Immerhin: Mehr und mehr Deutsche fahren nach Israel, sie wollen ein anderes Narrativ h\u00f6ren. Mehr und mehr Deutsche verstehen, dass Antisemitismus Schockwellen ausl\u00f6st, die die gesamte Gesellschaft betreffen. In einem normalen Universum w\u00fcrde Klein bef\u00f6rdert werden f\u00fcr seine Leistung. In einer verdrehten Gesellschaft fordern Menschen seine Entlassung. Um es mit Mbembe zu sagen: Das ist Nano-Nonsens.<\/p>\n\n\n\n
Felix Klein versteht, wie absurd es ist, zu sagen: Es sind nur die Rechten. Die Rechten sind Deutsche, so wie die Nazis Deutsche waren. Klein versteht, dass die Deutschen nicht aufgeh\u00f6rt haben, Juden zu ermorden, weil sie irgendeine Art von Erleuchtung hatten. Sondern schlicht, weil sie den Krieg verloren haben. Um den Antisemitismus zu bek\u00e4mpfen, bevor er die Gesellschaft frisst, in der er und wir leben, muss Deutschland seinen moralischen Kompass korrigieren.<\/p>\n\n\n\n
Immerhin: Mehr und mehr Deutsche fahren nach Israel, sie wollen ein anderes Narrativ h\u00f6ren. Mehr und mehr Deutsche verstehen, dass Antisemitismus Schockwellen ausl\u00f6st, die die gesamte Gesellschaft betreffen. In einem normalen Universum w\u00fcrde Klein bef\u00f6rdert werden f\u00fcr seine Leistung. In einer verdrehten Gesellschaft fordern Menschen seine Entlassung. Um es mit Mbembe zu sagen: Das ist Nano-Nonsens.<\/p>\n\n\n\n
\u00dcbersetzung: Ariane Lemme<\/a><\/em><\/p>\n","post_title":"Felix Klein hat verstanden","post_excerpt":"","post_status":"publish","comment_status":"closed","ping_status":"closed","post_password":"","post_name":"felix-klein-hat-verstanden","to_ping":"","pinged":"","post_modified":"2025-02-02 08:39:39","post_modified_gmt":"2025-02-02 08:39:39","post_content_filtered":"","post_parent":0,"guid":"https:\/\/dctransparency.com\/?p=3786","menu_order":0,"post_type":"post","post_mime_type":"","comment_count":"0","filter":"raw"}],"next":false,"prev":true,"total_page":47},"paged":1,"column_class":"jeg_col_2o3","class":"epic_block_3"};
\n F\u00e4lle wie dieser handeln bereits von Gewalt \u2013 und sie enden nicht bei den Juden. Der Hass richtet sich gegen Frauen<\/a>, Muslime, Gefl\u00fcchtete, \u00adLBTQI. Am Ende aller theoretischen Debatten stehen immer echte Menschen. Am Ende jeder Konferenz dar\u00fcber, was Antisemitismus ausmacht, steht ein potenzielles j\u00fcdisches Opfer. Angesichts einer Welle von Antisemitismus \u00fcber die Definition von Antisemitismus zu streiten ist, wie eine 10 Meter hohe Welle heranrollen zu sehen und dar\u00fcber zu streiten, was einen Tsunami ausmacht.<\/p>\n\n\n\n Felix Klein versteht, wie absurd es ist, zu sagen: Es sind nur die Rechten. Die Rechten sind Deutsche, so wie die Nazis Deutsche waren. Klein versteht, dass die Deutschen nicht aufgeh\u00f6rt haben, Juden zu ermorden, weil sie irgendeine Art von Erleuchtung hatten. Sondern schlicht, weil sie den Krieg verloren haben. Um den Antisemitismus zu bek\u00e4mpfen, bevor er die Gesellschaft frisst, in der er und wir leben, muss Deutschland seinen moralischen Kompass korrigieren.<\/p>\n\n\n\n Immerhin: Mehr und mehr Deutsche fahren nach Israel, sie wollen ein anderes Narrativ h\u00f6ren. Mehr und mehr Deutsche verstehen, dass Antisemitismus Schockwellen ausl\u00f6st, die die gesamte Gesellschaft betreffen. In einem normalen Universum w\u00fcrde Klein bef\u00f6rdert werden f\u00fcr seine Leistung. In einer verdrehten Gesellschaft fordern Menschen seine Entlassung. Um es mit Mbembe zu sagen: Das ist Nano-Nonsens.<\/p>\n\n\n\n \u00dcbersetzung: Ariane Lemme<\/a><\/em><\/p>\n","post_title":"Felix Klein hat verstanden","post_excerpt":"","post_status":"publish","comment_status":"closed","ping_status":"closed","post_password":"","post_name":"felix-klein-hat-verstanden","to_ping":"","pinged":"","post_modified":"2025-02-02 08:39:39","post_modified_gmt":"2025-02-02 08:39:39","post_content_filtered":"","post_parent":0,"guid":"https:\/\/dctransparency.com\/?p=3786","menu_order":0,"post_type":"post","post_mime_type":"","comment_count":"0","filter":"raw"}],"next":false,"prev":true,"total_page":47},"paged":1,"column_class":"jeg_col_2o3","class":"epic_block_3"};
\n Ich w\u00fcnschte, die Sache h\u00e4tte mit dem Artikel, mit der Petition geendet. Doch dann erschien ein Artikel, der den Leser auf einen Waldspaziergang mit einem veganen Koch und Antisemiten mitnahm. Darin setzt der Tierfreund erst behutsam einen K\u00e4fer wieder auf seine Beinchen und erkl\u00e4rt dann, dass die Todesstrafe in Deutschland wieder eingef\u00fchrt werden solle, um einen gewissen Politiker (der zuf\u00e4llig pro Israel ist) an seinen Hoden aufh\u00e4ngen zu k\u00f6nnen. Dieser Koch hat Hunderttausende Follower, er sagt all solche Dinge am helllichten Tag in Berlin. Und in den Medien.<\/p>\n\n\n\n F\u00e4lle wie dieser handeln bereits von Gewalt \u2013 und sie enden nicht bei den Juden. Der Hass richtet sich gegen Frauen<\/a>, Muslime, Gefl\u00fcchtete, \u00adLBTQI. Am Ende aller theoretischen Debatten stehen immer echte Menschen. Am Ende jeder Konferenz dar\u00fcber, was Antisemitismus ausmacht, steht ein potenzielles j\u00fcdisches Opfer. Angesichts einer Welle von Antisemitismus \u00fcber die Definition von Antisemitismus zu streiten ist, wie eine 10 Meter hohe Welle heranrollen zu sehen und dar\u00fcber zu streiten, was einen Tsunami ausmacht.<\/p>\n\n\n\n Felix Klein versteht, wie absurd es ist, zu sagen: Es sind nur die Rechten. Die Rechten sind Deutsche, so wie die Nazis Deutsche waren. Klein versteht, dass die Deutschen nicht aufgeh\u00f6rt haben, Juden zu ermorden, weil sie irgendeine Art von Erleuchtung hatten. Sondern schlicht, weil sie den Krieg verloren haben. Um den Antisemitismus zu bek\u00e4mpfen, bevor er die Gesellschaft frisst, in der er und wir leben, muss Deutschland seinen moralischen Kompass korrigieren.<\/p>\n\n\n\n Immerhin: Mehr und mehr Deutsche fahren nach Israel, sie wollen ein anderes Narrativ h\u00f6ren. Mehr und mehr Deutsche verstehen, dass Antisemitismus Schockwellen ausl\u00f6st, die die gesamte Gesellschaft betreffen. In einem normalen Universum w\u00fcrde Klein bef\u00f6rdert werden f\u00fcr seine Leistung. In einer verdrehten Gesellschaft fordern Menschen seine Entlassung. Um es mit Mbembe zu sagen: Das ist Nano-Nonsens.<\/p>\n\n\n\n \u00dcbersetzung: Ariane Lemme<\/a><\/em><\/p>\n","post_title":"Felix Klein hat verstanden","post_excerpt":"","post_status":"publish","comment_status":"closed","ping_status":"closed","post_password":"","post_name":"felix-klein-hat-verstanden","to_ping":"","pinged":"","post_modified":"2025-02-02 08:39:39","post_modified_gmt":"2025-02-02 08:39:39","post_content_filtered":"","post_parent":0,"guid":"https:\/\/dctransparency.com\/?p=3786","menu_order":0,"post_type":"post","post_mime_type":"","comment_count":"0","filter":"raw"}],"next":false,"prev":true,"total_page":47},"paged":1,"column_class":"jeg_col_2o3","class":"epic_block_3"};
\n Ich w\u00fcnschte, die Sache h\u00e4tte mit dem Artikel, mit der Petition geendet. Doch dann erschien ein Artikel, der den Leser auf einen Waldspaziergang mit einem veganen Koch und Antisemiten mitnahm. Darin setzt der Tierfreund erst behutsam einen K\u00e4fer wieder auf seine Beinchen und erkl\u00e4rt dann, dass die Todesstrafe in Deutschland wieder eingef\u00fchrt werden solle, um einen gewissen Politiker (der zuf\u00e4llig pro Israel ist) an seinen Hoden aufh\u00e4ngen zu k\u00f6nnen. Dieser Koch hat Hunderttausende Follower, er sagt all solche Dinge am helllichten Tag in Berlin. Und in den Medien.<\/p>\n\n\n\n F\u00e4lle wie dieser handeln bereits von Gewalt \u2013 und sie enden nicht bei den Juden. Der Hass richtet sich gegen Frauen<\/a>, Muslime, Gefl\u00fcchtete, \u00adLBTQI. Am Ende aller theoretischen Debatten stehen immer echte Menschen. Am Ende jeder Konferenz dar\u00fcber, was Antisemitismus ausmacht, steht ein potenzielles j\u00fcdisches Opfer. Angesichts einer Welle von Antisemitismus \u00fcber die Definition von Antisemitismus zu streiten ist, wie eine 10 Meter hohe Welle heranrollen zu sehen und dar\u00fcber zu streiten, was einen Tsunami ausmacht.<\/p>\n\n\n\n Felix Klein versteht, wie absurd es ist, zu sagen: Es sind nur die Rechten. Die Rechten sind Deutsche, so wie die Nazis Deutsche waren. Klein versteht, dass die Deutschen nicht aufgeh\u00f6rt haben, Juden zu ermorden, weil sie irgendeine Art von Erleuchtung hatten. Sondern schlicht, weil sie den Krieg verloren haben. Um den Antisemitismus zu bek\u00e4mpfen, bevor er die Gesellschaft frisst, in der er und wir leben, muss Deutschland seinen moralischen Kompass korrigieren.<\/p>\n\n\n\n Immerhin: Mehr und mehr Deutsche fahren nach Israel, sie wollen ein anderes Narrativ h\u00f6ren. Mehr und mehr Deutsche verstehen, dass Antisemitismus Schockwellen ausl\u00f6st, die die gesamte Gesellschaft betreffen. In einem normalen Universum w\u00fcrde Klein bef\u00f6rdert werden f\u00fcr seine Leistung. In einer verdrehten Gesellschaft fordern Menschen seine Entlassung. Um es mit Mbembe zu sagen: Das ist Nano-Nonsens.<\/p>\n\n\n\n \u00dcbersetzung: Ariane Lemme<\/a><\/em><\/p>\n","post_title":"Felix Klein hat verstanden","post_excerpt":"","post_status":"publish","comment_status":"closed","ping_status":"closed","post_password":"","post_name":"felix-klein-hat-verstanden","to_ping":"","pinged":"","post_modified":"2025-02-02 08:39:39","post_modified_gmt":"2025-02-02 08:39:39","post_content_filtered":"","post_parent":0,"guid":"https:\/\/dctransparency.com\/?p=3786","menu_order":0,"post_type":"post","post_mime_type":"","comment_count":"0","filter":"raw"}],"next":false,"prev":true,"total_page":47},"paged":1,"column_class":"jeg_col_2o3","class":"epic_block_3"};
\n Kurz bevor der Prozess gegen den wegen des Attentats von Halle<\/a> Angeklagten begann \u2013 des seit Kriegsende schlimmsten Akts von Antisemitismus in Deutschland \u2013, lud eine Lokalzeitung den fr\u00fcheren Botschafter Shimon Stein und den Historiker Moshe Zimmermann ein, dar\u00fcber zu schreiben, was Antisemitismus ist. Nat\u00fcrlich wendeten auch sie sich gegen Felix Kleins Ansatz. Sie zitieren die Kontroverse um die Umbenennung der U-Bahn-Station Mohrenstra\u00dfe in Glinkastra\u00dfe, die sich darum drehte, dass der russische Komponist Michael Glinka Antisemit gewesen sein soll. Stein und Zimmermann halten die Debatte f\u00fcr \u00fcberzogen, Glinka sei nur ein Kind seiner Zeit gewesen. Folgt man ihrer Logik, k\u00f6nnen wir dann also in 20 oder 30 Jahren U-Bahn-Stationen nach den Kindern der 1930er Jahre benennen?<\/p>\n\n\n\n Ich w\u00fcnschte, die Sache h\u00e4tte mit dem Artikel, mit der Petition geendet. Doch dann erschien ein Artikel, der den Leser auf einen Waldspaziergang mit einem veganen Koch und Antisemiten mitnahm. Darin setzt der Tierfreund erst behutsam einen K\u00e4fer wieder auf seine Beinchen und erkl\u00e4rt dann, dass die Todesstrafe in Deutschland wieder eingef\u00fchrt werden solle, um einen gewissen Politiker (der zuf\u00e4llig pro Israel ist) an seinen Hoden aufh\u00e4ngen zu k\u00f6nnen. Dieser Koch hat Hunderttausende Follower, er sagt all solche Dinge am helllichten Tag in Berlin. Und in den Medien.<\/p>\n\n\n\n F\u00e4lle wie dieser handeln bereits von Gewalt \u2013 und sie enden nicht bei den Juden. Der Hass richtet sich gegen Frauen<\/a>, Muslime, Gefl\u00fcchtete, \u00adLBTQI. Am Ende aller theoretischen Debatten stehen immer echte Menschen. Am Ende jeder Konferenz dar\u00fcber, was Antisemitismus ausmacht, steht ein potenzielles j\u00fcdisches Opfer. Angesichts einer Welle von Antisemitismus \u00fcber die Definition von Antisemitismus zu streiten ist, wie eine 10 Meter hohe Welle heranrollen zu sehen und dar\u00fcber zu streiten, was einen Tsunami ausmacht.<\/p>\n\n\n\n Felix Klein versteht, wie absurd es ist, zu sagen: Es sind nur die Rechten. Die Rechten sind Deutsche, so wie die Nazis Deutsche waren. Klein versteht, dass die Deutschen nicht aufgeh\u00f6rt haben, Juden zu ermorden, weil sie irgendeine Art von Erleuchtung hatten. Sondern schlicht, weil sie den Krieg verloren haben. Um den Antisemitismus zu bek\u00e4mpfen, bevor er die Gesellschaft frisst, in der er und wir leben, muss Deutschland seinen moralischen Kompass korrigieren.<\/p>\n\n\n\n Immerhin: Mehr und mehr Deutsche fahren nach Israel, sie wollen ein anderes Narrativ h\u00f6ren. Mehr und mehr Deutsche verstehen, dass Antisemitismus Schockwellen ausl\u00f6st, die die gesamte Gesellschaft betreffen. In einem normalen Universum w\u00fcrde Klein bef\u00f6rdert werden f\u00fcr seine Leistung. In einer verdrehten Gesellschaft fordern Menschen seine Entlassung. Um es mit Mbembe zu sagen: Das ist Nano-Nonsens.<\/p>\n\n\n\n \u00dcbersetzung: Ariane Lemme<\/a><\/em><\/p>\n","post_title":"Felix Klein hat verstanden","post_excerpt":"","post_status":"publish","comment_status":"closed","ping_status":"closed","post_password":"","post_name":"felix-klein-hat-verstanden","to_ping":"","pinged":"","post_modified":"2025-02-02 08:39:39","post_modified_gmt":"2025-02-02 08:39:39","post_content_filtered":"","post_parent":0,"guid":"https:\/\/dctransparency.com\/?p=3786","menu_order":0,"post_type":"post","post_mime_type":"","comment_count":"0","filter":"raw"}],"next":false,"prev":true,"total_page":47},"paged":1,"column_class":"jeg_col_2o3","class":"epic_block_3"};
\n Diese Art der Kritik ist gef\u00e4hrlich. Sie schw\u00e4cht jede begr\u00fcndete und notwendige Kritik am Verhalten Israels. Und das Interessante ist: Trotz all der heftigen, pauschalisierenden Anklagen, all der offenen Briefe driftet Israel politisch immer weiter nach rechts. Doch statt mal einen anderen Ansatz zu versuchen, werden die antiisraelischen Stimmen nur lauter. Dasselbe versuchen und andere Ergebnisse davon erwarten \u2013 das ist die Definition von Wahnsinn.<\/p>\n\n\n\n Kurz bevor der Prozess gegen den wegen des Attentats von Halle<\/a> Angeklagten begann \u2013 des seit Kriegsende schlimmsten Akts von Antisemitismus in Deutschland \u2013, lud eine Lokalzeitung den fr\u00fcheren Botschafter Shimon Stein und den Historiker Moshe Zimmermann ein, dar\u00fcber zu schreiben, was Antisemitismus ist. Nat\u00fcrlich wendeten auch sie sich gegen Felix Kleins Ansatz. Sie zitieren die Kontroverse um die Umbenennung der U-Bahn-Station Mohrenstra\u00dfe in Glinkastra\u00dfe, die sich darum drehte, dass der russische Komponist Michael Glinka Antisemit gewesen sein soll. Stein und Zimmermann halten die Debatte f\u00fcr \u00fcberzogen, Glinka sei nur ein Kind seiner Zeit gewesen. Folgt man ihrer Logik, k\u00f6nnen wir dann also in 20 oder 30 Jahren U-Bahn-Stationen nach den Kindern der 1930er Jahre benennen?<\/p>\n\n\n\n Ich w\u00fcnschte, die Sache h\u00e4tte mit dem Artikel, mit der Petition geendet. Doch dann erschien ein Artikel, der den Leser auf einen Waldspaziergang mit einem veganen Koch und Antisemiten mitnahm. Darin setzt der Tierfreund erst behutsam einen K\u00e4fer wieder auf seine Beinchen und erkl\u00e4rt dann, dass die Todesstrafe in Deutschland wieder eingef\u00fchrt werden solle, um einen gewissen Politiker (der zuf\u00e4llig pro Israel ist) an seinen Hoden aufh\u00e4ngen zu k\u00f6nnen. Dieser Koch hat Hunderttausende Follower, er sagt all solche Dinge am helllichten Tag in Berlin. Und in den Medien.<\/p>\n\n\n\n F\u00e4lle wie dieser handeln bereits von Gewalt \u2013 und sie enden nicht bei den Juden. Der Hass richtet sich gegen Frauen<\/a>, Muslime, Gefl\u00fcchtete, \u00adLBTQI. Am Ende aller theoretischen Debatten stehen immer echte Menschen. Am Ende jeder Konferenz dar\u00fcber, was Antisemitismus ausmacht, steht ein potenzielles j\u00fcdisches Opfer. Angesichts einer Welle von Antisemitismus \u00fcber die Definition von Antisemitismus zu streiten ist, wie eine 10 Meter hohe Welle heranrollen zu sehen und dar\u00fcber zu streiten, was einen Tsunami ausmacht.<\/p>\n\n\n\n Felix Klein versteht, wie absurd es ist, zu sagen: Es sind nur die Rechten. Die Rechten sind Deutsche, so wie die Nazis Deutsche waren. Klein versteht, dass die Deutschen nicht aufgeh\u00f6rt haben, Juden zu ermorden, weil sie irgendeine Art von Erleuchtung hatten. Sondern schlicht, weil sie den Krieg verloren haben. Um den Antisemitismus zu bek\u00e4mpfen, bevor er die Gesellschaft frisst, in der er und wir leben, muss Deutschland seinen moralischen Kompass korrigieren.<\/p>\n\n\n\n Immerhin: Mehr und mehr Deutsche fahren nach Israel, sie wollen ein anderes Narrativ h\u00f6ren. Mehr und mehr Deutsche verstehen, dass Antisemitismus Schockwellen ausl\u00f6st, die die gesamte Gesellschaft betreffen. In einem normalen Universum w\u00fcrde Klein bef\u00f6rdert werden f\u00fcr seine Leistung. In einer verdrehten Gesellschaft fordern Menschen seine Entlassung. Um es mit Mbembe zu sagen: Das ist Nano-Nonsens.<\/p>\n\n\n\n \u00dcbersetzung: Ariane Lemme<\/a><\/em><\/p>\n","post_title":"Felix Klein hat verstanden","post_excerpt":"","post_status":"publish","comment_status":"closed","ping_status":"closed","post_password":"","post_name":"felix-klein-hat-verstanden","to_ping":"","pinged":"","post_modified":"2025-02-02 08:39:39","post_modified_gmt":"2025-02-02 08:39:39","post_content_filtered":"","post_parent":0,"guid":"https:\/\/dctransparency.com\/?p=3786","menu_order":0,"post_type":"post","post_mime_type":"","comment_count":"0","filter":"raw"}],"next":false,"prev":true,"total_page":47},"paged":1,"column_class":"jeg_col_2o3","class":"epic_block_3"};
\n Weil Attacken gegen Juden ein absolutes Tabu sind, wurden Umwege gefunden, um den Antisemitismus auf kleiner Flamme k\u00f6cheln zu lassen: die unfundierte, unbegr\u00fcndete Kritik an Israel.<\/p>\n\n\n\n Diese Art der Kritik ist gef\u00e4hrlich. Sie schw\u00e4cht jede begr\u00fcndete und notwendige Kritik am Verhalten Israels. Und das Interessante ist: Trotz all der heftigen, pauschalisierenden Anklagen, all der offenen Briefe driftet Israel politisch immer weiter nach rechts. Doch statt mal einen anderen Ansatz zu versuchen, werden die antiisraelischen Stimmen nur lauter. Dasselbe versuchen und andere Ergebnisse davon erwarten \u2013 das ist die Definition von Wahnsinn.<\/p>\n\n\n\n Kurz bevor der Prozess gegen den wegen des Attentats von Halle<\/a> Angeklagten begann \u2013 des seit Kriegsende schlimmsten Akts von Antisemitismus in Deutschland \u2013, lud eine Lokalzeitung den fr\u00fcheren Botschafter Shimon Stein und den Historiker Moshe Zimmermann ein, dar\u00fcber zu schreiben, was Antisemitismus ist. Nat\u00fcrlich wendeten auch sie sich gegen Felix Kleins Ansatz. Sie zitieren die Kontroverse um die Umbenennung der U-Bahn-Station Mohrenstra\u00dfe in Glinkastra\u00dfe, die sich darum drehte, dass der russische Komponist Michael Glinka Antisemit gewesen sein soll. Stein und Zimmermann halten die Debatte f\u00fcr \u00fcberzogen, Glinka sei nur ein Kind seiner Zeit gewesen. Folgt man ihrer Logik, k\u00f6nnen wir dann also in 20 oder 30 Jahren U-Bahn-Stationen nach den Kindern der 1930er Jahre benennen?<\/p>\n\n\n\n Ich w\u00fcnschte, die Sache h\u00e4tte mit dem Artikel, mit der Petition geendet. Doch dann erschien ein Artikel, der den Leser auf einen Waldspaziergang mit einem veganen Koch und Antisemiten mitnahm. Darin setzt der Tierfreund erst behutsam einen K\u00e4fer wieder auf seine Beinchen und erkl\u00e4rt dann, dass die Todesstrafe in Deutschland wieder eingef\u00fchrt werden solle, um einen gewissen Politiker (der zuf\u00e4llig pro Israel ist) an seinen Hoden aufh\u00e4ngen zu k\u00f6nnen. Dieser Koch hat Hunderttausende Follower, er sagt all solche Dinge am helllichten Tag in Berlin. Und in den Medien.<\/p>\n\n\n\n F\u00e4lle wie dieser handeln bereits von Gewalt \u2013 und sie enden nicht bei den Juden. Der Hass richtet sich gegen Frauen<\/a>, Muslime, Gefl\u00fcchtete, \u00adLBTQI. Am Ende aller theoretischen Debatten stehen immer echte Menschen. Am Ende jeder Konferenz dar\u00fcber, was Antisemitismus ausmacht, steht ein potenzielles j\u00fcdisches Opfer. Angesichts einer Welle von Antisemitismus \u00fcber die Definition von Antisemitismus zu streiten ist, wie eine 10 Meter hohe Welle heranrollen zu sehen und dar\u00fcber zu streiten, was einen Tsunami ausmacht.<\/p>\n\n\n\n Felix Klein versteht, wie absurd es ist, zu sagen: Es sind nur die Rechten. Die Rechten sind Deutsche, so wie die Nazis Deutsche waren. Klein versteht, dass die Deutschen nicht aufgeh\u00f6rt haben, Juden zu ermorden, weil sie irgendeine Art von Erleuchtung hatten. Sondern schlicht, weil sie den Krieg verloren haben. Um den Antisemitismus zu bek\u00e4mpfen, bevor er die Gesellschaft frisst, in der er und wir leben, muss Deutschland seinen moralischen Kompass korrigieren.<\/p>\n\n\n\n Immerhin: Mehr und mehr Deutsche fahren nach Israel, sie wollen ein anderes Narrativ h\u00f6ren. Mehr und mehr Deutsche verstehen, dass Antisemitismus Schockwellen ausl\u00f6st, die die gesamte Gesellschaft betreffen. In einem normalen Universum w\u00fcrde Klein bef\u00f6rdert werden f\u00fcr seine Leistung. In einer verdrehten Gesellschaft fordern Menschen seine Entlassung. Um es mit Mbembe zu sagen: Das ist Nano-Nonsens.<\/p>\n\n\n\n \u00dcbersetzung: Ariane Lemme<\/a><\/em><\/p>\n","post_title":"Felix Klein hat verstanden","post_excerpt":"","post_status":"publish","comment_status":"closed","ping_status":"closed","post_password":"","post_name":"felix-klein-hat-verstanden","to_ping":"","pinged":"","post_modified":"2025-02-02 08:39:39","post_modified_gmt":"2025-02-02 08:39:39","post_content_filtered":"","post_parent":0,"guid":"https:\/\/dctransparency.com\/?p=3786","menu_order":0,"post_type":"post","post_mime_type":"","comment_count":"0","filter":"raw"}],"next":false,"prev":true,"total_page":47},"paged":1,"column_class":"jeg_col_2o3","class":"epic_block_3"};
