u00fcrkischen Pr\u00e4sidenten Recep Tayyip Erdo\u011fan zunehmend aggressiver wird. Erdo\u011fan nutzt nicht nur die Migration, um die EU zu bedrohen und zu betr\u00fcgen, sondern setzt auch milit\u00e4rische Macht ein, um den Einflussbereich der T\u00fcrkei auf die gesamte Region auszudehnen.<\/p>\n\n\n\n

Seit dem Ende des Kalten Krieges haben die Europ\u00e4er die regionale Sicherheit durch eine unipolare westliche Linse betrachtet. W\u00e4hrend die Nato die milit\u00e4rische Sicherheit garantierte, sorgte die EU mit ihrem 80.000 Seiten starken Regelwerk f\u00fcr alles von LGBTQ-Rechten bis hin zu Rasenm\u00e4her-Sound-Verordnungen f\u00fcr Rechtsordnung. In den 90er-Jahren ging man allgemein davon aus, dass die beiden gro\u00dfen nichtwestlichen regionalen Akteure, Russland und die T\u00fcrkei, nach und nach an diese Regelungen herangef\u00fchrt werden w\u00fcrden.<\/p>\n\n\n\n

Qu\u00e4lende Hassliebe<\/h3>\n\n\n\n

Doch in den letzten 15 Jahren ist der Traum von der europ\u00e4ischen Unipolarit\u00e4t einer multipolaren Realit\u00e4t gewichen. Sowohl Russland als auch die T\u00fcrkei haben eine lange, qu\u00e4lende Hassliebe zu Europa, und beide sind unter nationalen Machthabern, denen die Verachtung der Normen und Werte der EU gemeinsam ist, durchsetzungsf\u00e4higer geworden.<\/p>\n\n\n\n

Die zunehmende Verschlechterung der Beziehungen zwischen der EU und Russland ist gut dokumentiert, der Fall der T\u00fcrkei weniger. Der Irakkrieg im Jahr 2003 komplizierte das Verh\u00e4ltnis der T\u00fcrkei zur Nato, und ihr Verh\u00e4ltnis zur EU verschlechterte sich 2007, als Frankreich einen wichtigen Teil ihrer EU-Beitrittsverhandlungen blockierte. Seitdem hat die T\u00fcrkei ihren eigenen Weg in Syrien, auf dem Balkan und in Libyen eingeschlagen und neue Beziehungen zu Russland und China aufgebaut.<\/p>\n\n\n\n

Wichtiger Akteur<\/strong><\/h3>\n\n\n\n

Nat\u00fcrlich sind die Beziehungen zwischen der T\u00fcrkei und Russland nicht weniger kompliziert, nicht zuletzt weil Erdo\u011fan und der russische Pr\u00e4sident Wladimir Putin im syrischen B\u00fcrgerkrieg verschiedene Seiten unterst\u00fctzten.Und w\u00e4hrend die Spannungen wegen des Syrien-Konflikts weiterhin bestehen, bewundert Erdo\u011fan deutlich, wie Russland sich \u2013 bei relativ geringen Kosten \u2013 wieder als wichtiger Akteur im Nahen Osten und in Nordafrika etabliert hat.<\/p>\n\n\n\n

Nachdem er in einen nicht zu gewinnenden Krieg im Osten der Ukraine verwickelt war, schien Putins weitgehend erfolgreicher Feldzug in Syrien einen Teil seiner innenpolitischen Autorit\u00e4t wiederherzustellen. Der Westen hatte f\u00fcnf Jahre lang darauf bestanden, dass es keine milit\u00e4rische L\u00f6sung des Konflikts gebe und dass der syrische Pr\u00e4sident Baschar al-Assad gehen m\u00fcsse. Doch w\u00e4hrend die von den Vereinten Nationen unterst\u00fctzten Gespr\u00e4che in Genf zu keinem Ergebnis f\u00fchrten, schienen die von Russland geleiteten Gespr\u00e4che in Astana voranzukommen. Indem der Kreml die T\u00fcrkei und den Iran einbezog, w\u00e4hrend er die westlichen M\u00e4chte ausschloss, erweckte er den Eindruck, dass Russland als wiedergeborene Supermacht aus der Asche auferstanden sei.<\/p>\n\n\n\n

Unter Druck<\/h3>\n\n\n\n

Angesichts des wachsenden Widerstands im eigenen Land macht es Erdo\u011fan Putin gleich. Da der Westen nicht bereit war, (erneut) milit\u00e4risch in Libyen zu intervenieren, sah Erdo\u011fan eine Gelegenheit, die T\u00fcrkei zu positionieren. Nach dem Vorgehen Russlands in Syrien sicherte er sich eine formelle Einladung der libyschen Regierung zur Intervention. Mit einem Schlag Ende letzten Jahres hat er nicht nur das Image der T\u00fcrkei als Regionalmacht gest\u00e4rkt, sondern auch ein Abkommen mit Libyen \u00fcber die Seegrenze abgeschlossen und damit einen Plan Griechenlands, Zyperns, \u00c4gyptens und Israels zur Erschlie\u00dfung von Unterwasser\u00f6l- und -gasfeldern in der N\u00e4he zunichtegemacht.<\/p>\n\n\n\n

Erdo\u011fan scheint auch von der Spalt-und-Eroberungs-Strategie des Kreml in Europa inspiriert worden zu sein, der zufolge oft diejenigen EU-Mitgliedsstaaten unter Druck gesetzt werden, die am meisten von russischen Kohlenwasserstoffen oder M\u00e4rkten abh\u00e4ngig sind. So wie Putin lange Zeit die Energieversorgung instrumentalisiert hat, hat Erdo\u011fan versucht, den Strom von Migranten und Fl\u00fcchtlingen, die vor Konflikten im Nahen Osten fliehen, zu instrumentalisieren. Als die EU eine neue Marinemission ank\u00fcndigte, um den Waffenstrom nach Libyen zu blockieren, malte die T\u00fcrkei f\u00fcr Malta das Schreckgespenst der angeblichen Bedrohung durch Migranten an die Wand. Malta reagierte prompt und signalisierte, dass es gegen die Finanzierung der Mission ein Veto einlegen werde.<\/p>\n\n\n\n

Verlorener Sohn<\/strong><\/h3>\n\n\n\n

Jahrelang redeten sich die Europ\u00e4er ein, dass Russland eine Art verlorener Sohn sei und dass die europ\u00e4ische unipolare Ordnung gesund bleibe. Doch das machte Europa zu einem leichten Ziel f\u00fcr die Trennungs-und-Eroberungs-Strategie des Kreml. Erst vor relativ kurzer Zeit entwarf die Union eine neue Politik und ein robustes Sanktionsregime, um die russische Aggression abzuschrecken. Und selbst jetzt \u2013 trotz der besten Bem\u00fchungen der deutschen Bundeskanzlerin Angela Merkel und des franz\u00f6sischen Pr\u00e4sidenten Emmanuel Macron \u2013 hat die EU noch immer keine wirksamen Kommunikationskan\u00e4le mit Russland geschaffen, um gemeinsame Probleme anzugehen.<\/p>\n\n\n\n

Die T\u00fcrkei ist noch kein neues Russland, aber sie k\u00f6nnte dazu werden, wenn die Situation falsch gehandhabt wird. Vorerst betrachten die meisten Europ\u00e4er die T\u00fcrkei noch immer als einen komplizierten Partner und nicht als \"Systemrivalen\". Aber die Europ\u00e4er sollten die hart erk\u00e4mpften Lehren aus dem Umgang mit Russland in den letzten 15 Jahren beherzigen. Die Beziehungen zwischen der EU und der T\u00fcrkei brauchen neue, einvernehmlich vereinbarte Prinzipien sowie klare Grenzen, um eine weitere Destabilisierung in der Region zu verhindern.<\/p>\n\n\n\n

Zu diesem Zweck sollten die Europ\u00e4er klarstellen, dass der EU-Beitrittsprozess entweder zur\u00fcckgedreht oder vorangetrieben werden kann und dass eine eher transaktionale Beziehung sowohl Zuckerbrot als auch Peitsche beinhaltet. Die Herausforderung wird darin bestehen, daf\u00fcr zu sorgen, dass es in einer Region, die nicht nur von Europa und der T\u00fcrkei, sondern auch von Russland, den USA und einem aufstrebenden China beeinflusst wird, noch Raum f\u00fcr politisches Engagement in Fragen der gemeinsamen Sicherheit gibt. (Mark Leonard, \u00dcbersetzung: Eva G\u00f6llner, Copyright: Project Syndicate, 10.8.2020)<\/p>\n\n\n\n

Mark Leonard <\/strong>ist Direktor des Europ\u00e4ischen Rats f\u00fcr Ausw\u00e4rtige Beziehungen.<\/a><\/p>\n","post_title":"Erdo\u011fan \u2013 der andere Putin vor der Haust\u00fcr Europas","post_excerpt":"","post_status":"publish","comment_status":"closed","ping_status":"closed","post_password":"","post_name":"erdogan-der-andere-putin-vor-der-haustur-europas","to_ping":"","pinged":"","post_modified":"2025-02-02 08:39:39","post_modified_gmt":"2025-02-02 08:39:39","post_content_filtered":"","post_parent":0,"guid":"https:\/\/dctransparency.com\/?p=3789","menu_order":0,"post_type":"post","post_mime_type":"","comment_count":"0","filter":"raw"},{"ID":3786,"post_author":"7","post_date":"2020-08-14 13:51:23","post_date_gmt":"2020-08-14 13:51:23","post_content":"\n

Einen Monat nachdem ich zur israelischen Armee eingezogen worden war, brach die erste Intifada aus. Statt Soldat zu sein, machte ich Polizeiarbeit, sagte den Menschen, wann sie zur Arbeit gehen konnten und wann sie ihre L\u00e4den schlie\u00dfen mussten, wann sie die Grenze passieren und wann sie schlafen konnten. Einen Monat nachdem ich aus der Armee entlassen worden war, ging ich auf Reisen. (In Israel sagen wir: Wir dienen drei Jahre und versuchen den Rest unseres Lebens, diese drei Jahre zu vergessen.) Auf meiner Reise begann ich Briefe an meine Freundin zu schreiben, die ich in Israel zur\u00fcckgelassen hatte.<\/p>\n\n\n\n

Ich schrieb ihr, wie schrecklich depressiv ich war und dass diese drei Jahre des Anweisungenbellens und Anderen-Menschen-Sagens, was sie zu tun haben, mich f\u00fcr immer verfolgen w\u00fcrden. Dass sie ein Teil dessen geworden waren, was ich bin. Ich erinnere mich, dass ich ihr schrieb, dass wir da rausm\u00fcssen \u2013 nicht nur f\u00fcr die Pal\u00e4stinenser, sondern wegen der furchtbaren und brutalen Auswirkungen, die all das auf uns, auf die israelische Gesellschaft haben w\u00fcrde. Sie schrieb zur\u00fcck: \u201eDu hast recht. Ich habe einen neuen Freund.\u201c<\/p>\n\n\n\n

Felix Klein wurde als Beauftragter der Bundesregierung berufen<\/a>, um die Auswirkungen des zunehmenden Antisemitismus in unserer Gesellschaft, in Deutschland, zu bek\u00e4mpfen. Was nicht in seiner Jobbeschreibung steht, ist, dass er dabei unsere Gesellschaft heilen muss, jene Gesellschaft, die diese Form des Hasses reproduziert und sch\u00fctzt. Klein hat das begriffen.<\/p>\n\n\n\n

Er versteht, dass man Krebs nicht mit einem Pflaster verarztet, er wei\u00df, dass er das Bewusstsein der Deutschen sch\u00e4rfen und Diskussionen ansto\u00dfen muss. Er hat begriffen, dass das Problem nicht nur an den R\u00e4ndern der Gesellschaft (bei den Rechten) liegt, sondern auch in ihrer Mitte. Dort, wo gebildete Menschen nicht einmal bemerken, dass das, was sie sagen und tun, antisemitisch ist. So wie sie es auch nicht merken, wenn sie rassistisch handeln. Er hat all das verstanden, und genau deshalb wollen einige, dass er seinen Posten r\u00e4umt.<\/p>\n\n\n\n

Mehr als 60 deutsche und israelische Intellektuelle haben letzte Woche in einem Brief an Kanzlerin Merkel<\/a> dar\u00fcber geklagt, dass der aktuelle \u201eGebrauch des Antisemitismusbegriffs\u201c darauf abziele, \u201elegitime Kritik an der israelischen Regierungspolitik zu unterdr\u00fccken\u201c, und Klein vorgeworfen, rechtspopulistische israelische Stimmen zu f\u00f6rdern.<\/p>\n\n\n\n

Faszinierend an diesem offenen Brief ist, dass viele der Unterzeichneten keine Deutschen sind und auch nicht in Deutschland leben. Ich wei\u00df nicht, woher sie \u2013 die meisten von ihnen sind Israelis \u2013 die Chuzpe haben, sich in eine innerdeutsche Angelegenheit einzumischen und zu fordern, eine Person zu entlassen, die von der Bundesregierung eingesetzt wurde. Die H\u00e4lfte der Unterzeichneten lebt nicht hier, von der anderen H\u00e4lfte sind viele keine Juden \u2013 somit sind die allermeisten von ihnen nicht direkt vom Antisemitismus in Deutschland betroffen. Wie also k\u00f6nnen sie diesen Brief unterschreiben? Und warum eigentlich haben so wenige Deutsche unterschrieben? Dazu komme ich gleich.<\/p>\n\n\n\n

Debatte um Achille Mbembe<\/h6>\n\n\n\n

Hintergrund des Briefs war, dass Felix Klein gefordert hatte, den Philosophen Achille Mbembe<\/a> nicht die Er\u00f6ffnungsrede der Ruhrtriennale halten zu lassen. Als mit \u00f6ffentlichen Mitteln gef\u00f6rdertes Event solle die Ruhrtriennale Mbembe wegen seiner Haltung zu Israels Existenzrecht, seiner Haltung zu BDS und der Art, wie er in einem seiner Werke den Holocaust relativiert, nicht einladen.<\/p>\n\n\n\n

Mbembes Unterst\u00fctzer sagen, keine dieser Anschuldigungen sei wahr. F\u00fcrs Protokoll: In meinen Augen unterst\u00fctzt Mbembe sehr wohl BDS<\/a>, er schrieb unter anderem das Vorwort zu \u201eApartheid Israel\u201c und fordert die komplette Isolation Israels. Ich glaube auch, wenn Mbembe schreibt, die israelische Besetzung sei der \u201egr\u00f6\u00dfte moralische Skandal unserer Zeit\u201c, zeigt das, dass sein moralischer und geografischer Kompass etwas schief ist.<\/p>\n\n\n\n

Doch warum treibt die Debatte so viele Menschen um? Nun, zun\u00e4chst gibt niemand gern auf, was ihm oder ihr selbstverst\u00e4ndlich scheint. \u00dcber den gesamten politischen, sozialen, kulturellen, medialen und akademischen Sektor hinweg sind Menschen daran gew\u00f6hnt, so schlecht \u00fcber Israel sprechen zu k\u00f6nnen, wie auch immer sie wollen.<\/p>\n\n\n\n

Der Spiegel<\/em> hat \u2013 vielleicht in Anlehnung an seine Relotius-Standards, Israel erst k\u00fcrzlich eine Corona-Diktatur genannt. Fakten und Belege f\u00fcr diese Behauptung gab es nicht. Doch Millionen Deutsche haben es gelesen, und es wird nat\u00fcrlich haften bleiben. Faktenlage hin oder her. Der Spiegel<\/em> und andere Medien haben dieses Spiel perfektioniert: Titel so zu drehen, dass sie Israel indirekt anklagen, die Idee zu streuen, der Mossad kon\u00adtrol\u00adliere die deutsche Au\u00dfenpolitik im Nahen Osten, und so fort. Doch sie stehen allesamt sofort auf den Hinterbeinen, wenn jemand es wagt, das Spiel beim Namen zu nennen: moderner Antisemitismus.<\/p>\n\n\n\n

Klein will dem entgegenwirken. Er versteht, dass antisemitische Attacken in Deutschland die Fr\u00fcchte solch falsch gezeichneter Bilder und eindimensionaler Narrative \u00fcber Israel sind. Wenn er und andere versuchen, ein anderes Narrativ aufzuzeigen, wirft man ihnen Zensur vor: Wie k\u00f6nnen sie es wagen, das Gesch\u00e4ft der Anti-Israel-Propaganda zu st\u00f6ren?<\/p>\n\n\n\n

Liebe Deutsche, wenn ihr reden wollt, lasst uns gern reden: \u00fcber die Besetzung, \u00fcber Bibi und alles, was schiefl\u00e4uft. Aber dann lasst uns bitte auch dar\u00fcber reden, wie deutsche Steuergelder Terrortunnel finanzieren. Erst vergangene Woche r\u00e4umte die niederl\u00e4ndische Regierung ein, dass Gelder an eine Landwirtschaftsorganisation in Ramallah geflossen seien, die damit teilweise die Geh\u00e4lter zweier des Mordes an der 17-j\u00e4hrigen Israelin Rina Shnerb Verd\u00e4chtiger gezahlt haben. Auch die Bundesregierung unterst\u00fctzt diese Organisation, obwohl Kritiker schon lange vor Verbindungen zu Terroristen warnen.<\/p>\n\n\n\n

Wir k\u00f6nnen uns also gerne unterhalten \u2013 aber im Dialog, nicht in Monologen. Denn Reden unter Menschen, die sich einig sind, ist nichts anderes als Impotenz.<\/p>\n\n\n\n

Israelkritik als Eintrittskarte<\/h6>\n\n\n\n

Die Israelis, die die Petition unterzeichnet haben, haben \u00fcbrigens ebenfalls etwas verstanden. Seit Jahren wissen sie: Es ist ihre Eintrittskarte in die Mitte der deutschen (und europ\u00e4ischen) Gesellschaft. Man h\u00f6rt nicht oft von Akademikern mit proisraelischen Ansichten. Weder in den Philharmonie-Orchestern noch in der Kunstszene. Die Eintrittskarte daf\u00fcr ist ein antiisraelischer Standpunkt.<\/p>\n\n\n\n

Der mutma\u00dfliche Grund, warum kaum Deutsche die Petition unterzeichnet haben: Sie mussten es nicht. Ihre Lieblingsjuden haben es f\u00fcr sie getan. Jetzt k\u00f6nnen sie sagen: \u201eSchau, ich bin das ja nicht, meine j\u00fcdischen Freunde sagen es.\u201c Ich selbst war einige Jahre lang mit einem Paar hier in Berlin befreundet, bis ich herausfand, dass ich ihr Lieblingsjude war. Ja, selbst das j\u00fcdische Museum wurde so genutzt.<\/p>\n\n\n\n

Weil Attacken gegen Juden ein absolutes Tabu sind, wurden Umwege gefunden, um den Antisemitismus auf kleiner Flamme k\u00f6cheln zu lassen: die unfundierte, unbegr\u00fcndete Kritik an Israel.<\/p>\n\n\n\n

Diese Art der Kritik ist gef\u00e4hrlich. Sie schw\u00e4cht jede begr\u00fcndete und notwendige Kritik am Verhalten Israels. Und das Interessante ist: Trotz all der heftigen, pauschalisierenden Anklagen, all der offenen Briefe driftet Israel politisch immer weiter nach rechts. Doch statt mal einen anderen Ansatz zu versuchen, werden die antiisraelischen Stimmen nur lauter. Dasselbe versuchen und andere Ergebnisse davon erwarten \u2013 das ist die Definition von Wahnsinn.<\/p>\n\n\n\n

Kurz bevor der Prozess gegen den wegen des Attentats von Halle<\/a> Angeklagten begann \u2013 des seit Kriegsende schlimmsten Akts von Antisemitismus in Deutschland \u2013, lud eine Lokalzeitung den fr\u00fcheren Botschafter Shimon Stein und den Historiker Moshe Zimmermann ein, dar\u00fcber zu schreiben, was Antisemitismus ist. Nat\u00fcrlich wendeten auch sie sich gegen Felix Kleins Ansatz. Sie zitieren die Kontroverse um die Umbenennung der U-Bahn-Station Mohrenstra\u00dfe in Glinkastra\u00dfe, die sich darum drehte, dass der russische Komponist Michael Glinka Antisemit gewesen sein soll. Stein und Zimmermann halten die Debatte f\u00fcr \u00fcberzogen, Glinka sei nur ein Kind seiner Zeit gewesen. Folgt man ihrer Logik, k\u00f6nnen wir dann also in 20 oder 30 Jahren U-Bahn-Stationen nach den Kindern der 1930er Jahre benennen?<\/p>\n\n\n\n

Der Antisemit als Tierfreund<\/h6>\n\n\n\n

Ich w\u00fcnschte, die Sache h\u00e4tte mit dem Artikel, mit der Petition geendet. Doch dann erschien ein Artikel, der den Leser auf einen Waldspaziergang mit einem veganen Koch und Antisemiten mitnahm. Darin setzt der Tierfreund erst behutsam einen K\u00e4fer wieder auf seine Beinchen und erkl\u00e4rt dann, dass die Todesstrafe in Deutschland wieder eingef\u00fchrt werden solle, um einen gewissen Politiker (der zuf\u00e4llig pro Israel ist) an seinen Hoden aufh\u00e4ngen zu k\u00f6nnen. Dieser Koch hat Hunderttausende Follower, er sagt all solche Dinge am helllichten Tag in Berlin. Und in den Medien.<\/p>\n\n\n\n

F\u00e4lle wie dieser handeln bereits von Gewalt \u2013 und sie enden nicht bei den Juden. Der Hass richtet sich gegen Frauen<\/a>, Muslime, Gefl\u00fcchtete, \u00adLBTQI. Am Ende aller theoretischen Debatten stehen immer echte Menschen. Am Ende jeder Konferenz dar\u00fcber, was Antisemitismus ausmacht, steht ein potenzielles j\u00fcdisches Opfer. Angesichts einer Welle von Antisemitismus \u00fcber die Definition von Antisemitismus zu streiten ist, wie eine 10 Meter hohe Welle heranrollen zu sehen und dar\u00fcber zu streiten, was einen Tsunami ausmacht.<\/p>\n\n\n\n

Felix Klein versteht, wie absurd es ist, zu sagen: Es sind nur die Rechten. Die Rechten sind Deutsche, so wie die Nazis Deutsche waren. Klein versteht, dass die Deutschen nicht aufgeh\u00f6rt haben, Juden zu ermorden, weil sie irgendeine Art von Erleuchtung hatten. Sondern schlicht, weil sie den Krieg verloren haben. Um den Antisemitismus zu bek\u00e4mpfen, bevor er die Gesellschaft frisst, in der er und wir leben, muss Deutschland seinen moralischen Kompass korrigieren.<\/p>\n\n\n\n

Immerhin: Mehr und mehr Deutsche fahren nach Israel, sie wollen ein anderes Narrativ h\u00f6ren. Mehr und mehr Deutsche verstehen, dass Antisemitismus Schockwellen ausl\u00f6st, die die gesamte Gesellschaft betreffen. In einem normalen Universum w\u00fcrde Klein bef\u00f6rdert werden f\u00fcr seine Leistung. In einer verdrehten Gesellschaft fordern Menschen seine Entlassung. Um es mit Mbembe zu sagen: Das ist Nano-Nonsens.<\/p>\n\n\n\n

\u00dcbersetzung: Ariane Lemme<\/a><\/em><\/p>\n","post_title":"Felix Klein hat verstanden","post_excerpt":"","post_status":"publish","comment_status":"closed","ping_status":"closed","post_password":"","post_name":"felix-klein-hat-verstanden","to_ping":"","pinged":"","post_modified":"2025-02-02 08:39:39","post_modified_gmt":"2025-02-02 08:39:39","post_content_filtered":"","post_parent":0,"guid":"https:\/\/dctransparency.com\/?p=3786","menu_order":0,"post_type":"post","post_mime_type":"","comment_count":"0","filter":"raw"}],"next":false,"prev":true,"total_page":47},"paged":1,"column_class":"jeg_col_2o3","class":"epic_block_3"};

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\"Wir haben gesehen, wie unsere Kollegen starben, ihren letzten Atemzug machten und wir konnten nichts tun ... Es gab Leute, deren Oberk\u00f6rper von ihren K\u00f6rpern getrennt waren. Es war ein schreckliches Verbrechen, ein Verbrechen, das nichts mit der Menschheit zu tun hat. \"\"<\/p>\n\n\n\n

Sieben Monate nach dem Streik hat niemand die Verantwortung f\u00fcr die T\u00f6tung dieser jungen M\u00e4nner eingestanden.<\/p>\n\n\n\n

Die LNA unter Gen Khalifa Haftar bestritt, dass sie hinter dem Streik steckt, und teilte der Presse mit, dass die Explosion m\u00f6glicherweise durch eine lokal abgefeuerte M\u00f6rsergranate oder einen Angriff innerhalb der Akademie verursacht worden sei.<\/p>\n\n\n\n

Was hat die BBC gefunden?<\/strong><\/p>\n\n\n\n

Die Untersuchung ergab Hinweise darauf, dass eine viel ausgefeiltere Waffe verwendet wurde.<\/p>\n\n\n\n

\"\"<\/figure>\n\n\n\n

Die BBC betrachtete Bilder des Splitters, der nach dem Streik auf dem Exerzierplatz zur\u00fcckgelassen wurde, und kam zu dem Schluss, dass er mit den Komponenten einer Rakete namens Blue Arrow 7 \u00fcbereinstimmte.<\/p>\n\n\n\n

Unsere Analyse ergab, dass nur ein Flugzeug, das im Januar 2020 \u00fcber Tripolis operierte, diese Waffe abfeuern konnte - eine Drohne namens Wing Loong 2.<\/p>\n\n\n\n

Nur drei Wochen vor diesem Streik kamen die Vereinten Nationen zu dem Schluss, dass der Blaue Pfeil 7 \"ballistisch gepaart ist, um vom Wing Loong II geliefert zu werden ... und von keinem anderen in Libyen bisher identifizierten Luftfahrtgut\".<\/p>\n\n\n\n

Die BBC untersuchte auch, woher diese Drohne stammen k\u00f6nnte, und fand Hinweise darauf, dass Wing Loong-Drohnen zum Zeitpunkt des Angriffs nur von einem libyschen Luftwaffenst\u00fctzpunkt aus operierten: al-Khadim im von der LNA kontrollierten Ostlibyen.<\/p>\n\n\n\n

Sowohl die BBC als auch die UN haben Beweise daf\u00fcr gefunden, dass Drohnen, die von diesem Luftwaffenst\u00fctzpunkt aus operieren, zu den Vereinigten Arabischen Emiraten geh\u00f6ren.<\/p>\n\n\n\n

Im Jahr 2019 stellte die UNO fest, dass die VAE durch den Versand von Wing Loong-Drohnen und Blue Arrow 7-Raketen nach Libyen gegen das seit 2011 geltende UN-Waffenembargo gegen das Land versto\u00dfen hatten.<\/p>\n\n\n\n

Die BBC fand auch ein Waffenregister, aus dem hervorgeht, dass die VAE 2017 15 Wing Loong-Drohnen und 350 Blue Arrow 7-Raketen gekauft haben.<\/p>\n\n\n\n

Was hat die BBC noch aufgedeckt?<\/strong><\/p>\n\n\n\n

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Die BBC-Untersuchung ergab auch neue Beweise daf\u00fcr, dass \u00c4gypten den VAE erlaubt, \u00e4gyptische Milit\u00e4rflugpl\u00e4tze nahe der libyschen Grenze zu nutzen.<\/p>\n\n\n\n

Im Februar 2020 scheinen die in Libyen stationierten Wing Loong II-Drohnen \u00fcber die Grenze nach \u00c4gypten zu einem Luftwaffenst\u00fctzpunkt in der N\u00e4he von Siwa in der west\u00e4gyptischen W\u00fcste gebracht worden zu sein.<\/p>\n\n\n\n

Satellitenbilder zeigen auch, dass ein zweiter \u00e4gyptischer Milit\u00e4rflugplatz, Sidi Barrani, als Einsatzbasis f\u00fcr Mirage 2000-Kampfflugzeuge verwendet wurde, die in Farben lackiert sind, die nicht von der \u00e4gyptischen Luftwaffe verwendet werden, aber genau den von den VAE geflogenen Jets entsprechen .<\/p>\n\n\n\n

Dies ist das gleiche Flugzeugmodell, das von den Vereinten Nationen in einen Luftangriff auf ein Migrationszentrum \u00f6stlich von Tripolis im Juli 2019 verwickelt wurde, bei dem 53 Menschen get\u00f6tet wurden.<\/p>\n\n\n\n

Ausl\u00e4ndischer Jet bei libyschem Migrantenangriff verd\u00e4chtigt<\/p>\n\n\n\n

Sidi Barrani ist auch das Ziel f\u00fcr mehrere Frachtflugzeuge, die von den Vereinigten Arabischen Emiraten gestartet sind, und schl\u00e4gt eine Luftbr\u00fccke f\u00fcr Ausr\u00fcstung oder Lieferungen zwischen den Vereinigten Arabischen Emiraten und einer Milit\u00e4rbasis vor, die nur 80 km von der libyschen Grenze entfernt liegt.<\/p>\n\n\n\n

Die \u00e4gyptische Regierung antwortete nicht auf die Bitte der BBC um Stellungnahme.<\/p>\n\n\n\n

Ist ausl\u00e4ndisches milit\u00e4risches Engagement \u00fcberraschend?<\/strong><\/p>\n\n\n\n

Sowohl die Vereinigten Arabischen Emirate als auch \u00c4gypten nahmen an einer von Bundeskanzlerin Angela Merkel im Januar dieses Jahres in Berlin einberufenen Konferenz \u00fcber Libyen teil, auf der sie ihre Unterst\u00fctzung f\u00fcr den UN-Friedensprozess bekr\u00e4ftigten und sich bereit erkl\u00e4rten, nicht in den Libyen-Krieg einzugreifen.<\/p>\n\n\n\n

Im vergangenen Jahr gab es jedoch eine Eskalation des Einsatzes von Drohnen durch beide Seiten des Konflikts.<\/p>\n\n\n\n

Ghassan Salam\u00e9, der fr\u00fchere Leiter der UN-Mission in Libyen, beschrieb dies als \"m\u00f6glicherweise das gr\u00f6\u00dfte Drohnenkriegstheater der Welt\".<\/p>\n\n\n\n

Die VAE sind nicht die einzige ausl\u00e4ndische Macht, die an diesem Konflikt beteiligt ist.<\/p>\n\n\n\n

Anfang dieses Jahres gab BBC Africa Eye bekannt, dass die T\u00fcrkei auch gegen das Waffenembargo der Vereinten Nationen gegen Libyen versto\u00dfen hat, indem sie geheime Waffenlieferungen an die von den Vereinten Nationen anerkannte Regierung in Tripolis gesendet hat.<\/p>\n\n\n\n

Mit Unterst\u00fctzung der T\u00fcrkei hat die von den Vereinten Nationen anerkannte Regierung des Nationalen Abkommens nun die LNA von Gen Haftar aus der Gegend um Tripolis zur\u00fcckgeschlagen.<\/p>\n","post_title":"BBC-Untersuchung: VAE in t\u00f6dlichen Angriff in Libyen verwickelt","post_excerpt":"","post_status":"publish","comment_status":"closed","ping_status":"closed","post_password":"","post_name":"bbc-untersuchung-vae-in-todlichen-angriff-in-libyen-verwickelt","to_ping":"","pinged":"","post_modified":"2025-02-02 08:39:39","post_modified_gmt":"2025-02-02 08:39:39","post_content_filtered":"","post_parent":0,"guid":"https:\/\/dctransparency.com\/?p=3811","menu_order":0,"post_type":"post","post_mime_type":"","comment_count":"0","filter":"raw"},{"ID":3792,"post_author":"7","post_date":"2020-08-14 13:58:48","post_date_gmt":"2020-08-14 13:58:48","post_content":"\n

Die Hagia Sophia war (ist) ein kulturelles Weltwunder und aufgeladen mit symbolischer Bedeutung, f\u00fcr die Christenheit ebenso wie f\u00fcr den Islam \u2013 und den t\u00fcrkischen Nationalismus. Als Mehmed II. sie betrat, war sie schon fast 1000 Jahre die gr\u00f6\u00dfte Kirche der christlichen Welt und das Zentrum der orthodoxen Glaubensrichtung. Die \"Ayasofya\", wie sie dann hie\u00df, war 500 Jahre lang Moschee \u2013 bis 1934, als Kemal Pascha Atat\u00fcrk, der \"Vater\" der modernen T\u00fcrkei, sie in ein Museum verwandelte, in der ausdr\u00fccklichen Absicht, auch hier mit dem osmanischen Erbe zu brechen.<\/p>\n\n\n\n

Nun wird Pr\u00e4sident Recep Tayyip Erdo\u011fan, der \"Vater\" der re-islamisierten T\u00fcrkei, am 24. Juli dieses Jahres die Ayasofya durch das Freitagsgebet wieder in den Islam eingliedern. Oder eher in seinen pers\u00f6nlichen religi\u00f6sen Nationalismus.<\/p>\n\n\n\n

Welterbe von allen<\/h3>\n\n\n\n

Wie bedeutungsschwer ist dieser Akt eines \"starken Mannes\", der innenpolitisch deutlich schw\u00e4chelt? Die Proteste vor allem aus der orthodoxen Welt, aber auch aus Europa und den USA sind eher traurig als w\u00fctend. Der Papst dr\u00fcckte seinen \"Schmerz\" aus. Auch der Jubel in der islamischen Welt fiel zun\u00e4chst weniger \u00fcbersch\u00e4umend als erwartet aus.<\/p>\n\n\n\n

Ist es der Alleingang eines Autokraten in Bedr\u00e4ngnis oder ist \"der Jubel \u00fcber die Eroberung der Hagia Sophia der Versuch einer zutiefst erniedrigten, vom Gef\u00fchl der Wertlosigkeit dominierten und in ihrer eigenen Selbstberechtigung beraubten Gesellschaft, eine Bedeutung, eine St\u00e4rke, ein Selbstwertgef\u00fchl zu finden\"? So recht pauschalierend der in Deutschland lebende pal\u00e4stinensische Intellektuelle und Psychiater Ahmad Mansour.<\/p>\n\n\n\n

Die beiden Gro\u00dfreiche, das byzantinische und das osmanische, sind l\u00e4ngst versunken.<\/p><\/blockquote>\n\n\n\n

Das eigentliche Schl\u00fcsselwort im Zusammenhang mit der Hagia Sofia ist \"Welterbe\". Das Erbe von allen. Einmal im kulturellen Sinn der Unesco, aber in Wahrheit weiter gefasst. Das einzigartige Bauwerk geh\u00f6rt in Wirklichkeit der ganzen Welt, nicht der einen oder anderen Religion. Die beiden Gro\u00dfreiche, f\u00fcr die die Hagia Sofia der zentrale spirituelle Bau war, das byzantinische und das osmanische, sind l\u00e4ngst versunken. Seither hat sie eine neue, \u00fcbernationale Dimension erhalten. Was Erdo\u011fan da jetzt mit der Hagia Sofia macht, ist eine Verengung und Verarmung eines gemeinsamen Welterbes.<\/p>\n\n\n\n

\"\"\/
Betende Muslime vor der Hagia Sophia.<\/figcaption><\/figure>\n\n\n\n

Davon abgesehen aber war und ist sie ein architektonisches Meisterwerk und geh\u00f6rt zu den bedeutendsten Bauten der Welt. Wer heute den Zentralraum unter der Kuppel betritt, kann sich nur schwer dem zugleich majest\u00e4tischen wie schwebenden Gesamteindruck entziehen. Die Hagia Sophia blieb fast 1000 Jahre die gr\u00f6\u00dfte Kirche der Christenheit. Technisch war die Kuppel (mit mehreren Halbkuppeln) eine \u00fcberaus riskante Innovation: Die 55 Meter hohe und 32 Meter im Durchmesser breite Kuppel ruht auf nur vier Tragpunkten, was den schwebenden, schwerelosen Eindruck erzeugt. Die Konstruktion folgt einem mathematischen Prinzip, das erst k\u00fcrzlich entschl\u00fcsselt wurde.<\/p>\n\n\n\n

\"Salomo, ich habe dich \u00fcbertroffen!\"<\/p><\/blockquote>\n\n\n\n

Als Kaiser Justinian die Hagia Sophia nach nur f\u00fcnf Jahren Bauzeit (532\u2013537) betrat, soll er in Anspielung auf den Tempel in Jerusalem ausgerufen haben: \"Salomo, ich habe dich \u00fcbertroffen!\" Die Innenausstattung war mit ihren S\u00e4ulen aus Porphyr und gr\u00fcnem Marmor, mit Mosaiken aus Gold und Halbedelsteinen derart prunkvoll, der Gesamteindruck derart \u00fcberirdisch, dass eine Delegation des Gro\u00dff\u00fcrsten von Kiew nicht mehr wusste, \"ob wir im Himmel oder auf der Erde\" waren \u2013 was die Christianisierung Russlands bef\u00f6rderte.<\/p>\n\n\n\n

Der deutsche Architekturlehrer Holger Kleine nennt die Hagia Sophia \"absolute Architektur\", weil sie \"extreme Ausdrucksformen nahezu aller dramaturgischen Mittel, die der Architektur zur Verf\u00fcgung stehen, vereinigt: wuchtigste K\u00f6rper und luftigste R\u00e4ume, engste Enge und gr\u00f6\u00dfte Weite, w\u00e4rmende Helligkeit und mystisches Dunkel\". Und die Kuppelbauten aus der sp\u00e4teren Hochbl\u00fcte der Moscheenarchitektur im 16. und 17. Jahrhundert gehen eindeutig auf die Hagia Sophia zur\u00fcck.<\/p>\n\n\n\n

Die Hagia Sophia war Staatskirche des byzantinischen Reichs. F\u00fcr die Eroberer der letzte Schlussstein in der Kuppel osmanisch-muslimischen Herrschaftsanspruchs. Konstantinopel war ja 1453 nur noch eine isolierte, heruntergekommene Enklave in einem osmanischen Umfeld, kein christliches Heer kam zu Hilfe. Doch vorher war es zugleich Sperrriegel nach Osten und Geistesarchiv der antiken Kultur gewesen. \"Ohne Byzanz h\u00e4tte es kein Europa gegeben\", sagt die britische Altertumsforscherin Judith Herrin.<\/p>\n\n\n\n

\"\"\/
Freigelegtes Mosaik von \"Christos Pantokrator\".<\/figcaption><\/figure>\n\n\n\n

Neue Fragen<\/h3>\n\n\n\n

Die Kirche wurde von Mehmed II. und Nachfolgern nicht in der Substanz zerst\u00f6rt, sondern \"entchristlicht\". Die urspr\u00fcnglich \u00fcbert\u00fcnchten oder auch abgeschlagenen Mosaiken mit den Darstellungen von Christus, der Muttergottes, diversen Kaisern kamen zum Teil schon unter einem Sultan des 19. Jahrhunderts, dann gro\u00dfteils nach der Museumswidmung wieder zum Vorschein.<\/p>\n\n\n\n

Jetzt stellen sich neue symbolisch-praktische Fragen. Erdo\u011fan hat die Hagia Sophia der konservativen staatlichen Religionsbeh\u00f6rde Diyanet unterstellt. Die byzantinischen Mosaike, wie der gro\u00dfartige \"Christos Pantokrator\" (\"Weltenherrscher\") oder die Jungfrau Maria in der Apsis, m\u00fcssen wohl w\u00e4hrend des islamischen Gottesdiensts verh\u00e4ngt werden. Muss der Boden mit seinen Marmorplatten und Mosaiken mit einem Teppich bedeckt werden? Erdo\u011fan sagt, Touristen seien nach wie vor zugelassen. Aber sie werden wohl hinter Absperrungen bleiben m\u00fcssen. Frauen werden \u2013 wie in der benachbarten \"Blauen Moschee\" (\"Sultanahmed\") Kopftuch tragen m\u00fcssen.<\/p>\n\n\n\n

\"\"\/
Erdo\u011fan mit Gattin in der Hagia Sophia.<\/figcaption><\/figure>\n\n\n\n

Erdo\u011fans neue Abenteuer<\/strong><\/h3>\n\n\n\n

Aber wird da nicht doch zu viel in einen Formalakt rund um ein uraltes Bauwerk hineininterpretiert? Im geschichtlichen Kontext relativiert sich manches: Konstantinopel wurde schon von Christen erobert und ausgepl\u00fcndert \u2013 1204 im Vierten Kreuzzug. In der Moschee von Cordoba (\"Mezquita\") bauten die Katholiken eine ganze Kirche in den ber\u00fchmten S\u00e4ulenwald hinein. Die Mezquita ist heute noch Kirche, kein Museum.<\/p>\n\n\n\n

\"Das ist der Beweis, dass wir kein s\u00e4kularer Staat mehr sein wollen\", sagt Nobelpreistr\u00e4ger Orhan Pamuk. Erdo\u011fan betrachtet sich offenbar als auch neoosmanischer \"Fatih\" im Mittelmeerraum mit immer neuen Abenteuern: Eingreifen in Syrien, Stellvertreterkrieg in Libyen, Anspr\u00fcche auf Erdgasvorkommen weit vor der t\u00fcrkischen K\u00fcste bei Zypern, Reden, wonach manche \u00c4g\u00e4is-Inseln eigentlich zur T\u00fcrkei geh\u00f6ren, \"denn dort stehen unsere Moscheen\". Manches davon ist nur Rhetorik, aber genug anderes ist riskante Realit\u00e4t. (Hans Rauscher, 14.7.2020)<\/p>\n\n\n\n

Quelle<\/a><\/strong><\/p>\n","post_title":"Hagia Sophia: Verengung und Verarmung eines Welterbes","post_excerpt":"","post_status":"publish","comment_status":"closed","ping_status":"closed","post_password":"","post_name":"hagia-sophia-verengung-und-verarmung-eines-welterbes","to_ping":"","pinged":"","post_modified":"2025-02-02 08:39:39","post_modified_gmt":"2025-02-02 08:39:39","post_content_filtered":"","post_parent":0,"guid":"https:\/\/dctransparency.com\/?p=3792","menu_order":0,"post_type":"post","post_mime_type":"","comment_count":"0","filter":"raw"},{"ID":3789,"post_author":"7","post_date":"2020-08-14 13:56:07","post_date_gmt":"2020-08-14 13:56:07","post_content":"\n

Im Gastkommentar pocht Mark Leonard, Direktor des Europ\u00e4ischen Rats f\u00fcr Ausw\u00e4rtige Beziehungen, auf \"neue, einvernehmlich vereinbarte Prinzipien sowie klare Grenzen\", nur so k\u00f6nne eine weitere Destabilisierung in der Region verhindert werden.<\/em><\/strong><\/p>\n\n\n\n

Ist die T\u00fcrkei das neue Russland? Diese Frage wird in den europ\u00e4ischen Hauptst\u00e4dten zunehmend gestellt, da die Au\u00dfenpolitik des t\u00fcrkischen Pr\u00e4sidenten Recep Tayyip Erdo\u011fan zunehmend aggressiver wird. Erdo\u011fan nutzt nicht nur die Migration, um die EU zu bedrohen und zu betr\u00fcgen, sondern setzt auch milit\u00e4rische Macht ein, um den Einflussbereich der T\u00fcrkei auf die gesamte Region auszudehnen.<\/p>\n\n\n\n

Seit dem Ende des Kalten Krieges haben die Europ\u00e4er die regionale Sicherheit durch eine unipolare westliche Linse betrachtet. W\u00e4hrend die Nato die milit\u00e4rische Sicherheit garantierte, sorgte die EU mit ihrem 80.000 Seiten starken Regelwerk f\u00fcr alles von LGBTQ-Rechten bis hin zu Rasenm\u00e4her-Sound-Verordnungen f\u00fcr Rechtsordnung. In den 90er-Jahren ging man allgemein davon aus, dass die beiden gro\u00dfen nichtwestlichen regionalen Akteure, Russland und die T\u00fcrkei, nach und nach an diese Regelungen herangef\u00fchrt werden w\u00fcrden.<\/p>\n\n\n\n

Qu\u00e4lende Hassliebe<\/h3>\n\n\n\n

Doch in den letzten 15 Jahren ist der Traum von der europ\u00e4ischen Unipolarit\u00e4t einer multipolaren Realit\u00e4t gewichen. Sowohl Russland als auch die T\u00fcrkei haben eine lange, qu\u00e4lende Hassliebe zu Europa, und beide sind unter nationalen Machthabern, denen die Verachtung der Normen und Werte der EU gemeinsam ist, durchsetzungsf\u00e4higer geworden.<\/p>\n\n\n\n

Die zunehmende Verschlechterung der Beziehungen zwischen der EU und Russland ist gut dokumentiert, der Fall der T\u00fcrkei weniger. Der Irakkrieg im Jahr 2003 komplizierte das Verh\u00e4ltnis der T\u00fcrkei zur Nato, und ihr Verh\u00e4ltnis zur EU verschlechterte sich 2007, als Frankreich einen wichtigen Teil ihrer EU-Beitrittsverhandlungen blockierte. Seitdem hat die T\u00fcrkei ihren eigenen Weg in Syrien, auf dem Balkan und in Libyen eingeschlagen und neue Beziehungen zu Russland und China aufgebaut.<\/p>\n\n\n\n

Wichtiger Akteur<\/strong><\/h3>\n\n\n\n

Nat\u00fcrlich sind die Beziehungen zwischen der T\u00fcrkei und Russland nicht weniger kompliziert, nicht zuletzt weil Erdo\u011fan und der russische Pr\u00e4sident Wladimir Putin im syrischen B\u00fcrgerkrieg verschiedene Seiten unterst\u00fctzten.Und w\u00e4hrend die Spannungen wegen des Syrien-Konflikts weiterhin bestehen, bewundert Erdo\u011fan deutlich, wie Russland sich \u2013 bei relativ geringen Kosten \u2013 wieder als wichtiger Akteur im Nahen Osten und in Nordafrika etabliert hat.<\/p>\n\n\n\n

Nachdem er in einen nicht zu gewinnenden Krieg im Osten der Ukraine verwickelt war, schien Putins weitgehend erfolgreicher Feldzug in Syrien einen Teil seiner innenpolitischen Autorit\u00e4t wiederherzustellen. Der Westen hatte f\u00fcnf Jahre lang darauf bestanden, dass es keine milit\u00e4rische L\u00f6sung des Konflikts gebe und dass der syrische Pr\u00e4sident Baschar al-Assad gehen m\u00fcsse. Doch w\u00e4hrend die von den Vereinten Nationen unterst\u00fctzten Gespr\u00e4che in Genf zu keinem Ergebnis f\u00fchrten, schienen die von Russland geleiteten Gespr\u00e4che in Astana voranzukommen. Indem der Kreml die T\u00fcrkei und den Iran einbezog, w\u00e4hrend er die westlichen M\u00e4chte ausschloss, erweckte er den Eindruck, dass Russland als wiedergeborene Supermacht aus der Asche auferstanden sei.<\/p>\n\n\n\n

Unter Druck<\/h3>\n\n\n\n

Angesichts des wachsenden Widerstands im eigenen Land macht es Erdo\u011fan Putin gleich. Da der Westen nicht bereit war, (erneut) milit\u00e4risch in Libyen zu intervenieren, sah Erdo\u011fan eine Gelegenheit, die T\u00fcrkei zu positionieren. Nach dem Vorgehen Russlands in Syrien sicherte er sich eine formelle Einladung der libyschen Regierung zur Intervention. Mit einem Schlag Ende letzten Jahres hat er nicht nur das Image der T\u00fcrkei als Regionalmacht gest\u00e4rkt, sondern auch ein Abkommen mit Libyen \u00fcber die Seegrenze abgeschlossen und damit einen Plan Griechenlands, Zyperns, \u00c4gyptens und Israels zur Erschlie\u00dfung von Unterwasser\u00f6l- und -gasfeldern in der N\u00e4he zunichtegemacht.<\/p>\n\n\n\n

Erdo\u011fan scheint auch von der Spalt-und-Eroberungs-Strategie des Kreml in Europa inspiriert worden zu sein, der zufolge oft diejenigen EU-Mitgliedsstaaten unter Druck gesetzt werden, die am meisten von russischen Kohlenwasserstoffen oder M\u00e4rkten abh\u00e4ngig sind. So wie Putin lange Zeit die Energieversorgung instrumentalisiert hat, hat Erdo\u011fan versucht, den Strom von Migranten und Fl\u00fcchtlingen, die vor Konflikten im Nahen Osten fliehen, zu instrumentalisieren. Als die EU eine neue Marinemission ank\u00fcndigte, um den Waffenstrom nach Libyen zu blockieren, malte die T\u00fcrkei f\u00fcr Malta das Schreckgespenst der angeblichen Bedrohung durch Migranten an die Wand. Malta reagierte prompt und signalisierte, dass es gegen die Finanzierung der Mission ein Veto einlegen werde.<\/p>\n\n\n\n

Verlorener Sohn<\/strong><\/h3>\n\n\n\n

Jahrelang redeten sich die Europ\u00e4er ein, dass Russland eine Art verlorener Sohn sei und dass die europ\u00e4ische unipolare Ordnung gesund bleibe. Doch das machte Europa zu einem leichten Ziel f\u00fcr die Trennungs-und-Eroberungs-Strategie des Kreml. Erst vor relativ kurzer Zeit entwarf die Union eine neue Politik und ein robustes Sanktionsregime, um die russische Aggression abzuschrecken. Und selbst jetzt \u2013 trotz der besten Bem\u00fchungen der deutschen Bundeskanzlerin Angela Merkel und des franz\u00f6sischen Pr\u00e4sidenten Emmanuel Macron \u2013 hat die EU noch immer keine wirksamen Kommunikationskan\u00e4le mit Russland geschaffen, um gemeinsame Probleme anzugehen.<\/p>\n\n\n\n

Die T\u00fcrkei ist noch kein neues Russland, aber sie k\u00f6nnte dazu werden, wenn die Situation falsch gehandhabt wird. Vorerst betrachten die meisten Europ\u00e4er die T\u00fcrkei noch immer als einen komplizierten Partner und nicht als \"Systemrivalen\". Aber die Europ\u00e4er sollten die hart erk\u00e4mpften Lehren aus dem Umgang mit Russland in den letzten 15 Jahren beherzigen. Die Beziehungen zwischen der EU und der T\u00fcrkei brauchen neue, einvernehmlich vereinbarte Prinzipien sowie klare Grenzen, um eine weitere Destabilisierung in der Region zu verhindern.<\/p>\n\n\n\n

Zu diesem Zweck sollten die Europ\u00e4er klarstellen, dass der EU-Beitrittsprozess entweder zur\u00fcckgedreht oder vorangetrieben werden kann und dass eine eher transaktionale Beziehung sowohl Zuckerbrot als auch Peitsche beinhaltet. Die Herausforderung wird darin bestehen, daf\u00fcr zu sorgen, dass es in einer Region, die nicht nur von Europa und der T\u00fcrkei, sondern auch von Russland, den USA und einem aufstrebenden China beeinflusst wird, noch Raum f\u00fcr politisches Engagement in Fragen der gemeinsamen Sicherheit gibt. (Mark Leonard, \u00dcbersetzung: Eva G\u00f6llner, Copyright: Project Syndicate, 10.8.2020)<\/p>\n\n\n\n

Mark Leonard <\/strong>ist Direktor des Europ\u00e4ischen Rats f\u00fcr Ausw\u00e4rtige Beziehungen.<\/a><\/p>\n","post_title":"Erdo\u011fan \u2013 der andere Putin vor der Haust\u00fcr Europas","post_excerpt":"","post_status":"publish","comment_status":"closed","ping_status":"closed","post_password":"","post_name":"erdogan-der-andere-putin-vor-der-haustur-europas","to_ping":"","pinged":"","post_modified":"2025-02-02 08:39:39","post_modified_gmt":"2025-02-02 08:39:39","post_content_filtered":"","post_parent":0,"guid":"https:\/\/dctransparency.com\/?p=3789","menu_order":0,"post_type":"post","post_mime_type":"","comment_count":"0","filter":"raw"},{"ID":3786,"post_author":"7","post_date":"2020-08-14 13:51:23","post_date_gmt":"2020-08-14 13:51:23","post_content":"\n

Einen Monat nachdem ich zur israelischen Armee eingezogen worden war, brach die erste Intifada aus. Statt Soldat zu sein, machte ich Polizeiarbeit, sagte den Menschen, wann sie zur Arbeit gehen konnten und wann sie ihre L\u00e4den schlie\u00dfen mussten, wann sie die Grenze passieren und wann sie schlafen konnten. Einen Monat nachdem ich aus der Armee entlassen worden war, ging ich auf Reisen. (In Israel sagen wir: Wir dienen drei Jahre und versuchen den Rest unseres Lebens, diese drei Jahre zu vergessen.) Auf meiner Reise begann ich Briefe an meine Freundin zu schreiben, die ich in Israel zur\u00fcckgelassen hatte.<\/p>\n\n\n\n

Ich schrieb ihr, wie schrecklich depressiv ich war und dass diese drei Jahre des Anweisungenbellens und Anderen-Menschen-Sagens, was sie zu tun haben, mich f\u00fcr immer verfolgen w\u00fcrden. Dass sie ein Teil dessen geworden waren, was ich bin. Ich erinnere mich, dass ich ihr schrieb, dass wir da rausm\u00fcssen \u2013 nicht nur f\u00fcr die Pal\u00e4stinenser, sondern wegen der furchtbaren und brutalen Auswirkungen, die all das auf uns, auf die israelische Gesellschaft haben w\u00fcrde. Sie schrieb zur\u00fcck: \u201eDu hast recht. Ich habe einen neuen Freund.\u201c<\/p>\n\n\n\n

Felix Klein wurde als Beauftragter der Bundesregierung berufen<\/a>, um die Auswirkungen des zunehmenden Antisemitismus in unserer Gesellschaft, in Deutschland, zu bek\u00e4mpfen. Was nicht in seiner Jobbeschreibung steht, ist, dass er dabei unsere Gesellschaft heilen muss, jene Gesellschaft, die diese Form des Hasses reproduziert und sch\u00fctzt. Klein hat das begriffen.<\/p>\n\n\n\n

Er versteht, dass man Krebs nicht mit einem Pflaster verarztet, er wei\u00df, dass er das Bewusstsein der Deutschen sch\u00e4rfen und Diskussionen ansto\u00dfen muss. Er hat begriffen, dass das Problem nicht nur an den R\u00e4ndern der Gesellschaft (bei den Rechten) liegt, sondern auch in ihrer Mitte. Dort, wo gebildete Menschen nicht einmal bemerken, dass das, was sie sagen und tun, antisemitisch ist. So wie sie es auch nicht merken, wenn sie rassistisch handeln. Er hat all das verstanden, und genau deshalb wollen einige, dass er seinen Posten r\u00e4umt.<\/p>\n\n\n\n

Mehr als 60 deutsche und israelische Intellektuelle haben letzte Woche in einem Brief an Kanzlerin Merkel<\/a> dar\u00fcber geklagt, dass der aktuelle \u201eGebrauch des Antisemitismusbegriffs\u201c darauf abziele, \u201elegitime Kritik an der israelischen Regierungspolitik zu unterdr\u00fccken\u201c, und Klein vorgeworfen, rechtspopulistische israelische Stimmen zu f\u00f6rdern.<\/p>\n\n\n\n

Faszinierend an diesem offenen Brief ist, dass viele der Unterzeichneten keine Deutschen sind und auch nicht in Deutschland leben. Ich wei\u00df nicht, woher sie \u2013 die meisten von ihnen sind Israelis \u2013 die Chuzpe haben, sich in eine innerdeutsche Angelegenheit einzumischen und zu fordern, eine Person zu entlassen, die von der Bundesregierung eingesetzt wurde. Die H\u00e4lfte der Unterzeichneten lebt nicht hier, von der anderen H\u00e4lfte sind viele keine Juden \u2013 somit sind die allermeisten von ihnen nicht direkt vom Antisemitismus in Deutschland betroffen. Wie also k\u00f6nnen sie diesen Brief unterschreiben? Und warum eigentlich haben so wenige Deutsche unterschrieben? Dazu komme ich gleich.<\/p>\n\n\n\n

Debatte um Achille Mbembe<\/h6>\n\n\n\n

Hintergrund des Briefs war, dass Felix Klein gefordert hatte, den Philosophen Achille Mbembe<\/a> nicht die Er\u00f6ffnungsrede der Ruhrtriennale halten zu lassen. Als mit \u00f6ffentlichen Mitteln gef\u00f6rdertes Event solle die Ruhrtriennale Mbembe wegen seiner Haltung zu Israels Existenzrecht, seiner Haltung zu BDS und der Art, wie er in einem seiner Werke den Holocaust relativiert, nicht einladen.<\/p>\n\n\n\n

Mbembes Unterst\u00fctzer sagen, keine dieser Anschuldigungen sei wahr. F\u00fcrs Protokoll: In meinen Augen unterst\u00fctzt Mbembe sehr wohl BDS<\/a>, er schrieb unter anderem das Vorwort zu \u201eApartheid Israel\u201c und fordert die komplette Isolation Israels. Ich glaube auch, wenn Mbembe schreibt, die israelische Besetzung sei der \u201egr\u00f6\u00dfte moralische Skandal unserer Zeit\u201c, zeigt das, dass sein moralischer und geografischer Kompass etwas schief ist.<\/p>\n\n\n\n

Doch warum treibt die Debatte so viele Menschen um? Nun, zun\u00e4chst gibt niemand gern auf, was ihm oder ihr selbstverst\u00e4ndlich scheint. \u00dcber den gesamten politischen, sozialen, kulturellen, medialen und akademischen Sektor hinweg sind Menschen daran gew\u00f6hnt, so schlecht \u00fcber Israel sprechen zu k\u00f6nnen, wie auch immer sie wollen.<\/p>\n\n\n\n

Der Spiegel<\/em> hat \u2013 vielleicht in Anlehnung an seine Relotius-Standards, Israel erst k\u00fcrzlich eine Corona-Diktatur genannt. Fakten und Belege f\u00fcr diese Behauptung gab es nicht. Doch Millionen Deutsche haben es gelesen, und es wird nat\u00fcrlich haften bleiben. Faktenlage hin oder her. Der Spiegel<\/em> und andere Medien haben dieses Spiel perfektioniert: Titel so zu drehen, dass sie Israel indirekt anklagen, die Idee zu streuen, der Mossad kon\u00adtrol\u00adliere die deutsche Au\u00dfenpolitik im Nahen Osten, und so fort. Doch sie stehen allesamt sofort auf den Hinterbeinen, wenn jemand es wagt, das Spiel beim Namen zu nennen: moderner Antisemitismus.<\/p>\n\n\n\n

Klein will dem entgegenwirken. Er versteht, dass antisemitische Attacken in Deutschland die Fr\u00fcchte solch falsch gezeichneter Bilder und eindimensionaler Narrative \u00fcber Israel sind. Wenn er und andere versuchen, ein anderes Narrativ aufzuzeigen, wirft man ihnen Zensur vor: Wie k\u00f6nnen sie es wagen, das Gesch\u00e4ft der Anti-Israel-Propaganda zu st\u00f6ren?<\/p>\n\n\n\n

Liebe Deutsche, wenn ihr reden wollt, lasst uns gern reden: \u00fcber die Besetzung, \u00fcber Bibi und alles, was schiefl\u00e4uft. Aber dann lasst uns bitte auch dar\u00fcber reden, wie deutsche Steuergelder Terrortunnel finanzieren. Erst vergangene Woche r\u00e4umte die niederl\u00e4ndische Regierung ein, dass Gelder an eine Landwirtschaftsorganisation in Ramallah geflossen seien, die damit teilweise die Geh\u00e4lter zweier des Mordes an der 17-j\u00e4hrigen Israelin Rina Shnerb Verd\u00e4chtiger gezahlt haben. Auch die Bundesregierung unterst\u00fctzt diese Organisation, obwohl Kritiker schon lange vor Verbindungen zu Terroristen warnen.<\/p>\n\n\n\n

Wir k\u00f6nnen uns also gerne unterhalten \u2013 aber im Dialog, nicht in Monologen. Denn Reden unter Menschen, die sich einig sind, ist nichts anderes als Impotenz.<\/p>\n\n\n\n

Israelkritik als Eintrittskarte<\/h6>\n\n\n\n

Die Israelis, die die Petition unterzeichnet haben, haben \u00fcbrigens ebenfalls etwas verstanden. Seit Jahren wissen sie: Es ist ihre Eintrittskarte in die Mitte der deutschen (und europ\u00e4ischen) Gesellschaft. Man h\u00f6rt nicht oft von Akademikern mit proisraelischen Ansichten. Weder in den Philharmonie-Orchestern noch in der Kunstszene. Die Eintrittskarte daf\u00fcr ist ein antiisraelischer Standpunkt.<\/p>\n\n\n\n

Der mutma\u00dfliche Grund, warum kaum Deutsche die Petition unterzeichnet haben: Sie mussten es nicht. Ihre Lieblingsjuden haben es f\u00fcr sie getan. Jetzt k\u00f6nnen sie sagen: \u201eSchau, ich bin das ja nicht, meine j\u00fcdischen Freunde sagen es.\u201c Ich selbst war einige Jahre lang mit einem Paar hier in Berlin befreundet, bis ich herausfand, dass ich ihr Lieblingsjude war. Ja, selbst das j\u00fcdische Museum wurde so genutzt.<\/p>\n\n\n\n

Weil Attacken gegen Juden ein absolutes Tabu sind, wurden Umwege gefunden, um den Antisemitismus auf kleiner Flamme k\u00f6cheln zu lassen: die unfundierte, unbegr\u00fcndete Kritik an Israel.<\/p>\n\n\n\n

Diese Art der Kritik ist gef\u00e4hrlich. Sie schw\u00e4cht jede begr\u00fcndete und notwendige Kritik am Verhalten Israels. Und das Interessante ist: Trotz all der heftigen, pauschalisierenden Anklagen, all der offenen Briefe driftet Israel politisch immer weiter nach rechts. Doch statt mal einen anderen Ansatz zu versuchen, werden die antiisraelischen Stimmen nur lauter. Dasselbe versuchen und andere Ergebnisse davon erwarten \u2013 das ist die Definition von Wahnsinn.<\/p>\n\n\n\n

Kurz bevor der Prozess gegen den wegen des Attentats von Halle<\/a> Angeklagten begann \u2013 des seit Kriegsende schlimmsten Akts von Antisemitismus in Deutschland \u2013, lud eine Lokalzeitung den fr\u00fcheren Botschafter Shimon Stein und den Historiker Moshe Zimmermann ein, dar\u00fcber zu schreiben, was Antisemitismus ist. Nat\u00fcrlich wendeten auch sie sich gegen Felix Kleins Ansatz. Sie zitieren die Kontroverse um die Umbenennung der U-Bahn-Station Mohrenstra\u00dfe in Glinkastra\u00dfe, die sich darum drehte, dass der russische Komponist Michael Glinka Antisemit gewesen sein soll. Stein und Zimmermann halten die Debatte f\u00fcr \u00fcberzogen, Glinka sei nur ein Kind seiner Zeit gewesen. Folgt man ihrer Logik, k\u00f6nnen wir dann also in 20 oder 30 Jahren U-Bahn-Stationen nach den Kindern der 1930er Jahre benennen?<\/p>\n\n\n\n

Der Antisemit als Tierfreund<\/h6>\n\n\n\n

Ich w\u00fcnschte, die Sache h\u00e4tte mit dem Artikel, mit der Petition geendet. Doch dann erschien ein Artikel, der den Leser auf einen Waldspaziergang mit einem veganen Koch und Antisemiten mitnahm. Darin setzt der Tierfreund erst behutsam einen K\u00e4fer wieder auf seine Beinchen und erkl\u00e4rt dann, dass die Todesstrafe in Deutschland wieder eingef\u00fchrt werden solle, um einen gewissen Politiker (der zuf\u00e4llig pro Israel ist) an seinen Hoden aufh\u00e4ngen zu k\u00f6nnen. Dieser Koch hat Hunderttausende Follower, er sagt all solche Dinge am helllichten Tag in Berlin. Und in den Medien.<\/p>\n\n\n\n

F\u00e4lle wie dieser handeln bereits von Gewalt \u2013 und sie enden nicht bei den Juden. Der Hass richtet sich gegen Frauen<\/a>, Muslime, Gefl\u00fcchtete, \u00adLBTQI. Am Ende aller theoretischen Debatten stehen immer echte Menschen. Am Ende jeder Konferenz dar\u00fcber, was Antisemitismus ausmacht, steht ein potenzielles j\u00fcdisches Opfer. Angesichts einer Welle von Antisemitismus \u00fcber die Definition von Antisemitismus zu streiten ist, wie eine 10 Meter hohe Welle heranrollen zu sehen und dar\u00fcber zu streiten, was einen Tsunami ausmacht.<\/p>\n\n\n\n

Felix Klein versteht, wie absurd es ist, zu sagen: Es sind nur die Rechten. Die Rechten sind Deutsche, so wie die Nazis Deutsche waren. Klein versteht, dass die Deutschen nicht aufgeh\u00f6rt haben, Juden zu ermorden, weil sie irgendeine Art von Erleuchtung hatten. Sondern schlicht, weil sie den Krieg verloren haben. Um den Antisemitismus zu bek\u00e4mpfen, bevor er die Gesellschaft frisst, in der er und wir leben, muss Deutschland seinen moralischen Kompass korrigieren.<\/p>\n\n\n\n

Immerhin: Mehr und mehr Deutsche fahren nach Israel, sie wollen ein anderes Narrativ h\u00f6ren. Mehr und mehr Deutsche verstehen, dass Antisemitismus Schockwellen ausl\u00f6st, die die gesamte Gesellschaft betreffen. In einem normalen Universum w\u00fcrde Klein bef\u00f6rdert werden f\u00fcr seine Leistung. In einer verdrehten Gesellschaft fordern Menschen seine Entlassung. Um es mit Mbembe zu sagen: Das ist Nano-Nonsens.<\/p>\n\n\n\n

\u00dcbersetzung: Ariane Lemme<\/a><\/em><\/p>\n","post_title":"Felix Klein hat verstanden","post_excerpt":"","post_status":"publish","comment_status":"closed","ping_status":"closed","post_password":"","post_name":"felix-klein-hat-verstanden","to_ping":"","pinged":"","post_modified":"2025-02-02 08:39:39","post_modified_gmt":"2025-02-02 08:39:39","post_content_filtered":"","post_parent":0,"guid":"https:\/\/dctransparency.com\/?p=3786","menu_order":0,"post_type":"post","post_mime_type":"","comment_count":"0","filter":"raw"}],"next":false,"prev":true,"total_page":47},"paged":1,"column_class":"jeg_col_2o3","class":"epic_block_3"};

\n

Er war in der Akademie, als der Streik eintraf. \"Es war unbeschreiblich\", sagte er der BBC.<\/p>\n\n\n\n

\"Wir haben gesehen, wie unsere Kollegen starben, ihren letzten Atemzug machten und wir konnten nichts tun ... Es gab Leute, deren Oberk\u00f6rper von ihren K\u00f6rpern getrennt waren. Es war ein schreckliches Verbrechen, ein Verbrechen, das nichts mit der Menschheit zu tun hat. \"\"<\/p>\n\n\n\n

Sieben Monate nach dem Streik hat niemand die Verantwortung f\u00fcr die T\u00f6tung dieser jungen M\u00e4nner eingestanden.<\/p>\n\n\n\n

Die LNA unter Gen Khalifa Haftar bestritt, dass sie hinter dem Streik steckt, und teilte der Presse mit, dass die Explosion m\u00f6glicherweise durch eine lokal abgefeuerte M\u00f6rsergranate oder einen Angriff innerhalb der Akademie verursacht worden sei.<\/p>\n\n\n\n

Was hat die BBC gefunden?<\/strong><\/p>\n\n\n\n

Die Untersuchung ergab Hinweise darauf, dass eine viel ausgefeiltere Waffe verwendet wurde.<\/p>\n\n\n\n

\"\"<\/figure>\n\n\n\n

Die BBC betrachtete Bilder des Splitters, der nach dem Streik auf dem Exerzierplatz zur\u00fcckgelassen wurde, und kam zu dem Schluss, dass er mit den Komponenten einer Rakete namens Blue Arrow 7 \u00fcbereinstimmte.<\/p>\n\n\n\n

Unsere Analyse ergab, dass nur ein Flugzeug, das im Januar 2020 \u00fcber Tripolis operierte, diese Waffe abfeuern konnte - eine Drohne namens Wing Loong 2.<\/p>\n\n\n\n

Nur drei Wochen vor diesem Streik kamen die Vereinten Nationen zu dem Schluss, dass der Blaue Pfeil 7 \"ballistisch gepaart ist, um vom Wing Loong II geliefert zu werden ... und von keinem anderen in Libyen bisher identifizierten Luftfahrtgut\".<\/p>\n\n\n\n

Die BBC untersuchte auch, woher diese Drohne stammen k\u00f6nnte, und fand Hinweise darauf, dass Wing Loong-Drohnen zum Zeitpunkt des Angriffs nur von einem libyschen Luftwaffenst\u00fctzpunkt aus operierten: al-Khadim im von der LNA kontrollierten Ostlibyen.<\/p>\n\n\n\n

Sowohl die BBC als auch die UN haben Beweise daf\u00fcr gefunden, dass Drohnen, die von diesem Luftwaffenst\u00fctzpunkt aus operieren, zu den Vereinigten Arabischen Emiraten geh\u00f6ren.<\/p>\n\n\n\n

Im Jahr 2019 stellte die UNO fest, dass die VAE durch den Versand von Wing Loong-Drohnen und Blue Arrow 7-Raketen nach Libyen gegen das seit 2011 geltende UN-Waffenembargo gegen das Land versto\u00dfen hatten.<\/p>\n\n\n\n

Die BBC fand auch ein Waffenregister, aus dem hervorgeht, dass die VAE 2017 15 Wing Loong-Drohnen und 350 Blue Arrow 7-Raketen gekauft haben.<\/p>\n\n\n\n

Was hat die BBC noch aufgedeckt?<\/strong><\/p>\n\n\n\n

<\/p>\n\n\n\n

Die BBC-Untersuchung ergab auch neue Beweise daf\u00fcr, dass \u00c4gypten den VAE erlaubt, \u00e4gyptische Milit\u00e4rflugpl\u00e4tze nahe der libyschen Grenze zu nutzen.<\/p>\n\n\n\n

Im Februar 2020 scheinen die in Libyen stationierten Wing Loong II-Drohnen \u00fcber die Grenze nach \u00c4gypten zu einem Luftwaffenst\u00fctzpunkt in der N\u00e4he von Siwa in der west\u00e4gyptischen W\u00fcste gebracht worden zu sein.<\/p>\n\n\n\n

Satellitenbilder zeigen auch, dass ein zweiter \u00e4gyptischer Milit\u00e4rflugplatz, Sidi Barrani, als Einsatzbasis f\u00fcr Mirage 2000-Kampfflugzeuge verwendet wurde, die in Farben lackiert sind, die nicht von der \u00e4gyptischen Luftwaffe verwendet werden, aber genau den von den VAE geflogenen Jets entsprechen .<\/p>\n\n\n\n

Dies ist das gleiche Flugzeugmodell, das von den Vereinten Nationen in einen Luftangriff auf ein Migrationszentrum \u00f6stlich von Tripolis im Juli 2019 verwickelt wurde, bei dem 53 Menschen get\u00f6tet wurden.<\/p>\n\n\n\n

Ausl\u00e4ndischer Jet bei libyschem Migrantenangriff verd\u00e4chtigt<\/p>\n\n\n\n

Sidi Barrani ist auch das Ziel f\u00fcr mehrere Frachtflugzeuge, die von den Vereinigten Arabischen Emiraten gestartet sind, und schl\u00e4gt eine Luftbr\u00fccke f\u00fcr Ausr\u00fcstung oder Lieferungen zwischen den Vereinigten Arabischen Emiraten und einer Milit\u00e4rbasis vor, die nur 80 km von der libyschen Grenze entfernt liegt.<\/p>\n\n\n\n

Die \u00e4gyptische Regierung antwortete nicht auf die Bitte der BBC um Stellungnahme.<\/p>\n\n\n\n

Ist ausl\u00e4ndisches milit\u00e4risches Engagement \u00fcberraschend?<\/strong><\/p>\n\n\n\n

Sowohl die Vereinigten Arabischen Emirate als auch \u00c4gypten nahmen an einer von Bundeskanzlerin Angela Merkel im Januar dieses Jahres in Berlin einberufenen Konferenz \u00fcber Libyen teil, auf der sie ihre Unterst\u00fctzung f\u00fcr den UN-Friedensprozess bekr\u00e4ftigten und sich bereit erkl\u00e4rten, nicht in den Libyen-Krieg einzugreifen.<\/p>\n\n\n\n

Im vergangenen Jahr gab es jedoch eine Eskalation des Einsatzes von Drohnen durch beide Seiten des Konflikts.<\/p>\n\n\n\n

Ghassan Salam\u00e9, der fr\u00fchere Leiter der UN-Mission in Libyen, beschrieb dies als \"m\u00f6glicherweise das gr\u00f6\u00dfte Drohnenkriegstheater der Welt\".<\/p>\n\n\n\n

Die VAE sind nicht die einzige ausl\u00e4ndische Macht, die an diesem Konflikt beteiligt ist.<\/p>\n\n\n\n

Anfang dieses Jahres gab BBC Africa Eye bekannt, dass die T\u00fcrkei auch gegen das Waffenembargo der Vereinten Nationen gegen Libyen versto\u00dfen hat, indem sie geheime Waffenlieferungen an die von den Vereinten Nationen anerkannte Regierung in Tripolis gesendet hat.<\/p>\n\n\n\n

Mit Unterst\u00fctzung der T\u00fcrkei hat die von den Vereinten Nationen anerkannte Regierung des Nationalen Abkommens nun die LNA von Gen Haftar aus der Gegend um Tripolis zur\u00fcckgeschlagen.<\/p>\n","post_title":"BBC-Untersuchung: VAE in t\u00f6dlichen Angriff in Libyen verwickelt","post_excerpt":"","post_status":"publish","comment_status":"closed","ping_status":"closed","post_password":"","post_name":"bbc-untersuchung-vae-in-todlichen-angriff-in-libyen-verwickelt","to_ping":"","pinged":"","post_modified":"2025-02-02 08:39:39","post_modified_gmt":"2025-02-02 08:39:39","post_content_filtered":"","post_parent":0,"guid":"https:\/\/dctransparency.com\/?p=3811","menu_order":0,"post_type":"post","post_mime_type":"","comment_count":"0","filter":"raw"},{"ID":3792,"post_author":"7","post_date":"2020-08-14 13:58:48","post_date_gmt":"2020-08-14 13:58:48","post_content":"\n

Die Hagia Sophia war (ist) ein kulturelles Weltwunder und aufgeladen mit symbolischer Bedeutung, f\u00fcr die Christenheit ebenso wie f\u00fcr den Islam \u2013 und den t\u00fcrkischen Nationalismus. Als Mehmed II. sie betrat, war sie schon fast 1000 Jahre die gr\u00f6\u00dfte Kirche der christlichen Welt und das Zentrum der orthodoxen Glaubensrichtung. Die \"Ayasofya\", wie sie dann hie\u00df, war 500 Jahre lang Moschee \u2013 bis 1934, als Kemal Pascha Atat\u00fcrk, der \"Vater\" der modernen T\u00fcrkei, sie in ein Museum verwandelte, in der ausdr\u00fccklichen Absicht, auch hier mit dem osmanischen Erbe zu brechen.<\/p>\n\n\n\n

Nun wird Pr\u00e4sident Recep Tayyip Erdo\u011fan, der \"Vater\" der re-islamisierten T\u00fcrkei, am 24. Juli dieses Jahres die Ayasofya durch das Freitagsgebet wieder in den Islam eingliedern. Oder eher in seinen pers\u00f6nlichen religi\u00f6sen Nationalismus.<\/p>\n\n\n\n

Welterbe von allen<\/h3>\n\n\n\n

Wie bedeutungsschwer ist dieser Akt eines \"starken Mannes\", der innenpolitisch deutlich schw\u00e4chelt? Die Proteste vor allem aus der orthodoxen Welt, aber auch aus Europa und den USA sind eher traurig als w\u00fctend. Der Papst dr\u00fcckte seinen \"Schmerz\" aus. Auch der Jubel in der islamischen Welt fiel zun\u00e4chst weniger \u00fcbersch\u00e4umend als erwartet aus.<\/p>\n\n\n\n

Ist es der Alleingang eines Autokraten in Bedr\u00e4ngnis oder ist \"der Jubel \u00fcber die Eroberung der Hagia Sophia der Versuch einer zutiefst erniedrigten, vom Gef\u00fchl der Wertlosigkeit dominierten und in ihrer eigenen Selbstberechtigung beraubten Gesellschaft, eine Bedeutung, eine St\u00e4rke, ein Selbstwertgef\u00fchl zu finden\"? So recht pauschalierend der in Deutschland lebende pal\u00e4stinensische Intellektuelle und Psychiater Ahmad Mansour.<\/p>\n\n\n\n

Die beiden Gro\u00dfreiche, das byzantinische und das osmanische, sind l\u00e4ngst versunken.<\/p><\/blockquote>\n\n\n\n

Das eigentliche Schl\u00fcsselwort im Zusammenhang mit der Hagia Sofia ist \"Welterbe\". Das Erbe von allen. Einmal im kulturellen Sinn der Unesco, aber in Wahrheit weiter gefasst. Das einzigartige Bauwerk geh\u00f6rt in Wirklichkeit der ganzen Welt, nicht der einen oder anderen Religion. Die beiden Gro\u00dfreiche, f\u00fcr die die Hagia Sofia der zentrale spirituelle Bau war, das byzantinische und das osmanische, sind l\u00e4ngst versunken. Seither hat sie eine neue, \u00fcbernationale Dimension erhalten. Was Erdo\u011fan da jetzt mit der Hagia Sofia macht, ist eine Verengung und Verarmung eines gemeinsamen Welterbes.<\/p>\n\n\n\n

\"\"\/
Betende Muslime vor der Hagia Sophia.<\/figcaption><\/figure>\n\n\n\n

Davon abgesehen aber war und ist sie ein architektonisches Meisterwerk und geh\u00f6rt zu den bedeutendsten Bauten der Welt. Wer heute den Zentralraum unter der Kuppel betritt, kann sich nur schwer dem zugleich majest\u00e4tischen wie schwebenden Gesamteindruck entziehen. Die Hagia Sophia blieb fast 1000 Jahre die gr\u00f6\u00dfte Kirche der Christenheit. Technisch war die Kuppel (mit mehreren Halbkuppeln) eine \u00fcberaus riskante Innovation: Die 55 Meter hohe und 32 Meter im Durchmesser breite Kuppel ruht auf nur vier Tragpunkten, was den schwebenden, schwerelosen Eindruck erzeugt. Die Konstruktion folgt einem mathematischen Prinzip, das erst k\u00fcrzlich entschl\u00fcsselt wurde.<\/p>\n\n\n\n

\"Salomo, ich habe dich \u00fcbertroffen!\"<\/p><\/blockquote>\n\n\n\n

Als Kaiser Justinian die Hagia Sophia nach nur f\u00fcnf Jahren Bauzeit (532\u2013537) betrat, soll er in Anspielung auf den Tempel in Jerusalem ausgerufen haben: \"Salomo, ich habe dich \u00fcbertroffen!\" Die Innenausstattung war mit ihren S\u00e4ulen aus Porphyr und gr\u00fcnem Marmor, mit Mosaiken aus Gold und Halbedelsteinen derart prunkvoll, der Gesamteindruck derart \u00fcberirdisch, dass eine Delegation des Gro\u00dff\u00fcrsten von Kiew nicht mehr wusste, \"ob wir im Himmel oder auf der Erde\" waren \u2013 was die Christianisierung Russlands bef\u00f6rderte.<\/p>\n\n\n\n

Der deutsche Architekturlehrer Holger Kleine nennt die Hagia Sophia \"absolute Architektur\", weil sie \"extreme Ausdrucksformen nahezu aller dramaturgischen Mittel, die der Architektur zur Verf\u00fcgung stehen, vereinigt: wuchtigste K\u00f6rper und luftigste R\u00e4ume, engste Enge und gr\u00f6\u00dfte Weite, w\u00e4rmende Helligkeit und mystisches Dunkel\". Und die Kuppelbauten aus der sp\u00e4teren Hochbl\u00fcte der Moscheenarchitektur im 16. und 17. Jahrhundert gehen eindeutig auf die Hagia Sophia zur\u00fcck.<\/p>\n\n\n\n

Die Hagia Sophia war Staatskirche des byzantinischen Reichs. F\u00fcr die Eroberer der letzte Schlussstein in der Kuppel osmanisch-muslimischen Herrschaftsanspruchs. Konstantinopel war ja 1453 nur noch eine isolierte, heruntergekommene Enklave in einem osmanischen Umfeld, kein christliches Heer kam zu Hilfe. Doch vorher war es zugleich Sperrriegel nach Osten und Geistesarchiv der antiken Kultur gewesen. \"Ohne Byzanz h\u00e4tte es kein Europa gegeben\", sagt die britische Altertumsforscherin Judith Herrin.<\/p>\n\n\n\n

\"\"\/
Freigelegtes Mosaik von \"Christos Pantokrator\".<\/figcaption><\/figure>\n\n\n\n

Neue Fragen<\/h3>\n\n\n\n

Die Kirche wurde von Mehmed II. und Nachfolgern nicht in der Substanz zerst\u00f6rt, sondern \"entchristlicht\". Die urspr\u00fcnglich \u00fcbert\u00fcnchten oder auch abgeschlagenen Mosaiken mit den Darstellungen von Christus, der Muttergottes, diversen Kaisern kamen zum Teil schon unter einem Sultan des 19. Jahrhunderts, dann gro\u00dfteils nach der Museumswidmung wieder zum Vorschein.<\/p>\n\n\n\n

Jetzt stellen sich neue symbolisch-praktische Fragen. Erdo\u011fan hat die Hagia Sophia der konservativen staatlichen Religionsbeh\u00f6rde Diyanet unterstellt. Die byzantinischen Mosaike, wie der gro\u00dfartige \"Christos Pantokrator\" (\"Weltenherrscher\") oder die Jungfrau Maria in der Apsis, m\u00fcssen wohl w\u00e4hrend des islamischen Gottesdiensts verh\u00e4ngt werden. Muss der Boden mit seinen Marmorplatten und Mosaiken mit einem Teppich bedeckt werden? Erdo\u011fan sagt, Touristen seien nach wie vor zugelassen. Aber sie werden wohl hinter Absperrungen bleiben m\u00fcssen. Frauen werden \u2013 wie in der benachbarten \"Blauen Moschee\" (\"Sultanahmed\") Kopftuch tragen m\u00fcssen.<\/p>\n\n\n\n

\"\"\/
Erdo\u011fan mit Gattin in der Hagia Sophia.<\/figcaption><\/figure>\n\n\n\n

Erdo\u011fans neue Abenteuer<\/strong><\/h3>\n\n\n\n

Aber wird da nicht doch zu viel in einen Formalakt rund um ein uraltes Bauwerk hineininterpretiert? Im geschichtlichen Kontext relativiert sich manches: Konstantinopel wurde schon von Christen erobert und ausgepl\u00fcndert \u2013 1204 im Vierten Kreuzzug. In der Moschee von Cordoba (\"Mezquita\") bauten die Katholiken eine ganze Kirche in den ber\u00fchmten S\u00e4ulenwald hinein. Die Mezquita ist heute noch Kirche, kein Museum.<\/p>\n\n\n\n

\"Das ist der Beweis, dass wir kein s\u00e4kularer Staat mehr sein wollen\", sagt Nobelpreistr\u00e4ger Orhan Pamuk. Erdo\u011fan betrachtet sich offenbar als auch neoosmanischer \"Fatih\" im Mittelmeerraum mit immer neuen Abenteuern: Eingreifen in Syrien, Stellvertreterkrieg in Libyen, Anspr\u00fcche auf Erdgasvorkommen weit vor der t\u00fcrkischen K\u00fcste bei Zypern, Reden, wonach manche \u00c4g\u00e4is-Inseln eigentlich zur T\u00fcrkei geh\u00f6ren, \"denn dort stehen unsere Moscheen\". Manches davon ist nur Rhetorik, aber genug anderes ist riskante Realit\u00e4t. (Hans Rauscher, 14.7.2020)<\/p>\n\n\n\n

Quelle<\/a><\/strong><\/p>\n","post_title":"Hagia Sophia: Verengung und Verarmung eines Welterbes","post_excerpt":"","post_status":"publish","comment_status":"closed","ping_status":"closed","post_password":"","post_name":"hagia-sophia-verengung-und-verarmung-eines-welterbes","to_ping":"","pinged":"","post_modified":"2025-02-02 08:39:39","post_modified_gmt":"2025-02-02 08:39:39","post_content_filtered":"","post_parent":0,"guid":"https:\/\/dctransparency.com\/?p=3792","menu_order":0,"post_type":"post","post_mime_type":"","comment_count":"0","filter":"raw"},{"ID":3789,"post_author":"7","post_date":"2020-08-14 13:56:07","post_date_gmt":"2020-08-14 13:56:07","post_content":"\n

Im Gastkommentar pocht Mark Leonard, Direktor des Europ\u00e4ischen Rats f\u00fcr Ausw\u00e4rtige Beziehungen, auf \"neue, einvernehmlich vereinbarte Prinzipien sowie klare Grenzen\", nur so k\u00f6nne eine weitere Destabilisierung in der Region verhindert werden.<\/em><\/strong><\/p>\n\n\n\n

Ist die T\u00fcrkei das neue Russland? Diese Frage wird in den europ\u00e4ischen Hauptst\u00e4dten zunehmend gestellt, da die Au\u00dfenpolitik des t\u00fcrkischen Pr\u00e4sidenten Recep Tayyip Erdo\u011fan zunehmend aggressiver wird. Erdo\u011fan nutzt nicht nur die Migration, um die EU zu bedrohen und zu betr\u00fcgen, sondern setzt auch milit\u00e4rische Macht ein, um den Einflussbereich der T\u00fcrkei auf die gesamte Region auszudehnen.<\/p>\n\n\n\n

Seit dem Ende des Kalten Krieges haben die Europ\u00e4er die regionale Sicherheit durch eine unipolare westliche Linse betrachtet. W\u00e4hrend die Nato die milit\u00e4rische Sicherheit garantierte, sorgte die EU mit ihrem 80.000 Seiten starken Regelwerk f\u00fcr alles von LGBTQ-Rechten bis hin zu Rasenm\u00e4her-Sound-Verordnungen f\u00fcr Rechtsordnung. In den 90er-Jahren ging man allgemein davon aus, dass die beiden gro\u00dfen nichtwestlichen regionalen Akteure, Russland und die T\u00fcrkei, nach und nach an diese Regelungen herangef\u00fchrt werden w\u00fcrden.<\/p>\n\n\n\n

Qu\u00e4lende Hassliebe<\/h3>\n\n\n\n

Doch in den letzten 15 Jahren ist der Traum von der europ\u00e4ischen Unipolarit\u00e4t einer multipolaren Realit\u00e4t gewichen. Sowohl Russland als auch die T\u00fcrkei haben eine lange, qu\u00e4lende Hassliebe zu Europa, und beide sind unter nationalen Machthabern, denen die Verachtung der Normen und Werte der EU gemeinsam ist, durchsetzungsf\u00e4higer geworden.<\/p>\n\n\n\n

Die zunehmende Verschlechterung der Beziehungen zwischen der EU und Russland ist gut dokumentiert, der Fall der T\u00fcrkei weniger. Der Irakkrieg im Jahr 2003 komplizierte das Verh\u00e4ltnis der T\u00fcrkei zur Nato, und ihr Verh\u00e4ltnis zur EU verschlechterte sich 2007, als Frankreich einen wichtigen Teil ihrer EU-Beitrittsverhandlungen blockierte. Seitdem hat die T\u00fcrkei ihren eigenen Weg in Syrien, auf dem Balkan und in Libyen eingeschlagen und neue Beziehungen zu Russland und China aufgebaut.<\/p>\n\n\n\n

Wichtiger Akteur<\/strong><\/h3>\n\n\n\n

Nat\u00fcrlich sind die Beziehungen zwischen der T\u00fcrkei und Russland nicht weniger kompliziert, nicht zuletzt weil Erdo\u011fan und der russische Pr\u00e4sident Wladimir Putin im syrischen B\u00fcrgerkrieg verschiedene Seiten unterst\u00fctzten.Und w\u00e4hrend die Spannungen wegen des Syrien-Konflikts weiterhin bestehen, bewundert Erdo\u011fan deutlich, wie Russland sich \u2013 bei relativ geringen Kosten \u2013 wieder als wichtiger Akteur im Nahen Osten und in Nordafrika etabliert hat.<\/p>\n\n\n\n

Nachdem er in einen nicht zu gewinnenden Krieg im Osten der Ukraine verwickelt war, schien Putins weitgehend erfolgreicher Feldzug in Syrien einen Teil seiner innenpolitischen Autorit\u00e4t wiederherzustellen. Der Westen hatte f\u00fcnf Jahre lang darauf bestanden, dass es keine milit\u00e4rische L\u00f6sung des Konflikts gebe und dass der syrische Pr\u00e4sident Baschar al-Assad gehen m\u00fcsse. Doch w\u00e4hrend die von den Vereinten Nationen unterst\u00fctzten Gespr\u00e4che in Genf zu keinem Ergebnis f\u00fchrten, schienen die von Russland geleiteten Gespr\u00e4che in Astana voranzukommen. Indem der Kreml die T\u00fcrkei und den Iran einbezog, w\u00e4hrend er die westlichen M\u00e4chte ausschloss, erweckte er den Eindruck, dass Russland als wiedergeborene Supermacht aus der Asche auferstanden sei.<\/p>\n\n\n\n

Unter Druck<\/h3>\n\n\n\n

Angesichts des wachsenden Widerstands im eigenen Land macht es Erdo\u011fan Putin gleich. Da der Westen nicht bereit war, (erneut) milit\u00e4risch in Libyen zu intervenieren, sah Erdo\u011fan eine Gelegenheit, die T\u00fcrkei zu positionieren. Nach dem Vorgehen Russlands in Syrien sicherte er sich eine formelle Einladung der libyschen Regierung zur Intervention. Mit einem Schlag Ende letzten Jahres hat er nicht nur das Image der T\u00fcrkei als Regionalmacht gest\u00e4rkt, sondern auch ein Abkommen mit Libyen \u00fcber die Seegrenze abgeschlossen und damit einen Plan Griechenlands, Zyperns, \u00c4gyptens und Israels zur Erschlie\u00dfung von Unterwasser\u00f6l- und -gasfeldern in der N\u00e4he zunichtegemacht.<\/p>\n\n\n\n

Erdo\u011fan scheint auch von der Spalt-und-Eroberungs-Strategie des Kreml in Europa inspiriert worden zu sein, der zufolge oft diejenigen EU-Mitgliedsstaaten unter Druck gesetzt werden, die am meisten von russischen Kohlenwasserstoffen oder M\u00e4rkten abh\u00e4ngig sind. So wie Putin lange Zeit die Energieversorgung instrumentalisiert hat, hat Erdo\u011fan versucht, den Strom von Migranten und Fl\u00fcchtlingen, die vor Konflikten im Nahen Osten fliehen, zu instrumentalisieren. Als die EU eine neue Marinemission ank\u00fcndigte, um den Waffenstrom nach Libyen zu blockieren, malte die T\u00fcrkei f\u00fcr Malta das Schreckgespenst der angeblichen Bedrohung durch Migranten an die Wand. Malta reagierte prompt und signalisierte, dass es gegen die Finanzierung der Mission ein Veto einlegen werde.<\/p>\n\n\n\n

Verlorener Sohn<\/strong><\/h3>\n\n\n\n

Jahrelang redeten sich die Europ\u00e4er ein, dass Russland eine Art verlorener Sohn sei und dass die europ\u00e4ische unipolare Ordnung gesund bleibe. Doch das machte Europa zu einem leichten Ziel f\u00fcr die Trennungs-und-Eroberungs-Strategie des Kreml. Erst vor relativ kurzer Zeit entwarf die Union eine neue Politik und ein robustes Sanktionsregime, um die russische Aggression abzuschrecken. Und selbst jetzt \u2013 trotz der besten Bem\u00fchungen der deutschen Bundeskanzlerin Angela Merkel und des franz\u00f6sischen Pr\u00e4sidenten Emmanuel Macron \u2013 hat die EU noch immer keine wirksamen Kommunikationskan\u00e4le mit Russland geschaffen, um gemeinsame Probleme anzugehen.<\/p>\n\n\n\n

Die T\u00fcrkei ist noch kein neues Russland, aber sie k\u00f6nnte dazu werden, wenn die Situation falsch gehandhabt wird. Vorerst betrachten die meisten Europ\u00e4er die T\u00fcrkei noch immer als einen komplizierten Partner und nicht als \"Systemrivalen\". Aber die Europ\u00e4er sollten die hart erk\u00e4mpften Lehren aus dem Umgang mit Russland in den letzten 15 Jahren beherzigen. Die Beziehungen zwischen der EU und der T\u00fcrkei brauchen neue, einvernehmlich vereinbarte Prinzipien sowie klare Grenzen, um eine weitere Destabilisierung in der Region zu verhindern.<\/p>\n\n\n\n

Zu diesem Zweck sollten die Europ\u00e4er klarstellen, dass der EU-Beitrittsprozess entweder zur\u00fcckgedreht oder vorangetrieben werden kann und dass eine eher transaktionale Beziehung sowohl Zuckerbrot als auch Peitsche beinhaltet. Die Herausforderung wird darin bestehen, daf\u00fcr zu sorgen, dass es in einer Region, die nicht nur von Europa und der T\u00fcrkei, sondern auch von Russland, den USA und einem aufstrebenden China beeinflusst wird, noch Raum f\u00fcr politisches Engagement in Fragen der gemeinsamen Sicherheit gibt. (Mark Leonard, \u00dcbersetzung: Eva G\u00f6llner, Copyright: Project Syndicate, 10.8.2020)<\/p>\n\n\n\n

Mark Leonard <\/strong>ist Direktor des Europ\u00e4ischen Rats f\u00fcr Ausw\u00e4rtige Beziehungen.<\/a><\/p>\n","post_title":"Erdo\u011fan \u2013 der andere Putin vor der Haust\u00fcr Europas","post_excerpt":"","post_status":"publish","comment_status":"closed","ping_status":"closed","post_password":"","post_name":"erdogan-der-andere-putin-vor-der-haustur-europas","to_ping":"","pinged":"","post_modified":"2025-02-02 08:39:39","post_modified_gmt":"2025-02-02 08:39:39","post_content_filtered":"","post_parent":0,"guid":"https:\/\/dctransparency.com\/?p=3789","menu_order":0,"post_type":"post","post_mime_type":"","comment_count":"0","filter":"raw"},{"ID":3786,"post_author":"7","post_date":"2020-08-14 13:51:23","post_date_gmt":"2020-08-14 13:51:23","post_content":"\n

Einen Monat nachdem ich zur israelischen Armee eingezogen worden war, brach die erste Intifada aus. Statt Soldat zu sein, machte ich Polizeiarbeit, sagte den Menschen, wann sie zur Arbeit gehen konnten und wann sie ihre L\u00e4den schlie\u00dfen mussten, wann sie die Grenze passieren und wann sie schlafen konnten. Einen Monat nachdem ich aus der Armee entlassen worden war, ging ich auf Reisen. (In Israel sagen wir: Wir dienen drei Jahre und versuchen den Rest unseres Lebens, diese drei Jahre zu vergessen.) Auf meiner Reise begann ich Briefe an meine Freundin zu schreiben, die ich in Israel zur\u00fcckgelassen hatte.<\/p>\n\n\n\n

Ich schrieb ihr, wie schrecklich depressiv ich war und dass diese drei Jahre des Anweisungenbellens und Anderen-Menschen-Sagens, was sie zu tun haben, mich f\u00fcr immer verfolgen w\u00fcrden. Dass sie ein Teil dessen geworden waren, was ich bin. Ich erinnere mich, dass ich ihr schrieb, dass wir da rausm\u00fcssen \u2013 nicht nur f\u00fcr die Pal\u00e4stinenser, sondern wegen der furchtbaren und brutalen Auswirkungen, die all das auf uns, auf die israelische Gesellschaft haben w\u00fcrde. Sie schrieb zur\u00fcck: \u201eDu hast recht. Ich habe einen neuen Freund.\u201c<\/p>\n\n\n\n

Felix Klein wurde als Beauftragter der Bundesregierung berufen<\/a>, um die Auswirkungen des zunehmenden Antisemitismus in unserer Gesellschaft, in Deutschland, zu bek\u00e4mpfen. Was nicht in seiner Jobbeschreibung steht, ist, dass er dabei unsere Gesellschaft heilen muss, jene Gesellschaft, die diese Form des Hasses reproduziert und sch\u00fctzt. Klein hat das begriffen.<\/p>\n\n\n\n

Er versteht, dass man Krebs nicht mit einem Pflaster verarztet, er wei\u00df, dass er das Bewusstsein der Deutschen sch\u00e4rfen und Diskussionen ansto\u00dfen muss. Er hat begriffen, dass das Problem nicht nur an den R\u00e4ndern der Gesellschaft (bei den Rechten) liegt, sondern auch in ihrer Mitte. Dort, wo gebildete Menschen nicht einmal bemerken, dass das, was sie sagen und tun, antisemitisch ist. So wie sie es auch nicht merken, wenn sie rassistisch handeln. Er hat all das verstanden, und genau deshalb wollen einige, dass er seinen Posten r\u00e4umt.<\/p>\n\n\n\n

Mehr als 60 deutsche und israelische Intellektuelle haben letzte Woche in einem Brief an Kanzlerin Merkel<\/a> dar\u00fcber geklagt, dass der aktuelle \u201eGebrauch des Antisemitismusbegriffs\u201c darauf abziele, \u201elegitime Kritik an der israelischen Regierungspolitik zu unterdr\u00fccken\u201c, und Klein vorgeworfen, rechtspopulistische israelische Stimmen zu f\u00f6rdern.<\/p>\n\n\n\n

Faszinierend an diesem offenen Brief ist, dass viele der Unterzeichneten keine Deutschen sind und auch nicht in Deutschland leben. Ich wei\u00df nicht, woher sie \u2013 die meisten von ihnen sind Israelis \u2013 die Chuzpe haben, sich in eine innerdeutsche Angelegenheit einzumischen und zu fordern, eine Person zu entlassen, die von der Bundesregierung eingesetzt wurde. Die H\u00e4lfte der Unterzeichneten lebt nicht hier, von der anderen H\u00e4lfte sind viele keine Juden \u2013 somit sind die allermeisten von ihnen nicht direkt vom Antisemitismus in Deutschland betroffen. Wie also k\u00f6nnen sie diesen Brief unterschreiben? Und warum eigentlich haben so wenige Deutsche unterschrieben? Dazu komme ich gleich.<\/p>\n\n\n\n

Debatte um Achille Mbembe<\/h6>\n\n\n\n

Hintergrund des Briefs war, dass Felix Klein gefordert hatte, den Philosophen Achille Mbembe<\/a> nicht die Er\u00f6ffnungsrede der Ruhrtriennale halten zu lassen. Als mit \u00f6ffentlichen Mitteln gef\u00f6rdertes Event solle die Ruhrtriennale Mbembe wegen seiner Haltung zu Israels Existenzrecht, seiner Haltung zu BDS und der Art, wie er in einem seiner Werke den Holocaust relativiert, nicht einladen.<\/p>\n\n\n\n

Mbembes Unterst\u00fctzer sagen, keine dieser Anschuldigungen sei wahr. F\u00fcrs Protokoll: In meinen Augen unterst\u00fctzt Mbembe sehr wohl BDS<\/a>, er schrieb unter anderem das Vorwort zu \u201eApartheid Israel\u201c und fordert die komplette Isolation Israels. Ich glaube auch, wenn Mbembe schreibt, die israelische Besetzung sei der \u201egr\u00f6\u00dfte moralische Skandal unserer Zeit\u201c, zeigt das, dass sein moralischer und geografischer Kompass etwas schief ist.<\/p>\n\n\n\n

Doch warum treibt die Debatte so viele Menschen um? Nun, zun\u00e4chst gibt niemand gern auf, was ihm oder ihr selbstverst\u00e4ndlich scheint. \u00dcber den gesamten politischen, sozialen, kulturellen, medialen und akademischen Sektor hinweg sind Menschen daran gew\u00f6hnt, so schlecht \u00fcber Israel sprechen zu k\u00f6nnen, wie auch immer sie wollen.<\/p>\n\n\n\n

Der Spiegel<\/em> hat \u2013 vielleicht in Anlehnung an seine Relotius-Standards, Israel erst k\u00fcrzlich eine Corona-Diktatur genannt. Fakten und Belege f\u00fcr diese Behauptung gab es nicht. Doch Millionen Deutsche haben es gelesen, und es wird nat\u00fcrlich haften bleiben. Faktenlage hin oder her. Der Spiegel<\/em> und andere Medien haben dieses Spiel perfektioniert: Titel so zu drehen, dass sie Israel indirekt anklagen, die Idee zu streuen, der Mossad kon\u00adtrol\u00adliere die deutsche Au\u00dfenpolitik im Nahen Osten, und so fort. Doch sie stehen allesamt sofort auf den Hinterbeinen, wenn jemand es wagt, das Spiel beim Namen zu nennen: moderner Antisemitismus.<\/p>\n\n\n\n

Klein will dem entgegenwirken. Er versteht, dass antisemitische Attacken in Deutschland die Fr\u00fcchte solch falsch gezeichneter Bilder und eindimensionaler Narrative \u00fcber Israel sind. Wenn er und andere versuchen, ein anderes Narrativ aufzuzeigen, wirft man ihnen Zensur vor: Wie k\u00f6nnen sie es wagen, das Gesch\u00e4ft der Anti-Israel-Propaganda zu st\u00f6ren?<\/p>\n\n\n\n

Liebe Deutsche, wenn ihr reden wollt, lasst uns gern reden: \u00fcber die Besetzung, \u00fcber Bibi und alles, was schiefl\u00e4uft. Aber dann lasst uns bitte auch dar\u00fcber reden, wie deutsche Steuergelder Terrortunnel finanzieren. Erst vergangene Woche r\u00e4umte die niederl\u00e4ndische Regierung ein, dass Gelder an eine Landwirtschaftsorganisation in Ramallah geflossen seien, die damit teilweise die Geh\u00e4lter zweier des Mordes an der 17-j\u00e4hrigen Israelin Rina Shnerb Verd\u00e4chtiger gezahlt haben. Auch die Bundesregierung unterst\u00fctzt diese Organisation, obwohl Kritiker schon lange vor Verbindungen zu Terroristen warnen.<\/p>\n\n\n\n

Wir k\u00f6nnen uns also gerne unterhalten \u2013 aber im Dialog, nicht in Monologen. Denn Reden unter Menschen, die sich einig sind, ist nichts anderes als Impotenz.<\/p>\n\n\n\n

Israelkritik als Eintrittskarte<\/h6>\n\n\n\n

Die Israelis, die die Petition unterzeichnet haben, haben \u00fcbrigens ebenfalls etwas verstanden. Seit Jahren wissen sie: Es ist ihre Eintrittskarte in die Mitte der deutschen (und europ\u00e4ischen) Gesellschaft. Man h\u00f6rt nicht oft von Akademikern mit proisraelischen Ansichten. Weder in den Philharmonie-Orchestern noch in der Kunstszene. Die Eintrittskarte daf\u00fcr ist ein antiisraelischer Standpunkt.<\/p>\n\n\n\n

Der mutma\u00dfliche Grund, warum kaum Deutsche die Petition unterzeichnet haben: Sie mussten es nicht. Ihre Lieblingsjuden haben es f\u00fcr sie getan. Jetzt k\u00f6nnen sie sagen: \u201eSchau, ich bin das ja nicht, meine j\u00fcdischen Freunde sagen es.\u201c Ich selbst war einige Jahre lang mit einem Paar hier in Berlin befreundet, bis ich herausfand, dass ich ihr Lieblingsjude war. Ja, selbst das j\u00fcdische Museum wurde so genutzt.<\/p>\n\n\n\n

Weil Attacken gegen Juden ein absolutes Tabu sind, wurden Umwege gefunden, um den Antisemitismus auf kleiner Flamme k\u00f6cheln zu lassen: die unfundierte, unbegr\u00fcndete Kritik an Israel.<\/p>\n\n\n\n

Diese Art der Kritik ist gef\u00e4hrlich. Sie schw\u00e4cht jede begr\u00fcndete und notwendige Kritik am Verhalten Israels. Und das Interessante ist: Trotz all der heftigen, pauschalisierenden Anklagen, all der offenen Briefe driftet Israel politisch immer weiter nach rechts. Doch statt mal einen anderen Ansatz zu versuchen, werden die antiisraelischen Stimmen nur lauter. Dasselbe versuchen und andere Ergebnisse davon erwarten \u2013 das ist die Definition von Wahnsinn.<\/p>\n\n\n\n

Kurz bevor der Prozess gegen den wegen des Attentats von Halle<\/a> Angeklagten begann \u2013 des seit Kriegsende schlimmsten Akts von Antisemitismus in Deutschland \u2013, lud eine Lokalzeitung den fr\u00fcheren Botschafter Shimon Stein und den Historiker Moshe Zimmermann ein, dar\u00fcber zu schreiben, was Antisemitismus ist. Nat\u00fcrlich wendeten auch sie sich gegen Felix Kleins Ansatz. Sie zitieren die Kontroverse um die Umbenennung der U-Bahn-Station Mohrenstra\u00dfe in Glinkastra\u00dfe, die sich darum drehte, dass der russische Komponist Michael Glinka Antisemit gewesen sein soll. Stein und Zimmermann halten die Debatte f\u00fcr \u00fcberzogen, Glinka sei nur ein Kind seiner Zeit gewesen. Folgt man ihrer Logik, k\u00f6nnen wir dann also in 20 oder 30 Jahren U-Bahn-Stationen nach den Kindern der 1930er Jahre benennen?<\/p>\n\n\n\n

Der Antisemit als Tierfreund<\/h6>\n\n\n\n

Ich w\u00fcnschte, die Sache h\u00e4tte mit dem Artikel, mit der Petition geendet. Doch dann erschien ein Artikel, der den Leser auf einen Waldspaziergang mit einem veganen Koch und Antisemiten mitnahm. Darin setzt der Tierfreund erst behutsam einen K\u00e4fer wieder auf seine Beinchen und erkl\u00e4rt dann, dass die Todesstrafe in Deutschland wieder eingef\u00fchrt werden solle, um einen gewissen Politiker (der zuf\u00e4llig pro Israel ist) an seinen Hoden aufh\u00e4ngen zu k\u00f6nnen. Dieser Koch hat Hunderttausende Follower, er sagt all solche Dinge am helllichten Tag in Berlin. Und in den Medien.<\/p>\n\n\n\n

F\u00e4lle wie dieser handeln bereits von Gewalt \u2013 und sie enden nicht bei den Juden. Der Hass richtet sich gegen Frauen<\/a>, Muslime, Gefl\u00fcchtete, \u00adLBTQI. Am Ende aller theoretischen Debatten stehen immer echte Menschen. Am Ende jeder Konferenz dar\u00fcber, was Antisemitismus ausmacht, steht ein potenzielles j\u00fcdisches Opfer. Angesichts einer Welle von Antisemitismus \u00fcber die Definition von Antisemitismus zu streiten ist, wie eine 10 Meter hohe Welle heranrollen zu sehen und dar\u00fcber zu streiten, was einen Tsunami ausmacht.<\/p>\n\n\n\n

Felix Klein versteht, wie absurd es ist, zu sagen: Es sind nur die Rechten. Die Rechten sind Deutsche, so wie die Nazis Deutsche waren. Klein versteht, dass die Deutschen nicht aufgeh\u00f6rt haben, Juden zu ermorden, weil sie irgendeine Art von Erleuchtung hatten. Sondern schlicht, weil sie den Krieg verloren haben. Um den Antisemitismus zu bek\u00e4mpfen, bevor er die Gesellschaft frisst, in der er und wir leben, muss Deutschland seinen moralischen Kompass korrigieren.<\/p>\n\n\n\n

Immerhin: Mehr und mehr Deutsche fahren nach Israel, sie wollen ein anderes Narrativ h\u00f6ren. Mehr und mehr Deutsche verstehen, dass Antisemitismus Schockwellen ausl\u00f6st, die die gesamte Gesellschaft betreffen. In einem normalen Universum w\u00fcrde Klein bef\u00f6rdert werden f\u00fcr seine Leistung. In einer verdrehten Gesellschaft fordern Menschen seine Entlassung. Um es mit Mbembe zu sagen: Das ist Nano-Nonsens.<\/p>\n\n\n\n

\u00dcbersetzung: Ariane Lemme<\/a><\/em><\/p>\n","post_title":"Felix Klein hat verstanden","post_excerpt":"","post_status":"publish","comment_status":"closed","ping_status":"closed","post_password":"","post_name":"felix-klein-hat-verstanden","to_ping":"","pinged":"","post_modified":"2025-02-02 08:39:39","post_modified_gmt":"2025-02-02 08:39:39","post_content_filtered":"","post_parent":0,"guid":"https:\/\/dctransparency.com\/?p=3786","menu_order":0,"post_type":"post","post_mime_type":"","comment_count":"0","filter":"raw"}],"next":false,"prev":true,"total_page":47},"paged":1,"column_class":"jeg_col_2o3","class":"epic_block_3"};

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Ohne Vorwarnung detonierte eine Explosion in der Mitte der Gruppe und lie\u00df 26 Kadetten tot oder auf dem Exerzierplatz sterben. Viele waren noch Teenager. Keiner von ihnen war bewaffnet.

Einer der \u00dcberlebenden war der 20-j\u00e4hrige Abdul Moeen.<\/p>\n\n\n\n

Er war in der Akademie, als der Streik eintraf. \"Es war unbeschreiblich\", sagte er der BBC.<\/p>\n\n\n\n

\"Wir haben gesehen, wie unsere Kollegen starben, ihren letzten Atemzug machten und wir konnten nichts tun ... Es gab Leute, deren Oberk\u00f6rper von ihren K\u00f6rpern getrennt waren. Es war ein schreckliches Verbrechen, ein Verbrechen, das nichts mit der Menschheit zu tun hat. \"\"<\/p>\n\n\n\n

Sieben Monate nach dem Streik hat niemand die Verantwortung f\u00fcr die T\u00f6tung dieser jungen M\u00e4nner eingestanden.<\/p>\n\n\n\n

Die LNA unter Gen Khalifa Haftar bestritt, dass sie hinter dem Streik steckt, und teilte der Presse mit, dass die Explosion m\u00f6glicherweise durch eine lokal abgefeuerte M\u00f6rsergranate oder einen Angriff innerhalb der Akademie verursacht worden sei.<\/p>\n\n\n\n

Was hat die BBC gefunden?<\/strong><\/p>\n\n\n\n

Die Untersuchung ergab Hinweise darauf, dass eine viel ausgefeiltere Waffe verwendet wurde.<\/p>\n\n\n\n

\"\"<\/figure>\n\n\n\n

Die BBC betrachtete Bilder des Splitters, der nach dem Streik auf dem Exerzierplatz zur\u00fcckgelassen wurde, und kam zu dem Schluss, dass er mit den Komponenten einer Rakete namens Blue Arrow 7 \u00fcbereinstimmte.<\/p>\n\n\n\n

Unsere Analyse ergab, dass nur ein Flugzeug, das im Januar 2020 \u00fcber Tripolis operierte, diese Waffe abfeuern konnte - eine Drohne namens Wing Loong 2.<\/p>\n\n\n\n

Nur drei Wochen vor diesem Streik kamen die Vereinten Nationen zu dem Schluss, dass der Blaue Pfeil 7 \"ballistisch gepaart ist, um vom Wing Loong II geliefert zu werden ... und von keinem anderen in Libyen bisher identifizierten Luftfahrtgut\".<\/p>\n\n\n\n

Die BBC untersuchte auch, woher diese Drohne stammen k\u00f6nnte, und fand Hinweise darauf, dass Wing Loong-Drohnen zum Zeitpunkt des Angriffs nur von einem libyschen Luftwaffenst\u00fctzpunkt aus operierten: al-Khadim im von der LNA kontrollierten Ostlibyen.<\/p>\n\n\n\n

Sowohl die BBC als auch die UN haben Beweise daf\u00fcr gefunden, dass Drohnen, die von diesem Luftwaffenst\u00fctzpunkt aus operieren, zu den Vereinigten Arabischen Emiraten geh\u00f6ren.<\/p>\n\n\n\n

Im Jahr 2019 stellte die UNO fest, dass die VAE durch den Versand von Wing Loong-Drohnen und Blue Arrow 7-Raketen nach Libyen gegen das seit 2011 geltende UN-Waffenembargo gegen das Land versto\u00dfen hatten.<\/p>\n\n\n\n

Die BBC fand auch ein Waffenregister, aus dem hervorgeht, dass die VAE 2017 15 Wing Loong-Drohnen und 350 Blue Arrow 7-Raketen gekauft haben.<\/p>\n\n\n\n

Was hat die BBC noch aufgedeckt?<\/strong><\/p>\n\n\n\n

<\/p>\n\n\n\n

Die BBC-Untersuchung ergab auch neue Beweise daf\u00fcr, dass \u00c4gypten den VAE erlaubt, \u00e4gyptische Milit\u00e4rflugpl\u00e4tze nahe der libyschen Grenze zu nutzen.<\/p>\n\n\n\n

Im Februar 2020 scheinen die in Libyen stationierten Wing Loong II-Drohnen \u00fcber die Grenze nach \u00c4gypten zu einem Luftwaffenst\u00fctzpunkt in der N\u00e4he von Siwa in der west\u00e4gyptischen W\u00fcste gebracht worden zu sein.<\/p>\n\n\n\n

Satellitenbilder zeigen auch, dass ein zweiter \u00e4gyptischer Milit\u00e4rflugplatz, Sidi Barrani, als Einsatzbasis f\u00fcr Mirage 2000-Kampfflugzeuge verwendet wurde, die in Farben lackiert sind, die nicht von der \u00e4gyptischen Luftwaffe verwendet werden, aber genau den von den VAE geflogenen Jets entsprechen .<\/p>\n\n\n\n

Dies ist das gleiche Flugzeugmodell, das von den Vereinten Nationen in einen Luftangriff auf ein Migrationszentrum \u00f6stlich von Tripolis im Juli 2019 verwickelt wurde, bei dem 53 Menschen get\u00f6tet wurden.<\/p>\n\n\n\n

Ausl\u00e4ndischer Jet bei libyschem Migrantenangriff verd\u00e4chtigt<\/p>\n\n\n\n

Sidi Barrani ist auch das Ziel f\u00fcr mehrere Frachtflugzeuge, die von den Vereinigten Arabischen Emiraten gestartet sind, und schl\u00e4gt eine Luftbr\u00fccke f\u00fcr Ausr\u00fcstung oder Lieferungen zwischen den Vereinigten Arabischen Emiraten und einer Milit\u00e4rbasis vor, die nur 80 km von der libyschen Grenze entfernt liegt.<\/p>\n\n\n\n

Die \u00e4gyptische Regierung antwortete nicht auf die Bitte der BBC um Stellungnahme.<\/p>\n\n\n\n

Ist ausl\u00e4ndisches milit\u00e4risches Engagement \u00fcberraschend?<\/strong><\/p>\n\n\n\n

Sowohl die Vereinigten Arabischen Emirate als auch \u00c4gypten nahmen an einer von Bundeskanzlerin Angela Merkel im Januar dieses Jahres in Berlin einberufenen Konferenz \u00fcber Libyen teil, auf der sie ihre Unterst\u00fctzung f\u00fcr den UN-Friedensprozess bekr\u00e4ftigten und sich bereit erkl\u00e4rten, nicht in den Libyen-Krieg einzugreifen.<\/p>\n\n\n\n

Im vergangenen Jahr gab es jedoch eine Eskalation des Einsatzes von Drohnen durch beide Seiten des Konflikts.<\/p>\n\n\n\n

Ghassan Salam\u00e9, der fr\u00fchere Leiter der UN-Mission in Libyen, beschrieb dies als \"m\u00f6glicherweise das gr\u00f6\u00dfte Drohnenkriegstheater der Welt\".<\/p>\n\n\n\n

Die VAE sind nicht die einzige ausl\u00e4ndische Macht, die an diesem Konflikt beteiligt ist.<\/p>\n\n\n\n

Anfang dieses Jahres gab BBC Africa Eye bekannt, dass die T\u00fcrkei auch gegen das Waffenembargo der Vereinten Nationen gegen Libyen versto\u00dfen hat, indem sie geheime Waffenlieferungen an die von den Vereinten Nationen anerkannte Regierung in Tripolis gesendet hat.<\/p>\n\n\n\n

Mit Unterst\u00fctzung der T\u00fcrkei hat die von den Vereinten Nationen anerkannte Regierung des Nationalen Abkommens nun die LNA von Gen Haftar aus der Gegend um Tripolis zur\u00fcckgeschlagen.<\/p>\n","post_title":"BBC-Untersuchung: VAE in t\u00f6dlichen Angriff in Libyen verwickelt","post_excerpt":"","post_status":"publish","comment_status":"closed","ping_status":"closed","post_password":"","post_name":"bbc-untersuchung-vae-in-todlichen-angriff-in-libyen-verwickelt","to_ping":"","pinged":"","post_modified":"2025-02-02 08:39:39","post_modified_gmt":"2025-02-02 08:39:39","post_content_filtered":"","post_parent":0,"guid":"https:\/\/dctransparency.com\/?p=3811","menu_order":0,"post_type":"post","post_mime_type":"","comment_count":"0","filter":"raw"},{"ID":3792,"post_author":"7","post_date":"2020-08-14 13:58:48","post_date_gmt":"2020-08-14 13:58:48","post_content":"\n

Die Hagia Sophia war (ist) ein kulturelles Weltwunder und aufgeladen mit symbolischer Bedeutung, f\u00fcr die Christenheit ebenso wie f\u00fcr den Islam \u2013 und den t\u00fcrkischen Nationalismus. Als Mehmed II. sie betrat, war sie schon fast 1000 Jahre die gr\u00f6\u00dfte Kirche der christlichen Welt und das Zentrum der orthodoxen Glaubensrichtung. Die \"Ayasofya\", wie sie dann hie\u00df, war 500 Jahre lang Moschee \u2013 bis 1934, als Kemal Pascha Atat\u00fcrk, der \"Vater\" der modernen T\u00fcrkei, sie in ein Museum verwandelte, in der ausdr\u00fccklichen Absicht, auch hier mit dem osmanischen Erbe zu brechen.<\/p>\n\n\n\n

Nun wird Pr\u00e4sident Recep Tayyip Erdo\u011fan, der \"Vater\" der re-islamisierten T\u00fcrkei, am 24. Juli dieses Jahres die Ayasofya durch das Freitagsgebet wieder in den Islam eingliedern. Oder eher in seinen pers\u00f6nlichen religi\u00f6sen Nationalismus.<\/p>\n\n\n\n

Welterbe von allen<\/h3>\n\n\n\n

Wie bedeutungsschwer ist dieser Akt eines \"starken Mannes\", der innenpolitisch deutlich schw\u00e4chelt? Die Proteste vor allem aus der orthodoxen Welt, aber auch aus Europa und den USA sind eher traurig als w\u00fctend. Der Papst dr\u00fcckte seinen \"Schmerz\" aus. Auch der Jubel in der islamischen Welt fiel zun\u00e4chst weniger \u00fcbersch\u00e4umend als erwartet aus.<\/p>\n\n\n\n

Ist es der Alleingang eines Autokraten in Bedr\u00e4ngnis oder ist \"der Jubel \u00fcber die Eroberung der Hagia Sophia der Versuch einer zutiefst erniedrigten, vom Gef\u00fchl der Wertlosigkeit dominierten und in ihrer eigenen Selbstberechtigung beraubten Gesellschaft, eine Bedeutung, eine St\u00e4rke, ein Selbstwertgef\u00fchl zu finden\"? So recht pauschalierend der in Deutschland lebende pal\u00e4stinensische Intellektuelle und Psychiater Ahmad Mansour.<\/p>\n\n\n\n

Die beiden Gro\u00dfreiche, das byzantinische und das osmanische, sind l\u00e4ngst versunken.<\/p><\/blockquote>\n\n\n\n

Das eigentliche Schl\u00fcsselwort im Zusammenhang mit der Hagia Sofia ist \"Welterbe\". Das Erbe von allen. Einmal im kulturellen Sinn der Unesco, aber in Wahrheit weiter gefasst. Das einzigartige Bauwerk geh\u00f6rt in Wirklichkeit der ganzen Welt, nicht der einen oder anderen Religion. Die beiden Gro\u00dfreiche, f\u00fcr die die Hagia Sofia der zentrale spirituelle Bau war, das byzantinische und das osmanische, sind l\u00e4ngst versunken. Seither hat sie eine neue, \u00fcbernationale Dimension erhalten. Was Erdo\u011fan da jetzt mit der Hagia Sofia macht, ist eine Verengung und Verarmung eines gemeinsamen Welterbes.<\/p>\n\n\n\n

\"\"\/
Betende Muslime vor der Hagia Sophia.<\/figcaption><\/figure>\n\n\n\n

Davon abgesehen aber war und ist sie ein architektonisches Meisterwerk und geh\u00f6rt zu den bedeutendsten Bauten der Welt. Wer heute den Zentralraum unter der Kuppel betritt, kann sich nur schwer dem zugleich majest\u00e4tischen wie schwebenden Gesamteindruck entziehen. Die Hagia Sophia blieb fast 1000 Jahre die gr\u00f6\u00dfte Kirche der Christenheit. Technisch war die Kuppel (mit mehreren Halbkuppeln) eine \u00fcberaus riskante Innovation: Die 55 Meter hohe und 32 Meter im Durchmesser breite Kuppel ruht auf nur vier Tragpunkten, was den schwebenden, schwerelosen Eindruck erzeugt. Die Konstruktion folgt einem mathematischen Prinzip, das erst k\u00fcrzlich entschl\u00fcsselt wurde.<\/p>\n\n\n\n

\"Salomo, ich habe dich \u00fcbertroffen!\"<\/p><\/blockquote>\n\n\n\n

Als Kaiser Justinian die Hagia Sophia nach nur f\u00fcnf Jahren Bauzeit (532\u2013537) betrat, soll er in Anspielung auf den Tempel in Jerusalem ausgerufen haben: \"Salomo, ich habe dich \u00fcbertroffen!\" Die Innenausstattung war mit ihren S\u00e4ulen aus Porphyr und gr\u00fcnem Marmor, mit Mosaiken aus Gold und Halbedelsteinen derart prunkvoll, der Gesamteindruck derart \u00fcberirdisch, dass eine Delegation des Gro\u00dff\u00fcrsten von Kiew nicht mehr wusste, \"ob wir im Himmel oder auf der Erde\" waren \u2013 was die Christianisierung Russlands bef\u00f6rderte.<\/p>\n\n\n\n

Der deutsche Architekturlehrer Holger Kleine nennt die Hagia Sophia \"absolute Architektur\", weil sie \"extreme Ausdrucksformen nahezu aller dramaturgischen Mittel, die der Architektur zur Verf\u00fcgung stehen, vereinigt: wuchtigste K\u00f6rper und luftigste R\u00e4ume, engste Enge und gr\u00f6\u00dfte Weite, w\u00e4rmende Helligkeit und mystisches Dunkel\". Und die Kuppelbauten aus der sp\u00e4teren Hochbl\u00fcte der Moscheenarchitektur im 16. und 17. Jahrhundert gehen eindeutig auf die Hagia Sophia zur\u00fcck.<\/p>\n\n\n\n

Die Hagia Sophia war Staatskirche des byzantinischen Reichs. F\u00fcr die Eroberer der letzte Schlussstein in der Kuppel osmanisch-muslimischen Herrschaftsanspruchs. Konstantinopel war ja 1453 nur noch eine isolierte, heruntergekommene Enklave in einem osmanischen Umfeld, kein christliches Heer kam zu Hilfe. Doch vorher war es zugleich Sperrriegel nach Osten und Geistesarchiv der antiken Kultur gewesen. \"Ohne Byzanz h\u00e4tte es kein Europa gegeben\", sagt die britische Altertumsforscherin Judith Herrin.<\/p>\n\n\n\n

\"\"\/
Freigelegtes Mosaik von \"Christos Pantokrator\".<\/figcaption><\/figure>\n\n\n\n

Neue Fragen<\/h3>\n\n\n\n

Die Kirche wurde von Mehmed II. und Nachfolgern nicht in der Substanz zerst\u00f6rt, sondern \"entchristlicht\". Die urspr\u00fcnglich \u00fcbert\u00fcnchten oder auch abgeschlagenen Mosaiken mit den Darstellungen von Christus, der Muttergottes, diversen Kaisern kamen zum Teil schon unter einem Sultan des 19. Jahrhunderts, dann gro\u00dfteils nach der Museumswidmung wieder zum Vorschein.<\/p>\n\n\n\n

Jetzt stellen sich neue symbolisch-praktische Fragen. Erdo\u011fan hat die Hagia Sophia der konservativen staatlichen Religionsbeh\u00f6rde Diyanet unterstellt. Die byzantinischen Mosaike, wie der gro\u00dfartige \"Christos Pantokrator\" (\"Weltenherrscher\") oder die Jungfrau Maria in der Apsis, m\u00fcssen wohl w\u00e4hrend des islamischen Gottesdiensts verh\u00e4ngt werden. Muss der Boden mit seinen Marmorplatten und Mosaiken mit einem Teppich bedeckt werden? Erdo\u011fan sagt, Touristen seien nach wie vor zugelassen. Aber sie werden wohl hinter Absperrungen bleiben m\u00fcssen. Frauen werden \u2013 wie in der benachbarten \"Blauen Moschee\" (\"Sultanahmed\") Kopftuch tragen m\u00fcssen.<\/p>\n\n\n\n

\"\"\/
Erdo\u011fan mit Gattin in der Hagia Sophia.<\/figcaption><\/figure>\n\n\n\n

Erdo\u011fans neue Abenteuer<\/strong><\/h3>\n\n\n\n

Aber wird da nicht doch zu viel in einen Formalakt rund um ein uraltes Bauwerk hineininterpretiert? Im geschichtlichen Kontext relativiert sich manches: Konstantinopel wurde schon von Christen erobert und ausgepl\u00fcndert \u2013 1204 im Vierten Kreuzzug. In der Moschee von Cordoba (\"Mezquita\") bauten die Katholiken eine ganze Kirche in den ber\u00fchmten S\u00e4ulenwald hinein. Die Mezquita ist heute noch Kirche, kein Museum.<\/p>\n\n\n\n

\"Das ist der Beweis, dass wir kein s\u00e4kularer Staat mehr sein wollen\", sagt Nobelpreistr\u00e4ger Orhan Pamuk. Erdo\u011fan betrachtet sich offenbar als auch neoosmanischer \"Fatih\" im Mittelmeerraum mit immer neuen Abenteuern: Eingreifen in Syrien, Stellvertreterkrieg in Libyen, Anspr\u00fcche auf Erdgasvorkommen weit vor der t\u00fcrkischen K\u00fcste bei Zypern, Reden, wonach manche \u00c4g\u00e4is-Inseln eigentlich zur T\u00fcrkei geh\u00f6ren, \"denn dort stehen unsere Moscheen\". Manches davon ist nur Rhetorik, aber genug anderes ist riskante Realit\u00e4t. (Hans Rauscher, 14.7.2020)<\/p>\n\n\n\n

Quelle<\/a><\/strong><\/p>\n","post_title":"Hagia Sophia: Verengung und Verarmung eines Welterbes","post_excerpt":"","post_status":"publish","comment_status":"closed","ping_status":"closed","post_password":"","post_name":"hagia-sophia-verengung-und-verarmung-eines-welterbes","to_ping":"","pinged":"","post_modified":"2025-02-02 08:39:39","post_modified_gmt":"2025-02-02 08:39:39","post_content_filtered":"","post_parent":0,"guid":"https:\/\/dctransparency.com\/?p=3792","menu_order":0,"post_type":"post","post_mime_type":"","comment_count":"0","filter":"raw"},{"ID":3789,"post_author":"7","post_date":"2020-08-14 13:56:07","post_date_gmt":"2020-08-14 13:56:07","post_content":"\n

Im Gastkommentar pocht Mark Leonard, Direktor des Europ\u00e4ischen Rats f\u00fcr Ausw\u00e4rtige Beziehungen, auf \"neue, einvernehmlich vereinbarte Prinzipien sowie klare Grenzen\", nur so k\u00f6nne eine weitere Destabilisierung in der Region verhindert werden.<\/em><\/strong><\/p>\n\n\n\n

Ist die T\u00fcrkei das neue Russland? Diese Frage wird in den europ\u00e4ischen Hauptst\u00e4dten zunehmend gestellt, da die Au\u00dfenpolitik des t\u00fcrkischen Pr\u00e4sidenten Recep Tayyip Erdo\u011fan zunehmend aggressiver wird. Erdo\u011fan nutzt nicht nur die Migration, um die EU zu bedrohen und zu betr\u00fcgen, sondern setzt auch milit\u00e4rische Macht ein, um den Einflussbereich der T\u00fcrkei auf die gesamte Region auszudehnen.<\/p>\n\n\n\n

Seit dem Ende des Kalten Krieges haben die Europ\u00e4er die regionale Sicherheit durch eine unipolare westliche Linse betrachtet. W\u00e4hrend die Nato die milit\u00e4rische Sicherheit garantierte, sorgte die EU mit ihrem 80.000 Seiten starken Regelwerk f\u00fcr alles von LGBTQ-Rechten bis hin zu Rasenm\u00e4her-Sound-Verordnungen f\u00fcr Rechtsordnung. In den 90er-Jahren ging man allgemein davon aus, dass die beiden gro\u00dfen nichtwestlichen regionalen Akteure, Russland und die T\u00fcrkei, nach und nach an diese Regelungen herangef\u00fchrt werden w\u00fcrden.<\/p>\n\n\n\n