\n Der mutma\u00dfliche Grund, warum kaum Deutsche die Petition unterzeichnet haben: Sie mussten es nicht. Ihre Lieblingsjuden haben es f\u00fcr sie getan. Jetzt k\u00f6nnen sie sagen: \u201eSchau, ich bin das ja nicht, meine j\u00fcdischen Freunde sagen es.\u201c Ich selbst war einige Jahre lang mit einem Paar hier in Berlin befreundet, bis ich herausfand, dass ich ihr Lieblingsjude war. Ja, selbst das j\u00fcdische Museum wurde so genutzt.<\/p>\n\n\n\n Weil Attacken gegen Juden ein absolutes Tabu sind, wurden Umwege gefunden, um den Antisemitismus auf kleiner Flamme k\u00f6cheln zu lassen: die unfundierte, unbegr\u00fcndete Kritik an Israel.<\/p>\n\n\n\n Diese Art der Kritik ist gef\u00e4hrlich. Sie schw\u00e4cht jede begr\u00fcndete und notwendige Kritik am Verhalten Israels. Und das Interessante ist: Trotz all der heftigen, pauschalisierenden Anklagen, all der offenen Briefe driftet Israel politisch immer weiter nach rechts. Doch statt mal einen anderen Ansatz zu versuchen, werden die antiisraelischen Stimmen nur lauter. Dasselbe versuchen und andere Ergebnisse davon erwarten \u2013 das ist die Definition von Wahnsinn.<\/p>\n\n\n\n Kurz bevor der Prozess gegen den wegen des Attentats von Halle<\/a> Angeklagten begann \u2013 des seit Kriegsende schlimmsten Akts von Antisemitismus in Deutschland \u2013, lud eine Lokalzeitung den fr\u00fcheren Botschafter Shimon Stein und den Historiker Moshe Zimmermann ein, dar\u00fcber zu schreiben, was Antisemitismus ist. Nat\u00fcrlich wendeten auch sie sich gegen Felix Kleins Ansatz. Sie zitieren die Kontroverse um die Umbenennung der U-Bahn-Station Mohrenstra\u00dfe in Glinkastra\u00dfe, die sich darum drehte, dass der russische Komponist Michael Glinka Antisemit gewesen sein soll. Stein und Zimmermann halten die Debatte f\u00fcr \u00fcberzogen, Glinka sei nur ein Kind seiner Zeit gewesen. Folgt man ihrer Logik, k\u00f6nnen wir dann also in 20 oder 30 Jahren U-Bahn-Stationen nach den Kindern der 1930er Jahre benennen?<\/p>\n\n\n\n Ich w\u00fcnschte, die Sache h\u00e4tte mit dem Artikel, mit der Petition geendet. Doch dann erschien ein Artikel, der den Leser auf einen Waldspaziergang mit einem veganen Koch und Antisemiten mitnahm. Darin setzt der Tierfreund erst behutsam einen K\u00e4fer wieder auf seine Beinchen und erkl\u00e4rt dann, dass die Todesstrafe in Deutschland wieder eingef\u00fchrt werden solle, um einen gewissen Politiker (der zuf\u00e4llig pro Israel ist) an seinen Hoden aufh\u00e4ngen zu k\u00f6nnen. Dieser Koch hat Hunderttausende Follower, er sagt all solche Dinge am helllichten Tag in Berlin. Und in den Medien.<\/p>\n\n\n\n F\u00e4lle wie dieser handeln bereits von Gewalt \u2013 und sie enden nicht bei den Juden. Der Hass richtet sich gegen Frauen<\/a>, Muslime, Gefl\u00fcchtete, \u00adLBTQI. Am Ende aller theoretischen Debatten stehen immer echte Menschen. Am Ende jeder Konferenz dar\u00fcber, was Antisemitismus ausmacht, steht ein potenzielles j\u00fcdisches Opfer. Angesichts einer Welle von Antisemitismus \u00fcber die Definition von Antisemitismus zu streiten ist, wie eine 10 Meter hohe Welle heranrollen zu sehen und dar\u00fcber zu streiten, was einen Tsunami ausmacht.<\/p>\n\n\n\n Felix Klein versteht, wie absurd es ist, zu sagen: Es sind nur die Rechten. Die Rechten sind Deutsche, so wie die Nazis Deutsche waren. Klein versteht, dass die Deutschen nicht aufgeh\u00f6rt haben, Juden zu ermorden, weil sie irgendeine Art von Erleuchtung hatten. Sondern schlicht, weil sie den Krieg verloren haben. Um den Antisemitismus zu bek\u00e4mpfen, bevor er die Gesellschaft frisst, in der er und wir leben, muss Deutschland seinen moralischen Kompass korrigieren.<\/p>\n\n\n\n Immerhin: Mehr und mehr Deutsche fahren nach Israel, sie wollen ein anderes Narrativ h\u00f6ren. Mehr und mehr Deutsche verstehen, dass Antisemitismus Schockwellen ausl\u00f6st, die die gesamte Gesellschaft betreffen. In einem normalen Universum w\u00fcrde Klein bef\u00f6rdert werden f\u00fcr seine Leistung. In einer verdrehten Gesellschaft fordern Menschen seine Entlassung. Um es mit Mbembe zu sagen: Das ist Nano-Nonsens.<\/p>\n\n\n\n \u00dcbersetzung: Ariane Lemme<\/a><\/em><\/p>\n","post_title":"Felix Klein hat verstanden","post_excerpt":"","post_status":"publish","comment_status":"closed","ping_status":"closed","post_password":"","post_name":"felix-klein-hat-verstanden","to_ping":"","pinged":"","post_modified":"2025-02-02 08:39:39","post_modified_gmt":"2025-02-02 08:39:39","post_content_filtered":"","post_parent":0,"guid":"https:\/\/dctransparency.com\/?p=3786","menu_order":0,"post_type":"post","post_mime_type":"","comment_count":"0","filter":"raw"}],"next":false,"prev":true,"total_page":47},"paged":1,"column_class":"jeg_col_2o3","class":"epic_block_3"};
\n Die Israelis, die die Petition unterzeichnet haben, haben \u00fcbrigens ebenfalls etwas verstanden. Seit Jahren wissen sie: Es ist ihre Eintrittskarte in die Mitte der deutschen (und europ\u00e4ischen) Gesellschaft. Man h\u00f6rt nicht oft von Akademikern mit proisraelischen Ansichten. Weder in den Philharmonie-Orchestern noch in der Kunstszene. Die Eintrittskarte daf\u00fcr ist ein antiisraelischer Standpunkt.<\/p>\n\n\n\n Der mutma\u00dfliche Grund, warum kaum Deutsche die Petition unterzeichnet haben: Sie mussten es nicht. Ihre Lieblingsjuden haben es f\u00fcr sie getan. Jetzt k\u00f6nnen sie sagen: \u201eSchau, ich bin das ja nicht, meine j\u00fcdischen Freunde sagen es.\u201c Ich selbst war einige Jahre lang mit einem Paar hier in Berlin befreundet, bis ich herausfand, dass ich ihr Lieblingsjude war. Ja, selbst das j\u00fcdische Museum wurde so genutzt.<\/p>\n\n\n\n Weil Attacken gegen Juden ein absolutes Tabu sind, wurden Umwege gefunden, um den Antisemitismus auf kleiner Flamme k\u00f6cheln zu lassen: die unfundierte, unbegr\u00fcndete Kritik an Israel.<\/p>\n\n\n\n Diese Art der Kritik ist gef\u00e4hrlich. Sie schw\u00e4cht jede begr\u00fcndete und notwendige Kritik am Verhalten Israels. Und das Interessante ist: Trotz all der heftigen, pauschalisierenden Anklagen, all der offenen Briefe driftet Israel politisch immer weiter nach rechts. Doch statt mal einen anderen Ansatz zu versuchen, werden die antiisraelischen Stimmen nur lauter. Dasselbe versuchen und andere Ergebnisse davon erwarten \u2013 das ist die Definition von Wahnsinn.<\/p>\n\n\n\n Kurz bevor der Prozess gegen den wegen des Attentats von Halle<\/a> Angeklagten begann \u2013 des seit Kriegsende schlimmsten Akts von Antisemitismus in Deutschland \u2013, lud eine Lokalzeitung den fr\u00fcheren Botschafter Shimon Stein und den Historiker Moshe Zimmermann ein, dar\u00fcber zu schreiben, was Antisemitismus ist. Nat\u00fcrlich wendeten auch sie sich gegen Felix Kleins Ansatz. Sie zitieren die Kontroverse um die Umbenennung der U-Bahn-Station Mohrenstra\u00dfe in Glinkastra\u00dfe, die sich darum drehte, dass der russische Komponist Michael Glinka Antisemit gewesen sein soll. Stein und Zimmermann halten die Debatte f\u00fcr \u00fcberzogen, Glinka sei nur ein Kind seiner Zeit gewesen. Folgt man ihrer Logik, k\u00f6nnen wir dann also in 20 oder 30 Jahren U-Bahn-Stationen nach den Kindern der 1930er Jahre benennen?<\/p>\n\n\n\n Ich w\u00fcnschte, die Sache h\u00e4tte mit dem Artikel, mit der Petition geendet. Doch dann erschien ein Artikel, der den Leser auf einen Waldspaziergang mit einem veganen Koch und Antisemiten mitnahm. Darin setzt der Tierfreund erst behutsam einen K\u00e4fer wieder auf seine Beinchen und erkl\u00e4rt dann, dass die Todesstrafe in Deutschland wieder eingef\u00fchrt werden solle, um einen gewissen Politiker (der zuf\u00e4llig pro Israel ist) an seinen Hoden aufh\u00e4ngen zu k\u00f6nnen. Dieser Koch hat Hunderttausende Follower, er sagt all solche Dinge am helllichten Tag in Berlin. Und in den Medien.<\/p>\n\n\n\n F\u00e4lle wie dieser handeln bereits von Gewalt \u2013 und sie enden nicht bei den Juden. Der Hass richtet sich gegen Frauen<\/a>, Muslime, Gefl\u00fcchtete, \u00adLBTQI. Am Ende aller theoretischen Debatten stehen immer echte Menschen. Am Ende jeder Konferenz dar\u00fcber, was Antisemitismus ausmacht, steht ein potenzielles j\u00fcdisches Opfer. Angesichts einer Welle von Antisemitismus \u00fcber die Definition von Antisemitismus zu streiten ist, wie eine 10 Meter hohe Welle heranrollen zu sehen und dar\u00fcber zu streiten, was einen Tsunami ausmacht.<\/p>\n\n\n\n Felix Klein versteht, wie absurd es ist, zu sagen: Es sind nur die Rechten. Die Rechten sind Deutsche, so wie die Nazis Deutsche waren. Klein versteht, dass die Deutschen nicht aufgeh\u00f6rt haben, Juden zu ermorden, weil sie irgendeine Art von Erleuchtung hatten. Sondern schlicht, weil sie den Krieg verloren haben. Um den Antisemitismus zu bek\u00e4mpfen, bevor er die Gesellschaft frisst, in der er und wir leben, muss Deutschland seinen moralischen Kompass korrigieren.<\/p>\n\n\n\n Immerhin: Mehr und mehr Deutsche fahren nach Israel, sie wollen ein anderes Narrativ h\u00f6ren. Mehr und mehr Deutsche verstehen, dass Antisemitismus Schockwellen ausl\u00f6st, die die gesamte Gesellschaft betreffen. In einem normalen Universum w\u00fcrde Klein bef\u00f6rdert werden f\u00fcr seine Leistung. In einer verdrehten Gesellschaft fordern Menschen seine Entlassung. Um es mit Mbembe zu sagen: Das ist Nano-Nonsens.<\/p>\n\n\n\n \u00dcbersetzung: Ariane Lemme<\/a><\/em><\/p>\n","post_title":"Felix Klein hat verstanden","post_excerpt":"","post_status":"publish","comment_status":"closed","ping_status":"closed","post_password":"","post_name":"felix-klein-hat-verstanden","to_ping":"","pinged":"","post_modified":"2025-02-02 08:39:39","post_modified_gmt":"2025-02-02 08:39:39","post_content_filtered":"","post_parent":0,"guid":"https:\/\/dctransparency.com\/?p=3786","menu_order":0,"post_type":"post","post_mime_type":"","comment_count":"0","filter":"raw"}],"next":false,"prev":true,"total_page":47},"paged":1,"column_class":"jeg_col_2o3","class":"epic_block_3"};
\n Die Israelis, die die Petition unterzeichnet haben, haben \u00fcbrigens ebenfalls etwas verstanden. Seit Jahren wissen sie: Es ist ihre Eintrittskarte in die Mitte der deutschen (und europ\u00e4ischen) Gesellschaft. Man h\u00f6rt nicht oft von Akademikern mit proisraelischen Ansichten. Weder in den Philharmonie-Orchestern noch in der Kunstszene. Die Eintrittskarte daf\u00fcr ist ein antiisraelischer Standpunkt.<\/p>\n\n\n\n Der mutma\u00dfliche Grund, warum kaum Deutsche die Petition unterzeichnet haben: Sie mussten es nicht. Ihre Lieblingsjuden haben es f\u00fcr sie getan. Jetzt k\u00f6nnen sie sagen: \u201eSchau, ich bin das ja nicht, meine j\u00fcdischen Freunde sagen es.\u201c Ich selbst war einige Jahre lang mit einem Paar hier in Berlin befreundet, bis ich herausfand, dass ich ihr Lieblingsjude war. Ja, selbst das j\u00fcdische Museum wurde so genutzt.<\/p>\n\n\n\n Weil Attacken gegen Juden ein absolutes Tabu sind, wurden Umwege gefunden, um den Antisemitismus auf kleiner Flamme k\u00f6cheln zu lassen: die unfundierte, unbegr\u00fcndete Kritik an Israel.<\/p>\n\n\n\n Diese Art der Kritik ist gef\u00e4hrlich. Sie schw\u00e4cht jede begr\u00fcndete und notwendige Kritik am Verhalten Israels. Und das Interessante ist: Trotz all der heftigen, pauschalisierenden Anklagen, all der offenen Briefe driftet Israel politisch immer weiter nach rechts. Doch statt mal einen anderen Ansatz zu versuchen, werden die antiisraelischen Stimmen nur lauter. Dasselbe versuchen und andere Ergebnisse davon erwarten \u2013 das ist die Definition von Wahnsinn.<\/p>\n\n\n\n Kurz bevor der Prozess gegen den wegen des Attentats von Halle<\/a> Angeklagten begann \u2013 des seit Kriegsende schlimmsten Akts von Antisemitismus in Deutschland \u2013, lud eine Lokalzeitung den fr\u00fcheren Botschafter Shimon Stein und den Historiker Moshe Zimmermann ein, dar\u00fcber zu schreiben, was Antisemitismus ist. Nat\u00fcrlich wendeten auch sie sich gegen Felix Kleins Ansatz. Sie zitieren die Kontroverse um die Umbenennung der U-Bahn-Station Mohrenstra\u00dfe in Glinkastra\u00dfe, die sich darum drehte, dass der russische Komponist Michael Glinka Antisemit gewesen sein soll. Stein und Zimmermann halten die Debatte f\u00fcr \u00fcberzogen, Glinka sei nur ein Kind seiner Zeit gewesen. Folgt man ihrer Logik, k\u00f6nnen wir dann also in 20 oder 30 Jahren U-Bahn-Stationen nach den Kindern der 1930er Jahre benennen?<\/p>\n\n\n\n Ich w\u00fcnschte, die Sache h\u00e4tte mit dem Artikel, mit der Petition geendet. Doch dann erschien ein Artikel, der den Leser auf einen Waldspaziergang mit einem veganen Koch und Antisemiten mitnahm. Darin setzt der Tierfreund erst behutsam einen K\u00e4fer wieder auf seine Beinchen und erkl\u00e4rt dann, dass die Todesstrafe in Deutschland wieder eingef\u00fchrt werden solle, um einen gewissen Politiker (der zuf\u00e4llig pro Israel ist) an seinen Hoden aufh\u00e4ngen zu k\u00f6nnen. Dieser Koch hat Hunderttausende Follower, er sagt all solche Dinge am helllichten Tag in Berlin. Und in den Medien.<\/p>\n\n\n\n F\u00e4lle wie dieser handeln bereits von Gewalt \u2013 und sie enden nicht bei den Juden. Der Hass richtet sich gegen Frauen<\/a>, Muslime, Gefl\u00fcchtete, \u00adLBTQI. Am Ende aller theoretischen Debatten stehen immer echte Menschen. Am Ende jeder Konferenz dar\u00fcber, was Antisemitismus ausmacht, steht ein potenzielles j\u00fcdisches Opfer. Angesichts einer Welle von Antisemitismus \u00fcber die Definition von Antisemitismus zu streiten ist, wie eine 10 Meter hohe Welle heranrollen zu sehen und dar\u00fcber zu streiten, was einen Tsunami ausmacht.<\/p>\n\n\n\n Felix Klein versteht, wie absurd es ist, zu sagen: Es sind nur die Rechten. Die Rechten sind Deutsche, so wie die Nazis Deutsche waren. Klein versteht, dass die Deutschen nicht aufgeh\u00f6rt haben, Juden zu ermorden, weil sie irgendeine Art von Erleuchtung hatten. Sondern schlicht, weil sie den Krieg verloren haben. Um den Antisemitismus zu bek\u00e4mpfen, bevor er die Gesellschaft frisst, in der er und wir leben, muss Deutschland seinen moralischen Kompass korrigieren.<\/p>\n\n\n\n Immerhin: Mehr und mehr Deutsche fahren nach Israel, sie wollen ein anderes Narrativ h\u00f6ren. Mehr und mehr Deutsche verstehen, dass Antisemitismus Schockwellen ausl\u00f6st, die die gesamte Gesellschaft betreffen. In einem normalen Universum w\u00fcrde Klein bef\u00f6rdert werden f\u00fcr seine Leistung. In einer verdrehten Gesellschaft fordern Menschen seine Entlassung. Um es mit Mbembe zu sagen: Das ist Nano-Nonsens.<\/p>\n\n\n\n \u00dcbersetzung: Ariane Lemme<\/a><\/em><\/p>\n","post_title":"Felix Klein hat verstanden","post_excerpt":"","post_status":"publish","comment_status":"closed","ping_status":"closed","post_password":"","post_name":"felix-klein-hat-verstanden","to_ping":"","pinged":"","post_modified":"2025-02-02 08:39:39","post_modified_gmt":"2025-02-02 08:39:39","post_content_filtered":"","post_parent":0,"guid":"https:\/\/dctransparency.com\/?p=3786","menu_order":0,"post_type":"post","post_mime_type":"","comment_count":"0","filter":"raw"}],"next":false,"prev":true,"total_page":47},"paged":1,"column_class":"jeg_col_2o3","class":"epic_block_3"};
\n Wir k\u00f6nnen uns also gerne unterhalten \u2013 aber im Dialog, nicht in Monologen. Denn Reden unter Menschen, die sich einig sind, ist nichts anderes als Impotenz.<\/p>\n\n\n\n Die Israelis, die die Petition unterzeichnet haben, haben \u00fcbrigens ebenfalls etwas verstanden. Seit Jahren wissen sie: Es ist ihre Eintrittskarte in die Mitte der deutschen (und europ\u00e4ischen) Gesellschaft. Man h\u00f6rt nicht oft von Akademikern mit proisraelischen Ansichten. Weder in den Philharmonie-Orchestern noch in der Kunstszene. Die Eintrittskarte daf\u00fcr ist ein antiisraelischer Standpunkt.<\/p>\n\n\n\n Der mutma\u00dfliche Grund, warum kaum Deutsche die Petition unterzeichnet haben: Sie mussten es nicht. Ihre Lieblingsjuden haben es f\u00fcr sie getan. Jetzt k\u00f6nnen sie sagen: \u201eSchau, ich bin das ja nicht, meine j\u00fcdischen Freunde sagen es.\u201c Ich selbst war einige Jahre lang mit einem Paar hier in Berlin befreundet, bis ich herausfand, dass ich ihr Lieblingsjude war. Ja, selbst das j\u00fcdische Museum wurde so genutzt.<\/p>\n\n\n\n Weil Attacken gegen Juden ein absolutes Tabu sind, wurden Umwege gefunden, um den Antisemitismus auf kleiner Flamme k\u00f6cheln zu lassen: die unfundierte, unbegr\u00fcndete Kritik an Israel.<\/p>\n\n\n\n Diese Art der Kritik ist gef\u00e4hrlich. Sie schw\u00e4cht jede begr\u00fcndete und notwendige Kritik am Verhalten Israels. Und das Interessante ist: Trotz all der heftigen, pauschalisierenden Anklagen, all der offenen Briefe driftet Israel politisch immer weiter nach rechts. Doch statt mal einen anderen Ansatz zu versuchen, werden die antiisraelischen Stimmen nur lauter. Dasselbe versuchen und andere Ergebnisse davon erwarten \u2013 das ist die Definition von Wahnsinn.<\/p>\n\n\n\n Kurz bevor der Prozess gegen den wegen des Attentats von Halle<\/a> Angeklagten begann \u2013 des seit Kriegsende schlimmsten Akts von Antisemitismus in Deutschland \u2013, lud eine Lokalzeitung den fr\u00fcheren Botschafter Shimon Stein und den Historiker Moshe Zimmermann ein, dar\u00fcber zu schreiben, was Antisemitismus ist. Nat\u00fcrlich wendeten auch sie sich gegen Felix Kleins Ansatz. Sie zitieren die Kontroverse um die Umbenennung der U-Bahn-Station Mohrenstra\u00dfe in Glinkastra\u00dfe, die sich darum drehte, dass der russische Komponist Michael Glinka Antisemit gewesen sein soll. Stein und Zimmermann halten die Debatte f\u00fcr \u00fcberzogen, Glinka sei nur ein Kind seiner Zeit gewesen. Folgt man ihrer Logik, k\u00f6nnen wir dann also in 20 oder 30 Jahren U-Bahn-Stationen nach den Kindern der 1930er Jahre benennen?<\/p>\n\n\n\n Ich w\u00fcnschte, die Sache h\u00e4tte mit dem Artikel, mit der Petition geendet. Doch dann erschien ein Artikel, der den Leser auf einen Waldspaziergang mit einem veganen Koch und Antisemiten mitnahm. Darin setzt der Tierfreund erst behutsam einen K\u00e4fer wieder auf seine Beinchen und erkl\u00e4rt dann, dass die Todesstrafe in Deutschland wieder eingef\u00fchrt werden solle, um einen gewissen Politiker (der zuf\u00e4llig pro Israel ist) an seinen Hoden aufh\u00e4ngen zu k\u00f6nnen. Dieser Koch hat Hunderttausende Follower, er sagt all solche Dinge am helllichten Tag in Berlin. Und in den Medien.<\/p>\n\n\n\n F\u00e4lle wie dieser handeln bereits von Gewalt \u2013 und sie enden nicht bei den Juden. Der Hass richtet sich gegen Frauen<\/a>, Muslime, Gefl\u00fcchtete, \u00adLBTQI. Am Ende aller theoretischen Debatten stehen immer echte Menschen. Am Ende jeder Konferenz dar\u00fcber, was Antisemitismus ausmacht, steht ein potenzielles j\u00fcdisches Opfer. Angesichts einer Welle von Antisemitismus \u00fcber die Definition von Antisemitismus zu streiten ist, wie eine 10 Meter hohe Welle heranrollen zu sehen und dar\u00fcber zu streiten, was einen Tsunami ausmacht.<\/p>\n\n\n\n Felix Klein versteht, wie absurd es ist, zu sagen: Es sind nur die Rechten. Die Rechten sind Deutsche, so wie die Nazis Deutsche waren. Klein versteht, dass die Deutschen nicht aufgeh\u00f6rt haben, Juden zu ermorden, weil sie irgendeine Art von Erleuchtung hatten. Sondern schlicht, weil sie den Krieg verloren haben. Um den Antisemitismus zu bek\u00e4mpfen, bevor er die Gesellschaft frisst, in der er und wir leben, muss Deutschland seinen moralischen Kompass korrigieren.<\/p>\n\n\n\n Immerhin: Mehr und mehr Deutsche fahren nach Israel, sie wollen ein anderes Narrativ h\u00f6ren. Mehr und mehr Deutsche verstehen, dass Antisemitismus Schockwellen ausl\u00f6st, die die gesamte Gesellschaft betreffen. In einem normalen Universum w\u00fcrde Klein bef\u00f6rdert werden f\u00fcr seine Leistung. In einer verdrehten Gesellschaft fordern Menschen seine Entlassung. Um es mit Mbembe zu sagen: Das ist Nano-Nonsens.<\/p>\n\n\n\n \u00dcbersetzung: Ariane Lemme<\/a><\/em><\/p>\n","post_title":"Felix Klein hat verstanden","post_excerpt":"","post_status":"publish","comment_status":"closed","ping_status":"closed","post_password":"","post_name":"felix-klein-hat-verstanden","to_ping":"","pinged":"","post_modified":"2025-02-02 08:39:39","post_modified_gmt":"2025-02-02 08:39:39","post_content_filtered":"","post_parent":0,"guid":"https:\/\/dctransparency.com\/?p=3786","menu_order":0,"post_type":"post","post_mime_type":"","comment_count":"0","filter":"raw"}],"next":false,"prev":true,"total_page":47},"paged":1,"column_class":"jeg_col_2o3","class":"epic_block_3"};