Qu\u00e4lende Hassliebe<\/h3>\n\n\n\n

Doch in den letzten 15 Jahren ist der Traum von der europ\u00e4ischen Unipolarit\u00e4t einer multipolaren Realit\u00e4t gewichen. Sowohl Russland als auch die T\u00fcrkei haben eine lange, qu\u00e4lende Hassliebe zu Europa, und beide sind unter nationalen Machthabern, denen die Verachtung der Normen und Werte der EU gemeinsam ist, durchsetzungsf\u00e4higer geworden.<\/p>\n\n\n\n

Die zunehmende Verschlechterung der Beziehungen zwischen der EU und Russland ist gut dokumentiert, der Fall der T\u00fcrkei weniger. Der Irakkrieg im Jahr 2003 komplizierte das Verh\u00e4ltnis der T\u00fcrkei zur Nato, und ihr Verh\u00e4ltnis zur EU verschlechterte sich 2007, als Frankreich einen wichtigen Teil ihrer EU-Beitrittsverhandlungen blockierte. Seitdem hat die T\u00fcrkei ihren eigenen Weg in Syrien, auf dem Balkan und in Libyen eingeschlagen und neue Beziehungen zu Russland und China aufgebaut.<\/p>\n\n\n\n

Wichtiger Akteur<\/strong><\/h3>\n\n\n\n

Nat\u00fcrlich sind die Beziehungen zwischen der T\u00fcrkei und Russland nicht weniger kompliziert, nicht zuletzt weil Erdo\u011fan und der russische Pr\u00e4sident Wladimir Putin im syrischen B\u00fcrgerkrieg verschiedene Seiten unterst\u00fctzten.Und w\u00e4hrend die Spannungen wegen des Syrien-Konflikts weiterhin bestehen, bewundert Erdo\u011fan deutlich, wie Russland sich \u2013 bei relativ geringen Kosten \u2013 wieder als wichtiger Akteur im Nahen Osten und in Nordafrika etabliert hat.<\/p>\n\n\n\n

Nachdem er in einen nicht zu gewinnenden Krieg im Osten der Ukraine verwickelt war, schien Putins weitgehend erfolgreicher Feldzug in Syrien einen Teil seiner innenpolitischen Autorit\u00e4t wiederherzustellen. Der Westen hatte f\u00fcnf Jahre lang darauf bestanden, dass es keine milit\u00e4rische L\u00f6sung des Konflikts gebe und dass der syrische Pr\u00e4sident Baschar al-Assad gehen m\u00fcsse. Doch w\u00e4hrend die von den Vereinten Nationen unterst\u00fctzten Gespr\u00e4che in Genf zu keinem Ergebnis f\u00fchrten, schienen die von Russland geleiteten Gespr\u00e4che in Astana voranzukommen. Indem der Kreml die T\u00fcrkei und den Iran einbezog, w\u00e4hrend er die westlichen M\u00e4chte ausschloss, erweckte er den Eindruck, dass Russland als wiedergeborene Supermacht aus der Asche auferstanden sei.<\/p>\n\n\n\n

Unter Druck<\/h3>\n\n\n\n

Angesichts des wachsenden Widerstands im eigenen Land macht es Erdo\u011fan Putin gleich. Da der Westen nicht bereit war, (erneut) milit\u00e4risch in Libyen zu intervenieren, sah Erdo\u011fan eine Gelegenheit, die T\u00fcrkei zu positionieren. Nach dem Vorgehen Russlands in Syrien sicherte er sich eine formelle Einladung der libyschen Regierung zur Intervention. Mit einem Schlag Ende letzten Jahres hat er nicht nur das Image der T\u00fcrkei als Regionalmacht gest\u00e4rkt, sondern auch ein Abkommen mit Libyen \u00fcber die Seegrenze abgeschlossen und damit einen Plan Griechenlands, Zyperns, \u00c4gyptens und Israels zur Erschlie\u00dfung von Unterwasser\u00f6l- und -gasfeldern in der N\u00e4he zunichtegemacht.<\/p>\n\n\n\n

Erdo\u011fan scheint auch von der Spalt-und-Eroberungs-Strategie des Kreml in Europa inspiriert worden zu sein, der zufolge oft diejenigen EU-Mitgliedsstaaten unter Druck gesetzt werden, die am meisten von russischen Kohlenwasserstoffen oder M\u00e4rkten abh\u00e4ngig sind. So wie Putin lange Zeit die Energieversorgung instrumentalisiert hat, hat Erdo\u011fan versucht, den Strom von Migranten und Fl\u00fcchtlingen, die vor Konflikten im Nahen Osten fliehen, zu instrumentalisieren. Als die EU eine neue Marinemission ank\u00fcndigte, um den Waffenstrom nach Libyen zu blockieren, malte die T\u00fcrkei f\u00fcr Malta das Schreckgespenst der angeblichen Bedrohung durch Migranten an die Wand. Malta reagierte prompt und signalisierte, dass es gegen die Finanzierung der Mission ein Veto einlegen werde.<\/p>\n\n\n\n

Verlorener Sohn<\/strong><\/h3>\n\n\n\n

Jahrelang redeten sich die Europ\u00e4er ein, dass Russland eine Art verlorener Sohn sei und dass die europ\u00e4ische unipolare Ordnung gesund bleibe. Doch das machte Europa zu einem leichten Ziel f\u00fcr die Trennungs-und-Eroberungs-Strategie des Kreml. Erst vor relativ kurzer Zeit entwarf die Union eine neue Politik und ein robustes Sanktionsregime, um die russische Aggression abzuschrecken. Und selbst jetzt \u2013 trotz der besten Bem\u00fchungen der deutschen Bundeskanzlerin Angela Merkel und des franz\u00f6sischen Pr\u00e4sidenten Emmanuel Macron \u2013 hat die EU noch immer keine wirksamen Kommunikationskan\u00e4le mit Russland geschaffen, um gemeinsame Probleme anzugehen.<\/p>\n\n\n\n

Die T\u00fcrkei ist noch kein neues Russland, aber sie k\u00f6nnte dazu werden, wenn die Situation falsch gehandhabt wird. Vorerst betrachten die meisten Europ\u00e4er die T\u00fcrkei noch immer als einen komplizierten Partner und nicht als \"Systemrivalen\". Aber die Europ\u00e4er sollten die hart erk\u00e4mpften Lehren aus dem Umgang mit Russland in den letzten 15 Jahren beherzigen. Die Beziehungen zwischen der EU und der T\u00fcrkei brauchen neue, einvernehmlich vereinbarte Prinzipien sowie klare Grenzen, um eine weitere Destabilisierung in der Region zu verhindern.<\/p>\n\n\n\n

Zu diesem Zweck sollten die Europ\u00e4er klarstellen, dass der EU-Beitrittsprozess entweder zur\u00fcckgedreht oder vorangetrieben werden kann und dass eine eher transaktionale Beziehung sowohl Zuckerbrot als auch Peitsche beinhaltet. Die Herausforderung wird darin bestehen, daf\u00fcr zu sorgen, dass es in einer Region, die nicht nur von Europa und der T\u00fcrkei, sondern auch von Russland, den USA und einem aufstrebenden China beeinflusst wird, noch Raum f\u00fcr politisches Engagement in Fragen der gemeinsamen Sicherheit gibt. (Mark Leonard, \u00dcbersetzung: Eva G\u00f6llner, Copyright: Project Syndicate, 10.8.2020)<\/p>\n\n\n\n

Mark Leonard <\/strong>ist Direktor des Europ\u00e4ischen Rats f\u00fcr Ausw\u00e4rtige Beziehungen.<\/a><\/p>\n","post_title":"Erdo\u011fan \u2013 der andere Putin vor der Haust\u00fcr Europas","post_excerpt":"","post_status":"publish","comment_status":"closed","ping_status":"closed","post_password":"","post_name":"erdogan-der-andere-putin-vor-der-haustur-europas","to_ping":"","pinged":"","post_modified":"2025-02-02 08:39:39","post_modified_gmt":"2025-02-02 08:39:39","post_content_filtered":"","post_parent":0,"guid":"https:\/\/dctransparency.com\/?p=3789","menu_order":0,"post_type":"post","post_mime_type":"","comment_count":"0","filter":"raw"},{"ID":3786,"post_author":"7","post_date":"2020-08-14 13:51:23","post_date_gmt":"2020-08-14 13:51:23","post_content":"\n

Einen Monat nachdem ich zur israelischen Armee eingezogen worden war, brach die erste Intifada aus. Statt Soldat zu sein, machte ich Polizeiarbeit, sagte den Menschen, wann sie zur Arbeit gehen konnten und wann sie ihre L\u00e4den schlie\u00dfen mussten, wann sie die Grenze passieren und wann sie schlafen konnten. Einen Monat nachdem ich aus der Armee entlassen worden war, ging ich auf Reisen. (In Israel sagen wir: Wir dienen drei Jahre und versuchen den Rest unseres Lebens, diese drei Jahre zu vergessen.) Auf meiner Reise begann ich Briefe an meine Freundin zu schreiben, die ich in Israel zur\u00fcckgelassen hatte.<\/p>\n\n\n\n

Ich schrieb ihr, wie schrecklich depressiv ich war und dass diese drei Jahre des Anweisungenbellens und Anderen-Menschen-Sagens, was sie zu tun haben, mich f\u00fcr immer verfolgen w\u00fcrden. Dass sie ein Teil dessen geworden waren, was ich bin. Ich erinnere mich, dass ich ihr schrieb, dass wir da rausm\u00fcssen \u2013 nicht nur f\u00fcr die Pal\u00e4stinenser, sondern wegen der furchtbaren und brutalen Auswirkungen, die all das auf uns, auf die israelische Gesellschaft haben w\u00fcrde. Sie schrieb zur\u00fcck: \u201eDu hast recht. Ich habe einen neuen Freund.\u201c<\/p>\n\n\n\n

Felix Klein wurde als Beauftragter der Bundesregierung berufen<\/a>, um die Auswirkungen des zunehmenden Antisemitismus in unserer Gesellschaft, in Deutschland, zu bek\u00e4mpfen. Was nicht in seiner Jobbeschreibung steht, ist, dass er dabei unsere Gesellschaft heilen muss, jene Gesellschaft, die diese Form des Hasses reproduziert und sch\u00fctzt. Klein hat das begriffen.<\/p>\n\n\n\n

Er versteht, dass man Krebs nicht mit einem Pflaster verarztet, er wei\u00df, dass er das Bewusstsein der Deutschen sch\u00e4rfen und Diskussionen ansto\u00dfen muss. Er hat begriffen, dass das Problem nicht nur an den R\u00e4ndern der Gesellschaft (bei den Rechten) liegt, sondern auch in ihrer Mitte. Dort, wo gebildete Menschen nicht einmal bemerken, dass das, was sie sagen und tun, antisemitisch ist. So wie sie es auch nicht merken, wenn sie rassistisch handeln. Er hat all das verstanden, und genau deshalb wollen einige, dass er seinen Posten r\u00e4umt.<\/p>\n\n\n\n

Mehr als 60 deutsche und israelische Intellektuelle haben letzte Woche in einem Brief an Kanzlerin Merkel<\/a> dar\u00fcber geklagt, dass der aktuelle \u201eGebrauch des Antisemitismusbegriffs\u201c darauf abziele, \u201elegitime Kritik an der israelischen Regierungspolitik zu unterdr\u00fccken\u201c, und Klein vorgeworfen, rechtspopulistische israelische Stimmen zu f\u00f6rdern.<\/p>\n\n\n\n

Faszinierend an diesem offenen Brief ist, dass viele der Unterzeichneten keine Deutschen sind und auch nicht in Deutschland leben. Ich wei\u00df nicht, woher sie \u2013 die meisten von ihnen sind Israelis \u2013 die Chuzpe haben, sich in eine innerdeutsche Angelegenheit einzumischen und zu fordern, eine Person zu entlassen, die von der Bundesregierung eingesetzt wurde. Die H\u00e4lfte der Unterzeichneten lebt nicht hier, von der anderen H\u00e4lfte sind viele keine Juden \u2013 somit sind die allermeisten von ihnen nicht direkt vom Antisemitismus in Deutschland betroffen. Wie also k\u00f6nnen sie diesen Brief unterschreiben? Und warum eigentlich haben so wenige Deutsche unterschrieben? Dazu komme ich gleich.<\/p>\n\n\n\n

Debatte um Achille Mbembe<\/h6>\n\n\n\n

Hintergrund des Briefs war, dass Felix Klein gefordert hatte, den Philosophen Achille Mbembe<\/a> nicht die Er\u00f6ffnungsrede der Ruhrtriennale halten zu lassen. Als mit \u00f6ffentlichen Mitteln gef\u00f6rdertes Event solle die Ruhrtriennale Mbembe wegen seiner Haltung zu Israels Existenzrecht, seiner Haltung zu BDS und der Art, wie er in einem seiner Werke den Holocaust relativiert, nicht einladen.<\/p>\n\n\n\n

Mbembes Unterst\u00fctzer sagen, keine dieser Anschuldigungen sei wahr. F\u00fcrs Protokoll: In meinen Augen unterst\u00fctzt Mbembe sehr wohl BDS<\/a>, er schrieb unter anderem das Vorwort zu \u201eApartheid Israel\u201c und fordert die komplette Isolation Israels. Ich glaube auch, wenn Mbembe schreibt, die israelische Besetzung sei der \u201egr\u00f6\u00dfte moralische Skandal unserer Zeit\u201c, zeigt das, dass sein moralischer und geografischer Kompass etwas schief ist.<\/p>\n\n\n\n

Doch warum treibt die Debatte so viele Menschen um? Nun, zun\u00e4chst gibt niemand gern auf, was ihm oder ihr selbstverst\u00e4ndlich scheint. \u00dcber den gesamten politischen, sozialen, kulturellen, medialen und akademischen Sektor hinweg sind Menschen daran gew\u00f6hnt, so schlecht \u00fcber Israel sprechen zu k\u00f6nnen, wie auch immer sie wollen.<\/p>\n\n\n\n

Der Spiegel<\/em> hat \u2013 vielleicht in Anlehnung an seine Relotius-Standards, Israel erst k\u00fcrzlich eine Corona-Diktatur genannt. Fakten und Belege f\u00fcr diese Behauptung gab es nicht. Doch Millionen Deutsche haben es gelesen, und es wird nat\u00fcrlich haften bleiben. Faktenlage hin oder her. Der Spiegel<\/em> und andere Medien haben dieses Spiel perfektioniert: Titel so zu drehen, dass sie Israel indirekt anklagen, die Idee zu streuen, der Mossad kon\u00adtrol\u00adliere die deutsche Au\u00dfenpolitik im Nahen Osten, und so fort. Doch sie stehen allesamt sofort auf den Hinterbeinen, wenn jemand es wagt, das Spiel beim Namen zu nennen: moderner Antisemitismus.<\/p>\n\n\n\n

Klein will dem entgegenwirken. Er versteht, dass antisemitische Attacken in Deutschland die Fr\u00fcchte solch falsch gezeichneter Bilder und eindimensionaler Narrative \u00fcber Israel sind. Wenn er und andere versuchen, ein anderes Narrativ aufzuzeigen, wirft man ihnen Zensur vor: Wie k\u00f6nnen sie es wagen, das Gesch\u00e4ft der Anti-Israel-Propaganda zu st\u00f6ren?<\/p>\n\n\n\n

Liebe Deutsche, wenn ihr reden wollt, lasst uns gern reden: \u00fcber die Besetzung, \u00fcber Bibi und alles, was schiefl\u00e4uft. Aber dann lasst uns bitte auch dar\u00fcber reden, wie deutsche Steuergelder Terrortunnel finanzieren. Erst vergangene Woche r\u00e4umte die niederl\u00e4ndische Regierung ein, dass Gelder an eine Landwirtschaftsorganisation in Ramallah geflossen seien, die damit teilweise die Geh\u00e4lter zweier des Mordes an der 17-j\u00e4hrigen Israelin Rina Shnerb Verd\u00e4chtiger gezahlt haben. Auch die Bundesregierung unterst\u00fctzt diese Organisation, obwohl Kritiker schon lange vor Verbindungen zu Terroristen warnen.<\/p>\n\n\n\n

Wir k\u00f6nnen uns also gerne unterhalten \u2013 aber im Dialog, nicht in Monologen. Denn Reden unter Menschen, die sich einig sind, ist nichts anderes als Impotenz.<\/p>\n\n\n\n

Israelkritik als Eintrittskarte<\/h6>\n\n\n\n

Die Israelis, die die Petition unterzeichnet haben, haben \u00fcbrigens ebenfalls etwas verstanden. Seit Jahren wissen sie: Es ist ihre Eintrittskarte in die Mitte der deutschen (und europ\u00e4ischen) Gesellschaft. Man h\u00f6rt nicht oft von Akademikern mit proisraelischen Ansichten. Weder in den Philharmonie-Orchestern noch in der Kunstszene. Die Eintrittskarte daf\u00fcr ist ein antiisraelischer Standpunkt.<\/p>\n\n\n\n

Der mutma\u00dfliche Grund, warum kaum Deutsche die Petition unterzeichnet haben: Sie mussten es nicht. Ihre Lieblingsjuden haben es f\u00fcr sie getan. Jetzt k\u00f6nnen sie sagen: \u201eSchau, ich bin das ja nicht, meine j\u00fcdischen Freunde sagen es.\u201c Ich selbst war einige Jahre lang mit einem Paar hier in Berlin befreundet, bis ich herausfand, dass ich ihr Lieblingsjude war. Ja, selbst das j\u00fcdische Museum wurde so genutzt.<\/p>\n\n\n\n

Weil Attacken gegen Juden ein absolutes Tabu sind, wurden Umwege gefunden, um den Antisemitismus auf kleiner Flamme k\u00f6cheln zu lassen: die unfundierte, unbegr\u00fcndete Kritik an Israel.<\/p>\n\n\n\n

Diese Art der Kritik ist gef\u00e4hrlich. Sie schw\u00e4cht jede begr\u00fcndete und notwendige Kritik am Verhalten Israels. Und das Interessante ist: Trotz all der heftigen, pauschalisierenden Anklagen, all der offenen Briefe driftet Israel politisch immer weiter nach rechts. Doch statt mal einen anderen Ansatz zu versuchen, werden die antiisraelischen Stimmen nur lauter. Dasselbe versuchen und andere Ergebnisse davon erwarten \u2013 das ist die Definition von Wahnsinn.<\/p>\n\n\n\n

Kurz bevor der Prozess gegen den wegen des Attentats von Halle<\/a> Angeklagten begann \u2013 des seit Kriegsende schlimmsten Akts von Antisemitismus in Deutschland \u2013, lud eine Lokalzeitung den fr\u00fcheren Botschafter Shimon Stein und den Historiker Moshe Zimmermann ein, dar\u00fcber zu schreiben, was Antisemitismus ist. Nat\u00fcrlich wendeten auch sie sich gegen Felix Kleins Ansatz. Sie zitieren die Kontroverse um die Umbenennung der U-Bahn-Station Mohrenstra\u00dfe in Glinkastra\u00dfe, die sich darum drehte, dass der russische Komponist Michael Glinka Antisemit gewesen sein soll. Stein und Zimmermann halten die Debatte f\u00fcr \u00fcberzogen, Glinka sei nur ein Kind seiner Zeit gewesen. Folgt man ihrer Logik, k\u00f6nnen wir dann also in 20 oder 30 Jahren U-Bahn-Stationen nach den Kindern der 1930er Jahre benennen?<\/p>\n\n\n\n

Der Antisemit als Tierfreund<\/h6>\n\n\n\n

Ich w\u00fcnschte, die Sache h\u00e4tte mit dem Artikel, mit der Petition geendet. Doch dann erschien ein Artikel, der den Leser auf einen Waldspaziergang mit einem veganen Koch und Antisemiten mitnahm. Darin setzt der Tierfreund erst behutsam einen K\u00e4fer wieder auf seine Beinchen und erkl\u00e4rt dann, dass die Todesstrafe in Deutschland wieder eingef\u00fchrt werden solle, um einen gewissen Politiker (der zuf\u00e4llig pro Israel ist) an seinen Hoden aufh\u00e4ngen zu k\u00f6nnen. Dieser Koch hat Hunderttausende Follower, er sagt all solche Dinge am helllichten Tag in Berlin. Und in den Medien.<\/p>\n\n\n\n

F\u00e4lle wie dieser handeln bereits von Gewalt \u2013 und sie enden nicht bei den Juden. Der Hass richtet sich gegen Frauen<\/a>, Muslime, Gefl\u00fcchtete, \u00adLBTQI. Am Ende aller theoretischen Debatten stehen immer echte Menschen. Am Ende jeder Konferenz dar\u00fcber, was Antisemitismus ausmacht, steht ein potenzielles j\u00fcdisches Opfer. Angesichts einer Welle von Antisemitismus \u00fcber die Definition von Antisemitismus zu streiten ist, wie eine 10 Meter hohe Welle heranrollen zu sehen und dar\u00fcber zu streiten, was einen Tsunami ausmacht.<\/p>\n\n\n\n

Felix Klein versteht, wie absurd es ist, zu sagen: Es sind nur die Rechten. Die Rechten sind Deutsche, so wie die Nazis Deutsche waren. Klein versteht, dass die Deutschen nicht aufgeh\u00f6rt haben, Juden zu ermorden, weil sie irgendeine Art von Erleuchtung hatten. Sondern schlicht, weil sie den Krieg verloren haben. Um den Antisemitismus zu bek\u00e4mpfen, bevor er die Gesellschaft frisst, in der er und wir leben, muss Deutschland seinen moralischen Kompass korrigieren.<\/p>\n\n\n\n

Immerhin: Mehr und mehr Deutsche fahren nach Israel, sie wollen ein anderes Narrativ h\u00f6ren. Mehr und mehr Deutsche verstehen, dass Antisemitismus Schockwellen ausl\u00f6st, die die gesamte Gesellschaft betreffen. In einem normalen Universum w\u00fcrde Klein bef\u00f6rdert werden f\u00fcr seine Leistung. In einer verdrehten Gesellschaft fordern Menschen seine Entlassung. Um es mit Mbembe zu sagen: Das ist Nano-Nonsens.<\/p>\n\n\n\n

\u00dcbersetzung: Ariane Lemme<\/a><\/em><\/p>\n","post_title":"Felix Klein hat verstanden","post_excerpt":"","post_status":"publish","comment_status":"closed","ping_status":"closed","post_password":"","post_name":"felix-klein-hat-verstanden","to_ping":"","pinged":"","post_modified":"2025-02-02 08:39:39","post_modified_gmt":"2025-02-02 08:39:39","post_content_filtered":"","post_parent":0,"guid":"https:\/\/dctransparency.com\/?p=3786","menu_order":0,"post_type":"post","post_mime_type":"","comment_count":"0","filter":"raw"}],"next":false,"prev":true,"total_page":47},"paged":1,"column_class":"jeg_col_2o3","class":"epic_block_3"};

\n

Kurz nach 21:00 Uhr am 4. Januar 2020 f\u00fchrten rund 50 Kadetten Routine\u00fcbungen an einer Milit\u00e4rakademie im S\u00fcden von Tripolis durch.<\/p>\n\n\n\n

Ohne Vorwarnung detonierte eine Explosion in der Mitte der Gruppe und lie\u00df 26 Kadetten tot oder auf dem Exerzierplatz sterben. Viele waren noch Teenager. Keiner von ihnen war bewaffnet.

Einer der \u00dcberlebenden war der 20-j\u00e4hrige Abdul Moeen.<\/p>\n\n\n\n

Er war in der Akademie, als der Streik eintraf. \"Es war unbeschreiblich\", sagte er der BBC.<\/p>\n\n\n\n

\"Wir haben gesehen, wie unsere Kollegen starben, ihren letzten Atemzug machten und wir konnten nichts tun ... Es gab Leute, deren Oberk\u00f6rper von ihren K\u00f6rpern getrennt waren. Es war ein schreckliches Verbrechen, ein Verbrechen, das nichts mit der Menschheit zu tun hat. \"\"<\/p>\n\n\n\n

Sieben Monate nach dem Streik hat niemand die Verantwortung f\u00fcr die T\u00f6tung dieser jungen M\u00e4nner eingestanden.<\/p>\n\n\n\n

Die LNA unter Gen Khalifa Haftar bestritt, dass sie hinter dem Streik steckt, und teilte der Presse mit, dass die Explosion m\u00f6glicherweise durch eine lokal abgefeuerte M\u00f6rsergranate oder einen Angriff innerhalb der Akademie verursacht worden sei.<\/p>\n\n\n\n

Was hat die BBC gefunden?<\/strong><\/p>\n\n\n\n

Die Untersuchung ergab Hinweise darauf, dass eine viel ausgefeiltere Waffe verwendet wurde.<\/p>\n\n\n\n

\"\"<\/figure>\n\n\n\n

Die BBC betrachtete Bilder des Splitters, der nach dem Streik auf dem Exerzierplatz zur\u00fcckgelassen wurde, und kam zu dem Schluss, dass er mit den Komponenten einer Rakete namens Blue Arrow 7 \u00fcbereinstimmte.<\/p>\n\n\n\n

Unsere Analyse ergab, dass nur ein Flugzeug, das im Januar 2020 \u00fcber Tripolis operierte, diese Waffe abfeuern konnte - eine Drohne namens Wing Loong 2.<\/p>\n\n\n\n

Nur drei Wochen vor diesem Streik kamen die Vereinten Nationen zu dem Schluss, dass der Blaue Pfeil 7 \"ballistisch gepaart ist, um vom Wing Loong II geliefert zu werden ... und von keinem anderen in Libyen bisher identifizierten Luftfahrtgut\".<\/p>\n\n\n\n

Die BBC untersuchte auch, woher diese Drohne stammen k\u00f6nnte, und fand Hinweise darauf, dass Wing Loong-Drohnen zum Zeitpunkt des Angriffs nur von einem libyschen Luftwaffenst\u00fctzpunkt aus operierten: al-Khadim im von der LNA kontrollierten Ostlibyen.<\/p>\n\n\n\n

Sowohl die BBC als auch die UN haben Beweise daf\u00fcr gefunden, dass Drohnen, die von diesem Luftwaffenst\u00fctzpunkt aus operieren, zu den Vereinigten Arabischen Emiraten geh\u00f6ren.<\/p>\n\n\n\n

Im Jahr 2019 stellte die UNO fest, dass die VAE durch den Versand von Wing Loong-Drohnen und Blue Arrow 7-Raketen nach Libyen gegen das seit 2011 geltende UN-Waffenembargo gegen das Land versto\u00dfen hatten.<\/p>\n\n\n\n

Die BBC fand auch ein Waffenregister, aus dem hervorgeht, dass die VAE 2017 15 Wing Loong-Drohnen und 350 Blue Arrow 7-Raketen gekauft haben.<\/p>\n\n\n\n

Was hat die BBC noch aufgedeckt?<\/strong><\/p>\n\n\n\n

<\/p>\n\n\n\n

Die BBC-Untersuchung ergab auch neue Beweise daf\u00fcr, dass \u00c4gypten den VAE erlaubt, \u00e4gyptische Milit\u00e4rflugpl\u00e4tze nahe der libyschen Grenze zu nutzen.<\/p>\n\n\n\n

Im Februar 2020 scheinen die in Libyen stationierten Wing Loong II-Drohnen \u00fcber die Grenze nach \u00c4gypten zu einem Luftwaffenst\u00fctzpunkt in der N\u00e4he von Siwa in der west\u00e4gyptischen W\u00fcste gebracht worden zu sein.<\/p>\n\n\n\n

Satellitenbilder zeigen auch, dass ein zweiter \u00e4gyptischer Milit\u00e4rflugplatz, Sidi Barrani, als Einsatzbasis f\u00fcr Mirage 2000-Kampfflugzeuge verwendet wurde, die in Farben lackiert sind, die nicht von der \u00e4gyptischen Luftwaffe verwendet werden, aber genau den von den VAE geflogenen Jets entsprechen .<\/p>\n\n\n\n

Dies ist das gleiche Flugzeugmodell, das von den Vereinten Nationen in einen Luftangriff auf ein Migrationszentrum \u00f6stlich von Tripolis im Juli 2019 verwickelt wurde, bei dem 53 Menschen get\u00f6tet wurden.<\/p>\n\n\n\n

Ausl\u00e4ndischer Jet bei libyschem Migrantenangriff verd\u00e4chtigt<\/p>\n\n\n\n

Sidi Barrani ist auch das Ziel f\u00fcr mehrere Frachtflugzeuge, die von den Vereinigten Arabischen Emiraten gestartet sind, und schl\u00e4gt eine Luftbr\u00fccke f\u00fcr Ausr\u00fcstung oder Lieferungen zwischen den Vereinigten Arabischen Emiraten und einer Milit\u00e4rbasis vor, die nur 80 km von der libyschen Grenze entfernt liegt.<\/p>\n\n\n\n

Die \u00e4gyptische Regierung antwortete nicht auf die Bitte der BBC um Stellungnahme.<\/p>\n\n\n\n

Ist ausl\u00e4ndisches milit\u00e4risches Engagement \u00fcberraschend?<\/strong><\/p>\n\n\n\n

Sowohl die Vereinigten Arabischen Emirate als auch \u00c4gypten nahmen an einer von Bundeskanzlerin Angela Merkel im Januar dieses Jahres in Berlin einberufenen Konferenz \u00fcber Libyen teil, auf der sie ihre Unterst\u00fctzung f\u00fcr den UN-Friedensprozess bekr\u00e4ftigten und sich bereit erkl\u00e4rten, nicht in den Libyen-Krieg einzugreifen.<\/p>\n\n\n\n

Im vergangenen Jahr gab es jedoch eine Eskalation des Einsatzes von Drohnen durch beide Seiten des Konflikts.<\/p>\n\n\n\n

Ghassan Salam\u00e9, der fr\u00fchere Leiter der UN-Mission in Libyen, beschrieb dies als \"m\u00f6glicherweise das gr\u00f6\u00dfte Drohnenkriegstheater der Welt\".<\/p>\n\n\n\n

Die VAE sind nicht die einzige ausl\u00e4ndische Macht, die an diesem Konflikt beteiligt ist.<\/p>\n\n\n\n

Anfang dieses Jahres gab BBC Africa Eye bekannt, dass die T\u00fcrkei auch gegen das Waffenembargo der Vereinten Nationen gegen Libyen versto\u00dfen hat, indem sie geheime Waffenlieferungen an die von den Vereinten Nationen anerkannte Regierung in Tripolis gesendet hat.<\/p>\n\n\n\n

Mit Unterst\u00fctzung der T\u00fcrkei hat die von den Vereinten Nationen anerkannte Regierung des Nationalen Abkommens nun die LNA von Gen Haftar aus der Gegend um Tripolis zur\u00fcckgeschlagen.<\/p>\n","post_title":"BBC-Untersuchung: VAE in t\u00f6dlichen Angriff in Libyen verwickelt","post_excerpt":"","post_status":"publish","comment_status":"closed","ping_status":"closed","post_password":"","post_name":"bbc-untersuchung-vae-in-todlichen-angriff-in-libyen-verwickelt","to_ping":"","pinged":"","post_modified":"2025-02-02 08:39:39","post_modified_gmt":"2025-02-02 08:39:39","post_content_filtered":"","post_parent":0,"guid":"https:\/\/dctransparency.com\/?p=3811","menu_order":0,"post_type":"post","post_mime_type":"","comment_count":"0","filter":"raw"},{"ID":3792,"post_author":"7","post_date":"2020-08-14 13:58:48","post_date_gmt":"2020-08-14 13:58:48","post_content":"\n

Die Hagia Sophia war (ist) ein kulturelles Weltwunder und aufgeladen mit symbolischer Bedeutung, f\u00fcr die Christenheit ebenso wie f\u00fcr den Islam \u2013 und den t\u00fcrkischen Nationalismus. Als Mehmed II. sie betrat, war sie schon fast 1000 Jahre die gr\u00f6\u00dfte Kirche der christlichen Welt und das Zentrum der orthodoxen Glaubensrichtung. Die \"Ayasofya\", wie sie dann hie\u00df, war 500 Jahre lang Moschee \u2013 bis 1934, als Kemal Pascha Atat\u00fcrk, der \"Vater\" der modernen T\u00fcrkei, sie in ein Museum verwandelte, in der ausdr\u00fccklichen Absicht, auch hier mit dem osmanischen Erbe zu brechen.<\/p>\n\n\n\n

Nun wird Pr\u00e4sident Recep Tayyip Erdo\u011fan, der \"Vater\" der re-islamisierten T\u00fcrkei, am 24. Juli dieses Jahres die Ayasofya durch das Freitagsgebet wieder in den Islam eingliedern. Oder eher in seinen pers\u00f6nlichen religi\u00f6sen Nationalismus.<\/p>\n\n\n\n

Welterbe von allen<\/h3>\n\n\n\n

Wie bedeutungsschwer ist dieser Akt eines \"starken Mannes\", der innenpolitisch deutlich schw\u00e4chelt? Die Proteste vor allem aus der orthodoxen Welt, aber auch aus Europa und den USA sind eher traurig als w\u00fctend. Der Papst dr\u00fcckte seinen \"Schmerz\" aus. Auch der Jubel in der islamischen Welt fiel zun\u00e4chst weniger \u00fcbersch\u00e4umend als erwartet aus.<\/p>\n\n\n\n

Ist es der Alleingang eines Autokraten in Bedr\u00e4ngnis oder ist \"der Jubel \u00fcber die Eroberung der Hagia Sophia der Versuch einer zutiefst erniedrigten, vom Gef\u00fchl der Wertlosigkeit dominierten und in ihrer eigenen Selbstberechtigung beraubten Gesellschaft, eine Bedeutung, eine St\u00e4rke, ein Selbstwertgef\u00fchl zu finden\"? So recht pauschalierend der in Deutschland lebende pal\u00e4stinensische Intellektuelle und Psychiater Ahmad Mansour.<\/p>\n\n\n\n

Die beiden Gro\u00dfreiche, das byzantinische und das osmanische, sind l\u00e4ngst versunken.<\/p><\/blockquote>\n\n\n\n

Das eigentliche Schl\u00fcsselwort im Zusammenhang mit der Hagia Sofia ist \"Welterbe\". Das Erbe von allen. Einmal im kulturellen Sinn der Unesco, aber in Wahrheit weiter gefasst. Das einzigartige Bauwerk geh\u00f6rt in Wirklichkeit der ganzen Welt, nicht der einen oder anderen Religion. Die beiden Gro\u00dfreiche, f\u00fcr die die Hagia Sofia der zentrale spirituelle Bau war, das byzantinische und das osmanische, sind l\u00e4ngst versunken. Seither hat sie eine neue, \u00fcbernationale Dimension erhalten. Was Erdo\u011fan da jetzt mit der Hagia Sofia macht, ist eine Verengung und Verarmung eines gemeinsamen Welterbes.<\/p>\n\n\n\n

\"\"\/
Betende Muslime vor der Hagia Sophia.<\/figcaption><\/figure>\n\n\n\n

Davon abgesehen aber war und ist sie ein architektonisches Meisterwerk und geh\u00f6rt zu den bedeutendsten Bauten der Welt. Wer heute den Zentralraum unter der Kuppel betritt, kann sich nur schwer dem zugleich majest\u00e4tischen wie schwebenden Gesamteindruck entziehen. Die Hagia Sophia blieb fast 1000 Jahre die gr\u00f6\u00dfte Kirche der Christenheit. Technisch war die Kuppel (mit mehreren Halbkuppeln) eine \u00fcberaus riskante Innovation: Die 55 Meter hohe und 32 Meter im Durchmesser breite Kuppel ruht auf nur vier Tragpunkten, was den schwebenden, schwerelosen Eindruck erzeugt. Die Konstruktion folgt einem mathematischen Prinzip, das erst k\u00fcrzlich entschl\u00fcsselt wurde.<\/p>\n\n\n\n

\"Salomo, ich habe dich \u00fcbertroffen!\"<\/p><\/blockquote>\n\n\n\n

Als Kaiser Justinian die Hagia Sophia nach nur f\u00fcnf Jahren Bauzeit (532\u2013537) betrat, soll er in Anspielung auf den Tempel in Jerusalem ausgerufen haben: \"Salomo, ich habe dich \u00fcbertroffen!\" Die Innenausstattung war mit ihren S\u00e4ulen aus Porphyr und gr\u00fcnem Marmor, mit Mosaiken aus Gold und Halbedelsteinen derart prunkvoll, der Gesamteindruck derart \u00fcberirdisch, dass eine Delegation des Gro\u00dff\u00fcrsten von Kiew nicht mehr wusste, \"ob wir im Himmel oder auf der Erde\" waren \u2013 was die Christianisierung Russlands bef\u00f6rderte.<\/p>\n\n\n\n

Der deutsche Architekturlehrer Holger Kleine nennt die Hagia Sophia \"absolute Architektur\", weil sie \"extreme Ausdrucksformen nahezu aller dramaturgischen Mittel, die der Architektur zur Verf\u00fcgung stehen, vereinigt: wuchtigste K\u00f6rper und luftigste R\u00e4ume, engste Enge und gr\u00f6\u00dfte Weite, w\u00e4rmende Helligkeit und mystisches Dunkel\". Und die Kuppelbauten aus der sp\u00e4teren Hochbl\u00fcte der Moscheenarchitektur im 16. und 17. Jahrhundert gehen eindeutig auf die Hagia Sophia zur\u00fcck.<\/p>\n\n\n\n

Die Hagia Sophia war Staatskirche des byzantinischen Reichs. F\u00fcr die Eroberer der letzte Schlussstein in der Kuppel osmanisch-muslimischen Herrschaftsanspruchs. Konstantinopel war ja 1453 nur noch eine isolierte, heruntergekommene Enklave in einem osmanischen Umfeld, kein christliches Heer kam zu Hilfe. Doch vorher war es zugleich Sperrriegel nach Osten und Geistesarchiv der antiken Kultur gewesen. \"Ohne Byzanz h\u00e4tte es kein Europa gegeben\", sagt die britische Altertumsforscherin Judith Herrin.<\/p>\n\n\n\n

\"\"\/
Freigelegtes Mosaik von \"Christos Pantokrator\".<\/figcaption><\/figure>\n\n\n\n

Neue Fragen<\/h3>\n\n\n\n

Die Kirche wurde von Mehmed II. und Nachfolgern nicht in der Substanz zerst\u00f6rt, sondern \"entchristlicht\". Die urspr\u00fcnglich \u00fcbert\u00fcnchten oder auch abgeschlagenen Mosaiken mit den Darstellungen von Christus, der Muttergottes, diversen Kaisern kamen zum Teil schon unter einem Sultan des 19. Jahrhunderts, dann gro\u00dfteils nach der Museumswidmung wieder zum Vorschein.<\/p>\n\n\n\n

Jetzt stellen sich neue symbolisch-praktische Fragen. Erdo\u011fan hat die Hagia Sophia der konservativen staatlichen Religionsbeh\u00f6rde Diyanet unterstellt. Die byzantinischen Mosaike, wie der gro\u00dfartige \"Christos Pantokrator\" (\"Weltenherrscher\") oder die Jungfrau Maria in der Apsis, m\u00fcssen wohl w\u00e4hrend des islamischen Gottesdiensts verh\u00e4ngt werden. Muss der Boden mit seinen Marmorplatten und Mosaiken mit einem Teppich bedeckt werden? Erdo\u011fan sagt, Touristen seien nach wie vor zugelassen. Aber sie werden wohl hinter Absperrungen bleiben m\u00fcssen. Frauen werden \u2013 wie in der benachbarten \"Blauen Moschee\" (\"Sultanahmed\") Kopftuch tragen m\u00fcssen.<\/p>\n\n\n\n

\"\"\/
Erdo\u011fan mit Gattin in der Hagia Sophia.<\/figcaption><\/figure>\n\n\n\n

Erdo\u011fans neue Abenteuer<\/strong><\/h3>\n\n\n\n

Aber wird da nicht doch zu viel in einen Formalakt rund um ein uraltes Bauwerk hineininterpretiert? Im geschichtlichen Kontext relativiert sich manches: Konstantinopel wurde schon von Christen erobert und ausgepl\u00fcndert \u2013 1204 im Vierten Kreuzzug. In der Moschee von Cordoba (\"Mezquita\") bauten die Katholiken eine ganze Kirche in den ber\u00fchmten S\u00e4ulenwald hinein. Die Mezquita ist heute noch Kirche, kein Museum.<\/p>\n\n\n\n

\"Das ist der Beweis, dass wir kein s\u00e4kularer Staat mehr sein wollen\", sagt Nobelpreistr\u00e4ger Orhan Pamuk. Erdo\u011fan betrachtet sich offenbar als auch neoosmanischer \"Fatih\" im Mittelmeerraum mit immer neuen Abenteuern: Eingreifen in Syrien, Stellvertreterkrieg in Libyen, Anspr\u00fcche auf Erdgasvorkommen weit vor der t\u00fcrkischen K\u00fcste bei Zypern, Reden, wonach manche \u00c4g\u00e4is-Inseln eigentlich zur T\u00fcrkei geh\u00f6ren, \"denn dort stehen unsere Moscheen\". Manches davon ist nur Rhetorik, aber genug anderes ist riskante Realit\u00e4t. (Hans Rauscher, 14.7.2020)<\/p>\n\n\n\n

Quelle<\/a><\/strong><\/p>\n","post_title":"Hagia Sophia: Verengung und Verarmung eines Welterbes","post_excerpt":"","post_status":"publish","comment_status":"closed","ping_status":"closed","post_password":"","post_name":"hagia-sophia-verengung-und-verarmung-eines-welterbes","to_ping":"","pinged":"","post_modified":"2025-02-02 08:39:39","post_modified_gmt":"2025-02-02 08:39:39","post_content_filtered":"","post_parent":0,"guid":"https:\/\/dctransparency.com\/?p=3792","menu_order":0,"post_type":"post","post_mime_type":"","comment_count":"0","filter":"raw"},{"ID":3789,"post_author":"7","post_date":"2020-08-14 13:56:07","post_date_gmt":"2020-08-14 13:56:07","post_content":"\n

Im Gastkommentar pocht Mark Leonard, Direktor des Europ\u00e4ischen Rats f\u00fcr Ausw\u00e4rtige Beziehungen, auf \"neue, einvernehmlich vereinbarte Prinzipien sowie klare Grenzen\", nur so k\u00f6nne eine weitere Destabilisierung in der Region verhindert werden.<\/em><\/strong><\/p>\n\n\n\n

Ist die T\u00fcrkei das neue Russland? Diese Frage wird in den europ\u00e4ischen Hauptst\u00e4dten zunehmend gestellt, da die Au\u00dfenpolitik des t\u00fcrkischen Pr\u00e4sidenten Recep Tayyip Erdo\u011fan zunehmend aggressiver wird. Erdo\u011fan nutzt nicht nur die Migration, um die EU zu bedrohen und zu betr\u00fcgen, sondern setzt auch milit\u00e4rische Macht ein, um den Einflussbereich der T\u00fcrkei auf die gesamte Region auszudehnen.<\/p>\n\n\n\n

Seit dem Ende des Kalten Krieges haben die Europ\u00e4er die regionale Sicherheit durch eine unipolare westliche Linse betrachtet. W\u00e4hrend die Nato die milit\u00e4rische Sicherheit garantierte, sorgte die EU mit ihrem 80.000 Seiten starken Regelwerk f\u00fcr alles von LGBTQ-Rechten bis hin zu Rasenm\u00e4her-Sound-Verordnungen f\u00fcr Rechtsordnung. In den 90er-Jahren ging man allgemein davon aus, dass die beiden gro\u00dfen nichtwestlichen regionalen Akteure, Russland und die T\u00fcrkei, nach und nach an diese Regelungen herangef\u00fchrt werden w\u00fcrden.<\/p>\n\n\n\n

Qu\u00e4lende Hassliebe<\/h3>\n\n\n\n

Doch in den letzten 15 Jahren ist der Traum von der europ\u00e4ischen Unipolarit\u00e4t einer multipolaren Realit\u00e4t gewichen. Sowohl Russland als auch die T\u00fcrkei haben eine lange, qu\u00e4lende Hassliebe zu Europa, und beide sind unter nationalen Machthabern, denen die Verachtung der Normen und Werte der EU gemeinsam ist, durchsetzungsf\u00e4higer geworden.<\/p>\n\n\n\n

Die zunehmende Verschlechterung der Beziehungen zwischen der EU und Russland ist gut dokumentiert, der Fall der T\u00fcrkei weniger. Der Irakkrieg im Jahr 2003 komplizierte das Verh\u00e4ltnis der T\u00fcrkei zur Nato, und ihr Verh\u00e4ltnis zur EU verschlechterte sich 2007, als Frankreich einen wichtigen Teil ihrer EU-Beitrittsverhandlungen blockierte. Seitdem hat die T\u00fcrkei ihren eigenen Weg in Syrien, auf dem Balkan und in Libyen eingeschlagen und neue Beziehungen zu Russland und China aufgebaut.<\/p>\n\n\n\n

Wichtiger Akteur<\/strong><\/h3>\n\n\n\n

Nat\u00fcrlich sind die Beziehungen zwischen der T\u00fcrkei und Russland nicht weniger kompliziert, nicht zuletzt weil Erdo\u011fan und der russische Pr\u00e4sident Wladimir Putin im syrischen B\u00fcrgerkrieg verschiedene Seiten unterst\u00fctzten.Und w\u00e4hrend die Spannungen wegen des Syrien-Konflikts weiterhin bestehen, bewundert Erdo\u011fan deutlich, wie Russland sich \u2013 bei relativ geringen Kosten \u2013 wieder als wichtiger Akteur im Nahen Osten und in Nordafrika etabliert hat.<\/p>\n\n\n\n

Nachdem er in einen nicht zu gewinnenden Krieg im Osten der Ukraine verwickelt war, schien Putins weitgehend erfolgreicher Feldzug in Syrien einen Teil seiner innenpolitischen Autorit\u00e4t wiederherzustellen. Der Westen hatte f\u00fcnf Jahre lang darauf bestanden, dass es keine milit\u00e4rische L\u00f6sung des Konflikts gebe und dass der syrische Pr\u00e4sident Baschar al-Assad gehen m\u00fcsse. Doch w\u00e4hrend die von den Vereinten Nationen unterst\u00fctzten Gespr\u00e4che in Genf zu keinem Ergebnis f\u00fchrten, schienen die von Russland geleiteten Gespr\u00e4che in Astana voranzukommen. Indem der Kreml die T\u00fcrkei und den Iran einbezog, w\u00e4hrend er die westlichen M\u00e4chte ausschloss, erweckte er den Eindruck, dass Russland als wiedergeborene Supermacht aus der Asche auferstanden sei.<\/p>\n\n\n\n

Unter Druck<\/h3>\n\n\n\n

Angesichts des wachsenden Widerstands im eigenen Land macht es Erdo\u011fan Putin gleich. Da der Westen nicht bereit war, (erneut) milit\u00e4risch in Libyen zu intervenieren, sah Erdo\u011fan eine Gelegenheit, die T\u00fcrkei zu positionieren. Nach dem Vorgehen Russlands in Syrien sicherte er sich eine formelle Einladung der libyschen Regierung zur Intervention. Mit einem Schlag Ende letzten Jahres hat er nicht nur das Image der T\u00fcrkei als Regionalmacht gest\u00e4rkt, sondern auch ein Abkommen mit Libyen \u00fcber die Seegrenze abgeschlossen und damit einen Plan Griechenlands, Zyperns, \u00c4gyptens und Israels zur Erschlie\u00dfung von Unterwasser\u00f6l- und -gasfeldern in der N\u00e4he zunichtegemacht.<\/p>\n\n\n\n

Erdo\u011fan scheint auch von der Spalt-und-Eroberungs-Strategie des Kreml in Europa inspiriert worden zu sein, der zufolge oft diejenigen EU-Mitgliedsstaaten unter Druck gesetzt werden, die am meisten von russischen Kohlenwasserstoffen oder M\u00e4rkten abh\u00e4ngig sind. So wie Putin lange Zeit die Energieversorgung instrumentalisiert hat, hat Erdo\u011fan versucht, den Strom von Migranten und Fl\u00fcchtlingen, die vor Konflikten im Nahen Osten fliehen, zu instrumentalisieren. Als die EU eine neue Marinemission ank\u00fcndigte, um den Waffenstrom nach Libyen zu blockieren, malte die T\u00fcrkei f\u00fcr Malta das Schreckgespenst der angeblichen Bedrohung durch Migranten an die Wand. Malta reagierte prompt und signalisierte, dass es gegen die Finanzierung der Mission ein Veto einlegen werde.<\/p>\n\n\n\n

Verlorener Sohn<\/strong><\/h3>\n\n\n\n

Jahrelang redeten sich die Europ\u00e4er ein, dass Russland eine Art verlorener Sohn sei und dass die europ\u00e4ische unipolare Ordnung gesund bleibe. Doch das machte Europa zu einem leichten Ziel f\u00fcr die Trennungs-und-Eroberungs-Strategie des Kreml. Erst vor relativ kurzer Zeit entwarf die Union eine neue Politik und ein robustes Sanktionsregime, um die russische Aggression abzuschrecken. Und selbst jetzt \u2013 trotz der besten Bem\u00fchungen der deutschen Bundeskanzlerin Angela Merkel und des franz\u00f6sischen Pr\u00e4sidenten Emmanuel Macron \u2013 hat die EU noch immer keine wirksamen Kommunikationskan\u00e4le mit Russland geschaffen, um gemeinsame Probleme anzugehen.<\/p>\n\n\n\n

Die T\u00fcrkei ist noch kein neues Russland, aber sie k\u00f6nnte dazu werden, wenn die Situation falsch gehandhabt wird. Vorerst betrachten die meisten Europ\u00e4er die T\u00fcrkei noch immer als einen komplizierten Partner und nicht als \"Systemrivalen\". Aber die Europ\u00e4er sollten die hart erk\u00e4mpften Lehren aus dem Umgang mit Russland in den letzten 15 Jahren beherzigen. Die Beziehungen zwischen der EU und der T\u00fcrkei brauchen neue, einvernehmlich vereinbarte Prinzipien sowie klare Grenzen, um eine weitere Destabilisierung in der Region zu verhindern.<\/p>\n\n\n\n

Zu diesem Zweck sollten die Europ\u00e4er klarstellen, dass der EU-Beitrittsprozess entweder zur\u00fcckgedreht oder vorangetrieben werden kann und dass eine eher transaktionale Beziehung sowohl Zuckerbrot als auch Peitsche beinhaltet. Die Herausforderung wird darin bestehen, daf\u00fcr zu sorgen, dass es in einer Region, die nicht nur von Europa und der T\u00fcrkei, sondern auch von Russland, den USA und einem aufstrebenden China beeinflusst wird, noch Raum f\u00fcr politisches Engagement in Fragen der gemeinsamen Sicherheit gibt. (Mark Leonard, \u00dcbersetzung: Eva G\u00f6llner, Copyright: Project Syndicate, 10.8.2020)<\/p>\n\n\n\n

Mark Leonard <\/strong>ist Direktor des Europ\u00e4ischen Rats f\u00fcr Ausw\u00e4rtige Beziehungen.<\/a><\/p>\n","post_title":"Erdo\u011fan \u2013 der andere Putin vor der Haust\u00fcr Europas","post_excerpt":"","post_status":"publish","comment_status":"closed","ping_status":"closed","post_password":"","post_name":"erdogan-der-andere-putin-vor-der-haustur-europas","to_ping":"","pinged":"","post_modified":"2025-02-02 08:39:39","post_modified_gmt":"2025-02-02 08:39:39","post_content_filtered":"","post_parent":0,"guid":"https:\/\/dctransparency.com\/?p=3789","menu_order":0,"post_type":"post","post_mime_type":"","comment_count":"0","filter":"raw"},{"ID":3786,"post_author":"7","post_date":"2020-08-14 13:51:23","post_date_gmt":"2020-08-14 13:51:23","post_content":"\n

Einen Monat nachdem ich zur israelischen Armee eingezogen worden war, brach die erste Intifada aus. Statt Soldat zu sein, machte ich Polizeiarbeit, sagte den Menschen, wann sie zur Arbeit gehen konnten und wann sie ihre L\u00e4den schlie\u00dfen mussten, wann sie die Grenze passieren und wann sie schlafen konnten. Einen Monat nachdem ich aus der Armee entlassen worden war, ging ich auf Reisen. (In Israel sagen wir: Wir dienen drei Jahre und versuchen den Rest unseres Lebens, diese drei Jahre zu vergessen.) Auf meiner Reise begann ich Briefe an meine Freundin zu schreiben, die ich in Israel zur\u00fcckgelassen hatte.<\/p>\n\n\n\n

Ich schrieb ihr, wie schrecklich depressiv ich war und dass diese drei Jahre des Anweisungenbellens und Anderen-Menschen-Sagens, was sie zu tun haben, mich f\u00fcr immer verfolgen w\u00fcrden. Dass sie ein Teil dessen geworden waren, was ich bin. Ich erinnere mich, dass ich ihr schrieb, dass wir da rausm\u00fcssen \u2013 nicht nur f\u00fcr die Pal\u00e4stinenser, sondern wegen der furchtbaren und brutalen Auswirkungen, die all das auf uns, auf die israelische Gesellschaft haben w\u00fcrde. Sie schrieb zur\u00fcck: \u201eDu hast recht. Ich habe einen neuen Freund.\u201c<\/p>\n\n\n\n

Felix Klein wurde als Beauftragter der Bundesregierung berufen<\/a>, um die Auswirkungen des zunehmenden Antisemitismus in unserer Gesellschaft, in Deutschland, zu bek\u00e4mpfen. Was nicht in seiner Jobbeschreibung steht, ist, dass er dabei unsere Gesellschaft heilen muss, jene Gesellschaft, die diese Form des Hasses reproduziert und sch\u00fctzt. Klein hat das begriffen.<\/p>\n\n\n\n

Er versteht, dass man Krebs nicht mit einem Pflaster verarztet, er wei\u00df, dass er das Bewusstsein der Deutschen sch\u00e4rfen und Diskussionen ansto\u00dfen muss. Er hat begriffen, dass das Problem nicht nur an den R\u00e4ndern der Gesellschaft (bei den Rechten) liegt, sondern auch in ihrer Mitte. Dort, wo gebildete Menschen nicht einmal bemerken, dass das, was sie sagen und tun, antisemitisch ist. So wie sie es auch nicht merken, wenn sie rassistisch handeln. Er hat all das verstanden, und genau deshalb wollen einige, dass er seinen Posten r\u00e4umt.<\/p>\n\n\n\n

Mehr als 60 deutsche und israelische Intellektuelle haben letzte Woche in einem Brief an Kanzlerin Merkel<\/a> dar\u00fcber geklagt, dass der aktuelle \u201eGebrauch des Antisemitismusbegriffs\u201c darauf abziele, \u201elegitime Kritik an der israelischen Regierungspolitik zu unterdr\u00fccken\u201c, und Klein vorgeworfen, rechtspopulistische israelische Stimmen zu f\u00f6rdern.<\/p>\n\n\n\n

Faszinierend an diesem offenen Brief ist, dass viele der Unterzeichneten keine Deutschen sind und auch nicht in Deutschland leben. Ich wei\u00df nicht, woher sie \u2013 die meisten von ihnen sind Israelis \u2013 die Chuzpe haben, sich in eine innerdeutsche Angelegenheit einzumischen und zu fordern, eine Person zu entlassen, die von der Bundesregierung eingesetzt wurde. Die H\u00e4lfte der Unterzeichneten lebt nicht hier, von der anderen H\u00e4lfte sind viele keine Juden \u2013 somit sind die allermeisten von ihnen nicht direkt vom Antisemitismus in Deutschland betroffen. Wie also k\u00f6nnen sie diesen Brief unterschreiben? Und warum eigentlich haben so wenige Deutsche unterschrieben? Dazu komme ich gleich.<\/p>\n\n\n\n

Debatte um Achille Mbembe<\/h6>\n\n\n\n

Hintergrund des Briefs war, dass Felix Klein gefordert hatte, den Philosophen Achille Mbembe<\/a> nicht die Er\u00f6ffnungsrede der Ruhrtriennale halten zu lassen. Als mit \u00f6ffentlichen Mitteln gef\u00f6rdertes Event solle die Ruhrtriennale Mbembe wegen seiner Haltung zu Israels Existenzrecht, seiner Haltung zu BDS und der Art, wie er in einem seiner Werke den Holocaust relativiert, nicht einladen.<\/p>\n\n\n\n

Mbembes Unterst\u00fctzer sagen, keine dieser Anschuldigungen sei wahr. F\u00fcrs Protokoll: In meinen Augen unterst\u00fctzt Mbembe sehr wohl BDS<\/a>, er schrieb unter anderem das Vorwort zu \u201eApartheid Israel\u201c und fordert die komplette Isolation Israels. Ich glaube auch, wenn Mbembe schreibt, die israelische Besetzung sei der \u201egr\u00f6\u00dfte moralische Skandal unserer Zeit\u201c, zeigt das, dass sein moralischer und geografischer Kompass etwas schief ist.<\/p>\n\n\n\n

Doch warum treibt die Debatte so viele Menschen um? Nun, zun\u00e4chst gibt niemand gern auf, was ihm oder ihr selbstverst\u00e4ndlich scheint. \u00dcber den gesamten politischen, sozialen, kulturellen, medialen und akademischen Sektor hinweg sind Menschen daran gew\u00f6hnt, so schlecht \u00fcber Israel sprechen zu k\u00f6nnen, wie auch immer sie wollen.<\/p>\n\n\n\n

Der Spiegel<\/em> hat \u2013 vielleicht in Anlehnung an seine Relotius-Standards, Israel erst k\u00fcrzlich eine Corona-Diktatur genannt. Fakten und Belege f\u00fcr diese Behauptung gab es nicht. Doch Millionen Deutsche haben es gelesen, und es wird nat\u00fcrlich haften bleiben. Faktenlage hin oder her. Der Spiegel<\/em> und andere Medien haben dieses Spiel perfektioniert: Titel so zu drehen, dass sie Israel indirekt anklagen, die Idee zu streuen, der Mossad kon\u00adtrol\u00adliere die deutsche Au\u00dfenpolitik im Nahen Osten, und so fort. Doch sie stehen allesamt sofort auf den Hinterbeinen, wenn jemand es wagt, das Spiel beim Namen zu nennen: moderner Antisemitismus.<\/p>\n\n\n\n

Klein will dem entgegenwirken. Er versteht, dass antisemitische Attacken in Deutschland die Fr\u00fcchte solch falsch gezeichneter Bilder und eindimensionaler Narrative \u00fcber Israel sind. Wenn er und andere versuchen, ein anderes Narrativ aufzuzeigen, wirft man ihnen Zensur vor: Wie k\u00f6nnen sie es wagen, das Gesch\u00e4ft der Anti-Israel-Propaganda zu st\u00f6ren?<\/p>\n\n\n\n

Liebe Deutsche, wenn ihr reden wollt, lasst uns gern reden: \u00fcber die Besetzung, \u00fcber Bibi und alles, was schiefl\u00e4uft. Aber dann lasst uns bitte auch dar\u00fcber reden, wie deutsche Steuergelder Terrortunnel finanzieren. Erst vergangene Woche r\u00e4umte die niederl\u00e4ndische Regierung ein, dass Gelder an eine Landwirtschaftsorganisation in Ramallah geflossen seien, die damit teilweise die Geh\u00e4lter zweier des Mordes an der 17-j\u00e4hrigen Israelin Rina Shnerb Verd\u00e4chtiger gezahlt haben. Auch die Bundesregierung unterst\u00fctzt diese Organisation, obwohl Kritiker schon lange vor Verbindungen zu Terroristen warnen.<\/p>\n\n\n\n

Wir k\u00f6nnen uns also gerne unterhalten \u2013 aber im Dialog, nicht in Monologen. Denn Reden unter Menschen, die sich einig sind, ist nichts anderes als Impotenz.<\/p>\n\n\n\n

Israelkritik als Eintrittskarte<\/h6>\n\n\n\n

Die Israelis, die die Petition unterzeichnet haben, haben \u00fcbrigens ebenfalls etwas verstanden. Seit Jahren wissen sie: Es ist ihre Eintrittskarte in die Mitte der deutschen (und europ\u00e4ischen) Gesellschaft. Man h\u00f6rt nicht oft von Akademikern mit proisraelischen Ansichten. Weder in den Philharmonie-Orchestern noch in der Kunstszene. Die Eintrittskarte daf\u00fcr ist ein antiisraelischer Standpunkt.<\/p>\n\n\n\n

Der mutma\u00dfliche Grund, warum kaum Deutsche die Petition unterzeichnet haben: Sie mussten es nicht. Ihre Lieblingsjuden haben es f\u00fcr sie getan. Jetzt k\u00f6nnen sie sagen: \u201eSchau, ich bin das ja nicht, meine j\u00fcdischen Freunde sagen es.\u201c Ich selbst war einige Jahre lang mit einem Paar hier in Berlin befreundet, bis ich herausfand, dass ich ihr Lieblingsjude war. Ja, selbst das j\u00fcdische Museum wurde so genutzt.<\/p>\n\n\n\n

Weil Attacken gegen Juden ein absolutes Tabu sind, wurden Umwege gefunden, um den Antisemitismus auf kleiner Flamme k\u00f6cheln zu lassen: die unfundierte, unbegr\u00fcndete Kritik an Israel.<\/p>\n\n\n\n

Diese Art der Kritik ist gef\u00e4hrlich. Sie schw\u00e4cht jede begr\u00fcndete und notwendige Kritik am Verhalten Israels. Und das Interessante ist: Trotz all der heftigen, pauschalisierenden Anklagen, all der offenen Briefe driftet Israel politisch immer weiter nach rechts. Doch statt mal einen anderen Ansatz zu versuchen, werden die antiisraelischen Stimmen nur lauter. Dasselbe versuchen und andere Ergebnisse davon erwarten \u2013 das ist die Definition von Wahnsinn.<\/p>\n\n\n\n

Kurz bevor der Prozess gegen den wegen des Attentats von Halle<\/a> Angeklagten begann \u2013 des seit Kriegsende schlimmsten Akts von Antisemitismus in Deutschland \u2013, lud eine Lokalzeitung den fr\u00fcheren Botschafter Shimon Stein und den Historiker Moshe Zimmermann ein, dar\u00fcber zu schreiben, was Antisemitismus ist. Nat\u00fcrlich wendeten auch sie sich gegen Felix Kleins Ansatz. Sie zitieren die Kontroverse um die Umbenennung der U-Bahn-Station Mohrenstra\u00dfe in Glinkastra\u00dfe, die sich darum drehte, dass der russische Komponist Michael Glinka Antisemit gewesen sein soll. Stein und Zimmermann halten die Debatte f\u00fcr \u00fcberzogen, Glinka sei nur ein Kind seiner Zeit gewesen. Folgt man ihrer Logik, k\u00f6nnen wir dann also in 20 oder 30 Jahren U-Bahn-Stationen nach den Kindern der 1930er Jahre benennen?<\/p>\n\n\n\n

Der Antisemit als Tierfreund<\/h6>\n\n\n\n

Ich w\u00fcnschte, die Sache h\u00e4tte mit dem Artikel, mit der Petition geendet. Doch dann erschien ein Artikel, der den Leser auf einen Waldspaziergang mit einem veganen Koch und Antisemiten mitnahm. Darin setzt der Tierfreund erst behutsam einen K\u00e4fer wieder auf seine Beinchen und erkl\u00e4rt dann, dass die Todesstrafe in Deutschland wieder eingef\u00fchrt werden solle, um einen gewissen Politiker (der zuf\u00e4llig pro Israel ist) an seinen Hoden aufh\u00e4ngen zu k\u00f6nnen. Dieser Koch hat Hunderttausende Follower, er sagt all solche Dinge am helllichten Tag in Berlin. Und in den Medien.<\/p>\n\n\n\n

F\u00e4lle wie dieser handeln bereits von Gewalt \u2013 und sie enden nicht bei den Juden. Der Hass richtet sich gegen Frauen<\/a>, Muslime, Gefl\u00fcchtete, \u00adLBTQI. Am Ende aller theoretischen Debatten stehen immer echte Menschen. Am Ende jeder Konferenz dar\u00fcber, was Antisemitismus ausmacht, steht ein potenzielles j\u00fcdisches Opfer. Angesichts einer Welle von Antisemitismus \u00fcber die Definition von Antisemitismus zu streiten ist, wie eine 10 Meter hohe Welle heranrollen zu sehen und dar\u00fcber zu streiten, was einen Tsunami ausmacht.<\/p>\n\n\n\n

Felix Klein versteht, wie absurd es ist, zu sagen: Es sind nur die Rechten. Die Rechten sind Deutsche, so wie die Nazis Deutsche waren. Klein versteht, dass die Deutschen nicht aufgeh\u00f6rt haben, Juden zu ermorden, weil sie irgendeine Art von Erleuchtung hatten. Sondern schlicht, weil sie den Krieg verloren haben. Um den Antisemitismus zu bek\u00e4mpfen, bevor er die Gesellschaft frisst, in der er und wir leben, muss Deutschland seinen moralischen Kompass korrigieren.<\/p>\n\n\n\n

Immerhin: Mehr und mehr Deutsche fahren nach Israel, sie wollen ein anderes Narrativ h\u00f6ren. Mehr und mehr Deutsche verstehen, dass Antisemitismus Schockwellen ausl\u00f6st, die die gesamte Gesellschaft betreffen. In einem normalen Universum w\u00fcrde Klein bef\u00f6rdert werden f\u00fcr seine Leistung. In einer verdrehten Gesellschaft fordern Menschen seine Entlassung. Um es mit Mbembe zu sagen: Das ist Nano-Nonsens.<\/p>\n\n\n\n

\u00dcbersetzung: Ariane Lemme<\/a><\/em><\/p>\n","post_title":"Felix Klein hat verstanden","post_excerpt":"","post_status":"publish","comment_status":"closed","ping_status":"closed","post_password":"","post_name":"felix-klein-hat-verstanden","to_ping":"","pinged":"","post_modified":"2025-02-02 08:39:39","post_modified_gmt":"2025-02-02 08:39:39","post_content_filtered":"","post_parent":0,"guid":"https:\/\/dctransparency.com\/?p=3786","menu_order":0,"post_type":"post","post_mime_type":"","comment_count":"0","filter":"raw"}],"next":false,"prev":true,"total_page":47},"paged":1,"column_class":"jeg_col_2o3","class":"epic_block_3"};

\n

Was ist mit diesen Kadetten passiert?<\/strong><\/p>\n\n\n\n

Kurz nach 21:00 Uhr am 4. Januar 2020 f\u00fchrten rund 50 Kadetten Routine\u00fcbungen an einer Milit\u00e4rakademie im S\u00fcden von Tripolis durch.<\/p>\n\n\n\n

Ohne Vorwarnung detonierte eine Explosion in der Mitte der Gruppe und lie\u00df 26 Kadetten tot oder auf dem Exerzierplatz sterben. Viele waren noch Teenager. Keiner von ihnen war bewaffnet.

Einer der \u00dcberlebenden war der 20-j\u00e4hrige Abdul Moeen.<\/p>\n\n\n\n

Er war in der Akademie, als der Streik eintraf. \"Es war unbeschreiblich\", sagte er der BBC.<\/p>\n\n\n\n

\"Wir haben gesehen, wie unsere Kollegen starben, ihren letzten Atemzug machten und wir konnten nichts tun ... Es gab Leute, deren Oberk\u00f6rper von ihren K\u00f6rpern getrennt waren. Es war ein schreckliches Verbrechen, ein Verbrechen, das nichts mit der Menschheit zu tun hat. \"\"<\/p>\n\n\n\n

Sieben Monate nach dem Streik hat niemand die Verantwortung f\u00fcr die T\u00f6tung dieser jungen M\u00e4nner eingestanden.<\/p>\n\n\n\n

Die LNA unter Gen Khalifa Haftar bestritt, dass sie hinter dem Streik steckt, und teilte der Presse mit, dass die Explosion m\u00f6glicherweise durch eine lokal abgefeuerte M\u00f6rsergranate oder einen Angriff innerhalb der Akademie verursacht worden sei.<\/p>\n\n\n\n

Was hat die BBC gefunden?<\/strong><\/p>\n\n\n\n

Die Untersuchung ergab Hinweise darauf, dass eine viel ausgefeiltere Waffe verwendet wurde.<\/p>\n\n\n\n

\"\"<\/figure>\n\n\n\n

Die BBC betrachtete Bilder des Splitters, der nach dem Streik auf dem Exerzierplatz zur\u00fcckgelassen wurde, und kam zu dem Schluss, dass er mit den Komponenten einer Rakete namens Blue Arrow 7 \u00fcbereinstimmte.<\/p>\n\n\n\n

Unsere Analyse ergab, dass nur ein Flugzeug, das im Januar 2020 \u00fcber Tripolis operierte, diese Waffe abfeuern konnte - eine Drohne namens Wing Loong 2.<\/p>\n\n\n\n

Nur drei Wochen vor diesem Streik kamen die Vereinten Nationen zu dem Schluss, dass der Blaue Pfeil 7 \"ballistisch gepaart ist, um vom Wing Loong II geliefert zu werden ... und von keinem anderen in Libyen bisher identifizierten Luftfahrtgut\".<\/p>\n\n\n\n

Die BBC untersuchte auch, woher diese Drohne stammen k\u00f6nnte, und fand Hinweise darauf, dass Wing Loong-Drohnen zum Zeitpunkt des Angriffs nur von einem libyschen Luftwaffenst\u00fctzpunkt aus operierten: al-Khadim im von der LNA kontrollierten Ostlibyen.<\/p>\n\n\n\n

Sowohl die BBC als auch die UN haben Beweise daf\u00fcr gefunden, dass Drohnen, die von diesem Luftwaffenst\u00fctzpunkt aus operieren, zu den Vereinigten Arabischen Emiraten geh\u00f6ren.<\/p>\n\n\n\n

Im Jahr 2019 stellte die UNO fest, dass die VAE durch den Versand von Wing Loong-Drohnen und Blue Arrow 7-Raketen nach Libyen gegen das seit 2011 geltende UN-Waffenembargo gegen das Land versto\u00dfen hatten.<\/p>\n\n\n\n

Die BBC fand auch ein Waffenregister, aus dem hervorgeht, dass die VAE 2017 15 Wing Loong-Drohnen und 350 Blue Arrow 7-Raketen gekauft haben.<\/p>\n\n\n\n

Was hat die BBC noch aufgedeckt?<\/strong><\/p>\n\n\n\n

<\/p>\n\n\n\n

Die BBC-Untersuchung ergab auch neue Beweise daf\u00fcr, dass \u00c4gypten den VAE erlaubt, \u00e4gyptische Milit\u00e4rflugpl\u00e4tze nahe der libyschen Grenze zu nutzen.<\/p>\n\n\n\n

Im Februar 2020 scheinen die in Libyen stationierten Wing Loong II-Drohnen \u00fcber die Grenze nach \u00c4gypten zu einem Luftwaffenst\u00fctzpunkt in der N\u00e4he von Siwa in der west\u00e4gyptischen W\u00fcste gebracht worden zu sein.<\/p>\n\n\n\n

Satellitenbilder zeigen auch, dass ein zweiter \u00e4gyptischer Milit\u00e4rflugplatz, Sidi Barrani, als Einsatzbasis f\u00fcr Mirage 2000-Kampfflugzeuge verwendet wurde, die in Farben lackiert sind, die nicht von der \u00e4gyptischen Luftwaffe verwendet werden, aber genau den von den VAE geflogenen Jets entsprechen .<\/p>\n\n\n\n

Dies ist das gleiche Flugzeugmodell, das von den Vereinten Nationen in einen Luftangriff auf ein Migrationszentrum \u00f6stlich von Tripolis im Juli 2019 verwickelt wurde, bei dem 53 Menschen get\u00f6tet wurden.<\/p>\n\n\n\n

Ausl\u00e4ndischer Jet bei libyschem Migrantenangriff verd\u00e4chtigt<\/p>\n\n\n\n

Sidi Barrani ist auch das Ziel f\u00fcr mehrere Frachtflugzeuge, die von den Vereinigten Arabischen Emiraten gestartet sind, und schl\u00e4gt eine Luftbr\u00fccke f\u00fcr Ausr\u00fcstung oder Lieferungen zwischen den Vereinigten Arabischen Emiraten und einer Milit\u00e4rbasis vor, die nur 80 km von der libyschen Grenze entfernt liegt.<\/p>\n\n\n\n

Die \u00e4gyptische Regierung antwortete nicht auf die Bitte der BBC um Stellungnahme.<\/p>\n\n\n\n

Ist ausl\u00e4ndisches milit\u00e4risches Engagement \u00fcberraschend?<\/strong><\/p>\n\n\n\n

Sowohl die Vereinigten Arabischen Emirate als auch \u00c4gypten nahmen an einer von Bundeskanzlerin Angela Merkel im Januar dieses Jahres in Berlin einberufenen Konferenz \u00fcber Libyen teil, auf der sie ihre Unterst\u00fctzung f\u00fcr den UN-Friedensprozess bekr\u00e4ftigten und sich bereit erkl\u00e4rten, nicht in den Libyen-Krieg einzugreifen.<\/p>\n\n\n\n

Im vergangenen Jahr gab es jedoch eine Eskalation des Einsatzes von Drohnen durch beide Seiten des Konflikts.<\/p>\n\n\n\n

Ghassan Salam\u00e9, der fr\u00fchere Leiter der UN-Mission in Libyen, beschrieb dies als \"m\u00f6glicherweise das gr\u00f6\u00dfte Drohnenkriegstheater der Welt\".<\/p>\n\n\n\n

Die VAE sind nicht die einzige ausl\u00e4ndische Macht, die an diesem Konflikt beteiligt ist.<\/p>\n\n\n\n

Anfang dieses Jahres gab BBC Africa Eye bekannt, dass die T\u00fcrkei auch gegen das Waffenembargo der Vereinten Nationen gegen Libyen versto\u00dfen hat, indem sie geheime Waffenlieferungen an die von den Vereinten Nationen anerkannte Regierung in Tripolis gesendet hat.<\/p>\n\n\n\n

Mit Unterst\u00fctzung der T\u00fcrkei hat die von den Vereinten Nationen anerkannte Regierung des Nationalen Abkommens nun die LNA von Gen Haftar aus der Gegend um Tripolis zur\u00fcckgeschlagen.<\/p>\n","post_title":"BBC-Untersuchung: VAE in t\u00f6dlichen Angriff in Libyen verwickelt","post_excerpt":"","post_status":"publish","comment_status":"closed","ping_status":"closed","post_password":"","post_name":"bbc-untersuchung-vae-in-todlichen-angriff-in-libyen-verwickelt","to_ping":"","pinged":"","post_modified":"2025-02-02 08:39:39","post_modified_gmt":"2025-02-02 08:39:39","post_content_filtered":"","post_parent":0,"guid":"https:\/\/dctransparency.com\/?p=3811","menu_order":0,"post_type":"post","post_mime_type":"","comment_count":"0","filter":"raw"},{"ID":3792,"post_author":"7","post_date":"2020-08-14 13:58:48","post_date_gmt":"2020-08-14 13:58:48","post_content":"\n

Die Hagia Sophia war (ist) ein kulturelles Weltwunder und aufgeladen mit symbolischer Bedeutung, f\u00fcr die Christenheit ebenso wie f\u00fcr den Islam \u2013 und den t\u00fcrkischen Nationalismus. Als Mehmed II. sie betrat, war sie schon fast 1000 Jahre die gr\u00f6\u00dfte Kirche der christlichen Welt und das Zentrum der orthodoxen Glaubensrichtung. Die \"Ayasofya\", wie sie dann hie\u00df, war 500 Jahre lang Moschee \u2013 bis 1934, als Kemal Pascha Atat\u00fcrk, der \"Vater\" der modernen T\u00fcrkei, sie in ein Museum verwandelte, in der ausdr\u00fccklichen Absicht, auch hier mit dem osmanischen Erbe zu brechen.<\/p>\n\n\n\n

Nun wird Pr\u00e4sident Recep Tayyip Erdo\u011fan, der \"Vater\" der re-islamisierten T\u00fcrkei, am 24. Juli dieses Jahres die Ayasofya durch das Freitagsgebet wieder in den Islam eingliedern. Oder eher in seinen pers\u00f6nlichen religi\u00f6sen Nationalismus.<\/p>\n\n\n\n

Welterbe von allen<\/h3>\n\n\n\n

Wie bedeutungsschwer ist dieser Akt eines \"starken Mannes\", der innenpolitisch deutlich schw\u00e4chelt? Die Proteste vor allem aus der orthodoxen Welt, aber auch aus Europa und den USA sind eher traurig als w\u00fctend. Der Papst dr\u00fcckte seinen \"Schmerz\" aus. Auch der Jubel in der islamischen Welt fiel zun\u00e4chst weniger \u00fcbersch\u00e4umend als erwartet aus.<\/p>\n\n\n\n

Ist es der Alleingang eines Autokraten in Bedr\u00e4ngnis oder ist \"der Jubel \u00fcber die Eroberung der Hagia Sophia der Versuch einer zutiefst erniedrigten, vom Gef\u00fchl der Wertlosigkeit dominierten und in ihrer eigenen Selbstberechtigung beraubten Gesellschaft, eine Bedeutung, eine St\u00e4rke, ein Selbstwertgef\u00fchl zu finden\"? So recht pauschalierend der in Deutschland lebende pal\u00e4stinensische Intellektuelle und Psychiater Ahmad Mansour.<\/p>\n\n\n\n

Die beiden Gro\u00dfreiche, das byzantinische und das osmanische, sind l\u00e4ngst versunken.<\/p><\/blockquote>\n\n\n\n

Das eigentliche Schl\u00fcsselwort im Zusammenhang mit der Hagia Sofia ist \"Welterbe\". Das Erbe von allen. Einmal im kulturellen Sinn der Unesco, aber in Wahrheit weiter gefasst. Das einzigartige Bauwerk geh\u00f6rt in Wirklichkeit der ganzen Welt, nicht der einen oder anderen Religion. Die beiden Gro\u00dfreiche, f\u00fcr die die Hagia Sofia der zentrale spirituelle Bau war, das byzantinische und das osmanische, sind l\u00e4ngst versunken. Seither hat sie eine neue, \u00fcbernationale Dimension erhalten. Was Erdo\u011fan da jetzt mit der Hagia Sofia macht, ist eine Verengung und Verarmung eines gemeinsamen Welterbes.<\/p>\n\n\n\n

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Betende Muslime vor der Hagia Sophia.<\/figcaption><\/figure>\n\n\n\n

Davon abgesehen aber war und ist sie ein architektonisches Meisterwerk und geh\u00f6rt zu den bedeutendsten Bauten der Welt. Wer heute den Zentralraum unter der Kuppel betritt, kann sich nur schwer dem zugleich majest\u00e4tischen wie schwebenden Gesamteindruck entziehen. Die Hagia Sophia blieb fast 1000 Jahre die gr\u00f6\u00dfte Kirche der Christenheit. Technisch war die Kuppel (mit mehreren Halbkuppeln) eine \u00fcberaus riskante Innovation: Die 55 Meter hohe und 32 Meter im Durchmesser breite Kuppel ruht auf nur vier Tragpunkten, was den schwebenden, schwerelosen Eindruck erzeugt. Die Konstruktion folgt einem mathematischen Prinzip, das erst k\u00fcrzlich entschl\u00fcsselt wurde.<\/p>\n\n\n\n

\"Salomo, ich habe dich \u00fcbertroffen!\"<\/p><\/blockquote>\n\n\n\n

Als Kaiser Justinian die Hagia Sophia nach nur f\u00fcnf Jahren Bauzeit (532\u2013537) betrat, soll er in Anspielung auf den Tempel in Jerusalem ausgerufen haben: \"Salomo, ich habe dich \u00fcbertroffen!\" Die Innenausstattung war mit ihren S\u00e4ulen aus Porphyr und gr\u00fcnem Marmor, mit Mosaiken aus Gold und Halbedelsteinen derart prunkvoll, der Gesamteindruck derart \u00fcberirdisch, dass eine Delegation des Gro\u00dff\u00fcrsten von Kiew nicht mehr wusste, \"ob wir im Himmel oder auf der Erde\" waren \u2013 was die Christianisierung Russlands bef\u00f6rderte.<\/p>\n\n\n\n

Der deutsche Architekturlehrer Holger Kleine nennt die Hagia Sophia \"absolute Architektur\", weil sie \"extreme Ausdrucksformen nahezu aller dramaturgischen Mittel, die der Architektur zur Verf\u00fcgung stehen, vereinigt: wuchtigste K\u00f6rper und luftigste R\u00e4ume, engste Enge und gr\u00f6\u00dfte Weite, w\u00e4rmende Helligkeit und mystisches Dunkel\". Und die Kuppelbauten aus der sp\u00e4teren Hochbl\u00fcte der Moscheenarchitektur im 16. und 17. Jahrhundert gehen eindeutig auf die Hagia Sophia zur\u00fcck.<\/p>\n\n\n\n

Die Hagia Sophia war Staatskirche des byzantinischen Reichs. F\u00fcr die Eroberer der letzte Schlussstein in der Kuppel osmanisch-muslimischen Herrschaftsanspruchs. Konstantinopel war ja 1453 nur noch eine isolierte, heruntergekommene Enklave in einem osmanischen Umfeld, kein christliches Heer kam zu Hilfe. Doch vorher war es zugleich Sperrriegel nach Osten und Geistesarchiv der antiken Kultur gewesen. \"Ohne Byzanz h\u00e4tte es kein Europa gegeben\", sagt die britische Altertumsforscherin Judith Herrin.<\/p>\n\n\n\n

\"\"\/
Freigelegtes Mosaik von \"Christos Pantokrator\".<\/figcaption><\/figure>\n\n\n\n

Neue Fragen<\/h3>\n\n\n\n

Die Kirche wurde von Mehmed II. und Nachfolgern nicht in der Substanz zerst\u00f6rt, sondern \"entchristlicht\". Die urspr\u00fcnglich \u00fcbert\u00fcnchten oder auch abgeschlagenen Mosaiken mit den Darstellungen von Christus, der Muttergottes, diversen Kaisern kamen zum Teil schon unter einem Sultan des 19. Jahrhunderts, dann gro\u00dfteils nach der Museumswidmung wieder zum Vorschein.<\/p>\n\n\n\n

Jetzt stellen sich neue symbolisch-praktische Fragen. Erdo\u011fan hat die Hagia Sophia der konservativen staatlichen Religionsbeh\u00f6rde Diyanet unterstellt. Die byzantinischen Mosaike, wie der gro\u00dfartige \"Christos Pantokrator\" (\"Weltenherrscher\") oder die Jungfrau Maria in der Apsis, m\u00fcssen wohl w\u00e4hrend des islamischen Gottesdiensts verh\u00e4ngt werden. Muss der Boden mit seinen Marmorplatten und Mosaiken mit einem Teppich bedeckt werden? Erdo\u011fan sagt, Touristen seien nach wie vor zugelassen. Aber sie werden wohl hinter Absperrungen bleiben m\u00fcssen. Frauen werden \u2013 wie in der benachbarten \"Blauen Moschee\" (\"Sultanahmed\") Kopftuch tragen m\u00fcssen.<\/p>\n\n\n\n

\"\"\/
Erdo\u011fan mit Gattin in der Hagia Sophia.<\/figcaption><\/figure>\n\n\n\n

Erdo\u011fans neue Abenteuer<\/strong><\/h3>\n\n\n\n

Aber wird da nicht doch zu viel in einen Formalakt rund um ein uraltes Bauwerk hineininterpretiert? Im geschichtlichen Kontext relativiert sich manches: Konstantinopel wurde schon von Christen erobert und ausgepl\u00fcndert \u2013 1204 im Vierten Kreuzzug. In der Moschee von Cordoba (\"Mezquita\") bauten die Katholiken eine ganze Kirche in den ber\u00fchmten S\u00e4ulenwald hinein. Die Mezquita ist heute noch Kirche, kein Museum.<\/p>\n\n\n\n

\"Das ist der Beweis, dass wir kein s\u00e4kularer Staat mehr sein wollen\", sagt Nobelpreistr\u00e4ger Orhan Pamuk. Erdo\u011fan betrachtet sich offenbar als auch neoosmanischer \"Fatih\" im Mittelmeerraum mit immer neuen Abenteuern: Eingreifen in Syrien, Stellvertreterkrieg in Libyen, Anspr\u00fcche auf Erdgasvorkommen weit vor der t\u00fcrkischen K\u00fcste bei Zypern, Reden, wonach manche \u00c4g\u00e4is-Inseln eigentlich zur T\u00fcrkei geh\u00f6ren, \"denn dort stehen unsere Moscheen\". Manches davon ist nur Rhetorik, aber genug anderes ist riskante Realit\u00e4t. (Hans Rauscher, 14.7.2020)<\/p>\n\n\n\n

Quelle<\/a><\/strong><\/p>\n","post_title":"Hagia Sophia: Verengung und Verarmung eines Welterbes","post_excerpt":"","post_status":"publish","comment_status":"closed","ping_status":"closed","post_password":"","post_name":"hagia-sophia-verengung-und-verarmung-eines-welterbes","to_ping":"","pinged":"","post_modified":"2025-02-02 08:39:39","post_modified_gmt":"2025-02-02 08:39:39","post_content_filtered":"","post_parent":0,"guid":"https:\/\/dctransparency.com\/?p=3792","menu_order":0,"post_type":"post","post_mime_type":"","comment_count":"0","filter":"raw"},{"ID":3789,"post_author":"7","post_date":"2020-08-14 13:56:07","post_date_gmt":"2020-08-14 13:56:07","post_content":"\n

Im Gastkommentar pocht Mark Leonard, Direktor des Europ\u00e4ischen Rats f\u00fcr Ausw\u00e4rtige Beziehungen, auf \"neue, einvernehmlich vereinbarte Prinzipien sowie klare Grenzen\", nur so k\u00f6nne eine weitere Destabilisierung in der Region verhindert werden.<\/em><\/strong><\/p>\n\n\n\n

Ist die T\u00fcrkei das neue Russland? Diese Frage wird in den europ\u00e4ischen Hauptst\u00e4dten zunehmend gestellt, da die Au\u00dfenpolitik des t\u00fcrkischen Pr\u00e4sidenten Recep Tayyip Erdo\u011fan zunehmend aggressiver wird. Erdo\u011fan nutzt nicht nur die Migration, um die EU zu bedrohen und zu betr\u00fcgen, sondern setzt auch milit\u00e4rische Macht ein, um den Einflussbereich der T\u00fcrkei auf die gesamte Region auszudehnen.<\/p>\n\n\n\n

Seit dem Ende des Kalten Krieges haben die Europ\u00e4er die regionale Sicherheit durch eine unipolare westliche Linse betrachtet. W\u00e4hrend die Nato die milit\u00e4rische Sicherheit garantierte, sorgte die EU mit ihrem 80.000 Seiten starken Regelwerk f\u00fcr alles von LGBTQ-Rechten bis hin zu Rasenm\u00e4her-Sound-Verordnungen f\u00fcr Rechtsordnung. In den 90er-Jahren ging man allgemein davon aus, dass die beiden gro\u00dfen nichtwestlichen regionalen Akteure, Russland und die T\u00fcrkei, nach und nach an diese Regelungen herangef\u00fchrt werden w\u00fcrden.<\/p>\n\n\n\n

Qu\u00e4lende Hassliebe<\/h3>\n\n\n\n

Doch in den letzten 15 Jahren ist der Traum von der europ\u00e4ischen Unipolarit\u00e4t einer multipolaren Realit\u00e4t gewichen. Sowohl Russland als auch die T\u00fcrkei haben eine lange, qu\u00e4lende Hassliebe zu Europa, und beide sind unter nationalen Machthabern, denen die Verachtung der Normen und Werte der EU gemeinsam ist, durchsetzungsf\u00e4higer geworden.<\/p>\n\n\n\n

Die zunehmende Verschlechterung der Beziehungen zwischen der EU und Russland ist gut dokumentiert, der Fall der T\u00fcrkei weniger. Der Irakkrieg im Jahr 2003 komplizierte das Verh\u00e4ltnis der T\u00fcrkei zur Nato, und ihr Verh\u00e4ltnis zur EU verschlechterte sich 2007, als Frankreich einen wichtigen Teil ihrer EU-Beitrittsverhandlungen blockierte. Seitdem hat die T\u00fcrkei ihren eigenen Weg in Syrien, auf dem Balkan und in Libyen eingeschlagen und neue Beziehungen zu Russland und China aufgebaut.<\/p>\n\n\n\n

Wichtiger Akteur<\/strong><\/h3>\n\n\n\n

Nat\u00fcrlich sind die Beziehungen zwischen der T\u00fcrkei und Russland nicht weniger kompliziert, nicht zuletzt weil Erdo\u011fan und der russische Pr\u00e4sident Wladimir Putin im syrischen B\u00fcrgerkrieg verschiedene Seiten unterst\u00fctzten.Und w\u00e4hrend die Spannungen wegen des Syrien-Konflikts weiterhin bestehen, bewundert Erdo\u011fan deutlich, wie Russland sich \u2013 bei relativ geringen Kosten \u2013 wieder als wichtiger Akteur im Nahen Osten und in Nordafrika etabliert hat.<\/p>\n\n\n\n

Nachdem er in einen nicht zu gewinnenden Krieg im Osten der Ukraine verwickelt war, schien Putins weitgehend erfolgreicher Feldzug in Syrien einen Teil seiner innenpolitischen Autorit\u00e4t wiederherzustellen. Der Westen hatte f\u00fcnf Jahre lang darauf bestanden, dass es keine milit\u00e4rische L\u00f6sung des Konflikts gebe und dass der syrische Pr\u00e4sident Baschar al-Assad gehen m\u00fcsse. Doch w\u00e4hrend die von den Vereinten Nationen unterst\u00fctzten Gespr\u00e4che in Genf zu keinem Ergebnis f\u00fchrten, schienen die von Russland geleiteten Gespr\u00e4che in Astana voranzukommen. Indem der Kreml die T\u00fcrkei und den Iran einbezog, w\u00e4hrend er die westlichen M\u00e4chte ausschloss, erweckte er den Eindruck, dass Russland als wiedergeborene Supermacht aus der Asche auferstanden sei.<\/p>\n\n\n\n

Unter Druck<\/h3>\n\n\n\n

Angesichts des wachsenden Widerstands im eigenen Land macht es Erdo\u011fan Putin gleich. Da der Westen nicht bereit war, (erneut) milit\u00e4risch in Libyen zu intervenieren, sah Erdo\u011fan eine Gelegenheit, die T\u00fcrkei zu positionieren. Nach dem Vorgehen Russlands in Syrien sicherte er sich eine formelle Einladung der libyschen Regierung zur Intervention. Mit einem Schlag Ende letzten Jahres hat er nicht nur das Image der T\u00fcrkei als Regionalmacht gest\u00e4rkt, sondern auch ein Abkommen mit Libyen \u00fcber die Seegrenze abgeschlossen und damit einen Plan Griechenlands, Zyperns, \u00c4gyptens und Israels zur Erschlie\u00dfung von Unterwasser\u00f6l- und -gasfeldern in der N\u00e4he zunichtegemacht.<\/p>\n\n\n\n

Erdo\u011fan scheint auch von der Spalt-und-Eroberungs-Strategie des Kreml in Europa inspiriert worden zu sein, der zufolge oft diejenigen EU-Mitgliedsstaaten unter Druck gesetzt werden, die am meisten von russischen Kohlenwasserstoffen oder M\u00e4rkten abh\u00e4ngig sind. So wie Putin lange Zeit die Energieversorgung instrumentalisiert hat, hat Erdo\u011fan versucht, den Strom von Migranten und Fl\u00fcchtlingen, die vor Konflikten im Nahen Osten fliehen, zu instrumentalisieren. Als die EU eine neue Marinemission ank\u00fcndigte, um den Waffenstrom nach Libyen zu blockieren, malte die T\u00fcrkei f\u00fcr Malta das Schreckgespenst der angeblichen Bedrohung durch Migranten an die Wand. Malta reagierte prompt und signalisierte, dass es gegen die Finanzierung der Mission ein Veto einlegen werde.<\/p>\n\n\n\n

Verlorener Sohn<\/strong><\/h3>\n\n\n\n

Jahrelang redeten sich die Europ\u00e4er ein, dass Russland eine Art verlorener Sohn sei und dass die europ\u00e4ische unipolare Ordnung gesund bleibe. Doch das machte Europa zu einem leichten Ziel f\u00fcr die Trennungs-und-Eroberungs-Strategie des Kreml. Erst vor relativ kurzer Zeit entwarf die Union eine neue Politik und ein robustes Sanktionsregime, um die russische Aggression abzuschrecken. Und selbst jetzt \u2013 trotz der besten Bem\u00fchungen der deutschen Bundeskanzlerin Angela Merkel und des franz\u00f6sischen Pr\u00e4sidenten Emmanuel Macron \u2013 hat die EU noch immer keine wirksamen Kommunikationskan\u00e4le mit Russland geschaffen, um gemeinsame Probleme anzugehen.<\/p>\n\n\n\n

Die T\u00fcrkei ist noch kein neues Russland, aber sie k\u00f6nnte dazu werden, wenn die Situation falsch gehandhabt wird. Vorerst betrachten die meisten Europ\u00e4er die T\u00fcrkei noch immer als einen komplizierten Partner und nicht als \"Systemrivalen\". Aber die Europ\u00e4er sollten die hart erk\u00e4mpften Lehren aus dem Umgang mit Russland in den letzten 15 Jahren beherzigen. Die Beziehungen zwischen der EU und der T\u00fcrkei brauchen neue, einvernehmlich vereinbarte Prinzipien sowie klare Grenzen, um eine weitere Destabilisierung in der Region zu verhindern.<\/p>\n\n\n\n

Zu diesem Zweck sollten die Europ\u00e4er klarstellen, dass der EU-Beitrittsprozess entweder zur\u00fcckgedreht oder vorangetrieben werden kann und dass eine eher transaktionale Beziehung sowohl Zuckerbrot als auch Peitsche beinhaltet. Die Herausforderung wird darin bestehen, daf\u00fcr zu sorgen, dass es in einer Region, die nicht nur von Europa und der T\u00fcrkei, sondern auch von Russland, den USA und einem aufstrebenden China beeinflusst wird, noch Raum f\u00fcr politisches Engagement in Fragen der gemeinsamen Sicherheit gibt. (Mark Leonard, \u00dcbersetzung: Eva G\u00f6llner, Copyright: Project Syndicate, 10.8.2020)<\/p>\n\n\n\n

Mark Leonard <\/strong>ist Direktor des Europ\u00e4ischen Rats f\u00fcr Ausw\u00e4rtige Beziehungen.<\/a><\/p>\n","post_title":"Erdo\u011fan \u2013 der andere Putin vor der Haust\u00fcr Europas","post_excerpt":"","post_status":"publish","comment_status":"closed","ping_status":"closed","post_password":"","post_name":"erdogan-der-andere-putin-vor-der-haustur-europas","to_ping":"","pinged":"","post_modified":"2025-02-02 08:39:39","post_modified_gmt":"2025-02-02 08:39:39","post_content_filtered":"","post_parent":0,"guid":"https:\/\/dctransparency.com\/?p=3789","menu_order":0,"post_type":"post","post_mime_type":"","comment_count":"0","filter":"raw"},{"ID":3786,"post_author":"7","post_date":"2020-08-14 13:51:23","post_date_gmt":"2020-08-14 13:51:23","post_content":"\n

Einen Monat nachdem ich zur israelischen Armee eingezogen worden war, brach die erste Intifada aus. Statt Soldat zu sein, machte ich Polizeiarbeit, sagte den Menschen, wann sie zur Arbeit gehen konnten und wann sie ihre L\u00e4den schlie\u00dfen mussten, wann sie die Grenze passieren und wann sie schlafen konnten. Einen Monat nachdem ich aus der Armee entlassen worden war, ging ich auf Reisen. (In Israel sagen wir: Wir dienen drei Jahre und versuchen den Rest unseres Lebens, diese drei Jahre zu vergessen.) Auf meiner Reise begann ich Briefe an meine Freundin zu schreiben, die ich in Israel zur\u00fcckgelassen hatte.<\/p>\n\n\n\n

Ich schrieb ihr, wie schrecklich depressiv ich war und dass diese drei Jahre des Anweisungenbellens und Anderen-Menschen-Sagens, was sie zu tun haben, mich f\u00fcr immer verfolgen w\u00fcrden. Dass sie ein Teil dessen geworden waren, was ich bin. Ich erinnere mich, dass ich ihr schrieb, dass wir da rausm\u00fcssen \u2013 nicht nur f\u00fcr die Pal\u00e4stinenser, sondern wegen der furchtbaren und brutalen Auswirkungen, die all das auf uns, auf die israelische Gesellschaft haben w\u00fcrde. Sie schrieb zur\u00fcck: \u201eDu hast recht. Ich habe einen neuen Freund.\u201c<\/p>\n\n\n\n

Felix Klein wurde als Beauftragter der Bundesregierung berufen<\/a>, um die Auswirkungen des zunehmenden Antisemitismus in unserer Gesellschaft, in Deutschland, zu bek\u00e4mpfen. Was nicht in seiner Jobbeschreibung steht, ist, dass er dabei unsere Gesellschaft heilen muss, jene Gesellschaft, die diese Form des Hasses reproduziert und sch\u00fctzt. Klein hat das begriffen.<\/p>\n\n\n\n

Er versteht, dass man Krebs nicht mit einem Pflaster verarztet, er wei\u00df, dass er das Bewusstsein der Deutschen sch\u00e4rfen und Diskussionen ansto\u00dfen muss. Er hat begriffen, dass das Problem nicht nur an den R\u00e4ndern der Gesellschaft (bei den Rechten) liegt, sondern auch in ihrer Mitte. Dort, wo gebildete Menschen nicht einmal bemerken, dass das, was sie sagen und tun, antisemitisch ist. So wie sie es auch nicht merken, wenn sie rassistisch handeln. Er hat all das verstanden, und genau deshalb wollen einige, dass er seinen Posten r\u00e4umt.<\/p>\n\n\n\n

Mehr als 60 deutsche und israelische Intellektuelle haben letzte Woche in einem Brief an Kanzlerin Merkel<\/a> dar\u00fcber geklagt, dass der aktuelle \u201eGebrauch des Antisemitismusbegriffs\u201c darauf abziele, \u201elegitime Kritik an der israelischen Regierungspolitik zu unterdr\u00fccken\u201c, und Klein vorgeworfen, rechtspopulistische israelische Stimmen zu f\u00f6rdern.<\/p>\n\n\n\n

Faszinierend an diesem offenen Brief ist, dass viele der Unterzeichneten keine Deutschen sind und auch nicht in Deutschland leben. Ich wei\u00df nicht, woher sie \u2013 die meisten von ihnen sind Israelis \u2013 die Chuzpe haben, sich in eine innerdeutsche Angelegenheit einzumischen und zu fordern, eine Person zu entlassen, die von der Bundesregierung eingesetzt wurde. Die H\u00e4lfte der Unterzeichneten lebt nicht hier, von der anderen H\u00e4lfte sind viele keine Juden \u2013 somit sind die allermeisten von ihnen nicht direkt vom Antisemitismus in Deutschland betroffen. Wie also k\u00f6nnen sie diesen Brief unterschreiben? Und warum eigentlich haben so wenige Deutsche unterschrieben? Dazu komme ich gleich.<\/p>\n\n\n\n

Debatte um Achille Mbembe<\/h6>\n\n\n\n

Hintergrund des Briefs war, dass Felix Klein gefordert hatte, den Philosophen Achille Mbembe<\/a> nicht die Er\u00f6ffnungsrede der Ruhrtriennale halten zu lassen. Als mit \u00f6ffentlichen Mitteln gef\u00f6rdertes Event solle die Ruhrtriennale Mbembe wegen seiner Haltung zu Israels Existenzrecht, seiner Haltung zu BDS und der Art, wie er in einem seiner Werke den Holocaust relativiert, nicht einladen.<\/p>\n\n\n\n

Mbembes Unterst\u00fctzer sagen, keine dieser Anschuldigungen sei wahr. F\u00fcrs Protokoll: In meinen Augen unterst\u00fctzt Mbembe sehr wohl BDS<\/a>, er schrieb unter anderem das Vorwort zu \u201eApartheid Israel\u201c und fordert die komplette Isolation Israels. Ich glaube auch, wenn Mbembe schreibt, die israelische Besetzung sei der \u201egr\u00f6\u00dfte moralische Skandal unserer Zeit\u201c, zeigt das, dass sein moralischer und geografischer Kompass etwas schief ist.<\/p>\n\n\n\n

Doch warum treibt die Debatte so viele Menschen um? Nun, zun\u00e4chst gibt niemand gern auf, was ihm oder ihr selbstverst\u00e4ndlich scheint. \u00dcber den gesamten politischen, sozialen, kulturellen, medialen und akademischen Sektor hinweg sind Menschen daran gew\u00f6hnt, so schlecht \u00fcber Israel sprechen zu k\u00f6nnen, wie auch immer sie wollen.<\/p>\n\n\n\n

Der Spiegel<\/em> hat \u2013 vielleicht in Anlehnung an seine Relotius-Standards, Israel erst k\u00fcrzlich eine Corona-Diktatur genannt. Fakten und Belege f\u00fcr diese Behauptung gab es nicht. Doch Millionen Deutsche haben es gelesen, und es wird nat\u00fcrlich haften bleiben. Faktenlage hin oder her. Der Spiegel<\/em> und andere Medien haben dieses Spiel perfektioniert: Titel so zu drehen, dass sie Israel indirekt anklagen, die Idee zu streuen, der Mossad kon\u00adtrol\u00adliere die deutsche Au\u00dfenpolitik im Nahen Osten, und so fort. Doch sie stehen allesamt sofort auf den Hinterbeinen, wenn jemand es wagt, das Spiel beim Namen zu nennen: moderner Antisemitismus.<\/p>\n\n\n\n

Klein will dem entgegenwirken. Er versteht, dass antisemitische Attacken in Deutschland die Fr\u00fcchte solch falsch gezeichneter Bilder und eindimensionaler Narrative \u00fcber Israel sind. Wenn er und andere versuchen, ein anderes Narrativ aufzuzeigen, wirft man ihnen Zensur vor: Wie k\u00f6nnen sie es wagen, das Gesch\u00e4ft der Anti-Israel-Propaganda zu st\u00f6ren?<\/p>\n\n\n\n

Liebe Deutsche, wenn ihr reden wollt, lasst uns gern reden: \u00fcber die Besetzung, \u00fcber Bibi und alles, was schiefl\u00e4uft. Aber dann lasst uns bitte auch dar\u00fcber reden, wie deutsche Steuergelder Terrortunnel finanzieren. Erst vergangene Woche r\u00e4umte die niederl\u00e4ndische Regierung ein, dass Gelder an eine Landwirtschaftsorganisation in Ramallah geflossen seien, die damit teilweise die Geh\u00e4lter zweier des Mordes an der 17-j\u00e4hrigen Israelin Rina Shnerb Verd\u00e4chtiger gezahlt haben. Auch die Bundesregierung unterst\u00fctzt diese Organisation, obwohl Kritiker schon lange vor Verbindungen zu Terroristen warnen.<\/p>\n\n\n\n

Wir k\u00f6nnen uns also gerne unterhalten \u2013 aber im Dialog, nicht in Monologen. Denn Reden unter Menschen, die sich einig sind, ist nichts anderes als Impotenz.<\/p>\n\n\n\n

Israelkritik als Eintrittskarte<\/h6>\n\n\n\n

Die Israelis, die die Petition unterzeichnet haben, haben \u00fcbrigens ebenfalls etwas verstanden. Seit Jahren wissen sie: Es ist ihre Eintrittskarte in die Mitte der deutschen (und europ\u00e4ischen) Gesellschaft. Man h\u00f6rt nicht oft von Akademikern mit proisraelischen Ansichten. Weder in den Philharmonie-Orchestern noch in der Kunstszene. Die Eintrittskarte daf\u00fcr ist ein antiisraelischer Standpunkt.<\/p>\n\n\n\n

Der mutma\u00dfliche Grund, warum kaum Deutsche die Petition unterzeichnet haben: Sie mussten es nicht. Ihre Lieblingsjuden haben es f\u00fcr sie getan. Jetzt k\u00f6nnen sie sagen: \u201eSchau, ich bin das ja nicht, meine j\u00fcdischen Freunde sagen es.\u201c Ich selbst war einige Jahre lang mit einem Paar hier in Berlin befreundet, bis ich herausfand, dass ich ihr Lieblingsjude war. Ja, selbst das j\u00fcdische Museum wurde so genutzt.<\/p>\n\n\n\n

Weil Attacken gegen Juden ein absolutes Tabu sind, wurden Umwege gefunden, um den Antisemitismus auf kleiner Flamme k\u00f6cheln zu lassen: die unfundierte, unbegr\u00fcndete Kritik an Israel.<\/p>\n\n\n\n

Diese Art der Kritik ist gef\u00e4hrlich. Sie schw\u00e4cht jede begr\u00fcndete und notwendige Kritik am Verhalten Israels. Und das Interessante ist: Trotz all der heftigen, pauschalisierenden Anklagen, all der offenen Briefe driftet Israel politisch immer weiter nach rechts. Doch statt mal einen anderen Ansatz zu versuchen, werden die antiisraelischen Stimmen nur lauter. Dasselbe versuchen und andere Ergebnisse davon erwarten \u2013 das ist die Definition von Wahnsinn.<\/p>\n\n\n\n

Kurz bevor der Prozess gegen den wegen des Attentats von Halle<\/a> Angeklagten begann \u2013 des seit Kriegsende schlimmsten Akts von Antisemitismus in Deutschland \u2013, lud eine Lokalzeitung den fr\u00fcheren Botschafter Shimon Stein und den Historiker Moshe Zimmermann ein, dar\u00fcber zu schreiben, was Antisemitismus ist. Nat\u00fcrlich wendeten auch sie sich gegen Felix Kleins Ansatz. Sie zitieren die Kontroverse um die Umbenennung der U-Bahn-Station Mohrenstra\u00dfe in Glinkastra\u00dfe, die sich darum drehte, dass der russische Komponist Michael Glinka Antisemit gewesen sein soll. Stein und Zimmermann halten die Debatte f\u00fcr \u00fcberzogen, Glinka sei nur ein Kind seiner Zeit gewesen. Folgt man ihrer Logik, k\u00f6nnen wir dann also in 20 oder 30 Jahren U-Bahn-Stationen nach den Kindern der 1930er Jahre benennen?<\/p>\n\n\n\n

Der Antisemit als Tierfreund<\/h6>\n\n\n\n

Ich w\u00fcnschte, die Sache h\u00e4tte mit dem Artikel, mit der Petition geendet. Doch dann erschien ein Artikel, der den Leser auf einen Waldspaziergang mit einem veganen Koch und Antisemiten mitnahm. Darin setzt der Tierfreund erst behutsam einen K\u00e4fer wieder auf seine Beinchen und erkl\u00e4rt dann, dass die Todesstrafe in Deutschland wieder eingef\u00fchrt werden solle, um einen gewissen Politiker (der zuf\u00e4llig pro Israel ist) an seinen Hoden aufh\u00e4ngen zu k\u00f6nnen. Dieser Koch hat Hunderttausende Follower, er sagt all solche Dinge am helllichten Tag in Berlin. Und in den Medien.<\/p>\n\n\n\n

F\u00e4lle wie dieser handeln bereits von Gewalt \u2013 und sie enden nicht bei den Juden. Der Hass richtet sich gegen Frauen<\/a>, Muslime, Gefl\u00fcchtete, \u00adLBTQI. Am Ende aller theoretischen Debatten stehen immer echte Menschen. Am Ende jeder Konferenz dar\u00fcber, was Antisemitismus ausmacht, steht ein potenzielles j\u00fcdisches Opfer. Angesichts einer Welle von Antisemitismus \u00fcber die Definition von Antisemitismus zu streiten ist, wie eine 10 Meter hohe Welle heranrollen zu sehen und dar\u00fcber zu streiten, was einen Tsunami ausmacht.<\/p>\n\n\n\n

Felix Klein versteht, wie absurd es ist, zu sagen: Es sind nur die Rechten. Die Rechten sind Deutsche, so wie die Nazis Deutsche waren. Klein versteht, dass die Deutschen nicht aufgeh\u00f6rt haben, Juden zu ermorden, weil sie irgendeine Art von Erleuchtung hatten. Sondern schlicht, weil sie den Krieg verloren haben. Um den Antisemitismus zu bek\u00e4mpfen, bevor er die Gesellschaft frisst, in der er und wir leben, muss Deutschland seinen moralischen Kompass korrigieren.<\/p>\n\n\n\n

Immerhin: Mehr und mehr Deutsche fahren nach Israel, sie wollen ein anderes Narrativ h\u00f6ren. Mehr und mehr Deutsche verstehen, dass Antisemitismus Schockwellen ausl\u00f6st, die die gesamte Gesellschaft betreffen. In einem normalen Universum w\u00fcrde Klein bef\u00f6rdert werden f\u00fcr seine Leistung. In einer verdrehten Gesellschaft fordern Menschen seine Entlassung. Um es mit Mbembe zu sagen: Das ist Nano-Nonsens.<\/p>\n\n\n\n

\u00dcbersetzung: Ariane Lemme<\/a><\/em><\/p>\n","post_title":"Felix Klein hat verstanden","post_excerpt":"","post_status":"publish","comment_status":"closed","ping_status":"closed","post_password":"","post_name":"felix-klein-hat-verstanden","to_ping":"","pinged":"","post_modified":"2025-02-02 08:39:39","post_modified_gmt":"2025-02-02 08:39:39","post_content_filtered":"","post_parent":0,"guid":"https:\/\/dctransparency.com\/?p=3786","menu_order":0,"post_type":"post","post_mime_type":"","comment_count":"0","filter":"raw"}],"next":false,"prev":true,"total_page":47},"paged":1,"column_class":"jeg_col_2o3","class":"epic_block_3"};

\n

Die VAE haben zuvor die milit\u00e4rische Beteiligung in Libyen verweigert und sagen, sie unterst\u00fctzen den UN-Friedensprozess. Es antwortete nicht auf die Bitte der BBC um einen Kommentar.<\/p>\n\n\n\n

Was ist mit diesen Kadetten passiert?<\/strong><\/p>\n\n\n\n

Kurz nach 21:00 Uhr am 4. Januar 2020 f\u00fchrten rund 50 Kadetten Routine\u00fcbungen an einer Milit\u00e4rakademie im S\u00fcden von Tripolis durch.<\/p>\n\n\n\n

Ohne Vorwarnung detonierte eine Explosion in der Mitte der Gruppe und lie\u00df 26 Kadetten tot oder auf dem Exerzierplatz sterben. Viele waren noch Teenager. Keiner von ihnen war bewaffnet.