\n Liebe Deutsche, wenn ihr reden wollt, lasst uns gern reden: \u00fcber die Besetzung, \u00fcber Bibi und alles, was schiefl\u00e4uft. Aber dann lasst uns bitte auch dar\u00fcber reden, wie deutsche Steuergelder Terrortunnel finanzieren. Erst vergangene Woche r\u00e4umte die niederl\u00e4ndische Regierung ein, dass Gelder an eine Landwirtschaftsorganisation in Ramallah geflossen seien, die damit teilweise die Geh\u00e4lter zweier des Mordes an der 17-j\u00e4hrigen Israelin Rina Shnerb Verd\u00e4chtiger gezahlt haben. Auch die Bundesregierung unterst\u00fctzt diese Organisation, obwohl Kritiker schon lange vor Verbindungen zu Terroristen warnen.<\/p>\n\n\n\n Wir k\u00f6nnen uns also gerne unterhalten \u2013 aber im Dialog, nicht in Monologen. Denn Reden unter Menschen, die sich einig sind, ist nichts anderes als Impotenz.<\/p>\n\n\n\n Die Israelis, die die Petition unterzeichnet haben, haben \u00fcbrigens ebenfalls etwas verstanden. Seit Jahren wissen sie: Es ist ihre Eintrittskarte in die Mitte der deutschen (und europ\u00e4ischen) Gesellschaft. Man h\u00f6rt nicht oft von Akademikern mit proisraelischen Ansichten. Weder in den Philharmonie-Orchestern noch in der Kunstszene. Die Eintrittskarte daf\u00fcr ist ein antiisraelischer Standpunkt.<\/p>\n\n\n\n Der mutma\u00dfliche Grund, warum kaum Deutsche die Petition unterzeichnet haben: Sie mussten es nicht. Ihre Lieblingsjuden haben es f\u00fcr sie getan. Jetzt k\u00f6nnen sie sagen: \u201eSchau, ich bin das ja nicht, meine j\u00fcdischen Freunde sagen es.\u201c Ich selbst war einige Jahre lang mit einem Paar hier in Berlin befreundet, bis ich herausfand, dass ich ihr Lieblingsjude war. Ja, selbst das j\u00fcdische Museum wurde so genutzt.<\/p>\n\n\n\n Weil Attacken gegen Juden ein absolutes Tabu sind, wurden Umwege gefunden, um den Antisemitismus auf kleiner Flamme k\u00f6cheln zu lassen: die unfundierte, unbegr\u00fcndete Kritik an Israel.<\/p>\n\n\n\n Diese Art der Kritik ist gef\u00e4hrlich. Sie schw\u00e4cht jede begr\u00fcndete und notwendige Kritik am Verhalten Israels. Und das Interessante ist: Trotz all der heftigen, pauschalisierenden Anklagen, all der offenen Briefe driftet Israel politisch immer weiter nach rechts. Doch statt mal einen anderen Ansatz zu versuchen, werden die antiisraelischen Stimmen nur lauter. Dasselbe versuchen und andere Ergebnisse davon erwarten \u2013 das ist die Definition von Wahnsinn.<\/p>\n\n\n\n Kurz bevor der Prozess gegen den wegen des Attentats von Halle<\/a> Angeklagten begann \u2013 des seit Kriegsende schlimmsten Akts von Antisemitismus in Deutschland \u2013, lud eine Lokalzeitung den fr\u00fcheren Botschafter Shimon Stein und den Historiker Moshe Zimmermann ein, dar\u00fcber zu schreiben, was Antisemitismus ist. Nat\u00fcrlich wendeten auch sie sich gegen Felix Kleins Ansatz. Sie zitieren die Kontroverse um die Umbenennung der U-Bahn-Station Mohrenstra\u00dfe in Glinkastra\u00dfe, die sich darum drehte, dass der russische Komponist Michael Glinka Antisemit gewesen sein soll. Stein und Zimmermann halten die Debatte f\u00fcr \u00fcberzogen, Glinka sei nur ein Kind seiner Zeit gewesen. Folgt man ihrer Logik, k\u00f6nnen wir dann also in 20 oder 30 Jahren U-Bahn-Stationen nach den Kindern der 1930er Jahre benennen?<\/p>\n\n\n\n Ich w\u00fcnschte, die Sache h\u00e4tte mit dem Artikel, mit der Petition geendet. Doch dann erschien ein Artikel, der den Leser auf einen Waldspaziergang mit einem veganen Koch und Antisemiten mitnahm. Darin setzt der Tierfreund erst behutsam einen K\u00e4fer wieder auf seine Beinchen und erkl\u00e4rt dann, dass die Todesstrafe in Deutschland wieder eingef\u00fchrt werden solle, um einen gewissen Politiker (der zuf\u00e4llig pro Israel ist) an seinen Hoden aufh\u00e4ngen zu k\u00f6nnen. Dieser Koch hat Hunderttausende Follower, er sagt all solche Dinge am helllichten Tag in Berlin. Und in den Medien.<\/p>\n\n\n\n F\u00e4lle wie dieser handeln bereits von Gewalt \u2013 und sie enden nicht bei den Juden. Der Hass richtet sich gegen Frauen<\/a>, Muslime, Gefl\u00fcchtete, \u00adLBTQI. Am Ende aller theoretischen Debatten stehen immer echte Menschen. Am Ende jeder Konferenz dar\u00fcber, was Antisemitismus ausmacht, steht ein potenzielles j\u00fcdisches Opfer. Angesichts einer Welle von Antisemitismus \u00fcber die Definition von Antisemitismus zu streiten ist, wie eine 10 Meter hohe Welle heranrollen zu sehen und dar\u00fcber zu streiten, was einen Tsunami ausmacht.<\/p>\n\n\n\n Felix Klein versteht, wie absurd es ist, zu sagen: Es sind nur die Rechten. Die Rechten sind Deutsche, so wie die Nazis Deutsche waren. Klein versteht, dass die Deutschen nicht aufgeh\u00f6rt haben, Juden zu ermorden, weil sie irgendeine Art von Erleuchtung hatten. Sondern schlicht, weil sie den Krieg verloren haben. Um den Antisemitismus zu bek\u00e4mpfen, bevor er die Gesellschaft frisst, in der er und wir leben, muss Deutschland seinen moralischen Kompass korrigieren.<\/p>\n\n\n\n Immerhin: Mehr und mehr Deutsche fahren nach Israel, sie wollen ein anderes Narrativ h\u00f6ren. Mehr und mehr Deutsche verstehen, dass Antisemitismus Schockwellen ausl\u00f6st, die die gesamte Gesellschaft betreffen. In einem normalen Universum w\u00fcrde Klein bef\u00f6rdert werden f\u00fcr seine Leistung. In einer verdrehten Gesellschaft fordern Menschen seine Entlassung. Um es mit Mbembe zu sagen: Das ist Nano-Nonsens.<\/p>\n\n\n\n \u00dcbersetzung: Ariane Lemme<\/a><\/em><\/p>\n","post_title":"Felix Klein hat verstanden","post_excerpt":"","post_status":"publish","comment_status":"closed","ping_status":"closed","post_password":"","post_name":"felix-klein-hat-verstanden","to_ping":"","pinged":"","post_modified":"2025-02-02 08:39:39","post_modified_gmt":"2025-02-02 08:39:39","post_content_filtered":"","post_parent":0,"guid":"https:\/\/dctransparency.com\/?p=3786","menu_order":0,"post_type":"post","post_mime_type":"","comment_count":"0","filter":"raw"}],"next":false,"prev":true,"total_page":47},"paged":1,"column_class":"jeg_col_2o3","class":"epic_block_3"};
\n Klein will dem entgegenwirken. Er versteht, dass antisemitische Attacken in Deutschland die Fr\u00fcchte solch falsch gezeichneter Bilder und eindimensionaler Narrative \u00fcber Israel sind. Wenn er und andere versuchen, ein anderes Narrativ aufzuzeigen, wirft man ihnen Zensur vor: Wie k\u00f6nnen sie es wagen, das Gesch\u00e4ft der Anti-Israel-Propaganda zu st\u00f6ren?<\/p>\n\n\n\n Liebe Deutsche, wenn ihr reden wollt, lasst uns gern reden: \u00fcber die Besetzung, \u00fcber Bibi und alles, was schiefl\u00e4uft. Aber dann lasst uns bitte auch dar\u00fcber reden, wie deutsche Steuergelder Terrortunnel finanzieren. Erst vergangene Woche r\u00e4umte die niederl\u00e4ndische Regierung ein, dass Gelder an eine Landwirtschaftsorganisation in Ramallah geflossen seien, die damit teilweise die Geh\u00e4lter zweier des Mordes an der 17-j\u00e4hrigen Israelin Rina Shnerb Verd\u00e4chtiger gezahlt haben. Auch die Bundesregierung unterst\u00fctzt diese Organisation, obwohl Kritiker schon lange vor Verbindungen zu Terroristen warnen.<\/p>\n\n\n\n Wir k\u00f6nnen uns also gerne unterhalten \u2013 aber im Dialog, nicht in Monologen. Denn Reden unter Menschen, die sich einig sind, ist nichts anderes als Impotenz.<\/p>\n\n\n\n Die Israelis, die die Petition unterzeichnet haben, haben \u00fcbrigens ebenfalls etwas verstanden. Seit Jahren wissen sie: Es ist ihre Eintrittskarte in die Mitte der deutschen (und europ\u00e4ischen) Gesellschaft. Man h\u00f6rt nicht oft von Akademikern mit proisraelischen Ansichten. Weder in den Philharmonie-Orchestern noch in der Kunstszene. Die Eintrittskarte daf\u00fcr ist ein antiisraelischer Standpunkt.<\/p>\n\n\n\n Der mutma\u00dfliche Grund, warum kaum Deutsche die Petition unterzeichnet haben: Sie mussten es nicht. Ihre Lieblingsjuden haben es f\u00fcr sie getan. Jetzt k\u00f6nnen sie sagen: \u201eSchau, ich bin das ja nicht, meine j\u00fcdischen Freunde sagen es.\u201c Ich selbst war einige Jahre lang mit einem Paar hier in Berlin befreundet, bis ich herausfand, dass ich ihr Lieblingsjude war. Ja, selbst das j\u00fcdische Museum wurde so genutzt.<\/p>\n\n\n\n Weil Attacken gegen Juden ein absolutes Tabu sind, wurden Umwege gefunden, um den Antisemitismus auf kleiner Flamme k\u00f6cheln zu lassen: die unfundierte, unbegr\u00fcndete Kritik an Israel.<\/p>\n\n\n\n Diese Art der Kritik ist gef\u00e4hrlich. Sie schw\u00e4cht jede begr\u00fcndete und notwendige Kritik am Verhalten Israels. Und das Interessante ist: Trotz all der heftigen, pauschalisierenden Anklagen, all der offenen Briefe driftet Israel politisch immer weiter nach rechts. Doch statt mal einen anderen Ansatz zu versuchen, werden die antiisraelischen Stimmen nur lauter. Dasselbe versuchen und andere Ergebnisse davon erwarten \u2013 das ist die Definition von Wahnsinn.<\/p>\n\n\n\n Kurz bevor der Prozess gegen den wegen des Attentats von Halle<\/a> Angeklagten begann \u2013 des seit Kriegsende schlimmsten Akts von Antisemitismus in Deutschland \u2013, lud eine Lokalzeitung den fr\u00fcheren Botschafter Shimon Stein und den Historiker Moshe Zimmermann ein, dar\u00fcber zu schreiben, was Antisemitismus ist. Nat\u00fcrlich wendeten auch sie sich gegen Felix Kleins Ansatz. Sie zitieren die Kontroverse um die Umbenennung der U-Bahn-Station Mohrenstra\u00dfe in Glinkastra\u00dfe, die sich darum drehte, dass der russische Komponist Michael Glinka Antisemit gewesen sein soll. Stein und Zimmermann halten die Debatte f\u00fcr \u00fcberzogen, Glinka sei nur ein Kind seiner Zeit gewesen. Folgt man ihrer Logik, k\u00f6nnen wir dann also in 20 oder 30 Jahren U-Bahn-Stationen nach den Kindern der 1930er Jahre benennen?<\/p>\n\n\n\n Ich w\u00fcnschte, die Sache h\u00e4tte mit dem Artikel, mit der Petition geendet. Doch dann erschien ein Artikel, der den Leser auf einen Waldspaziergang mit einem veganen Koch und Antisemiten mitnahm. Darin setzt der Tierfreund erst behutsam einen K\u00e4fer wieder auf seine Beinchen und erkl\u00e4rt dann, dass die Todesstrafe in Deutschland wieder eingef\u00fchrt werden solle, um einen gewissen Politiker (der zuf\u00e4llig pro Israel ist) an seinen Hoden aufh\u00e4ngen zu k\u00f6nnen. Dieser Koch hat Hunderttausende Follower, er sagt all solche Dinge am helllichten Tag in Berlin. Und in den Medien.<\/p>\n\n\n\n F\u00e4lle wie dieser handeln bereits von Gewalt \u2013 und sie enden nicht bei den Juden. Der Hass richtet sich gegen Frauen<\/a>, Muslime, Gefl\u00fcchtete, \u00adLBTQI. Am Ende aller theoretischen Debatten stehen immer echte Menschen. Am Ende jeder Konferenz dar\u00fcber, was Antisemitismus ausmacht, steht ein potenzielles j\u00fcdisches Opfer. Angesichts einer Welle von Antisemitismus \u00fcber die Definition von Antisemitismus zu streiten ist, wie eine 10 Meter hohe Welle heranrollen zu sehen und dar\u00fcber zu streiten, was einen Tsunami ausmacht.<\/p>\n\n\n\n Felix Klein versteht, wie absurd es ist, zu sagen: Es sind nur die Rechten. Die Rechten sind Deutsche, so wie die Nazis Deutsche waren. Klein versteht, dass die Deutschen nicht aufgeh\u00f6rt haben, Juden zu ermorden, weil sie irgendeine Art von Erleuchtung hatten. Sondern schlicht, weil sie den Krieg verloren haben. Um den Antisemitismus zu bek\u00e4mpfen, bevor er die Gesellschaft frisst, in der er und wir leben, muss Deutschland seinen moralischen Kompass korrigieren.<\/p>\n\n\n\n Immerhin: Mehr und mehr Deutsche fahren nach Israel, sie wollen ein anderes Narrativ h\u00f6ren. Mehr und mehr Deutsche verstehen, dass Antisemitismus Schockwellen ausl\u00f6st, die die gesamte Gesellschaft betreffen. In einem normalen Universum w\u00fcrde Klein bef\u00f6rdert werden f\u00fcr seine Leistung. In einer verdrehten Gesellschaft fordern Menschen seine Entlassung. Um es mit Mbembe zu sagen: Das ist Nano-Nonsens.<\/p>\n\n\n\n \u00dcbersetzung: Ariane Lemme<\/a><\/em><\/p>\n","post_title":"Felix Klein hat verstanden","post_excerpt":"","post_status":"publish","comment_status":"closed","ping_status":"closed","post_password":"","post_name":"felix-klein-hat-verstanden","to_ping":"","pinged":"","post_modified":"2025-02-02 08:39:39","post_modified_gmt":"2025-02-02 08:39:39","post_content_filtered":"","post_parent":0,"guid":"https:\/\/dctransparency.com\/?p=3786","menu_order":0,"post_type":"post","post_mime_type":"","comment_count":"0","filter":"raw"}],"next":false,"prev":true,"total_page":47},"paged":1,"column_class":"jeg_col_2o3","class":"epic_block_3"};
\n Der Spiegel<\/em> hat \u2013 vielleicht in Anlehnung an seine Relotius-Standards, Israel erst k\u00fcrzlich eine Corona-Diktatur genannt. Fakten und Belege f\u00fcr diese Behauptung gab es nicht. Doch Millionen Deutsche haben es gelesen, und es wird nat\u00fcrlich haften bleiben. Faktenlage hin oder her. Der Spiegel<\/em> und andere Medien haben dieses Spiel perfektioniert: Titel so zu drehen, dass sie Israel indirekt anklagen, die Idee zu streuen, der Mossad kon\u00adtrol\u00adliere die deutsche Au\u00dfenpolitik im Nahen Osten, und so fort. Doch sie stehen allesamt sofort auf den Hinterbeinen, wenn jemand es wagt, das Spiel beim Namen zu nennen: moderner Antisemitismus.<\/p>\n\n\n\n Klein will dem entgegenwirken. Er versteht, dass antisemitische Attacken in Deutschland die Fr\u00fcchte solch falsch gezeichneter Bilder und eindimensionaler Narrative \u00fcber Israel sind. Wenn er und andere versuchen, ein anderes Narrativ aufzuzeigen, wirft man ihnen Zensur vor: Wie k\u00f6nnen sie es wagen, das Gesch\u00e4ft der Anti-Israel-Propaganda zu st\u00f6ren?<\/p>\n\n\n\n Liebe Deutsche, wenn ihr reden wollt, lasst uns gern reden: \u00fcber die Besetzung, \u00fcber Bibi und alles, was schiefl\u00e4uft. Aber dann lasst uns bitte auch dar\u00fcber reden, wie deutsche Steuergelder Terrortunnel finanzieren. Erst vergangene Woche r\u00e4umte die niederl\u00e4ndische Regierung ein, dass Gelder an eine Landwirtschaftsorganisation in Ramallah geflossen seien, die damit teilweise die Geh\u00e4lter zweier des Mordes an der 17-j\u00e4hrigen Israelin Rina Shnerb Verd\u00e4chtiger gezahlt haben. Auch die Bundesregierung unterst\u00fctzt diese Organisation, obwohl Kritiker schon lange vor Verbindungen zu Terroristen warnen.<\/p>\n\n\n\n Wir k\u00f6nnen uns also gerne unterhalten \u2013 aber im Dialog, nicht in Monologen. Denn Reden unter Menschen, die sich einig sind, ist nichts anderes als Impotenz.<\/p>\n\n\n\n Die Israelis, die die Petition unterzeichnet haben, haben \u00fcbrigens ebenfalls etwas verstanden. Seit Jahren wissen sie: Es ist ihre Eintrittskarte in die Mitte der deutschen (und europ\u00e4ischen) Gesellschaft. Man h\u00f6rt nicht oft von Akademikern mit proisraelischen Ansichten. Weder in den Philharmonie-Orchestern noch in der Kunstszene. Die Eintrittskarte daf\u00fcr ist ein antiisraelischer Standpunkt.<\/p>\n\n\n\n Der mutma\u00dfliche Grund, warum kaum Deutsche die Petition unterzeichnet haben: Sie mussten es nicht. Ihre Lieblingsjuden haben es f\u00fcr sie getan. Jetzt k\u00f6nnen sie sagen: \u201eSchau, ich bin das ja nicht, meine j\u00fcdischen Freunde sagen es.\u201c Ich selbst war einige Jahre lang mit einem Paar hier in Berlin befreundet, bis ich herausfand, dass ich ihr Lieblingsjude war. Ja, selbst das j\u00fcdische Museum wurde so genutzt.<\/p>\n\n\n\n Weil Attacken gegen Juden ein absolutes Tabu sind, wurden Umwege gefunden, um den Antisemitismus auf kleiner Flamme k\u00f6cheln zu lassen: die unfundierte, unbegr\u00fcndete Kritik an Israel.<\/p>\n\n\n\n Diese Art der Kritik ist gef\u00e4hrlich. Sie schw\u00e4cht jede begr\u00fcndete und notwendige Kritik am Verhalten Israels. Und das Interessante ist: Trotz all der heftigen, pauschalisierenden Anklagen, all der offenen Briefe driftet Israel politisch immer weiter nach rechts. Doch statt mal einen anderen Ansatz zu versuchen, werden die antiisraelischen Stimmen nur lauter. Dasselbe versuchen und andere Ergebnisse davon erwarten \u2013 das ist die Definition von Wahnsinn.<\/p>\n\n\n\n Kurz bevor der Prozess gegen den wegen des Attentats von Halle<\/a> Angeklagten begann \u2013 des seit Kriegsende schlimmsten Akts von Antisemitismus in Deutschland \u2013, lud eine Lokalzeitung den fr\u00fcheren Botschafter Shimon Stein und den Historiker Moshe Zimmermann ein, dar\u00fcber zu schreiben, was Antisemitismus ist. Nat\u00fcrlich wendeten auch sie sich gegen Felix Kleins Ansatz. Sie zitieren die Kontroverse um die Umbenennung der U-Bahn-Station Mohrenstra\u00dfe in Glinkastra\u00dfe, die sich darum drehte, dass der russische Komponist Michael Glinka Antisemit gewesen sein soll. Stein und Zimmermann halten die Debatte f\u00fcr \u00fcberzogen, Glinka sei nur ein Kind seiner Zeit gewesen. Folgt man ihrer Logik, k\u00f6nnen wir dann also in 20 oder 30 Jahren U-Bahn-Stationen nach den Kindern der 1930er Jahre benennen?<\/p>\n\n\n\n Ich w\u00fcnschte, die Sache h\u00e4tte mit dem Artikel, mit der Petition geendet. Doch dann erschien ein Artikel, der den Leser auf einen Waldspaziergang mit einem veganen Koch und Antisemiten mitnahm. Darin setzt der Tierfreund erst behutsam einen K\u00e4fer wieder auf seine Beinchen und erkl\u00e4rt dann, dass die Todesstrafe in Deutschland wieder eingef\u00fchrt werden solle, um einen gewissen Politiker (der zuf\u00e4llig pro Israel ist) an seinen Hoden aufh\u00e4ngen zu k\u00f6nnen. Dieser Koch hat Hunderttausende Follower, er sagt all solche Dinge am helllichten Tag in Berlin. Und in den Medien.<\/p>\n\n\n\n F\u00e4lle wie dieser handeln bereits von Gewalt \u2013 und sie enden nicht bei den Juden. Der Hass richtet sich gegen Frauen<\/a>, Muslime, Gefl\u00fcchtete, \u00adLBTQI. Am Ende aller theoretischen Debatten stehen immer echte Menschen. Am Ende jeder Konferenz dar\u00fcber, was Antisemitismus ausmacht, steht ein potenzielles j\u00fcdisches Opfer. Angesichts einer Welle von Antisemitismus \u00fcber die Definition von Antisemitismus zu streiten ist, wie eine 10 Meter hohe Welle heranrollen zu sehen und dar\u00fcber zu streiten, was einen Tsunami ausmacht.<\/p>\n\n\n\n Felix Klein versteht, wie absurd es ist, zu sagen: Es sind nur die Rechten. Die Rechten sind Deutsche, so wie die Nazis Deutsche waren. Klein versteht, dass die Deutschen nicht aufgeh\u00f6rt haben, Juden zu ermorden, weil sie irgendeine Art von Erleuchtung hatten. Sondern schlicht, weil sie den Krieg verloren haben. Um den Antisemitismus zu bek\u00e4mpfen, bevor er die Gesellschaft frisst, in der er und wir leben, muss Deutschland seinen moralischen Kompass korrigieren.<\/p>\n\n\n\n Immerhin: Mehr und mehr Deutsche fahren nach Israel, sie wollen ein anderes Narrativ h\u00f6ren. Mehr und mehr Deutsche verstehen, dass Antisemitismus Schockwellen ausl\u00f6st, die die gesamte Gesellschaft betreffen. In einem normalen Universum w\u00fcrde Klein bef\u00f6rdert werden f\u00fcr seine Leistung. In einer verdrehten Gesellschaft fordern Menschen seine Entlassung. Um es mit Mbembe zu sagen: Das ist Nano-Nonsens.<\/p>\n\n\n\n \u00dcbersetzung: Ariane Lemme<\/a><\/em><\/p>\n","post_title":"Felix Klein hat verstanden","post_excerpt":"","post_status":"publish","comment_status":"closed","ping_status":"closed","post_password":"","post_name":"felix-klein-hat-verstanden","to_ping":"","pinged":"","post_modified":"2025-02-02 08:39:39","post_modified_gmt":"2025-02-02 08:39:39","post_content_filtered":"","post_parent":0,"guid":"https:\/\/dctransparency.com\/?p=3786","menu_order":0,"post_type":"post","post_mime_type":"","comment_count":"0","filter":"raw"}],"next":false,"prev":true,"total_page":47},"paged":1,"column_class":"jeg_col_2o3","class":"epic_block_3"};
\n Doch warum treibt die Debatte so viele Menschen um? Nun, zun\u00e4chst gibt niemand gern auf, was ihm oder ihr selbstverst\u00e4ndlich scheint. \u00dcber den gesamten politischen, sozialen, kulturellen, medialen und akademischen Sektor hinweg sind Menschen daran gew\u00f6hnt, so schlecht \u00fcber Israel sprechen zu k\u00f6nnen, wie auch immer sie wollen.<\/p>\n\n\n\n Der Spiegel<\/em> hat \u2013 vielleicht in Anlehnung an seine Relotius-Standards, Israel erst k\u00fcrzlich eine Corona-Diktatur genannt. Fakten und Belege f\u00fcr diese Behauptung gab es nicht. Doch Millionen Deutsche haben es gelesen, und es wird nat\u00fcrlich haften bleiben. Faktenlage hin oder her. Der Spiegel<\/em> und andere Medien haben dieses Spiel perfektioniert: Titel so zu drehen, dass sie Israel indirekt anklagen, die Idee zu streuen, der Mossad kon\u00adtrol\u00adliere die deutsche Au\u00dfenpolitik im Nahen Osten, und so fort. Doch sie stehen allesamt sofort auf den Hinterbeinen, wenn jemand es wagt, das Spiel beim Namen zu nennen: moderner Antisemitismus.<\/p>\n\n\n\n Klein will dem entgegenwirken. Er versteht, dass antisemitische Attacken in Deutschland die Fr\u00fcchte solch falsch gezeichneter Bilder und eindimensionaler Narrative \u00fcber Israel sind. Wenn er und andere versuchen, ein anderes Narrativ aufzuzeigen, wirft man ihnen Zensur vor: Wie k\u00f6nnen sie es wagen, das Gesch\u00e4ft der Anti-Israel-Propaganda zu st\u00f6ren?<\/p>\n\n\n\n Liebe Deutsche, wenn ihr reden wollt, lasst uns gern reden: \u00fcber die Besetzung, \u00fcber Bibi und alles, was schiefl\u00e4uft. Aber dann lasst uns bitte auch dar\u00fcber reden, wie deutsche Steuergelder Terrortunnel finanzieren. Erst vergangene Woche r\u00e4umte die niederl\u00e4ndische Regierung ein, dass Gelder an eine Landwirtschaftsorganisation in Ramallah geflossen seien, die damit teilweise die Geh\u00e4lter zweier des Mordes an der 17-j\u00e4hrigen Israelin Rina Shnerb Verd\u00e4chtiger gezahlt haben. Auch die Bundesregierung unterst\u00fctzt diese Organisation, obwohl Kritiker schon lange vor Verbindungen zu Terroristen warnen.<\/p>\n\n\n\n Wir k\u00f6nnen uns also gerne unterhalten \u2013 aber im Dialog, nicht in Monologen. Denn Reden unter Menschen, die sich einig sind, ist nichts anderes als Impotenz.<\/p>\n\n\n\n Die Israelis, die die Petition unterzeichnet haben, haben \u00fcbrigens ebenfalls etwas verstanden. Seit Jahren wissen sie: Es ist ihre Eintrittskarte in die Mitte der deutschen (und europ\u00e4ischen) Gesellschaft. Man h\u00f6rt nicht oft von Akademikern mit proisraelischen Ansichten. Weder in den Philharmonie-Orchestern noch in der Kunstszene. Die Eintrittskarte daf\u00fcr ist ein antiisraelischer Standpunkt.<\/p>\n\n\n\n Der mutma\u00dfliche Grund, warum kaum Deutsche die Petition unterzeichnet haben: Sie mussten es nicht. Ihre Lieblingsjuden haben es f\u00fcr sie getan. Jetzt k\u00f6nnen sie sagen: \u201eSchau, ich bin das ja nicht, meine j\u00fcdischen Freunde sagen es.\u201c Ich selbst war einige Jahre lang mit einem Paar hier in Berlin befreundet, bis ich herausfand, dass ich ihr Lieblingsjude war. Ja, selbst das j\u00fcdische Museum wurde so genutzt.<\/p>\n\n\n\n Weil Attacken gegen Juden ein absolutes Tabu sind, wurden Umwege gefunden, um den Antisemitismus auf kleiner Flamme k\u00f6cheln zu lassen: die unfundierte, unbegr\u00fcndete Kritik an Israel.<\/p>\n\n\n\n Diese Art der Kritik ist gef\u00e4hrlich. Sie schw\u00e4cht jede begr\u00fcndete und notwendige Kritik am Verhalten Israels. Und das Interessante ist: Trotz all der heftigen, pauschalisierenden Anklagen, all der offenen Briefe driftet Israel politisch immer weiter nach rechts. Doch statt mal einen anderen Ansatz zu versuchen, werden die antiisraelischen Stimmen nur lauter. Dasselbe versuchen und andere Ergebnisse davon erwarten \u2013 das ist die Definition von Wahnsinn.<\/p>\n\n\n\n Kurz bevor der Prozess gegen den wegen des Attentats von Halle<\/a> Angeklagten begann \u2013 des seit Kriegsende schlimmsten Akts von Antisemitismus in Deutschland \u2013, lud eine Lokalzeitung den fr\u00fcheren Botschafter Shimon Stein und den Historiker Moshe Zimmermann ein, dar\u00fcber zu schreiben, was Antisemitismus ist. Nat\u00fcrlich wendeten auch sie sich gegen Felix Kleins Ansatz. Sie zitieren die Kontroverse um die Umbenennung der U-Bahn-Station Mohrenstra\u00dfe in Glinkastra\u00dfe, die sich darum drehte, dass der russische Komponist Michael Glinka Antisemit gewesen sein soll. Stein und Zimmermann halten die Debatte f\u00fcr \u00fcberzogen, Glinka sei nur ein Kind seiner Zeit gewesen. Folgt man ihrer Logik, k\u00f6nnen wir dann also in 20 oder 30 Jahren U-Bahn-Stationen nach den Kindern der 1930er Jahre benennen?<\/p>\n\n\n\n Ich w\u00fcnschte, die Sache h\u00e4tte mit dem Artikel, mit der Petition geendet. Doch dann erschien ein Artikel, der den Leser auf einen Waldspaziergang mit einem veganen Koch und Antisemiten mitnahm. Darin setzt der Tierfreund erst behutsam einen K\u00e4fer wieder auf seine Beinchen und erkl\u00e4rt dann, dass die Todesstrafe in Deutschland wieder eingef\u00fchrt werden solle, um einen gewissen Politiker (der zuf\u00e4llig pro Israel ist) an seinen Hoden aufh\u00e4ngen zu k\u00f6nnen. Dieser Koch hat Hunderttausende Follower, er sagt all solche Dinge am helllichten Tag in Berlin. Und in den Medien.<\/p>\n\n\n\n F\u00e4lle wie dieser handeln bereits von Gewalt \u2013 und sie enden nicht bei den Juden. Der Hass richtet sich gegen Frauen<\/a>, Muslime, Gefl\u00fcchtete, \u00adLBTQI. Am Ende aller theoretischen Debatten stehen immer echte Menschen. Am Ende jeder Konferenz dar\u00fcber, was Antisemitismus ausmacht, steht ein potenzielles j\u00fcdisches Opfer. Angesichts einer Welle von Antisemitismus \u00fcber die Definition von Antisemitismus zu streiten ist, wie eine 10 Meter hohe Welle heranrollen zu sehen und dar\u00fcber zu streiten, was einen Tsunami ausmacht.<\/p>\n\n\n\n Felix Klein versteht, wie absurd es ist, zu sagen: Es sind nur die Rechten. Die Rechten sind Deutsche, so wie die Nazis Deutsche waren. Klein versteht, dass die Deutschen nicht aufgeh\u00f6rt haben, Juden zu ermorden, weil sie irgendeine Art von Erleuchtung hatten. Sondern schlicht, weil sie den Krieg verloren haben. Um den Antisemitismus zu bek\u00e4mpfen, bevor er die Gesellschaft frisst, in der er und wir leben, muss Deutschland seinen moralischen Kompass korrigieren.<\/p>\n\n\n\n Immerhin: Mehr und mehr Deutsche fahren nach Israel, sie wollen ein anderes Narrativ h\u00f6ren. Mehr und mehr Deutsche verstehen, dass Antisemitismus Schockwellen ausl\u00f6st, die die gesamte Gesellschaft betreffen. In einem normalen Universum w\u00fcrde Klein bef\u00f6rdert werden f\u00fcr seine Leistung. In einer verdrehten Gesellschaft fordern Menschen seine Entlassung. Um es mit Mbembe zu sagen: Das ist Nano-Nonsens.<\/p>\n\n\n\n \u00dcbersetzung: Ariane Lemme<\/a><\/em><\/p>\n","post_title":"Felix Klein hat verstanden","post_excerpt":"","post_status":"publish","comment_status":"closed","ping_status":"closed","post_password":"","post_name":"felix-klein-hat-verstanden","to_ping":"","pinged":"","post_modified":"2025-02-02 08:39:39","post_modified_gmt":"2025-02-02 08:39:39","post_content_filtered":"","post_parent":0,"guid":"https:\/\/dctransparency.com\/?p=3786","menu_order":0,"post_type":"post","post_mime_type":"","comment_count":"0","filter":"raw"}],"next":false,"prev":true,"total_page":47},"paged":1,"column_class":"jeg_col_2o3","class":"epic_block_3"};
\n Mbembes Unterst\u00fctzer sagen, keine dieser Anschuldigungen sei wahr. F\u00fcrs Protokoll: In meinen Augen unterst\u00fctzt Mbembe sehr wohl BDS<\/a>, er schrieb unter anderem das Vorwort zu \u201eApartheid Israel\u201c und fordert die komplette Isolation Israels. Ich glaube auch, wenn Mbembe schreibt, die israelische Besetzung sei der \u201egr\u00f6\u00dfte moralische Skandal unserer Zeit\u201c, zeigt das, dass sein moralischer und geografischer Kompass etwas schief ist.<\/p>\n\n\n\n Doch warum treibt die Debatte so viele Menschen um? Nun, zun\u00e4chst gibt niemand gern auf, was ihm oder ihr selbstverst\u00e4ndlich scheint. \u00dcber den gesamten politischen, sozialen, kulturellen, medialen und akademischen Sektor hinweg sind Menschen daran gew\u00f6hnt, so schlecht \u00fcber Israel sprechen zu k\u00f6nnen, wie auch immer sie wollen.<\/p>\n\n\n\n Der Spiegel<\/em> hat \u2013 vielleicht in Anlehnung an seine Relotius-Standards, Israel erst k\u00fcrzlich eine Corona-Diktatur genannt. Fakten und Belege f\u00fcr diese Behauptung gab es nicht. Doch Millionen Deutsche haben es gelesen, und es wird nat\u00fcrlich haften bleiben. Faktenlage hin oder her. Der Spiegel<\/em> und andere Medien haben dieses Spiel perfektioniert: Titel so zu drehen, dass sie Israel indirekt anklagen, die Idee zu streuen, der Mossad kon\u00adtrol\u00adliere die deutsche Au\u00dfenpolitik im Nahen Osten, und so fort. Doch sie stehen allesamt sofort auf den Hinterbeinen, wenn jemand es wagt, das Spiel beim Namen zu nennen: moderner Antisemitismus.<\/p>\n\n\n\n Klein will dem entgegenwirken. Er versteht, dass antisemitische Attacken in Deutschland die Fr\u00fcchte solch falsch gezeichneter Bilder und eindimensionaler Narrative \u00fcber Israel sind. Wenn er und andere versuchen, ein anderes Narrativ aufzuzeigen, wirft man ihnen Zensur vor: Wie k\u00f6nnen sie es wagen, das Gesch\u00e4ft der Anti-Israel-Propaganda zu st\u00f6ren?<\/p>\n\n\n\n Liebe Deutsche, wenn ihr reden wollt, lasst uns gern reden: \u00fcber die Besetzung, \u00fcber Bibi und alles, was schiefl\u00e4uft. Aber dann lasst uns bitte auch dar\u00fcber reden, wie deutsche Steuergelder Terrortunnel finanzieren. Erst vergangene Woche r\u00e4umte die niederl\u00e4ndische Regierung ein, dass Gelder an eine Landwirtschaftsorganisation in Ramallah geflossen seien, die damit teilweise die Geh\u00e4lter zweier des Mordes an der 17-j\u00e4hrigen Israelin Rina Shnerb Verd\u00e4chtiger gezahlt haben. Auch die Bundesregierung unterst\u00fctzt diese Organisation, obwohl Kritiker schon lange vor Verbindungen zu Terroristen warnen.<\/p>\n\n\n\n Wir k\u00f6nnen uns also gerne unterhalten \u2013 aber im Dialog, nicht in Monologen. Denn Reden unter Menschen, die sich einig sind, ist nichts anderes als Impotenz.<\/p>\n\n\n\n Die Israelis, die die Petition unterzeichnet haben, haben \u00fcbrigens ebenfalls etwas verstanden. Seit Jahren wissen sie: Es ist ihre Eintrittskarte in die Mitte der deutschen (und europ\u00e4ischen) Gesellschaft. Man h\u00f6rt nicht oft von Akademikern mit proisraelischen Ansichten. Weder in den Philharmonie-Orchestern noch in der Kunstszene. Die Eintrittskarte daf\u00fcr ist ein antiisraelischer Standpunkt.<\/p>\n\n\n\n Der mutma\u00dfliche Grund, warum kaum Deutsche die Petition unterzeichnet haben: Sie mussten es nicht. Ihre Lieblingsjuden haben es f\u00fcr sie getan. Jetzt k\u00f6nnen sie sagen: \u201eSchau, ich bin das ja nicht, meine j\u00fcdischen Freunde sagen es.\u201c Ich selbst war einige Jahre lang mit einem Paar hier in Berlin befreundet, bis ich herausfand, dass ich ihr Lieblingsjude war. Ja, selbst das j\u00fcdische Museum wurde so genutzt.<\/p>\n\n\n\n Weil Attacken gegen Juden ein absolutes Tabu sind, wurden Umwege gefunden, um den Antisemitismus auf kleiner Flamme k\u00f6cheln zu lassen: die unfundierte, unbegr\u00fcndete Kritik an Israel.<\/p>\n\n\n\n Diese Art der Kritik ist gef\u00e4hrlich. Sie schw\u00e4cht jede begr\u00fcndete und notwendige Kritik am Verhalten Israels. Und das Interessante ist: Trotz all der heftigen, pauschalisierenden Anklagen, all der offenen Briefe driftet Israel politisch immer weiter nach rechts. Doch statt mal einen anderen Ansatz zu versuchen, werden die antiisraelischen Stimmen nur lauter. Dasselbe versuchen und andere Ergebnisse davon erwarten \u2013 das ist die Definition von Wahnsinn.<\/p>\n\n\n\n Kurz bevor der Prozess gegen den wegen des Attentats von Halle<\/a> Angeklagten begann \u2013 des seit Kriegsende schlimmsten Akts von Antisemitismus in Deutschland \u2013, lud eine Lokalzeitung den fr\u00fcheren Botschafter Shimon Stein und den Historiker Moshe Zimmermann ein, dar\u00fcber zu schreiben, was Antisemitismus ist. Nat\u00fcrlich wendeten auch sie sich gegen Felix Kleins Ansatz. Sie zitieren die Kontroverse um die Umbenennung der U-Bahn-Station Mohrenstra\u00dfe in Glinkastra\u00dfe, die sich darum drehte, dass der russische Komponist Michael Glinka Antisemit gewesen sein soll. Stein und Zimmermann halten die Debatte f\u00fcr \u00fcberzogen, Glinka sei nur ein Kind seiner Zeit gewesen. Folgt man ihrer Logik, k\u00f6nnen wir dann also in 20 oder 30 Jahren U-Bahn-Stationen nach den Kindern der 1930er Jahre benennen?<\/p>\n\n\n\n Ich w\u00fcnschte, die Sache h\u00e4tte mit dem Artikel, mit der Petition geendet. Doch dann erschien ein Artikel, der den Leser auf einen Waldspaziergang mit einem veganen Koch und Antisemiten mitnahm. Darin setzt der Tierfreund erst behutsam einen K\u00e4fer wieder auf seine Beinchen und erkl\u00e4rt dann, dass die Todesstrafe in Deutschland wieder eingef\u00fchrt werden solle, um einen gewissen Politiker (der zuf\u00e4llig pro Israel ist) an seinen Hoden aufh\u00e4ngen zu k\u00f6nnen. Dieser Koch hat Hunderttausende Follower, er sagt all solche Dinge am helllichten Tag in Berlin. Und in den Medien.<\/p>\n\n\n\n F\u00e4lle wie dieser handeln bereits von Gewalt \u2013 und sie enden nicht bei den Juden. Der Hass richtet sich gegen Frauen<\/a>, Muslime, Gefl\u00fcchtete, \u00adLBTQI. Am Ende aller theoretischen Debatten stehen immer echte Menschen. Am Ende jeder Konferenz dar\u00fcber, was Antisemitismus ausmacht, steht ein potenzielles j\u00fcdisches Opfer. Angesichts einer Welle von Antisemitismus \u00fcber die Definition von Antisemitismus zu streiten ist, wie eine 10 Meter hohe Welle heranrollen zu sehen und dar\u00fcber zu streiten, was einen Tsunami ausmacht.<\/p>\n\n\n\n Felix Klein versteht, wie absurd es ist, zu sagen: Es sind nur die Rechten. Die Rechten sind Deutsche, so wie die Nazis Deutsche waren. Klein versteht, dass die Deutschen nicht aufgeh\u00f6rt haben, Juden zu ermorden, weil sie irgendeine Art von Erleuchtung hatten. Sondern schlicht, weil sie den Krieg verloren haben. Um den Antisemitismus zu bek\u00e4mpfen, bevor er die Gesellschaft frisst, in der er und wir leben, muss Deutschland seinen moralischen Kompass korrigieren.<\/p>\n\n\n\n Immerhin: Mehr und mehr Deutsche fahren nach Israel, sie wollen ein anderes Narrativ h\u00f6ren. Mehr und mehr Deutsche verstehen, dass Antisemitismus Schockwellen ausl\u00f6st, die die gesamte Gesellschaft betreffen. In einem normalen Universum w\u00fcrde Klein bef\u00f6rdert werden f\u00fcr seine Leistung. In einer verdrehten Gesellschaft fordern Menschen seine Entlassung. 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\n Hintergrund des Briefs war, dass Felix Klein gefordert hatte, den Philosophen Achille Mbembe<\/a> nicht die Er\u00f6ffnungsrede der Ruhrtriennale halten zu lassen. Als mit \u00f6ffentlichen Mitteln gef\u00f6rdertes Event solle die Ruhrtriennale Mbembe wegen seiner Haltung zu Israels Existenzrecht, seiner Haltung zu BDS und der Art, wie er in einem seiner Werke den Holocaust relativiert, nicht einladen.<\/p>\n\n\n\n Mbembes Unterst\u00fctzer sagen, keine dieser Anschuldigungen sei wahr. F\u00fcrs Protokoll: In meinen Augen unterst\u00fctzt Mbembe sehr wohl BDS<\/a>, er schrieb unter anderem das Vorwort zu \u201eApartheid Israel\u201c und fordert die komplette Isolation Israels. Ich glaube auch, wenn Mbembe schreibt, die israelische Besetzung sei der \u201egr\u00f6\u00dfte moralische Skandal unserer Zeit\u201c, zeigt das, dass sein moralischer und geografischer Kompass etwas schief ist.<\/p>\n\n\n\n Doch warum treibt die Debatte so viele Menschen um? Nun, zun\u00e4chst gibt niemand gern auf, was ihm oder ihr selbstverst\u00e4ndlich scheint. \u00dcber den gesamten politischen, sozialen, kulturellen, medialen und akademischen Sektor hinweg sind Menschen daran gew\u00f6hnt, so schlecht \u00fcber Israel sprechen zu k\u00f6nnen, wie auch immer sie wollen.<\/p>\n\n\n\n Der Spiegel<\/em> hat \u2013 vielleicht in Anlehnung an seine Relotius-Standards, Israel erst k\u00fcrzlich eine Corona-Diktatur genannt. Fakten und Belege f\u00fcr diese Behauptung gab es nicht. Doch Millionen Deutsche haben es gelesen, und es wird nat\u00fcrlich haften bleiben. Faktenlage hin oder her. Der Spiegel<\/em> und andere Medien haben dieses Spiel perfektioniert: Titel so zu drehen, dass sie Israel indirekt anklagen, die Idee zu streuen, der Mossad kon\u00adtrol\u00adliere die deutsche Au\u00dfenpolitik im Nahen Osten, und so fort. Doch sie stehen allesamt sofort auf den Hinterbeinen, wenn jemand es wagt, das Spiel beim Namen zu nennen: moderner Antisemitismus.<\/p>\n\n\n\n Klein will dem entgegenwirken. Er versteht, dass antisemitische Attacken in Deutschland die Fr\u00fcchte solch falsch gezeichneter Bilder und eindimensionaler Narrative \u00fcber Israel sind. Wenn er und andere versuchen, ein anderes Narrativ aufzuzeigen, wirft man ihnen Zensur vor: Wie k\u00f6nnen sie es wagen, das Gesch\u00e4ft der Anti-Israel-Propaganda zu st\u00f6ren?<\/p>\n\n\n\n Liebe Deutsche, wenn ihr reden wollt, lasst uns gern reden: \u00fcber die Besetzung, \u00fcber Bibi und alles, was schiefl\u00e4uft. Aber dann lasst uns bitte auch dar\u00fcber reden, wie deutsche Steuergelder Terrortunnel finanzieren. Erst vergangene Woche r\u00e4umte die niederl\u00e4ndische Regierung ein, dass Gelder an eine Landwirtschaftsorganisation in Ramallah geflossen seien, die damit teilweise die Geh\u00e4lter zweier des Mordes an der 17-j\u00e4hrigen Israelin Rina Shnerb Verd\u00e4chtiger gezahlt haben. Auch die Bundesregierung unterst\u00fctzt diese Organisation, obwohl Kritiker schon lange vor Verbindungen zu Terroristen warnen.