Einer der \u00dcberlebenden war der 20-j\u00e4hrige Abdul Moeen.<\/p>\n\n\n\n

Er war in der Akademie, als der Streik eintraf. \"Es war unbeschreiblich\", sagte er der BBC.<\/p>\n\n\n\n

\"Wir haben gesehen, wie unsere Kollegen starben, ihren letzten Atemzug machten und wir konnten nichts tun ... Es gab Leute, deren Oberk\u00f6rper von ihren K\u00f6rpern getrennt waren. Es war ein schreckliches Verbrechen, ein Verbrechen, das nichts mit der Menschheit zu tun hat. \"\"<\/p>\n\n\n\n

Sieben Monate nach dem Streik hat niemand die Verantwortung f\u00fcr die T\u00f6tung dieser jungen M\u00e4nner eingestanden.<\/p>\n\n\n\n

Die LNA unter Gen Khalifa Haftar bestritt, dass sie hinter dem Streik steckt, und teilte der Presse mit, dass die Explosion m\u00f6glicherweise durch eine lokal abgefeuerte M\u00f6rsergranate oder einen Angriff innerhalb der Akademie verursacht worden sei.<\/p>\n\n\n\n

Was hat die BBC gefunden?<\/strong><\/p>\n\n\n\n

Die Untersuchung ergab Hinweise darauf, dass eine viel ausgefeiltere Waffe verwendet wurde.<\/p>\n\n\n\n

\"\"<\/figure>\n\n\n\n

Die BBC betrachtete Bilder des Splitters, der nach dem Streik auf dem Exerzierplatz zur\u00fcckgelassen wurde, und kam zu dem Schluss, dass er mit den Komponenten einer Rakete namens Blue Arrow 7 \u00fcbereinstimmte.<\/p>\n\n\n\n

Unsere Analyse ergab, dass nur ein Flugzeug, das im Januar 2020 \u00fcber Tripolis operierte, diese Waffe abfeuern konnte - eine Drohne namens Wing Loong 2.<\/p>\n\n\n\n

Nur drei Wochen vor diesem Streik kamen die Vereinten Nationen zu dem Schluss, dass der Blaue Pfeil 7 \"ballistisch gepaart ist, um vom Wing Loong II geliefert zu werden ... und von keinem anderen in Libyen bisher identifizierten Luftfahrtgut\".<\/p>\n\n\n\n

Die BBC untersuchte auch, woher diese Drohne stammen k\u00f6nnte, und fand Hinweise darauf, dass Wing Loong-Drohnen zum Zeitpunkt des Angriffs nur von einem libyschen Luftwaffenst\u00fctzpunkt aus operierten: al-Khadim im von der LNA kontrollierten Ostlibyen.<\/p>\n\n\n\n

Sowohl die BBC als auch die UN haben Beweise daf\u00fcr gefunden, dass Drohnen, die von diesem Luftwaffenst\u00fctzpunkt aus operieren, zu den Vereinigten Arabischen Emiraten geh\u00f6ren.<\/p>\n\n\n\n

Im Jahr 2019 stellte die UNO fest, dass die VAE durch den Versand von Wing Loong-Drohnen und Blue Arrow 7-Raketen nach Libyen gegen das seit 2011 geltende UN-Waffenembargo gegen das Land versto\u00dfen hatten.<\/p>\n\n\n\n

Die BBC fand auch ein Waffenregister, aus dem hervorgeht, dass die VAE 2017 15 Wing Loong-Drohnen und 350 Blue Arrow 7-Raketen gekauft haben.<\/p>\n\n\n\n

Was hat die BBC noch aufgedeckt?<\/strong><\/p>\n\n\n\n

<\/p>\n\n\n\n

Die BBC-Untersuchung ergab auch neue Beweise daf\u00fcr, dass \u00c4gypten den VAE erlaubt, \u00e4gyptische Milit\u00e4rflugpl\u00e4tze nahe der libyschen Grenze zu nutzen.<\/p>\n\n\n\n

Im Februar 2020 scheinen die in Libyen stationierten Wing Loong II-Drohnen \u00fcber die Grenze nach \u00c4gypten zu einem Luftwaffenst\u00fctzpunkt in der N\u00e4he von Siwa in der west\u00e4gyptischen W\u00fcste gebracht worden zu sein.<\/p>\n\n\n\n

Satellitenbilder zeigen auch, dass ein zweiter \u00e4gyptischer Milit\u00e4rflugplatz, Sidi Barrani, als Einsatzbasis f\u00fcr Mirage 2000-Kampfflugzeuge verwendet wurde, die in Farben lackiert sind, die nicht von der \u00e4gyptischen Luftwaffe verwendet werden, aber genau den von den VAE geflogenen Jets entsprechen .<\/p>\n\n\n\n

Dies ist das gleiche Flugzeugmodell, das von den Vereinten Nationen in einen Luftangriff auf ein Migrationszentrum \u00f6stlich von Tripolis im Juli 2019 verwickelt wurde, bei dem 53 Menschen get\u00f6tet wurden.<\/p>\n\n\n\n

Ausl\u00e4ndischer Jet bei libyschem Migrantenangriff verd\u00e4chtigt<\/p>\n\n\n\n

Sidi Barrani ist auch das Ziel f\u00fcr mehrere Frachtflugzeuge, die von den Vereinigten Arabischen Emiraten gestartet sind, und schl\u00e4gt eine Luftbr\u00fccke f\u00fcr Ausr\u00fcstung oder Lieferungen zwischen den Vereinigten Arabischen Emiraten und einer Milit\u00e4rbasis vor, die nur 80 km von der libyschen Grenze entfernt liegt.<\/p>\n\n\n\n

Die \u00e4gyptische Regierung antwortete nicht auf die Bitte der BBC um Stellungnahme.<\/p>\n\n\n\n

Ist ausl\u00e4ndisches milit\u00e4risches Engagement \u00fcberraschend?<\/strong><\/p>\n\n\n\n

Sowohl die Vereinigten Arabischen Emirate als auch \u00c4gypten nahmen an einer von Bundeskanzlerin Angela Merkel im Januar dieses Jahres in Berlin einberufenen Konferenz \u00fcber Libyen teil, auf der sie ihre Unterst\u00fctzung f\u00fcr den UN-Friedensprozess bekr\u00e4ftigten und sich bereit erkl\u00e4rten, nicht in den Libyen-Krieg einzugreifen.<\/p>\n\n\n\n

Im vergangenen Jahr gab es jedoch eine Eskalation des Einsatzes von Drohnen durch beide Seiten des Konflikts.<\/p>\n\n\n\n

Ghassan Salam\u00e9, der fr\u00fchere Leiter der UN-Mission in Libyen, beschrieb dies als \"m\u00f6glicherweise das gr\u00f6\u00dfte Drohnenkriegstheater der Welt\".<\/p>\n\n\n\n

Die VAE sind nicht die einzige ausl\u00e4ndische Macht, die an diesem Konflikt beteiligt ist.<\/p>\n\n\n\n

Anfang dieses Jahres gab BBC Africa Eye bekannt, dass die T\u00fcrkei auch gegen das Waffenembargo der Vereinten Nationen gegen Libyen versto\u00dfen hat, indem sie geheime Waffenlieferungen an die von den Vereinten Nationen anerkannte Regierung in Tripolis gesendet hat.<\/p>\n\n\n\n

Mit Unterst\u00fctzung der T\u00fcrkei hat die von den Vereinten Nationen anerkannte Regierung des Nationalen Abkommens nun die LNA von Gen Haftar aus der Gegend um Tripolis zur\u00fcckgeschlagen.<\/p>\n","post_title":"BBC-Untersuchung: VAE in t\u00f6dlichen Angriff in Libyen verwickelt","post_excerpt":"","post_status":"publish","comment_status":"closed","ping_status":"closed","post_password":"","post_name":"bbc-untersuchung-vae-in-todlichen-angriff-in-libyen-verwickelt","to_ping":"","pinged":"","post_modified":"2025-02-02 08:39:39","post_modified_gmt":"2025-02-02 08:39:39","post_content_filtered":"","post_parent":0,"guid":"https:\/\/dctransparency.com\/?p=3811","menu_order":0,"post_type":"post","post_mime_type":"","comment_count":"0","filter":"raw"},{"ID":3792,"post_author":"7","post_date":"2020-08-14 13:58:48","post_date_gmt":"2020-08-14 13:58:48","post_content":"\n

Die Hagia Sophia war (ist) ein kulturelles Weltwunder und aufgeladen mit symbolischer Bedeutung, f\u00fcr die Christenheit ebenso wie f\u00fcr den Islam \u2013 und den t\u00fcrkischen Nationalismus. Als Mehmed II. sie betrat, war sie schon fast 1000 Jahre die gr\u00f6\u00dfte Kirche der christlichen Welt und das Zentrum der orthodoxen Glaubensrichtung. Die \"Ayasofya\", wie sie dann hie\u00df, war 500 Jahre lang Moschee \u2013 bis 1934, als Kemal Pascha Atat\u00fcrk, der \"Vater\" der modernen T\u00fcrkei, sie in ein Museum verwandelte, in der ausdr\u00fccklichen Absicht, auch hier mit dem osmanischen Erbe zu brechen.<\/p>\n\n\n\n

Nun wird Pr\u00e4sident Recep Tayyip Erdo\u011fan, der \"Vater\" der re-islamisierten T\u00fcrkei, am 24. Juli dieses Jahres die Ayasofya durch das Freitagsgebet wieder in den Islam eingliedern. Oder eher in seinen pers\u00f6nlichen religi\u00f6sen Nationalismus.<\/p>\n\n\n\n

Welterbe von allen<\/h3>\n\n\n\n

Wie bedeutungsschwer ist dieser Akt eines \"starken Mannes\", der innenpolitisch deutlich schw\u00e4chelt? Die Proteste vor allem aus der orthodoxen Welt, aber auch aus Europa und den USA sind eher traurig als w\u00fctend. Der Papst dr\u00fcckte seinen \"Schmerz\" aus. Auch der Jubel in der islamischen Welt fiel zun\u00e4chst weniger \u00fcbersch\u00e4umend als erwartet aus.<\/p>\n\n\n\n

Ist es der Alleingang eines Autokraten in Bedr\u00e4ngnis oder ist \"der Jubel \u00fcber die Eroberung der Hagia Sophia der Versuch einer zutiefst erniedrigten, vom Gef\u00fchl der Wertlosigkeit dominierten und in ihrer eigenen Selbstberechtigung beraubten Gesellschaft, eine Bedeutung, eine St\u00e4rke, ein Selbstwertgef\u00fchl zu finden\"? So recht pauschalierend der in Deutschland lebende pal\u00e4stinensische Intellektuelle und Psychiater Ahmad Mansour.<\/p>\n\n\n\n

Die beiden Gro\u00dfreiche, das byzantinische und das osmanische, sind l\u00e4ngst versunken.<\/p><\/blockquote>\n\n\n\n

Das eigentliche Schl\u00fcsselwort im Zusammenhang mit der Hagia Sofia ist \"Welterbe\". Das Erbe von allen. Einmal im kulturellen Sinn der Unesco, aber in Wahrheit weiter gefasst. Das einzigartige Bauwerk geh\u00f6rt in Wirklichkeit der ganzen Welt, nicht der einen oder anderen Religion. Die beiden Gro\u00dfreiche, f\u00fcr die die Hagia Sofia der zentrale spirituelle Bau war, das byzantinische und das osmanische, sind l\u00e4ngst versunken. Seither hat sie eine neue, \u00fcbernationale Dimension erhalten. Was Erdo\u011fan da jetzt mit der Hagia Sofia macht, ist eine Verengung und Verarmung eines gemeinsamen Welterbes.<\/p>\n\n\n\n

\"\"\/
Betende Muslime vor der Hagia Sophia.<\/figcaption><\/figure>\n\n\n\n

Davon abgesehen aber war und ist sie ein architektonisches Meisterwerk und geh\u00f6rt zu den bedeutendsten Bauten der Welt. Wer heute den Zentralraum unter der Kuppel betritt, kann sich nur schwer dem zugleich majest\u00e4tischen wie schwebenden Gesamteindruck entziehen. Die Hagia Sophia blieb fast 1000 Jahre die gr\u00f6\u00dfte Kirche der Christenheit. Technisch war die Kuppel (mit mehreren Halbkuppeln) eine \u00fcberaus riskante Innovation: Die 55 Meter hohe und 32 Meter im Durchmesser breite Kuppel ruht auf nur vier Tragpunkten, was den schwebenden, schwerelosen Eindruck erzeugt. Die Konstruktion folgt einem mathematischen Prinzip, das erst k\u00fcrzlich entschl\u00fcsselt wurde.<\/p>\n\n\n\n

\"Salomo, ich habe dich \u00fcbertroffen!\"<\/p><\/blockquote>\n\n\n\n

Als Kaiser Justinian die Hagia Sophia nach nur f\u00fcnf Jahren Bauzeit (532\u2013537) betrat, soll er in Anspielung auf den Tempel in Jerusalem ausgerufen haben: \"Salomo, ich habe dich \u00fcbertroffen!\" Die Innenausstattung war mit ihren S\u00e4ulen aus Porphyr und gr\u00fcnem Marmor, mit Mosaiken aus Gold und Halbedelsteinen derart prunkvoll, der Gesamteindruck derart \u00fcberirdisch, dass eine Delegation des Gro\u00dff\u00fcrsten von Kiew nicht mehr wusste, \"ob wir im Himmel oder auf der Erde\" waren \u2013 was die Christianisierung Russlands bef\u00f6rderte.<\/p>\n\n\n\n

Der deutsche Architekturlehrer Holger Kleine nennt die Hagia Sophia \"absolute Architektur\", weil sie \"extreme Ausdrucksformen nahezu aller dramaturgischen Mittel, die der Architektur zur Verf\u00fcgung stehen, vereinigt: wuchtigste K\u00f6rper und luftigste R\u00e4ume, engste Enge und gr\u00f6\u00dfte Weite, w\u00e4rmende Helligkeit und mystisches Dunkel\". Und die Kuppelbauten aus der sp\u00e4teren Hochbl\u00fcte der Moscheenarchitektur im 16. und 17. Jahrhundert gehen eindeutig auf die Hagia Sophia zur\u00fcck.<\/p>\n\n\n\n

Die Hagia Sophia war Staatskirche des byzantinischen Reichs. F\u00fcr die Eroberer der letzte Schlussstein in der Kuppel osmanisch-muslimischen Herrschaftsanspruchs. Konstantinopel war ja 1453 nur noch eine isolierte, heruntergekommene Enklave in einem osmanischen Umfeld, kein christliches Heer kam zu Hilfe. Doch vorher war es zugleich Sperrriegel nach Osten und Geistesarchiv der antiken Kultur gewesen. \"Ohne Byzanz h\u00e4tte es kein Europa gegeben\", sagt die britische Altertumsforscherin Judith Herrin.<\/p>\n\n\n\n

\"\"\/
Freigelegtes Mosaik von \"Christos Pantokrator\".<\/figcaption><\/figure>\n\n\n\n

Neue Fragen<\/h3>\n\n\n\n

Die Kirche wurde von Mehmed II. und Nachfolgern nicht in der Substanz zerst\u00f6rt, sondern \"entchristlicht\". Die urspr\u00fcnglich \u00fcbert\u00fcnchten oder auch abgeschlagenen Mosaiken mit den Darstellungen von Christus, der Muttergottes, diversen Kaisern kamen zum Teil schon unter einem Sultan des 19. Jahrhunderts, dann gro\u00dfteils nach der Museumswidmung wieder zum Vorschein.<\/p>\n\n\n\n

Jetzt stellen sich neue symbolisch-praktische Fragen. Erdo\u011fan hat die Hagia Sophia der konservativen staatlichen Religionsbeh\u00f6rde Diyanet unterstellt. Die byzantinischen Mosaike, wie der gro\u00dfartige \"Christos Pantokrator\" (\"Weltenherrscher\") oder die Jungfrau Maria in der Apsis, m\u00fcssen wohl w\u00e4hrend des islamischen Gottesdiensts verh\u00e4ngt werden. Muss der Boden mit seinen Marmorplatten und Mosaiken mit einem Teppich bedeckt werden? Erdo\u011fan sagt, Touristen seien nach wie vor zugelassen. Aber sie werden wohl hinter Absperrungen bleiben m\u00fcssen. Frauen werden \u2013 wie in der benachbarten \"Blauen Moschee\" (\"Sultanahmed\") Kopftuch tragen m\u00fcssen.<\/p>\n\n\n\n

\"\"\/
Erdo\u011fan mit Gattin in der Hagia Sophia.<\/figcaption><\/figure>\n\n\n\n

Erdo\u011fans neue Abenteuer<\/strong><\/h3>\n\n\n\n

Aber wird da nicht doch zu viel in einen Formalakt rund um ein uraltes Bauwerk hineininterpretiert? Im geschichtlichen Kontext relativiert sich manches: Konstantinopel wurde schon von Christen erobert und ausgepl\u00fcndert \u2013 1204 im Vierten Kreuzzug. In der Moschee von Cordoba (\"Mezquita\") bauten die Katholiken eine ganze Kirche in den ber\u00fchmten S\u00e4ulenwald hinein. Die Mezquita ist heute noch Kirche, kein Museum.<\/p>\n\n\n\n

\"Das ist der Beweis, dass wir kein s\u00e4kularer Staat mehr sein wollen\", sagt Nobelpreistr\u00e4ger Orhan Pamuk. Erdo\u011fan betrachtet sich offenbar als auch neoosmanischer \"Fatih\" im Mittelmeerraum mit immer neuen Abenteuern: Eingreifen in Syrien, Stellvertreterkrieg in Libyen, Anspr\u00fcche auf Erdgasvorkommen weit vor der t\u00fcrkischen K\u00fcste bei Zypern, Reden, wonach manche \u00c4g\u00e4is-Inseln eigentlich zur T\u00fcrkei geh\u00f6ren, \"denn dort stehen unsere Moscheen\". Manches davon ist nur Rhetorik, aber genug anderes ist riskante Realit\u00e4t. (Hans Rauscher, 14.7.2020)<\/p>\n\n\n\n

Quelle<\/a><\/strong><\/p>\n","post_title":"Hagia Sophia: Verengung und Verarmung eines Welterbes","post_excerpt":"","post_status":"publish","comment_status":"closed","ping_status":"closed","post_password":"","post_name":"hagia-sophia-verengung-und-verarmung-eines-welterbes","to_ping":"","pinged":"","post_modified":"2025-02-02 08:39:39","post_modified_gmt":"2025-02-02 08:39:39","post_content_filtered":"","post_parent":0,"guid":"https:\/\/dctransparency.com\/?p=3792","menu_order":0,"post_type":"post","post_mime_type":"","comment_count":"0","filter":"raw"},{"ID":3789,"post_author":"7","post_date":"2020-08-14 13:56:07","post_date_gmt":"2020-08-14 13:56:07","post_content":"\n

Im Gastkommentar pocht Mark Leonard, Direktor des Europ\u00e4ischen Rats f\u00fcr Ausw\u00e4rtige Beziehungen, auf \"neue, einvernehmlich vereinbarte Prinzipien sowie klare Grenzen\", nur so k\u00f6nne eine weitere Destabilisierung in der Region verhindert werden.<\/em><\/strong><\/p>\n\n\n\n

Ist die T\u00fcrkei das neue Russland? Diese Frage wird in den europ\u00e4ischen Hauptst\u00e4dten zunehmend gestellt, da die Au\u00dfenpolitik des t\u00fcrkischen Pr\u00e4sidenten Recep Tayyip Erdo\u011fan zunehmend aggressiver wird. Erdo\u011fan nutzt nicht nur die Migration, um die EU zu bedrohen und zu betr\u00fcgen, sondern setzt auch milit\u00e4rische Macht ein, um den Einflussbereich der T\u00fcrkei auf die gesamte Region auszudehnen.<\/p>\n\n\n\n

Seit dem Ende des Kalten Krieges haben die Europ\u00e4er die regionale Sicherheit durch eine unipolare westliche Linse betrachtet. W\u00e4hrend die Nato die milit\u00e4rische Sicherheit garantierte, sorgte die EU mit ihrem 80.000 Seiten starken Regelwerk f\u00fcr alles von LGBTQ-Rechten bis hin zu Rasenm\u00e4her-Sound-Verordnungen f\u00fcr Rechtsordnung. In den 90er-Jahren ging man allgemein davon aus, dass die beiden gro\u00dfen nichtwestlichen regionalen Akteure, Russland und die T\u00fcrkei, nach und nach an diese Regelungen herangef\u00fchrt werden w\u00fcrden.<\/p>\n\n\n\n

Qu\u00e4lende Hassliebe<\/h3>\n\n\n\n

Doch in den letzten 15 Jahren ist der Traum von der europ\u00e4ischen Unipolarit\u00e4t einer multipolaren Realit\u00e4t gewichen. Sowohl Russland als auch die T\u00fcrkei haben eine lange, qu\u00e4lende Hassliebe zu Europa, und beide sind unter nationalen Machthabern, denen die Verachtung der Normen und Werte der EU gemeinsam ist, durchsetzungsf\u00e4higer geworden.<\/p>\n\n\n\n

Die zunehmende Verschlechterung der Beziehungen zwischen der EU und Russland ist gut dokumentiert, der Fall der T\u00fcrkei weniger. Der Irakkrieg im Jahr 2003 komplizierte das Verh\u00e4ltnis der T\u00fcrkei zur Nato, und ihr Verh\u00e4ltnis zur EU verschlechterte sich 2007, als Frankreich einen wichtigen Teil ihrer EU-Beitrittsverhandlungen blockierte. Seitdem hat die T\u00fcrkei ihren eigenen Weg in Syrien, auf dem Balkan und in Libyen eingeschlagen und neue Beziehungen zu Russland und China aufgebaut.<\/p>\n\n\n\n

Wichtiger Akteur<\/strong><\/h3>\n\n\n\n

Nat\u00fcrlich sind die Beziehungen zwischen der T\u00fcrkei und Russland nicht weniger kompliziert, nicht zuletzt weil Erdo\u011fan und der russische Pr\u00e4sident Wladimir Putin im syrischen B\u00fcrgerkrieg verschiedene Seiten unterst\u00fctzten.Und w\u00e4hrend die Spannungen wegen des Syrien-Konflikts weiterhin bestehen, bewundert Erdo\u011fan deutlich, wie Russland sich \u2013 bei relativ geringen Kosten \u2013 wieder als wichtiger Akteur im Nahen Osten und in Nordafrika etabliert hat.<\/p>\n\n\n\n

Nachdem er in einen nicht zu gewinnenden Krieg im Osten der Ukraine verwickelt war, schien Putins weitgehend erfolgreicher Feldzug in Syrien einen Teil seiner innenpolitischen Autorit\u00e4t wiederherzustellen. Der Westen hatte f\u00fcnf Jahre lang darauf bestanden, dass es keine milit\u00e4rische L\u00f6sung des Konflikts gebe und dass der syrische Pr\u00e4sident Baschar al-Assad gehen m\u00fcsse. Doch w\u00e4hrend die von den Vereinten Nationen unterst\u00fctzten Gespr\u00e4che in Genf zu keinem Ergebnis f\u00fchrten, schienen die von Russland geleiteten Gespr\u00e4che in Astana voranzukommen. Indem der Kreml die T\u00fcrkei und den Iran einbezog, w\u00e4hrend er die westlichen M\u00e4chte ausschloss, erweckte er den Eindruck, dass Russland als wiedergeborene Supermacht aus der Asche auferstanden sei.<\/p>\n\n\n\n

Unter Druck<\/h3>\n\n\n\n

Angesichts des wachsenden Widerstands im eigenen Land macht es Erdo\u011fan Putin gleich. Da der Westen nicht bereit war, (erneut) milit\u00e4risch in Libyen zu intervenieren, sah Erdo\u011fan eine Gelegenheit, die T\u00fcrkei zu positionieren. Nach dem Vorgehen Russlands in Syrien sicherte er sich eine formelle Einladung der libyschen Regierung zur Intervention. Mit einem Schlag Ende letzten Jahres hat er nicht nur das Image der T\u00fcrkei als Regionalmacht gest\u00e4rkt, sondern auch ein Abkommen mit Libyen \u00fcber die Seegrenze abgeschlossen und damit einen Plan Griechenlands, Zyperns, \u00c4gyptens und Israels zur Erschlie\u00dfung von Unterwasser\u00f6l- und -gasfeldern in der N\u00e4he zunichtegemacht.<\/p>\n\n\n\n

Erdo\u011fan scheint auch von der Spalt-und-Eroberungs-Strategie des Kreml in Europa inspiriert worden zu sein, der zufolge oft diejenigen EU-Mitgliedsstaaten unter Druck gesetzt werden, die am meisten von russischen Kohlenwasserstoffen oder M\u00e4rkten abh\u00e4ngig sind. So wie Putin lange Zeit die Energieversorgung instrumentalisiert hat, hat Erdo\u011fan versucht, den Strom von Migranten und Fl\u00fcchtlingen, die vor Konflikten im Nahen Osten fliehen, zu instrumentalisieren. Als die EU eine neue Marinemission ank\u00fcndigte, um den Waffenstrom nach Libyen zu blockieren, malte die T\u00fcrkei f\u00fcr Malta das Schreckgespenst der angeblichen Bedrohung durch Migranten an die Wand. Malta reagierte prompt und signalisierte, dass es gegen die Finanzierung der Mission ein Veto einlegen werde.<\/p>\n\n\n\n

Verlorener Sohn<\/strong><\/h3>\n\n\n\n

Jahrelang redeten sich die Europ\u00e4er ein, dass Russland eine Art verlorener Sohn sei und dass die europ\u00e4ische unipolare Ordnung gesund bleibe. Doch das machte Europa zu einem leichten Ziel f\u00fcr die Trennungs-und-Eroberungs-Strategie des Kreml. Erst vor relativ kurzer Zeit entwarf die Union eine neue Politik und ein robustes Sanktionsregime, um die russische Aggression abzuschrecken. Und selbst jetzt \u2013 trotz der besten Bem\u00fchungen der deutschen Bundeskanzlerin Angela Merkel und des franz\u00f6sischen Pr\u00e4sidenten Emmanuel Macron \u2013 hat die EU noch immer keine wirksamen Kommunikationskan\u00e4le mit Russland geschaffen, um gemeinsame Probleme anzugehen.<\/p>\n\n\n\n

Die T\u00fcrkei ist noch kein neues Russland, aber sie k\u00f6nnte dazu werden, wenn die Situation falsch gehandhabt wird. Vorerst betrachten die meisten Europ\u00e4er die T\u00fcrkei noch immer als einen komplizierten Partner und nicht als \"Systemrivalen\". Aber die Europ\u00e4er sollten die hart erk\u00e4mpften Lehren aus dem Umgang mit Russland in den letzten 15 Jahren beherzigen. Die Beziehungen zwischen der EU und der T\u00fcrkei brauchen neue, einvernehmlich vereinbarte Prinzipien sowie klare Grenzen, um eine weitere Destabilisierung in der Region zu verhindern.<\/p>\n\n\n\n

Zu diesem Zweck sollten die Europ\u00e4er klarstellen, dass der EU-Beitrittsprozess entweder zur\u00fcckgedreht oder vorangetrieben werden kann und dass eine eher transaktionale Beziehung sowohl Zuckerbrot als auch Peitsche beinhaltet. Die Herausforderung wird darin bestehen, daf\u00fcr zu sorgen, dass es in einer Region, die nicht nur von Europa und der T\u00fcrkei, sondern auch von Russland, den USA und einem aufstrebenden China beeinflusst wird, noch Raum f\u00fcr politisches Engagement in Fragen der gemeinsamen Sicherheit gibt. (Mark Leonard, \u00dcbersetzung: Eva G\u00f6llner, Copyright: Project Syndicate, 10.8.2020)<\/p>\n\n\n\n

Mark Leonard <\/strong>ist Direktor des Europ\u00e4ischen Rats f\u00fcr Ausw\u00e4rtige Beziehungen.<\/a><\/p>\n","post_title":"Erdo\u011fan \u2013 der andere Putin vor der Haust\u00fcr Europas","post_excerpt":"","post_status":"publish","comment_status":"closed","ping_status":"closed","post_password":"","post_name":"erdogan-der-andere-putin-vor-der-haustur-europas","to_ping":"","pinged":"","post_modified":"2025-02-02 08:39:39","post_modified_gmt":"2025-02-02 08:39:39","post_content_filtered":"","post_parent":0,"guid":"https:\/\/dctransparency.com\/?p=3789","menu_order":0,"post_type":"post","post_mime_type":"","comment_count":"0","filter":"raw"},{"ID":3786,"post_author":"7","post_date":"2020-08-14 13:51:23","post_date_gmt":"2020-08-14 13:51:23","post_content":"\n

Einen Monat nachdem ich zur israelischen Armee eingezogen worden war, brach die erste Intifada aus. Statt Soldat zu sein, machte ich Polizeiarbeit, sagte den Menschen, wann sie zur Arbeit gehen konnten und wann sie ihre L\u00e4den schlie\u00dfen mussten, wann sie die Grenze passieren und wann sie schlafen konnten. Einen Monat nachdem ich aus der Armee entlassen worden war, ging ich auf Reisen. (In Israel sagen wir: Wir dienen drei Jahre und versuchen den Rest unseres Lebens, diese drei Jahre zu vergessen.) Auf meiner Reise begann ich Briefe an meine Freundin zu schreiben, die ich in Israel zur\u00fcckgelassen hatte.<\/p>\n\n\n\n

Ich schrieb ihr, wie schrecklich depressiv ich war und dass diese drei Jahre des Anweisungenbellens und Anderen-Menschen-Sagens, was sie zu tun haben, mich f\u00fcr immer verfolgen w\u00fcrden. Dass sie ein Teil dessen geworden waren, was ich bin. Ich erinnere mich, dass ich ihr schrieb, dass wir da rausm\u00fcssen \u2013 nicht nur f\u00fcr die Pal\u00e4stinenser, sondern wegen der furchtbaren und brutalen Auswirkungen, die all das auf uns, auf die israelische Gesellschaft haben w\u00fcrde. Sie schrieb zur\u00fcck: \u201eDu hast recht. Ich habe einen neuen Freund.\u201c<\/p>\n\n\n\n

Felix Klein wurde als Beauftragter der Bundesregierung berufen<\/a>, um die Auswirkungen des zunehmenden Antisemitismus in unserer Gesellschaft, in Deutschland, zu bek\u00e4mpfen. Was nicht in seiner Jobbeschreibung steht, ist, dass er dabei unsere Gesellschaft heilen muss, jene Gesellschaft, die diese Form des Hasses reproduziert und sch\u00fctzt. Klein hat das begriffen.<\/p>\n\n\n\n

Er versteht, dass man Krebs nicht mit einem Pflaster verarztet, er wei\u00df, dass er das Bewusstsein der Deutschen sch\u00e4rfen und Diskussionen ansto\u00dfen muss. Er hat begriffen, dass das Problem nicht nur an den R\u00e4ndern der Gesellschaft (bei den Rechten) liegt, sondern auch in ihrer Mitte. Dort, wo gebildete Menschen nicht einmal bemerken, dass das, was sie sagen und tun, antisemitisch ist. So wie sie es auch nicht merken, wenn sie rassistisch handeln. Er hat all das verstanden, und genau deshalb wollen einige, dass er seinen Posten r\u00e4umt.<\/p>\n\n\n\n

Mehr als 60 deutsche und israelische Intellektuelle haben letzte Woche in einem Brief an Kanzlerin Merkel<\/a> dar\u00fcber geklagt, dass der aktuelle \u201eGebrauch des Antisemitismusbegriffs\u201c darauf abziele, \u201elegitime Kritik an der israelischen Regierungspolitik zu unterdr\u00fccken\u201c, und Klein vorgeworfen, rechtspopulistische israelische Stimmen zu f\u00f6rdern.<\/p>\n\n\n\n

Faszinierend an diesem offenen Brief ist, dass viele der Unterzeichneten keine Deutschen sind und auch nicht in Deutschland leben. Ich wei\u00df nicht, woher sie \u2013 die meisten von ihnen sind Israelis \u2013 die Chuzpe haben, sich in eine innerdeutsche Angelegenheit einzumischen und zu fordern, eine Person zu entlassen, die von der Bundesregierung eingesetzt wurde. Die H\u00e4lfte der Unterzeichneten lebt nicht hier, von der anderen H\u00e4lfte sind viele keine Juden \u2013 somit sind die allermeisten von ihnen nicht direkt vom Antisemitismus in Deutschland betroffen. Wie also k\u00f6nnen sie diesen Brief unterschreiben? Und warum eigentlich haben so wenige Deutsche unterschrieben? Dazu komme ich gleich.<\/p>\n\n\n\n

Debatte um Achille Mbembe<\/h6>\n\n\n\n

Hintergrund des Briefs war, dass Felix Klein gefordert hatte, den Philosophen Achille Mbembe<\/a> nicht die Er\u00f6ffnungsrede der Ruhrtriennale halten zu lassen. Als mit \u00f6ffentlichen Mitteln gef\u00f6rdertes Event solle die Ruhrtriennale Mbembe wegen seiner Haltung zu Israels Existenzrecht, seiner Haltung zu BDS und der Art, wie er in einem seiner Werke den Holocaust relativiert, nicht einladen.<\/p>\n\n\n\n

Mbembes Unterst\u00fctzer sagen, keine dieser Anschuldigungen sei wahr. F\u00fcrs Protokoll: In meinen Augen unterst\u00fctzt Mbembe sehr wohl BDS<\/a>, er schrieb unter anderem das Vorwort zu \u201eApartheid Israel\u201c und fordert die komplette Isolation Israels. Ich glaube auch, wenn Mbembe schreibt, die israelische Besetzung sei der \u201egr\u00f6\u00dfte moralische Skandal unserer Zeit\u201c, zeigt das, dass sein moralischer und geografischer Kompass etwas schief ist.<\/p>\n\n\n\n

Doch warum treibt die Debatte so viele Menschen um? Nun, zun\u00e4chst gibt niemand gern auf, was ihm oder ihr selbstverst\u00e4ndlich scheint. \u00dcber den gesamten politischen, sozialen, kulturellen, medialen und akademischen Sektor hinweg sind Menschen daran gew\u00f6hnt, so schlecht \u00fcber Israel sprechen zu k\u00f6nnen, wie auch immer sie wollen.<\/p>\n\n\n\n

Der Spiegel<\/em> hat \u2013 vielleicht in Anlehnung an seine Relotius-Standards, Israel erst k\u00fcrzlich eine Corona-Diktatur genannt. Fakten und Belege f\u00fcr diese Behauptung gab es nicht. Doch Millionen Deutsche haben es gelesen, und es wird nat\u00fcrlich haften bleiben. Faktenlage hin oder her. Der Spiegel<\/em> und andere Medien haben dieses Spiel perfektioniert: Titel so zu drehen, dass sie Israel indirekt anklagen, die Idee zu streuen, der Mossad kon\u00adtrol\u00adliere die deutsche Au\u00dfenpolitik im Nahen Osten, und so fort. Doch sie stehen allesamt sofort auf den Hinterbeinen, wenn jemand es wagt, das Spiel beim Namen zu nennen: moderner Antisemitismus.<\/p>\n\n\n\n

Klein will dem entgegenwirken. Er versteht, dass antisemitische Attacken in Deutschland die Fr\u00fcchte solch falsch gezeichneter Bilder und eindimensionaler Narrative \u00fcber Israel sind. Wenn er und andere versuchen, ein anderes Narrativ aufzuzeigen, wirft man ihnen Zensur vor: Wie k\u00f6nnen sie es wagen, das Gesch\u00e4ft der Anti-Israel-Propaganda zu st\u00f6ren?<\/p>\n\n\n\n

Liebe Deutsche, wenn ihr reden wollt, lasst uns gern reden: \u00fcber die Besetzung, \u00fcber Bibi und alles, was schiefl\u00e4uft. Aber dann lasst uns bitte auch dar\u00fcber reden, wie deutsche Steuergelder Terrortunnel finanzieren. Erst vergangene Woche r\u00e4umte die niederl\u00e4ndische Regierung ein, dass Gelder an eine Landwirtschaftsorganisation in Ramallah geflossen seien, die damit teilweise die Geh\u00e4lter zweier des Mordes an der 17-j\u00e4hrigen Israelin Rina Shnerb Verd\u00e4chtiger gezahlt haben. Auch die Bundesregierung unterst\u00fctzt diese Organisation, obwohl Kritiker schon lange vor Verbindungen zu Terroristen warnen.<\/p>\n\n\n\n

Wir k\u00f6nnen uns also gerne unterhalten \u2013 aber im Dialog, nicht in Monologen. Denn Reden unter Menschen, die sich einig sind, ist nichts anderes als Impotenz.<\/p>\n\n\n\n

Israelkritik als Eintrittskarte<\/h6>\n\n\n\n

Die Israelis, die die Petition unterzeichnet haben, haben \u00fcbrigens ebenfalls etwas verstanden. Seit Jahren wissen sie: Es ist ihre Eintrittskarte in die Mitte der deutschen (und europ\u00e4ischen) Gesellschaft. Man h\u00f6rt nicht oft von Akademikern mit proisraelischen Ansichten. Weder in den Philharmonie-Orchestern noch in der Kunstszene. Die Eintrittskarte daf\u00fcr ist ein antiisraelischer Standpunkt.<\/p>\n\n\n\n

Der mutma\u00dfliche Grund, warum kaum Deutsche die Petition unterzeichnet haben: Sie mussten es nicht. Ihre Lieblingsjuden haben es f\u00fcr sie getan. Jetzt k\u00f6nnen sie sagen: \u201eSchau, ich bin das ja nicht, meine j\u00fcdischen Freunde sagen es.\u201c Ich selbst war einige Jahre lang mit einem Paar hier in Berlin befreundet, bis ich herausfand, dass ich ihr Lieblingsjude war. Ja, selbst das j\u00fcdische Museum wurde so genutzt.<\/p>\n\n\n\n

Weil Attacken gegen Juden ein absolutes Tabu sind, wurden Umwege gefunden, um den Antisemitismus auf kleiner Flamme k\u00f6cheln zu lassen: die unfundierte, unbegr\u00fcndete Kritik an Israel.<\/p>\n\n\n\n

Diese Art der Kritik ist gef\u00e4hrlich. Sie schw\u00e4cht jede begr\u00fcndete und notwendige Kritik am Verhalten Israels. Und das Interessante ist: Trotz all der heftigen, pauschalisierenden Anklagen, all der offenen Briefe driftet Israel politisch immer weiter nach rechts. Doch statt mal einen anderen Ansatz zu versuchen, werden die antiisraelischen Stimmen nur lauter. Dasselbe versuchen und andere Ergebnisse davon erwarten \u2013 das ist die Definition von Wahnsinn.<\/p>\n\n\n\n

Kurz bevor der Prozess gegen den wegen des Attentats von Halle<\/a> Angeklagten begann \u2013 des seit Kriegsende schlimmsten Akts von Antisemitismus in Deutschland \u2013, lud eine Lokalzeitung den fr\u00fcheren Botschafter Shimon Stein und den Historiker Moshe Zimmermann ein, dar\u00fcber zu schreiben, was Antisemitismus ist. Nat\u00fcrlich wendeten auch sie sich gegen Felix Kleins Ansatz. Sie zitieren die Kontroverse um die Umbenennung der U-Bahn-Station Mohrenstra\u00dfe in Glinkastra\u00dfe, die sich darum drehte, dass der russische Komponist Michael Glinka Antisemit gewesen sein soll. Stein und Zimmermann halten die Debatte f\u00fcr \u00fcberzogen, Glinka sei nur ein Kind seiner Zeit gewesen. Folgt man ihrer Logik, k\u00f6nnen wir dann also in 20 oder 30 Jahren U-Bahn-Stationen nach den Kindern der 1930er Jahre benennen?<\/p>\n\n\n\n

Der Antisemit als Tierfreund<\/h6>\n\n\n\n

Ich w\u00fcnschte, die Sache h\u00e4tte mit dem Artikel, mit der Petition geendet. Doch dann erschien ein Artikel, der den Leser auf einen Waldspaziergang mit einem veganen Koch und Antisemiten mitnahm. Darin setzt der Tierfreund erst behutsam einen K\u00e4fer wieder auf seine Beinchen und erkl\u00e4rt dann, dass die Todesstrafe in Deutschland wieder eingef\u00fchrt werden solle, um einen gewissen Politiker (der zuf\u00e4llig pro Israel ist) an seinen Hoden aufh\u00e4ngen zu k\u00f6nnen. Dieser Koch hat Hunderttausende Follower, er sagt all solche Dinge am helllichten Tag in Berlin. Und in den Medien.<\/p>\n\n\n\n

F\u00e4lle wie dieser handeln bereits von Gewalt \u2013 und sie enden nicht bei den Juden. Der Hass richtet sich gegen Frauen<\/a>, Muslime, Gefl\u00fcchtete, \u00adLBTQI. Am Ende aller theoretischen Debatten stehen immer echte Menschen. Am Ende jeder Konferenz dar\u00fcber, was Antisemitismus ausmacht, steht ein potenzielles j\u00fcdisches Opfer. Angesichts einer Welle von Antisemitismus \u00fcber die Definition von Antisemitismus zu streiten ist, wie eine 10 Meter hohe Welle heranrollen zu sehen und dar\u00fcber zu streiten, was einen Tsunami ausmacht.<\/p>\n\n\n\n

Felix Klein versteht, wie absurd es ist, zu sagen: Es sind nur die Rechten. Die Rechten sind Deutsche, so wie die Nazis Deutsche waren. Klein versteht, dass die Deutschen nicht aufgeh\u00f6rt haben, Juden zu ermorden, weil sie irgendeine Art von Erleuchtung hatten. Sondern schlicht, weil sie den Krieg verloren haben. Um den Antisemitismus zu bek\u00e4mpfen, bevor er die Gesellschaft frisst, in der er und wir leben, muss Deutschland seinen moralischen Kompass korrigieren.<\/p>\n\n\n\n

Immerhin: Mehr und mehr Deutsche fahren nach Israel, sie wollen ein anderes Narrativ h\u00f6ren. Mehr und mehr Deutsche verstehen, dass Antisemitismus Schockwellen ausl\u00f6st, die die gesamte Gesellschaft betreffen. In einem normalen Universum w\u00fcrde Klein bef\u00f6rdert werden f\u00fcr seine Leistung. In einer verdrehten Gesellschaft fordern Menschen seine Entlassung. Um es mit Mbembe zu sagen: Das ist Nano-Nonsens.<\/p>\n\n\n\n

\u00dcbersetzung: Ariane Lemme<\/a><\/em><\/p>\n","post_title":"Felix Klein hat verstanden","post_excerpt":"","post_status":"publish","comment_status":"closed","ping_status":"closed","post_password":"","post_name":"felix-klein-hat-verstanden","to_ping":"","pinged":"","post_modified":"2025-02-02 08:39:39","post_modified_gmt":"2025-02-02 08:39:39","post_content_filtered":"","post_parent":0,"guid":"https:\/\/dctransparency.com\/?p=3786","menu_order":0,"post_type":"post","post_mime_type":"","comment_count":"0","filter":"raw"}],"next":false,"prev":true,"total_page":47},"paged":1,"column_class":"jeg_col_2o3","class":"epic_block_3"};

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\"\"<\/figure>\n\n\n\n

Die VAE haben zuvor die milit\u00e4rische Beteiligung in Libyen verweigert und sagen, sie unterst\u00fctzen den UN-Friedensprozess. Es antwortete nicht auf die Bitte der BBC um einen Kommentar.<\/p>\n\n\n\n

Was ist mit diesen Kadetten passiert?<\/strong><\/p>\n\n\n\n

Kurz nach 21:00 Uhr am 4. Januar 2020 f\u00fchrten rund 50 Kadetten Routine\u00fcbungen an einer Milit\u00e4rakademie im S\u00fcden von Tripolis durch.<\/p>\n\n\n\n

Ohne Vorwarnung detonierte eine Explosion in der Mitte der Gruppe und lie\u00df 26 Kadetten tot oder auf dem Exerzierplatz sterben. Viele waren noch Teenager. Keiner von ihnen war bewaffnet.

Einer der \u00dcberlebenden war der 20-j\u00e4hrige Abdul Moeen.<\/p>\n\n\n\n

Er war in der Akademie, als der Streik eintraf. \"Es war unbeschreiblich\", sagte er der BBC.<\/p>\n\n\n\n

\"Wir haben gesehen, wie unsere Kollegen starben, ihren letzten Atemzug machten und wir konnten nichts tun ... Es gab Leute, deren Oberk\u00f6rper von ihren K\u00f6rpern getrennt waren. Es war ein schreckliches Verbrechen, ein Verbrechen, das nichts mit der Menschheit zu tun hat. \"\"<\/p>\n\n\n\n

Sieben Monate nach dem Streik hat niemand die Verantwortung f\u00fcr die T\u00f6tung dieser jungen M\u00e4nner eingestanden.<\/p>\n\n\n\n

Die LNA unter Gen Khalifa Haftar bestritt, dass sie hinter dem Streik steckt, und teilte der Presse mit, dass die Explosion m\u00f6glicherweise durch eine lokal abgefeuerte M\u00f6rsergranate oder einen Angriff innerhalb der Akademie verursacht worden sei.<\/p>\n\n\n\n

Was hat die BBC gefunden?<\/strong><\/p>\n\n\n\n

Die Untersuchung ergab Hinweise darauf, dass eine viel ausgefeiltere Waffe verwendet wurde.<\/p>\n\n\n\n

\"\"<\/figure>\n\n\n\n

Die BBC betrachtete Bilder des Splitters, der nach dem Streik auf dem Exerzierplatz zur\u00fcckgelassen wurde, und kam zu dem Schluss, dass er mit den Komponenten einer Rakete namens Blue Arrow 7 \u00fcbereinstimmte.<\/p>\n\n\n\n

Unsere Analyse ergab, dass nur ein Flugzeug, das im Januar 2020 \u00fcber Tripolis operierte, diese Waffe abfeuern konnte - eine Drohne namens Wing Loong 2.<\/p>\n\n\n\n

Nur drei Wochen vor diesem Streik kamen die Vereinten Nationen zu dem Schluss, dass der Blaue Pfeil 7 \"ballistisch gepaart ist, um vom Wing Loong II geliefert zu werden ... und von keinem anderen in Libyen bisher identifizierten Luftfahrtgut\".<\/p>\n\n\n\n

Die BBC untersuchte auch, woher diese Drohne stammen k\u00f6nnte, und fand Hinweise darauf, dass Wing Loong-Drohnen zum Zeitpunkt des Angriffs nur von einem libyschen Luftwaffenst\u00fctzpunkt aus operierten: al-Khadim im von der LNA kontrollierten Ostlibyen.<\/p>\n\n\n\n

Sowohl die BBC als auch die UN haben Beweise daf\u00fcr gefunden, dass Drohnen, die von diesem Luftwaffenst\u00fctzpunkt aus operieren, zu den Vereinigten Arabischen Emiraten geh\u00f6ren.<\/p>\n\n\n\n

Im Jahr 2019 stellte die UNO fest, dass die VAE durch den Versand von Wing Loong-Drohnen und Blue Arrow 7-Raketen nach Libyen gegen das seit 2011 geltende UN-Waffenembargo gegen das Land versto\u00dfen hatten.<\/p>\n\n\n\n

Die BBC fand auch ein Waffenregister, aus dem hervorgeht, dass die VAE 2017 15 Wing Loong-Drohnen und 350 Blue Arrow 7-Raketen gekauft haben.<\/p>\n\n\n\n

Was hat die BBC noch aufgedeckt?<\/strong><\/p>\n\n\n\n

<\/p>\n\n\n\n

Die BBC-Untersuchung ergab auch neue Beweise daf\u00fcr, dass \u00c4gypten den VAE erlaubt, \u00e4gyptische Milit\u00e4rflugpl\u00e4tze nahe der libyschen Grenze zu nutzen.<\/p>\n\n\n\n

Im Februar 2020 scheinen die in Libyen stationierten Wing Loong II-Drohnen \u00fcber die Grenze nach \u00c4gypten zu einem Luftwaffenst\u00fctzpunkt in der N\u00e4he von Siwa in der west\u00e4gyptischen W\u00fcste gebracht worden zu sein.<\/p>\n\n\n\n

Satellitenbilder zeigen auch, dass ein zweiter \u00e4gyptischer Milit\u00e4rflugplatz, Sidi Barrani, als Einsatzbasis f\u00fcr Mirage 2000-Kampfflugzeuge verwendet wurde, die in Farben lackiert sind, die nicht von der \u00e4gyptischen Luftwaffe verwendet werden, aber genau den von den VAE geflogenen Jets entsprechen .<\/p>\n\n\n\n

Dies ist das gleiche Flugzeugmodell, das von den Vereinten Nationen in einen Luftangriff auf ein Migrationszentrum \u00f6stlich von Tripolis im Juli 2019 verwickelt wurde, bei dem 53 Menschen get\u00f6tet wurden.<\/p>\n\n\n\n

Ausl\u00e4ndischer Jet bei libyschem Migrantenangriff verd\u00e4chtigt<\/p>\n\n\n\n

Sidi Barrani ist auch das Ziel f\u00fcr mehrere Frachtflugzeuge, die von den Vereinigten Arabischen Emiraten gestartet sind, und schl\u00e4gt eine Luftbr\u00fccke f\u00fcr Ausr\u00fcstung oder Lieferungen zwischen den Vereinigten Arabischen Emiraten und einer Milit\u00e4rbasis vor, die nur 80 km von der libyschen Grenze entfernt liegt.<\/p>\n\n\n\n

Die \u00e4gyptische Regierung antwortete nicht auf die Bitte der BBC um Stellungnahme.<\/p>\n\n\n\n

Ist ausl\u00e4ndisches milit\u00e4risches Engagement \u00fcberraschend?<\/strong><\/p>\n\n\n\n

Sowohl die Vereinigten Arabischen Emirate als auch \u00c4gypten nahmen an einer von Bundeskanzlerin Angela Merkel im Januar dieses Jahres in Berlin einberufenen Konferenz \u00fcber Libyen teil, auf der sie ihre Unterst\u00fctzung f\u00fcr den UN-Friedensprozess bekr\u00e4ftigten und sich bereit erkl\u00e4rten, nicht in den Libyen-Krieg einzugreifen.<\/p>\n\n\n\n

Im vergangenen Jahr gab es jedoch eine Eskalation des Einsatzes von Drohnen durch beide Seiten des Konflikts.<\/p>\n\n\n\n

Ghassan Salam\u00e9, der fr\u00fchere Leiter der UN-Mission in Libyen, beschrieb dies als \"m\u00f6glicherweise das gr\u00f6\u00dfte Drohnenkriegstheater der Welt\".<\/p>\n\n\n\n

Die VAE sind nicht die einzige ausl\u00e4ndische Macht, die an diesem Konflikt beteiligt ist.<\/p>\n\n\n\n

Anfang dieses Jahres gab BBC Africa Eye bekannt, dass die T\u00fcrkei auch gegen das Waffenembargo der Vereinten Nationen gegen Libyen versto\u00dfen hat, indem sie geheime Waffenlieferungen an die von den Vereinten Nationen anerkannte Regierung in Tripolis gesendet hat.<\/p>\n\n\n\n

Mit Unterst\u00fctzung der T\u00fcrkei hat die von den Vereinten Nationen anerkannte Regierung des Nationalen Abkommens nun die LNA von Gen Haftar aus der Gegend um Tripolis zur\u00fcckgeschlagen.<\/p>\n","post_title":"BBC-Untersuchung: VAE in t\u00f6dlichen Angriff in Libyen verwickelt","post_excerpt":"","post_status":"publish","comment_status":"closed","ping_status":"closed","post_password":"","post_name":"bbc-untersuchung-vae-in-todlichen-angriff-in-libyen-verwickelt","to_ping":"","pinged":"","post_modified":"2025-02-02 08:39:39","post_modified_gmt":"2025-02-02 08:39:39","post_content_filtered":"","post_parent":0,"guid":"https:\/\/dctransparency.com\/?p=3811","menu_order":0,"post_type":"post","post_mime_type":"","comment_count":"0","filter":"raw"},{"ID":3792,"post_author":"7","post_date":"2020-08-14 13:58:48","post_date_gmt":"2020-08-14 13:58:48","post_content":"\n

Die Hagia Sophia war (ist) ein kulturelles Weltwunder und aufgeladen mit symbolischer Bedeutung, f\u00fcr die Christenheit ebenso wie f\u00fcr den Islam \u2013 und den t\u00fcrkischen Nationalismus. Als Mehmed II. sie betrat, war sie schon fast 1000 Jahre die gr\u00f6\u00dfte Kirche der christlichen Welt und das Zentrum der orthodoxen Glaubensrichtung. Die \"Ayasofya\", wie sie dann hie\u00df, war 500 Jahre lang Moschee \u2013 bis 1934, als Kemal Pascha Atat\u00fcrk, der \"Vater\" der modernen T\u00fcrkei, sie in ein Museum verwandelte, in der ausdr\u00fccklichen Absicht, auch hier mit dem osmanischen Erbe zu brechen.<\/p>\n\n\n\n

Nun wird Pr\u00e4sident Recep Tayyip Erdo\u011fan, der \"Vater\" der re-islamisierten T\u00fcrkei, am 24. Juli dieses Jahres die Ayasofya durch das Freitagsgebet wieder in den Islam eingliedern. Oder eher in seinen pers\u00f6nlichen religi\u00f6sen Nationalismus.<\/p>\n\n\n\n

Welterbe von allen<\/h3>\n\n\n\n

Wie bedeutungsschwer ist dieser Akt eines \"starken Mannes\", der innenpolitisch deutlich schw\u00e4chelt? Die Proteste vor allem aus der orthodoxen Welt, aber auch aus Europa und den USA sind eher traurig als w\u00fctend. Der Papst dr\u00fcckte seinen \"Schmerz\" aus. Auch der Jubel in der islamischen Welt fiel zun\u00e4chst weniger \u00fcbersch\u00e4umend als erwartet aus.<\/p>\n\n\n\n

Ist es der Alleingang eines Autokraten in Bedr\u00e4ngnis oder ist \"der Jubel \u00fcber die Eroberung der Hagia Sophia der Versuch einer zutiefst erniedrigten, vom Gef\u00fchl der Wertlosigkeit dominierten und in ihrer eigenen Selbstberechtigung beraubten Gesellschaft, eine Bedeutung, eine St\u00e4rke, ein Selbstwertgef\u00fchl zu finden\"? So recht pauschalierend der in Deutschland lebende pal\u00e4stinensische Intellektuelle und Psychiater Ahmad Mansour.<\/p>\n\n\n\n

Die beiden Gro\u00dfreiche, das byzantinische und das osmanische, sind l\u00e4ngst versunken.<\/p><\/blockquote>\n\n\n\n

Das eigentliche Schl\u00fcsselwort im Zusammenhang mit der Hagia Sofia ist \"Welterbe\". Das Erbe von allen. Einmal im kulturellen Sinn der Unesco, aber in Wahrheit weiter gefasst. Das einzigartige Bauwerk geh\u00f6rt in Wirklichkeit der ganzen Welt, nicht der einen oder anderen Religion. Die beiden Gro\u00dfreiche, f\u00fcr die die Hagia Sofia der zentrale spirituelle Bau war, das byzantinische und das osmanische, sind l\u00e4ngst versunken. Seither hat sie eine neue, \u00fcbernationale Dimension erhalten. Was Erdo\u011fan da jetzt mit der Hagia Sofia macht, ist eine Verengung und Verarmung eines gemeinsamen Welterbes.<\/p>\n\n\n\n

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Betende Muslime vor der Hagia Sophia.<\/figcaption><\/figure>\n\n\n\n

Davon abgesehen aber war und ist sie ein architektonisches Meisterwerk und geh\u00f6rt zu den bedeutendsten Bauten der Welt. Wer heute den Zentralraum unter der Kuppel betritt, kann sich nur schwer dem zugleich majest\u00e4tischen wie schwebenden Gesamteindruck entziehen. Die Hagia Sophia blieb fast 1000 Jahre die gr\u00f6\u00dfte Kirche der Christenheit. Technisch war die Kuppel (mit mehreren Halbkuppeln) eine \u00fcberaus riskante Innovation: Die 55 Meter hohe und 32 Meter im Durchmesser breite Kuppel ruht auf nur vier Tragpunkten, was den schwebenden, schwerelosen Eindruck erzeugt. Die Konstruktion folgt einem mathematischen Prinzip, das erst k\u00fcrzlich entschl\u00fcsselt wurde.<\/p>\n\n\n\n

\"Salomo, ich habe dich \u00fcbertroffen!\"<\/p><\/blockquote>\n\n\n\n

Als Kaiser Justinian die Hagia Sophia nach nur f\u00fcnf Jahren Bauzeit (532\u2013537) betrat, soll er in Anspielung auf den Tempel in Jerusalem ausgerufen haben: \"Salomo, ich habe dich \u00fcbertroffen!\" Die Innenausstattung war mit ihren S\u00e4ulen aus Porphyr und gr\u00fcnem Marmor, mit Mosaiken aus Gold und Halbedelsteinen derart prunkvoll, der Gesamteindruck derart \u00fcberirdisch, dass eine Delegation des Gro\u00dff\u00fcrsten von Kiew nicht mehr wusste, \"ob wir im Himmel oder auf der Erde\" waren \u2013 was die Christianisierung Russlands bef\u00f6rderte.<\/p>\n\n\n\n

Der deutsche Architekturlehrer Holger Kleine nennt die Hagia Sophia \"absolute Architektur\", weil sie \"extreme Ausdrucksformen nahezu aller dramaturgischen Mittel, die der Architektur zur Verf\u00fcgung stehen, vereinigt: wuchtigste K\u00f6rper und luftigste R\u00e4ume, engste Enge und gr\u00f6\u00dfte Weite, w\u00e4rmende Helligkeit und mystisches Dunkel\". Und die Kuppelbauten aus der sp\u00e4teren Hochbl\u00fcte der Moscheenarchitektur im 16. und 17. Jahrhundert gehen eindeutig auf die Hagia Sophia zur\u00fcck.<\/p>\n\n\n\n

Die Hagia Sophia war Staatskirche des byzantinischen Reichs. F\u00fcr die Eroberer der letzte Schlussstein in der Kuppel osmanisch-muslimischen Herrschaftsanspruchs. Konstantinopel war ja 1453 nur noch eine isolierte, heruntergekommene Enklave in einem osmanischen Umfeld, kein christliches Heer kam zu Hilfe. Doch vorher war es zugleich Sperrriegel nach Osten und Geistesarchiv der antiken Kultur gewesen. \"Ohne Byzanz h\u00e4tte es kein Europa gegeben\", sagt die britische Altertumsforscherin Judith Herrin.<\/p>\n\n\n\n

\"\"\/
Freigelegtes Mosaik von \"Christos Pantokrator\".<\/figcaption><\/figure>\n\n\n\n

Neue Fragen<\/h3>\n\n\n\n

Die Kirche wurde von Mehmed II. und Nachfolgern nicht in der Substanz zerst\u00f6rt, sondern \"entchristlicht\". Die urspr\u00fcnglich \u00fcbert\u00fcnchten oder auch abgeschlagenen Mosaiken mit den Darstellungen von Christus, der Muttergottes, diversen Kaisern kamen zum Teil schon unter einem Sultan des 19. Jahrhunderts, dann gro\u00dfteils nach der Museumswidmung wieder zum Vorschein.<\/p>\n\n\n\n

Jetzt stellen sich neue symbolisch-praktische Fragen. Erdo\u011fan hat die Hagia Sophia der konservativen staatlichen Religionsbeh\u00f6rde Diyanet unterstellt. Die byzantinischen Mosaike, wie der gro\u00dfartige \"Christos Pantokrator\" (\"Weltenherrscher\") oder die Jungfrau Maria in der Apsis, m\u00fcssen wohl w\u00e4hrend des islamischen Gottesdiensts verh\u00e4ngt werden. Muss der Boden mit seinen Marmorplatten und Mosaiken mit einem Teppich bedeckt werden? Erdo\u011fan sagt, Touristen seien nach wie vor zugelassen. Aber sie werden wohl hinter Absperrungen bleiben m\u00fcssen. Frauen werden \u2013 wie in der benachbarten \"Blauen Moschee\" (\"Sultanahmed\") Kopftuch tragen m\u00fcssen.<\/p>\n\n\n\n

\"\"\/
Erdo\u011fan mit Gattin in der Hagia Sophia.<\/figcaption><\/figure>\n\n\n\n

Erdo\u011fans neue Abenteuer<\/strong><\/h3>\n\n\n\n

Aber wird da nicht doch zu viel in einen Formalakt rund um ein uraltes Bauwerk hineininterpretiert? Im geschichtlichen Kontext relativiert sich manches: Konstantinopel wurde schon von Christen erobert und ausgepl\u00fcndert \u2013 1204 im Vierten Kreuzzug. In der Moschee von Cordoba (\"Mezquita\") bauten die Katholiken eine ganze Kirche in den ber\u00fchmten S\u00e4ulenwald hinein. Die Mezquita ist heute noch Kirche, kein Museum.<\/p>\n\n\n\n

\"Das ist der Beweis, dass wir kein s\u00e4kularer Staat mehr sein wollen\", sagt Nobelpreistr\u00e4ger Orhan Pamuk. Erdo\u011fan betrachtet sich offenbar als auch neoosmanischer \"Fatih\" im Mittelmeerraum mit immer neuen Abenteuern: Eingreifen in Syrien, Stellvertreterkrieg in Libyen, Anspr\u00fcche auf Erdgasvorkommen weit vor der t\u00fcrkischen K\u00fcste bei Zypern, Reden, wonach manche \u00c4g\u00e4is-Inseln eigentlich zur T\u00fcrkei geh\u00f6ren, \"denn dort stehen unsere Moscheen\". Manches davon ist nur Rhetorik, aber genug anderes ist riskante Realit\u00e4t. (Hans Rauscher, 14.7.2020)<\/p>\n\n\n\n

Quelle<\/a><\/strong><\/p>\n","post_title":"Hagia Sophia: Verengung und Verarmung eines Welterbes","post_excerpt":"","post_status":"publish","comment_status":"closed","ping_status":"closed","post_password":"","post_name":"hagia-sophia-verengung-und-verarmung-eines-welterbes","to_ping":"","pinged":"","post_modified":"2025-02-02 08:39:39","post_modified_gmt":"2025-02-02 08:39:39","post_content_filtered":"","post_parent":0,"guid":"https:\/\/dctransparency.com\/?p=3792","menu_order":0,"post_type":"post","post_mime_type":"","comment_count":"0","filter":"raw"},{"ID":3789,"post_author":"7","post_date":"2020-08-14 13:56:07","post_date_gmt":"2020-08-14 13:56:07","post_content":"\n

Im Gastkommentar pocht Mark Leonard, Direktor des Europ\u00e4ischen Rats f\u00fcr Ausw\u00e4rtige Beziehungen, auf \"neue, einvernehmlich vereinbarte Prinzipien sowie klare Grenzen\", nur so k\u00f6nne eine weitere Destabilisierung in der Region verhindert werden.<\/em><\/strong><\/p>\n\n\n\n

Ist die T\u00fcrkei das neue Russland? Diese Frage wird in den europ\u00e4ischen Hauptst\u00e4dten zunehmend gestellt, da die Au\u00dfenpolitik des t\u00fcrkischen Pr\u00e4sidenten Recep Tayyip Erdo\u011fan zunehmend aggressiver wird. Erdo\u011fan nutzt nicht nur die Migration, um die EU zu bedrohen und zu betr\u00fcgen, sondern setzt auch milit\u00e4rische Macht ein, um den Einflussbereich der T\u00fcrkei auf die gesamte Region auszudehnen.<\/p>\n\n\n\n

Seit dem Ende des Kalten Krieges haben die Europ\u00e4er die regionale Sicherheit durch eine unipolare westliche Linse betrachtet. W\u00e4hrend die Nato die milit\u00e4rische Sicherheit garantierte, sorgte die EU mit ihrem 80.000 Seiten starken Regelwerk f\u00fcr alles von LGBTQ-Rechten bis hin zu Rasenm\u00e4her-Sound-Verordnungen f\u00fcr Rechtsordnung. In den 90er-Jahren ging man allgemein davon aus, dass die beiden gro\u00dfen nichtwestlichen regionalen Akteure, Russland und die T\u00fcrkei, nach und nach an diese Regelungen herangef\u00fchrt werden w\u00fcrden.<\/p>\n\n\n\n

Qu\u00e4lende Hassliebe<\/h3>\n\n\n\n

Doch in den letzten 15 Jahren ist der Traum von der europ\u00e4ischen Unipolarit\u00e4t einer multipolaren Realit\u00e4t gewichen. Sowohl Russland als auch die T\u00fcrkei haben eine lange, qu\u00e4lende Hassliebe zu Europa, und beide sind unter nationalen Machthabern, denen die Verachtung der Normen und Werte der EU gemeinsam ist, durchsetzungsf\u00e4higer geworden.<\/p>\n\n\n\n

Die zunehmende Verschlechterung der Beziehungen zwischen der EU und Russland ist gut dokumentiert, der Fall der T\u00fcrkei weniger. Der Irakkrieg im Jahr 2003 komplizierte das Verh\u00e4ltnis der T\u00fcrkei zur Nato, und ihr Verh\u00e4ltnis zur EU verschlechterte sich 2007, als Frankreich einen wichtigen Teil ihrer EU-Beitrittsverhandlungen blockierte. Seitdem hat die T\u00fcrkei ihren eigenen Weg in Syrien, auf dem Balkan und in Libyen eingeschlagen und neue Beziehungen zu Russland und China aufgebaut.<\/p>\n\n\n\n

Wichtiger Akteur<\/strong><\/h3>\n\n\n\n

Nat\u00fcrlich sind die Beziehungen zwischen der T\u00fcrkei und Russland nicht weniger kompliziert, nicht zuletzt weil Erdo\u011fan und der russische Pr\u00e4sident Wladimir Putin im syrischen B\u00fcrgerkrieg verschiedene Seiten unterst\u00fctzten.Und w\u00e4hrend die Spannungen wegen des Syrien-Konflikts weiterhin bestehen, bewundert Erdo\u011fan deutlich, wie Russland sich \u2013 bei relativ geringen Kosten \u2013 wieder als wichtiger Akteur im Nahen Osten und in Nordafrika etabliert hat.<\/p>\n\n\n\n

Nachdem er in einen nicht zu gewinnenden Krieg im Osten der Ukraine verwickelt war, schien Putins weitgehend erfolgreicher Feldzug in Syrien einen Teil seiner innenpolitischen Autorit\u00e4t wiederherzustellen. Der Westen hatte f\u00fcnf Jahre lang darauf bestanden, dass es keine milit\u00e4rische L\u00f6sung des Konflikts gebe und dass der syrische Pr\u00e4sident Baschar al-Assad gehen m\u00fcsse. Doch w\u00e4hrend die von den Vereinten Nationen unterst\u00fctzten Gespr\u00e4che in Genf zu keinem Ergebnis f\u00fchrten, schienen die von Russland geleiteten Gespr\u00e4che in Astana voranzukommen. Indem der Kreml die T\u00fcrkei und den Iran einbezog, w\u00e4hrend er die westlichen M\u00e4chte ausschloss, erweckte er den Eindruck, dass Russland als wiedergeborene Supermacht aus der Asche auferstanden sei.<\/p>\n\n\n\n

Unter Druck<\/h3>\n\n\n\n

Angesichts des wachsenden Widerstands im eigenen Land macht es Erdo\u011fan Putin gleich. Da der Westen nicht bereit war, (erneut) milit\u00e4risch in Libyen zu intervenieren, sah Erdo\u011fan eine Gelegenheit, die T\u00fcrkei zu positionieren. Nach dem Vorgehen Russlands in Syrien sicherte er sich eine formelle Einladung der libyschen Regierung zur Intervention. Mit einem Schlag Ende letzten Jahres hat er nicht nur das Image der T\u00fcrkei als Regionalmacht gest\u00e4rkt, sondern auch ein Abkommen mit Libyen \u00fcber die Seegrenze abgeschlossen und damit einen Plan Griechenlands, Zyperns, \u00c4gyptens und Israels zur Erschlie\u00dfung von Unterwasser\u00f6l- und -gasfeldern in der N\u00e4he zunichtegemacht.<\/p>\n\n\n\n

Erdo\u011fan scheint auch von der Spalt-und-Eroberungs-Strategie des Kreml in Europa inspiriert worden zu sein, der zufolge oft diejenigen EU-Mitgliedsstaaten unter Druck gesetzt werden, die am meisten von russischen Kohlenwasserstoffen oder M\u00e4rkten abh\u00e4ngig sind. So wie Putin lange Zeit die Energieversorgung instrumentalisiert hat, hat Erdo\u011fan versucht, den Strom von Migranten und Fl\u00fcchtlingen, die vor Konflikten im Nahen Osten fliehen, zu instrumentalisieren. Als die EU eine neue Marinemission ank\u00fcndigte, um den Waffenstrom nach Libyen zu blockieren, malte die T\u00fcrkei f\u00fcr Malta das Schreckgespenst der angeblichen Bedrohung durch Migranten an die Wand. Malta reagierte prompt und signalisierte, dass es gegen die Finanzierung der Mission ein Veto einlegen werde.<\/p>\n\n\n\n

Verlorener Sohn<\/strong><\/h3>\n\n\n\n

Jahrelang redeten sich die Europ\u00e4er ein, dass Russland eine Art verlorener Sohn sei und dass die europ\u00e4ische unipolare Ordnung gesund bleibe. Doch das machte Europa zu einem leichten Ziel f\u00fcr die Trennungs-und-Eroberungs-Strategie des Kreml. Erst vor relativ kurzer Zeit entwarf die Union eine neue Politik und ein robustes Sanktionsregime, um die russische Aggression abzuschrecken. Und selbst jetzt \u2013 trotz der besten Bem\u00fchungen der deutschen Bundeskanzlerin Angela Merkel und des franz\u00f6sischen Pr\u00e4sidenten Emmanuel Macron \u2013 hat die EU noch immer keine wirksamen Kommunikationskan\u00e4le mit Russland geschaffen, um gemeinsame Probleme anzugehen.<\/p>\n\n\n\n

Die T\u00fcrkei ist noch kein neues Russland, aber sie k\u00f6nnte dazu werden, wenn die Situation falsch gehandhabt wird. Vorerst betrachten die meisten Europ\u00e4er die T\u00fcrkei noch immer als einen komplizierten Partner und nicht als \"Systemrivalen\". Aber die Europ\u00e4er sollten die hart erk\u00e4mpften Lehren aus dem Umgang mit Russland in den letzten 15 Jahren beherzigen. Die Beziehungen zwischen der EU und der T\u00fcrkei brauchen neue, einvernehmlich vereinbarte Prinzipien sowie klare Grenzen, um eine weitere Destabilisierung in der Region zu verhindern.<\/p>\n\n\n\n

Zu diesem Zweck sollten die Europ\u00e4er klarstellen, dass der EU-Beitrittsprozess entweder zur\u00fcckgedreht oder vorangetrieben werden kann und dass eine eher transaktionale Beziehung sowohl Zuckerbrot als auch Peitsche beinhaltet. Die Herausforderung wird darin bestehen, daf\u00fcr zu sorgen, dass es in einer Region, die nicht nur von Europa und der T\u00fcrkei, sondern auch von Russland, den USA und einem aufstrebenden China beeinflusst wird, noch Raum f\u00fcr politisches Engagement in Fragen der gemeinsamen Sicherheit gibt. (Mark Leonard, \u00dcbersetzung: Eva G\u00f6llner, Copyright: Project Syndicate, 10.8.2020)<\/p>\n\n\n\n

Mark Leonard <\/strong>ist Direktor des Europ\u00e4ischen Rats f\u00fcr Ausw\u00e4rtige Beziehungen.<\/a><\/p>\n","post_title":"Erdo\u011fan \u2013 der andere Putin vor der Haust\u00fcr Europas","post_excerpt":"","post_status":"publish","comment_status":"closed","ping_status":"closed","post_password":"","post_name":"erdogan-der-andere-putin-vor-der-haustur-europas","to_ping":"","pinged":"","post_modified":"2025-02-02 08:39:39","post_modified_gmt":"2025-02-02 08:39:39","post_content_filtered":"","post_parent":0,"guid":"https:\/\/dctransparency.com\/?p=3789","menu_order":0,"post_type":"post","post_mime_type":"","comment_count":"0","filter":"raw"},{"ID":3786,"post_author":"7","post_date":"2020-08-14 13:51:23","post_date_gmt":"2020-08-14 13:51:23","post_content":"\n

Einen Monat nachdem ich zur israelischen Armee eingezogen worden war, brach die erste Intifada aus. Statt Soldat zu sein, machte ich Polizeiarbeit, sagte den Menschen, wann sie zur Arbeit gehen konnten und wann sie ihre L\u00e4den schlie\u00dfen mussten, wann sie die Grenze passieren und wann sie schlafen konnten. Einen Monat nachdem ich aus der Armee entlassen worden war, ging ich auf Reisen. (In Israel sagen wir: Wir dienen drei Jahre und versuchen den Rest unseres Lebens, diese drei Jahre zu vergessen.) Auf meiner Reise begann ich Briefe an meine Freundin zu schreiben, die ich in Israel zur\u00fcckgelassen hatte.<\/p>\n\n\n\n

Ich schrieb ihr, wie schrecklich depressiv ich war und dass diese drei Jahre des Anweisungenbellens und Anderen-Menschen-Sagens, was sie zu tun haben, mich f\u00fcr immer verfolgen w\u00fcrden. Dass sie ein Teil dessen geworden waren, was ich bin. Ich erinnere mich, dass ich ihr schrieb, dass wir da rausm\u00fcssen \u2013 nicht nur f\u00fcr die Pal\u00e4stinenser, sondern wegen der furchtbaren und brutalen Auswirkungen, die all das auf uns, auf die israelische Gesellschaft haben w\u00fcrde. Sie schrieb zur\u00fcck: \u201eDu hast recht. Ich habe einen neuen Freund.\u201c<\/p>\n\n\n\n

Felix Klein wurde als Beauftragter der Bundesregierung berufen<\/a>, um die Auswirkungen des zunehmenden Antisemitismus in unserer Gesellschaft, in Deutschland, zu bek\u00e4mpfen. Was nicht in seiner Jobbeschreibung steht, ist, dass er dabei unsere Gesellschaft heilen muss, jene Gesellschaft, die diese Form des Hasses reproduziert und sch\u00fctzt. Klein hat das begriffen.<\/p>\n\n\n\n

Er versteht, dass man Krebs nicht mit einem Pflaster verarztet, er wei\u00df, dass er das Bewusstsein der Deutschen sch\u00e4rfen und Diskussionen ansto\u00dfen muss. Er hat begriffen, dass das Problem nicht nur an den R\u00e4ndern der Gesellschaft (bei den Rechten) liegt, sondern auch in ihrer Mitte. Dort, wo gebildete Menschen nicht einmal bemerken, dass das, was sie sagen und tun, antisemitisch ist. So wie sie es auch nicht merken, wenn sie rassistisch handeln. Er hat all das verstanden, und genau deshalb wollen einige, dass er seinen Posten r\u00e4umt.<\/p>\n\n\n\n

Mehr als 60 deutsche und israelische Intellektuelle haben letzte Woche in einem Brief an Kanzlerin Merkel<\/a> dar\u00fcber geklagt, dass der aktuelle \u201eGebrauch des Antisemitismusbegriffs\u201c darauf abziele, \u201elegitime Kritik an der israelischen Regierungspolitik zu unterdr\u00fccken\u201c, und Klein vorgeworfen, rechtspopulistische israelische Stimmen zu f\u00f6rdern.<\/p>\n\n\n\n

Faszinierend an diesem offenen Brief ist, dass viele der Unterzeichneten keine Deutschen sind und auch nicht in Deutschland leben. Ich wei\u00df nicht, woher sie \u2013 die meisten von ihnen sind Israelis \u2013 die Chuzpe haben, sich in eine innerdeutsche Angelegenheit einzumischen und zu fordern, eine Person zu entlassen, die von der Bundesregierung eingesetzt wurde. Die H\u00e4lfte der Unterzeichneten lebt nicht hier, von der anderen H\u00e4lfte sind viele keine Juden \u2013 somit sind die allermeisten von ihnen nicht direkt vom Antisemitismus in Deutschland betroffen. Wie also k\u00f6nnen sie diesen Brief unterschreiben? Und warum eigentlich haben so wenige Deutsche unterschrieben? Dazu komme ich gleich.<\/p>\n\n\n\n

Debatte um Achille Mbembe<\/h6>\n\n\n\n

Hintergrund des Briefs war, dass Felix Klein gefordert hatte, den Philosophen Achille Mbembe<\/a> nicht die Er\u00f6ffnungsrede der Ruhrtriennale halten zu lassen. Als mit \u00f6ffentlichen Mitteln gef\u00f6rdertes Event solle die Ruhrtriennale Mbembe wegen seiner Haltung zu Israels Existenzrecht, seiner Haltung zu BDS und der Art, wie er in einem seiner Werke den Holocaust relativiert, nicht einladen.<\/p>\n\n\n\n

Mbembes Unterst\u00fctzer sagen, keine dieser Anschuldigungen sei wahr. F\u00fcrs Protokoll: In meinen Augen unterst\u00fctzt Mbembe sehr wohl BDS<\/a>, er schrieb unter anderem das Vorwort zu \u201eApartheid Israel\u201c und fordert die komplette Isolation Israels. Ich glaube auch, wenn Mbembe schreibt, die israelische Besetzung sei der \u201egr\u00f6\u00dfte moralische Skandal unserer Zeit\u201c, zeigt das, dass sein moralischer und geografischer Kompass etwas schief ist.<\/p>\n\n\n\n

Doch warum treibt die Debatte so viele Menschen um? Nun, zun\u00e4chst gibt niemand gern auf, was ihm oder ihr selbstverst\u00e4ndlich scheint. \u00dcber den gesamten politischen, sozialen, kulturellen, medialen und akademischen Sektor hinweg sind Menschen daran gew\u00f6hnt, so schlecht \u00fcber Israel sprechen zu k\u00f6nnen, wie auch immer sie wollen.<\/p>\n\n\n\n

Der Spiegel<\/em> hat \u2013 vielleicht in Anlehnung an seine Relotius-Standards, Israel erst k\u00fcrzlich eine Corona-Diktatur genannt. Fakten und Belege f\u00fcr diese Behauptung gab es nicht. Doch Millionen Deutsche haben es gelesen, und es wird nat\u00fcrlich haften bleiben. Faktenlage hin oder her. Der Spiegel<\/em> und andere Medien haben dieses Spiel perfektioniert: Titel so zu drehen, dass sie Israel indirekt anklagen, die Idee zu streuen, der Mossad kon\u00adtrol\u00adliere die deutsche Au\u00dfenpolitik im Nahen Osten, und so fort. Doch sie stehen allesamt sofort auf den Hinterbeinen, wenn jemand es wagt, das Spiel beim Namen zu nennen: moderner Antisemitismus.<\/p>\n\n\n\n

Klein will dem entgegenwirken. Er versteht, dass antisemitische Attacken in Deutschland die Fr\u00fcchte solch falsch gezeichneter Bilder und eindimensionaler Narrative \u00fcber Israel sind. Wenn er und andere versuchen, ein anderes Narrativ aufzuzeigen, wirft man ihnen Zensur vor: Wie k\u00f6nnen sie es wagen, das Gesch\u00e4ft der Anti-Israel-Propaganda zu st\u00f6ren?<\/p>\n\n\n\n

Liebe Deutsche, wenn ihr reden wollt, lasst uns gern reden: \u00fcber die Besetzung, \u00fcber Bibi und alles, was schiefl\u00e4uft. Aber dann lasst uns bitte auch dar\u00fcber reden, wie deutsche Steuergelder Terrortunnel finanzieren. Erst vergangene Woche r\u00e4umte die niederl\u00e4ndische Regierung ein, dass Gelder an eine Landwirtschaftsorganisation in Ramallah geflossen seien, die damit teilweise die Geh\u00e4lter zweier des Mordes an der 17-j\u00e4hrigen Israelin Rina Shnerb Verd\u00e4chtiger gezahlt haben. Auch die Bundesregierung unterst\u00fctzt diese Organisation, obwohl Kritiker schon lange vor Verbindungen zu Terroristen warnen.<\/p>\n\n\n\n

Wir k\u00f6nnen uns also gerne unterhalten \u2013 aber im Dialog, nicht in Monologen. Denn Reden unter Menschen, die sich einig sind, ist nichts anderes als Impotenz.<\/p>\n\n\n\n

Israelkritik als Eintrittskarte<\/h6>\n\n\n\n

Die Israelis, die die Petition unterzeichnet haben, haben \u00fcbrigens ebenfalls etwas verstanden. Seit Jahren wissen sie: Es ist ihre Eintrittskarte in die Mitte der deutschen (und europ\u00e4ischen) Gesellschaft. Man h\u00f6rt nicht oft von Akademikern mit proisraelischen Ansichten. Weder in den Philharmonie-Orchestern noch in der Kunstszene. Die Eintrittskarte daf\u00fcr ist ein antiisraelischer Standpunkt.<\/p>\n\n\n\n

Der mutma\u00dfliche Grund, warum kaum Deutsche die Petition unterzeichnet haben: Sie mussten es nicht. Ihre Lieblingsjuden haben es f\u00fcr sie getan. Jetzt k\u00f6nnen sie sagen: \u201eSchau, ich bin das ja nicht, meine j\u00fcdischen Freunde sagen es.\u201c Ich selbst war einige Jahre lang mit einem Paar hier in Berlin befreundet, bis ich herausfand, dass ich ihr Lieblingsjude war. Ja, selbst das j\u00fcdische Museum wurde so genutzt.<\/p>\n\n\n\n

Weil Attacken gegen Juden ein absolutes Tabu sind, wurden Umwege gefunden, um den Antisemitismus auf kleiner Flamme k\u00f6cheln zu lassen: die unfundierte, unbegr\u00fcndete Kritik an Israel.<\/p>\n\n\n\n

Diese Art der Kritik ist gef\u00e4hrlich. Sie schw\u00e4cht jede begr\u00fcndete und notwendige Kritik am Verhalten Israels. Und das Interessante ist: Trotz all der heftigen, pauschalisierenden Anklagen, all der offenen Briefe driftet Israel politisch immer weiter nach rechts. Doch statt mal einen anderen Ansatz zu versuchen, werden die antiisraelischen Stimmen nur lauter. Dasselbe versuchen und andere Ergebnisse davon erwarten \u2013 das ist die Definition von Wahnsinn.<\/p>\n\n\n\n

Kurz bevor der Prozess gegen den wegen des Attentats von Halle<\/a> Angeklagten begann \u2013 des seit Kriegsende schlimmsten Akts von Antisemitismus in Deutschland \u2013, lud eine Lokalzeitung den fr\u00fcheren Botschafter Shimon Stein und den Historiker Moshe Zimmermann ein, dar\u00fcber zu schreiben, was Antisemitismus ist. Nat\u00fcrlich wendeten auch sie sich gegen Felix Kleins Ansatz. Sie zitieren die Kontroverse um die Umbenennung der U-Bahn-Station Mohrenstra\u00dfe in Glinkastra\u00dfe, die sich darum drehte, dass der russische Komponist Michael Glinka Antisemit gewesen sein soll. Stein und Zimmermann halten die Debatte f\u00fcr \u00fcberzogen, Glinka sei nur ein Kind seiner Zeit gewesen. Folgt man ihrer Logik, k\u00f6nnen wir dann also in 20 oder 30 Jahren U-Bahn-Stationen nach den Kindern der 1930er Jahre benennen?<\/p>\n\n\n\n

Der Antisemit als Tierfreund<\/h6>\n\n\n\n

Ich w\u00fcnschte, die Sache h\u00e4tte mit dem Artikel, mit der Petition geendet. Doch dann erschien ein Artikel, der den Leser auf einen Waldspaziergang mit einem veganen Koch und Antisemiten mitnahm. Darin setzt der Tierfreund erst behutsam einen K\u00e4fer wieder auf seine Beinchen und erkl\u00e4rt dann, dass die Todesstrafe in Deutschland wieder eingef\u00fchrt werden solle, um einen gewissen Politiker (der zuf\u00e4llig pro Israel ist) an seinen Hoden aufh\u00e4ngen zu k\u00f6nnen. Dieser Koch hat Hunderttausende Follower, er sagt all solche Dinge am helllichten Tag in Berlin. Und in den Medien.<\/p>\n\n\n\n

F\u00e4lle wie dieser handeln bereits von Gewalt \u2013 und sie enden nicht bei den Juden. Der Hass richtet sich gegen Frauen<\/a>, Muslime, Gefl\u00fcchtete, \u00adLBTQI. Am Ende aller theoretischen Debatten stehen immer echte Menschen. Am Ende jeder Konferenz dar\u00fcber, was Antisemitismus ausmacht, steht ein potenzielles j\u00fcdisches Opfer. Angesichts einer Welle von Antisemitismus \u00fcber die Definition von Antisemitismus zu streiten ist, wie eine 10 Meter hohe Welle heranrollen zu sehen und dar\u00fcber zu streiten, was einen Tsunami ausmacht.<\/p>\n\n\n\n

Felix Klein versteht, wie absurd es ist, zu sagen: Es sind nur die Rechten. Die Rechten sind Deutsche, so wie die Nazis Deutsche waren. Klein versteht, dass die Deutschen nicht aufgeh\u00f6rt haben, Juden zu ermorden, weil sie irgendeine Art von Erleuchtung hatten. Sondern schlicht, weil sie den Krieg verloren haben. Um den Antisemitismus zu bek\u00e4mpfen, bevor er die Gesellschaft frisst, in der er und wir leben, muss Deutschland seinen moralischen Kompass korrigieren.<\/p>\n\n\n\n

Immerhin: Mehr und mehr Deutsche fahren nach Israel, sie wollen ein anderes Narrativ h\u00f6ren. Mehr und mehr Deutsche verstehen, dass Antisemitismus Schockwellen ausl\u00f6st, die die gesamte Gesellschaft betreffen. In einem normalen Universum w\u00fcrde Klein bef\u00f6rdert werden f\u00fcr seine Leistung. In einer verdrehten Gesellschaft fordern Menschen seine Entlassung. Um es mit Mbembe zu sagen: Das ist Nano-Nonsens.<\/p>\n\n\n\n

\u00dcbersetzung: Ariane Lemme<\/a><\/em><\/p>\n","post_title":"Felix Klein hat verstanden","post_excerpt":"","post_status":"publish","comment_status":"closed","ping_status":"closed","post_password":"","post_name":"felix-klein-hat-verstanden","to_ping":"","pinged":"","post_modified":"2025-02-02 08:39:39","post_modified_gmt":"2025-02-02 08:39:39","post_content_filtered":"","post_parent":0,"guid":"https:\/\/dctransparency.com\/?p=3786","menu_order":0,"post_type":"post","post_mime_type":"","comment_count":"0","filter":"raw"}],"next":false,"prev":true,"total_page":47},"paged":1,"column_class":"jeg_col_2o3","class":"epic_block_3"};

\n

Dies wurde von einer Drohne namens Wing Loong II abgefeuert, und die Untersuchung von BBC Africa Eye und BBC Arabic Documentaries ergab auch Hinweise darauf, dass Wing Loong II-Drohnen zum Zeitpunkt des Streiks nur von einem libyschen Luftwaffenst\u00fctzpunkt aus operierten - al-Khadim - und dass die VAE die dort stationierten Drohnen geliefert und betrieben haben.<\/p>\n\n\n\n

\"\"<\/figure>\n\n\n\n

Die VAE haben zuvor die milit\u00e4rische Beteiligung in Libyen verweigert und sagen, sie unterst\u00fctzen den UN-Friedensprozess. Es antwortete nicht auf die Bitte der BBC um einen Kommentar.<\/p>\n\n\n\n

Was ist mit diesen Kadetten passiert?<\/strong><\/p>\n\n\n\n

Kurz nach 21:00 Uhr am 4. Januar 2020 f\u00fchrten rund 50 Kadetten Routine\u00fcbungen an einer Milit\u00e4rakademie im S\u00fcden von Tripolis durch.<\/p>\n\n\n\n

Ohne Vorwarnung detonierte eine Explosion in der Mitte der Gruppe und lie\u00df 26 Kadetten tot oder auf dem Exerzierplatz sterben. Viele waren noch Teenager. Keiner von ihnen war bewaffnet.

Einer der \u00dcberlebenden war der 20-j\u00e4hrige Abdul Moeen.<\/p>\n\n\n\n

Er war in der Akademie, als der Streik eintraf. \"Es war unbeschreiblich\", sagte er der BBC.<\/p>\n\n\n\n

\"Wir haben gesehen, wie unsere Kollegen starben, ihren letzten Atemzug machten und wir konnten nichts tun ... Es gab Leute, deren Oberk\u00f6rper von ihren K\u00f6rpern getrennt waren. Es war ein schreckliches Verbrechen, ein Verbrechen, das nichts mit der Menschheit zu tun hat. \"\"<\/p>\n\n\n\n

Sieben Monate nach dem Streik hat niemand die Verantwortung f\u00fcr die T\u00f6tung dieser jungen M\u00e4nner eingestanden.<\/p>\n\n\n\n

Die LNA unter Gen Khalifa Haftar bestritt, dass sie hinter dem Streik steckt, und teilte der Presse mit, dass die Explosion m\u00f6glicherweise durch eine lokal abgefeuerte M\u00f6rsergranate oder einen Angriff innerhalb der Akademie verursacht worden sei.<\/p>\n\n\n\n

Was hat die BBC gefunden?<\/strong><\/p>\n\n\n\n

Die Untersuchung ergab Hinweise darauf, dass eine viel ausgefeiltere Waffe verwendet wurde.<\/p>\n\n\n\n

\"\"<\/figure>\n\n\n\n

Die BBC betrachtete Bilder des Splitters, der nach dem Streik auf dem Exerzierplatz zur\u00fcckgelassen wurde, und kam zu dem Schluss, dass er mit den Komponenten einer Rakete namens Blue Arrow 7 \u00fcbereinstimmte.<\/p>\n\n\n\n

Unsere Analyse ergab, dass nur ein Flugzeug, das im Januar 2020 \u00fcber Tripolis operierte, diese Waffe abfeuern konnte - eine Drohne namens Wing Loong 2.<\/p>\n\n\n\n

Nur drei Wochen vor diesem Streik kamen die Vereinten Nationen zu dem Schluss, dass der Blaue Pfeil 7 \"ballistisch gepaart ist, um vom Wing Loong II geliefert zu werden ... und von keinem anderen in Libyen bisher identifizierten Luftfahrtgut\".<\/p>\n\n\n\n

Die BBC untersuchte auch, woher diese Drohne stammen k\u00f6nnte, und fand Hinweise darauf, dass Wing Loong-Drohnen zum Zeitpunkt des Angriffs nur von einem libyschen Luftwaffenst\u00fctzpunkt aus operierten: al-Khadim im von der LNA kontrollierten Ostlibyen.<\/p>\n\n\n\n

Sowohl die BBC als auch die UN haben Beweise daf\u00fcr gefunden, dass Drohnen, die von diesem Luftwaffenst\u00fctzpunkt aus operieren, zu den Vereinigten Arabischen Emiraten geh\u00f6ren.<\/p>\n\n\n\n

Im Jahr 2019 stellte die UNO fest, dass die VAE durch den Versand von Wing Loong-Drohnen und Blue Arrow 7-Raketen nach Libyen gegen das seit 2011 geltende UN-Waffenembargo gegen das Land versto\u00dfen hatten.<\/p>\n\n\n\n

Die BBC fand auch ein Waffenregister, aus dem hervorgeht, dass die VAE 2017 15 Wing Loong-Drohnen und 350 Blue Arrow 7-Raketen gekauft haben.<\/p>\n\n\n\n

Was hat die BBC noch aufgedeckt?<\/strong><\/p>\n\n\n\n

<\/p>\n\n\n\n

Die BBC-Untersuchung ergab auch neue Beweise daf\u00fcr, dass \u00c4gypten den VAE erlaubt, \u00e4gyptische Milit\u00e4rflugpl\u00e4tze nahe der libyschen Grenze zu nutzen.<\/p>\n\n\n\n

Im Februar 2020 scheinen die in Libyen stationierten Wing Loong II-Drohnen \u00fcber die Grenze nach \u00c4gypten zu einem Luftwaffenst\u00fctzpunkt in der N\u00e4he von Siwa in der west\u00e4gyptischen W\u00fcste gebracht worden zu sein.<\/p>\n\n\n\n

Satellitenbilder zeigen auch, dass ein zweiter \u00e4gyptischer Milit\u00e4rflugplatz, Sidi Barrani, als Einsatzbasis f\u00fcr Mirage 2000-Kampfflugzeuge verwendet wurde, die in Farben lackiert sind, die nicht von der \u00e4gyptischen Luftwaffe verwendet werden, aber genau den von den VAE geflogenen Jets entsprechen .<\/p>\n\n\n\n

Dies ist das gleiche Flugzeugmodell, das von den Vereinten Nationen in einen Luftangriff auf ein Migrationszentrum \u00f6stlich von Tripolis im Juli 2019 verwickelt wurde, bei dem 53 Menschen get\u00f6tet wurden.<\/p>\n\n\n\n

Ausl\u00e4ndischer Jet bei libyschem Migrantenangriff verd\u00e4chtigt<\/p>\n\n\n\n

Sidi Barrani ist auch das Ziel f\u00fcr mehrere Frachtflugzeuge, die von den Vereinigten Arabischen Emiraten gestartet sind, und schl\u00e4gt eine Luftbr\u00fccke f\u00fcr Ausr\u00fcstung oder Lieferungen zwischen den Vereinigten Arabischen Emiraten und einer Milit\u00e4rbasis vor, die nur 80 km von der libyschen Grenze entfernt liegt.<\/p>\n\n\n\n

Die \u00e4gyptische Regierung antwortete nicht auf die Bitte der BBC um Stellungnahme.<\/p>\n\n\n\n

Ist ausl\u00e4ndisches milit\u00e4risches Engagement \u00fcberraschend?<\/strong><\/p>\n\n\n\n

Sowohl die Vereinigten Arabischen Emirate als auch \u00c4gypten nahmen an einer von Bundeskanzlerin Angela Merkel im Januar dieses Jahres in Berlin einberufenen Konferenz \u00fcber Libyen teil, auf der sie ihre Unterst\u00fctzung f\u00fcr den UN-Friedensprozess bekr\u00e4ftigten und sich bereit erkl\u00e4rten, nicht in den Libyen-Krieg einzugreifen.<\/p>\n\n\n\n

Im vergangenen Jahr gab es jedoch eine Eskalation des Einsatzes von Drohnen durch beide Seiten des Konflikts.<\/p>\n\n\n\n

Ghassan Salam\u00e9, der fr\u00fchere Leiter der UN-Mission in Libyen, beschrieb dies als \"m\u00f6glicherweise das gr\u00f6\u00dfte Drohnenkriegstheater der Welt\".<\/p>\n\n\n\n

Die VAE sind nicht die einzige ausl\u00e4ndische Macht, die an diesem Konflikt beteiligt ist.<\/p>\n\n\n\n

Anfang dieses Jahres gab BBC Africa Eye bekannt, dass die T\u00fcrkei auch gegen das Waffenembargo der Vereinten Nationen gegen Libyen versto\u00dfen hat, indem sie geheime Waffenlieferungen an die von den Vereinten Nationen anerkannte Regierung in Tripolis gesendet hat.<\/p>\n\n\n\n

Mit Unterst\u00fctzung der T\u00fcrkei hat die von den Vereinten Nationen anerkannte Regierung des Nationalen Abkommens nun die LNA von Gen Haftar aus der Gegend um Tripolis zur\u00fcckgeschlagen.<\/p>\n","post_title":"BBC-Untersuchung: VAE in t\u00f6dlichen Angriff in Libyen verwickelt","post_excerpt":"","post_status":"publish","comment_status":"closed","ping_status":"closed","post_password":"","post_name":"bbc-untersuchung-vae-in-todlichen-angriff-in-libyen-verwickelt","to_ping":"","pinged":"","post_modified":"2025-02-02 08:39:39","post_modified_gmt":"2025-02-02 08:39:39","post_content_filtered":"","post_parent":0,"guid":"https:\/\/dctransparency.com\/?p=3811","menu_order":0,"post_type":"post","post_mime_type":"","comment_count":"0","filter":"raw"},{"ID":3792,"post_author":"7","post_date":"2020-08-14 13:58:48","post_date_gmt":"2020-08-14 13:58:48","post_content":"\n

Die Hagia Sophia war (ist) ein kulturelles Weltwunder und aufgeladen mit symbolischer Bedeutung, f\u00fcr die Christenheit ebenso wie f\u00fcr den Islam \u2013 und den t\u00fcrkischen Nationalismus. Als Mehmed II. sie betrat, war sie schon fast 1000 Jahre die gr\u00f6\u00dfte Kirche der christlichen Welt und das Zentrum der orthodoxen Glaubensrichtung. Die \"Ayasofya\", wie sie dann hie\u00df, war 500 Jahre lang Moschee \u2013 bis 1934, als Kemal Pascha Atat\u00fcrk, der \"Vater\" der modernen T\u00fcrkei, sie in ein Museum verwandelte, in der ausdr\u00fccklichen Absicht, auch hier mit dem osmanischen Erbe zu brechen.<\/p>\n\n\n\n

Nun wird Pr\u00e4sident Recep Tayyip Erdo\u011fan, der \"Vater\" der re-islamisierten T\u00fcrkei, am 24. Juli dieses Jahres die Ayasofya durch das Freitagsgebet wieder in den Islam eingliedern. Oder eher in seinen pers\u00f6nlichen religi\u00f6sen Nationalismus.<\/p>\n\n\n\n

Welterbe von allen<\/h3>\n\n\n\n

Wie bedeutungsschwer ist dieser Akt eines \"starken Mannes\", der innenpolitisch deutlich schw\u00e4chelt? Die Proteste vor allem aus der orthodoxen Welt, aber auch aus Europa und den USA sind eher traurig als w\u00fctend. Der Papst dr\u00fcckte seinen \"Schmerz\" aus. Auch der Jubel in der islamischen Welt fiel zun\u00e4chst weniger \u00fcbersch\u00e4umend als erwartet aus.<\/p>\n\n\n\n

Ist es der Alleingang eines Autokraten in Bedr\u00e4ngnis oder ist \"der Jubel \u00fcber die Eroberung der Hagia Sophia der Versuch einer zutiefst erniedrigten, vom Gef\u00fchl der Wertlosigkeit dominierten und in ihrer eigenen Selbstberechtigung beraubten Gesellschaft, eine Bedeutung, eine St\u00e4rke, ein Selbstwertgef\u00fchl zu finden\"? So recht pauschalierend der in Deutschland lebende pal\u00e4stinensische Intellektuelle und Psychiater Ahmad Mansour.<\/p>\n\n\n\n

Die beiden Gro\u00dfreiche, das byzantinische und das osmanische, sind l\u00e4ngst versunken.<\/p><\/blockquote>\n\n\n\n

Das eigentliche Schl\u00fcsselwort im Zusammenhang mit der Hagia Sofia ist \"Welterbe\". Das Erbe von allen. Einmal im kulturellen Sinn der Unesco, aber in Wahrheit weiter gefasst. Das einzigartige Bauwerk geh\u00f6rt in Wirklichkeit der ganzen Welt, nicht der einen oder anderen Religion. Die beiden Gro\u00dfreiche, f\u00fcr die die Hagia Sofia der zentrale spirituelle Bau war, das byzantinische und das osmanische, sind l\u00e4ngst versunken. Seither hat sie eine neue, \u00fcbernationale Dimension erhalten. Was Erdo\u011fan da jetzt mit der Hagia Sofia macht, ist eine Verengung und Verarmung eines gemeinsamen Welterbes.<\/p>\n\n\n\n

\"\"\/
Betende Muslime vor der Hagia Sophia.<\/figcaption><\/figure>\n\n\n\n

Davon abgesehen aber war und ist sie ein architektonisches Meisterwerk und geh\u00f6rt zu den bedeutendsten Bauten der Welt. Wer heute den Zentralraum unter der Kuppel betritt, kann sich nur schwer dem zugleich majest\u00e4tischen wie schwebenden Gesamteindruck entziehen. Die Hagia Sophia blieb fast 1000 Jahre die gr\u00f6\u00dfte Kirche der Christenheit. Technisch war die Kuppel (mit mehreren Halbkuppeln) eine \u00fcberaus riskante Innovation: Die 55 Meter hohe und 32 Meter im Durchmesser breite Kuppel ruht auf nur vier Tragpunkten, was den schwebenden, schwerelosen Eindruck erzeugt. Die Konstruktion folgt einem mathematischen Prinzip, das erst k\u00fcrzlich entschl\u00fcsselt wurde.<\/p>\n\n\n\n

\"Salomo, ich habe dich \u00fcbertroffen!\"<\/p><\/blockquote>\n\n\n\n

Als Kaiser Justinian die Hagia Sophia nach nur f\u00fcnf Jahren Bauzeit (532\u2013537) betrat, soll er in Anspielung auf den Tempel in Jerusalem ausgerufen haben: \"Salomo, ich habe dich \u00fcbertroffen!\" Die Innenausstattung war mit ihren S\u00e4ulen aus Porphyr und gr\u00fcnem Marmor, mit Mosaiken aus Gold und Halbedelsteinen derart prunkvoll, der Gesamteindruck derart \u00fcberirdisch, dass eine Delegation des Gro\u00dff\u00fcrsten von Kiew nicht mehr wusste, \"ob wir im Himmel oder auf der Erde\" waren \u2013 was die Christianisierung Russlands bef\u00f6rderte.<\/p>\n\n\n\n

Der deutsche Architekturlehrer Holger Kleine nennt die Hagia Sophia \"absolute Architektur\", weil sie \"extreme Ausdrucksformen nahezu aller dramaturgischen Mittel, die der Architektur zur Verf\u00fcgung stehen, vereinigt: wuchtigste K\u00f6rper und luftigste R\u00e4ume, engste Enge und gr\u00f6\u00dfte Weite, w\u00e4rmende Helligkeit und mystisches Dunkel\". Und die Kuppelbauten aus der sp\u00e4teren Hochbl\u00fcte der Moscheenarchitektur im 16. und 17. Jahrhundert gehen eindeutig auf die Hagia Sophia zur\u00fcck.<\/p>\n\n\n\n

Die Hagia Sophia war Staatskirche des byzantinischen Reichs. F\u00fcr die Eroberer der letzte Schlussstein in der Kuppel osmanisch-muslimischen Herrschaftsanspruchs. Konstantinopel war ja 1453 nur noch eine isolierte, heruntergekommene Enklave in einem osmanischen Umfeld, kein christliches Heer kam zu Hilfe. Doch vorher war es zugleich Sperrriegel nach Osten und Geistesarchiv der antiken Kultur gewesen. \"Ohne Byzanz h\u00e4tte es kein Europa gegeben\", sagt die britische Altertumsforscherin Judith Herrin.<\/p>\n\n\n\n

\"\"\/
Freigelegtes Mosaik von \"Christos Pantokrator\".<\/figcaption><\/figure>\n\n\n\n

Neue Fragen<\/h3>\n\n\n\n

Die Kirche wurde von Mehmed II. und Nachfolgern nicht in der Substanz zerst\u00f6rt, sondern \"entchristlicht\". Die urspr\u00fcnglich \u00fcbert\u00fcnchten oder auch abgeschlagenen Mosaiken mit den Darstellungen von Christus, der Muttergottes, diversen Kaisern kamen zum Teil schon unter einem Sultan des 19. Jahrhunderts, dann gro\u00dfteils nach der Museumswidmung wieder zum Vorschein.<\/p>\n\n\n\n

Jetzt stellen sich neue symbolisch-praktische Fragen. Erdo\u011fan hat die Hagia Sophia der konservativen staatlichen Religionsbeh\u00f6rde Diyanet unterstellt. Die byzantinischen Mosaike, wie der gro\u00dfartige \"Christos Pantokrator\" (\"Weltenherrscher\") oder die Jungfrau Maria in der Apsis, m\u00fcssen wohl w\u00e4hrend des islamischen Gottesdiensts verh\u00e4ngt werden. Muss der Boden mit seinen Marmorplatten und Mosaiken mit einem Teppich bedeckt werden? Erdo\u011fan sagt, Touristen seien nach wie vor zugelassen. Aber sie werden wohl hinter Absperrungen bleiben m\u00fcssen. Frauen werden \u2013 wie in der benachbarten \"Blauen Moschee\" (\"Sultanahmed\") Kopftuch tragen m\u00fcssen.<\/p>\n\n\n\n

\"\"\/
Erdo\u011fan mit Gattin in der Hagia Sophia.<\/figcaption><\/figure>\n\n\n\n

Erdo\u011fans neue Abenteuer<\/strong><\/h3>\n\n\n\n

Aber wird da nicht doch zu viel in einen Formalakt rund um ein uraltes Bauwerk hineininterpretiert? Im geschichtlichen Kontext relativiert sich manches: Konstantinopel wurde schon von Christen erobert und ausgepl\u00fcndert \u2013 1204 im Vierten Kreuzzug. In der Moschee von Cordoba (\"Mezquita\") bauten die Katholiken eine ganze Kirche in den ber\u00fchmten S\u00e4ulenwald hinein. Die Mezquita ist heute noch Kirche, kein Museum.<\/p>\n\n\n\n

\"Das ist der Beweis, dass wir kein s\u00e4kularer Staat mehr sein wollen\", sagt Nobelpreistr\u00e4ger Orhan Pamuk. Erdo\u011fan betrachtet sich offenbar als auch neoosmanischer \"Fatih\" im Mittelmeerraum mit immer neuen Abenteuern: Eingreifen in Syrien, Stellvertreterkrieg in Libyen, Anspr\u00fcche auf Erdgasvorkommen weit vor der t\u00fcrkischen K\u00fcste bei Zypern, Reden, wonach manche \u00c4g\u00e4is-Inseln eigentlich zur T\u00fcrkei geh\u00f6ren, \"denn dort stehen unsere Moscheen\". Manches davon ist nur Rhetorik, aber genug anderes ist riskante Realit\u00e4t. (Hans Rauscher, 14.7.2020)<\/p>\n\n\n\n

Quelle<\/a><\/strong><\/p>\n","post_title":"Hagia Sophia: Verengung und Verarmung eines Welterbes","post_excerpt":"","post_status":"publish","comment_status":"closed","ping_status":"closed","post_password":"","post_name":"hagia-sophia-verengung-und-verarmung-eines-welterbes","to_ping":"","pinged":"","post_modified":"2025-02-02 08:39:39","post_modified_gmt":"2025-02-02 08:39:39","post_content_filtered":"","post_parent":0,"guid":"https:\/\/dctransparency.com\/?p=3792","menu_order":0,"post_type":"post","post_mime_type":"","comment_count":"0","filter":"raw"},{"ID":3789,"post_author":"7","post_date":"2020-08-14 13:56:07","post_date_gmt":"2020-08-14 13:56:07","post_content":"\n

Im Gastkommentar pocht Mark Leonard, Direktor des Europ\u00e4ischen Rats f\u00fcr Ausw\u00e4rtige Beziehungen, auf \"neue, einvernehmlich vereinbarte Prinzipien sowie klare Grenzen\", nur so k\u00f6nne eine weitere Destabilisierung in der Region verhindert werden.<\/em><\/strong><\/p>\n\n\n\n

Ist die T\u00fcrkei das neue Russland? Diese Frage wird in den europ\u00e4ischen Hauptst\u00e4dten zunehmend gestellt, da die Au\u00dfenpolitik des t\u00fcrkischen Pr\u00e4sidenten Recep Tayyip Erdo\u011fan zunehmend aggressiver wird. Erdo\u011fan nutzt nicht nur die Migration, um die EU zu bedrohen und zu betr\u00fcgen, sondern setzt auch milit\u00e4rische Macht ein, um den Einflussbereich der T\u00fcrkei auf die gesamte Region auszudehnen.<\/p>\n\n\n\n

Seit dem Ende des Kalten Krieges haben die Europ\u00e4er die regionale Sicherheit durch eine unipolare westliche Linse betrachtet. W\u00e4hrend die Nato die milit\u00e4rische Sicherheit garantierte, sorgte die EU mit ihrem 80.000 Seiten starken Regelwerk f\u00fcr alles von LGBTQ-Rechten bis hin zu Rasenm\u00e4her-Sound-Verordnungen f\u00fcr Rechtsordnung. In den 90er-Jahren ging man allgemein davon aus, dass die beiden gro\u00dfen nichtwestlichen regionalen Akteure, Russland und die T\u00fcrkei, nach und nach an diese Regelungen herangef\u00fchrt werden w\u00fcrden.<\/p>\n\n\n\n

Qu\u00e4lende Hassliebe<\/h3>\n\n\n\n

Doch in den letzten 15 Jahren ist der Traum von der europ\u00e4ischen Unipolarit\u00e4t einer multipolaren Realit\u00e4t gewichen. Sowohl Russland als auch die T\u00fcrkei haben eine lange, qu\u00e4lende Hassliebe zu Europa, und beide sind unter nationalen Machthabern, denen die Verachtung der Normen und Werte der EU gemeinsam ist, durchsetzungsf\u00e4higer geworden.<\/p>\n\n\n\n

Die zunehmende Verschlechterung der Beziehungen zwischen der EU und Russland ist gut dokumentiert, der Fall der T\u00fcrkei weniger. Der Irakkrieg im Jahr 2003 komplizierte das Verh\u00e4ltnis der T\u00fcrkei zur Nato, und ihr Verh\u00e4ltnis zur EU verschlechterte sich 2007, als Frankreich einen wichtigen Teil ihrer EU-Beitrittsverhandlungen blockierte. Seitdem hat die T\u00fcrkei ihren eigenen Weg in Syrien, auf dem Balkan und in Libyen eingeschlagen und neue Beziehungen zu Russland und China aufgebaut.<\/p>\n\n\n\n

Wichtiger Akteur<\/strong><\/h3>\n\n\n\n

Nat\u00fcrlich sind die Beziehungen zwischen der T\u00fcrkei und Russland nicht weniger kompliziert, nicht zuletzt weil Erdo\u011fan und der russische Pr\u00e4sident Wladimir Putin im syrischen B\u00fcrgerkrieg verschiedene Seiten unterst\u00fctzten.Und w\u00e4hrend die Spannungen wegen des Syrien-Konflikts weiterhin bestehen, bewundert Erdo\u011fan deutlich, wie Russland sich \u2013 bei relativ geringen Kosten \u2013 wieder als wichtiger Akteur im Nahen Osten und in Nordafrika etabliert hat.<\/p>\n\n\n\n

Nachdem er in einen nicht zu gewinnenden Krieg im Osten der Ukraine verwickelt war, schien Putins weitgehend erfolgreicher Feldzug in Syrien einen Teil seiner innenpolitischen Autorit\u00e4t wiederherzustellen. Der Westen hatte f\u00fcnf Jahre lang darauf bestanden, dass es keine milit\u00e4rische L\u00f6sung des Konflikts gebe und dass der syrische Pr\u00e4sident Baschar al-Assad gehen m\u00fcsse. Doch w\u00e4hrend die von den Vereinten Nationen unterst\u00fctzten Gespr\u00e4che in Genf zu keinem Ergebnis f\u00fchrten, schienen die von Russland geleiteten Gespr\u00e4che in Astana voranzukommen. Indem der Kreml die T\u00fcrkei und den Iran einbezog, w\u00e4hrend er die westlichen M\u00e4chte ausschloss, erweckte er den Eindruck, dass Russland als wiedergeborene Supermacht aus der Asche auferstanden sei.<\/p>\n\n\n\n

Unter Druck<\/h3>\n\n\n\n

Angesichts des wachsenden Widerstands im eigenen Land macht es Erdo\u011fan Putin gleich. Da der Westen nicht bereit war, (erneut) milit\u00e4risch in Libyen zu intervenieren, sah Erdo\u011fan eine Gelegenheit, die T\u00fcrkei zu positionieren. Nach dem Vorgehen Russlands in Syrien sicherte er sich eine formelle Einladung der libyschen Regierung zur Intervention. Mit einem Schlag Ende letzten Jahres hat er nicht nur das Image der T\u00fcrkei als Regionalmacht gest\u00e4rkt, sondern auch ein Abkommen mit Libyen \u00fcber die Seegrenze abgeschlossen und damit einen Plan Griechenlands, Zyperns, \u00c4gyptens und Israels zur Erschlie\u00dfung von Unterwasser\u00f6l- und -gasfeldern in der N\u00e4he zunichtegemacht.<\/p>\n\n\n\n

Erdo\u011fan scheint auch von der Spalt-und-Eroberungs-Strategie des Kreml in Europa inspiriert worden zu sein, der zufolge oft diejenigen EU-Mitgliedsstaaten unter Druck gesetzt werden, die am meisten von russischen Kohlenwasserstoffen oder M\u00e4rkten abh\u00e4ngig sind. So wie Putin lange Zeit die Energieversorgung instrumentalisiert hat, hat Erdo\u011fan versucht, den Strom von Migranten und Fl\u00fcchtlingen, die vor Konflikten im Nahen Osten fliehen, zu instrumentalisieren. Als die EU eine neue Marinemission ank\u00fcndigte, um den Waffenstrom nach Libyen zu blockieren, malte die T\u00fcrkei f\u00fcr Malta das Schreckgespenst der angeblichen Bedrohung durch Migranten an die Wand. Malta reagierte prompt und signalisierte, dass es gegen die Finanzierung der Mission ein Veto einlegen werde.<\/p>\n\n\n\n

Verlorener Sohn<\/strong><\/h3>\n\n\n\n

Jahrelang redeten sich die Europ\u00e4er ein, dass Russland eine Art verlorener Sohn sei und dass die europ\u00e4ische unipolare Ordnung gesund bleibe. Doch das machte Europa zu einem leichten Ziel f\u00fcr die Trennungs-und-Eroberungs-Strategie des Kreml. Erst vor relativ kurzer Zeit entwarf die Union eine neue Politik und ein robustes Sanktionsregime, um die russische Aggression abzuschrecken. Und selbst jetzt \u2013 trotz der besten Bem\u00fchungen der deutschen Bundeskanzlerin Angela Merkel und des franz\u00f6sischen Pr\u00e4sidenten Emmanuel Macron \u2013 hat die EU noch immer keine wirksamen Kommunikationskan\u00e4le mit Russland geschaffen, um gemeinsame Probleme anzugehen.<\/p>\n\n\n\n

Die T\u00fcrkei ist noch kein neues Russland, aber sie k\u00f6nnte dazu werden, wenn die Situation falsch gehandhabt wird. Vorerst betrachten die meisten Europ\u00e4er die T\u00fcrkei noch immer als einen komplizierten Partner und nicht als \"Systemrivalen\". Aber die Europ\u00e4er sollten die hart erk\u00e4mpften Lehren aus dem Umgang mit Russland in den letzten 15 Jahren beherzigen. Die Beziehungen zwischen der EU und der T\u00fcrkei brauchen neue, einvernehmlich vereinbarte Prinzipien sowie klare Grenzen, um eine weitere Destabilisierung in der Region zu verhindern.<\/p>\n\n\n\n

Zu diesem Zweck sollten die Europ\u00e4er klarstellen, dass der EU-Beitrittsprozess entweder zur\u00fcckgedreht oder vorangetrieben werden kann und dass eine eher transaktionale Beziehung sowohl Zuckerbrot als auch Peitsche beinhaltet. Die Herausforderung wird darin bestehen, daf\u00fcr zu sorgen, dass es in einer Region, die nicht nur von Europa und der T\u00fcrkei, sondern auch von Russland, den USA und einem aufstrebenden China beeinflusst wird, noch Raum f\u00fcr politisches Engagement in Fragen der gemeinsamen Sicherheit gibt. (Mark Leonard, \u00dcbersetzung: Eva G\u00f6llner, Copyright: Project Syndicate, 10.8.2020)<\/p>\n\n\n\n

Mark Leonard <\/strong>ist Direktor des Europ\u00e4ischen Rats f\u00fcr Ausw\u00e4rtige Beziehungen.<\/a><\/p>\n","post_title":"Erdo\u011fan \u2013 der andere Putin vor der Haust\u00fcr Europas","post_excerpt":"","post_status":"publish","comment_status":"closed","ping_status":"closed","post_password":"","post_name":"erdogan-der-andere-putin-vor-der-haustur-europas","to_ping":"","pinged":"","post_modified":"2025-02-02 08:39:39","post_modified_gmt":"2025-02-02 08:39:39","post_content_filtered":"","post_parent":0,"guid":"https:\/\/dctransparency.com\/?p=3789","menu_order":0,"post_type":"post","post_mime_type":"","comment_count":"0","filter":"raw"},{"ID":3786,"post_author":"7","post_date":"2020-08-14 13:51:23","post_date_gmt":"2020-08-14 13:51:23","post_content":"\n

Einen Monat nachdem ich zur israelischen Armee eingezogen worden war, brach die erste Intifada aus. Statt Soldat zu sein, machte ich Polizeiarbeit, sagte den Menschen, wann sie zur Arbeit gehen konnten und wann sie ihre L\u00e4den schlie\u00dfen mussten, wann sie die Grenze passieren und wann sie schlafen konnten. Einen Monat nachdem ich aus der Armee entlassen worden war, ging ich auf Reisen. (In Israel sagen wir: Wir dienen drei Jahre und versuchen den Rest unseres Lebens, diese drei Jahre zu vergessen.) Auf meiner Reise begann ich Briefe an meine Freundin zu schreiben, die ich in Israel zur\u00fcckgelassen hatte.<\/p>\n\n\n\n

Ich schrieb ihr, wie schrecklich depressiv ich war und dass diese drei Jahre des Anweisungenbellens und Anderen-Menschen-Sagens, was sie zu tun haben, mich f\u00fcr immer verfolgen w\u00fcrden. Dass sie ein Teil dessen geworden waren, was ich bin. Ich erinnere mich, dass ich ihr schrieb, dass wir da rausm\u00fcssen \u2013 nicht nur f\u00fcr die Pal\u00e4stinenser, sondern wegen der furchtbaren und brutalen Auswirkungen, die all das auf uns, auf die israelische Gesellschaft haben w\u00fcrde. Sie schrieb zur\u00fcck: \u201eDu hast recht. Ich habe einen neuen Freund.\u201c<\/p>\n\n\n\n

Felix Klein wurde als Beauftragter der Bundesregierung berufen<\/a>, um die Auswirkungen des zunehmenden Antisemitismus in unserer Gesellschaft, in Deutschland, zu bek\u00e4mpfen. Was nicht in seiner Jobbeschreibung steht, ist, dass er dabei unsere Gesellschaft heilen muss, jene Gesellschaft, die diese Form des Hasses reproduziert und sch\u00fctzt. Klein hat das begriffen.<\/p>\n\n\n\n

Er versteht, dass man Krebs nicht mit einem Pflaster verarztet, er wei\u00df, dass er das Bewusstsein der Deutschen sch\u00e4rfen und Diskussionen ansto\u00dfen muss. Er hat begriffen, dass das Problem nicht nur an den R\u00e4ndern der Gesellschaft (bei den Rechten) liegt, sondern auch in ihrer Mitte. Dort, wo gebildete Menschen nicht einmal bemerken, dass das, was sie sagen und tun, antisemitisch ist. So wie sie es auch nicht merken, wenn sie rassistisch handeln. Er hat all das verstanden, und genau deshalb wollen einige, dass er seinen Posten r\u00e4umt.<\/p>\n\n\n\n

Mehr als 60 deutsche und israelische Intellektuelle haben letzte Woche in einem Brief an Kanzlerin Merkel<\/a> dar\u00fcber geklagt, dass der aktuelle \u201eGebrauch des Antisemitismusbegriffs\u201c darauf abziele, \u201elegitime Kritik an der israelischen Regierungspolitik zu unterdr\u00fccken\u201c, und Klein vorgeworfen, rechtspopulistische israelische Stimmen zu f\u00f6rdern.<\/p>\n\n\n\n

Faszinierend an diesem offenen Brief ist, dass viele der Unterzeichneten keine Deutschen sind und auch nicht in Deutschland leben. Ich wei\u00df nicht, woher sie \u2013 die meisten von ihnen sind Israelis \u2013 die Chuzpe haben, sich in eine innerdeutsche Angelegenheit einzumischen und zu fordern, eine Person zu entlassen, die von der Bundesregierung eingesetzt wurde. Die H\u00e4lfte der Unterzeichneten lebt nicht hier, von der anderen H\u00e4lfte sind viele keine Juden \u2013 somit sind die allermeisten von ihnen nicht direkt vom Antisemitismus in Deutschland betroffen. Wie also k\u00f6nnen sie diesen Brief unterschreiben? Und warum eigentlich haben so wenige Deutsche unterschrieben? Dazu komme ich gleich.<\/p>\n\n\n\n

Debatte um Achille Mbembe<\/h6>\n\n\n\n

Hintergrund des Briefs war, dass Felix Klein gefordert hatte, den Philosophen Achille Mbembe<\/a> nicht die Er\u00f6ffnungsrede der Ruhrtriennale halten zu lassen. Als mit \u00f6ffentlichen Mitteln gef\u00f6rdertes Event solle die Ruhrtriennale Mbembe wegen seiner Haltung zu Israels Existenzrecht, seiner Haltung zu BDS und der Art, wie er in einem seiner Werke den Holocaust relativiert, nicht einladen.<\/p>\n\n\n\n

Mbembes Unterst\u00fctzer sagen, keine dieser Anschuldigungen sei wahr. F\u00fcrs Protokoll: In meinen Augen unterst\u00fctzt Mbembe sehr wohl BDS<\/a>, er schrieb unter anderem das Vorwort zu \u201eApartheid Israel\u201c und fordert die komplette Isolation Israels. Ich glaube auch, wenn Mbembe schreibt, die israelische Besetzung sei der \u201egr\u00f6\u00dfte moralische Skandal unserer Zeit\u201c, zeigt das, dass sein moralischer und geografischer Kompass etwas schief ist.<\/p>\n\n\n\n

Doch warum treibt die Debatte so viele Menschen um? Nun, zun\u00e4chst gibt niemand gern auf, was ihm oder ihr selbstverst\u00e4ndlich scheint. \u00dcber den gesamten politischen, sozialen, kulturellen, medialen und akademischen Sektor hinweg sind Menschen daran gew\u00f6hnt, so schlecht \u00fcber Israel sprechen zu k\u00f6nnen, wie auch immer sie wollen.<\/p>\n\n\n\n

Der Spiegel<\/em> hat \u2013 vielleicht in Anlehnung an seine Relotius-Standards, Israel erst k\u00fcrzlich eine Corona-Diktatur genannt. Fakten und Belege f\u00fcr diese Behauptung gab es nicht. Doch Millionen Deutsche haben es gelesen, und es wird nat\u00fcrlich haften bleiben. Faktenlage hin oder her. Der Spiegel<\/em> und andere Medien haben dieses Spiel perfektioniert: Titel so zu drehen, dass sie Israel indirekt anklagen, die Idee zu streuen, der Mossad kon\u00adtrol\u00adliere die deutsche Au\u00dfenpolitik im Nahen Osten, und so fort. Doch sie stehen allesamt sofort auf den Hinterbeinen, wenn jemand es wagt, das Spiel beim Namen zu nennen: moderner Antisemitismus.<\/p>\n\n\n\n

Klein will dem entgegenwirken. Er versteht, dass antisemitische Attacken in Deutschland die Fr\u00fcchte solch falsch gezeichneter Bilder und eindimensionaler Narrative \u00fcber Israel sind. Wenn er und andere versuchen, ein anderes Narrativ aufzuzeigen, wirft man ihnen Zensur vor: Wie k\u00f6nnen sie es wagen, das Gesch\u00e4ft der Anti-Israel-Propaganda zu st\u00f6ren?<\/p>\n\n\n\n

Liebe Deutsche, wenn ihr reden wollt, lasst uns gern reden: \u00fcber die Besetzung, \u00fcber Bibi und alles, was schiefl\u00e4uft. Aber dann lasst uns bitte auch dar\u00fcber reden, wie deutsche Steuergelder Terrortunnel finanzieren. Erst vergangene Woche r\u00e4umte die niederl\u00e4ndische Regierung ein, dass Gelder an eine Landwirtschaftsorganisation in Ramallah geflossen seien, die damit teilweise die Geh\u00e4lter zweier des Mordes an der 17-j\u00e4hrigen Israelin Rina Shnerb Verd\u00e4chtiger gezahlt haben. Auch die Bundesregierung unterst\u00fctzt diese Organisation, obwohl Kritiker schon lange vor Verbindungen zu Terroristen warnen.<\/p>\n\n\n\n

Wir k\u00f6nnen uns also gerne unterhalten \u2013 aber im Dialog, nicht in Monologen. Denn Reden unter Menschen, die sich einig sind, ist nichts anderes als Impotenz.<\/p>\n\n\n\n

Israelkritik als Eintrittskarte<\/h6>\n\n\n\n

Die Israelis, die die Petition unterzeichnet haben, haben \u00fcbrigens ebenfalls etwas verstanden. Seit Jahren wissen sie: Es ist ihre Eintrittskarte in die Mitte der deutschen (und europ\u00e4ischen) Gesellschaft. Man h\u00f6rt nicht oft von Akademikern mit proisraelischen Ansichten. Weder in den Philharmonie-Orchestern noch in der Kunstszene. Die Eintrittskarte daf\u00fcr ist ein antiisraelischer Standpunkt.<\/p>\n\n\n\n

Der mutma\u00dfliche Grund, warum kaum Deutsche die Petition unterzeichnet haben: Sie mussten es nicht. Ihre Lieblingsjuden haben es f\u00fcr sie getan. Jetzt k\u00f6nnen sie sagen: \u201eSchau, ich bin das ja nicht, meine j\u00fcdischen Freunde sagen es.\u201c Ich selbst war einige Jahre lang mit einem Paar hier in Berlin befreundet, bis ich herausfand, dass ich ihr Lieblingsjude war. Ja, selbst das j\u00fcdische Museum wurde so genutzt.<\/p>\n\n\n\n

Weil Attacken gegen Juden ein absolutes Tabu sind, wurden Umwege gefunden, um den Antisemitismus auf kleiner Flamme k\u00f6cheln zu lassen: die unfundierte, unbegr\u00fcndete Kritik an Israel.<\/p>\n\n\n\n

Diese Art der Kritik ist gef\u00e4hrlich. Sie schw\u00e4cht jede begr\u00fcndete und notwendige Kritik am Verhalten Israels. Und das Interessante ist: Trotz all der heftigen, pauschalisierenden Anklagen, all der offenen Briefe driftet Israel politisch immer weiter nach rechts. Doch statt mal einen anderen Ansatz zu versuchen, werden die antiisraelischen Stimmen nur lauter. Dasselbe versuchen und andere Ergebnisse davon erwarten \u2013 das ist die Definition von Wahnsinn.<\/p>\n\n\n\n

Kurz bevor der Prozess gegen den wegen des Attentats von Halle<\/a> Angeklagten begann \u2013 des seit Kriegsende schlimmsten Akts von Antisemitismus in Deutschland \u2013, lud eine Lokalzeitung den fr\u00fcheren Botschafter Shimon Stein und den Historiker Moshe Zimmermann ein, dar\u00fcber zu schreiben, was Antisemitismus ist. Nat\u00fcrlich wendeten auch sie sich gegen Felix Kleins Ansatz. Sie zitieren die Kontroverse um die Umbenennung der U-Bahn-Station Mohrenstra\u00dfe in Glinkastra\u00dfe, die sich darum drehte, dass der russische Komponist Michael Glinka Antisemit gewesen sein soll. Stein und Zimmermann halten die Debatte f\u00fcr \u00fcberzogen, Glinka sei nur ein Kind seiner Zeit gewesen. Folgt man ihrer Logik, k\u00f6nnen wir dann also in 20 oder 30 Jahren U-Bahn-Stationen nach den Kindern der 1930er Jahre benennen?<\/p>\n\n\n\n

Der Antisemit als Tierfreund<\/h6>\n\n\n\n

Ich w\u00fcnschte, die Sache h\u00e4tte mit dem Artikel, mit der Petition geendet. Doch dann erschien ein Artikel, der den Leser auf einen Waldspaziergang mit einem veganen Koch und Antisemiten mitnahm. Darin setzt der Tierfreund erst behutsam einen K\u00e4fer wieder auf seine Beinchen und erkl\u00e4rt dann, dass die Todesstrafe in Deutschland wieder eingef\u00fchrt werden solle, um einen gewissen Politiker (der zuf\u00e4llig pro Israel ist) an seinen Hoden aufh\u00e4ngen zu k\u00f6nnen. Dieser Koch hat Hunderttausende Follower, er sagt all solche Dinge am helllichten Tag in Berlin. Und in den Medien.<\/p>\n\n\n\n

F\u00e4lle wie dieser handeln bereits von Gewalt \u2013 und sie enden nicht bei den Juden. Der Hass richtet sich gegen Frauen<\/a>, Muslime, Gefl\u00fcchtete, \u00adLBTQI. Am Ende aller theoretischen Debatten stehen immer echte Menschen. Am Ende jeder Konferenz dar\u00fcber, was Antisemitismus ausmacht, steht ein potenzielles j\u00fcdisches Opfer. Angesichts einer Welle von Antisemitismus \u00fcber die Definition von Antisemitismus zu streiten ist, wie eine 10 Meter hohe Welle heranrollen zu sehen und dar\u00fcber zu streiten, was einen Tsunami ausmacht.<\/p>\n\n\n\n

Felix Klein versteht, wie absurd es ist, zu sagen: Es sind nur die Rechten. Die Rechten sind Deutsche, so wie die Nazis Deutsche waren. Klein versteht, dass die Deutschen nicht aufgeh\u00f6rt haben, Juden zu ermorden, weil sie irgendeine Art von Erleuchtung hatten. Sondern schlicht, weil sie den Krieg verloren haben. Um den Antisemitismus zu bek\u00e4mpfen, bevor er die Gesellschaft frisst, in der er und wir leben, muss Deutschland seinen moralischen Kompass korrigieren.<\/p>\n\n\n\n

Immerhin: Mehr und mehr Deutsche fahren nach Israel, sie wollen ein anderes Narrativ h\u00f6ren. Mehr und mehr Deutsche verstehen, dass Antisemitismus Schockwellen ausl\u00f6st, die die gesamte Gesellschaft betreffen. In einem normalen Universum w\u00fcrde Klein bef\u00f6rdert werden f\u00fcr seine Leistung. In einer verdrehten Gesellschaft fordern Menschen seine Entlassung. Um es mit Mbembe zu sagen: Das ist Nano-Nonsens.<\/p>\n\n\n\n

\u00dcbersetzung: Ariane Lemme<\/a><\/em><\/p>\n","post_title":"Felix Klein hat verstanden","post_excerpt":"","post_status":"publish","comment_status":"closed","ping_status":"closed","post_password":"","post_name":"felix-klein-hat-verstanden","to_ping":"","pinged":"","post_modified":"2025-02-02 08:39:39","post_modified_gmt":"2025-02-02 08:39:39","post_content_filtered":"","post_parent":0,"guid":"https:\/\/dctransparency.com\/?p=3786","menu_order":0,"post_type":"post","post_mime_type":"","comment_count":"0","filter":"raw"}],"next":false,"prev":true,"total_page":47},"paged":1,"column_class":"jeg_col_2o3","class":"epic_block_3"};

\n

Es gibt jedoch Hinweise darauf, dass die Kadetten von einer chinesischen Blue Arrow 7-Rakete getroffen wurden.<\/p>\n\n\n\n

Dies wurde von einer Drohne namens Wing Loong II abgefeuert, und die Untersuchung von BBC Africa Eye und BBC Arabic Documentaries ergab auch Hinweise darauf, dass Wing Loong II-Drohnen zum Zeitpunkt des Streiks nur von einem libyschen Luftwaffenst\u00fctzpunkt aus operierten - al-Khadim - und dass die VAE die dort stationierten Drohnen geliefert und betrieben haben.<\/p>\n\n\n\n

\"\"<\/figure>\n\n\n\n

Die VAE haben zuvor die milit\u00e4rische Beteiligung in Libyen verweigert und sagen, sie unterst\u00fctzen den UN-Friedensprozess. Es antwortete nicht auf die Bitte der BBC um einen Kommentar.<\/p>\n\n\n\n

Was ist mit diesen Kadetten passiert?<\/strong><\/p>\n\n\n\n

Kurz nach 21:00 Uhr am 4. Januar 2020 f\u00fchrten rund 50 Kadetten Routine\u00fcbungen an einer Milit\u00e4rakademie im S\u00fcden von Tripolis durch.<\/p>\n\n\n\n

Ohne Vorwarnung detonierte eine Explosion in der Mitte der Gruppe und lie\u00df 26 Kadetten tot oder auf dem Exerzierplatz sterben. Viele waren noch Teenager. Keiner von ihnen war bewaffnet.