<\/p>\n\n\n\n Wir k\u00f6nnen uns also gerne unterhalten \u2013 aber im Dialog, nicht in Monologen. Denn Reden unter Menschen, die sich einig sind, ist nichts anderes als Impotenz.<\/p>\n\n\n\n Die Israelis, die die Petition unterzeichnet haben, haben \u00fcbrigens ebenfalls etwas verstanden. Seit Jahren wissen sie: Es ist ihre Eintrittskarte in die Mitte der deutschen (und europ\u00e4ischen) Gesellschaft. Man h\u00f6rt nicht oft von Akademikern mit proisraelischen Ansichten. Weder in den Philharmonie-Orchestern noch in der Kunstszene. Die Eintrittskarte daf\u00fcr ist ein antiisraelischer Standpunkt.<\/p>\n\n\n\n Der mutma\u00dfliche Grund, warum kaum Deutsche die Petition unterzeichnet haben: Sie mussten es nicht. Ihre Lieblingsjuden haben es f\u00fcr sie getan. Jetzt k\u00f6nnen sie sagen: \u201eSchau, ich bin das ja nicht, meine j\u00fcdischen Freunde sagen es.\u201c Ich selbst war einige Jahre lang mit einem Paar hier in Berlin befreundet, bis ich herausfand, dass ich ihr Lieblingsjude war. Ja, selbst das j\u00fcdische Museum wurde so genutzt.<\/p>\n\n\n\n Weil Attacken gegen Juden ein absolutes Tabu sind, wurden Umwege gefunden, um den Antisemitismus auf kleiner Flamme k\u00f6cheln zu lassen: die unfundierte, unbegr\u00fcndete Kritik an Israel.<\/p>\n\n\n\n Diese Art der Kritik ist gef\u00e4hrlich. Sie schw\u00e4cht jede begr\u00fcndete und notwendige Kritik am Verhalten Israels. Und das Interessante ist: Trotz all der heftigen, pauschalisierenden Anklagen, all der offenen Briefe driftet Israel politisch immer weiter nach rechts. Doch statt mal einen anderen Ansatz zu versuchen, werden die antiisraelischen Stimmen nur lauter. Dasselbe versuchen und andere Ergebnisse davon erwarten \u2013 das ist die Definition von Wahnsinn.<\/p>\n\n\n\n Kurz bevor der Prozess gegen den wegen des Attentats von Halle<\/a> Angeklagten begann \u2013 des seit Kriegsende schlimmsten Akts von Antisemitismus in Deutschland \u2013, lud eine Lokalzeitung den fr\u00fcheren Botschafter Shimon Stein und den Historiker Moshe Zimmermann ein, dar\u00fcber zu schreiben, was Antisemitismus ist. Nat\u00fcrlich wendeten auch sie sich gegen Felix Kleins Ansatz. Sie zitieren die Kontroverse um die Umbenennung der U-Bahn-Station Mohrenstra\u00dfe in Glinkastra\u00dfe, die sich darum drehte, dass der russische Komponist Michael Glinka Antisemit gewesen sein soll. Stein und Zimmermann halten die Debatte f\u00fcr \u00fcberzogen, Glinka sei nur ein Kind seiner Zeit gewesen. Folgt man ihrer Logik, k\u00f6nnen wir dann also in 20 oder 30 Jahren U-Bahn-Stationen nach den Kindern der 1930er Jahre benennen?<\/p>\n\n\n\n Ich w\u00fcnschte, die Sache h\u00e4tte mit dem Artikel, mit der Petition geendet. Doch dann erschien ein Artikel, der den Leser auf einen Waldspaziergang mit einem veganen Koch und Antisemiten mitnahm. Darin setzt der Tierfreund erst behutsam einen K\u00e4fer wieder auf seine Beinchen und erkl\u00e4rt dann, dass die Todesstrafe in Deutschland wieder eingef\u00fchrt werden solle, um einen gewissen Politiker (der zuf\u00e4llig pro Israel ist) an seinen Hoden aufh\u00e4ngen zu k\u00f6nnen. Dieser Koch hat Hunderttausende Follower, er sagt all solche Dinge am helllichten Tag in Berlin. Und in den Medien.<\/p>\n\n\n\n F\u00e4lle wie dieser handeln bereits von Gewalt \u2013 und sie enden nicht bei den Juden. Der Hass richtet sich gegen Frauen<\/a>, Muslime, Gefl\u00fcchtete, \u00adLBTQI. Am Ende aller theoretischen Debatten stehen immer echte Menschen. Am Ende jeder Konferenz dar\u00fcber, was Antisemitismus ausmacht, steht ein potenzielles j\u00fcdisches Opfer. Angesichts einer Welle von Antisemitismus \u00fcber die Definition von Antisemitismus zu streiten ist, wie eine 10 Meter hohe Welle heranrollen zu sehen und dar\u00fcber zu streiten, was einen Tsunami ausmacht.<\/p>\n\n\n\n Felix Klein versteht, wie absurd es ist, zu sagen: Es sind nur die Rechten. Die Rechten sind Deutsche, so wie die Nazis Deutsche waren. Klein versteht, dass die Deutschen nicht aufgeh\u00f6rt haben, Juden zu ermorden, weil sie irgendeine Art von Erleuchtung hatten. Sondern schlicht, weil sie den Krieg verloren haben. Um den Antisemitismus zu bek\u00e4mpfen, bevor er die Gesellschaft frisst, in der er und wir leben, muss Deutschland seinen moralischen Kompass korrigieren.<\/p>\n\n\n\n Immerhin: Mehr und mehr Deutsche fahren nach Israel, sie wollen ein anderes Narrativ h\u00f6ren. Mehr und mehr Deutsche verstehen, dass Antisemitismus Schockwellen ausl\u00f6st, die die gesamte Gesellschaft betreffen. In einem normalen Universum w\u00fcrde Klein bef\u00f6rdert werden f\u00fcr seine Leistung. In einer verdrehten Gesellschaft fordern Menschen seine Entlassung. 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Nun, zun\u00e4chst gibt niemand gern auf, was ihm oder ihr selbstverst\u00e4ndlich scheint. \u00dcber den gesamten politischen, sozialen, kulturellen, medialen und akademischen Sektor hinweg sind Menschen daran gew\u00f6hnt, so schlecht \u00fcber Israel sprechen zu k\u00f6nnen, wie auch immer sie wollen.<\/p>\n\n\n\n Der Spiegel<\/em> hat \u2013 vielleicht in Anlehnung an seine Relotius-Standards, Israel erst k\u00fcrzlich eine Corona-Diktatur genannt. Fakten und Belege f\u00fcr diese Behauptung gab es nicht. Doch Millionen Deutsche haben es gelesen, und es wird nat\u00fcrlich haften bleiben. Faktenlage hin oder her. Der Spiegel<\/em> und andere Medien haben dieses Spiel perfektioniert: Titel so zu drehen, dass sie Israel indirekt anklagen, die Idee zu streuen, der Mossad kon\u00adtrol\u00adliere die deutsche Au\u00dfenpolitik im Nahen Osten, und so fort. Doch sie stehen allesamt sofort auf den Hinterbeinen, wenn jemand es wagt, das Spiel beim Namen zu nennen: moderner Antisemitismus.<\/p>\n\n\n\n Klein will dem entgegenwirken. Er versteht, dass antisemitische Attacken in Deutschland die Fr\u00fcchte solch falsch gezeichneter Bilder und eindimensionaler Narrative \u00fcber Israel sind. Wenn er und andere versuchen, ein anderes Narrativ aufzuzeigen, wirft man ihnen Zensur vor: Wie k\u00f6nnen sie es wagen, das Gesch\u00e4ft der Anti-Israel-Propaganda zu st\u00f6ren?<\/p>\n\n\n\n Liebe Deutsche, wenn ihr reden wollt, lasst uns gern reden: \u00fcber die Besetzung, \u00fcber Bibi und alles, was schiefl\u00e4uft. Aber dann lasst uns bitte auch dar\u00fcber reden, wie deutsche Steuergelder Terrortunnel finanzieren. Erst vergangene Woche r\u00e4umte die niederl\u00e4ndische Regierung ein, dass Gelder an eine Landwirtschaftsorganisation in Ramallah geflossen seien, die damit teilweise die Geh\u00e4lter zweier des Mordes an der 17-j\u00e4hrigen Israelin Rina Shnerb Verd\u00e4chtiger gezahlt haben. Auch die Bundesregierung unterst\u00fctzt diese Organisation, obwohl Kritiker schon lange vor Verbindungen zu Terroristen warnen.<\/p>\n\n\n\n Wir k\u00f6nnen uns also gerne unterhalten \u2013 aber im Dialog, nicht in Monologen. Denn Reden unter Menschen, die sich einig sind, ist nichts anderes als Impotenz.<\/p>\n\n\n\n Die Israelis, die die Petition unterzeichnet haben, haben \u00fcbrigens ebenfalls etwas verstanden. Seit Jahren wissen sie: Es ist ihre Eintrittskarte in die Mitte der deutschen (und europ\u00e4ischen) Gesellschaft. Man h\u00f6rt nicht oft von Akademikern mit proisraelischen Ansichten. Weder in den Philharmonie-Orchestern noch in der Kunstszene. Die Eintrittskarte daf\u00fcr ist ein antiisraelischer Standpunkt.<\/p>\n\n\n\n Der mutma\u00dfliche Grund, warum kaum Deutsche die Petition unterzeichnet haben: Sie mussten es nicht. Ihre Lieblingsjuden haben es f\u00fcr sie getan. Jetzt k\u00f6nnen sie sagen: \u201eSchau, ich bin das ja nicht, meine j\u00fcdischen Freunde sagen es.\u201c Ich selbst war einige Jahre lang mit einem Paar hier in Berlin befreundet, bis ich herausfand, dass ich ihr Lieblingsjude war. Ja, selbst das j\u00fcdische Museum wurde so genutzt.<\/p>\n\n\n\n Weil Attacken gegen Juden ein absolutes Tabu sind, wurden Umwege gefunden, um den Antisemitismus auf kleiner Flamme k\u00f6cheln zu lassen: die unfundierte, unbegr\u00fcndete Kritik an Israel.<\/p>\n\n\n\n Diese Art der Kritik ist gef\u00e4hrlich. Sie schw\u00e4cht jede begr\u00fcndete und notwendige Kritik am Verhalten Israels. Und das Interessante ist: Trotz all der heftigen, pauschalisierenden Anklagen, all der offenen Briefe driftet Israel politisch immer weiter nach rechts. Doch statt mal einen anderen Ansatz zu versuchen, werden die antiisraelischen Stimmen nur lauter. Dasselbe versuchen und andere Ergebnisse davon erwarten \u2013 das ist die Definition von Wahnsinn.<\/p>\n\n\n\n Kurz bevor der Prozess gegen den wegen des Attentats von Halle<\/a> Angeklagten begann \u2013 des seit Kriegsende schlimmsten Akts von Antisemitismus in Deutschland \u2013, lud eine Lokalzeitung den fr\u00fcheren Botschafter Shimon Stein und den Historiker Moshe Zimmermann ein, dar\u00fcber zu schreiben, was Antisemitismus ist. Nat\u00fcrlich wendeten auch sie sich gegen Felix Kleins Ansatz. Sie zitieren die Kontroverse um die Umbenennung der U-Bahn-Station Mohrenstra\u00dfe in Glinkastra\u00dfe, die sich darum drehte, dass der russische Komponist Michael Glinka Antisemit gewesen sein soll. Stein und Zimmermann halten die Debatte f\u00fcr \u00fcberzogen, Glinka sei nur ein Kind seiner Zeit gewesen. Folgt man ihrer Logik, k\u00f6nnen wir dann also in 20 oder 30 Jahren U-Bahn-Stationen nach den Kindern der 1930er Jahre benennen?<\/p>\n\n\n\n Ich w\u00fcnschte, die Sache h\u00e4tte mit dem Artikel, mit der Petition geendet. Doch dann erschien ein Artikel, der den Leser auf einen Waldspaziergang mit einem veganen Koch und Antisemiten mitnahm. Darin setzt der Tierfreund erst behutsam einen K\u00e4fer wieder auf seine Beinchen und erkl\u00e4rt dann, dass die Todesstrafe in Deutschland wieder eingef\u00fchrt werden solle, um einen gewissen Politiker (der zuf\u00e4llig pro Israel ist) an seinen Hoden aufh\u00e4ngen zu k\u00f6nnen. Dieser Koch hat Hunderttausende Follower, er sagt all solche Dinge am helllichten Tag in Berlin. Und in den Medien.<\/p>\n\n\n\n F\u00e4lle wie dieser handeln bereits von Gewalt \u2013 und sie enden nicht bei den Juden. Der Hass richtet sich gegen Frauen<\/a>, Muslime, Gefl\u00fcchtete, \u00adLBTQI. Am Ende aller theoretischen Debatten stehen immer echte Menschen. Am Ende jeder Konferenz dar\u00fcber, was Antisemitismus ausmacht, steht ein potenzielles j\u00fcdisches Opfer. Angesichts einer Welle von Antisemitismus \u00fcber die Definition von Antisemitismus zu streiten ist, wie eine 10 Meter hohe Welle heranrollen zu sehen und dar\u00fcber zu streiten, was einen Tsunami ausmacht.<\/p>\n\n\n\n Felix Klein versteht, wie absurd es ist, zu sagen: Es sind nur die Rechten. Die Rechten sind Deutsche, so wie die Nazis Deutsche waren. Klein versteht, dass die Deutschen nicht aufgeh\u00f6rt haben, Juden zu ermorden, weil sie irgendeine Art von Erleuchtung hatten. Sondern schlicht, weil sie den Krieg verloren haben. Um den Antisemitismus zu bek\u00e4mpfen, bevor er die Gesellschaft frisst, in der er und wir leben, muss Deutschland seinen moralischen Kompass korrigieren.<\/p>\n\n\n\n Immerhin: Mehr und mehr Deutsche fahren nach Israel, sie wollen ein anderes Narrativ h\u00f6ren. Mehr und mehr Deutsche verstehen, dass Antisemitismus Schockwellen ausl\u00f6st, die die gesamte Gesellschaft betreffen. In einem normalen Universum w\u00fcrde Klein bef\u00f6rdert werden f\u00fcr seine Leistung. In einer verdrehten Gesellschaft fordern Menschen seine Entlassung. Um es mit Mbembe zu sagen: Das ist Nano-Nonsens.<\/p>\n\n\n\n \u00dcbersetzung: Ariane Lemme<\/a><\/em><\/p>\n","post_title":"Felix Klein hat verstanden","post_excerpt":"","post_status":"publish","comment_status":"closed","ping_status":"closed","post_password":"","post_name":"felix-klein-hat-verstanden","to_ping":"","pinged":"","post_modified":"2025-02-02 08:39:39","post_modified_gmt":"2025-02-02 08:39:39","post_content_filtered":"","post_parent":0,"guid":"https:\/\/dctransparency.com\/?p=3786","menu_order":0,"post_type":"post","post_mime_type":"","comment_count":"0","filter":"raw"}],"next":false,"prev":true,"total_page":47},"paged":1,"column_class":"jeg_col_2o3","class":"epic_block_3"};
\n Faszinierend an diesem offenen Brief ist, dass viele der Unterzeichneten keine Deutschen sind und auch nicht in Deutschland leben. Ich wei\u00df nicht, woher sie \u2013 die meisten von ihnen sind Israelis \u2013 die Chuzpe haben, sich in eine innerdeutsche Angelegenheit einzumischen und zu fordern, eine Person zu entlassen, die von der Bundesregierung eingesetzt wurde. Die H\u00e4lfte der Unterzeichneten lebt nicht hier, von der anderen H\u00e4lfte sind viele keine Juden \u2013 somit sind die allermeisten von ihnen nicht direkt vom Antisemitismus in Deutschland betroffen. Wie also k\u00f6nnen sie diesen Brief unterschreiben? Und warum eigentlich haben so wenige Deutsche unterschrieben? Dazu komme ich gleich.<\/p>\n\n\n\n Hintergrund des Briefs war, dass Felix Klein gefordert hatte, den Philosophen Achille Mbembe<\/a> nicht die Er\u00f6ffnungsrede der Ruhrtriennale halten zu lassen. Als mit \u00f6ffentlichen Mitteln gef\u00f6rdertes Event solle die Ruhrtriennale Mbembe wegen seiner Haltung zu Israels Existenzrecht, seiner Haltung zu BDS und der Art, wie er in einem seiner Werke den Holocaust relativiert, nicht einladen.<\/p>\n\n\n\n Mbembes Unterst\u00fctzer sagen, keine dieser Anschuldigungen sei wahr. F\u00fcrs Protokoll: In meinen Augen unterst\u00fctzt Mbembe sehr wohl BDS<\/a>, er schrieb unter anderem das Vorwort zu \u201eApartheid Israel\u201c und fordert die komplette Isolation Israels. Ich glaube auch, wenn Mbembe schreibt, die israelische Besetzung sei der \u201egr\u00f6\u00dfte moralische Skandal unserer Zeit\u201c, zeigt das, dass sein moralischer und geografischer Kompass etwas schief ist.<\/p>\n\n\n\n Doch warum treibt die Debatte so viele Menschen um? Nun, zun\u00e4chst gibt niemand gern auf, was ihm oder ihr selbstverst\u00e4ndlich scheint. \u00dcber den gesamten politischen, sozialen, kulturellen, medialen und akademischen Sektor hinweg sind Menschen daran gew\u00f6hnt, so schlecht \u00fcber Israel sprechen zu k\u00f6nnen, wie auch immer sie wollen.<\/p>\n\n\n\n Der Spiegel<\/em> hat \u2013 vielleicht in Anlehnung an seine Relotius-Standards, Israel erst k\u00fcrzlich eine Corona-Diktatur genannt. Fakten und Belege f\u00fcr diese Behauptung gab es nicht. Doch Millionen Deutsche haben es gelesen, und es wird nat\u00fcrlich haften bleiben. Faktenlage hin oder her. Der Spiegel<\/em> und andere Medien haben dieses Spiel perfektioniert: Titel so zu drehen, dass sie Israel indirekt anklagen, die Idee zu streuen, der Mossad kon\u00adtrol\u00adliere die deutsche Au\u00dfenpolitik im Nahen Osten, und so fort. Doch sie stehen allesamt sofort auf den Hinterbeinen, wenn jemand es wagt, das Spiel beim Namen zu nennen: moderner Antisemitismus.<\/p>\n\n\n\n Klein will dem entgegenwirken. Er versteht, dass antisemitische Attacken in Deutschland die Fr\u00fcchte solch falsch gezeichneter Bilder und eindimensionaler Narrative \u00fcber Israel sind. Wenn er und andere versuchen, ein anderes Narrativ aufzuzeigen, wirft man ihnen Zensur vor: Wie k\u00f6nnen sie es wagen, das Gesch\u00e4ft der Anti-Israel-Propaganda zu st\u00f6ren?<\/p>\n\n\n\n Liebe Deutsche, wenn ihr reden wollt, lasst uns gern reden: \u00fcber die Besetzung, \u00fcber Bibi und alles, was schiefl\u00e4uft. Aber dann lasst uns bitte auch dar\u00fcber reden, wie deutsche Steuergelder Terrortunnel finanzieren. Erst vergangene Woche r\u00e4umte die niederl\u00e4ndische Regierung ein, dass Gelder an eine Landwirtschaftsorganisation in Ramallah geflossen seien, die damit teilweise die Geh\u00e4lter zweier des Mordes an der 17-j\u00e4hrigen Israelin Rina Shnerb Verd\u00e4chtiger gezahlt haben. Auch die Bundesregierung unterst\u00fctzt diese Organisation, obwohl Kritiker schon lange vor Verbindungen zu Terroristen warnen.<\/p>\n\n\n\n Wir k\u00f6nnen uns also gerne unterhalten \u2013 aber im Dialog, nicht in Monologen. Denn Reden unter Menschen, die sich einig sind, ist nichts anderes als Impotenz.<\/p>\n\n\n\n Die Israelis, die die Petition unterzeichnet haben, haben \u00fcbrigens ebenfalls etwas verstanden. Seit Jahren wissen sie: Es ist ihre Eintrittskarte in die Mitte der deutschen (und europ\u00e4ischen) Gesellschaft. Man h\u00f6rt nicht oft von Akademikern mit proisraelischen Ansichten. Weder in den Philharmonie-Orchestern noch in der Kunstszene. Die Eintrittskarte daf\u00fcr ist ein antiisraelischer Standpunkt.<\/p>\n\n\n\n Der mutma\u00dfliche Grund, warum kaum Deutsche die Petition unterzeichnet haben: Sie mussten es nicht. Ihre Lieblingsjuden haben es f\u00fcr sie getan. Jetzt k\u00f6nnen sie sagen: \u201eSchau, ich bin das ja nicht, meine j\u00fcdischen Freunde sagen es.\u201c Ich selbst war einige Jahre lang mit einem Paar hier in Berlin befreundet, bis ich herausfand, dass ich ihr Lieblingsjude war. Ja, selbst das j\u00fcdische Museum wurde so genutzt.<\/p>\n\n\n\n Weil Attacken gegen Juden ein absolutes Tabu sind, wurden Umwege gefunden, um den Antisemitismus auf kleiner Flamme k\u00f6cheln zu lassen: die unfundierte, unbegr\u00fcndete Kritik an Israel.<\/p>\n\n\n\n Diese Art der Kritik ist gef\u00e4hrlich. Sie schw\u00e4cht jede begr\u00fcndete und notwendige Kritik am Verhalten Israels. Und das Interessante ist: Trotz all der heftigen, pauschalisierenden Anklagen, all der offenen Briefe driftet Israel politisch immer weiter nach rechts. Doch statt mal einen anderen Ansatz zu versuchen, werden die antiisraelischen Stimmen nur lauter. Dasselbe versuchen und andere Ergebnisse davon erwarten \u2013 das ist die Definition von Wahnsinn.<\/p>\n\n\n\n Kurz bevor der Prozess gegen den wegen des Attentats von Halle<\/a> Angeklagten begann \u2013 des seit Kriegsende schlimmsten Akts von Antisemitismus in Deutschland \u2013, lud eine Lokalzeitung den fr\u00fcheren Botschafter Shimon Stein und den Historiker Moshe Zimmermann ein, dar\u00fcber zu schreiben, was Antisemitismus ist. Nat\u00fcrlich wendeten auch sie sich gegen Felix Kleins Ansatz. Sie zitieren die Kontroverse um die Umbenennung der U-Bahn-Station Mohrenstra\u00dfe in Glinkastra\u00dfe, die sich darum drehte, dass der russische Komponist Michael Glinka Antisemit gewesen sein soll. Stein und Zimmermann halten die Debatte f\u00fcr \u00fcberzogen, Glinka sei nur ein Kind seiner Zeit gewesen. Folgt man ihrer Logik, k\u00f6nnen wir dann also in 20 oder 30 Jahren U-Bahn-Stationen nach den Kindern der 1930er Jahre benennen?<\/p>\n\n\n\n Ich w\u00fcnschte, die Sache h\u00e4tte mit dem Artikel, mit der Petition geendet. Doch dann erschien ein Artikel, der den Leser auf einen Waldspaziergang mit einem veganen Koch und Antisemiten mitnahm. Darin setzt der Tierfreund erst behutsam einen K\u00e4fer wieder auf seine Beinchen und erkl\u00e4rt dann, dass die Todesstrafe in Deutschland wieder eingef\u00fchrt werden solle, um einen gewissen Politiker (der zuf\u00e4llig pro Israel ist) an seinen Hoden aufh\u00e4ngen zu k\u00f6nnen. Dieser Koch hat Hunderttausende Follower, er sagt all solche Dinge am helllichten Tag in Berlin. Und in den Medien.<\/p>\n\n\n\n F\u00e4lle wie dieser handeln bereits von Gewalt \u2013 und sie enden nicht bei den Juden. Der Hass richtet sich gegen Frauen<\/a>, Muslime, Gefl\u00fcchtete, \u00adLBTQI. Am Ende aller theoretischen Debatten stehen immer echte Menschen. Am Ende jeder Konferenz dar\u00fcber, was Antisemitismus ausmacht, steht ein potenzielles j\u00fcdisches Opfer. Angesichts einer Welle von Antisemitismus \u00fcber die Definition von Antisemitismus zu streiten ist, wie eine 10 Meter hohe Welle heranrollen zu sehen und dar\u00fcber zu streiten, was einen Tsunami ausmacht.<\/p>\n\n\n\n Felix Klein versteht, wie absurd es ist, zu sagen: Es sind nur die Rechten. Die Rechten sind Deutsche, so wie die Nazis Deutsche waren. Klein versteht, dass die Deutschen nicht aufgeh\u00f6rt haben, Juden zu ermorden, weil sie irgendeine Art von Erleuchtung hatten. Sondern schlicht, weil sie den Krieg verloren haben. Um den Antisemitismus zu bek\u00e4mpfen, bevor er die Gesellschaft frisst, in der er und wir leben, muss Deutschland seinen moralischen Kompass korrigieren.<\/p>\n\n\n\n Immerhin: Mehr und mehr Deutsche fahren nach Israel, sie wollen ein anderes Narrativ h\u00f6ren. Mehr und mehr Deutsche verstehen, dass Antisemitismus Schockwellen ausl\u00f6st, die die gesamte Gesellschaft betreffen. In einem normalen Universum w\u00fcrde Klein bef\u00f6rdert werden f\u00fcr seine Leistung. In einer verdrehten Gesellschaft fordern Menschen seine Entlassung. Um es mit Mbembe zu sagen: Das ist Nano-Nonsens.<\/p>\n\n\n\n \u00dcbersetzung: Ariane Lemme<\/a><\/em><\/p>\n","post_title":"Felix Klein hat verstanden","post_excerpt":"","post_status":"publish","comment_status":"closed","ping_status":"closed","post_password":"","post_name":"felix-klein-hat-verstanden","to_ping":"","pinged":"","post_modified":"2025-02-02 08:39:39","post_modified_gmt":"2025-02-02 08:39:39","post_content_filtered":"","post_parent":0,"guid":"https:\/\/dctransparency.com\/?p=3786","menu_order":0,"post_type":"post","post_mime_type":"","comment_count":"0","filter":"raw"}],"next":false,"prev":true,"total_page":47},"paged":1,"column_class":"jeg_col_2o3","class":"epic_block_3"};
\n Mehr als 60 deutsche und israelische Intellektuelle haben letzte Woche in einem Brief an Kanzlerin Merkel<\/a> dar\u00fcber geklagt, dass der aktuelle \u201eGebrauch des Antisemitismusbegriffs\u201c darauf abziele, \u201elegitime Kritik an der israelischen Regierungspolitik zu unterdr\u00fccken\u201c, und Klein vorgeworfen, rechtspopulistische israelische Stimmen zu f\u00f6rdern.<\/p>\n\n\n\n Faszinierend an diesem offenen Brief ist, dass viele der Unterzeichneten keine Deutschen sind und auch nicht in Deutschland leben. Ich wei\u00df nicht, woher sie \u2013 die meisten von ihnen sind Israelis \u2013 die Chuzpe haben, sich in eine innerdeutsche Angelegenheit einzumischen und zu fordern, eine Person zu entlassen, die von der Bundesregierung eingesetzt wurde. Die H\u00e4lfte der Unterzeichneten lebt nicht hier, von der anderen H\u00e4lfte sind viele keine Juden \u2013 somit sind die allermeisten von ihnen nicht direkt vom Antisemitismus in Deutschland betroffen. Wie also k\u00f6nnen sie diesen Brief unterschreiben? Und warum eigentlich haben so wenige Deutsche unterschrieben? Dazu komme ich gleich.<\/p>\n\n\n\n Hintergrund des Briefs war, dass Felix Klein gefordert hatte, den Philosophen Achille Mbembe<\/a> nicht die Er\u00f6ffnungsrede der Ruhrtriennale halten zu lassen. Als mit \u00f6ffentlichen Mitteln gef\u00f6rdertes Event solle die Ruhrtriennale Mbembe wegen seiner Haltung zu Israels Existenzrecht, seiner Haltung zu BDS und der Art, wie er in einem seiner Werke den Holocaust relativiert, nicht einladen.<\/p>\n\n\n\n Mbembes Unterst\u00fctzer sagen, keine dieser Anschuldigungen sei wahr. F\u00fcrs Protokoll: In meinen Augen unterst\u00fctzt Mbembe sehr wohl BDS<\/a>, er schrieb unter anderem das Vorwort zu \u201eApartheid Israel\u201c und fordert die komplette Isolation Israels. Ich glaube auch, wenn Mbembe schreibt, die israelische Besetzung sei der \u201egr\u00f6\u00dfte moralische Skandal unserer Zeit\u201c, zeigt das, dass sein moralischer und geografischer Kompass etwas schief ist.<\/p>\n\n\n\n Doch warum treibt die Debatte so viele Menschen um? Nun, zun\u00e4chst gibt niemand gern auf, was ihm oder ihr selbstverst\u00e4ndlich scheint. \u00dcber den gesamten politischen, sozialen, kulturellen, medialen und akademischen Sektor hinweg sind Menschen daran gew\u00f6hnt, so schlecht \u00fcber Israel sprechen zu k\u00f6nnen, wie auch immer sie wollen.<\/p>\n\n\n\n Der Spiegel<\/em> hat \u2013 vielleicht in Anlehnung an seine Relotius-Standards, Israel erst k\u00fcrzlich eine Corona-Diktatur genannt. Fakten und Belege f\u00fcr diese Behauptung gab es nicht. Doch Millionen Deutsche haben es gelesen, und es wird nat\u00fcrlich haften bleiben. Faktenlage hin oder her. Der Spiegel<\/em> und andere Medien haben dieses Spiel perfektioniert: Titel so zu drehen, dass sie Israel indirekt anklagen, die Idee zu streuen, der Mossad kon\u00adtrol\u00adliere die deutsche Au\u00dfenpolitik im Nahen Osten, und so fort. Doch sie stehen allesamt sofort auf den Hinterbeinen, wenn jemand es wagt, das Spiel beim Namen zu nennen: moderner Antisemitismus.<\/p>\n\n\n\n Klein will dem entgegenwirken. Er versteht, dass antisemitische Attacken in Deutschland die Fr\u00fcchte solch falsch gezeichneter Bilder und eindimensionaler Narrative \u00fcber Israel sind. Wenn er und andere versuchen, ein anderes Narrativ aufzuzeigen, wirft man ihnen Zensur vor: Wie k\u00f6nnen sie es wagen, das Gesch\u00e4ft der Anti-Israel-Propaganda zu st\u00f6ren?<\/p>\n\n\n\n Liebe Deutsche, wenn ihr reden wollt, lasst uns gern reden: \u00fcber die Besetzung, \u00fcber Bibi und alles, was schiefl\u00e4uft. Aber dann lasst uns bitte auch dar\u00fcber reden, wie deutsche Steuergelder Terrortunnel finanzieren. Erst vergangene Woche r\u00e4umte die niederl\u00e4ndische Regierung ein, dass Gelder an eine Landwirtschaftsorganisation in Ramallah geflossen seien, die damit teilweise die Geh\u00e4lter zweier des Mordes an der 17-j\u00e4hrigen Israelin Rina Shnerb Verd\u00e4chtiger gezahlt haben. Auch die Bundesregierung unterst\u00fctzt diese Organisation, obwohl Kritiker schon lange vor Verbindungen zu Terroristen warnen.<\/p>\n\n\n\n Wir k\u00f6nnen uns also gerne unterhalten \u2013 aber im Dialog, nicht in Monologen. Denn Reden unter Menschen, die sich einig sind, ist nichts anderes als Impotenz.<\/p>\n\n\n\n Die Israelis, die die Petition unterzeichnet haben, haben \u00fcbrigens ebenfalls etwas verstanden. Seit Jahren wissen sie: Es ist ihre Eintrittskarte in die Mitte der deutschen (und europ\u00e4ischen) Gesellschaft. Man h\u00f6rt nicht oft von Akademikern mit proisraelischen Ansichten. Weder in den Philharmonie-Orchestern noch in der Kunstszene. Die Eintrittskarte daf\u00fcr ist ein antiisraelischer Standpunkt.<\/p>\n\n\n\n Der mutma\u00dfliche Grund, warum kaum Deutsche die Petition unterzeichnet haben: Sie mussten es nicht. Ihre Lieblingsjuden haben es f\u00fcr sie getan. Jetzt k\u00f6nnen sie sagen: \u201eSchau, ich bin das ja nicht, meine j\u00fcdischen Freunde sagen es.\u201c Ich selbst war einige Jahre lang mit einem Paar hier in Berlin befreundet, bis ich herausfand, dass ich ihr Lieblingsjude war. Ja, selbst das j\u00fcdische Museum wurde so genutzt.<\/p>\n\n\n\n Weil Attacken gegen Juden ein absolutes Tabu sind, wurden Umwege gefunden, um den Antisemitismus auf kleiner Flamme k\u00f6cheln zu lassen: die unfundierte, unbegr\u00fcndete Kritik an Israel.<\/p>\n\n\n\n Diese Art der Kritik ist gef\u00e4hrlich. Sie schw\u00e4cht jede begr\u00fcndete und notwendige Kritik am Verhalten Israels. Und das Interessante ist: Trotz all der heftigen, pauschalisierenden Anklagen, all der offenen Briefe driftet Israel politisch immer weiter nach rechts. Doch statt mal einen anderen Ansatz zu versuchen, werden die antiisraelischen Stimmen nur lauter. Dasselbe versuchen und andere Ergebnisse davon erwarten \u2013 das ist die Definition von Wahnsinn.<\/p>\n\n\n\n Kurz bevor der Prozess gegen den wegen des Attentats von Halle<\/a> Angeklagten begann \u2013 des seit Kriegsende schlimmsten Akts von Antisemitismus in Deutschland \u2013, lud eine Lokalzeitung den fr\u00fcheren Botschafter Shimon Stein und den Historiker Moshe Zimmermann ein, dar\u00fcber zu schreiben, was Antisemitismus ist. Nat\u00fcrlich wendeten auch sie sich gegen Felix Kleins Ansatz. Sie zitieren die Kontroverse um die Umbenennung der U-Bahn-Station Mohrenstra\u00dfe in Glinkastra\u00dfe, die sich darum drehte, dass der russische Komponist Michael Glinka Antisemit gewesen sein soll. Stein und Zimmermann halten die Debatte f\u00fcr \u00fcberzogen, Glinka sei nur ein Kind seiner Zeit gewesen. Folgt man ihrer Logik, k\u00f6nnen wir dann also in 20 oder 30 Jahren U-Bahn-Stationen nach den Kindern der 1930er Jahre benennen?<\/p>\n\n\n\n Ich w\u00fcnschte, die Sache h\u00e4tte mit dem Artikel, mit der Petition geendet. Doch dann erschien ein Artikel, der den Leser auf einen Waldspaziergang mit einem veganen Koch und Antisemiten mitnahm. Darin setzt der Tierfreund erst behutsam einen K\u00e4fer wieder auf seine Beinchen und erkl\u00e4rt dann, dass die Todesstrafe in Deutschland wieder eingef\u00fchrt werden solle, um einen gewissen Politiker (der zuf\u00e4llig pro Israel ist) an seinen Hoden aufh\u00e4ngen zu k\u00f6nnen. Dieser Koch hat Hunderttausende Follower, er sagt all solche Dinge am helllichten Tag in Berlin. Und in den Medien.<\/p>\n\n\n\n F\u00e4lle wie dieser handeln bereits von Gewalt \u2013 und sie enden nicht bei den Juden. Der Hass richtet sich gegen Frauen<\/a>, Muslime, Gefl\u00fcchtete, \u00adLBTQI. Am Ende aller theoretischen Debatten stehen immer echte Menschen. Am Ende jeder Konferenz dar\u00fcber, was Antisemitismus ausmacht, steht ein potenzielles j\u00fcdisches Opfer. Angesichts einer Welle von Antisemitismus \u00fcber die Definition von Antisemitismus zu streiten ist, wie eine 10 Meter hohe Welle heranrollen zu sehen und dar\u00fcber zu streiten, was einen Tsunami ausmacht.<\/p>\n\n\n\n Felix Klein versteht, wie absurd es ist, zu sagen: Es sind nur die Rechten. Die Rechten sind Deutsche, so wie die Nazis Deutsche waren. Klein versteht, dass die Deutschen nicht aufgeh\u00f6rt haben, Juden zu ermorden, weil sie irgendeine Art von Erleuchtung hatten. Sondern schlicht, weil sie den Krieg verloren haben. Um den Antisemitismus zu bek\u00e4mpfen, bevor er die Gesellschaft frisst, in der er und wir leben, muss Deutschland seinen moralischen Kompass korrigieren.<\/p>\n\n\n\n Immerhin: Mehr und mehr Deutsche fahren nach Israel, sie wollen ein anderes Narrativ h\u00f6ren. Mehr und mehr Deutsche verstehen, dass Antisemitismus Schockwellen ausl\u00f6st, die die gesamte Gesellschaft betreffen. In einem normalen Universum w\u00fcrde Klein bef\u00f6rdert werden f\u00fcr seine Leistung. In einer verdrehten Gesellschaft fordern Menschen seine Entlassung. Um es mit Mbembe zu sagen: Das ist Nano-Nonsens.<\/p>\n\n\n\n \u00dcbersetzung: Ariane Lemme<\/a><\/em><\/p>\n","post_title":"Felix Klein hat verstanden","post_excerpt":"","post_status":"publish","comment_status":"closed","ping_status":"closed","post_password":"","post_name":"felix-klein-hat-verstanden","to_ping":"","pinged":"","post_modified":"2025-02-02 08:39:39","post_modified_gmt":"2025-02-02 08:39:39","post_content_filtered":"","post_parent":0,"guid":"https:\/\/dctransparency.com\/?p=3786","menu_order":0,"post_type":"post","post_mime_type":"","comment_count":"0","filter":"raw"}],"next":false,"prev":true,"total_page":47},"paged":1,"column_class":"jeg_col_2o3","class":"epic_block_3"};
\n Er versteht, dass man Krebs nicht mit einem Pflaster verarztet, er wei\u00df, dass er das Bewusstsein der Deutschen sch\u00e4rfen und Diskussionen ansto\u00dfen muss. Er hat begriffen, dass das Problem nicht nur an den R\u00e4ndern der Gesellschaft (bei den Rechten) liegt, sondern auch in ihrer Mitte. Dort, wo gebildete Menschen nicht einmal bemerken, dass das, was sie sagen und tun, antisemitisch ist. So wie sie es auch nicht merken, wenn sie rassistisch handeln. Er hat all das verstanden, und genau deshalb wollen einige, dass er seinen Posten r\u00e4umt.<\/p>\n\n\n\n Mehr als 60 deutsche und israelische Intellektuelle haben letzte Woche in einem Brief an Kanzlerin Merkel<\/a> dar\u00fcber geklagt, dass der aktuelle \u201eGebrauch des Antisemitismusbegriffs\u201c darauf abziele, \u201elegitime Kritik an der israelischen Regierungspolitik zu unterdr\u00fccken\u201c, und Klein vorgeworfen, rechtspopulistische israelische Stimmen zu f\u00f6rdern.<\/p>\n\n\n\n Faszinierend an diesem offenen Brief ist, dass viele der Unterzeichneten keine Deutschen sind und auch nicht in Deutschland leben. Ich wei\u00df nicht, woher sie \u2013 die meisten von ihnen sind Israelis \u2013 die Chuzpe haben, sich in eine innerdeutsche Angelegenheit einzumischen und zu fordern, eine Person zu entlassen, die von der Bundesregierung eingesetzt wurde. Die H\u00e4lfte der Unterzeichneten lebt nicht hier, von der anderen H\u00e4lfte sind viele keine Juden \u2013 somit sind die allermeisten von ihnen nicht direkt vom Antisemitismus in Deutschland betroffen. Wie also k\u00f6nnen sie diesen Brief unterschreiben? Und warum eigentlich haben so wenige Deutsche unterschrieben? Dazu komme ich gleich.<\/p>\n\n\n\n Hintergrund des Briefs war, dass Felix Klein gefordert hatte, den Philosophen Achille Mbembe<\/a> nicht die Er\u00f6ffnungsrede der Ruhrtriennale halten zu lassen. Als mit \u00f6ffentlichen Mitteln gef\u00f6rdertes Event solle die Ruhrtriennale Mbembe wegen seiner Haltung zu Israels Existenzrecht, seiner Haltung zu BDS und der Art, wie er in einem seiner Werke den Holocaust relativiert, nicht einladen.<\/p>\n\n\n\n Mbembes Unterst\u00fctzer sagen, keine dieser Anschuldigungen sei wahr. F\u00fcrs Protokoll: In meinen Augen unterst\u00fctzt Mbembe sehr wohl BDS<\/a>, er schrieb unter anderem das Vorwort zu \u201eApartheid Israel\u201c und fordert die komplette Isolation Israels. Ich glaube auch, wenn Mbembe schreibt, die israelische Besetzung sei der \u201egr\u00f6\u00dfte moralische Skandal unserer Zeit\u201c, zeigt das, dass sein moralischer und geografischer Kompass etwas schief ist.<\/p>\n\n\n\n Doch warum treibt die Debatte so viele Menschen um? Nun, zun\u00e4chst gibt niemand gern auf, was ihm oder ihr selbstverst\u00e4ndlich scheint. \u00dcber den gesamten politischen, sozialen, kulturellen, medialen und akademischen Sektor hinweg sind Menschen daran gew\u00f6hnt, so schlecht \u00fcber Israel sprechen zu k\u00f6nnen, wie auch immer sie wollen.<\/p>\n\n\n\n Der Spiegel<\/em> hat \u2013 vielleicht in Anlehnung an seine Relotius-Standards, Israel erst k\u00fcrzlich eine Corona-Diktatur genannt. Fakten und Belege f\u00fcr diese Behauptung gab es nicht. Doch Millionen Deutsche haben es gelesen, und es wird nat\u00fcrlich haften bleiben. Faktenlage hin oder her. Der Spiegel<\/em> und andere Medien haben dieses Spiel perfektioniert: Titel so zu drehen, dass sie Israel indirekt anklagen, die Idee zu streuen, der Mossad kon\u00adtrol\u00adliere die deutsche Au\u00dfenpolitik im Nahen Osten, und so fort. Doch sie stehen allesamt sofort auf den Hinterbeinen, wenn jemand es wagt, das Spiel beim Namen zu nennen: moderner Antisemitismus.<\/p>\n\n\n\n Klein will dem entgegenwirken. Er versteht, dass antisemitische Attacken in Deutschland die Fr\u00fcchte solch falsch gezeichneter Bilder und eindimensionaler Narrative \u00fcber Israel sind. Wenn er und andere versuchen, ein anderes Narrativ aufzuzeigen, wirft man ihnen Zensur vor: Wie k\u00f6nnen sie es wagen, das Gesch\u00e4ft der Anti-Israel-Propaganda zu st\u00f6ren?<\/p>\n\n\n\n Liebe Deutsche, wenn ihr reden wollt, lasst uns gern reden: \u00fcber die Besetzung, \u00fcber Bibi und alles, was schiefl\u00e4uft. Aber dann lasst uns bitte auch dar\u00fcber reden, wie deutsche Steuergelder Terrortunnel finanzieren. Erst vergangene Woche r\u00e4umte die niederl\u00e4ndische Regierung ein, dass Gelder an eine Landwirtschaftsorganisation in Ramallah geflossen seien, die damit teilweise die Geh\u00e4lter zweier des Mordes an der 17-j\u00e4hrigen Israelin Rina Shnerb Verd\u00e4chtiger gezahlt haben. Auch die Bundesregierung unterst\u00fctzt diese Organisation, obwohl Kritiker schon lange vor Verbindungen zu Terroristen warnen.<\/p>\n\n\n\n Wir k\u00f6nnen uns also gerne unterhalten \u2013 aber im Dialog, nicht in Monologen. Denn Reden unter Menschen, die sich einig sind, ist nichts anderes als Impotenz.<\/p>\n\n\n\n Die Israelis, die die Petition unterzeichnet haben, haben \u00fcbrigens ebenfalls etwas verstanden. Seit Jahren wissen sie: Es ist ihre Eintrittskarte in die Mitte der deutschen (und europ\u00e4ischen) Gesellschaft. Man h\u00f6rt nicht oft von Akademikern mit proisraelischen Ansichten. Weder in den Philharmonie-Orchestern noch in der Kunstszene. Die Eintrittskarte daf\u00fcr ist ein antiisraelischer Standpunkt.<\/p>\n\n\n\n Der mutma\u00dfliche Grund, warum kaum Deutsche die Petition unterzeichnet haben: Sie mussten es nicht. Ihre Lieblingsjuden haben es f\u00fcr sie getan. Jetzt k\u00f6nnen sie sagen: \u201eSchau, ich bin das ja nicht, meine j\u00fcdischen Freunde sagen es.\u201c Ich selbst war einige Jahre lang mit einem Paar hier in Berlin befreundet, bis ich herausfand, dass ich ihr Lieblingsjude war. Ja, selbst das j\u00fcdische Museum wurde so genutzt.<\/p>\n\n\n\n Weil Attacken gegen Juden ein absolutes Tabu sind, wurden Umwege gefunden, um den Antisemitismus auf kleiner Flamme k\u00f6cheln zu lassen: die unfundierte, unbegr\u00fcndete Kritik an Israel.<\/p>\n\n\n\n Diese Art der Kritik ist gef\u00e4hrlich. Sie schw\u00e4cht jede begr\u00fcndete und notwendige Kritik am Verhalten Israels. Und das Interessante ist: Trotz all der heftigen, pauschalisierenden Anklagen, all der offenen Briefe driftet Israel politisch immer weiter nach rechts. Doch statt mal einen anderen Ansatz zu versuchen, werden die antiisraelischen Stimmen nur lauter. Dasselbe versuchen und andere Ergebnisse davon erwarten \u2013 das ist die Definition von Wahnsinn.<\/p>\n\n\n\n Kurz bevor der Prozess gegen den wegen des Attentats von Halle<\/a> Angeklagten begann \u2013 des seit Kriegsende schlimmsten Akts von Antisemitismus in Deutschland \u2013, lud eine Lokalzeitung den fr\u00fcheren Botschafter Shimon Stein und den Historiker Moshe Zimmermann ein, dar\u00fcber zu schreiben, was Antisemitismus ist. Nat\u00fcrlich wendeten auch sie sich gegen Felix Kleins Ansatz. Sie zitieren die Kontroverse um die Umbenennung der U-Bahn-Station Mohrenstra\u00dfe in Glinkastra\u00dfe, die sich darum drehte, dass der russische Komponist Michael Glinka Antisemit gewesen sein soll. Stein und Zimmermann halten die Debatte f\u00fcr \u00fcberzogen, Glinka sei nur ein Kind seiner Zeit gewesen. Folgt man ihrer Logik, k\u00f6nnen wir dann also in 20 oder 30 Jahren U-Bahn-Stationen nach den Kindern der 1930er Jahre benennen?<\/p>\n\n\n\n Ich w\u00fcnschte, die Sache h\u00e4tte mit dem Artikel, mit der Petition geendet. Doch dann erschien ein Artikel, der den Leser auf einen Waldspaziergang mit einem veganen Koch und Antisemiten mitnahm. Darin setzt der Tierfreund erst behutsam einen K\u00e4fer wieder auf seine Beinchen und erkl\u00e4rt dann, dass die Todesstrafe in Deutschland wieder eingef\u00fchrt werden solle, um einen gewissen Politiker (der zuf\u00e4llig pro Israel ist) an seinen Hoden aufh\u00e4ngen zu k\u00f6nnen. Dieser Koch hat Hunderttausende Follower, er sagt all solche Dinge am helllichten Tag in Berlin. Und in den Medien.<\/p>\n\n\n\n F\u00e4lle wie dieser handeln bereits von Gewalt \u2013 und sie enden nicht bei den Juden. Der Hass richtet sich gegen Frauen<\/a>, Muslime, Gefl\u00fcchtete, \u00adLBTQI. Am Ende aller theoretischen Debatten stehen immer echte Menschen. Am Ende jeder Konferenz dar\u00fcber, was Antisemitismus ausmacht, steht ein potenzielles j\u00fcdisches Opfer. Angesichts einer Welle von Antisemitismus \u00fcber die Definition von Antisemitismus zu streiten ist, wie eine 10 Meter hohe Welle heranrollen zu sehen und dar\u00fcber zu streiten, was einen Tsunami ausmacht.<\/p>\n\n\n\n Felix Klein versteht, wie absurd es ist, zu sagen: Es sind nur die Rechten. Die Rechten sind Deutsche, so wie die Nazis Deutsche waren. Klein versteht, dass die Deutschen nicht aufgeh\u00f6rt haben, Juden zu ermorden, weil sie irgendeine Art von Erleuchtung hatten. Sondern schlicht, weil sie den Krieg verloren haben. Um den Antisemitismus zu bek\u00e4mpfen, bevor er die Gesellschaft frisst, in der er und wir leben, muss Deutschland seinen moralischen Kompass korrigieren.<\/p>\n\n\n\n Immerhin: Mehr und mehr Deutsche fahren nach Israel, sie wollen ein anderes Narrativ h\u00f6ren. Mehr und mehr Deutsche verstehen, dass Antisemitismus Schockwellen ausl\u00f6st, die die gesamte Gesellschaft betreffen. In einem normalen Universum w\u00fcrde Klein bef\u00f6rdert werden f\u00fcr seine Leistung. In einer verdrehten Gesellschaft fordern Menschen seine Entlassung. Um es mit Mbembe zu sagen: Das ist Nano-Nonsens.<\/p>\n\n\n\n \u00dcbersetzung: Ariane Lemme<\/a><\/em><\/p>\n","post_title":"Felix Klein hat verstanden","post_excerpt":"","post_status":"publish","comment_status":"closed","ping_status":"closed","post_password":"","post_name":"felix-klein-hat-verstanden","to_ping":"","pinged":"","post_modified":"2025-02-02 08:39:39","post_modified_gmt":"2025-02-02 08:39:39","post_content_filtered":"","post_parent":0,"guid":"https:\/\/dctransparency.com\/?p=3786","menu_order":0,"post_type":"post","post_mime_type":"","comment_count":"0","filter":"raw"}],"next":false,"prev":true,"total_page":47},"paged":1,"column_class":"jeg_col_2o3","class":"epic_block_3"};