Einer der \u00dcberlebenden war der 20-j\u00e4hrige Abdul Moeen.<\/p>\n\n\n\n

Er war in der Akademie, als der Streik eintraf. \"Es war unbeschreiblich\", sagte er der BBC.<\/p>\n\n\n\n

\"Wir haben gesehen, wie unsere Kollegen starben, ihren letzten Atemzug machten und wir konnten nichts tun ... Es gab Leute, deren Oberk\u00f6rper von ihren K\u00f6rpern getrennt waren. Es war ein schreckliches Verbrechen, ein Verbrechen, das nichts mit der Menschheit zu tun hat. \"\"<\/p>\n\n\n\n

Sieben Monate nach dem Streik hat niemand die Verantwortung f\u00fcr die T\u00f6tung dieser jungen M\u00e4nner eingestanden.<\/p>\n\n\n\n

Die LNA unter Gen Khalifa Haftar bestritt, dass sie hinter dem Streik steckt, und teilte der Presse mit, dass die Explosion m\u00f6glicherweise durch eine lokal abgefeuerte M\u00f6rsergranate oder einen Angriff innerhalb der Akademie verursacht worden sei.<\/p>\n\n\n\n

Was hat die BBC gefunden?<\/strong><\/p>\n\n\n\n

Die Untersuchung ergab Hinweise darauf, dass eine viel ausgefeiltere Waffe verwendet wurde.<\/p>\n\n\n\n

\"\"<\/figure>\n\n\n\n

Die BBC betrachtete Bilder des Splitters, der nach dem Streik auf dem Exerzierplatz zur\u00fcckgelassen wurde, und kam zu dem Schluss, dass er mit den Komponenten einer Rakete namens Blue Arrow 7 \u00fcbereinstimmte.<\/p>\n\n\n\n

Unsere Analyse ergab, dass nur ein Flugzeug, das im Januar 2020 \u00fcber Tripolis operierte, diese Waffe abfeuern konnte - eine Drohne namens Wing Loong 2.<\/p>\n\n\n\n

Nur drei Wochen vor diesem Streik kamen die Vereinten Nationen zu dem Schluss, dass der Blaue Pfeil 7 \"ballistisch gepaart ist, um vom Wing Loong II geliefert zu werden ... und von keinem anderen in Libyen bisher identifizierten Luftfahrtgut\".<\/p>\n\n\n\n

Die BBC untersuchte auch, woher diese Drohne stammen k\u00f6nnte, und fand Hinweise darauf, dass Wing Loong-Drohnen zum Zeitpunkt des Angriffs nur von einem libyschen Luftwaffenst\u00fctzpunkt aus operierten: al-Khadim im von der LNA kontrollierten Ostlibyen.<\/p>\n\n\n\n

Sowohl die BBC als auch die UN haben Beweise daf\u00fcr gefunden, dass Drohnen, die von diesem Luftwaffenst\u00fctzpunkt aus operieren, zu den Vereinigten Arabischen Emiraten geh\u00f6ren.<\/p>\n\n\n\n

Im Jahr 2019 stellte die UNO fest, dass die VAE durch den Versand von Wing Loong-Drohnen und Blue Arrow 7-Raketen nach Libyen gegen das seit 2011 geltende UN-Waffenembargo gegen das Land versto\u00dfen hatten.<\/p>\n\n\n\n

Die BBC fand auch ein Waffenregister, aus dem hervorgeht, dass die VAE 2017 15 Wing Loong-Drohnen und 350 Blue Arrow 7-Raketen gekauft haben.<\/p>\n\n\n\n

Was hat die BBC noch aufgedeckt?<\/strong><\/p>\n\n\n\n

<\/p>\n\n\n\n

Die BBC-Untersuchung ergab auch neue Beweise daf\u00fcr, dass \u00c4gypten den VAE erlaubt, \u00e4gyptische Milit\u00e4rflugpl\u00e4tze nahe der libyschen Grenze zu nutzen.<\/p>\n\n\n\n

Im Februar 2020 scheinen die in Libyen stationierten Wing Loong II-Drohnen \u00fcber die Grenze nach \u00c4gypten zu einem Luftwaffenst\u00fctzpunkt in der N\u00e4he von Siwa in der west\u00e4gyptischen W\u00fcste gebracht worden zu sein.<\/p>\n\n\n\n

Satellitenbilder zeigen auch, dass ein zweiter \u00e4gyptischer Milit\u00e4rflugplatz, Sidi Barrani, als Einsatzbasis f\u00fcr Mirage 2000-Kampfflugzeuge verwendet wurde, die in Farben lackiert sind, die nicht von der \u00e4gyptischen Luftwaffe verwendet werden, aber genau den von den VAE geflogenen Jets entsprechen .<\/p>\n\n\n\n

Dies ist das gleiche Flugzeugmodell, das von den Vereinten Nationen in einen Luftangriff auf ein Migrationszentrum \u00f6stlich von Tripolis im Juli 2019 verwickelt wurde, bei dem 53 Menschen get\u00f6tet wurden.<\/p>\n\n\n\n

Ausl\u00e4ndischer Jet bei libyschem Migrantenangriff verd\u00e4chtigt<\/p>\n\n\n\n

Sidi Barrani ist auch das Ziel f\u00fcr mehrere Frachtflugzeuge, die von den Vereinigten Arabischen Emiraten gestartet sind, und schl\u00e4gt eine Luftbr\u00fccke f\u00fcr Ausr\u00fcstung oder Lieferungen zwischen den Vereinigten Arabischen Emiraten und einer Milit\u00e4rbasis vor, die nur 80 km von der libyschen Grenze entfernt liegt.<\/p>\n\n\n\n

Die \u00e4gyptische Regierung antwortete nicht auf die Bitte der BBC um Stellungnahme.<\/p>\n\n\n\n

Ist ausl\u00e4ndisches milit\u00e4risches Engagement \u00fcberraschend?<\/strong><\/p>\n\n\n\n

Sowohl die Vereinigten Arabischen Emirate als auch \u00c4gypten nahmen an einer von Bundeskanzlerin Angela Merkel im Januar dieses Jahres in Berlin einberufenen Konferenz \u00fcber Libyen teil, auf der sie ihre Unterst\u00fctzung f\u00fcr den UN-Friedensprozess bekr\u00e4ftigten und sich bereit erkl\u00e4rten, nicht in den Libyen-Krieg einzugreifen.<\/p>\n\n\n\n

Im vergangenen Jahr gab es jedoch eine Eskalation des Einsatzes von Drohnen durch beide Seiten des Konflikts.<\/p>\n\n\n\n

Ghassan Salam\u00e9, der fr\u00fchere Leiter der UN-Mission in Libyen, beschrieb dies als \"m\u00f6glicherweise das gr\u00f6\u00dfte Drohnenkriegstheater der Welt\".<\/p>\n\n\n\n

Die VAE sind nicht die einzige ausl\u00e4ndische Macht, die an diesem Konflikt beteiligt ist.<\/p>\n\n\n\n

Anfang dieses Jahres gab BBC Africa Eye bekannt, dass die T\u00fcrkei auch gegen das Waffenembargo der Vereinten Nationen gegen Libyen versto\u00dfen hat, indem sie geheime Waffenlieferungen an die von den Vereinten Nationen anerkannte Regierung in Tripolis gesendet hat.<\/p>\n\n\n\n

Mit Unterst\u00fctzung der T\u00fcrkei hat die von den Vereinten Nationen anerkannte Regierung des Nationalen Abkommens nun die LNA von Gen Haftar aus der Gegend um Tripolis zur\u00fcckgeschlagen.<\/p>\n","post_title":"BBC-Untersuchung: VAE in t\u00f6dlichen Angriff in Libyen verwickelt","post_excerpt":"","post_status":"publish","comment_status":"closed","ping_status":"closed","post_password":"","post_name":"bbc-untersuchung-vae-in-todlichen-angriff-in-libyen-verwickelt","to_ping":"","pinged":"","post_modified":"2025-02-02 08:39:39","post_modified_gmt":"2025-02-02 08:39:39","post_content_filtered":"","post_parent":0,"guid":"https:\/\/dctransparency.com\/?p=3811","menu_order":0,"post_type":"post","post_mime_type":"","comment_count":"0","filter":"raw"},{"ID":3792,"post_author":"7","post_date":"2020-08-14 13:58:48","post_date_gmt":"2020-08-14 13:58:48","post_content":"\n

Die Hagia Sophia war (ist) ein kulturelles Weltwunder und aufgeladen mit symbolischer Bedeutung, f\u00fcr die Christenheit ebenso wie f\u00fcr den Islam \u2013 und den t\u00fcrkischen Nationalismus. Als Mehmed II. sie betrat, war sie schon fast 1000 Jahre die gr\u00f6\u00dfte Kirche der christlichen Welt und das Zentrum der orthodoxen Glaubensrichtung. Die \"Ayasofya\", wie sie dann hie\u00df, war 500 Jahre lang Moschee \u2013 bis 1934, als Kemal Pascha Atat\u00fcrk, der \"Vater\" der modernen T\u00fcrkei, sie in ein Museum verwandelte, in der ausdr\u00fccklichen Absicht, auch hier mit dem osmanischen Erbe zu brechen.<\/p>\n\n\n\n

Nun wird Pr\u00e4sident Recep Tayyip Erdo\u011fan, der \"Vater\" der re-islamisierten T\u00fcrkei, am 24. Juli dieses Jahres die Ayasofya durch das Freitagsgebet wieder in den Islam eingliedern. Oder eher in seinen pers\u00f6nlichen religi\u00f6sen Nationalismus.<\/p>\n\n\n\n

Welterbe von allen<\/h3>\n\n\n\n

Wie bedeutungsschwer ist dieser Akt eines \"starken Mannes\", der innenpolitisch deutlich schw\u00e4chelt? Die Proteste vor allem aus der orthodoxen Welt, aber auch aus Europa und den USA sind eher traurig als w\u00fctend. Der Papst dr\u00fcckte seinen \"Schmerz\" aus. Auch der Jubel in der islamischen Welt fiel zun\u00e4chst weniger \u00fcbersch\u00e4umend als erwartet aus.<\/p>\n\n\n\n

Ist es der Alleingang eines Autokraten in Bedr\u00e4ngnis oder ist \"der Jubel \u00fcber die Eroberung der Hagia Sophia der Versuch einer zutiefst erniedrigten, vom Gef\u00fchl der Wertlosigkeit dominierten und in ihrer eigenen Selbstberechtigung beraubten Gesellschaft, eine Bedeutung, eine St\u00e4rke, ein Selbstwertgef\u00fchl zu finden\"? So recht pauschalierend der in Deutschland lebende pal\u00e4stinensische Intellektuelle und Psychiater Ahmad Mansour.<\/p>\n\n\n\n

Die beiden Gro\u00dfreiche, das byzantinische und das osmanische, sind l\u00e4ngst versunken.<\/p><\/blockquote>\n\n\n\n

Das eigentliche Schl\u00fcsselwort im Zusammenhang mit der Hagia Sofia ist \"Welterbe\". Das Erbe von allen. Einmal im kulturellen Sinn der Unesco, aber in Wahrheit weiter gefasst. Das einzigartige Bauwerk geh\u00f6rt in Wirklichkeit der ganzen Welt, nicht der einen oder anderen Religion. Die beiden Gro\u00dfreiche, f\u00fcr die die Hagia Sofia der zentrale spirituelle Bau war, das byzantinische und das osmanische, sind l\u00e4ngst versunken. Seither hat sie eine neue, \u00fcbernationale Dimension erhalten. Was Erdo\u011fan da jetzt mit der Hagia Sofia macht, ist eine Verengung und Verarmung eines gemeinsamen Welterbes.<\/p>\n\n\n\n

\"\"\/
Betende Muslime vor der Hagia Sophia.<\/figcaption><\/figure>\n\n\n\n

Davon abgesehen aber war und ist sie ein architektonisches Meisterwerk und geh\u00f6rt zu den bedeutendsten Bauten der Welt. Wer heute den Zentralraum unter der Kuppel betritt, kann sich nur schwer dem zugleich majest\u00e4tischen wie schwebenden Gesamteindruck entziehen. Die Hagia Sophia blieb fast 1000 Jahre die gr\u00f6\u00dfte Kirche der Christenheit. Technisch war die Kuppel (mit mehreren Halbkuppeln) eine \u00fcberaus riskante Innovation: Die 55 Meter hohe und 32 Meter im Durchmesser breite Kuppel ruht auf nur vier Tragpunkten, was den schwebenden, schwerelosen Eindruck erzeugt. Die Konstruktion folgt einem mathematischen Prinzip, das erst k\u00fcrzlich entschl\u00fcsselt wurde.<\/p>\n\n\n\n

\"Salomo, ich habe dich \u00fcbertroffen!\"<\/p><\/blockquote>\n\n\n\n

Als Kaiser Justinian die Hagia Sophia nach nur f\u00fcnf Jahren Bauzeit (532\u2013537) betrat, soll er in Anspielung auf den Tempel in Jerusalem ausgerufen haben: \"Salomo, ich habe dich \u00fcbertroffen!\" Die Innenausstattung war mit ihren S\u00e4ulen aus Porphyr und gr\u00fcnem Marmor, mit Mosaiken aus Gold und Halbedelsteinen derart prunkvoll, der Gesamteindruck derart \u00fcberirdisch, dass eine Delegation des Gro\u00dff\u00fcrsten von Kiew nicht mehr wusste, \"ob wir im Himmel oder auf der Erde\" waren \u2013 was die Christianisierung Russlands bef\u00f6rderte.<\/p>\n\n\n\n

Der deutsche Architekturlehrer Holger Kleine nennt die Hagia Sophia \"absolute Architektur\", weil sie \"extreme Ausdrucksformen nahezu aller dramaturgischen Mittel, die der Architektur zur Verf\u00fcgung stehen, vereinigt: wuchtigste K\u00f6rper und luftigste R\u00e4ume, engste Enge und gr\u00f6\u00dfte Weite, w\u00e4rmende Helligkeit und mystisches Dunkel\". Und die Kuppelbauten aus der sp\u00e4teren Hochbl\u00fcte der Moscheenarchitektur im 16. und 17. Jahrhundert gehen eindeutig auf die Hagia Sophia zur\u00fcck.<\/p>\n\n\n\n

Die Hagia Sophia war Staatskirche des byzantinischen Reichs. F\u00fcr die Eroberer der letzte Schlussstein in der Kuppel osmanisch-muslimischen Herrschaftsanspruchs. Konstantinopel war ja 1453 nur noch eine isolierte, heruntergekommene Enklave in einem osmanischen Umfeld, kein christliches Heer kam zu Hilfe. Doch vorher war es zugleich Sperrriegel nach Osten und Geistesarchiv der antiken Kultur gewesen. \"Ohne Byzanz h\u00e4tte es kein Europa gegeben\", sagt die britische Altertumsforscherin Judith Herrin.<\/p>\n\n\n\n

\"\"\/
Freigelegtes Mosaik von \"Christos Pantokrator\".<\/figcaption><\/figure>\n\n\n\n

Neue Fragen<\/h3>\n\n\n\n

Die Kirche wurde von Mehmed II. und Nachfolgern nicht in der Substanz zerst\u00f6rt, sondern \"entchristlicht\". Die urspr\u00fcnglich \u00fcbert\u00fcnchten oder auch abgeschlagenen Mosaiken mit den Darstellungen von Christus, der Muttergottes, diversen Kaisern kamen zum Teil schon unter einem Sultan des 19. Jahrhunderts, dann gro\u00dfteils nach der Museumswidmung wieder zum Vorschein.<\/p>\n\n\n\n

Jetzt stellen sich neue symbolisch-praktische Fragen. Erdo\u011fan hat die Hagia Sophia der konservativen staatlichen Religionsbeh\u00f6rde Diyanet unterstellt. Die byzantinischen Mosaike, wie der gro\u00dfartige \"Christos Pantokrator\" (\"Weltenherrscher\") oder die Jungfrau Maria in der Apsis, m\u00fcssen wohl w\u00e4hrend des islamischen Gottesdiensts verh\u00e4ngt werden. Muss der Boden mit seinen Marmorplatten und Mosaiken mit einem Teppich bedeckt werden? Erdo\u011fan sagt, Touristen seien nach wie vor zugelassen. Aber sie werden wohl hinter Absperrungen bleiben m\u00fcssen. Frauen werden \u2013 wie in der benachbarten \"Blauen Moschee\" (\"Sultanahmed\") Kopftuch tragen m\u00fcssen.<\/p>\n\n\n\n

\"\"\/
Erdo\u011fan mit Gattin in der Hagia Sophia.<\/figcaption><\/figure>\n\n\n\n

Erdo\u011fans neue Abenteuer<\/strong><\/h3>\n\n\n\n

Aber wird da nicht doch zu viel in einen Formalakt rund um ein uraltes Bauwerk hineininterpretiert? Im geschichtlichen Kontext relativiert sich manches: Konstantinopel wurde schon von Christen erobert und ausgepl\u00fcndert \u2013 1204 im Vierten Kreuzzug. In der Moschee von Cordoba (\"Mezquita\") bauten die Katholiken eine ganze Kirche in den ber\u00fchmten S\u00e4ulenwald hinein. Die Mezquita ist heute noch Kirche, kein Museum.<\/p>\n\n\n\n

\"Das ist der Beweis, dass wir kein s\u00e4kularer Staat mehr sein wollen\", sagt Nobelpreistr\u00e4ger Orhan Pamuk. Erdo\u011fan betrachtet sich offenbar als auch neoosmanischer \"Fatih\" im Mittelmeerraum mit immer neuen Abenteuern: Eingreifen in Syrien, Stellvertreterkrieg in Libyen, Anspr\u00fcche auf Erdgasvorkommen weit vor der t\u00fcrkischen K\u00fcste bei Zypern, Reden, wonach manche \u00c4g\u00e4is-Inseln eigentlich zur T\u00fcrkei geh\u00f6ren, \"denn dort stehen unsere Moscheen\". Manches davon ist nur Rhetorik, aber genug anderes ist riskante Realit\u00e4t. (Hans Rauscher, 14.7.2020)<\/p>\n\n\n\n

Quelle<\/a><\/strong><\/p>\n","post_title":"Hagia Sophia: Verengung und Verarmung eines Welterbes","post_excerpt":"","post_status":"publish","comment_status":"closed","ping_status":"closed","post_password":"","post_name":"hagia-sophia-verengung-und-verarmung-eines-welterbes","to_ping":"","pinged":"","post_modified":"2025-02-02 08:39:39","post_modified_gmt":"2025-02-02 08:39:39","post_content_filtered":"","post_parent":0,"guid":"https:\/\/dctransparency.com\/?p=3792","menu_order":0,"post_type":"post","post_mime_type":"","comment_count":"0","filter":"raw"},{"ID":3789,"post_author":"7","post_date":"2020-08-14 13:56:07","post_date_gmt":"2020-08-14 13:56:07","post_content":"\n

Im Gastkommentar pocht Mark Leonard, Direktor des Europ\u00e4ischen Rats f\u00fcr Ausw\u00e4rtige Beziehungen, auf \"neue, einvernehmlich vereinbarte Prinzipien sowie klare Grenzen\", nur so k\u00f6nne eine weitere Destabilisierung in der Region verhindert werden.<\/em><\/strong><\/p>\n\n\n\n

Ist die T\u00fcrkei das neue Russland? Diese Frage wird in den europ\u00e4ischen Hauptst\u00e4dten zunehmend gestellt, da die Au\u00dfenpolitik des t\u00fcrkischen Pr\u00e4sidenten Recep Tayyip Erdo\u011fan zunehmend aggressiver wird. Erdo\u011fan nutzt nicht nur die Migration, um die EU zu bedrohen und zu betr\u00fcgen, sondern setzt auch milit\u00e4rische Macht ein, um den Einflussbereich der T\u00fcrkei auf die gesamte Region auszudehnen.<\/p>\n\n\n\n

Seit dem Ende des Kalten Krieges haben die Europ\u00e4er die regionale Sicherheit durch eine unipolare westliche Linse betrachtet. W\u00e4hrend die Nato die milit\u00e4rische Sicherheit garantierte, sorgte die EU mit ihrem 80.000 Seiten starken Regelwerk f\u00fcr alles von LGBTQ-Rechten bis hin zu Rasenm\u00e4her-Sound-Verordnungen f\u00fcr Rechtsordnung. In den 90er-Jahren ging man allgemein davon aus, dass die beiden gro\u00dfen nichtwestlichen regionalen Akteure, Russland und die T\u00fcrkei, nach und nach an diese Regelungen herangef\u00fchrt werden w\u00fcrden.<\/p>\n\n\n\n

Qu\u00e4lende Hassliebe<\/h3>\n\n\n\n

Doch in den letzten 15 Jahren ist der Traum von der europ\u00e4ischen Unipolarit\u00e4t einer multipolaren Realit\u00e4t gewichen. Sowohl Russland als auch die T\u00fcrkei haben eine lange, qu\u00e4lende Hassliebe zu Europa, und beide sind unter nationalen Machthabern, denen die Verachtung der Normen und Werte der EU gemeinsam ist, durchsetzungsf\u00e4higer geworden.<\/p>\n\n\n\n

Die zunehmende Verschlechterung der Beziehungen zwischen der EU und Russland ist gut dokumentiert, der Fall der T\u00fcrkei weniger. Der Irakkrieg im Jahr 2003 komplizierte das Verh\u00e4ltnis der T\u00fcrkei zur Nato, und ihr Verh\u00e4ltnis zur EU verschlechterte sich 2007, als Frankreich einen wichtigen Teil ihrer EU-Beitrittsverhandlungen blockierte. Seitdem hat die T\u00fcrkei ihren eigenen Weg in Syrien, auf dem Balkan und in Libyen eingeschlagen und neue Beziehungen zu Russland und China aufgebaut.<\/p>\n\n\n\n

Wichtiger Akteur<\/strong><\/h3>\n\n\n\n

Nat\u00fcrlich sind die Beziehungen zwischen der T\u00fcrkei und Russland nicht weniger kompliziert, nicht zuletzt weil Erdo\u011fan und der russische Pr\u00e4sident Wladimir Putin im syrischen B\u00fcrgerkrieg verschiedene Seiten unterst\u00fctzten.Und w\u00e4hrend die Spannungen wegen des Syrien-Konflikts weiterhin bestehen, bewundert Erdo\u011fan deutlich, wie Russland sich \u2013 bei relativ geringen Kosten \u2013 wieder als wichtiger Akteur im Nahen Osten und in Nordafrika etabliert hat.<\/p>\n\n\n\n

Nachdem er in einen nicht zu gewinnenden Krieg im Osten der Ukraine verwickelt war, schien Putins weitgehend erfolgreicher Feldzug in Syrien einen Teil seiner innenpolitischen Autorit\u00e4t wiederherzustellen. Der Westen hatte f\u00fcnf Jahre lang darauf bestanden, dass es keine milit\u00e4rische L\u00f6sung des Konflikts gebe und dass der syrische Pr\u00e4sident Baschar al-Assad gehen m\u00fcsse. Doch w\u00e4hrend die von den Vereinten Nationen unterst\u00fctzten Gespr\u00e4che in Genf zu keinem Ergebnis f\u00fchrten, schienen die von Russland geleiteten Gespr\u00e4che in Astana voranzukommen. Indem der Kreml die T\u00fcrkei und den Iran einbezog, w\u00e4hrend er die westlichen M\u00e4chte ausschloss, erweckte er den Eindruck, dass Russland als wiedergeborene Supermacht aus der Asche auferstanden sei.<\/p>\n\n\n\n

Unter Druck<\/h3>\n\n\n\n

Angesichts des wachsenden Widerstands im eigenen Land macht es Erdo\u011fan Putin gleich. Da der Westen nicht bereit war, (erneut) milit\u00e4risch in Libyen zu intervenieren, sah Erdo\u011fan eine Gelegenheit, die T\u00fcrkei zu positionieren. Nach dem Vorgehen Russlands in Syrien sicherte er sich eine formelle Einladung der libyschen Regierung zur Intervention. Mit einem Schlag Ende letzten Jahres hat er nicht nur das Image der T\u00fcrkei als Regionalmacht gest\u00e4rkt, sondern auch ein Abkommen mit Libyen \u00fcber die Seegrenze abgeschlossen und damit einen Plan Griechenlands, Zyperns, \u00c4gyptens und Israels zur Erschlie\u00dfung von Unterwasser\u00f6l- und -gasfeldern in der N\u00e4he zunichtegemacht.<\/p>\n\n\n\n

Erdo\u011fan scheint auch von der Spalt-und-Eroberungs-Strategie des Kreml in Europa inspiriert worden zu sein, der zufolge oft diejenigen EU-Mitgliedsstaaten unter Druck gesetzt werden, die am meisten von russischen Kohlenwasserstoffen oder M\u00e4rkten abh\u00e4ngig sind. So wie Putin lange Zeit die Energieversorgung instrumentalisiert hat, hat Erdo\u011fan versucht, den Strom von Migranten und Fl\u00fcchtlingen, die vor Konflikten im Nahen Osten fliehen, zu instrumentalisieren. Als die EU eine neue Marinemission ank\u00fcndigte, um den Waffenstrom nach Libyen zu blockieren, malte die T\u00fcrkei f\u00fcr Malta das Schreckgespenst der angeblichen Bedrohung durch Migranten an die Wand. Malta reagierte prompt und signalisierte, dass es gegen die Finanzierung der Mission ein Veto einlegen werde.<\/p>\n\n\n\n

Verlorener Sohn<\/strong><\/h3>\n\n\n\n

Jahrelang redeten sich die Europ\u00e4er ein, dass Russland eine Art verlorener Sohn sei und dass die europ\u00e4ische unipolare Ordnung gesund bleibe. Doch das machte Europa zu einem leichten Ziel f\u00fcr die Trennungs-und-Eroberungs-Strategie des Kreml. Erst vor relativ kurzer Zeit entwarf die Union eine neue Politik und ein robustes Sanktionsregime, um die russische Aggression abzuschrecken. Und selbst jetzt \u2013 trotz der besten Bem\u00fchungen der deutschen Bundeskanzlerin Angela Merkel und des franz\u00f6sischen Pr\u00e4sidenten Emmanuel Macron \u2013 hat die EU noch immer keine wirksamen Kommunikationskan\u00e4le mit Russland geschaffen, um gemeinsame Probleme anzugehen.<\/p>\n\n\n\n

Die T\u00fcrkei ist noch kein neues Russland, aber sie k\u00f6nnte dazu werden, wenn die Situation falsch gehandhabt wird. Vorerst betrachten die meisten Europ\u00e4er die T\u00fcrkei noch immer als einen komplizierten Partner und nicht als \"Systemrivalen\". Aber die Europ\u00e4er sollten die hart erk\u00e4mpften Lehren aus dem Umgang mit Russland in den letzten 15 Jahren beherzigen. Die Beziehungen zwischen der EU und der T\u00fcrkei brauchen neue, einvernehmlich vereinbarte Prinzipien sowie klare Grenzen, um eine weitere Destabilisierung in der Region zu verhindern.<\/p>\n\n\n\n

Zu diesem Zweck sollten die Europ\u00e4er klarstellen, dass der EU-Beitrittsprozess entweder zur\u00fcckgedreht oder vorangetrieben werden kann und dass eine eher transaktionale Beziehung sowohl Zuckerbrot als auch Peitsche beinhaltet. Die Herausforderung wird darin bestehen, daf\u00fcr zu sorgen, dass es in einer Region, die nicht nur von Europa und der T\u00fcrkei, sondern auch von Russland, den USA und einem aufstrebenden China beeinflusst wird, noch Raum f\u00fcr politisches Engagement in Fragen der gemeinsamen Sicherheit gibt. (Mark Leonard, \u00dcbersetzung: Eva G\u00f6llner, Copyright: Project Syndicate, 10.8.2020)<\/p>\n\n\n\n

Mark Leonard <\/strong>ist Direktor des Europ\u00e4ischen Rats f\u00fcr Ausw\u00e4rtige Beziehungen.<\/a><\/p>\n","post_title":"Erdo\u011fan \u2013 der andere Putin vor der Haust\u00fcr Europas","post_excerpt":"","post_status":"publish","comment_status":"closed","ping_status":"closed","post_password":"","post_name":"erdogan-der-andere-putin-vor-der-haustur-europas","to_ping":"","pinged":"","post_modified":"2025-02-02 08:39:39","post_modified_gmt":"2025-02-02 08:39:39","post_content_filtered":"","post_parent":0,"guid":"https:\/\/dctransparency.com\/?p=3789","menu_order":0,"post_type":"post","post_mime_type":"","comment_count":"0","filter":"raw"},{"ID":3786,"post_author":"7","post_date":"2020-08-14 13:51:23","post_date_gmt":"2020-08-14 13:51:23","post_content":"\n

Einen Monat nachdem ich zur israelischen Armee eingezogen worden war, brach die erste Intifada aus. Statt Soldat zu sein, machte ich Polizeiarbeit, sagte den Menschen, wann sie zur Arbeit gehen konnten und wann sie ihre L\u00e4den schlie\u00dfen mussten, wann sie die Grenze passieren und wann sie schlafen konnten. Einen Monat nachdem ich aus der Armee entlassen worden war, ging ich auf Reisen. (In Israel sagen wir: Wir dienen drei Jahre und versuchen den Rest unseres Lebens, diese drei Jahre zu vergessen.) Auf meiner Reise begann ich Briefe an meine Freundin zu schreiben, die ich in Israel zur\u00fcckgelassen hatte.<\/p>\n\n\n\n

Ich schrieb ihr, wie schrecklich depressiv ich war und dass diese drei Jahre des Anweisungenbellens und Anderen-Menschen-Sagens, was sie zu tun haben, mich f\u00fcr immer verfolgen w\u00fcrden. Dass sie ein Teil dessen geworden waren, was ich bin. Ich erinnere mich, dass ich ihr schrieb, dass wir da rausm\u00fcssen \u2013 nicht nur f\u00fcr die Pal\u00e4stinenser, sondern wegen der furchtbaren und brutalen Auswirkungen, die all das auf uns, auf die israelische Gesellschaft haben w\u00fcrde. Sie schrieb zur\u00fcck: \u201eDu hast recht. Ich habe einen neuen Freund.\u201c<\/p>\n\n\n\n

Felix Klein wurde als Beauftragter der Bundesregierung berufen<\/a>, um die Auswirkungen des zunehmenden Antisemitismus in unserer Gesellschaft, in Deutschland, zu bek\u00e4mpfen. Was nicht in seiner Jobbeschreibung steht, ist, dass er dabei unsere Gesellschaft heilen muss, jene Gesellschaft, die diese Form des Hasses reproduziert und sch\u00fctzt. Klein hat das begriffen.<\/p>\n\n\n\n

Er versteht, dass man Krebs nicht mit einem Pflaster verarztet, er wei\u00df, dass er das Bewusstsein der Deutschen sch\u00e4rfen und Diskussionen ansto\u00dfen muss. Er hat begriffen, dass das Problem nicht nur an den R\u00e4ndern der Gesellschaft (bei den Rechten) liegt, sondern auch in ihrer Mitte. Dort, wo gebildete Menschen nicht einmal bemerken, dass das, was sie sagen und tun, antisemitisch ist. So wie sie es auch nicht merken, wenn sie rassistisch handeln. Er hat all das verstanden, und genau deshalb wollen einige, dass er seinen Posten r\u00e4umt.<\/p>\n\n\n\n

Mehr als 60 deutsche und israelische Intellektuelle haben letzte Woche in einem Brief an Kanzlerin Merkel<\/a> dar\u00fcber geklagt, dass der aktuelle \u201eGebrauch des Antisemitismusbegriffs\u201c darauf abziele, \u201elegitime Kritik an der israelischen Regierungspolitik zu unterdr\u00fccken\u201c, und Klein vorgeworfen, rechtspopulistische israelische Stimmen zu f\u00f6rdern.<\/p>\n\n\n\n

Faszinierend an diesem offenen Brief ist, dass viele der Unterzeichneten keine Deutschen sind und auch nicht in Deutschland leben. Ich wei\u00df nicht, woher sie \u2013 die meisten von ihnen sind Israelis \u2013 die Chuzpe haben, sich in eine innerdeutsche Angelegenheit einzumischen und zu fordern, eine Person zu entlassen, die von der Bundesregierung eingesetzt wurde. Die H\u00e4lfte der Unterzeichneten lebt nicht hier, von der anderen H\u00e4lfte sind viele keine Juden \u2013 somit sind die allermeisten von ihnen nicht direkt vom Antisemitismus in Deutschland betroffen. Wie also k\u00f6nnen sie diesen Brief unterschreiben? Und warum eigentlich haben so wenige Deutsche unterschrieben? Dazu komme ich gleich.<\/p>\n\n\n\n

Debatte um Achille Mbembe<\/h6>\n\n\n\n

Hintergrund des Briefs war, dass Felix Klein gefordert hatte, den Philosophen Achille Mbembe<\/a> nicht die Er\u00f6ffnungsrede der Ruhrtriennale halten zu lassen. Als mit \u00f6ffentlichen Mitteln gef\u00f6rdertes Event solle die Ruhrtriennale Mbembe wegen seiner Haltung zu Israels Existenzrecht, seiner Haltung zu BDS und der Art, wie er in einem seiner Werke den Holocaust relativiert, nicht einladen.<\/p>\n\n\n\n

Mbembes Unterst\u00fctzer sagen, keine dieser Anschuldigungen sei wahr. F\u00fcrs Protokoll: In meinen Augen unterst\u00fctzt Mbembe sehr wohl BDS<\/a>, er schrieb unter anderem das Vorwort zu \u201eApartheid Israel\u201c und fordert die komplette Isolation Israels. Ich glaube auch, wenn Mbembe schreibt, die israelische Besetzung sei der \u201egr\u00f6\u00dfte moralische Skandal unserer Zeit\u201c, zeigt das, dass sein moralischer und geografischer Kompass etwas schief ist.<\/p>\n\n\n\n

Doch warum treibt die Debatte so viele Menschen um? Nun, zun\u00e4chst gibt niemand gern auf, was ihm oder ihr selbstverst\u00e4ndlich scheint. \u00dcber den gesamten politischen, sozialen, kulturellen, medialen und akademischen Sektor hinweg sind Menschen daran gew\u00f6hnt, so schlecht \u00fcber Israel sprechen zu k\u00f6nnen, wie auch immer sie wollen.<\/p>\n\n\n\n

Der Spiegel<\/em> hat \u2013 vielleicht in Anlehnung an seine Relotius-Standards, Israel erst k\u00fcrzlich eine Corona-Diktatur genannt. Fakten und Belege f\u00fcr diese Behauptung gab es nicht. Doch Millionen Deutsche haben es gelesen, und es wird nat\u00fcrlich haften bleiben. Faktenlage hin oder her. Der Spiegel<\/em> und andere Medien haben dieses Spiel perfektioniert: Titel so zu drehen, dass sie Israel indirekt anklagen, die Idee zu streuen, der Mossad kon\u00adtrol\u00adliere die deutsche Au\u00dfenpolitik im Nahen Osten, und so fort. Doch sie stehen allesamt sofort auf den Hinterbeinen, wenn jemand es wagt, das Spiel beim Namen zu nennen: moderner Antisemitismus.<\/p>\n\n\n\n

Klein will dem entgegenwirken. Er versteht, dass antisemitische Attacken in Deutschland die Fr\u00fcchte solch falsch gezeichneter Bilder und eindimensionaler Narrative \u00fcber Israel sind. Wenn er und andere versuchen, ein anderes Narrativ aufzuzeigen, wirft man ihnen Zensur vor: Wie k\u00f6nnen sie es wagen, das Gesch\u00e4ft der Anti-Israel-Propaganda zu st\u00f6ren?<\/p>\n\n\n\n

Liebe Deutsche, wenn ihr reden wollt, lasst uns gern reden: \u00fcber die Besetzung, \u00fcber Bibi und alles, was schiefl\u00e4uft. Aber dann lasst uns bitte auch dar\u00fcber reden, wie deutsche Steuergelder Terrortunnel finanzieren. Erst vergangene Woche r\u00e4umte die niederl\u00e4ndische Regierung ein, dass Gelder an eine Landwirtschaftsorganisation in Ramallah geflossen seien, die damit teilweise die Geh\u00e4lter zweier des Mordes an der 17-j\u00e4hrigen Israelin Rina Shnerb Verd\u00e4chtiger gezahlt haben. Auch die Bundesregierung unterst\u00fctzt diese Organisation, obwohl Kritiker schon lange vor Verbindungen zu Terroristen warnen.<\/p>\n\n\n\n

Wir k\u00f6nnen uns also gerne unterhalten \u2013 aber im Dialog, nicht in Monologen. Denn Reden unter Menschen, die sich einig sind, ist nichts anderes als Impotenz.<\/p>\n\n\n\n

Israelkritik als Eintrittskarte<\/h6>\n\n\n\n

Die Israelis, die die Petition unterzeichnet haben, haben \u00fcbrigens ebenfalls etwas verstanden. Seit Jahren wissen sie: Es ist ihre Eintrittskarte in die Mitte der deutschen (und europ\u00e4ischen) Gesellschaft. Man h\u00f6rt nicht oft von Akademikern mit proisraelischen Ansichten. Weder in den Philharmonie-Orchestern noch in der Kunstszene. Die Eintrittskarte daf\u00fcr ist ein antiisraelischer Standpunkt.<\/p>\n\n\n\n

Der mutma\u00dfliche Grund, warum kaum Deutsche die Petition unterzeichnet haben: Sie mussten es nicht. Ihre Lieblingsjuden haben es f\u00fcr sie getan. Jetzt k\u00f6nnen sie sagen: \u201eSchau, ich bin das ja nicht, meine j\u00fcdischen Freunde sagen es.\u201c Ich selbst war einige Jahre lang mit einem Paar hier in Berlin befreundet, bis ich herausfand, dass ich ihr Lieblingsjude war. Ja, selbst das j\u00fcdische Museum wurde so genutzt.<\/p>\n\n\n\n

Weil Attacken gegen Juden ein absolutes Tabu sind, wurden Umwege gefunden, um den Antisemitismus auf kleiner Flamme k\u00f6cheln zu lassen: die unfundierte, unbegr\u00fcndete Kritik an Israel.<\/p>\n\n\n\n

Diese Art der Kritik ist gef\u00e4hrlich. Sie schw\u00e4cht jede begr\u00fcndete und notwendige Kritik am Verhalten Israels. Und das Interessante ist: Trotz all der heftigen, pauschalisierenden Anklagen, all der offenen Briefe driftet Israel politisch immer weiter nach rechts. Doch statt mal einen anderen Ansatz zu versuchen, werden die antiisraelischen Stimmen nur lauter. Dasselbe versuchen und andere Ergebnisse davon erwarten \u2013 das ist die Definition von Wahnsinn.<\/p>\n\n\n\n

Kurz bevor der Prozess gegen den wegen des Attentats von Halle<\/a> Angeklagten begann \u2013 des seit Kriegsende schlimmsten Akts von Antisemitismus in Deutschland \u2013, lud eine Lokalzeitung den fr\u00fcheren Botschafter Shimon Stein und den Historiker Moshe Zimmermann ein, dar\u00fcber zu schreiben, was Antisemitismus ist. Nat\u00fcrlich wendeten auch sie sich gegen Felix Kleins Ansatz. Sie zitieren die Kontroverse um die Umbenennung der U-Bahn-Station Mohrenstra\u00dfe in Glinkastra\u00dfe, die sich darum drehte, dass der russische Komponist Michael Glinka Antisemit gewesen sein soll. Stein und Zimmermann halten die Debatte f\u00fcr \u00fcberzogen, Glinka sei nur ein Kind seiner Zeit gewesen. Folgt man ihrer Logik, k\u00f6nnen wir dann also in 20 oder 30 Jahren U-Bahn-Stationen nach den Kindern der 1930er Jahre benennen?<\/p>\n\n\n\n

Der Antisemit als Tierfreund<\/h6>\n\n\n\n

Ich w\u00fcnschte, die Sache h\u00e4tte mit dem Artikel, mit der Petition geendet. Doch dann erschien ein Artikel, der den Leser auf einen Waldspaziergang mit einem veganen Koch und Antisemiten mitnahm. Darin setzt der Tierfreund erst behutsam einen K\u00e4fer wieder auf seine Beinchen und erkl\u00e4rt dann, dass die Todesstrafe in Deutschland wieder eingef\u00fchrt werden solle, um einen gewissen Politiker (der zuf\u00e4llig pro Israel ist) an seinen Hoden aufh\u00e4ngen zu k\u00f6nnen. Dieser Koch hat Hunderttausende Follower, er sagt all solche Dinge am helllichten Tag in Berlin. Und in den Medien.<\/p>\n\n\n\n

F\u00e4lle wie dieser handeln bereits von Gewalt \u2013 und sie enden nicht bei den Juden. Der Hass richtet sich gegen Frauen<\/a>, Muslime, Gefl\u00fcchtete, \u00adLBTQI. Am Ende aller theoretischen Debatten stehen immer echte Menschen. Am Ende jeder Konferenz dar\u00fcber, was Antisemitismus ausmacht, steht ein potenzielles j\u00fcdisches Opfer. Angesichts einer Welle von Antisemitismus \u00fcber die Definition von Antisemitismus zu streiten ist, wie eine 10 Meter hohe Welle heranrollen zu sehen und dar\u00fcber zu streiten, was einen Tsunami ausmacht.<\/p>\n\n\n\n

Felix Klein versteht, wie absurd es ist, zu sagen: Es sind nur die Rechten. Die Rechten sind Deutsche, so wie die Nazis Deutsche waren. Klein versteht, dass die Deutschen nicht aufgeh\u00f6rt haben, Juden zu ermorden, weil sie irgendeine Art von Erleuchtung hatten. Sondern schlicht, weil sie den Krieg verloren haben. Um den Antisemitismus zu bek\u00e4mpfen, bevor er die Gesellschaft frisst, in der er und wir leben, muss Deutschland seinen moralischen Kompass korrigieren.<\/p>\n\n\n\n

Immerhin: Mehr und mehr Deutsche fahren nach Israel, sie wollen ein anderes Narrativ h\u00f6ren. Mehr und mehr Deutsche verstehen, dass Antisemitismus Schockwellen ausl\u00f6st, die die gesamte Gesellschaft betreffen. In einem normalen Universum w\u00fcrde Klein bef\u00f6rdert werden f\u00fcr seine Leistung. In einer verdrehten Gesellschaft fordern Menschen seine Entlassung. Um es mit Mbembe zu sagen: Das ist Nano-Nonsens.<\/p>\n\n\n\n

\u00dcbersetzung: Ariane Lemme<\/a><\/em><\/p>\n","post_title":"Felix Klein hat verstanden","post_excerpt":"","post_status":"publish","comment_status":"closed","ping_status":"closed","post_password":"","post_name":"felix-klein-hat-verstanden","to_ping":"","pinged":"","post_modified":"2025-02-02 08:39:39","post_modified_gmt":"2025-02-02 08:39:39","post_content_filtered":"","post_parent":0,"guid":"https:\/\/dctransparency.com\/?p=3786","menu_order":0,"post_type":"post","post_mime_type":"","comment_count":"0","filter":"raw"}],"next":false,"prev":true,"total_page":47},"paged":1,"column_class":"jeg_col_2o3","class":"epic_block_3"};

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Es hat die Verantwortung f\u00fcr den Angriff abgelehnt und vermutet, dass die Kadetten durch Beschuss vor Ort get\u00f6tet wurden.<\/p>\n\n\n\n

Es gibt jedoch Hinweise darauf, dass die Kadetten von einer chinesischen Blue Arrow 7-Rakete getroffen wurden.<\/p>\n\n\n\n

Dies wurde von einer Drohne namens Wing Loong II abgefeuert, und die Untersuchung von BBC Africa Eye und BBC Arabic Documentaries ergab auch Hinweise darauf, dass Wing Loong II-Drohnen zum Zeitpunkt des Streiks nur von einem libyschen Luftwaffenst\u00fctzpunkt aus operierten - al-Khadim - und dass die VAE die dort stationierten Drohnen geliefert und betrieben haben.<\/p>\n\n\n\n

\"\"<\/figure>\n\n\n\n

Die VAE haben zuvor die milit\u00e4rische Beteiligung in Libyen verweigert und sagen, sie unterst\u00fctzen den UN-Friedensprozess. Es antwortete nicht auf die Bitte der BBC um einen Kommentar.<\/p>\n\n\n\n

Was ist mit diesen Kadetten passiert?<\/strong><\/p>\n\n\n\n

Kurz nach 21:00 Uhr am 4. Januar 2020 f\u00fchrten rund 50 Kadetten Routine\u00fcbungen an einer Milit\u00e4rakademie im S\u00fcden von Tripolis durch.<\/p>\n\n\n\n

Ohne Vorwarnung detonierte eine Explosion in der Mitte der Gruppe und lie\u00df 26 Kadetten tot oder auf dem Exerzierplatz sterben. Viele waren noch Teenager. Keiner von ihnen war bewaffnet.

Einer der \u00dcberlebenden war der 20-j\u00e4hrige Abdul Moeen.<\/p>\n\n\n\n

Er war in der Akademie, als der Streik eintraf. \"Es war unbeschreiblich\", sagte er der BBC.<\/p>\n\n\n\n

\"Wir haben gesehen, wie unsere Kollegen starben, ihren letzten Atemzug machten und wir konnten nichts tun ... Es gab Leute, deren Oberk\u00f6rper von ihren K\u00f6rpern getrennt waren. Es war ein schreckliches Verbrechen, ein Verbrechen, das nichts mit der Menschheit zu tun hat. \"\"<\/p>\n\n\n\n

Sieben Monate nach dem Streik hat niemand die Verantwortung f\u00fcr die T\u00f6tung dieser jungen M\u00e4nner eingestanden.<\/p>\n\n\n\n

Die LNA unter Gen Khalifa Haftar bestritt, dass sie hinter dem Streik steckt, und teilte der Presse mit, dass die Explosion m\u00f6glicherweise durch eine lokal abgefeuerte M\u00f6rsergranate oder einen Angriff innerhalb der Akademie verursacht worden sei.<\/p>\n\n\n\n

Was hat die BBC gefunden?<\/strong><\/p>\n\n\n\n

Die Untersuchung ergab Hinweise darauf, dass eine viel ausgefeiltere Waffe verwendet wurde.<\/p>\n\n\n\n

\"\"<\/figure>\n\n\n\n

Die BBC betrachtete Bilder des Splitters, der nach dem Streik auf dem Exerzierplatz zur\u00fcckgelassen wurde, und kam zu dem Schluss, dass er mit den Komponenten einer Rakete namens Blue Arrow 7 \u00fcbereinstimmte.<\/p>\n\n\n\n

Unsere Analyse ergab, dass nur ein Flugzeug, das im Januar 2020 \u00fcber Tripolis operierte, diese Waffe abfeuern konnte - eine Drohne namens Wing Loong 2.<\/p>\n\n\n\n

Nur drei Wochen vor diesem Streik kamen die Vereinten Nationen zu dem Schluss, dass der Blaue Pfeil 7 \"ballistisch gepaart ist, um vom Wing Loong II geliefert zu werden ... und von keinem anderen in Libyen bisher identifizierten Luftfahrtgut\".<\/p>\n\n\n\n

Die BBC untersuchte auch, woher diese Drohne stammen k\u00f6nnte, und fand Hinweise darauf, dass Wing Loong-Drohnen zum Zeitpunkt des Angriffs nur von einem libyschen Luftwaffenst\u00fctzpunkt aus operierten: al-Khadim im von der LNA kontrollierten Ostlibyen.<\/p>\n\n\n\n

Sowohl die BBC als auch die UN haben Beweise daf\u00fcr gefunden, dass Drohnen, die von diesem Luftwaffenst\u00fctzpunkt aus operieren, zu den Vereinigten Arabischen Emiraten geh\u00f6ren.<\/p>\n\n\n\n

Im Jahr 2019 stellte die UNO fest, dass die VAE durch den Versand von Wing Loong-Drohnen und Blue Arrow 7-Raketen nach Libyen gegen das seit 2011 geltende UN-Waffenembargo gegen das Land versto\u00dfen hatten.<\/p>\n\n\n\n

Die BBC fand auch ein Waffenregister, aus dem hervorgeht, dass die VAE 2017 15 Wing Loong-Drohnen und 350 Blue Arrow 7-Raketen gekauft haben.<\/p>\n\n\n\n

Was hat die BBC noch aufgedeckt?<\/strong><\/p>\n\n\n\n

<\/p>\n\n\n\n

Die BBC-Untersuchung ergab auch neue Beweise daf\u00fcr, dass \u00c4gypten den VAE erlaubt, \u00e4gyptische Milit\u00e4rflugpl\u00e4tze nahe der libyschen Grenze zu nutzen.<\/p>\n\n\n\n

Im Februar 2020 scheinen die in Libyen stationierten Wing Loong II-Drohnen \u00fcber die Grenze nach \u00c4gypten zu einem Luftwaffenst\u00fctzpunkt in der N\u00e4he von Siwa in der west\u00e4gyptischen W\u00fcste gebracht worden zu sein.<\/p>\n\n\n\n

Satellitenbilder zeigen auch, dass ein zweiter \u00e4gyptischer Milit\u00e4rflugplatz, Sidi Barrani, als Einsatzbasis f\u00fcr Mirage 2000-Kampfflugzeuge verwendet wurde, die in Farben lackiert sind, die nicht von der \u00e4gyptischen Luftwaffe verwendet werden, aber genau den von den VAE geflogenen Jets entsprechen .<\/p>\n\n\n\n

Dies ist das gleiche Flugzeugmodell, das von den Vereinten Nationen in einen Luftangriff auf ein Migrationszentrum \u00f6stlich von Tripolis im Juli 2019 verwickelt wurde, bei dem 53 Menschen get\u00f6tet wurden.<\/p>\n\n\n\n

Ausl\u00e4ndischer Jet bei libyschem Migrantenangriff verd\u00e4chtigt<\/p>\n\n\n\n

Sidi Barrani ist auch das Ziel f\u00fcr mehrere Frachtflugzeuge, die von den Vereinigten Arabischen Emiraten gestartet sind, und schl\u00e4gt eine Luftbr\u00fccke f\u00fcr Ausr\u00fcstung oder Lieferungen zwischen den Vereinigten Arabischen Emiraten und einer Milit\u00e4rbasis vor, die nur 80 km von der libyschen Grenze entfernt liegt.<\/p>\n\n\n\n

Die \u00e4gyptische Regierung antwortete nicht auf die Bitte der BBC um Stellungnahme.<\/p>\n\n\n\n

Ist ausl\u00e4ndisches milit\u00e4risches Engagement \u00fcberraschend?<\/strong><\/p>\n\n\n\n

Sowohl die Vereinigten Arabischen Emirate als auch \u00c4gypten nahmen an einer von Bundeskanzlerin Angela Merkel im Januar dieses Jahres in Berlin einberufenen Konferenz \u00fcber Libyen teil, auf der sie ihre Unterst\u00fctzung f\u00fcr den UN-Friedensprozess bekr\u00e4ftigten und sich bereit erkl\u00e4rten, nicht in den Libyen-Krieg einzugreifen.<\/p>\n\n\n\n

Im vergangenen Jahr gab es jedoch eine Eskalation des Einsatzes von Drohnen durch beide Seiten des Konflikts.<\/p>\n\n\n\n

Ghassan Salam\u00e9, der fr\u00fchere Leiter der UN-Mission in Libyen, beschrieb dies als \"m\u00f6glicherweise das gr\u00f6\u00dfte Drohnenkriegstheater der Welt\".<\/p>\n\n\n\n

Die VAE sind nicht die einzige ausl\u00e4ndische Macht, die an diesem Konflikt beteiligt ist.<\/p>\n\n\n\n

Anfang dieses Jahres gab BBC Africa Eye bekannt, dass die T\u00fcrkei auch gegen das Waffenembargo der Vereinten Nationen gegen Libyen versto\u00dfen hat, indem sie geheime Waffenlieferungen an die von den Vereinten Nationen anerkannte Regierung in Tripolis gesendet hat.<\/p>\n\n\n\n

Mit Unterst\u00fctzung der T\u00fcrkei hat die von den Vereinten Nationen anerkannte Regierung des Nationalen Abkommens nun die LNA von Gen Haftar aus der Gegend um Tripolis zur\u00fcckgeschlagen.<\/p>\n","post_title":"BBC-Untersuchung: VAE in t\u00f6dlichen Angriff in Libyen verwickelt","post_excerpt":"","post_status":"publish","comment_status":"closed","ping_status":"closed","post_password":"","post_name":"bbc-untersuchung-vae-in-todlichen-angriff-in-libyen-verwickelt","to_ping":"","pinged":"","post_modified":"2025-02-02 08:39:39","post_modified_gmt":"2025-02-02 08:39:39","post_content_filtered":"","post_parent":0,"guid":"https:\/\/dctransparency.com\/?p=3811","menu_order":0,"post_type":"post","post_mime_type":"","comment_count":"0","filter":"raw"},{"ID":3792,"post_author":"7","post_date":"2020-08-14 13:58:48","post_date_gmt":"2020-08-14 13:58:48","post_content":"\n

Die Hagia Sophia war (ist) ein kulturelles Weltwunder und aufgeladen mit symbolischer Bedeutung, f\u00fcr die Christenheit ebenso wie f\u00fcr den Islam \u2013 und den t\u00fcrkischen Nationalismus. Als Mehmed II. sie betrat, war sie schon fast 1000 Jahre die gr\u00f6\u00dfte Kirche der christlichen Welt und das Zentrum der orthodoxen Glaubensrichtung. Die \"Ayasofya\", wie sie dann hie\u00df, war 500 Jahre lang Moschee \u2013 bis 1934, als Kemal Pascha Atat\u00fcrk, der \"Vater\" der modernen T\u00fcrkei, sie in ein Museum verwandelte, in der ausdr\u00fccklichen Absicht, auch hier mit dem osmanischen Erbe zu brechen.<\/p>\n\n\n\n

Nun wird Pr\u00e4sident Recep Tayyip Erdo\u011fan, der \"Vater\" der re-islamisierten T\u00fcrkei, am 24. Juli dieses Jahres die Ayasofya durch das Freitagsgebet wieder in den Islam eingliedern. Oder eher in seinen pers\u00f6nlichen religi\u00f6sen Nationalismus.<\/p>\n\n\n\n

Welterbe von allen<\/h3>\n\n\n\n

Wie bedeutungsschwer ist dieser Akt eines \"starken Mannes\", der innenpolitisch deutlich schw\u00e4chelt? Die Proteste vor allem aus der orthodoxen Welt, aber auch aus Europa und den USA sind eher traurig als w\u00fctend. Der Papst dr\u00fcckte seinen \"Schmerz\" aus. Auch der Jubel in der islamischen Welt fiel zun\u00e4chst weniger \u00fcbersch\u00e4umend als erwartet aus.<\/p>\n\n\n\n

Ist es der Alleingang eines Autokraten in Bedr\u00e4ngnis oder ist \"der Jubel \u00fcber die Eroberung der Hagia Sophia der Versuch einer zutiefst erniedrigten, vom Gef\u00fchl der Wertlosigkeit dominierten und in ihrer eigenen Selbstberechtigung beraubten Gesellschaft, eine Bedeutung, eine St\u00e4rke, ein Selbstwertgef\u00fchl zu finden\"? So recht pauschalierend der in Deutschland lebende pal\u00e4stinensische Intellektuelle und Psychiater Ahmad Mansour.<\/p>\n\n\n\n

Die beiden Gro\u00dfreiche, das byzantinische und das osmanische, sind l\u00e4ngst versunken.<\/p><\/blockquote>\n\n\n\n

Das eigentliche Schl\u00fcsselwort im Zusammenhang mit der Hagia Sofia ist \"Welterbe\". Das Erbe von allen. Einmal im kulturellen Sinn der Unesco, aber in Wahrheit weiter gefasst. Das einzigartige Bauwerk geh\u00f6rt in Wirklichkeit der ganzen Welt, nicht der einen oder anderen Religion. Die beiden Gro\u00dfreiche, f\u00fcr die die Hagia Sofia der zentrale spirituelle Bau war, das byzantinische und das osmanische, sind l\u00e4ngst versunken. Seither hat sie eine neue, \u00fcbernationale Dimension erhalten. Was Erdo\u011fan da jetzt mit der Hagia Sofia macht, ist eine Verengung und Verarmung eines gemeinsamen Welterbes.<\/p>\n\n\n\n

\"\"\/
Betende Muslime vor der Hagia Sophia.<\/figcaption><\/figure>\n\n\n\n

Davon abgesehen aber war und ist sie ein architektonisches Meisterwerk und geh\u00f6rt zu den bedeutendsten Bauten der Welt. Wer heute den Zentralraum unter der Kuppel betritt, kann sich nur schwer dem zugleich majest\u00e4tischen wie schwebenden Gesamteindruck entziehen. Die Hagia Sophia blieb fast 1000 Jahre die gr\u00f6\u00dfte Kirche der Christenheit. Technisch war die Kuppel (mit mehreren Halbkuppeln) eine \u00fcberaus riskante Innovation: Die 55 Meter hohe und 32 Meter im Durchmesser breite Kuppel ruht auf nur vier Tragpunkten, was den schwebenden, schwerelosen Eindruck erzeugt. Die Konstruktion folgt einem mathematischen Prinzip, das erst k\u00fcrzlich entschl\u00fcsselt wurde.<\/p>\n\n\n\n

\"Salomo, ich habe dich \u00fcbertroffen!\"<\/p><\/blockquote>\n\n\n\n

Als Kaiser Justinian die Hagia Sophia nach nur f\u00fcnf Jahren Bauzeit (532\u2013537) betrat, soll er in Anspielung auf den Tempel in Jerusalem ausgerufen haben: \"Salomo, ich habe dich \u00fcbertroffen!\" Die Innenausstattung war mit ihren S\u00e4ulen aus Porphyr und gr\u00fcnem Marmor, mit Mosaiken aus Gold und Halbedelsteinen derart prunkvoll, der Gesamteindruck derart \u00fcberirdisch, dass eine Delegation des Gro\u00dff\u00fcrsten von Kiew nicht mehr wusste, \"ob wir im Himmel oder auf der Erde\" waren \u2013 was die Christianisierung Russlands bef\u00f6rderte.<\/p>\n\n\n\n

Der deutsche Architekturlehrer Holger Kleine nennt die Hagia Sophia \"absolute Architektur\", weil sie \"extreme Ausdrucksformen nahezu aller dramaturgischen Mittel, die der Architektur zur Verf\u00fcgung stehen, vereinigt: wuchtigste K\u00f6rper und luftigste R\u00e4ume, engste Enge und gr\u00f6\u00dfte Weite, w\u00e4rmende Helligkeit und mystisches Dunkel\". Und die Kuppelbauten aus der sp\u00e4teren Hochbl\u00fcte der Moscheenarchitektur im 16. und 17. Jahrhundert gehen eindeutig auf die Hagia Sophia zur\u00fcck.<\/p>\n\n\n\n

Die Hagia Sophia war Staatskirche des byzantinischen Reichs. F\u00fcr die Eroberer der letzte Schlussstein in der Kuppel osmanisch-muslimischen Herrschaftsanspruchs. Konstantinopel war ja 1453 nur noch eine isolierte, heruntergekommene Enklave in einem osmanischen Umfeld, kein christliches Heer kam zu Hilfe. Doch vorher war es zugleich Sperrriegel nach Osten und Geistesarchiv der antiken Kultur gewesen. \"Ohne Byzanz h\u00e4tte es kein Europa gegeben\", sagt die britische Altertumsforscherin Judith Herrin.<\/p>\n\n\n\n

\"\"\/
Freigelegtes Mosaik von \"Christos Pantokrator\".<\/figcaption><\/figure>\n\n\n\n

Neue Fragen<\/h3>\n\n\n\n

Die Kirche wurde von Mehmed II. und Nachfolgern nicht in der Substanz zerst\u00f6rt, sondern \"entchristlicht\". Die urspr\u00fcnglich \u00fcbert\u00fcnchten oder auch abgeschlagenen Mosaiken mit den Darstellungen von Christus, der Muttergottes, diversen Kaisern kamen zum Teil schon unter einem Sultan des 19. Jahrhunderts, dann gro\u00dfteils nach der Museumswidmung wieder zum Vorschein.<\/p>\n\n\n\n

Jetzt stellen sich neue symbolisch-praktische Fragen. Erdo\u011fan hat die Hagia Sophia der konservativen staatlichen Religionsbeh\u00f6rde Diyanet unterstellt. Die byzantinischen Mosaike, wie der gro\u00dfartige \"Christos Pantokrator\" (\"Weltenherrscher\") oder die Jungfrau Maria in der Apsis, m\u00fcssen wohl w\u00e4hrend des islamischen Gottesdiensts verh\u00e4ngt werden. Muss der Boden mit seinen Marmorplatten und Mosaiken mit einem Teppich bedeckt werden? Erdo\u011fan sagt, Touristen seien nach wie vor zugelassen. Aber sie werden wohl hinter Absperrungen bleiben m\u00fcssen. Frauen werden \u2013 wie in der benachbarten \"Blauen Moschee\" (\"Sultanahmed\") Kopftuch tragen m\u00fcssen.<\/p>\n\n\n\n

\"\"\/
Erdo\u011fan mit Gattin in der Hagia Sophia.<\/figcaption><\/figure>\n\n\n\n

Erdo\u011fans neue Abenteuer<\/strong><\/h3>\n\n\n\n

Aber wird da nicht doch zu viel in einen Formalakt rund um ein uraltes Bauwerk hineininterpretiert? Im geschichtlichen Kontext relativiert sich manches: Konstantinopel wurde schon von Christen erobert und ausgepl\u00fcndert \u2013 1204 im Vierten Kreuzzug. In der Moschee von Cordoba (\"Mezquita\") bauten die Katholiken eine ganze Kirche in den ber\u00fchmten S\u00e4ulenwald hinein. Die Mezquita ist heute noch Kirche, kein Museum.<\/p>\n\n\n\n

\"Das ist der Beweis, dass wir kein s\u00e4kularer Staat mehr sein wollen\", sagt Nobelpreistr\u00e4ger Orhan Pamuk. Erdo\u011fan betrachtet sich offenbar als auch neoosmanischer \"Fatih\" im Mittelmeerraum mit immer neuen Abenteuern: Eingreifen in Syrien, Stellvertreterkrieg in Libyen, Anspr\u00fcche auf Erdgasvorkommen weit vor der t\u00fcrkischen K\u00fcste bei Zypern, Reden, wonach manche \u00c4g\u00e4is-Inseln eigentlich zur T\u00fcrkei geh\u00f6ren, \"denn dort stehen unsere Moscheen\". Manches davon ist nur Rhetorik, aber genug anderes ist riskante Realit\u00e4t. (Hans Rauscher, 14.7.2020)<\/p>\n\n\n\n

Quelle<\/a><\/strong><\/p>\n","post_title":"Hagia Sophia: Verengung und Verarmung eines Welterbes","post_excerpt":"","post_status":"publish","comment_status":"closed","ping_status":"closed","post_password":"","post_name":"hagia-sophia-verengung-und-verarmung-eines-welterbes","to_ping":"","pinged":"","post_modified":"2025-02-02 08:39:39","post_modified_gmt":"2025-02-02 08:39:39","post_content_filtered":"","post_parent":0,"guid":"https:\/\/dctransparency.com\/?p=3792","menu_order":0,"post_type":"post","post_mime_type":"","comment_count":"0","filter":"raw"},{"ID":3789,"post_author":"7","post_date":"2020-08-14 13:56:07","post_date_gmt":"2020-08-14 13:56:07","post_content":"\n

Im Gastkommentar pocht Mark Leonard, Direktor des Europ\u00e4ischen Rats f\u00fcr Ausw\u00e4rtige Beziehungen, auf \"neue, einvernehmlich vereinbarte Prinzipien sowie klare Grenzen\", nur so k\u00f6nne eine weitere Destabilisierung in der Region verhindert werden.<\/em><\/strong><\/p>\n\n\n\n

Ist die T\u00fcrkei das neue Russland? Diese Frage wird in den europ\u00e4ischen Hauptst\u00e4dten zunehmend gestellt, da die Au\u00dfenpolitik des t\u00fcrkischen Pr\u00e4sidenten Recep Tayyip Erdo\u011fan zunehmend aggressiver wird. Erdo\u011fan nutzt nicht nur die Migration, um die EU zu bedrohen und zu betr\u00fcgen, sondern setzt auch milit\u00e4rische Macht ein, um den Einflussbereich der T\u00fcrkei auf die gesamte Region auszudehnen.<\/p>\n\n\n\n

Seit dem Ende des Kalten Krieges haben die Europ\u00e4er die regionale Sicherheit durch eine unipolare westliche Linse betrachtet. W\u00e4hrend die Nato die milit\u00e4rische Sicherheit garantierte, sorgte die EU mit ihrem 80.000 Seiten starken Regelwerk f\u00fcr alles von LGBTQ-Rechten bis hin zu Rasenm\u00e4her-Sound-Verordnungen f\u00fcr Rechtsordnung. In den 90er-Jahren ging man allgemein davon aus, dass die beiden gro\u00dfen nichtwestlichen regionalen Akteure, Russland und die T\u00fcrkei, nach und nach an diese Regelungen herangef\u00fchrt werden w\u00fcrden.<\/p>\n\n\n\n

Qu\u00e4lende Hassliebe<\/h3>\n\n\n\n

Doch in den letzten 15 Jahren ist der Traum von der europ\u00e4ischen Unipolarit\u00e4t einer multipolaren Realit\u00e4t gewichen. Sowohl Russland als auch die T\u00fcrkei haben eine lange, qu\u00e4lende Hassliebe zu Europa, und beide sind unter nationalen Machthabern, denen die Verachtung der Normen und Werte der EU gemeinsam ist, durchsetzungsf\u00e4higer geworden.<\/p>\n\n\n\n

Die zunehmende Verschlechterung der Beziehungen zwischen der EU und Russland ist gut dokumentiert, der Fall der T\u00fcrkei weniger. Der Irakkrieg im Jahr 2003 komplizierte das Verh\u00e4ltnis der T\u00fcrkei zur Nato, und ihr Verh\u00e4ltnis zur EU verschlechterte sich 2007, als Frankreich einen wichtigen Teil ihrer EU-Beitrittsverhandlungen blockierte. Seitdem hat die T\u00fcrkei ihren eigenen Weg in Syrien, auf dem Balkan und in Libyen eingeschlagen und neue Beziehungen zu Russland und China aufgebaut.<\/p>\n\n\n\n

Wichtiger Akteur<\/strong><\/h3>\n\n\n\n

Nat\u00fcrlich sind die Beziehungen zwischen der T\u00fcrkei und Russland nicht weniger kompliziert, nicht zuletzt weil Erdo\u011fan und der russische Pr\u00e4sident Wladimir Putin im syrischen B\u00fcrgerkrieg verschiedene Seiten unterst\u00fctzten.Und w\u00e4hrend die Spannungen wegen des Syrien-Konflikts weiterhin bestehen, bewundert Erdo\u011fan deutlich, wie Russland sich \u2013 bei relativ geringen Kosten \u2013 wieder als wichtiger Akteur im Nahen Osten und in Nordafrika etabliert hat.<\/p>\n\n\n\n

Nachdem er in einen nicht zu gewinnenden Krieg im Osten der Ukraine verwickelt war, schien Putins weitgehend erfolgreicher Feldzug in Syrien einen Teil seiner innenpolitischen Autorit\u00e4t wiederherzustellen. Der Westen hatte f\u00fcnf Jahre lang darauf bestanden, dass es keine milit\u00e4rische L\u00f6sung des Konflikts gebe und dass der syrische Pr\u00e4sident Baschar al-Assad gehen m\u00fcsse. Doch w\u00e4hrend die von den Vereinten Nationen unterst\u00fctzten Gespr\u00e4che in Genf zu keinem Ergebnis f\u00fchrten, schienen die von Russland geleiteten Gespr\u00e4che in Astana voranzukommen. Indem der Kreml die T\u00fcrkei und den Iran einbezog, w\u00e4hrend er die westlichen M\u00e4chte ausschloss, erweckte er den Eindruck, dass Russland als wiedergeborene Supermacht aus der Asche auferstanden sei.<\/p>\n\n\n\n

Unter Druck<\/h3>\n\n\n\n

Angesichts des wachsenden Widerstands im eigenen Land macht es Erdo\u011fan Putin gleich. Da der Westen nicht bereit war, (erneut) milit\u00e4risch in Libyen zu intervenieren, sah Erdo\u011fan eine Gelegenheit, die T\u00fcrkei zu positionieren. Nach dem Vorgehen Russlands in Syrien sicherte er sich eine formelle Einladung der libyschen Regierung zur Intervention. Mit einem Schlag Ende letzten Jahres hat er nicht nur das Image der T\u00fcrkei als Regionalmacht gest\u00e4rkt, sondern auch ein Abkommen mit Libyen \u00fcber die Seegrenze abgeschlossen und damit einen Plan Griechenlands, Zyperns, \u00c4gyptens und Israels zur Erschlie\u00dfung von Unterwasser\u00f6l- und -gasfeldern in der N\u00e4he zunichtegemacht.<\/p>\n\n\n\n

Erdo\u011fan scheint auch von der Spalt-und-Eroberungs-Strategie des Kreml in Europa inspiriert worden zu sein, der zufolge oft diejenigen EU-Mitgliedsstaaten unter Druck gesetzt werden, die am meisten von russischen Kohlenwasserstoffen oder M\u00e4rkten abh\u00e4ngig sind. So wie Putin lange Zeit die Energieversorgung instrumentalisiert hat, hat Erdo\u011fan versucht, den Strom von Migranten und Fl\u00fcchtlingen, die vor Konflikten im Nahen Osten fliehen, zu instrumentalisieren. Als die EU eine neue Marinemission ank\u00fcndigte, um den Waffenstrom nach Libyen zu blockieren, malte die T\u00fcrkei f\u00fcr Malta das Schreckgespenst der angeblichen Bedrohung durch Migranten an die Wand. Malta reagierte prompt und signalisierte, dass es gegen die Finanzierung der Mission ein Veto einlegen werde.<\/p>\n\n\n\n

Verlorener Sohn<\/strong><\/h3>\n\n\n\n

Jahrelang redeten sich die Europ\u00e4er ein, dass Russland eine Art verlorener Sohn sei und dass die europ\u00e4ische unipolare Ordnung gesund bleibe. Doch das machte Europa zu einem leichten Ziel f\u00fcr die Trennungs-und-Eroberungs-Strategie des Kreml. Erst vor relativ kurzer Zeit entwarf die Union eine neue Politik und ein robustes Sanktionsregime, um die russische Aggression abzuschrecken. Und selbst jetzt \u2013 trotz der besten Bem\u00fchungen der deutschen Bundeskanzlerin Angela Merkel und des franz\u00f6sischen Pr\u00e4sidenten Emmanuel Macron \u2013 hat die EU noch immer keine wirksamen Kommunikationskan\u00e4le mit Russland geschaffen, um gemeinsame Probleme anzugehen.<\/p>\n\n\n\n

Die T\u00fcrkei ist noch kein neues Russland, aber sie k\u00f6nnte dazu werden, wenn die Situation falsch gehandhabt wird. Vorerst betrachten die meisten Europ\u00e4er die T\u00fcrkei noch immer als einen komplizierten Partner und nicht als \"Systemrivalen\". Aber die Europ\u00e4er sollten die hart erk\u00e4mpften Lehren aus dem Umgang mit Russland in den letzten 15 Jahren beherzigen. Die Beziehungen zwischen der EU und der T\u00fcrkei brauchen neue, einvernehmlich vereinbarte Prinzipien sowie klare Grenzen, um eine weitere Destabilisierung in der Region zu verhindern.<\/p>\n\n\n\n

Zu diesem Zweck sollten die Europ\u00e4er klarstellen, dass der EU-Beitrittsprozess entweder zur\u00fcckgedreht oder vorangetrieben werden kann und dass eine eher transaktionale Beziehung sowohl Zuckerbrot als auch Peitsche beinhaltet. Die Herausforderung wird darin bestehen, daf\u00fcr zu sorgen, dass es in einer Region, die nicht nur von Europa und der T\u00fcrkei, sondern auch von Russland, den USA und einem aufstrebenden China beeinflusst wird, noch Raum f\u00fcr politisches Engagement in Fragen der gemeinsamen Sicherheit gibt. (Mark Leonard, \u00dcbersetzung: Eva G\u00f6llner, Copyright: Project Syndicate, 10.8.2020)<\/p>\n\n\n\n

Mark Leonard <\/strong>ist Direktor des Europ\u00e4ischen Rats f\u00fcr Ausw\u00e4rtige Beziehungen.<\/a><\/p>\n","post_title":"Erdo\u011fan \u2013 der andere Putin vor der Haust\u00fcr Europas","post_excerpt":"","post_status":"publish","comment_status":"closed","ping_status":"closed","post_password":"","post_name":"erdogan-der-andere-putin-vor-der-haustur-europas","to_ping":"","pinged":"","post_modified":"2025-02-02 08:39:39","post_modified_gmt":"2025-02-02 08:39:39","post_content_filtered":"","post_parent":0,"guid":"https:\/\/dctransparency.com\/?p=3789","menu_order":0,"post_type":"post","post_mime_type":"","comment_count":"0","filter":"raw"},{"ID":3786,"post_author":"7","post_date":"2020-08-14 13:51:23","post_date_gmt":"2020-08-14 13:51:23","post_content":"\n

Einen Monat nachdem ich zur israelischen Armee eingezogen worden war, brach die erste Intifada aus. Statt Soldat zu sein, machte ich Polizeiarbeit, sagte den Menschen, wann sie zur Arbeit gehen konnten und wann sie ihre L\u00e4den schlie\u00dfen mussten, wann sie die Grenze passieren und wann sie schlafen konnten. Einen Monat nachdem ich aus der Armee entlassen worden war, ging ich auf Reisen. (In Israel sagen wir: Wir dienen drei Jahre und versuchen den Rest unseres Lebens, diese drei Jahre zu vergessen.) Auf meiner Reise begann ich Briefe an meine Freundin zu schreiben, die ich in Israel zur\u00fcckgelassen hatte.<\/p>\n\n\n\n

Ich schrieb ihr, wie schrecklich depressiv ich war und dass diese drei Jahre des Anweisungenbellens und Anderen-Menschen-Sagens, was sie zu tun haben, mich f\u00fcr immer verfolgen w\u00fcrden. Dass sie ein Teil dessen geworden waren, was ich bin. Ich erinnere mich, dass ich ihr schrieb, dass wir da rausm\u00fcssen \u2013 nicht nur f\u00fcr die Pal\u00e4stinenser, sondern wegen der furchtbaren und brutalen Auswirkungen, die all das auf uns, auf die israelische Gesellschaft haben w\u00fcrde. Sie schrieb zur\u00fcck: \u201eDu hast recht. Ich habe einen neuen Freund.\u201c<\/p>\n\n\n\n

Felix Klein wurde als Beauftragter der Bundesregierung berufen<\/a>, um die Auswirkungen des zunehmenden Antisemitismus in unserer Gesellschaft, in Deutschland, zu bek\u00e4mpfen. Was nicht in seiner Jobbeschreibung steht, ist, dass er dabei unsere Gesellschaft heilen muss, jene Gesellschaft, die diese Form des Hasses reproduziert und sch\u00fctzt. Klein hat das begriffen.<\/p>\n\n\n\n

Er versteht, dass man Krebs nicht mit einem Pflaster verarztet, er wei\u00df, dass er das Bewusstsein der Deutschen sch\u00e4rfen und Diskussionen ansto\u00dfen muss. Er hat begriffen, dass das Problem nicht nur an den R\u00e4ndern der Gesellschaft (bei den Rechten) liegt, sondern auch in ihrer Mitte. Dort, wo gebildete Menschen nicht einmal bemerken, dass das, was sie sagen und tun, antisemitisch ist. So wie sie es auch nicht merken, wenn sie rassistisch handeln. Er hat all das verstanden, und genau deshalb wollen einige, dass er seinen Posten r\u00e4umt.<\/p>\n\n\n\n

Mehr als 60 deutsche und israelische Intellektuelle haben letzte Woche in einem Brief an Kanzlerin Merkel<\/a> dar\u00fcber geklagt, dass der aktuelle \u201eGebrauch des Antisemitismusbegriffs\u201c darauf abziele, \u201elegitime Kritik an der israelischen Regierungspolitik zu unterdr\u00fccken\u201c, und Klein vorgeworfen, rechtspopulistische israelische Stimmen zu f\u00f6rdern.<\/p>\n\n\n\n

Faszinierend an diesem offenen Brief ist, dass viele der Unterzeichneten keine Deutschen sind und auch nicht in Deutschland leben. Ich wei\u00df nicht, woher sie \u2013 die meisten von ihnen sind Israelis \u2013 die Chuzpe haben, sich in eine innerdeutsche Angelegenheit einzumischen und zu fordern, eine Person zu entlassen, die von der Bundesregierung eingesetzt wurde. Die H\u00e4lfte der Unterzeichneten lebt nicht hier, von der anderen H\u00e4lfte sind viele keine Juden \u2013 somit sind die allermeisten von ihnen nicht direkt vom Antisemitismus in Deutschland betroffen. Wie also k\u00f6nnen sie diesen Brief unterschreiben? Und warum eigentlich haben so wenige Deutsche unterschrieben? Dazu komme ich gleich.<\/p>\n\n\n\n

Debatte um Achille Mbembe<\/h6>\n\n\n\n

Hintergrund des Briefs war, dass Felix Klein gefordert hatte, den Philosophen Achille Mbembe<\/a> nicht die Er\u00f6ffnungsrede der Ruhrtriennale halten zu lassen. Als mit \u00f6ffentlichen Mitteln gef\u00f6rdertes Event solle die Ruhrtriennale Mbembe wegen seiner Haltung zu Israels Existenzrecht, seiner Haltung zu BDS und der Art, wie er in einem seiner Werke den Holocaust relativiert, nicht einladen.<\/p>\n\n\n\n

Mbembes Unterst\u00fctzer sagen, keine dieser Anschuldigungen sei wahr. F\u00fcrs Protokoll: In meinen Augen unterst\u00fctzt Mbembe sehr wohl BDS<\/a>, er schrieb unter anderem das Vorwort zu \u201eApartheid Israel\u201c und fordert die komplette Isolation Israels. Ich glaube auch, wenn Mbembe schreibt, die israelische Besetzung sei der \u201egr\u00f6\u00dfte moralische Skandal unserer Zeit\u201c, zeigt das, dass sein moralischer und geografischer Kompass etwas schief ist.<\/p>\n\n\n\n

Doch warum treibt die Debatte so viele Menschen um? Nun, zun\u00e4chst gibt niemand gern auf, was ihm oder ihr selbstverst\u00e4ndlich scheint. \u00dcber den gesamten politischen, sozialen, kulturellen, medialen und akademischen Sektor hinweg sind Menschen daran gew\u00f6hnt, so schlecht \u00fcber Israel sprechen zu k\u00f6nnen, wie auch immer sie wollen.<\/p>\n\n\n\n

Der Spiegel<\/em> hat \u2013 vielleicht in Anlehnung an seine Relotius-Standards, Israel erst k\u00fcrzlich eine Corona-Diktatur genannt. Fakten und Belege f\u00fcr diese Behauptung gab es nicht. Doch Millionen Deutsche haben es gelesen, und es wird nat\u00fcrlich haften bleiben. Faktenlage hin oder her. Der Spiegel<\/em> und andere Medien haben dieses Spiel perfektioniert: Titel so zu drehen, dass sie Israel indirekt anklagen, die Idee zu streuen, der Mossad kon\u00adtrol\u00adliere die deutsche Au\u00dfenpolitik im Nahen Osten, und so fort. Doch sie stehen allesamt sofort auf den Hinterbeinen, wenn jemand es wagt, das Spiel beim Namen zu nennen: moderner Antisemitismus.<\/p>\n\n\n\n

Klein will dem entgegenwirken. Er versteht, dass antisemitische Attacken in Deutschland die Fr\u00fcchte solch falsch gezeichneter Bilder und eindimensionaler Narrative \u00fcber Israel sind. Wenn er und andere versuchen, ein anderes Narrativ aufzuzeigen, wirft man ihnen Zensur vor: Wie k\u00f6nnen sie es wagen, das Gesch\u00e4ft der Anti-Israel-Propaganda zu st\u00f6ren?<\/p>\n\n\n\n

Liebe Deutsche, wenn ihr reden wollt, lasst uns gern reden: \u00fcber die Besetzung, \u00fcber Bibi und alles, was schiefl\u00e4uft. Aber dann lasst uns bitte auch dar\u00fcber reden, wie deutsche Steuergelder Terrortunnel finanzieren. Erst vergangene Woche r\u00e4umte die niederl\u00e4ndische Regierung ein, dass Gelder an eine Landwirtschaftsorganisation in Ramallah geflossen seien, die damit teilweise die Geh\u00e4lter zweier des Mordes an der 17-j\u00e4hrigen Israelin Rina Shnerb Verd\u00e4chtiger gezahlt haben. Auch die Bundesregierung unterst\u00fctzt diese Organisation, obwohl Kritiker schon lange vor Verbindungen zu Terroristen warnen.<\/p>\n\n\n\n

Wir k\u00f6nnen uns also gerne unterhalten \u2013 aber im Dialog, nicht in Monologen. Denn Reden unter Menschen, die sich einig sind, ist nichts anderes als Impotenz.<\/p>\n\n\n\n

Israelkritik als Eintrittskarte<\/h6>\n\n\n\n

Die Israelis, die die Petition unterzeichnet haben, haben \u00fcbrigens ebenfalls etwas verstanden. Seit Jahren wissen sie: Es ist ihre Eintrittskarte in die Mitte der deutschen (und europ\u00e4ischen) Gesellschaft. Man h\u00f6rt nicht oft von Akademikern mit proisraelischen Ansichten. Weder in den Philharmonie-Orchestern noch in der Kunstszene. Die Eintrittskarte daf\u00fcr ist ein antiisraelischer Standpunkt.<\/p>\n\n\n\n

Der mutma\u00dfliche Grund, warum kaum Deutsche die Petition unterzeichnet haben: Sie mussten es nicht. Ihre Lieblingsjuden haben es f\u00fcr sie getan. Jetzt k\u00f6nnen sie sagen: \u201eSchau, ich bin das ja nicht, meine j\u00fcdischen Freunde sagen es.\u201c Ich selbst war einige Jahre lang mit einem Paar hier in Berlin befreundet, bis ich herausfand, dass ich ihr Lieblingsjude war. Ja, selbst das j\u00fcdische Museum wurde so genutzt.<\/p>\n\n\n\n

Weil Attacken gegen Juden ein absolutes Tabu sind, wurden Umwege gefunden, um den Antisemitismus auf kleiner Flamme k\u00f6cheln zu lassen: die unfundierte, unbegr\u00fcndete Kritik an Israel.<\/p>\n\n\n\n

Diese Art der Kritik ist gef\u00e4hrlich. Sie schw\u00e4cht jede begr\u00fcndete und notwendige Kritik am Verhalten Israels. Und das Interessante ist: Trotz all der heftigen, pauschalisierenden Anklagen, all der offenen Briefe driftet Israel politisch immer weiter nach rechts. Doch statt mal einen anderen Ansatz zu versuchen, werden die antiisraelischen Stimmen nur lauter. Dasselbe versuchen und andere Ergebnisse davon erwarten \u2013 das ist die Definition von Wahnsinn.<\/p>\n\n\n\n

Kurz bevor der Prozess gegen den wegen des Attentats von Halle<\/a> Angeklagten begann \u2013 des seit Kriegsende schlimmsten Akts von Antisemitismus in Deutschland \u2013, lud eine Lokalzeitung den fr\u00fcheren Botschafter Shimon Stein und den Historiker Moshe Zimmermann ein, dar\u00fcber zu schreiben, was Antisemitismus ist. Nat\u00fcrlich wendeten auch sie sich gegen Felix Kleins Ansatz. Sie zitieren die Kontroverse um die Umbenennung der U-Bahn-Station Mohrenstra\u00dfe in Glinkastra\u00dfe, die sich darum drehte, dass der russische Komponist Michael Glinka Antisemit gewesen sein soll. Stein und Zimmermann halten die Debatte f\u00fcr \u00fcberzogen, Glinka sei nur ein Kind seiner Zeit gewesen. Folgt man ihrer Logik, k\u00f6nnen wir dann also in 20 oder 30 Jahren U-Bahn-Stationen nach den Kindern der 1930er Jahre benennen?<\/p>\n\n\n\n

Der Antisemit als Tierfreund<\/h6>\n\n\n\n

Ich w\u00fcnschte, die Sache h\u00e4tte mit dem Artikel, mit der Petition geendet. Doch dann erschien ein Artikel, der den Leser auf einen Waldspaziergang mit einem veganen Koch und Antisemiten mitnahm. Darin setzt der Tierfreund erst behutsam einen K\u00e4fer wieder auf seine Beinchen und erkl\u00e4rt dann, dass die Todesstrafe in Deutschland wieder eingef\u00fchrt werden solle, um einen gewissen Politiker (der zuf\u00e4llig pro Israel ist) an seinen Hoden aufh\u00e4ngen zu k\u00f6nnen. Dieser Koch hat Hunderttausende Follower, er sagt all solche Dinge am helllichten Tag in Berlin. Und in den Medien.<\/p>\n\n\n\n

F\u00e4lle wie dieser handeln bereits von Gewalt \u2013 und sie enden nicht bei den Juden. Der Hass richtet sich gegen Frauen<\/a>, Muslime, Gefl\u00fcchtete, \u00adLBTQI. Am Ende aller theoretischen Debatten stehen immer echte Menschen. Am Ende jeder Konferenz dar\u00fcber, was Antisemitismus ausmacht, steht ein potenzielles j\u00fcdisches Opfer. Angesichts einer Welle von Antisemitismus \u00fcber die Definition von Antisemitismus zu streiten ist, wie eine 10 Meter hohe Welle heranrollen zu sehen und dar\u00fcber zu streiten, was einen Tsunami ausmacht.<\/p>\n\n\n\n

Felix Klein versteht, wie absurd es ist, zu sagen: Es sind nur die Rechten. Die Rechten sind Deutsche, so wie die Nazis Deutsche waren. Klein versteht, dass die Deutschen nicht aufgeh\u00f6rt haben, Juden zu ermorden, weil sie irgendeine Art von Erleuchtung hatten. Sondern schlicht, weil sie den Krieg verloren haben. Um den Antisemitismus zu bek\u00e4mpfen, bevor er die Gesellschaft frisst, in der er und wir leben, muss Deutschland seinen moralischen Kompass korrigieren.<\/p>\n\n\n\n

Immerhin: Mehr und mehr Deutsche fahren nach Israel, sie wollen ein anderes Narrativ h\u00f6ren. Mehr und mehr Deutsche verstehen, dass Antisemitismus Schockwellen ausl\u00f6st, die die gesamte Gesellschaft betreffen. In einem normalen Universum w\u00fcrde Klein bef\u00f6rdert werden f\u00fcr seine Leistung. In einer verdrehten Gesellschaft fordern Menschen seine Entlassung. Um es mit Mbembe zu sagen: Das ist Nano-Nonsens.<\/p>\n\n\n\n

\u00dcbersetzung: Ariane Lemme<\/a><\/em><\/p>\n","post_title":"Felix Klein hat verstanden","post_excerpt":"","post_status":"publish","comment_status":"closed","ping_status":"closed","post_password":"","post_name":"felix-klein-hat-verstanden","to_ping":"","pinged":"","post_modified":"2025-02-02 08:39:39","post_modified_gmt":"2025-02-02 08:39:39","post_content_filtered":"","post_parent":0,"guid":"https:\/\/dctransparency.com\/?p=3786","menu_order":0,"post_type":"post","post_mime_type":"","comment_count":"0","filter":"raw"}],"next":false,"prev":true,"total_page":47},"paged":1,"column_class":"jeg_col_2o3","class":"epic_block_3"};

\n

Zum Zeitpunkt des Streiks am 4. Januar wurde Tripolis von der selbsternannten libyschen Nationalarmee (LNA) belagert.<\/p>\n\n\n\n

Es hat die Verantwortung f\u00fcr den Angriff abgelehnt und vermutet, dass die Kadetten durch Beschuss vor Ort get\u00f6tet wurden.<\/p>\n\n\n\n

Es gibt jedoch Hinweise darauf, dass die Kadetten von einer chinesischen Blue Arrow 7-Rakete getroffen wurden.<\/p>\n\n\n\n

Dies wurde von einer Drohne namens Wing Loong II abgefeuert, und die Untersuchung von BBC Africa Eye und BBC Arabic Documentaries ergab auch Hinweise darauf, dass Wing Loong II-Drohnen zum Zeitpunkt des Streiks nur von einem libyschen Luftwaffenst\u00fctzpunkt aus operierten - al-Khadim - und dass die VAE die dort stationierten Drohnen geliefert und betrieben haben.<\/p>\n\n\n\n

\"\"<\/figure>\n\n\n\n

Die VAE haben zuvor die milit\u00e4rische Beteiligung in Libyen verweigert und sagen, sie unterst\u00fctzen den UN-Friedensprozess. Es antwortete nicht auf die Bitte der BBC um einen Kommentar.<\/p>\n\n\n\n

Was ist mit diesen Kadetten passiert?<\/strong><\/p>\n\n\n\n

Kurz nach 21:00 Uhr am 4. Januar 2020 f\u00fchrten rund 50 Kadetten Routine\u00fcbungen an einer Milit\u00e4rakademie im S\u00fcden von Tripolis durch.<\/p>\n\n\n\n

Ohne Vorwarnung detonierte eine Explosion in der Mitte der Gruppe und lie\u00df 26 Kadetten tot oder auf dem Exerzierplatz sterben. Viele waren noch Teenager. Keiner von ihnen war bewaffnet.

Einer der \u00dcberlebenden war der 20-j\u00e4hrige Abdul Moeen.<\/p>\n\n\n\n

Er war in der Akademie, als der Streik eintraf. \"Es war unbeschreiblich\", sagte er der BBC.<\/p>\n\n\n\n

\"Wir haben gesehen, wie unsere Kollegen starben, ihren letzten Atemzug machten und wir konnten nichts tun ... Es gab Leute, deren Oberk\u00f6rper von ihren K\u00f6rpern getrennt waren. Es war ein schreckliches Verbrechen, ein Verbrechen, das nichts mit der Menschheit zu tun hat. \"\"<\/p>\n\n\n\n

Sieben Monate nach dem Streik hat niemand die Verantwortung f\u00fcr die T\u00f6tung dieser jungen M\u00e4nner eingestanden.<\/p>\n\n\n\n

Die LNA unter Gen Khalifa Haftar bestritt, dass sie hinter dem Streik steckt, und teilte der Presse mit, dass die Explosion m\u00f6glicherweise durch eine lokal abgefeuerte M\u00f6rsergranate oder einen Angriff innerhalb der Akademie verursacht worden sei.<\/p>\n\n\n\n

Was hat die BBC gefunden?<\/strong><\/p>\n\n\n\n

Die Untersuchung ergab Hinweise darauf, dass eine viel ausgefeiltere Waffe verwendet wurde.<\/p>\n\n\n\n

\"\"<\/figure>\n\n\n\n

Die BBC betrachtete Bilder des Splitters, der nach dem Streik auf dem Exerzierplatz zur\u00fcckgelassen wurde, und kam zu dem Schluss, dass er mit den Komponenten einer Rakete namens Blue Arrow 7 \u00fcbereinstimmte.<\/p>\n\n\n\n

Unsere Analyse ergab, dass nur ein Flugzeug, das im Januar 2020 \u00fcber Tripolis operierte, diese Waffe abfeuern konnte - eine Drohne namens Wing Loong 2.<\/p>\n\n\n\n

Nur drei Wochen vor diesem Streik kamen die Vereinten Nationen zu dem Schluss, dass der Blaue Pfeil 7 \"ballistisch gepaart ist, um vom Wing Loong II geliefert zu werden ... und von keinem anderen in Libyen bisher identifizierten Luftfahrtgut\".<\/p>\n\n\n\n

Die BBC untersuchte auch, woher diese Drohne stammen k\u00f6nnte, und fand Hinweise darauf, dass Wing Loong-Drohnen zum Zeitpunkt des Angriffs nur von einem libyschen Luftwaffenst\u00fctzpunkt aus operierten: al-Khadim im von der LNA kontrollierten Ostlibyen.<\/p>\n\n\n\n

Sowohl die BBC als auch die UN haben Beweise daf\u00fcr gefunden, dass Drohnen, die von diesem Luftwaffenst\u00fctzpunkt aus operieren, zu den Vereinigten Arabischen Emiraten geh\u00f6ren.<\/p>\n\n\n\n

Im Jahr 2019 stellte die UNO fest, dass die VAE durch den Versand von Wing Loong-Drohnen und Blue Arrow 7-Raketen nach Libyen gegen das seit 2011 geltende UN-Waffenembargo gegen das Land versto\u00dfen hatten.<\/p>\n\n\n\n

Die BBC fand auch ein Waffenregister, aus dem hervorgeht, dass die VAE 2017 15 Wing Loong-Drohnen und 350 Blue Arrow 7-Raketen gekauft haben.<\/p>\n\n\n\n

Was hat die BBC noch aufgedeckt?<\/strong><\/p>\n\n\n\n

<\/p>\n\n\n\n

Die BBC-Untersuchung ergab auch neue Beweise daf\u00fcr, dass \u00c4gypten den VAE erlaubt, \u00e4gyptische Milit\u00e4rflugpl\u00e4tze nahe der libyschen Grenze zu nutzen.<\/p>\n\n\n\n

Im Februar 2020 scheinen die in Libyen stationierten Wing Loong II-Drohnen \u00fcber die Grenze nach \u00c4gypten zu einem Luftwaffenst\u00fctzpunkt in der N\u00e4he von Siwa in der west\u00e4gyptischen W\u00fcste gebracht worden zu sein.<\/p>\n\n\n\n

Satellitenbilder zeigen auch, dass ein zweiter \u00e4gyptischer Milit\u00e4rflugplatz, Sidi Barrani, als Einsatzbasis f\u00fcr Mirage 2000-Kampfflugzeuge verwendet wurde, die in Farben lackiert sind, die nicht von der \u00e4gyptischen Luftwaffe verwendet werden, aber genau den von den VAE geflogenen Jets entsprechen .<\/p>\n\n\n\n

Dies ist das gleiche Flugzeugmodell, das von den Vereinten Nationen in einen Luftangriff auf ein Migrationszentrum \u00f6stlich von Tripolis im Juli 2019 verwickelt wurde, bei dem 53 Menschen get\u00f6tet wurden.<\/p>\n\n\n\n

Ausl\u00e4ndischer Jet bei libyschem Migrantenangriff verd\u00e4chtigt<\/p>\n\n\n\n

Sidi Barrani ist auch das Ziel f\u00fcr mehrere Frachtflugzeuge, die von den Vereinigten Arabischen Emiraten gestartet sind, und schl\u00e4gt eine Luftbr\u00fccke f\u00fcr Ausr\u00fcstung oder Lieferungen zwischen den Vereinigten Arabischen Emiraten und einer Milit\u00e4rbasis vor, die nur 80 km von der libyschen Grenze entfernt liegt.<\/p>\n\n\n\n

Die \u00e4gyptische Regierung antwortete nicht auf die Bitte der BBC um Stellungnahme.<\/p>\n\n\n\n

Ist ausl\u00e4ndisches milit\u00e4risches Engagement \u00fcberraschend?<\/strong><\/p>\n\n\n\n

Sowohl die Vereinigten Arabischen Emirate als auch \u00c4gypten nahmen an einer von Bundeskanzlerin Angela Merkel im Januar dieses Jahres in Berlin einberufenen Konferenz \u00fcber Libyen teil, auf der sie ihre Unterst\u00fctzung f\u00fcr den UN-Friedensprozess bekr\u00e4ftigten und sich bereit erkl\u00e4rten, nicht in den Libyen-Krieg einzugreifen.<\/p>\n\n\n\n

Im vergangenen Jahr gab es jedoch eine Eskalation des Einsatzes von Drohnen durch beide Seiten des Konflikts.<\/p>\n\n\n\n

Ghassan Salam\u00e9, der fr\u00fchere Leiter der UN-Mission in Libyen, beschrieb dies als \"m\u00f6glicherweise das gr\u00f6\u00dfte Drohnenkriegstheater der Welt\".<\/p>\n\n\n\n

Die VAE sind nicht die einzige ausl\u00e4ndische Macht, die an diesem Konflikt beteiligt ist.<\/p>\n\n\n\n

Anfang dieses Jahres gab BBC Africa Eye bekannt, dass die T\u00fcrkei auch gegen das Waffenembargo der Vereinten Nationen gegen Libyen versto\u00dfen hat, indem sie geheime Waffenlieferungen an die von den Vereinten Nationen anerkannte Regierung in Tripolis gesendet hat.<\/p>\n\n\n\n

Mit Unterst\u00fctzung der T\u00fcrkei hat die von den Vereinten Nationen anerkannte Regierung des Nationalen Abkommens nun die LNA von Gen Haftar aus der Gegend um Tripolis zur\u00fcckgeschlagen.<\/p>\n","post_title":"BBC-Untersuchung: VAE in t\u00f6dlichen Angriff in Libyen verwickelt","post_excerpt":"","post_status":"publish","comment_status":"closed","ping_status":"closed","post_password":"","post_name":"bbc-untersuchung-vae-in-todlichen-angriff-in-libyen-verwickelt","to_ping":"","pinged":"","post_modified":"2025-02-02 08:39:39","post_modified_gmt":"2025-02-02 08:39:39","post_content_filtered":"","post_parent":0,"guid":"https:\/\/dctransparency.com\/?p=3811","menu_order":0,"post_type":"post","post_mime_type":"","comment_count":"0","filter":"raw"},{"ID":3792,"post_author":"7","post_date":"2020-08-14 13:58:48","post_date_gmt":"2020-08-14 13:58:48","post_content":"\n

Die Hagia Sophia war (ist) ein kulturelles Weltwunder und aufgeladen mit symbolischer Bedeutung, f\u00fcr die Christenheit ebenso wie f\u00fcr den Islam \u2013 und den t\u00fcrkischen Nationalismus. Als Mehmed II. sie betrat, war sie schon fast 1000 Jahre die gr\u00f6\u00dfte Kirche der christlichen Welt und das Zentrum der orthodoxen Glaubensrichtung. Die \"Ayasofya\", wie sie dann hie\u00df, war 500 Jahre lang Moschee \u2013 bis 1934, als Kemal Pascha Atat\u00fcrk, der \"Vater\" der modernen T\u00fcrkei, sie in ein Museum verwandelte, in der ausdr\u00fccklichen Absicht, auch hier mit dem osmanischen Erbe zu brechen.<\/p>\n\n\n\n

Nun wird Pr\u00e4sident Recep Tayyip Erdo\u011fan, der \"Vater\" der re-islamisierten T\u00fcrkei, am 24. Juli dieses Jahres die Ayasofya durch das Freitagsgebet wieder in den Islam eingliedern. Oder eher in seinen pers\u00f6nlichen religi\u00f6sen Nationalismus.<\/p>\n\n\n\n

Welterbe von allen<\/h3>\n\n\n\n

Wie bedeutungsschwer ist dieser Akt eines \"starken Mannes\", der innenpolitisch deutlich schw\u00e4chelt? Die Proteste vor allem aus der orthodoxen Welt, aber auch aus Europa und den USA sind eher traurig als w\u00fctend. Der Papst dr\u00fcckte seinen \"Schmerz\" aus. Auch der Jubel in der islamischen Welt fiel zun\u00e4chst weniger \u00fcbersch\u00e4umend als erwartet aus.<\/p>\n\n\n\n

Ist es der Alleingang eines Autokraten in Bedr\u00e4ngnis oder ist \"der Jubel \u00fcber die Eroberung der Hagia Sophia der Versuch einer zutiefst erniedrigten, vom Gef\u00fchl der Wertlosigkeit dominierten und in ihrer eigenen Selbstberechtigung beraubten Gesellschaft, eine Bedeutung, eine St\u00e4rke, ein Selbstwertgef\u00fchl zu finden\"? So recht pauschalierend der in Deutschland lebende pal\u00e4stinensische Intellektuelle und Psychiater Ahmad Mansour.<\/p>\n\n\n\n

Die beiden Gro\u00dfreiche, das byzantinische und das osmanische, sind l\u00e4ngst versunken.<\/p><\/blockquote>\n\n\n\n

Das eigentliche Schl\u00fcsselwort im Zusammenhang mit der Hagia Sofia ist \"Welterbe\". Das Erbe von allen. Einmal im kulturellen Sinn der Unesco, aber in Wahrheit weiter gefasst. Das einzigartige Bauwerk geh\u00f6rt in Wirklichkeit der ganzen Welt, nicht der einen oder anderen Religion. Die beiden Gro\u00dfreiche, f\u00fcr die die Hagia Sofia der zentrale spirituelle Bau war, das byzantinische und das osmanische, sind l\u00e4ngst versunken. Seither hat sie eine neue, \u00fcbernationale Dimension erhalten. Was Erdo\u011fan da jetzt mit der Hagia Sofia macht, ist eine Verengung und Verarmung eines gemeinsamen Welterbes.<\/p>\n\n\n\n

\"\"\/
Betende Muslime vor der Hagia Sophia.<\/figcaption><\/figure>\n\n\n\n

Davon abgesehen aber war und ist sie ein architektonisches Meisterwerk und geh\u00f6rt zu den bedeutendsten Bauten der Welt. Wer heute den Zentralraum unter der Kuppel betritt, kann sich nur schwer dem zugleich majest\u00e4tischen wie schwebenden Gesamteindruck entziehen. Die Hagia Sophia blieb fast 1000 Jahre die gr\u00f6\u00dfte Kirche der Christenheit. Technisch war die Kuppel (mit mehreren Halbkuppeln) eine \u00fcberaus riskante Innovation: Die 55 Meter hohe und 32 Meter im Durchmesser breite Kuppel ruht auf nur vier Tragpunkten, was den schwebenden, schwerelosen Eindruck erzeugt. Die Konstruktion folgt einem mathematischen Prinzip, das erst k\u00fcrzlich entschl\u00fcsselt wurde.<\/p>\n\n\n\n

\"Salomo, ich habe dich \u00fcbertroffen!\"<\/p><\/blockquote>\n\n\n\n

Als Kaiser Justinian die Hagia Sophia nach nur f\u00fcnf Jahren Bauzeit (532\u2013537) betrat, soll er in Anspielung auf den Tempel in Jerusalem ausgerufen haben: \"Salomo, ich habe dich \u00fcbertroffen!\" Die Innenausstattung war mit ihren S\u00e4ulen aus Porphyr und gr\u00fcnem Marmor, mit Mosaiken aus Gold und Halbedelsteinen derart prunkvoll, der Gesamteindruck derart \u00fcberirdisch, dass eine Delegation des Gro\u00dff\u00fcrsten von Kiew nicht mehr wusste, \"ob wir im Himmel oder auf der Erde\" waren \u2013 was die Christianisierung Russlands bef\u00f6rderte.<\/p>\n\n\n\n

Der deutsche Architekturlehrer Holger Kleine nennt die Hagia Sophia \"absolute Architektur\", weil sie \"extreme Ausdrucksformen nahezu aller dramaturgischen Mittel, die der Architektur zur Verf\u00fcgung stehen, vereinigt: wuchtigste K\u00f6rper und luftigste R\u00e4ume, engste Enge und gr\u00f6\u00dfte Weite, w\u00e4rmende Helligkeit und mystisches Dunkel\". Und die Kuppelbauten aus der sp\u00e4teren Hochbl\u00fcte der Moscheenarchitektur im 16. und 17. Jahrhundert gehen eindeutig auf die Hagia Sophia zur\u00fcck.<\/p>\n\n\n\n

Die Hagia Sophia war Staatskirche des byzantinischen Reichs. F\u00fcr die Eroberer der letzte Schlussstein in der Kuppel osmanisch-muslimischen Herrschaftsanspruchs. Konstantinopel war ja 1453 nur noch eine isolierte, heruntergekommene Enklave in einem osmanischen Umfeld, kein christliches Heer kam zu Hilfe. Doch vorher war es zugleich Sperrriegel nach Osten und Geistesarchiv der antiken Kultur gewesen. \"Ohne Byzanz h\u00e4tte es kein Europa gegeben\", sagt die britische Altertumsforscherin Judith Herrin.<\/p>\n\n\n\n

\"\"\/
Freigelegtes Mosaik von \"Christos Pantokrator\".<\/figcaption><\/figure>\n\n\n\n

Neue Fragen<\/h3>\n\n\n\n

Die Kirche wurde von Mehmed II. und Nachfolgern nicht in der Substanz zerst\u00f6rt, sondern \"entchristlicht\". Die urspr\u00fcnglich \u00fcbert\u00fcnchten oder auch abgeschlagenen Mosaiken mit den Darstellungen von Christus, der Muttergottes, diversen Kaisern kamen zum Teil schon unter einem Sultan des 19. Jahrhunderts, dann gro\u00dfteils nach der Museumswidmung wieder zum Vorschein.<\/p>\n\n\n\n

Jetzt stellen sich neue symbolisch-praktische Fragen. Erdo\u011fan hat die Hagia Sophia der konservativen staatlichen Religionsbeh\u00f6rde Diyanet unterstellt. Die byzantinischen Mosaike, wie der gro\u00dfartige \"Christos Pantokrator\" (\"Weltenherrscher\") oder die Jungfrau Maria in der Apsis, m\u00fcssen wohl w\u00e4hrend des islamischen Gottesdiensts verh\u00e4ngt werden. Muss der Boden mit seinen Marmorplatten und Mosaiken mit einem Teppich bedeckt werden? Erdo\u011fan sagt, Touristen seien nach wie vor zugelassen. Aber sie werden wohl hinter Absperrungen bleiben m\u00fcssen. Frauen werden \u2013 wie in der benachbarten \"Blauen Moschee\" (\"Sultanahmed\") Kopftuch tragen m\u00fcssen.<\/p>\n\n\n\n

\"\"\/
Erdo\u011fan mit Gattin in der Hagia Sophia.<\/figcaption><\/figure>\n\n\n\n

Erdo\u011fans neue Abenteuer<\/strong><\/h3>\n\n\n\n

Aber wird da nicht doch zu viel in einen Formalakt rund um ein uraltes Bauwerk hineininterpretiert? Im geschichtlichen Kontext relativiert sich manches: Konstantinopel wurde schon von Christen erobert und ausgepl\u00fcndert \u2013 1204 im Vierten Kreuzzug. In der Moschee von Cordoba (\"Mezquita\") bauten die Katholiken eine ganze Kirche in den ber\u00fchmten S\u00e4ulenwald hinein. Die Mezquita ist heute noch Kirche, kein Museum.<\/p>\n\n\n\n

\"Das ist der Beweis, dass wir kein s\u00e4kularer Staat mehr sein wollen\", sagt Nobelpreistr\u00e4ger Orhan Pamuk. Erdo\u011fan betrachtet sich offenbar als auch neoosmanischer \"Fatih\" im Mittelmeerraum mit immer neuen Abenteuern: Eingreifen in Syrien, Stellvertreterkrieg in Libyen, Anspr\u00fcche auf Erdgasvorkommen weit vor der t\u00fcrkischen K\u00fcste bei Zypern, Reden, wonach manche \u00c4g\u00e4is-Inseln eigentlich zur T\u00fcrkei geh\u00f6ren, \"denn dort stehen unsere Moscheen\". Manches davon ist nur Rhetorik, aber genug anderes ist riskante Realit\u00e4t. (Hans Rauscher, 14.7.2020)<\/p>\n\n\n\n

Quelle<\/a><\/strong><\/p>\n","post_title":"Hagia Sophia: Verengung und Verarmung eines Welterbes","post_excerpt":"","post_status":"publish","comment_status":"closed","ping_status":"closed","post_password":"","post_name":"hagia-sophia-verengung-und-verarmung-eines-welterbes","to_ping":"","pinged":"","post_modified":"2025-02-02 08:39:39","post_modified_gmt":"2025-02-02 08:39:39","post_content_filtered":"","post_parent":0,"guid":"https:\/\/dctransparency.com\/?p=3792","menu_order":0,"post_type":"post","post_mime_type":"","comment_count":"0","filter":"raw"},{"ID":3789,"post_author":"7","post_date":"2020-08-14 13:56:07","post_date_gmt":"2020-08-14 13:56:07","post_content":"\n

Im Gastkommentar pocht Mark Leonard, Direktor des Europ\u00e4ischen Rats f\u00fcr Ausw\u00e4rtige Beziehungen, auf \"neue, einvernehmlich vereinbarte Prinzipien sowie klare Grenzen\", nur so k\u00f6nne eine weitere Destabilisierung in der Region verhindert werden.<\/em><\/strong><\/p>\n\n\n\n

Ist die T\u00fcrkei das neue Russland? Diese Frage wird in den europ\u00e4ischen Hauptst\u00e4dten zunehmend gestellt, da die Au\u00dfenpolitik des t\u00fcrkischen Pr\u00e4sidenten Recep Tayyip Erdo\u011fan zunehmend aggressiver wird. Erdo\u011fan nutzt nicht nur die Migration, um die EU zu bedrohen und zu betr\u00fcgen, sondern setzt auch milit\u00e4rische Macht ein, um den Einflussbereich der T\u00fcrkei auf die gesamte Region auszudehnen.<\/p>\n\n\n\n

Seit dem Ende des Kalten Krieges haben die Europ\u00e4er die regionale Sicherheit durch eine unipolare westliche Linse betrachtet. W\u00e4hrend die Nato die milit\u00e4rische Sicherheit garantierte, sorgte die EU mit ihrem 80.000 Seiten starken Regelwerk f\u00fcr alles von LGBTQ-Rechten bis hin zu Rasenm\u00e4her-Sound-Verordnungen f\u00fcr Rechtsordnung. In den 90er-Jahren ging man allgemein davon aus, dass die beiden gro\u00dfen nichtwestlichen regionalen Akteure, Russland und die T\u00fcrkei, nach und nach an diese Regelungen herangef\u00fchrt werden w\u00fcrden.<\/p>\n\n\n\n

Qu\u00e4lende Hassliebe<\/h3>\n\n\n\n

Doch in den letzten 15 Jahren ist der Traum von der europ\u00e4ischen Unipolarit\u00e4t einer multipolaren Realit\u00e4t gewichen. Sowohl Russland als auch die T\u00fcrkei haben eine lange, qu\u00e4lende Hassliebe zu Europa, und beide sind unter nationalen Machthabern, denen die Verachtung der Normen und Werte der EU gemeinsam ist, durchsetzungsf\u00e4higer geworden.<\/p>\n\n\n\n

Die zunehmende Verschlechterung der Beziehungen zwischen der EU und Russland ist gut dokumentiert, der Fall der T\u00fcrkei weniger. Der Irakkrieg im Jahr 2003 komplizierte das Verh\u00e4ltnis der T\u00fcrkei zur Nato, und ihr Verh\u00e4ltnis zur EU verschlechterte sich 2007, als Frankreich einen wichtigen Teil ihrer EU-Beitrittsverhandlungen blockierte. Seitdem hat die T\u00fcrkei ihren eigenen Weg in Syrien, auf dem Balkan und in Libyen eingeschlagen und neue Beziehungen zu Russland und China aufgebaut.<\/p>\n\n\n\n

Wichtiger Akteur<\/strong><\/h3>\n\n\n\n

Nat\u00fcrlich sind die Beziehungen zwischen der T\u00fcrkei und Russland nicht weniger kompliziert, nicht zuletzt weil Erdo\u011fan und der russische Pr\u00e4sident Wladimir Putin im syrischen B\u00fcrgerkrieg verschiedene Seiten unterst\u00fctzten.Und w\u00e4hrend die Spannungen wegen des Syrien-Konflikts weiterhin bestehen, bewundert Erdo\u011fan deutlich, wie Russland sich \u2013 bei relativ geringen Kosten \u2013 wieder als wichtiger Akteur im Nahen Osten und in Nordafrika etabliert hat.<\/p>\n\n\n\n

Nachdem er in einen nicht zu gewinnenden Krieg im Osten der Ukraine verwickelt war, schien Putins weitgehend erfolgreicher Feldzug in Syrien einen Teil seiner innenpolitischen Autorit\u00e4t wiederherzustellen. Der Westen hatte f\u00fcnf Jahre lang darauf bestanden, dass es keine milit\u00e4rische L\u00f6sung des Konflikts gebe und dass der syrische Pr\u00e4sident Baschar al-Assad gehen m\u00fcsse. Doch w\u00e4hrend die von den Vereinten Nationen unterst\u00fctzten Gespr\u00e4che in Genf zu keinem Ergebnis f\u00fchrten, schienen die von Russland geleiteten Gespr\u00e4che in Astana voranzukommen. Indem der Kreml die T\u00fcrkei und den Iran einbezog, w\u00e4hrend er die westlichen M\u00e4chte ausschloss, erweckte er den Eindruck, dass Russland als wiedergeborene Supermacht aus der Asche auferstanden sei.<\/p>\n\n\n\n

Unter Druck<\/h3>\n\n\n\n

Angesichts des wachsenden Widerstands im eigenen Land macht es Erdo\u011fan Putin gleich. Da der Westen nicht bereit war, (erneut) milit\u00e4risch in Libyen zu intervenieren, sah Erdo\u011fan eine Gelegenheit, die T\u00fcrkei zu positionieren. Nach dem Vorgehen Russlands in Syrien sicherte er sich eine formelle Einladung der libyschen Regierung zur Intervention. Mit einem Schlag Ende letzten Jahres hat er nicht nur das Image der T\u00fcrkei als Regionalmacht gest\u00e4rkt, sondern auch ein Abkommen mit Libyen \u00fcber die Seegrenze abgeschlossen und damit einen Plan Griechenlands, Zyperns, \u00c4gyptens und Israels zur Erschlie\u00dfung von Unterwasser\u00f6l- und -gasfeldern in der N\u00e4he zunichtegemacht.<\/p>\n\n\n\n

Erdo\u011fan scheint auch von der Spalt-und-Eroberungs-Strategie des Kreml in Europa inspiriert worden zu sein, der zufolge oft diejenigen EU-Mitgliedsstaaten unter Druck gesetzt werden, die am meisten von russischen Kohlenwasserstoffen oder M\u00e4rkten abh\u00e4ngig sind. So wie Putin lange Zeit die Energieversorgung instrumentalisiert hat, hat Erdo\u011fan versucht, den Strom von Migranten und Fl\u00fcchtlingen, die vor Konflikten im Nahen Osten fliehen, zu instrumentalisieren. Als die EU eine neue Marinemission ank\u00fcndigte, um den Waffenstrom nach Libyen zu blockieren, malte die T\u00fcrkei f\u00fcr Malta das Schreckgespenst der angeblichen Bedrohung durch Migranten an die Wand. Malta reagierte prompt und signalisierte, dass es gegen die Finanzierung der Mission ein Veto einlegen werde.<\/p>\n\n\n\n

Verlorener Sohn<\/strong><\/h3>\n\n\n\n

Jahrelang redeten sich die Europ\u00e4er ein, dass Russland eine Art verlorener Sohn sei und dass die europ\u00e4ische unipolare Ordnung gesund bleibe. Doch das machte Europa zu einem leichten Ziel f\u00fcr die Trennungs-und-Eroberungs-Strategie des Kreml. Erst vor relativ kurzer Zeit entwarf die Union eine neue Politik und ein robustes Sanktionsregime, um die russische Aggression abzuschrecken. Und selbst jetzt \u2013 trotz der besten Bem\u00fchungen der deutschen Bundeskanzlerin Angela Merkel und des franz\u00f6sischen Pr\u00e4sidenten Emmanuel Macron \u2013 hat die EU noch immer keine wirksamen Kommunikationskan\u00e4le mit Russland geschaffen, um gemeinsame Probleme anzugehen.<\/p>\n\n\n\n

Die T\u00fcrkei ist noch kein neues Russland, aber sie k\u00f6nnte dazu werden, wenn die Situation falsch gehandhabt wird. Vorerst betrachten die meisten Europ\u00e4er die T\u00fcrkei noch immer als einen komplizierten Partner und nicht als \"Systemrivalen\". Aber die Europ\u00e4er sollten die hart erk\u00e4mpften Lehren aus dem Umgang mit Russland in den letzten 15 Jahren beherzigen. Die Beziehungen zwischen der EU und der T\u00fcrkei brauchen neue, einvernehmlich vereinbarte Prinzipien sowie klare Grenzen, um eine weitere Destabilisierung in der Region zu verhindern.<\/p>\n\n\n\n

Zu diesem Zweck sollten die Europ\u00e4er klarstellen, dass der EU-Beitrittsprozess entweder zur\u00fcckgedreht oder vorangetrieben werden kann und dass eine eher transaktionale Beziehung sowohl Zuckerbrot als auch Peitsche beinhaltet. Die Herausforderung wird darin bestehen, daf\u00fcr zu sorgen, dass es in einer Region, die nicht nur von Europa und der T\u00fcrkei, sondern auch von Russland, den USA und einem aufstrebenden China beeinflusst wird, noch Raum f\u00fcr politisches Engagement in Fragen der gemeinsamen Sicherheit gibt. (Mark Leonard, \u00dcbersetzung: Eva G\u00f6llner, Copyright: Project Syndicate, 10.8.2020)<\/p>\n\n\n\n

Mark Leonard <\/strong>ist Direktor des Europ\u00e4ischen Rats f\u00fcr Ausw\u00e4rtige Beziehungen.<\/a><\/p>\n","post_title":"Erdo\u011fan \u2013 der andere Putin vor der Haust\u00fcr Europas","post_excerpt":"","post_status":"publish","comment_status":"closed","ping_status":"closed","post_password":"","post_name":"erdogan-der-andere-putin-vor-der-haustur-europas","to_ping":"","pinged":"","post_modified":"2025-02-02 08:39:39","post_modified_gmt":"2025-02-02 08:39:39","post_content_filtered":"","post_parent":0,"guid":"https:\/\/dctransparency.com\/?p=3789","menu_order":0,"post_type":"post","post_mime_type":"","comment_count":"0","filter":"raw"},{"ID":3786,"post_author":"7","post_date":"2020-08-14 13:51:23","post_date_gmt":"2020-08-14 13:51:23","post_content":"\n

Einen Monat nachdem ich zur israelischen Armee eingezogen worden war, brach die erste Intifada aus. Statt Soldat zu sein, machte ich Polizeiarbeit, sagte den Menschen, wann sie zur Arbeit gehen konnten und wann sie ihre L\u00e4den schlie\u00dfen mussten, wann sie die Grenze passieren und wann sie schlafen konnten. Einen Monat nachdem ich aus der Armee entlassen worden war, ging ich auf Reisen. (In Israel sagen wir: Wir dienen drei Jahre und versuchen den Rest unseres Lebens, diese drei Jahre zu vergessen.) Auf meiner Reise begann ich Briefe an meine Freundin zu schreiben, die ich in Israel zur\u00fcckgelassen hatte.<\/p>\n\n\n\n

Ich schrieb ihr, wie schrecklich depressiv ich war und dass diese drei Jahre des Anweisungenbellens und Anderen-Menschen-Sagens, was sie zu tun haben, mich f\u00fcr immer verfolgen w\u00fcrden. Dass sie ein Teil dessen geworden waren, was ich bin. Ich erinnere mich, dass ich ihr schrieb, dass wir da rausm\u00fcssen \u2013 nicht nur f\u00fcr die Pal\u00e4stinenser, sondern wegen der furchtbaren und brutalen Auswirkungen, die all das auf uns, auf die israelische Gesellschaft haben w\u00fcrde. Sie schrieb zur\u00fcck: \u201eDu hast recht. Ich habe einen neuen Freund.\u201c<\/p>\n\n\n\n

Felix Klein wurde als Beauftragter der Bundesregierung berufen<\/a>, um die Auswirkungen des zunehmenden Antisemitismus in unserer Gesellschaft, in Deutschland, zu bek\u00e4mpfen. Was nicht in seiner Jobbeschreibung steht, ist, dass er dabei unsere Gesellschaft heilen muss, jene Gesellschaft, die diese Form des Hasses reproduziert und sch\u00fctzt. Klein hat das begriffen.<\/p>\n\n\n\n

Er versteht, dass man Krebs nicht mit einem Pflaster verarztet, er wei\u00df, dass er das Bewusstsein der Deutschen sch\u00e4rfen und Diskussionen ansto\u00dfen muss. Er hat begriffen, dass das Problem nicht nur an den R\u00e4ndern der Gesellschaft (bei den Rechten) liegt, sondern auch in ihrer Mitte. Dort, wo gebildete Menschen nicht einmal bemerken, dass das, was sie sagen und tun, antisemitisch ist. So wie sie es auch nicht merken, wenn sie rassistisch handeln. Er hat all das verstanden, und genau deshalb wollen einige, dass er seinen Posten r\u00e4umt.<\/p>\n\n\n\n

Mehr als 60 deutsche und israelische Intellektuelle haben letzte Woche in einem Brief an Kanzlerin Merkel<\/a> dar\u00fcber geklagt, dass der aktuelle \u201eGebrauch des Antisemitismusbegriffs\u201c darauf abziele, \u201elegitime Kritik an der israelischen Regierungspolitik zu unterdr\u00fccken\u201c, und Klein vorgeworfen, rechtspopulistische israelische Stimmen zu f\u00f6rdern.<\/p>\n\n\n\n

Faszinierend an diesem offenen Brief ist, dass viele der Unterzeichneten keine Deutschen sind und auch nicht in Deutschland leben. Ich wei\u00df nicht, woher sie \u2013 die meisten von ihnen sind Israelis \u2013 die Chuzpe haben, sich in eine innerdeutsche Angelegenheit einzumischen und zu fordern, eine Person zu entlassen, die von der Bundesregierung eingesetzt wurde. Die H\u00e4lfte der Unterzeichneten lebt nicht hier, von der anderen H\u00e4lfte sind viele keine Juden \u2013 somit sind die allermeisten von ihnen nicht direkt vom Antisemitismus in Deutschland betroffen. Wie also k\u00f6nnen sie diesen Brief unterschreiben? Und warum eigentlich haben so wenige Deutsche unterschrieben? Dazu komme ich gleich.<\/p>\n\n\n\n

Debatte um Achille Mbembe<\/h6>\n\n\n\n

Hintergrund des Briefs war, dass Felix Klein gefordert hatte, den Philosophen Achille Mbembe<\/a> nicht die Er\u00f6ffnungsrede der Ruhrtriennale halten zu lassen. Als mit \u00f6ffentlichen Mitteln gef\u00f6rdertes Event solle die Ruhrtriennale Mbembe wegen seiner Haltung zu Israels Existenzrecht, seiner Haltung zu BDS und der Art, wie er in einem seiner Werke den Holocaust relativiert, nicht einladen.<\/p>\n\n\n\n

Mbembes Unterst\u00fctzer sagen, keine dieser Anschuldigungen sei wahr. F\u00fcrs Protokoll: In meinen Augen unterst\u00fctzt Mbembe sehr wohl BDS<\/a>, er schrieb unter anderem das Vorwort zu \u201eApartheid Israel\u201c und fordert die komplette Isolation Israels. Ich glaube auch, wenn Mbembe schreibt, die israelische Besetzung sei der \u201egr\u00f6\u00dfte moralische Skandal unserer Zeit\u201c, zeigt das, dass sein moralischer und geografischer Kompass etwas schief ist.<\/p>\n\n\n\n

Doch warum treibt die Debatte so viele Menschen um? Nun, zun\u00e4chst gibt niemand gern auf, was ihm oder ihr selbstverst\u00e4ndlich scheint. \u00dcber den gesamten politischen, sozialen, kulturellen, medialen und akademischen Sektor hinweg sind Menschen daran gew\u00f6hnt, so schlecht \u00fcber Israel sprechen zu k\u00f6nnen, wie auch immer sie wollen.<\/p>\n\n\n\n

Der Spiegel<\/em> hat \u2013 vielleicht in Anlehnung an seine Relotius-Standards, Israel erst k\u00fcrzlich eine Corona-Diktatur genannt. Fakten und Belege f\u00fcr diese Behauptung gab es nicht. Doch Millionen Deutsche haben es gelesen, und es wird nat\u00fcrlich haften bleiben. Faktenlage hin oder her. Der Spiegel<\/em> und andere Medien haben dieses Spiel perfektioniert: Titel so zu drehen, dass sie Israel indirekt anklagen, die Idee zu streuen, der Mossad kon\u00adtrol\u00adliere die deutsche Au\u00dfenpolitik im Nahen Osten, und so fort. Doch sie stehen allesamt sofort auf den Hinterbeinen, wenn jemand es wagt, das Spiel beim Namen zu nennen: moderner Antisemitismus.<\/p>\n\n\n\n

Klein will dem entgegenwirken. Er versteht, dass antisemitische Attacken in Deutschland die Fr\u00fcchte solch falsch gezeichneter Bilder und eindimensionaler Narrative \u00fcber Israel sind. Wenn er und andere versuchen, ein anderes Narrativ aufzuzeigen, wirft man ihnen Zensur vor: Wie k\u00f6nnen sie es wagen, das Gesch\u00e4ft der Anti-Israel-Propaganda zu st\u00f6ren?<\/p>\n\n\n\n

Liebe Deutsche, wenn ihr reden wollt, lasst uns gern reden: \u00fcber die Besetzung, \u00fcber Bibi und alles, was schiefl\u00e4uft. Aber dann lasst uns bitte auch dar\u00fcber reden, wie deutsche Steuergelder Terrortunnel finanzieren. Erst vergangene Woche r\u00e4umte die niederl\u00e4ndische Regierung ein, dass Gelder an eine Landwirtschaftsorganisation in Ramallah geflossen seien, die damit teilweise die Geh\u00e4lter zweier des Mordes an der 17-j\u00e4hrigen Israelin Rina Shnerb Verd\u00e4chtiger gezahlt haben. Auch die Bundesregierung unterst\u00fctzt diese Organisation, obwohl Kritiker schon lange vor Verbindungen zu Terroristen warnen.<\/p>\n\n\n\n

Wir k\u00f6nnen uns also gerne unterhalten \u2013 aber im Dialog, nicht in Monologen. Denn Reden unter Menschen, die sich einig sind, ist nichts anderes als Impotenz.<\/p>\n\n\n\n

Israelkritik als Eintrittskarte<\/h6>\n\n\n\n

Die Israelis, die die Petition unterzeichnet haben, haben \u00fcbrigens ebenfalls etwas verstanden. Seit Jahren wissen sie: Es ist ihre Eintrittskarte in die Mitte der deutschen (und europ\u00e4ischen) Gesellschaft. Man h\u00f6rt nicht oft von Akademikern mit proisraelischen Ansichten. Weder in den Philharmonie-Orchestern noch in der Kunstszene. Die Eintrittskarte daf\u00fcr ist ein antiisraelischer Standpunkt.<\/p>\n\n\n\n

Der mutma\u00dfliche Grund, warum kaum Deutsche die Petition unterzeichnet haben: Sie mussten es nicht. Ihre Lieblingsjuden haben es f\u00fcr sie getan. Jetzt k\u00f6nnen sie sagen: \u201eSchau, ich bin das ja nicht, meine j\u00fcdischen Freunde sagen es.\u201c Ich selbst war einige Jahre lang mit einem Paar hier in Berlin befreundet, bis ich herausfand, dass ich ihr Lieblingsjude war. Ja, selbst das j\u00fcdische Museum wurde so genutzt.<\/p>\n\n\n\n

Weil Attacken gegen Juden ein absolutes Tabu sind, wurden Umwege gefunden, um den Antisemitismus auf kleiner Flamme k\u00f6cheln zu lassen: die unfundierte, unbegr\u00fcndete Kritik an Israel.<\/p>\n\n\n\n

Diese Art der Kritik ist gef\u00e4hrlich. Sie schw\u00e4cht jede begr\u00fcndete und notwendige Kritik am Verhalten Israels. Und das Interessante ist: Trotz all der heftigen, pauschalisierenden Anklagen, all der offenen Briefe driftet Israel politisch immer weiter nach rechts. Doch statt mal einen anderen Ansatz zu versuchen, werden die antiisraelischen Stimmen nur lauter. Dasselbe versuchen und andere Ergebnisse davon erwarten \u2013 das ist die Definition von Wahnsinn.<\/p>\n\n\n\n

Kurz bevor der Prozess gegen den wegen des Attentats von Halle<\/a> Angeklagten begann \u2013 des seit Kriegsende schlimmsten Akts von Antisemitismus in Deutschland \u2013, lud eine Lokalzeitung den fr\u00fcheren Botschafter Shimon Stein und den Historiker Moshe Zimmermann ein, dar\u00fcber zu schreiben, was Antisemitismus ist. Nat\u00fcrlich wendeten auch sie sich gegen Felix Kleins Ansatz. Sie zitieren die Kontroverse um die Umbenennung der U-Bahn-Station Mohrenstra\u00dfe in Glinkastra\u00dfe, die sich darum drehte, dass der russische Komponist Michael Glinka Antisemit gewesen sein soll. Stein und Zimmermann halten die Debatte f\u00fcr \u00fcberzogen, Glinka sei nur ein Kind seiner Zeit gewesen. Folgt man ihrer Logik, k\u00f6nnen wir dann also in 20 oder 30 Jahren U-Bahn-Stationen nach den Kindern der 1930er Jahre benennen?<\/p>\n\n\n\n

Der Antisemit als Tierfreund<\/h6>\n\n\n\n

Ich w\u00fcnschte, die Sache h\u00e4tte mit dem Artikel, mit der Petition geendet. Doch dann erschien ein Artikel, der den Leser auf einen Waldspaziergang mit einem veganen Koch und Antisemiten mitnahm. Darin setzt der Tierfreund erst behutsam einen K\u00e4fer wieder auf seine Beinchen und erkl\u00e4rt dann, dass die Todesstrafe in Deutschland wieder eingef\u00fchrt werden solle, um einen gewissen Politiker (der zuf\u00e4llig pro Israel ist) an seinen Hoden aufh\u00e4ngen zu k\u00f6nnen. Dieser Koch hat Hunderttausende Follower, er sagt all solche Dinge am helllichten Tag in Berlin. Und in den Medien.<\/p>\n\n\n\n

F\u00e4lle wie dieser handeln bereits von Gewalt \u2013 und sie enden nicht bei den Juden. Der Hass richtet sich gegen Frauen<\/a>, Muslime, Gefl\u00fcchtete, \u00adLBTQI. Am Ende aller theoretischen Debatten stehen immer echte Menschen. Am Ende jeder Konferenz dar\u00fcber, was Antisemitismus ausmacht, steht ein potenzielles j\u00fcdisches Opfer. Angesichts einer Welle von Antisemitismus \u00fcber die Definition von Antisemitismus zu streiten ist, wie eine 10 Meter hohe Welle heranrollen zu sehen und dar\u00fcber zu streiten, was einen Tsunami ausmacht.<\/p>\n\n\n\n

Felix Klein versteht, wie absurd es ist, zu sagen: Es sind nur die Rechten. Die Rechten sind Deutsche, so wie die Nazis Deutsche waren. Klein versteht, dass die Deutschen nicht aufgeh\u00f6rt haben, Juden zu ermorden, weil sie irgendeine Art von Erleuchtung hatten. Sondern schlicht, weil sie den Krieg verloren haben. Um den Antisemitismus zu bek\u00e4mpfen, bevor er die Gesellschaft frisst, in der er und wir leben, muss Deutschland seinen moralischen Kompass korrigieren.<\/p>\n\n\n\n

Immerhin: Mehr und mehr Deutsche fahren nach Israel, sie wollen ein anderes Narrativ h\u00f6ren. Mehr und mehr Deutsche verstehen, dass Antisemitismus Schockwellen ausl\u00f6st, die die gesamte Gesellschaft betreffen. In einem normalen Universum w\u00fcrde Klein bef\u00f6rdert werden f\u00fcr seine Leistung. In einer verdrehten Gesellschaft fordern Menschen seine Entlassung. Um es mit Mbembe zu sagen: Das ist Nano-Nonsens.<\/p>\n\n\n\n

\u00dcbersetzung: Ariane Lemme<\/a><\/em><\/p>\n","post_title":"Felix Klein hat verstanden","post_excerpt":"","post_status":"publish","comment_status":"closed","ping_status":"closed","post_password":"","post_name":"felix-klein-hat-verstanden","to_ping":"","pinged":"","post_modified":"2025-02-02 08:39:39","post_modified_gmt":"2025-02-02 08:39:39","post_content_filtered":"","post_parent":0,"guid":"https:\/\/dctransparency.com\/?p=3786","menu_order":0,"post_type":"post","post_mime_type":"","comment_count":"0","filter":"raw"}],"next":false,"prev":true,"total_page":47},"paged":1,"column_class":"jeg_col_2o3","class":"epic_block_3"};

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Die BBC <\/a>hat neue Beweise daf\u00fcr gefunden, dass eine von den Vereinigten Arabischen Emiraten (VAE) betriebene Drohne im Januar 2020 26 unbewaffnete Kadetten an einer Milit\u00e4rakademie in der libyschen Hauptstadt Tripolis get\u00f6tet hat.<\/p>\n\n\n\n

Zum Zeitpunkt des Streiks am 4. Januar wurde Tripolis von der selbsternannten libyschen Nationalarmee (LNA) belagert.<\/p>\n\n\n\n

Es hat die Verantwortung f\u00fcr den Angriff abgelehnt und vermutet, dass die Kadetten durch Beschuss vor Ort get\u00f6tet wurden.<\/p>\n\n\n\n

Es gibt jedoch Hinweise darauf, dass die Kadetten von einer chinesischen Blue Arrow 7-Rakete getroffen wurden.<\/p>\n\n\n\n

Dies wurde von einer Drohne namens Wing Loong II abgefeuert, und die Untersuchung von BBC Africa Eye und BBC Arabic Documentaries ergab auch Hinweise darauf, dass Wing Loong II-Drohnen zum Zeitpunkt des Streiks nur von einem libyschen Luftwaffenst\u00fctzpunkt aus operierten - al-Khadim - und dass die VAE die dort stationierten Drohnen geliefert und betrieben haben.<\/p>\n\n\n\n

\"\"<\/figure>\n\n\n\n

Die VAE haben zuvor die milit\u00e4rische Beteiligung in Libyen verweigert und sagen, sie unterst\u00fctzen den UN-Friedensprozess. Es antwortete nicht auf die Bitte der BBC um einen Kommentar.<\/p>\n\n\n\n

Was ist mit diesen Kadetten passiert?<\/strong><\/p>\n\n\n\n

Kurz nach 21:00 Uhr am 4. Januar 2020 f\u00fchrten rund 50 Kadetten Routine\u00fcbungen an einer Milit\u00e4rakademie im S\u00fcden von Tripolis durch.<\/p>\n\n\n\n

Ohne Vorwarnung detonierte eine Explosion in der Mitte der Gruppe und lie\u00df 26 Kadetten tot oder auf dem Exerzierplatz sterben. Viele waren noch Teenager. Keiner von ihnen war bewaffnet.

Einer der \u00dcberlebenden war der 20-j\u00e4hrige Abdul Moeen.<\/p>\n\n\n\n

Er war in der Akademie, als der Streik eintraf. \"Es war unbeschreiblich\", sagte er der BBC.<\/p>\n\n\n\n

\"Wir haben gesehen, wie unsere Kollegen starben, ihren letzten Atemzug machten und wir konnten nichts tun ... Es gab Leute, deren Oberk\u00f6rper von ihren K\u00f6rpern getrennt waren. Es war ein schreckliches Verbrechen, ein Verbrechen, das nichts mit der Menschheit zu tun hat. \"\"<\/p>\n\n\n\n

Sieben Monate nach dem Streik hat niemand die Verantwortung f\u00fcr die T\u00f6tung dieser jungen M\u00e4nner eingestanden.<\/p>\n\n\n\n

Die LNA unter Gen Khalifa Haftar bestritt, dass sie hinter dem Streik steckt, und teilte der Presse mit, dass die Explosion m\u00f6glicherweise durch eine lokal abgefeuerte M\u00f6rsergranate oder einen Angriff innerhalb der Akademie verursacht worden sei.<\/p>\n\n\n\n

Was hat die BBC gefunden?<\/strong><\/p>\n\n\n\n

Die Untersuchung ergab Hinweise darauf, dass eine viel ausgefeiltere Waffe verwendet wurde.<\/p>\n\n\n\n

\"\"<\/figure>\n\n\n\n

Die BBC betrachtete Bilder des Splitters, der nach dem Streik auf dem Exerzierplatz zur\u00fcckgelassen wurde, und kam zu dem Schluss, dass er mit den Komponenten einer Rakete namens Blue Arrow 7 \u00fcbereinstimmte.<\/p>\n\n\n\n

Unsere Analyse ergab, dass nur ein Flugzeug, das im Januar 2020 \u00fcber Tripolis operierte, diese Waffe abfeuern konnte - eine Drohne namens Wing Loong 2.<\/p>\n\n\n\n

Nur drei Wochen vor diesem Streik kamen die Vereinten Nationen zu dem Schluss, dass der Blaue Pfeil 7 \"ballistisch gepaart ist, um vom Wing Loong II geliefert zu werden ... und von keinem anderen in Libyen bisher identifizierten Luftfahrtgut\".<\/p>\n\n\n\n

Die BBC untersuchte auch, woher diese Drohne stammen k\u00f6nnte, und fand Hinweise darauf, dass Wing Loong-Drohnen zum Zeitpunkt des Angriffs nur von einem libyschen Luftwaffenst\u00fctzpunkt aus operierten: al-Khadim im von der LNA kontrollierten Ostlibyen.<\/p>\n\n\n\n

Sowohl die BBC als auch die UN haben Beweise daf\u00fcr gefunden, dass Drohnen, die von diesem Luftwaffenst\u00fctzpunkt aus operieren, zu den Vereinigten Arabischen Emiraten geh\u00f6ren.<\/p>\n\n\n\n

Im Jahr 2019 stellte die UNO fest, dass die VAE durch den Versand von Wing Loong-Drohnen und Blue Arrow 7-Raketen nach Libyen gegen das seit 2011 geltende UN-Waffenembargo gegen das Land versto\u00dfen hatten.<\/p>\n\n\n\n

Die BBC fand auch ein Waffenregister, aus dem hervorgeht, dass die VAE 2017 15 Wing Loong-Drohnen und 350 Blue Arrow 7-Raketen gekauft haben.<\/p>\n\n\n\n

Was hat die BBC noch aufgedeckt?<\/strong><\/p>\n\n\n\n

<\/p>\n\n\n\n

Die BBC-Untersuchung ergab auch neue Beweise daf\u00fcr, dass \u00c4gypten den VAE erlaubt, \u00e4gyptische Milit\u00e4rflugpl\u00e4tze nahe der libyschen Grenze zu nutzen.<\/p>\n\n\n\n

Im Februar 2020 scheinen die in Libyen stationierten Wing Loong II-Drohnen \u00fcber die Grenze nach \u00c4gypten zu einem Luftwaffenst\u00fctzpunkt in der N\u00e4he von Siwa in der west\u00e4gyptischen W\u00fcste gebracht worden zu sein.<\/p>\n\n\n\n

Satellitenbilder zeigen auch, dass ein zweiter \u00e4gyptischer Milit\u00e4rflugplatz, Sidi Barrani, als Einsatzbasis f\u00fcr Mirage 2000-Kampfflugzeuge verwendet wurde, die in Farben lackiert sind, die nicht von der \u00e4gyptischen Luftwaffe verwendet werden, aber genau den von den VAE geflogenen Jets entsprechen .<\/p>\n\n\n\n

Dies ist das gleiche Flugzeugmodell, das von den Vereinten Nationen in einen Luftangriff auf ein Migrationszentrum \u00f6stlich von Tripolis im Juli 2019 verwickelt wurde, bei dem 53 Menschen get\u00f6tet wurden.<\/p>\n\n\n\n

Ausl\u00e4ndischer Jet bei libyschem Migrantenangriff verd\u00e4chtigt<\/p>\n\n\n\n

Sidi Barrani ist auch das Ziel f\u00fcr mehrere Frachtflugzeuge, die von den Vereinigten Arabischen Emiraten gestartet sind, und schl\u00e4gt eine Luftbr\u00fccke f\u00fcr Ausr\u00fcstung oder Lieferungen zwischen den Vereinigten Arabischen Emiraten und einer Milit\u00e4rbasis vor, die nur 80 km von der libyschen Grenze entfernt liegt.<\/p>\n\n\n\n

Die \u00e4gyptische Regierung antwortete nicht auf die Bitte der BBC um Stellungnahme.<\/p>\n\n\n\n

Ist ausl\u00e4ndisches milit\u00e4risches Engagement \u00fcberraschend?<\/strong><\/p>\n\n\n\n

Sowohl die Vereinigten Arabischen Emirate als auch \u00c4gypten nahmen an einer von Bundeskanzlerin Angela Merkel im Januar dieses Jahres in Berlin einberufenen Konferenz \u00fcber Libyen teil, auf der sie ihre Unterst\u00fctzung f\u00fcr den UN-Friedensprozess bekr\u00e4ftigten und sich bereit erkl\u00e4rten, nicht in den Libyen-Krieg einzugreifen.<\/p>\n\n\n\n

Im vergangenen Jahr gab es jedoch eine Eskalation des Einsatzes von Drohnen durch beide Seiten des Konflikts.<\/p>\n\n\n\n

Ghassan Salam\u00e9, der fr\u00fchere Leiter der UN-Mission in Libyen, beschrieb dies als \"m\u00f6glicherweise das gr\u00f6\u00dfte Drohnenkriegstheater der Welt\".<\/p>\n\n\n\n

Die VAE sind nicht die einzige ausl\u00e4ndische Macht, die an diesem Konflikt beteiligt ist.<\/p>\n\n\n\n

Anfang dieses Jahres gab BBC Africa Eye bekannt, dass die T\u00fcrkei auch gegen das Waffenembargo der Vereinten Nationen gegen Libyen versto\u00dfen hat, indem sie geheime Waffenlieferungen an die von den Vereinten Nationen anerkannte Regierung in Tripolis gesendet hat.<\/p>\n\n\n\n

Mit Unterst\u00fctzung der T\u00fcrkei hat die von den Vereinten Nationen anerkannte Regierung des Nationalen Abkommens nun die LNA von Gen Haftar aus der Gegend um Tripolis zur\u00fcckgeschlagen.<\/p>\n","post_title":"BBC-Untersuchung: VAE in t\u00f6dlichen Angriff in Libyen verwickelt","post_excerpt":"","post_status":"publish","comment_status":"closed","ping_status":"closed","post_password":"","post_name":"bbc-untersuchung-vae-in-todlichen-angriff-in-libyen-verwickelt","to_ping":"","pinged":"","post_modified":"2025-02-02 08:39:39","post_modified_gmt":"2025-02-02 08:39:39","post_content_filtered":"","post_parent":0,"guid":"https:\/\/dctransparency.com\/?p=3811","menu_order":0,"post_type":"post","post_mime_type":"","comment_count":"0","filter":"raw"},{"ID":3792,"post_author":"7","post_date":"2020-08-14 13:58:48","post_date_gmt":"2020-08-14 13:58:48","post_content":"\n

Die Hagia Sophia war (ist) ein kulturelles Weltwunder und aufgeladen mit symbolischer Bedeutung, f\u00fcr die Christenheit ebenso wie f\u00fcr den Islam \u2013 und den t\u00fcrkischen Nationalismus. Als Mehmed II. sie betrat, war sie schon fast 1000 Jahre die gr\u00f6\u00dfte Kirche der christlichen Welt und das Zentrum der orthodoxen Glaubensrichtung. Die \"Ayasofya\", wie sie dann hie\u00df, war 500 Jahre lang Moschee \u2013 bis 1934, als Kemal Pascha Atat\u00fcrk, der \"Vater\" der modernen T\u00fcrkei, sie in ein Museum verwandelte, in der ausdr\u00fccklichen Absicht, auch hier mit dem osmanischen Erbe zu brechen.<\/p>\n\n\n\n

Nun wird Pr\u00e4sident Recep Tayyip Erdo\u011fan, der \"Vater\" der re-islamisierten T\u00fcrkei, am 24. Juli dieses Jahres die Ayasofya durch das Freitagsgebet wieder in den Islam eingliedern. Oder eher in seinen pers\u00f6nlichen religi\u00f6sen Nationalismus.<\/p>\n\n\n\n

Welterbe von allen<\/h3>\n\n\n\n

Wie bedeutungsschwer ist dieser Akt eines \"starken Mannes\", der innenpolitisch deutlich schw\u00e4chelt? Die Proteste vor allem aus der orthodoxen Welt, aber auch aus Europa und den USA sind eher traurig als w\u00fctend. Der Papst dr\u00fcckte seinen \"Schmerz\" aus. Auch der Jubel in der islamischen Welt fiel zun\u00e4chst weniger \u00fcbersch\u00e4umend als erwartet aus.<\/p>\n\n\n\n

Ist es der Alleingang eines Autokraten in Bedr\u00e4ngnis oder ist \"der Jubel \u00fcber die Eroberung der Hagia Sophia der Versuch einer zutiefst erniedrigten, vom Gef\u00fchl der Wertlosigkeit dominierten und in ihrer eigenen Selbstberechtigung beraubten Gesellschaft, eine Bedeutung, eine St\u00e4rke, ein Selbstwertgef\u00fchl zu finden\"? So recht pauschalierend der in Deutschland lebende pal\u00e4stinensische Intellektuelle und Psychiater Ahmad Mansour.<\/p>\n\n\n\n

Die beiden Gro\u00dfreiche, das byzantinische und das osmanische, sind l\u00e4ngst versunken.<\/p><\/blockquote>\n\n\n\n

Das eigentliche Schl\u00fcsselwort im Zusammenhang mit der Hagia Sofia ist \"Welterbe\". Das Erbe von allen. Einmal im kulturellen Sinn der Unesco, aber in Wahrheit weiter gefasst. Das einzigartige Bauwerk geh\u00f6rt in Wirklichkeit der ganzen Welt, nicht der einen oder anderen Religion. Die beiden Gro\u00dfreiche, f\u00fcr die die Hagia Sofia der zentrale spirituelle Bau war, das byzantinische und das osmanische, sind l\u00e4ngst versunken. Seither hat sie eine neue, \u00fcbernationale Dimension erhalten. Was Erdo\u011fan da jetzt mit der Hagia Sofia macht, ist eine Verengung und Verarmung eines gemeinsamen Welterbes.<\/p>\n\n\n\n

\"\"\/
Betende Muslime vor der Hagia Sophia.<\/figcaption><\/figure>\n\n\n\n

Davon abgesehen aber war und ist sie ein architektonisches Meisterwerk und geh\u00f6rt zu den bedeutendsten Bauten der Welt. Wer heute den Zentralraum unter der Kuppel betritt, kann sich nur schwer dem zugleich majest\u00e4tischen wie schwebenden Gesamteindruck entziehen. Die Hagia Sophia blieb fast 1000 Jahre die gr\u00f6\u00dfte Kirche der Christenheit. Technisch war die Kuppel (mit mehreren Halbkuppeln) eine \u00fcberaus riskante Innovation: Die 55 Meter hohe und 32 Meter im Durchmesser breite Kuppel ruht auf nur vier Tragpunkten, was den schwebenden, schwerelosen Eindruck erzeugt. Die Konstruktion folgt einem mathematischen Prinzip, das erst k\u00fcrzlich entschl\u00fcsselt wurde.<\/p>\n\n\n\n

\"Salomo, ich habe dich \u00fcbertroffen!\"<\/p><\/blockquote>\n\n\n\n

Als Kaiser Justinian die Hagia Sophia nach nur f\u00fcnf Jahren Bauzeit (532\u2013537) betrat, soll er in Anspielung auf den Tempel in Jerusalem ausgerufen haben: \"Salomo, ich habe dich \u00fcbertroffen!\" Die Innenausstattung war mit ihren S\u00e4ulen aus Porphyr und gr\u00fcnem Marmor, mit Mosaiken aus Gold und Halbedelsteinen derart prunkvoll, der Gesamteindruck derart \u00fcberirdisch, dass eine Delegation des Gro\u00dff\u00fcrsten von Kiew nicht mehr wusste, \"ob wir im Himmel oder auf der Erde\" waren \u2013 was die Christianisierung Russlands bef\u00f6rderte.<\/p>\n\n\n\n

Der deutsche Architekturlehrer Holger Kleine nennt die Hagia Sophia \"absolute Architektur\", weil sie \"extreme Ausdrucksformen nahezu aller dramaturgischen Mittel, die der Architektur zur Verf\u00fcgung stehen, vereinigt: wuchtigste K\u00f6rper und luftigste R\u00e4ume, engste Enge und gr\u00f6\u00dfte Weite, w\u00e4rmende Helligkeit und mystisches Dunkel\". Und die Kuppelbauten aus der sp\u00e4teren Hochbl\u00fcte der Moscheenarchitektur im 16. und 17. Jahrhundert gehen eindeutig auf die Hagia Sophia zur\u00fcck.<\/p>\n\n\n\n

Die Hagia Sophia war Staatskirche des byzantinischen Reichs. F\u00fcr die Eroberer der letzte Schlussstein in der Kuppel osmanisch-muslimischen Herrschaftsanspruchs. Konstantinopel war ja 1453 nur noch eine isolierte, heruntergekommene Enklave in einem osmanischen Umfeld, kein christliches Heer kam zu Hilfe. Doch vorher war es zugleich Sperrriegel nach Osten und Geistesarchiv der antiken Kultur gewesen. \"Ohne Byzanz h\u00e4tte es kein Europa gegeben\", sagt die britische Altertumsforscherin Judith Herrin.<\/p>\n\n\n\n

\"\"\/
Freigelegtes Mosaik von \"Christos Pantokrator\".<\/figcaption><\/figure>\n\n\n\n

Neue Fragen<\/h3>\n\n\n\n

Die Kirche wurde von Mehmed II. und Nachfolgern nicht in der Substanz zerst\u00f6rt, sondern \"entchristlicht\". Die urspr\u00fcnglich \u00fcbert\u00fcnchten oder auch abgeschlagenen Mosaiken mit den Darstellungen von Christus, der Muttergottes, diversen Kaisern kamen zum Teil schon unter einem Sultan des 19. Jahrhunderts, dann gro\u00dfteils nach der Museumswidmung wieder zum Vorschein.<\/p>\n\n\n\n

Jetzt stellen sich neue symbolisch-praktische Fragen. Erdo\u011fan hat die Hagia Sophia der konservativen staatlichen Religionsbeh\u00f6rde Diyanet unterstellt. Die byzantinischen Mosaike, wie der gro\u00dfartige \"Christos Pantokrator\" (\"Weltenherrscher\") oder die Jungfrau Maria in der Apsis, m\u00fcssen wohl w\u00e4hrend des islamischen Gottesdiensts verh\u00e4ngt werden. Muss der Boden mit seinen Marmorplatten und Mosaiken mit einem Teppich bedeckt werden? Erdo\u011fan sagt, Touristen seien nach wie vor zugelassen. Aber sie werden wohl hinter Absperrungen bleiben m\u00fcssen. Frauen werden \u2013 wie in der benachbarten \"Blauen Moschee\" (\"Sultanahmed\") Kopftuch tragen m\u00fcssen.<\/p>\n\n\n\n

\"\"\/
Erdo\u011fan mit Gattin in der Hagia Sophia.<\/figcaption><\/figure>\n\n\n\n

Erdo\u011fans neue Abenteuer<\/strong><\/h3>\n\n\n\n

Aber wird da nicht doch zu viel in einen Formalakt rund um ein uraltes Bauwerk hineininterpretiert? Im geschichtlichen Kontext relativiert sich manches: Konstantinopel wurde schon von Christen erobert und ausgepl\u00fcndert \u2013 1204 im Vierten Kreuzzug. In der Moschee von Cordoba (\"Mezquita\") bauten die Katholiken eine ganze Kirche in den ber\u00fchmten S\u00e4ulenwald hinein. Die Mezquita ist heute noch Kirche, kein Museum.<\/p>\n\n\n\n

\"Das ist der Beweis, dass wir kein s\u00e4kularer Staat mehr sein wollen\", sagt Nobelpreistr\u00e4ger Orhan Pamuk. Erdo\u011fan betrachtet sich offenbar als auch neoosmanischer \"Fatih\" im Mittelmeerraum mit immer neuen Abenteuern: Eingreifen in Syrien, Stellvertreterkrieg in Libyen, Anspr\u00fcche auf Erdgasvorkommen weit vor der t\u00fcrkischen K\u00fcste bei Zypern, Reden, wonach manche \u00c4g\u00e4is-Inseln eigentlich zur T\u00fcrkei geh\u00f6ren, \"denn dort stehen unsere Moscheen\". Manches davon ist nur Rhetorik, aber genug anderes ist riskante Realit\u00e4t. (Hans Rauscher, 14.7.2020)<\/p>\n\n\n\n

Quelle<\/a><\/strong><\/p>\n","post_title":"Hagia Sophia: Verengung und Verarmung eines Welterbes","post_excerpt":"","post_status":"publish","comment_status":"closed","ping_status":"closed","post_password":"","post_name":"hagia-sophia-verengung-und-verarmung-eines-welterbes","to_ping":"","pinged":"","post_modified":"2025-02-02 08:39:39","post_modified_gmt":"2025-02-02 08:39:39","post_content_filtered":"","post_parent":0,"guid":"https:\/\/dctransparency.com\/?p=3792","menu_order":0,"post_type":"post","post_mime_type":"","comment_count":"0","filter":"raw"},{"ID":3789,"post_author":"7","post_date":"2020-08-14 13:56:07","post_date_gmt":"2020-08-14 13:56:07","post_content":"\n

Im Gastkommentar pocht Mark Leonard, Direktor des Europ\u00e4ischen Rats f\u00fcr Ausw\u00e4rtige Beziehungen, auf \"neue, einvernehmlich vereinbarte Prinzipien sowie klare Grenzen\", nur so k\u00f6nne eine weitere Destabilisierung in der Region verhindert werden.<\/em><\/strong><\/p>\n\n\n\n

Ist die T\u00fcrkei das neue Russland? Diese Frage wird in den europ\u00e4ischen Hauptst\u00e4dten zunehmend gestellt, da die Au\u00dfenpolitik des t\u00fcrkischen Pr\u00e4sidenten Recep Tayyip Erdo\u011fan zunehmend aggressiver wird. Erdo\u011fan nutzt nicht nur die Migration, um die EU zu bedrohen und zu betr\u00fcgen, sondern setzt auch milit\u00e4rische Macht ein, um den Einflussbereich der T\u00fcrkei auf die gesamte Region auszudehnen.<\/p>\n\n\n\n

Seit dem Ende des Kalten Krieges haben die Europ\u00e4er die regionale Sicherheit durch eine unipolare westliche Linse betrachtet. W\u00e4hrend die Nato die milit\u00e4rische Sicherheit garantierte, sorgte die EU mit ihrem 80.000 Seiten starken Regelwerk f\u00fcr alles von LGBTQ-Rechten bis hin zu Rasenm\u00e4her-Sound-Verordnungen f\u00fcr Rechtsordnung. In den 90er-Jahren ging man allgemein davon aus, dass die beiden gro\u00dfen nichtwestlichen regionalen Akteure, Russland und die T\u00fcrkei, nach und nach an diese Regelungen herangef\u00fchrt werden w\u00fcrden.<\/p>\n\n\n\n

Qu\u00e4lende Hassliebe<\/h3>\n\n\n\n

Doch in den letzten 15 Jahren ist der Traum von der europ\u00e4ischen Unipolarit\u00e4t einer multipolaren Realit\u00e4t gewichen. Sowohl Russland als auch die T\u00fcrkei haben eine lange, qu\u00e4lende Hassliebe zu Europa, und beide sind unter nationalen Machthabern, denen die Verachtung der Normen und Werte der EU gemeinsam ist, durchsetzungsf\u00e4higer geworden.<\/p>\n\n\n\n

Die zunehmende Verschlechterung der Beziehungen zwischen der EU und Russland ist gut dokumentiert, der Fall der T\u00fcrkei weniger. Der Irakkrieg im Jahr 2003 komplizierte das Verh\u00e4ltnis der T\u00fcrkei zur Nato, und ihr Verh\u00e4ltnis zur EU verschlechterte sich 2007, als Frankreich einen wichtigen Teil ihrer EU-Beitrittsverhandlungen blockierte. Seitdem hat die T\u00fcrkei ihren eigenen Weg in Syrien, auf dem Balkan und in Libyen eingeschlagen und neue Beziehungen zu Russland und China aufgebaut.<\/p>\n\n\n\n

Wichtiger Akteur<\/strong><\/h3>\n\n\n\n

Nat\u00fcrlich sind die Beziehungen zwischen der T\u00fcrkei und Russland nicht weniger kompliziert, nicht zuletzt weil Erdo\u011fan und der russische Pr\u00e4sident Wladimir Putin im syrischen B\u00fcrgerkrieg verschiedene Seiten unterst\u00fctzten.Und w\u00e4hrend die Spannungen wegen des Syrien-Konflikts weiterhin bestehen, bewundert Erdo\u011fan deutlich, wie Russland sich \u2013 bei relativ geringen Kosten \u2013 wieder als wichtiger Akteur im Nahen Osten und in Nordafrika etabliert hat.<\/p>\n\n\n\n

Nachdem er in einen nicht zu gewinnenden Krieg im Osten der Ukraine verwickelt war, schien Putins weitgehend erfolgreicher Feldzug in Syrien einen Teil seiner innenpolitischen Autorit\u00e4t wiederherzustellen. Der Westen hatte f\u00fcnf Jahre lang darauf bestanden, dass es keine milit\u00e4rische L\u00f6sung des Konflikts gebe und dass der syrische Pr\u00e4sident Baschar al-Assad gehen m\u00fcsse. Doch w\u00e4hrend die von den Vereinten Nationen unterst\u00fctzten Gespr\u00e4che in Genf zu keinem Ergebnis f\u00fchrten, schienen die von Russland geleiteten Gespr\u00e4che in Astana voranzukommen. Indem der Kreml die T\u00fcrkei und den Iran einbezog, w\u00e4hrend er die westlichen M\u00e4chte ausschloss, erweckte er den Eindruck, dass Russland als wiedergeborene Supermacht aus der Asche auferstanden sei.<\/p>\n\n\n\n

Unter Druck<\/h3>\n\n\n\n

Angesichts des wachsenden Widerstands im eigenen Land macht es Erdo\u011fan Putin gleich. Da der Westen nicht bereit war, (erneut) milit\u00e4risch in Libyen zu intervenieren, sah Erdo\u011fan eine Gelegenheit, die T\u00fcrkei zu positionieren. Nach dem Vorgehen Russlands in Syrien sicherte er sich eine formelle Einladung der libyschen Regierung zur Intervention. Mit einem Schlag Ende letzten Jahres hat er nicht nur das Image der T\u00fcrkei als Regionalmacht gest\u00e4rkt, sondern auch ein Abkommen mit Libyen \u00fcber die Seegrenze abgeschlossen und damit einen Plan Griechenlands, Zyperns, \u00c4gyptens und Israels zur Erschlie\u00dfung von Unterwasser\u00f6l- und -gasfeldern in der N\u00e4he zunichtegemacht.<\/p>\n\n\n\n

Erdo\u011fan scheint auch von der Spalt-und-Eroberungs-Strategie des Kreml in Europa inspiriert worden zu sein, der zufolge oft diejenigen EU-Mitgliedsstaaten unter Druck gesetzt werden, die am meisten von russischen Kohlenwasserstoffen oder M\u00e4rkten abh\u00e4ngig sind. So wie Putin lange Zeit die Energieversorgung instrumentalisiert hat, hat Erdo\u011fan versucht, den Strom von Migranten und Fl\u00fcchtlingen, die vor Konflikten im Nahen Osten fliehen, zu instrumentalisieren. Als die EU eine neue Marinemission ank\u00fcndigte, um den Waffenstrom nach Libyen zu blockieren, malte die T\u00fcrkei f\u00fcr Malta das Schreckgespenst der angeblichen Bedrohung durch Migranten an die Wand. Malta reagierte prompt und signalisierte, dass es gegen die Finanzierung der Mission ein Veto einlegen werde.<\/p>\n\n\n\n

Verlorener Sohn<\/strong><\/h3>\n\n\n\n

Jahrelang redeten sich die Europ\u00e4er ein, dass Russland eine Art verlorener Sohn sei und dass die europ\u00e4ische unipolare Ordnung gesund bleibe. Doch das machte Europa zu einem leichten Ziel f\u00fcr die Trennungs-und-Eroberungs-Strategie des Kreml. Erst vor relativ kurzer Zeit entwarf die Union eine neue Politik und ein robustes Sanktionsregime, um die russische Aggression abzuschrecken. Und selbst jetzt \u2013 trotz der besten Bem\u00fchungen der deutschen Bundeskanzlerin Angela Merkel und des franz\u00f6sischen Pr\u00e4sidenten Emmanuel Macron \u2013 hat die EU noch immer keine wirksamen Kommunikationskan\u00e4le mit Russland geschaffen, um gemeinsame Probleme anzugehen.<\/p>\n\n\n\n

Die T\u00fcrkei ist noch kein neues Russland, aber sie k\u00f6nnte dazu werden, wenn die Situation falsch gehandhabt wird. Vorerst betrachten die meisten Europ\u00e4er die T\u00fcrkei noch immer als einen komplizierten Partner und nicht als \"Systemrivalen\". Aber die Europ\u00e4er sollten die hart erk\u00e4mpften Lehren aus dem Umgang mit Russland in den letzten 15 Jahren beherzigen. Die Beziehungen zwischen der EU und der T\u00fcrkei brauchen neue, einvernehmlich vereinbarte Prinzipien sowie klare Grenzen, um eine weitere Destabilisierung in der Region zu verhindern.<\/p>\n\n\n\n

Zu diesem Zweck sollten die Europ\u00e4er klarstellen, dass der EU-Beitrittsprozess entweder zur\u00fcckgedreht oder vorangetrieben werden kann und dass eine eher transaktionale Beziehung sowohl Zuckerbrot als auch Peitsche beinhaltet. Die Herausforderung wird darin bestehen, daf\u00fcr zu sorgen, dass es in einer Region, die nicht nur von Europa und der T\u00fcrkei, sondern auch von Russland, den USA und einem aufstrebenden China beeinflusst wird, noch Raum f\u00fcr politisches Engagement in Fragen der gemeinsamen Sicherheit gibt. (Mark Leonard, \u00dcbersetzung: Eva G\u00f6llner, Copyright: Project Syndicate, 10.8.2020)<\/p>\n\n\n\n

Mark Leonard <\/strong>ist Direktor des Europ\u00e4ischen Rats f\u00fcr Ausw\u00e4rtige Beziehungen.<\/a><\/p>\n","post_title":"Erdo\u011fan \u2013 der andere Putin vor der Haust\u00fcr Europas","post_excerpt":"","post_status":"publish","comment_status":"closed","ping_status":"closed","post_password":"","post_name":"erdogan-der-andere-putin-vor-der-haustur-europas","to_ping":"","pinged":"","post_modified":"2025-02-02 08:39:39","post_modified_gmt":"2025-02-02 08:39:39","post_content_filtered":"","post_parent":0,"guid":"https:\/\/dctransparency.com\/?p=3789","menu_order":0,"post_type":"post","post_mime_type":"","comment_count":"0","filter":"raw"},{"ID":3786,"post_author":"7","post_date":"2020-08-14 13:51:23","post_date_gmt":"2020-08-14 13:51:23","post_content":"\n

Einen Monat nachdem ich zur israelischen Armee eingezogen worden war, brach die erste Intifada aus. Statt Soldat zu sein, machte ich Polizeiarbeit, sagte den Menschen, wann sie zur Arbeit gehen konnten und wann sie ihre L\u00e4den schlie\u00dfen mussten, wann sie die Grenze passieren und wann sie schlafen konnten. Einen Monat nachdem ich aus der Armee entlassen worden war, ging ich auf Reisen. (In Israel sagen wir: Wir dienen drei Jahre und versuchen den Rest unseres Lebens, diese drei Jahre zu vergessen.) Auf meiner Reise begann ich Briefe an meine Freundin zu schreiben, die ich in Israel zur\u00fcckgelassen hatte.<\/p>\n\n\n\n

Ich schrieb ihr, wie schrecklich depressiv ich war und dass diese drei Jahre des Anweisungenbellens und Anderen-Menschen-Sagens, was sie zu tun haben, mich f\u00fcr immer verfolgen w\u00fcrden. Dass sie ein Teil dessen geworden waren, was ich bin. Ich erinnere mich, dass ich ihr schrieb, dass wir da rausm\u00fcssen \u2013 nicht nur f\u00fcr die Pal\u00e4stinenser, sondern wegen der furchtbaren und brutalen Auswirkungen, die all das auf uns, auf die israelische Gesellschaft haben w\u00fcrde. Sie schrieb zur\u00fcck: \u201eDu hast recht. Ich habe einen neuen Freund.\u201c<\/p>\n\n\n\n

Felix Klein wurde als Beauftragter der Bundesregierung berufen<\/a>, um die Auswirkungen des zunehmenden Antisemitismus in unserer Gesellschaft, in Deutschland, zu bek\u00e4mpfen. Was nicht in seiner Jobbeschreibung steht, ist, dass er dabei unsere Gesellschaft heilen muss, jene Gesellschaft, die diese Form des Hasses reproduziert und sch\u00fctzt. Klein hat das begriffen.<\/p>\n\n\n\n

Er versteht, dass man Krebs nicht mit einem Pflaster verarztet, er wei\u00df, dass er das Bewusstsein der Deutschen sch\u00e4rfen und Diskussionen ansto\u00dfen muss. Er hat begriffen, dass das Problem nicht nur an den R\u00e4ndern der Gesellschaft (bei den Rechten) liegt, sondern auch in ihrer Mitte. Dort, wo gebildete Menschen nicht einmal bemerken, dass das, was sie sagen und tun, antisemitisch ist. So wie sie es auch nicht merken, wenn sie rassistisch handeln. Er hat all das verstanden, und genau deshalb wollen einige, dass er seinen Posten r\u00e4umt.<\/p>\n\n\n\n

Mehr als 60 deutsche und israelische Intellektuelle haben letzte Woche in einem Brief an Kanzlerin Merkel<\/a> dar\u00fcber geklagt, dass der aktuelle \u201eGebrauch des Antisemitismusbegriffs\u201c darauf abziele, \u201elegitime Kritik an der israelischen Regierungspolitik zu unterdr\u00fccken\u201c, und Klein vorgeworfen, rechtspopulistische israelische Stimmen zu f\u00f6rdern.<\/p>\n\n\n\n

Faszinierend an diesem offenen Brief ist, dass viele der Unterzeichneten keine Deutschen sind und auch nicht in Deutschland leben. Ich wei\u00df nicht, woher sie \u2013 die meisten von ihnen sind Israelis \u2013 die Chuzpe haben, sich in eine innerdeutsche Angelegenheit einzumischen und zu fordern, eine Person zu entlassen, die von der Bundesregierung eingesetzt wurde. Die H\u00e4lfte der Unterzeichneten lebt nicht hier, von der anderen H\u00e4lfte sind viele keine Juden \u2013 somit sind die allermeisten von ihnen nicht direkt vom Antisemitismus in Deutschland betroffen. Wie also k\u00f6nnen sie diesen Brief unterschreiben? Und warum eigentlich haben so wenige Deutsche unterschrieben? Dazu komme ich gleich.<\/p>\n\n\n\n

Debatte um Achille Mbembe<\/h6>\n\n\n\n

Hintergrund des Briefs war, dass Felix Klein gefordert hatte, den Philosophen Achille Mbembe<\/a> nicht die Er\u00f6ffnungsrede der Ruhrtriennale halten zu lassen. Als mit \u00f6ffentlichen Mitteln gef\u00f6rdertes Event solle die Ruhrtriennale Mbembe wegen seiner Haltung zu Israels Existenzrecht, seiner Haltung zu BDS und der Art, wie er in einem seiner Werke den Holocaust relativiert, nicht einladen.<\/p>\n\n\n\n

Mbembes Unterst\u00fctzer sagen, keine dieser Anschuldigungen sei wahr. F\u00fcrs Protokoll: In meinen Augen unterst\u00fctzt Mbembe sehr wohl BDS<\/a>, er schrieb unter anderem das Vorwort zu \u201eApartheid Israel\u201c und fordert die komplette Isolation Israels. Ich glaube auch, wenn Mbembe schreibt, die israelische Besetzung sei der \u201egr\u00f6\u00dfte moralische Skandal unserer Zeit\u201c, zeigt das, dass sein moralischer und geografischer Kompass etwas schief ist.<\/p>\n\n\n\n

Doch warum treibt die Debatte so viele Menschen um? Nun, zun\u00e4chst gibt niemand gern auf, was ihm oder ihr selbstverst\u00e4ndlich scheint. \u00dcber den gesamten politischen, sozialen, kulturellen, medialen und akademischen Sektor hinweg sind Menschen daran gew\u00f6hnt, so schlecht \u00fcber Israel sprechen zu k\u00f6nnen, wie auch immer sie wollen.<\/p>\n\n\n\n

Der Spiegel<\/em> hat \u2013 vielleicht in Anlehnung an seine Relotius-Standards, Israel erst k\u00fcrzlich eine Corona-Diktatur genannt. Fakten und Belege f\u00fcr diese Behauptung gab es nicht. Doch Millionen Deutsche haben es gelesen, und es wird nat\u00fcrlich haften bleiben. Faktenlage hin oder her. Der Spiegel<\/em> und andere Medien haben dieses Spiel perfektioniert: Titel so zu drehen, dass sie Israel indirekt anklagen, die Idee zu streuen, der Mossad kon\u00adtrol\u00adliere die deutsche Au\u00dfenpolitik im Nahen Osten, und so fort. Doch sie stehen allesamt sofort auf den Hinterbeinen, wenn jemand es wagt, das Spiel beim Namen zu nennen: moderner Antisemitismus.<\/p>\n\n\n\n

Klein will dem entgegenwirken. Er versteht, dass antisemitische Attacken in Deutschland die Fr\u00fcchte solch falsch gezeichneter Bilder und eindimensionaler Narrative \u00fcber Israel sind. Wenn er und andere versuchen, ein anderes Narrativ aufzuzeigen, wirft man ihnen Zensur vor: Wie k\u00f6nnen sie es wagen, das Gesch\u00e4ft der Anti-Israel-Propaganda zu st\u00f6ren?<\/p>\n\n\n\n

Liebe Deutsche, wenn ihr reden wollt, lasst uns gern reden: \u00fcber die Besetzung, \u00fcber Bibi und alles, was schiefl\u00e4uft. Aber dann lasst uns bitte auch dar\u00fcber reden, wie deutsche Steuergelder Terrortunnel finanzieren. Erst vergangene Woche r\u00e4umte die niederl\u00e4ndische Regierung ein, dass Gelder an eine Landwirtschaftsorganisation in Ramallah geflossen seien, die damit teilweise die Geh\u00e4lter zweier des Mordes an der 17-j\u00e4hrigen Israelin Rina Shnerb Verd\u00e4chtiger gezahlt haben. Auch die Bundesregierung unterst\u00fctzt diese Organisation, obwohl Kritiker schon lange vor Verbindungen zu Terroristen warnen.<\/p>\n\n\n\n

Wir k\u00f6nnen uns also gerne unterhalten \u2013 aber im Dialog, nicht in Monologen. Denn Reden unter Menschen, die sich einig sind, ist nichts anderes als Impotenz.<\/p>\n\n\n\n

Israelkritik als Eintrittskarte<\/h6>\n\n\n\n

Die Israelis, die die Petition unterzeichnet haben, haben \u00fcbrigens ebenfalls etwas verstanden. Seit Jahren wissen sie: Es ist ihre Eintrittskarte in die Mitte der deutschen (und europ\u00e4ischen) Gesellschaft. Man h\u00f6rt nicht oft von Akademikern mit proisraelischen Ansichten. Weder in den Philharmonie-Orchestern noch in der Kunstszene. Die Eintrittskarte daf\u00fcr ist ein antiisraelischer Standpunkt.<\/p>\n\n\n\n

Der mutma\u00dfliche Grund, warum kaum Deutsche die Petition unterzeichnet haben: Sie mussten es nicht. Ihre Lieblingsjuden haben es f\u00fcr sie getan. Jetzt k\u00f6nnen sie sagen: \u201eSchau, ich bin das ja nicht, meine j\u00fcdischen Freunde sagen es.\u201c Ich selbst war einige Jahre lang mit einem Paar hier in Berlin befreundet, bis ich herausfand, dass ich ihr Lieblingsjude war. Ja, selbst das j\u00fcdische Museum wurde so genutzt.<\/p>\n\n\n\n

Weil Attacken gegen Juden ein absolutes Tabu sind, wurden Umwege gefunden, um den Antisemitismus auf kleiner Flamme k\u00f6cheln zu lassen: die unfundierte, unbegr\u00fcndete Kritik an Israel.<\/p>\n\n\n\n

Diese Art der Kritik ist gef\u00e4hrlich. Sie schw\u00e4cht jede begr\u00fcndete und notwendige Kritik am Verhalten Israels. Und das Interessante ist: Trotz all der heftigen, pauschalisierenden Anklagen, all der offenen Briefe driftet Israel politisch immer weiter nach rechts. Doch statt mal einen anderen Ansatz zu versuchen, werden die antiisraelischen Stimmen nur lauter. Dasselbe versuchen und andere Ergebnisse davon erwarten \u2013 das ist die Definition von Wahnsinn.<\/p>\n\n\n\n

Kurz bevor der Prozess gegen den wegen des Attentats von Halle<\/a> Angeklagten begann \u2013 des seit Kriegsende schlimmsten Akts von Antisemitismus in Deutschland \u2013, lud eine Lokalzeitung den fr\u00fcheren Botschafter Shimon Stein und den Historiker Moshe Zimmermann ein, dar\u00fcber zu schreiben, was Antisemitismus ist. Nat\u00fcrlich wendeten auch sie sich gegen Felix Kleins Ansatz. Sie zitieren die Kontroverse um die Umbenennung der U-Bahn-Station Mohrenstra\u00dfe in Glinkastra\u00dfe, die sich darum drehte, dass der russische Komponist Michael Glinka Antisemit gewesen sein soll. Stein und Zimmermann halten die Debatte f\u00fcr \u00fcberzogen, Glinka sei nur ein Kind seiner Zeit gewesen. Folgt man ihrer Logik, k\u00f6nnen wir dann also in 20 oder 30 Jahren U-Bahn-Stationen nach den Kindern der 1930er Jahre benennen?<\/p>\n\n\n\n

Der Antisemit als Tierfreund<\/h6>\n\n\n\n

Ich w\u00fcnschte, die Sache h\u00e4tte mit dem Artikel, mit der Petition geendet. Doch dann erschien ein Artikel, der den Leser auf einen Waldspaziergang mit einem veganen Koch und Antisemiten mitnahm. Darin setzt der Tierfreund erst behutsam einen K\u00e4fer wieder auf seine Beinchen und erkl\u00e4rt dann, dass die Todesstrafe in Deutschland wieder eingef\u00fchrt werden solle, um einen gewissen Politiker (der zuf\u00e4llig pro Israel ist) an seinen Hoden aufh\u00e4ngen zu k\u00f6nnen. Dieser Koch hat Hunderttausende Follower, er sagt all solche Dinge am helllichten Tag in Berlin. Und in den Medien.<\/p>\n\n\n\n

F\u00e4lle wie dieser handeln bereits von Gewalt \u2013 und sie enden nicht bei den Juden. Der Hass richtet sich gegen Frauen<\/a>, Muslime, Gefl\u00fcchtete, \u00adLBTQI. Am Ende aller theoretischen Debatten stehen immer echte Menschen. Am Ende jeder Konferenz dar\u00fcber, was Antisemitismus ausmacht, steht ein potenzielles j\u00fcdisches Opfer. Angesichts einer Welle von Antisemitismus \u00fcber die Definition von Antisemitismus zu streiten ist, wie eine 10 Meter hohe Welle heranrollen zu sehen und dar\u00fcber zu streiten, was einen Tsunami ausmacht.<\/p>\n\n\n\n

Felix Klein versteht, wie absurd es ist, zu sagen: Es sind nur die Rechten. Die Rechten sind Deutsche, so wie die Nazis Deutsche waren. Klein versteht, dass die Deutschen nicht aufgeh\u00f6rt haben, Juden zu ermorden, weil sie irgendeine Art von Erleuchtung hatten. Sondern schlicht, weil sie den Krieg verloren haben. Um den Antisemitismus zu bek\u00e4mpfen, bevor er die Gesellschaft frisst, in der er und wir leben, muss Deutschland seinen moralischen Kompass korrigieren.<\/p>\n\n\n\n

Immerhin: Mehr und mehr Deutsche fahren nach Israel, sie wollen ein anderes Narrativ h\u00f6ren. Mehr und mehr Deutsche verstehen, dass Antisemitismus Schockwellen ausl\u00f6st, die die gesamte Gesellschaft betreffen. In einem normalen Universum w\u00fcrde Klein bef\u00f6rdert werden f\u00fcr seine Leistung. In einer verdrehten Gesellschaft fordern Menschen seine Entlassung. Um es mit Mbembe zu sagen: Das ist Nano-Nonsens.<\/p>\n\n\n\n

\u00dcbersetzung: Ariane Lemme<\/a><\/em><\/p>\n","post_title":"Felix Klein hat verstanden","post_excerpt":"","post_status":"publish","comment_status":"closed","ping_status":"closed","post_password":"","post_name":"felix-klein-hat-verstanden","to_ping":"","pinged":"","post_modified":"2025-02-02 08:39:39","post_modified_gmt":"2025-02-02 08:39:39","post_content_filtered":"","post_parent":0,"guid":"https:\/\/dctransparency.com\/?p=3786","menu_order":0,"post_type":"post","post_mime_type":"","comment_count":"0","filter":"raw"}],"next":false,"prev":true,"total_page":47},"paged":1,"column_class":"jeg_col_2o3","class":"epic_block_3"};

\n

Die Gruppe sagte: \u201eAm 6. August 2020 wurde \u00f6ffentlich bekannt, dass w\u00e4hrend eines offiziellen Aufrufs am 6. Juni 2017 zwischen dem US-Pr\u00e4sidenten Donald Trump und dem saudi-arabischen K\u00f6nig Salman ein Vorschlag zur Invasion Katars vorgelegt wurde . Die US-Regierung lehnte den saudischen Vorschlag sofort ab und forderte die formelle Vermittlung durch die kuwaitischen Beh\u00f6rden im Rahmen des Golf-Kooperationsrates. \u201c<\/p>\n","post_title":"Europ\u00e4ische Politiker verurteilen saudische Pl\u00e4ne, in Katar einzudringen","post_excerpt":"","post_status":"publish","comment_status":"closed","ping_status":"closed","post_password":"","post_name":"europaische-politiker-verurteilen-saudische-plane-in-katar-einzudringen","to_ping":"","pinged":"","post_modified":"2025-02-02 08:39:39","post_modified_gmt":"2025-02-02 08:39:39","post_content_filtered":"","post_parent":0,"guid":"https:\/\/dctransparency.com\/?p=3818","menu_order":0,"post_type":"post","post_mime_type":"","comment_count":"0","filter":"raw"},{"ID":3811,"post_author":"7","post_date":"2020-08-28 13:33:59","post_date_gmt":"2020-08-28 13:33:59","post_content":"\n

Die BBC <\/a>hat neue Beweise daf\u00fcr gefunden, dass eine von den Vereinigten Arabischen Emiraten (VAE) betriebene Drohne im Januar 2020 26 unbewaffnete Kadetten an einer Milit\u00e4rakademie in der libyschen Hauptstadt Tripolis get\u00f6tet hat.<\/p>\n\n\n\n

Zum Zeitpunkt des Streiks am 4. Januar wurde Tripolis von der selbsternannten libyschen Nationalarmee (LNA) belagert.<\/p>\n\n\n\n

Es hat die Verantwortung f\u00fcr den Angriff abgelehnt und vermutet, dass die Kadetten durch Beschuss vor Ort get\u00f6tet wurden.<\/p>\n\n\n\n

Es gibt jedoch Hinweise darauf, dass die Kadetten von einer chinesischen Blue Arrow 7-Rakete getroffen wurden.<\/p>\n\n\n\n

Dies wurde von einer Drohne namens Wing Loong II abgefeuert, und die Untersuchung von BBC Africa Eye und BBC Arabic Documentaries ergab auch Hinweise darauf, dass Wing Loong II-Drohnen zum Zeitpunkt des Streiks nur von einem libyschen Luftwaffenst\u00fctzpunkt aus operierten - al-Khadim - und dass die VAE die dort stationierten Drohnen geliefert und betrieben haben.<\/p>\n\n\n\n

\"\"<\/figure>\n\n\n\n

Die VAE haben zuvor die milit\u00e4rische Beteiligung in Libyen verweigert und sagen, sie unterst\u00fctzen den UN-Friedensprozess. Es antwortete nicht auf die Bitte der BBC um einen Kommentar.<\/p>\n\n\n\n

Was ist mit diesen Kadetten passiert?<\/strong><\/p>\n\n\n\n

Kurz nach 21:00 Uhr am 4. Januar 2020 f\u00fchrten rund 50 Kadetten Routine\u00fcbungen an einer Milit\u00e4rakademie im S\u00fcden von Tripolis durch.<\/p>\n\n\n\n

Ohne Vorwarnung detonierte eine Explosion in der Mitte der Gruppe und lie\u00df 26 Kadetten tot oder auf dem Exerzierplatz sterben. Viele waren noch Teenager. Keiner von ihnen war bewaffnet.

Einer der \u00dcberlebenden war der 20-j\u00e4hrige Abdul Moeen.<\/p>\n\n\n\n

Er war in der Akademie, als der Streik eintraf. \"Es war unbeschreiblich\", sagte er der BBC.<\/p>\n\n\n\n

\"Wir haben gesehen, wie unsere Kollegen starben, ihren letzten Atemzug machten und wir konnten nichts tun ... Es gab Leute, deren Oberk\u00f6rper von ihren K\u00f6rpern getrennt waren. Es war ein schreckliches Verbrechen, ein Verbrechen, das nichts mit der Menschheit zu tun hat. \"\"<\/p>\n\n\n\n

Sieben Monate nach dem Streik hat niemand die Verantwortung f\u00fcr die T\u00f6tung dieser jungen M\u00e4nner eingestanden.<\/p>\n\n\n\n

Die LNA unter Gen Khalifa Haftar bestritt, dass sie hinter dem Streik steckt, und teilte der Presse mit, dass die Explosion m\u00f6glicherweise durch eine lokal abgefeuerte M\u00f6rsergranate oder einen Angriff innerhalb der Akademie verursacht worden sei.<\/p>\n\n\n\n

Was hat die BBC gefunden?<\/strong><\/p>\n\n\n\n

Die Untersuchung ergab Hinweise darauf, dass eine viel ausgefeiltere Waffe verwendet wurde.<\/p>\n\n\n\n

\"\"<\/figure>\n\n\n\n

Die BBC betrachtete Bilder des Splitters, der nach dem Streik auf dem Exerzierplatz zur\u00fcckgelassen wurde, und kam zu dem Schluss, dass er mit den Komponenten einer Rakete namens Blue Arrow 7 \u00fcbereinstimmte.<\/p>\n\n\n\n

Unsere Analyse ergab, dass nur ein Flugzeug, das im Januar 2020 \u00fcber Tripolis operierte, diese Waffe abfeuern konnte - eine Drohne namens Wing Loong 2.<\/p>\n\n\n\n

Nur drei Wochen vor diesem Streik kamen die Vereinten Nationen zu dem Schluss, dass der Blaue Pfeil 7 \"ballistisch gepaart ist, um vom Wing Loong II geliefert zu werden ... und von keinem anderen in Libyen bisher identifizierten Luftfahrtgut\".<\/p>\n\n\n\n

Die BBC untersuchte auch, woher diese Drohne stammen k\u00f6nnte, und fand Hinweise darauf, dass Wing Loong-Drohnen zum Zeitpunkt des Angriffs nur von einem libyschen Luftwaffenst\u00fctzpunkt aus operierten: al-Khadim im von der LNA kontrollierten Ostlibyen.<\/p>\n\n\n\n

Sowohl die BBC als auch die UN haben Beweise daf\u00fcr gefunden, dass Drohnen, die von diesem Luftwaffenst\u00fctzpunkt aus operieren, zu den Vereinigten Arabischen Emiraten geh\u00f6ren.<\/p>\n\n\n\n

Im Jahr 2019 stellte die UNO fest, dass die VAE durch den Versand von Wing Loong-Drohnen und Blue Arrow 7-Raketen nach Libyen gegen das seit 2011 geltende UN-Waffenembargo gegen das Land versto\u00dfen hatten.<\/p>\n\n\n\n

Die BBC fand auch ein Waffenregister, aus dem hervorgeht, dass die VAE 2017 15 Wing Loong-Drohnen und 350 Blue Arrow 7-Raketen gekauft haben.<\/p>\n\n\n\n

Was hat die BBC noch aufgedeckt?<\/strong><\/p>\n\n\n\n

<\/p>\n\n\n\n

Die BBC-Untersuchung ergab auch neue Beweise daf\u00fcr, dass \u00c4gypten den VAE erlaubt, \u00e4gyptische Milit\u00e4rflugpl\u00e4tze nahe der libyschen Grenze zu nutzen.<\/p>\n\n\n\n

Im Februar 2020 scheinen die in Libyen stationierten Wing Loong II-Drohnen \u00fcber die Grenze nach \u00c4gypten zu einem Luftwaffenst\u00fctzpunkt in der N\u00e4he von Siwa in der west\u00e4gyptischen W\u00fcste gebracht worden zu sein.<\/p>\n\n\n\n

Satellitenbilder zeigen auch, dass ein zweiter \u00e4gyptischer Milit\u00e4rflugplatz, Sidi Barrani, als Einsatzbasis f\u00fcr Mirage 2000-Kampfflugzeuge verwendet wurde, die in Farben lackiert sind, die nicht von der \u00e4gyptischen Luftwaffe verwendet werden, aber genau den von den VAE geflogenen Jets entsprechen .<\/p>\n\n\n\n

Dies ist das gleiche Flugzeugmodell, das von den Vereinten Nationen in einen Luftangriff auf ein Migrationszentrum \u00f6stlich von Tripolis im Juli 2019 verwickelt wurde, bei dem 53 Menschen get\u00f6tet wurden.<\/p>\n\n\n\n

Ausl\u00e4ndischer Jet bei libyschem Migrantenangriff verd\u00e4chtigt<\/p>\n\n\n\n

Sidi Barrani ist auch das Ziel f\u00fcr mehrere Frachtflugzeuge, die von den Vereinigten Arabischen Emiraten gestartet sind, und schl\u00e4gt eine Luftbr\u00fccke f\u00fcr Ausr\u00fcstung oder Lieferungen zwischen den Vereinigten Arabischen Emiraten und einer Milit\u00e4rbasis vor, die nur 80 km von der libyschen Grenze entfernt liegt.<\/p>\n\n\n\n

Die \u00e4gyptische Regierung antwortete nicht auf die Bitte der BBC um Stellungnahme.<\/p>\n\n\n\n

Ist ausl\u00e4ndisches milit\u00e4risches Engagement \u00fcberraschend?<\/strong><\/p>\n\n\n\n

Sowohl die Vereinigten Arabischen Emirate als auch \u00c4gypten nahmen an einer von Bundeskanzlerin Angela Merkel im Januar dieses Jahres in Berlin einberufenen Konferenz \u00fcber Libyen teil, auf der sie ihre Unterst\u00fctzung f\u00fcr den UN-Friedensprozess bekr\u00e4ftigten und sich bereit erkl\u00e4rten, nicht in den Libyen-Krieg einzugreifen.<\/p>\n\n\n\n

Im vergangenen Jahr gab es jedoch eine Eskalation des Einsatzes von Drohnen durch beide Seiten des Konflikts.<\/p>\n\n\n\n

Ghassan Salam\u00e9, der fr\u00fchere Leiter der UN-Mission in Libyen, beschrieb dies als \"m\u00f6glicherweise das gr\u00f6\u00dfte Drohnenkriegstheater der Welt\".<\/p>\n\n\n\n

Die VAE sind nicht die einzige ausl\u00e4ndische Macht, die an diesem Konflikt beteiligt ist.<\/p>\n\n\n\n

Anfang dieses Jahres gab BBC Africa Eye bekannt, dass die T\u00fcrkei auch gegen das Waffenembargo der Vereinten Nationen gegen Libyen versto\u00dfen hat, indem sie geheime Waffenlieferungen an die von den Vereinten Nationen anerkannte Regierung in Tripolis gesendet hat.<\/p>\n\n\n\n

Mit Unterst\u00fctzung der T\u00fcrkei hat die von den Vereinten Nationen anerkannte Regierung des Nationalen Abkommens nun die LNA von Gen Haftar aus der Gegend um Tripolis zur\u00fcckgeschlagen.<\/p>\n","post_title":"BBC-Untersuchung: VAE in t\u00f6dlichen Angriff in Libyen verwickelt","post_excerpt":"","post_status":"publish","comment_status":"closed","ping_status":"closed","post_password":"","post_name":"bbc-untersuchung-vae-in-todlichen-angriff-in-libyen-verwickelt","to_ping":"","pinged":"","post_modified":"2025-02-02 08:39:39","post_modified_gmt":"2025-02-02 08:39:39","post_content_filtered":"","post_parent":0,"guid":"https:\/\/dctransparency.com\/?p=3811","menu_order":0,"post_type":"post","post_mime_type":"","comment_count":"0","filter":"raw"},{"ID":3792,"post_author":"7","post_date":"2020-08-14 13:58:48","post_date_gmt":"2020-08-14 13:58:48","post_content":"\n

Die Hagia Sophia war (ist) ein kulturelles Weltwunder und aufgeladen mit symbolischer Bedeutung, f\u00fcr die Christenheit ebenso wie f\u00fcr den Islam \u2013 und den t\u00fcrkischen Nationalismus. Als Mehmed II. sie betrat, war sie schon fast 1000 Jahre die gr\u00f6\u00dfte Kirche der christlichen Welt und das Zentrum der orthodoxen Glaubensrichtung. Die \"Ayasofya\", wie sie dann hie\u00df, war 500 Jahre lang Moschee \u2013 bis 1934, als Kemal Pascha Atat\u00fcrk, der \"Vater\" der modernen T\u00fcrkei, sie in ein Museum verwandelte, in der ausdr\u00fccklichen Absicht, auch hier mit dem osmanischen Erbe zu brechen.<\/p>\n\n\n\n

Nun wird Pr\u00e4sident Recep Tayyip Erdo\u011fan, der \"Vater\" der re-islamisierten T\u00fcrkei, am 24. Juli dieses Jahres die Ayasofya durch das Freitagsgebet wieder in den Islam eingliedern. Oder eher in seinen pers\u00f6nlichen religi\u00f6sen Nationalismus.<\/p>\n\n\n\n

Welterbe von allen<\/h3>\n\n\n\n

Wie bedeutungsschwer ist dieser Akt eines \"starken Mannes\", der innenpolitisch deutlich schw\u00e4chelt? Die Proteste vor allem aus der orthodoxen Welt, aber auch aus Europa und den USA sind eher traurig als w\u00fctend. Der Papst dr\u00fcckte seinen \"Schmerz\" aus. Auch der Jubel in der islamischen Welt fiel zun\u00e4chst weniger \u00fcbersch\u00e4umend als erwartet aus.<\/p>\n\n\n\n

Ist es der Alleingang eines Autokraten in Bedr\u00e4ngnis oder ist \"der Jubel \u00fcber die Eroberung der Hagia Sophia der Versuch einer zutiefst erniedrigten, vom Gef\u00fchl der Wertlosigkeit dominierten und in ihrer eigenen Selbstberechtigung beraubten Gesellschaft, eine Bedeutung, eine St\u00e4rke, ein Selbstwertgef\u00fchl zu finden\"? So recht pauschalierend der in Deutschland lebende pal\u00e4stinensische Intellektuelle und Psychiater Ahmad Mansour.<\/p>\n\n\n\n

Die beiden Gro\u00dfreiche, das byzantinische und das osmanische, sind l\u00e4ngst versunken.<\/p><\/blockquote>\n\n\n\n

Das eigentliche Schl\u00fcsselwort im Zusammenhang mit der Hagia Sofia ist \"Welterbe\". Das Erbe von allen. Einmal im kulturellen Sinn der Unesco, aber in Wahrheit weiter gefasst. Das einzigartige Bauwerk geh\u00f6rt in Wirklichkeit der ganzen Welt, nicht der einen oder anderen Religion. Die beiden Gro\u00dfreiche, f\u00fcr die die Hagia Sofia der zentrale spirituelle Bau war, das byzantinische und das osmanische, sind l\u00e4ngst versunken. Seither hat sie eine neue, \u00fcbernationale Dimension erhalten. Was Erdo\u011fan da jetzt mit der Hagia Sofia macht, ist eine Verengung und Verarmung eines gemeinsamen Welterbes.<\/p>\n\n\n\n

\"\"\/
Betende Muslime vor der Hagia Sophia.<\/figcaption><\/figure>\n\n\n\n

Davon abgesehen aber war und ist sie ein architektonisches Meisterwerk und geh\u00f6rt zu den bedeutendsten Bauten der Welt. Wer heute den Zentralraum unter der Kuppel betritt, kann sich nur schwer dem zugleich majest\u00e4tischen wie schwebenden Gesamteindruck entziehen. Die Hagia Sophia blieb fast 1000 Jahre die gr\u00f6\u00dfte Kirche der Christenheit. Technisch war die Kuppel (mit mehreren Halbkuppeln) eine \u00fcberaus riskante Innovation: Die 55 Meter hohe und 32 Meter im Durchmesser breite Kuppel ruht auf nur vier Tragpunkten, was den schwebenden, schwerelosen Eindruck erzeugt. Die Konstruktion folgt einem mathematischen Prinzip, das erst k\u00fcrzlich entschl\u00fcsselt wurde.<\/p>\n\n\n\n

\"Salomo, ich habe dich \u00fcbertroffen!\"<\/p><\/blockquote>\n\n\n\n

Als Kaiser Justinian die Hagia Sophia nach nur f\u00fcnf Jahren Bauzeit (532\u2013537) betrat, soll er in Anspielung auf den Tempel in Jerusalem ausgerufen haben: \"Salomo, ich habe dich \u00fcbertroffen!\" Die Innenausstattung war mit ihren S\u00e4ulen aus Porphyr und gr\u00fcnem Marmor, mit Mosaiken aus Gold und Halbedelsteinen derart prunkvoll, der Gesamteindruck derart \u00fcberirdisch, dass eine Delegation des Gro\u00dff\u00fcrsten von Kiew nicht mehr wusste, \"ob wir im Himmel oder auf der Erde\" waren \u2013 was die Christianisierung Russlands bef\u00f6rderte.<\/p>\n\n\n\n

Der deutsche Architekturlehrer Holger Kleine nennt die Hagia Sophia \"absolute Architektur\", weil sie \"extreme Ausdrucksformen nahezu aller dramaturgischen Mittel, die der Architektur zur Verf\u00fcgung stehen, vereinigt: wuchtigste K\u00f6rper und luftigste R\u00e4ume, engste Enge und gr\u00f6\u00dfte Weite, w\u00e4rmende Helligkeit und mystisches Dunkel\". Und die Kuppelbauten aus der sp\u00e4teren Hochbl\u00fcte der Moscheenarchitektur im 16. und 17. Jahrhundert gehen eindeutig auf die Hagia Sophia zur\u00fcck.<\/p>\n\n\n\n

Die Hagia Sophia war Staatskirche des byzantinischen Reichs. F\u00fcr die Eroberer der letzte Schlussstein in der Kuppel osmanisch-muslimischen Herrschaftsanspruchs. Konstantinopel war ja 1453 nur noch eine isolierte, heruntergekommene Enklave in einem osmanischen Umfeld, kein christliches Heer kam zu Hilfe. Doch vorher war es zugleich Sperrriegel nach Osten und Geistesarchiv der antiken Kultur gewesen. \"Ohne Byzanz h\u00e4tte es kein Europa gegeben\", sagt die britische Altertumsforscherin Judith Herrin.<\/p>\n\n\n\n

\"\"\/
Freigelegtes Mosaik von \"Christos Pantokrator\".<\/figcaption><\/figure>\n\n\n\n

Neue Fragen<\/h3>\n\n\n\n

Die Kirche wurde von Mehmed II. und Nachfolgern nicht in der Substanz zerst\u00f6rt, sondern \"entchristlicht\". Die urspr\u00fcnglich \u00fcbert\u00fcnchten oder auch abgeschlagenen Mosaiken mit den Darstellungen von Christus, der Muttergottes, diversen Kaisern kamen zum Teil schon unter einem Sultan des 19. Jahrhunderts, dann gro\u00dfteils nach der Museumswidmung wieder zum Vorschein.<\/p>\n\n\n\n

Jetzt stellen sich neue symbolisch-praktische Fragen. Erdo\u011fan hat die Hagia Sophia der konservativen staatlichen Religionsbeh\u00f6rde Diyanet unterstellt. Die byzantinischen Mosaike, wie der gro\u00dfartige \"Christos Pantokrator\" (\"Weltenherrscher\") oder die Jungfrau Maria in der Apsis, m\u00fcssen wohl w\u00e4hrend des islamischen Gottesdiensts verh\u00e4ngt werden. Muss der Boden mit seinen Marmorplatten und Mosaiken mit einem Teppich bedeckt werden? Erdo\u011fan sagt, Touristen seien nach wie vor zugelassen. Aber sie werden wohl hinter Absperrungen bleiben m\u00fcssen. Frauen werden \u2013 wie in der benachbarten \"Blauen Moschee\" (\"Sultanahmed\") Kopftuch tragen m\u00fcssen.<\/p>\n\n\n\n

\"\"\/
Erdo\u011fan mit Gattin in der Hagia Sophia.<\/figcaption><\/figure>\n\n\n\n

Erdo\u011fans neue Abenteuer<\/strong><\/h3>\n\n\n\n

Aber wird da nicht doch zu viel in einen Formalakt rund um ein uraltes Bauwerk hineininterpretiert? Im geschichtlichen Kontext relativiert sich manches: Konstantinopel wurde schon von Christen erobert und ausgepl\u00fcndert \u2013 1204 im Vierten Kreuzzug. In der Moschee von Cordoba (\"Mezquita\") bauten die Katholiken eine ganze Kirche in den ber\u00fchmten S\u00e4ulenwald hinein. Die Mezquita ist heute noch Kirche, kein Museum.<\/p>\n\n\n\n

\"Das ist der Beweis, dass wir kein s\u00e4kularer Staat mehr sein wollen\", sagt Nobelpreistr\u00e4ger Orhan Pamuk. Erdo\u011fan betrachtet sich offenbar als auch neoosmanischer \"Fatih\" im Mittelmeerraum mit immer neuen Abenteuern: Eingreifen in Syrien, Stellvertreterkrieg in Libyen, Anspr\u00fcche auf Erdgasvorkommen weit vor der t\u00fcrkischen K\u00fcste bei Zypern, Reden, wonach manche \u00c4g\u00e4is-Inseln eigentlich zur T\u00fcrkei geh\u00f6ren, \"denn dort stehen unsere Moscheen\". Manches davon ist nur Rhetorik, aber genug anderes ist riskante Realit\u00e4t. (Hans Rauscher, 14.7.2020)<\/p>\n\n\n\n

Quelle<\/a><\/strong><\/p>\n","post_title":"Hagia Sophia: Verengung und Verarmung eines Welterbes","post_excerpt":"","post_status":"publish","comment_status":"closed","ping_status":"closed","post_password":"","post_name":"hagia-sophia-verengung-und-verarmung-eines-welterbes","to_ping":"","pinged":"","post_modified":"2025-02-02 08:39:39","post_modified_gmt":"2025-02-02 08:39:39","post_content_filtered":"","post_parent":0,"guid":"https:\/\/dctransparency.com\/?p=3792","menu_order":0,"post_type":"post","post_mime_type":"","comment_count":"0","filter":"raw"},{"ID":3789,"post_author":"7","post_date":"2020-08-14 13:56:07","post_date_gmt":"2020-08-14 13:56:07","post_content":"\n

Im Gastkommentar pocht Mark Leonard, Direktor des Europ\u00e4ischen Rats f\u00fcr Ausw\u00e4rtige Beziehungen, auf \"neue, einvernehmlich vereinbarte Prinzipien sowie klare Grenzen\", nur so k\u00f6nne eine weitere Destabilisierung in der Region verhindert werden.<\/em><\/strong><\/p>\n\n\n\n

Ist die T\u00fcrkei das neue Russland? Diese Frage wird in den europ\u00e4ischen Hauptst\u00e4dten zunehmend gestellt, da die Au\u00dfenpolitik des t\u00fcrkischen Pr\u00e4sidenten Recep Tayyip Erdo\u011fan zunehmend aggressiver wird. Erdo\u011fan nutzt nicht nur die Migration, um die EU zu bedrohen und zu betr\u00fcgen, sondern setzt auch milit\u00e4rische Macht ein, um den Einflussbereich der T\u00fcrkei auf die gesamte Region auszudehnen.<\/p>\n\n\n\n

Seit dem Ende des Kalten Krieges haben die Europ\u00e4er die regionale Sicherheit durch eine unipolare westliche Linse betrachtet. W\u00e4hrend die Nato die milit\u00e4rische Sicherheit garantierte, sorgte die EU mit ihrem 80.000 Seiten starken Regelwerk f\u00fcr alles von LGBTQ-Rechten bis hin zu Rasenm\u00e4her-Sound-Verordnungen f\u00fcr Rechtsordnung. In den 90er-Jahren ging man allgemein davon aus, dass die beiden gro\u00dfen nichtwestlichen regionalen Akteure, Russland und die T\u00fcrkei, nach und nach an diese Regelungen herangef\u00fchrt werden w\u00fcrden.<\/p>\n\n\n\n

Qu\u00e4lende Hassliebe<\/h3>\n\n\n\n

Doch in den letzten 15 Jahren ist der Traum von der europ\u00e4ischen Unipolarit\u00e4t einer multipolaren Realit\u00e4t gewichen. Sowohl Russland als auch die T\u00fcrkei haben eine lange, qu\u00e4lende Hassliebe zu Europa, und beide sind unter nationalen Machthabern, denen die Verachtung der Normen und Werte der EU gemeinsam ist, durchsetzungsf\u00e4higer geworden.<\/p>\n\n\n\n

Die zunehmende Verschlechterung der Beziehungen zwischen der EU und Russland ist gut dokumentiert, der Fall der T\u00fcrkei weniger. Der Irakkrieg im Jahr 2003 komplizierte das Verh\u00e4ltnis der T\u00fcrkei zur Nato, und ihr Verh\u00e4ltnis zur EU verschlechterte sich 2007, als Frankreich einen wichtigen Teil ihrer EU-Beitrittsverhandlungen blockierte. Seitdem hat die T\u00fcrkei ihren eigenen Weg in Syrien, auf dem Balkan und in Libyen eingeschlagen und neue Beziehungen zu Russland und China aufgebaut.<\/p>\n\n\n\n

Wichtiger Akteur<\/strong><\/h3>\n\n\n\n

Nat\u00fcrlich sind die Beziehungen zwischen der T\u00fcrkei und Russland nicht weniger kompliziert, nicht zuletzt weil Erdo\u011fan und der russische Pr\u00e4sident Wladimir Putin im syrischen B\u00fcrgerkrieg verschiedene Seiten unterst\u00fctzten.Und w\u00e4hrend die Spannungen wegen des Syrien-Konflikts weiterhin bestehen, bewundert Erdo\u011fan deutlich, wie Russland sich \u2013 bei relativ geringen Kosten \u2013 wieder als wichtiger Akteur im Nahen Osten und in Nordafrika etabliert hat.<\/p>\n\n\n\n

Nachdem er in einen nicht zu gewinnenden Krieg im Osten der Ukraine verwickelt war, schien Putins weitgehend erfolgreicher Feldzug in Syrien einen Teil seiner innenpolitischen Autorit\u00e4t wiederherzustellen. Der Westen hatte f\u00fcnf Jahre lang darauf bestanden, dass es keine milit\u00e4rische L\u00f6sung des Konflikts gebe und dass der syrische Pr\u00e4sident Baschar al-Assad gehen m\u00fcsse. Doch w\u00e4hrend die von den Vereinten Nationen unterst\u00fctzten Gespr\u00e4che in Genf zu keinem Ergebnis f\u00fchrten, schienen die von Russland geleiteten Gespr\u00e4che in Astana voranzukommen. Indem der Kreml die T\u00fcrkei und den Iran einbezog, w\u00e4hrend er die westlichen M\u00e4chte ausschloss, erweckte er den Eindruck, dass Russland als wiedergeborene Supermacht aus der Asche auferstanden sei.<\/p>\n\n\n\n

Unter Druck<\/h3>\n\n\n\n

Angesichts des wachsenden Widerstands im eigenen Land macht es Erdo\u011fan Putin gleich. Da der Westen nicht bereit war, (erneut) milit\u00e4risch in Libyen zu intervenieren, sah Erdo\u011fan eine Gelegenheit, die T\u00fcrkei zu positionieren. Nach dem Vorgehen Russlands in Syrien sicherte er sich eine formelle Einladung der libyschen Regierung zur Intervention. Mit einem Schlag Ende letzten Jahres hat er nicht nur das Image der T\u00fcrkei als Regionalmacht gest\u00e4rkt, sondern auch ein Abkommen mit Libyen \u00fcber die Seegrenze abgeschlossen und damit einen Plan Griechenlands, Zyperns, \u00c4gyptens und Israels zur Erschlie\u00dfung von Unterwasser\u00f6l- und -gasfeldern in der N\u00e4he zunichtegemacht.<\/p>\n\n\n\n

Erdo\u011fan scheint auch von der Spalt-und-Eroberungs-Strategie des Kreml in Europa inspiriert worden zu sein, der zufolge oft diejenigen EU-Mitgliedsstaaten unter Druck gesetzt werden, die am meisten von russischen Kohlenwasserstoffen oder M\u00e4rkten abh\u00e4ngig sind. So wie Putin lange Zeit die Energieversorgung instrumentalisiert hat, hat Erdo\u011fan versucht, den Strom von Migranten und Fl\u00fcchtlingen, die vor Konflikten im Nahen Osten fliehen, zu instrumentalisieren. Als die EU eine neue Marinemission ank\u00fcndigte, um den Waffenstrom nach Libyen zu blockieren, malte die T\u00fcrkei f\u00fcr Malta das Schreckgespenst der angeblichen Bedrohung durch Migranten an die Wand. Malta reagierte prompt und signalisierte, dass es gegen die Finanzierung der Mission ein Veto einlegen werde.<\/p>\n\n\n\n

Verlorener Sohn<\/strong><\/h3>\n\n\n\n

Jahrelang redeten sich die Europ\u00e4er ein, dass Russland eine Art verlorener Sohn sei und dass die europ\u00e4ische unipolare Ordnung gesund bleibe. Doch das machte Europa zu einem leichten Ziel f\u00fcr die Trennungs-und-Eroberungs-Strategie des Kreml. Erst vor relativ kurzer Zeit entwarf die Union eine neue Politik und ein robustes Sanktionsregime, um die russische Aggression abzuschrecken. Und selbst jetzt \u2013 trotz der besten Bem\u00fchungen der deutschen Bundeskanzlerin Angela Merkel und des franz\u00f6sischen Pr\u00e4sidenten Emmanuel Macron \u2013 hat die EU noch immer keine wirksamen Kommunikationskan\u00e4le mit Russland geschaffen, um gemeinsame Probleme anzugehen.<\/p>\n\n\n\n

Die T\u00fcrkei ist noch kein neues Russland, aber sie k\u00f6nnte dazu werden, wenn die Situation falsch gehandhabt wird. Vorerst betrachten die meisten Europ\u00e4er die T\u00fcrkei noch immer als einen komplizierten Partner und nicht als \"Systemrivalen\". Aber die Europ\u00e4er sollten die hart erk\u00e4mpften Lehren aus dem Umgang mit Russland in den letzten 15 Jahren beherzigen. Die Beziehungen zwischen der EU und der T\u00fcrkei brauchen neue, einvernehmlich vereinbarte Prinzipien sowie klare Grenzen, um eine weitere Destabilisierung in der Region zu verhindern.<\/p>\n\n\n\n

Zu diesem Zweck sollten die Europ\u00e4er klarstellen, dass der EU-Beitrittsprozess entweder zur\u00fcckgedreht oder vorangetrieben werden kann und dass eine eher transaktionale Beziehung sowohl Zuckerbrot als auch Peitsche beinhaltet. Die Herausforderung wird darin bestehen, daf\u00fcr zu sorgen, dass es in einer Region, die nicht nur von Europa und der T\u00fcrkei, sondern auch von Russland, den USA und einem aufstrebenden China beeinflusst wird, noch Raum f\u00fcr politisches Engagement in Fragen der gemeinsamen Sicherheit gibt. (Mark Leonard, \u00dcbersetzung: Eva G\u00f6llner, Copyright: Project Syndicate, 10.8.2020)<\/p>\n\n\n\n

Mark Leonard <\/strong>ist Direktor des Europ\u00e4ischen Rats f\u00fcr Ausw\u00e4rtige Beziehungen.<\/a><\/p>\n","post_title":"Erdo\u011fan \u2013 der andere Putin vor der Haust\u00fcr Europas","post_excerpt":"","post_status":"publish","comment_status":"closed","ping_status":"closed","post_password":"","post_name":"erdogan-der-andere-putin-vor-der-haustur-europas","to_ping":"","pinged":"","post_modified":"2025-02-02 08:39:39","post_modified_gmt":"2025-02-02 08:39:39","post_content_filtered":"","post_parent":0,"guid":"https:\/\/dctransparency.com\/?p=3789","menu_order":0,"post_type":"post","post_mime_type":"","comment_count":"0","filter":"raw"},{"ID":3786,"post_author":"7","post_date":"2020-08-14 13:51:23","post_date_gmt":"2020-08-14 13:51:23","post_content":"\n

Einen Monat nachdem ich zur israelischen Armee eingezogen worden war, brach die erste Intifada aus. Statt Soldat zu sein, machte ich Polizeiarbeit, sagte den Menschen, wann sie zur Arbeit gehen konnten und wann sie ihre L\u00e4den schlie\u00dfen mussten, wann sie die Grenze passieren und wann sie schlafen konnten. Einen Monat nachdem ich aus der Armee entlassen worden war, ging ich auf Reisen. (In Israel sagen wir: Wir dienen drei Jahre und versuchen den Rest unseres Lebens, diese drei Jahre zu vergessen.) Auf meiner Reise begann ich Briefe an meine Freundin zu schreiben, die ich in Israel zur\u00fcckgelassen hatte.<\/p>\n\n\n\n

Ich schrieb ihr, wie schrecklich depressiv ich war und dass diese drei Jahre des Anweisungenbellens und Anderen-Menschen-Sagens, was sie zu tun haben, mich f\u00fcr immer verfolgen w\u00fcrden. Dass sie ein Teil dessen geworden waren, was ich bin. Ich erinnere mich, dass ich ihr schrieb, dass wir da rausm\u00fcssen \u2013 nicht nur f\u00fcr die Pal\u00e4stinenser, sondern wegen der furchtbaren und brutalen Auswirkungen, die all das auf uns, auf die israelische Gesellschaft haben w\u00fcrde. Sie schrieb zur\u00fcck: \u201eDu hast recht. Ich habe einen neuen Freund.\u201c<\/p>\n\n\n\n

Felix Klein wurde als Beauftragter der Bundesregierung berufen<\/a>, um die Auswirkungen des zunehmenden Antisemitismus in unserer Gesellschaft, in Deutschland, zu bek\u00e4mpfen. Was nicht in seiner Jobbeschreibung steht, ist, dass er dabei unsere Gesellschaft heilen muss, jene Gesellschaft, die diese Form des Hasses reproduziert und sch\u00fctzt. Klein hat das begriffen.<\/p>\n\n\n\n

Er versteht, dass man Krebs nicht mit einem Pflaster verarztet, er wei\u00df, dass er das Bewusstsein der Deutschen sch\u00e4rfen und Diskussionen ansto\u00dfen muss. Er hat begriffen, dass das Problem nicht nur an den R\u00e4ndern der Gesellschaft (bei den Rechten) liegt, sondern auch in ihrer Mitte. Dort, wo gebildete Menschen nicht einmal bemerken, dass das, was sie sagen und tun, antisemitisch ist. So wie sie es auch nicht merken, wenn sie rassistisch handeln. Er hat all das verstanden, und genau deshalb wollen einige, dass er seinen Posten r\u00e4umt.<\/p>\n\n\n\n

Mehr als 60 deutsche und israelische Intellektuelle haben letzte Woche in einem Brief an Kanzlerin Merkel<\/a> dar\u00fcber geklagt, dass der aktuelle \u201eGebrauch des Antisemitismusbegriffs\u201c darauf abziele, \u201elegitime Kritik an der israelischen Regierungspolitik zu unterdr\u00fccken\u201c, und Klein vorgeworfen, rechtspopulistische israelische Stimmen zu f\u00f6rdern.<\/p>\n\n\n\n

Faszinierend an diesem offenen Brief ist, dass viele der Unterzeichneten keine Deutschen sind und auch nicht in Deutschland leben. Ich wei\u00df nicht, woher sie \u2013 die meisten von ihnen sind Israelis \u2013 die Chuzpe haben, sich in eine innerdeutsche Angelegenheit einzumischen und zu fordern, eine Person zu entlassen, die von der Bundesregierung eingesetzt wurde. Die H\u00e4lfte der Unterzeichneten lebt nicht hier, von der anderen H\u00e4lfte sind viele keine Juden \u2013 somit sind die allermeisten von ihnen nicht direkt vom Antisemitismus in Deutschland betroffen. Wie also k\u00f6nnen sie diesen Brief unterschreiben? Und warum eigentlich haben so wenige Deutsche unterschrieben? Dazu komme ich gleich.<\/p>\n\n\n\n

Debatte um Achille Mbembe<\/h6>\n\n\n\n

Hintergrund des Briefs war, dass Felix Klein gefordert hatte, den Philosophen Achille Mbembe<\/a> nicht die Er\u00f6ffnungsrede der Ruhrtriennale halten zu lassen. Als mit \u00f6ffentlichen Mitteln gef\u00f6rdertes Event solle die Ruhrtriennale Mbembe wegen seiner Haltung zu Israels Existenzrecht, seiner Haltung zu BDS und der Art, wie er in einem seiner Werke den Holocaust relativiert, nicht einladen.<\/p>\n\n\n\n

Mbembes Unterst\u00fctzer sagen, keine dieser Anschuldigungen sei wahr. F\u00fcrs Protokoll: In meinen Augen unterst\u00fctzt Mbembe sehr wohl BDS<\/a>, er schrieb unter anderem das Vorwort zu \u201eApartheid Israel\u201c und fordert die komplette Isolation Israels. Ich glaube auch, wenn Mbembe schreibt, die israelische Besetzung sei der \u201egr\u00f6\u00dfte moralische Skandal unserer Zeit\u201c, zeigt das, dass sein moralischer und geografischer Kompass etwas schief ist.<\/p>\n\n\n\n

Doch warum treibt die Debatte so viele Menschen um? Nun, zun\u00e4chst gibt niemand gern auf, was ihm oder ihr selbstverst\u00e4ndlich scheint. \u00dcber den gesamten politischen, sozialen, kulturellen, medialen und akademischen Sektor hinweg sind Menschen daran gew\u00f6hnt, so schlecht \u00fcber Israel sprechen zu k\u00f6nnen, wie auch immer sie wollen.<\/p>\n\n\n\n

Der Spiegel<\/em> hat \u2013 vielleicht in Anlehnung an seine Relotius-Standards, Israel erst k\u00fcrzlich eine Corona-Diktatur genannt. Fakten und Belege f\u00fcr diese Behauptung gab es nicht. Doch Millionen Deutsche haben es gelesen, und es wird nat\u00fcrlich haften bleiben. Faktenlage hin oder her. Der Spiegel<\/em> und andere Medien haben dieses Spiel perfektioniert: Titel so zu drehen, dass sie Israel indirekt anklagen, die Idee zu streuen, der Mossad kon\u00adtrol\u00adliere die deutsche Au\u00dfenpolitik im Nahen Osten, und so fort. Doch sie stehen allesamt sofort auf den Hinterbeinen, wenn jemand es wagt, das Spiel beim Namen zu nennen: moderner Antisemitismus.<\/p>\n\n\n\n

Klein will dem entgegenwirken. Er versteht, dass antisemitische Attacken in Deutschland die Fr\u00fcchte solch falsch gezeichneter Bilder und eindimensionaler Narrative \u00fcber Israel sind. Wenn er und andere versuchen, ein anderes Narrativ aufzuzeigen, wirft man ihnen Zensur vor: Wie k\u00f6nnen sie es wagen, das Gesch\u00e4ft der Anti-Israel-Propaganda zu st\u00f6ren?<\/p>\n\n\n\n

Liebe Deutsche, wenn ihr reden wollt, lasst uns gern reden: \u00fcber die Besetzung, \u00fcber Bibi und alles, was schiefl\u00e4uft. Aber dann lasst uns bitte auch dar\u00fcber reden, wie deutsche Steuergelder Terrortunnel finanzieren. Erst vergangene Woche r\u00e4umte die niederl\u00e4ndische Regierung ein, dass Gelder an eine Landwirtschaftsorganisation in Ramallah geflossen seien, die damit teilweise die Geh\u00e4lter zweier des Mordes an der 17-j\u00e4hrigen Israelin Rina Shnerb Verd\u00e4chtiger gezahlt haben. Auch die Bundesregierung unterst\u00fctzt diese Organisation, obwohl Kritiker schon lange vor Verbindungen zu Terroristen warnen.<\/p>\n\n\n\n

Wir k\u00f6nnen uns also gerne unterhalten \u2013 aber im Dialog, nicht in Monologen. Denn Reden unter Menschen, die sich einig sind, ist nichts anderes als Impotenz.<\/p>\n\n\n\n

Israelkritik als Eintrittskarte<\/h6>\n\n\n\n

Die Israelis, die die Petition unterzeichnet haben, haben \u00fcbrigens ebenfalls etwas verstanden. Seit Jahren wissen sie: Es ist ihre Eintrittskarte in die Mitte der deutschen (und europ\u00e4ischen) Gesellschaft. Man h\u00f6rt nicht oft von Akademikern mit proisraelischen Ansichten. Weder in den Philharmonie-Orchestern noch in der Kunstszene. Die Eintrittskarte daf\u00fcr ist ein antiisraelischer Standpunkt.<\/p>\n\n\n\n

Der mutma\u00dfliche Grund, warum kaum Deutsche die Petition unterzeichnet haben: Sie mussten es nicht. Ihre Lieblingsjuden haben es f\u00fcr sie getan. Jetzt k\u00f6nnen sie sagen: \u201eSchau, ich bin das ja nicht, meine j\u00fcdischen Freunde sagen es.\u201c Ich selbst war einige Jahre lang mit einem Paar hier in Berlin befreundet, bis ich herausfand, dass ich ihr Lieblingsjude war. Ja, selbst das j\u00fcdische Museum wurde so genutzt.<\/p>\n\n\n\n

Weil Attacken gegen Juden ein absolutes Tabu sind, wurden Umwege gefunden, um den Antisemitismus auf kleiner Flamme k\u00f6cheln zu lassen: die unfundierte, unbegr\u00fcndete Kritik an Israel.<\/p>\n\n\n\n

Diese Art der Kritik ist gef\u00e4hrlich. Sie schw\u00e4cht jede begr\u00fcndete und notwendige Kritik am Verhalten Israels. Und das Interessante ist: Trotz all der heftigen, pauschalisierenden Anklagen, all der offenen Briefe driftet Israel politisch immer weiter nach rechts. Doch statt mal einen anderen Ansatz zu versuchen, werden die antiisraelischen Stimmen nur lauter. Dasselbe versuchen und andere Ergebnisse davon erwarten \u2013 das ist die Definition von Wahnsinn.<\/p>\n\n\n\n

Kurz bevor der Prozess gegen den wegen des Attentats von Halle<\/a> Angeklagten begann \u2013 des seit Kriegsende schlimmsten Akts von Antisemitismus in Deutschland \u2013, lud eine Lokalzeitung den fr\u00fcheren Botschafter Shimon Stein und den Historiker Moshe Zimmermann ein, dar\u00fcber zu schreiben, was Antisemitismus ist. Nat\u00fcrlich wendeten auch sie sich gegen Felix Kleins Ansatz. Sie zitieren die Kontroverse um die Umbenennung der U-Bahn-Station Mohrenstra\u00dfe in Glinkastra\u00dfe, die sich darum drehte, dass der russische Komponist Michael Glinka Antisemit gewesen sein soll. Stein und Zimmermann halten die Debatte f\u00fcr \u00fcberzogen, Glinka sei nur ein Kind seiner Zeit gewesen. Folgt man ihrer Logik, k\u00f6nnen wir dann also in 20 oder 30 Jahren U-Bahn-Stationen nach den Kindern der 1930er Jahre benennen?<\/p>\n\n\n\n

Der Antisemit als Tierfreund<\/h6>\n\n\n\n

Ich w\u00fcnschte, die Sache h\u00e4tte mit dem Artikel, mit der Petition geendet. Doch dann erschien ein Artikel, der den Leser auf einen Waldspaziergang mit einem veganen Koch und Antisemiten mitnahm. Darin setzt der Tierfreund erst behutsam einen K\u00e4fer wieder auf seine Beinchen und erkl\u00e4rt dann, dass die Todesstrafe in Deutschland wieder eingef\u00fchrt werden solle, um einen gewissen Politiker (der zuf\u00e4llig pro Israel ist) an seinen Hoden aufh\u00e4ngen zu k\u00f6nnen. Dieser Koch hat Hunderttausende Follower, er sagt all solche Dinge am helllichten Tag in Berlin. Und in den Medien.<\/p>\n\n\n\n

F\u00e4lle wie dieser handeln bereits von Gewalt \u2013 und sie enden nicht bei den Juden. Der Hass richtet sich gegen Frauen<\/a>, Muslime, Gefl\u00fcchtete, \u00adLBTQI. Am Ende aller theoretischen Debatten stehen immer echte Menschen. Am Ende jeder Konferenz dar\u00fcber, was Antisemitismus ausmacht, steht ein potenzielles j\u00fcdisches Opfer. Angesichts einer Welle von Antisemitismus \u00fcber die Definition von Antisemitismus zu streiten ist, wie eine 10 Meter hohe Welle heranrollen zu sehen und dar\u00fcber zu streiten, was einen Tsunami ausmacht.<\/p>\n\n\n\n

Felix Klein versteht, wie absurd es ist, zu sagen: Es sind nur die Rechten. Die Rechten sind Deutsche, so wie die Nazis Deutsche waren. Klein versteht, dass die Deutschen nicht aufgeh\u00f6rt haben, Juden zu ermorden, weil sie irgendeine Art von Erleuchtung hatten. Sondern schlicht, weil sie den Krieg verloren haben. Um den Antisemitismus zu bek\u00e4mpfen, bevor er die Gesellschaft frisst, in der er und wir leben, muss Deutschland seinen moralischen Kompass korrigieren.<\/p>\n\n\n\n

Immerhin: Mehr und mehr Deutsche fahren nach Israel, sie wollen ein anderes Narrativ h\u00f6ren. Mehr und mehr Deutsche verstehen, dass Antisemitismus Schockwellen ausl\u00f6st, die die gesamte Gesellschaft betreffen. In einem normalen Universum w\u00fcrde Klein bef\u00f6rdert werden f\u00fcr seine Leistung. In einer verdrehten Gesellschaft fordern Menschen seine Entlassung. Um es mit Mbembe zu sagen: Das ist Nano-Nonsens.<\/p>\n\n\n\n

\u00dcbersetzung: Ariane Lemme<\/a><\/em><\/p>\n","post_title":"Felix Klein hat verstanden","post_excerpt":"","post_status":"publish","comment_status":"closed","ping_status":"closed","post_password":"","post_name":"felix-klein-hat-verstanden","to_ping":"","pinged":"","post_modified":"2025-02-02 08:39:39","post_modified_gmt":"2025-02-02 08:39:39","post_content_filtered":"","post_parent":0,"guid":"https:\/\/dctransparency.com\/?p=3786","menu_order":0,"post_type":"post","post_mime_type":"","comment_count":"0","filter":"raw"}],"next":false,"prev":true,"total_page":47},"paged":1,"column_class":"jeg_col_2o3","class":"epic_block_3"};

\n

Dar\u00fcber hinaus haben mehrere Abgeordnete wie Urmas Paet, Hilde Vautmans, Malik Azmani und Bart Groothuis an den Vizepr\u00e4sidenten der Kommission und den Hohen Vertreter der Union f\u00fcr Au\u00dfen- und Sicherheitspolitik geschrieben.<\/p>\n\n\n\n

Die Gruppe sagte: \u201eAm 6. August 2020 wurde \u00f6ffentlich bekannt, dass w\u00e4hrend eines offiziellen Aufrufs am 6. Juni 2017 zwischen dem US-Pr\u00e4sidenten Donald Trump und dem saudi-arabischen K\u00f6nig Salman ein Vorschlag zur Invasion Katars vorgelegt wurde . Die US-Regierung lehnte den saudischen Vorschlag sofort ab und forderte die formelle Vermittlung durch die kuwaitischen Beh\u00f6rden im Rahmen des Golf-Kooperationsrates. \u201c<\/p>\n","post_title":"Europ\u00e4ische Politiker verurteilen saudische Pl\u00e4ne, in Katar einzudringen","post_excerpt":"","post_status":"publish","comment_status":"closed","ping_status":"closed","post_password":"","post_name":"europaische-politiker-verurteilen-saudische-plane-in-katar-einzudringen","to_ping":"","pinged":"","post_modified":"2025-02-02 08:39:39","post_modified_gmt":"2025-02-02 08:39:39","post_content_filtered":"","post_parent":0,"guid":"https:\/\/dctransparency.com\/?p=3818","menu_order":0,"post_type":"post","post_mime_type":"","comment_count":"0","filter":"raw"},{"ID":3811,"post_author":"7","post_date":"2020-08-28 13:33:59","post_date_gmt":"2020-08-28 13:33:59","post_content":"\n

Die BBC <\/a>hat neue Beweise daf\u00fcr gefunden, dass eine von den Vereinigten Arabischen Emiraten (VAE) betriebene Drohne im Januar 2020 26 unbewaffnete Kadetten an einer Milit\u00e4rakademie in der libyschen Hauptstadt Tripolis get\u00f6tet hat.<\/p>\n\n\n\n

Zum Zeitpunkt des Streiks am 4. Januar wurde Tripolis von der selbsternannten libyschen Nationalarmee (LNA) belagert.<\/p>\n\n\n\n

Es hat die Verantwortung f\u00fcr den Angriff abgelehnt und vermutet, dass die Kadetten durch Beschuss vor Ort get\u00f6tet wurden.<\/p>\n\n\n\n

Es gibt jedoch Hinweise darauf, dass die Kadetten von einer chinesischen Blue Arrow 7-Rakete getroffen wurden.<\/p>\n\n\n\n

Dies wurde von einer Drohne namens Wing Loong II abgefeuert, und die Untersuchung von BBC Africa Eye und BBC Arabic Documentaries ergab auch Hinweise darauf, dass Wing Loong II-Drohnen zum Zeitpunkt des Streiks nur von einem libyschen Luftwaffenst\u00fctzpunkt aus operierten - al-Khadim - und dass die VAE die dort stationierten Drohnen geliefert und betrieben haben.<\/p>\n\n\n\n

\"\"<\/figure>\n\n\n\n

Die VAE haben zuvor die milit\u00e4rische Beteiligung in Libyen verweigert und sagen, sie unterst\u00fctzen den UN-Friedensprozess. Es antwortete nicht auf die Bitte der BBC um einen Kommentar.<\/p>\n\n\n\n

Was ist mit diesen Kadetten passiert?<\/strong><\/p>\n\n\n\n

Kurz nach 21:00 Uhr am 4. Januar 2020 f\u00fchrten rund 50 Kadetten Routine\u00fcbungen an einer Milit\u00e4rakademie im S\u00fcden von Tripolis durch.<\/p>\n\n\n\n

Ohne Vorwarnung detonierte eine Explosion in der Mitte der Gruppe und lie\u00df 26 Kadetten tot oder auf dem Exerzierplatz sterben. Viele waren noch Teenager. Keiner von ihnen war bewaffnet.

Einer der \u00dcberlebenden war der 20-j\u00e4hrige Abdul Moeen.<\/p>\n\n\n\n

Er war in der Akademie, als der Streik eintraf. \"Es war unbeschreiblich\", sagte er der BBC.<\/p>\n\n\n\n

\"Wir haben gesehen, wie unsere Kollegen starben, ihren letzten Atemzug machten und wir konnten nichts tun ... Es gab Leute, deren Oberk\u00f6rper von ihren K\u00f6rpern getrennt waren. Es war ein schreckliches Verbrechen, ein Verbrechen, das nichts mit der Menschheit zu tun hat. \"\"<\/p>\n\n\n\n

Sieben Monate nach dem Streik hat niemand die Verantwortung f\u00fcr die T\u00f6tung dieser jungen M\u00e4nner eingestanden.<\/p>\n\n\n\n

Die LNA unter Gen Khalifa Haftar bestritt, dass sie hinter dem Streik steckt, und teilte der Presse mit, dass die Explosion m\u00f6glicherweise durch eine lokal abgefeuerte M\u00f6rsergranate oder einen Angriff innerhalb der Akademie verursacht worden sei.<\/p>\n\n\n\n

Was hat die BBC gefunden?<\/strong><\/p>\n\n\n\n

Die Untersuchung ergab Hinweise darauf, dass eine viel ausgefeiltere Waffe verwendet wurde.<\/p>\n\n\n\n

\"\"<\/figure>\n\n\n\n

Die BBC betrachtete Bilder des Splitters, der nach dem Streik auf dem Exerzierplatz zur\u00fcckgelassen wurde, und kam zu dem Schluss, dass er mit den Komponenten einer Rakete namens Blue Arrow 7 \u00fcbereinstimmte.<\/p>\n\n\n\n

Unsere Analyse ergab, dass nur ein Flugzeug, das im Januar 2020 \u00fcber Tripolis operierte, diese Waffe abfeuern konnte - eine Drohne namens Wing Loong 2.<\/p>\n\n\n\n

Nur drei Wochen vor diesem Streik kamen die Vereinten Nationen zu dem Schluss, dass der Blaue Pfeil 7 \"ballistisch gepaart ist, um vom Wing Loong II geliefert zu werden ... und von keinem anderen in Libyen bisher identifizierten Luftfahrtgut\".<\/p>\n\n\n\n

Die BBC untersuchte auch, woher diese Drohne stammen k\u00f6nnte, und fand Hinweise darauf, dass Wing Loong-Drohnen zum Zeitpunkt des Angriffs nur von einem libyschen Luftwaffenst\u00fctzpunkt aus operierten: al-Khadim im von der LNA kontrollierten Ostlibyen.<\/p>\n\n\n\n

Sowohl die BBC als auch die UN haben Beweise daf\u00fcr gefunden, dass Drohnen, die von diesem Luftwaffenst\u00fctzpunkt aus operieren, zu den Vereinigten Arabischen Emiraten geh\u00f6ren.<\/p>\n\n\n\n

Im Jahr 2019 stellte die UNO fest, dass die VAE durch den Versand von Wing Loong-Drohnen und Blue Arrow 7-Raketen nach Libyen gegen das seit 2011 geltende UN-Waffenembargo gegen das Land versto\u00dfen hatten.<\/p>\n\n\n\n

Die BBC fand auch ein Waffenregister, aus dem hervorgeht, dass die VAE 2017 15 Wing Loong-Drohnen und 350 Blue Arrow 7-Raketen gekauft haben.<\/p>\n\n\n\n

Was hat die BBC noch aufgedeckt?<\/strong><\/p>\n\n\n\n

<\/p>\n\n\n\n

Die BBC-Untersuchung ergab auch neue Beweise daf\u00fcr, dass \u00c4gypten den VAE erlaubt, \u00e4gyptische Milit\u00e4rflugpl\u00e4tze nahe der libyschen Grenze zu nutzen.<\/p>\n\n\n\n

Im Februar 2020 scheinen die in Libyen stationierten Wing Loong II-Drohnen \u00fcber die Grenze nach \u00c4gypten zu einem Luftwaffenst\u00fctzpunkt in der N\u00e4he von Siwa in der west\u00e4gyptischen W\u00fcste gebracht worden zu sein.<\/p>\n\n\n\n

Satellitenbilder zeigen auch, dass ein zweiter \u00e4gyptischer Milit\u00e4rflugplatz, Sidi Barrani, als Einsatzbasis f\u00fcr Mirage 2000-Kampfflugzeuge verwendet wurde, die in Farben lackiert sind, die nicht von der \u00e4gyptischen Luftwaffe verwendet werden, aber genau den von den VAE geflogenen Jets entsprechen .<\/p>\n\n\n\n

Dies ist das gleiche Flugzeugmodell, das von den Vereinten Nationen in einen Luftangriff auf ein Migrationszentrum \u00f6stlich von Tripolis im Juli 2019 verwickelt wurde, bei dem 53 Menschen get\u00f6tet wurden.<\/p>\n\n\n\n

Ausl\u00e4ndischer Jet bei libyschem Migrantenangriff verd\u00e4chtigt<\/p>\n\n\n\n

Sidi Barrani ist auch das Ziel f\u00fcr mehrere Frachtflugzeuge, die von den Vereinigten Arabischen Emiraten gestartet sind, und schl\u00e4gt eine Luftbr\u00fccke f\u00fcr Ausr\u00fcstung oder Lieferungen zwischen den Vereinigten Arabischen Emiraten und einer Milit\u00e4rbasis vor, die nur 80 km von der libyschen Grenze entfernt liegt.<\/p>\n\n\n\n

Die \u00e4gyptische Regierung antwortete nicht auf die Bitte der BBC um Stellungnahme.<\/p>\n\n\n\n

Ist ausl\u00e4ndisches milit\u00e4risches Engagement \u00fcberraschend?<\/strong><\/p>\n\n\n\n

Sowohl die Vereinigten Arabischen Emirate als auch \u00c4gypten nahmen an einer von Bundeskanzlerin Angela Merkel im Januar dieses Jahres in Berlin einberufenen Konferenz \u00fcber Libyen teil, auf der sie ihre Unterst\u00fctzung f\u00fcr den UN-Friedensprozess bekr\u00e4ftigten und sich bereit erkl\u00e4rten, nicht in den Libyen-Krieg einzugreifen.<\/p>\n\n\n\n

Im vergangenen Jahr gab es jedoch eine Eskalation des Einsatzes von Drohnen durch beide Seiten des Konflikts.<\/p>\n\n\n\n

Ghassan Salam\u00e9, der fr\u00fchere Leiter der UN-Mission in Libyen, beschrieb dies als \"m\u00f6glicherweise das gr\u00f6\u00dfte Drohnenkriegstheater der Welt\".<\/p>\n\n\n\n

Die VAE sind nicht die einzige ausl\u00e4ndische Macht, die an diesem Konflikt beteiligt ist.<\/p>\n\n\n\n

Anfang dieses Jahres gab BBC Africa Eye bekannt, dass die T\u00fcrkei auch gegen das Waffenembargo der Vereinten Nationen gegen Libyen versto\u00dfen hat, indem sie geheime Waffenlieferungen an die von den Vereinten Nationen anerkannte Regierung in Tripolis gesendet hat.<\/p>\n\n\n\n

Mit Unterst\u00fctzung der T\u00fcrkei hat die von den Vereinten Nationen anerkannte Regierung des Nationalen Abkommens nun die LNA von Gen Haftar aus der Gegend um Tripolis zur\u00fcckgeschlagen.<\/p>\n","post_title":"BBC-Untersuchung: VAE in t\u00f6dlichen Angriff in Libyen verwickelt","post_excerpt":"","post_status":"publish","comment_status":"closed","ping_status":"closed","post_password":"","post_name":"bbc-untersuchung-vae-in-todlichen-angriff-in-libyen-verwickelt","to_ping":"","pinged":"","post_modified":"2025-02-02 08:39:39","post_modified_gmt":"2025-02-02 08:39:39","post_content_filtered":"","post_parent":0,"guid":"https:\/\/dctransparency.com\/?p=3811","menu_order":0,"post_type":"post","post_mime_type":"","comment_count":"0","filter":"raw"},{"ID":3792,"post_author":"7","post_date":"2020-08-14 13:58:48","post_date_gmt":"2020-08-14 13:58:48","post_content":"\n

Die Hagia Sophia war (ist) ein kulturelles Weltwunder und aufgeladen mit symbolischer Bedeutung, f\u00fcr die Christenheit ebenso wie f\u00fcr den Islam \u2013 und den t\u00fcrkischen Nationalismus. Als Mehmed II. sie betrat, war sie schon fast 1000 Jahre die gr\u00f6\u00dfte Kirche der christlichen Welt und das Zentrum der orthodoxen Glaubensrichtung. Die \"Ayasofya\", wie sie dann hie\u00df, war 500 Jahre lang Moschee \u2013 bis 1934, als Kemal Pascha Atat\u00fcrk, der \"Vater\" der modernen T\u00fcrkei, sie in ein Museum verwandelte, in der ausdr\u00fccklichen Absicht, auch hier mit dem osmanischen Erbe zu brechen.<\/p>\n\n\n\n

Nun wird Pr\u00e4sident Recep Tayyip Erdo\u011fan, der \"Vater\" der re-islamisierten T\u00fcrkei, am 24. Juli dieses Jahres die Ayasofya durch das Freitagsgebet wieder in den Islam eingliedern. Oder eher in seinen pers\u00f6nlichen religi\u00f6sen Nationalismus.<\/p>\n\n\n\n

Welterbe von allen<\/h3>\n\n\n\n

Wie bedeutungsschwer ist dieser Akt eines \"starken Mannes\", der innenpolitisch deutlich schw\u00e4chelt? Die Proteste vor allem aus der orthodoxen Welt, aber auch aus Europa und den USA sind eher traurig als w\u00fctend. Der Papst dr\u00fcckte seinen \"Schmerz\" aus. Auch der Jubel in der islamischen Welt fiel zun\u00e4chst weniger \u00fcbersch\u00e4umend als erwartet aus.<\/p>\n\n\n\n

Ist es der Alleingang eines Autokraten in Bedr\u00e4ngnis oder ist \"der Jubel \u00fcber die Eroberung der Hagia Sophia der Versuch einer zutiefst erniedrigten, vom Gef\u00fchl der Wertlosigkeit dominierten und in ihrer eigenen Selbstberechtigung beraubten Gesellschaft, eine Bedeutung, eine St\u00e4rke, ein Selbstwertgef\u00fchl zu finden\"? So recht pauschalierend der in Deutschland lebende pal\u00e4stinensische Intellektuelle und Psychiater Ahmad Mansour.<\/p>\n\n\n\n

Die beiden Gro\u00dfreiche, das byzantinische und das osmanische, sind l\u00e4ngst versunken.<\/p><\/blockquote>\n\n\n\n

Das eigentliche Schl\u00fcsselwort im Zusammenhang mit der Hagia Sofia ist \"Welterbe\". Das Erbe von allen. Einmal im kulturellen Sinn der Unesco, aber in Wahrheit weiter gefasst. Das einzigartige Bauwerk geh\u00f6rt in Wirklichkeit der ganzen Welt, nicht der einen oder anderen Religion. Die beiden Gro\u00dfreiche, f\u00fcr die die Hagia Sofia der zentrale spirituelle Bau war, das byzantinische und das osmanische, sind l\u00e4ngst versunken. Seither hat sie eine neue, \u00fcbernationale Dimension erhalten. Was Erdo\u011fan da jetzt mit der Hagia Sofia macht, ist eine Verengung und Verarmung eines gemeinsamen Welterbes.<\/p>\n\n\n\n

\"\"\/
Betende Muslime vor der Hagia Sophia.<\/figcaption><\/figure>\n\n\n\n

Davon abgesehen aber war und ist sie ein architektonisches Meisterwerk und geh\u00f6rt zu den bedeutendsten Bauten der Welt. Wer heute den Zentralraum unter der Kuppel betritt, kann sich nur schwer dem zugleich majest\u00e4tischen wie schwebenden Gesamteindruck entziehen. Die Hagia Sophia blieb fast 1000 Jahre die gr\u00f6\u00dfte Kirche der Christenheit. Technisch war die Kuppel (mit mehreren Halbkuppeln) eine \u00fcberaus riskante Innovation: Die 55 Meter hohe und 32 Meter im Durchmesser breite Kuppel ruht auf nur vier Tragpunkten, was den schwebenden, schwerelosen Eindruck erzeugt. Die Konstruktion folgt einem mathematischen Prinzip, das erst k\u00fcrzlich entschl\u00fcsselt wurde.<\/p>\n\n\n\n

\"Salomo, ich habe dich \u00fcbertroffen!\"<\/p><\/blockquote>\n\n\n\n

Als Kaiser Justinian die Hagia Sophia nach nur f\u00fcnf Jahren Bauzeit (532\u2013537) betrat, soll er in Anspielung auf den Tempel in Jerusalem ausgerufen haben: \"Salomo, ich habe dich \u00fcbertroffen!\" Die Innenausstattung war mit ihren S\u00e4ulen aus Porphyr und gr\u00fcnem Marmor, mit Mosaiken aus Gold und Halbedelsteinen derart prunkvoll, der Gesamteindruck derart \u00fcberirdisch, dass eine Delegation des Gro\u00dff\u00fcrsten von Kiew nicht mehr wusste, \"ob wir im Himmel oder auf der Erde\" waren \u2013 was die Christianisierung Russlands bef\u00f6rderte.<\/p>\n\n\n\n

Der deutsche Architekturlehrer Holger Kleine nennt die Hagia Sophia \"absolute Architektur\", weil sie \"extreme Ausdrucksformen nahezu aller dramaturgischen Mittel, die der Architektur zur Verf\u00fcgung stehen, vereinigt: wuchtigste K\u00f6rper und luftigste R\u00e4ume, engste Enge und gr\u00f6\u00dfte Weite, w\u00e4rmende Helligkeit und mystisches Dunkel\". Und die Kuppelbauten aus der sp\u00e4teren Hochbl\u00fcte der Moscheenarchitektur im 16. und 17. Jahrhundert gehen eindeutig auf die Hagia Sophia zur\u00fcck.<\/p>\n\n\n\n

Die Hagia Sophia war Staatskirche des byzantinischen Reichs. F\u00fcr die Eroberer der letzte Schlussstein in der Kuppel osmanisch-muslimischen Herrschaftsanspruchs. Konstantinopel war ja 1453 nur noch eine isolierte, heruntergekommene Enklave in einem osmanischen Umfeld, kein christliches Heer kam zu Hilfe. Doch vorher war es zugleich Sperrriegel nach Osten und Geistesarchiv der antiken Kultur gewesen. \"Ohne Byzanz h\u00e4tte es kein Europa gegeben\", sagt die britische Altertumsforscherin Judith Herrin.<\/p>\n\n\n\n

\"\"\/
Freigelegtes Mosaik von \"Christos Pantokrator\".<\/figcaption><\/figure>\n\n\n\n

Neue Fragen<\/h3>\n\n\n\n

Die Kirche wurde von Mehmed II. und Nachfolgern nicht in der Substanz zerst\u00f6rt, sondern \"entchristlicht\". Die urspr\u00fcnglich \u00fcbert\u00fcnchten oder auch abgeschlagenen Mosaiken mit den Darstellungen von Christus, der Muttergottes, diversen Kaisern kamen zum Teil schon unter einem Sultan des 19. Jahrhunderts, dann gro\u00dfteils nach der Museumswidmung wieder zum Vorschein.<\/p>\n\n\n\n

Jetzt stellen sich neue symbolisch-praktische Fragen. Erdo\u011fan hat die Hagia Sophia der konservativen staatlichen Religionsbeh\u00f6rde Diyanet unterstellt. Die byzantinischen Mosaike, wie der gro\u00dfartige \"Christos Pantokrator\" (\"Weltenherrscher\") oder die Jungfrau Maria in der Apsis, m\u00fcssen wohl w\u00e4hrend des islamischen Gottesdiensts verh\u00e4ngt werden. Muss der Boden mit seinen Marmorplatten und Mosaiken mit einem Teppich bedeckt werden? Erdo\u011fan sagt, Touristen seien nach wie vor zugelassen. Aber sie werden wohl hinter Absperrungen bleiben m\u00fcssen. Frauen werden \u2013 wie in der benachbarten \"Blauen Moschee\" (\"Sultanahmed\") Kopftuch tragen m\u00fcssen.<\/p>\n\n\n\n

\"\"\/
Erdo\u011fan mit Gattin in der Hagia Sophia.<\/figcaption><\/figure>\n\n\n\n

Erdo\u011fans neue Abenteuer<\/strong><\/h3>\n\n\n\n

Aber wird da nicht doch zu viel in einen Formalakt rund um ein uraltes Bauwerk hineininterpretiert? Im geschichtlichen Kontext relativiert sich manches: Konstantinopel wurde schon von Christen erobert und ausgepl\u00fcndert \u2013 1204 im Vierten Kreuzzug. In der Moschee von Cordoba (\"Mezquita\") bauten die Katholiken eine ganze Kirche in den ber\u00fchmten S\u00e4ulenwald hinein. Die Mezquita ist heute noch Kirche, kein Museum.<\/p>\n\n\n\n

\"Das ist der Beweis, dass wir kein s\u00e4kularer Staat mehr sein wollen\", sagt Nobelpreistr\u00e4ger Orhan Pamuk. Erdo\u011fan betrachtet sich offenbar als auch neoosmanischer \"Fatih\" im Mittelmeerraum mit immer neuen Abenteuern: Eingreifen in Syrien, Stellvertreterkrieg in Libyen, Anspr\u00fcche auf Erdgasvorkommen weit vor der t\u00fcrkischen K\u00fcste bei Zypern, Reden, wonach manche \u00c4g\u00e4is-Inseln eigentlich zur T\u00fcrkei geh\u00f6ren, \"denn dort stehen unsere Moscheen\". Manches davon ist nur Rhetorik, aber genug anderes ist riskante Realit\u00e4t. (Hans Rauscher, 14.7.2020)<\/p>\n\n\n\n

Quelle<\/a><\/strong><\/p>\n","post_title":"Hagia Sophia: Verengung und Verarmung eines Welterbes","post_excerpt":"","post_status":"publish","comment_status":"closed","ping_status":"closed","post_password":"","post_name":"hagia-sophia-verengung-und-verarmung-eines-welterbes","to_ping":"","pinged":"","post_modified":"2025-02-02 08:39:39","post_modified_gmt":"2025-02-02 08:39:39","post_content_filtered":"","post_parent":0,"guid":"https:\/\/dctransparency.com\/?p=3792","menu_order":0,"post_type":"post","post_mime_type":"","comment_count":"0","filter":"raw"},{"ID":3789,"post_author":"7","post_date":"2020-08-14 13:56:07","post_date_gmt":"2020-08-14 13:56:07","post_content":"\n

Im Gastkommentar pocht Mark Leonard, Direktor des Europ\u00e4ischen Rats f\u00fcr Ausw\u00e4rtige Beziehungen, auf \"neue, einvernehmlich vereinbarte Prinzipien sowie klare Grenzen\", nur so k\u00f6nne eine weitere Destabilisierung in der Region verhindert werden.<\/em><\/strong><\/p>\n\n\n\n

Ist die T\u00fcrkei das neue Russland? Diese Frage wird in den europ\u00e4ischen Hauptst\u00e4dten zunehmend gestellt, da die Au\u00dfenpolitik des t\u00fcrkischen Pr\u00e4sidenten Recep Tayyip Erdo\u011fan zunehmend aggressiver wird. Erdo\u011fan nutzt nicht nur die Migration, um die EU zu bedrohen und zu betr\u00fcgen, sondern setzt auch milit\u00e4rische Macht ein, um den Einflussbereich der T\u00fcrkei auf die gesamte Region auszudehnen.<\/p>\n\n\n\n

Seit dem Ende des Kalten Krieges haben die Europ\u00e4er die regionale Sicherheit durch eine unipolare westliche Linse betrachtet. W\u00e4hrend die Nato die milit\u00e4rische Sicherheit garantierte, sorgte die EU mit ihrem 80.000 Seiten starken Regelwerk f\u00fcr alles von LGBTQ-Rechten bis hin zu Rasenm\u00e4her-Sound-Verordnungen f\u00fcr Rechtsordnung. In den 90er-Jahren ging man allgemein davon aus, dass die beiden gro\u00dfen nichtwestlichen regionalen Akteure, Russland und die T\u00fcrkei, nach und nach an diese Regelungen herangef\u00fchrt werden w\u00fcrden.<\/p>\n\n\n\n

Qu\u00e4lende Hassliebe<\/h3>\n\n\n\n

Doch in den letzten 15 Jahren ist der Traum von der europ\u00e4ischen Unipolarit\u00e4t einer multipolaren Realit\u00e4t gewichen. Sowohl Russland als auch die T\u00fcrkei haben eine lange, qu\u00e4lende Hassliebe zu Europa, und beide sind unter nationalen Machthabern, denen die Verachtung der Normen und Werte der EU gemeinsam ist, durchsetzungsf\u00e4higer geworden.<\/p>\n\n\n\n

Die zunehmende Verschlechterung der Beziehungen zwischen der EU und Russland ist gut dokumentiert, der Fall der T\u00fcrkei weniger. Der Irakkrieg im Jahr 2003 komplizierte das Verh\u00e4ltnis der T\u00fcrkei zur Nato, und ihr Verh\u00e4ltnis zur EU verschlechterte sich 2007, als Frankreich einen wichtigen Teil ihrer EU-Beitrittsverhandlungen blockierte. Seitdem hat die T\u00fcrkei ihren eigenen Weg in Syrien, auf dem Balkan und in Libyen eingeschlagen und neue Beziehungen zu Russland und China aufgebaut.<\/p>\n\n\n\n

Wichtiger Akteur<\/strong><\/h3>\n\n\n\n

Nat\u00fcrlich sind die Beziehungen zwischen der T\u00fcrkei und Russland nicht weniger kompliziert, nicht zuletzt weil Erdo\u011fan und der russische Pr\u00e4sident Wladimir Putin im syrischen B\u00fcrgerkrieg verschiedene Seiten unterst\u00fctzten.Und w\u00e4hrend die Spannungen wegen des Syrien-Konflikts weiterhin bestehen, bewundert Erdo\u011fan deutlich, wie Russland sich \u2013 bei relativ geringen Kosten \u2013 wieder als wichtiger Akteur im Nahen Osten und in Nordafrika etabliert hat.<\/p>\n\n\n\n

Nachdem er in einen nicht zu gewinnenden Krieg im Osten der Ukraine verwickelt war, schien Putins weitgehend erfolgreicher Feldzug in Syrien einen Teil seiner innenpolitischen Autorit\u00e4t wiederherzustellen. Der Westen hatte f\u00fcnf Jahre lang darauf bestanden, dass es keine milit\u00e4rische L\u00f6sung des Konflikts gebe und dass der syrische Pr\u00e4sident Baschar al-Assad gehen m\u00fcsse. Doch w\u00e4hrend die von den Vereinten Nationen unterst\u00fctzten Gespr\u00e4che in Genf zu keinem Ergebnis f\u00fchrten, schienen die von Russland geleiteten Gespr\u00e4che in Astana voranzukommen. Indem der Kreml die T\u00fcrkei und den Iran einbezog, w\u00e4hrend er die westlichen M\u00e4chte ausschloss, erweckte er den Eindruck, dass Russland als wiedergeborene Supermacht aus der Asche auferstanden sei.<\/p>\n\n\n\n

Unter Druck<\/h3>\n\n\n\n

Angesichts des wachsenden Widerstands im eigenen Land macht es Erdo\u011fan Putin gleich. Da der Westen nicht bereit war, (erneut) milit\u00e4risch in Libyen zu intervenieren, sah Erdo\u011fan eine Gelegenheit, die T\u00fcrkei zu positionieren. Nach dem Vorgehen Russlands in Syrien sicherte er sich eine formelle Einladung der libyschen Regierung zur Intervention. Mit einem Schlag Ende letzten Jahres hat er nicht nur das Image der T\u00fcrkei als Regionalmacht gest\u00e4rkt, sondern auch ein Abkommen mit Libyen \u00fcber die Seegrenze abgeschlossen und damit einen Plan Griechenlands, Zyperns, \u00c4gyptens und Israels zur Erschlie\u00dfung von Unterwasser\u00f6l- und -gasfeldern in der N\u00e4he zunichtegemacht.<\/p>\n\n\n\n

Erdo\u011fan scheint auch von der Spalt-und-Eroberungs-Strategie des Kreml in Europa inspiriert worden zu sein, der zufolge oft diejenigen EU-Mitgliedsstaaten unter Druck gesetzt werden, die am meisten von russischen Kohlenwasserstoffen oder M\u00e4rkten abh\u00e4ngig sind. So wie Putin lange Zeit die Energieversorgung instrumentalisiert hat, hat Erdo\u011fan versucht, den Strom von Migranten und Fl\u00fcchtlingen, die vor Konflikten im Nahen Osten fliehen, zu instrumentalisieren. Als die EU eine neue Marinemission ank\u00fcndigte, um den Waffenstrom nach Libyen zu blockieren, malte die T\u00fcrkei f\u00fcr Malta das Schreckgespenst der angeblichen Bedrohung durch Migranten an die Wand. Malta reagierte prompt und signalisierte, dass es gegen die Finanzierung der Mission ein Veto einlegen werde.<\/p>\n\n\n\n

Verlorener Sohn<\/strong><\/h3>\n\n\n\n

Jahrelang redeten sich die Europ\u00e4er ein, dass Russland eine Art verlorener Sohn sei und dass die europ\u00e4ische unipolare Ordnung gesund bleibe. Doch das machte Europa zu einem leichten Ziel f\u00fcr die Trennungs-und-Eroberungs-Strategie des Kreml. Erst vor relativ kurzer Zeit entwarf die Union eine neue Politik und ein robustes Sanktionsregime, um die russische Aggression abzuschrecken. Und selbst jetzt \u2013 trotz der besten Bem\u00fchungen der deutschen Bundeskanzlerin Angela Merkel und des franz\u00f6sischen Pr\u00e4sidenten Emmanuel Macron \u2013 hat die EU noch immer keine wirksamen Kommunikationskan\u00e4le mit Russland geschaffen, um gemeinsame Probleme anzugehen.<\/p>\n\n\n\n

Die T\u00fcrkei ist noch kein neues Russland, aber sie k\u00f6nnte dazu werden, wenn die Situation falsch gehandhabt wird. Vorerst betrachten die meisten Europ\u00e4er die T\u00fcrkei noch immer als einen komplizierten Partner und nicht als \"Systemrivalen\". Aber die Europ\u00e4er sollten die hart erk\u00e4mpften Lehren aus dem Umgang mit Russland in den letzten 15 Jahren beherzigen. Die Beziehungen zwischen der EU und der T\u00fcrkei brauchen neue, einvernehmlich vereinbarte Prinzipien sowie klare Grenzen, um eine weitere Destabilisierung in der Region zu verhindern.<\/p>\n\n\n\n

Zu diesem Zweck sollten die Europ\u00e4er klarstellen, dass der EU-Beitrittsprozess entweder zur\u00fcckgedreht oder vorangetrieben werden kann und dass eine eher transaktionale Beziehung sowohl Zuckerbrot als auch Peitsche beinhaltet. Die Herausforderung wird darin bestehen, daf\u00fcr zu sorgen, dass es in einer Region, die nicht nur von Europa und der T\u00fcrkei, sondern auch von Russland, den USA und einem aufstrebenden China beeinflusst wird, noch Raum f\u00fcr politisches Engagement in Fragen der gemeinsamen Sicherheit gibt. (Mark Leonard, \u00dcbersetzung: Eva G\u00f6llner, Copyright: Project Syndicate, 10.8.2020)<\/p>\n\n\n\n

Mark Leonard <\/strong>ist Direktor des Europ\u00e4ischen Rats f\u00fcr Ausw\u00e4rtige Beziehungen.<\/a><\/p>\n","post_title":"Erdo\u011fan \u2013 der andere Putin vor der Haust\u00fcr Europas","post_excerpt":"","post_status":"publish","comment_status":"closed","ping_status":"closed","post_password":"","post_name":"erdogan-der-andere-putin-vor-der-haustur-europas","to_ping":"","pinged":"","post_modified":"2025-02-02 08:39:39","post_modified_gmt":"2025-02-02 08:39:39","post_content_filtered":"","post_parent":0,"guid":"https:\/\/dctransparency.com\/?p=3789","menu_order":0,"post_type":"post","post_mime_type":"","comment_count":"0","filter":"raw"},{"ID":3786,"post_author":"7","post_date":"2020-08-14 13:51:23","post_date_gmt":"2020-08-14 13:51:23","post_content":"\n

Einen Monat nachdem ich zur israelischen Armee eingezogen worden war, brach die erste Intifada aus. Statt Soldat zu sein, machte ich Polizeiarbeit, sagte den Menschen, wann sie zur Arbeit gehen konnten und wann sie ihre L\u00e4den schlie\u00dfen mussten, wann sie die Grenze passieren und wann sie schlafen konnten. Einen Monat nachdem ich aus der Armee entlassen worden war, ging ich auf Reisen. (In Israel sagen wir: Wir dienen drei Jahre und versuchen den Rest unseres Lebens, diese drei Jahre zu vergessen.) Auf meiner Reise begann ich Briefe an meine Freundin zu schreiben, die ich in Israel zur\u00fcckgelassen hatte.<\/p>\n\n\n\n

Ich schrieb ihr, wie schrecklich depressiv ich war und dass diese drei Jahre des Anweisungenbellens und Anderen-Menschen-Sagens, was sie zu tun haben, mich f\u00fcr immer verfolgen w\u00fcrden. Dass sie ein Teil dessen geworden waren, was ich bin. Ich erinnere mich, dass ich ihr schrieb, dass wir da rausm\u00fcssen \u2013 nicht nur f\u00fcr die Pal\u00e4stinenser, sondern wegen der furchtbaren und brutalen Auswirkungen, die all das auf uns, auf die israelische Gesellschaft haben w\u00fcrde. Sie schrieb zur\u00fcck: \u201eDu hast recht. Ich habe einen neuen Freund.\u201c<\/p>\n\n\n\n

Felix Klein wurde als Beauftragter der Bundesregierung berufen<\/a>, um die Auswirkungen des zunehmenden Antisemitismus in unserer Gesellschaft, in Deutschland, zu bek\u00e4mpfen. Was nicht in seiner Jobbeschreibung steht, ist, dass er dabei unsere Gesellschaft heilen muss, jene Gesellschaft, die diese Form des Hasses reproduziert und sch\u00fctzt. Klein hat das begriffen.<\/p>\n\n\n\n

Er versteht, dass man Krebs nicht mit einem Pflaster verarztet, er wei\u00df, dass er das Bewusstsein der Deutschen sch\u00e4rfen und Diskussionen ansto\u00dfen muss. Er hat begriffen, dass das Problem nicht nur an den R\u00e4ndern der Gesellschaft (bei den Rechten) liegt, sondern auch in ihrer Mitte. Dort, wo gebildete Menschen nicht einmal bemerken, dass das, was sie sagen und tun, antisemitisch ist. So wie sie es auch nicht merken, wenn sie rassistisch handeln. Er hat all das verstanden, und genau deshalb wollen einige, dass er seinen Posten r\u00e4umt.<\/p>\n\n\n\n

Mehr als 60 deutsche und israelische Intellektuelle haben letzte Woche in einem Brief an Kanzlerin Merkel<\/a> dar\u00fcber geklagt, dass der aktuelle \u201eGebrauch des Antisemitismusbegriffs\u201c darauf abziele, \u201elegitime Kritik an der israelischen Regierungspolitik zu unterdr\u00fccken\u201c, und Klein vorgeworfen, rechtspopulistische israelische Stimmen zu f\u00f6rdern.<\/p>\n\n\n\n

Faszinierend an diesem offenen Brief ist, dass viele der Unterzeichneten keine Deutschen sind und auch nicht in Deutschland leben. Ich wei\u00df nicht, woher sie \u2013 die meisten von ihnen sind Israelis \u2013 die Chuzpe haben, sich in eine innerdeutsche Angelegenheit einzumischen und zu fordern, eine Person zu entlassen, die von der Bundesregierung eingesetzt wurde. Die H\u00e4lfte der Unterzeichneten lebt nicht hier, von der anderen H\u00e4lfte sind viele keine Juden \u2013 somit sind die allermeisten von ihnen nicht direkt vom Antisemitismus in Deutschland betroffen. Wie also k\u00f6nnen sie diesen Brief unterschreiben? Und warum eigentlich haben so wenige Deutsche unterschrieben? Dazu komme ich gleich.<\/p>\n\n\n\n

Debatte um Achille Mbembe<\/h6>\n\n\n\n

Hintergrund des Briefs war, dass Felix Klein gefordert hatte, den Philosophen Achille Mbembe<\/a> nicht die Er\u00f6ffnungsrede der Ruhrtriennale halten zu lassen. Als mit \u00f6ffentlichen Mitteln gef\u00f6rdertes Event solle die Ruhrtriennale Mbembe wegen seiner Haltung zu Israels Existenzrecht, seiner Haltung zu BDS und der Art, wie er in einem seiner Werke den Holocaust relativiert, nicht einladen.<\/p>\n\n\n\n

Mbembes Unterst\u00fctzer sagen, keine dieser Anschuldigungen sei wahr. F\u00fcrs Protokoll: In meinen Augen unterst\u00fctzt Mbembe sehr wohl BDS<\/a>, er schrieb unter anderem das Vorwort zu \u201eApartheid Israel\u201c und fordert die komplette Isolation Israels. Ich glaube auch, wenn Mbembe schreibt, die israelische Besetzung sei der \u201egr\u00f6\u00dfte moralische Skandal unserer Zeit\u201c, zeigt das, dass sein moralischer und geografischer Kompass etwas schief ist.<\/p>\n\n\n\n

Doch warum treibt die Debatte so viele Menschen um? Nun, zun\u00e4chst gibt niemand gern auf, was ihm oder ihr selbstverst\u00e4ndlich scheint. \u00dcber den gesamten politischen, sozialen, kulturellen, medialen und akademischen Sektor hinweg sind Menschen daran gew\u00f6hnt, so schlecht \u00fcber Israel sprechen zu k\u00f6nnen, wie auch immer sie wollen.<\/p>\n\n\n\n

Der Spiegel<\/em> hat \u2013 vielleicht in Anlehnung an seine Relotius-Standards, Israel erst k\u00fcrzlich eine Corona-Diktatur genannt. Fakten und Belege f\u00fcr diese Behauptung gab es nicht. Doch Millionen Deutsche haben es gelesen, und es wird nat\u00fcrlich haften bleiben. Faktenlage hin oder her. Der Spiegel<\/em> und andere Medien haben dieses Spiel perfektioniert: Titel so zu drehen, dass sie Israel indirekt anklagen, die Idee zu streuen, der Mossad kon\u00adtrol\u00adliere die deutsche Au\u00dfenpolitik im Nahen Osten, und so fort. Doch sie stehen allesamt sofort auf den Hinterbeinen, wenn jemand es wagt, das Spiel beim Namen zu nennen: moderner Antisemitismus.<\/p>\n\n\n\n

Klein will dem entgegenwirken. Er versteht, dass antisemitische Attacken in Deutschland die Fr\u00fcchte solch falsch gezeichneter Bilder und eindimensionaler Narrative \u00fcber Israel sind. Wenn er und andere versuchen, ein anderes Narrativ aufzuzeigen, wirft man ihnen Zensur vor: Wie k\u00f6nnen sie es wagen, das Gesch\u00e4ft der Anti-Israel-Propaganda zu st\u00f6ren?<\/p>\n\n\n\n

Liebe Deutsche, wenn ihr reden wollt, lasst uns gern reden: \u00fcber die Besetzung, \u00fcber Bibi und alles, was schiefl\u00e4uft. Aber dann lasst uns bitte auch dar\u00fcber reden, wie deutsche Steuergelder Terrortunnel finanzieren. Erst vergangene Woche r\u00e4umte die niederl\u00e4ndische Regierung ein, dass Gelder an eine Landwirtschaftsorganisation in Ramallah geflossen seien, die damit teilweise die Geh\u00e4lter zweier des Mordes an der 17-j\u00e4hrigen Israelin Rina Shnerb Verd\u00e4chtiger gezahlt haben. Auch die Bundesregierung unterst\u00fctzt diese Organisation, obwohl Kritiker schon lange vor Verbindungen zu Terroristen warnen.<\/p>\n\n\n\n

Wir k\u00f6nnen uns also gerne unterhalten \u2013 aber im Dialog, nicht in Monologen. Denn Reden unter Menschen, die sich einig sind, ist nichts anderes als Impotenz.<\/p>\n\n\n\n

Israelkritik als Eintrittskarte<\/h6>\n\n\n\n

Die Israelis, die die Petition unterzeichnet haben, haben \u00fcbrigens ebenfalls etwas verstanden. Seit Jahren wissen sie: Es ist ihre Eintrittskarte in die Mitte der deutschen (und europ\u00e4ischen) Gesellschaft. Man h\u00f6rt nicht oft von Akademikern mit proisraelischen Ansichten. Weder in den Philharmonie-Orchestern noch in der Kunstszene. Die Eintrittskarte daf\u00fcr ist ein antiisraelischer Standpunkt.<\/p>\n\n\n\n

Der mutma\u00dfliche Grund, warum kaum Deutsche die Petition unterzeichnet haben: Sie mussten es nicht. Ihre Lieblingsjuden haben es f\u00fcr sie getan. Jetzt k\u00f6nnen sie sagen: \u201eSchau, ich bin das ja nicht, meine j\u00fcdischen Freunde sagen es.\u201c Ich selbst war einige Jahre lang mit einem Paar hier in Berlin befreundet, bis ich herausfand, dass ich ihr Lieblingsjude war. Ja, selbst das j\u00fcdische Museum wurde so genutzt.<\/p>\n\n\n\n

Weil Attacken gegen Juden ein absolutes Tabu sind, wurden Umwege gefunden, um den Antisemitismus auf kleiner Flamme k\u00f6cheln zu lassen: die unfundierte, unbegr\u00fcndete Kritik an Israel.<\/p>\n\n\n\n

Diese Art der Kritik ist gef\u00e4hrlich. Sie schw\u00e4cht jede begr\u00fcndete und notwendige Kritik am Verhalten Israels. Und das Interessante ist: Trotz all der heftigen, pauschalisierenden Anklagen, all der offenen Briefe driftet Israel politisch immer weiter nach rechts. Doch statt mal einen anderen Ansatz zu versuchen, werden die antiisraelischen Stimmen nur lauter. Dasselbe versuchen und andere Ergebnisse davon erwarten \u2013 das ist die Definition von Wahnsinn.<\/p>\n\n\n\n

Kurz bevor der Prozess gegen den wegen des Attentats von Halle<\/a> Angeklagten begann \u2013 des seit Kriegsende schlimmsten Akts von Antisemitismus in Deutschland \u2013, lud eine Lokalzeitung den fr\u00fcheren Botschafter Shimon Stein und den Historiker Moshe Zimmermann ein, dar\u00fcber zu schreiben, was Antisemitismus ist. Nat\u00fcrlich wendeten auch sie sich gegen Felix Kleins Ansatz. Sie zitieren die Kontroverse um die Umbenennung der U-Bahn-Station Mohrenstra\u00dfe in Glinkastra\u00dfe, die sich darum drehte, dass der russische Komponist Michael Glinka Antisemit gewesen sein soll. Stein und Zimmermann halten die Debatte f\u00fcr \u00fcberzogen, Glinka sei nur ein Kind seiner Zeit gewesen. Folgt man ihrer Logik, k\u00f6nnen wir dann also in 20 oder 30 Jahren U-Bahn-Stationen nach den Kindern der 1930er Jahre benennen?<\/p>\n\n\n\n

Der Antisemit als Tierfreund<\/h6>\n\n\n\n

Ich w\u00fcnschte, die Sache h\u00e4tte mit dem Artikel, mit der Petition geendet. Doch dann erschien ein Artikel, der den Leser auf einen Waldspaziergang mit einem veganen Koch und Antisemiten mitnahm. Darin setzt der Tierfreund erst behutsam einen K\u00e4fer wieder auf seine Beinchen und erkl\u00e4rt dann, dass die Todesstrafe in Deutschland wieder eingef\u00fchrt werden solle, um einen gewissen Politiker (der zuf\u00e4llig pro Israel ist) an seinen Hoden aufh\u00e4ngen zu k\u00f6nnen. Dieser Koch hat Hunderttausende Follower, er sagt all solche Dinge am helllichten Tag in Berlin. Und in den Medien.<\/p>\n\n\n\n

F\u00e4lle wie dieser handeln bereits von Gewalt \u2013 und sie enden nicht bei den Juden. Der Hass richtet sich gegen Frauen<\/a>, Muslime, Gefl\u00fcchtete, \u00adLBTQI. Am Ende aller theoretischen Debatten stehen immer echte Menschen. Am Ende jeder Konferenz dar\u00fcber, was Antisemitismus ausmacht, steht ein potenzielles j\u00fcdisches Opfer. Angesichts einer Welle von Antisemitismus \u00fcber die Definition von Antisemitismus zu streiten ist, wie eine 10 Meter hohe Welle heranrollen zu sehen und dar\u00fcber zu streiten, was einen Tsunami ausmacht.<\/p>\n\n\n\n

Felix Klein versteht, wie absurd es ist, zu sagen: Es sind nur die Rechten. Die Rechten sind Deutsche, so wie die Nazis Deutsche waren. Klein versteht, dass die Deutschen nicht aufgeh\u00f6rt haben, Juden zu ermorden, weil sie irgendeine Art von Erleuchtung hatten. Sondern schlicht, weil sie den Krieg verloren haben. Um den Antisemitismus zu bek\u00e4mpfen, bevor er die Gesellschaft frisst, in der er und wir leben, muss Deutschland seinen moralischen Kompass korrigieren.<\/p>\n\n\n\n

Immerhin: Mehr und mehr Deutsche fahren nach Israel, sie wollen ein anderes Narrativ h\u00f6ren. Mehr und mehr Deutsche verstehen, dass Antisemitismus Schockwellen ausl\u00f6st, die die gesamte Gesellschaft betreffen. In einem normalen Universum w\u00fcrde Klein bef\u00f6rdert werden f\u00fcr seine Leistung. In einer verdrehten Gesellschaft fordern Menschen seine Entlassung. Um es mit Mbembe zu sagen: Das ist Nano-Nonsens.<\/p>\n\n\n\n

\u00dcbersetzung: Ariane Lemme<\/a><\/em><\/p>\n","post_title":"Felix Klein hat verstanden","post_excerpt":"","post_status":"publish","comment_status":"closed","ping_status":"closed","post_password":"","post_name":"felix-klein-hat-verstanden","to_ping":"","pinged":"","post_modified":"2025-02-02 08:39:39","post_modified_gmt":"2025-02-02 08:39:39","post_content_filtered":"","post_parent":0,"guid":"https:\/\/dctransparency.com\/?p=3786","menu_order":0,"post_type":"post","post_mime_type":"","comment_count":"0","filter":"raw"}],"next":false,"prev":true,"total_page":47},"paged":1,"column_class":"jeg_col_2o3","class":"epic_block_3"};

\n

In letzter Zeit wurden mehrere \u00f6ffentliche Erkl\u00e4rungen und Tweets zu diesem Thema abgegeben. Der italienische Europaabgeordnete Fulvio Martusciello \u00e4u\u00dferte letzte Woche Bedenken und forderte sofortige Ma\u00dfnahmen, um eine k\u00fcnftige Eskalation einzud\u00e4mmen. Er twitterte: \u201eSehr besorgt und alarmiert dar\u00fcber, dass Saudi-Arabien erwogen hat, in Katar einzudringen. Dies wird v\u00f6llig abgelehnt und gef\u00e4hrdet die Stabilit\u00e4t in der Golfregion und im Nahen Osten. Die EU muss sich gegen alle Versuche von KSA und VAE behaupten, souver\u00e4ne Staaten anzugreifen. #GulfPeace. \"<\/p>\n\n\n\n

Dar\u00fcber hinaus haben mehrere Abgeordnete wie Urmas Paet, Hilde Vautmans, Malik Azmani und Bart Groothuis an den Vizepr\u00e4sidenten der Kommission und den Hohen Vertreter der Union f\u00fcr Au\u00dfen- und Sicherheitspolitik geschrieben.<\/p>\n\n\n\n

Die Gruppe sagte: \u201eAm 6. August 2020 wurde \u00f6ffentlich bekannt, dass w\u00e4hrend eines offiziellen Aufrufs am 6. Juni 2017 zwischen dem US-Pr\u00e4sidenten Donald Trump und dem saudi-arabischen K\u00f6nig Salman ein Vorschlag zur Invasion Katars vorgelegt wurde . Die US-Regierung lehnte den saudischen Vorschlag sofort ab und forderte die formelle Vermittlung durch die kuwaitischen Beh\u00f6rden im Rahmen des Golf-Kooperationsrates. \u201c<\/p>\n","post_title":"Europ\u00e4ische Politiker verurteilen saudische Pl\u00e4ne, in Katar einzudringen","post_excerpt":"","post_status":"publish","comment_status":"closed","ping_status":"closed","post_password":"","post_name":"europaische-politiker-verurteilen-saudische-plane-in-katar-einzudringen","to_ping":"","pinged":"","post_modified":"2025-02-02 08:39:39","post_modified_gmt":"2025-02-02 08:39:39","post_content_filtered":"","post_parent":0,"guid":"https:\/\/dctransparency.com\/?p=3818","menu_order":0,"post_type":"post","post_mime_type":"","comment_count":"0","filter":"raw"},{"ID":3811,"post_author":"7","post_date":"2020-08-28 13:33:59","post_date_gmt":"2020-08-28 13:33:59","post_content":"\n

Die BBC <\/a>hat neue Beweise daf\u00fcr gefunden, dass eine von den Vereinigten Arabischen Emiraten (VAE) betriebene Drohne im Januar 2020 26 unbewaffnete Kadetten an einer Milit\u00e4rakademie in der libyschen Hauptstadt Tripolis get\u00f6tet hat.<\/p>\n\n\n\n

Zum Zeitpunkt des Streiks am 4. Januar wurde Tripolis von der selbsternannten libyschen Nationalarmee (LNA) belagert.<\/p>\n\n\n\n

Es hat die Verantwortung f\u00fcr den Angriff abgelehnt und vermutet, dass die Kadetten durch Beschuss vor Ort get\u00f6tet wurden.<\/p>\n\n\n\n

Es gibt jedoch Hinweise darauf, dass die Kadetten von einer chinesischen Blue Arrow 7-Rakete getroffen wurden.<\/p>\n\n\n\n

Dies wurde von einer Drohne namens Wing Loong II abgefeuert, und die Untersuchung von BBC Africa Eye und BBC Arabic Documentaries ergab auch Hinweise darauf, dass Wing Loong II-Drohnen zum Zeitpunkt des Streiks nur von einem libyschen Luftwaffenst\u00fctzpunkt aus operierten - al-Khadim - und dass die VAE die dort stationierten Drohnen geliefert und betrieben haben.<\/p>\n\n\n\n

\"\"<\/figure>\n\n\n\n

Die VAE haben zuvor die milit\u00e4rische Beteiligung in Libyen verweigert und sagen, sie unterst\u00fctzen den UN-Friedensprozess. Es antwortete nicht auf die Bitte der BBC um einen Kommentar.<\/p>\n\n\n\n

Was ist mit diesen Kadetten passiert?<\/strong><\/p>\n\n\n\n

Kurz nach 21:00 Uhr am 4. Januar 2020 f\u00fchrten rund 50 Kadetten Routine\u00fcbungen an einer Milit\u00e4rakademie im S\u00fcden von Tripolis durch.<\/p>\n\n\n\n

Ohne Vorwarnung detonierte eine Explosion in der Mitte der Gruppe und lie\u00df 26 Kadetten tot oder auf dem Exerzierplatz sterben. Viele waren noch Teenager. Keiner von ihnen war bewaffnet.