\n Felix Klein wurde als Beauftragter der Bundesregierung berufen<\/a>, um die Auswirkungen des zunehmenden Antisemitismus in unserer Gesellschaft, in Deutschland, zu bek\u00e4mpfen. Was nicht in seiner Jobbeschreibung steht, ist, dass er dabei unsere Gesellschaft heilen muss, jene Gesellschaft, die diese Form des Hasses reproduziert und sch\u00fctzt. Klein hat das begriffen.<\/p>\n\n\n\n Er versteht, dass man Krebs nicht mit einem Pflaster verarztet, er wei\u00df, dass er das Bewusstsein der Deutschen sch\u00e4rfen und Diskussionen ansto\u00dfen muss. Er hat begriffen, dass das Problem nicht nur an den R\u00e4ndern der Gesellschaft (bei den Rechten) liegt, sondern auch in ihrer Mitte. Dort, wo gebildete Menschen nicht einmal bemerken, dass das, was sie sagen und tun, antisemitisch ist. So wie sie es auch nicht merken, wenn sie rassistisch handeln. Er hat all das verstanden, und genau deshalb wollen einige, dass er seinen Posten r\u00e4umt.<\/p>\n\n\n\n Mehr als 60 deutsche und israelische Intellektuelle haben letzte Woche in einem Brief an Kanzlerin Merkel<\/a> dar\u00fcber geklagt, dass der aktuelle \u201eGebrauch des Antisemitismusbegriffs\u201c darauf abziele, \u201elegitime Kritik an der israelischen Regierungspolitik zu unterdr\u00fccken\u201c, und Klein vorgeworfen, rechtspopulistische israelische Stimmen zu f\u00f6rdern.<\/p>\n\n\n\n Faszinierend an diesem offenen Brief ist, dass viele der Unterzeichneten keine Deutschen sind und auch nicht in Deutschland leben. Ich wei\u00df nicht, woher sie \u2013 die meisten von ihnen sind Israelis \u2013 die Chuzpe haben, sich in eine innerdeutsche Angelegenheit einzumischen und zu fordern, eine Person zu entlassen, die von der Bundesregierung eingesetzt wurde. Die H\u00e4lfte der Unterzeichneten lebt nicht hier, von der anderen H\u00e4lfte sind viele keine Juden \u2013 somit sind die allermeisten von ihnen nicht direkt vom Antisemitismus in Deutschland betroffen. Wie also k\u00f6nnen sie diesen Brief unterschreiben? Und warum eigentlich haben so wenige Deutsche unterschrieben? Dazu komme ich gleich.<\/p>\n\n\n\n Hintergrund des Briefs war, dass Felix Klein gefordert hatte, den Philosophen Achille Mbembe<\/a> nicht die Er\u00f6ffnungsrede der Ruhrtriennale halten zu lassen. Als mit \u00f6ffentlichen Mitteln gef\u00f6rdertes Event solle die Ruhrtriennale Mbembe wegen seiner Haltung zu Israels Existenzrecht, seiner Haltung zu BDS und der Art, wie er in einem seiner Werke den Holocaust relativiert, nicht einladen.<\/p>\n\n\n\n Mbembes Unterst\u00fctzer sagen, keine dieser Anschuldigungen sei wahr. F\u00fcrs Protokoll: In meinen Augen unterst\u00fctzt Mbembe sehr wohl BDS<\/a>, er schrieb unter anderem das Vorwort zu \u201eApartheid Israel\u201c und fordert die komplette Isolation Israels. Ich glaube auch, wenn Mbembe schreibt, die israelische Besetzung sei der \u201egr\u00f6\u00dfte moralische Skandal unserer Zeit\u201c, zeigt das, dass sein moralischer und geografischer Kompass etwas schief ist.<\/p>\n\n\n\n Doch warum treibt die Debatte so viele Menschen um? Nun, zun\u00e4chst gibt niemand gern auf, was ihm oder ihr selbstverst\u00e4ndlich scheint. \u00dcber den gesamten politischen, sozialen, kulturellen, medialen und akademischen Sektor hinweg sind Menschen daran gew\u00f6hnt, so schlecht \u00fcber Israel sprechen zu k\u00f6nnen, wie auch immer sie wollen.<\/p>\n\n\n\n Der Spiegel<\/em> hat \u2013 vielleicht in Anlehnung an seine Relotius-Standards, Israel erst k\u00fcrzlich eine Corona-Diktatur genannt. Fakten und Belege f\u00fcr diese Behauptung gab es nicht. Doch Millionen Deutsche haben es gelesen, und es wird nat\u00fcrlich haften bleiben. Faktenlage hin oder her. Der Spiegel<\/em> und andere Medien haben dieses Spiel perfektioniert: Titel so zu drehen, dass sie Israel indirekt anklagen, die Idee zu streuen, der Mossad kon\u00adtrol\u00adliere die deutsche Au\u00dfenpolitik im Nahen Osten, und so fort. Doch sie stehen allesamt sofort auf den Hinterbeinen, wenn jemand es wagt, das Spiel beim Namen zu nennen: moderner Antisemitismus.<\/p>\n\n\n\n Klein will dem entgegenwirken. Er versteht, dass antisemitische Attacken in Deutschland die Fr\u00fcchte solch falsch gezeichneter Bilder und eindimensionaler Narrative \u00fcber Israel sind. Wenn er und andere versuchen, ein anderes Narrativ aufzuzeigen, wirft man ihnen Zensur vor: Wie k\u00f6nnen sie es wagen, das Gesch\u00e4ft der Anti-Israel-Propaganda zu st\u00f6ren?<\/p>\n\n\n\n Liebe Deutsche, wenn ihr reden wollt, lasst uns gern reden: \u00fcber die Besetzung, \u00fcber Bibi und alles, was schiefl\u00e4uft. Aber dann lasst uns bitte auch dar\u00fcber reden, wie deutsche Steuergelder Terrortunnel finanzieren. Erst vergangene Woche r\u00e4umte die niederl\u00e4ndische Regierung ein, dass Gelder an eine Landwirtschaftsorganisation in Ramallah geflossen seien, die damit teilweise die Geh\u00e4lter zweier des Mordes an der 17-j\u00e4hrigen Israelin Rina Shnerb Verd\u00e4chtiger gezahlt haben. Auch die Bundesregierung unterst\u00fctzt diese Organisation, obwohl Kritiker schon lange vor Verbindungen zu Terroristen warnen.<\/p>\n\n\n\n Wir k\u00f6nnen uns also gerne unterhalten \u2013 aber im Dialog, nicht in Monologen. Denn Reden unter Menschen, die sich einig sind, ist nichts anderes als Impotenz.<\/p>\n\n\n\n Die Israelis, die die Petition unterzeichnet haben, haben \u00fcbrigens ebenfalls etwas verstanden. Seit Jahren wissen sie: Es ist ihre Eintrittskarte in die Mitte der deutschen (und europ\u00e4ischen) Gesellschaft. Man h\u00f6rt nicht oft von Akademikern mit proisraelischen Ansichten. Weder in den Philharmonie-Orchestern noch in der Kunstszene. Die Eintrittskarte daf\u00fcr ist ein antiisraelischer Standpunkt.<\/p>\n\n\n\n Der mutma\u00dfliche Grund, warum kaum Deutsche die Petition unterzeichnet haben: Sie mussten es nicht. Ihre Lieblingsjuden haben es f\u00fcr sie getan. Jetzt k\u00f6nnen sie sagen: \u201eSchau, ich bin das ja nicht, meine j\u00fcdischen Freunde sagen es.\u201c Ich selbst war einige Jahre lang mit einem Paar hier in Berlin befreundet, bis ich herausfand, dass ich ihr Lieblingsjude war. Ja, selbst das j\u00fcdische Museum wurde so genutzt.<\/p>\n\n\n\n Weil Attacken gegen Juden ein absolutes Tabu sind, wurden Umwege gefunden, um den Antisemitismus auf kleiner Flamme k\u00f6cheln zu lassen: die unfundierte, unbegr\u00fcndete Kritik an Israel.<\/p>\n\n\n\n Diese Art der Kritik ist gef\u00e4hrlich. Sie schw\u00e4cht jede begr\u00fcndete und notwendige Kritik am Verhalten Israels. Und das Interessante ist: Trotz all der heftigen, pauschalisierenden Anklagen, all der offenen Briefe driftet Israel politisch immer weiter nach rechts. Doch statt mal einen anderen Ansatz zu versuchen, werden die antiisraelischen Stimmen nur lauter. Dasselbe versuchen und andere Ergebnisse davon erwarten \u2013 das ist die Definition von Wahnsinn.<\/p>\n\n\n\n Kurz bevor der Prozess gegen den wegen des Attentats von Halle<\/a> Angeklagten begann \u2013 des seit Kriegsende schlimmsten Akts von Antisemitismus in Deutschland \u2013, lud eine Lokalzeitung den fr\u00fcheren Botschafter Shimon Stein und den Historiker Moshe Zimmermann ein, dar\u00fcber zu schreiben, was Antisemitismus ist. Nat\u00fcrlich wendeten auch sie sich gegen Felix Kleins Ansatz. Sie zitieren die Kontroverse um die Umbenennung der U-Bahn-Station Mohrenstra\u00dfe in Glinkastra\u00dfe, die sich darum drehte, dass der russische Komponist Michael Glinka Antisemit gewesen sein soll. Stein und Zimmermann halten die Debatte f\u00fcr \u00fcberzogen, Glinka sei nur ein Kind seiner Zeit gewesen. Folgt man ihrer Logik, k\u00f6nnen wir dann also in 20 oder 30 Jahren U-Bahn-Stationen nach den Kindern der 1930er Jahre benennen?<\/p>\n\n\n\n Ich w\u00fcnschte, die Sache h\u00e4tte mit dem Artikel, mit der Petition geendet. Doch dann erschien ein Artikel, der den Leser auf einen Waldspaziergang mit einem veganen Koch und Antisemiten mitnahm. Darin setzt der Tierfreund erst behutsam einen K\u00e4fer wieder auf seine Beinchen und erkl\u00e4rt dann, dass die Todesstrafe in Deutschland wieder eingef\u00fchrt werden solle, um einen gewissen Politiker (der zuf\u00e4llig pro Israel ist) an seinen Hoden aufh\u00e4ngen zu k\u00f6nnen. Dieser Koch hat Hunderttausende Follower, er sagt all solche Dinge am helllichten Tag in Berlin. Und in den Medien.<\/p>\n\n\n\n F\u00e4lle wie dieser handeln bereits von Gewalt \u2013 und sie enden nicht bei den Juden. Der Hass richtet sich gegen Frauen<\/a>, Muslime, Gefl\u00fcchtete, \u00adLBTQI. Am Ende aller theoretischen Debatten stehen immer echte Menschen. Am Ende jeder Konferenz dar\u00fcber, was Antisemitismus ausmacht, steht ein potenzielles j\u00fcdisches Opfer. Angesichts einer Welle von Antisemitismus \u00fcber die Definition von Antisemitismus zu streiten ist, wie eine 10 Meter hohe Welle heranrollen zu sehen und dar\u00fcber zu streiten, was einen Tsunami ausmacht.<\/p>\n\n\n\n Felix Klein versteht, wie absurd es ist, zu sagen: Es sind nur die Rechten. Die Rechten sind Deutsche, so wie die Nazis Deutsche waren. Klein versteht, dass die Deutschen nicht aufgeh\u00f6rt haben, Juden zu ermorden, weil sie irgendeine Art von Erleuchtung hatten. Sondern schlicht, weil sie den Krieg verloren haben. Um den Antisemitismus zu bek\u00e4mpfen, bevor er die Gesellschaft frisst, in der er und wir leben, muss Deutschland seinen moralischen Kompass korrigieren.<\/p>\n\n\n\n Immerhin: Mehr und mehr Deutsche fahren nach Israel, sie wollen ein anderes Narrativ h\u00f6ren. Mehr und mehr Deutsche verstehen, dass Antisemitismus Schockwellen ausl\u00f6st, die die gesamte Gesellschaft betreffen. In einem normalen Universum w\u00fcrde Klein bef\u00f6rdert werden f\u00fcr seine Leistung. In einer verdrehten Gesellschaft fordern Menschen seine Entlassung. Um es mit Mbembe zu sagen: Das ist Nano-Nonsens.<\/p>\n\n\n\n \u00dcbersetzung: Ariane Lemme<\/a><\/em><\/p>\n","post_title":"Felix Klein hat verstanden","post_excerpt":"","post_status":"publish","comment_status":"closed","ping_status":"closed","post_password":"","post_name":"felix-klein-hat-verstanden","to_ping":"","pinged":"","post_modified":"2025-02-02 08:39:39","post_modified_gmt":"2025-02-02 08:39:39","post_content_filtered":"","post_parent":0,"guid":"https:\/\/dctransparency.com\/?p=3786","menu_order":0,"post_type":"post","post_mime_type":"","comment_count":"0","filter":"raw"}],"next":false,"prev":true,"total_page":47},"paged":1,"column_class":"jeg_col_2o3","class":"epic_block_3"};
\n Ich schrieb ihr, wie schrecklich depressiv ich war und dass diese drei Jahre des Anweisungenbellens und Anderen-Menschen-Sagens, was sie zu tun haben, mich f\u00fcr immer verfolgen w\u00fcrden. Dass sie ein Teil dessen geworden waren, was ich bin. Ich erinnere mich, dass ich ihr schrieb, dass wir da rausm\u00fcssen \u2013 nicht nur f\u00fcr die Pal\u00e4stinenser, sondern wegen der furchtbaren und brutalen Auswirkungen, die all das auf uns, auf die israelische Gesellschaft haben w\u00fcrde. Sie schrieb zur\u00fcck: \u201eDu hast recht. Ich habe einen neuen Freund.\u201c<\/p>\n\n\n\n Felix Klein wurde als Beauftragter der Bundesregierung berufen<\/a>, um die Auswirkungen des zunehmenden Antisemitismus in unserer Gesellschaft, in Deutschland, zu bek\u00e4mpfen. Was nicht in seiner Jobbeschreibung steht, ist, dass er dabei unsere Gesellschaft heilen muss, jene Gesellschaft, die diese Form des Hasses reproduziert und sch\u00fctzt. Klein hat das begriffen.<\/p>\n\n\n\n Er versteht, dass man Krebs nicht mit einem Pflaster verarztet, er wei\u00df, dass er das Bewusstsein der Deutschen sch\u00e4rfen und Diskussionen ansto\u00dfen muss. Er hat begriffen, dass das Problem nicht nur an den R\u00e4ndern der Gesellschaft (bei den Rechten) liegt, sondern auch in ihrer Mitte. Dort, wo gebildete Menschen nicht einmal bemerken, dass das, was sie sagen und tun, antisemitisch ist. So wie sie es auch nicht merken, wenn sie rassistisch handeln. Er hat all das verstanden, und genau deshalb wollen einige, dass er seinen Posten r\u00e4umt.<\/p>\n\n\n\n Mehr als 60 deutsche und israelische Intellektuelle haben letzte Woche in einem Brief an Kanzlerin Merkel<\/a> dar\u00fcber geklagt, dass der aktuelle \u201eGebrauch des Antisemitismusbegriffs\u201c darauf abziele, \u201elegitime Kritik an der israelischen Regierungspolitik zu unterdr\u00fccken\u201c, und Klein vorgeworfen, rechtspopulistische israelische Stimmen zu f\u00f6rdern.<\/p>\n\n\n\n Faszinierend an diesem offenen Brief ist, dass viele der Unterzeichneten keine Deutschen sind und auch nicht in Deutschland leben. Ich wei\u00df nicht, woher sie \u2013 die meisten von ihnen sind Israelis \u2013 die Chuzpe haben, sich in eine innerdeutsche Angelegenheit einzumischen und zu fordern, eine Person zu entlassen, die von der Bundesregierung eingesetzt wurde. Die H\u00e4lfte der Unterzeichneten lebt nicht hier, von der anderen H\u00e4lfte sind viele keine Juden \u2013 somit sind die allermeisten von ihnen nicht direkt vom Antisemitismus in Deutschland betroffen. Wie also k\u00f6nnen sie diesen Brief unterschreiben? Und warum eigentlich haben so wenige Deutsche unterschrieben? Dazu komme ich gleich.<\/p>\n\n\n\n Hintergrund des Briefs war, dass Felix Klein gefordert hatte, den Philosophen Achille Mbembe<\/a> nicht die Er\u00f6ffnungsrede der Ruhrtriennale halten zu lassen. Als mit \u00f6ffentlichen Mitteln gef\u00f6rdertes Event solle die Ruhrtriennale Mbembe wegen seiner Haltung zu Israels Existenzrecht, seiner Haltung zu BDS und der Art, wie er in einem seiner Werke den Holocaust relativiert, nicht einladen.<\/p>\n\n\n\n Mbembes Unterst\u00fctzer sagen, keine dieser Anschuldigungen sei wahr. F\u00fcrs Protokoll: In meinen Augen unterst\u00fctzt Mbembe sehr wohl BDS<\/a>, er schrieb unter anderem das Vorwort zu \u201eApartheid Israel\u201c und fordert die komplette Isolation Israels. Ich glaube auch, wenn Mbembe schreibt, die israelische Besetzung sei der \u201egr\u00f6\u00dfte moralische Skandal unserer Zeit\u201c, zeigt das, dass sein moralischer und geografischer Kompass etwas schief ist.<\/p>\n\n\n\n Doch warum treibt die Debatte so viele Menschen um? Nun, zun\u00e4chst gibt niemand gern auf, was ihm oder ihr selbstverst\u00e4ndlich scheint. \u00dcber den gesamten politischen, sozialen, kulturellen, medialen und akademischen Sektor hinweg sind Menschen daran gew\u00f6hnt, so schlecht \u00fcber Israel sprechen zu k\u00f6nnen, wie auch immer sie wollen.<\/p>\n\n\n\n Der Spiegel<\/em> hat \u2013 vielleicht in Anlehnung an seine Relotius-Standards, Israel erst k\u00fcrzlich eine Corona-Diktatur genannt. Fakten und Belege f\u00fcr diese Behauptung gab es nicht. Doch Millionen Deutsche haben es gelesen, und es wird nat\u00fcrlich haften bleiben. Faktenlage hin oder her. Der Spiegel<\/em> und andere Medien haben dieses Spiel perfektioniert: Titel so zu drehen, dass sie Israel indirekt anklagen, die Idee zu streuen, der Mossad kon\u00adtrol\u00adliere die deutsche Au\u00dfenpolitik im Nahen Osten, und so fort. Doch sie stehen allesamt sofort auf den Hinterbeinen, wenn jemand es wagt, das Spiel beim Namen zu nennen: moderner Antisemitismus.<\/p>\n\n\n\n Klein will dem entgegenwirken. Er versteht, dass antisemitische Attacken in Deutschland die Fr\u00fcchte solch falsch gezeichneter Bilder und eindimensionaler Narrative \u00fcber Israel sind. Wenn er und andere versuchen, ein anderes Narrativ aufzuzeigen, wirft man ihnen Zensur vor: Wie k\u00f6nnen sie es wagen, das Gesch\u00e4ft der Anti-Israel-Propaganda zu st\u00f6ren?<\/p>\n\n\n\n Liebe Deutsche, wenn ihr reden wollt, lasst uns gern reden: \u00fcber die Besetzung, \u00fcber Bibi und alles, was schiefl\u00e4uft. Aber dann lasst uns bitte auch dar\u00fcber reden, wie deutsche Steuergelder Terrortunnel finanzieren. Erst vergangene Woche r\u00e4umte die niederl\u00e4ndische Regierung ein, dass Gelder an eine Landwirtschaftsorganisation in Ramallah geflossen seien, die damit teilweise die Geh\u00e4lter zweier des Mordes an der 17-j\u00e4hrigen Israelin Rina Shnerb Verd\u00e4chtiger gezahlt haben. Auch die Bundesregierung unterst\u00fctzt diese Organisation, obwohl Kritiker schon lange vor Verbindungen zu Terroristen warnen.<\/p>\n\n\n\n Wir k\u00f6nnen uns also gerne unterhalten \u2013 aber im Dialog, nicht in Monologen. Denn Reden unter Menschen, die sich einig sind, ist nichts anderes als Impotenz.<\/p>\n\n\n\n Die Israelis, die die Petition unterzeichnet haben, haben \u00fcbrigens ebenfalls etwas verstanden. Seit Jahren wissen sie: Es ist ihre Eintrittskarte in die Mitte der deutschen (und europ\u00e4ischen) Gesellschaft. Man h\u00f6rt nicht oft von Akademikern mit proisraelischen Ansichten. Weder in den Philharmonie-Orchestern noch in der Kunstszene. Die Eintrittskarte daf\u00fcr ist ein antiisraelischer Standpunkt.<\/p>\n\n\n\n Der mutma\u00dfliche Grund, warum kaum Deutsche die Petition unterzeichnet haben: Sie mussten es nicht. Ihre Lieblingsjuden haben es f\u00fcr sie getan. Jetzt k\u00f6nnen sie sagen: \u201eSchau, ich bin das ja nicht, meine j\u00fcdischen Freunde sagen es.\u201c Ich selbst war einige Jahre lang mit einem Paar hier in Berlin befreundet, bis ich herausfand, dass ich ihr Lieblingsjude war. Ja, selbst das j\u00fcdische Museum wurde so genutzt.<\/p>\n\n\n\n Weil Attacken gegen Juden ein absolutes Tabu sind, wurden Umwege gefunden, um den Antisemitismus auf kleiner Flamme k\u00f6cheln zu lassen: die unfundierte, unbegr\u00fcndete Kritik an Israel.<\/p>\n\n\n\n Diese Art der Kritik ist gef\u00e4hrlich. Sie schw\u00e4cht jede begr\u00fcndete und notwendige Kritik am Verhalten Israels. Und das Interessante ist: Trotz all der heftigen, pauschalisierenden Anklagen, all der offenen Briefe driftet Israel politisch immer weiter nach rechts. Doch statt mal einen anderen Ansatz zu versuchen, werden die antiisraelischen Stimmen nur lauter. Dasselbe versuchen und andere Ergebnisse davon erwarten \u2013 das ist die Definition von Wahnsinn.