Einer der \u00dcberlebenden war der 20-j\u00e4hrige Abdul Moeen.<\/p>\n\n\n\n

Er war in der Akademie, als der Streik eintraf. \"Es war unbeschreiblich\", sagte er der BBC.<\/p>\n\n\n\n

\"Wir haben gesehen, wie unsere Kollegen starben, ihren letzten Atemzug machten und wir konnten nichts tun ... Es gab Leute, deren Oberk\u00f6rper von ihren K\u00f6rpern getrennt waren. Es war ein schreckliches Verbrechen, ein Verbrechen, das nichts mit der Menschheit zu tun hat. \"\"<\/p>\n\n\n\n

Sieben Monate nach dem Streik hat niemand die Verantwortung f\u00fcr die T\u00f6tung dieser jungen M\u00e4nner eingestanden.<\/p>\n\n\n\n

Die LNA unter Gen Khalifa Haftar bestritt, dass sie hinter dem Streik steckt, und teilte der Presse mit, dass die Explosion m\u00f6glicherweise durch eine lokal abgefeuerte M\u00f6rsergranate oder einen Angriff innerhalb der Akademie verursacht worden sei.<\/p>\n\n\n\n

Was hat die BBC gefunden?<\/strong><\/p>\n\n\n\n

Die Untersuchung ergab Hinweise darauf, dass eine viel ausgefeiltere Waffe verwendet wurde.<\/p>\n\n\n\n

\"\"<\/figure>\n\n\n\n

Die BBC betrachtete Bilder des Splitters, der nach dem Streik auf dem Exerzierplatz zur\u00fcckgelassen wurde, und kam zu dem Schluss, dass er mit den Komponenten einer Rakete namens Blue Arrow 7 \u00fcbereinstimmte.<\/p>\n\n\n\n

Unsere Analyse ergab, dass nur ein Flugzeug, das im Januar 2020 \u00fcber Tripolis operierte, diese Waffe abfeuern konnte - eine Drohne namens Wing Loong 2.<\/p>\n\n\n\n

Nur drei Wochen vor diesem Streik kamen die Vereinten Nationen zu dem Schluss, dass der Blaue Pfeil 7 \"ballistisch gepaart ist, um vom Wing Loong II geliefert zu werden ... und von keinem anderen in Libyen bisher identifizierten Luftfahrtgut\".<\/p>\n\n\n\n

Die BBC untersuchte auch, woher diese Drohne stammen k\u00f6nnte, und fand Hinweise darauf, dass Wing Loong-Drohnen zum Zeitpunkt des Angriffs nur von einem libyschen Luftwaffenst\u00fctzpunkt aus operierten: al-Khadim im von der LNA kontrollierten Ostlibyen.<\/p>\n\n\n\n

Sowohl die BBC als auch die UN haben Beweise daf\u00fcr gefunden, dass Drohnen, die von diesem Luftwaffenst\u00fctzpunkt aus operieren, zu den Vereinigten Arabischen Emiraten geh\u00f6ren.<\/p>\n\n\n\n

Im Jahr 2019 stellte die UNO fest, dass die VAE durch den Versand von Wing Loong-Drohnen und Blue Arrow 7-Raketen nach Libyen gegen das seit 2011 geltende UN-Waffenembargo gegen das Land versto\u00dfen hatten.<\/p>\n\n\n\n

Die BBC fand auch ein Waffenregister, aus dem hervorgeht, dass die VAE 2017 15 Wing Loong-Drohnen und 350 Blue Arrow 7-Raketen gekauft haben.<\/p>\n\n\n\n

Was hat die BBC noch aufgedeckt?<\/strong><\/p>\n\n\n\n

<\/p>\n\n\n\n

Die BBC-Untersuchung ergab auch neue Beweise daf\u00fcr, dass \u00c4gypten den VAE erlaubt, \u00e4gyptische Milit\u00e4rflugpl\u00e4tze nahe der libyschen Grenze zu nutzen.<\/p>\n\n\n\n

Im Februar 2020 scheinen die in Libyen stationierten Wing Loong II-Drohnen \u00fcber die Grenze nach \u00c4gypten zu einem Luftwaffenst\u00fctzpunkt in der N\u00e4he von Siwa in der west\u00e4gyptischen W\u00fcste gebracht worden zu sein.<\/p>\n\n\n\n

Satellitenbilder zeigen auch, dass ein zweiter \u00e4gyptischer Milit\u00e4rflugplatz, Sidi Barrani, als Einsatzbasis f\u00fcr Mirage 2000-Kampfflugzeuge verwendet wurde, die in Farben lackiert sind, die nicht von der \u00e4gyptischen Luftwaffe verwendet werden, aber genau den von den VAE geflogenen Jets entsprechen .<\/p>\n\n\n\n

Dies ist das gleiche Flugzeugmodell, das von den Vereinten Nationen in einen Luftangriff auf ein Migrationszentrum \u00f6stlich von Tripolis im Juli 2019 verwickelt wurde, bei dem 53 Menschen get\u00f6tet wurden.<\/p>\n\n\n\n

Ausl\u00e4ndischer Jet bei libyschem Migrantenangriff verd\u00e4chtigt<\/p>\n\n\n\n

Sidi Barrani ist auch das Ziel f\u00fcr mehrere Frachtflugzeuge, die von den Vereinigten Arabischen Emiraten gestartet sind, und schl\u00e4gt eine Luftbr\u00fccke f\u00fcr Ausr\u00fcstung oder Lieferungen zwischen den Vereinigten Arabischen Emiraten und einer Milit\u00e4rbasis vor, die nur 80 km von der libyschen Grenze entfernt liegt.<\/p>\n\n\n\n

Die \u00e4gyptische Regierung antwortete nicht auf die Bitte der BBC um Stellungnahme.<\/p>\n\n\n\n

Ist ausl\u00e4ndisches milit\u00e4risches Engagement \u00fcberraschend?<\/strong><\/p>\n\n\n\n

Sowohl die Vereinigten Arabischen Emirate als auch \u00c4gypten nahmen an einer von Bundeskanzlerin Angela Merkel im Januar dieses Jahres in Berlin einberufenen Konferenz \u00fcber Libyen teil, auf der sie ihre Unterst\u00fctzung f\u00fcr den UN-Friedensprozess bekr\u00e4ftigten und sich bereit erkl\u00e4rten, nicht in den Libyen-Krieg einzugreifen.<\/p>\n\n\n\n

Im vergangenen Jahr gab es jedoch eine Eskalation des Einsatzes von Drohnen durch beide Seiten des Konflikts.<\/p>\n\n\n\n

Ghassan Salam\u00e9, der fr\u00fchere Leiter der UN-Mission in Libyen, beschrieb dies als \"m\u00f6glicherweise das gr\u00f6\u00dfte Drohnenkriegstheater der Welt\".<\/p>\n\n\n\n

Die VAE sind nicht die einzige ausl\u00e4ndische Macht, die an diesem Konflikt beteiligt ist.<\/p>\n\n\n\n

Anfang dieses Jahres gab BBC Africa Eye bekannt, dass die T\u00fcrkei auch gegen das Waffenembargo der Vereinten Nationen gegen Libyen versto\u00dfen hat, indem sie geheime Waffenlieferungen an die von den Vereinten Nationen anerkannte Regierung in Tripolis gesendet hat.<\/p>\n\n\n\n

Mit Unterst\u00fctzung der T\u00fcrkei hat die von den Vereinten Nationen anerkannte Regierung des Nationalen Abkommens nun die LNA von Gen Haftar aus der Gegend um Tripolis zur\u00fcckgeschlagen.<\/p>\n","post_title":"BBC-Untersuchung: VAE in t\u00f6dlichen Angriff in Libyen verwickelt","post_excerpt":"","post_status":"publish","comment_status":"closed","ping_status":"closed","post_password":"","post_name":"bbc-untersuchung-vae-in-todlichen-angriff-in-libyen-verwickelt","to_ping":"","pinged":"","post_modified":"2025-02-02 08:39:39","post_modified_gmt":"2025-02-02 08:39:39","post_content_filtered":"","post_parent":0,"guid":"https:\/\/dctransparency.com\/?p=3811","menu_order":0,"post_type":"post","post_mime_type":"","comment_count":"0","filter":"raw"},{"ID":3792,"post_author":"7","post_date":"2020-08-14 13:58:48","post_date_gmt":"2020-08-14 13:58:48","post_content":"\n

Die Hagia Sophia war (ist) ein kulturelles Weltwunder und aufgeladen mit symbolischer Bedeutung, f\u00fcr die Christenheit ebenso wie f\u00fcr den Islam \u2013 und den t\u00fcrkischen Nationalismus. Als Mehmed II. sie betrat, war sie schon fast 1000 Jahre die gr\u00f6\u00dfte Kirche der christlichen Welt und das Zentrum der orthodoxen Glaubensrichtung. Die \"Ayasofya\", wie sie dann hie\u00df, war 500 Jahre lang Moschee \u2013 bis 1934, als Kemal Pascha Atat\u00fcrk, der \"Vater\" der modernen T\u00fcrkei, sie in ein Museum verwandelte, in der ausdr\u00fccklichen Absicht, auch hier mit dem osmanischen Erbe zu brechen.<\/p>\n\n\n\n

Nun wird Pr\u00e4sident Recep Tayyip Erdo\u011fan, der \"Vater\" der re-islamisierten T\u00fcrkei, am 24. Juli dieses Jahres die Ayasofya durch das Freitagsgebet wieder in den Islam eingliedern. Oder eher in seinen pers\u00f6nlichen religi\u00f6sen Nationalismus.<\/p>\n\n\n\n

Welterbe von allen<\/h3>\n\n\n\n

Wie bedeutungsschwer ist dieser Akt eines \"starken Mannes\", der innenpolitisch deutlich schw\u00e4chelt? Die Proteste vor allem aus der orthodoxen Welt, aber auch aus Europa und den USA sind eher traurig als w\u00fctend. Der Papst dr\u00fcckte seinen \"Schmerz\" aus. Auch der Jubel in der islamischen Welt fiel zun\u00e4chst weniger \u00fcbersch\u00e4umend als erwartet aus.<\/p>\n\n\n\n

Ist es der Alleingang eines Autokraten in Bedr\u00e4ngnis oder ist \"der Jubel \u00fcber die Eroberung der Hagia Sophia der Versuch einer zutiefst erniedrigten, vom Gef\u00fchl der Wertlosigkeit dominierten und in ihrer eigenen Selbstberechtigung beraubten Gesellschaft, eine Bedeutung, eine St\u00e4rke, ein Selbstwertgef\u00fchl zu finden\"? So recht pauschalierend der in Deutschland lebende pal\u00e4stinensische Intellektuelle und Psychiater Ahmad Mansour.<\/p>\n\n\n\n

Die beiden Gro\u00dfreiche, das byzantinische und das osmanische, sind l\u00e4ngst versunken.<\/p><\/blockquote>\n\n\n\n

Das eigentliche Schl\u00fcsselwort im Zusammenhang mit der Hagia Sofia ist \"Welterbe\". Das Erbe von allen. Einmal im kulturellen Sinn der Unesco, aber in Wahrheit weiter gefasst. Das einzigartige Bauwerk geh\u00f6rt in Wirklichkeit der ganzen Welt, nicht der einen oder anderen Religion. Die beiden Gro\u00dfreiche, f\u00fcr die die Hagia Sofia der zentrale spirituelle Bau war, das byzantinische und das osmanische, sind l\u00e4ngst versunken. Seither hat sie eine neue, \u00fcbernationale Dimension erhalten. Was Erdo\u011fan da jetzt mit der Hagia Sofia macht, ist eine Verengung und Verarmung eines gemeinsamen Welterbes.<\/p>\n\n\n\n

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Betende Muslime vor der Hagia Sophia.<\/figcaption><\/figure>\n\n\n\n

Davon abgesehen aber war und ist sie ein architektonisches Meisterwerk und geh\u00f6rt zu den bedeutendsten Bauten der Welt. Wer heute den Zentralraum unter der Kuppel betritt, kann sich nur schwer dem zugleich majest\u00e4tischen wie schwebenden Gesamteindruck entziehen. Die Hagia Sophia blieb fast 1000 Jahre die gr\u00f6\u00dfte Kirche der Christenheit. Technisch war die Kuppel (mit mehreren Halbkuppeln) eine \u00fcberaus riskante Innovation: Die 55 Meter hohe und 32 Meter im Durchmesser breite Kuppel ruht auf nur vier Tragpunkten, was den schwebenden, schwerelosen Eindruck erzeugt. Die Konstruktion folgt einem mathematischen Prinzip, das erst k\u00fcrzlich entschl\u00fcsselt wurde.<\/p>\n\n\n\n

\"Salomo, ich habe dich \u00fcbertroffen!\"<\/p><\/blockquote>\n\n\n\n

Als Kaiser Justinian die Hagia Sophia nach nur f\u00fcnf Jahren Bauzeit (532\u2013537) betrat, soll er in Anspielung auf den Tempel in Jerusalem ausgerufen haben: \"Salomo, ich habe dich \u00fcbertroffen!\" Die Innenausstattung war mit ihren S\u00e4ulen aus Porphyr und gr\u00fcnem Marmor, mit Mosaiken aus Gold und Halbedelsteinen derart prunkvoll, der Gesamteindruck derart \u00fcberirdisch, dass eine Delegation des Gro\u00dff\u00fcrsten von Kiew nicht mehr wusste, \"ob wir im Himmel oder auf der Erde\" waren \u2013 was die Christianisierung Russlands bef\u00f6rderte.<\/p>\n\n\n\n

Der deutsche Architekturlehrer Holger Kleine nennt die Hagia Sophia \"absolute Architektur\", weil sie \"extreme Ausdrucksformen nahezu aller dramaturgischen Mittel, die der Architektur zur Verf\u00fcgung stehen, vereinigt: wuchtigste K\u00f6rper und luftigste R\u00e4ume, engste Enge und gr\u00f6\u00dfte Weite, w\u00e4rmende Helligkeit und mystisches Dunkel\". Und die Kuppelbauten aus der sp\u00e4teren Hochbl\u00fcte der Moscheenarchitektur im 16. und 17. Jahrhundert gehen eindeutig auf die Hagia Sophia zur\u00fcck.<\/p>\n\n\n\n

Die Hagia Sophia war Staatskirche des byzantinischen Reichs. F\u00fcr die Eroberer der letzte Schlussstein in der Kuppel osmanisch-muslimischen Herrschaftsanspruchs. Konstantinopel war ja 1453 nur noch eine isolierte, heruntergekommene Enklave in einem osmanischen Umfeld, kein christliches Heer kam zu Hilfe. Doch vorher war es zugleich Sperrriegel nach Osten und Geistesarchiv der antiken Kultur gewesen. \"Ohne Byzanz h\u00e4tte es kein Europa gegeben\", sagt die britische Altertumsforscherin Judith Herrin.<\/p>\n\n\n\n

\"\"\/
Freigelegtes Mosaik von \"Christos Pantokrator\".<\/figcaption><\/figure>\n\n\n\n

Neue Fragen<\/h3>\n\n\n\n

Die Kirche wurde von Mehmed II. und Nachfolgern nicht in der Substanz zerst\u00f6rt, sondern \"entchristlicht\". Die urspr\u00fcnglich \u00fcbert\u00fcnchten oder auch abgeschlagenen Mosaiken mit den Darstellungen von Christus, der Muttergottes, diversen Kaisern kamen zum Teil schon unter einem Sultan des 19. Jahrhunderts, dann gro\u00dfteils nach der Museumswidmung wieder zum Vorschein.<\/p>\n\n\n\n

Jetzt stellen sich neue symbolisch-praktische Fragen. Erdo\u011fan hat die Hagia Sophia der konservativen staatlichen Religionsbeh\u00f6rde Diyanet unterstellt. Die byzantinischen Mosaike, wie der gro\u00dfartige \"Christos Pantokrator\" (\"Weltenherrscher\") oder die Jungfrau Maria in der Apsis, m\u00fcssen wohl w\u00e4hrend des islamischen Gottesdiensts verh\u00e4ngt werden. Muss der Boden mit seinen Marmorplatten und Mosaiken mit einem Teppich bedeckt werden? Erdo\u011fan sagt, Touristen seien nach wie vor zugelassen. Aber sie werden wohl hinter Absperrungen bleiben m\u00fcssen. Frauen werden \u2013 wie in der benachbarten \"Blauen Moschee\" (\"Sultanahmed\") Kopftuch tragen m\u00fcssen.<\/p>\n\n\n\n

\"\"\/
Erdo\u011fan mit Gattin in der Hagia Sophia.<\/figcaption><\/figure>\n\n\n\n

Erdo\u011fans neue Abenteuer<\/strong><\/h3>\n\n\n\n

Aber wird da nicht doch zu viel in einen Formalakt rund um ein uraltes Bauwerk hineininterpretiert? Im geschichtlichen Kontext relativiert sich manches: Konstantinopel wurde schon von Christen erobert und ausgepl\u00fcndert \u2013 1204 im Vierten Kreuzzug. In der Moschee von Cordoba (\"Mezquita\") bauten die Katholiken eine ganze Kirche in den ber\u00fchmten S\u00e4ulenwald hinein. Die Mezquita ist heute noch Kirche, kein Museum.<\/p>\n\n\n\n

\"Das ist der Beweis, dass wir kein s\u00e4kularer Staat mehr sein wollen\", sagt Nobelpreistr\u00e4ger Orhan Pamuk. Erdo\u011fan betrachtet sich offenbar als auch neoosmanischer \"Fatih\" im Mittelmeerraum mit immer neuen Abenteuern: Eingreifen in Syrien, Stellvertreterkrieg in Libyen, Anspr\u00fcche auf Erdgasvorkommen weit vor der t\u00fcrkischen K\u00fcste bei Zypern, Reden, wonach manche \u00c4g\u00e4is-Inseln eigentlich zur T\u00fcrkei geh\u00f6ren, \"denn dort stehen unsere Moscheen\". Manches davon ist nur Rhetorik, aber genug anderes ist riskante Realit\u00e4t. (Hans Rauscher, 14.7.2020)<\/p>\n\n\n\n

Quelle<\/a><\/strong><\/p>\n","post_title":"Hagia Sophia: Verengung und Verarmung eines Welterbes","post_excerpt":"","post_status":"publish","comment_status":"closed","ping_status":"closed","post_password":"","post_name":"hagia-sophia-verengung-und-verarmung-eines-welterbes","to_ping":"","pinged":"","post_modified":"2025-02-02 08:39:39","post_modified_gmt":"2025-02-02 08:39:39","post_content_filtered":"","post_parent":0,"guid":"https:\/\/dctransparency.com\/?p=3792","menu_order":0,"post_type":"post","post_mime_type":"","comment_count":"0","filter":"raw"},{"ID":3789,"post_author":"7","post_date":"2020-08-14 13:56:07","post_date_gmt":"2020-08-14 13:56:07","post_content":"\n

Im Gastkommentar pocht Mark Leonard, Direktor des Europ\u00e4ischen Rats f\u00fcr Ausw\u00e4rtige Beziehungen, auf \"neue, einvernehmlich vereinbarte Prinzipien sowie klare Grenzen\", nur so k\u00f6nne eine weitere Destabilisierung in der Region verhindert werden.<\/em><\/strong><\/p>\n\n\n\n

Ist die T\u00fcrkei das neue Russland? Diese Frage wird in den europ\u00e4ischen Hauptst\u00e4dten zunehmend gestellt, da die Au\u00dfenpolitik des t\u00fcrkischen Pr\u00e4sidenten Recep Tayyip Erdo\u011fan zunehmend aggressiver wird. Erdo\u011fan nutzt nicht nur die Migration, um die EU zu bedrohen und zu betr\u00fcgen, sondern setzt auch milit\u00e4rische Macht ein, um den Einflussbereich der T\u00fcrkei auf die gesamte Region auszudehnen.<\/p>\n\n\n\n

Seit dem Ende des Kalten Krieges haben die Europ\u00e4er die regionale Sicherheit durch eine unipolare westliche Linse betrachtet. W\u00e4hrend die Nato die milit\u00e4rische Sicherheit garantierte, sorgte die EU mit ihrem 80.000 Seiten starken Regelwerk f\u00fcr alles von LGBTQ-Rechten bis hin zu Rasenm\u00e4her-Sound-Verordnungen f\u00fcr Rechtsordnung. In den 90er-Jahren ging man allgemein davon aus, dass die beiden gro\u00dfen nichtwestlichen regionalen Akteure, Russland und die T\u00fcrkei, nach und nach an diese Regelungen herangef\u00fchrt werden w\u00fcrden.<\/p>\n\n\n\n

Qu\u00e4lende Hassliebe<\/h3>\n\n\n\n

Doch in den letzten 15 Jahren ist der Traum von der europ\u00e4ischen Unipolarit\u00e4t einer multipolaren Realit\u00e4t gewichen. Sowohl Russland als auch die T\u00fcrkei haben eine lange, qu\u00e4lende Hassliebe zu Europa, und beide sind unter nationalen Machthabern, denen die Verachtung der Normen und Werte der EU gemeinsam ist, durchsetzungsf\u00e4higer geworden.<\/p>\n\n\n\n

Die zunehmende Verschlechterung der Beziehungen zwischen der EU und Russland ist gut dokumentiert, der Fall der T\u00fcrkei weniger. Der Irakkrieg im Jahr 2003 komplizierte das Verh\u00e4ltnis der T\u00fcrkei zur Nato, und ihr Verh\u00e4ltnis zur EU verschlechterte sich 2007, als Frankreich einen wichtigen Teil ihrer EU-Beitrittsverhandlungen blockierte. Seitdem hat die T\u00fcrkei ihren eigenen Weg in Syrien, auf dem Balkan und in Libyen eingeschlagen und neue Beziehungen zu Russland und China aufgebaut.<\/p>\n\n\n\n

Wichtiger Akteur<\/strong><\/h3>\n\n\n\n

Nat\u00fcrlich sind die Beziehungen zwischen der T\u00fcrkei und Russland nicht weniger kompliziert, nicht zuletzt weil Erdo\u011fan und der russische Pr\u00e4sident Wladimir Putin im syrischen B\u00fcrgerkrieg verschiedene Seiten unterst\u00fctzten.Und w\u00e4hrend die Spannungen wegen des Syrien-Konflikts weiterhin bestehen, bewundert Erdo\u011fan deutlich, wie Russland sich \u2013 bei relativ geringen Kosten \u2013 wieder als wichtiger Akteur im Nahen Osten und in Nordafrika etabliert hat.<\/p>\n\n\n\n

Nachdem er in einen nicht zu gewinnenden Krieg im Osten der Ukraine verwickelt war, schien Putins weitgehend erfolgreicher Feldzug in Syrien einen Teil seiner innenpolitischen Autorit\u00e4t wiederherzustellen. Der Westen hatte f\u00fcnf Jahre lang darauf bestanden, dass es keine milit\u00e4rische L\u00f6sung des Konflikts gebe und dass der syrische Pr\u00e4sident Baschar al-Assad gehen m\u00fcsse. Doch w\u00e4hrend die von den Vereinten Nationen unterst\u00fctzten Gespr\u00e4che in Genf zu keinem Ergebnis f\u00fchrten, schienen die von Russland geleiteten Gespr\u00e4che in Astana voranzukommen. Indem der Kreml die T\u00fcrkei und den Iran einbezog, w\u00e4hrend er die westlichen M\u00e4chte ausschloss, erweckte er den Eindruck, dass Russland als wiedergeborene Supermacht aus der Asche auferstanden sei.<\/p>\n\n\n\n

Unter Druck<\/h3>\n\n\n\n

Angesichts des wachsenden Widerstands im eigenen Land macht es Erdo\u011fan Putin gleich. Da der Westen nicht bereit war, (erneut) milit\u00e4risch in Libyen zu intervenieren, sah Erdo\u011fan eine Gelegenheit, die T\u00fcrkei zu positionieren. Nach dem Vorgehen Russlands in Syrien sicherte er sich eine formelle Einladung der libyschen Regierung zur Intervention. Mit einem Schlag Ende letzten Jahres hat er nicht nur das Image der T\u00fcrkei als Regionalmacht gest\u00e4rkt, sondern auch ein Abkommen mit Libyen \u00fcber die Seegrenze abgeschlossen und damit einen Plan Griechenlands, Zyperns, \u00c4gyptens und Israels zur Erschlie\u00dfung von Unterwasser\u00f6l- und -gasfeldern in der N\u00e4he zunichtegemacht.<\/p>\n\n\n\n

Erdo\u011fan scheint auch von der Spalt-und-Eroberungs-Strategie des Kreml in Europa inspiriert worden zu sein, der zufolge oft diejenigen EU-Mitgliedsstaaten unter Druck gesetzt werden, die am meisten von russischen Kohlenwasserstoffen oder M\u00e4rkten abh\u00e4ngig sind. So wie Putin lange Zeit die Energieversorgung instrumentalisiert hat, hat Erdo\u011fan versucht, den Strom von Migranten und Fl\u00fcchtlingen, die vor Konflikten im Nahen Osten fliehen, zu instrumentalisieren. Als die EU eine neue Marinemission ank\u00fcndigte, um den Waffenstrom nach Libyen zu blockieren, malte die T\u00fcrkei f\u00fcr Malta das Schreckgespenst der angeblichen Bedrohung durch Migranten an die Wand. Malta reagierte prompt und signalisierte, dass es gegen die Finanzierung der Mission ein Veto einlegen werde.<\/p>\n\n\n\n

Verlorener Sohn<\/strong><\/h3>\n\n\n\n

Jahrelang redeten sich die Europ\u00e4er ein, dass Russland eine Art verlorener Sohn sei und dass die europ\u00e4ische unipolare Ordnung gesund bleibe. Doch das machte Europa zu einem leichten Ziel f\u00fcr die Trennungs-und-Eroberungs-Strategie des Kreml. Erst vor relativ kurzer Zeit entwarf die Union eine neue Politik und ein robustes Sanktionsregime, um die russische Aggression abzuschrecken. Und selbst jetzt \u2013 trotz der besten Bem\u00fchungen der deutschen Bundeskanzlerin Angela Merkel und des franz\u00f6sischen Pr\u00e4sidenten Emmanuel Macron \u2013 hat die EU noch immer keine wirksamen Kommunikationskan\u00e4le mit Russland geschaffen, um gemeinsame Probleme anzugehen.<\/p>\n\n\n\n

Die T\u00fcrkei ist noch kein neues Russland, aber sie k\u00f6nnte dazu werden, wenn die Situation falsch gehandhabt wird. Vorerst betrachten die meisten Europ\u00e4er die T\u00fcrkei noch immer als einen komplizierten Partner und nicht als \"Systemrivalen\". Aber die Europ\u00e4er sollten die hart erk\u00e4mpften Lehren aus dem Umgang mit Russland in den letzten 15 Jahren beherzigen. Die Beziehungen zwischen der EU und der T\u00fcrkei brauchen neue, einvernehmlich vereinbarte Prinzipien sowie klare Grenzen, um eine weitere Destabilisierung in der Region zu verhindern.<\/p>\n\n\n\n

Zu diesem Zweck sollten die Europ\u00e4er klarstellen, dass der EU-Beitrittsprozess entweder zur\u00fcckgedreht oder vorangetrieben werden kann und dass eine eher transaktionale Beziehung sowohl Zuckerbrot als auch Peitsche beinhaltet. Die Herausforderung wird darin bestehen, daf\u00fcr zu sorgen, dass es in einer Region, die nicht nur von Europa und der T\u00fcrkei, sondern auch von Russland, den USA und einem aufstrebenden China beeinflusst wird, noch Raum f\u00fcr politisches Engagement in Fragen der gemeinsamen Sicherheit gibt. (Mark Leonard, \u00dcbersetzung: Eva G\u00f6llner, Copyright: Project Syndicate, 10.8.2020)<\/p>\n\n\n\n

Mark Leonard <\/strong>ist Direktor des Europ\u00e4ischen Rats f\u00fcr Ausw\u00e4rtige Beziehungen.<\/a><\/p>\n","post_title":"Erdo\u011fan \u2013 der andere Putin vor der Haust\u00fcr Europas","post_excerpt":"","post_status":"publish","comment_status":"closed","ping_status":"closed","post_password":"","post_name":"erdogan-der-andere-putin-vor-der-haustur-europas","to_ping":"","pinged":"","post_modified":"2025-02-02 08:39:39","post_modified_gmt":"2025-02-02 08:39:39","post_content_filtered":"","post_parent":0,"guid":"https:\/\/dctransparency.com\/?p=3789","menu_order":0,"post_type":"post","post_mime_type":"","comment_count":"0","filter":"raw"},{"ID":3786,"post_author":"7","post_date":"2020-08-14 13:51:23","post_date_gmt":"2020-08-14 13:51:23","post_content":"\n

Einen Monat nachdem ich zur israelischen Armee eingezogen worden war, brach die erste Intifada aus. Statt Soldat zu sein, machte ich Polizeiarbeit, sagte den Menschen, wann sie zur Arbeit gehen konnten und wann sie ihre L\u00e4den schlie\u00dfen mussten, wann sie die Grenze passieren und wann sie schlafen konnten. Einen Monat nachdem ich aus der Armee entlassen worden war, ging ich auf Reisen. (In Israel sagen wir: Wir dienen drei Jahre und versuchen den Rest unseres Lebens, diese drei Jahre zu vergessen.) Auf meiner Reise begann ich Briefe an meine Freundin zu schreiben, die ich in Israel zur\u00fcckgelassen hatte.<\/p>\n\n\n\n

Ich schrieb ihr, wie schrecklich depressiv ich war und dass diese drei Jahre des Anweisungenbellens und Anderen-Menschen-Sagens, was sie zu tun haben, mich f\u00fcr immer verfolgen w\u00fcrden. Dass sie ein Teil dessen geworden waren, was ich bin. Ich erinnere mich, dass ich ihr schrieb, dass wir da rausm\u00fcssen \u2013 nicht nur f\u00fcr die Pal\u00e4stinenser, sondern wegen der furchtbaren und brutalen Auswirkungen, die all das auf uns, auf die israelische Gesellschaft haben w\u00fcrde. Sie schrieb zur\u00fcck: \u201eDu hast recht. Ich habe einen neuen Freund.\u201c<\/p>\n\n\n\n

Felix Klein wurde als Beauftragter der Bundesregierung berufen<\/a>, um die Auswirkungen des zunehmenden Antisemitismus in unserer Gesellschaft, in Deutschland, zu bek\u00e4mpfen. Was nicht in seiner Jobbeschreibung steht, ist, dass er dabei unsere Gesellschaft heilen muss, jene Gesellschaft, die diese Form des Hasses reproduziert und sch\u00fctzt. Klein hat das begriffen.<\/p>\n\n\n\n

Er versteht, dass man Krebs nicht mit einem Pflaster verarztet, er wei\u00df, dass er das Bewusstsein der Deutschen sch\u00e4rfen und Diskussionen ansto\u00dfen muss. Er hat begriffen, dass das Problem nicht nur an den R\u00e4ndern der Gesellschaft (bei den Rechten) liegt, sondern auch in ihrer Mitte. Dort, wo gebildete Menschen nicht einmal bemerken, dass das, was sie sagen und tun, antisemitisch ist. So wie sie es auch nicht merken, wenn sie rassistisch handeln. Er hat all das verstanden, und genau deshalb wollen einige, dass er seinen Posten r\u00e4umt.<\/p>\n\n\n\n

Mehr als 60 deutsche und israelische Intellektuelle haben letzte Woche in einem Brief an Kanzlerin Merkel<\/a> dar\u00fcber geklagt, dass der aktuelle \u201eGebrauch des Antisemitismusbegriffs\u201c darauf abziele, \u201elegitime Kritik an der israelischen Regierungspolitik zu unterdr\u00fccken\u201c, und Klein vorgeworfen, rechtspopulistische israelische Stimmen zu f\u00f6rdern.<\/p>\n\n\n\n

Faszinierend an diesem offenen Brief ist, dass viele der Unterzeichneten keine Deutschen sind und auch nicht in Deutschland leben. Ich wei\u00df nicht, woher sie \u2013 die meisten von ihnen sind Israelis \u2013 die Chuzpe haben, sich in eine innerdeutsche Angelegenheit einzumischen und zu fordern, eine Person zu entlassen, die von der Bundesregierung eingesetzt wurde. Die H\u00e4lfte der Unterzeichneten lebt nicht hier, von der anderen H\u00e4lfte sind viele keine Juden \u2013 somit sind die allermeisten von ihnen nicht direkt vom Antisemitismus in Deutschland betroffen. Wie also k\u00f6nnen sie diesen Brief unterschreiben? Und warum eigentlich haben so wenige Deutsche unterschrieben? Dazu komme ich gleich.<\/p>\n\n\n\n

Debatte um Achille Mbembe<\/h6>\n\n\n\n

Hintergrund des Briefs war, dass Felix Klein gefordert hatte, den Philosophen Achille Mbembe<\/a> nicht die Er\u00f6ffnungsrede der Ruhrtriennale halten zu lassen. Als mit \u00f6ffentlichen Mitteln gef\u00f6rdertes Event solle die Ruhrtriennale Mbembe wegen seiner Haltung zu Israels Existenzrecht, seiner Haltung zu BDS und der Art, wie er in einem seiner Werke den Holocaust relativiert, nicht einladen.<\/p>\n\n\n\n

Mbembes Unterst\u00fctzer sagen, keine dieser Anschuldigungen sei wahr. F\u00fcrs Protokoll: In meinen Augen unterst\u00fctzt Mbembe sehr wohl BDS<\/a>, er schrieb unter anderem das Vorwort zu \u201eApartheid Israel\u201c und fordert die komplette Isolation Israels. Ich glaube auch, wenn Mbembe schreibt, die israelische Besetzung sei der \u201egr\u00f6\u00dfte moralische Skandal unserer Zeit\u201c, zeigt das, dass sein moralischer und geografischer Kompass etwas schief ist.<\/p>\n\n\n\n

Doch warum treibt die Debatte so viele Menschen um? Nun, zun\u00e4chst gibt niemand gern auf, was ihm oder ihr selbstverst\u00e4ndlich scheint. \u00dcber den gesamten politischen, sozialen, kulturellen, medialen und akademischen Sektor hinweg sind Menschen daran gew\u00f6hnt, so schlecht \u00fcber Israel sprechen zu k\u00f6nnen, wie auch immer sie wollen.<\/p>\n\n\n\n

Der Spiegel<\/em> hat \u2013 vielleicht in Anlehnung an seine Relotius-Standards, Israel erst k\u00fcrzlich eine Corona-Diktatur genannt. Fakten und Belege f\u00fcr diese Behauptung gab es nicht. Doch Millionen Deutsche haben es gelesen, und es wird nat\u00fcrlich haften bleiben. Faktenlage hin oder her. Der Spiegel<\/em> und andere Medien haben dieses Spiel perfektioniert: Titel so zu drehen, dass sie Israel indirekt anklagen, die Idee zu streuen, der Mossad kon\u00adtrol\u00adliere die deutsche Au\u00dfenpolitik im Nahen Osten, und so fort. Doch sie stehen allesamt sofort auf den Hinterbeinen, wenn jemand es wagt, das Spiel beim Namen zu nennen: moderner Antisemitismus.<\/p>\n\n\n\n

Klein will dem entgegenwirken. Er versteht, dass antisemitische Attacken in Deutschland die Fr\u00fcchte solch falsch gezeichneter Bilder und eindimensionaler Narrative \u00fcber Israel sind. Wenn er und andere versuchen, ein anderes Narrativ aufzuzeigen, wirft man ihnen Zensur vor: Wie k\u00f6nnen sie es wagen, das Gesch\u00e4ft der Anti-Israel-Propaganda zu st\u00f6ren?<\/p>\n\n\n\n

Liebe Deutsche, wenn ihr reden wollt, lasst uns gern reden: \u00fcber die Besetzung, \u00fcber Bibi und alles, was schiefl\u00e4uft. Aber dann lasst uns bitte auch dar\u00fcber reden, wie deutsche Steuergelder Terrortunnel finanzieren. Erst vergangene Woche r\u00e4umte die niederl\u00e4ndische Regierung ein, dass Gelder an eine Landwirtschaftsorganisation in Ramallah geflossen seien, die damit teilweise die Geh\u00e4lter zweier des Mordes an der 17-j\u00e4hrigen Israelin Rina Shnerb Verd\u00e4chtiger gezahlt haben. Auch die Bundesregierung unterst\u00fctzt diese Organisation, obwohl Kritiker schon lange vor Verbindungen zu Terroristen warnen.<\/p>\n\n\n\n

Wir k\u00f6nnen uns also gerne unterhalten \u2013 aber im Dialog, nicht in Monologen. Denn Reden unter Menschen, die sich einig sind, ist nichts anderes als Impotenz.<\/p>\n\n\n\n

Israelkritik als Eintrittskarte<\/h6>\n\n\n\n

Die Israelis, die die Petition unterzeichnet haben, haben \u00fcbrigens ebenfalls etwas verstanden. Seit Jahren wissen sie: Es ist ihre Eintrittskarte in die Mitte der deutschen (und europ\u00e4ischen) Gesellschaft. Man h\u00f6rt nicht oft von Akademikern mit proisraelischen Ansichten. Weder in den Philharmonie-Orchestern noch in der Kunstszene. Die Eintrittskarte daf\u00fcr ist ein antiisraelischer Standpunkt.<\/p>\n\n\n\n

Der mutma\u00dfliche Grund, warum kaum Deutsche die Petition unterzeichnet haben: Sie mussten es nicht. Ihre Lieblingsjuden haben es f\u00fcr sie getan. Jetzt k\u00f6nnen sie sagen: \u201eSchau, ich bin das ja nicht, meine j\u00fcdischen Freunde sagen es.\u201c Ich selbst war einige Jahre lang mit einem Paar hier in Berlin befreundet, bis ich herausfand, dass ich ihr Lieblingsjude war. Ja, selbst das j\u00fcdische Museum wurde so genutzt.<\/p>\n\n\n\n

Weil Attacken gegen Juden ein absolutes Tabu sind, wurden Umwege gefunden, um den Antisemitismus auf kleiner Flamme k\u00f6cheln zu lassen: die unfundierte, unbegr\u00fcndete Kritik an Israel.<\/p>\n\n\n\n

Diese Art der Kritik ist gef\u00e4hrlich. Sie schw\u00e4cht jede begr\u00fcndete und notwendige Kritik am Verhalten Israels. Und das Interessante ist: Trotz all der heftigen, pauschalisierenden Anklagen, all der offenen Briefe driftet Israel politisch immer weiter nach rechts. Doch statt mal einen anderen Ansatz zu versuchen, werden die antiisraelischen Stimmen nur lauter. Dasselbe versuchen und andere Ergebnisse davon erwarten \u2013 das ist die Definition von Wahnsinn.<\/p>\n\n\n\n

Kurz bevor der Prozess gegen den wegen des Attentats von Halle<\/a> Angeklagten begann \u2013 des seit Kriegsende schlimmsten Akts von Antisemitismus in Deutschland \u2013, lud eine Lokalzeitung den fr\u00fcheren Botschafter Shimon Stein und den Historiker Moshe Zimmermann ein, dar\u00fcber zu schreiben, was Antisemitismus ist. Nat\u00fcrlich wendeten auch sie sich gegen Felix Kleins Ansatz. Sie zitieren die Kontroverse um die Umbenennung der U-Bahn-Station Mohrenstra\u00dfe in Glinkastra\u00dfe, die sich darum drehte, dass der russische Komponist Michael Glinka Antisemit gewesen sein soll. Stein und Zimmermann halten die Debatte f\u00fcr \u00fcberzogen, Glinka sei nur ein Kind seiner Zeit gewesen. Folgt man ihrer Logik, k\u00f6nnen wir dann also in 20 oder 30 Jahren U-Bahn-Stationen nach den Kindern der 1930er Jahre benennen?<\/p>\n\n\n\n

Der Antisemit als Tierfreund<\/h6>\n\n\n\n

Ich w\u00fcnschte, die Sache h\u00e4tte mit dem Artikel, mit der Petition geendet. Doch dann erschien ein Artikel, der den Leser auf einen Waldspaziergang mit einem veganen Koch und Antisemiten mitnahm. Darin setzt der Tierfreund erst behutsam einen K\u00e4fer wieder auf seine Beinchen und erkl\u00e4rt dann, dass die Todesstrafe in Deutschland wieder eingef\u00fchrt werden solle, um einen gewissen Politiker (der zuf\u00e4llig pro Israel ist) an seinen Hoden aufh\u00e4ngen zu k\u00f6nnen. Dieser Koch hat Hunderttausende Follower, er sagt all solche Dinge am helllichten Tag in Berlin. Und in den Medien.<\/p>\n\n\n\n

F\u00e4lle wie dieser handeln bereits von Gewalt \u2013 und sie enden nicht bei den Juden. Der Hass richtet sich gegen Frauen<\/a>, Muslime, Gefl\u00fcchtete, \u00adLBTQI. Am Ende aller theoretischen Debatten stehen immer echte Menschen. Am Ende jeder Konferenz dar\u00fcber, was Antisemitismus ausmacht, steht ein potenzielles j\u00fcdisches Opfer. Angesichts einer Welle von Antisemitismus \u00fcber die Definition von Antisemitismus zu streiten ist, wie eine 10 Meter hohe Welle heranrollen zu sehen und dar\u00fcber zu streiten, was einen Tsunami ausmacht.<\/p>\n\n\n\n

Felix Klein versteht, wie absurd es ist, zu sagen: Es sind nur die Rechten. Die Rechten sind Deutsche, so wie die Nazis Deutsche waren. Klein versteht, dass die Deutschen nicht aufgeh\u00f6rt haben, Juden zu ermorden, weil sie irgendeine Art von Erleuchtung hatten. Sondern schlicht, weil sie den Krieg verloren haben. Um den Antisemitismus zu bek\u00e4mpfen, bevor er die Gesellschaft frisst, in der er und wir leben, muss Deutschland seinen moralischen Kompass korrigieren.<\/p>\n\n\n\n

Immerhin: Mehr und mehr Deutsche fahren nach Israel, sie wollen ein anderes Narrativ h\u00f6ren. Mehr und mehr Deutsche verstehen, dass Antisemitismus Schockwellen ausl\u00f6st, die die gesamte Gesellschaft betreffen. In einem normalen Universum w\u00fcrde Klein bef\u00f6rdert werden f\u00fcr seine Leistung. In einer verdrehten Gesellschaft fordern Menschen seine Entlassung. Um es mit Mbembe zu sagen: Das ist Nano-Nonsens.<\/p>\n\n\n\n

\u00dcbersetzung: Ariane Lemme<\/a><\/em><\/p>\n","post_title":"Felix Klein hat verstanden","post_excerpt":"","post_status":"publish","comment_status":"closed","ping_status":"closed","post_password":"","post_name":"felix-klein-hat-verstanden","to_ping":"","pinged":"","post_modified":"2025-02-02 08:39:39","post_modified_gmt":"2025-02-02 08:39:39","post_content_filtered":"","post_parent":0,"guid":"https:\/\/dctransparency.com\/?p=3786","menu_order":0,"post_type":"post","post_mime_type":"","comment_count":"0","filter":"raw"}],"next":false,"prev":true,"total_page":47},"paged":1,"column_class":"jeg_col_2o3","class":"epic_block_3"};

\n

Eine Gruppe von Abgeordneten folgte ihren britischen Kollegen und \u00e4u\u00dferte Bedenken hinsichtlich der m\u00f6glichen saudischen Pl\u00e4ne, in Katar einzudringen.<\/p>\n\n\n\n

In letzter Zeit wurden mehrere \u00f6ffentliche Erkl\u00e4rungen und Tweets zu diesem Thema abgegeben. Der italienische Europaabgeordnete Fulvio Martusciello \u00e4u\u00dferte letzte Woche Bedenken und forderte sofortige Ma\u00dfnahmen, um eine k\u00fcnftige Eskalation einzud\u00e4mmen. Er twitterte: \u201eSehr besorgt und alarmiert dar\u00fcber, dass Saudi-Arabien erwogen hat, in Katar einzudringen. Dies wird v\u00f6llig abgelehnt und gef\u00e4hrdet die Stabilit\u00e4t in der Golfregion und im Nahen Osten. Die EU muss sich gegen alle Versuche von KSA und VAE behaupten, souver\u00e4ne Staaten anzugreifen. #GulfPeace. \"<\/p>\n\n\n\n

Dar\u00fcber hinaus haben mehrere Abgeordnete wie Urmas Paet, Hilde Vautmans, Malik Azmani und Bart Groothuis an den Vizepr\u00e4sidenten der Kommission und den Hohen Vertreter der Union f\u00fcr Au\u00dfen- und Sicherheitspolitik geschrieben.<\/p>\n\n\n\n

Die Gruppe sagte: \u201eAm 6. August 2020 wurde \u00f6ffentlich bekannt, dass w\u00e4hrend eines offiziellen Aufrufs am 6. Juni 2017 zwischen dem US-Pr\u00e4sidenten Donald Trump und dem saudi-arabischen K\u00f6nig Salman ein Vorschlag zur Invasion Katars vorgelegt wurde . Die US-Regierung lehnte den saudischen Vorschlag sofort ab und forderte die formelle Vermittlung durch die kuwaitischen Beh\u00f6rden im Rahmen des Golf-Kooperationsrates. \u201c<\/p>\n","post_title":"Europ\u00e4ische Politiker verurteilen saudische Pl\u00e4ne, in Katar einzudringen","post_excerpt":"","post_status":"publish","comment_status":"closed","ping_status":"closed","post_password":"","post_name":"europaische-politiker-verurteilen-saudische-plane-in-katar-einzudringen","to_ping":"","pinged":"","post_modified":"2025-02-02 08:39:39","post_modified_gmt":"2025-02-02 08:39:39","post_content_filtered":"","post_parent":0,"guid":"https:\/\/dctransparency.com\/?p=3818","menu_order":0,"post_type":"post","post_mime_type":"","comment_count":"0","filter":"raw"},{"ID":3811,"post_author":"7","post_date":"2020-08-28 13:33:59","post_date_gmt":"2020-08-28 13:33:59","post_content":"\n

Die BBC <\/a>hat neue Beweise daf\u00fcr gefunden, dass eine von den Vereinigten Arabischen Emiraten (VAE) betriebene Drohne im Januar 2020 26 unbewaffnete Kadetten an einer Milit\u00e4rakademie in der libyschen Hauptstadt Tripolis get\u00f6tet hat.<\/p>\n\n\n\n

Zum Zeitpunkt des Streiks am 4. Januar wurde Tripolis von der selbsternannten libyschen Nationalarmee (LNA) belagert.<\/p>\n\n\n\n

Es hat die Verantwortung f\u00fcr den Angriff abgelehnt und vermutet, dass die Kadetten durch Beschuss vor Ort get\u00f6tet wurden.<\/p>\n\n\n\n

Es gibt jedoch Hinweise darauf, dass die Kadetten von einer chinesischen Blue Arrow 7-Rakete getroffen wurden.<\/p>\n\n\n\n

Dies wurde von einer Drohne namens Wing Loong II abgefeuert, und die Untersuchung von BBC Africa Eye und BBC Arabic Documentaries ergab auch Hinweise darauf, dass Wing Loong II-Drohnen zum Zeitpunkt des Streiks nur von einem libyschen Luftwaffenst\u00fctzpunkt aus operierten - al-Khadim - und dass die VAE die dort stationierten Drohnen geliefert und betrieben haben.<\/p>\n\n\n\n

\"\"<\/figure>\n\n\n\n

Die VAE haben zuvor die milit\u00e4rische Beteiligung in Libyen verweigert und sagen, sie unterst\u00fctzen den UN-Friedensprozess. Es antwortete nicht auf die Bitte der BBC um einen Kommentar.<\/p>\n\n\n\n

Was ist mit diesen Kadetten passiert?<\/strong><\/p>\n\n\n\n

Kurz nach 21:00 Uhr am 4. Januar 2020 f\u00fchrten rund 50 Kadetten Routine\u00fcbungen an einer Milit\u00e4rakademie im S\u00fcden von Tripolis durch.<\/p>\n\n\n\n

Ohne Vorwarnung detonierte eine Explosion in der Mitte der Gruppe und lie\u00df 26 Kadetten tot oder auf dem Exerzierplatz sterben. Viele waren noch Teenager. Keiner von ihnen war bewaffnet.

Einer der \u00dcberlebenden war der 20-j\u00e4hrige Abdul Moeen.<\/p>\n\n\n\n

Er war in der Akademie, als der Streik eintraf. \"Es war unbeschreiblich\", sagte er der BBC.<\/p>\n\n\n\n

\"Wir haben gesehen, wie unsere Kollegen starben, ihren letzten Atemzug machten und wir konnten nichts tun ... Es gab Leute, deren Oberk\u00f6rper von ihren K\u00f6rpern getrennt waren. Es war ein schreckliches Verbrechen, ein Verbrechen, das nichts mit der Menschheit zu tun hat. \"\"<\/p>\n\n\n\n

Sieben Monate nach dem Streik hat niemand die Verantwortung f\u00fcr die T\u00f6tung dieser jungen M\u00e4nner eingestanden.<\/p>\n\n\n\n

Die LNA unter Gen Khalifa Haftar bestritt, dass sie hinter dem Streik steckt, und teilte der Presse mit, dass die Explosion m\u00f6glicherweise durch eine lokal abgefeuerte M\u00f6rsergranate oder einen Angriff innerhalb der Akademie verursacht worden sei.<\/p>\n\n\n\n

Was hat die BBC gefunden?<\/strong><\/p>\n\n\n\n

Die Untersuchung ergab Hinweise darauf, dass eine viel ausgefeiltere Waffe verwendet wurde.<\/p>\n\n\n\n

\"\"<\/figure>\n\n\n\n

Die BBC betrachtete Bilder des Splitters, der nach dem Streik auf dem Exerzierplatz zur\u00fcckgelassen wurde, und kam zu dem Schluss, dass er mit den Komponenten einer Rakete namens Blue Arrow 7 \u00fcbereinstimmte.<\/p>\n\n\n\n

Unsere Analyse ergab, dass nur ein Flugzeug, das im Januar 2020 \u00fcber Tripolis operierte, diese Waffe abfeuern konnte - eine Drohne namens Wing Loong 2.<\/p>\n\n\n\n

Nur drei Wochen vor diesem Streik kamen die Vereinten Nationen zu dem Schluss, dass der Blaue Pfeil 7 \"ballistisch gepaart ist, um vom Wing Loong II geliefert zu werden ... und von keinem anderen in Libyen bisher identifizierten Luftfahrtgut\".<\/p>\n\n\n\n

Die BBC untersuchte auch, woher diese Drohne stammen k\u00f6nnte, und fand Hinweise darauf, dass Wing Loong-Drohnen zum Zeitpunkt des Angriffs nur von einem libyschen Luftwaffenst\u00fctzpunkt aus operierten: al-Khadim im von der LNA kontrollierten Ostlibyen.<\/p>\n\n\n\n

Sowohl die BBC als auch die UN haben Beweise daf\u00fcr gefunden, dass Drohnen, die von diesem Luftwaffenst\u00fctzpunkt aus operieren, zu den Vereinigten Arabischen Emiraten geh\u00f6ren.<\/p>\n\n\n\n

Im Jahr 2019 stellte die UNO fest, dass die VAE durch den Versand von Wing Loong-Drohnen und Blue Arrow 7-Raketen nach Libyen gegen das seit 2011 geltende UN-Waffenembargo gegen das Land versto\u00dfen hatten.<\/p>\n\n\n\n

Die BBC fand auch ein Waffenregister, aus dem hervorgeht, dass die VAE 2017 15 Wing Loong-Drohnen und 350 Blue Arrow 7-Raketen gekauft haben.<\/p>\n\n\n\n

Was hat die BBC noch aufgedeckt?<\/strong><\/p>\n\n\n\n

<\/p>\n\n\n\n

Die BBC-Untersuchung ergab auch neue Beweise daf\u00fcr, dass \u00c4gypten den VAE erlaubt, \u00e4gyptische Milit\u00e4rflugpl\u00e4tze nahe der libyschen Grenze zu nutzen.<\/p>\n\n\n\n

Im Februar 2020 scheinen die in Libyen stationierten Wing Loong II-Drohnen \u00fcber die Grenze nach \u00c4gypten zu einem Luftwaffenst\u00fctzpunkt in der N\u00e4he von Siwa in der west\u00e4gyptischen W\u00fcste gebracht worden zu sein.<\/p>\n\n\n\n

Satellitenbilder zeigen auch, dass ein zweiter \u00e4gyptischer Milit\u00e4rflugplatz, Sidi Barrani, als Einsatzbasis f\u00fcr Mirage 2000-Kampfflugzeuge verwendet wurde, die in Farben lackiert sind, die nicht von der \u00e4gyptischen Luftwaffe verwendet werden, aber genau den von den VAE geflogenen Jets entsprechen .<\/p>\n\n\n\n

Dies ist das gleiche Flugzeugmodell, das von den Vereinten Nationen in einen Luftangriff auf ein Migrationszentrum \u00f6stlich von Tripolis im Juli 2019 verwickelt wurde, bei dem 53 Menschen get\u00f6tet wurden.<\/p>\n\n\n\n

Ausl\u00e4ndischer Jet bei libyschem Migrantenangriff verd\u00e4chtigt<\/p>\n\n\n\n

Sidi Barrani ist auch das Ziel f\u00fcr mehrere Frachtflugzeuge, die von den Vereinigten Arabischen Emiraten gestartet sind, und schl\u00e4gt eine Luftbr\u00fccke f\u00fcr Ausr\u00fcstung oder Lieferungen zwischen den Vereinigten Arabischen Emiraten und einer Milit\u00e4rbasis vor, die nur 80 km von der libyschen Grenze entfernt liegt.<\/p>\n\n\n\n

Die \u00e4gyptische Regierung antwortete nicht auf die Bitte der BBC um Stellungnahme.<\/p>\n\n\n\n

Ist ausl\u00e4ndisches milit\u00e4risches Engagement \u00fcberraschend?<\/strong><\/p>\n\n\n\n

Sowohl die Vereinigten Arabischen Emirate als auch \u00c4gypten nahmen an einer von Bundeskanzlerin Angela Merkel im Januar dieses Jahres in Berlin einberufenen Konferenz \u00fcber Libyen teil, auf der sie ihre Unterst\u00fctzung f\u00fcr den UN-Friedensprozess bekr\u00e4ftigten und sich bereit erkl\u00e4rten, nicht in den Libyen-Krieg einzugreifen.<\/p>\n\n\n\n

Im vergangenen Jahr gab es jedoch eine Eskalation des Einsatzes von Drohnen durch beide Seiten des Konflikts.<\/p>\n\n\n\n

Ghassan Salam\u00e9, der fr\u00fchere Leiter der UN-Mission in Libyen, beschrieb dies als \"m\u00f6glicherweise das gr\u00f6\u00dfte Drohnenkriegstheater der Welt\".<\/p>\n\n\n\n

Die VAE sind nicht die einzige ausl\u00e4ndische Macht, die an diesem Konflikt beteiligt ist.<\/p>\n\n\n\n

Anfang dieses Jahres gab BBC Africa Eye bekannt, dass die T\u00fcrkei auch gegen das Waffenembargo der Vereinten Nationen gegen Libyen versto\u00dfen hat, indem sie geheime Waffenlieferungen an die von den Vereinten Nationen anerkannte Regierung in Tripolis gesendet hat.<\/p>\n\n\n\n

Mit Unterst\u00fctzung der T\u00fcrkei hat die von den Vereinten Nationen anerkannte Regierung des Nationalen Abkommens nun die LNA von Gen Haftar aus der Gegend um Tripolis zur\u00fcckgeschlagen.<\/p>\n","post_title":"BBC-Untersuchung: VAE in t\u00f6dlichen Angriff in Libyen verwickelt","post_excerpt":"","post_status":"publish","comment_status":"closed","ping_status":"closed","post_password":"","post_name":"bbc-untersuchung-vae-in-todlichen-angriff-in-libyen-verwickelt","to_ping":"","pinged":"","post_modified":"2025-02-02 08:39:39","post_modified_gmt":"2025-02-02 08:39:39","post_content_filtered":"","post_parent":0,"guid":"https:\/\/dctransparency.com\/?p=3811","menu_order":0,"post_type":"post","post_mime_type":"","comment_count":"0","filter":"raw"},{"ID":3792,"post_author":"7","post_date":"2020-08-14 13:58:48","post_date_gmt":"2020-08-14 13:58:48","post_content":"\n

Die Hagia Sophia war (ist) ein kulturelles Weltwunder und aufgeladen mit symbolischer Bedeutung, f\u00fcr die Christenheit ebenso wie f\u00fcr den Islam \u2013 und den t\u00fcrkischen Nationalismus. Als Mehmed II. sie betrat, war sie schon fast 1000 Jahre die gr\u00f6\u00dfte Kirche der christlichen Welt und das Zentrum der orthodoxen Glaubensrichtung. Die \"Ayasofya\", wie sie dann hie\u00df, war 500 Jahre lang Moschee \u2013 bis 1934, als Kemal Pascha Atat\u00fcrk, der \"Vater\" der modernen T\u00fcrkei, sie in ein Museum verwandelte, in der ausdr\u00fccklichen Absicht, auch hier mit dem osmanischen Erbe zu brechen.<\/p>\n\n\n\n

Nun wird Pr\u00e4sident Recep Tayyip Erdo\u011fan, der \"Vater\" der re-islamisierten T\u00fcrkei, am 24. Juli dieses Jahres die Ayasofya durch das Freitagsgebet wieder in den Islam eingliedern. Oder eher in seinen pers\u00f6nlichen religi\u00f6sen Nationalismus.<\/p>\n\n\n\n

Welterbe von allen<\/h3>\n\n\n\n

Wie bedeutungsschwer ist dieser Akt eines \"starken Mannes\", der innenpolitisch deutlich schw\u00e4chelt? Die Proteste vor allem aus der orthodoxen Welt, aber auch aus Europa und den USA sind eher traurig als w\u00fctend. Der Papst dr\u00fcckte seinen \"Schmerz\" aus. Auch der Jubel in der islamischen Welt fiel zun\u00e4chst weniger \u00fcbersch\u00e4umend als erwartet aus.<\/p>\n\n\n\n

Ist es der Alleingang eines Autokraten in Bedr\u00e4ngnis oder ist \"der Jubel \u00fcber die Eroberung der Hagia Sophia der Versuch einer zutiefst erniedrigten, vom Gef\u00fchl der Wertlosigkeit dominierten und in ihrer eigenen Selbstberechtigung beraubten Gesellschaft, eine Bedeutung, eine St\u00e4rke, ein Selbstwertgef\u00fchl zu finden\"? So recht pauschalierend der in Deutschland lebende pal\u00e4stinensische Intellektuelle und Psychiater Ahmad Mansour.<\/p>\n\n\n\n

Die beiden Gro\u00dfreiche, das byzantinische und das osmanische, sind l\u00e4ngst versunken.<\/p><\/blockquote>\n\n\n\n

Das eigentliche Schl\u00fcsselwort im Zusammenhang mit der Hagia Sofia ist \"Welterbe\". Das Erbe von allen. Einmal im kulturellen Sinn der Unesco, aber in Wahrheit weiter gefasst. Das einzigartige Bauwerk geh\u00f6rt in Wirklichkeit der ganzen Welt, nicht der einen oder anderen Religion. Die beiden Gro\u00dfreiche, f\u00fcr die die Hagia Sofia der zentrale spirituelle Bau war, das byzantinische und das osmanische, sind l\u00e4ngst versunken. Seither hat sie eine neue, \u00fcbernationale Dimension erhalten. Was Erdo\u011fan da jetzt mit der Hagia Sofia macht, ist eine Verengung und Verarmung eines gemeinsamen Welterbes.<\/p>\n\n\n\n

\"\"\/
Betende Muslime vor der Hagia Sophia.<\/figcaption><\/figure>\n\n\n\n

Davon abgesehen aber war und ist sie ein architektonisches Meisterwerk und geh\u00f6rt zu den bedeutendsten Bauten der Welt. Wer heute den Zentralraum unter der Kuppel betritt, kann sich nur schwer dem zugleich majest\u00e4tischen wie schwebenden Gesamteindruck entziehen. Die Hagia Sophia blieb fast 1000 Jahre die gr\u00f6\u00dfte Kirche der Christenheit. Technisch war die Kuppel (mit mehreren Halbkuppeln) eine \u00fcberaus riskante Innovation: Die 55 Meter hohe und 32 Meter im Durchmesser breite Kuppel ruht auf nur vier Tragpunkten, was den schwebenden, schwerelosen Eindruck erzeugt. Die Konstruktion folgt einem mathematischen Prinzip, das erst k\u00fcrzlich entschl\u00fcsselt wurde.<\/p>\n\n\n\n

\"Salomo, ich habe dich \u00fcbertroffen!\"<\/p><\/blockquote>\n\n\n\n

Als Kaiser Justinian die Hagia Sophia nach nur f\u00fcnf Jahren Bauzeit (532\u2013537) betrat, soll er in Anspielung auf den Tempel in Jerusalem ausgerufen haben: \"Salomo, ich habe dich \u00fcbertroffen!\" Die Innenausstattung war mit ihren S\u00e4ulen aus Porphyr und gr\u00fcnem Marmor, mit Mosaiken aus Gold und Halbedelsteinen derart prunkvoll, der Gesamteindruck derart \u00fcberirdisch, dass eine Delegation des Gro\u00dff\u00fcrsten von Kiew nicht mehr wusste, \"ob wir im Himmel oder auf der Erde\" waren \u2013 was die Christianisierung Russlands bef\u00f6rderte.<\/p>\n\n\n\n

Der deutsche Architekturlehrer Holger Kleine nennt die Hagia Sophia \"absolute Architektur\", weil sie \"extreme Ausdrucksformen nahezu aller dramaturgischen Mittel, die der Architektur zur Verf\u00fcgung stehen, vereinigt: wuchtigste K\u00f6rper und luftigste R\u00e4ume, engste Enge und gr\u00f6\u00dfte Weite, w\u00e4rmende Helligkeit und mystisches Dunkel\". Und die Kuppelbauten aus der sp\u00e4teren Hochbl\u00fcte der Moscheenarchitektur im 16. und 17. Jahrhundert gehen eindeutig auf die Hagia Sophia zur\u00fcck.<\/p>\n\n\n\n

Die Hagia Sophia war Staatskirche des byzantinischen Reichs. F\u00fcr die Eroberer der letzte Schlussstein in der Kuppel osmanisch-muslimischen Herrschaftsanspruchs. Konstantinopel war ja 1453 nur noch eine isolierte, heruntergekommene Enklave in einem osmanischen Umfeld, kein christliches Heer kam zu Hilfe. Doch vorher war es zugleich Sperrriegel nach Osten und Geistesarchiv der antiken Kultur gewesen. \"Ohne Byzanz h\u00e4tte es kein Europa gegeben\", sagt die britische Altertumsforscherin Judith Herrin.<\/p>\n\n\n\n

\"\"\/
Freigelegtes Mosaik von \"Christos Pantokrator\".<\/figcaption><\/figure>\n\n\n\n

Neue Fragen<\/h3>\n\n\n\n

Die Kirche wurde von Mehmed II. und Nachfolgern nicht in der Substanz zerst\u00f6rt, sondern \"entchristlicht\". Die urspr\u00fcnglich \u00fcbert\u00fcnchten oder auch abgeschlagenen Mosaiken mit den Darstellungen von Christus, der Muttergottes, diversen Kaisern kamen zum Teil schon unter einem Sultan des 19. Jahrhunderts, dann gro\u00dfteils nach der Museumswidmung wieder zum Vorschein.<\/p>\n\n\n\n

Jetzt stellen sich neue symbolisch-praktische Fragen. Erdo\u011fan hat die Hagia Sophia der konservativen staatlichen Religionsbeh\u00f6rde Diyanet unterstellt. Die byzantinischen Mosaike, wie der gro\u00dfartige \"Christos Pantokrator\" (\"Weltenherrscher\") oder die Jungfrau Maria in der Apsis, m\u00fcssen wohl w\u00e4hrend des islamischen Gottesdiensts verh\u00e4ngt werden. Muss der Boden mit seinen Marmorplatten und Mosaiken mit einem Teppich bedeckt werden? Erdo\u011fan sagt, Touristen seien nach wie vor zugelassen. Aber sie werden wohl hinter Absperrungen bleiben m\u00fcssen. Frauen werden \u2013 wie in der benachbarten \"Blauen Moschee\" (\"Sultanahmed\") Kopftuch tragen m\u00fcssen.<\/p>\n\n\n\n

\"\"\/
Erdo\u011fan mit Gattin in der Hagia Sophia.<\/figcaption><\/figure>\n\n\n\n

Erdo\u011fans neue Abenteuer<\/strong><\/h3>\n\n\n\n

Aber wird da nicht doch zu viel in einen Formalakt rund um ein uraltes Bauwerk hineininterpretiert? Im geschichtlichen Kontext relativiert sich manches: Konstantinopel wurde schon von Christen erobert und ausgepl\u00fcndert \u2013 1204 im Vierten Kreuzzug. In der Moschee von Cordoba (\"Mezquita\") bauten die Katholiken eine ganze Kirche in den ber\u00fchmten S\u00e4ulenwald hinein. Die Mezquita ist heute noch Kirche, kein Museum.<\/p>\n\n\n\n

\"Das ist der Beweis, dass wir kein s\u00e4kularer Staat mehr sein wollen\", sagt Nobelpreistr\u00e4ger Orhan Pamuk. Erdo\u011fan betrachtet sich offenbar als auch neoosmanischer \"Fatih\" im Mittelmeerraum mit immer neuen Abenteuern: Eingreifen in Syrien, Stellvertreterkrieg in Libyen, Anspr\u00fcche auf Erdgasvorkommen weit vor der t\u00fcrkischen K\u00fcste bei Zypern, Reden, wonach manche \u00c4g\u00e4is-Inseln eigentlich zur T\u00fcrkei geh\u00f6ren, \"denn dort stehen unsere Moscheen\". Manches davon ist nur Rhetorik, aber genug anderes ist riskante Realit\u00e4t. (Hans Rauscher, 14.7.2020)<\/p>\n\n\n\n

Quelle<\/a><\/strong><\/p>\n","post_title":"Hagia Sophia: Verengung und Verarmung eines Welterbes","post_excerpt":"","post_status":"publish","comment_status":"closed","ping_status":"closed","post_password":"","post_name":"hagia-sophia-verengung-und-verarmung-eines-welterbes","to_ping":"","pinged":"","post_modified":"2025-02-02 08:39:39","post_modified_gmt":"2025-02-02 08:39:39","post_content_filtered":"","post_parent":0,"guid":"https:\/\/dctransparency.com\/?p=3792","menu_order":0,"post_type":"post","post_mime_type":"","comment_count":"0","filter":"raw"},{"ID":3789,"post_author":"7","post_date":"2020-08-14 13:56:07","post_date_gmt":"2020-08-14 13:56:07","post_content":"\n

Im Gastkommentar pocht Mark Leonard, Direktor des Europ\u00e4ischen Rats f\u00fcr Ausw\u00e4rtige Beziehungen, auf \"neue, einvernehmlich vereinbarte Prinzipien sowie klare Grenzen\", nur so k\u00f6nne eine weitere Destabilisierung in der Region verhindert werden.<\/em><\/strong><\/p>\n\n\n\n

Ist die T\u00fcrkei das neue Russland? Diese Frage wird in den europ\u00e4ischen Hauptst\u00e4dten zunehmend gestellt, da die Au\u00dfenpolitik des t\u00fcrkischen Pr\u00e4sidenten Recep Tayyip Erdo\u011fan zunehmend aggressiver wird. Erdo\u011fan nutzt nicht nur die Migration, um die EU zu bedrohen und zu betr\u00fcgen, sondern setzt auch milit\u00e4rische Macht ein, um den Einflussbereich der T\u00fcrkei auf die gesamte Region auszudehnen.<\/p>\n\n\n\n

Seit dem Ende des Kalten Krieges haben die Europ\u00e4er die regionale Sicherheit durch eine unipolare westliche Linse betrachtet. W\u00e4hrend die Nato die milit\u00e4rische Sicherheit garantierte, sorgte die EU mit ihrem 80.000 Seiten starken Regelwerk f\u00fcr alles von LGBTQ-Rechten bis hin zu Rasenm\u00e4her-Sound-Verordnungen f\u00fcr Rechtsordnung. In den 90er-Jahren ging man allgemein davon aus, dass die beiden gro\u00dfen nichtwestlichen regionalen Akteure, Russland und die T\u00fcrkei, nach und nach an diese Regelungen herangef\u00fchrt werden w\u00fcrden.<\/p>\n\n\n\n

Qu\u00e4lende Hassliebe<\/h3>\n\n\n\n

Doch in den letzten 15 Jahren ist der Traum von der europ\u00e4ischen Unipolarit\u00e4t einer multipolaren Realit\u00e4t gewichen. Sowohl Russland als auch die T\u00fcrkei haben eine lange, qu\u00e4lende Hassliebe zu Europa, und beide sind unter nationalen Machthabern, denen die Verachtung der Normen und Werte der EU gemeinsam ist, durchsetzungsf\u00e4higer geworden.<\/p>\n\n\n\n

Die zunehmende Verschlechterung der Beziehungen zwischen der EU und Russland ist gut dokumentiert, der Fall der T\u00fcrkei weniger. Der Irakkrieg im Jahr 2003 komplizierte das Verh\u00e4ltnis der T\u00fcrkei zur Nato, und ihr Verh\u00e4ltnis zur EU verschlechterte sich 2007, als Frankreich einen wichtigen Teil ihrer EU-Beitrittsverhandlungen blockierte. Seitdem hat die T\u00fcrkei ihren eigenen Weg in Syrien, auf dem Balkan und in Libyen eingeschlagen und neue Beziehungen zu Russland und China aufgebaut.<\/p>\n\n\n\n

Wichtiger Akteur<\/strong><\/h3>\n\n\n\n

Nat\u00fcrlich sind die Beziehungen zwischen der T\u00fcrkei und Russland nicht weniger kompliziert, nicht zuletzt weil Erdo\u011fan und der russische Pr\u00e4sident Wladimir Putin im syrischen B\u00fcrgerkrieg verschiedene Seiten unterst\u00fctzten.Und w\u00e4hrend die Spannungen wegen des Syrien-Konflikts weiterhin bestehen, bewundert Erdo\u011fan deutlich, wie Russland sich \u2013 bei relativ geringen Kosten \u2013 wieder als wichtiger Akteur im Nahen Osten und in Nordafrika etabliert hat.<\/p>\n\n\n\n

Nachdem er in einen nicht zu gewinnenden Krieg im Osten der Ukraine verwickelt war, schien Putins weitgehend erfolgreicher Feldzug in Syrien einen Teil seiner innenpolitischen Autorit\u00e4t wiederherzustellen. Der Westen hatte f\u00fcnf Jahre lang darauf bestanden, dass es keine milit\u00e4rische L\u00f6sung des Konflikts gebe und dass der syrische Pr\u00e4sident Baschar al-Assad gehen m\u00fcsse. Doch w\u00e4hrend die von den Vereinten Nationen unterst\u00fctzten Gespr\u00e4che in Genf zu keinem Ergebnis f\u00fchrten, schienen die von Russland geleiteten Gespr\u00e4che in Astana voranzukommen. Indem der Kreml die T\u00fcrkei und den Iran einbezog, w\u00e4hrend er die westlichen M\u00e4chte ausschloss, erweckte er den Eindruck, dass Russland als wiedergeborene Supermacht aus der Asche auferstanden sei.<\/p>\n\n\n\n

Unter Druck<\/h3>\n\n\n\n

Angesichts des wachsenden Widerstands im eigenen Land macht es Erdo\u011fan Putin gleich. Da der Westen nicht bereit war, (erneut) milit\u00e4risch in Libyen zu intervenieren, sah Erdo\u011fan eine Gelegenheit, die T\u00fcrkei zu positionieren. Nach dem Vorgehen Russlands in Syrien sicherte er sich eine formelle Einladung der libyschen Regierung zur Intervention. Mit einem Schlag Ende letzten Jahres hat er nicht nur das Image der T\u00fcrkei als Regionalmacht gest\u00e4rkt, sondern auch ein Abkommen mit Libyen \u00fcber die Seegrenze abgeschlossen und damit einen Plan Griechenlands, Zyperns, \u00c4gyptens und Israels zur Erschlie\u00dfung von Unterwasser\u00f6l- und -gasfeldern in der N\u00e4he zunichtegemacht.<\/p>\n\n\n\n

Erdo\u011fan scheint auch von der Spalt-und-Eroberungs-Strategie des Kreml in Europa inspiriert worden zu sein, der zufolge oft diejenigen EU-Mitgliedsstaaten unter Druck gesetzt werden, die am meisten von russischen Kohlenwasserstoffen oder M\u00e4rkten abh\u00e4ngig sind. So wie Putin lange Zeit die Energieversorgung instrumentalisiert hat, hat Erdo\u011fan versucht, den Strom von Migranten und Fl\u00fcchtlingen, die vor Konflikten im Nahen Osten fliehen, zu instrumentalisieren. Als die EU eine neue Marinemission ank\u00fcndigte, um den Waffenstrom nach Libyen zu blockieren, malte die T\u00fcrkei f\u00fcr Malta das Schreckgespenst der angeblichen Bedrohung durch Migranten an die Wand. Malta reagierte prompt und signalisierte, dass es gegen die Finanzierung der Mission ein Veto einlegen werde.<\/p>\n\n\n\n

Verlorener Sohn<\/strong><\/h3>\n\n\n\n

Jahrelang redeten sich die Europ\u00e4er ein, dass Russland eine Art verlorener Sohn sei und dass die europ\u00e4ische unipolare Ordnung gesund bleibe. Doch das machte Europa zu einem leichten Ziel f\u00fcr die Trennungs-und-Eroberungs-Strategie des Kreml. Erst vor relativ kurzer Zeit entwarf die Union eine neue Politik und ein robustes Sanktionsregime, um die russische Aggression abzuschrecken. Und selbst jetzt \u2013 trotz der besten Bem\u00fchungen der deutschen Bundeskanzlerin Angela Merkel und des franz\u00f6sischen Pr\u00e4sidenten Emmanuel Macron \u2013 hat die EU noch immer keine wirksamen Kommunikationskan\u00e4le mit Russland geschaffen, um gemeinsame Probleme anzugehen.<\/p>\n\n\n\n

Die T\u00fcrkei ist noch kein neues Russland, aber sie k\u00f6nnte dazu werden, wenn die Situation falsch gehandhabt wird. Vorerst betrachten die meisten Europ\u00e4er die T\u00fcrkei noch immer als einen komplizierten Partner und nicht als \"Systemrivalen\". Aber die Europ\u00e4er sollten die hart erk\u00e4mpften Lehren aus dem Umgang mit Russland in den letzten 15 Jahren beherzigen. Die Beziehungen zwischen der EU und der T\u00fcrkei brauchen neue, einvernehmlich vereinbarte Prinzipien sowie klare Grenzen, um eine weitere Destabilisierung in der Region zu verhindern.<\/p>\n\n\n\n

Zu diesem Zweck sollten die Europ\u00e4er klarstellen, dass der EU-Beitrittsprozess entweder zur\u00fcckgedreht oder vorangetrieben werden kann und dass eine eher transaktionale Beziehung sowohl Zuckerbrot als auch Peitsche beinhaltet. Die Herausforderung wird darin bestehen, daf\u00fcr zu sorgen, dass es in einer Region, die nicht nur von Europa und der T\u00fcrkei, sondern auch von Russland, den USA und einem aufstrebenden China beeinflusst wird, noch Raum f\u00fcr politisches Engagement in Fragen der gemeinsamen Sicherheit gibt. (Mark Leonard, \u00dcbersetzung: Eva G\u00f6llner, Copyright: Project Syndicate, 10.8.2020)<\/p>\n\n\n\n

Mark Leonard <\/strong>ist Direktor des Europ\u00e4ischen Rats f\u00fcr Ausw\u00e4rtige Beziehungen.<\/a><\/p>\n","post_title":"Erdo\u011fan \u2013 der andere Putin vor der Haust\u00fcr Europas","post_excerpt":"","post_status":"publish","comment_status":"closed","ping_status":"closed","post_password":"","post_name":"erdogan-der-andere-putin-vor-der-haustur-europas","to_ping":"","pinged":"","post_modified":"2025-02-02 08:39:39","post_modified_gmt":"2025-02-02 08:39:39","post_content_filtered":"","post_parent":0,"guid":"https:\/\/dctransparency.com\/?p=3789","menu_order":0,"post_type":"post","post_mime_type":"","comment_count":"0","filter":"raw"},{"ID":3786,"post_author":"7","post_date":"2020-08-14 13:51:23","post_date_gmt":"2020-08-14 13:51:23","post_content":"\n

Einen Monat nachdem ich zur israelischen Armee eingezogen worden war, brach die erste Intifada aus. Statt Soldat zu sein, machte ich Polizeiarbeit, sagte den Menschen, wann sie zur Arbeit gehen konnten und wann sie ihre L\u00e4den schlie\u00dfen mussten, wann sie die Grenze passieren und wann sie schlafen konnten. Einen Monat nachdem ich aus der Armee entlassen worden war, ging ich auf Reisen. (In Israel sagen wir: Wir dienen drei Jahre und versuchen den Rest unseres Lebens, diese drei Jahre zu vergessen.) Auf meiner Reise begann ich Briefe an meine Freundin zu schreiben, die ich in Israel zur\u00fcckgelassen hatte.<\/p>\n\n\n\n

Ich schrieb ihr, wie schrecklich depressiv ich war und dass diese drei Jahre des Anweisungenbellens und Anderen-Menschen-Sagens, was sie zu tun haben, mich f\u00fcr immer verfolgen w\u00fcrden. Dass sie ein Teil dessen geworden waren, was ich bin. Ich erinnere mich, dass ich ihr schrieb, dass wir da rausm\u00fcssen \u2013 nicht nur f\u00fcr die Pal\u00e4stinenser, sondern wegen der furchtbaren und brutalen Auswirkungen, die all das auf uns, auf die israelische Gesellschaft haben w\u00fcrde. Sie schrieb zur\u00fcck: \u201eDu hast recht. Ich habe einen neuen Freund.\u201c<\/p>\n\n\n\n

Felix Klein wurde als Beauftragter der Bundesregierung berufen<\/a>, um die Auswirkungen des zunehmenden Antisemitismus in unserer Gesellschaft, in Deutschland, zu bek\u00e4mpfen. Was nicht in seiner Jobbeschreibung steht, ist, dass er dabei unsere Gesellschaft heilen muss, jene Gesellschaft, die diese Form des Hasses reproduziert und sch\u00fctzt. Klein hat das begriffen.<\/p>\n\n\n\n

Er versteht, dass man Krebs nicht mit einem Pflaster verarztet, er wei\u00df, dass er das Bewusstsein der Deutschen sch\u00e4rfen und Diskussionen ansto\u00dfen muss. Er hat begriffen, dass das Problem nicht nur an den R\u00e4ndern der Gesellschaft (bei den Rechten) liegt, sondern auch in ihrer Mitte. Dort, wo gebildete Menschen nicht einmal bemerken, dass das, was sie sagen und tun, antisemitisch ist. So wie sie es auch nicht merken, wenn sie rassistisch handeln. Er hat all das verstanden, und genau deshalb wollen einige, dass er seinen Posten r\u00e4umt.<\/p>\n\n\n\n

Mehr als 60 deutsche und israelische Intellektuelle haben letzte Woche in einem Brief an Kanzlerin Merkel<\/a> dar\u00fcber geklagt, dass der aktuelle \u201eGebrauch des Antisemitismusbegriffs\u201c darauf abziele, \u201elegitime Kritik an der israelischen Regierungspolitik zu unterdr\u00fccken\u201c, und Klein vorgeworfen, rechtspopulistische israelische Stimmen zu f\u00f6rdern.<\/p>\n\n\n\n

Faszinierend an diesem offenen Brief ist, dass viele der Unterzeichneten keine Deutschen sind und auch nicht in Deutschland leben. Ich wei\u00df nicht, woher sie \u2013 die meisten von ihnen sind Israelis \u2013 die Chuzpe haben, sich in eine innerdeutsche Angelegenheit einzumischen und zu fordern, eine Person zu entlassen, die von der Bundesregierung eingesetzt wurde. Die H\u00e4lfte der Unterzeichneten lebt nicht hier, von der anderen H\u00e4lfte sind viele keine Juden \u2013 somit sind die allermeisten von ihnen nicht direkt vom Antisemitismus in Deutschland betroffen. Wie also k\u00f6nnen sie diesen Brief unterschreiben? Und warum eigentlich haben so wenige Deutsche unterschrieben? Dazu komme ich gleich.<\/p>\n\n\n\n

Debatte um Achille Mbembe<\/h6>\n\n\n\n

Hintergrund des Briefs war, dass Felix Klein gefordert hatte, den Philosophen Achille Mbembe<\/a> nicht die Er\u00f6ffnungsrede der Ruhrtriennale halten zu lassen. Als mit \u00f6ffentlichen Mitteln gef\u00f6rdertes Event solle die Ruhrtriennale Mbembe wegen seiner Haltung zu Israels Existenzrecht, seiner Haltung zu BDS und der Art, wie er in einem seiner Werke den Holocaust relativiert, nicht einladen.<\/p>\n\n\n\n

Mbembes Unterst\u00fctzer sagen, keine dieser Anschuldigungen sei wahr. F\u00fcrs Protokoll: In meinen Augen unterst\u00fctzt Mbembe sehr wohl BDS<\/a>, er schrieb unter anderem das Vorwort zu \u201eApartheid Israel\u201c und fordert die komplette Isolation Israels. Ich glaube auch, wenn Mbembe schreibt, die israelische Besetzung sei der \u201egr\u00f6\u00dfte moralische Skandal unserer Zeit\u201c, zeigt das, dass sein moralischer und geografischer Kompass etwas schief ist.<\/p>\n\n\n\n

Doch warum treibt die Debatte so viele Menschen um? Nun, zun\u00e4chst gibt niemand gern auf, was ihm oder ihr selbstverst\u00e4ndlich scheint. \u00dcber den gesamten politischen, sozialen, kulturellen, medialen und akademischen Sektor hinweg sind Menschen daran gew\u00f6hnt, so schlecht \u00fcber Israel sprechen zu k\u00f6nnen, wie auch immer sie wollen.<\/p>\n\n\n\n

Der Spiegel<\/em> hat \u2013 vielleicht in Anlehnung an seine Relotius-Standards, Israel erst k\u00fcrzlich eine Corona-Diktatur genannt. Fakten und Belege f\u00fcr diese Behauptung gab es nicht. Doch Millionen Deutsche haben es gelesen, und es wird nat\u00fcrlich haften bleiben. Faktenlage hin oder her. Der Spiegel<\/em> und andere Medien haben dieses Spiel perfektioniert: Titel so zu drehen, dass sie Israel indirekt anklagen, die Idee zu streuen, der Mossad kon\u00adtrol\u00adliere die deutsche Au\u00dfenpolitik im Nahen Osten, und so fort. Doch sie stehen allesamt sofort auf den Hinterbeinen, wenn jemand es wagt, das Spiel beim Namen zu nennen: moderner Antisemitismus.<\/p>\n\n\n\n

Klein will dem entgegenwirken. Er versteht, dass antisemitische Attacken in Deutschland die Fr\u00fcchte solch falsch gezeichneter Bilder und eindimensionaler Narrative \u00fcber Israel sind. Wenn er und andere versuchen, ein anderes Narrativ aufzuzeigen, wirft man ihnen Zensur vor: Wie k\u00f6nnen sie es wagen, das Gesch\u00e4ft der Anti-Israel-Propaganda zu st\u00f6ren?<\/p>\n\n\n\n

Liebe Deutsche, wenn ihr reden wollt, lasst uns gern reden: \u00fcber die Besetzung, \u00fcber Bibi und alles, was schiefl\u00e4uft. Aber dann lasst uns bitte auch dar\u00fcber reden, wie deutsche Steuergelder Terrortunnel finanzieren. Erst vergangene Woche r\u00e4umte die niederl\u00e4ndische Regierung ein, dass Gelder an eine Landwirtschaftsorganisation in Ramallah geflossen seien, die damit teilweise die Geh\u00e4lter zweier des Mordes an der 17-j\u00e4hrigen Israelin Rina Shnerb Verd\u00e4chtiger gezahlt haben. Auch die Bundesregierung unterst\u00fctzt diese Organisation, obwohl Kritiker schon lange vor Verbindungen zu Terroristen warnen.<\/p>\n\n\n\n

Wir k\u00f6nnen uns also gerne unterhalten \u2013 aber im Dialog, nicht in Monologen. Denn Reden unter Menschen, die sich einig sind, ist nichts anderes als Impotenz.<\/p>\n\n\n\n

Israelkritik als Eintrittskarte<\/h6>\n\n\n\n

Die Israelis, die die Petition unterzeichnet haben, haben \u00fcbrigens ebenfalls etwas verstanden. Seit Jahren wissen sie: Es ist ihre Eintrittskarte in die Mitte der deutschen (und europ\u00e4ischen) Gesellschaft. Man h\u00f6rt nicht oft von Akademikern mit proisraelischen Ansichten. Weder in den Philharmonie-Orchestern noch in der Kunstszene. Die Eintrittskarte daf\u00fcr ist ein antiisraelischer Standpunkt.<\/p>\n\n\n\n

Der mutma\u00dfliche Grund, warum kaum Deutsche die Petition unterzeichnet haben: Sie mussten es nicht. Ihre Lieblingsjuden haben es f\u00fcr sie getan. Jetzt k\u00f6nnen sie sagen: \u201eSchau, ich bin das ja nicht, meine j\u00fcdischen Freunde sagen es.\u201c Ich selbst war einige Jahre lang mit einem Paar hier in Berlin befreundet, bis ich herausfand, dass ich ihr Lieblingsjude war. Ja, selbst das j\u00fcdische Museum wurde so genutzt.<\/p>\n\n\n\n

Weil Attacken gegen Juden ein absolutes Tabu sind, wurden Umwege gefunden, um den Antisemitismus auf kleiner Flamme k\u00f6cheln zu lassen: die unfundierte, unbegr\u00fcndete Kritik an Israel.<\/p>\n\n\n\n

Diese Art der Kritik ist gef\u00e4hrlich. Sie schw\u00e4cht jede begr\u00fcndete und notwendige Kritik am Verhalten Israels. Und das Interessante ist: Trotz all der heftigen, pauschalisierenden Anklagen, all der offenen Briefe driftet Israel politisch immer weiter nach rechts. Doch statt mal einen anderen Ansatz zu versuchen, werden die antiisraelischen Stimmen nur lauter. Dasselbe versuchen und andere Ergebnisse davon erwarten \u2013 das ist die Definition von Wahnsinn.<\/p>\n\n\n\n

Kurz bevor der Prozess gegen den wegen des Attentats von Halle<\/a> Angeklagten begann \u2013 des seit Kriegsende schlimmsten Akts von Antisemitismus in Deutschland \u2013, lud eine Lokalzeitung den fr\u00fcheren Botschafter Shimon Stein und den Historiker Moshe Zimmermann ein, dar\u00fcber zu schreiben, was Antisemitismus ist. Nat\u00fcrlich wendeten auch sie sich gegen Felix Kleins Ansatz. Sie zitieren die Kontroverse um die Umbenennung der U-Bahn-Station Mohrenstra\u00dfe in Glinkastra\u00dfe, die sich darum drehte, dass der russische Komponist Michael Glinka Antisemit gewesen sein soll. Stein und Zimmermann halten die Debatte f\u00fcr \u00fcberzogen, Glinka sei nur ein Kind seiner Zeit gewesen. Folgt man ihrer Logik, k\u00f6nnen wir dann also in 20 oder 30 Jahren U-Bahn-Stationen nach den Kindern der 1930er Jahre benennen?<\/p>\n\n\n\n

Der Antisemit als Tierfreund<\/h6>\n\n\n\n

Ich w\u00fcnschte, die Sache h\u00e4tte mit dem Artikel, mit der Petition geendet. Doch dann erschien ein Artikel, der den Leser auf einen Waldspaziergang mit einem veganen Koch und Antisemiten mitnahm. Darin setzt der Tierfreund erst behutsam einen K\u00e4fer wieder auf seine Beinchen und erkl\u00e4rt dann, dass die Todesstrafe in Deutschland wieder eingef\u00fchrt werden solle, um einen gewissen Politiker (der zuf\u00e4llig pro Israel ist) an seinen Hoden aufh\u00e4ngen zu k\u00f6nnen. Dieser Koch hat Hunderttausende Follower, er sagt all solche Dinge am helllichten Tag in Berlin. Und in den Medien.<\/p>\n\n\n\n

F\u00e4lle wie dieser handeln bereits von Gewalt \u2013 und sie enden nicht bei den Juden. Der Hass richtet sich gegen Frauen<\/a>, Muslime, Gefl\u00fcchtete, \u00adLBTQI. Am Ende aller theoretischen Debatten stehen immer echte Menschen. Am Ende jeder Konferenz dar\u00fcber, was Antisemitismus ausmacht, steht ein potenzielles j\u00fcdisches Opfer. Angesichts einer Welle von Antisemitismus \u00fcber die Definition von Antisemitismus zu streiten ist, wie eine 10 Meter hohe Welle heranrollen zu sehen und dar\u00fcber zu streiten, was einen Tsunami ausmacht.<\/p>\n\n\n\n

Felix Klein versteht, wie absurd es ist, zu sagen: Es sind nur die Rechten. Die Rechten sind Deutsche, so wie die Nazis Deutsche waren. Klein versteht, dass die Deutschen nicht aufgeh\u00f6rt haben, Juden zu ermorden, weil sie irgendeine Art von Erleuchtung hatten. Sondern schlicht, weil sie den Krieg verloren haben. Um den Antisemitismus zu bek\u00e4mpfen, bevor er die Gesellschaft frisst, in der er und wir leben, muss Deutschland seinen moralischen Kompass korrigieren.<\/p>\n\n\n\n

Immerhin: Mehr und mehr Deutsche fahren nach Israel, sie wollen ein anderes Narrativ h\u00f6ren. Mehr und mehr Deutsche verstehen, dass Antisemitismus Schockwellen ausl\u00f6st, die die gesamte Gesellschaft betreffen. In einem normalen Universum w\u00fcrde Klein bef\u00f6rdert werden f\u00fcr seine Leistung. In einer verdrehten Gesellschaft fordern Menschen seine Entlassung. Um es mit Mbembe zu sagen: Das ist Nano-Nonsens.<\/p>\n\n\n\n

\u00dcbersetzung: Ariane Lemme<\/a><\/em><\/p>\n","post_title":"Felix Klein hat verstanden","post_excerpt":"","post_status":"publish","comment_status":"closed","ping_status":"closed","post_password":"","post_name":"felix-klein-hat-verstanden","to_ping":"","pinged":"","post_modified":"2025-02-02 08:39:39","post_modified_gmt":"2025-02-02 08:39:39","post_content_filtered":"","post_parent":0,"guid":"https:\/\/dctransparency.com\/?p=3786","menu_order":0,"post_type":"post","post_mime_type":"","comment_count":"0","filter":"raw"}],"next":false,"prev":true,"total_page":47},"paged":1,"column_class":"jeg_col_2o3","class":"epic_block_3"};

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Sie forderten die britische Regierung au\u00dferdem auf, ihr Engagement f\u00fcr eine friedliche L\u00f6sung des Streits zu bekr\u00e4ftigen, und baten um die Zusicherung, dass sie die derzeitige Blockade durch Saudi-Arabien, die seit 2017 besteht, nicht unterst\u00fctzt.<\/p>\n\n\n\n

Eine Gruppe von Abgeordneten folgte ihren britischen Kollegen und \u00e4u\u00dferte Bedenken hinsichtlich der m\u00f6glichen saudischen Pl\u00e4ne, in Katar einzudringen.<\/p>\n\n\n\n

In letzter Zeit wurden mehrere \u00f6ffentliche Erkl\u00e4rungen und Tweets zu diesem Thema abgegeben. Der italienische Europaabgeordnete Fulvio Martusciello \u00e4u\u00dferte letzte Woche Bedenken und forderte sofortige Ma\u00dfnahmen, um eine k\u00fcnftige Eskalation einzud\u00e4mmen. Er twitterte: \u201eSehr besorgt und alarmiert dar\u00fcber, dass Saudi-Arabien erwogen hat, in Katar einzudringen. Dies wird v\u00f6llig abgelehnt und gef\u00e4hrdet die Stabilit\u00e4t in der Golfregion und im Nahen Osten. Die EU muss sich gegen alle Versuche von KSA und VAE behaupten, souver\u00e4ne Staaten anzugreifen. #GulfPeace. \"<\/p>\n\n\n\n

Dar\u00fcber hinaus haben mehrere Abgeordnete wie Urmas Paet, Hilde Vautmans, Malik Azmani und Bart Groothuis an den Vizepr\u00e4sidenten der Kommission und den Hohen Vertreter der Union f\u00fcr Au\u00dfen- und Sicherheitspolitik geschrieben.<\/p>\n\n\n\n

Die Gruppe sagte: \u201eAm 6. August 2020 wurde \u00f6ffentlich bekannt, dass w\u00e4hrend eines offiziellen Aufrufs am 6. Juni 2017 zwischen dem US-Pr\u00e4sidenten Donald Trump und dem saudi-arabischen K\u00f6nig Salman ein Vorschlag zur Invasion Katars vorgelegt wurde . Die US-Regierung lehnte den saudischen Vorschlag sofort ab und forderte die formelle Vermittlung durch die kuwaitischen Beh\u00f6rden im Rahmen des Golf-Kooperationsrates. \u201c<\/p>\n","post_title":"Europ\u00e4ische Politiker verurteilen saudische Pl\u00e4ne, in Katar einzudringen","post_excerpt":"","post_status":"publish","comment_status":"closed","ping_status":"closed","post_password":"","post_name":"europaische-politiker-verurteilen-saudische-plane-in-katar-einzudringen","to_ping":"","pinged":"","post_modified":"2025-02-02 08:39:39","post_modified_gmt":"2025-02-02 08:39:39","post_content_filtered":"","post_parent":0,"guid":"https:\/\/dctransparency.com\/?p=3818","menu_order":0,"post_type":"post","post_mime_type":"","comment_count":"0","filter":"raw"},{"ID":3811,"post_author":"7","post_date":"2020-08-28 13:33:59","post_date_gmt":"2020-08-28 13:33:59","post_content":"\n

Die BBC <\/a>hat neue Beweise daf\u00fcr gefunden, dass eine von den Vereinigten Arabischen Emiraten (VAE) betriebene Drohne im Januar 2020 26 unbewaffnete Kadetten an einer Milit\u00e4rakademie in der libyschen Hauptstadt Tripolis get\u00f6tet hat.<\/p>\n\n\n\n

Zum Zeitpunkt des Streiks am 4. Januar wurde Tripolis von der selbsternannten libyschen Nationalarmee (LNA) belagert.<\/p>\n\n\n\n

Es hat die Verantwortung f\u00fcr den Angriff abgelehnt und vermutet, dass die Kadetten durch Beschuss vor Ort get\u00f6tet wurden.<\/p>\n\n\n\n

Es gibt jedoch Hinweise darauf, dass die Kadetten von einer chinesischen Blue Arrow 7-Rakete getroffen wurden.<\/p>\n\n\n\n

Dies wurde von einer Drohne namens Wing Loong II abgefeuert, und die Untersuchung von BBC Africa Eye und BBC Arabic Documentaries ergab auch Hinweise darauf, dass Wing Loong II-Drohnen zum Zeitpunkt des Streiks nur von einem libyschen Luftwaffenst\u00fctzpunkt aus operierten - al-Khadim - und dass die VAE die dort stationierten Drohnen geliefert und betrieben haben.<\/p>\n\n\n\n

\"\"<\/figure>\n\n\n\n

Die VAE haben zuvor die milit\u00e4rische Beteiligung in Libyen verweigert und sagen, sie unterst\u00fctzen den UN-Friedensprozess. Es antwortete nicht auf die Bitte der BBC um einen Kommentar.<\/p>\n\n\n\n

Was ist mit diesen Kadetten passiert?<\/strong><\/p>\n\n\n\n

Kurz nach 21:00 Uhr am 4. Januar 2020 f\u00fchrten rund 50 Kadetten Routine\u00fcbungen an einer Milit\u00e4rakademie im S\u00fcden von Tripolis durch.<\/p>\n\n\n\n

Ohne Vorwarnung detonierte eine Explosion in der Mitte der Gruppe und lie\u00df 26 Kadetten tot oder auf dem Exerzierplatz sterben. Viele waren noch Teenager. Keiner von ihnen war bewaffnet.

Einer der \u00dcberlebenden war der 20-j\u00e4hrige Abdul Moeen.<\/p>\n\n\n\n

Er war in der Akademie, als der Streik eintraf. \"Es war unbeschreiblich\", sagte er der BBC.<\/p>\n\n\n\n

\"Wir haben gesehen, wie unsere Kollegen starben, ihren letzten Atemzug machten und wir konnten nichts tun ... Es gab Leute, deren Oberk\u00f6rper von ihren K\u00f6rpern getrennt waren. Es war ein schreckliches Verbrechen, ein Verbrechen, das nichts mit der Menschheit zu tun hat. \"\"<\/p>\n\n\n\n

Sieben Monate nach dem Streik hat niemand die Verantwortung f\u00fcr die T\u00f6tung dieser jungen M\u00e4nner eingestanden.<\/p>\n\n\n\n

Die LNA unter Gen Khalifa Haftar bestritt, dass sie hinter dem Streik steckt, und teilte der Presse mit, dass die Explosion m\u00f6glicherweise durch eine lokal abgefeuerte M\u00f6rsergranate oder einen Angriff innerhalb der Akademie verursacht worden sei.<\/p>\n\n\n\n

Was hat die BBC gefunden?<\/strong><\/p>\n\n\n\n

Die Untersuchung ergab Hinweise darauf, dass eine viel ausgefeiltere Waffe verwendet wurde.<\/p>\n\n\n\n

\"\"<\/figure>\n\n\n\n

Die BBC betrachtete Bilder des Splitters, der nach dem Streik auf dem Exerzierplatz zur\u00fcckgelassen wurde, und kam zu dem Schluss, dass er mit den Komponenten einer Rakete namens Blue Arrow 7 \u00fcbereinstimmte.<\/p>\n\n\n\n

Unsere Analyse ergab, dass nur ein Flugzeug, das im Januar 2020 \u00fcber Tripolis operierte, diese Waffe abfeuern konnte - eine Drohne namens Wing Loong 2.<\/p>\n\n\n\n

Nur drei Wochen vor diesem Streik kamen die Vereinten Nationen zu dem Schluss, dass der Blaue Pfeil 7 \"ballistisch gepaart ist, um vom Wing Loong II geliefert zu werden ... und von keinem anderen in Libyen bisher identifizierten Luftfahrtgut\".<\/p>\n\n\n\n

Die BBC untersuchte auch, woher diese Drohne stammen k\u00f6nnte, und fand Hinweise darauf, dass Wing Loong-Drohnen zum Zeitpunkt des Angriffs nur von einem libyschen Luftwaffenst\u00fctzpunkt aus operierten: al-Khadim im von der LNA kontrollierten Ostlibyen.<\/p>\n\n\n\n

Sowohl die BBC als auch die UN haben Beweise daf\u00fcr gefunden, dass Drohnen, die von diesem Luftwaffenst\u00fctzpunkt aus operieren, zu den Vereinigten Arabischen Emiraten geh\u00f6ren.<\/p>\n\n\n\n

Im Jahr 2019 stellte die UNO fest, dass die VAE durch den Versand von Wing Loong-Drohnen und Blue Arrow 7-Raketen nach Libyen gegen das seit 2011 geltende UN-Waffenembargo gegen das Land versto\u00dfen hatten.<\/p>\n\n\n\n

Die BBC fand auch ein Waffenregister, aus dem hervorgeht, dass die VAE 2017 15 Wing Loong-Drohnen und 350 Blue Arrow 7-Raketen gekauft haben.<\/p>\n\n\n\n

Was hat die BBC noch aufgedeckt?<\/strong><\/p>\n\n\n\n

<\/p>\n\n\n\n

Die BBC-Untersuchung ergab auch neue Beweise daf\u00fcr, dass \u00c4gypten den VAE erlaubt, \u00e4gyptische Milit\u00e4rflugpl\u00e4tze nahe der libyschen Grenze zu nutzen.<\/p>\n\n\n\n

Im Februar 2020 scheinen die in Libyen stationierten Wing Loong II-Drohnen \u00fcber die Grenze nach \u00c4gypten zu einem Luftwaffenst\u00fctzpunkt in der N\u00e4he von Siwa in der west\u00e4gyptischen W\u00fcste gebracht worden zu sein.<\/p>\n\n\n\n

Satellitenbilder zeigen auch, dass ein zweiter \u00e4gyptischer Milit\u00e4rflugplatz, Sidi Barrani, als Einsatzbasis f\u00fcr Mirage 2000-Kampfflugzeuge verwendet wurde, die in Farben lackiert sind, die nicht von der \u00e4gyptischen Luftwaffe verwendet werden, aber genau den von den VAE geflogenen Jets entsprechen .<\/p>\n\n\n\n

Dies ist das gleiche Flugzeugmodell, das von den Vereinten Nationen in einen Luftangriff auf ein Migrationszentrum \u00f6stlich von Tripolis im Juli 2019 verwickelt wurde, bei dem 53 Menschen get\u00f6tet wurden.<\/p>\n\n\n\n

Ausl\u00e4ndischer Jet bei libyschem Migrantenangriff verd\u00e4chtigt<\/p>\n\n\n\n

Sidi Barrani ist auch das Ziel f\u00fcr mehrere Frachtflugzeuge, die von den Vereinigten Arabischen Emiraten gestartet sind, und schl\u00e4gt eine Luftbr\u00fccke f\u00fcr Ausr\u00fcstung oder Lieferungen zwischen den Vereinigten Arabischen Emiraten und einer Milit\u00e4rbasis vor, die nur 80 km von der libyschen Grenze entfernt liegt.<\/p>\n\n\n\n

Die \u00e4gyptische Regierung antwortete nicht auf die Bitte der BBC um Stellungnahme.<\/p>\n\n\n\n

Ist ausl\u00e4ndisches milit\u00e4risches Engagement \u00fcberraschend?<\/strong><\/p>\n\n\n\n

Sowohl die Vereinigten Arabischen Emirate als auch \u00c4gypten nahmen an einer von Bundeskanzlerin Angela Merkel im Januar dieses Jahres in Berlin einberufenen Konferenz \u00fcber Libyen teil, auf der sie ihre Unterst\u00fctzung f\u00fcr den UN-Friedensprozess bekr\u00e4ftigten und sich bereit erkl\u00e4rten, nicht in den Libyen-Krieg einzugreifen.<\/p>\n\n\n\n

Im vergangenen Jahr gab es jedoch eine Eskalation des Einsatzes von Drohnen durch beide Seiten des Konflikts.<\/p>\n\n\n\n

Ghassan Salam\u00e9, der fr\u00fchere Leiter der UN-Mission in Libyen, beschrieb dies als \"m\u00f6glicherweise das gr\u00f6\u00dfte Drohnenkriegstheater der Welt\".<\/p>\n\n\n\n

Die VAE sind nicht die einzige ausl\u00e4ndische Macht, die an diesem Konflikt beteiligt ist.<\/p>\n\n\n\n

Anfang dieses Jahres gab BBC Africa Eye bekannt, dass die T\u00fcrkei auch gegen das Waffenembargo der Vereinten Nationen gegen Libyen versto\u00dfen hat, indem sie geheime Waffenlieferungen an die von den Vereinten Nationen anerkannte Regierung in Tripolis gesendet hat.<\/p>\n\n\n\n

Mit Unterst\u00fctzung der T\u00fcrkei hat die von den Vereinten Nationen anerkannte Regierung des Nationalen Abkommens nun die LNA von Gen Haftar aus der Gegend um Tripolis zur\u00fcckgeschlagen.<\/p>\n","post_title":"BBC-Untersuchung: VAE in t\u00f6dlichen Angriff in Libyen verwickelt","post_excerpt":"","post_status":"publish","comment_status":"closed","ping_status":"closed","post_password":"","post_name":"bbc-untersuchung-vae-in-todlichen-angriff-in-libyen-verwickelt","to_ping":"","pinged":"","post_modified":"2025-02-02 08:39:39","post_modified_gmt":"2025-02-02 08:39:39","post_content_filtered":"","post_parent":0,"guid":"https:\/\/dctransparency.com\/?p=3811","menu_order":0,"post_type":"post","post_mime_type":"","comment_count":"0","filter":"raw"},{"ID":3792,"post_author":"7","post_date":"2020-08-14 13:58:48","post_date_gmt":"2020-08-14 13:58:48","post_content":"\n

Die Hagia Sophia war (ist) ein kulturelles Weltwunder und aufgeladen mit symbolischer Bedeutung, f\u00fcr die Christenheit ebenso wie f\u00fcr den Islam \u2013 und den t\u00fcrkischen Nationalismus. Als Mehmed II. sie betrat, war sie schon fast 1000 Jahre die gr\u00f6\u00dfte Kirche der christlichen Welt und das Zentrum der orthodoxen Glaubensrichtung. Die \"Ayasofya\", wie sie dann hie\u00df, war 500 Jahre lang Moschee \u2013 bis 1934, als Kemal Pascha Atat\u00fcrk, der \"Vater\" der modernen T\u00fcrkei, sie in ein Museum verwandelte, in der ausdr\u00fccklichen Absicht, auch hier mit dem osmanischen Erbe zu brechen.<\/p>\n\n\n\n

Nun wird Pr\u00e4sident Recep Tayyip Erdo\u011fan, der \"Vater\" der re-islamisierten T\u00fcrkei, am 24. Juli dieses Jahres die Ayasofya durch das Freitagsgebet wieder in den Islam eingliedern. Oder eher in seinen pers\u00f6nlichen religi\u00f6sen Nationalismus.<\/p>\n\n\n\n

Welterbe von allen<\/h3>\n\n\n\n

Wie bedeutungsschwer ist dieser Akt eines \"starken Mannes\", der innenpolitisch deutlich schw\u00e4chelt? Die Proteste vor allem aus der orthodoxen Welt, aber auch aus Europa und den USA sind eher traurig als w\u00fctend. Der Papst dr\u00fcckte seinen \"Schmerz\" aus. Auch der Jubel in der islamischen Welt fiel zun\u00e4chst weniger \u00fcbersch\u00e4umend als erwartet aus.<\/p>\n\n\n\n

Ist es der Alleingang eines Autokraten in Bedr\u00e4ngnis oder ist \"der Jubel \u00fcber die Eroberung der Hagia Sophia der Versuch einer zutiefst erniedrigten, vom Gef\u00fchl der Wertlosigkeit dominierten und in ihrer eigenen Selbstberechtigung beraubten Gesellschaft, eine Bedeutung, eine St\u00e4rke, ein Selbstwertgef\u00fchl zu finden\"? So recht pauschalierend der in Deutschland lebende pal\u00e4stinensische Intellektuelle und Psychiater Ahmad Mansour.<\/p>\n\n\n\n

Die beiden Gro\u00dfreiche, das byzantinische und das osmanische, sind l\u00e4ngst versunken.<\/p><\/blockquote>\n\n\n\n

Das eigentliche Schl\u00fcsselwort im Zusammenhang mit der Hagia Sofia ist \"Welterbe\". Das Erbe von allen. Einmal im kulturellen Sinn der Unesco, aber in Wahrheit weiter gefasst. Das einzigartige Bauwerk geh\u00f6rt in Wirklichkeit der ganzen Welt, nicht der einen oder anderen Religion. Die beiden Gro\u00dfreiche, f\u00fcr die die Hagia Sofia der zentrale spirituelle Bau war, das byzantinische und das osmanische, sind l\u00e4ngst versunken. Seither hat sie eine neue, \u00fcbernationale Dimension erhalten. Was Erdo\u011fan da jetzt mit der Hagia Sofia macht, ist eine Verengung und Verarmung eines gemeinsamen Welterbes.<\/p>\n\n\n\n

\"\"\/
Betende Muslime vor der Hagia Sophia.<\/figcaption><\/figure>\n\n\n\n

Davon abgesehen aber war und ist sie ein architektonisches Meisterwerk und geh\u00f6rt zu den bedeutendsten Bauten der Welt. Wer heute den Zentralraum unter der Kuppel betritt, kann sich nur schwer dem zugleich majest\u00e4tischen wie schwebenden Gesamteindruck entziehen. Die Hagia Sophia blieb fast 1000 Jahre die gr\u00f6\u00dfte Kirche der Christenheit. Technisch war die Kuppel (mit mehreren Halbkuppeln) eine \u00fcberaus riskante Innovation: Die 55 Meter hohe und 32 Meter im Durchmesser breite Kuppel ruht auf nur vier Tragpunkten, was den schwebenden, schwerelosen Eindruck erzeugt. Die Konstruktion folgt einem mathematischen Prinzip, das erst k\u00fcrzlich entschl\u00fcsselt wurde.<\/p>\n\n\n\n

\"Salomo, ich habe dich \u00fcbertroffen!\"<\/p><\/blockquote>\n\n\n\n

Als Kaiser Justinian die Hagia Sophia nach nur f\u00fcnf Jahren Bauzeit (532\u2013537) betrat, soll er in Anspielung auf den Tempel in Jerusalem ausgerufen haben: \"Salomo, ich habe dich \u00fcbertroffen!\" Die Innenausstattung war mit ihren S\u00e4ulen aus Porphyr und gr\u00fcnem Marmor, mit Mosaiken aus Gold und Halbedelsteinen derart prunkvoll, der Gesamteindruck derart \u00fcberirdisch, dass eine Delegation des Gro\u00dff\u00fcrsten von Kiew nicht mehr wusste, \"ob wir im Himmel oder auf der Erde\" waren \u2013 was die Christianisierung Russlands bef\u00f6rderte.<\/p>\n\n\n\n

Der deutsche Architekturlehrer Holger Kleine nennt die Hagia Sophia \"absolute Architektur\", weil sie \"extreme Ausdrucksformen nahezu aller dramaturgischen Mittel, die der Architektur zur Verf\u00fcgung stehen, vereinigt: wuchtigste K\u00f6rper und luftigste R\u00e4ume, engste Enge und gr\u00f6\u00dfte Weite, w\u00e4rmende Helligkeit und mystisches Dunkel\". Und die Kuppelbauten aus der sp\u00e4teren Hochbl\u00fcte der Moscheenarchitektur im 16. und 17. Jahrhundert gehen eindeutig auf die Hagia Sophia zur\u00fcck.<\/p>\n\n\n\n

Die Hagia Sophia war Staatskirche des byzantinischen Reichs. F\u00fcr die Eroberer der letzte Schlussstein in der Kuppel osmanisch-muslimischen Herrschaftsanspruchs. Konstantinopel war ja 1453 nur noch eine isolierte, heruntergekommene Enklave in einem osmanischen Umfeld, kein christliches Heer kam zu Hilfe. Doch vorher war es zugleich Sperrriegel nach Osten und Geistesarchiv der antiken Kultur gewesen. \"Ohne Byzanz h\u00e4tte es kein Europa gegeben\", sagt die britische Altertumsforscherin Judith Herrin.<\/p>\n\n\n\n

\"\"\/
Freigelegtes Mosaik von \"Christos Pantokrator\".<\/figcaption><\/figure>\n\n\n\n

Neue Fragen<\/h3>\n\n\n\n

Die Kirche wurde von Mehmed II. und Nachfolgern nicht in der Substanz zerst\u00f6rt, sondern \"entchristlicht\". Die urspr\u00fcnglich \u00fcbert\u00fcnchten oder auch abgeschlagenen Mosaiken mit den Darstellungen von Christus, der Muttergottes, diversen Kaisern kamen zum Teil schon unter einem Sultan des 19. Jahrhunderts, dann gro\u00dfteils nach der Museumswidmung wieder zum Vorschein.<\/p>\n\n\n\n

Jetzt stellen sich neue symbolisch-praktische Fragen. Erdo\u011fan hat die Hagia Sophia der konservativen staatlichen Religionsbeh\u00f6rde Diyanet unterstellt. Die byzantinischen Mosaike, wie der gro\u00dfartige \"Christos Pantokrator\" (\"Weltenherrscher\") oder die Jungfrau Maria in der Apsis, m\u00fcssen wohl w\u00e4hrend des islamischen Gottesdiensts verh\u00e4ngt werden. Muss der Boden mit seinen Marmorplatten und Mosaiken mit einem Teppich bedeckt werden? Erdo\u011fan sagt, Touristen seien nach wie vor zugelassen. Aber sie werden wohl hinter Absperrungen bleiben m\u00fcssen. Frauen werden \u2013 wie in der benachbarten \"Blauen Moschee\" (\"Sultanahmed\") Kopftuch tragen m\u00fcssen.<\/p>\n\n\n\n

\"\"\/
Erdo\u011fan mit Gattin in der Hagia Sophia.<\/figcaption><\/figure>\n\n\n\n

Erdo\u011fans neue Abenteuer<\/strong><\/h3>\n\n\n\n

Aber wird da nicht doch zu viel in einen Formalakt rund um ein uraltes Bauwerk hineininterpretiert? Im geschichtlichen Kontext relativiert sich manches: Konstantinopel wurde schon von Christen erobert und ausgepl\u00fcndert \u2013 1204 im Vierten Kreuzzug. In der Moschee von Cordoba (\"Mezquita\") bauten die Katholiken eine ganze Kirche in den ber\u00fchmten S\u00e4ulenwald hinein. Die Mezquita ist heute noch Kirche, kein Museum.<\/p>\n\n\n\n

\"Das ist der Beweis, dass wir kein s\u00e4kularer Staat mehr sein wollen\", sagt Nobelpreistr\u00e4ger Orhan Pamuk. Erdo\u011fan betrachtet sich offenbar als auch neoosmanischer \"Fatih\" im Mittelmeerraum mit immer neuen Abenteuern: Eingreifen in Syrien, Stellvertreterkrieg in Libyen, Anspr\u00fcche auf Erdgasvorkommen weit vor der t\u00fcrkischen K\u00fcste bei Zypern, Reden, wonach manche \u00c4g\u00e4is-Inseln eigentlich zur T\u00fcrkei geh\u00f6ren, \"denn dort stehen unsere Moscheen\". Manches davon ist nur Rhetorik, aber genug anderes ist riskante Realit\u00e4t. (Hans Rauscher, 14.7.2020)<\/p>\n\n\n\n

Quelle<\/a><\/strong><\/p>\n","post_title":"Hagia Sophia: Verengung und Verarmung eines Welterbes","post_excerpt":"","post_status":"publish","comment_status":"closed","ping_status":"closed","post_password":"","post_name":"hagia-sophia-verengung-und-verarmung-eines-welterbes","to_ping":"","pinged":"","post_modified":"2025-02-02 08:39:39","post_modified_gmt":"2025-02-02 08:39:39","post_content_filtered":"","post_parent":0,"guid":"https:\/\/dctransparency.com\/?p=3792","menu_order":0,"post_type":"post","post_mime_type":"","comment_count":"0","filter":"raw"},{"ID":3789,"post_author":"7","post_date":"2020-08-14 13:56:07","post_date_gmt":"2020-08-14 13:56:07","post_content":"\n

Im Gastkommentar pocht Mark Leonard, Direktor des Europ\u00e4ischen Rats f\u00fcr Ausw\u00e4rtige Beziehungen, auf \"neue, einvernehmlich vereinbarte Prinzipien sowie klare Grenzen\", nur so k\u00f6nne eine weitere Destabilisierung in der Region verhindert werden.<\/em><\/strong><\/p>\n\n\n\n

Ist die T\u00fcrkei das neue Russland? Diese Frage wird in den europ\u00e4ischen Hauptst\u00e4dten zunehmend gestellt, da die Au\u00dfenpolitik des t\u00fcrkischen Pr\u00e4sidenten Recep Tayyip Erdo\u011fan zunehmend aggressiver wird. Erdo\u011fan nutzt nicht nur die Migration, um die EU zu bedrohen und zu betr\u00fcgen, sondern setzt auch milit\u00e4rische Macht ein, um den Einflussbereich der T\u00fcrkei auf die gesamte Region auszudehnen.<\/p>\n\n\n\n

Seit dem Ende des Kalten Krieges haben die Europ\u00e4er die regionale Sicherheit durch eine unipolare westliche Linse betrachtet. W\u00e4hrend die Nato die milit\u00e4rische Sicherheit garantierte, sorgte die EU mit ihrem 80.000 Seiten starken Regelwerk f\u00fcr alles von LGBTQ-Rechten bis hin zu Rasenm\u00e4her-Sound-Verordnungen f\u00fcr Rechtsordnung. In den 90er-Jahren ging man allgemein davon aus, dass die beiden gro\u00dfen nichtwestlichen regionalen Akteure, Russland und die T\u00fcrkei, nach und nach an diese Regelungen herangef\u00fchrt werden w\u00fcrden.<\/p>\n\n\n\n

Qu\u00e4lende Hassliebe<\/h3>\n\n\n\n

Doch in den letzten 15 Jahren ist der Traum von der europ\u00e4ischen Unipolarit\u00e4t einer multipolaren Realit\u00e4t gewichen. Sowohl Russland als auch die T\u00fcrkei haben eine lange, qu\u00e4lende Hassliebe zu Europa, und beide sind unter nationalen Machthabern, denen die Verachtung der Normen und Werte der EU gemeinsam ist, durchsetzungsf\u00e4higer geworden.<\/p>\n\n\n\n

Die zunehmende Verschlechterung der Beziehungen zwischen der EU und Russland ist gut dokumentiert, der Fall der T\u00fcrkei weniger. Der Irakkrieg im Jahr 2003 komplizierte das Verh\u00e4ltnis der T\u00fcrkei zur Nato, und ihr Verh\u00e4ltnis zur EU verschlechterte sich 2007, als Frankreich einen wichtigen Teil ihrer EU-Beitrittsverhandlungen blockierte. Seitdem hat die T\u00fcrkei ihren eigenen Weg in Syrien, auf dem Balkan und in Libyen eingeschlagen und neue Beziehungen zu Russland und China aufgebaut.<\/p>\n\n\n\n

Wichtiger Akteur<\/strong><\/h3>\n\n\n\n

Nat\u00fcrlich sind die Beziehungen zwischen der T\u00fcrkei und Russland nicht weniger kompliziert, nicht zuletzt weil Erdo\u011fan und der russische Pr\u00e4sident Wladimir Putin im syrischen B\u00fcrgerkrieg verschiedene Seiten unterst\u00fctzten.Und w\u00e4hrend die Spannungen wegen des Syrien-Konflikts weiterhin bestehen, bewundert Erdo\u011fan deutlich, wie Russland sich \u2013 bei relativ geringen Kosten \u2013 wieder als wichtiger Akteur im Nahen Osten und in Nordafrika etabliert hat.<\/p>\n\n\n\n

Nachdem er in einen nicht zu gewinnenden Krieg im Osten der Ukraine verwickelt war, schien Putins weitgehend erfolgreicher Feldzug in Syrien einen Teil seiner innenpolitischen Autorit\u00e4t wiederherzustellen. Der Westen hatte f\u00fcnf Jahre lang darauf bestanden, dass es keine milit\u00e4rische L\u00f6sung des Konflikts gebe und dass der syrische Pr\u00e4sident Baschar al-Assad gehen m\u00fcsse. Doch w\u00e4hrend die von den Vereinten Nationen unterst\u00fctzten Gespr\u00e4che in Genf zu keinem Ergebnis f\u00fchrten, schienen die von Russland geleiteten Gespr\u00e4che in Astana voranzukommen. Indem der Kreml die T\u00fcrkei und den Iran einbezog, w\u00e4hrend er die westlichen M\u00e4chte ausschloss, erweckte er den Eindruck, dass Russland als wiedergeborene Supermacht aus der Asche auferstanden sei.<\/p>\n\n\n\n

Unter Druck<\/h3>\n\n\n\n

Angesichts des wachsenden Widerstands im eigenen Land macht es Erdo\u011fan Putin gleich. Da der Westen nicht bereit war, (erneut) milit\u00e4risch in Libyen zu intervenieren, sah Erdo\u011fan eine Gelegenheit, die T\u00fcrkei zu positionieren. Nach dem Vorgehen Russlands in Syrien sicherte er sich eine formelle Einladung der libyschen Regierung zur Intervention. Mit einem Schlag Ende letzten Jahres hat er nicht nur das Image der T\u00fcrkei als Regionalmacht gest\u00e4rkt, sondern auch ein Abkommen mit Libyen \u00fcber die Seegrenze abgeschlossen und damit einen Plan Griechenlands, Zyperns, \u00c4gyptens und Israels zur Erschlie\u00dfung von Unterwasser\u00f6l- und -gasfeldern in der N\u00e4he zunichtegemacht.<\/p>\n\n\n\n

Erdo\u011fan scheint auch von der Spalt-und-Eroberungs-Strategie des Kreml in Europa inspiriert worden zu sein, der zufolge oft diejenigen EU-Mitgliedsstaaten unter Druck gesetzt werden, die am meisten von russischen Kohlenwasserstoffen oder M\u00e4rkten abh\u00e4ngig sind. So wie Putin lange Zeit die Energieversorgung instrumentalisiert hat, hat Erdo\u011fan versucht, den Strom von Migranten und Fl\u00fcchtlingen, die vor Konflikten im Nahen Osten fliehen, zu instrumentalisieren. Als die EU eine neue Marinemission ank\u00fcndigte, um den Waffenstrom nach Libyen zu blockieren, malte die T\u00fcrkei f\u00fcr Malta das Schreckgespenst der angeblichen Bedrohung durch Migranten an die Wand. Malta reagierte prompt und signalisierte, dass es gegen die Finanzierung der Mission ein Veto einlegen werde.<\/p>\n\n\n\n

Verlorener Sohn<\/strong><\/h3>\n\n\n\n

Jahrelang redeten sich die Europ\u00e4er ein, dass Russland eine Art verlorener Sohn sei und dass die europ\u00e4ische unipolare Ordnung gesund bleibe. Doch das machte Europa zu einem leichten Ziel f\u00fcr die Trennungs-und-Eroberungs-Strategie des Kreml. Erst vor relativ kurzer Zeit entwarf die Union eine neue Politik und ein robustes Sanktionsregime, um die russische Aggression abzuschrecken. Und selbst jetzt \u2013 trotz der besten Bem\u00fchungen der deutschen Bundeskanzlerin Angela Merkel und des franz\u00f6sischen Pr\u00e4sidenten Emmanuel Macron \u2013 hat die EU noch immer keine wirksamen Kommunikationskan\u00e4le mit Russland geschaffen, um gemeinsame Probleme anzugehen.<\/p>\n\n\n\n

Die T\u00fcrkei ist noch kein neues Russland, aber sie k\u00f6nnte dazu werden, wenn die Situation falsch gehandhabt wird. Vorerst betrachten die meisten Europ\u00e4er die T\u00fcrkei noch immer als einen komplizierten Partner und nicht als \"Systemrivalen\". Aber die Europ\u00e4er sollten die hart erk\u00e4mpften Lehren aus dem Umgang mit Russland in den letzten 15 Jahren beherzigen. Die Beziehungen zwischen der EU und der T\u00fcrkei brauchen neue, einvernehmlich vereinbarte Prinzipien sowie klare Grenzen, um eine weitere Destabilisierung in der Region zu verhindern.<\/p>\n\n\n\n

Zu diesem Zweck sollten die Europ\u00e4er klarstellen, dass der EU-Beitrittsprozess entweder zur\u00fcckgedreht oder vorangetrieben werden kann und dass eine eher transaktionale Beziehung sowohl Zuckerbrot als auch Peitsche beinhaltet. Die Herausforderung wird darin bestehen, daf\u00fcr zu sorgen, dass es in einer Region, die nicht nur von Europa und der T\u00fcrkei, sondern auch von Russland, den USA und einem aufstrebenden China beeinflusst wird, noch Raum f\u00fcr politisches Engagement in Fragen der gemeinsamen Sicherheit gibt. (Mark Leonard, \u00dcbersetzung: Eva G\u00f6llner, Copyright: Project Syndicate, 10.8.2020)<\/p>\n\n\n\n

Mark Leonard <\/strong>ist Direktor des Europ\u00e4ischen Rats f\u00fcr Ausw\u00e4rtige Beziehungen.<\/a><\/p>\n","post_title":"Erdo\u011fan \u2013 der andere Putin vor der Haust\u00fcr Europas","post_excerpt":"","post_status":"publish","comment_status":"closed","ping_status":"closed","post_password":"","post_name":"erdogan-der-andere-putin-vor-der-haustur-europas","to_ping":"","pinged":"","post_modified":"2025-02-02 08:39:39","post_modified_gmt":"2025-02-02 08:39:39","post_content_filtered":"","post_parent":0,"guid":"https:\/\/dctransparency.com\/?p=3789","menu_order":0,"post_type":"post","post_mime_type":"","comment_count":"0","filter":"raw"},{"ID":3786,"post_author":"7","post_date":"2020-08-14 13:51:23","post_date_gmt":"2020-08-14 13:51:23","post_content":"\n

Einen Monat nachdem ich zur israelischen Armee eingezogen worden war, brach die erste Intifada aus. Statt Soldat zu sein, machte ich Polizeiarbeit, sagte den Menschen, wann sie zur Arbeit gehen konnten und wann sie ihre L\u00e4den schlie\u00dfen mussten, wann sie die Grenze passieren und wann sie schlafen konnten. Einen Monat nachdem ich aus der Armee entlassen worden war, ging ich auf Reisen. (In Israel sagen wir: Wir dienen drei Jahre und versuchen den Rest unseres Lebens, diese drei Jahre zu vergessen.) Auf meiner Reise begann ich Briefe an meine Freundin zu schreiben, die ich in Israel zur\u00fcckgelassen hatte.<\/p>\n\n\n\n

Ich schrieb ihr, wie schrecklich depressiv ich war und dass diese drei Jahre des Anweisungenbellens und Anderen-Menschen-Sagens, was sie zu tun haben, mich f\u00fcr immer verfolgen w\u00fcrden. Dass sie ein Teil dessen geworden waren, was ich bin. Ich erinnere mich, dass ich ihr schrieb, dass wir da rausm\u00fcssen \u2013 nicht nur f\u00fcr die Pal\u00e4stinenser, sondern wegen der furchtbaren und brutalen Auswirkungen, die all das auf uns, auf die israelische Gesellschaft haben w\u00fcrde. Sie schrieb zur\u00fcck: \u201eDu hast recht. Ich habe einen neuen Freund.\u201c<\/p>\n\n\n\n

Felix Klein wurde als Beauftragter der Bundesregierung berufen<\/a>, um die Auswirkungen des zunehmenden Antisemitismus in unserer Gesellschaft, in Deutschland, zu bek\u00e4mpfen. Was nicht in seiner Jobbeschreibung steht, ist, dass er dabei unsere Gesellschaft heilen muss, jene Gesellschaft, die diese Form des Hasses reproduziert und sch\u00fctzt. Klein hat das begriffen.<\/p>\n\n\n\n

Er versteht, dass man Krebs nicht mit einem Pflaster verarztet, er wei\u00df, dass er das Bewusstsein der Deutschen sch\u00e4rfen und Diskussionen ansto\u00dfen muss. Er hat begriffen, dass das Problem nicht nur an den R\u00e4ndern der Gesellschaft (bei den Rechten) liegt, sondern auch in ihrer Mitte. Dort, wo gebildete Menschen nicht einmal bemerken, dass das, was sie sagen und tun, antisemitisch ist. So wie sie es auch nicht merken, wenn sie rassistisch handeln. Er hat all das verstanden, und genau deshalb wollen einige, dass er seinen Posten r\u00e4umt.<\/p>\n\n\n\n

Mehr als 60 deutsche und israelische Intellektuelle haben letzte Woche in einem Brief an Kanzlerin Merkel<\/a> dar\u00fcber geklagt, dass der aktuelle \u201eGebrauch des Antisemitismusbegriffs\u201c darauf abziele, \u201elegitime Kritik an der israelischen Regierungspolitik zu unterdr\u00fccken\u201c, und Klein vorgeworfen, rechtspopulistische israelische Stimmen zu f\u00f6rdern.<\/p>\n\n\n\n

Faszinierend an diesem offenen Brief ist, dass viele der Unterzeichneten keine Deutschen sind und auch nicht in Deutschland leben. Ich wei\u00df nicht, woher sie \u2013 die meisten von ihnen sind Israelis \u2013 die Chuzpe haben, sich in eine innerdeutsche Angelegenheit einzumischen und zu fordern, eine Person zu entlassen, die von der Bundesregierung eingesetzt wurde. Die H\u00e4lfte der Unterzeichneten lebt nicht hier, von der anderen H\u00e4lfte sind viele keine Juden \u2013 somit sind die allermeisten von ihnen nicht direkt vom Antisemitismus in Deutschland betroffen. Wie also k\u00f6nnen sie diesen Brief unterschreiben? Und warum eigentlich haben so wenige Deutsche unterschrieben? Dazu komme ich gleich.<\/p>\n\n\n\n

Debatte um Achille Mbembe<\/h6>\n\n\n\n

Hintergrund des Briefs war, dass Felix Klein gefordert hatte, den Philosophen Achille Mbembe<\/a> nicht die Er\u00f6ffnungsrede der Ruhrtriennale halten zu lassen. Als mit \u00f6ffentlichen Mitteln gef\u00f6rdertes Event solle die Ruhrtriennale Mbembe wegen seiner Haltung zu Israels Existenzrecht, seiner Haltung zu BDS und der Art, wie er in einem seiner Werke den Holocaust relativiert, nicht einladen.<\/p>\n\n\n\n

Mbembes Unterst\u00fctzer sagen, keine dieser Anschuldigungen sei wahr. F\u00fcrs Protokoll: In meinen Augen unterst\u00fctzt Mbembe sehr wohl BDS<\/a>, er schrieb unter anderem das Vorwort zu \u201eApartheid Israel\u201c und fordert die komplette Isolation Israels. Ich glaube auch, wenn Mbembe schreibt, die israelische Besetzung sei der \u201egr\u00f6\u00dfte moralische Skandal unserer Zeit\u201c, zeigt das, dass sein moralischer und geografischer Kompass etwas schief ist.<\/p>\n\n\n\n

Doch warum treibt die Debatte so viele Menschen um? Nun, zun\u00e4chst gibt niemand gern auf, was ihm oder ihr selbstverst\u00e4ndlich scheint. \u00dcber den gesamten politischen, sozialen, kulturellen, medialen und akademischen Sektor hinweg sind Menschen daran gew\u00f6hnt, so schlecht \u00fcber Israel sprechen zu k\u00f6nnen, wie auch immer sie wollen.<\/p>\n\n\n\n

Der Spiegel<\/em> hat \u2013 vielleicht in Anlehnung an seine Relotius-Standards, Israel erst k\u00fcrzlich eine Corona-Diktatur genannt. Fakten und Belege f\u00fcr diese Behauptung gab es nicht. Doch Millionen Deutsche haben es gelesen, und es wird nat\u00fcrlich haften bleiben. Faktenlage hin oder her. Der Spiegel<\/em> und andere Medien haben dieses Spiel perfektioniert: Titel so zu drehen, dass sie Israel indirekt anklagen, die Idee zu streuen, der Mossad kon\u00adtrol\u00adliere die deutsche Au\u00dfenpolitik im Nahen Osten, und so fort. Doch sie stehen allesamt sofort auf den Hinterbeinen, wenn jemand es wagt, das Spiel beim Namen zu nennen: moderner Antisemitismus.<\/p>\n\n\n\n

Klein will dem entgegenwirken. Er versteht, dass antisemitische Attacken in Deutschland die Fr\u00fcchte solch falsch gezeichneter Bilder und eindimensionaler Narrative \u00fcber Israel sind. Wenn er und andere versuchen, ein anderes Narrativ aufzuzeigen, wirft man ihnen Zensur vor: Wie k\u00f6nnen sie es wagen, das Gesch\u00e4ft der Anti-Israel-Propaganda zu st\u00f6ren?<\/p>\n\n\n\n

Liebe Deutsche, wenn ihr reden wollt, lasst uns gern reden: \u00fcber die Besetzung, \u00fcber Bibi und alles, was schiefl\u00e4uft. Aber dann lasst uns bitte auch dar\u00fcber reden, wie deutsche Steuergelder Terrortunnel finanzieren. Erst vergangene Woche r\u00e4umte die niederl\u00e4ndische Regierung ein, dass Gelder an eine Landwirtschaftsorganisation in Ramallah geflossen seien, die damit teilweise die Geh\u00e4lter zweier des Mordes an der 17-j\u00e4hrigen Israelin Rina Shnerb Verd\u00e4chtiger gezahlt haben. Auch die Bundesregierung unterst\u00fctzt diese Organisation, obwohl Kritiker schon lange vor Verbindungen zu Terroristen warnen.<\/p>\n\n\n\n

Wir k\u00f6nnen uns also gerne unterhalten \u2013 aber im Dialog, nicht in Monologen. Denn Reden unter Menschen, die sich einig sind, ist nichts anderes als Impotenz.<\/p>\n\n\n\n

Israelkritik als Eintrittskarte<\/h6>\n\n\n\n

Die Israelis, die die Petition unterzeichnet haben, haben \u00fcbrigens ebenfalls etwas verstanden. Seit Jahren wissen sie: Es ist ihre Eintrittskarte in die Mitte der deutschen (und europ\u00e4ischen) Gesellschaft. Man h\u00f6rt nicht oft von Akademikern mit proisraelischen Ansichten. Weder in den Philharmonie-Orchestern noch in der Kunstszene. Die Eintrittskarte daf\u00fcr ist ein antiisraelischer Standpunkt.<\/p>\n\n\n\n

Der mutma\u00dfliche Grund, warum kaum Deutsche die Petition unterzeichnet haben: Sie mussten es nicht. Ihre Lieblingsjuden haben es f\u00fcr sie getan. Jetzt k\u00f6nnen sie sagen: \u201eSchau, ich bin das ja nicht, meine j\u00fcdischen Freunde sagen es.\u201c Ich selbst war einige Jahre lang mit einem Paar hier in Berlin befreundet, bis ich herausfand, dass ich ihr Lieblingsjude war. Ja, selbst das j\u00fcdische Museum wurde so genutzt.<\/p>\n\n\n\n

Weil Attacken gegen Juden ein absolutes Tabu sind, wurden Umwege gefunden, um den Antisemitismus auf kleiner Flamme k\u00f6cheln zu lassen: die unfundierte, unbegr\u00fcndete Kritik an Israel.<\/p>\n\n\n\n

Diese Art der Kritik ist gef\u00e4hrlich. Sie schw\u00e4cht jede begr\u00fcndete und notwendige Kritik am Verhalten Israels. Und das Interessante ist: Trotz all der heftigen, pauschalisierenden Anklagen, all der offenen Briefe driftet Israel politisch immer weiter nach rechts. Doch statt mal einen anderen Ansatz zu versuchen, werden die antiisraelischen Stimmen nur lauter. Dasselbe versuchen und andere Ergebnisse davon erwarten \u2013 das ist die Definition von Wahnsinn.<\/p>\n\n\n\n

Kurz bevor der Prozess gegen den wegen des Attentats von Halle<\/a> Angeklagten begann \u2013 des seit Kriegsende schlimmsten Akts von Antisemitismus in Deutschland \u2013, lud eine Lokalzeitung den fr\u00fcheren Botschafter Shimon Stein und den Historiker Moshe Zimmermann ein, dar\u00fcber zu schreiben, was Antisemitismus ist. Nat\u00fcrlich wendeten auch sie sich gegen Felix Kleins Ansatz. Sie zitieren die Kontroverse um die Umbenennung der U-Bahn-Station Mohrenstra\u00dfe in Glinkastra\u00dfe, die sich darum drehte, dass der russische Komponist Michael Glinka Antisemit gewesen sein soll. Stein und Zimmermann halten die Debatte f\u00fcr \u00fcberzogen, Glinka sei nur ein Kind seiner Zeit gewesen. Folgt man ihrer Logik, k\u00f6nnen wir dann also in 20 oder 30 Jahren U-Bahn-Stationen nach den Kindern der 1930er Jahre benennen?<\/p>\n\n\n\n

Der Antisemit als Tierfreund<\/h6>\n\n\n\n

Ich w\u00fcnschte, die Sache h\u00e4tte mit dem Artikel, mit der Petition geendet. Doch dann erschien ein Artikel, der den Leser auf einen Waldspaziergang mit einem veganen Koch und Antisemiten mitnahm. Darin setzt der Tierfreund erst behutsam einen K\u00e4fer wieder auf seine Beinchen und erkl\u00e4rt dann, dass die Todesstrafe in Deutschland wieder eingef\u00fchrt werden solle, um einen gewissen Politiker (der zuf\u00e4llig pro Israel ist) an seinen Hoden aufh\u00e4ngen zu k\u00f6nnen. Dieser Koch hat Hunderttausende Follower, er sagt all solche Dinge am helllichten Tag in Berlin. Und in den Medien.<\/p>\n\n\n\n

F\u00e4lle wie dieser handeln bereits von Gewalt \u2013 und sie enden nicht bei den Juden. Der Hass richtet sich gegen Frauen<\/a>, Muslime, Gefl\u00fcchtete, \u00adLBTQI. Am Ende aller theoretischen Debatten stehen immer echte Menschen. Am Ende jeder Konferenz dar\u00fcber, was Antisemitismus ausmacht, steht ein potenzielles j\u00fcdisches Opfer. Angesichts einer Welle von Antisemitismus \u00fcber die Definition von Antisemitismus zu streiten ist, wie eine 10 Meter hohe Welle heranrollen zu sehen und dar\u00fcber zu streiten, was einen Tsunami ausmacht.<\/p>\n\n\n\n

Felix Klein versteht, wie absurd es ist, zu sagen: Es sind nur die Rechten. Die Rechten sind Deutsche, so wie die Nazis Deutsche waren. Klein versteht, dass die Deutschen nicht aufgeh\u00f6rt haben, Juden zu ermorden, weil sie irgendeine Art von Erleuchtung hatten. Sondern schlicht, weil sie den Krieg verloren haben. Um den Antisemitismus zu bek\u00e4mpfen, bevor er die Gesellschaft frisst, in der er und wir leben, muss Deutschland seinen moralischen Kompass korrigieren.<\/p>\n\n\n\n

Immerhin: Mehr und mehr Deutsche fahren nach Israel, sie wollen ein anderes Narrativ h\u00f6ren. Mehr und mehr Deutsche verstehen, dass Antisemitismus Schockwellen ausl\u00f6st, die die gesamte Gesellschaft betreffen. In einem normalen Universum w\u00fcrde Klein bef\u00f6rdert werden f\u00fcr seine Leistung. In einer verdrehten Gesellschaft fordern Menschen seine Entlassung. Um es mit Mbembe zu sagen: Das ist Nano-Nonsens.<\/p>\n\n\n\n

\u00dcbersetzung: Ariane Lemme<\/a><\/em><\/p>\n","post_title":"Felix Klein hat verstanden","post_excerpt":"","post_status":"publish","comment_status":"closed","ping_status":"closed","post_password":"","post_name":"felix-klein-hat-verstanden","to_ping":"","pinged":"","post_modified":"2025-02-02 08:39:39","post_modified_gmt":"2025-02-02 08:39:39","post_content_filtered":"","post_parent":0,"guid":"https:\/\/dctransparency.com\/?p=3786","menu_order":0,"post_type":"post","post_mime_type":"","comment_count":"0","filter":"raw"}],"next":false,"prev":true,"total_page":47},"paged":1,"column_class":"jeg_col_2o3","class":"epic_block_3"};

\n

Die Gruppe der Abgeordneten f\u00fcgte hinzu, dass Katar zur Entsch\u00e4rfung von Konflikten im Nahen Osten beigetragen und als Vermittler f\u00fcr Friedensinitiativen fungiert habe. Sie f\u00fcgten hinzu, dass Katar ein strategischer Verb\u00fcndeter des Vereinigten K\u00f6nigreichs ist und eine wichtige Rolle bei der Gestaltung der britischen Politik in der Region spielt.<\/p>\n\n\n\n

Sie forderten die britische Regierung au\u00dferdem auf, ihr Engagement f\u00fcr eine friedliche L\u00f6sung des Streits zu bekr\u00e4ftigen, und baten um die Zusicherung, dass sie die derzeitige Blockade durch Saudi-Arabien, die seit 2017 besteht, nicht unterst\u00fctzt.<\/p>\n\n\n\n

Eine Gruppe von Abgeordneten folgte ihren britischen Kollegen und \u00e4u\u00dferte Bedenken hinsichtlich der m\u00f6glichen saudischen Pl\u00e4ne, in Katar einzudringen.<\/p>\n\n\n\n

In letzter Zeit wurden mehrere \u00f6ffentliche Erkl\u00e4rungen und Tweets zu diesem Thema abgegeben. Der italienische Europaabgeordnete Fulvio Martusciello \u00e4u\u00dferte letzte Woche Bedenken und forderte sofortige Ma\u00dfnahmen, um eine k\u00fcnftige Eskalation einzud\u00e4mmen. Er twitterte: \u201eSehr besorgt und alarmiert dar\u00fcber, dass Saudi-Arabien erwogen hat, in Katar einzudringen. Dies wird v\u00f6llig abgelehnt und gef\u00e4hrdet die Stabilit\u00e4t in der Golfregion und im Nahen Osten. Die EU muss sich gegen alle Versuche von KSA und VAE behaupten, souver\u00e4ne Staaten anzugreifen. #GulfPeace. \"<\/p>\n\n\n\n

Dar\u00fcber hinaus haben mehrere Abgeordnete wie Urmas Paet, Hilde Vautmans, Malik Azmani und Bart Groothuis an den Vizepr\u00e4sidenten der Kommission und den Hohen Vertreter der Union f\u00fcr Au\u00dfen- und Sicherheitspolitik geschrieben.<\/p>\n\n\n\n

Die Gruppe sagte: \u201eAm 6. August 2020 wurde \u00f6ffentlich bekannt, dass w\u00e4hrend eines offiziellen Aufrufs am 6. Juni 2017 zwischen dem US-Pr\u00e4sidenten Donald Trump und dem saudi-arabischen K\u00f6nig Salman ein Vorschlag zur Invasion Katars vorgelegt wurde . Die US-Regierung lehnte den saudischen Vorschlag sofort ab und forderte die formelle Vermittlung durch die kuwaitischen Beh\u00f6rden im Rahmen des Golf-Kooperationsrates. \u201c<\/p>\n","post_title":"Europ\u00e4ische Politiker verurteilen saudische Pl\u00e4ne, in Katar einzudringen","post_excerpt":"","post_status":"publish","comment_status":"closed","ping_status":"closed","post_password":"","post_name":"europaische-politiker-verurteilen-saudische-plane-in-katar-einzudringen","to_ping":"","pinged":"","post_modified":"2025-02-02 08:39:39","post_modified_gmt":"2025-02-02 08:39:39","post_content_filtered":"","post_parent":0,"guid":"https:\/\/dctransparency.com\/?p=3818","menu_order":0,"post_type":"post","post_mime_type":"","comment_count":"0","filter":"raw"},{"ID":3811,"post_author":"7","post_date":"2020-08-28 13:33:59","post_date_gmt":"2020-08-28 13:33:59","post_content":"\n

Die BBC <\/a>hat neue Beweise daf\u00fcr gefunden, dass eine von den Vereinigten Arabischen Emiraten (VAE) betriebene Drohne im Januar 2020 26 unbewaffnete Kadetten an einer Milit\u00e4rakademie in der libyschen Hauptstadt Tripolis get\u00f6tet hat.<\/p>\n\n\n\n

Zum Zeitpunkt des Streiks am 4. Januar wurde Tripolis von der selbsternannten libyschen Nationalarmee (LNA) belagert.<\/p>\n\n\n\n

Es hat die Verantwortung f\u00fcr den Angriff abgelehnt und vermutet, dass die Kadetten durch Beschuss vor Ort get\u00f6tet wurden.<\/p>\n\n\n\n

Es gibt jedoch Hinweise darauf, dass die Kadetten von einer chinesischen Blue Arrow 7-Rakete getroffen wurden.<\/p>\n\n\n\n

Dies wurde von einer Drohne namens Wing Loong II abgefeuert, und die Untersuchung von BBC Africa Eye und BBC Arabic Documentaries ergab auch Hinweise darauf, dass Wing Loong II-Drohnen zum Zeitpunkt des Streiks nur von einem libyschen Luftwaffenst\u00fctzpunkt aus operierten - al-Khadim - und dass die VAE die dort stationierten Drohnen geliefert und betrieben haben.<\/p>\n\n\n\n

\"\"<\/figure>\n\n\n\n

Die VAE haben zuvor die milit\u00e4rische Beteiligung in Libyen verweigert und sagen, sie unterst\u00fctzen den UN-Friedensprozess. Es antwortete nicht auf die Bitte der BBC um einen Kommentar.<\/p>\n\n\n\n

Was ist mit diesen Kadetten passiert?<\/strong><\/p>\n\n\n\n

Kurz nach 21:00 Uhr am 4. Januar 2020 f\u00fchrten rund 50 Kadetten Routine\u00fcbungen an einer Milit\u00e4rakademie im S\u00fcden von Tripolis durch.<\/p>\n\n\n\n

Ohne Vorwarnung detonierte eine Explosion in der Mitte der Gruppe und lie\u00df 26 Kadetten tot oder auf dem Exerzierplatz sterben. Viele waren noch Teenager. Keiner von ihnen war bewaffnet.

Einer der \u00dcberlebenden war der 20-j\u00e4hrige Abdul Moeen.<\/p>\n\n\n\n

Er war in der Akademie, als der Streik eintraf. \"Es war unbeschreiblich\", sagte er der BBC.<\/p>\n\n\n\n

\"Wir haben gesehen, wie unsere Kollegen starben, ihren letzten Atemzug machten und wir konnten nichts tun ... Es gab Leute, deren Oberk\u00f6rper von ihren K\u00f6rpern getrennt waren. Es war ein schreckliches Verbrechen, ein Verbrechen, das nichts mit der Menschheit zu tun hat. \"\"<\/p>\n\n\n\n

Sieben Monate nach dem Streik hat niemand die Verantwortung f\u00fcr die T\u00f6tung dieser jungen M\u00e4nner eingestanden.<\/p>\n\n\n\n

Die LNA unter Gen Khalifa Haftar bestritt, dass sie hinter dem Streik steckt, und teilte der Presse mit, dass die Explosion m\u00f6glicherweise durch eine lokal abgefeuerte M\u00f6rsergranate oder einen Angriff innerhalb der Akademie verursacht worden sei.<\/p>\n\n\n\n

Was hat die BBC gefunden?<\/strong><\/p>\n\n\n\n

Die Untersuchung ergab Hinweise darauf, dass eine viel ausgefeiltere Waffe verwendet wurde.<\/p>\n\n\n\n

\"\"<\/figure>\n\n\n\n

Die BBC betrachtete Bilder des Splitters, der nach dem Streik auf dem Exerzierplatz zur\u00fcckgelassen wurde, und kam zu dem Schluss, dass er mit den Komponenten einer Rakete namens Blue Arrow 7 \u00fcbereinstimmte.<\/p>\n\n\n\n

Unsere Analyse ergab, dass nur ein Flugzeug, das im Januar 2020 \u00fcber Tripolis operierte, diese Waffe abfeuern konnte - eine Drohne namens Wing Loong 2.<\/p>\n\n\n\n

Nur drei Wochen vor diesem Streik kamen die Vereinten Nationen zu dem Schluss, dass der Blaue Pfeil 7 \"ballistisch gepaart ist, um vom Wing Loong II geliefert zu werden ... und von keinem anderen in Libyen bisher identifizierten Luftfahrtgut\".<\/p>\n\n\n\n

Die BBC untersuchte auch, woher diese Drohne stammen k\u00f6nnte, und fand Hinweise darauf, dass Wing Loong-Drohnen zum Zeitpunkt des Angriffs nur von einem libyschen Luftwaffenst\u00fctzpunkt aus operierten: al-Khadim im von der LNA kontrollierten Ostlibyen.<\/p>\n\n\n\n

Sowohl die BBC als auch die UN haben Beweise daf\u00fcr gefunden, dass Drohnen, die von diesem Luftwaffenst\u00fctzpunkt aus operieren, zu den Vereinigten Arabischen Emiraten geh\u00f6ren.<\/p>\n\n\n\n

Im Jahr 2019 stellte die UNO fest, dass die VAE durch den Versand von Wing Loong-Drohnen und Blue Arrow 7-Raketen nach Libyen gegen das seit 2011 geltende UN-Waffenembargo gegen das Land versto\u00dfen hatten.<\/p>\n\n\n\n

Die BBC fand auch ein Waffenregister, aus dem hervorgeht, dass die VAE 2017 15 Wing Loong-Drohnen und 350 Blue Arrow 7-Raketen gekauft haben.<\/p>\n\n\n\n

Was hat die BBC noch aufgedeckt?<\/strong><\/p>\n\n\n\n

<\/p>\n\n\n\n

Die BBC-Untersuchung ergab auch neue Beweise daf\u00fcr, dass \u00c4gypten den VAE erlaubt, \u00e4gyptische Milit\u00e4rflugpl\u00e4tze nahe der libyschen Grenze zu nutzen.<\/p>\n\n\n\n

Im Februar 2020 scheinen die in Libyen stationierten Wing Loong II-Drohnen \u00fcber die Grenze nach \u00c4gypten zu einem Luftwaffenst\u00fctzpunkt in der N\u00e4he von Siwa in der west\u00e4gyptischen W\u00fcste gebracht worden zu sein.<\/p>\n\n\n\n

Satellitenbilder zeigen auch, dass ein zweiter \u00e4gyptischer Milit\u00e4rflugplatz, Sidi Barrani, als Einsatzbasis f\u00fcr Mirage 2000-Kampfflugzeuge verwendet wurde, die in Farben lackiert sind, die nicht von der \u00e4gyptischen Luftwaffe verwendet werden, aber genau den von den VAE geflogenen Jets entsprechen .<\/p>\n\n\n\n

Dies ist das gleiche Flugzeugmodell, das von den Vereinten Nationen in einen Luftangriff auf ein Migrationszentrum \u00f6stlich von Tripolis im Juli 2019 verwickelt wurde, bei dem 53 Menschen get\u00f6tet wurden.<\/p>\n\n\n\n

Ausl\u00e4ndischer Jet bei libyschem Migrantenangriff verd\u00e4chtigt<\/p>\n\n\n\n

Sidi Barrani ist auch das Ziel f\u00fcr mehrere Frachtflugzeuge, die von den Vereinigten Arabischen Emiraten gestartet sind, und schl\u00e4gt eine Luftbr\u00fccke f\u00fcr Ausr\u00fcstung oder Lieferungen zwischen den Vereinigten Arabischen Emiraten und einer Milit\u00e4rbasis vor, die nur 80 km von der libyschen Grenze entfernt liegt.<\/p>\n\n\n\n

Die \u00e4gyptische Regierung antwortete nicht auf die Bitte der BBC um Stellungnahme.<\/p>\n\n\n\n

Ist ausl\u00e4ndisches milit\u00e4risches Engagement \u00fcberraschend?<\/strong><\/p>\n\n\n\n

Sowohl die Vereinigten Arabischen Emirate als auch \u00c4gypten nahmen an einer von Bundeskanzlerin Angela Merkel im Januar dieses Jahres in Berlin einberufenen Konferenz \u00fcber Libyen teil, auf der sie ihre Unterst\u00fctzung f\u00fcr den UN-Friedensprozess bekr\u00e4ftigten und sich bereit erkl\u00e4rten, nicht in den Libyen-Krieg einzugreifen.<\/p>\n\n\n\n

Im vergangenen Jahr gab es jedoch eine Eskalation des Einsatzes von Drohnen durch beide Seiten des Konflikts.<\/p>\n\n\n\n

Ghassan Salam\u00e9, der fr\u00fchere Leiter der UN-Mission in Libyen, beschrieb dies als \"m\u00f6glicherweise das gr\u00f6\u00dfte Drohnenkriegstheater der Welt\".<\/p>\n\n\n\n

Die VAE sind nicht die einzige ausl\u00e4ndische Macht, die an diesem Konflikt beteiligt ist.<\/p>\n\n\n\n

Anfang dieses Jahres gab BBC Africa Eye bekannt, dass die T\u00fcrkei auch gegen das Waffenembargo der Vereinten Nationen gegen Libyen versto\u00dfen hat, indem sie geheime Waffenlieferungen an die von den Vereinten Nationen anerkannte Regierung in Tripolis gesendet hat.<\/p>\n\n\n\n

Mit Unterst\u00fctzung der T\u00fcrkei hat die von den Vereinten Nationen anerkannte Regierung des Nationalen Abkommens nun die LNA von Gen Haftar aus der Gegend um Tripolis zur\u00fcckgeschlagen.<\/p>\n","post_title":"BBC-Untersuchung: VAE in t\u00f6dlichen Angriff in Libyen verwickelt","post_excerpt":"","post_status":"publish","comment_status":"closed","ping_status":"closed","post_password":"","post_name":"bbc-untersuchung-vae-in-todlichen-angriff-in-libyen-verwickelt","to_ping":"","pinged":"","post_modified":"2025-02-02 08:39:39","post_modified_gmt":"2025-02-02 08:39:39","post_content_filtered":"","post_parent":0,"guid":"https:\/\/dctransparency.com\/?p=3811","menu_order":0,"post_type":"post","post_mime_type":"","comment_count":"0","filter":"raw"},{"ID":3792,"post_author":"7","post_date":"2020-08-14 13:58:48","post_date_gmt":"2020-08-14 13:58:48","post_content":"\n

Die Hagia Sophia war (ist) ein kulturelles Weltwunder und aufgeladen mit symbolischer Bedeutung, f\u00fcr die Christenheit ebenso wie f\u00fcr den Islam \u2013 und den t\u00fcrkischen Nationalismus. Als Mehmed II. sie betrat, war sie schon fast 1000 Jahre die gr\u00f6\u00dfte Kirche der christlichen Welt und das Zentrum der orthodoxen Glaubensrichtung. Die \"Ayasofya\", wie sie dann hie\u00df, war 500 Jahre lang Moschee \u2013 bis 1934, als Kemal Pascha Atat\u00fcrk, der \"Vater\" der modernen T\u00fcrkei, sie in ein Museum verwandelte, in der ausdr\u00fccklichen Absicht, auch hier mit dem osmanischen Erbe zu brechen.<\/p>\n\n\n\n

Nun wird Pr\u00e4sident Recep Tayyip Erdo\u011fan, der \"Vater\" der re-islamisierten T\u00fcrkei, am 24. Juli dieses Jahres die Ayasofya durch das Freitagsgebet wieder in den Islam eingliedern. Oder eher in seinen pers\u00f6nlichen religi\u00f6sen Nationalismus.<\/p>\n\n\n\n

Welterbe von allen<\/h3>\n\n\n\n

Wie bedeutungsschwer ist dieser Akt eines \"starken Mannes\", der innenpolitisch deutlich schw\u00e4chelt? Die Proteste vor allem aus der orthodoxen Welt, aber auch aus Europa und den USA sind eher traurig als w\u00fctend. Der Papst dr\u00fcckte seinen \"Schmerz\" aus. Auch der Jubel in der islamischen Welt fiel zun\u00e4chst weniger \u00fcbersch\u00e4umend als erwartet aus.<\/p>\n\n\n\n

Ist es der Alleingang eines Autokraten in Bedr\u00e4ngnis oder ist \"der Jubel \u00fcber die Eroberung der Hagia Sophia der Versuch einer zutiefst erniedrigten, vom Gef\u00fchl der Wertlosigkeit dominierten und in ihrer eigenen Selbstberechtigung beraubten Gesellschaft, eine Bedeutung, eine St\u00e4rke, ein Selbstwertgef\u00fchl zu finden\"? So recht pauschalierend der in Deutschland lebende pal\u00e4stinensische Intellektuelle und Psychiater Ahmad Mansour.<\/p>\n\n\n\n

Die beiden Gro\u00dfreiche, das byzantinische und das osmanische, sind l\u00e4ngst versunken.<\/p><\/blockquote>\n\n\n\n

Das eigentliche Schl\u00fcsselwort im Zusammenhang mit der Hagia Sofia ist \"Welterbe\". Das Erbe von allen. Einmal im kulturellen Sinn der Unesco, aber in Wahrheit weiter gefasst. Das einzigartige Bauwerk geh\u00f6rt in Wirklichkeit der ganzen Welt, nicht der einen oder anderen Religion. Die beiden Gro\u00dfreiche, f\u00fcr die die Hagia Sofia der zentrale spirituelle Bau war, das byzantinische und das osmanische, sind l\u00e4ngst versunken. Seither hat sie eine neue, \u00fcbernationale Dimension erhalten. Was Erdo\u011fan da jetzt mit der Hagia Sofia macht, ist eine Verengung und Verarmung eines gemeinsamen Welterbes.<\/p>\n\n\n\n

\"\"\/
Betende Muslime vor der Hagia Sophia.<\/figcaption><\/figure>\n\n\n\n

Davon abgesehen aber war und ist sie ein architektonisches Meisterwerk und geh\u00f6rt zu den bedeutendsten Bauten der Welt. Wer heute den Zentralraum unter der Kuppel betritt, kann sich nur schwer dem zugleich majest\u00e4tischen wie schwebenden Gesamteindruck entziehen. Die Hagia Sophia blieb fast 1000 Jahre die gr\u00f6\u00dfte Kirche der Christenheit. Technisch war die Kuppel (mit mehreren Halbkuppeln) eine \u00fcberaus riskante Innovation: Die 55 Meter hohe und 32 Meter im Durchmesser breite Kuppel ruht auf nur vier Tragpunkten, was den schwebenden, schwerelosen Eindruck erzeugt. Die Konstruktion folgt einem mathematischen Prinzip, das erst k\u00fcrzlich entschl\u00fcsselt wurde.<\/p>\n\n\n\n

\"Salomo, ich habe dich \u00fcbertroffen!\"<\/p><\/blockquote>\n\n\n\n

Als Kaiser Justinian die Hagia Sophia nach nur f\u00fcnf Jahren Bauzeit (532\u2013537) betrat, soll er in Anspielung auf den Tempel in Jerusalem ausgerufen haben: \"Salomo, ich habe dich \u00fcbertroffen!\" Die Innenausstattung war mit ihren S\u00e4ulen aus Porphyr und gr\u00fcnem Marmor, mit Mosaiken aus Gold und Halbedelsteinen derart prunkvoll, der Gesamteindruck derart \u00fcberirdisch, dass eine Delegation des Gro\u00dff\u00fcrsten von Kiew nicht mehr wusste, \"ob wir im Himmel oder auf der Erde\" waren \u2013 was die Christianisierung Russlands bef\u00f6rderte.<\/p>\n\n\n\n

Der deutsche Architekturlehrer Holger Kleine nennt die Hagia Sophia \"absolute Architektur\", weil sie \"extreme Ausdrucksformen nahezu aller dramaturgischen Mittel, die der Architektur zur Verf\u00fcgung stehen, vereinigt: wuchtigste K\u00f6rper und luftigste R\u00e4ume, engste Enge und gr\u00f6\u00dfte Weite, w\u00e4rmende Helligkeit und mystisches Dunkel\". Und die Kuppelbauten aus der sp\u00e4teren Hochbl\u00fcte der Moscheenarchitektur im 16. und 17. Jahrhundert gehen eindeutig auf die Hagia Sophia zur\u00fcck.<\/p>\n\n\n\n

Die Hagia Sophia war Staatskirche des byzantinischen Reichs. F\u00fcr die Eroberer der letzte Schlussstein in der Kuppel osmanisch-muslimischen Herrschaftsanspruchs. Konstantinopel war ja 1453 nur noch eine isolierte, heruntergekommene Enklave in einem osmanischen Umfeld, kein christliches Heer kam zu Hilfe. Doch vorher war es zugleich Sperrriegel nach Osten und Geistesarchiv der antiken Kultur gewesen. \"Ohne Byzanz h\u00e4tte es kein Europa gegeben\", sagt die britische Altertumsforscherin Judith Herrin.<\/p>\n\n\n\n

\"\"\/
Freigelegtes Mosaik von \"Christos Pantokrator\".<\/figcaption><\/figure>\n\n\n\n

Neue Fragen<\/h3>\n\n\n\n

Die Kirche wurde von Mehmed II. und Nachfolgern nicht in der Substanz zerst\u00f6rt, sondern \"entchristlicht\". Die urspr\u00fcnglich \u00fcbert\u00fcnchten oder auch abgeschlagenen Mosaiken mit den Darstellungen von Christus, der Muttergottes, diversen Kaisern kamen zum Teil schon unter einem Sultan des 19. Jahrhunderts, dann gro\u00dfteils nach der Museumswidmung wieder zum Vorschein.<\/p>\n\n\n\n

Jetzt stellen sich neue symbolisch-praktische Fragen. Erdo\u011fan hat die Hagia Sophia der konservativen staatlichen Religionsbeh\u00f6rde Diyanet unterstellt. Die byzantinischen Mosaike, wie der gro\u00dfartige \"Christos Pantokrator\" (\"Weltenherrscher\") oder die Jungfrau Maria in der Apsis, m\u00fcssen wohl w\u00e4hrend des islamischen Gottesdiensts verh\u00e4ngt werden. Muss der Boden mit seinen Marmorplatten und Mosaiken mit einem Teppich bedeckt werden? Erdo\u011fan sagt, Touristen seien nach wie vor zugelassen. Aber sie werden wohl hinter Absperrungen bleiben m\u00fcssen. Frauen werden \u2013 wie in der benachbarten \"Blauen Moschee\" (\"Sultanahmed\") Kopftuch tragen m\u00fcssen.<\/p>\n\n\n\n

\"\"\/
Erdo\u011fan mit Gattin in der Hagia Sophia.<\/figcaption><\/figure>\n\n\n\n

Erdo\u011fans neue Abenteuer<\/strong><\/h3>\n\n\n\n

Aber wird da nicht doch zu viel in einen Formalakt rund um ein uraltes Bauwerk hineininterpretiert? Im geschichtlichen Kontext relativiert sich manches: Konstantinopel wurde schon von Christen erobert und ausgepl\u00fcndert \u2013 1204 im Vierten Kreuzzug. In der Moschee von Cordoba (\"Mezquita\") bauten die Katholiken eine ganze Kirche in den ber\u00fchmten S\u00e4ulenwald hinein. Die Mezquita ist heute noch Kirche, kein Museum.<\/p>\n\n\n\n

\"Das ist der Beweis, dass wir kein s\u00e4kularer Staat mehr sein wollen\", sagt Nobelpreistr\u00e4ger Orhan Pamuk. Erdo\u011fan betrachtet sich offenbar als auch neoosmanischer \"Fatih\" im Mittelmeerraum mit immer neuen Abenteuern: Eingreifen in Syrien, Stellvertreterkrieg in Libyen, Anspr\u00fcche auf Erdgasvorkommen weit vor der t\u00fcrkischen K\u00fcste bei Zypern, Reden, wonach manche \u00c4g\u00e4is-Inseln eigentlich zur T\u00fcrkei geh\u00f6ren, \"denn dort stehen unsere Moscheen\". Manches davon ist nur Rhetorik, aber genug anderes ist riskante Realit\u00e4t. (Hans Rauscher, 14.7.2020)<\/p>\n\n\n\n

Quelle<\/a><\/strong><\/p>\n","post_title":"Hagia Sophia: Verengung und Verarmung eines Welterbes","post_excerpt":"","post_status":"publish","comment_status":"closed","ping_status":"closed","post_password":"","post_name":"hagia-sophia-verengung-und-verarmung-eines-welterbes","to_ping":"","pinged":"","post_modified":"2025-02-02 08:39:39","post_modified_gmt":"2025-02-02 08:39:39","post_content_filtered":"","post_parent":0,"guid":"https:\/\/dctransparency.com\/?p=3792","menu_order":0,"post_type":"post","post_mime_type":"","comment_count":"0","filter":"raw"},{"ID":3789,"post_author":"7","post_date":"2020-08-14 13:56:07","post_date_gmt":"2020-08-14 13:56:07","post_content":"\n

Im Gastkommentar pocht Mark Leonard, Direktor des Europ\u00e4ischen Rats f\u00fcr Ausw\u00e4rtige Beziehungen, auf \"neue, einvernehmlich vereinbarte Prinzipien sowie klare Grenzen\", nur so k\u00f6nne eine weitere Destabilisierung in der Region verhindert werden.<\/em><\/strong><\/p>\n\n\n\n

Ist die T\u00fcrkei das neue Russland? Diese Frage wird in den europ\u00e4ischen Hauptst\u00e4dten zunehmend gestellt, da die Au\u00dfenpolitik des t\u00fcrkischen Pr\u00e4sidenten Recep Tayyip Erdo\u011fan zunehmend aggressiver wird. Erdo\u011fan nutzt nicht nur die Migration, um die EU zu bedrohen und zu betr\u00fcgen, sondern setzt auch milit\u00e4rische Macht ein, um den Einflussbereich der T\u00fcrkei auf die gesamte Region auszudehnen.<\/p>\n\n\n\n

Seit dem Ende des Kalten Krieges haben die Europ\u00e4er die regionale Sicherheit durch eine unipolare westliche Linse betrachtet. W\u00e4hrend die Nato die milit\u00e4rische Sicherheit garantierte, sorgte die EU mit ihrem 80.000 Seiten starken Regelwerk f\u00fcr alles von LGBTQ-Rechten bis hin zu Rasenm\u00e4her-Sound-Verordnungen f\u00fcr Rechtsordnung. In den 90er-Jahren ging man allgemein davon aus, dass die beiden gro\u00dfen nichtwestlichen regionalen Akteure, Russland und die T\u00fcrkei, nach und nach an diese Regelungen herangef\u00fchrt werden w\u00fcrden.<\/p>\n\n\n\n

Qu\u00e4lende Hassliebe<\/h3>\n\n\n\n

Doch in den letzten 15 Jahren ist der Traum von der europ\u00e4ischen Unipolarit\u00e4t einer multipolaren Realit\u00e4t gewichen. Sowohl Russland als auch die T\u00fcrkei haben eine lange, qu\u00e4lende Hassliebe zu Europa, und beide sind unter nationalen Machthabern, denen die Verachtung der Normen und Werte der EU gemeinsam ist, durchsetzungsf\u00e4higer geworden.<\/p>\n\n\n\n

Die zunehmende Verschlechterung der Beziehungen zwischen der EU und Russland ist gut dokumentiert, der Fall der T\u00fcrkei weniger. Der Irakkrieg im Jahr 2003 komplizierte das Verh\u00e4ltnis der T\u00fcrkei zur Nato, und ihr Verh\u00e4ltnis zur EU verschlechterte sich 2007, als Frankreich einen wichtigen Teil ihrer EU-Beitrittsverhandlungen blockierte. Seitdem hat die T\u00fcrkei ihren eigenen Weg in Syrien, auf dem Balkan und in Libyen eingeschlagen und neue Beziehungen zu Russland und China aufgebaut.<\/p>\n\n\n\n

Wichtiger Akteur<\/strong><\/h3>\n\n\n\n

Nat\u00fcrlich sind die Beziehungen zwischen der T\u00fcrkei und Russland nicht weniger kompliziert, nicht zuletzt weil Erdo\u011fan und der russische Pr\u00e4sident Wladimir Putin im syrischen B\u00fcrgerkrieg verschiedene Seiten unterst\u00fctzten.Und w\u00e4hrend die Spannungen wegen des Syrien-Konflikts weiterhin bestehen, bewundert Erdo\u011fan deutlich, wie Russland sich \u2013 bei relativ geringen Kosten \u2013 wieder als wichtiger Akteur im Nahen Osten und in Nordafrika etabliert hat.<\/p>\n\n\n\n

Nachdem er in einen nicht zu gewinnenden Krieg im Osten der Ukraine verwickelt war, schien Putins weitgehend erfolgreicher Feldzug in Syrien einen Teil seiner innenpolitischen Autorit\u00e4t wiederherzustellen. Der Westen hatte f\u00fcnf Jahre lang darauf bestanden, dass es keine milit\u00e4rische L\u00f6sung des Konflikts gebe und dass der syrische Pr\u00e4sident Baschar al-Assad gehen m\u00fcsse. Doch w\u00e4hrend die von den Vereinten Nationen unterst\u00fctzten Gespr\u00e4che in Genf zu keinem Ergebnis f\u00fchrten, schienen die von Russland geleiteten Gespr\u00e4che in Astana voranzukommen. Indem der Kreml die T\u00fcrkei und den Iran einbezog, w\u00e4hrend er die westlichen M\u00e4chte ausschloss, erweckte er den Eindruck, dass Russland als wiedergeborene Supermacht aus der Asche auferstanden sei.<\/p>\n\n\n\n

Unter Druck<\/h3>\n\n\n\n

Angesichts des wachsenden Widerstands im eigenen Land macht es Erdo\u011fan Putin gleich. Da der Westen nicht bereit war, (erneut) milit\u00e4risch in Libyen zu intervenieren, sah Erdo\u011fan eine Gelegenheit, die T\u00fcrkei zu positionieren. Nach dem Vorgehen Russlands in Syrien sicherte er sich eine formelle Einladung der libyschen Regierung zur Intervention. Mit einem Schlag Ende letzten Jahres hat er nicht nur das Image der T\u00fcrkei als Regionalmacht gest\u00e4rkt, sondern auch ein Abkommen mit Libyen \u00fcber die Seegrenze abgeschlossen und damit einen Plan Griechenlands, Zyperns, \u00c4gyptens und Israels zur Erschlie\u00dfung von Unterwasser\u00f6l- und -gasfeldern in der N\u00e4he zunichtegemacht.<\/p>\n\n\n\n

Erdo\u011fan scheint auch von der Spalt-und-Eroberungs-Strategie des Kreml in Europa inspiriert worden zu sein, der zufolge oft diejenigen EU-Mitgliedsstaaten unter Druck gesetzt werden, die am meisten von russischen Kohlenwasserstoffen oder M\u00e4rkten abh\u00e4ngig sind. So wie Putin lange Zeit die Energieversorgung instrumentalisiert hat, hat Erdo\u011fan versucht, den Strom von Migranten und Fl\u00fcchtlingen, die vor Konflikten im Nahen Osten fliehen, zu instrumentalisieren. Als die EU eine neue Marinemission ank\u00fcndigte, um den Waffenstrom nach Libyen zu blockieren, malte die T\u00fcrkei f\u00fcr Malta das Schreckgespenst der angeblichen Bedrohung durch Migranten an die Wand. Malta reagierte prompt und signalisierte, dass es gegen die Finanzierung der Mission ein Veto einlegen werde.<\/p>\n\n\n\n

Verlorener Sohn<\/strong><\/h3>\n\n\n\n

Jahrelang redeten sich die Europ\u00e4er ein, dass Russland eine Art verlorener Sohn sei und dass die europ\u00e4ische unipolare Ordnung gesund bleibe. Doch das machte Europa zu einem leichten Ziel f\u00fcr die Trennungs-und-Eroberungs-Strategie des Kreml. Erst vor relativ kurzer Zeit entwarf die Union eine neue Politik und ein robustes Sanktionsregime, um die russische Aggression abzuschrecken. Und selbst jetzt \u2013 trotz der besten Bem\u00fchungen der deutschen Bundeskanzlerin Angela Merkel und des franz\u00f6sischen Pr\u00e4sidenten Emmanuel Macron \u2013 hat die EU noch immer keine wirksamen Kommunikationskan\u00e4le mit Russland geschaffen, um gemeinsame Probleme anzugehen.<\/p>\n\n\n\n

Die T\u00fcrkei ist noch kein neues Russland, aber sie k\u00f6nnte dazu werden, wenn die Situation falsch gehandhabt wird. Vorerst betrachten die meisten Europ\u00e4er die T\u00fcrkei noch immer als einen komplizierten Partner und nicht als \"Systemrivalen\". Aber die Europ\u00e4er sollten die hart erk\u00e4mpften Lehren aus dem Umgang mit Russland in den letzten 15 Jahren beherzigen. Die Beziehungen zwischen der EU und der T\u00fcrkei brauchen neue, einvernehmlich vereinbarte Prinzipien sowie klare Grenzen, um eine weitere Destabilisierung in der Region zu verhindern.<\/p>\n\n\n\n

Zu diesem Zweck sollten die Europ\u00e4er klarstellen, dass der EU-Beitrittsprozess entweder zur\u00fcckgedreht oder vorangetrieben werden kann und dass eine eher transaktionale Beziehung sowohl Zuckerbrot als auch Peitsche beinhaltet. Die Herausforderung wird darin bestehen, daf\u00fcr zu sorgen, dass es in einer Region, die nicht nur von Europa und der T\u00fcrkei, sondern auch von Russland, den USA und einem aufstrebenden China beeinflusst wird, noch Raum f\u00fcr politisches Engagement in Fragen der gemeinsamen Sicherheit gibt. (Mark Leonard, \u00dcbersetzung: Eva G\u00f6llner, Copyright: Project Syndicate, 10.8.2020)<\/p>\n\n\n\n

Mark Leonard <\/strong>ist Direktor des Europ\u00e4ischen Rats f\u00fcr Ausw\u00e4rtige Beziehungen.<\/a><\/p>\n","post_title":"Erdo\u011fan \u2013 der andere Putin vor der Haust\u00fcr Europas","post_excerpt":"","post_status":"publish","comment_status":"closed","ping_status":"closed","post_password":"","post_name":"erdogan-der-andere-putin-vor-der-haustur-europas","to_ping":"","pinged":"","post_modified":"2025-02-02 08:39:39","post_modified_gmt":"2025-02-02 08:39:39","post_content_filtered":"","post_parent":0,"guid":"https:\/\/dctransparency.com\/?p=3789","menu_order":0,"post_type":"post","post_mime_type":"","comment_count":"0","filter":"raw"},{"ID":3786,"post_author":"7","post_date":"2020-08-14 13:51:23","post_date_gmt":"2020-08-14 13:51:23","post_content":"\n

Einen Monat nachdem ich zur israelischen Armee eingezogen worden war, brach die erste Intifada aus. Statt Soldat zu sein, machte ich Polizeiarbeit, sagte den Menschen, wann sie zur Arbeit gehen konnten und wann sie ihre L\u00e4den schlie\u00dfen mussten, wann sie die Grenze passieren und wann sie schlafen konnten. Einen Monat nachdem ich aus der Armee entlassen worden war, ging ich auf Reisen. (In Israel sagen wir: Wir dienen drei Jahre und versuchen den Rest unseres Lebens, diese drei Jahre zu vergessen.) Auf meiner Reise begann ich Briefe an meine Freundin zu schreiben, die ich in Israel zur\u00fcckgelassen hatte.<\/p>\n\n\n\n

Ich schrieb ihr, wie schrecklich depressiv ich war und dass diese drei Jahre des Anweisungenbellens und Anderen-Menschen-Sagens, was sie zu tun haben, mich f\u00fcr immer verfolgen w\u00fcrden. Dass sie ein Teil dessen geworden waren, was ich bin. Ich erinnere mich, dass ich ihr schrieb, dass wir da rausm\u00fcssen \u2013 nicht nur f\u00fcr die Pal\u00e4stinenser, sondern wegen der furchtbaren und brutalen Auswirkungen, die all das auf uns, auf die israelische Gesellschaft haben w\u00fcrde. Sie schrieb zur\u00fcck: \u201eDu hast recht. Ich habe einen neuen Freund.\u201c<\/p>\n\n\n\n

Felix Klein wurde als Beauftragter der Bundesregierung berufen<\/a>, um die Auswirkungen des zunehmenden Antisemitismus in unserer Gesellschaft, in Deutschland, zu bek\u00e4mpfen. Was nicht in seiner Jobbeschreibung steht, ist, dass er dabei unsere Gesellschaft heilen muss, jene Gesellschaft, die diese Form des Hasses reproduziert und sch\u00fctzt. Klein hat das begriffen.<\/p>\n\n\n\n

Er versteht, dass man Krebs nicht mit einem Pflaster verarztet, er wei\u00df, dass er das Bewusstsein der Deutschen sch\u00e4rfen und Diskussionen ansto\u00dfen muss. Er hat begriffen, dass das Problem nicht nur an den R\u00e4ndern der Gesellschaft (bei den Rechten) liegt, sondern auch in ihrer Mitte. Dort, wo gebildete Menschen nicht einmal bemerken, dass das, was sie sagen und tun, antisemitisch ist. So wie sie es auch nicht merken, wenn sie rassistisch handeln. Er hat all das verstanden, und genau deshalb wollen einige, dass er seinen Posten r\u00e4umt.<\/p>\n\n\n\n

Mehr als 60 deutsche und israelische Intellektuelle haben letzte Woche in einem Brief an Kanzlerin Merkel<\/a> dar\u00fcber geklagt, dass der aktuelle \u201eGebrauch des Antisemitismusbegriffs\u201c darauf abziele, \u201elegitime Kritik an der israelischen Regierungspolitik zu unterdr\u00fccken\u201c, und Klein vorgeworfen, rechtspopulistische israelische Stimmen zu f\u00f6rdern.<\/p>\n\n\n\n

Faszinierend an diesem offenen Brief ist, dass viele der Unterzeichneten keine Deutschen sind und auch nicht in Deutschland leben. Ich wei\u00df nicht, woher sie \u2013 die meisten von ihnen sind Israelis \u2013 die Chuzpe haben, sich in eine innerdeutsche Angelegenheit einzumischen und zu fordern, eine Person zu entlassen, die von der Bundesregierung eingesetzt wurde. Die H\u00e4lfte der Unterzeichneten lebt nicht hier, von der anderen H\u00e4lfte sind viele keine Juden \u2013 somit sind die allermeisten von ihnen nicht direkt vom Antisemitismus in Deutschland betroffen. Wie also k\u00f6nnen sie diesen Brief unterschreiben? Und warum eigentlich haben so wenige Deutsche unterschrieben? Dazu komme ich gleich.<\/p>\n\n\n\n

Debatte um Achille Mbembe<\/h6>\n\n\n\n

Hintergrund des Briefs war, dass Felix Klein gefordert hatte, den Philosophen Achille Mbembe<\/a> nicht die Er\u00f6ffnungsrede der Ruhrtriennale halten zu lassen. Als mit \u00f6ffentlichen Mitteln gef\u00f6rdertes Event solle die Ruhrtriennale Mbembe wegen seiner Haltung zu Israels Existenzrecht, seiner Haltung zu BDS und der Art, wie er in einem seiner Werke den Holocaust relativiert, nicht einladen.<\/p>\n\n\n\n

Mbembes Unterst\u00fctzer sagen, keine dieser Anschuldigungen sei wahr. F\u00fcrs Protokoll: In meinen Augen unterst\u00fctzt Mbembe sehr wohl BDS<\/a>, er schrieb unter anderem das Vorwort zu \u201eApartheid Israel\u201c und fordert die komplette Isolation Israels. Ich glaube auch, wenn Mbembe schreibt, die israelische Besetzung sei der \u201egr\u00f6\u00dfte moralische Skandal unserer Zeit\u201c, zeigt das, dass sein moralischer und geografischer Kompass etwas schief ist.<\/p>\n\n\n\n

Doch warum treibt die Debatte so viele Menschen um? Nun, zun\u00e4chst gibt niemand gern auf, was ihm oder ihr selbstverst\u00e4ndlich scheint. \u00dcber den gesamten politischen, sozialen, kulturellen, medialen und akademischen Sektor hinweg sind Menschen daran gew\u00f6hnt, so schlecht \u00fcber Israel sprechen zu k\u00f6nnen, wie auch immer sie wollen.<\/p>\n\n\n\n

Der Spiegel<\/em> hat \u2013 vielleicht in Anlehnung an seine Relotius-Standards, Israel erst k\u00fcrzlich eine Corona-Diktatur genannt. Fakten und Belege f\u00fcr diese Behauptung gab es nicht. Doch Millionen Deutsche haben es gelesen, und es wird nat\u00fcrlich haften bleiben. Faktenlage hin oder her. Der Spiegel<\/em> und andere Medien haben dieses Spiel perfektioniert: Titel so zu drehen, dass sie Israel indirekt anklagen, die Idee zu streuen, der Mossad kon\u00adtrol\u00adliere die deutsche Au\u00dfenpolitik im Nahen Osten, und so fort. Doch sie stehen allesamt sofort auf den Hinterbeinen, wenn jemand es wagt, das Spiel beim Namen zu nennen: moderner Antisemitismus.<\/p>\n\n\n\n

Klein will dem entgegenwirken. Er versteht, dass antisemitische Attacken in Deutschland die Fr\u00fcchte solch falsch gezeichneter Bilder und eindimensionaler Narrative \u00fcber Israel sind. Wenn er und andere versuchen, ein anderes Narrativ aufzuzeigen, wirft man ihnen Zensur vor: Wie k\u00f6nnen sie es wagen, das Gesch\u00e4ft der Anti-Israel-Propaganda zu st\u00f6ren?<\/p>\n\n\n\n

Liebe Deutsche, wenn ihr reden wollt, lasst uns gern reden: \u00fcber die Besetzung, \u00fcber Bibi und alles, was schiefl\u00e4uft. Aber dann lasst uns bitte auch dar\u00fcber reden, wie deutsche Steuergelder Terrortunnel finanzieren. Erst vergangene Woche r\u00e4umte die niederl\u00e4ndische Regierung ein, dass Gelder an eine Landwirtschaftsorganisation in Ramallah geflossen seien, die damit teilweise die Geh\u00e4lter zweier des Mordes an der 17-j\u00e4hrigen Israelin Rina Shnerb Verd\u00e4chtiger gezahlt haben. Auch die Bundesregierung unterst\u00fctzt diese Organisation, obwohl Kritiker schon lange vor Verbindungen zu Terroristen warnen.<\/p>\n\n\n\n

Wir k\u00f6nnen uns also gerne unterhalten \u2013 aber im Dialog, nicht in Monologen. Denn Reden unter Menschen, die sich einig sind, ist nichts anderes als Impotenz.<\/p>\n\n\n\n

Israelkritik als Eintrittskarte<\/h6>\n\n\n\n

Die Israelis, die die Petition unterzeichnet haben, haben \u00fcbrigens ebenfalls etwas verstanden. Seit Jahren wissen sie: Es ist ihre Eintrittskarte in die Mitte der deutschen (und europ\u00e4ischen) Gesellschaft. Man h\u00f6rt nicht oft von Akademikern mit proisraelischen Ansichten. Weder in den Philharmonie-Orchestern noch in der Kunstszene. Die Eintrittskarte daf\u00fcr ist ein antiisraelischer Standpunkt.<\/p>\n\n\n\n

Der mutma\u00dfliche Grund, warum kaum Deutsche die Petition unterzeichnet haben: Sie mussten es nicht. Ihre Lieblingsjuden haben es f\u00fcr sie getan. Jetzt k\u00f6nnen sie sagen: \u201eSchau, ich bin das ja nicht, meine j\u00fcdischen Freunde sagen es.\u201c Ich selbst war einige Jahre lang mit einem Paar hier in Berlin befreundet, bis ich herausfand, dass ich ihr Lieblingsjude war. Ja, selbst das j\u00fcdische Museum wurde so genutzt.<\/p>\n\n\n\n

Weil Attacken gegen Juden ein absolutes Tabu sind, wurden Umwege gefunden, um den Antisemitismus auf kleiner Flamme k\u00f6cheln zu lassen: die unfundierte, unbegr\u00fcndete Kritik an Israel.<\/p>\n\n\n\n

Diese Art der Kritik ist gef\u00e4hrlich. Sie schw\u00e4cht jede begr\u00fcndete und notwendige Kritik am Verhalten Israels. Und das Interessante ist: Trotz all der heftigen, pauschalisierenden Anklagen, all der offenen Briefe driftet Israel politisch immer weiter nach rechts. Doch statt mal einen anderen Ansatz zu versuchen, werden die antiisraelischen Stimmen nur lauter. Dasselbe versuchen und andere Ergebnisse davon erwarten \u2013 das ist die Definition von Wahnsinn.<\/p>\n\n\n\n

Kurz bevor der Prozess gegen den wegen des Attentats von Halle<\/a> Angeklagten begann \u2013 des seit Kriegsende schlimmsten Akts von Antisemitismus in Deutschland \u2013, lud eine Lokalzeitung den fr\u00fcheren Botschafter Shimon Stein und den Historiker Moshe Zimmermann ein, dar\u00fcber zu schreiben, was Antisemitismus ist. Nat\u00fcrlich wendeten auch sie sich gegen Felix Kleins Ansatz. Sie zitieren die Kontroverse um die Umbenennung der U-Bahn-Station Mohrenstra\u00dfe in Glinkastra\u00dfe, die sich darum drehte, dass der russische Komponist Michael Glinka Antisemit gewesen sein soll. Stein und Zimmermann halten die Debatte f\u00fcr \u00fcberzogen, Glinka sei nur ein Kind seiner Zeit gewesen. Folgt man ihrer Logik, k\u00f6nnen wir dann also in 20 oder 30 Jahren U-Bahn-Stationen nach den Kindern der 1930er Jahre benennen?<\/p>\n\n\n\n

Der Antisemit als Tierfreund<\/h6>\n\n\n\n

Ich w\u00fcnschte, die Sache h\u00e4tte mit dem Artikel, mit der Petition geendet. Doch dann erschien ein Artikel, der den Leser auf einen Waldspaziergang mit einem veganen Koch und Antisemiten mitnahm. Darin setzt der Tierfreund erst behutsam einen K\u00e4fer wieder auf seine Beinchen und erkl\u00e4rt dann, dass die Todesstrafe in Deutschland wieder eingef\u00fchrt werden solle, um einen gewissen Politiker (der zuf\u00e4llig pro Israel ist) an seinen Hoden aufh\u00e4ngen zu k\u00f6nnen. Dieser Koch hat Hunderttausende Follower, er sagt all solche Dinge am helllichten Tag in Berlin. Und in den Medien.<\/p>\n\n\n\n

F\u00e4lle wie dieser handeln bereits von Gewalt \u2013 und sie enden nicht bei den Juden. Der Hass richtet sich gegen Frauen<\/a>, Muslime, Gefl\u00fcchtete, \u00adLBTQI. Am Ende aller theoretischen Debatten stehen immer echte Menschen. Am Ende jeder Konferenz dar\u00fcber, was Antisemitismus ausmacht, steht ein potenzielles j\u00fcdisches Opfer. Angesichts einer Welle von Antisemitismus \u00fcber die Definition von Antisemitismus zu streiten ist, wie eine 10 Meter hohe Welle heranrollen zu sehen und dar\u00fcber zu streiten, was einen Tsunami ausmacht.<\/p>\n\n\n\n

Felix Klein versteht, wie absurd es ist, zu sagen: Es sind nur die Rechten. Die Rechten sind Deutsche, so wie die Nazis Deutsche waren. Klein versteht, dass die Deutschen nicht aufgeh\u00f6rt haben, Juden zu ermorden, weil sie irgendeine Art von Erleuchtung hatten. Sondern schlicht, weil sie den Krieg verloren haben. Um den Antisemitismus zu bek\u00e4mpfen, bevor er die Gesellschaft frisst, in der er und wir leben, muss Deutschland seinen moralischen Kompass korrigieren.<\/p>\n\n\n\n

Immerhin: Mehr und mehr Deutsche fahren nach Israel, sie wollen ein anderes Narrativ h\u00f6ren. Mehr und mehr Deutsche verstehen, dass Antisemitismus Schockwellen ausl\u00f6st, die die gesamte Gesellschaft betreffen. In einem normalen Universum w\u00fcrde Klein bef\u00f6rdert werden f\u00fcr seine Leistung. In einer verdrehten Gesellschaft fordern Menschen seine Entlassung. Um es mit Mbembe zu sagen: Das ist Nano-Nonsens.<\/p>\n\n\n\n

\u00dcbersetzung: Ariane Lemme<\/a><\/em><\/p>\n","post_title":"Felix Klein hat verstanden","post_excerpt":"","post_status":"publish","comment_status":"closed","ping_status":"closed","post_password":"","post_name":"felix-klein-hat-verstanden","to_ping":"","pinged":"","post_modified":"2025-02-02 08:39:39","post_modified_gmt":"2025-02-02 08:39:39","post_content_filtered":"","post_parent":0,"guid":"https:\/\/dctransparency.com\/?p=3786","menu_order":0,"post_type":"post","post_mime_type":"","comment_count":"0","filter":"raw"}],"next":false,"prev":true,"total_page":47},"paged":1,"column_class":"jeg_col_2o3","class":"epic_block_3"};

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In dem Brief wurde gefordert, dass der Streit zwischen Saudi-Arabien und Katar auf friedlichem Wege beigelegt wird und dass milit\u00e4rische Aktionen gegen ein souver\u00e4nes Land und einen Verb\u00fcndeten des Vereinigten K\u00f6nigreichs die Stabilit\u00e4t des Nahen Ostens untergraben und den Frieden in der gesamten Golfregion bedrohen w\u00fcrden.<\/p>\n\n\n\n

Die Gruppe der Abgeordneten f\u00fcgte hinzu, dass Katar zur Entsch\u00e4rfung von Konflikten im Nahen Osten beigetragen und als Vermittler f\u00fcr Friedensinitiativen fungiert habe. Sie f\u00fcgten hinzu, dass Katar ein strategischer Verb\u00fcndeter des Vereinigten K\u00f6nigreichs ist und eine wichtige Rolle bei der Gestaltung der britischen Politik in der Region spielt.<\/p>\n\n\n\n

Sie forderten die britische Regierung au\u00dferdem auf, ihr Engagement f\u00fcr eine friedliche L\u00f6sung des Streits zu bekr\u00e4ftigen, und baten um die Zusicherung, dass sie die derzeitige Blockade durch Saudi-Arabien, die seit 2017 besteht, nicht unterst\u00fctzt.<\/p>\n\n\n\n

Eine Gruppe von Abgeordneten folgte ihren britischen Kollegen und \u00e4u\u00dferte Bedenken hinsichtlich der m\u00f6glichen saudischen Pl\u00e4ne, in Katar einzudringen.<\/p>\n\n\n\n

In letzter Zeit wurden mehrere \u00f6ffentliche Erkl\u00e4rungen und Tweets zu diesem Thema abgegeben. Der italienische Europaabgeordnete Fulvio Martusciello \u00e4u\u00dferte letzte Woche Bedenken und forderte sofortige Ma\u00dfnahmen, um eine k\u00fcnftige Eskalation einzud\u00e4mmen. Er twitterte: \u201eSehr besorgt und alarmiert dar\u00fcber, dass Saudi-Arabien erwogen hat, in Katar einzudringen. Dies wird v\u00f6llig abgelehnt und gef\u00e4hrdet die Stabilit\u00e4t in der Golfregion und im Nahen Osten. Die EU muss sich gegen alle Versuche von KSA und VAE behaupten, souver\u00e4ne Staaten anzugreifen. #GulfPeace. \"<\/p>\n\n\n\n

Dar\u00fcber hinaus haben mehrere Abgeordnete wie Urmas Paet, Hilde Vautmans, Malik Azmani und Bart Groothuis an den Vizepr\u00e4sidenten der Kommission und den Hohen Vertreter der Union f\u00fcr Au\u00dfen- und Sicherheitspolitik geschrieben.<\/p>\n\n\n\n

Die Gruppe sagte: \u201eAm 6. August 2020 wurde \u00f6ffentlich bekannt, dass w\u00e4hrend eines offiziellen Aufrufs am 6. Juni 2017 zwischen dem US-Pr\u00e4sidenten Donald Trump und dem saudi-arabischen K\u00f6nig Salman ein Vorschlag zur Invasion Katars vorgelegt wurde . Die US-Regierung lehnte den saudischen Vorschlag sofort ab und forderte die formelle Vermittlung durch die kuwaitischen Beh\u00f6rden im Rahmen des Golf-Kooperationsrates. \u201c<\/p>\n","post_title":"Europ\u00e4ische Politiker verurteilen saudische Pl\u00e4ne, in Katar einzudringen","post_excerpt":"","post_status":"publish","comment_status":"closed","ping_status":"closed","post_password":"","post_name":"europaische-politiker-verurteilen-saudische-plane-in-katar-einzudringen","to_ping":"","pinged":"","post_modified":"2025-02-02 08:39:39","post_modified_gmt":"2025-02-02 08:39:39","post_content_filtered":"","post_parent":0,"guid":"https:\/\/dctransparency.com\/?p=3818","menu_order":0,"post_type":"post","post_mime_type":"","comment_count":"0","filter":"raw"},{"ID":3811,"post_author":"7","post_date":"2020-08-28 13:33:59","post_date_gmt":"2020-08-28 13:33:59","post_content":"\n

Die BBC <\/a>hat neue Beweise daf\u00fcr gefunden, dass eine von den Vereinigten Arabischen Emiraten (VAE) betriebene Drohne im Januar 2020 26 unbewaffnete Kadetten an einer Milit\u00e4rakademie in der libyschen Hauptstadt Tripolis get\u00f6tet hat.<\/p>\n\n\n\n

Zum Zeitpunkt des Streiks am 4. Januar wurde Tripolis von der selbsternannten libyschen Nationalarmee (LNA) belagert.<\/p>\n\n\n\n

Es hat die Verantwortung f\u00fcr den Angriff abgelehnt und vermutet, dass die Kadetten durch Beschuss vor Ort get\u00f6tet wurden.<\/p>\n\n\n\n

Es gibt jedoch Hinweise darauf, dass die Kadetten von einer chinesischen Blue Arrow 7-Rakete getroffen wurden.<\/p>\n\n\n\n

Dies wurde von einer Drohne namens Wing Loong II abgefeuert, und die Untersuchung von BBC Africa Eye und BBC Arabic Documentaries ergab auch Hinweise darauf, dass Wing Loong II-Drohnen zum Zeitpunkt des Streiks nur von einem libyschen Luftwaffenst\u00fctzpunkt aus operierten - al-Khadim - und dass die VAE die dort stationierten Drohnen geliefert und betrieben haben.<\/p>\n\n\n\n

\"\"<\/figure>\n\n\n\n

Die VAE haben zuvor die milit\u00e4rische Beteiligung in Libyen verweigert und sagen, sie unterst\u00fctzen den UN-Friedensprozess. Es antwortete nicht auf die Bitte der BBC um einen Kommentar.<\/p>\n\n\n\n

Was ist mit diesen Kadetten passiert?<\/strong><\/p>\n\n\n\n

Kurz nach 21:00 Uhr am 4. Januar 2020 f\u00fchrten rund 50 Kadetten Routine\u00fcbungen an einer Milit\u00e4rakademie im S\u00fcden von Tripolis durch.<\/p>\n\n\n\n

Ohne Vorwarnung detonierte eine Explosion in der Mitte der Gruppe und lie\u00df 26 Kadetten tot oder auf dem Exerzierplatz sterben. Viele waren noch Teenager. Keiner von ihnen war bewaffnet.

Einer der \u00dcberlebenden war der 20-j\u00e4hrige Abdul Moeen.<\/p>\n\n\n\n

Er war in der Akademie, als der Streik eintraf. \"Es war unbeschreiblich\", sagte er der BBC.<\/p>\n\n\n\n

\"Wir haben gesehen, wie unsere Kollegen starben, ihren letzten Atemzug machten und wir konnten nichts tun ... Es gab Leute, deren Oberk\u00f6rper von ihren K\u00f6rpern getrennt waren. Es war ein schreckliches Verbrechen, ein Verbrechen, das nichts mit der Menschheit zu tun hat. \"\"<\/p>\n\n\n\n

Sieben Monate nach dem Streik hat niemand die Verantwortung f\u00fcr die T\u00f6tung dieser jungen M\u00e4nner eingestanden.<\/p>\n\n\n\n

Die LNA unter Gen Khalifa Haftar bestritt, dass sie hinter dem Streik steckt, und teilte der Presse mit, dass die Explosion m\u00f6glicherweise durch eine lokal abgefeuerte M\u00f6rsergranate oder einen Angriff innerhalb der Akademie verursacht worden sei.<\/p>\n\n\n\n

Was hat die BBC gefunden?<\/strong><\/p>\n\n\n\n

Die Untersuchung ergab Hinweise darauf, dass eine viel ausgefeiltere Waffe verwendet wurde.<\/p>\n\n\n\n

\"\"<\/figure>\n\n\n\n

Die BBC betrachtete Bilder des Splitters, der nach dem Streik auf dem Exerzierplatz zur\u00fcckgelassen wurde, und kam zu dem Schluss, dass er mit den Komponenten einer Rakete namens Blue Arrow 7 \u00fcbereinstimmte.<\/p>\n\n\n\n

Unsere Analyse ergab, dass nur ein Flugzeug, das im Januar 2020 \u00fcber Tripolis operierte, diese Waffe abfeuern konnte - eine Drohne namens Wing Loong 2.<\/p>\n\n\n\n

Nur drei Wochen vor diesem Streik kamen die Vereinten Nationen zu dem Schluss, dass der Blaue Pfeil 7 \"ballistisch gepaart ist, um vom Wing Loong II geliefert zu werden ... und von keinem anderen in Libyen bisher identifizierten Luftfahrtgut\".<\/p>\n\n\n\n

Die BBC untersuchte auch, woher diese Drohne stammen k\u00f6nnte, und fand Hinweise darauf, dass Wing Loong-Drohnen zum Zeitpunkt des Angriffs nur von einem libyschen Luftwaffenst\u00fctzpunkt aus operierten: al-Khadim im von der LNA kontrollierten Ostlibyen.<\/p>\n\n\n\n

Sowohl die BBC als auch die UN haben Beweise daf\u00fcr gefunden, dass Drohnen, die von diesem Luftwaffenst\u00fctzpunkt aus operieren, zu den Vereinigten Arabischen Emiraten geh\u00f6ren.<\/p>\n\n\n\n

Im Jahr 2019 stellte die UNO fest, dass die VAE durch den Versand von Wing Loong-Drohnen und Blue Arrow 7-Raketen nach Libyen gegen das seit 2011 geltende UN-Waffenembargo gegen das Land versto\u00dfen hatten.<\/p>\n\n\n\n

Die BBC fand auch ein Waffenregister, aus dem hervorgeht, dass die VAE 2017 15 Wing Loong-Drohnen und 350 Blue Arrow 7-Raketen gekauft haben.<\/p>\n\n\n\n

Was hat die BBC noch aufgedeckt?<\/strong><\/p>\n\n\n\n

<\/p>\n\n\n\n

Die BBC-Untersuchung ergab auch neue Beweise daf\u00fcr, dass \u00c4gypten den VAE erlaubt, \u00e4gyptische Milit\u00e4rflugpl\u00e4tze nahe der libyschen Grenze zu nutzen.<\/p>\n\n\n\n

Im Februar 2020 scheinen die in Libyen stationierten Wing Loong II-Drohnen \u00fcber die Grenze nach \u00c4gypten zu einem Luftwaffenst\u00fctzpunkt in der N\u00e4he von Siwa in der west\u00e4gyptischen W\u00fcste gebracht worden zu sein.<\/p>\n\n\n\n

Satellitenbilder zeigen auch, dass ein zweiter \u00e4gyptischer Milit\u00e4rflugplatz, Sidi Barrani, als Einsatzbasis f\u00fcr Mirage 2000-Kampfflugzeuge verwendet wurde, die in Farben lackiert sind, die nicht von der \u00e4gyptischen Luftwaffe verwendet werden, aber genau den von den VAE geflogenen Jets entsprechen .<\/p>\n\n\n\n

Dies ist das gleiche Flugzeugmodell, das von den Vereinten Nationen in einen Luftangriff auf ein Migrationszentrum \u00f6stlich von Tripolis im Juli 2019 verwickelt wurde, bei dem 53 Menschen get\u00f6tet wurden.<\/p>\n\n\n\n

Ausl\u00e4ndischer Jet bei libyschem Migrantenangriff verd\u00e4chtigt<\/p>\n\n\n\n

Sidi Barrani ist auch das Ziel f\u00fcr mehrere Frachtflugzeuge, die von den Vereinigten Arabischen Emiraten gestartet sind, und schl\u00e4gt eine Luftbr\u00fccke f\u00fcr Ausr\u00fcstung oder Lieferungen zwischen den Vereinigten Arabischen Emiraten und einer Milit\u00e4rbasis vor, die nur 80 km von der libyschen Grenze entfernt liegt.<\/p>\n\n\n\n

Die \u00e4gyptische Regierung antwortete nicht auf die Bitte der BBC um Stellungnahme.<\/p>\n\n\n\n

Ist ausl\u00e4ndisches milit\u00e4risches Engagement \u00fcberraschend?<\/strong><\/p>\n\n\n\n

Sowohl die Vereinigten Arabischen Emirate als auch \u00c4gypten nahmen an einer von Bundeskanzlerin Angela Merkel im Januar dieses Jahres in Berlin einberufenen Konferenz \u00fcber Libyen teil, auf der sie ihre Unterst\u00fctzung f\u00fcr den UN-Friedensprozess bekr\u00e4ftigten und sich bereit erkl\u00e4rten, nicht in den Libyen-Krieg einzugreifen.<\/p>\n\n\n\n

Im vergangenen Jahr gab es jedoch eine Eskalation des Einsatzes von Drohnen durch beide Seiten des Konflikts.<\/p>\n\n\n\n

Ghassan Salam\u00e9, der fr\u00fchere Leiter der UN-Mission in Libyen, beschrieb dies als \"m\u00f6glicherweise das gr\u00f6\u00dfte Drohnenkriegstheater der Welt\".<\/p>\n\n\n\n

Die VAE sind nicht die einzige ausl\u00e4ndische Macht, die an diesem Konflikt beteiligt ist.<\/p>\n\n\n\n

Anfang dieses Jahres gab BBC Africa Eye bekannt, dass die T\u00fcrkei auch gegen das Waffenembargo der Vereinten Nationen gegen Libyen versto\u00dfen hat, indem sie geheime Waffenlieferungen an die von den Vereinten Nationen anerkannte Regierung in Tripolis gesendet hat.<\/p>\n\n\n\n

Mit Unterst\u00fctzung der T\u00fcrkei hat die von den Vereinten Nationen anerkannte Regierung des Nationalen Abkommens nun die LNA von Gen Haftar aus der Gegend um Tripolis zur\u00fcckgeschlagen.<\/p>\n","post_title":"BBC-Untersuchung: VAE in t\u00f6dlichen Angriff in Libyen verwickelt","post_excerpt":"","post_status":"publish","comment_status":"closed","ping_status":"closed","post_password":"","post_name":"bbc-untersuchung-vae-in-todlichen-angriff-in-libyen-verwickelt","to_ping":"","pinged":"","post_modified":"2025-02-02 08:39:39","post_modified_gmt":"2025-02-02 08:39:39","post_content_filtered":"","post_parent":0,"guid":"https:\/\/dctransparency.com\/?p=3811","menu_order":0,"post_type":"post","post_mime_type":"","comment_count":"0","filter":"raw"},{"ID":3792,"post_author":"7","post_date":"2020-08-14 13:58:48","post_date_gmt":"2020-08-14 13:58:48","post_content":"\n

Die Hagia Sophia war (ist) ein kulturelles Weltwunder und aufgeladen mit symbolischer Bedeutung, f\u00fcr die Christenheit ebenso wie f\u00fcr den Islam \u2013 und den t\u00fcrkischen Nationalismus. Als Mehmed II. sie betrat, war sie schon fast 1000 Jahre die gr\u00f6\u00dfte Kirche der christlichen Welt und das Zentrum der orthodoxen Glaubensrichtung. Die \"Ayasofya\", wie sie dann hie\u00df, war 500 Jahre lang Moschee \u2013 bis 1934, als Kemal Pascha Atat\u00fcrk, der \"Vater\" der modernen T\u00fcrkei, sie in ein Museum verwandelte, in der ausdr\u00fccklichen Absicht, auch hier mit dem osmanischen Erbe zu brechen.<\/p>\n\n\n\n

Nun wird Pr\u00e4sident Recep Tayyip Erdo\u011fan, der \"Vater\" der re-islamisierten T\u00fcrkei, am 24. Juli dieses Jahres die Ayasofya durch das Freitagsgebet wieder in den Islam eingliedern. Oder eher in seinen pers\u00f6nlichen religi\u00f6sen Nationalismus.<\/p>\n\n\n\n

Welterbe von allen<\/h3>\n\n\n\n

Wie bedeutungsschwer ist dieser Akt eines \"starken Mannes\", der innenpolitisch deutlich schw\u00e4chelt? Die Proteste vor allem aus der orthodoxen Welt, aber auch aus Europa und den USA sind eher traurig als w\u00fctend. Der Papst dr\u00fcckte seinen \"Schmerz\" aus. Auch der Jubel in der islamischen Welt fiel zun\u00e4chst weniger \u00fcbersch\u00e4umend als erwartet aus.<\/p>\n\n\n\n

Ist es der Alleingang eines Autokraten in Bedr\u00e4ngnis oder ist \"der Jubel \u00fcber die Eroberung der Hagia Sophia der Versuch einer zutiefst erniedrigten, vom Gef\u00fchl der Wertlosigkeit dominierten und in ihrer eigenen Selbstberechtigung beraubten Gesellschaft, eine Bedeutung, eine St\u00e4rke, ein Selbstwertgef\u00fchl zu finden\"? So recht pauschalierend der in Deutschland lebende pal\u00e4stinensische Intellektuelle und Psychiater Ahmad Mansour.<\/p>\n\n\n\n

Die beiden Gro\u00dfreiche, das byzantinische und das osmanische, sind l\u00e4ngst versunken.<\/p><\/blockquote>\n\n\n\n

Das eigentliche Schl\u00fcsselwort im Zusammenhang mit der Hagia Sofia ist \"Welterbe\". Das Erbe von allen. Einmal im kulturellen Sinn der Unesco, aber in Wahrheit weiter gefasst. Das einzigartige Bauwerk geh\u00f6rt in Wirklichkeit der ganzen Welt, nicht der einen oder anderen Religion. Die beiden Gro\u00dfreiche, f\u00fcr die die Hagia Sofia der zentrale spirituelle Bau war, das byzantinische und das osmanische, sind l\u00e4ngst versunken. Seither hat sie eine neue, \u00fcbernationale Dimension erhalten. Was Erdo\u011fan da jetzt mit der Hagia Sofia macht, ist eine Verengung und Verarmung eines gemeinsamen Welterbes.<\/p>\n\n\n\n

\"\"\/
Betende Muslime vor der Hagia Sophia.<\/figcaption><\/figure>\n\n\n\n

Davon abgesehen aber war und ist sie ein architektonisches Meisterwerk und geh\u00f6rt zu den bedeutendsten Bauten der Welt. Wer heute den Zentralraum unter der Kuppel betritt, kann sich nur schwer dem zugleich majest\u00e4tischen wie schwebenden Gesamteindruck entziehen. Die Hagia Sophia blieb fast 1000 Jahre die gr\u00f6\u00dfte Kirche der Christenheit. Technisch war die Kuppel (mit mehreren Halbkuppeln) eine \u00fcberaus riskante Innovation: Die 55 Meter hohe und 32 Meter im Durchmesser breite Kuppel ruht auf nur vier Tragpunkten, was den schwebenden, schwerelosen Eindruck erzeugt. Die Konstruktion folgt einem mathematischen Prinzip, das erst k\u00fcrzlich entschl\u00fcsselt wurde.<\/p>\n\n\n\n

\"Salomo, ich habe dich \u00fcbertroffen!\"<\/p><\/blockquote>\n\n\n\n

Als Kaiser Justinian die Hagia Sophia nach nur f\u00fcnf Jahren Bauzeit (532\u2013537) betrat, soll er in Anspielung auf den Tempel in Jerusalem ausgerufen haben: \"Salomo, ich habe dich \u00fcbertroffen!\" Die Innenausstattung war mit ihren S\u00e4ulen aus Porphyr und gr\u00fcnem Marmor, mit Mosaiken aus Gold und Halbedelsteinen derart prunkvoll, der Gesamteindruck derart \u00fcberirdisch, dass eine Delegation des Gro\u00dff\u00fcrsten von Kiew nicht mehr wusste, \"ob wir im Himmel oder auf der Erde\" waren \u2013 was die Christianisierung Russlands bef\u00f6rderte.<\/p>\n\n\n\n

Der deutsche Architekturlehrer Holger Kleine nennt die Hagia Sophia \"absolute Architektur\", weil sie \"extreme Ausdrucksformen nahezu aller dramaturgischen Mittel, die der Architektur zur Verf\u00fcgung stehen, vereinigt: wuchtigste K\u00f6rper und luftigste R\u00e4ume, engste Enge und gr\u00f6\u00dfte Weite, w\u00e4rmende Helligkeit und mystisches Dunkel\". Und die Kuppelbauten aus der sp\u00e4teren Hochbl\u00fcte der Moscheenarchitektur im 16. und 17. Jahrhundert gehen eindeutig auf die Hagia Sophia zur\u00fcck.<\/p>\n\n\n\n

Die Hagia Sophia war Staatskirche des byzantinischen Reichs. F\u00fcr die Eroberer der letzte Schlussstein in der Kuppel osmanisch-muslimischen Herrschaftsanspruchs. Konstantinopel war ja 1453 nur noch eine isolierte, heruntergekommene Enklave in einem osmanischen Umfeld, kein christliches Heer kam zu Hilfe. Doch vorher war es zugleich Sperrriegel nach Osten und Geistesarchiv der antiken Kultur gewesen. \"Ohne Byzanz h\u00e4tte es kein Europa gegeben\", sagt die britische Altertumsforscherin Judith Herrin.<\/p>\n\n\n\n

\"\"\/
Freigelegtes Mosaik von \"Christos Pantokrator\".<\/figcaption><\/figure>\n\n\n\n

Neue Fragen<\/h3>\n\n\n\n

Die Kirche wurde von Mehmed II. und Nachfolgern nicht in der Substanz zerst\u00f6rt, sondern \"entchristlicht\". Die urspr\u00fcnglich \u00fcbert\u00fcnchten oder auch abgeschlagenen Mosaiken mit den Darstellungen von Christus, der Muttergottes, diversen Kaisern kamen zum Teil schon unter einem Sultan des 19. Jahrhunderts, dann gro\u00dfteils nach der Museumswidmung wieder zum Vorschein.<\/p>\n\n\n\n

Jetzt stellen sich neue symbolisch-praktische Fragen. Erdo\u011fan hat die Hagia Sophia der konservativen staatlichen Religionsbeh\u00f6rde Diyanet unterstellt. Die byzantinischen Mosaike, wie der gro\u00dfartige \"Christos Pantokrator\" (\"Weltenherrscher\") oder die Jungfrau Maria in der Apsis, m\u00fcssen wohl w\u00e4hrend des islamischen Gottesdiensts verh\u00e4ngt werden. Muss der Boden mit seinen Marmorplatten und Mosaiken mit einem Teppich bedeckt werden? Erdo\u011fan sagt, Touristen seien nach wie vor zugelassen. Aber sie werden wohl hinter Absperrungen bleiben m\u00fcssen. Frauen werden \u2013 wie in der benachbarten \"Blauen Moschee\" (\"Sultanahmed\") Kopftuch tragen m\u00fcssen.<\/p>\n\n\n\n

\"\"\/
Erdo\u011fan mit Gattin in der Hagia Sophia.<\/figcaption><\/figure>\n\n\n\n

Erdo\u011fans neue Abenteuer<\/strong><\/h3>\n\n\n\n

Aber wird da nicht doch zu viel in einen Formalakt rund um ein uraltes Bauwerk hineininterpretiert? Im geschichtlichen Kontext relativiert sich manches: Konstantinopel wurde schon von Christen erobert und ausgepl\u00fcndert \u2013 1204 im Vierten Kreuzzug. In der Moschee von Cordoba (\"Mezquita\") bauten die Katholiken eine ganze Kirche in den ber\u00fchmten S\u00e4ulenwald hinein. Die Mezquita ist heute noch Kirche, kein Museum.<\/p>\n\n\n\n

\"Das ist der Beweis, dass wir kein s\u00e4kularer Staat mehr sein wollen\", sagt Nobelpreistr\u00e4ger Orhan Pamuk. Erdo\u011fan betrachtet sich offenbar als auch neoosmanischer \"Fatih\" im Mittelmeerraum mit immer neuen Abenteuern: Eingreifen in Syrien, Stellvertreterkrieg in Libyen, Anspr\u00fcche auf Erdgasvorkommen weit vor der t\u00fcrkischen K\u00fcste bei Zypern, Reden, wonach manche \u00c4g\u00e4is-Inseln eigentlich zur T\u00fcrkei geh\u00f6ren, \"denn dort stehen unsere Moscheen\". Manches davon ist nur Rhetorik, aber genug anderes ist riskante Realit\u00e4t. (Hans Rauscher, 14.7.2020)<\/p>\n\n\n\n

Quelle<\/a><\/strong><\/p>\n","post_title":"Hagia Sophia: Verengung und Verarmung eines Welterbes","post_excerpt":"","post_status":"publish","comment_status":"closed","ping_status":"closed","post_password":"","post_name":"hagia-sophia-verengung-und-verarmung-eines-welterbes","to_ping":"","pinged":"","post_modified":"2025-02-02 08:39:39","post_modified_gmt":"2025-02-02 08:39:39","post_content_filtered":"","post_parent":0,"guid":"https:\/\/dctransparency.com\/?p=3792","menu_order":0,"post_type":"post","post_mime_type":"","comment_count":"0","filter":"raw"},{"ID":3789,"post_author":"7","post_date":"2020-08-14 13:56:07","post_date_gmt":"2020-08-14 13:56:07","post_content":"\n

Im Gastkommentar pocht Mark Leonard, Direktor des Europ\u00e4ischen Rats f\u00fcr Ausw\u00e4rtige Beziehungen, auf \"neue, einvernehmlich vereinbarte Prinzipien sowie klare Grenzen\", nur so k\u00f6nne eine weitere Destabilisierung in der Region verhindert werden.<\/em><\/strong><\/p>\n\n\n\n

Ist die T\u00fcrkei das neue Russland? Diese Frage wird in den europ\u00e4ischen Hauptst\u00e4dten zunehmend gestellt, da die Au\u00dfenpolitik des t\u00fcrkischen Pr\u00e4sidenten Recep Tayyip Erdo\u011fan zunehmend aggressiver wird. Erdo\u011fan nutzt nicht nur die Migration, um die EU zu bedrohen und zu betr\u00fcgen, sondern setzt auch milit\u00e4rische Macht ein, um den Einflussbereich der T\u00fcrkei auf die gesamte Region auszudehnen.<\/p>\n\n\n\n

Seit dem Ende des Kalten Krieges haben die Europ\u00e4er die regionale Sicherheit durch eine unipolare westliche Linse betrachtet. W\u00e4hrend die Nato die milit\u00e4rische Sicherheit garantierte, sorgte die EU mit ihrem 80.000 Seiten starken Regelwerk f\u00fcr alles von LGBTQ-Rechten bis hin zu Rasenm\u00e4her-Sound-Verordnungen f\u00fcr Rechtsordnung. In den 90er-Jahren ging man allgemein davon aus, dass die beiden gro\u00dfen nichtwestlichen regionalen Akteure, Russland und die T\u00fcrkei, nach und nach an diese Regelungen herangef\u00fchrt werden w\u00fcrden.<\/p>\n\n\n\n

Qu\u00e4lende Hassliebe<\/h3>\n\n\n\n

Doch in den letzten 15 Jahren ist der Traum von der europ\u00e4ischen Unipolarit\u00e4t einer multipolaren Realit\u00e4t gewichen. Sowohl Russland als auch die T\u00fcrkei haben eine lange, qu\u00e4lende Hassliebe zu Europa, und beide sind unter nationalen Machthabern, denen die Verachtung der Normen und Werte der EU gemeinsam ist, durchsetzungsf\u00e4higer geworden.<\/p>\n\n\n\n

Die zunehmende Verschlechterung der Beziehungen zwischen der EU und Russland ist gut dokumentiert, der Fall der T\u00fcrkei weniger. Der Irakkrieg im Jahr 2003 komplizierte das Verh\u00e4ltnis der T\u00fcrkei zur Nato, und ihr Verh\u00e4ltnis zur EU verschlechterte sich 2007, als Frankreich einen wichtigen Teil ihrer EU-Beitrittsverhandlungen blockierte. Seitdem hat die T\u00fcrkei ihren eigenen Weg in Syrien, auf dem Balkan und in Libyen eingeschlagen und neue Beziehungen zu Russland und China aufgebaut.<\/p>\n\n\n\n

Wichtiger Akteur<\/strong><\/h3>\n\n\n\n

Nat\u00fcrlich sind die Beziehungen zwischen der T\u00fcrkei und Russland nicht weniger kompliziert, nicht zuletzt weil Erdo\u011fan und der russische Pr\u00e4sident Wladimir Putin im syrischen B\u00fcrgerkrieg verschiedene Seiten unterst\u00fctzten.Und w\u00e4hrend die Spannungen wegen des Syrien-Konflikts weiterhin bestehen, bewundert Erdo\u011fan deutlich, wie Russland sich \u2013 bei relativ geringen Kosten \u2013 wieder als wichtiger Akteur im Nahen Osten und in Nordafrika etabliert hat.<\/p>\n\n\n\n

Nachdem er in einen nicht zu gewinnenden Krieg im Osten der Ukraine verwickelt war, schien Putins weitgehend erfolgreicher Feldzug in Syrien einen Teil seiner innenpolitischen Autorit\u00e4t wiederherzustellen. Der Westen hatte f\u00fcnf Jahre lang darauf bestanden, dass es keine milit\u00e4rische L\u00f6sung des Konflikts gebe und dass der syrische Pr\u00e4sident Baschar al-Assad gehen m\u00fcsse. Doch w\u00e4hrend die von den Vereinten Nationen unterst\u00fctzten Gespr\u00e4che in Genf zu keinem Ergebnis f\u00fchrten, schienen die von Russland geleiteten Gespr\u00e4che in Astana voranzukommen. Indem der Kreml die T\u00fcrkei und den Iran einbezog, w\u00e4hrend er die westlichen M\u00e4chte ausschloss, erweckte er den Eindruck, dass Russland als wiedergeborene Supermacht aus der Asche auferstanden sei.<\/p>\n\n\n\n

Unter Druck<\/h3>\n\n\n\n

Angesichts des wachsenden Widerstands im eigenen Land macht es Erdo\u011fan Putin gleich. Da der Westen nicht bereit war, (erneut) milit\u00e4risch in Libyen zu intervenieren, sah Erdo\u011fan eine Gelegenheit, die T\u00fcrkei zu positionieren. Nach dem Vorgehen Russlands in Syrien sicherte er sich eine formelle Einladung der libyschen Regierung zur Intervention. Mit einem Schlag Ende letzten Jahres hat er nicht nur das Image der T\u00fcrkei als Regionalmacht gest\u00e4rkt, sondern auch ein Abkommen mit Libyen \u00fcber die Seegrenze abgeschlossen und damit einen Plan Griechenlands, Zyperns, \u00c4gyptens und Israels zur Erschlie\u00dfung von Unterwasser\u00f6l- und -gasfeldern in der N\u00e4he zunichtegemacht.<\/p>\n\n\n\n

Erdo\u011fan scheint auch von der Spalt-und-Eroberungs-Strategie des Kreml in Europa inspiriert worden zu sein, der zufolge oft diejenigen EU-Mitgliedsstaaten unter Druck gesetzt werden, die am meisten von russischen Kohlenwasserstoffen oder M\u00e4rkten abh\u00e4ngig sind. So wie Putin lange Zeit die Energieversorgung instrumentalisiert hat, hat Erdo\u011fan versucht, den Strom von Migranten und Fl\u00fcchtlingen, die vor Konflikten im Nahen Osten fliehen, zu instrumentalisieren. Als die EU eine neue Marinemission ank\u00fcndigte, um den Waffenstrom nach Libyen zu blockieren, malte die T\u00fcrkei f\u00fcr Malta das Schreckgespenst der angeblichen Bedrohung durch Migranten an die Wand. Malta reagierte prompt und signalisierte, dass es gegen die Finanzierung der Mission ein Veto einlegen werde.<\/p>\n\n\n\n

Verlorener Sohn<\/strong><\/h3>\n\n\n\n

Jahrelang redeten sich die Europ\u00e4er ein, dass Russland eine Art verlorener Sohn sei und dass die europ\u00e4ische unipolare Ordnung gesund bleibe. Doch das machte Europa zu einem leichten Ziel f\u00fcr die Trennungs-und-Eroberungs-Strategie des Kreml. Erst vor relativ kurzer Zeit entwarf die Union eine neue Politik und ein robustes Sanktionsregime, um die russische Aggression abzuschrecken. Und selbst jetzt \u2013 trotz der besten Bem\u00fchungen der deutschen Bundeskanzlerin Angela Merkel und des franz\u00f6sischen Pr\u00e4sidenten Emmanuel Macron \u2013 hat die EU noch immer keine wirksamen Kommunikationskan\u00e4le mit Russland geschaffen, um gemeinsame Probleme anzugehen.<\/p>\n\n\n\n

Die T\u00fcrkei ist noch kein neues Russland, aber sie k\u00f6nnte dazu werden, wenn die Situation falsch gehandhabt wird. Vorerst betrachten die meisten Europ\u00e4er die T\u00fcrkei noch immer als einen komplizierten Partner und nicht als \"Systemrivalen\". Aber die Europ\u00e4er sollten die hart erk\u00e4mpften Lehren aus dem Umgang mit Russland in den letzten 15 Jahren beherzigen. Die Beziehungen zwischen der EU und der T\u00fcrkei brauchen neue, einvernehmlich vereinbarte Prinzipien sowie klare Grenzen, um eine weitere Destabilisierung in der Region zu verhindern.<\/p>\n\n\n\n

Zu diesem Zweck sollten die Europ\u00e4er klarstellen, dass der EU-Beitrittsprozess entweder zur\u00fcckgedreht oder vorangetrieben werden kann und dass eine eher transaktionale Beziehung sowohl Zuckerbrot als auch Peitsche beinhaltet. Die Herausforderung wird darin bestehen, daf\u00fcr zu sorgen, dass es in einer Region, die nicht nur von Europa und der T\u00fcrkei, sondern auch von Russland, den USA und einem aufstrebenden China beeinflusst wird, noch Raum f\u00fcr politisches Engagement in Fragen der gemeinsamen Sicherheit gibt. (Mark Leonard, \u00dcbersetzung: Eva G\u00f6llner, Copyright: Project Syndicate, 10.8.2020)<\/p>\n\n\n\n

Mark Leonard <\/strong>ist Direktor des Europ\u00e4ischen Rats f\u00fcr Ausw\u00e4rtige Beziehungen.<\/a><\/p>\n","post_title":"Erdo\u011fan \u2013 der andere Putin vor der Haust\u00fcr Europas","post_excerpt":"","post_status":"publish","comment_status":"closed","ping_status":"closed","post_password":"","post_name":"erdogan-der-andere-putin-vor-der-haustur-europas","to_ping":"","pinged":"","post_modified":"2025-02-02 08:39:39","post_modified_gmt":"2025-02-02 08:39:39","post_content_filtered":"","post_parent":0,"guid":"https:\/\/dctransparency.com\/?p=3789","menu_order":0,"post_type":"post","post_mime_type":"","comment_count":"0","filter":"raw"},{"ID":3786,"post_author":"7","post_date":"2020-08-14 13:51:23","post_date_gmt":"2020-08-14 13:51:23","post_content":"\n

Einen Monat nachdem ich zur israelischen Armee eingezogen worden war, brach die erste Intifada aus. Statt Soldat zu sein, machte ich Polizeiarbeit, sagte den Menschen, wann sie zur Arbeit gehen konnten und wann sie ihre L\u00e4den schlie\u00dfen mussten, wann sie die Grenze passieren und wann sie schlafen konnten. Einen Monat nachdem ich aus der Armee entlassen worden war, ging ich auf Reisen. (In Israel sagen wir: Wir dienen drei Jahre und versuchen den Rest unseres Lebens, diese drei Jahre zu vergessen.) Auf meiner Reise begann ich Briefe an meine Freundin zu schreiben, die ich in Israel zur\u00fcckgelassen hatte.<\/p>\n\n\n\n

Ich schrieb ihr, wie schrecklich depressiv ich war und dass diese drei Jahre des Anweisungenbellens und Anderen-Menschen-Sagens, was sie zu tun haben, mich f\u00fcr immer verfolgen w\u00fcrden. Dass sie ein Teil dessen geworden waren, was ich bin. Ich erinnere mich, dass ich ihr schrieb, dass wir da rausm\u00fcssen \u2013 nicht nur f\u00fcr die Pal\u00e4stinenser, sondern wegen der furchtbaren und brutalen Auswirkungen, die all das auf uns, auf die israelische Gesellschaft haben w\u00fcrde. Sie schrieb zur\u00fcck: \u201eDu hast recht. Ich habe einen neuen Freund.\u201c<\/p>\n\n\n\n

Felix Klein wurde als Beauftragter der Bundesregierung berufen<\/a>, um die Auswirkungen des zunehmenden Antisemitismus in unserer Gesellschaft, in Deutschland, zu bek\u00e4mpfen. Was nicht in seiner Jobbeschreibung steht, ist, dass er dabei unsere Gesellschaft heilen muss, jene Gesellschaft, die diese Form des Hasses reproduziert und sch\u00fctzt. Klein hat das begriffen.<\/p>\n\n\n\n

Er versteht, dass man Krebs nicht mit einem Pflaster verarztet, er wei\u00df, dass er das Bewusstsein der Deutschen sch\u00e4rfen und Diskussionen ansto\u00dfen muss. Er hat begriffen, dass das Problem nicht nur an den R\u00e4ndern der Gesellschaft (bei den Rechten) liegt, sondern auch in ihrer Mitte. Dort, wo gebildete Menschen nicht einmal bemerken, dass das, was sie sagen und tun, antisemitisch ist. So wie sie es auch nicht merken, wenn sie rassistisch handeln. Er hat all das verstanden, und genau deshalb wollen einige, dass er seinen Posten r\u00e4umt.<\/p>\n\n\n\n

Mehr als 60 deutsche und israelische Intellektuelle haben letzte Woche in einem Brief an Kanzlerin Merkel<\/a> dar\u00fcber geklagt, dass der aktuelle \u201eGebrauch des Antisemitismusbegriffs\u201c darauf abziele, \u201elegitime Kritik an der israelischen Regierungspolitik zu unterdr\u00fccken\u201c, und Klein vorgeworfen, rechtspopulistische israelische Stimmen zu f\u00f6rdern.<\/p>\n\n\n\n

Faszinierend an diesem offenen Brief ist, dass viele der Unterzeichneten keine Deutschen sind und auch nicht in Deutschland leben. Ich wei\u00df nicht, woher sie \u2013 die meisten von ihnen sind Israelis \u2013 die Chuzpe haben, sich in eine innerdeutsche Angelegenheit einzumischen und zu fordern, eine Person zu entlassen, die von der Bundesregierung eingesetzt wurde. Die H\u00e4lfte der Unterzeichneten lebt nicht hier, von der anderen H\u00e4lfte sind viele keine Juden \u2013 somit sind die allermeisten von ihnen nicht direkt vom Antisemitismus in Deutschland betroffen. Wie also k\u00f6nnen sie diesen Brief unterschreiben? Und warum eigentlich haben so wenige Deutsche unterschrieben? Dazu komme ich gleich.<\/p>\n\n\n\n

Debatte um Achille Mbembe<\/h6>\n\n\n\n

Hintergrund des Briefs war, dass Felix Klein gefordert hatte, den Philosophen Achille Mbembe<\/a> nicht die Er\u00f6ffnungsrede der Ruhrtriennale halten zu lassen. Als mit \u00f6ffentlichen Mitteln gef\u00f6rdertes Event solle die Ruhrtriennale Mbembe wegen seiner Haltung zu Israels Existenzrecht, seiner Haltung zu BDS und der Art, wie er in einem seiner Werke den Holocaust relativiert, nicht einladen.<\/p>\n\n\n\n

Mbembes Unterst\u00fctzer sagen, keine dieser Anschuldigungen sei wahr. F\u00fcrs Protokoll: In meinen Augen unterst\u00fctzt Mbembe sehr wohl BDS<\/a>, er schrieb unter anderem das Vorwort zu \u201eApartheid Israel\u201c und fordert die komplette Isolation Israels. Ich glaube auch, wenn Mbembe schreibt, die israelische Besetzung sei der \u201egr\u00f6\u00dfte moralische Skandal unserer Zeit\u201c, zeigt das, dass sein moralischer und geografischer Kompass etwas schief ist.<\/p>\n\n\n\n

Doch warum treibt die Debatte so viele Menschen um? Nun, zun\u00e4chst gibt niemand gern auf, was ihm oder ihr selbstverst\u00e4ndlich scheint. \u00dcber den gesamten politischen, sozialen, kulturellen, medialen und akademischen Sektor hinweg sind Menschen daran gew\u00f6hnt, so schlecht \u00fcber Israel sprechen zu k\u00f6nnen, wie auch immer sie wollen.<\/p>\n\n\n\n

Der Spiegel<\/em> hat \u2013 vielleicht in Anlehnung an seine Relotius-Standards, Israel erst k\u00fcrzlich eine Corona-Diktatur genannt. Fakten und Belege f\u00fcr diese Behauptung gab es nicht. Doch Millionen Deutsche haben es gelesen, und es wird nat\u00fcrlich haften bleiben. Faktenlage hin oder her. Der Spiegel<\/em> und andere Medien haben dieses Spiel perfektioniert: Titel so zu drehen, dass sie Israel indirekt anklagen, die Idee zu streuen, der Mossad kon\u00adtrol\u00adliere die deutsche Au\u00dfenpolitik im Nahen Osten, und so fort. Doch sie stehen allesamt sofort auf den Hinterbeinen, wenn jemand es wagt, das Spiel beim Namen zu nennen: moderner Antisemitismus.<\/p>\n\n\n\n

Klein will dem entgegenwirken. Er versteht, dass antisemitische Attacken in Deutschland die Fr\u00fcchte solch falsch gezeichneter Bilder und eindimensionaler Narrative \u00fcber Israel sind. Wenn er und andere versuchen, ein anderes Narrativ aufzuzeigen, wirft man ihnen Zensur vor: Wie k\u00f6nnen sie es wagen, das Gesch\u00e4ft der Anti-Israel-Propaganda zu st\u00f6ren?<\/p>\n\n\n\n

Liebe Deutsche, wenn ihr reden wollt, lasst uns gern reden: \u00fcber die Besetzung, \u00fcber Bibi und alles, was schiefl\u00e4uft. Aber dann lasst uns bitte auch dar\u00fcber reden, wie deutsche Steuergelder Terrortunnel finanzieren. Erst vergangene Woche r\u00e4umte die niederl\u00e4ndische Regierung ein, dass Gelder an eine Landwirtschaftsorganisation in Ramallah geflossen seien, die damit teilweise die Geh\u00e4lter zweier des Mordes an der 17-j\u00e4hrigen Israelin Rina Shnerb Verd\u00e4chtiger gezahlt haben. Auch die Bundesregierung unterst\u00fctzt diese Organisation, obwohl Kritiker schon lange vor Verbindungen zu Terroristen warnen.<\/p>\n\n\n\n

Wir k\u00f6nnen uns also gerne unterhalten \u2013 aber im Dialog, nicht in Monologen. Denn Reden unter Menschen, die sich einig sind, ist nichts anderes als Impotenz.<\/p>\n\n\n\n

Israelkritik als Eintrittskarte<\/h6>\n\n\n\n

Die Israelis, die die Petition unterzeichnet haben, haben \u00fcbrigens ebenfalls etwas verstanden. Seit Jahren wissen sie: Es ist ihre Eintrittskarte in die Mitte der deutschen (und europ\u00e4ischen) Gesellschaft. Man h\u00f6rt nicht oft von Akademikern mit proisraelischen Ansichten. Weder in den Philharmonie-Orchestern noch in der Kunstszene. Die Eintrittskarte daf\u00fcr ist ein antiisraelischer Standpunkt.<\/p>\n\n\n\n

Der mutma\u00dfliche Grund, warum kaum Deutsche die Petition unterzeichnet haben: Sie mussten es nicht. Ihre Lieblingsjuden haben es f\u00fcr sie getan. Jetzt k\u00f6nnen sie sagen: \u201eSchau, ich bin das ja nicht, meine j\u00fcdischen Freunde sagen es.\u201c Ich selbst war einige Jahre lang mit einem Paar hier in Berlin befreundet, bis ich herausfand, dass ich ihr Lieblingsjude war. Ja, selbst das j\u00fcdische Museum wurde so genutzt.<\/p>\n\n\n\n

Weil Attacken gegen Juden ein absolutes Tabu sind, wurden Umwege gefunden, um den Antisemitismus auf kleiner Flamme k\u00f6cheln zu lassen: die unfundierte, unbegr\u00fcndete Kritik an Israel.<\/p>\n\n\n\n

Diese Art der Kritik ist gef\u00e4hrlich. Sie schw\u00e4cht jede begr\u00fcndete und notwendige Kritik am Verhalten Israels. Und das Interessante ist: Trotz all der heftigen, pauschalisierenden Anklagen, all der offenen Briefe driftet Israel politisch immer weiter nach rechts. Doch statt mal einen anderen Ansatz zu versuchen, werden die antiisraelischen Stimmen nur lauter. Dasselbe versuchen und andere Ergebnisse davon erwarten \u2013 das ist die Definition von Wahnsinn.<\/p>\n\n\n\n

Kurz bevor der Prozess gegen den wegen des Attentats von Halle<\/a> Angeklagten begann \u2013 des seit Kriegsende schlimmsten Akts von Antisemitismus in Deutschland \u2013, lud eine Lokalzeitung den fr\u00fcheren Botschafter Shimon Stein und den Historiker Moshe Zimmermann ein, dar\u00fcber zu schreiben, was Antisemitismus ist. Nat\u00fcrlich wendeten auch sie sich gegen Felix Kleins Ansatz. Sie zitieren die Kontroverse um die Umbenennung der U-Bahn-Station Mohrenstra\u00dfe in Glinkastra\u00dfe, die sich darum drehte, dass der russische Komponist Michael Glinka Antisemit gewesen sein soll. Stein und Zimmermann halten die Debatte f\u00fcr \u00fcberzogen, Glinka sei nur ein Kind seiner Zeit gewesen. Folgt man ihrer Logik, k\u00f6nnen wir dann also in 20 oder 30 Jahren U-Bahn-Stationen nach den Kindern der 1930er Jahre benennen?<\/p>\n\n\n\n

Der Antisemit als Tierfreund<\/h6>\n\n\n\n

Ich w\u00fcnschte, die Sache h\u00e4tte mit dem Artikel, mit der Petition geendet. Doch dann erschien ein Artikel, der den Leser auf einen Waldspaziergang mit einem veganen Koch und Antisemiten mitnahm. Darin setzt der Tierfreund erst behutsam einen K\u00e4fer wieder auf seine Beinchen und erkl\u00e4rt dann, dass die Todesstrafe in Deutschland wieder eingef\u00fchrt werden solle, um einen gewissen Politiker (der zuf\u00e4llig pro Israel ist) an seinen Hoden aufh\u00e4ngen zu k\u00f6nnen. Dieser Koch hat Hunderttausende Follower, er sagt all solche Dinge am helllichten Tag in Berlin. Und in den Medien.<\/p>\n\n\n\n

F\u00e4lle wie dieser handeln bereits von Gewalt \u2013 und sie enden nicht bei den Juden. Der Hass richtet sich gegen Frauen<\/a>, Muslime, Gefl\u00fcchtete, \u00adLBTQI. Am Ende aller theoretischen Debatten stehen immer echte Menschen. Am Ende jeder Konferenz dar\u00fcber, was Antisemitismus ausmacht, steht ein potenzielles j\u00fcdisches Opfer. Angesichts einer Welle von Antisemitismus \u00fcber die Definition von Antisemitismus zu streiten ist, wie eine 10 Meter hohe Welle heranrollen zu sehen und dar\u00fcber zu streiten, was einen Tsunami ausmacht.<\/p>\n\n\n\n

Felix Klein versteht, wie absurd es ist, zu sagen: Es sind nur die Rechten. Die Rechten sind Deutsche, so wie die Nazis Deutsche waren. Klein versteht, dass die Deutschen nicht aufgeh\u00f6rt haben, Juden zu ermorden, weil sie irgendeine Art von Erleuchtung hatten. Sondern schlicht, weil sie den Krieg verloren haben. Um den Antisemitismus zu bek\u00e4mpfen, bevor er die Gesellschaft frisst, in der er und wir leben, muss Deutschland seinen moralischen Kompass korrigieren.<\/p>\n\n\n\n

Immerhin: Mehr und mehr Deutsche fahren nach Israel, sie wollen ein anderes Narrativ h\u00f6ren. Mehr und mehr Deutsche verstehen, dass Antisemitismus Schockwellen ausl\u00f6st, die die gesamte Gesellschaft betreffen. In einem normalen Universum w\u00fcrde Klein bef\u00f6rdert werden f\u00fcr seine Leistung. In einer verdrehten Gesellschaft fordern Menschen seine Entlassung. Um es mit Mbembe zu sagen: Das ist Nano-Nonsens.<\/p>\n\n\n\n

\u00dcbersetzung: Ariane Lemme<\/a><\/em><\/p>\n","post_title":"Felix Klein hat verstanden","post_excerpt":"","post_status":"publish","comment_status":"closed","ping_status":"closed","post_password":"","post_name":"felix-klein-hat-verstanden","to_ping":"","pinged":"","post_modified":"2025-02-02 08:39:39","post_modified_gmt":"2025-02-02 08:39:39","post_content_filtered":"","post_parent":0,"guid":"https:\/\/dctransparency.com\/?p=3786","menu_order":0,"post_type":"post","post_mime_type":"","comment_count":"0","filter":"raw"}],"next":false,"prev":true,"total_page":47},"paged":1,"column_class":"jeg_col_2o3","class":"epic_block_3"};

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Die Besorgnis der Politiker folgt einer k\u00fcrzlich im Foreign Policy Magazine ver\u00f6ffentlichten Enth\u00fcllung, dass der saudi-arabische K\u00f6nig Salman potenzielle Pl\u00e4ne hatte, 2017 in Katar einzudringen. Der Artikel besagt, dass w\u00e4hrend eines Telefongespr\u00e4chs zwischen K\u00f6nig Salman und US-Pr\u00e4sident Trump am 6. Juni 2017 die Der saudische Herrscher machte einen solchen Vorschlag.<\/p>\n\n\n\n

In dem Brief wurde gefordert, dass der Streit zwischen Saudi-Arabien und Katar auf friedlichem Wege beigelegt wird und dass milit\u00e4rische Aktionen gegen ein souver\u00e4nes Land und einen Verb\u00fcndeten des Vereinigten K\u00f6nigreichs die Stabilit\u00e4t des Nahen Ostens untergraben und den Frieden in der gesamten Golfregion bedrohen w\u00fcrden.<\/p>\n\n\n\n

Die Gruppe der Abgeordneten f\u00fcgte hinzu, dass Katar zur Entsch\u00e4rfung von Konflikten im Nahen Osten beigetragen und als Vermittler f\u00fcr Friedensinitiativen fungiert habe. Sie f\u00fcgten hinzu, dass Katar ein strategischer Verb\u00fcndeter des Vereinigten K\u00f6nigreichs ist und eine wichtige Rolle bei der Gestaltung der britischen Politik in der Region spielt.<\/p>\n\n\n\n

Sie forderten die britische Regierung au\u00dferdem auf, ihr Engagement f\u00fcr eine friedliche L\u00f6sung des Streits zu bekr\u00e4ftigen, und baten um die Zusicherung, dass sie die derzeitige Blockade durch Saudi-Arabien, die seit 2017 besteht, nicht unterst\u00fctzt.<\/p>\n\n\n\n

Eine Gruppe von Abgeordneten folgte ihren britischen Kollegen und \u00e4u\u00dferte Bedenken hinsichtlich der m\u00f6glichen saudischen Pl\u00e4ne, in Katar einzudringen.<\/p>\n\n\n\n

In letzter Zeit wurden mehrere \u00f6ffentliche Erkl\u00e4rungen und Tweets zu diesem Thema abgegeben. Der italienische Europaabgeordnete Fulvio Martusciello \u00e4u\u00dferte letzte Woche Bedenken und forderte sofortige Ma\u00dfnahmen, um eine k\u00fcnftige Eskalation einzud\u00e4mmen. Er twitterte: \u201eSehr besorgt und alarmiert dar\u00fcber, dass Saudi-Arabien erwogen hat, in Katar einzudringen. Dies wird v\u00f6llig abgelehnt und gef\u00e4hrdet die Stabilit\u00e4t in der Golfregion und im Nahen Osten. Die EU muss sich gegen alle Versuche von KSA und VAE behaupten, souver\u00e4ne Staaten anzugreifen. #GulfPeace. \"<\/p>\n\n\n\n

Dar\u00fcber hinaus haben mehrere Abgeordnete wie Urmas Paet, Hilde Vautmans, Malik Azmani und Bart Groothuis an den Vizepr\u00e4sidenten der Kommission und den Hohen Vertreter der Union f\u00fcr Au\u00dfen- und Sicherheitspolitik geschrieben.<\/p>\n\n\n\n

Die Gruppe sagte: \u201eAm 6. August 2020 wurde \u00f6ffentlich bekannt, dass w\u00e4hrend eines offiziellen Aufrufs am 6. Juni 2017 zwischen dem US-Pr\u00e4sidenten Donald Trump und dem saudi-arabischen K\u00f6nig Salman ein Vorschlag zur Invasion Katars vorgelegt wurde . Die US-Regierung lehnte den saudischen Vorschlag sofort ab und forderte die formelle Vermittlung durch die kuwaitischen Beh\u00f6rden im Rahmen des Golf-Kooperationsrates. \u201c<\/p>\n","post_title":"Europ\u00e4ische Politiker verurteilen saudische Pl\u00e4ne, in Katar einzudringen","post_excerpt":"","post_status":"publish","comment_status":"closed","ping_status":"closed","post_password":"","post_name":"europaische-politiker-verurteilen-saudische-plane-in-katar-einzudringen","to_ping":"","pinged":"","post_modified":"2025-02-02 08:39:39","post_modified_gmt":"2025-02-02 08:39:39","post_content_filtered":"","post_parent":0,"guid":"https:\/\/dctransparency.com\/?p=3818","menu_order":0,"post_type":"post","post_mime_type":"","comment_count":"0","filter":"raw"},{"ID":3811,"post_author":"7","post_date":"2020-08-28 13:33:59","post_date_gmt":"2020-08-28 13:33:59","post_content":"\n

Die BBC <\/a>hat neue Beweise daf\u00fcr gefunden, dass eine von den Vereinigten Arabischen Emiraten (VAE) betriebene Drohne im Januar 2020 26 unbewaffnete Kadetten an einer Milit\u00e4rakademie in der libyschen Hauptstadt Tripolis get\u00f6tet hat.<\/p>\n\n\n\n

Zum Zeitpunkt des Streiks am 4. Januar wurde Tripolis von der selbsternannten libyschen Nationalarmee (LNA) belagert.<\/p>\n\n\n\n

Es hat die Verantwortung f\u00fcr den Angriff abgelehnt und vermutet, dass die Kadetten durch Beschuss vor Ort get\u00f6tet wurden.<\/p>\n\n\n\n

Es gibt jedoch Hinweise darauf, dass die Kadetten von einer chinesischen Blue Arrow 7-Rakete getroffen wurden.<\/p>\n\n\n\n

Dies wurde von einer Drohne namens Wing Loong II abgefeuert, und die Untersuchung von BBC Africa Eye und BBC Arabic Documentaries ergab auch Hinweise darauf, dass Wing Loong II-Drohnen zum Zeitpunkt des Streiks nur von einem libyschen Luftwaffenst\u00fctzpunkt aus operierten - al-Khadim - und dass die VAE die dort stationierten Drohnen geliefert und betrieben haben.<\/p>\n\n\n\n

\"\"<\/figure>\n\n\n\n

Die VAE haben zuvor die milit\u00e4rische Beteiligung in Libyen verweigert und sagen, sie unterst\u00fctzen den UN-Friedensprozess. Es antwortete nicht auf die Bitte der BBC um einen Kommentar.<\/p>\n\n\n\n

Was ist mit diesen Kadetten passiert?<\/strong><\/p>\n\n\n\n

Kurz nach 21:00 Uhr am 4. Januar 2020 f\u00fchrten rund 50 Kadetten Routine\u00fcbungen an einer Milit\u00e4rakademie im S\u00fcden von Tripolis durch.<\/p>\n\n\n\n

Ohne Vorwarnung detonierte eine Explosion in der Mitte der Gruppe und lie\u00df 26 Kadetten tot oder auf dem Exerzierplatz sterben. Viele waren noch Teenager. Keiner von ihnen war bewaffnet.