<\/p>\n\n\n\n Kurz bevor der Prozess gegen den wegen des Attentats von Halle<\/a> Angeklagten begann \u2013 des seit Kriegsende schlimmsten Akts von Antisemitismus in Deutschland \u2013, lud eine Lokalzeitung den fr\u00fcheren Botschafter Shimon Stein und den Historiker Moshe Zimmermann ein, dar\u00fcber zu schreiben, was Antisemitismus ist. Nat\u00fcrlich wendeten auch sie sich gegen Felix Kleins Ansatz. Sie zitieren die Kontroverse um die Umbenennung der U-Bahn-Station Mohrenstra\u00dfe in Glinkastra\u00dfe, die sich darum drehte, dass der russische Komponist Michael Glinka Antisemit gewesen sein soll. Stein und Zimmermann halten die Debatte f\u00fcr \u00fcberzogen, Glinka sei nur ein Kind seiner Zeit gewesen. Folgt man ihrer Logik, k\u00f6nnen wir dann also in 20 oder 30 Jahren U-Bahn-Stationen nach den Kindern der 1930er Jahre benennen?<\/p>\n\n\n\n Ich w\u00fcnschte, die Sache h\u00e4tte mit dem Artikel, mit der Petition geendet. Doch dann erschien ein Artikel, der den Leser auf einen Waldspaziergang mit einem veganen Koch und Antisemiten mitnahm. Darin setzt der Tierfreund erst behutsam einen K\u00e4fer wieder auf seine Beinchen und erkl\u00e4rt dann, dass die Todesstrafe in Deutschland wieder eingef\u00fchrt werden solle, um einen gewissen Politiker (der zuf\u00e4llig pro Israel ist) an seinen Hoden aufh\u00e4ngen zu k\u00f6nnen. Dieser Koch hat Hunderttausende Follower, er sagt all solche Dinge am helllichten Tag in Berlin. Und in den Medien.<\/p>\n\n\n\n F\u00e4lle wie dieser handeln bereits von Gewalt \u2013 und sie enden nicht bei den Juden. Der Hass richtet sich gegen Frauen<\/a>, Muslime, Gefl\u00fcchtete, \u00adLBTQI. Am Ende aller theoretischen Debatten stehen immer echte Menschen. Am Ende jeder Konferenz dar\u00fcber, was Antisemitismus ausmacht, steht ein potenzielles j\u00fcdisches Opfer. Angesichts einer Welle von Antisemitismus \u00fcber die Definition von Antisemitismus zu streiten ist, wie eine 10 Meter hohe Welle heranrollen zu sehen und dar\u00fcber zu streiten, was einen Tsunami ausmacht.<\/p>\n\n\n\n Felix Klein versteht, wie absurd es ist, zu sagen: Es sind nur die Rechten. Die Rechten sind Deutsche, so wie die Nazis Deutsche waren. Klein versteht, dass die Deutschen nicht aufgeh\u00f6rt haben, Juden zu ermorden, weil sie irgendeine Art von Erleuchtung hatten. Sondern schlicht, weil sie den Krieg verloren haben. Um den Antisemitismus zu bek\u00e4mpfen, bevor er die Gesellschaft frisst, in der er und wir leben, muss Deutschland seinen moralischen Kompass korrigieren.<\/p>\n\n\n\n Immerhin: Mehr und mehr Deutsche fahren nach Israel, sie wollen ein anderes Narrativ h\u00f6ren. Mehr und mehr Deutsche verstehen, dass Antisemitismus Schockwellen ausl\u00f6st, die die gesamte Gesellschaft betreffen. In einem normalen Universum w\u00fcrde Klein bef\u00f6rdert werden f\u00fcr seine Leistung. In einer verdrehten Gesellschaft fordern Menschen seine Entlassung. Um es mit Mbembe zu sagen: Das ist Nano-Nonsens.<\/p>\n\n\n\n \u00dcbersetzung: Ariane Lemme<\/a><\/em><\/p>\n","post_title":"Felix Klein hat verstanden","post_excerpt":"","post_status":"publish","comment_status":"closed","ping_status":"closed","post_password":"","post_name":"felix-klein-hat-verstanden","to_ping":"","pinged":"","post_modified":"2025-02-02 08:39:39","post_modified_gmt":"2025-02-02 08:39:39","post_content_filtered":"","post_parent":0,"guid":"https:\/\/dctransparency.com\/?p=3786","menu_order":0,"post_type":"post","post_mime_type":"","comment_count":"0","filter":"raw"}],"next":false,"prev":true,"total_page":47},"paged":1,"column_class":"jeg_col_2o3","class":"epic_block_3"};
\n Einen Monat nachdem ich zur israelischen Armee eingezogen worden war, brach die erste Intifada aus. Statt Soldat zu sein, machte ich Polizeiarbeit, sagte den Menschen, wann sie zur Arbeit gehen konnten und wann sie ihre L\u00e4den schlie\u00dfen mussten, wann sie die Grenze passieren und wann sie schlafen konnten. Einen Monat nachdem ich aus der Armee entlassen worden war, ging ich auf Reisen. (In Israel sagen wir: Wir dienen drei Jahre und versuchen den Rest unseres Lebens, diese drei Jahre zu vergessen.) Auf meiner Reise begann ich Briefe an meine Freundin zu schreiben, die ich in Israel zur\u00fcckgelassen hatte.<\/p>\n\n\n\n Ich schrieb ihr, wie schrecklich depressiv ich war und dass diese drei Jahre des Anweisungenbellens und Anderen-Menschen-Sagens, was sie zu tun haben, mich f\u00fcr immer verfolgen w\u00fcrden. Dass sie ein Teil dessen geworden waren, was ich bin. Ich erinnere mich, dass ich ihr schrieb, dass wir da rausm\u00fcssen \u2013 nicht nur f\u00fcr die Pal\u00e4stinenser, sondern wegen der furchtbaren und brutalen Auswirkungen, die all das auf uns, auf die israelische Gesellschaft haben w\u00fcrde. Sie schrieb zur\u00fcck: \u201eDu hast recht. Ich habe einen neuen Freund.\u201c<\/p>\n\n\n\n Felix Klein wurde als Beauftragter der Bundesregierung berufen<\/a>, um die Auswirkungen des zunehmenden Antisemitismus in unserer Gesellschaft, in Deutschland, zu bek\u00e4mpfen. Was nicht in seiner Jobbeschreibung steht, ist, dass er dabei unsere Gesellschaft heilen muss, jene Gesellschaft, die diese Form des Hasses reproduziert und sch\u00fctzt. Klein hat das begriffen.<\/p>\n\n\n\n Er versteht, dass man Krebs nicht mit einem Pflaster verarztet, er wei\u00df, dass er das Bewusstsein der Deutschen sch\u00e4rfen und Diskussionen ansto\u00dfen muss. Er hat begriffen, dass das Problem nicht nur an den R\u00e4ndern der Gesellschaft (bei den Rechten) liegt, sondern auch in ihrer Mitte. Dort, wo gebildete Menschen nicht einmal bemerken, dass das, was sie sagen und tun, antisemitisch ist. So wie sie es auch nicht merken, wenn sie rassistisch handeln. Er hat all das verstanden, und genau deshalb wollen einige, dass er seinen Posten r\u00e4umt.<\/p>\n\n\n\n Mehr als 60 deutsche und israelische Intellektuelle haben letzte Woche in einem Brief an Kanzlerin Merkel<\/a> dar\u00fcber geklagt, dass der aktuelle \u201eGebrauch des Antisemitismusbegriffs\u201c darauf abziele, \u201elegitime Kritik an der israelischen Regierungspolitik zu unterdr\u00fccken\u201c, und Klein vorgeworfen, rechtspopulistische israelische Stimmen zu f\u00f6rdern.<\/p>\n\n\n\n Faszinierend an diesem offenen Brief ist, dass viele der Unterzeichneten keine Deutschen sind und auch nicht in Deutschland leben. Ich wei\u00df nicht, woher sie \u2013 die meisten von ihnen sind Israelis \u2013 die Chuzpe haben, sich in eine innerdeutsche Angelegenheit einzumischen und zu fordern, eine Person zu entlassen, die von der Bundesregierung eingesetzt wurde. Die H\u00e4lfte der Unterzeichneten lebt nicht hier, von der anderen H\u00e4lfte sind viele keine Juden \u2013 somit sind die allermeisten von ihnen nicht direkt vom Antisemitismus in Deutschland betroffen. Wie also k\u00f6nnen sie diesen Brief unterschreiben? Und warum eigentlich haben so wenige Deutsche unterschrieben? Dazu komme ich gleich.<\/p>\n\n\n\n Hintergrund des Briefs war, dass Felix Klein gefordert hatte, den Philosophen Achille Mbembe<\/a> nicht die Er\u00f6ffnungsrede der Ruhrtriennale halten zu lassen. Als mit \u00f6ffentlichen Mitteln gef\u00f6rdertes Event solle die Ruhrtriennale Mbembe wegen seiner Haltung zu Israels Existenzrecht, seiner Haltung zu BDS und der Art, wie er in einem seiner Werke den Holocaust relativiert, nicht einladen.<\/p>\n\n\n\n Mbembes Unterst\u00fctzer sagen, keine dieser Anschuldigungen sei wahr. F\u00fcrs Protokoll: In meinen Augen unterst\u00fctzt Mbembe sehr wohl BDS<\/a>, er schrieb unter anderem das Vorwort zu \u201eApartheid Israel\u201c und fordert die komplette Isolation Israels. Ich glaube auch, wenn Mbembe schreibt, die israelische Besetzung sei der \u201egr\u00f6\u00dfte moralische Skandal unserer Zeit\u201c, zeigt das, dass sein moralischer und geografischer Kompass etwas schief ist.<\/p>\n\n\n\n Doch warum treibt die Debatte so viele Menschen um? Nun, zun\u00e4chst gibt niemand gern auf, was ihm oder ihr selbstverst\u00e4ndlich scheint. \u00dcber den gesamten politischen, sozialen, kulturellen, medialen und akademischen Sektor hinweg sind Menschen daran gew\u00f6hnt, so schlecht \u00fcber Israel sprechen zu k\u00f6nnen, wie auch immer sie wollen.<\/p>\n\n\n\n Der Spiegel<\/em> hat \u2013 vielleicht in Anlehnung an seine Relotius-Standards, Israel erst k\u00fcrzlich eine Corona-Diktatur genannt. Fakten und Belege f\u00fcr diese Behauptung gab es nicht. Doch Millionen Deutsche haben es gelesen, und es wird nat\u00fcrlich haften bleiben. Faktenlage hin oder her. Der Spiegel<\/em> und andere Medien haben dieses Spiel perfektioniert: Titel so zu drehen, dass sie Israel indirekt anklagen, die Idee zu streuen, der Mossad kon\u00adtrol\u00adliere die deutsche Au\u00dfenpolitik im Nahen Osten, und so fort. Doch sie stehen allesamt sofort auf den Hinterbeinen, wenn jemand es wagt, das Spiel beim Namen zu nennen: moderner Antisemitismus.<\/p>\n\n\n\n Klein will dem entgegenwirken. Er versteht, dass antisemitische Attacken in Deutschland die Fr\u00fcchte solch falsch gezeichneter Bilder und eindimensionaler Narrative \u00fcber Israel sind. Wenn er und andere versuchen, ein anderes Narrativ aufzuzeigen, wirft man ihnen Zensur vor: Wie k\u00f6nnen sie es wagen, das Gesch\u00e4ft der Anti-Israel-Propaganda zu st\u00f6ren?<\/p>\n\n\n\n Liebe Deutsche, wenn ihr reden wollt, lasst uns gern reden: \u00fcber die Besetzung, \u00fcber Bibi und alles, was schiefl\u00e4uft. Aber dann lasst uns bitte auch dar\u00fcber reden, wie deutsche Steuergelder Terrortunnel finanzieren. Erst vergangene Woche r\u00e4umte die niederl\u00e4ndische Regierung ein, dass Gelder an eine Landwirtschaftsorganisation in Ramallah geflossen seien, die damit teilweise die Geh\u00e4lter zweier des Mordes an der 17-j\u00e4hrigen Israelin Rina Shnerb Verd\u00e4chtiger gezahlt haben. Auch die Bundesregierung unterst\u00fctzt diese Organisation, obwohl Kritiker schon lange vor Verbindungen zu Terroristen warnen.<\/p>\n\n\n\n Wir k\u00f6nnen uns also gerne unterhalten \u2013 aber im Dialog, nicht in Monologen. Denn Reden unter Menschen, die sich einig sind, ist nichts anderes als Impotenz.<\/p>\n\n\n\n Die Israelis, die die Petition unterzeichnet haben, haben \u00fcbrigens ebenfalls etwas verstanden. Seit Jahren wissen sie: Es ist ihre Eintrittskarte in die Mitte der deutschen (und europ\u00e4ischen) Gesellschaft. Man h\u00f6rt nicht oft von Akademikern mit proisraelischen Ansichten. Weder in den Philharmonie-Orchestern noch in der Kunstszene. Die Eintrittskarte daf\u00fcr ist ein antiisraelischer Standpunkt.<\/p>\n\n\n\n Der mutma\u00dfliche Grund, warum kaum Deutsche die Petition unterzeichnet haben: Sie mussten es nicht. Ihre Lieblingsjuden haben es f\u00fcr sie getan. Jetzt k\u00f6nnen sie sagen: \u201eSchau, ich bin das ja nicht, meine j\u00fcdischen Freunde sagen es.\u201c Ich selbst war einige Jahre lang mit einem Paar hier in Berlin befreundet, bis ich herausfand, dass ich ihr Lieblingsjude war. Ja, selbst das j\u00fcdische Museum wurde so genutzt.<\/p>\n\n\n\n Weil Attacken gegen Juden ein absolutes Tabu sind, wurden Umwege gefunden, um den Antisemitismus auf kleiner Flamme k\u00f6cheln zu lassen: die unfundierte, unbegr\u00fcndete Kritik an Israel.<\/p>\n\n\n\n Diese Art der Kritik ist gef\u00e4hrlich. Sie schw\u00e4cht jede begr\u00fcndete und notwendige Kritik am Verhalten Israels. Und das Interessante ist: Trotz all der heftigen, pauschalisierenden Anklagen, all der offenen Briefe driftet Israel politisch immer weiter nach rechts. Doch statt mal einen anderen Ansatz zu versuchen, werden die antiisraelischen Stimmen nur lauter. Dasselbe versuchen und andere Ergebnisse davon erwarten \u2013 das ist die Definition von Wahnsinn.<\/p>\n\n\n\n Kurz bevor der Prozess gegen den wegen des Attentats von Halle<\/a> Angeklagten begann \u2013 des seit Kriegsende schlimmsten Akts von Antisemitismus in Deutschland \u2013, lud eine Lokalzeitung den fr\u00fcheren Botschafter Shimon Stein und den Historiker Moshe Zimmermann ein, dar\u00fcber zu schreiben, was Antisemitismus ist. Nat\u00fcrlich wendeten auch sie sich gegen Felix Kleins Ansatz. Sie zitieren die Kontroverse um die Umbenennung der U-Bahn-Station Mohrenstra\u00dfe in Glinkastra\u00dfe, die sich darum drehte, dass der russische Komponist Michael Glinka Antisemit gewesen sein soll. Stein und Zimmermann halten die Debatte f\u00fcr \u00fcberzogen, Glinka sei nur ein Kind seiner Zeit gewesen. Folgt man ihrer Logik, k\u00f6nnen wir dann also in 20 oder 30 Jahren U-Bahn-Stationen nach den Kindern der 1930er Jahre benennen?<\/p>\n\n\n\n Ich w\u00fcnschte, die Sache h\u00e4tte mit dem Artikel, mit der Petition geendet. Doch dann erschien ein Artikel, der den Leser auf einen Waldspaziergang mit einem veganen Koch und Antisemiten mitnahm. Darin setzt der Tierfreund erst behutsam einen K\u00e4fer wieder auf seine Beinchen und erkl\u00e4rt dann, dass die Todesstrafe in Deutschland wieder eingef\u00fchrt werden solle, um einen gewissen Politiker (der zuf\u00e4llig pro Israel ist) an seinen Hoden aufh\u00e4ngen zu k\u00f6nnen. Dieser Koch hat Hunderttausende Follower, er sagt all solche Dinge am helllichten Tag in Berlin. Und in den Medien.<\/p>\n\n\n\n F\u00e4lle wie dieser handeln bereits von Gewalt \u2013 und sie enden nicht bei den Juden. Der Hass richtet sich gegen Frauen<\/a>, Muslime, Gefl\u00fcchtete, \u00adLBTQI. Am Ende aller theoretischen Debatten stehen immer echte Menschen. Am Ende jeder Konferenz dar\u00fcber, was Antisemitismus ausmacht, steht ein potenzielles j\u00fcdisches Opfer. Angesichts einer Welle von Antisemitismus \u00fcber die Definition von Antisemitismus zu streiten ist, wie eine 10 Meter hohe Welle heranrollen zu sehen und dar\u00fcber zu streiten, was einen Tsunami ausmacht.<\/p>\n\n\n\n Felix Klein versteht, wie absurd es ist, zu sagen: Es sind nur die Rechten. Die Rechten sind Deutsche, so wie die Nazis Deutsche waren. Klein versteht, dass die Deutschen nicht aufgeh\u00f6rt haben, Juden zu ermorden, weil sie irgendeine Art von Erleuchtung hatten. Sondern schlicht, weil sie den Krieg verloren haben. Um den Antisemitismus zu bek\u00e4mpfen, bevor er die Gesellschaft frisst, in der er und wir leben, muss Deutschland seinen moralischen Kompass korrigieren.<\/p>\n\n\n\n Immerhin: Mehr und mehr Deutsche fahren nach Israel, sie wollen ein anderes Narrativ h\u00f6ren. Mehr und mehr Deutsche verstehen, dass Antisemitismus Schockwellen ausl\u00f6st, die die gesamte Gesellschaft betreffen. In einem normalen Universum w\u00fcrde Klein bef\u00f6rdert werden f\u00fcr seine Leistung. In einer verdrehten Gesellschaft fordern Menschen seine Entlassung. Um es mit Mbembe zu sagen: Das ist Nano-Nonsens.<\/p>\n\n\n\n \u00dcbersetzung: Ariane Lemme<\/a><\/em><\/p>\n","post_title":"Felix Klein hat verstanden","post_excerpt":"","post_status":"publish","comment_status":"closed","ping_status":"closed","post_password":"","post_name":"felix-klein-hat-verstanden","to_ping":"","pinged":"","post_modified":"2025-02-02 08:39:39","post_modified_gmt":"2025-02-02 08:39:39","post_content_filtered":"","post_parent":0,"guid":"https:\/\/dctransparency.com\/?p=3786","menu_order":0,"post_type":"post","post_mime_type":"","comment_count":"0","filter":"raw"}],"next":false,"prev":true,"total_page":47},"paged":1,"column_class":"jeg_col_2o3","class":"epic_block_3"};
\n Mark Leonard <\/strong>ist Direktor des Europ\u00e4ischen Rats f\u00fcr Ausw\u00e4rtige Beziehungen.<\/a><\/p>\n","post_title":"Erdo\u011fan \u2013 der andere Putin vor der Haust\u00fcr Europas","post_excerpt":"","post_status":"publish","comment_status":"closed","ping_status":"closed","post_password":"","post_name":"erdogan-der-andere-putin-vor-der-haustur-europas","to_ping":"","pinged":"","post_modified":"2025-02-02 08:39:39","post_modified_gmt":"2025-02-02 08:39:39","post_content_filtered":"","post_parent":0,"guid":"https:\/\/dctransparency.com\/?p=3789","menu_order":0,"post_type":"post","post_mime_type":"","comment_count":"0","filter":"raw"},{"ID":3786,"post_author":"7","post_date":"2020-08-14 13:51:23","post_date_gmt":"2020-08-14 13:51:23","post_content":"\n Einen Monat nachdem ich zur israelischen Armee eingezogen worden war, brach die erste Intifada aus. Statt Soldat zu sein, machte ich Polizeiarbeit, sagte den Menschen, wann sie zur Arbeit gehen konnten und wann sie ihre L\u00e4den schlie\u00dfen mussten, wann sie die Grenze passieren und wann sie schlafen konnten. Einen Monat nachdem ich aus der Armee entlassen worden war, ging ich auf Reisen. (In Israel sagen wir: Wir dienen drei Jahre und versuchen den Rest unseres Lebens, diese drei Jahre zu vergessen.) Auf meiner Reise begann ich Briefe an meine Freundin zu schreiben, die ich in Israel zur\u00fcckgelassen hatte.<\/p>\n\n\n\n Ich schrieb ihr, wie schrecklich depressiv ich war und dass diese drei Jahre des Anweisungenbellens und Anderen-Menschen-Sagens, was sie zu tun haben, mich f\u00fcr immer verfolgen w\u00fcrden. Dass sie ein Teil dessen geworden waren, was ich bin. Ich erinnere mich, dass ich ihr schrieb, dass wir da rausm\u00fcssen \u2013 nicht nur f\u00fcr die Pal\u00e4stinenser, sondern wegen der furchtbaren und brutalen Auswirkungen, die all das auf uns, auf die israelische Gesellschaft haben w\u00fcrde. Sie schrieb zur\u00fcck: \u201eDu hast recht. Ich habe einen neuen Freund.\u201c<\/p>\n\n\n\n Felix Klein wurde als Beauftragter der Bundesregierung berufen<\/a>, um die Auswirkungen des zunehmenden Antisemitismus in unserer Gesellschaft, in Deutschland, zu bek\u00e4mpfen. Was nicht in seiner Jobbeschreibung steht, ist, dass er dabei unsere Gesellschaft heilen muss, jene Gesellschaft, die diese Form des Hasses reproduziert und sch\u00fctzt. Klein hat das begriffen.<\/p>\n\n\n\n Er versteht, dass man Krebs nicht mit einem Pflaster verarztet, er wei\u00df, dass er das Bewusstsein der Deutschen sch\u00e4rfen und Diskussionen ansto\u00dfen muss. Er hat begriffen, dass das Problem nicht nur an den R\u00e4ndern der Gesellschaft (bei den Rechten) liegt, sondern auch in ihrer Mitte. Dort, wo gebildete Menschen nicht einmal bemerken, dass das, was sie sagen und tun, antisemitisch ist. So wie sie es auch nicht merken, wenn sie rassistisch handeln. Er hat all das verstanden, und genau deshalb wollen einige, dass er seinen Posten r\u00e4umt.<\/p>\n\n\n\n Mehr als 60 deutsche und israelische Intellektuelle haben letzte Woche in einem Brief an Kanzlerin Merkel<\/a> dar\u00fcber geklagt, dass der aktuelle \u201eGebrauch des Antisemitismusbegriffs\u201c darauf abziele, \u201elegitime Kritik an der israelischen Regierungspolitik zu unterdr\u00fccken\u201c, und Klein vorgeworfen, rechtspopulistische israelische Stimmen zu f\u00f6rdern.<\/p>\n\n\n\n Faszinierend an diesem offenen Brief ist, dass viele der Unterzeichneten keine Deutschen sind und auch nicht in Deutschland leben. Ich wei\u00df nicht, woher sie \u2013 die meisten von ihnen sind Israelis \u2013 die Chuzpe haben, sich in eine innerdeutsche Angelegenheit einzumischen und zu fordern, eine Person zu entlassen, die von der Bundesregierung eingesetzt wurde. Die H\u00e4lfte der Unterzeichneten lebt nicht hier, von der anderen H\u00e4lfte sind viele keine Juden \u2013 somit sind die allermeisten von ihnen nicht direkt vom Antisemitismus in Deutschland betroffen. Wie also k\u00f6nnen sie diesen Brief unterschreiben? Und warum eigentlich haben so wenige Deutsche unterschrieben? Dazu komme ich gleich.<\/p>\n\n\n\n Hintergrund des Briefs war, dass Felix Klein gefordert hatte, den Philosophen Achille Mbembe<\/a> nicht die Er\u00f6ffnungsrede der Ruhrtriennale halten zu lassen. Als mit \u00f6ffentlichen Mitteln gef\u00f6rdertes Event solle die Ruhrtriennale Mbembe wegen seiner Haltung zu Israels Existenzrecht, seiner Haltung zu BDS und der Art, wie er in einem seiner Werke den Holocaust relativiert, nicht einladen.<\/p>\n\n\n\nDer Antisemit als Tierfreund<\/h6>\n\n\n\n
Der Antisemit als Tierfreund<\/h6>\n\n\n\n
Der Antisemit als Tierfreund<\/h6>\n\n\n\n
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Der Antisemit als Tierfreund<\/h6>\n\n\n\n
Israelkritik als Eintrittskarte<\/h6>\n\n\n\n
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Debatte um Achille Mbembe<\/h6>\n\n\n\n
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