Einer der \u00dcberlebenden war der 20-j\u00e4hrige Abdul Moeen.<\/p>\n\n\n\n

Er war in der Akademie, als der Streik eintraf. \"Es war unbeschreiblich\", sagte er der BBC.<\/p>\n\n\n\n

\"Wir haben gesehen, wie unsere Kollegen starben, ihren letzten Atemzug machten und wir konnten nichts tun ... Es gab Leute, deren Oberk\u00f6rper von ihren K\u00f6rpern getrennt waren. Es war ein schreckliches Verbrechen, ein Verbrechen, das nichts mit der Menschheit zu tun hat. \"\"<\/p>\n\n\n\n

Sieben Monate nach dem Streik hat niemand die Verantwortung f\u00fcr die T\u00f6tung dieser jungen M\u00e4nner eingestanden.<\/p>\n\n\n\n

Die LNA unter Gen Khalifa Haftar bestritt, dass sie hinter dem Streik steckt, und teilte der Presse mit, dass die Explosion m\u00f6glicherweise durch eine lokal abgefeuerte M\u00f6rsergranate oder einen Angriff innerhalb der Akademie verursacht worden sei.<\/p>\n\n\n\n

Was hat die BBC gefunden?<\/strong><\/p>\n\n\n\n

Die Untersuchung ergab Hinweise darauf, dass eine viel ausgefeiltere Waffe verwendet wurde.<\/p>\n\n\n\n

\"\"<\/figure>\n\n\n\n

Die BBC betrachtete Bilder des Splitters, der nach dem Streik auf dem Exerzierplatz zur\u00fcckgelassen wurde, und kam zu dem Schluss, dass er mit den Komponenten einer Rakete namens Blue Arrow 7 \u00fcbereinstimmte.<\/p>\n\n\n\n

Unsere Analyse ergab, dass nur ein Flugzeug, das im Januar 2020 \u00fcber Tripolis operierte, diese Waffe abfeuern konnte - eine Drohne namens Wing Loong 2.<\/p>\n\n\n\n

Nur drei Wochen vor diesem Streik kamen die Vereinten Nationen zu dem Schluss, dass der Blaue Pfeil 7 \"ballistisch gepaart ist, um vom Wing Loong II geliefert zu werden ... und von keinem anderen in Libyen bisher identifizierten Luftfahrtgut\".<\/p>\n\n\n\n

Die BBC untersuchte auch, woher diese Drohne stammen k\u00f6nnte, und fand Hinweise darauf, dass Wing Loong-Drohnen zum Zeitpunkt des Angriffs nur von einem libyschen Luftwaffenst\u00fctzpunkt aus operierten: al-Khadim im von der LNA kontrollierten Ostlibyen.<\/p>\n\n\n\n

Sowohl die BBC als auch die UN haben Beweise daf\u00fcr gefunden, dass Drohnen, die von diesem Luftwaffenst\u00fctzpunkt aus operieren, zu den Vereinigten Arabischen Emiraten geh\u00f6ren.<\/p>\n\n\n\n

Im Jahr 2019 stellte die UNO fest, dass die VAE durch den Versand von Wing Loong-Drohnen und Blue Arrow 7-Raketen nach Libyen gegen das seit 2011 geltende UN-Waffenembargo gegen das Land versto\u00dfen hatten.<\/p>\n\n\n\n

Die BBC fand auch ein Waffenregister, aus dem hervorgeht, dass die VAE 2017 15 Wing Loong-Drohnen und 350 Blue Arrow 7-Raketen gekauft haben.<\/p>\n\n\n\n

Was hat die BBC noch aufgedeckt?<\/strong><\/p>\n\n\n\n

<\/p>\n\n\n\n

Die BBC-Untersuchung ergab auch neue Beweise daf\u00fcr, dass \u00c4gypten den VAE erlaubt, \u00e4gyptische Milit\u00e4rflugpl\u00e4tze nahe der libyschen Grenze zu nutzen.<\/p>\n\n\n\n

Im Februar 2020 scheinen die in Libyen stationierten Wing Loong II-Drohnen \u00fcber die Grenze nach \u00c4gypten zu einem Luftwaffenst\u00fctzpunkt in der N\u00e4he von Siwa in der west\u00e4gyptischen W\u00fcste gebracht worden zu sein.<\/p>\n\n\n\n

Satellitenbilder zeigen auch, dass ein zweiter \u00e4gyptischer Milit\u00e4rflugplatz, Sidi Barrani, als Einsatzbasis f\u00fcr Mirage 2000-Kampfflugzeuge verwendet wurde, die in Farben lackiert sind, die nicht von der \u00e4gyptischen Luftwaffe verwendet werden, aber genau den von den VAE geflogenen Jets entsprechen .<\/p>\n\n\n\n

Dies ist das gleiche Flugzeugmodell, das von den Vereinten Nationen in einen Luftangriff auf ein Migrationszentrum \u00f6stlich von Tripolis im Juli 2019 verwickelt wurde, bei dem 53 Menschen get\u00f6tet wurden.<\/p>\n\n\n\n

Ausl\u00e4ndischer Jet bei libyschem Migrantenangriff verd\u00e4chtigt<\/p>\n\n\n\n

Sidi Barrani ist auch das Ziel f\u00fcr mehrere Frachtflugzeuge, die von den Vereinigten Arabischen Emiraten gestartet sind, und schl\u00e4gt eine Luftbr\u00fccke f\u00fcr Ausr\u00fcstung oder Lieferungen zwischen den Vereinigten Arabischen Emiraten und einer Milit\u00e4rbasis vor, die nur 80 km von der libyschen Grenze entfernt liegt.<\/p>\n\n\n\n

Die \u00e4gyptische Regierung antwortete nicht auf die Bitte der BBC um Stellungnahme.<\/p>\n\n\n\n

Ist ausl\u00e4ndisches milit\u00e4risches Engagement \u00fcberraschend?<\/strong><\/p>\n\n\n\n

Sowohl die Vereinigten Arabischen Emirate als auch \u00c4gypten nahmen an einer von Bundeskanzlerin Angela Merkel im Januar dieses Jahres in Berlin einberufenen Konferenz \u00fcber Libyen teil, auf der sie ihre Unterst\u00fctzung f\u00fcr den UN-Friedensprozess bekr\u00e4ftigten und sich bereit erkl\u00e4rten, nicht in den Libyen-Krieg einzugreifen.<\/p>\n\n\n\n

Im vergangenen Jahr gab es jedoch eine Eskalation des Einsatzes von Drohnen durch beide Seiten des Konflikts.<\/p>\n\n\n\n

Ghassan Salam\u00e9, der fr\u00fchere Leiter der UN-Mission in Libyen, beschrieb dies als \"m\u00f6glicherweise das gr\u00f6\u00dfte Drohnenkriegstheater der Welt\".<\/p>\n\n\n\n

Die VAE sind nicht die einzige ausl\u00e4ndische Macht, die an diesem Konflikt beteiligt ist.<\/p>\n\n\n\n

Anfang dieses Jahres gab BBC Africa Eye bekannt, dass die T\u00fcrkei auch gegen das Waffenembargo der Vereinten Nationen gegen Libyen versto\u00dfen hat, indem sie geheime Waffenlieferungen an die von den Vereinten Nationen anerkannte Regierung in Tripolis gesendet hat.<\/p>\n\n\n\n

Mit Unterst\u00fctzung der T\u00fcrkei hat die von den Vereinten Nationen anerkannte Regierung des Nationalen Abkommens nun die LNA von Gen Haftar aus der Gegend um Tripolis zur\u00fcckgeschlagen.<\/p>\n","post_title":"BBC-Untersuchung: VAE in t\u00f6dlichen Angriff in Libyen verwickelt","post_excerpt":"","post_status":"publish","comment_status":"closed","ping_status":"closed","post_password":"","post_name":"bbc-untersuchung-vae-in-todlichen-angriff-in-libyen-verwickelt","to_ping":"","pinged":"","post_modified":"2025-02-02 08:39:39","post_modified_gmt":"2025-02-02 08:39:39","post_content_filtered":"","post_parent":0,"guid":"https:\/\/dctransparency.com\/?p=3811","menu_order":0,"post_type":"post","post_mime_type":"","comment_count":"0","filter":"raw"},{"ID":3792,"post_author":"7","post_date":"2020-08-14 13:58:48","post_date_gmt":"2020-08-14 13:58:48","post_content":"\n

Die Hagia Sophia war (ist) ein kulturelles Weltwunder und aufgeladen mit symbolischer Bedeutung, f\u00fcr die Christenheit ebenso wie f\u00fcr den Islam \u2013 und den t\u00fcrkischen Nationalismus. Als Mehmed II. sie betrat, war sie schon fast 1000 Jahre die gr\u00f6\u00dfte Kirche der christlichen Welt und das Zentrum der orthodoxen Glaubensrichtung. Die \"Ayasofya\", wie sie dann hie\u00df, war 500 Jahre lang Moschee \u2013 bis 1934, als Kemal Pascha Atat\u00fcrk, der \"Vater\" der modernen T\u00fcrkei, sie in ein Museum verwandelte, in der ausdr\u00fccklichen Absicht, auch hier mit dem osmanischen Erbe zu brechen.<\/p>\n\n\n\n

Nun wird Pr\u00e4sident Recep Tayyip Erdo\u011fan, der \"Vater\" der re-islamisierten T\u00fcrkei, am 24. Juli dieses Jahres die Ayasofya durch das Freitagsgebet wieder in den Islam eingliedern. Oder eher in seinen pers\u00f6nlichen religi\u00f6sen Nationalismus.<\/p>\n\n\n\n

Welterbe von allen<\/h3>\n\n\n\n

Wie bedeutungsschwer ist dieser Akt eines \"starken Mannes\", der innenpolitisch deutlich schw\u00e4chelt? Die Proteste vor allem aus der orthodoxen Welt, aber auch aus Europa und den USA sind eher traurig als w\u00fctend. Der Papst dr\u00fcckte seinen \"Schmerz\" aus. Auch der Jubel in der islamischen Welt fiel zun\u00e4chst weniger \u00fcbersch\u00e4umend als erwartet aus.<\/p>\n\n\n\n

Ist es der Alleingang eines Autokraten in Bedr\u00e4ngnis oder ist \"der Jubel \u00fcber die Eroberung der Hagia Sophia der Versuch einer zutiefst erniedrigten, vom Gef\u00fchl der Wertlosigkeit dominierten und in ihrer eigenen Selbstberechtigung beraubten Gesellschaft, eine Bedeutung, eine St\u00e4rke, ein Selbstwertgef\u00fchl zu finden\"? So recht pauschalierend der in Deutschland lebende pal\u00e4stinensische Intellektuelle und Psychiater Ahmad Mansour.<\/p>\n\n\n\n

Die beiden Gro\u00dfreiche, das byzantinische und das osmanische, sind l\u00e4ngst versunken.<\/p><\/blockquote>\n\n\n\n

Das eigentliche Schl\u00fcsselwort im Zusammenhang mit der Hagia Sofia ist \"Welterbe\". Das Erbe von allen. Einmal im kulturellen Sinn der Unesco, aber in Wahrheit weiter gefasst. Das einzigartige Bauwerk geh\u00f6rt in Wirklichkeit der ganzen Welt, nicht der einen oder anderen Religion. Die beiden Gro\u00dfreiche, f\u00fcr die die Hagia Sofia der zentrale spirituelle Bau war, das byzantinische und das osmanische, sind l\u00e4ngst versunken. Seither hat sie eine neue, \u00fcbernationale Dimension erhalten. Was Erdo\u011fan da jetzt mit der Hagia Sofia macht, ist eine Verengung und Verarmung eines gemeinsamen Welterbes.<\/p>\n\n\n\n

\"\"\/
Betende Muslime vor der Hagia Sophia.<\/figcaption><\/figure>\n\n\n\n

Davon abgesehen aber war und ist sie ein architektonisches Meisterwerk und geh\u00f6rt zu den bedeutendsten Bauten der Welt. Wer heute den Zentralraum unter der Kuppel betritt, kann sich nur schwer dem zugleich majest\u00e4tischen wie schwebenden Gesamteindruck entziehen. Die Hagia Sophia blieb fast 1000 Jahre die gr\u00f6\u00dfte Kirche der Christenheit. Technisch war die Kuppel (mit mehreren Halbkuppeln) eine \u00fcberaus riskante Innovation: Die 55 Meter hohe und 32 Meter im Durchmesser breite Kuppel ruht auf nur vier Tragpunkten, was den schwebenden, schwerelosen Eindruck erzeugt. Die Konstruktion folgt einem mathematischen Prinzip, das erst k\u00fcrzlich entschl\u00fcsselt wurde.<\/p>\n\n\n\n

\"Salomo, ich habe dich \u00fcbertroffen!\"<\/p><\/blockquote>\n\n\n\n

Als Kaiser Justinian die Hagia Sophia nach nur f\u00fcnf Jahren Bauzeit (532\u2013537) betrat, soll er in Anspielung auf den Tempel in Jerusalem ausgerufen haben: \"Salomo, ich habe dich \u00fcbertroffen!\" Die Innenausstattung war mit ihren S\u00e4ulen aus Porphyr und gr\u00fcnem Marmor, mit Mosaiken aus Gold und Halbedelsteinen derart prunkvoll, der Gesamteindruck derart \u00fcberirdisch, dass eine Delegation des Gro\u00dff\u00fcrsten von Kiew nicht mehr wusste, \"ob wir im Himmel oder auf der Erde\" waren \u2013 was die Christianisierung Russlands bef\u00f6rderte.<\/p>\n\n\n\n

Der deutsche Architekturlehrer Holger Kleine nennt die Hagia Sophia \"absolute Architektur\", weil sie \"extreme Ausdrucksformen nahezu aller dramaturgischen Mittel, die der Architektur zur Verf\u00fcgung stehen, vereinigt: wuchtigste K\u00f6rper und luftigste R\u00e4ume, engste Enge und gr\u00f6\u00dfte Weite, w\u00e4rmende Helligkeit und mystisches Dunkel\". Und die Kuppelbauten aus der sp\u00e4teren Hochbl\u00fcte der Moscheenarchitektur im 16. und 17. Jahrhundert gehen eindeutig auf die Hagia Sophia zur\u00fcck.<\/p>\n\n\n\n

Die Hagia Sophia war Staatskirche des byzantinischen Reichs. F\u00fcr die Eroberer der letzte Schlussstein in der Kuppel osmanisch-muslimischen Herrschaftsanspruchs. Konstantinopel war ja 1453 nur noch eine isolierte, heruntergekommene Enklave in einem osmanischen Umfeld, kein christliches Heer kam zu Hilfe. Doch vorher war es zugleich Sperrriegel nach Osten und Geistesarchiv der antiken Kultur gewesen. \"Ohne Byzanz h\u00e4tte es kein Europa gegeben\", sagt die britische Altertumsforscherin Judith Herrin.<\/p>\n\n\n\n

\"\"\/
Freigelegtes Mosaik von \"Christos Pantokrator\".<\/figcaption><\/figure>\n\n\n\n

Neue Fragen<\/h3>\n\n\n\n

Die Kirche wurde von Mehmed II. und Nachfolgern nicht in der Substanz zerst\u00f6rt, sondern \"entchristlicht\". Die urspr\u00fcnglich \u00fcbert\u00fcnchten oder auch abgeschlagenen Mosaiken mit den Darstellungen von Christus, der Muttergottes, diversen Kaisern kamen zum Teil schon unter einem Sultan des 19. Jahrhunderts, dann gro\u00dfteils nach der Museumswidmung wieder zum Vorschein.<\/p>\n\n\n\n

Jetzt stellen sich neue symbolisch-praktische Fragen. Erdo\u011fan hat die Hagia Sophia der konservativen staatlichen Religionsbeh\u00f6rde Diyanet unterstellt. Die byzantinischen Mosaike, wie der gro\u00dfartige \"Christos Pantokrator\" (\"Weltenherrscher\") oder die Jungfrau Maria in der Apsis, m\u00fcssen wohl w\u00e4hrend des islamischen Gottesdiensts verh\u00e4ngt werden. Muss der Boden mit seinen Marmorplatten und Mosaiken mit einem Teppich bedeckt werden? Erdo\u011fan sagt, Touristen seien nach wie vor zugelassen. Aber sie werden wohl hinter Absperrungen bleiben m\u00fcssen. Frauen werden \u2013 wie in der benachbarten \"Blauen Moschee\" (\"Sultanahmed\") Kopftuch tragen m\u00fcssen.<\/p>\n\n\n\n

\"\"\/
Erdo\u011fan mit Gattin in der Hagia Sophia.<\/figcaption><\/figure>\n\n\n\n

Erdo\u011fans neue Abenteuer<\/strong><\/h3>\n\n\n\n

Aber wird da nicht doch zu viel in einen Formalakt rund um ein uraltes Bauwerk hineininterpretiert? Im geschichtlichen Kontext relativiert sich manches: Konstantinopel wurde schon von Christen erobert und ausgepl\u00fcndert \u2013 1204 im Vierten Kreuzzug. In der Moschee von Cordoba (\"Mezquita\") bauten die Katholiken eine ganze Kirche in den ber\u00fchmten S\u00e4ulenwald hinein. Die Mezquita ist heute noch Kirche, kein Museum.<\/p>\n\n\n\n

\"Das ist der Beweis, dass wir kein s\u00e4kularer Staat mehr sein wollen\", sagt Nobelpreistr\u00e4ger Orhan Pamuk. Erdo\u011fan betrachtet sich offenbar als auch neoosmanischer \"Fatih\" im Mittelmeerraum mit immer neuen Abenteuern: Eingreifen in Syrien, Stellvertreterkrieg in Libyen, Anspr\u00fcche auf Erdgasvorkommen weit vor der t\u00fcrkischen K\u00fcste bei Zypern, Reden, wonach manche \u00c4g\u00e4is-Inseln eigentlich zur T\u00fcrkei geh\u00f6ren, \"denn dort stehen unsere Moscheen\". Manches davon ist nur Rhetorik, aber genug anderes ist riskante Realit\u00e4t. (Hans Rauscher, 14.7.2020)<\/p>\n\n\n\n

Quelle<\/a><\/strong><\/p>\n","post_title":"Hagia Sophia: Verengung und Verarmung eines Welterbes","post_excerpt":"","post_status":"publish","comment_status":"closed","ping_status":"closed","post_password":"","post_name":"hagia-sophia-verengung-und-verarmung-eines-welterbes","to_ping":"","pinged":"","post_modified":"2025-02-02 08:39:39","post_modified_gmt":"2025-02-02 08:39:39","post_content_filtered":"","post_parent":0,"guid":"https:\/\/dctransparency.com\/?p=3792","menu_order":0,"post_type":"post","post_mime_type":"","comment_count":"0","filter":"raw"},{"ID":3789,"post_author":"7","post_date":"2020-08-14 13:56:07","post_date_gmt":"2020-08-14 13:56:07","post_content":"\n

Im Gastkommentar pocht Mark Leonard, Direktor des Europ\u00e4ischen Rats f\u00fcr Ausw\u00e4rtige Beziehungen, auf \"neue, einvernehmlich vereinbarte Prinzipien sowie klare Grenzen\", nur so k\u00f6nne eine weitere Destabilisierung in der Region verhindert werden.<\/em><\/strong><\/p>\n\n\n\n

Ist die T\u00fcrkei das neue Russland? Diese Frage wird in den europ\u00e4ischen Hauptst\u00e4dten zunehmend gestellt, da die Au\u00dfenpolitik des t\u00fcrkischen Pr\u00e4sidenten Recep Tayyip Erdo\u011fan zunehmend aggressiver wird. Erdo\u011fan nutzt nicht nur die Migration, um die EU zu bedrohen und zu betr\u00fcgen, sondern setzt auch milit\u00e4rische Macht ein, um den Einflussbereich der T\u00fcrkei auf die gesamte Region auszudehnen.<\/p>\n\n\n\n

Seit dem Ende des Kalten Krieges haben die Europ\u00e4er die regionale Sicherheit durch eine unipolare westliche Linse betrachtet. W\u00e4hrend die Nato die milit\u00e4rische Sicherheit garantierte, sorgte die EU mit ihrem 80.000 Seiten starken Regelwerk f\u00fcr alles von LGBTQ-Rechten bis hin zu Rasenm\u00e4her-Sound-Verordnungen f\u00fcr Rechtsordnung. In den 90er-Jahren ging man allgemein davon aus, dass die beiden gro\u00dfen nichtwestlichen regionalen Akteure, Russland und die T\u00fcrkei, nach und nach an diese Regelungen herangef\u00fchrt werden w\u00fcrden.<\/p>\n\n\n\n

Qu\u00e4lende Hassliebe<\/h3>\n\n\n\n

Doch in den letzten 15 Jahren ist der Traum von der europ\u00e4ischen Unipolarit\u00e4t einer multipolaren Realit\u00e4t gewichen. Sowohl Russland als auch die T\u00fcrkei haben eine lange, qu\u00e4lende Hassliebe zu Europa, und beide sind unter nationalen Machthabern, denen die Verachtung der Normen und Werte der EU gemeinsam ist, durchsetzungsf\u00e4higer geworden.<\/p>\n\n\n\n

Die zunehmende Verschlechterung der Beziehungen zwischen der EU und Russland ist gut dokumentiert, der Fall der T\u00fcrkei weniger. Der Irakkrieg im Jahr 2003 komplizierte das Verh\u00e4ltnis der T\u00fcrkei zur Nato, und ihr Verh\u00e4ltnis zur EU verschlechterte sich 2007, als Frankreich einen wichtigen Teil ihrer EU-Beitrittsverhandlungen blockierte. Seitdem hat die T\u00fcrkei ihren eigenen Weg in Syrien, auf dem Balkan und in Libyen eingeschlagen und neue Beziehungen zu Russland und China aufgebaut.<\/p>\n\n\n\n

Wichtiger Akteur<\/strong><\/h3>\n\n\n\n

Nat\u00fcrlich sind die Beziehungen zwischen der T\u00fcrkei und Russland nicht weniger kompliziert, nicht zuletzt weil Erdo\u011fan und der russische Pr\u00e4sident Wladimir Putin im syrischen B\u00fcrgerkrieg verschiedene Seiten unterst\u00fctzten.Und w\u00e4hrend die Spannungen wegen des Syrien-Konflikts weiterhin bestehen, bewundert Erdo\u011fan deutlich, wie Russland sich \u2013 bei relativ geringen Kosten \u2013 wieder als wichtiger Akteur im Nahen Osten und in Nordafrika etabliert hat.<\/p>\n\n\n\n

Nachdem er in einen nicht zu gewinnenden Krieg im Osten der Ukraine verwickelt war, schien Putins weitgehend erfolgreicher Feldzug in Syrien einen Teil seiner innenpolitischen Autorit\u00e4t wiederherzustellen. Der Westen hatte f\u00fcnf Jahre lang darauf bestanden, dass es keine milit\u00e4rische L\u00f6sung des Konflikts gebe und dass der syrische Pr\u00e4sident Baschar al-Assad gehen m\u00fcsse. Doch w\u00e4hrend die von den Vereinten Nationen unterst\u00fctzten Gespr\u00e4che in Genf zu keinem Ergebnis f\u00fchrten, schienen die von Russland geleiteten Gespr\u00e4che in Astana voranzukommen. Indem der Kreml die T\u00fcrkei und den Iran einbezog, w\u00e4hrend er die westlichen M\u00e4chte ausschloss, erweckte er den Eindruck, dass Russland als wiedergeborene Supermacht aus der Asche auferstanden sei.<\/p>\n\n\n\n

Unter Druck<\/h3>\n\n\n\n

Angesichts des wachsenden Widerstands im eigenen Land macht es Erdo\u011fan Putin gleich. Da der Westen nicht bereit war, (erneut) milit\u00e4risch in Libyen zu intervenieren, sah Erdo\u011fan eine Gelegenheit, die T\u00fcrkei zu positionieren. Nach dem Vorgehen Russlands in Syrien sicherte er sich eine formelle Einladung der libyschen Regierung zur Intervention. Mit einem Schlag Ende letzten Jahres hat er nicht nur das Image der T\u00fcrkei als Regionalmacht gest\u00e4rkt, sondern auch ein Abkommen mit Libyen \u00fcber die Seegrenze abgeschlossen und damit einen Plan Griechenlands, Zyperns, \u00c4gyptens und Israels zur Erschlie\u00dfung von Unterwasser\u00f6l- und -gasfeldern in der N\u00e4he zunichtegemacht.<\/p>\n\n\n\n

Erdo\u011fan scheint auch von der Spalt-und-Eroberungs-Strategie des Kreml in Europa inspiriert worden zu sein, der zufolge oft diejenigen EU-Mitgliedsstaaten unter Druck gesetzt werden, die am meisten von russischen Kohlenwasserstoffen oder M\u00e4rkten abh\u00e4ngig sind. So wie Putin lange Zeit die Energieversorgung instrumentalisiert hat, hat Erdo\u011fan versucht, den Strom von Migranten und Fl\u00fcchtlingen, die vor Konflikten im Nahen Osten fliehen, zu instrumentalisieren. Als die EU eine neue Marinemission ank\u00fcndigte, um den Waffenstrom nach Libyen zu blockieren, malte die T\u00fcrkei f\u00fcr Malta das Schreckgespenst der angeblichen Bedrohung durch Migranten an die Wand. Malta reagierte prompt und signalisierte, dass es gegen die Finanzierung der Mission ein Veto einlegen werde.<\/p>\n\n\n\n

Verlorener Sohn<\/strong><\/h3>\n\n\n\n

Jahrelang redeten sich die Europ\u00e4er ein, dass Russland eine Art verlorener Sohn sei und dass die europ\u00e4ische unipolare Ordnung gesund bleibe. Doch das machte Europa zu einem leichten Ziel f\u00fcr die Trennungs-und-Eroberungs-Strategie des Kreml. Erst vor relativ kurzer Zeit entwarf die Union eine neue Politik und ein robustes Sanktionsregime, um die russische Aggression abzuschrecken. Und selbst jetzt \u2013 trotz der besten Bem\u00fchungen der deutschen Bundeskanzlerin Angela Merkel und des franz\u00f6sischen Pr\u00e4sidenten Emmanuel Macron \u2013 hat die EU noch immer keine wirksamen Kommunikationskan\u00e4le mit Russland geschaffen, um gemeinsame Probleme anzugehen.<\/p>\n\n\n\n

Die T\u00fcrkei ist noch kein neues Russland, aber sie k\u00f6nnte dazu werden, wenn die Situation falsch gehandhabt wird. Vorerst betrachten die meisten Europ\u00e4er die T\u00fcrkei noch immer als einen komplizierten Partner und nicht als \"Systemrivalen\". Aber die Europ\u00e4er sollten die hart erk\u00e4mpften Lehren aus dem Umgang mit Russland in den letzten 15 Jahren beherzigen. Die Beziehungen zwischen der EU und der T\u00fcrkei brauchen neue, einvernehmlich vereinbarte Prinzipien sowie klare Grenzen, um eine weitere Destabilisierung in der Region zu verhindern.<\/p>\n\n\n\n

Zu diesem Zweck sollten die Europ\u00e4er klarstellen, dass der EU-Beitrittsprozess entweder zur\u00fcckgedreht oder vorangetrieben werden kann und dass eine eher transaktionale Beziehung sowohl Zuckerbrot als auch Peitsche beinhaltet. Die Herausforderung wird darin bestehen, daf\u00fcr zu sorgen, dass es in einer Region, die nicht nur von Europa und der T\u00fcrkei, sondern auch von Russland, den USA und einem aufstrebenden China beeinflusst wird, noch Raum f\u00fcr politisches Engagement in Fragen der gemeinsamen Sicherheit gibt. (Mark Leonard, \u00dcbersetzung: Eva G\u00f6llner, Copyright: Project Syndicate, 10.8.2020)<\/p>\n\n\n\n

Mark Leonard <\/strong>ist Direktor des Europ\u00e4ischen Rats f\u00fcr Ausw\u00e4rtige Beziehungen.<\/a><\/p>\n","post_title":"Erdo\u011fan \u2013 der andere Putin vor der Haust\u00fcr Europas","post_excerpt":"","post_status":"publish","comment_status":"closed","ping_status":"closed","post_password":"","post_name":"erdogan-der-andere-putin-vor-der-haustur-europas","to_ping":"","pinged":"","post_modified":"2025-02-02 08:39:39","post_modified_gmt":"2025-02-02 08:39:39","post_content_filtered":"","post_parent":0,"guid":"https:\/\/dctransparency.com\/?p=3789","menu_order":0,"post_type":"post","post_mime_type":"","comment_count":"0","filter":"raw"},{"ID":3786,"post_author":"7","post_date":"2020-08-14 13:51:23","post_date_gmt":"2020-08-14 13:51:23","post_content":"\n

Einen Monat nachdem ich zur israelischen Armee eingezogen worden war, brach die erste Intifada aus. Statt Soldat zu sein, machte ich Polizeiarbeit, sagte den Menschen, wann sie zur Arbeit gehen konnten und wann sie ihre L\u00e4den schlie\u00dfen mussten, wann sie die Grenze passieren und wann sie schlafen konnten. Einen Monat nachdem ich aus der Armee entlassen worden war, ging ich auf Reisen. (In Israel sagen wir: Wir dienen drei Jahre und versuchen den Rest unseres Lebens, diese drei Jahre zu vergessen.) Auf meiner Reise begann ich Briefe an meine Freundin zu schreiben, die ich in Israel zur\u00fcckgelassen hatte.<\/p>\n\n\n\n

Ich schrieb ihr, wie schrecklich depressiv ich war und dass diese drei Jahre des Anweisungenbellens und Anderen-Menschen-Sagens, was sie zu tun haben, mich f\u00fcr immer verfolgen w\u00fcrden. Dass sie ein Teil dessen geworden waren, was ich bin. Ich erinnere mich, dass ich ihr schrieb, dass wir da rausm\u00fcssen \u2013 nicht nur f\u00fcr die Pal\u00e4stinenser, sondern wegen der furchtbaren und brutalen Auswirkungen, die all das auf uns, auf die israelische Gesellschaft haben w\u00fcrde. Sie schrieb zur\u00fcck: \u201eDu hast recht. Ich habe einen neuen Freund.\u201c<\/p>\n\n\n\n

Felix Klein wurde als Beauftragter der Bundesregierung berufen<\/a>, um die Auswirkungen des zunehmenden Antisemitismus in unserer Gesellschaft, in Deutschland, zu bek\u00e4mpfen. Was nicht in seiner Jobbeschreibung steht, ist, dass er dabei unsere Gesellschaft heilen muss, jene Gesellschaft, die diese Form des Hasses reproduziert und sch\u00fctzt. Klein hat das begriffen.<\/p>\n\n\n\n

Er versteht, dass man Krebs nicht mit einem Pflaster verarztet, er wei\u00df, dass er das Bewusstsein der Deutschen sch\u00e4rfen und Diskussionen ansto\u00dfen muss. Er hat begriffen, dass das Problem nicht nur an den R\u00e4ndern der Gesellschaft (bei den Rechten) liegt, sondern auch in ihrer Mitte. Dort, wo gebildete Menschen nicht einmal bemerken, dass das, was sie sagen und tun, antisemitisch ist. So wie sie es auch nicht merken, wenn sie rassistisch handeln. Er hat all das verstanden, und genau deshalb wollen einige, dass er seinen Posten r\u00e4umt.<\/p>\n\n\n\n

Mehr als 60 deutsche und israelische Intellektuelle haben letzte Woche in einem Brief an Kanzlerin Merkel<\/a> dar\u00fcber geklagt, dass der aktuelle \u201eGebrauch des Antisemitismusbegriffs\u201c darauf abziele, \u201elegitime Kritik an der israelischen Regierungspolitik zu unterdr\u00fccken\u201c, und Klein vorgeworfen, rechtspopulistische israelische Stimmen zu f\u00f6rdern.<\/p>\n\n\n\n

Faszinierend an diesem offenen Brief ist, dass viele der Unterzeichneten keine Deutschen sind und auch nicht in Deutschland leben. Ich wei\u00df nicht, woher sie \u2013 die meisten von ihnen sind Israelis \u2013 die Chuzpe haben, sich in eine innerdeutsche Angelegenheit einzumischen und zu fordern, eine Person zu entlassen, die von der Bundesregierung eingesetzt wurde. Die H\u00e4lfte der Unterzeichneten lebt nicht hier, von der anderen H\u00e4lfte sind viele keine Juden \u2013 somit sind die allermeisten von ihnen nicht direkt vom Antisemitismus in Deutschland betroffen. Wie also k\u00f6nnen sie diesen Brief unterschreiben? Und warum eigentlich haben so wenige Deutsche unterschrieben? Dazu komme ich gleich.<\/p>\n\n\n\n

Debatte um Achille Mbembe<\/h6>\n\n\n\n

Hintergrund des Briefs war, dass Felix Klein gefordert hatte, den Philosophen Achille Mbembe<\/a> nicht die Er\u00f6ffnungsrede der Ruhrtriennale halten zu lassen. Als mit \u00f6ffentlichen Mitteln gef\u00f6rdertes Event solle die Ruhrtriennale Mbembe wegen seiner Haltung zu Israels Existenzrecht, seiner Haltung zu BDS und der Art, wie er in einem seiner Werke den Holocaust relativiert, nicht einladen.<\/p>\n\n\n\n

Mbembes Unterst\u00fctzer sagen, keine dieser Anschuldigungen sei wahr. F\u00fcrs Protokoll: In meinen Augen unterst\u00fctzt Mbembe sehr wohl BDS<\/a>, er schrieb unter anderem das Vorwort zu \u201eApartheid Israel\u201c und fordert die komplette Isolation Israels. Ich glaube auch, wenn Mbembe schreibt, die israelische Besetzung sei der \u201egr\u00f6\u00dfte moralische Skandal unserer Zeit\u201c, zeigt das, dass sein moralischer und geografischer Kompass etwas schief ist.<\/p>\n\n\n\n

Doch warum treibt die Debatte so viele Menschen um? Nun, zun\u00e4chst gibt niemand gern auf, was ihm oder ihr selbstverst\u00e4ndlich scheint. \u00dcber den gesamten politischen, sozialen, kulturellen, medialen und akademischen Sektor hinweg sind Menschen daran gew\u00f6hnt, so schlecht \u00fcber Israel sprechen zu k\u00f6nnen, wie auch immer sie wollen.<\/p>\n\n\n\n

Der Spiegel<\/em> hat \u2013 vielleicht in Anlehnung an seine Relotius-Standards, Israel erst k\u00fcrzlich eine Corona-Diktatur genannt. Fakten und Belege f\u00fcr diese Behauptung gab es nicht. Doch Millionen Deutsche haben es gelesen, und es wird nat\u00fcrlich haften bleiben. Faktenlage hin oder her. Der Spiegel<\/em> und andere Medien haben dieses Spiel perfektioniert: Titel so zu drehen, dass sie Israel indirekt anklagen, die Idee zu streuen, der Mossad kon\u00adtrol\u00adliere die deutsche Au\u00dfenpolitik im Nahen Osten, und so fort. Doch sie stehen allesamt sofort auf den Hinterbeinen, wenn jemand es wagt, das Spiel beim Namen zu nennen: moderner Antisemitismus.<\/p>\n\n\n\n

Klein will dem entgegenwirken. Er versteht, dass antisemitische Attacken in Deutschland die Fr\u00fcchte solch falsch gezeichneter Bilder und eindimensionaler Narrative \u00fcber Israel sind. Wenn er und andere versuchen, ein anderes Narrativ aufzuzeigen, wirft man ihnen Zensur vor: Wie k\u00f6nnen sie es wagen, das Gesch\u00e4ft der Anti-Israel-Propaganda zu st\u00f6ren?<\/p>\n\n\n\n

Liebe Deutsche, wenn ihr reden wollt, lasst uns gern reden: \u00fcber die Besetzung, \u00fcber Bibi und alles, was schiefl\u00e4uft. Aber dann lasst uns bitte auch dar\u00fcber reden, wie deutsche Steuergelder Terrortunnel finanzieren. Erst vergangene Woche r\u00e4umte die niederl\u00e4ndische Regierung ein, dass Gelder an eine Landwirtschaftsorganisation in Ramallah geflossen seien, die damit teilweise die Geh\u00e4lter zweier des Mordes an der 17-j\u00e4hrigen Israelin Rina Shnerb Verd\u00e4chtiger gezahlt haben. Auch die Bundesregierung unterst\u00fctzt diese Organisation, obwohl Kritiker schon lange vor Verbindungen zu Terroristen warnen.<\/p>\n\n\n\n

Wir k\u00f6nnen uns also gerne unterhalten \u2013 aber im Dialog, nicht in Monologen. Denn Reden unter Menschen, die sich einig sind, ist nichts anderes als Impotenz.<\/p>\n\n\n\n

Israelkritik als Eintrittskarte<\/h6>\n\n\n\n

Die Israelis, die die Petition unterzeichnet haben, haben \u00fcbrigens ebenfalls etwas verstanden. Seit Jahren wissen sie: Es ist ihre Eintrittskarte in die Mitte der deutschen (und europ\u00e4ischen) Gesellschaft. Man h\u00f6rt nicht oft von Akademikern mit proisraelischen Ansichten. Weder in den Philharmonie-Orchestern noch in der Kunstszene. Die Eintrittskarte daf\u00fcr ist ein antiisraelischer Standpunkt.<\/p>\n\n\n\n

Der mutma\u00dfliche Grund, warum kaum Deutsche die Petition unterzeichnet haben: Sie mussten es nicht. Ihre Lieblingsjuden haben es f\u00fcr sie getan. Jetzt k\u00f6nnen sie sagen: \u201eSchau, ich bin das ja nicht, meine j\u00fcdischen Freunde sagen es.\u201c Ich selbst war einige Jahre lang mit einem Paar hier in Berlin befreundet, bis ich herausfand, dass ich ihr Lieblingsjude war. Ja, selbst das j\u00fcdische Museum wurde so genutzt.<\/p>\n\n\n\n

Weil Attacken gegen Juden ein absolutes Tabu sind, wurden Umwege gefunden, um den Antisemitismus auf kleiner Flamme k\u00f6cheln zu lassen: die unfundierte, unbegr\u00fcndete Kritik an Israel.<\/p>\n\n\n\n

Diese Art der Kritik ist gef\u00e4hrlich. Sie schw\u00e4cht jede begr\u00fcndete und notwendige Kritik am Verhalten Israels. Und das Interessante ist: Trotz all der heftigen, pauschalisierenden Anklagen, all der offenen Briefe driftet Israel politisch immer weiter nach rechts. Doch statt mal einen anderen Ansatz zu versuchen, werden die antiisraelischen Stimmen nur lauter. Dasselbe versuchen und andere Ergebnisse davon erwarten \u2013 das ist die Definition von Wahnsinn.<\/p>\n\n\n\n

Kurz bevor der Prozess gegen den wegen des Attentats von Halle<\/a> Angeklagten begann \u2013 des seit Kriegsende schlimmsten Akts von Antisemitismus in Deutschland \u2013, lud eine Lokalzeitung den fr\u00fcheren Botschafter Shimon Stein und den Historiker Moshe Zimmermann ein, dar\u00fcber zu schreiben, was Antisemitismus ist. Nat\u00fcrlich wendeten auch sie sich gegen Felix Kleins Ansatz. Sie zitieren die Kontroverse um die Umbenennung der U-Bahn-Station Mohrenstra\u00dfe in Glinkastra\u00dfe, die sich darum drehte, dass der russische Komponist Michael Glinka Antisemit gewesen sein soll. Stein und Zimmermann halten die Debatte f\u00fcr \u00fcberzogen, Glinka sei nur ein Kind seiner Zeit gewesen. Folgt man ihrer Logik, k\u00f6nnen wir dann also in 20 oder 30 Jahren U-Bahn-Stationen nach den Kindern der 1930er Jahre benennen?<\/p>\n\n\n\n

Der Antisemit als Tierfreund<\/h6>\n\n\n\n

Ich w\u00fcnschte, die Sache h\u00e4tte mit dem Artikel, mit der Petition geendet. Doch dann erschien ein Artikel, der den Leser auf einen Waldspaziergang mit einem veganen Koch und Antisemiten mitnahm. Darin setzt der Tierfreund erst behutsam einen K\u00e4fer wieder auf seine Beinchen und erkl\u00e4rt dann, dass die Todesstrafe in Deutschland wieder eingef\u00fchrt werden solle, um einen gewissen Politiker (der zuf\u00e4llig pro Israel ist) an seinen Hoden aufh\u00e4ngen zu k\u00f6nnen. Dieser Koch hat Hunderttausende Follower, er sagt all solche Dinge am helllichten Tag in Berlin. Und in den Medien.<\/p>\n\n\n\n

F\u00e4lle wie dieser handeln bereits von Gewalt \u2013 und sie enden nicht bei den Juden. Der Hass richtet sich gegen Frauen<\/a>, Muslime, Gefl\u00fcchtete, \u00adLBTQI. Am Ende aller theoretischen Debatten stehen immer echte Menschen. Am Ende jeder Konferenz dar\u00fcber, was Antisemitismus ausmacht, steht ein potenzielles j\u00fcdisches Opfer. Angesichts einer Welle von Antisemitismus \u00fcber die Definition von Antisemitismus zu streiten ist, wie eine 10 Meter hohe Welle heranrollen zu sehen und dar\u00fcber zu streiten, was einen Tsunami ausmacht.<\/p>\n\n\n\n

Felix Klein versteht, wie absurd es ist, zu sagen: Es sind nur die Rechten. Die Rechten sind Deutsche, so wie die Nazis Deutsche waren. Klein versteht, dass die Deutschen nicht aufgeh\u00f6rt haben, Juden zu ermorden, weil sie irgendeine Art von Erleuchtung hatten. Sondern schlicht, weil sie den Krieg verloren haben. Um den Antisemitismus zu bek\u00e4mpfen, bevor er die Gesellschaft frisst, in der er und wir leben, muss Deutschland seinen moralischen Kompass korrigieren.<\/p>\n\n\n\n

Immerhin: Mehr und mehr Deutsche fahren nach Israel, sie wollen ein anderes Narrativ h\u00f6ren. Mehr und mehr Deutsche verstehen, dass Antisemitismus Schockwellen ausl\u00f6st, die die gesamte Gesellschaft betreffen. In einem normalen Universum w\u00fcrde Klein bef\u00f6rdert werden f\u00fcr seine Leistung. In einer verdrehten Gesellschaft fordern Menschen seine Entlassung. Um es mit Mbembe zu sagen: Das ist Nano-Nonsens.<\/p>\n\n\n\n

\u00dcbersetzung: Ariane Lemme<\/a><\/em><\/p>\n","post_title":"Felix Klein hat verstanden","post_excerpt":"","post_status":"publish","comment_status":"closed","ping_status":"closed","post_password":"","post_name":"felix-klein-hat-verstanden","to_ping":"","pinged":"","post_modified":"2025-02-02 08:39:39","post_modified_gmt":"2025-02-02 08:39:39","post_content_filtered":"","post_parent":0,"guid":"https:\/\/dctransparency.com\/?p=3786","menu_order":0,"post_type":"post","post_mime_type":"","comment_count":"0","filter":"raw"}],"next":false,"prev":true,"total_page":47},"paged":1,"column_class":"jeg_col_2o3","class":"epic_block_3"};

\n

Kate Osamor, Bell Ribeiro-Addy, Alistair Carmichael, Baroness Goudie, Baroness Brinton, Jim Shannon, Tommy Sheppard, Catherine West und die ehemalige Au\u00dfenministerin von Shadow, Hilary Benn, haben die britische Regierung gebeten, die Angelegenheit zu untersuchen und geeignete Ma\u00dfnahmen zu ergreifen Aktionen.<\/p>\n\n\n\n

Die Besorgnis der Politiker folgt einer k\u00fcrzlich im Foreign Policy Magazine ver\u00f6ffentlichten Enth\u00fcllung, dass der saudi-arabische K\u00f6nig Salman potenzielle Pl\u00e4ne hatte, 2017 in Katar einzudringen. Der Artikel besagt, dass w\u00e4hrend eines Telefongespr\u00e4chs zwischen K\u00f6nig Salman und US-Pr\u00e4sident Trump am 6. Juni 2017 die Der saudische Herrscher machte einen solchen Vorschlag.<\/p>\n\n\n\n

In dem Brief wurde gefordert, dass der Streit zwischen Saudi-Arabien und Katar auf friedlichem Wege beigelegt wird und dass milit\u00e4rische Aktionen gegen ein souver\u00e4nes Land und einen Verb\u00fcndeten des Vereinigten K\u00f6nigreichs die Stabilit\u00e4t des Nahen Ostens untergraben und den Frieden in der gesamten Golfregion bedrohen w\u00fcrden.<\/p>\n\n\n\n

Die Gruppe der Abgeordneten f\u00fcgte hinzu, dass Katar zur Entsch\u00e4rfung von Konflikten im Nahen Osten beigetragen und als Vermittler f\u00fcr Friedensinitiativen fungiert habe. Sie f\u00fcgten hinzu, dass Katar ein strategischer Verb\u00fcndeter des Vereinigten K\u00f6nigreichs ist und eine wichtige Rolle bei der Gestaltung der britischen Politik in der Region spielt.<\/p>\n\n\n\n

Sie forderten die britische Regierung au\u00dferdem auf, ihr Engagement f\u00fcr eine friedliche L\u00f6sung des Streits zu bekr\u00e4ftigen, und baten um die Zusicherung, dass sie die derzeitige Blockade durch Saudi-Arabien, die seit 2017 besteht, nicht unterst\u00fctzt.<\/p>\n\n\n\n

Eine Gruppe von Abgeordneten folgte ihren britischen Kollegen und \u00e4u\u00dferte Bedenken hinsichtlich der m\u00f6glichen saudischen Pl\u00e4ne, in Katar einzudringen.<\/p>\n\n\n\n

In letzter Zeit wurden mehrere \u00f6ffentliche Erkl\u00e4rungen und Tweets zu diesem Thema abgegeben. Der italienische Europaabgeordnete Fulvio Martusciello \u00e4u\u00dferte letzte Woche Bedenken und forderte sofortige Ma\u00dfnahmen, um eine k\u00fcnftige Eskalation einzud\u00e4mmen. Er twitterte: \u201eSehr besorgt und alarmiert dar\u00fcber, dass Saudi-Arabien erwogen hat, in Katar einzudringen. Dies wird v\u00f6llig abgelehnt und gef\u00e4hrdet die Stabilit\u00e4t in der Golfregion und im Nahen Osten. Die EU muss sich gegen alle Versuche von KSA und VAE behaupten, souver\u00e4ne Staaten anzugreifen. #GulfPeace. \"<\/p>\n\n\n\n

Dar\u00fcber hinaus haben mehrere Abgeordnete wie Urmas Paet, Hilde Vautmans, Malik Azmani und Bart Groothuis an den Vizepr\u00e4sidenten der Kommission und den Hohen Vertreter der Union f\u00fcr Au\u00dfen- und Sicherheitspolitik geschrieben.<\/p>\n\n\n\n

Die Gruppe sagte: \u201eAm 6. August 2020 wurde \u00f6ffentlich bekannt, dass w\u00e4hrend eines offiziellen Aufrufs am 6. Juni 2017 zwischen dem US-Pr\u00e4sidenten Donald Trump und dem saudi-arabischen K\u00f6nig Salman ein Vorschlag zur Invasion Katars vorgelegt wurde . Die US-Regierung lehnte den saudischen Vorschlag sofort ab und forderte die formelle Vermittlung durch die kuwaitischen Beh\u00f6rden im Rahmen des Golf-Kooperationsrates. \u201c<\/p>\n","post_title":"Europ\u00e4ische Politiker verurteilen saudische Pl\u00e4ne, in Katar einzudringen","post_excerpt":"","post_status":"publish","comment_status":"closed","ping_status":"closed","post_password":"","post_name":"europaische-politiker-verurteilen-saudische-plane-in-katar-einzudringen","to_ping":"","pinged":"","post_modified":"2025-02-02 08:39:39","post_modified_gmt":"2025-02-02 08:39:39","post_content_filtered":"","post_parent":0,"guid":"https:\/\/dctransparency.com\/?p=3818","menu_order":0,"post_type":"post","post_mime_type":"","comment_count":"0","filter":"raw"},{"ID":3811,"post_author":"7","post_date":"2020-08-28 13:33:59","post_date_gmt":"2020-08-28 13:33:59","post_content":"\n

Die BBC <\/a>hat neue Beweise daf\u00fcr gefunden, dass eine von den Vereinigten Arabischen Emiraten (VAE) betriebene Drohne im Januar 2020 26 unbewaffnete Kadetten an einer Milit\u00e4rakademie in der libyschen Hauptstadt Tripolis get\u00f6tet hat.<\/p>\n\n\n\n

Zum Zeitpunkt des Streiks am 4. Januar wurde Tripolis von der selbsternannten libyschen Nationalarmee (LNA) belagert.<\/p>\n\n\n\n

Es hat die Verantwortung f\u00fcr den Angriff abgelehnt und vermutet, dass die Kadetten durch Beschuss vor Ort get\u00f6tet wurden.<\/p>\n\n\n\n

Es gibt jedoch Hinweise darauf, dass die Kadetten von einer chinesischen Blue Arrow 7-Rakete getroffen wurden.<\/p>\n\n\n\n

Dies wurde von einer Drohne namens Wing Loong II abgefeuert, und die Untersuchung von BBC Africa Eye und BBC Arabic Documentaries ergab auch Hinweise darauf, dass Wing Loong II-Drohnen zum Zeitpunkt des Streiks nur von einem libyschen Luftwaffenst\u00fctzpunkt aus operierten - al-Khadim - und dass die VAE die dort stationierten Drohnen geliefert und betrieben haben.<\/p>\n\n\n\n

\"\"<\/figure>\n\n\n\n

Die VAE haben zuvor die milit\u00e4rische Beteiligung in Libyen verweigert und sagen, sie unterst\u00fctzen den UN-Friedensprozess. Es antwortete nicht auf die Bitte der BBC um einen Kommentar.<\/p>\n\n\n\n

Was ist mit diesen Kadetten passiert?<\/strong><\/p>\n\n\n\n

Kurz nach 21:00 Uhr am 4. Januar 2020 f\u00fchrten rund 50 Kadetten Routine\u00fcbungen an einer Milit\u00e4rakademie im S\u00fcden von Tripolis durch.<\/p>\n\n\n\n

Ohne Vorwarnung detonierte eine Explosion in der Mitte der Gruppe und lie\u00df 26 Kadetten tot oder auf dem Exerzierplatz sterben. Viele waren noch Teenager. Keiner von ihnen war bewaffnet.

Einer der \u00dcberlebenden war der 20-j\u00e4hrige Abdul Moeen.<\/p>\n\n\n\n

Er war in der Akademie, als der Streik eintraf. \"Es war unbeschreiblich\", sagte er der BBC.<\/p>\n\n\n\n

\"Wir haben gesehen, wie unsere Kollegen starben, ihren letzten Atemzug machten und wir konnten nichts tun ... Es gab Leute, deren Oberk\u00f6rper von ihren K\u00f6rpern getrennt waren. Es war ein schreckliches Verbrechen, ein Verbrechen, das nichts mit der Menschheit zu tun hat. \"\"<\/p>\n\n\n\n

Sieben Monate nach dem Streik hat niemand die Verantwortung f\u00fcr die T\u00f6tung dieser jungen M\u00e4nner eingestanden.<\/p>\n\n\n\n

Die LNA unter Gen Khalifa Haftar bestritt, dass sie hinter dem Streik steckt, und teilte der Presse mit, dass die Explosion m\u00f6glicherweise durch eine lokal abgefeuerte M\u00f6rsergranate oder einen Angriff innerhalb der Akademie verursacht worden sei.<\/p>\n\n\n\n

Was hat die BBC gefunden?<\/strong><\/p>\n\n\n\n

Die Untersuchung ergab Hinweise darauf, dass eine viel ausgefeiltere Waffe verwendet wurde.<\/p>\n\n\n\n

\"\"<\/figure>\n\n\n\n

Die BBC betrachtete Bilder des Splitters, der nach dem Streik auf dem Exerzierplatz zur\u00fcckgelassen wurde, und kam zu dem Schluss, dass er mit den Komponenten einer Rakete namens Blue Arrow 7 \u00fcbereinstimmte.<\/p>\n\n\n\n

Unsere Analyse ergab, dass nur ein Flugzeug, das im Januar 2020 \u00fcber Tripolis operierte, diese Waffe abfeuern konnte - eine Drohne namens Wing Loong 2.<\/p>\n\n\n\n

Nur drei Wochen vor diesem Streik kamen die Vereinten Nationen zu dem Schluss, dass der Blaue Pfeil 7 \"ballistisch gepaart ist, um vom Wing Loong II geliefert zu werden ... und von keinem anderen in Libyen bisher identifizierten Luftfahrtgut\".<\/p>\n\n\n\n

Die BBC untersuchte auch, woher diese Drohne stammen k\u00f6nnte, und fand Hinweise darauf, dass Wing Loong-Drohnen zum Zeitpunkt des Angriffs nur von einem libyschen Luftwaffenst\u00fctzpunkt aus operierten: al-Khadim im von der LNA kontrollierten Ostlibyen.<\/p>\n\n\n\n

Sowohl die BBC als auch die UN haben Beweise daf\u00fcr gefunden, dass Drohnen, die von diesem Luftwaffenst\u00fctzpunkt aus operieren, zu den Vereinigten Arabischen Emiraten geh\u00f6ren.<\/p>\n\n\n\n

Im Jahr 2019 stellte die UNO fest, dass die VAE durch den Versand von Wing Loong-Drohnen und Blue Arrow 7-Raketen nach Libyen gegen das seit 2011 geltende UN-Waffenembargo gegen das Land versto\u00dfen hatten.<\/p>\n\n\n\n

Die BBC fand auch ein Waffenregister, aus dem hervorgeht, dass die VAE 2017 15 Wing Loong-Drohnen und 350 Blue Arrow 7-Raketen gekauft haben.<\/p>\n\n\n\n

Was hat die BBC noch aufgedeckt?<\/strong><\/p>\n\n\n\n

<\/p>\n\n\n\n

Die BBC-Untersuchung ergab auch neue Beweise daf\u00fcr, dass \u00c4gypten den VAE erlaubt, \u00e4gyptische Milit\u00e4rflugpl\u00e4tze nahe der libyschen Grenze zu nutzen.<\/p>\n\n\n\n

Im Februar 2020 scheinen die in Libyen stationierten Wing Loong II-Drohnen \u00fcber die Grenze nach \u00c4gypten zu einem Luftwaffenst\u00fctzpunkt in der N\u00e4he von Siwa in der west\u00e4gyptischen W\u00fcste gebracht worden zu sein.<\/p>\n\n\n\n

Satellitenbilder zeigen auch, dass ein zweiter \u00e4gyptischer Milit\u00e4rflugplatz, Sidi Barrani, als Einsatzbasis f\u00fcr Mirage 2000-Kampfflugzeuge verwendet wurde, die in Farben lackiert sind, die nicht von der \u00e4gyptischen Luftwaffe verwendet werden, aber genau den von den VAE geflogenen Jets entsprechen .<\/p>\n\n\n\n

Dies ist das gleiche Flugzeugmodell, das von den Vereinten Nationen in einen Luftangriff auf ein Migrationszentrum \u00f6stlich von Tripolis im Juli 2019 verwickelt wurde, bei dem 53 Menschen get\u00f6tet wurden.<\/p>\n\n\n\n

Ausl\u00e4ndischer Jet bei libyschem Migrantenangriff verd\u00e4chtigt<\/p>\n\n\n\n

Sidi Barrani ist auch das Ziel f\u00fcr mehrere Frachtflugzeuge, die von den Vereinigten Arabischen Emiraten gestartet sind, und schl\u00e4gt eine Luftbr\u00fccke f\u00fcr Ausr\u00fcstung oder Lieferungen zwischen den Vereinigten Arabischen Emiraten und einer Milit\u00e4rbasis vor, die nur 80 km von der libyschen Grenze entfernt liegt.<\/p>\n\n\n\n

Die \u00e4gyptische Regierung antwortete nicht auf die Bitte der BBC um Stellungnahme.<\/p>\n\n\n\n

Ist ausl\u00e4ndisches milit\u00e4risches Engagement \u00fcberraschend?<\/strong><\/p>\n\n\n\n

Sowohl die Vereinigten Arabischen Emirate als auch \u00c4gypten nahmen an einer von Bundeskanzlerin Angela Merkel im Januar dieses Jahres in Berlin einberufenen Konferenz \u00fcber Libyen teil, auf der sie ihre Unterst\u00fctzung f\u00fcr den UN-Friedensprozess bekr\u00e4ftigten und sich bereit erkl\u00e4rten, nicht in den Libyen-Krieg einzugreifen.<\/p>\n\n\n\n

Im vergangenen Jahr gab es jedoch eine Eskalation des Einsatzes von Drohnen durch beide Seiten des Konflikts.<\/p>\n\n\n\n

Ghassan Salam\u00e9, der fr\u00fchere Leiter der UN-Mission in Libyen, beschrieb dies als \"m\u00f6glicherweise das gr\u00f6\u00dfte Drohnenkriegstheater der Welt\".<\/p>\n\n\n\n

Die VAE sind nicht die einzige ausl\u00e4ndische Macht, die an diesem Konflikt beteiligt ist.<\/p>\n\n\n\n

Anfang dieses Jahres gab BBC Africa Eye bekannt, dass die T\u00fcrkei auch gegen das Waffenembargo der Vereinten Nationen gegen Libyen versto\u00dfen hat, indem sie geheime Waffenlieferungen an die von den Vereinten Nationen anerkannte Regierung in Tripolis gesendet hat.<\/p>\n\n\n\n

Mit Unterst\u00fctzung der T\u00fcrkei hat die von den Vereinten Nationen anerkannte Regierung des Nationalen Abkommens nun die LNA von Gen Haftar aus der Gegend um Tripolis zur\u00fcckgeschlagen.<\/p>\n","post_title":"BBC-Untersuchung: VAE in t\u00f6dlichen Angriff in Libyen verwickelt","post_excerpt":"","post_status":"publish","comment_status":"closed","ping_status":"closed","post_password":"","post_name":"bbc-untersuchung-vae-in-todlichen-angriff-in-libyen-verwickelt","to_ping":"","pinged":"","post_modified":"2025-02-02 08:39:39","post_modified_gmt":"2025-02-02 08:39:39","post_content_filtered":"","post_parent":0,"guid":"https:\/\/dctransparency.com\/?p=3811","menu_order":0,"post_type":"post","post_mime_type":"","comment_count":"0","filter":"raw"},{"ID":3792,"post_author":"7","post_date":"2020-08-14 13:58:48","post_date_gmt":"2020-08-14 13:58:48","post_content":"\n

Die Hagia Sophia war (ist) ein kulturelles Weltwunder und aufgeladen mit symbolischer Bedeutung, f\u00fcr die Christenheit ebenso wie f\u00fcr den Islam \u2013 und den t\u00fcrkischen Nationalismus. Als Mehmed II. sie betrat, war sie schon fast 1000 Jahre die gr\u00f6\u00dfte Kirche der christlichen Welt und das Zentrum der orthodoxen Glaubensrichtung. Die \"Ayasofya\", wie sie dann hie\u00df, war 500 Jahre lang Moschee \u2013 bis 1934, als Kemal Pascha Atat\u00fcrk, der \"Vater\" der modernen T\u00fcrkei, sie in ein Museum verwandelte, in der ausdr\u00fccklichen Absicht, auch hier mit dem osmanischen Erbe zu brechen.<\/p>\n\n\n\n

Nun wird Pr\u00e4sident Recep Tayyip Erdo\u011fan, der \"Vater\" der re-islamisierten T\u00fcrkei, am 24. Juli dieses Jahres die Ayasofya durch das Freitagsgebet wieder in den Islam eingliedern. Oder eher in seinen pers\u00f6nlichen religi\u00f6sen Nationalismus.<\/p>\n\n\n\n

Welterbe von allen<\/h3>\n\n\n\n

Wie bedeutungsschwer ist dieser Akt eines \"starken Mannes\", der innenpolitisch deutlich schw\u00e4chelt? Die Proteste vor allem aus der orthodoxen Welt, aber auch aus Europa und den USA sind eher traurig als w\u00fctend. Der Papst dr\u00fcckte seinen \"Schmerz\" aus. Auch der Jubel in der islamischen Welt fiel zun\u00e4chst weniger \u00fcbersch\u00e4umend als erwartet aus.<\/p>\n\n\n\n

Ist es der Alleingang eines Autokraten in Bedr\u00e4ngnis oder ist \"der Jubel \u00fcber die Eroberung der Hagia Sophia der Versuch einer zutiefst erniedrigten, vom Gef\u00fchl der Wertlosigkeit dominierten und in ihrer eigenen Selbstberechtigung beraubten Gesellschaft, eine Bedeutung, eine St\u00e4rke, ein Selbstwertgef\u00fchl zu finden\"? So recht pauschalierend der in Deutschland lebende pal\u00e4stinensische Intellektuelle und Psychiater Ahmad Mansour.<\/p>\n\n\n\n

Die beiden Gro\u00dfreiche, das byzantinische und das osmanische, sind l\u00e4ngst versunken.<\/p><\/blockquote>\n\n\n\n

Das eigentliche Schl\u00fcsselwort im Zusammenhang mit der Hagia Sofia ist \"Welterbe\". Das Erbe von allen. Einmal im kulturellen Sinn der Unesco, aber in Wahrheit weiter gefasst. Das einzigartige Bauwerk geh\u00f6rt in Wirklichkeit der ganzen Welt, nicht der einen oder anderen Religion. Die beiden Gro\u00dfreiche, f\u00fcr die die Hagia Sofia der zentrale spirituelle Bau war, das byzantinische und das osmanische, sind l\u00e4ngst versunken. Seither hat sie eine neue, \u00fcbernationale Dimension erhalten. Was Erdo\u011fan da jetzt mit der Hagia Sofia macht, ist eine Verengung und Verarmung eines gemeinsamen Welterbes.<\/p>\n\n\n\n

\"\"\/
Betende Muslime vor der Hagia Sophia.<\/figcaption><\/figure>\n\n\n\n

Davon abgesehen aber war und ist sie ein architektonisches Meisterwerk und geh\u00f6rt zu den bedeutendsten Bauten der Welt. Wer heute den Zentralraum unter der Kuppel betritt, kann sich nur schwer dem zugleich majest\u00e4tischen wie schwebenden Gesamteindruck entziehen. Die Hagia Sophia blieb fast 1000 Jahre die gr\u00f6\u00dfte Kirche der Christenheit. Technisch war die Kuppel (mit mehreren Halbkuppeln) eine \u00fcberaus riskante Innovation: Die 55 Meter hohe und 32 Meter im Durchmesser breite Kuppel ruht auf nur vier Tragpunkten, was den schwebenden, schwerelosen Eindruck erzeugt. Die Konstruktion folgt einem mathematischen Prinzip, das erst k\u00fcrzlich entschl\u00fcsselt wurde.<\/p>\n\n\n\n

\"Salomo, ich habe dich \u00fcbertroffen!\"<\/p><\/blockquote>\n\n\n\n

Als Kaiser Justinian die Hagia Sophia nach nur f\u00fcnf Jahren Bauzeit (532\u2013537) betrat, soll er in Anspielung auf den Tempel in Jerusalem ausgerufen haben: \"Salomo, ich habe dich \u00fcbertroffen!\" Die Innenausstattung war mit ihren S\u00e4ulen aus Porphyr und gr\u00fcnem Marmor, mit Mosaiken aus Gold und Halbedelsteinen derart prunkvoll, der Gesamteindruck derart \u00fcberirdisch, dass eine Delegation des Gro\u00dff\u00fcrsten von Kiew nicht mehr wusste, \"ob wir im Himmel oder auf der Erde\" waren \u2013 was die Christianisierung Russlands bef\u00f6rderte.<\/p>\n\n\n\n

Der deutsche Architekturlehrer Holger Kleine nennt die Hagia Sophia \"absolute Architektur\", weil sie \"extreme Ausdrucksformen nahezu aller dramaturgischen Mittel, die der Architektur zur Verf\u00fcgung stehen, vereinigt: wuchtigste K\u00f6rper und luftigste R\u00e4ume, engste Enge und gr\u00f6\u00dfte Weite, w\u00e4rmende Helligkeit und mystisches Dunkel\". Und die Kuppelbauten aus der sp\u00e4teren Hochbl\u00fcte der Moscheenarchitektur im 16. und 17. Jahrhundert gehen eindeutig auf die Hagia Sophia zur\u00fcck.<\/p>\n\n\n\n

Die Hagia Sophia war Staatskirche des byzantinischen Reichs. F\u00fcr die Eroberer der letzte Schlussstein in der Kuppel osmanisch-muslimischen Herrschaftsanspruchs. Konstantinopel war ja 1453 nur noch eine isolierte, heruntergekommene Enklave in einem osmanischen Umfeld, kein christliches Heer kam zu Hilfe. Doch vorher war es zugleich Sperrriegel nach Osten und Geistesarchiv der antiken Kultur gewesen. \"Ohne Byzanz h\u00e4tte es kein Europa gegeben\", sagt die britische Altertumsforscherin Judith Herrin.<\/p>\n\n\n\n

\"\"\/
Freigelegtes Mosaik von \"Christos Pantokrator\".<\/figcaption><\/figure>\n\n\n\n

Neue Fragen<\/h3>\n\n\n\n

Die Kirche wurde von Mehmed II. und Nachfolgern nicht in der Substanz zerst\u00f6rt, sondern \"entchristlicht\". Die urspr\u00fcnglich \u00fcbert\u00fcnchten oder auch abgeschlagenen Mosaiken mit den Darstellungen von Christus, der Muttergottes, diversen Kaisern kamen zum Teil schon unter einem Sultan des 19. Jahrhunderts, dann gro\u00dfteils nach der Museumswidmung wieder zum Vorschein.<\/p>\n\n\n\n

Jetzt stellen sich neue symbolisch-praktische Fragen. Erdo\u011fan hat die Hagia Sophia der konservativen staatlichen Religionsbeh\u00f6rde Diyanet unterstellt. Die byzantinischen Mosaike, wie der gro\u00dfartige \"Christos Pantokrator\" (\"Weltenherrscher\") oder die Jungfrau Maria in der Apsis, m\u00fcssen wohl w\u00e4hrend des islamischen Gottesdiensts verh\u00e4ngt werden. Muss der Boden mit seinen Marmorplatten und Mosaiken mit einem Teppich bedeckt werden? Erdo\u011fan sagt, Touristen seien nach wie vor zugelassen. Aber sie werden wohl hinter Absperrungen bleiben m\u00fcssen. Frauen werden \u2013 wie in der benachbarten \"Blauen Moschee\" (\"Sultanahmed\") Kopftuch tragen m\u00fcssen.<\/p>\n\n\n\n

\"\"\/
Erdo\u011fan mit Gattin in der Hagia Sophia.<\/figcaption><\/figure>\n\n\n\n

Erdo\u011fans neue Abenteuer<\/strong><\/h3>\n\n\n\n

Aber wird da nicht doch zu viel in einen Formalakt rund um ein uraltes Bauwerk hineininterpretiert? Im geschichtlichen Kontext relativiert sich manches: Konstantinopel wurde schon von Christen erobert und ausgepl\u00fcndert \u2013 1204 im Vierten Kreuzzug. In der Moschee von Cordoba (\"Mezquita\") bauten die Katholiken eine ganze Kirche in den ber\u00fchmten S\u00e4ulenwald hinein. Die Mezquita ist heute noch Kirche, kein Museum.<\/p>\n\n\n\n

\"Das ist der Beweis, dass wir kein s\u00e4kularer Staat mehr sein wollen\", sagt Nobelpreistr\u00e4ger Orhan Pamuk. Erdo\u011fan betrachtet sich offenbar als auch neoosmanischer \"Fatih\" im Mittelmeerraum mit immer neuen Abenteuern: Eingreifen in Syrien, Stellvertreterkrieg in Libyen, Anspr\u00fcche auf Erdgasvorkommen weit vor der t\u00fcrkischen K\u00fcste bei Zypern, Reden, wonach manche \u00c4g\u00e4is-Inseln eigentlich zur T\u00fcrkei geh\u00f6ren, \"denn dort stehen unsere Moscheen\". Manches davon ist nur Rhetorik, aber genug anderes ist riskante Realit\u00e4t. (Hans Rauscher, 14.7.2020)<\/p>\n\n\n\n

Quelle<\/a><\/strong><\/p>\n","post_title":"Hagia Sophia: Verengung und Verarmung eines Welterbes","post_excerpt":"","post_status":"publish","comment_status":"closed","ping_status":"closed","post_password":"","post_name":"hagia-sophia-verengung-und-verarmung-eines-welterbes","to_ping":"","pinged":"","post_modified":"2025-02-02 08:39:39","post_modified_gmt":"2025-02-02 08:39:39","post_content_filtered":"","post_parent":0,"guid":"https:\/\/dctransparency.com\/?p=3792","menu_order":0,"post_type":"post","post_mime_type":"","comment_count":"0","filter":"raw"},{"ID":3789,"post_author":"7","post_date":"2020-08-14 13:56:07","post_date_gmt":"2020-08-14 13:56:07","post_content":"\n

Im Gastkommentar pocht Mark Leonard, Direktor des Europ\u00e4ischen Rats f\u00fcr Ausw\u00e4rtige Beziehungen, auf \"neue, einvernehmlich vereinbarte Prinzipien sowie klare Grenzen\", nur so k\u00f6nne eine weitere Destabilisierung in der Region verhindert werden.<\/em><\/strong><\/p>\n\n\n\n

Ist die T\u00fcrkei das neue Russland? Diese Frage wird in den europ\u00e4ischen Hauptst\u00e4dten zunehmend gestellt, da die Au\u00dfenpolitik des t\u00fcrkischen Pr\u00e4sidenten Recep Tayyip Erdo\u011fan zunehmend aggressiver wird. Erdo\u011fan nutzt nicht nur die Migration, um die EU zu bedrohen und zu betr\u00fcgen, sondern setzt auch milit\u00e4rische Macht ein, um den Einflussbereich der T\u00fcrkei auf die gesamte Region auszudehnen.<\/p>\n\n\n\n

Seit dem Ende des Kalten Krieges haben die Europ\u00e4er die regionale Sicherheit durch eine unipolare westliche Linse betrachtet. W\u00e4hrend die Nato die milit\u00e4rische Sicherheit garantierte, sorgte die EU mit ihrem 80.000 Seiten starken Regelwerk f\u00fcr alles von LGBTQ-Rechten bis hin zu Rasenm\u00e4her-Sound-Verordnungen f\u00fcr Rechtsordnung. In den 90er-Jahren ging man allgemein davon aus, dass die beiden gro\u00dfen nichtwestlichen regionalen Akteure, Russland und die T\u00fcrkei, nach und nach an diese Regelungen herangef\u00fchrt werden w\u00fcrden.<\/p>\n\n\n\n

Qu\u00e4lende Hassliebe<\/h3>\n\n\n\n

Doch in den letzten 15 Jahren ist der Traum von der europ\u00e4ischen Unipolarit\u00e4t einer multipolaren Realit\u00e4t gewichen. Sowohl Russland als auch die T\u00fcrkei haben eine lange, qu\u00e4lende Hassliebe zu Europa, und beide sind unter nationalen Machthabern, denen die Verachtung der Normen und Werte der EU gemeinsam ist, durchsetzungsf\u00e4higer geworden.<\/p>\n\n\n\n

Die zunehmende Verschlechterung der Beziehungen zwischen der EU und Russland ist gut dokumentiert, der Fall der T\u00fcrkei weniger. Der Irakkrieg im Jahr 2003 komplizierte das Verh\u00e4ltnis der T\u00fcrkei zur Nato, und ihr Verh\u00e4ltnis zur EU verschlechterte sich 2007, als Frankreich einen wichtigen Teil ihrer EU-Beitrittsverhandlungen blockierte. Seitdem hat die T\u00fcrkei ihren eigenen Weg in Syrien, auf dem Balkan und in Libyen eingeschlagen und neue Beziehungen zu Russland und China aufgebaut.<\/p>\n\n\n\n

Wichtiger Akteur<\/strong><\/h3>\n\n\n\n

Nat\u00fcrlich sind die Beziehungen zwischen der T\u00fcrkei und Russland nicht weniger kompliziert, nicht zuletzt weil Erdo\u011fan und der russische Pr\u00e4sident Wladimir Putin im syrischen B\u00fcrgerkrieg verschiedene Seiten unterst\u00fctzten.Und w\u00e4hrend die Spannungen wegen des Syrien-Konflikts weiterhin bestehen, bewundert Erdo\u011fan deutlich, wie Russland sich \u2013 bei relativ geringen Kosten \u2013 wieder als wichtiger Akteur im Nahen Osten und in Nordafrika etabliert hat.<\/p>\n\n\n\n

Nachdem er in einen nicht zu gewinnenden Krieg im Osten der Ukraine verwickelt war, schien Putins weitgehend erfolgreicher Feldzug in Syrien einen Teil seiner innenpolitischen Autorit\u00e4t wiederherzustellen. Der Westen hatte f\u00fcnf Jahre lang darauf bestanden, dass es keine milit\u00e4rische L\u00f6sung des Konflikts gebe und dass der syrische Pr\u00e4sident Baschar al-Assad gehen m\u00fcsse. Doch w\u00e4hrend die von den Vereinten Nationen unterst\u00fctzten Gespr\u00e4che in Genf zu keinem Ergebnis f\u00fchrten, schienen die von Russland geleiteten Gespr\u00e4che in Astana voranzukommen. Indem der Kreml die T\u00fcrkei und den Iran einbezog, w\u00e4hrend er die westlichen M\u00e4chte ausschloss, erweckte er den Eindruck, dass Russland als wiedergeborene Supermacht aus der Asche auferstanden sei.<\/p>\n\n\n\n

Unter Druck<\/h3>\n\n\n\n

Angesichts des wachsenden Widerstands im eigenen Land macht es Erdo\u011fan Putin gleich. Da der Westen nicht bereit war, (erneut) milit\u00e4risch in Libyen zu intervenieren, sah Erdo\u011fan eine Gelegenheit, die T\u00fcrkei zu positionieren. Nach dem Vorgehen Russlands in Syrien sicherte er sich eine formelle Einladung der libyschen Regierung zur Intervention. Mit einem Schlag Ende letzten Jahres hat er nicht nur das Image der T\u00fcrkei als Regionalmacht gest\u00e4rkt, sondern auch ein Abkommen mit Libyen \u00fcber die Seegrenze abgeschlossen und damit einen Plan Griechenlands, Zyperns, \u00c4gyptens und Israels zur Erschlie\u00dfung von Unterwasser\u00f6l- und -gasfeldern in der N\u00e4he zunichtegemacht.<\/p>\n\n\n\n

Erdo\u011fan scheint auch von der Spalt-und-Eroberungs-Strategie des Kreml in Europa inspiriert worden zu sein, der zufolge oft diejenigen EU-Mitgliedsstaaten unter Druck gesetzt werden, die am meisten von russischen Kohlenwasserstoffen oder M\u00e4rkten abh\u00e4ngig sind. So wie Putin lange Zeit die Energieversorgung instrumentalisiert hat, hat Erdo\u011fan versucht, den Strom von Migranten und Fl\u00fcchtlingen, die vor Konflikten im Nahen Osten fliehen, zu instrumentalisieren. Als die EU eine neue Marinemission ank\u00fcndigte, um den Waffenstrom nach Libyen zu blockieren, malte die T\u00fcrkei f\u00fcr Malta das Schreckgespenst der angeblichen Bedrohung durch Migranten an die Wand. Malta reagierte prompt und signalisierte, dass es gegen die Finanzierung der Mission ein Veto einlegen werde.<\/p>\n\n\n\n

Verlorener Sohn<\/strong><\/h3>\n\n\n\n

Jahrelang redeten sich die Europ\u00e4er ein, dass Russland eine Art verlorener Sohn sei und dass die europ\u00e4ische unipolare Ordnung gesund bleibe. Doch das machte Europa zu einem leichten Ziel f\u00fcr die Trennungs-und-Eroberungs-Strategie des Kreml. Erst vor relativ kurzer Zeit entwarf die Union eine neue Politik und ein robustes Sanktionsregime, um die russische Aggression abzuschrecken. Und selbst jetzt \u2013 trotz der besten Bem\u00fchungen der deutschen Bundeskanzlerin Angela Merkel und des franz\u00f6sischen Pr\u00e4sidenten Emmanuel Macron \u2013 hat die EU noch immer keine wirksamen Kommunikationskan\u00e4le mit Russland geschaffen, um gemeinsame Probleme anzugehen.<\/p>\n\n\n\n

Die T\u00fcrkei ist noch kein neues Russland, aber sie k\u00f6nnte dazu werden, wenn die Situation falsch gehandhabt wird. Vorerst betrachten die meisten Europ\u00e4er die T\u00fcrkei noch immer als einen komplizierten Partner und nicht als \"Systemrivalen\". Aber die Europ\u00e4er sollten die hart erk\u00e4mpften Lehren aus dem Umgang mit Russland in den letzten 15 Jahren beherzigen. Die Beziehungen zwischen der EU und der T\u00fcrkei brauchen neue, einvernehmlich vereinbarte Prinzipien sowie klare Grenzen, um eine weitere Destabilisierung in der Region zu verhindern.<\/p>\n\n\n\n

Zu diesem Zweck sollten die Europ\u00e4er klarstellen, dass der EU-Beitrittsprozess entweder zur\u00fcckgedreht oder vorangetrieben werden kann und dass eine eher transaktionale Beziehung sowohl Zuckerbrot als auch Peitsche beinhaltet. Die Herausforderung wird darin bestehen, daf\u00fcr zu sorgen, dass es in einer Region, die nicht nur von Europa und der T\u00fcrkei, sondern auch von Russland, den USA und einem aufstrebenden China beeinflusst wird, noch Raum f\u00fcr politisches Engagement in Fragen der gemeinsamen Sicherheit gibt. (Mark Leonard, \u00dcbersetzung: Eva G\u00f6llner, Copyright: Project Syndicate, 10.8.2020)<\/p>\n\n\n\n

Mark Leonard <\/strong>ist Direktor des Europ\u00e4ischen Rats f\u00fcr Ausw\u00e4rtige Beziehungen.<\/a><\/p>\n","post_title":"Erdo\u011fan \u2013 der andere Putin vor der Haust\u00fcr Europas","post_excerpt":"","post_status":"publish","comment_status":"closed","ping_status":"closed","post_password":"","post_name":"erdogan-der-andere-putin-vor-der-haustur-europas","to_ping":"","pinged":"","post_modified":"2025-02-02 08:39:39","post_modified_gmt":"2025-02-02 08:39:39","post_content_filtered":"","post_parent":0,"guid":"https:\/\/dctransparency.com\/?p=3789","menu_order":0,"post_type":"post","post_mime_type":"","comment_count":"0","filter":"raw"},{"ID":3786,"post_author":"7","post_date":"2020-08-14 13:51:23","post_date_gmt":"2020-08-14 13:51:23","post_content":"\n

Einen Monat nachdem ich zur israelischen Armee eingezogen worden war, brach die erste Intifada aus. Statt Soldat zu sein, machte ich Polizeiarbeit, sagte den Menschen, wann sie zur Arbeit gehen konnten und wann sie ihre L\u00e4den schlie\u00dfen mussten, wann sie die Grenze passieren und wann sie schlafen konnten. Einen Monat nachdem ich aus der Armee entlassen worden war, ging ich auf Reisen. (In Israel sagen wir: Wir dienen drei Jahre und versuchen den Rest unseres Lebens, diese drei Jahre zu vergessen.) Auf meiner Reise begann ich Briefe an meine Freundin zu schreiben, die ich in Israel zur\u00fcckgelassen hatte.<\/p>\n\n\n\n

Ich schrieb ihr, wie schrecklich depressiv ich war und dass diese drei Jahre des Anweisungenbellens und Anderen-Menschen-Sagens, was sie zu tun haben, mich f\u00fcr immer verfolgen w\u00fcrden. Dass sie ein Teil dessen geworden waren, was ich bin. Ich erinnere mich, dass ich ihr schrieb, dass wir da rausm\u00fcssen \u2013 nicht nur f\u00fcr die Pal\u00e4stinenser, sondern wegen der furchtbaren und brutalen Auswirkungen, die all das auf uns, auf die israelische Gesellschaft haben w\u00fcrde. Sie schrieb zur\u00fcck: \u201eDu hast recht. Ich habe einen neuen Freund.\u201c<\/p>\n\n\n\n

Felix Klein wurde als Beauftragter der Bundesregierung berufen<\/a>, um die Auswirkungen des zunehmenden Antisemitismus in unserer Gesellschaft, in Deutschland, zu bek\u00e4mpfen. Was nicht in seiner Jobbeschreibung steht, ist, dass er dabei unsere Gesellschaft heilen muss, jene Gesellschaft, die diese Form des Hasses reproduziert und sch\u00fctzt. Klein hat das begriffen.<\/p>\n\n\n\n

Er versteht, dass man Krebs nicht mit einem Pflaster verarztet, er wei\u00df, dass er das Bewusstsein der Deutschen sch\u00e4rfen und Diskussionen ansto\u00dfen muss. Er hat begriffen, dass das Problem nicht nur an den R\u00e4ndern der Gesellschaft (bei den Rechten) liegt, sondern auch in ihrer Mitte. Dort, wo gebildete Menschen nicht einmal bemerken, dass das, was sie sagen und tun, antisemitisch ist. So wie sie es auch nicht merken, wenn sie rassistisch handeln. Er hat all das verstanden, und genau deshalb wollen einige, dass er seinen Posten r\u00e4umt.<\/p>\n\n\n\n

Mehr als 60 deutsche und israelische Intellektuelle haben letzte Woche in einem Brief an Kanzlerin Merkel<\/a> dar\u00fcber geklagt, dass der aktuelle \u201eGebrauch des Antisemitismusbegriffs\u201c darauf abziele, \u201elegitime Kritik an der israelischen Regierungspolitik zu unterdr\u00fccken\u201c, und Klein vorgeworfen, rechtspopulistische israelische Stimmen zu f\u00f6rdern.<\/p>\n\n\n\n

Faszinierend an diesem offenen Brief ist, dass viele der Unterzeichneten keine Deutschen sind und auch nicht in Deutschland leben. Ich wei\u00df nicht, woher sie \u2013 die meisten von ihnen sind Israelis \u2013 die Chuzpe haben, sich in eine innerdeutsche Angelegenheit einzumischen und zu fordern, eine Person zu entlassen, die von der Bundesregierung eingesetzt wurde. Die H\u00e4lfte der Unterzeichneten lebt nicht hier, von der anderen H\u00e4lfte sind viele keine Juden \u2013 somit sind die allermeisten von ihnen nicht direkt vom Antisemitismus in Deutschland betroffen. Wie also k\u00f6nnen sie diesen Brief unterschreiben? Und warum eigentlich haben so wenige Deutsche unterschrieben? Dazu komme ich gleich.<\/p>\n\n\n\n

Debatte um Achille Mbembe<\/h6>\n\n\n\n

Hintergrund des Briefs war, dass Felix Klein gefordert hatte, den Philosophen Achille Mbembe<\/a> nicht die Er\u00f6ffnungsrede der Ruhrtriennale halten zu lassen. Als mit \u00f6ffentlichen Mitteln gef\u00f6rdertes Event solle die Ruhrtriennale Mbembe wegen seiner Haltung zu Israels Existenzrecht, seiner Haltung zu BDS und der Art, wie er in einem seiner Werke den Holocaust relativiert, nicht einladen.<\/p>\n\n\n\n

Mbembes Unterst\u00fctzer sagen, keine dieser Anschuldigungen sei wahr. F\u00fcrs Protokoll: In meinen Augen unterst\u00fctzt Mbembe sehr wohl BDS<\/a>, er schrieb unter anderem das Vorwort zu \u201eApartheid Israel\u201c und fordert die komplette Isolation Israels. Ich glaube auch, wenn Mbembe schreibt, die israelische Besetzung sei der \u201egr\u00f6\u00dfte moralische Skandal unserer Zeit\u201c, zeigt das, dass sein moralischer und geografischer Kompass etwas schief ist.<\/p>\n\n\n\n

Doch warum treibt die Debatte so viele Menschen um? Nun, zun\u00e4chst gibt niemand gern auf, was ihm oder ihr selbstverst\u00e4ndlich scheint. \u00dcber den gesamten politischen, sozialen, kulturellen, medialen und akademischen Sektor hinweg sind Menschen daran gew\u00f6hnt, so schlecht \u00fcber Israel sprechen zu k\u00f6nnen, wie auch immer sie wollen.<\/p>\n\n\n\n

Der Spiegel<\/em> hat \u2013 vielleicht in Anlehnung an seine Relotius-Standards, Israel erst k\u00fcrzlich eine Corona-Diktatur genannt. Fakten und Belege f\u00fcr diese Behauptung gab es nicht. Doch Millionen Deutsche haben es gelesen, und es wird nat\u00fcrlich haften bleiben. Faktenlage hin oder her. Der Spiegel<\/em> und andere Medien haben dieses Spiel perfektioniert: Titel so zu drehen, dass sie Israel indirekt anklagen, die Idee zu streuen, der Mossad kon\u00adtrol\u00adliere die deutsche Au\u00dfenpolitik im Nahen Osten, und so fort. Doch sie stehen allesamt sofort auf den Hinterbeinen, wenn jemand es wagt, das Spiel beim Namen zu nennen: moderner Antisemitismus.<\/p>\n\n\n\n

Klein will dem entgegenwirken. Er versteht, dass antisemitische Attacken in Deutschland die Fr\u00fcchte solch falsch gezeichneter Bilder und eindimensionaler Narrative \u00fcber Israel sind. Wenn er und andere versuchen, ein anderes Narrativ aufzuzeigen, wirft man ihnen Zensur vor: Wie k\u00f6nnen sie es wagen, das Gesch\u00e4ft der Anti-Israel-Propaganda zu st\u00f6ren?<\/p>\n\n\n\n

Liebe Deutsche, wenn ihr reden wollt, lasst uns gern reden: \u00fcber die Besetzung, \u00fcber Bibi und alles, was schiefl\u00e4uft. Aber dann lasst uns bitte auch dar\u00fcber reden, wie deutsche Steuergelder Terrortunnel finanzieren. Erst vergangene Woche r\u00e4umte die niederl\u00e4ndische Regierung ein, dass Gelder an eine Landwirtschaftsorganisation in Ramallah geflossen seien, die damit teilweise die Geh\u00e4lter zweier des Mordes an der 17-j\u00e4hrigen Israelin Rina Shnerb Verd\u00e4chtiger gezahlt haben. Auch die Bundesregierung unterst\u00fctzt diese Organisation, obwohl Kritiker schon lange vor Verbindungen zu Terroristen warnen.<\/p>\n\n\n\n

Wir k\u00f6nnen uns also gerne unterhalten \u2013 aber im Dialog, nicht in Monologen. Denn Reden unter Menschen, die sich einig sind, ist nichts anderes als Impotenz.<\/p>\n\n\n\n

Israelkritik als Eintrittskarte<\/h6>\n\n\n\n

Die Israelis, die die Petition unterzeichnet haben, haben \u00fcbrigens ebenfalls etwas verstanden. Seit Jahren wissen sie: Es ist ihre Eintrittskarte in die Mitte der deutschen (und europ\u00e4ischen) Gesellschaft. Man h\u00f6rt nicht oft von Akademikern mit proisraelischen Ansichten. Weder in den Philharmonie-Orchestern noch in der Kunstszene. Die Eintrittskarte daf\u00fcr ist ein antiisraelischer Standpunkt.<\/p>\n\n\n\n

Der mutma\u00dfliche Grund, warum kaum Deutsche die Petition unterzeichnet haben: Sie mussten es nicht. Ihre Lieblingsjuden haben es f\u00fcr sie getan. Jetzt k\u00f6nnen sie sagen: \u201eSchau, ich bin das ja nicht, meine j\u00fcdischen Freunde sagen es.\u201c Ich selbst war einige Jahre lang mit einem Paar hier in Berlin befreundet, bis ich herausfand, dass ich ihr Lieblingsjude war. Ja, selbst das j\u00fcdische Museum wurde so genutzt.<\/p>\n\n\n\n

Weil Attacken gegen Juden ein absolutes Tabu sind, wurden Umwege gefunden, um den Antisemitismus auf kleiner Flamme k\u00f6cheln zu lassen: die unfundierte, unbegr\u00fcndete Kritik an Israel.<\/p>\n\n\n\n

Diese Art der Kritik ist gef\u00e4hrlich. Sie schw\u00e4cht jede begr\u00fcndete und notwendige Kritik am Verhalten Israels. Und das Interessante ist: Trotz all der heftigen, pauschalisierenden Anklagen, all der offenen Briefe driftet Israel politisch immer weiter nach rechts. Doch statt mal einen anderen Ansatz zu versuchen, werden die antiisraelischen Stimmen nur lauter. Dasselbe versuchen und andere Ergebnisse davon erwarten \u2013 das ist die Definition von Wahnsinn.<\/p>\n\n\n\n

Kurz bevor der Prozess gegen den wegen des Attentats von Halle<\/a> Angeklagten begann \u2013 des seit Kriegsende schlimmsten Akts von Antisemitismus in Deutschland \u2013, lud eine Lokalzeitung den fr\u00fcheren Botschafter Shimon Stein und den Historiker Moshe Zimmermann ein, dar\u00fcber zu schreiben, was Antisemitismus ist. Nat\u00fcrlich wendeten auch sie sich gegen Felix Kleins Ansatz. Sie zitieren die Kontroverse um die Umbenennung der U-Bahn-Station Mohrenstra\u00dfe in Glinkastra\u00dfe, die sich darum drehte, dass der russische Komponist Michael Glinka Antisemit gewesen sein soll. Stein und Zimmermann halten die Debatte f\u00fcr \u00fcberzogen, Glinka sei nur ein Kind seiner Zeit gewesen. Folgt man ihrer Logik, k\u00f6nnen wir dann also in 20 oder 30 Jahren U-Bahn-Stationen nach den Kindern der 1930er Jahre benennen?<\/p>\n\n\n\n

Der Antisemit als Tierfreund<\/h6>\n\n\n\n

Ich w\u00fcnschte, die Sache h\u00e4tte mit dem Artikel, mit der Petition geendet. Doch dann erschien ein Artikel, der den Leser auf einen Waldspaziergang mit einem veganen Koch und Antisemiten mitnahm. Darin setzt der Tierfreund erst behutsam einen K\u00e4fer wieder auf seine Beinchen und erkl\u00e4rt dann, dass die Todesstrafe in Deutschland wieder eingef\u00fchrt werden solle, um einen gewissen Politiker (der zuf\u00e4llig pro Israel ist) an seinen Hoden aufh\u00e4ngen zu k\u00f6nnen. Dieser Koch hat Hunderttausende Follower, er sagt all solche Dinge am helllichten Tag in Berlin. Und in den Medien.<\/p>\n\n\n\n

F\u00e4lle wie dieser handeln bereits von Gewalt \u2013 und sie enden nicht bei den Juden. Der Hass richtet sich gegen Frauen<\/a>, Muslime, Gefl\u00fcchtete, \u00adLBTQI. Am Ende aller theoretischen Debatten stehen immer echte Menschen. Am Ende jeder Konferenz dar\u00fcber, was Antisemitismus ausmacht, steht ein potenzielles j\u00fcdisches Opfer. Angesichts einer Welle von Antisemitismus \u00fcber die Definition von Antisemitismus zu streiten ist, wie eine 10 Meter hohe Welle heranrollen zu sehen und dar\u00fcber zu streiten, was einen Tsunami ausmacht.<\/p>\n\n\n\n

Felix Klein versteht, wie absurd es ist, zu sagen: Es sind nur die Rechten. Die Rechten sind Deutsche, so wie die Nazis Deutsche waren. Klein versteht, dass die Deutschen nicht aufgeh\u00f6rt haben, Juden zu ermorden, weil sie irgendeine Art von Erleuchtung hatten. Sondern schlicht, weil sie den Krieg verloren haben. Um den Antisemitismus zu bek\u00e4mpfen, bevor er die Gesellschaft frisst, in der er und wir leben, muss Deutschland seinen moralischen Kompass korrigieren.<\/p>\n\n\n\n

Immerhin: Mehr und mehr Deutsche fahren nach Israel, sie wollen ein anderes Narrativ h\u00f6ren. Mehr und mehr Deutsche verstehen, dass Antisemitismus Schockwellen ausl\u00f6st, die die gesamte Gesellschaft betreffen. In einem normalen Universum w\u00fcrde Klein bef\u00f6rdert werden f\u00fcr seine Leistung. In einer verdrehten Gesellschaft fordern Menschen seine Entlassung. Um es mit Mbembe zu sagen: Das ist Nano-Nonsens.<\/p>\n\n\n\n

\u00dcbersetzung: Ariane Lemme<\/a><\/em><\/p>\n","post_title":"Felix Klein hat verstanden","post_excerpt":"","post_status":"publish","comment_status":"closed","ping_status":"closed","post_password":"","post_name":"felix-klein-hat-verstanden","to_ping":"","pinged":"","post_modified":"2025-02-02 08:39:39","post_modified_gmt":"2025-02-02 08:39:39","post_content_filtered":"","post_parent":0,"guid":"https:\/\/dctransparency.com\/?p=3786","menu_order":0,"post_type":"post","post_mime_type":"","comment_count":"0","filter":"raw"}],"next":false,"prev":true,"total_page":47},"paged":1,"column_class":"jeg_col_2o3","class":"epic_block_3"};

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Eine Gruppe britischer Abgeordneter \u00e4u\u00dferte laut IUNW Besorgnis \u00fcber offenbarte Pl\u00e4ne Saudi-Arabiens, 2017 in Katar einzudringen.<\/p>\n\n\n\n

Kate Osamor, Bell Ribeiro-Addy, Alistair Carmichael, Baroness Goudie, Baroness Brinton, Jim Shannon, Tommy Sheppard, Catherine West und die ehemalige Au\u00dfenministerin von Shadow, Hilary Benn, haben die britische Regierung gebeten, die Angelegenheit zu untersuchen und geeignete Ma\u00dfnahmen zu ergreifen Aktionen.<\/p>\n\n\n\n

Die Besorgnis der Politiker folgt einer k\u00fcrzlich im Foreign Policy Magazine ver\u00f6ffentlichten Enth\u00fcllung, dass der saudi-arabische K\u00f6nig Salman potenzielle Pl\u00e4ne hatte, 2017 in Katar einzudringen. Der Artikel besagt, dass w\u00e4hrend eines Telefongespr\u00e4chs zwischen K\u00f6nig Salman und US-Pr\u00e4sident Trump am 6. Juni 2017 die Der saudische Herrscher machte einen solchen Vorschlag.<\/p>\n\n\n\n

In dem Brief wurde gefordert, dass der Streit zwischen Saudi-Arabien und Katar auf friedlichem Wege beigelegt wird und dass milit\u00e4rische Aktionen gegen ein souver\u00e4nes Land und einen Verb\u00fcndeten des Vereinigten K\u00f6nigreichs die Stabilit\u00e4t des Nahen Ostens untergraben und den Frieden in der gesamten Golfregion bedrohen w\u00fcrden.<\/p>\n\n\n\n

Die Gruppe der Abgeordneten f\u00fcgte hinzu, dass Katar zur Entsch\u00e4rfung von Konflikten im Nahen Osten beigetragen und als Vermittler f\u00fcr Friedensinitiativen fungiert habe. Sie f\u00fcgten hinzu, dass Katar ein strategischer Verb\u00fcndeter des Vereinigten K\u00f6nigreichs ist und eine wichtige Rolle bei der Gestaltung der britischen Politik in der Region spielt.<\/p>\n\n\n\n

Sie forderten die britische Regierung au\u00dferdem auf, ihr Engagement f\u00fcr eine friedliche L\u00f6sung des Streits zu bekr\u00e4ftigen, und baten um die Zusicherung, dass sie die derzeitige Blockade durch Saudi-Arabien, die seit 2017 besteht, nicht unterst\u00fctzt.<\/p>\n\n\n\n

Eine Gruppe von Abgeordneten folgte ihren britischen Kollegen und \u00e4u\u00dferte Bedenken hinsichtlich der m\u00f6glichen saudischen Pl\u00e4ne, in Katar einzudringen.<\/p>\n\n\n\n

In letzter Zeit wurden mehrere \u00f6ffentliche Erkl\u00e4rungen und Tweets zu diesem Thema abgegeben. Der italienische Europaabgeordnete Fulvio Martusciello \u00e4u\u00dferte letzte Woche Bedenken und forderte sofortige Ma\u00dfnahmen, um eine k\u00fcnftige Eskalation einzud\u00e4mmen. Er twitterte: \u201eSehr besorgt und alarmiert dar\u00fcber, dass Saudi-Arabien erwogen hat, in Katar einzudringen. Dies wird v\u00f6llig abgelehnt und gef\u00e4hrdet die Stabilit\u00e4t in der Golfregion und im Nahen Osten. Die EU muss sich gegen alle Versuche von KSA und VAE behaupten, souver\u00e4ne Staaten anzugreifen. #GulfPeace. \"<\/p>\n\n\n\n

Dar\u00fcber hinaus haben mehrere Abgeordnete wie Urmas Paet, Hilde Vautmans, Malik Azmani und Bart Groothuis an den Vizepr\u00e4sidenten der Kommission und den Hohen Vertreter der Union f\u00fcr Au\u00dfen- und Sicherheitspolitik geschrieben.<\/p>\n\n\n\n

Die Gruppe sagte: \u201eAm 6. August 2020 wurde \u00f6ffentlich bekannt, dass w\u00e4hrend eines offiziellen Aufrufs am 6. Juni 2017 zwischen dem US-Pr\u00e4sidenten Donald Trump und dem saudi-arabischen K\u00f6nig Salman ein Vorschlag zur Invasion Katars vorgelegt wurde . Die US-Regierung lehnte den saudischen Vorschlag sofort ab und forderte die formelle Vermittlung durch die kuwaitischen Beh\u00f6rden im Rahmen des Golf-Kooperationsrates. \u201c<\/p>\n","post_title":"Europ\u00e4ische Politiker verurteilen saudische Pl\u00e4ne, in Katar einzudringen","post_excerpt":"","post_status":"publish","comment_status":"closed","ping_status":"closed","post_password":"","post_name":"europaische-politiker-verurteilen-saudische-plane-in-katar-einzudringen","to_ping":"","pinged":"","post_modified":"2025-02-02 08:39:39","post_modified_gmt":"2025-02-02 08:39:39","post_content_filtered":"","post_parent":0,"guid":"https:\/\/dctransparency.com\/?p=3818","menu_order":0,"post_type":"post","post_mime_type":"","comment_count":"0","filter":"raw"},{"ID":3811,"post_author":"7","post_date":"2020-08-28 13:33:59","post_date_gmt":"2020-08-28 13:33:59","post_content":"\n

Die BBC <\/a>hat neue Beweise daf\u00fcr gefunden, dass eine von den Vereinigten Arabischen Emiraten (VAE) betriebene Drohne im Januar 2020 26 unbewaffnete Kadetten an einer Milit\u00e4rakademie in der libyschen Hauptstadt Tripolis get\u00f6tet hat.<\/p>\n\n\n\n

Zum Zeitpunkt des Streiks am 4. Januar wurde Tripolis von der selbsternannten libyschen Nationalarmee (LNA) belagert.<\/p>\n\n\n\n

Es hat die Verantwortung f\u00fcr den Angriff abgelehnt und vermutet, dass die Kadetten durch Beschuss vor Ort get\u00f6tet wurden.<\/p>\n\n\n\n

Es gibt jedoch Hinweise darauf, dass die Kadetten von einer chinesischen Blue Arrow 7-Rakete getroffen wurden.<\/p>\n\n\n\n

Dies wurde von einer Drohne namens Wing Loong II abgefeuert, und die Untersuchung von BBC Africa Eye und BBC Arabic Documentaries ergab auch Hinweise darauf, dass Wing Loong II-Drohnen zum Zeitpunkt des Streiks nur von einem libyschen Luftwaffenst\u00fctzpunkt aus operierten - al-Khadim - und dass die VAE die dort stationierten Drohnen geliefert und betrieben haben.<\/p>\n\n\n\n

\"\"<\/figure>\n\n\n\n

Die VAE haben zuvor die milit\u00e4rische Beteiligung in Libyen verweigert und sagen, sie unterst\u00fctzen den UN-Friedensprozess. Es antwortete nicht auf die Bitte der BBC um einen Kommentar.<\/p>\n\n\n\n

Was ist mit diesen Kadetten passiert?<\/strong><\/p>\n\n\n\n

Kurz nach 21:00 Uhr am 4. Januar 2020 f\u00fchrten rund 50 Kadetten Routine\u00fcbungen an einer Milit\u00e4rakademie im S\u00fcden von Tripolis durch.<\/p>\n\n\n\n

Ohne Vorwarnung detonierte eine Explosion in der Mitte der Gruppe und lie\u00df 26 Kadetten tot oder auf dem Exerzierplatz sterben. Viele waren noch Teenager. Keiner von ihnen war bewaffnet.

Einer der \u00dcberlebenden war der 20-j\u00e4hrige Abdul Moeen.<\/p>\n\n\n\n

Er war in der Akademie, als der Streik eintraf. \"Es war unbeschreiblich\", sagte er der BBC.<\/p>\n\n\n\n

\"Wir haben gesehen, wie unsere Kollegen starben, ihren letzten Atemzug machten und wir konnten nichts tun ... Es gab Leute, deren Oberk\u00f6rper von ihren K\u00f6rpern getrennt waren. Es war ein schreckliches Verbrechen, ein Verbrechen, das nichts mit der Menschheit zu tun hat. \"\"<\/p>\n\n\n\n

Sieben Monate nach dem Streik hat niemand die Verantwortung f\u00fcr die T\u00f6tung dieser jungen M\u00e4nner eingestanden.<\/p>\n\n\n\n

Die LNA unter Gen Khalifa Haftar bestritt, dass sie hinter dem Streik steckt, und teilte der Presse mit, dass die Explosion m\u00f6glicherweise durch eine lokal abgefeuerte M\u00f6rsergranate oder einen Angriff innerhalb der Akademie verursacht worden sei.<\/p>\n\n\n\n

Was hat die BBC gefunden?<\/strong><\/p>\n\n\n\n

Die Untersuchung ergab Hinweise darauf, dass eine viel ausgefeiltere Waffe verwendet wurde.<\/p>\n\n\n\n

\"\"<\/figure>\n\n\n\n

Die BBC betrachtete Bilder des Splitters, der nach dem Streik auf dem Exerzierplatz zur\u00fcckgelassen wurde, und kam zu dem Schluss, dass er mit den Komponenten einer Rakete namens Blue Arrow 7 \u00fcbereinstimmte.<\/p>\n\n\n\n

Unsere Analyse ergab, dass nur ein Flugzeug, das im Januar 2020 \u00fcber Tripolis operierte, diese Waffe abfeuern konnte - eine Drohne namens Wing Loong 2.<\/p>\n\n\n\n

Nur drei Wochen vor diesem Streik kamen die Vereinten Nationen zu dem Schluss, dass der Blaue Pfeil 7 \"ballistisch gepaart ist, um vom Wing Loong II geliefert zu werden ... und von keinem anderen in Libyen bisher identifizierten Luftfahrtgut\".<\/p>\n\n\n\n

Die BBC untersuchte auch, woher diese Drohne stammen k\u00f6nnte, und fand Hinweise darauf, dass Wing Loong-Drohnen zum Zeitpunkt des Angriffs nur von einem libyschen Luftwaffenst\u00fctzpunkt aus operierten: al-Khadim im von der LNA kontrollierten Ostlibyen.<\/p>\n\n\n\n

Sowohl die BBC als auch die UN haben Beweise daf\u00fcr gefunden, dass Drohnen, die von diesem Luftwaffenst\u00fctzpunkt aus operieren, zu den Vereinigten Arabischen Emiraten geh\u00f6ren.<\/p>\n\n\n\n

Im Jahr 2019 stellte die UNO fest, dass die VAE durch den Versand von Wing Loong-Drohnen und Blue Arrow 7-Raketen nach Libyen gegen das seit 2011 geltende UN-Waffenembargo gegen das Land versto\u00dfen hatten.<\/p>\n\n\n\n

Die BBC fand auch ein Waffenregister, aus dem hervorgeht, dass die VAE 2017 15 Wing Loong-Drohnen und 350 Blue Arrow 7-Raketen gekauft haben.<\/p>\n\n\n\n

Was hat die BBC noch aufgedeckt?<\/strong><\/p>\n\n\n\n

<\/p>\n\n\n\n

Die BBC-Untersuchung ergab auch neue Beweise daf\u00fcr, dass \u00c4gypten den VAE erlaubt, \u00e4gyptische Milit\u00e4rflugpl\u00e4tze nahe der libyschen Grenze zu nutzen.<\/p>\n\n\n\n

Im Februar 2020 scheinen die in Libyen stationierten Wing Loong II-Drohnen \u00fcber die Grenze nach \u00c4gypten zu einem Luftwaffenst\u00fctzpunkt in der N\u00e4he von Siwa in der west\u00e4gyptischen W\u00fcste gebracht worden zu sein.<\/p>\n\n\n\n

Satellitenbilder zeigen auch, dass ein zweiter \u00e4gyptischer Milit\u00e4rflugplatz, Sidi Barrani, als Einsatzbasis f\u00fcr Mirage 2000-Kampfflugzeuge verwendet wurde, die in Farben lackiert sind, die nicht von der \u00e4gyptischen Luftwaffe verwendet werden, aber genau den von den VAE geflogenen Jets entsprechen .<\/p>\n\n\n\n

Dies ist das gleiche Flugzeugmodell, das von den Vereinten Nationen in einen Luftangriff auf ein Migrationszentrum \u00f6stlich von Tripolis im Juli 2019 verwickelt wurde, bei dem 53 Menschen get\u00f6tet wurden.<\/p>\n\n\n\n

Ausl\u00e4ndischer Jet bei libyschem Migrantenangriff verd\u00e4chtigt<\/p>\n\n\n\n

Sidi Barrani ist auch das Ziel f\u00fcr mehrere Frachtflugzeuge, die von den Vereinigten Arabischen Emiraten gestartet sind, und schl\u00e4gt eine Luftbr\u00fccke f\u00fcr Ausr\u00fcstung oder Lieferungen zwischen den Vereinigten Arabischen Emiraten und einer Milit\u00e4rbasis vor, die nur 80 km von der libyschen Grenze entfernt liegt.<\/p>\n\n\n\n

Die \u00e4gyptische Regierung antwortete nicht auf die Bitte der BBC um Stellungnahme.<\/p>\n\n\n\n

Ist ausl\u00e4ndisches milit\u00e4risches Engagement \u00fcberraschend?<\/strong><\/p>\n\n\n\n

Sowohl die Vereinigten Arabischen Emirate als auch \u00c4gypten nahmen an einer von Bundeskanzlerin Angela Merkel im Januar dieses Jahres in Berlin einberufenen Konferenz \u00fcber Libyen teil, auf der sie ihre Unterst\u00fctzung f\u00fcr den UN-Friedensprozess bekr\u00e4ftigten und sich bereit erkl\u00e4rten, nicht in den Libyen-Krieg einzugreifen.<\/p>\n\n\n\n

Im vergangenen Jahr gab es jedoch eine Eskalation des Einsatzes von Drohnen durch beide Seiten des Konflikts.<\/p>\n\n\n\n

Ghassan Salam\u00e9, der fr\u00fchere Leiter der UN-Mission in Libyen, beschrieb dies als \"m\u00f6glicherweise das gr\u00f6\u00dfte Drohnenkriegstheater der Welt\".<\/p>\n\n\n\n

Die VAE sind nicht die einzige ausl\u00e4ndische Macht, die an diesem Konflikt beteiligt ist.<\/p>\n\n\n\n

Anfang dieses Jahres gab BBC Africa Eye bekannt, dass die T\u00fcrkei auch gegen das Waffenembargo der Vereinten Nationen gegen Libyen versto\u00dfen hat, indem sie geheime Waffenlieferungen an die von den Vereinten Nationen anerkannte Regierung in Tripolis gesendet hat.<\/p>\n\n\n\n

Mit Unterst\u00fctzung der T\u00fcrkei hat die von den Vereinten Nationen anerkannte Regierung des Nationalen Abkommens nun die LNA von Gen Haftar aus der Gegend um Tripolis zur\u00fcckgeschlagen.<\/p>\n","post_title":"BBC-Untersuchung: VAE in t\u00f6dlichen Angriff in Libyen verwickelt","post_excerpt":"","post_status":"publish","comment_status":"closed","ping_status":"closed","post_password":"","post_name":"bbc-untersuchung-vae-in-todlichen-angriff-in-libyen-verwickelt","to_ping":"","pinged":"","post_modified":"2025-02-02 08:39:39","post_modified_gmt":"2025-02-02 08:39:39","post_content_filtered":"","post_parent":0,"guid":"https:\/\/dctransparency.com\/?p=3811","menu_order":0,"post_type":"post","post_mime_type":"","comment_count":"0","filter":"raw"},{"ID":3792,"post_author":"7","post_date":"2020-08-14 13:58:48","post_date_gmt":"2020-08-14 13:58:48","post_content":"\n

Die Hagia Sophia war (ist) ein kulturelles Weltwunder und aufgeladen mit symbolischer Bedeutung, f\u00fcr die Christenheit ebenso wie f\u00fcr den Islam \u2013 und den t\u00fcrkischen Nationalismus. Als Mehmed II. sie betrat, war sie schon fast 1000 Jahre die gr\u00f6\u00dfte Kirche der christlichen Welt und das Zentrum der orthodoxen Glaubensrichtung. Die \"Ayasofya\", wie sie dann hie\u00df, war 500 Jahre lang Moschee \u2013 bis 1934, als Kemal Pascha Atat\u00fcrk, der \"Vater\" der modernen T\u00fcrkei, sie in ein Museum verwandelte, in der ausdr\u00fccklichen Absicht, auch hier mit dem osmanischen Erbe zu brechen.<\/p>\n\n\n\n

Nun wird Pr\u00e4sident Recep Tayyip Erdo\u011fan, der \"Vater\" der re-islamisierten T\u00fcrkei, am 24. Juli dieses Jahres die Ayasofya durch das Freitagsgebet wieder in den Islam eingliedern. Oder eher in seinen pers\u00f6nlichen religi\u00f6sen Nationalismus.<\/p>\n\n\n\n

Welterbe von allen<\/h3>\n\n\n\n

Wie bedeutungsschwer ist dieser Akt eines \"starken Mannes\", der innenpolitisch deutlich schw\u00e4chelt? Die Proteste vor allem aus der orthodoxen Welt, aber auch aus Europa und den USA sind eher traurig als w\u00fctend. Der Papst dr\u00fcckte seinen \"Schmerz\" aus. Auch der Jubel in der islamischen Welt fiel zun\u00e4chst weniger \u00fcbersch\u00e4umend als erwartet aus.<\/p>\n\n\n\n

Ist es der Alleingang eines Autokraten in Bedr\u00e4ngnis oder ist \"der Jubel \u00fcber die Eroberung der Hagia Sophia der Versuch einer zutiefst erniedrigten, vom Gef\u00fchl der Wertlosigkeit dominierten und in ihrer eigenen Selbstberechtigung beraubten Gesellschaft, eine Bedeutung, eine St\u00e4rke, ein Selbstwertgef\u00fchl zu finden\"? So recht pauschalierend der in Deutschland lebende pal\u00e4stinensische Intellektuelle und Psychiater Ahmad Mansour.<\/p>\n\n\n\n

Die beiden Gro\u00dfreiche, das byzantinische und das osmanische, sind l\u00e4ngst versunken.<\/p><\/blockquote>\n\n\n\n

Das eigentliche Schl\u00fcsselwort im Zusammenhang mit der Hagia Sofia ist \"Welterbe\". Das Erbe von allen. Einmal im kulturellen Sinn der Unesco, aber in Wahrheit weiter gefasst. Das einzigartige Bauwerk geh\u00f6rt in Wirklichkeit der ganzen Welt, nicht der einen oder anderen Religion. Die beiden Gro\u00dfreiche, f\u00fcr die die Hagia Sofia der zentrale spirituelle Bau war, das byzantinische und das osmanische, sind l\u00e4ngst versunken. Seither hat sie eine neue, \u00fcbernationale Dimension erhalten. Was Erdo\u011fan da jetzt mit der Hagia Sofia macht, ist eine Verengung und Verarmung eines gemeinsamen Welterbes.<\/p>\n\n\n\n

\"\"\/
Betende Muslime vor der Hagia Sophia.<\/figcaption><\/figure>\n\n\n\n

Davon abgesehen aber war und ist sie ein architektonisches Meisterwerk und geh\u00f6rt zu den bedeutendsten Bauten der Welt. Wer heute den Zentralraum unter der Kuppel betritt, kann sich nur schwer dem zugleich majest\u00e4tischen wie schwebenden Gesamteindruck entziehen. Die Hagia Sophia blieb fast 1000 Jahre die gr\u00f6\u00dfte Kirche der Christenheit. Technisch war die Kuppel (mit mehreren Halbkuppeln) eine \u00fcberaus riskante Innovation: Die 55 Meter hohe und 32 Meter im Durchmesser breite Kuppel ruht auf nur vier Tragpunkten, was den schwebenden, schwerelosen Eindruck erzeugt. Die Konstruktion folgt einem mathematischen Prinzip, das erst k\u00fcrzlich entschl\u00fcsselt wurde.<\/p>\n\n\n\n

\"Salomo, ich habe dich \u00fcbertroffen!\"<\/p><\/blockquote>\n\n\n\n

Als Kaiser Justinian die Hagia Sophia nach nur f\u00fcnf Jahren Bauzeit (532\u2013537) betrat, soll er in Anspielung auf den Tempel in Jerusalem ausgerufen haben: \"Salomo, ich habe dich \u00fcbertroffen!\" Die Innenausstattung war mit ihren S\u00e4ulen aus Porphyr und gr\u00fcnem Marmor, mit Mosaiken aus Gold und Halbedelsteinen derart prunkvoll, der Gesamteindruck derart \u00fcberirdisch, dass eine Delegation des Gro\u00dff\u00fcrsten von Kiew nicht mehr wusste, \"ob wir im Himmel oder auf der Erde\" waren \u2013 was die Christianisierung Russlands bef\u00f6rderte.<\/p>\n\n\n\n

Der deutsche Architekturlehrer Holger Kleine nennt die Hagia Sophia \"absolute Architektur\", weil sie \"extreme Ausdrucksformen nahezu aller dramaturgischen Mittel, die der Architektur zur Verf\u00fcgung stehen, vereinigt: wuchtigste K\u00f6rper und luftigste R\u00e4ume, engste Enge und gr\u00f6\u00dfte Weite, w\u00e4rmende Helligkeit und mystisches Dunkel\". Und die Kuppelbauten aus der sp\u00e4teren Hochbl\u00fcte der Moscheenarchitektur im 16. und 17. Jahrhundert gehen eindeutig auf die Hagia Sophia zur\u00fcck.<\/p>\n\n\n\n

Die Hagia Sophia war Staatskirche des byzantinischen Reichs. F\u00fcr die Eroberer der letzte Schlussstein in der Kuppel osmanisch-muslimischen Herrschaftsanspruchs. Konstantinopel war ja 1453 nur noch eine isolierte, heruntergekommene Enklave in einem osmanischen Umfeld, kein christliches Heer kam zu Hilfe. Doch vorher war es zugleich Sperrriegel nach Osten und Geistesarchiv der antiken Kultur gewesen. \"Ohne Byzanz h\u00e4tte es kein Europa gegeben\", sagt die britische Altertumsforscherin Judith Herrin.<\/p>\n\n\n\n

\"\"\/
Freigelegtes Mosaik von \"Christos Pantokrator\".<\/figcaption><\/figure>\n\n\n\n

Neue Fragen<\/h3>\n\n\n\n

Die Kirche wurde von Mehmed II. und Nachfolgern nicht in der Substanz zerst\u00f6rt, sondern \"entchristlicht\". Die urspr\u00fcnglich \u00fcbert\u00fcnchten oder auch abgeschlagenen Mosaiken mit den Darstellungen von Christus, der Muttergottes, diversen Kaisern kamen zum Teil schon unter einem Sultan des 19. Jahrhunderts, dann gro\u00dfteils nach der Museumswidmung wieder zum Vorschein.<\/p>\n\n\n\n

Jetzt stellen sich neue symbolisch-praktische Fragen. Erdo\u011fan hat die Hagia Sophia der konservativen staatlichen Religionsbeh\u00f6rde Diyanet unterstellt. Die byzantinischen Mosaike, wie der gro\u00dfartige \"Christos Pantokrator\" (\"Weltenherrscher\") oder die Jungfrau Maria in der Apsis, m\u00fcssen wohl w\u00e4hrend des islamischen Gottesdiensts verh\u00e4ngt werden. Muss der Boden mit seinen Marmorplatten und Mosaiken mit einem Teppich bedeckt werden? Erdo\u011fan sagt, Touristen seien nach wie vor zugelassen. Aber sie werden wohl hinter Absperrungen bleiben m\u00fcssen. Frauen werden \u2013 wie in der benachbarten \"Blauen Moschee\" (\"Sultanahmed\") Kopftuch tragen m\u00fcssen.<\/p>\n\n\n\n

\"\"\/
Erdo\u011fan mit Gattin in der Hagia Sophia.<\/figcaption><\/figure>\n\n\n\n

Erdo\u011fans neue Abenteuer<\/strong><\/h3>\n\n\n\n

Aber wird da nicht doch zu viel in einen Formalakt rund um ein uraltes Bauwerk hineininterpretiert? Im geschichtlichen Kontext relativiert sich manches: Konstantinopel wurde schon von Christen erobert und ausgepl\u00fcndert \u2013 1204 im Vierten Kreuzzug. In der Moschee von Cordoba (\"Mezquita\") bauten die Katholiken eine ganze Kirche in den ber\u00fchmten S\u00e4ulenwald hinein. Die Mezquita ist heute noch Kirche, kein Museum.<\/p>\n\n\n\n

\"Das ist der Beweis, dass wir kein s\u00e4kularer Staat mehr sein wollen\", sagt Nobelpreistr\u00e4ger Orhan Pamuk. Erdo\u011fan betrachtet sich offenbar als auch neoosmanischer \"Fatih\" im Mittelmeerraum mit immer neuen Abenteuern: Eingreifen in Syrien, Stellvertreterkrieg in Libyen, Anspr\u00fcche auf Erdgasvorkommen weit vor der t\u00fcrkischen K\u00fcste bei Zypern, Reden, wonach manche \u00c4g\u00e4is-Inseln eigentlich zur T\u00fcrkei geh\u00f6ren, \"denn dort stehen unsere Moscheen\". Manches davon ist nur Rhetorik, aber genug anderes ist riskante Realit\u00e4t. (Hans Rauscher, 14.7.2020)<\/p>\n\n\n\n

Quelle<\/a><\/strong><\/p>\n","post_title":"Hagia Sophia: Verengung und Verarmung eines Welterbes","post_excerpt":"","post_status":"publish","comment_status":"closed","ping_status":"closed","post_password":"","post_name":"hagia-sophia-verengung-und-verarmung-eines-welterbes","to_ping":"","pinged":"","post_modified":"2025-02-02 08:39:39","post_modified_gmt":"2025-02-02 08:39:39","post_content_filtered":"","post_parent":0,"guid":"https:\/\/dctransparency.com\/?p=3792","menu_order":0,"post_type":"post","post_mime_type":"","comment_count":"0","filter":"raw"},{"ID":3789,"post_author":"7","post_date":"2020-08-14 13:56:07","post_date_gmt":"2020-08-14 13:56:07","post_content":"\n

Im Gastkommentar pocht Mark Leonard, Direktor des Europ\u00e4ischen Rats f\u00fcr Ausw\u00e4rtige Beziehungen, auf \"neue, einvernehmlich vereinbarte Prinzipien sowie klare Grenzen\", nur so k\u00f6nne eine weitere Destabilisierung in der Region verhindert werden.<\/em><\/strong><\/p>\n\n\n\n

Ist die T\u00fcrkei das neue Russland? Diese Frage wird in den europ\u00e4ischen Hauptst\u00e4dten zunehmend gestellt, da die Au\u00dfenpolitik des t\u00fcrkischen Pr\u00e4sidenten Recep Tayyip Erdo\u011fan zunehmend aggressiver wird. Erdo\u011fan nutzt nicht nur die Migration, um die EU zu bedrohen und zu betr\u00fcgen, sondern setzt auch milit\u00e4rische Macht ein, um den Einflussbereich der T\u00fcrkei auf die gesamte Region auszudehnen.<\/p>\n\n\n\n

Seit dem Ende des Kalten Krieges haben die Europ\u00e4er die regionale Sicherheit durch eine unipolare westliche Linse betrachtet. W\u00e4hrend die Nato die milit\u00e4rische Sicherheit garantierte, sorgte die EU mit ihrem 80.000 Seiten starken Regelwerk f\u00fcr alles von LGBTQ-Rechten bis hin zu Rasenm\u00e4her-Sound-Verordnungen f\u00fcr Rechtsordnung. In den 90er-Jahren ging man allgemein davon aus, dass die beiden gro\u00dfen nichtwestlichen regionalen Akteure, Russland und die T\u00fcrkei, nach und nach an diese Regelungen herangef\u00fchrt werden w\u00fcrden.<\/p>\n\n\n\n

Qu\u00e4lende Hassliebe<\/h3>\n\n\n\n

Doch in den letzten 15 Jahren ist der Traum von der europ\u00e4ischen Unipolarit\u00e4t einer multipolaren Realit\u00e4t gewichen. Sowohl Russland als auch die T\u00fcrkei haben eine lange, qu\u00e4lende Hassliebe zu Europa, und beide sind unter nationalen Machthabern, denen die Verachtung der Normen und Werte der EU gemeinsam ist, durchsetzungsf\u00e4higer geworden.<\/p>\n\n\n\n

Die zunehmende Verschlechterung der Beziehungen zwischen der EU und Russland ist gut dokumentiert, der Fall der T\u00fcrkei weniger. Der Irakkrieg im Jahr 2003 komplizierte das Verh\u00e4ltnis der T\u00fcrkei zur Nato, und ihr Verh\u00e4ltnis zur EU verschlechterte sich 2007, als Frankreich einen wichtigen Teil ihrer EU-Beitrittsverhandlungen blockierte. Seitdem hat die T\u00fcrkei ihren eigenen Weg in Syrien, auf dem Balkan und in Libyen eingeschlagen und neue Beziehungen zu Russland und China aufgebaut.<\/p>\n\n\n\n

Wichtiger Akteur<\/strong><\/h3>\n\n\n\n

Nat\u00fcrlich sind die Beziehungen zwischen der T\u00fcrkei und Russland nicht weniger kompliziert, nicht zuletzt weil Erdo\u011fan und der russische Pr\u00e4sident Wladimir Putin im syrischen B\u00fcrgerkrieg verschiedene Seiten unterst\u00fctzten.Und w\u00e4hrend die Spannungen wegen des Syrien-Konflikts weiterhin bestehen, bewundert Erdo\u011fan deutlich, wie Russland sich \u2013 bei relativ geringen Kosten \u2013 wieder als wichtiger Akteur im Nahen Osten und in Nordafrika etabliert hat.<\/p>\n\n\n\n

Nachdem er in einen nicht zu gewinnenden Krieg im Osten der Ukraine verwickelt war, schien Putins weitgehend erfolgreicher Feldzug in Syrien einen Teil seiner innenpolitischen Autorit\u00e4t wiederherzustellen. Der Westen hatte f\u00fcnf Jahre lang darauf bestanden, dass es keine milit\u00e4rische L\u00f6sung des Konflikts gebe und dass der syrische Pr\u00e4sident Baschar al-Assad gehen m\u00fcsse. Doch w\u00e4hrend die von den Vereinten Nationen unterst\u00fctzten Gespr\u00e4che in Genf zu keinem Ergebnis f\u00fchrten, schienen die von Russland geleiteten Gespr\u00e4che in Astana voranzukommen. Indem der Kreml die T\u00fcrkei und den Iran einbezog, w\u00e4hrend er die westlichen M\u00e4chte ausschloss, erweckte er den Eindruck, dass Russland als wiedergeborene Supermacht aus der Asche auferstanden sei.<\/p>\n\n\n\n

Unter Druck<\/h3>\n\n\n\n

Angesichts des wachsenden Widerstands im eigenen Land macht es Erdo\u011fan Putin gleich. Da der Westen nicht bereit war, (erneut) milit\u00e4risch in Libyen zu intervenieren, sah Erdo\u011fan eine Gelegenheit, die T\u00fcrkei zu positionieren. Nach dem Vorgehen Russlands in Syrien sicherte er sich eine formelle Einladung der libyschen Regierung zur Intervention. Mit einem Schlag Ende letzten Jahres hat er nicht nur das Image der T\u00fcrkei als Regionalmacht gest\u00e4rkt, sondern auch ein Abkommen mit Libyen \u00fcber die Seegrenze abgeschlossen und damit einen Plan Griechenlands, Zyperns, \u00c4gyptens und Israels zur Erschlie\u00dfung von Unterwasser\u00f6l- und -gasfeldern in der N\u00e4he zunichtegemacht.<\/p>\n\n\n\n

Erdo\u011fan scheint auch von der Spalt-und-Eroberungs-Strategie des Kreml in Europa inspiriert worden zu sein, der zufolge oft diejenigen EU-Mitgliedsstaaten unter Druck gesetzt werden, die am meisten von russischen Kohlenwasserstoffen oder M\u00e4rkten abh\u00e4ngig sind. So wie Putin lange Zeit die Energieversorgung instrumentalisiert hat, hat Erdo\u011fan versucht, den Strom von Migranten und Fl\u00fcchtlingen, die vor Konflikten im Nahen Osten fliehen, zu instrumentalisieren. Als die EU eine neue Marinemission ank\u00fcndigte, um den Waffenstrom nach Libyen zu blockieren, malte die T\u00fcrkei f\u00fcr Malta das Schreckgespenst der angeblichen Bedrohung durch Migranten an die Wand. Malta reagierte prompt und signalisierte, dass es gegen die Finanzierung der Mission ein Veto einlegen werde.<\/p>\n\n\n\n

Verlorener Sohn<\/strong><\/h3>\n\n\n\n

Jahrelang redeten sich die Europ\u00e4er ein, dass Russland eine Art verlorener Sohn sei und dass die europ\u00e4ische unipolare Ordnung gesund bleibe. Doch das machte Europa zu einem leichten Ziel f\u00fcr die Trennungs-und-Eroberungs-Strategie des Kreml. Erst vor relativ kurzer Zeit entwarf die Union eine neue Politik und ein robustes Sanktionsregime, um die russische Aggression abzuschrecken. Und selbst jetzt \u2013 trotz der besten Bem\u00fchungen der deutschen Bundeskanzlerin Angela Merkel und des franz\u00f6sischen Pr\u00e4sidenten Emmanuel Macron \u2013 hat die EU noch immer keine wirksamen Kommunikationskan\u00e4le mit Russland geschaffen, um gemeinsame Probleme anzugehen.<\/p>\n\n\n\n

Die T\u00fcrkei ist noch kein neues Russland, aber sie k\u00f6nnte dazu werden, wenn die Situation falsch gehandhabt wird. Vorerst betrachten die meisten Europ\u00e4er die T\u00fcrkei noch immer als einen komplizierten Partner und nicht als \"Systemrivalen\". Aber die Europ\u00e4er sollten die hart erk\u00e4mpften Lehren aus dem Umgang mit Russland in den letzten 15 Jahren beherzigen. Die Beziehungen zwischen der EU und der T\u00fcrkei brauchen neue, einvernehmlich vereinbarte Prinzipien sowie klare Grenzen, um eine weitere Destabilisierung in der Region zu verhindern.<\/p>\n\n\n\n

Zu diesem Zweck sollten die Europ\u00e4er klarstellen, dass der EU-Beitrittsprozess entweder zur\u00fcckgedreht oder vorangetrieben werden kann und dass eine eher transaktionale Beziehung sowohl Zuckerbrot als auch Peitsche beinhaltet. Die Herausforderung wird darin bestehen, daf\u00fcr zu sorgen, dass es in einer Region, die nicht nur von Europa und der T\u00fcrkei, sondern auch von Russland, den USA und einem aufstrebenden China beeinflusst wird, noch Raum f\u00fcr politisches Engagement in Fragen der gemeinsamen Sicherheit gibt. (Mark Leonard, \u00dcbersetzung: Eva G\u00f6llner, Copyright: Project Syndicate, 10.8.2020)<\/p>\n\n\n\n

Mark Leonard <\/strong>ist Direktor des Europ\u00e4ischen Rats f\u00fcr Ausw\u00e4rtige Beziehungen.<\/a><\/p>\n","post_title":"Erdo\u011fan \u2013 der andere Putin vor der Haust\u00fcr Europas","post_excerpt":"","post_status":"publish","comment_status":"closed","ping_status":"closed","post_password":"","post_name":"erdogan-der-andere-putin-vor-der-haustur-europas","to_ping":"","pinged":"","post_modified":"2025-02-02 08:39:39","post_modified_gmt":"2025-02-02 08:39:39","post_content_filtered":"","post_parent":0,"guid":"https:\/\/dctransparency.com\/?p=3789","menu_order":0,"post_type":"post","post_mime_type":"","comment_count":"0","filter":"raw"},{"ID":3786,"post_author":"7","post_date":"2020-08-14 13:51:23","post_date_gmt":"2020-08-14 13:51:23","post_content":"\n

Einen Monat nachdem ich zur israelischen Armee eingezogen worden war, brach die erste Intifada aus. Statt Soldat zu sein, machte ich Polizeiarbeit, sagte den Menschen, wann sie zur Arbeit gehen konnten und wann sie ihre L\u00e4den schlie\u00dfen mussten, wann sie die Grenze passieren und wann sie schlafen konnten. Einen Monat nachdem ich aus der Armee entlassen worden war, ging ich auf Reisen. (In Israel sagen wir: Wir dienen drei Jahre und versuchen den Rest unseres Lebens, diese drei Jahre zu vergessen.) Auf meiner Reise begann ich Briefe an meine Freundin zu schreiben, die ich in Israel zur\u00fcckgelassen hatte.<\/p>\n\n\n\n

Ich schrieb ihr, wie schrecklich depressiv ich war und dass diese drei Jahre des Anweisungenbellens und Anderen-Menschen-Sagens, was sie zu tun haben, mich f\u00fcr immer verfolgen w\u00fcrden. Dass sie ein Teil dessen geworden waren, was ich bin. Ich erinnere mich, dass ich ihr schrieb, dass wir da rausm\u00fcssen \u2013 nicht nur f\u00fcr die Pal\u00e4stinenser, sondern wegen der furchtbaren und brutalen Auswirkungen, die all das auf uns, auf die israelische Gesellschaft haben w\u00fcrde. Sie schrieb zur\u00fcck: \u201eDu hast recht. Ich habe einen neuen Freund.\u201c<\/p>\n\n\n\n

Felix Klein wurde als Beauftragter der Bundesregierung berufen<\/a>, um die Auswirkungen des zunehmenden Antisemitismus in unserer Gesellschaft, in Deutschland, zu bek\u00e4mpfen. Was nicht in seiner Jobbeschreibung steht, ist, dass er dabei unsere Gesellschaft heilen muss, jene Gesellschaft, die diese Form des Hasses reproduziert und sch\u00fctzt. Klein hat das begriffen.<\/p>\n\n\n\n

Er versteht, dass man Krebs nicht mit einem Pflaster verarztet, er wei\u00df, dass er das Bewusstsein der Deutschen sch\u00e4rfen und Diskussionen ansto\u00dfen muss. Er hat begriffen, dass das Problem nicht nur an den R\u00e4ndern der Gesellschaft (bei den Rechten) liegt, sondern auch in ihrer Mitte. Dort, wo gebildete Menschen nicht einmal bemerken, dass das, was sie sagen und tun, antisemitisch ist. So wie sie es auch nicht merken, wenn sie rassistisch handeln. Er hat all das verstanden, und genau deshalb wollen einige, dass er seinen Posten r\u00e4umt.<\/p>\n\n\n\n

Mehr als 60 deutsche und israelische Intellektuelle haben letzte Woche in einem Brief an Kanzlerin Merkel<\/a> dar\u00fcber geklagt, dass der aktuelle \u201eGebrauch des Antisemitismusbegriffs\u201c darauf abziele, \u201elegitime Kritik an der israelischen Regierungspolitik zu unterdr\u00fccken\u201c, und Klein vorgeworfen, rechtspopulistische israelische Stimmen zu f\u00f6rdern.<\/p>\n\n\n\n

Faszinierend an diesem offenen Brief ist, dass viele der Unterzeichneten keine Deutschen sind und auch nicht in Deutschland leben. Ich wei\u00df nicht, woher sie \u2013 die meisten von ihnen sind Israelis \u2013 die Chuzpe haben, sich in eine innerdeutsche Angelegenheit einzumischen und zu fordern, eine Person zu entlassen, die von der Bundesregierung eingesetzt wurde. Die H\u00e4lfte der Unterzeichneten lebt nicht hier, von der anderen H\u00e4lfte sind viele keine Juden \u2013 somit sind die allermeisten von ihnen nicht direkt vom Antisemitismus in Deutschland betroffen. Wie also k\u00f6nnen sie diesen Brief unterschreiben? Und warum eigentlich haben so wenige Deutsche unterschrieben? Dazu komme ich gleich.<\/p>\n\n\n\n

Debatte um Achille Mbembe<\/h6>\n\n\n\n

Hintergrund des Briefs war, dass Felix Klein gefordert hatte, den Philosophen Achille Mbembe<\/a> nicht die Er\u00f6ffnungsrede der Ruhrtriennale halten zu lassen. Als mit \u00f6ffentlichen Mitteln gef\u00f6rdertes Event solle die Ruhrtriennale Mbembe wegen seiner Haltung zu Israels Existenzrecht, seiner Haltung zu BDS und der Art, wie er in einem seiner Werke den Holocaust relativiert, nicht einladen.<\/p>\n\n\n\n

Mbembes Unterst\u00fctzer sagen, keine dieser Anschuldigungen sei wahr. F\u00fcrs Protokoll: In meinen Augen unterst\u00fctzt Mbembe sehr wohl BDS<\/a>, er schrieb unter anderem das Vorwort zu \u201eApartheid Israel\u201c und fordert die komplette Isolation Israels. Ich glaube auch, wenn Mbembe schreibt, die israelische Besetzung sei der \u201egr\u00f6\u00dfte moralische Skandal unserer Zeit\u201c, zeigt das, dass sein moralischer und geografischer Kompass etwas schief ist.<\/p>\n\n\n\n

Doch warum treibt die Debatte so viele Menschen um? Nun, zun\u00e4chst gibt niemand gern auf, was ihm oder ihr selbstverst\u00e4ndlich scheint. \u00dcber den gesamten politischen, sozialen, kulturellen, medialen und akademischen Sektor hinweg sind Menschen daran gew\u00f6hnt, so schlecht \u00fcber Israel sprechen zu k\u00f6nnen, wie auch immer sie wollen.<\/p>\n\n\n\n

Der Spiegel<\/em> hat \u2013 vielleicht in Anlehnung an seine Relotius-Standards, Israel erst k\u00fcrzlich eine Corona-Diktatur genannt. Fakten und Belege f\u00fcr diese Behauptung gab es nicht. Doch Millionen Deutsche haben es gelesen, und es wird nat\u00fcrlich haften bleiben. Faktenlage hin oder her. Der Spiegel<\/em> und andere Medien haben dieses Spiel perfektioniert: Titel so zu drehen, dass sie Israel indirekt anklagen, die Idee zu streuen, der Mossad kon\u00adtrol\u00adliere die deutsche Au\u00dfenpolitik im Nahen Osten, und so fort. Doch sie stehen allesamt sofort auf den Hinterbeinen, wenn jemand es wagt, das Spiel beim Namen zu nennen: moderner Antisemitismus.<\/p>\n\n\n\n

Klein will dem entgegenwirken. Er versteht, dass antisemitische Attacken in Deutschland die Fr\u00fcchte solch falsch gezeichneter Bilder und eindimensionaler Narrative \u00fcber Israel sind. Wenn er und andere versuchen, ein anderes Narrativ aufzuzeigen, wirft man ihnen Zensur vor: Wie k\u00f6nnen sie es wagen, das Gesch\u00e4ft der Anti-Israel-Propaganda zu st\u00f6ren?<\/p>\n\n\n\n

Liebe Deutsche, wenn ihr reden wollt, lasst uns gern reden: \u00fcber die Besetzung, \u00fcber Bibi und alles, was schiefl\u00e4uft. Aber dann lasst uns bitte auch dar\u00fcber reden, wie deutsche Steuergelder Terrortunnel finanzieren. Erst vergangene Woche r\u00e4umte die niederl\u00e4ndische Regierung ein, dass Gelder an eine Landwirtschaftsorganisation in Ramallah geflossen seien, die damit teilweise die Geh\u00e4lter zweier des Mordes an der 17-j\u00e4hrigen Israelin Rina Shnerb Verd\u00e4chtiger gezahlt haben. Auch die Bundesregierung unterst\u00fctzt diese Organisation, obwohl Kritiker schon lange vor Verbindungen zu Terroristen warnen.<\/p>\n\n\n\n

Wir k\u00f6nnen uns also gerne unterhalten \u2013 aber im Dialog, nicht in Monologen. Denn Reden unter Menschen, die sich einig sind, ist nichts anderes als Impotenz.<\/p>\n\n\n\n

Israelkritik als Eintrittskarte<\/h6>\n\n\n\n

Die Israelis, die die Petition unterzeichnet haben, haben \u00fcbrigens ebenfalls etwas verstanden. Seit Jahren wissen sie: Es ist ihre Eintrittskarte in die Mitte der deutschen (und europ\u00e4ischen) Gesellschaft. Man h\u00f6rt nicht oft von Akademikern mit proisraelischen Ansichten. Weder in den Philharmonie-Orchestern noch in der Kunstszene. Die Eintrittskarte daf\u00fcr ist ein antiisraelischer Standpunkt.<\/p>\n\n\n\n

Der mutma\u00dfliche Grund, warum kaum Deutsche die Petition unterzeichnet haben: Sie mussten es nicht. Ihre Lieblingsjuden haben es f\u00fcr sie getan. Jetzt k\u00f6nnen sie sagen: \u201eSchau, ich bin das ja nicht, meine j\u00fcdischen Freunde sagen es.\u201c Ich selbst war einige Jahre lang mit einem Paar hier in Berlin befreundet, bis ich herausfand, dass ich ihr Lieblingsjude war. Ja, selbst das j\u00fcdische Museum wurde so genutzt.<\/p>\n\n\n\n

Weil Attacken gegen Juden ein absolutes Tabu sind, wurden Umwege gefunden, um den Antisemitismus auf kleiner Flamme k\u00f6cheln zu lassen: die unfundierte, unbegr\u00fcndete Kritik an Israel.<\/p>\n\n\n\n

Diese Art der Kritik ist gef\u00e4hrlich. Sie schw\u00e4cht jede begr\u00fcndete und notwendige Kritik am Verhalten Israels. Und das Interessante ist: Trotz all der heftigen, pauschalisierenden Anklagen, all der offenen Briefe driftet Israel politisch immer weiter nach rechts. Doch statt mal einen anderen Ansatz zu versuchen, werden die antiisraelischen Stimmen nur lauter. Dasselbe versuchen und andere Ergebnisse davon erwarten \u2013 das ist die Definition von Wahnsinn.<\/p>\n\n\n\n

Kurz bevor der Prozess gegen den wegen des Attentats von Halle<\/a> Angeklagten begann \u2013 des seit Kriegsende schlimmsten Akts von Antisemitismus in Deutschland \u2013, lud eine Lokalzeitung den fr\u00fcheren Botschafter Shimon Stein und den Historiker Moshe Zimmermann ein, dar\u00fcber zu schreiben, was Antisemitismus ist. Nat\u00fcrlich wendeten auch sie sich gegen Felix Kleins Ansatz. Sie zitieren die Kontroverse um die Umbenennung der U-Bahn-Station Mohrenstra\u00dfe in Glinkastra\u00dfe, die sich darum drehte, dass der russische Komponist Michael Glinka Antisemit gewesen sein soll. Stein und Zimmermann halten die Debatte f\u00fcr \u00fcberzogen, Glinka sei nur ein Kind seiner Zeit gewesen. Folgt man ihrer Logik, k\u00f6nnen wir dann also in 20 oder 30 Jahren U-Bahn-Stationen nach den Kindern der 1930er Jahre benennen?<\/p>\n\n\n\n

Der Antisemit als Tierfreund<\/h6>\n\n\n\n

Ich w\u00fcnschte, die Sache h\u00e4tte mit dem Artikel, mit der Petition geendet. Doch dann erschien ein Artikel, der den Leser auf einen Waldspaziergang mit einem veganen Koch und Antisemiten mitnahm. Darin setzt der Tierfreund erst behutsam einen K\u00e4fer wieder auf seine Beinchen und erkl\u00e4rt dann, dass die Todesstrafe in Deutschland wieder eingef\u00fchrt werden solle, um einen gewissen Politiker (der zuf\u00e4llig pro Israel ist) an seinen Hoden aufh\u00e4ngen zu k\u00f6nnen. Dieser Koch hat Hunderttausende Follower, er sagt all solche Dinge am helllichten Tag in Berlin. Und in den Medien.<\/p>\n\n\n\n

F\u00e4lle wie dieser handeln bereits von Gewalt \u2013 und sie enden nicht bei den Juden. Der Hass richtet sich gegen Frauen<\/a>, Muslime, Gefl\u00fcchtete, \u00adLBTQI. Am Ende aller theoretischen Debatten stehen immer echte Menschen. Am Ende jeder Konferenz dar\u00fcber, was Antisemitismus ausmacht, steht ein potenzielles j\u00fcdisches Opfer. Angesichts einer Welle von Antisemitismus \u00fcber die Definition von Antisemitismus zu streiten ist, wie eine 10 Meter hohe Welle heranrollen zu sehen und dar\u00fcber zu streiten, was einen Tsunami ausmacht.<\/p>\n\n\n\n

Felix Klein versteht, wie absurd es ist, zu sagen: Es sind nur die Rechten. Die Rechten sind Deutsche, so wie die Nazis Deutsche waren. Klein versteht, dass die Deutschen nicht aufgeh\u00f6rt haben, Juden zu ermorden, weil sie irgendeine Art von Erleuchtung hatten. Sondern schlicht, weil sie den Krieg verloren haben. Um den Antisemitismus zu bek\u00e4mpfen, bevor er die Gesellschaft frisst, in der er und wir leben, muss Deutschland seinen moralischen Kompass korrigieren.<\/p>\n\n\n\n

Immerhin: Mehr und mehr Deutsche fahren nach Israel, sie wollen ein anderes Narrativ h\u00f6ren. Mehr und mehr Deutsche verstehen, dass Antisemitismus Schockwellen ausl\u00f6st, die die gesamte Gesellschaft betreffen. In einem normalen Universum w\u00fcrde Klein bef\u00f6rdert werden f\u00fcr seine Leistung. In einer verdrehten Gesellschaft fordern Menschen seine Entlassung. Um es mit Mbembe zu sagen: Das ist Nano-Nonsens.<\/p>\n\n\n\n

\u00dcbersetzung: Ariane Lemme<\/a><\/em><\/p>\n","post_title":"Felix Klein hat verstanden","post_excerpt":"","post_status":"publish","comment_status":"closed","ping_status":"closed","post_password":"","post_name":"felix-klein-hat-verstanden","to_ping":"","pinged":"","post_modified":"2025-02-02 08:39:39","post_modified_gmt":"2025-02-02 08:39:39","post_content_filtered":"","post_parent":0,"guid":"https:\/\/dctransparency.com\/?p=3786","menu_order":0,"post_type":"post","post_mime_type":"","comment_count":"0","filter":"raw"}],"next":false,"prev":true,"total_page":47},"paged":1,"column_class":"jeg_col_2o3","class":"epic_block_3"};

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